Sie sind auf Seite 1von 16

:antifaschistische Nr.

7
nachrichten g 3336 6.4.2006 22. jahrg./issn 0945-3946 1,30 ¤
www.antifaschistische-nachrichten.de

Unter dem Motto „Gegen rassistische Staatsgewalt,


Vertuschung und Straflosigkeit – Aufklärung des To-
desfalls von Oury Jalloh“ kamen am 1. April ca. tau-
send Menschen von überall zu einer bundesweiten
Demonstration nach Dessau. Eingeladen hatten die
Selbstorganisationen der MigrantInnen und Flüchtlin-
ge wie Plataforma-Berlin, The Voice-Forum, Carawa-
ne, Flüchtlingsinitiative Berlin-Brandenburg und anti-
rassistische Gruppen wie die Antirassistische Initiati-
ve Berlin. Entsprechend stark war die Präsens der
Flüchtlinge und MigrantInnen. Die Demonstration
wurde durchgehend polizeilich gefilmt. Die im Vor-
feld angekündigte Drohung und Untersagung der
Aussage, dass Oury Jalloh ermordet wurde, wurde
durch die konsequente Haltung der OrganisatorIn-
nen zur Farce gemacht. Die selbstorganisierten Mi-
grantInnen und Flüchtlinge gaben mehrfach zu er-
kennen, dass sie solange kämpfen werden, bis die
Wahrheit ans Licht kommt und die Verantwortlichen
zur Rechenschaft gezogen werden.
gb/Plataforma-Nachrichten, The voice berlin ■ Foto: attac Halle, indymedia

23.2.06 – Norman Bordin, Ro-


land Wuttke und andere fir-
mieren nun unter dem Namen
Münchner Neonaziszene
„Bürgerbewegung Pro München –
patriotisch und sozial“ – Kandidatur gibt sich neuen Namen
bei Kommunalwahl 2008 in Mün-
chen geplant – CSU-Mitglied betei- veranstaltung am 17. Januar 2006 konsti- (München) auch ein CSU-Mitglied, wel-
ligt. tuierte, fungieren der frühere JN-Stütz- ches damit mit Neonazis gegen die Kan-
punktleiter Carsten Beck (25), der in didatInnen der eigenen Partei antreten
Zwei Dutzend Münchner Neonazis ha- München den neonazistischen Buchver- will. Thomas S. Fischer hat bei der „Bür-
ben sich zur „Bürgerbewegung Pro sand „veritas“ betreibt, Wolf Dieter gerbewegung“ gar den Posten eines Bei-
München – patriotisch und sozial“ zu- Bombolowsky (62), aktiv im Landesvor- sitzers übernommen.
sammengeschlossen. Unter diesem Na- stand der Deutschen Partei/DP Bayern Der CSU sind die Aktivitäten Fischers
men planen sie auch, zur Kommunal- und Stefan Werner (25), 2005 Kandidat (z. B. in der extrem rechten „Deutsch-
wahl 2008 anzutreten. Mit Norman für die NPD München bei der Bundes- landbewegung“ und dem völkischen Wi-
Bordin (Aktionsbüro Süddeutschland), tagswahl und Aktivist der DP Bayern. tikobund), seine Artikel für neonazisti-
Thomas Wittke (Kameradschaft Mün- Die neonazistische „Bürgerbewegung sche Organe (Nation & Europa, Witiko-
chen), Roland Wuttke (Bezirksvorsit- Pro München“ plant eine Kandidatur bei Brief) und Auftritte (z. B. bei der holo-
zender NPD Oberbayern), Wolfgang der Kommunalwahl in München im caustleugnenden Gesellschaft für freie
Bukow (Ex-REP nun Deutsche Partei- März 2008 sowie die Herausgabe einer Publizistik) seit 1997 bekannt. Bis Ende
Kreisrat in Fürstenfeldbruck), Rüdiger Publikation „Pro München“. Auch ein Januar 2006 zumindest wurde von der
Schrembs (Deutsche Liga für Volk und gleichnamiger Internetauftritt ist in Vor- CSU nicht einmal ein Parteiausschluss-
Heimat, NPD-Bundestagskandidat bereitung. verfahren eingeleitet.
2005) und Renate Werlberger (NPD- Der Name „Bürgerbewegung Pro Die erste Aktivität der „Bürgerbewe-
Bundestagskandidatin 2005) gehören München“ orientiert sich zum einen am gung Pro München“ war die Teilnahme
zum Kreis der neuen „Bürgerbewe- Konzept des Neonazi-Aktivisten Roland am neonazistischen „8. Neujahrstreffen“
gung“ zahlreiche bekannte Münchner Wuttke (Mering, München), unter am 22.1.2006 in München, wo Carsten
Neonazi-AktivistInnen. scheinbar „neutralen“ bzw. „harmlosen“ Beck als Vorstand den neuen Zusammen-
Als Vorstände dieser Bündnisorgani- Namen in die Öffentlichkeit zu treten. schluss den anwesenden Neonazis be-
sation, die sich auf einer Gründungs- Die Mitglieder der „Bürgerbewegung“ kannt machte.
sind teilweise identisch mit dem Ende Gregor Lewin, Antifaschistische
2003 aufgelösten extrem rechten Samm- Informations-Dokumentations- und
Aus dem Inhalt: lungsprojekt „Demokratie direkt“. Archivstelle München e. V. (A.I.D.A.)
Referat von Prof. Klaus Dörre auf Zum anderen lehnen sich die Münch- e-Mail: gregor.
der Jahrestagung der Antifaschisti- ner Neonazis mit der neuen Bezeichnung lewin@aida-archiv.de,
schen Nachrichten am 4.2.06: an die in Köln lokalpolitisch aktive ex- Internet: www.aida-archiv.de ■
Prekarisierung der Arbeitswelt – trem echten Gruppierung „Pro Köln“ an.
Triebkraft eines neuen Rechts- Zu den Gründungsmitgliedern der
populismus? . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7 neonazistischen „Bürgerbewegung Pro
München“ gehört mit Thomas S. Fischer
: meldungen, aktionen
weiterhin ihren Sitz im Gebäude des Ver-
eins Haus Schlesien e.V. in Königswin-
ter. „Probleme und Konflikte“, die zur
Antiamerikanisches für die schaften“ (antifa@fzs.de), wird unter der Beendigung des bestehenden Mietver-
Truppe Überschrift „Wahn GmbH & Co. KG“ hältnisses geführt hatten“, seien „ausge-
ausdrücklich vor der „Bürgerrechtsbewe- räumt“ bzw. konnten „entschärft“ wer-
Bonn/Wiesbaden. In regelmäßiger Fol- gung Solidarität“ gewarnt, die vor allem den. Der Bundesvorsitzende der „Lands-
ge rezensiert die vom „Streitkräfteamt, in Universitätsstädten auftritt. Die mannschaft Schlesien“, Rudolf Pawelka,
Informations- und Medienzentrale der „BüSo“ sei „nichts anderes als eine mit war bis 2005 Aufsichtsratsvorsitzender
Bundeswehr“ herausgegebene Schrift rechtsextremer und antisemitischer Ideo- der umstrittenen „Preußischen Treu-
„Information für die Truppe“ Bücher. In logie durchsetzte politische Sekte, die hand“. Nun sei eine „interne Vereinba-
der aktuellen Ausgabe der „IFDT“ (1/06) von wenigen FührerInnen gesteuert ist“, rung“ getroffen worden, die eine Art
ist es ausgerechnet ein Buch aus dem Dr. heißt es dort abschließend. „Sie hat we- „Verhaltenskodex“ darstelle, die für bei-
Böttiger-Verlag in Wiesbaden, dem der an der Hochschule noch in emanzi- de Partner „verbindliche Regeln der
Hausverlag der bundesdeutschen LaRou- patorischen sozialen Bewegungen etwas künftigen Zusammenarbeit“ enthalte,
che-Connection. zu suchen!“. heißt es im aktuellen „Brief aus dem
„Angesichts der dargestellten Arro- Weitere Informationen unter: Haus Schlesien“. hma ■
ganz fühlt der Leser plötzlich die gleiche http://www.agpf.de/LaRouche.htm und
Ablehnung gegen die Amerikaner in sich http://www.bueso.de.vu hma ■ Großdemonstration in
aufsteigen, wie sie die muslimische Welt
empfindet“, heißt es dort über das Buch Mannheim bleibt verboten
Paneuropa-Tage in
„Die Zukunft des Irak – Pax America- Mannheim. Die 11. Kammer des Ver-
na?“ des ehemaligen deutschen Militär- Magdeburg waltungsgerichts Karlsruhe hat einen
attaches in Bagdad, Oberst a.D. Jürgen Magdeburg. Die diesjährigen „Paneuro- Eilantrag gegen die Versammlungsver-
Hübschen. Der Leser solle das Buch pa-Tage“ der „Paneuropa-Union Deutsch- botsverfügung der Stadt Mannheim vom
„kritisch lesen“, es helfe aber nicht da- land“ (PEU) und der „Paneuropa-Ju- 28.2.2006 abgelehnt. Die Stadt Mann-
bei, die „amerikanische Sichtweise zu gend“ (PEJ) finden vom 5. bis 7. Mai im heim hatte die Großdemonstration, die
verstehen, sondern verleitet eher zu Anti- Magdeburger „Maritim-Hotel“ statt. am 8.4.2006 in Mannheim stattfinden
amerikanismus“. Umgekehrt schaffe es Unter der Schirmherrschaft von Bun- soll und zu der 750 Teilnehmer der rech-
der Autor aber gut, „die arabische Sicht- deskanzlerin Angela Merkel (CDU) lau- ten Szene erwartet werden, verboten. Ge-
weise zu verdeutlichen“. tet das Motto diesmal „Damit Europa gen die von der Stadt Mannheim ange-
Die „amerikanische Kulturarroganz Wurzeln schlägt: PANEUROPA“. Als ordnete sofortige Vollziehbarkeit der
scheint auf Europa übergesprungen zu Referent angekündigt wird neben dem Versammlungsverbotsverfügung richtete
sein“, heißt es in der „IFDT“ abschlie- polnischen Europaparlamentsabgeordne- sich der Antrag auf Gewährung vorläufi-
ßend. Dies erkläre, „warum sich der ten Prof. Dr. Zbigniew Zaleski, Prof. Dr. gen Rechtsschutzes.
Hass vieler Muslime auf die USA nun Karl Graf Ballestrem, dem Außen- und In den Gründen ihrer Entscheidung
plötzlich gegen den gesamten Westen europapolitischen Sprecher der CSU im legt die Kammer dar, dass hinreichende
richtet“. Bundestag Thomas Siberhorn, dem Anhaltspunkte für eine unmittelbare Ge-
Im Dr. Böttiger-Verlag unter Ge- E.ON-Vorstandsmitglied Hartmut Geld- fährdung der öffentlichen Sicherheit bei
schäftsführung von Helmut Böttiger macher und dem Präsidenten des Bun- Durchführung der Versammlung bestün-
(Taunusstein) erscheint auch die Wo- desverbandes Erneuerbare Energie e.V. den. Der Inhalt der beabsichtigten Ver-
chenzeitung „Neue Solidarität“, die die Johannes Lackmann auch Prof. Dr. Erich sammlung verstoße aller Voraussicht
sogenannte „Bürgerrechtsbewegung So- Reiter aus Österreich. Dieser war bis vor nach schon wegen des angekündigten
lidarität“(BüSo) protegiert, ein Produkt kurzem Sektionschef im „Österrei- Themas „Schafft Meinungsfreiheit –
des amerikanischen Millionärs Lyndon chischen Bundesministerium für Vertei- Freiheit für ZÜNDEL, RUDOLF, VER-
LaRouche und seiner Frau Helga Zepp- digung“. Nachdem Reiter in ei-
LaRouche. Für die „BüSo“ kandidierte nem Interview mit dem Wochen-
Dr. Helmut Böttiger 1994 für das Euro- magazin „News“ für eine EU-
paparlament. Außerdem arbeitete Bötti- Atomwaffe eingetreten war, wur-
ger im „Arbeitskreis Demokratiereform“ de er von Verteidigungsminister
mit, einem Mitglied der nationalistischen Platter wegen „Vertrauensverlust
„Deutschland-Bewegung“ um Alfred mit sofortiger Wirkung“ von sei-
Mechtersheimer. ner Aufgabe entbunden. Reiter,
Die Dr. Böttiger-Verlags GmbH und der viele Jahre der FPÖ angehör-
die Zeitung „Neue Solidarität“ unter- te, schreibt auch für die Wochen-
zeichneten 2002 eine „Resolution zur zeitung „Zur Zeit“, dem österrei-
Wiederherstellung der Einheitlichkeit chischen Ableger der „Jungen
der deutschen Rechtschreibung“ des Freiheit“, und war Ende der 90er
Blattes „Deutsche Sprachwelt“. Diese Jahre stellvertretender Vorsitzen-
Resolution wurde auch von der Zeit- der der „Genius-Gesellschaft für
schrift „Das Freie Forum“ der neofa- freiheitliches Denken“, in der sich
schistischen „Gesellschaft für freie Pu- FPÖ-Dissidenten, enttäuschte
blizistik“ (GfP), dem deutschtümelnden „National-Freiheitliche“ und an-
„Eckartboten“ aus Österreich, dem „Ost- dere Haider-Gegner sammelten.
preußenblatt“ und der „Jungen Freiheit“ hma ■
unterstützt. Im August 2005 nahm Buch-
autor Jürgen Hübschen am „Außenpoliti- Neuer Mietvertrag
schen Forum“ der „BüSo“ in Berlin teil.
In einem Faltblatt des „fzs“, dem „Freien Königswinter. Die „Lands-
Zusammenschluß von StudentInnen- mannschaft Schlesien“ hat auch

2 : antifaschistische nachrichten 7/2006


BEKE und IRVING“ gegen strafrechtli- weil der Widerstand zu nicht unbedeu- fremd“ werde deshalb noch immer von
che Bestimmungen. Das genannte Motto tenden Teilen von SchülerInnen getragen drohenden Umsatzeinbußen „gefaselt“;
nehme Bezug auf vier weltweit agieren- wurde, konnte dieser Blockadepunkt für erforderliche gesetzliche Maßnahmen
de Revisionisten, die in einer Vielzahl ca 1 1/2 Stunden gehalten werden. (Zur würden „torpediert“.
von Veröffentlichungen den Holocaust Orientierung: Der offizielle Beginn der Thomas Klaus ■
leugneten und ein den Nationalsozialis- Nazi-Veranstaltung sollte ursprünglich
mus verharmlosendes Geschichtsbild 12.00 Uhr sein. Das Ende dieser ersten Rassismus in der Oberliga
propagierten. Blockade fand gegen 16.00 Uhr statt ... 4
Mit der Forderung nach Meinungsfrei- Stunden Regen und Rumstehen für Reitz NOFV Süd
heit billige der Veranstalter deren bereits und Co ...). Berlin. Die rassistischen Zwischenfälle
öffentlich verbreitete Meinung, insbe- Bereits nach diesem Aufenthalt ver- beim Oberligaspiel des Halleschen FC
sondere die Leugnung des Völkermords, kürzte die Polizei die Marschroute der gegen Sachsen Leipzig (2:2) haben ein
der Massenvernichtung der europäischen Nazis auf eine kleinere Schleife. Aller- Nachspiel – für das Opfer. Wie der Spre-
Juden unter der nationalistischen Herr- cher der Polizeidirek-
schaft. Der öffentliche Friede werde tion Halle/Saale mit-
durch Aufmärsche von Rechtsextremis- teilte, hat die Polizei
ten gestört, die unter dem Deckmantel in Halle gegen den ni-
ihrer Forderung nach Meinungsfreiheit gerianischen Fußbal-
und Freiheit für die vier inhaftierten Re- ler von Sachsen Leip-
visionisten in Wahrheit nationalistisches zig, Adebowale
Gedankengut verbreiten wollten. Die Ogungbure, Anzeige
Gefahr, dass Straftaten begangen wür- nach Paragraph 86 a
den, wenn die Veranstaltung am 8.4.2006 (Verbreiten von Pro-
zugelassen werde, drohe auch im Hin- pagandamitteln ver-
blick auf einzelne Redner. fassungswidriger Or-
In Verbindung mit dem Motto der Ver- ganisationen) erstattet
sammlung sei auch die angekündigte und entsprechende Er-
Verwendung schwarz-weißroter Fahnen mittlungen aufgenom-
aller Wahrscheinlichkeit nach strafbar. men. Dem Schwarz-
Die Stadt Mannheim hebe in ihrer Ver- Fronttransparent der Neonazi-Demonstration in Gütersloh afrikaner wird vorge-
botsverfügung zu Recht darauf ab, dass worfen, den Hitler-
durch den Einsatz einer unbegrenzten dings stießen sie wenig später erneut auf Gruß gezeigt zu haben.
Anzahl dieser Fahnen an die damaligen eine Blockade. Nach nunmehr 5 Stunden Nach übereinstimmenden Medienbe-
Aufmärsche des NS-Regimes erinnert in der Pampa rumstehen, hatten die Na- richten war Ogungbure, 24, am Samstag
werden solle. sen endgültig dieselben voll und erklär- in Halle während fast des gesamten
Presseerklärung des Verwaltungsge- ten sich einverstanden, die Demonstrati- Spiels Opfer rassistischer Schmähungen
richts Karlsruhe vom 24.3.06 on vorzeitig abzubrechen, um zum Bahn- gewesen. Er sei als „Drecksnigger und
zum Beschluss vom 22.03.2006 – 11 K hof zurückzukehren. Dies wurde Ihnen Bimbo“ beschimpft worden, wird
632/06 -. Der Beschluss ist nicht rechts- (sowohl von der Polizei als auch von den Ogungbure zitiert. Auch Dritte berichte-
kräftig. Den Beteiligten steht hiergegen Antifas) gerne gewährt. ten, der Nigerianer habe 90 Minuten lang
die Beschwerde an den Verwaltungsge- So haben die zugereisten Nazis nicht so genannte Affenlaute über sich ergehen
richtshof Baden- Württemberg zu. ■ viel von Gütersloh zu sehen bekommen lassen müssen. Die Lage eskalierte nach
und dafür auch noch über 5 Stunden ge- Halles Ausgleich zum 2:2 in der Schluss-
Nazis fahren frustriert nach braucht. minute: Fans beider Vereine versuchten,
Mehr zum Aufmarsch in Gütersloh unter den Rasen zu stürmen, wurden aber von
Hause www.courage-gegen-rechts.de.vu ■ 450 Polizisten zurückgedrängt. Als
Gütersloh. Einer verhältnismäßig ge- Ogungbure den Rasen verlassen wollte,
ringen Zahl von AntifaschistInnen ge- Rechtsextremisten wollen seien die Schmährufe wieder aufgebran-
lang es heute in Gütersloh, den Nazis den det. Daraufhin zeigte Ogungbure den
geplanten Aufmarsch gehörig zu vermie- Rauchverbote Halleschen Anhängern den Hitler-Gruß
sen. Nach etlichen Stunden Beine-in- Berlin. In die Debatte um den Nichtrau- sowie „das Diktatorbärtchen“, indem er
den-Bauch-stehen, gaben die Faschisten cherschutz in der Bundesrepublik hat zwei Finger der anderen Hand an seine
nach der zweiten Blockade der Alterna- sich jetzt auch die rechtsextremistische Oberlippe führte. „Ich wollte zeigen,
tiv-Strecke endgültig auf und ließen sich „Nationaldemokratische Partei Deutsch- dass ich mir nichts gefallen lasse“, zitier-
über einen Wirtschaftsweg an der Bahn- lands“ (NPD) eingeschaltet. In einem te die Bild den Spieler, der tätlich ange-
linie entlang zurück zum Bahnhof führen Leitartikel im offiziellen Parteiorgan griffen und bespuckt wurde. Der Leipzi-
– schweigend und mit wirklich dickem „Deutsche Stimme“ werden kategorische ger Volkszeitung sagte er: „In meiner
Hals ... Rauchverbote auf Fußballfeldern und in ganzen Karriere wurde ich noch nicht so
Nachdem es bereits kurz nach Ankunft der Gastronomie gefordert – „aus Grün- behandelt wie in dieser Oberliga.“
der Faschisten am Bahnhof zum ersten den des Erhalts der Volksgesundheit, der Ostdeutsche Medien unterstützten dies
Schock für sie kam, weil einige Antifas Kameradschaft gegenüber Nichtrauchern noch durch ihre Berichterstattung. „Für
sich einfach unter sie gemischt hatten und der Vorbildfunktion als Familienpar- den negativen Höhepunkt des Derbys
und nun ihr Transparent vor ihre Nase tei“. sorgte der Leipziger Adebowale Ogung-
hielten, kam der Aufzug schon nach we- Den Funktionären des Deutschen Ho- bure. Nachdem er von aufgebrachten
nigen hundert Metern zum Halten. Etwa tel- und Gaststättenverbandes (DEHO- Fans provoziert worden war, ließ sich der
100 AntifaschistInnen gelang es, sich auf GA) wird von der vom Verfassungs- Nigerianer beim Abgang vor der Haupt-
die Demonstrationsroute der Nazis zu schutz seit Jahrzehnten beobachteten tribüne zum Hitlergruß hinreißen“,
stellen und so zu blockieren. Partei vorgeworfen, sie ließen sich von schrieb zum Beispiel die Mitteldeutsche
Da die Polizei in Gütersloh von Be- der Tabakindustrie „unterstützen“, Zeitung aus Halle.
ginn an stark auf Deeskalation setzte, sprich: bestechen: „Völlig wirklichkeits- Quelle: SZ 28.3.2006 ■

: antifaschistische nachrichten 7/2006 3


NPD kandidiert in Rechte wollen bei WM
aufmarschieren
Verden und Dörverden Berlin. Berichten des „Tagespiegel“ zu-
folge, will die rechtsextreme Szene wäh-
rend der Fußball-Weltmeisterschaft mit
Wie die Verdener Nachrichten vom mit 4,04 Prozent ihr mit Abstand bestes gezielten Provokationen Aufmerksam-
29. März 2006 berichteten, will die Ergebnis im Wahlkreis Rotenburg-Ver- keit erregen. Nach Erkenntnissen von
NPD bei den niedersächsischen den. „Szenebeobachter“, so die Verdener Verfassungsschützern planen NPD und
Kommunalwahlen am 10. September mit Nachrichten, berichten, dass die Neona- Neonazis mehrere Demonstrationen, um
eigenen Kandidaten sowohl für den zis in der Gemeinde eine zunehmende sich mit dem judenfeindlichen Staatsprä-
Kreistag wie auch für den Verdener Zahl von Anhängern um sich scharen. sidenten Irans, Mahmud Ahmadined-
Stadtrat und den Gemeinderat Dörverden Unter den 7514 Wahlberechtigten bei der schad, zu solidarisieren. Ahmadined-
antreten. Demnach sind für die Kreis- Kommunalwahl befinden sich 602 Jung- schad ist bei Rechtsextremisten populär,
tagswahlbereiche Dr. Rigolf Hennig und wähler im Alter zwischen 16 und 21 Jah- weil er den Holocaust leugnet und die
Malte Bormann (Verden/Dörverden), ren. Vernichtung Israels fordert. Fünf Auf-
Sven Wellhausen (Oyten/Ottersberg), Unterdessen verstrickt sich der Ham- märsche hätten NPD und Neonazis be-
Daniel Fürstenberg (Langwedel/Kirch- burger Nazianwalt Jürgen Rieger immer reits angemeldet, sagten Verfassungs-
linteln/Thedinghausen) und Matthias tiefer in juristische Auseinandersetzun- schützer dem Tagesspiegel.
Schultz (Achim) nominiert wor- Am 10. Juni, dem ersten Tag nach Be-
den. ginn der WM, wollten die Rechtsextre-
Zudem wollen Hennig und misten in Gelsenkirchen demonstrieren.
Wellhausen auch für den Verde- Vier weitere Märsche seien zwischen
ner Stadtrat und Schultz und dem 3. Juni und dem 25. Juni in Thü-
Fürstenberg für den Gemeinde- ringen angemeldet. Wahrscheinlich wer-
rat Dörverden kandidieren. Der de die Szene eine ganze Serie von De-
NPD-Kandidat für Verden, Dr. monstrationen während der WM insze-
Rigolf Hennig, praktizierte als nieren.
Chirurg für die Berufsgenossen- Die Rechtsextremisten setzten darauf,
schaft der Krankenkassen. Der dass die bei der Weltmeisterschaft stark
„Braune Arzt im weißen Kittel“ strapazierte Polizei „ein geschwächter
(Vgl.:HAZ, 6.7.1992) ist seit Gegner sein wird“, warnte ein Verfas-
über 20 Jahren als Funktionär in sungsschützer. Neben den Aufmärschen
den verschiedenen Organisatio- plant die NPD nach Informationen ande-
nen der extremen Rechten, so in rer Sicherheitsexperten eine weitere Pro-
den Jahren 1989 bis 1990 als Kreisvorsit- gen um die Nutzung des Heisenhofes. vokation: Zur Weltmeisterschaft solle
zender der „Republikaner“ in Verden in Beim Oberverwaltungsgericht Lüneburg eine CD mit einschlägiger Musik produ-
Erscheinung getreten. Ab Anfang der sind inzwischen sechs Verfahren anhän- ziert und an Fußballfans verteilt werden.
1990er Jahre gehörte er zu den Grün- gig. Da auf dem Heisenhof nach wie vor Auf dem Cover sei ein Bild des Kapitäns
dungsmitgliedern der „Deutschen Liga ein Kommen und Gehen herrsche, werde der deutschen Weltmeistermannschaft
für Volk und Heimat“, zu deren Beisitzer gegen das Verbot einer dauerhaften von 1954, Fritz Walter, vorgesehen. Die
im Bundesvorstand Henning gewählt Wohnnutzung verstoßen, lautet eine der NPD hatte schon vor der Bundestags-
wurde. 1997 wechselte er über zum re- Begründungen, warum die beantragten wahl mit einer CD Ärger verursacht. Sie
vanchistischen Wittikobund. Zuletzt im Umbaumaßnahmen des ehemaligen Ka- wurde gratis vor Schulen verteilt, es kam
Dezember vergangenen Jahres wurde Ri- sernengeländes als Wohnort und braunes zu Konflikten mit Nazi-Gegnern.
golf Hennig vom Landgericht Lüneburg Schulungszentrum bislang nicht geneh- Sorge bereitet Verfassungsschützern
zu 9 Monaten Haft ohne Bewährung ver- migt wurden. im Vorfeld der WM auch die Verbindung
urteilt. Dies geschah aufgrund eines von Dagegen, wie auch über die Nachbe- zwischen der teilweise rechtsextremen
ihm verfassten Artikels im „Reichsbo- handlung seines Antrages auf den Bau deutschen Hooliganszene und den als be-
ten“, einem „Blättchen“, welches unter einer Kleinkläranlage hat Rieger den sonders brutal geltenden polnischen Fuß-
anderem von Hennig herausgegeben Landkreis wegen Untätigkeit verklagt. In ballrandalierern. Die Hooligans aus dem
wird. Der Inhalt dieser Veröffentlichung Retour ging dem Direktor der Wilhelm- Nachbarland verbreiten derzeit in der
stellt laut Gericht „eine schwere Verun- Tietjen-Stiftung vor wenigen Wochen deutschen Szene die professionell ge-
glimpfung des Staates“ dar. eine Abrissverfügung für eins der Ge- machte Publikation „Der Grenzgänger“,
Hennigs Uneinsichtigkeit und seine bäude zu. Darin wird Rieger aufgefor- in der wüste Schlägereien glatzköpfiger
Versicherung, weiterhin solche Schriften dert, das ehemalige Offizierswohnheim Fußballfans sowie Schlachten mit der
zu veröffentlichen, bewog das Gericht abzureißen, nachdem ihm für den Um- Polizei am Rande polnischer Fußball-
dazu, seine Strafe nicht auf Bewährung bau bereits die Genehmigung versagt spiele bejubelt werden. Sicherheitsexper-
auszusetzen. Jedoch muss er seine Zeit worden war. Auf Rieger wartet ein langer ten befürchten, dass mehr als 130 Seiten
hinter Gittern aufgrund seines Alters von Weg, wenn die Gemeinde all ihre Be- starke Heft sei eine Anleitung für Kra-
71 Jahren nur im offenen Vollzug verbü- scheide und Auflagen im Instanzenweg walle bei der Weltmeisterschaft.
ßen. gerichtlich klären lassen will. Als gefährdet gilt vor allem Berlin we-
Bei Daniel Fürstenberg und Matthias Unterdessen plant das Dörverdener gen seiner Nähe zur polnischen Grenze.
Schultz handelt es sich um ehemalige Bündnis gegen Rechtsextremismus den Im vergangenen November hatten sich
Heisenhof-Bewohner, die nach ange- nächsten Sonntagsspaziergang. Er soll polnische und deutsche Hooligans zu ei-
drohtem Zwangsgeld vorübergehend am 14. Mai wieder zum Heisenhof füh- ner verabredeten Schlägerei in einem
nach Verden zogen und sich jetzt wieder ren, Beginn ist um 14.30 Uhr. Wald nahe Frankfurt (Oder) getroffen.
in Dörverden angemeldet haben. Bei den kun ■ Dabei mischten mindestens fünf deut-
Bundestagswahlen im vergangenen Sep- (weitere Infos unter sche Neonazis mit.
tember erzielte die NDP in Dörverden http://www.heisenhof-dichtmachen.tk/) Tagesspiegel online, 30.3.2006 ■
: antifaschistische nachrichten 7/2006
4
Sachsen-Anhalt. Der DVU, die Landtagswahlen für Rechte enttäuschend
mit einem riesigen Aufwand an
Werbung und mit persönlichen
Briefen an ausgesuchte Wähler ihren
„Deutschlandpakt“ soll aber
Wahlkampf geführt hat, ist es nicht
gelungen, in den Landtag von Sach-
sen-Anhalt einzuziehen. In einer Pres-
fortgesetzt werden
semitteilung der Initative Zivilcoura- ten war, mit ähnlichem Erfolg wie 1998 2,5 % sind deutlich vor der NPD posi-
ge Halle heißt es dazu: wieder in das Landesparlament einzu- tioniert.
ziehen erhielt nur 3 % = 26 894 Stim- Eines ist aber in beiden Bundeslän-
„Auch wenn jetzt alle aufatmen und fest- men. dern Trend: Die REP erzielten in beiden
stellen, das die demokratischen Parteien Im Süden des Landes schnitt sie in den Bundesländern früher höhere Ergebnisse
das Problem DVU gelöst haben, spre- Wahlkreisen Nebra (5,7 %), und befinden sich im Abwärtstrend.
chen die Zahlen über Opfer rechter Ge- Naumburg (5,0 %), Die NPD legt bei den Wahlergebnis-
walt eine andere Sprache. Allein in den Zeitz (4,8 %) und sen insgesamt zu und ihr gelingt es auch
neuen Bundesländern wurden 2005 ins- Hohenmölsen-Weißenfels (4,6 %) zunehmend, flächendeckender zu kandi-
gesamt 614 rechtsextremistisch moti- allerdings deutlich besser ab. dieren. In einigen Regionen hat sie auch
vierten Gewalttaten, davon 170 in Sach- deutlich bessere Ergebnisse als im Lan-
sen-Anhalt registriert. Pömmelte, Kö- Die REP können mit 0,5 % und 4321 desdurchschnitt:
then und Halberstadt stehen in diesem Stimmen ebenfalls nicht zufrieden sein, Einzelergebnisse Rheinland-Pfalz:
Jahr für Fremdenfeindlichkeit und Into- schnitten aber gegenüber der Bundes-
leranz in Sachsen-Anhalt. tagswahl 2005, wo sie nur 0,3 % hatten, Donnersbergkreis 3%
Die Initiative Zivilcourage, das halle- sogar etwas besser ab. Kreisstadt Kaiserslautern 1,8%
sche Bündnis für Demokratie, Toleranz Südwestpfalz 1,9%
und Gewaltlosigkeit, ruft alle verant- Noch geringer fiel das Ergebnis für Worms 2,5%
wortlichen Politikerinnen und Politiker „Pro DM“ (0,1 % und 989 Stimmen) Zweibrücken 2,2%
aber auch alle Bürgerinnen und Bürger und Offensive Deutschland-DSU aus Einzelergebnisse Bad.-Württemberg:
Sachsen-Anhalts dazu auf, das Engage- (0,3 % = 2561 Stimmen).
ment gegen Rechtsextremismus intensiv Sindelfingen 1,7%
NPD-Ergebnisse bei den Wahlen
fortzusetzen. Mötzingen 2,0%
Die Gefahr der Instrumentalisierung
am 26.3.2006: Villingen-Schwenningen 3,8%
der Probleme in unserem Land durch ex- Die vorläufigen Endergebnisse der Brigachtal 2,8%
tremistische Kräfte ist unverändert akut. Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz und Tuningen 2,7%
Dringend notwendig es ist, in Sachsen- Baden-Württemberg sind für die NPD
Anhalt deutlich mehr Mittel für Jugend- nicht wirklich ein Erfolg. Parteichef Bei den zeitgleich stattfindenden Kom-
bildungsarbeit, das zivilgesellschaftliche Udo Voigt spielt in seiner Stellungnah- munalwahlen in Hessen holte die NPD
Engagement und die Existenzsicherung me die enttäuschenden Ergebnisse runter in Frankfurt mit 1,4% ein Mandat
entsprechender Einrichtungen und Verei- als „typische Westergebnisse“. Wölfersheim: 10,2%
ne bereitzustellen.“ Kreistagswahl Wetterau: 3,6%
Initiative Zivilcourage Halle zum Rheinland-Pfalz: 1,2% = 21056 Stim- Kelkheim 3,1%
Ergebnis der Landtagswahlen in men, hier gibt es zwar Wahlkampfkos- Gemeindewahl Stadt Leun 8,3%
Sachsen-Anhalt tenerstattung für die NPD, aber die Kon- Lahn-Dill-Kreis 1,9%
iz@friedenskreis-halle.de ■ kurrenz, die REP liegen mit 1,7 % = Durchhalteparolen bei den REP:
29923 Stimmen noch deutlich vor der
Ergebnisse rechter Parteien in NPD. Der Bundesvorsitzende der „Republika-
Sachsen-Anhalt: ner“ Rolf Schlierer kommentierte die
Baden-Württemberg: NPD 0,7% = anhaltend schlechten Wahlergebnisse für
Die DVU, die gehofft hatte, nach vier 29222 Stimmen. Wahlkampfkostener- seine Partei als „keine gute Nachricht“.
Jahren, die sie nicht im Landtag vertre- stattung gibt es hier nicht, die hätte es Der CDU sei es gelungen, „mit Alibi-
erst ab 1 % gegeben. Die REP mit Aktionen wie der Scheindiskussion um
den sog. Einbürgerungs-Fragebogen ein
für die Republikaner wichtiges Themen-
DFB will gegen Propaganda der NPD vorgehen feld politisch zu neutralisieren.“
Nach der folgenlosen Unterschriften-
Frankfurt. Der Deutsche Fußballbund als auch aktion der Hessen-CDU gegen den Dop-
Werder Bremen haben angekündigt, rechtliche pelpass drohe jetzt ein neuer schwarzer
Schritte prüfen zu lassen gegen einen sog. WM-Pla- Super-Wahlbetrug nach dem Motto: Vor
ner, den die NPD veröffentlicht hat. Darin ist ein der Wahl Sprüche klopfen – nach der
Foto vom Trikot des deutschen Nationalspieler Pa- Wahl nichts tun. Wie immer wird die
trick Owomoyela von Werder Bremen abgedruckt. „totale Medienblockade“ beklagt, die
Die Bildunterschrift spielt in provokanter Weise auf verhindere, dass die Positionen der REP
die deutsch-afrikanische Abstammung des Fußbal- richtig rüberkommen könnten. Nichts
lers an. deutet in seiner Stellungnahme aller-
Immer wieder werden vor allem dunkelhäutige dings darauf hin, dass er einen Beitritt
Spieler zum Ziel rechtsradikaler Hasstiraden. Jetzt, zum Deutschlandpakt von DVU und
im Vorfeld der Weltmeisterschaften, denen die inter- NPD in Erwägung zieht. Dies wird wohl
nationale Weltöffentlichkeit sicher ist, soll nach weiter an der Parteibasis praktiziert wer-
Möglichkeit vermieden werden, dass solche Bilder den, was den Zerfallsprozess dieser Va-
und Berichte um die Welt gehen. u.b. ■ riante neofaschistischer Politik nur wei-
ter befördern kann. u.b. ■

: antifaschistische nachrichten 7/2006 5


Frankreichs Jugend ist in Aufruhr, je- Frankreich:
denfalls zu größeren Teilen. Auch
unter Arbeitern und Angestellten
nimmt die Bereitschaft zu Streiks und Ar-
beitsniederlegungen zu, um die Demonta-
Extreme Rechte hetzt weiter
ge des Kündigungsschutzes u.a. durch den
so genannten „Ersteinstellungsvertrag“
(CPE) noch zu verhindern. Auch wenn der
gegen die Protestbewegung
von vielen Angehörigen der Protestbewe- rungspartei UMP, der das Projekt dezidiert Die rechtsextreme Wochenzeitung ,Na-
gung geforderte „Generalstreik“ bisher unterstützt. Bisher gelingt es der konserva- tional Hebdo‘, die der Partei Le Pens zu 40
nicht eingetreten ist, sondern die Arbeits-
niederlegungen von abhängig Beschäftig-
tiv-liberalen UMP aber nicht, eine aktive % unmittelbar gehört, stößt in dasselbe
ten (anders als die studentischen Streiks) Unterstützung für ihr Vorhaben auch auf Horn. Unter der Überschrift: „Einmal
sich jedenfalls bislang im Rahmen 24-stün- der Straße oder in den Universitäten zu mehr, einmal zu viel: DER ILLEGALE
diger Aktionstage hielten, spitzt sich der so- mobilisieren. STREIK“ liest man in ihrer Ausgabe vom
ziale Konflikt derzeit zu. Die extreme Rechte ihrerseits bemüht 30. März: „Der vielfältige Streik, der mehr
sich um eine Profilierung auf absoluten oder minder die Aktivität in unserem Lan-
Präsident Chiracs Ansprache im französi- Hardliner-Positionen, wohl mit dem Hin- de lähmt, ist total illegal. Genauer gesagt,
schen Fernsehen vom Freitag Abend, 31. tergedanken, dadurch als die konsequente- handelt es sich um eine Vielzahl von ille-
März, die ein höchst unklares Kompro- re Rechte auftreten und auch um die Sym- galen Streiks, die organisiert werden, und
missangebot enthielt, konnte die Wogen pathien schwankender konservativer Wäh- die einen doppelten Skandal darstellen.
nicht glätten. Dieses „Angebot“ sieht un- ler werben zu können. Dies in einer Peri- Skandal der angeblich repräsentativen Ge-
gefähr so aus: Der Präsident unterzeichnet ode, da sie selbst unter dem Abwerbedruck werkschaften (...) die sich ohne Zurück-
das Gesetz, das damit automatisch in Kraft haltung illegalen Aktionen
tritt; er stellt aber zugleich Änderungen in hingeben. Und Skandal ei-
Aussicht, die ihrerseits ein neues Gesetz- ner Regierung, die so tut,
gebungsverfahren benötigen würden. Im als sähe sie nichts, wäh-
Prinzip ging es ihm ganz klar nur darum, rend sie die Gewerkschaf-
den Gewerkschaften die Eröffnung von ten niederschlagen könn-
Verhandlungen über ein solches neues Ge- te.“
setz anzubieten – die aber nur dann zu ei- Die Wochenzeitung ,Mi-
nem Abschluss kommen könnten, wenn nute‘, die eine Scharnier-
die Lohabhängigenorganisationen den funktion zwischen der neo-
CPE (und damit die Verringerung des faschistischen Rechten und
Kündigungsschutzes) im Kern akzeptie- bestimmten konservativen
ren, um nunmehr über die konkreten Mo- Milieus inne hat, kommt
dalitäten seiner Anwendung zu diskutie- am 22. März 06 auf die
ren. Studierende, Lohnabhängige, Schüler – wr werden gewinnen. Verhaftung von militanten
Händeringend versuchen auch andere Alle Prekäre, alle solidarisch! Neofaschisten in der Nähe
Politiker des bürgerlich-konservativen La- der Pariser Sorbonne zu-
gers, irgendwie doch noch die prinzipielle des hyperaktiven konservativen Innenmi- rück. Dabei werden die Gewalttätigkeiten
Zustimmung eines Teils der Gewerkschaf- nister Nicolas Sarkozy steht: Dieser äußer- gegen Protestierer oder „linke Randalie-
ten zum neuen Regelwerk zu erreichen, in- te erst jüngst in einem Interview mit der rer“ kein bisschen verheimlicht. Stolz be-
dem sie bereit sind, an den konkreten Aus- Tageszeitung ,Le Parisien‘ (vom 29. März kennt sich die Zeitung dazu und beklagt
führungsbestimmungen Abstriche zu ma- 06), er wolle „Wähler des Front National gleichzeitig ein Komplott gegen die rech-
chen. In der laufenden Woche werden vor umwerben“ und diese „jeden einzeln ge- ten Aktivisten. Originalton: „Nationalis-
allem der Dienstag und der Mittwoch (4. winnen“. ten, Royalisten, Katholiken oder Identitäre
und 5. April) zu entscheidenden Wende- Über die bereits in der vorigen Ausgabe (letztere sind militante Neonazis, Anm.
punkten der Ereignisse werden. Am 4. (AN 6/2006) publizierten Informationen B.S.) – sie waren gekommen, um ,linke
April ist zunächst ein erneuter Aktionstag hinsichtlich des Agierens der extremen Chaoten zu klatschen‘. Sie glaubten, dass
mit massiven Straßendemonstrationen und Rechten in dieser Situation hinaus, gibt es die Polizisten ihre Verbündeten seien. Sie
24-stündigen Streiks in vielen Sektoren folgende neue Erkenntnisse zu vermelden: sahen sich auf bösartige Weise in die Zan-
geplant. Ab dem 5. April wird sich die Fra- In einem Kommuniqué an die französi- ge genommen und werden vor Gericht ge-
ge entscheiden, ob es darüber hinaus in sche Presse erklärte Jean-Marie Le Pen, es stellt werden.“ Der gesamte Artikel, eine
größerem Ausmaß zu unbefristeten Aus- handele sich bei den neuerlich geplanten Seite lang, ist aus Sicht der militanten
ständen „bis zur Rücknahme des CPE“ Arbeitsniederlegungen gegen den CPE um rechten Aktivisten verfasst, die am 18.
kommt, wie der radikalere Flügel der fran- einen „Verstoß gegen die Demokratie“. März im Pariser Quartier Latin unterwegs
zösischen Gewerkschaften es anstrebt. Sie seien schlichtweg „illegal“, da das po- waren. Er steht unter der Überschrift: „Die
Jean-Marie Le Pen: Streikende vor den sitive Recht (Anm.: Artikel L. 521-1 des Nationalisten werden sich daran erinnern:
Richter! Arbeitsgesetzbuches, Code du travail) vor- Die bösartige Manipulation von (Innenmi-
schreibe, dass Streiks, um gesetzmäßig zu nister) Sarkozy.“
Die Protestbewegung kann bisher auf die sein, auf die Erfüllung „berufsbezogener Eine jüngste Umfrage des IFOP-Insti-
Unterstützung einer klaren Mehrheit in der Forderungen“ abzielen müssten. Da es tuts unter 14.269 jungen Leuten zwischen
französischen Gesellschaft bauen. In den sich um politische Streiks handele, die 18 und 24 Jahren belegt, dass die extreme
letzten Märztagen sprachen sich in Reprä- Druck auf den Gesetzgeber ausüben soll- Rechte parallel zum aktuellen sozialen
sentativumfragen 62 % zugunsten der ten, sei diese Erfordernis nicht gegeben. Konflikt an Boden verloren hat. Die Sym-
Proteste aus, nur 27 % dagegen. Die Ab- Die Pariser Abendzeitung ,Le Monde‘ pathiewerte für den Front National fielen
lehnung des CPE, und damit der Aushebe- vom 30. März fasst den Auftritt des FN- demnach in dieser Altersgruppe von 9,8 %
lung des Kündigungsschutzes, reicht also Vorsitzenden vor der Presse in einer Kurz- (zum Jahreswechsel 2005/06) auf noch 6,9
bis weit in die bürgerliche Mitte. Aller- meldung zusammen: „Monsieur Le Pen %, im März dieses Jahres. (Vgl. ,Le Mon-
dings existiert auch ein harter Kern in der wünscht, dass die gegen den CPE Strei- de‘ vom 24. März)
konservativen Wählerschaft der Regie- kenden vor Gericht gestellt werden.“ Bernhard Schmid, Paris ■

6 : antifaschistische nachrichten 7/2006


Prekarisierung der Arbeitsgesellschaft –
Triebkraft eines neuen Rechtspopulismus?
Tagung der AN am 4. 2.2006 Professor Klaus Dörre, Friedrich-Schiller-Universität Jena

Ich möchte zu einem Thema nissen tätig. Dazwischen expandiert eine Zufriedenen und die Abgehängten entwi-
sprechen, zu dem sich Industrie- „Zone der Prekarität“ mit heterogenen ckeln aus unterschiedlichen Gründen
und Wirtschaftssoziologen eher Beschäftigungsformen, die sich allesamt Strategien, um in einer Lebenssituation,
selten äußern. Es geht um den Zusam- dadurch auszeichnen, dass sie oberhalb die durch strukturelle Unsicherheit ge-
menhang zwischen einer Prekarisierung eines kulturellen Minimums nicht dauer- kennzeichnet ist und eine Art „Provisori-
der Arbeitsgesellschaft und rechtspopu- haft Existenz sichernd sind. Am unteren um im Dauerzustand“ konstituiert, über-
listischen Orientierungen. Ende bildet sich eine – in Deutschland leben zu können. Das Ziel einer Über-
1. Die These noch relativ kleine – „Zone der Entkop- windung von Prekarität oder Ausgren-
pelung“ heraus, in welcher sich die von zung haben diese Gruppen im Grunde
Ich bin der Ansicht, dass es solche Zu- regulärer Erwerbsarbeit Ausgeschlosse- aufgegeben. Dies spricht dafür, dass sich
sammenhänge gibt. Sie sind allerdings nen, die „Entbehrlichen“ der Arbeitsge- prekäre Lebenslagen auch in den Habi-
außerordentlich komplex und empirisch sellschaft befinden. Auf der Grundlage tusformen und Handlungsstrategien ei-
schwer zu erfassen. Meine These lautet: des eigenen empirischen Materials kann nes Teils der Befragten reproduzieren.
Die auch in Deutschland zu beobachten- ich die Castel’sche Hypothese für
de Ausbreitung prekärer Beschäftigungs- Deutschland präzisieren und neun typi- Zweitens entsteht durch die Versteti-
verhältnisse erzeugt nicht nur soziale sche Verarbeitungsformen (Schaubild 1) gung von Prekarität und sozialem Aus-
Desintegration; sie bringt zugleich einen unterscheiden, die eine soziale Hierar- schluss eine neue gesellschaftliche Kon-
neuen gesellschaftlichen Kontrollmodus chie der nachfordistischen Arbeitsgesell- fliktlinie. Klassenspezifische Vertei-
mit vielfältigen Disziplinierungsmecha- schaft abbilden. lungskonflikte, die wieder an Brisanz ge-
nismen hervor. Je nahtloser sich Indivi-
duen oder Gruppen diesen Disziplinie-
rungsmechanismen unterwerfen, desto Schaubild 1: (Des-)integrationspotentiale von Erwerbsarbeit – eine Typologie
stärker neigen sie dazu, ausgrenzende In-
tegrationsvorstellungen zu entwickeln Zone der Integration
und den Kampf um Statuspositionen mit 1. Gesicherte Integration („Die Gesicherten“)
dem Mittel des Ressentiments gegen
Outsider, aber auch gegen sozial benach- 2. Atypische Integration („Die Unkonventionellen“ oder „Selbstmanager“)
barte Gruppen zu führen. Dies ist eine, 3. Unsichere Integration („Die Verunsicherten“)
wenn auch nicht die einzige Quelle eines 4. Gefährdete Integration („Die Abstiegsbedrohten“)
neuen Rechtspopulismus, der in Deutsch-
land vor allem als Unterströmung in de- Zone der Prekarität
mokratischen Organisationen und Partei- 5. Prekäre Beschäftigung als Chance / temporäre Integration („Die Hoffenden“)
en wirksam ist. 6. Prekäre Beschäftigung als dauerhaftes Arrangement („Die Realistischen“)
Zur Begründung dieser These greife 7. Entschärfte Prekarität („Die Zufriedenen“)
ich auf Ergebnisse einer qualitativen em-
pirischen Untersuchung zurück, die ich Zone der Entkoppelung
gemeinsam mit Klaus Kraemer und Fre- 8. Überwindbare Ausgrenzung: („Die Veränderungswilligen“)
deric Speidel durchgeführt habe. Die
9. Kontrollierte Ausgrenzung / inszenierte Integration („Die Abgehängten“)
Studie basiert auf knapp 100 themenzen-
trierten Interviews mit Arbeitern und An-
gestellten, darunter zahlreiche prekär An dieser Stelle muss ich darauf ver- winnen, werden von einer Konfliktlinie
Beschäftigte, mehreren dutzend Exper- zichten, die Typologie im Detail vorzu- überlagert, die das Drinnen und Draußen
tengesprächen mit Führungskräften, Be- stellen. Ich beschränke mich auf die Prä- reguliert. „Normale“ Ansprüche an ein
triebsräten und Gewerkschaftern sowie sentation von vier wichtigen Befunden. „gutes Leben“ lassen sich im Grunde nur
einigen Gruppendiskussionen mit Leih- mittels Zugehörigkeit zur schrumpfen-
arbeitern. An dieser Stelle beschränke Erstens zeigt sich, dass soziale Unsi- den „Zone der Integration“, mittels Teil-
ich mich auf die Genese rechtspopulisti- cherheit sowohl in der „Zone der Preka- habe an einem Normarbeitsverhältnis er-
scher Orientierungen. Zum besseren Ver- rität“ als auch in der „Zone der Entkop- reichen. Alles, was jenseits der sicheren
ständnis präsentiere ich vorab jedoch ei- pelung“ höchst unterschiedlich verarbei- Zone positioniert ist, zeichnet sich durch
nige wichtige Befunde zur Prekarisie- tet wird. In beiden Zonen stoßen wir auf Grade des Ausschlusses von materiellem
rung der Arbeitsgesellschaft. ähnliche Grundmuster. Gruppen (Typ 5, Wohlstand, sozialer Sicherheit, reichen
2. Prekarisierung der Arbeitsgesell- 8), die wir als Hoffende oder als Verän- Sozialbeziehungen und Partizipations-
schaft derungswillige bezeichnet haben, klam- chancen aus. Im Unterschied zu den sub-
mern sich an den Glauben, eines Tages proletarischen Existenzen des 19. Jahr-
Mit dem französischen Sozialwissen- doch noch den Sprung in die Normalität hunderts führen unsichere Beschäfti-
schaftler Robert Castel (2000, 2005) teile zu schaffen. Sie setzen auf den „Klebeef- gungsverhältnisse in den Arbeitsgesell-
ich die Auffassung, dass sich die nach- fekt“ eines unsicheren Beschäftigungs- schaften der Gegenwart aber nicht, je-
fordistischen Arbeitsgesellschaften mehr verhältnisses oder vertrauen auf einen denfalls nicht zwangsläufig, zu vollstän-
und mehr in drei Zonen spalten. Die anvisierten Bildungsabschluss. Daneben diger Entwurzelung und Pauperisierung.
Mehrzahl der Lohnabhängigen ist noch finden sich in beiden Zonen Verarbei- Vielmehr befinden sich die prekär Be-
immer in einer – allerdings schrumpfen- tungsformen, die auf eine Verstetigung schäftigten in einer eigentümlichen
den – „Zone der Integration“ mit formal von Prekarität und Ausgrenzung hinaus- Schwebelage. Sie müssen alle Energien
gesicherten Normbeschäftigungsverhält- laufen (Typ 6, 7, 9). Die Realisten, die mobilisieren, um den Sprung in sichere

: antifaschistische nachrichten 7/2006 7


Verhältnisse vielleicht doch noch zu halb der Subjektivität der Befragten exis- der kohärente alltagspolitische „Gesamt-
schaffen. Permanente Anstrengungen tiert. Vielmehr stehen diese Begriffe im- konzeption“. In unterschiedlichen Aus-
sind aber auch nötig, um einen vollstän- mer auch für ein Macht- und Kontroll- prägungen findet sich diese „Gesamt-
digen Absturz in die „Zone der Entkop- system (Foucault 2000), das sozialstaat- konzeption“ in allen Zonen der Arbeits-
pelung“ zu vermeiden. liche Kompromissbildungen sukzessive gesellschaft. Von Integrierten wird sie
durch die Disziplin des Marktes zu erset- genauso formuliert wie von prekär Be-
Drittens zeigt sich, dass dieser prekäre zen sucht und entsprechende Verhaltens- schäftigten oder Ausgegrenzten. Diese
Schwebezustand auch bei Befragten, die weisen hervorbringt. Dieser Befund ist Feststellung ist für sich genommen be-
noch über ein Normalarbeitsverhältnis für die politischen Verarbeitungsformen reits ein wichtiger Befund.
verfügen, Abstiegs- und Prekarisierungs- von Prekarisierungsprozessen bedeut- Denn offenkundig sind rechtspopulis-
ängste auslöst. Bei den Verunsicherten sam. Zwar folgt die Produktion politi- tische Orientierungen weder ein exklusi-
und Abstiegsbedrohten (Typ 3, 4) kön- scher Einstellungen und Meinungen ei- ves Phänomen der „Gesicherten“ noch
nen Abstiegsängste eine besondere Wir- ner eigenen, gegenüber den unmittelba- der „Prekarier“. Vielmehr können in al-
kung entfalten, weil diese Gruppen noch ren Arbeitserfahrungen relativ autono- len Positionen und Lagen, die die nach-
etwas zu verlieren haben. Standortkon- men Logik (Bourdieu 1988). Es gibt je- fordistische Arbeitsgesellschaft konstitu-
kurrenzen und die zahlreichen Wettbe- doch Berührungspunkte zwischen beiden ieren, rechtspopulistische Orientierun-
werbspakte, in denen häufig Zugeständ- Sinnwelten. Etwa dann, wenn bestimmte gen entstehen.
nisse bei Arbeitszeiten, Löhnen und Ar- Alltagsphilosophien und Denkschemata
beitsbedingungen gegen befristete Be- eingespielte Formen der Arbeitsteilung Deutlich wird zudem, dass sich die
schäftigungsgarantien getauscht werden, und damit korrespondierende soziale skizzierte Axiomatik nicht unmittelbar
erzeugen auch in den Stammbelegschaf- Ungleichheiten legitimieren. Immer auf Arbeitserfahrungen zurückführen
ten ein permanentes Gefühl der Verunsi- dann, wenn solche Legitimationen infol- lässt. Es handelt sich offenbar um Ein-
cherung. Im öffentlichen Dienst entfalten ge veränderter Arbeitsteilungen erodie- stellungen, Haltungen, Urteile und Deu-
Privatisierungsdrohungen eine ähnliche ren, entstehen, wie ich zeigen werde, tungsschemata, die gegenüber situativen
Wirkung. Mit anderen Worten: Prekari- Spielräume für die Ausbreitung – auch – Einflüssen und Erfahrungen eine erhebli-
sierungsprozesse sind auch innerhalb der rechtspopulistischer Orientierungen. che Persistenz besitzen.
„Zone der Integration“ wirksam – und Für einen Zuwanderungsstopp kann
dies nicht nur als diffuses Gefühl der Be- Tatsächlich finden sich bei mehr als man sein, obwohl oder gerade weil man
drohung sondern in Gestalt massiver Ver- einem Drittel unserer Befragten Elemen- in einer Region mit verschwindend ge-
schlechterungen der Arbeits- und Le- te einer rechtspopulistischen Axiomatik. ringem Ausländeranteil lebt. Die An-
bensbedingungen. Im Anschluss an Bourdieu bezeichnet sicht, dass Migranten Deutschen die Ar-
diese Axiomatik ein Produktionsprinzip beitsplätze wegnehmen, wird nicht zu-
Viertens begünstigt die Herausbildung politischer Meinungen, das im Unter- letzt von Interviewpartnern formuliert,
einer „Zone der Prekarität“ die Produkti- schied zu spontanen Haltungen, Emotio- die ihren eigenen Arbeitsplatz für sicher
on „gefügiger Arbeitskräfte“ (Boltans- nen und Stereotypen bereits ein System halten. Und die Ausgrenzung von „Sozi-
ki/Chiapello 2003). Gerade weil sich die „expliziter politischer Prinzipien“ her- alschmarotzern“ fordern ausgerechnet
prekär Beschäftigten im unmittelba- vorbringt, welches einer eigenen inneren solche Personen, die selbst wirtschaftlich
ren Erfahrungsbereich der über Norm- Logik folgt (Bourdieu 1988: 655-659). einigermaßen saturiert sind und die nicht
arbeitsverhältnisse Integrierten bewegen, Die von uns identifizierte rechtspopulis- um sozialpolitische Ressourcen konkur-
wirken sie als ständige Mahnung. Wenn- tische Axiomatik umfasst acht zentrale rieren müssen.
gleich Leiharbeiter und befristet Be- Topoi:
schäftigte betrieblich meist nur Minder-
heiten sind, wirkt ihre bloße Präsenz dis- Schaubild 2: Indikatoren rechtspopulistischer „Alltagsphilosophien“
ziplinierend auf die Stammbelegschaften
zurück. In Bereichen mit hoch qualifi-
zierten Angestellten produzieren Free- (1) ‚Zuwanderung zerstört die deutsche Kultur und muss gestoppt werden‘
lancer und abhängig Selbständige einen (2) ‚Ausländer nehmen den Deutschen die Arbeitsplätze weg‘
ähnlichen Effekt. So finden sich im (3) ‚Wenn gespart werden muss, dann bei den Sozialschmarotzern‘
Grunde in allen Beschäftigungssegmen- (4) ‚Die deutsche Geschichte darf nicht länger Ballast sein‘
ten Wechselbeziehungen zwischen (5) ‚Wir wollen stolz auf Deutschland sein, können es aber nicht‘
Stammbelegschaften und flexiblen Ar- (6) ‚Politiker sind unglaubwürdig, manche Gangster. Das gesamte System muss verän-
beitskräften, die den „Besitz“ eines un- dert werden‘
befristeten Vollzeiterwerbsverhältnisses
als verteidigenswertes Privileg erschei- (7) ‚Ein bisschen weniger Demokratie kann nicht schaden‘
nen lassen. Aus diesem Grund ist die (8) ‚Rechte Parteien sind zu extrem, aber sie sprechen die richtigen Themen an’
Prekarisierung kein Phänomen an den
Rändern der Arbeitsgesellschaft. Sie be-
wirkt eine allgemeine subjektive Unsi- Die skizzierten Topoi bilden eine Lo- 4. Arbeitserfahrungen, Arbeits-
cherheit, die bis tief hinein in die Le- gik des Ressentiments ab, die nationale teilung, rechtspopulistische
benslagen der formal Integrierten reicht. Zugehörigkeit nach einem binären Sche- Orientierungen
Prekarität wirkt desintegrierend und zu- ma codiert, auf diese Weise Abgrenzun-
gleich als disziplinierende Kraft. Inso- gen gegenüber Outsidergruppen vor- Damit ist allerdings nicht gesagt, dass
fern erzeugt und stützt sie ein Kontroll- nimmt und so eine Ideologie der imagi- Arbeitserfahrungen für die Entstehung
system, dem sich auch die Integrierten nären Integration durch den Ausschluss rechtspopulistischer Orientierungen un-
kaum entziehen können. anderer hervorbringt. bedeutend sind. Das Gegenteil ist der
3. Die rechtspopulistische Axiomatik Diese Ideologie ist nicht per sé extre- Fall. Die marktzentrierte Flexibilisierung
mistisch, aber sie ist für extremistische der Produktion von Gütern und Dienst-
Nach unserem Verständnis bezeichnen Zuspitzungen offen. Es handelt sich zwar leistungen und die damit einher gehen-
Prekarität und Prekarisierung somit kei- nicht um ein geschlossenes rechtes Welt- den Prekarisierungsprozesse verändern
ne sozioökonomische Lage, die außer- bild, aber doch um eine mehr oder min- nicht nur eingespielte Formen der Ar-

8 : antifaschistische nachrichten 7/2006


beitsteilung; sie sorgen auch dafür, dass heimliche, informelle Verbreitung sol-
die Legitimation dieser Arbeitsteilungen cher Klassifikationen erscheint als sub- Die rebellische Variante findet sich
erodiert. Dies schafft Raum für fremden- versiver Akt, nicht nur gegen „arrogante vor allem bei Befragten aus der „Zone
feindliche, neorassistische Klassifikatio- Ausländer“, sondern auch gegen „die da der Entkoppelung“ und der „Zone der
nen. Anders gesagt, eine relativ erfah- oben“, die ihre ausländerfreundliche Po- Prekarität“ (Typ 6, 8, 9). Charakteristisch
rungsresistente rechtspopulistische Axio- litik mit repressiven Mitteln durchsetzen. für diese Variante ist, dass sie in erster
matik bemächtigt sich nicht nur konkre- Linie von einem Zerfall kohärenter ratio-
ter Arbeitserfahrungen, sie wird durch Das Beispiel des Automobilherstellers naler politischer Orientierungen zeugt.
marktzentrierte Arbeitsformen beständig steht durchaus exemplarisch für andere Dementsprechend zerrüttet und diffus
bestätigt und forciert. Wir haben diesen Fälle. In den disziplinierten Produktions- sind auch die politischen Orientierungen
Prozess der Umformung von Arbeitser- gemeinschaften transnational agierender der Befragten. Die Ausgegrenzten und
fahrungen in mindestens fünf Erfah- Konzerne haben Ausländerfeindlichkeit, Prekarier schwanken zwischen Resigna-
rungsbereichen eingefangen: Rassismus und rechtsextremistische Ten- tion und imaginärer Revolte, einer Re-
volte, die zumeist in jenen Bahnen ver-
bleibt, die ihnen das System aufzwingt.
Schaubild 3: Ihr Protest erscheint in gewisser Weise
richtungslos; er wendet sich gleicherma-
ßen gegen „die da oben“ wie gegen
(1) Negative Flexibilisierung ohne politische Repräsentation „fremd“ und „anders“. Vor allem aber
(2) „Entweiblichung“ und „Zwangsfeminisierung“ richtet er sich gegen die gesamte politi-
sche Klasse. Das Schwanken zwischen
(3) Umkämpfte Hierarchien in disziplinierten Produktionsgemeinschaften resignativer Unterwerfung und ostentati-
ven Elendsbekundungen folgt dabei ei-
(4) Ethnische „reine“ Arbeitersolidarität
ner affektiven Quasi-Systematisierung:
(5) Selbstinstrumentalisierung in „entgrenzten“ Arbeitsformen Es handelt sich um eine nahezu ge-
schlossene Weltsicht, die in erster Linie
auf Gefühlen basiert.
Exemplarisch sei einer dieser Zusam- denzen offiziell keinen Platz, denn sie
menhänge erläutert. In einem großen Au- wären geschäftsschädigend. Doch kos- Die konservierende Variante findet
tomobilwerk stoßen deutsche Leiharbei- mopolitische Orientierungen des Ma- sich bevorzugt bei formal integrierten
ter auf Vorarbeiter mit Migrationshinter- nagements können in den disziplinierten Beschäftigten, die sich freilich überwie-
grund, von denen sie angelernt werden. Belegschaften geradewegs gegenteilige gend mit einem drohenden sozialen Ab-
Es kommt zu Konflikten, in einem Fall Reaktionen auslösen. Sind sie doch – stieg konfrontiert sehen oder zumindest
zu einer gewaltsamen Auseinanderset- nicht nur aus der Perspektive prekär Be- von Abstiegsängsten getrieben werden
zung, die in eine Morddrohung gipfelte. schäftigter – die eigentlichen Verursa- (Typ 3, 4). Diese Befragten zielen im
In den Augen der deutschen Leiharbeiter cher von Unsicherheit und Abstiegsängs- Grunde darauf, ihre eigene soziale Posi-
verhalten sich die türkischen oder kroati- ten. Ausländerfreundliche, tolerante Hal- tion zu verteidigen, indem sie Ressenti-
schen Vorarbeiter „hochnäsig“ und „ar- tungen werden in den Augen der Befrag- ments als Triebfeder „gesellschaftlicher
rogant“. Die Leiharbeiter sehen sich ten somit ausgerechnet von jenen zur und politischer Aktion“ nutzen (Castel
selbst als „Ablassventil“ von Auslän- Norm erklärt, die die Verantwortung für 2005: 67 f.). Ressentiments gegen andere
dern, die sich am „schwächsten Glied“ in die schwierige Situation von (Leih-)Ar- werden gezielt als Mittel in der Konkur-
der Kette reiben wollen. Die subalterne beitern tragen. Dass diese „Kosmopoli- renz um Ressourcen und gesellschaftli-
Behandlung, die in dem Vorwurf gipfelt, ten“ ihre Normen im Zweifelsfall auch chen Status eingesetzt. Die Argumentati-
dass jeder Ausländer besser behandelt mit repressiven Mitteln durchsetzen, er- on dieser Gruppen ist stärker rationalis-
werde als sie selbst, beantworten die zeugt Ablehnung. Wut auf die Vorgesetz- tisch geprägt. Bei Verteilungskämpfen
Leiharbeiter ihrerseits mit einer frem- ten verbindet sich mit einer fremden- unterscheiden die Befragten durchaus
denfeindlichen Klassifikation. Als Be- feindlichen, latent rassistischen Klassifi- zwischen „oben“ und „unten“; ihre
gründung führen sie an, dass „es uns kation, die im betrieblichen Alltag unter- Grundhaltung steht daher nicht in Wider-
vielleicht auch gut gehen“ würde, wenn drückt wird und eben deshalb nicht wirk- spruch zu gewerkschaftlicher Organisie-
die Ausländer nicht da wären. Unverse- sam dekonstruiert werden kann. rung und kollektiver Interessenvertre-
hens erhält der Wunsch des Leiharbei- tung. Dieser reaktive Nationalismus von
ters, selbst Stammarbeiter zu werden, 5. Rebellischer, konservierender Lohnabhängigen stellt eine sozialpopu-
eine fremdenfeindliche Wendung. Es und konformistischer Rechts- listische Antwort auf die Entgrenzung
verdichtet sich die Überzeugung „die populismus der Märkte dar. In einer historischen Si-
Ausländer sind halt besser gestellt als tuation, in der die alte Verklammerung
wir“. Verstärkt wird diese Haltung durch Arbeitserfahrungen werden in unter- von Nationalstaat und sozialreformeri-
die offizielle Konfliktverdrängung im schiedlichen sozialen Positionen verar- scher Politik zerbrochen ist, bietet sich
Betrieb. Fremdenfeindliche Orientierun- beitet und in die rechtspopulistische die Politik mit den Grenzen als imaginä-
gen gedeihen im Verborgenen. Würden Axiomatik eingepasst. Auf der Grundla- rer Ausweg an. So unterschiedlich die in-
sie explizit, müssten die Beteiligten mit ge unseres empirischen Materials unter- dividuellen Überzeugungen und Klassifi-
harten Sanktionen durch die Werkslei- scheiden wir drei charakteristische, mit kationssysteme der einzelnen Befragten
tung und den Betriebsrat rechnen. Auf- Arbeitserfahrungen angereicherte Aus- auch sein mögen, einig sind sich die Be-
grund dieser Konstellation entsteht im prägungen der rechtspopulistischen treffenden darin, dass Zuwanderung Ar-
Werk eine Art doppelter Realität. Mit Axiomatik, die nicht unmittelbar mit den beitsplätze kostet, deutschen Staatsbür-
Blick auf das eigene Team und die kon- Zonen der Arbeitsgesellschaft korres- gern Kosten verursacht und die Lebens-
krete Arbeitstätigkeit verhält man sich pondieren, gleichwohl jedoch eine ge- qualität schmälert. Konservierend ver-
unternehmenskonform. Doch unter dem wisse Zonenspezifik besitzen: die kon- halten sich diese Arbeiter und Angestell-
Deckmantel der politischen Korrektheit formistische, die konservierende und die ten, weil sie mit einem rigiden Zuwande-
blühen fremdenfeindliche und teilweise rebellische Variante rechtspopulistischer rungsregime eigentlich die Vorzüge der
offen rassistische Klassifikationen. Die Orientierungen. alten „Bonner Republik“ (oder auch ih-

: antifaschistische nachrichten 7/2006 9


rer ostspezifischen Wahrnehmung) be- populismus? Abschließend seien drei karität bilden, sondern vor allem, weil
wahren wollen. Auf diese Orientierungen Schlussfolgerungen benannt. der disziplinierende Druck, der von den
trifft zu, dass sich ein rudimentärer „Entkoppelten“ und „Prekarierten“ aus-
„Klasseninstinkt“ mit einer Mischung Erstens belegt unsere Untersuchung, geht, die pathologischen Seiten moder-
aus Missgunst und Verachtung paart, die Existenz eines rechtspopulistischen ner Arbeitsformen mit erzeugt. Zudem
„die auf Unterschieden zwischen sozia- Potentials, das sich aus höchst unter- liefern die neuen „gefährlichen Klassen“
len Lagen fußt“ und mit der „man die schiedlichen, z. T. geradezu gegensätzli- der Ausgegrenzten und Prekarisierten je-
Verantwortung für das eigene Unglück chen Motiven und Interessenlagen speist. nen Gruppen eine Distinktionsfolie, die
bei jenen Gruppen sucht, die sich auf der Auf theoretische Erklärungsansätze be- das Leiden am Erfolg unduldsam und in-
sozialen Leiter knapp oberhalb oder zogen bedeutet dies, dass die scheinbar tolerant werden lässt. Je weniger die Dis-
knapp unterhalb der eigenen Position be- unversöhnliche Frontstellung zwischen ziplinierung durch den Markt dem Ein-
finden“ (Castel 2005: 68). Deprivationsansätzen, an die sich z. B. zelnen auflösbar erscheint, desto eher
Robert Castel (2005) anlehnt, und Domi- tendiert er dazu, Statuskonkurrenzen mit
Die rebellische und die konservieren- nanzkultur-Ansätzen (Rommelspacher dem Mittel des Ressentiments, oder zu-
de Variante muss indessen von einer Ori- 1995, Held u. a. 1996), die in scharfer gespitzter, mittels fremdenfeindlicher
entierung unterschieden werden, die ich Frontstellung zu so genannten „Defizit- oder neorassistischer Klassifikationen
als konformistischen Rechtspopulismus Theorien“ operieren, möglicherweise auszutragen.
bezeichnen will. Diese Variante findet nur unterschiedliche empirische Phäno-
sich bevorzugt in der „Zone der Integra- mene thematisiert. Die Dominanzkultur- In diesem Zusammenhang gilt es drit-
tion“ (Typ 1, 2) und hier häufig bei Be- These besagt, dass Personen, die „sich tens zu beachten, dass die Prekarisierung
fragten, die kontrollierende Arbeitstätig- mit den herrschenden Werten Geld, Kar- politisch vor allem als ein Kontrollsys-
keiten ausüben. Von einer konformisti- riere und Erfolg identifizieren“, die „das tem wirksam wird, das in den Zonen der
schen Variante sprechen wir, weil sie we- Leistungsprinzip verabsolutieren und die Arbeitsgesellschaft unterschiedliche For-
sentlich auf Überanpassung an hegemo- zwischenmenschlichen Beziehungen auf men des Selbstregierens und der Selbst-
niale Normen beruht und sich durch eine ihre Funktionalität für das Eigeninteresse disziplinierung erzeugt. Es ist die Über-
eher affirmative Haltung zu einem reduzieren“, für rassistische und autori- anpassung an entsprechende Normen,
marktzentrierten Umbau des Wirt- tär-nationalistische Einstellungen beson- die ausgrenzende Integrationsvorstellun-
schafts- und Gesellschaftsmodells der ders anfällig sind (Rommelspacher 1995: gen hervorbringt. Und die Verdichtung
Bundesrepublik auszeichnet. Diese ver- 86). Demnach ist der Neorassismus „in und Zuspitzung solch ausgrenzender In-
meintlichen Modernisierungsgewinner seiner systematischen Erscheinungsform tegrationsvorstellungen in einer bipola-
sehen sich überwiegend mit einem er- vor allem ein Problem der Etablierten ren Logik, die sich gegen stigmatisierte
heblichen Problemdruck konfrontiert. bzw. jener, von denen erwartet wird und Ausländergruppen wendet, stellt das zen-
Während der Leistungsdruck im Job zu- die von sich selbst erwarten, dass sie ein- trale Bindeglied zu rechtspopulistischen
nimmt, gibt es immer weniger Garantien, mal dazugehören werden – mit aller Ge- Orientierungen dar. Ohne Zweifel ent-
dass überdurchschnittlicher Einsatz auch walt“ (ebd.). Unschwer lassen sich in hält diese Interpretation Parallelen zur
zum gewünschten Ziel führt. Je größer dieser Diagnose Züge der „konformisti- klassischen Autoritarismus-These, wie
der Leistungs- und Anpassungsdruck ist schen“ Rechtspopulismus-Variante er- sie Fromm und später Adorno (Adorno u.
und je vorbehaltloser entsprechende kennen. Wenn Dominanzkultur-Theore- a 1973; kritisch: Hopf u. a. 1995, Hopf
Normen erfüllt werden, desto vehemen- tiker wie Rommelspacher (1995: 86) 1999; vgl. auch: Flecker 2004, Fle-
ter verlangt man Gleiches von anderen. aber formulieren, der Neorassismus sei cker/Krenn 2004) formuliert haben. Der
Das Streben nach nahtloser Integration kein vorrangiges „Problem der Zu-Kurz- „neue Autoritarismus“ lässt sich indes-
in die betriebliche Arbeitswelt (Arbeits- Gekommenen“ und statt dessen im sen primär wohl kaum auf eine Ich-
orientierung) dient den Befragten offen- „Wohlstandschauvinismus“ (ebd.: 87) Schwäche zurückführen, die in Defiziten
kundig als normative Referenzfolie, um die Hauptursache neorassistischer Klas- frühkindlicher Sozialisation wurzelt. Der
gesellschaftliche Probleme (politisches sifikationen sehen, verfehlen sie freilich neue Autoritarismus wird, das belegt un-
Bewusstsein) zu bewerten. Integration – die Eigenheiten des „konservierenden“ sere Untersuchung, durch Mechanismen
etwa von Ausländern – ist dann nur noch wie auch des „rebellischen“ Rechtspopu- und Erfahrungen mit erzeugt, die im Ar-
als Assimilation, als nahtlose Anpassung lismus. beitsumfeld der Befragten angesiedelt
an die Mehrheitsgesellschaft denkbar. sind. Gerade in den oberen Etagen der
Und wer einer solchen Integrationsvor- Im Kontrast zu solchen Vereinseiti- Arbeitsgesellschaft und dort, wo moder-
stellung nicht entspricht, läuft Gefahr, als gungen lässt sich zweitens festhalten, ne, partizipative Arbeitsformen existie-
nicht integrationsfähig, mithin ausgrenz- dass es durchaus Zusammenhänge zwi- ren, gibt es offenbar einen Zusammen-
bar, abqualifiziert zu werden. Die kon- schen Prekarisierung, der damit verbun- hang zwischen der zunehmenden Markt-
formistische Variante macht besonders denen Wiederkehr sozialer Unsicherheit steuerung von Arbeit, den in Korrespon-
deutlich, dass Übergänge zu rechten Ori- und der Entstehung rechtspopulistischer denz zu marktzentrierter Steuerung ent-
entierungen nicht als Entsprechung zum Orientierungen gibt. Solche Zusammen- wickelten Formen des „Selbstregierens“
wahrgenommenen Ausmaß sozialer Des- hänge lassen sich nur bestreiten, wenn (Foucault 2000: 41 ff.) und einer Art
integration begriffen werden dürfen, son- man die Wirkung von Prekarisierungs- Selbstinstrumentalisierung, die nicht nur
dern auch und gerade als Folge einer prozessen auf das Phänomen unsicherer Leidensdruck erzeugt, sondern auch
Überanpassung an Normen entstehen Beschäftigungsverhältnisse beschränkt Techniken einer ressentimentgeladenen
können, die für ein Integrationskonzept und Prekarität auf eine sozioökonomi- Selbstformung hervorbringt, welche ei-
konstitutiv sind, das, etwa auch im Feld sche Lage reduziert, die unabhängig von ner Bewältigung des Drucks dienen.
hochqualifizierter Informationsarbeit, verhaltenssteuernden Habitusformen Ausgrenzende Integrationsvorstellungen
Erfahrungen strukturieren kann. existiert. Eine solche Sichtweise igno- sind ein Produkt solcher Techniken des
6. Schlussfolgerungen riert, dass die „Zonen“ der Arbeitsgesell- Selbstregierens. Marktförmige Steue-
schaft sich zueinander wie ein System rungsmechanismen in der Arbeitswelt
Was bedeuten diese empirischen Befun- kommunizierender Röhren verhalten. generieren offenkundig einen „Zwang
de für die sozialwissenschaftliche Debat- Dies nicht nur, weil die Abstiegsängste zum Selbstzwang“, einen Modus der
te um die Ursachen eines neuen Rechts- formal integrierter Gruppen einen we- Selbstzuschreibung, der tendenziell auf
sentlichen Kristallisationspunkt von Pre- die gesamte Persönlichkeit ausstrahlt. In

10 : antifaschistische nachrichten 7/2006


unterschiedlicher Weise bringt dieser tialen existieren durchaus Spannungsver- terien des neuen Marktregimes leidet,
Modus der Selbstzuschreibung in allen hältnisse. „Rebellischer“, „konservieren- mit dem „rebellischen“ Leiharbeiter zu-
Zonen der Arbeitsgesellschaft Formen der“ und „konformistischer“ Rechtspo- sammenbringen, dem es im Grunde um
der Überanpassung hervor, die in rechts- pulismus lassen sich nicht ohne weiteres besseren Schutz vor der Willkür eben
populistische Orientierungen einmünden unter einen Hut bringen. Gerade dies dieses Marktregimes geht. Für alle Über-
können. Rechtspopulistische Orientie- konstituiert eine strukturelle Mobilisie- gangsformen zum Rechtspopulismus gilt
rungen stellen im Grunde eine Form der rungsschwierigkeit für rechtspopulisti- indessen, dass sie in der entsicherten Ar-
imaginären Reintegration in die Gesell- sche Formationen. Wollen sie ihr Poten- beitsgesellschaft auf vielfältige Weise
schaft dar, die auf Kosten von Anderen, tial ausschöpfen, müssen sie das schein- Abstützung und Verstärkung erfahren
Schwächeren, eben von Outsidergrup- bar Unvereinbare versöhnen. Sie müssen können. Eine Umfrageforschung, die
pen vollzogen wird. den „konformistischen“ Marktapologe- solche Zusammenhänge ignoriert, leistet
Zwischen den skizzierten Orientierun- ten in gehobener Position, der an der der Suche nach wirksamen Gegenstrate-
gen und den dahinter verborgenen Poten- Selbstunterwerfung unter die Erfolgskri- gien einen Bärendienst. ■
Literatur: Decker, F.: Der neue Rechtspopulismus. Opladen. gefühle – zur Wahrnehmung und Verarbeitung zu-
2. Aufl. 2004. nehmender Unsicherheit und Ungleichheit in der
Adorno, Th. W. u.a. (1973, Original 1950): The Arbeitswelt. In: Zilian, H.G. (Hrsg.): Insider und
Dörre, K./Röttger, B. (Hrsg.) (2003): Das neue
Authoritarian Personality, New York. Outsider. Mering.
Marktregime. Hamburg.
Boltanski, L./Chiapello, È. (2003): Der neue Geist Foucault, M. (2000): Die Gouvernementalität, in:
Dörre, K.; Kraemer, K., Speidel, F. (2005): Prekäre
des Kapitalismus. Konstanz. Frz. (1999): Le nou- U. Bröckling u.a., a.a.O., S. 41-67.
Beschäftigungsverhältnisse – Ursache von sozialer
vel Ésprit du Capitalisme. Paris. Desintegration und Rechtsextremismus? Endbe- Held, J./Horn, H.-W./Marvakis, A. (1996): Gespal-
Bourdieu, P. (1988): Die feinen Unterschiede. Kri- richt. November 2005. Teilprojekt 2 im For- tene Jugend. Politische Orientierungen jugendli-
tik der gesellschaftlichen Urteilskraft. schungsverbund „Desintegrationsprozesse – Stär- cher Arbeitnehmer, Opladen.
Frankfurt/M. 2. Aufl. kung von Integrationspotenzialen einer modernen
Hopf, W. (1999): Ethnozentrismus und Ökonomis-
Gesellschaft“. Ms: Jena/Recklinghausen.
Bourdieu, P. (2000) Die zwei Gesichter der Arbeit. mus. Die ‚Leistungsgesellschaft‘ als Deutungs-
Konstanz. Flecker, J. (2004): Die populistische Lücke: Um- muster für soziale Ausgrenzung, in: Prokla 102,
brüche in der Arbeitswelt und ihre politische Verar- 26. Jg. Nr. 1, S. 107-130.
Bröckling, U./Krasmann, S./Lemke, Th. (Hrsg.) beitung. FORBA-Schriftenreihe 1/2004. Wien.
(2000): Gouvernementalität der Gegenwart. Studi- Hopf, Ch. u.a. (1995): Familie und Rechtsextre-
en zur Ökonomisierung des Sozialen, Frankfurt/M. Flecker, J./Hentges, G. (2004): Rechtspopulisti- mismus – Analyse qualitativer Interviews mit jun-
sche Konjunkturen in Europa – sozioökonomischer gen Männern, Weinheim.
Castel, R. (2000): Die Metamorphosen der sozia- Wandel und politische Orientierungen. In: Bi-
len Frage. Eine Chronik der Lohnarbeit, Konstanz. Rommeslpacher, B. (1995): Dominanzkultur. Tex-
schoff/Dörre u.a., a.a.O.: 119-149.
te zu Fremdheit und Macht. Berlin.
Castel, R. (2005): Die Stärkung des Sozialen. Flecker, J./Krenn, M. (2004): Abstiegsängste, ver-
Leben im neuen Wohlfahrtsstaat. Hamburg. letztes Gerechtigkeitsempfinden und Ohnmachts-

Stuttgart. Als einen Erfolg der Ver-


nunft bezeichnet die Vereinigung der Ver- Anti-Nazi Symbole sind erlaubt!
folgten des Naziregimes die jüngste Ent-
scheidung des Landgerichts Stuttgart zur chens als – für den durch den ,,Speck“ nummer: 5 Qs 17106 3 Gs 36/06 AG
Affäre um durchgestrichene oder zerbro- (d.h. die Parteien ,,DVU, NPD, REP Schorndorf 7 Js 10686/06 StA Stuttgart)
chene Hakenkreuze. Bei einem Infostand usw.“) Verführten – möglicherweise tödli- Am 22. März wurde der hier zitierte
der VVN-BdA am 21.1. in Schorndorf che Falle bringt auch für den oberflächli- Beschluss des Landgerichts gefasst. Am
wurden Flugblätter, Broschüren und An- chen Betrachter eindeutig die Warnung 28. März reichte die Staatsanwaltschaft
stecker beschlagnahmt, weil sie angeblich vor der durch das Kennzeichen symboli- Stuttgart Klage gegen den Geschäftsfüh-
„Kennzeichen verfassungswidriger Orga- sierten politischen Gesinnung und damit rer des „Nix gut“-Versandes in Leuten-
nisationen“ enthalten würden. (siehe deren deutliche Ablehnung zum Aus- bach bei Winnenden ein. Der Versand
auch AN 3-06) Auf die Beschwerde der druck. Verstärkt wird dies zum einen hatte T-Shirts, Aufkleber und andere Arti-
VVN-BdA gegen die Beschlagnahmung durch die Überschrift ,,Vorsicht Falle“, kel mit denselben oder ähnlichen Aufdru-
hat nun die 5. Große Strafkammer am zum anderen durch den zugehörigen Be- cken vertrieben. Sie alle enthalten eine
Landgericht Stuttgart reagiert: „Der Ver- gleittext der Broschüre. Darüber hinaus klare Botschaft gegen Faschismus und
dacht einer Straftat nach S 86 a StGB ist sind derart karikaturistische Darstellun- Neofaschismus. Angeblich geht es ihr da-
nicht gegeben.“ (...) „lm Hinblick auf die gen des Hakenkreuzes weder geeignet, ei- rum, eine obergerichtliche Entscheidung
vorliegend verfahrensgegenständlichen ner Wiederbelebung des Nationalsozialis- herbeizuführen, die sie aber spätestens
Buttons und die Flugblätter (vorstehend mus, seines Gedankengutes oder gar ehe- mit der zitierten Entscheidung des Land-
Nr. 1 und 2) ist schon auf den ersten Blick maliger nationalsozialistischer Organisa- gerichtes erhalten hat. (Entsprechende
jedem unvoreingenommenen Betrachter tionen zu dienen, noch entfalten sie eine Entscheidungen höherer Gerichte liegen
klar, dass die Bezugnahme auf das natio- Werbewirkung für diese Ziele. Verfechter ebenfalls seit Jahren vor).
nalsozialistische Kennzeichen in jeweils des Nationalsozialismus würden dieses Das alles kann nicht anders gewertet
nachdrücklich ablehnendem Sinne ge- von ihnen hoch gehaltene Symbol nie in werden, als ein Vorwand, wider besseres
schieht. Auch ist eine Gefahr, dass rechte dieser karikierten Form verwenden (vgl. Wissen und besserer Gerichtsentschei-
Gruppierungen diese Art der Darstellung BGHST 25, 12811311) Auch das von dungen, weiterhin Zivilcourage gegen
benutzen könnten, das Kennzeichen wie- der Staatsanwaltschaft beanstandete Nazis zu kriminalisieren, junge Antifa-
der – diesmal in ihrem Sinne – in das poli- ,,Mülleimer-Piktogramm“ erfüllt in der schistinnen und Antifaschisten einzu-
tische Alltagsbild zu transportieren, nicht konkreten Form der Verwendung nicht den schüchtern. Das Ganze ist ein Lehrstück
gegeben. Es kann ausgeschlossen werden, Tatbestand des $ 86 a StGB. Der Begleit- für ein obrigkeitlich ausgerichtetes Staats-
dass Verfechter der politischen Ziele, für text der Broschüre stellt eindeutig klar, und Demokratieverständnis, dem jedes
die das Kennzeichen steht, es in dieser – dass durch das Piktogramm eine national- Engagement der Bürgerinnen und Bürger
zerstörten – Form verwenden würden. sozialistisches Gedankengut ablehnende verdächtig ist, selbst dann, wenn es das
Gleiches gilt für die bildliche Darstel- politische Gesinnung zum Ausdruck ge- tut, was das Grundgesetz verlangt: Die
lung des Hakenkreuzes als Schlagbügel bracht wird, die durch das Kennzeichen Würde und die Rechte der Menschen ge-
einer Mausefalle (oben Nr. 3 a)). Schon symbolisierten politischen ldeen somit ,,in gen Faschismus und Rassismus zu vertei-
die karikierende Darstellung des Kennzei- den Müll“ gehören sollen.“ (Geschäfts- digen. Dieter Lachenmayer ■

: antifaschistische nachrichten 7/2006 11


: ausländer- und asylpolitik
langjährig geduldeten Flüchtlingen kon-
frontiert werden, die nun abgeschoben
werden sollen. Es erreichten die Bera-
Aufruf zur internationalen Am 4./5. Mai 2006 treffen sich in Gar- tungsstellen Anrufe, Mails und Briefe
Demonstration für ein misch-Partenkirchen etwa 100 km süd- von Unterstützergruppen bzw. Einzelper-
lich von München die Innenminister von sonen, die die geplanten Abschiebungen
dauerhaftes Bleiberecht der Bund und Ländern. Erneut wird das The- nicht nachvollziehen können. Alle diese
geduldeten Flüchtlinge und ma einer Bleiberechtsregelung auf der Menschen – zum Teil Partei übergreifend
Migrant/innen Tagesordnung stehen. Damit die Politi- aktiv – begegnen den gesetzlichen Vorga-
ker endlich den Forderungen nach einem ben und politischen Positionen mit gro-
Mittwoch, 3. Mai 2006, sicheren Aufenthalt für die geduldeten ßem Unverständnis. Sie empfinden Ohn-
17 Uhr Marienplatz Flüchtlinge nachkommen, wollen wir macht und Hilflosigkeit angesichts die-
August 2004, München: angeführt von schon am Vorabend der Konferenz in ser Vorgänge.
einer Gruppe mutiger afrikanischer Frau- München demonstrieren. Mit Erschrecken werden ebenso die
en kämpfen Flüchtlingsfamilien gegen Wir rufen daher alle betroffenen Vorschläge seitens des Landes Nieder-
drohende Abschiebungen und für ein Flüchtlinge und ihre Freund/innen, sachsen wahrgenommen, die Familien zu
Bleiberecht in Deutschland. Für die Be- Nachbarn, Mitschüler/innen, Kommilito- trennen und nur den Kindern hier eine
teiligten war der Kampf ein Erfolg: Kei- nen, Arbeitgeber und sonstige Unterstüt- Perspektive zu ermöglichen. Wir möch-
ne der langjährig in Deutschland leben- zer/innen und auch die Familien, die in ten Sie mit diesem Schreiben sowohl auf
den Familien wurde abgeschoben, fast den Genuss der 2004 erkämpften dieses große zivilgesellschaftliche Enga-
alle haben inzwischen eine Aufenthalts- Münchner Bleiberegelung gekommen gement, als auch auf die Empfindungen
erlaubnis erhalten. Doch nicht alle Fami- sind, dazu auf, sich solidarisch zu zeigen der Ehrenamtlichen aufmerksam ma-
lien erfüllten die vom Münchner Auslän- und gemeinsam für eine umfassende chen, die den Betroffenen selbstver-
deramt gestellten Bedingungen. Allein- Bleiberegelung einzutreten. Das Bleibe- ständlich zur Seite stehen. Hier besteht
stehende, Ehepaare ohne Kinder und recht geht alle etwas an. nun Handlungsbedarf. Deshalb bitten
selbst Jugendliche oder junge Erwachse- Bayerischer Flüchtlingsrat, Münchner wir Sie im Rahmen der Möglichkeiten
ne, die ohne Eltern minderjährig ins Flüchtlingsrat, Karawanegruppe um Unterstützung, dass es zu einer Blei-
Bundesgebiet eingereist waren, wurden München, bfr@ibu.de berechtsregelung für langjährig gedulde-
von dieser Regelung gar nicht erst er- www.fluechtlingsrat-bayern.de ■ ten Flüchtlinge kommt. Diese könnte im
fasst. Und weiterhin sind Familien au- Rahmen der im 1. Halbjahr 2006 anste-
ßerhalb Münchens von Abschiebung be- Bleiberecht für langjährig henden Überarbeitung des Zuwande-
droht, selbst wenn sie seit über 10 Jahren rungsgesetzes oder durch Beschluss der
in Deutschland leben. geduldete Flüchtlinge Innenministerkonferenz am 4./5. Mai
August 2004, Berlin: die Polizei holt die Hannover. In einem Offenen Brief hat 2006 in München realisiert werden. Da-
13jährige Tania Ristic aus dem Schulun- sich die Landesarbeitsgemeinschaft der mit nicht in der Zwischenzeit durch Ab-
terricht, um sie nach Bosnien abzuschie- Freien Wohffahrtspflege in Niedersachen schiebung unumkehrbare Fakten ge-
ben. Tania und ihrer Mutter gelingt es, in (AWO, CARITAS, DRK, Diakonisches schaffen werden, bitten wir eindringlich
Deutschland zu bleiben, doch die Fami- Werk, Jüdische Wohlfahrt, Paritätischer darum, dass das Land Niedersachen ei-
lie wird auseinandergerissen: der Vater Wohlfahrtsverband Niedersachse) im nen sechsmonatigen Abschiebestopp für
und die 16jährige Schwester werden ab- Februar 2006 an alle Landtagsabgeord- die Langzeitgeduldeten erlassen möge.
geschoben. Dieser Fall, nur ein alltägli- neten des Niedersächsischen Landtags Landesarbeitsgemeinschaft der
ches Beispiel für den Umgang der Be- gewendet und „Hohes zivilgesellschaft- Freien Wohlfahrtspflege ■
hörden mit – teils jahrelang – geduldeten liches Engagement für ein Bleiberecht
Jugendlichen und ihrer Eltern, ist der Be- von langjährig geduldeten Flüchtlingen“ Niedersachsen: Abschiebung
ginn der Kampagne „Hiergeblieben!“. gefordert. In dem Schreiben heißt es:
Die Forderungen, die Tanias Schul- „Vor Ort in zahlreichen ehrenamtlichen hat absoluten Vorrang
freund/innen stellten, finden mittlerweile Gruppen oder Initiativen sowie bei Ein- Hildesheim. In einem Schreiben des
in ganz Deutschland Unterstützung: zelpersonen, aber auch in Kindertages- Rechtsanwalts Michael Anding wird auf
Bleiberecht für die in Deutschland leben- stätten, Schulen und Firmen ein großes einen unveröffentlichten Erlass des Nie-
den Kinder und Jugendlichen und ihre Unverständnis darüber, dass langjährig dersächsischen Innenministeriums vom
Familien, Bleiberecht für Flüchtlinge, hier lebende Flüchtlingsfamilien mit ih- 23.1.2006 verwiesen, in dem das Land
die als unbegleitete Minderjährige einge- ren Kindern Deutschland verlassen sol- sich bereit erklärt, Kosten in unbegrenz-
reist sind, Bleiberecht für Kriegsopfer len. Dabei richten sie ihr Augenmerk be- ter Höhe für eine notwendige medizini-
und für Opfer rassistischer Angriffe (nä- sonders auf die hier geborenen bzw. hier sche Behandlung im Herkunftsland zu
here Informationen zur Kampagne: aufgewachsenen Kindern deren Lebens- übernehmen. Sinn und Zweck dieser
http://www.hier.geblieben.net). mittelpunkt Deutschland geworden ist Übung ist es anscheinend zu verhindern,
Als zuletzt am 19. Januar 2006 eine und das sie nun verlassen sollen, um ihr dass Flüchtlingen Abschiebungsschutz
entsprechende Gesetzesinitiative der Op- Leben im Herkunftsland der Eltern fort- nach § 60 Abs. 7 AufenthG zugebilligt
position im Bundestag verhandelt wurde, zusetzen. Letzteres kennen sie höchstens wird, weil notwendige Medikamente im
waren die meisten Abgeordneten der aus Erzählungen der Eltern und beherr- Herkunftsland nicht verfügbar oder nicht
Meinung, dass die Forderungen berech- schen die Herkunftssprache überwiegend bezahlbar sind. „Ich halte dies für einen
tigt sind. Doch wegen der derzeitigen po- nicht. Die Engagierten, die sich für die weiteren Mosaikstein niedersächsischer
litischen Konstellation konnte keine Flüchtlinge verwenden, sehen in den Be- Flüchtlingspolitik, mittels dessen der
Mehrheit zustandekommen. troffenen ihre Freunde, ihre Sportkame- Verkauf schutzwürdiger Flüchtlinge vo-
Jetzt sind erneut die Innenminister von radinnen und -kameraden, ihre Spielge- rangetrieben und die Zahl der Abschie-
Bund und Ländern am Zug. Doch diese fährten, sie nehmen sie selbstverständ- bung erhöht werden soll“, schreibt RA
können sich nicht einigen. Manch ein po- lich als einen Teil unserer Gesellschaft Anding in seinem Kommentar dazu.
pulistischer Innenpolitiker verspricht wahr. Auch unsere Migrationsdienste be- Dass diese Befürchtung nicht abwegig
sich gute Wahlergebnisse durch eine ri- richten uns zunehmend, dass sie beson- ist, macht ein Widerrufsverfahren deut-
gorose Abschiebepolitik. ders mit der tragischen Situation von lich, das das Bundesamt auf Betreiben

12 : antifaschistische nachrichten 7/2006


ihrer Familie in Deutsch- Tausende verlieren ihr
land, hat in den letzten drei Leben vor den Kanaren
Jahren die Versorgung ihrer
drei jüngeren Geschwister Spanien. Die Zahl der Schwarzafrikaner,
übernommen, da die Mutter die auf dem Weg von Mauretanien auf die
verstorben ist und steht nun spanischen Kanarischen Inseln ihr Leben
kurz vor einem Realschulab- verloren haben, ist viel größer als bisher
schluss. Die junge Frau hat erklärt. Erst jetzt wurde bekannt, dass die
eine Lehrstelle als Hotel- spanische Guardia Civil schon im letzten
fachfrau, aber keine „Geneh- Dezember dazu einen Bericht verfasst hat.
migung zur Arbeit“ zu Schon damals ging die Militäreinheit da-
deutsch: Sie darf die Lehre von aus, dass in 45 Tagen bis zu 1.700
nicht antreten. Wenn sie die- Menschen ertrunken sind, als sie versuch-
Demonstration in Dessau, 1.4.2006, Foto: attac Halle se Genehmigung nicht er- ten auf die Kanaren zu gelangen. Der Be-
hält, wird sie zu ihrem 18. richt hatte den aussagekräftigen Namen:
der Stadt Göttingen angestrengt hat: Die Geburtstag nach Bosnien-Herzegowina „Massives Sterben von Einwanderern“.
Ausländerbehörde erklärt sich darin be- abgeschoben. Der Autor José Manuel García Varela er-
reit, einen Kranken nicht nur mit Medi- „Dies ist eine Verschwendung von Le- klärte darin: „In den letzten 45 Tagen ha-
kamenten im Herkunftsland zu versor- benszeit und Ressourcen,“ meinte Karl ben sich zwischen 2.000 und 2.500 Men-
gen, sondern ihn auch zur Durchführung Kopp von der Bundesarbeitsgemeinschaft schen in kleine Boote eingeschifft, um auf
einer ggfs. erforderlichen Behandlung PRO ASYL. Der Generalvikar des Bis- die Inseln zu kommen, von denen nur 800
nach Deutschland einzufliegen. Die tums Osnabrück der katholischen Kirche, oder 900 angekommen sind, was bedeutet,
Hauptsache scheint, dass ein Aufent- Theo Paul, ergänzte: Schon die Zuwande- dass zwischen 1.200 und 1.700 im Atlan-
haltsrecht in Deutschland verweigert rungskommission der Bundesregierung tik ertrunken sind“, schreibt der Vize-Ope-
wird – koste es, was es wolle. unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Rita rationsdirektor deutlich.
Quelle: Niedersächsischer Süßmuth hat vor Jahren festgestellt, dass Letzte Woche hatte die spanische Re-
Flüchtlingsrat /23.03.06 ■ Jugendliche nicht für die Kriegs- oder gierung eingeräumt, einige Hundert Men-
Krisensituation in ihren Herkunftsländern schen seien ertrunken, doch der Rote
Verschwendung von verantwortlich gemacht werden können. Halbmond bezweifelte sofort die Zahlen.
Ihnen müssen endlich berufliche Perspek- http://de.indymedia.org//2006/03/
Lebenszeit und Ressourcen tiven durch eine gleichberechtigte Teil- 141386.shtml Die Daten der Guardia Civil
Alternative Anhörung zu Arbeits- und nahme am dualen Ausbildungssystem er- stützen nun die Daten der Hilfsorganisati-
Bildungschancen junger Flüchtlinge möglicht werden. on, weshalb von Tausenden Toten im letz-
Osnabrück. In Deutschland sind jugend- 28 ReferentInnen beleuchteten bei der ten halben Jahr gesprochen werden muss.
liche Asylsuchende ohne gesicherten Auf- alternativen Anhörung die schwierige Si- Die Zahl kann wegen der großen Strecke
enthaltsstatus in der Regel von der Auf- tuation von jugendlichen Flüchtlingen aus von 1000 Kilometern nur geschätzt wer-
nahme einer Lehre oder weiterführenden verschiedenen Perspektiven. Große Einig- den, viele Tote werden nicht entdeckt.
Bildungsmaßnahmen ausgeschlossen. keit bestand in dem Punkt, dass die fakti- Die Regierung hat jetzt 35 Ingenieure
Nach den maßgeblichen internationalen sche Situation in deutlichem Widerspruch des Verteidigungsministeriums nach Mau-
Dokumenten ist das Recht auf Bildung je- zu den Zielen steht, die im Rahmen von retanien geschickt, um ein Lager aufzu-
doch ein Menschenrecht, das auch eine Bildungs,- Beschäftigungs- oder Jugend- bauen und dem Land Patrouillenboote zur
Berufsausbildung umfasst. schutzdebatten formuliert werden. Verfügung gestellt. In das Lager sollen
Bei der Frühjahrstagung des aus EU- Asylsuchende haben keinen gleichbe- Schwarzafrikaner per Schnellabschiebung
Mitteln geförderten Projektes SAGA am rechtigten Zugang zum Arbeitsmarkt in deportiert werden. Damit wird ein neuer
24.3.2006 in Osnabrück standen diese Ju- Deutschland und sind daher zur Untätig- Schritt zum Aufbau von Lagern in Afrika
gendlichen ohne Bildungsperspektiven im keit verpflichtet. Das betrifft vor allem gemacht, die von der EU finanziert wer-
Mittelpunkt einer alternativen Anhörung: viele der 200.000 Flüchtlinge mit einer den. Begründet wird wieder humanitär:
Unter der Schirmherrschaft des Osnabrü- sogenannten Duldung, von denen 50.000 Die Abgeschobenen sollen würdige Be-
cker Oberbürgermeisters Hans-Jürgen Fip bereits über zehn Jahre in Deutschland le- dingungen erhalten und nicht schlicht in
schilderten Fachleute und Betroffene, ben. Besonders für Kinder und Jugendli- der Wüste abgesetzt werden, heißt es. Das
Vertreter/innen aus Politik und Praxis, Re- che hat diese prekäre Lebenssituation gra- hatte im vergangenen Jahr Marokko auf
gelversorgung und Projekten, Schulen vierende gesundheitliche und soziale Druck Spaniens gemacht, um den An-
und Betrieben in kurzen Statements ihre Konsequenzen. sturm von Einwanderern auf die Exklaven
Positionen. EQUAL ist eine Initiative der Europäi- Ceuta und Mellila abzuwehren.
Bewegend und beeindruckend verdeut- schen Union zur Bekämpfung von Un- Quelle: www.de.indymedia.org ■
lichte Andrea Etken, Leiterin des AWO- gleichbehandlungen auf dem Arbeits-
Flüchtlingswohnheims in Melle, die enor- markt. Die Entwicklungspartnerschaft Broschüre über Flüchtlinge
men Schwierigkeiten, unter denen Flücht- SAGA hat sich zum Ziel gesetzt, Struktur- in Celle
lingskinder aufwachsen. Und welche verbesserungen für Asylsuchende in Ar- Das Diakonische Werk Celle hat eine sehr
Chancen sie sich erarbeiten: Sie gehen zur beitsmarkt und Gesundheitsversorgung lesenswerte Broschüre unter dem Titel „Leben
Schule und oft mit gutem Erfolg. Bis sie umzusetzen. Operative Akteure des Pro- zwischen Angst und Hoffnung“ herausgege-
17 oder 18 sind, dann haben sie nämlich jektes sind der Caritasverband für die Di- ben. Sie handelt von den Hoffnungen, Ängs-
keine Chancen mehr, weil sie keine Aus- özese Osnabrück, die Universität Osna- ten und Kämpfen der Flüchtlinge und ihrer
bildung machen dürfen. Kinder und Ju- brück, der Verein Niedersächsischer Bil- Unterstützer/innen um ein Bleiberecht im
gendliche der Meller Einrichtung brach- dungsinitiativen (VNB) und der Nieder- Landkreis Celle. Infos, Bestellungen, Kontakt
ten dies in einem Rollenspiel plastisch ins sächsische Flüchtlingsrat. über: Horst-Peter Ludwigs, E-Mail: DW.Cel-
le@evlka.de Die Broschüre kann von der
Bild. Auch Cima Salja, eine 17-jährige Quelle: Abteilung Öffentlichkeitsarbeit Website des Niedersächs. Flüchtlingsrates
Roma aus Lüneburg, brachte die ca. 90 und Grundfragen Caritasverband für http://www.nds.fluerat.org im PDF-Format he-
Zuhörer immer wieder zu ungläubigem die Diözese Osnabrück e.V. / Nieder- runter geladen werden.
Kopfschütteln. Sie lebt seit 16 Jahren mit sächsischer Flüchtlingsrat ■

: antifaschistische nachrichten 7/2006 13


Eine Woche nach der mündlichen Solidaritätskomitee gegen das Berufsverbot:
Verhandlung – und mehr als ein-
einviertel Jahre nach Klageerhe-
bung – hat das Verwaltungsgericht Karls-
Gefährliche Tendenz
ruhe die schriftliche Begründung des Ur- Papier so geschickt neu zusammenge- es gesellschaftliche Kontinuitäten zwi-
teils vorgelegt, mit dem das Berufsverbot knüpft, dass der Eindruck entsteht, es schen dem Nationalsozialismus und der
für Michael Csaszkóczy nun auch von gehe ihr um die Abschaffung des Staates BRD gegeben habe, zum anderen, dass
der Justiz bestätigt wurde. Bundesrepublik Deutschland – und nicht im Deutschland der 1990er Jahre rassis-
Die Urteilsgründe beschränken sich in um rassistische, fremdenfeindliche und tische Übergriffe zur Normalität gewor-
ihrem Kern auf die Frage der Mitglied- neonazistische Strukturen und Erschei- den seien. In diesen Passagen werde „die
schaft von Michael Csaszkóczy in der nungen vor allem in der Gesellschaft; Bundesrepublik Deutschland haltlos an-
AIHD – das „Sündenregister“ des Ver- und zum anderen wird die von jedem Be- gegriffen und diffamiert“ und „die Gren-
fassungsschutzes, die sogenannte 20- amten/Lehrer mitzubringende Verfas- zen einer legitimen Kritik unseres Staa-
Punkte-Liste, mit der Michael Csasz- sungstreue schwerpunktmäßig von der tes (...) weit überschritten.“
kóczy vorwiegend antifaschistische Akti-
vitäten (Demos gegen NPD-Aufmärsche
u.ä.) vorgeworfen wurden, spielt prak-
tisch keine Rolle mehr. Im Gegenteil,
seine persönlichen Aktivitäten werden
nahezu lobend bewertet: „ein engagierter
Streiter gegen Rechts und für friedliche
Auseinandersetzungen mit der Staats-
macht“.
Michael Csaszkóczy sei aber sozusa-
gen ein Wolf im Schafspelz. Das filtert
das Gericht aus dem Papier der AIHD
„Wir über uns“ heraus, das ihm qua Mit-
gliedschaft in der AIHD zugerechnet
wird. Daraus werde nämlich deutlich –
und hier bezieht sich das Gericht auf die
Verfassungsschutzberichte des Bundes
und des Landes Baden-Württemberg,
dass der „Antifaschismus“ (den das Ge-
richt mit spitzen Fingern in Anführungs-
striche setzt) das traditionelle Aktions-
feld für Anhänger und Gruppierungen
des Linksextremismus sei und „sich seit Rund 500 demonstrierten am 25. März in Karlsruhe gegen Berufsverbote.
jeher nur vordergründig gegen den
Rechtsextremismus richte“. Verfassung, also den Werten des Grund- Wenn solche Aussagen (die wissen-
Sozusagen durch einen doppelten Ritt- gesetzes, hinweg verlagert zur Treue schaftlich fundiert sind, einen tatsächli-
berger wird diese pauschale Diffamie- zum Staat. chen historischen Hintergrund haben und
rung dann für den konkreten Fall Csasz- Insbesondere moniert das Gericht gerade deshalb auch in der Öffentlichkeit
kóczy fruchtbar gemacht: auf der einen zwei Aussagen aus dem Papier der präsent sind) für Angehörige des öffentli-
Seite werden die Zitate aus dem AIHD- AIHD: Zum einen die Darstellung, dass chen Dienstes nicht mehr erlaubt sein
sollen, dann ist die Meinungsfreiheit tat-
Aus der Urteilsbegründung: sächlich in höchster Gefahr.
Lehramt „aus dem Geist der Vorschrift heraus führen“ Den Bruch mit dem Nationalsozialis-
mus hat die deutsche Gesellschaft 1945
Das Verwaltungsgericht verlangt von dem Lehrer als Beamten mehr wie damals bei den Be- nicht aus eigenem Antrieb und nicht aus
rufsverboten in den 1970er Jahren üblich war. Sie sollen nicht nur die Gewähr bieten, dass
eigener Kraft vollzogen. Daraus ergab
sie für die fdGo eintreten, sondern sollen sich mit ihr identifizieren. Der Deutsch- usw. Lehrer
soll sein Amt aus dem Geist der Vorschriften heraus führen, eine Anleitung zur Indoktrination. sich eine Kontinuität zwischen National-
sozialismus und bundesdeutscher Gesell-
„Mit seiner freiheitlichen demokratischen Grundordnung stellt unser Staat einen hohen posi- schaft, die gerade zu den Schwierigkei-
tiven Wert dar, den der Beamte erkennen und anerkennen muss. Soweit der Anwalt des Klä- ten zählte, mit denen die neue Verfassung
gers in der mündlichen Verhandlung ausgeführt hat, dieses strenge Eintreten für unsere der- zu kämpfen hatte.
zeitige Staatsordnung dürfe jedenfalls in Zeiten politischer Stabilität nicht an zu hohen An- Das Verwaltungsgericht schwingt sich
forderungen gemessen werden, das Fehlen jeder äußeren und inneren Bedrohung des Staa- hier zu einer Autorität in Sachen Historie
tes erlaube mehr Meinungsfreiheit und Überzeugungsvielfalt auch in der Beamtenschaft, auf, die versucht, eine höchst fragwürdi-
vermag das Gericht dem nicht zu folgen. ge Version deutscher Geschichte zu ver-
Krisenzeiten und ernsthafte Konfliktsituationen sind auch in Zukunft nicht auszuschließen. ordnen.
Aber nicht nur dann ist der Staat darauf angewiesen, dass seine Beamten für ihn und seine
Grundordnung Partei ergreifen. Dies gilt im Besonderen für Lehrer, die – wie der Kläger es
Das Solidaritätskomitee gegen das Be-
will – die heranwachsenden Generationen in der Landessprache, in Geschichte und Ge- rufsverbot sieht durch das Urteil grund-
meinschaftskunde unterrichten. Der Beamte muss in seiner beruflichen Tätigkeit die bestehen- legende Menschen- und Bürgerrechte
den verfassungsrechtlichen und gesetzlichen Vorschriften beachten und erfüllen und sein verletzt, insbesondere das Recht auf
Amt aus dem Geist dieser Vorschriften heraus führen (BVerfGE 349, 348), insbesondere als Meinungsfreiheit, Vereinigungsfreiheit
Lehrer im Unterricht auch die Grundwerte und Grundentscheidungen der Verfassung glaub- und freie Berufswahl. Michael Csasz-
haft vermitteln. kóczy wird mit Unterstützung der GEW
Nach dem Vorhergesagten gibt es im vorliegenden Fall genügend Anhaltspunkte, dass Rechtsmittel gegen das Urteil einlegen.
der Kläger dafür nicht genügend Gewähr bietet.“ Für das Solidaritätskomitee:
Stefan Riedel ■

14 : antifaschistische nachrichten 7/2006


: ostritt
„Wir verurteilen die Kriegsdrohungen der
Bundeskanzlerin Angela Merkel“ ufrieden berichtet Hans-Joachim
Antifaschisten rufen zum Ostermarsch auf
Die Vereinigung der Verfolgten 4. Wir rufen dazu auf, keine weiteren
Z von Leesen von der Lektüre der
„Bild“-Zeitung. „Skandal!“, titelte
das Springer-Organ am 22. März: „61
des Naziregimes ruft auf zum Grundgesetzverstöße der Militaristen zu- Jahre nach Kriegsende – 4000 deutsche
Ostermarsch an Rhein und Ruhr. zulassen (Bundeswehreinsätze im Innern Soldaten in Pappkartons“. Demnach wer-
Vor 45 Jahren gab es den ersten Oster- trotz eindeutiger Verfassungslage). Die den im tschechischen Usti nad Labem
marsch durch Nordrhein-Westfalen. ungeheuerlichen Pläne, entgegen der Wehrmachtsknochen in unscheinbaren
Heute leben wir wieder in Zeiten wach- Verfassung auch über unserem dichtbe- schwarzen Gebeinkästen aufbewahrt.
sender Kriegsgefahr. Wie seit vielen Jah- siedelten NRW angeblich terrorverdäch- Eine Schande ist das, findet Leesen, freier
ren nicht mehr, ist auch der Kampf gegen tige Zivil-Flugzeuge abzuschießen, müs- Mitarbeiter der „Preußischen Allgemei-
Atomwaffen besonders dringend not- sen auf den Widerstand aller Vernünfti- nen Zeitung“. Er berichtet in dem „Ver-
wendig. Für atomare Abrüstung – im Na- gen stoßen. triebenen“-Blatt über den Hintergrund.
hen Osten und weltweit. Wer gegen 5. Nach dem 45. Jahrestag des Oster- „Sobald es nach dem Krieg möglich
Atomwaffen ist, soll mit ihrer Abschaf- marsches stehen im Herbst die 60. Jah- war“, schreibt Leesen, begann der Volks-
fung in Deutschland beginnen. restage der Gründung des bund Deutsche Kriegsgräberfürsorge
Wir verurteilen die Landes NRW und der Grün- (VDK), „die Grabstätten gefallener deut-
Kriegsdrohungen der dung der traditionsreichen scher Soldaten zu sichern“. Das gelang
Bundeskanzlerin Angela Organisation des deut- ihm „in Nord-, West- und Südeuropa so-
Merkel gegen den Iran schen Widerstandes VVN wie überall sonst in der Welt“, wo die
und ihre Unterstützung bevor. Wehrmacht für die deutsche Expansion
für die atomaren Drohun- Wir treten ein für die mordete. „Der Volksbund pflegt zur Zeit
gen durch Frankreich und Verwirklichung der NRW- 827 solcher von ihm angelegter Friedhöfe
USA. Die Auslandseinsätze Landesverfassung, die das mit etwa zwei Millionen Kriegsgräbern“,
der Bundeswehr sind zu beenden. Recht auf Arbeit vorsieht weiß Leesen. Lücken gibt es allerdings
Bei diesem Ostermarsch muss es um und die Demokratisierung der Wirt- noch in Osteuropa: Bis 1989/91 verwei-
die Aufgabenstellung „Für Demokratie, schaftsmacht verlangt. Die Landesver- gerten die realsozialistischen Regierun-
gegen Sozialabbau, für Antimilitarismus, fassung ist eine Absage an den Neolibe- gen dem ehemaligen Weltkriegsaggressor
weg mit den Atomwaffen“ gehen. ralismus. jede Ehrung der Soldaten des Vernich-
1. Wir wenden uns gegen die Duldung Alle Antifaschistinnen und Antifa- tungskrieges.
von Naziaufmärschen in NRW, mit de- schisten sind aufgerufen, den Oster- Inzwischen allerdings, berichtet Lee-
nen u.a. zum Krieg gehetzt wird („Nie marsch wieder zu einem Höhepunkt der sen, „geht die Bergung und würdige Be-
wieder Krieg – nach unserem Sieg“ war Friedensbewegung zu machen. stattung unserer Toten auch im Osten (...)
die Losung der Nazis ausgerechnet am Landesausschuss der Vereinigung der zügig voran, vorbildlich in den baltischen
Antikriegstag.) Verfolgten des Naziregimes / Bund der Staaten, zunehmend auch in Polen, der
2. Statt die Fußballweltmeisterschaft Antifaschistinnen und Antifaschisten Ukraine und Rußland, seit kurzem in
im Juni/Juli an Rhein und Ruhr zur mili- (VVN-BdA) Weißrußland und auch auf dem Balkan.“
tärischen Aufmarschübung zu machen, Jupp Angenfort (Landessprecher) Eine Ausnahme gibt es freilich, und das
wie es die Bundesregierung vorhat, gilt Ulrich Sander (Landessprecher) ist der Lieblingsprügelknabe sämtlicher
es, für Frieden und Völkerverständigung, Hannelore Tölke (Landessprecherin) Organisationen der deutschen Umgesie-
gegen Nationalismus und die Nazifan- delten, die Tschechische Republik. „So ist
szene zu wirken. Die Daten der verschiedenen Oster- es bis heute nicht gelungen – was im Ver-
3. Wir treten ein für die Bürgerrechte, märsche in der gesamten Bundes- kehr mit anderen Ländern selbstverständ-
gegen die fortschreitende Kriminalisie- republik finden sich auf der website lich war –, mit der Tschechei ein Kriegs-
rung von Antifaschisten, weil sie die Na- des Netzwerk Friedenskooperative, gräberabkommen zu schließen“, schimpft
zis stören und gegen „polizeiähnliche“ Bonn: Leesen. (Der von ihm gewählte Ausdruck
Bundeswehreinsätze, wie sie Innen- wie www.friedenskooperative.de „Tschechei“ wurde übrigens nach 1918
Kriegsministerium plant. als verächtliche Kontraktion aus „Tsche-
choslowakei“ gebildet und kam in den
1930er Jahren so richtig in Gebrauch.)
Der Herausgabekreis und die Redaktion sind zu erreichen über:
GNN-Verlag, Zülpicher Str. 7, 50674 Köln Tel. 0221 / 21 16 58, Fax 0221 / 21 53 73. Zwar hat der VDK auch in der Tsche-
email: antifanachrichten@netcologne.de, Internet: http://www.antifaschistische-nachrichten.de chischen Republik inzwischen neun Ge-
Erscheint bei GNN, Verlagsges. m.b.H., Zülpicher Str. 7, 50674 Köln. V.i.S.d.P.: U. Bach denkstätten für gefallene Wehrmachtssol-
Redaktion: Für Schleswig-Holstein, Hamburg: W. Siede, erreichbar über GNN-Verlag, Neuer Kamp 25, daten geschaffen. Nun ist jedoch ein Re-
20359 Hamburg, Tel. 040 / 43 18 88 20. Für NRW, Hessen, Rheinland Pfalz, Saarland: U. Bach, nommierprojekt gescheitert, das die mit
GNN-Verlag Köln. Baden-Württemberg und Bayern über GNN-Süd, Stubaier Str. 2, 70327 Stuttgart,
Tel. 0711 / 62 47 01. Für „Aus der faschistischen Presse“: J. Detjen c/o GNN Köln. rund 3,5 Millionen Euro jährlich von der
Erscheinungsweise: 14-täglich. Bezugspreis: Einzelheft 1,30 Euro. Bundesregierung geförderten Totengräber
Bestellungen sind zu richten an: GNN-Verlag, Zülpicher Str. 7, 50674 Köln. Sonderbestellungen sind im Prager Stadtteil Strasnice einrichten
möglich, Wiederverkäufer erhalten 30 % Rabatt. wollten. Seitdem liegen die 4.000 Kno-
Die antifaschistischen Nachrichten beruhen vor allen Dingen auf Mitteilungen von Initiativen. Soweit ein- chenkisten in Usti nad Labem. Leesen
zelne Artikel ausdrücklich in ihrer Herkunft gekennzeichnet sind, geben sie nicht unbedingt die Meinung nimmt das den Prager Behörden übel.
der Redaktion wieder, die nicht alle bei ihr eingehenden Meldungen überprüfen kann. Schließlich trägt der VDK mit seinen Ge-
Herausgabekreis der Antifaschistischen Nachrichten: Anarchistische Gruppe/Rätekommunisten (AGR); Annelie
Buntenbach (Bündnis 90/Die Grünen); Rolf Burgard (VVN-BdA); Jörg Detjen (Forum kommunistischer Arbeitsgemein-
denkfriedhöfen dazu bei, ein Anliegen der
schaften); Martin Dietzsch; Regina Girod (VVN - Bund der Antifaschisten); Dr. Christel Hartinger (Friedenszentrum e.V., „Vertriebenen“-Verbände zu unterstützen:
Leipzig); Hartmut-Meyer-Archiv bei der VVN - Bund der Antifaschisten NRW; Ulla Jelpke (MdB); Jochen Koeniger (Ar- Nämlich in Osteuropa die Erinnerung an
beitsgruppe gegen Militarismus und Repression); Marion Bentin, Edith Bergmann, Hannes Nuijen (Mitglieder des Vor-
standes der Arbeitsgemeinschaft gegen Reaktion, Faschismus und Krieg–Förderverein Antifaschistische Nachrichten);
die deutsche Vergangenheit aufrecht zu
Kreisvereinigung Aachen VVN-BdA; AG Antifaschismus/ Antirassismus in der PDS NRW; Angelo Lucifero (Landesleiter erhalten. jk (nach: Preußische
hbv in ver.di Thüringen); Kai Metzner (minuskel screen partner); Bernhard Strasdeit; Volkmar Wölk. Allgemeine Zeitung 31.3.2006) ■

: antifaschistische nachrichten 7/2006 15


: aus der faschistischen presse
tration gegen den Moscheebau (siehe AN
5-06). Diesmal veröffentlicht das Blatt
ProKöln-Fraktionsvorsitzende ler“ „in die Stimmenthaltung gegangen“ ein Interview mit einem Dr. Paul Mur-
sei. Es sei wichtig bei künftigen Wahlen doch, Leiter des Arbeitskreises Religi-
gibt Interview diese Protestwählerschaft auf ihre „Fehl- onsfreiheit der Deutschen Evangelischen
Nationalzeitung 13-2006, 24.3.2006 kalkulation“ hinzuweisen. Sie stabilisier- Allianz, einem Zusammenschluss evan-
Das Blatt interviewt Judith Wolter, Frak- ten damit nur die Machtverhältnisse, die gelikaler und freikirchlicher Gemeinden.
tionsvorsitzende der „Bürgerbewegung sie veranlassen nicht mehr zu wählen. Zu- Murdoch hat lange Jahre als Missionar
pro Köln“ im Kölner Rat, die sich zu- stimmend wird der Deutschlandfunk zi- den Alleinvertretungsanspruch der
nächst vor allem über die Ausgrenzung tiert, der in seiner Wahlauswertung mein- christlichen Religion in Finnland, Pakis-
ihrer Fraktion durch die etablierten Par- te, es habe bei dieser Wahl kein wirkliches tan und Mikronesien gepredigt. Er be-
teien beklagt, dann aber den Schwer- „Protest-Thema“ gegeben, dass die DVU hauptet, jährlich würden Menschen we-
punkt darauf legt, das Verlagshaus Neven hätte nutzen können, was sich aber gen ihres christlichen Glaubens in einer
DuMont und seine Presseorgane zu kriti- schnell wieder ändern könne. Auf jeden Zahl umgebracht, die im fünfstelligen
sieren: „Wenn man nach einer Ratssit- Fall will man weiter am Deutschland-Pakt Bereich liege. Wobei seine Auslegung,
zung die geschönten Berichte aus der festhalten, auch wenn gerade die Zersplit- wann jemand aus Glaubensgründen um-
DuMont-Presse liest, meint man, man sei terung in Sachsen-Anhalt gezeigt hat, gebracht wird, sehr weit gefasst ist:
auf einer anderen Sitzung gewesen. Im dass es schwierig ist, die rechten Parteien „Zum Beispiel, wenn die arme christli-
Gegenzug kassiert er (DuMont) als unter einen Hut zu bekommen. Darin ist che Bevölkerung unter den Interessen
Kommanditist des Oppenheim/Esch- sich die DVU offensichtlich mit NPD- von Grundbesitzern oder Industriellen
Fonds bei wichtigen Projekten der Stadt Chef Voigt einig, dessen Stellungnahme oder denen des mit ihnen kungelnden
ab“, wird da behauptet. Und gefragt nach zur Wahl mit den Sätzen endet: „Der Ge- korrupten Regimes ... leiden müssen.
der Debatte um die Rolle des DuMont- danke, über eine Volksfront eine deutsche Heute haben wir es mit einer solchen Si-
Verlages im Dritten Reich, meint Wolter: Volksbewegung zu schaffen, hat nichts an tuation in Bolivien, Kolumbien, Ekuador
„Das Haus Neven DuMont verstand es seiner Aktualität und Bedeutung verloren. und Chiapas (Mexiko) zu tun.“ Die Tat-
offenbar zu jeder Zeit, sich mit den NPD, DVU und viele Freie Kräfte leben sache, dass sich die Herrschenden in die-
Mächtigen zu arrangieren. Ich vermute, dies vor und werden weiter zusammenste- sen Staaten ebenfalls zur christlichen Re-
dass sich im Falle einer Änderung der hen und daran arbeiten, den gemeinsamen ligion zählen, berührt Murdoch nicht.
Machtverhältnisse zugunsten einer pa- Willen durch Konzentration der Kräfte
triotischen Kraft plötzlich herausstellen weiter zu verstärken. Wer sich jetzt noch Erzwungene Einwanderung?
würde, dass Herr DuMont immer schon zu fein ist, mitzumachen oder wieder von
der größte Freund der nationalen Sache einer neuen Partei träumt, die den Kon- Junge Freiheit Nr. 12/06 vom 17. 3.2006
war.“ Dass die Vorsitzende von „Pro kurrenzdruck noch verschärft, verrät un- Doris Neujahr, langjährige Autorin des
Köln“, die gerade wieder gegen den Ver- ser Vaterland.“ Blattes, entdeckt einen neuen Grund für
fassungsschutzbericht NRW 2005 kla- die Immigration in die Bundesrepublik:
gen, der sie weiterhin als rechtsextrem JF entdeckt neue Opfer „Häufig wird darauf verwiesen, dass
einstuft, ausgerechnet der Nationalzei- Deutschland sie (die Zuwanderung) mit
tung ein Interview gibt, zeigt, dass die Junge Freiheit Nr. 11/06 vom 10.3.2006 dem Ruf nach Gastarbeitern ja selbst in
Verfassungsschützer wohl nicht so falsch Mehrere Seiten widmet das Blatt in die- Gang gesetzt habe ... Im übrigen ist die
liegen. Wieweit Neven DuMont sich ge- ser Ausgabe der Verfolgung von Christen deutsche und ökonomische Binnenper-
gen die Anwürfe wehren wird, bleibt ab- in der ganzen Welt. Man muss damit spektive viel zu eng, um die Entwicklung
zuwarten. Vielleicht hat sich „Pro Köln“ rechnen, dass dies eine Kampagne wer- zu erfassen. Es haben auch außenpoliti-
ja hier ein Eigentor geschossen. den kann, vor kurzem äußerte ein evan- sche und militärstrategische Überlegun-
gelischer Pastor in Köln, wenn DITIB, gen eine Rolle gespielt, auf die Deutsch-
Deutschland-Pakt bleibt eine von der Türkei unterstützte islami- land nur einen begrenzten Einfluss hatte,
sche Organisation, eine Moschee in für deren Folgen es aber aufkommen
Nationalzeitung 14-2006, 31.3.2006 Köln-Ehrenfeld bauen wolle, müsse sie musste. Nehmen wir die Türkei, aus der
Das Abschneiden der DVU in Sachsen- sich erstmal von den Christenverfolgun- seit den frühen sechziger Jahren die
Anhalt kommentiert das Blatt so, dass gen in der Türkei distanzieren. Kurz da- meisten ,Migranten‘ kommen ... Weil die
„die Masse der potenziellen Rechtswäh- nach versuchten Neonazis eine Demons- Türken mit der Haltung des Westens un-
zufrieden waren, begannen sie, sich der
Sowjetunion anzunähern – eine Kata-
BESTELLUNG: Hiermit bestelle ich … Stück pro Ausgabe (Wiederverkäufer erhalten 30 % Rabatt)
strophe. Der Nato-Partner musste stabili-
O Halbjahres-Abo, 13 Hefte 22 Euro
Erscheinungsweise: siert werden. Der Export überschüssiger
O Förder-Abo, 13 Hefte 27 Euro 14-täglich Arbeitskräfte und die Armutswanderung
O Jahres-Abo, 26 Hefte 44 Euro
nach Deutschland entspannte die innen-
O Förder-Abo, 26 Hefte 54 Euro
politische Lage. In diesem Zusammen-
O Schüler-Abo, 26 Hefte 28 Euro
hang ist auch das ungewöhnlich großzü-
O Ich möchte Mitglied im Förderverein Antifaschistische Nachrichten werden. Der Verein unterstützt finanziell
und politisch die Herausgabe der Antifaschistischen Nachrichten (Mindestjahresbeitrag 30,- Euro). gige Sozialabkommen von 1965 zu se-
Einzugsermächtigung: Hiermit ermächtige ich den GNN-Verlag widerruflich, den Rechnungsbetrag zu Lasten
hen, durch das die Großfamilien türki-
meines Kontos abzubuchen. (ansonsten gegen Rechnung) scher Arbeitnehmer in Deutschland mit-
versichert sind. Geht man wirklich fehl
Name: Adresse: mit der Vermutung, dass der souveräne
Entscheidungsspielraum in dieser Frage
Konto-Nr. / BLZ Genaue Bezeichnung des kontoführenden Kreditinstituts minimal gewesen ist?“ So paart sich
dann Anti-Amerikanismus mit Rassis-
Unterschrift mus, ohne von den Realitäten Kenntnis
zu nehmen. Ein Blick in die westlichen
GNN-Verlag, Zülpicher Str. 7, 50674 Köln, Tel. 0221 – 21 16 58, Fax 21 53 73, email: gnn-koeln@netcologne.de
Bankverbindung: Postbank Köln, BLZ 370 100 50, Kontonummer 10419507
Nachbarstaaten der Bundesrepublik hätte
genügt. u.b., uld ■

16 : antifaschistische nachrichten 7/2006