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:antifaschistische Nr.

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nachrichten g 3336 20.4.2006 22. jahrg./issn 0945-3946 1,30 ¤
www.antifaschistische-nachrichten.de

Über 1.000 Menschen demons-


trierten am Samstag, 8. April,
unter der Losung „Eine Region
Bundesverfassungsgericht
wehrt sich – Gegen Holocaust- Leug-
ner, gegen Nazi-Aufmärsche und ge-
bestätigte Demonstrations-
gen Gewalt!“ vom Gewerkschafts-
haus zum Paradeplatz. Ca. 70 Orga-
nisationen hatten sich dem Aufruf des
verbot für Holocaust-Leugner
Bündnisses gegen Rechts angeschlos-
sen. Der Nazi-Aufmarsch zur Unter-
stützung des Holocaust-Leugners
Ernst Zündel war von der Stadt Mann-
heim verboten worden, und dieses
Verbot hatte auch letztinstanzlich vor
dem Bundesverfassungsgericht Be-
stand (s.a. Pressemeldung der Stadt
Mannheim hierzu, S. 3).

Die Demonstration und anschließende


Kundgebung mit Kulturfest war somit
eine Freudenmanifestation, dass es er-
neut gelungen war, in Mannheim einen
Naziaufmarsch zu verhindern. Dafür war
mit Sicherheit die Breite des Bündnisses An der Spitze der Demonstration waren u.a. vertreten (v.l.: DGB-Regions-Vorsitzender Rebmann, MdL
wie auch die klare und entschiedene Mentrup (SPD), MdL Reichardt (CDU), der Hauptredner Werner Pfennig (VVN-BdA), der katholische
Stadtdekan Jung, Stadtrat Raufelder (Grüne), MdB Schick (Grüne) und Stadträtin Kuch (Linke Liste).
Stoßrichtung des Bündnisses maßgeb-
lich, notfalls auch durch Straßenblocka-
den den Aufmarsch zu unterbinden. Der siv aufgefahrene Polizei versucht hatte, ca. 300 Leute demonstriert unter dem
Neonazi Christian Worch beklagt auf der eine kleine Gruppe Autonomer am Bahn- Motto: „Nicht verleugnen, nicht verdrän-
NPD-Webseite: „Vielleicht ist es der po- hof festzuhalten. Sie wurden aber letzt- gen, nicht verwerten. Mit Deutschland
litische oder mediale Druck, dem sich lich doch zur Kundgebung „eskortiert“. endgültig brechen.“ (s. Bild). Auch diese
die ansonsten von ihrem Status her aus- Es gab keine Festnahmen. Nazis hatten Veranstaltung verlief absolut friedlich,
gesprochen unabhängigen Höchstrichter sich den Tag über in Mannheim nicht er- obwohl das Polizeiaufgebot als in höchs-
bisweilen ausgesetzt sehen“. Der ganze kennbar blicken lassen. Am Vorabend tem Maße provozierend empfunden wer-
Tag verlief friedlich, auch wenn die mas- hatten auf Initiative des JUZ-AK Antifa den musste. Mit ihrer Demonstration
wollten die TeilnehmerInnen diejenigen
Positionen artikulieren, die sie am Sams-
tag im Rahmen ihrer Teilnahme an der
Demonstration des Bündnisses nicht so
klar „rüberbringen“ konnten. Der 8.
April war auch regional ein Erfolg, weil
die NPD es dann doch vorzog, ihre kurz-
fristig angesetzten Ausweichveranstal-
tungen in Frankenthal und Bingen gleich
wieder abzublasen. Als nächstes plant sie
nun Aufmärsche am 1. Mai in Heppen-
heim und Weinheim. Tht ■

Dokumentation der Presseerklärung zum


BVG-Entscheid siehe Seite 3

Mannheim. An einer antifaschistischen Vorabdemonstration am 7. April beteiligten sich ca. 300 Men-
Aus dem Inhalt: schen. Antifaschistische Gruppen setzten an diesem Abend ein Zeichen gegen Geschichtsrevisionis-
Rechtsextremisten wollen Gastro- mus, Holocaustleugnung und Täter-Opfer-Verdrehung. Ein Sprecher des Ak Antifa kommentierte: „Ein
nomen in die Irre führen . . . . . . . . . 6 schwarzer Tag für das „Aktionsbüro Rhein-Neckar“. Juristisches Verbot und polizeiliche Verhinderung
Gedenkfeier zum 61. Jahrestag des Aufmarsches betrachten wir jedoch ambivalent. Sie sind auch Teil einer Tendenz zum Sicherheits-
der Selbstbefreiung des und Überwachungsstaat. Allerdings haben wir uns bereits am Freitag abend im Rahmen der antifa-
KZ Buchenwald . . . . . . . . . . . . . . . 8 schistischen Demonstration öffentlich gegen die vielfältigen Formen der Geschichtsverdrehung und
für eine befreite Gesellschaft positioniert. Wir betrachten daher das Wochenende als Erfolg für die
radikale Linke.“
: meldungen, aktionen
ausgesprochen und dafür viel Beifall ge-
erntet. „Es gibt auch Gegensätze, so wür-
de ich nicht den Ausländern alle Schuld
Braune Burschen wegen „Verfahrensfehlern“ wieder auf. in die Schuhe schieben“, sagte Klawun.
Hamburg. Auch in diesem Sommerse- Sie selbst bezeichnen sich als Religions- „Doch das NB kümmert sich um sozial
mester positioniert sich die „Hamburger gemeinschaft. In Publikationen und Ver- Schwache und wendet sich gegen die Be-
Burschenschaft Germania“ wieder ein- anstaltungen vertreten sie antidemokrati- nachteiligung des Ostens.“
deutig am rechten Rand. Für den sche, rassistische und antisemitische Er gab zu verstehen, dass er auch mit
27.4.2006 ist eine Veranstaltung in der Theorien. Im Lexikon der Sekten, Son- dem NB paktiere, weil ihn keine andere
Sierichstr. 23 mit dem österreichischen dergruppen und Weltanschauungen des Fraktion haben wollte. „Die akzeptieren
Antisemiten Richard Melisch zum The- Herder-Verlages sind sie unter dem mich so, wie ich bin.“
ma „Verdrängungskampf um die letzten Stichwort Neonazismus zu finden. Zu Quelle: DNN 22.3.2006 ■
Ölreserven“ geplant. Neonazigruppen bestehen vielerlei in-
Einen gleichnamigen grundlegenden haltliche und personelle Verbindungen Keine NPD! Größte Mai-
Artikel veröffentlichte der selbsternannte auch vor Ort.
Nahost-Experte der extremen Rechten in Die Lehre der „Ludendorffer“ ist ein Kundgebung des Nordens
der März-Ausgabe ‘06 der NPD-Zeitung Konglomerat von Verschwörungstheorie in Rostock geplant
„Deutsche Stimme“. Melisch schreibt und Pseudowissenschaft: „Deutsche Rostock. Für den 1. Mai hat die rechts-
für diverse rechte Blätter, in den neona- Gotterkenntnis ist abhängig vom Rasse- extreme NPD zu einer bundesweiten
zistischen Huttenbriefen (5-6/2004) er- erbgut“. Aus diesem Grunde führe „Blut- Kundgebung nach Rostock eingeladen.
klärte er den Terror Bin Ladens zum mischung“ zum „Volkstod“. Welche Etwa 3.000 Teilnehmer werden zu der
„Freiheitskampf gegen die USA und den nicht „artgerecht“ leben, verkommen zu Demonstration erwartet. In „Rostocks
Zionistenstaat Israel.“ Melisch ist übri- „plappernden Toten“. Das „entwurzelte guter Stube“ wird es dagegen Konzerte,
gens nicht zum ersten Mal in Hamburg, jüdische Volk“ erstrebt die Weltherr- Ansprachen und Diskussionsrunden von
im Dezember 2004 referierte er für die schaft in Gestalt von Kommunismus, Landes- und Bundespolitikern geben, da-
„Staats- und Wirtschaftspolitische Ge- Freimaurertum, Judentum und katholi- runter mit Gregor Gysi (Linkspartei.
sellschaft“ in dem Haus der „Burschen- scher Kirche, die in Wahrheit „verjudete“ PDS), Claudia
schaft Germania Königsberg zu Ham- Inhalte vertritt. Roth (Grü-
burg“, wo auch in diesem Jahr wieder Wir fordern die gesamte Öffentlichkeit ne),Hubertus
Veranstaltungen der SWG stattfinden. bis hin zum Bürgermeister der Stadt Bad Heil (SPD),
Dass neofaschistische Umtriebe eini- Fallingbostel auf, alles zu tun, damit die- Ministerpräsi-
ger Hamburger Burschenschaften die üb- se als „Kultur-Treff“ von Kindern bis zu dent Harald
rigen Studentenverbindungen nicht stö- Senioren getarnte Veranstaltung die letz- Ringstorff
ren, verdeutlicht eine Großveranstaltung te der Faschisten in Dorfmark sein wird. (SPD) sowie
im Hotel „Le Royal Meridien“ am 22. B90/Die Grünen/OV Bad Fallingbostel mit dem DGB-
April. Beim 23. Hamburger Korporati- Antifaschistische Initiative Vorsitzenden
onsball aller schlagenden Verbindungen, Soltau-Fallingbostel Michael Som-
sowie auch der nichtschlagenden Verbin- DGB KV Soltau-Fallingbostel mer.
dungen „Akademischer Turnbund“ und DGB Kulturarbeitskreis Soltau-Falling- Diese Zu-
„Deutsche Sängerschaft“, werden mal bostel, VVN/Bund der AntifaschistInnen sammenstel-
wieder Teile der hanseatischen Elite mit Niedersachsen, H-D Charly Braun - lung zeige, dass in Rostock eine der be-
ihrem braunen Nachwuchs das Tanzbein Egon Hilbich – Jürgen Stiewe ■ deutendsten Mai-Kundgebung Deutsch-
schwingen. Nicht nur die Germanen, lands geplant sei, erklärte Ingo Schlüter
sondern auch die „Pennale Burschen- Rechte im Stadtrat jetzt vom DGB Nord. Auch die Job-Parade,
schaft Chattia Friedberg zu Hamburg“, die als Jugendfest seit acht Jahren in
welche auf der aktuellen Internetseite Fraktion Schwerin stattfindet, wurde vom Ge-
des Verfassungsschutzes unter Rechtsex- Dresden. Wie die Dresdner Neue Nach- werkschaftsbund in die Hansestadt ver-
tremismus geführt wird, nimmt an dem richten vom 22.3. meldeten, kann das legt. „Mit dem Maifest wollen wir zei-
Ball teil. erk ■ rechtsorientierte „Nationale Bündnis“ gen,dass wir die Mehrheit sind“, so
(NB) von Holger Apfel, Hartmut Krien Schlüter, der den NPD-Aufmarsch als
Wieder Nazi-Treffen in und Wolfgang Schwarz mit Schützenhil- Teil einer Strategie sieht,am 17. Septem-
fe von Stadtrat Werner Klawun jetzt eine ber in den Schweriner Landtag einzuzie-
Dorfmark Fraktion bilden, erhält Anspruch auf ein hen. (15.3.: Norddeutsche Neueste Nach-
Auch in diesem Jahr veranstalten die Ratsbüro und Geld von der Stadt und richten – www.svz.de)
„Ludendorffer“ (Bund für Gotterkennt- kann mehr Vertreter in die Ausschüsse Es wird auch eine überregionale Anti-
nis) wieder ihr „Frühlingstreffen“ im entsenden. Dies gehe aus einer von der fademo geben, bei der [‘solid], neben
Bad Fallingbosteler Ortsteil Dorfmark NPD verbreiteten Mitteilung hervor. Bis- dem Antifaschistischen Aktionsbündnis
im Gasthaus „Deutsches Haus“. her hatte dem NB ein vierter Mann ge- Erster Mai Rostock, Avanti, der Antifa-
Die „Ludendorffer“ stellen antisemiti- fehlt, um eine Fraktion zu bilden. schistischen Linken Berlin und Antifa-
sche Weltverschwörungstheorien auf, Klawun war für die Volkssolidarität in Gruppen aus MV, Mitaufrufer ist.
leugnen den Holocaust und propagieren den Rat gewählt worden, gehörte dann „Dieser Aufmarsch, der auch als
den Erhalt der reinen deutschen Rasse. zur „BürgerFraktion“, die ihn aber aus- Wahlkampf-auftakt der NPD für die
Sie berufen sich auf den im 1. Weltkrieg schloss, „weil eine konstruktive Zusam- Landtagswahlen in Mecklenburg-Vor-
bekannten General Erich Ludendorff, so- menarbeit nicht möglich war“. Klawun pommern zu sehen ist, muss ein Desaster
wie dessen Frau Mathilde (Gründerin versuchte erfolglos, in andere Fraktionen werden. Der Erste Mai gehört uns! –
des Bund für Gotterkenntnis). E. Luden- zu gelangen. „Es hat sich gezeigt, dass heißt es in einem Aufruf von [‘solid]-
dorff war Weggefährte Adolf Hitlers. wir kommunalpolitisch gar nicht so weit Mecklenburg-Vorpommern.
1961 wurde der Bund für Gotterkenntnis auseinander liegen“, erklärte nun NB- Infos unter:
als „verfassungsfeindlich“ verboten. Ein Sprecher Holger Szymansky. So habe www.rostock-bleibt-bunt.de
bayerisches Gericht hob 1977 das Verbot sich Klawun gegen „Asylmissbrauch“ www.1mairostock.de ■

2 : antifaschistische nachrichten 8/2006


Dokumentiert: locaust. Gegen sie sind darauf gestützte von aus, dass die Veranstalter das
Presseerklärung der Stadt Mann- strafrechtliche Verfahren durchgeführt höchstrichterlich bekräftigte Verbot be-
heim vom 6. April 2006 worden oder werden gegenwärtig durch- achten. In Mannheim wird am Samstag
Bundesverfassungsgericht stützt geführt. Die Billigung oder Leugnung kein bundesweit mobilisierter Auf-
Versammlungsverbot der rassisch motivierten Ermordung der marsch von mehreren hundert Rechtsex-
„Freie Nationalisten Rhein-Neckar“ jüdischen Bevölkerung unter der Herr- tremen stattfinden.
dürfen am kommenden Samstag schaft des Nationalsozialismus stellt Die Stadtverwaltung freut sich über
nicht in Mannheim aufmarschieren eine Straftat dar“, so die Verfassungs- diesen juristischen Erfolg und nimmt für
Mannheim. Das Bundesverfassungsge- richter. Das BverfG trägt auch die Ein- sich in Anspruch, mit dieser Entschei-
richt Karlsruhe (BVerfG) hat heute den schätzung der Stadt Mannheim mit, dass dung einen Beitrag zur Entwicklung des
Eilantrag der rechtsextremen „Freien Auflagen als mildere Mittel gegenüber bundesdeutschen Versammlungsrechts
Nationalisten“ auf Erteilung einer einst- einem Versammlungsverbot ausschei- geleistet zu haben. Motto, Redner und
weiligen Anordnung abgelehnt. Die 1. den. Diese Einschätzung gründet nicht beantragte Rahmenbedingungen der
Kammer des Ersten Senats bestätigte nur auf der strafrechtsrelevanten Bewer- jetzt verbotenen Versammlung waren
durch den Präsidenten Prof. Papier in tung des Versammlungsmottos: Die An- nach Einschätzung des zuständigen
knapp vier Seiten das Versammlungs- nahme, dass Straftaten begangen wer- Fachbereiches Sicherheit und Ordnung
verbot der Stadt Mannheim. Das höchs- den könnten, sieht auch das BVerfG darauf ausgelegt, die Grenzen der Ver-
te Gericht der Bundesrepublik Deutsch- „dadurch bestärkt, dass zu den vorgese- sammlungsfreiheit auszutesten. Diese
land stützt damit die Einschätzung, dass henen Rednern Personen zählen, die Grenzen sind damit zumindest für revi-
bei der am 8. April 2006 geplanten De- schon selbst wegen Volksverhetzung sionistische Versammlungen neu defi-
monstration in der Mannheimer Innen- verurteilt worden sind“. Die Karlsruher niert. Die Entscheidung des höchsten
stadt unter dem Motto „Schafft Mei- Entscheidung ist unanfechtbar. Damit ist deutschen Gerichtes stellt nach Auffas-
nungsfreiheit – Freiheit für Zündel, Ru- das Versammlungsverbot der Stadt sung der Stadtverwaltung allerdings
dolf, Verbeke und Irving“ die Gefahr be- Mannheim vom 28. Februar 2006 kein Präjudiz für alle zukünftigen Ver-
steht, dass Straftaten begangen werden. rechtsgültig und wirksam. Es umfasst sammlungen von Rechtsextremen dar.
„Die vier im Versammlungsmotto ge- auch jede Form einer Ersatzveranstal- Die Situation muss jeweils neu und auf
nannten Personen gehören zu den welt- tung der „Freien Nationalisten Rhein- Grundlage der aktuellen Gegebenheiten
weit prominentesten Leugnern des Ho- Neckar“. Die Stadtverwaltung geht da- bewertet werden. di/6.4.06 ■

Naziaufmärsche am 1. Mai Voigt ins Rennen. Voigt hat auch schon Cham“ u. a. bereits seit einigen Monaten
verhindern! die Landeslisten bei den Wahlen in angemietet gehabt und als „Sturmlokal
Nordrhein-Westfalen und 1999 in Bran- Sturm 23“ betrieben. Auch mehrere Neo-
Weinheim/Heppenheim. Am 1. Mai denburg angeführt. Auf Platz 2 wählten nazi-Konzerte hatten dort stattgefunden,
2006 wollen militante Neonazis aus dem die NPD-Mitglieder Manuela Tönhardt der Mietvertrag wäre allerdings am 15.
Spektrum der freien Kameradschaften von der DVU. Damit wird der vor einem April ausgelaufen.
und Mitglieder der NPD in Heppenheim Jahr abgeschlossene „Deutschlandpakt“ Die Neonazis haben durch den Kauf
und Weinheim aufmarschieren. Sie wer- erstmals auch auf eine Berlin-Wahl ange- jetzt zusätzlich eine große Veranstal-
den versuchen, ihre menschenverachten- wandt. Die DVU verzichtet auf einen ei- tungshalle zur Verfügung. Der Neonazi
de, rassistische und antisemitische Pro- genständigen Wahlantritt, im Gegenzug Uwe Meenen (Würzburg) gab gegenüber
paganda auf die Straße und in die Köpfe öffnet die NPD ihre Kandidatenlisten für der Mittelbayerischen Zeitung an, die
zu tragen; ihre politischen Vorstellungen deren VertreterInnen. Die Kamerad- Immobilien als „eine Art ,Treuhänder‘
bedeuten in letzter Konsequenz Barbarei schaftsszene konnte die NPD jedoch für die Partei erworben“ zu haben. Zuerst
und Vernichtung. In Heppenheim wollen nicht einbinden. Kandidierte Gordon würden die Räume provisorisch zurecht-
sich die Nazis um 10 Uhr am Bahnhof Reinholz von der Kameradschaft Märki- gemacht. Dazu solle eine Wirtschaft ein-
treff en, danach haben sie vor, mit der scher Heimatschutzbund bei der Bundes- gerichtet werden und für die neonazisti-
Bahn nach Weinheim zu fahren, um dort tagswahl noch auf Listenplatz 6, ist er für schen Kameradschaften eine Art „Ju-
ab 14 Uhr zu marschieren. die Berlin-Wahl nicht mehr aufgestellt. gendkulturzentrum“. Ein „Schulungs-
Faschismus ist keine Meinung, son- Die „Republikaner“ kandidieren mit ei- und Veranstaltungszentrum“, so Meenen,
dern ein Verbrechen – deswegen gilt es, gener Liste. Sie wählten Björn Clemens „auch für Landesparteitage“.
den Naziaufmarsch unter allen Umstän- zu ihrem Spitzenkandidaten. Nachdem im oberpfälzischen Eslarn
den zu verhindern. Beteiligt euch an den Quelle: taz Berlin lokal 11.4.2006 ■ der Besitzer des örtlichen Marktplatzes
Gegenaktivitäten! – NAZIS STOPPEN! den Mietvertrag mit der NPD gestern zu-
Treffpunkte für antifaschistische Ge- NPD kauft große Immobilien rückzog, braucht die NPD ein neues
genaktivitäten: Heppenheim 10 Uhr Grundstück für den am 17. Juni 2006 ge-
Bahnhof • Weinheim 13 Uhr Bismarck- in Cham (Oberpfalz) planten sog. „NPD-Bayerntag“. Dort sol-
denkmal. AK Antifa Mannheim ■ München. Der unterfränkische NPD- len die Neonazibands „Hauptkampfli-
Bezirksvorsitzende Uwe Meenen hat im nie“, „Braune Brüder“ und die kaliforni-
NPD ganz frisch gelistet oberpfälzischen Cham bereits Ende schen Hardcore-Nazi-Zwillinge „Prussi-
März die Gebäude der ehemaligen Dis- an Blue“ auftreten.
Berlin. Die parlamentsorientierten kotheken „Froschkönig“, „Sax“, sowie Uwe Meenen deutet schonmal Cham
Rechtsextremisten wappnen sich für die des Comet-Marktes an der Bad-Straße als neue Örtlichkeit an: Im Sommer soll
Abgeordnetenhauswahl am 17. Septem- 23 gekauft. Ein Gutachter hatte den Ver- das erste Fest stattfinden, das in diesen
ber in Berlin, berichtet die taz Berlin kehrswert der Fläche samt Gebäude für Tagen beantragt werde, „ein Fest mit
vom 11. April. Sowohl die „Republika- eine Versteigerung auf 862.000 Euro ge- Volksfestcharakter“ und mit „großem
ner“ als auch die NPD hätten am Wo- schätzt. Die Räume der ehemaligen Dis- Festzelt“.
chenende auf Landesparteitagen ihre kothek „Froschkönig“ hatten Aktivisten A.I.D.A-Archiv München
Landeslisten gewählt. Die NPD schickt der neonazistischen Gruppen „Weisse e-Mail: info@aida-archiv.de
auf Platz 1 den Bundesvorsitzenden Udo Wölfe“ (Weiden), „Freie Nationalisten Homepage: www.aida-archiv.de ■

: antifaschistische nachrichten 8/2006 3


Zündel-Verfahren mit Ausstellung über Verfolgung Eroberung der Macht – durch das deut-
neuem Eklat Homosexueller in der NS-Zeit sche Volk für das deutsche Volk“ ist das
Vlothoer „Collegium Humanum“ um
Mannheim. Wieder einmal ging es im Berlin. Bundestagsvizepräsident Wolf- Ursula Haverbeck, stellvertretende Vor-
Prozess gegen den Holocaust-Leugner gang Thierse eröffnete am Mittwoch, sitzende des „Vereins zur Rehabilitie-
Ernst Zündel nicht um die Sache. Statt- dem 5. April 2006 im Westfoyer des rung der wegen Bestreitens des Holo-
dessen pöbelte seine Anwältin solange Paul-Löbe-Hauses die Ausstellung „Aus- caust Verfolgten“ (VRBHV). Der
herum, bis sie aus dem Saal entfernt wer- grenzung aus der Volksgemeinschaft – „Kampf um die Macht“ sei „der Kampf
den musste. Im Volksverhetzungsprozess Homosexuellenverfolgung in der NS- um die Wiederherstellung des deutschen
gegen Ernst Zündel ist es vor dem Land- Zeit“. Veranstalter ist der Kulturring Ber- Staates“, heißt es in der Seminarankündi-
gericht Mannheim erneut zu einem Eklat lin e.V. gung. Dieser sei „gleichbedeutend“ mit
gekommen: Die vom Verfahren ausge- Die Ausstellung zeigt die nationalso- „dem Kampf gegen die Fremdherrschaft
schlossene Anwältin Sylvia Stolz wei- zialistische Politik gegenüber den Ho- mit dem Ziel der Wiederherstellung der
gerte sich, die Verteidigerbank zu verlas- mosexuellen von 1933 bis 1945 chrono- Handlungsfähigkeit des Deutschen Rei-
sen und wurde daraufhin von zwei Wach- logisch auf. „Exemplarische“ Täter wer- ches“. Anmeldungen für das Seminar
polizistinnen aus dem Saal getragen. Da- den vorgestellt und Schicksale verfolgter nimmt das Hotel „Stille Quelle“ in Mos-
bei winkte sie dem Publikum, das vor- Homosexueller aus Berlin und anderen bach entgegen.
wiegend aus rechten Sympathisanten be- Großstädten geschildert. Deren Erfah- Die neofaschistischen Theoriezirkel
stand, zu und rief: „Das deutsche Volk rungen, in eine breit angelegte Ge- „Deutsches Kolleg“ und „Deutsche Aka-
erhebt sich.“ Das Oberlandesgericht schichtserzählung eingebettet, lassen die demie“ hatten in den vergangenen Jahren
Karlsruhe hatte den Ausschluss von Auswirkungen der Verfolgung deutlich wiederholt Schulungsveranstaltungen in
Stolz jüngst bestätigt. Der Vorsitzende werden. Darstellungen zu den Verfol- dem Ort durchgeführt. hma ■
Richter Ulrich Meinerzhagen stellte nun gungsmaßnahmen und beteiligten Insti-
klar, dass diese Entscheidung gelte, auch tutionen veranschaulichen wichtige As- FN und MPF: Rechts schlägt
wenn sie noch nicht rechtskräftig sei. pekte der Verfolgungs- und Rechtsge-
Stolz hat bereits Beschwerde beim Bun- schichte. Die Ausstellung kann bis zum sich, Rechts verträgt sich nicht
desgerichtshof angekündigt. 28. April 2006 werktags besucht werden: Paris. Nun tat Jean-Marie Le Pen doch
Meinerzhagen stellte es der Anwältin montags 8 bis 16 Uhr, dienstags bis don- noch, was einige (zum Teil inzwischen
frei, die Bank freiwillig zu verlassen und nerstags 8-17 Uhr und freitags 8-14 Uhr. ausgetretene) innerparteiliche Kritiker
unter den Zuschauern im Saal Platz zu von ihm forderten – und richtete ein
nehmen. Stolz, die unter anderem wegen REP verlieren auch bei Bündnisangebot an die andere größere
rechter Sprüche an früheren Verhand- politische Strömung, die im Rechtsau-
lungstagen ausgeschlossen worden war, Kommunalwahl in Hessen ßenspektrum um Stimmen wirbt: An den
warf dem Vorsitzenden Richter vor, er Hessen. In der Gesamtrechnung lag die MPF (Mouvement pour la France, Bewe-
führe einen Prozess des „Lynchens ohne CDU bei den Kommunalwahlen vor der gung für Frankreich) unter dem Rechts-
Recht“. Meinerzhagen verkörpere zudem SPD, die Linke mit rund 19.000 Stim- katholiken und Nationalkonservativen
eine Fremdherrschaft über das deutsche men noch vor der NPD mit 7.200 Stim- Philippe de Villiers, der bisher noch eine
Volk. Sie selbst stelle sich dagegen „hier men. Die REP waren hier die großen Kleinpartei darstellt, aber sich durch ge-
vor das deutsche Reich“. Seit 60 Jahren Verlierer (noch 29.600 Stimmen), sie zielte An- bzw. Abwerbung rechtsextre-
verzichte das deutsche Volk darauf, sich biißten mehr als die Hälfte ihrer Mandate mer Kader aufzubauen sucht.
selbst zu regieren. „Diesem schlechten ein. In den Landkreisen und kreisfreien Ob dieses „Angebot“ ernst gemeint
Beispiel folge ich nicht.“ Daraufhin wur- Städten stellen sie noch 29 Parlamenta- war, oder ob es Le Pen bloß darum ging,
de sie aus dem Saal entfernt. rier, darunter mit je drei Abgeordnete in den Schwarzen Peter dem rechten Grafen
Stolz hatte bereits beim Prozessauftakt den Kreistagen Bergstraße und Main- de Villiers zuzuschieben, mag dahinge-
im November vergeblich versucht, den Kinzig, mit je zwei in den Kreistagen stellt bleiben. Am Dienstag, 11. April je-
Ex-NPD-Anwalt Horst Mahler, der als Fulda, Odenwaldkreis, Waldeck-Fran- denfalls sprach sich der Präsident des
ihr Mentor in der rechten Szene gilt, als kenberg und Marburg-Biedenkopf sowie Front National (FN) auf dem Fernsehka-
Assistenz der Verteidigung hinzuzuzie- im Rheingau-Taunus-Kreis. In Frank- nal i-télévision dafür aus, „eine aktive
hen. Jetzt saß Mahler neben weiteren furt/Main ziehen Republikaner (1,5%) Koalition für die Parlamentswahlen“ des
Sympathisanten Zündels im vollen und und NPD (1,2%) mit je einem Sitz in die kommenden Jahres 2007 zu formieren.
von rund 30 Polizisten gesicherten Ge- Stadtverordnetenversammlung ein. In Nebulös bleibend und ohne konkrete Na-
richtssaal. Auf der Verteidigerbank nahm Offenbach kamen die REP auf 4,0 Pro- men zu nennen – auch wenn die Nach-
erneut der rechte Hamburger Anwalt Jür- zent (drei Mandate) und in Wiesbaden richtenagenturen den Angesprochenen
gen Rieger Platz, der nach Stolz’ Raus- auf 5,0 Prozent (4 Mandate). sofort als den MPF und Philippe de Vil-
wurf umgehend einen Befangenheitsan- Der NPD gelang der Einzug in die liers identifizieren wollten –, sprach Le
trag an die Adresse der Richter stellte. Kreistage des Wetteraukreises (3) und Pen an gleicher Stelle von „konvergieren-
Inhaltlich kam der Prozess nicht wei- des Lahn-Dill-Kreises (2). In ihrer Wöl- den Kräften“. Und schlug eine gemeinsa-
ter. Zur Sache wurde seit dem Prozess- fersheimer Hochburg glänzte die NPD me Strategie für die Präsidentschafts- und
auftakt im November nicht verhandelt. wieder mit 10,4 Prozent (3 Mandate). die Parlamentswahlen vor, die beide im
Prozessbeobachter glauben daher auch Newsletter AG Antifaschismus Frühjahr 2007 in wenigen Wochen Ab-
nicht an ein schnelles Ende des Verfah- Linkspartei.PDS ■ stand stattfinden. Es gehe um eine „Ein-
rens und rechnen damit, dass die vier heitskandidatur“ bei den erstgenannten,
weiteren Prozesstage, die das Gericht Mahler in Mosbach und um einen „aktive Koalition“ bei den
vorerst bis zum 9. Juni anberaumt hat, letztgenannten Wahlen.
nicht ausreichen werden. Mosbach/Vlotho. Der bereits wegen Dies aber konnte nur bedeuten: Erst
Der Prozess wird am 26. April fortge- „Volksverhetzung“ verurteilte ehemalige unterstützen die Anderen „meine“ (Le
setzt. NPD-Aktivist Horst Mahler soll am Pens) Kandidatur zur Präsidentschafts-
entnommen aus Kommunale Berichte 22.und 23.April in Mosbach/Thüringen wahl – und dann lässt sich etwas Gemein-
Mannheim 8-06, Quelle: stern-online.de, referieren. Veranstalter des Wochenend- sames für die hinterher stattfindenden
5.4.06 ■ seminars unter dem Titel „Strategien zur Wahlen zur Nationalversammlung auf die
: antifaschistische nachrichten 8/2006
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Beine stellen. Traditionell interessiert Le Rassegesetze. Globke
Pen sich fast nur für die Präsidentschafts- war unter Adenauer
wahl, die er als „Königin aller Schlach- Staatssekretär. Kurt-
ten“ betrachtet, während ihm die Parla- Georg Kiesinger, Hans-
mentswahlen – zu denen er bei den letz- Karl Filbinger und viele
ten beiden Malen nicht persönlich kandi- andere setzten ihre Kar-
dierte – eher als eine lästige Pflichtübung riere im Nachkriegs-
erscheinen. deutschland ungebro-
Philippe de Villiers schlug das „groß- chen fort. Das auswärti-
zügige“ Angebot alsbald aus. Am 13. ge Amt – in der Nazi-Tradition stehend –
April erklärte er dem öffentlichen Fern-
sehsender France 2, ein Bündnis setze vo-
D ieses Jahr war die verantwortliche
Ausrichterin der Gedenkfeier am 2.
April die Stadt Leverkusen, die allerdings
machte gerade wegen der Ehrung verstor-
bener Nazi-Mitarbeiter Schlagzeilen. Erst
raus, dass man sich erst einmal „über ge- schon im Vorfeld dieser Veranstaltung am Freitag schrieb die NRZ über den Ab-
meinsame Ideen“ einig werden könne. nicht allzu viel Aufmerksamkeit entge- wehrchef Hitlers Reinhard Gehlen, Abtei-
An diesem Punkt meldete de Villiers je- genbrachte. Entsprechend sah es auch mit lung „Fremde Heere Ost“. Gehlen baute
doch Bedenken an. Aber er machte sie der städtischen Vertretung aus. Oberbür- nach 1945 den Bundesnachrichtendienst
nicht am Rassismus des FN-Chefs fest, germeister Ernst Küchler konnte persön- auf, der wegen seiner tatkräftigen Hilfe
sondern daran, dass dieser „vor wenigen lich nicht erscheinen und seine Vertreterin beim Krieg der USA gegen den Irak gera-
Tagen für das Recht des Iran auf die war hörbar unvorbereitet. Aber über 300 de Schlagzeilen macht....
Atombombe“ eingetreten sei. „Ich, ich Antifaschisten waren motorisiert, mit dem Wir stehen vor großen Herausforderun-
möchte die Banlieues entwaffnen, und Le Fahrrad oder zu Fuß in die Wenzelnberg- gen. Neofaschistische Banden wie die so-
Pen möchte die Bärtigen“ (ein geläufiger schlucht gekommen. Mit der Beteiligung genannten „Freien Kameradschaften“
Ausdruck für Islamisten) „bewaffnen“, des Jugendblasorchesters der Musikschu- verbreiten seit Jahren ungehindert ihre Pa-
fügte de Villiers hinzu. Damit konnte er le Leverkusen und der Schülerinnen des rolen.... und es bleibt nicht bei Parolen! In
als der konsequentere Rassist und Mos- Leverkusener Landrat-Lucas-Gymnasi- den letzten Jahren sind in Deutschland
lem-Gegner auftreten. ums war die Jugend unter den Mitwirken- von Neonazis weit über einhundert Morde
MPF-Generalsekretär Guillaume Pel- den erfreulich stark vertreten. Die Ermor- begangen worden. Es ist zu begrüßen,
letier sprach davon, dass man gemeinsa- dung der 71 Häftlinge mit dem Ziel, noch dass das Oberverwaltungsgericht NRW in
me Ideen an einigen Punkten, „zum Bei- möglichst viele Antifaschisten vor der Be- Münster eindeutig erklärt hat: „Eine
spiel bei der Zuwanderung“ (!), habe, freiung umzubringen, stellten die Schüle- rechtsextremistische Ideologie lässt sich
doch unterschiedliche Ideen an anderen rinnen eindrucksvoll in ihren kurzen Bei- auch nicht mit den Mitteln des Demons-
Punkten. Er fügte hinzu, er begrüße es, trägen unter dem Titel „Mit Mut und Zi- trationsrechts legitimieren.“.... Dies hin-
wenn Le Pen nunmehr „die Ideen vor die vilcourage gegen Gewalt und Terror“ dar. dert jedoch die obersten Richter unseres
Personen“ stelle – aber dies müsse in der Mit der Nennung ihrer Namen konnten 68 Landes – die Richter des Bundesverfas-
Konsequenz bedeuten, dass er auf seine der Ermordeten aus ihrer Anonymität he- sungsgerichts – nicht, mit dem Hinweis
eigene Kandidatur verzichte, da er es rausgeholt werden, die Namen von drei auf die Wahrung des „hohen Rechts der
nicht vermöge, „die Patrioten gewinnen ermordeten Häftlingen konnten bis heute Versammlungsfreiheit“ trotz massenhaf-
zu lassen“. noch nicht festgestellt werden. ter Proteste die Neonazi-Zusammenrot-
MNR-Chef Bruno Mégret erklärte vo- Im Anschluss sprach Jürgen Schuh, tungen zu legalisieren. ... Strafverfolgun-
rige Woche großspurig, er nehme das An- Kreissprecher und Mitglied des Landes- gen von Menschen, die sich den Nazis in
gebot Le Pens (siehe oben) an. Er denke ausschusses NRW der VVN-BdA: den Weg stellen, sind an der Tagesord-
an eine Koalition aus FN, MPF, dem „Der antifaschistische Konsens – der nung. Dabei machen deutsche Gerichte
„souveränistischen“ (EU-skeptischen nach der Befreiung vom Faschismus alle nicht einmal halt vor ehemaligen KZ-
und nationalistischen) Flügel der konser- Parteien verband – dieser Konsens zer- Häftlingen. Hier wird der Paragraph 21
vativen Regierungspartei UMP „und na- brach sehr schnell. Aus vielen der Ver- des Versammlungsgesetzes bemüht, der
türlich dem MNR“. Unglücklicherweise folgten wurden über Nacht wieder Ver- „Störungen“ unter Strafe stellt. Wer also
interessiert sich jedoch kaum jemand für folgte. Ehemaligen Häftlingen aus den Nazis bei der Verbreitung faschistischer
die Überreste des MNR, der vor allem ei- Konzentrationslagern und Zuchthäusern Propaganda „stört“, ist Gesetzesbrecher.
nen Schuldenberg verwaltet. Anfang wurde von ehemaligen Blutrichtern des Aber nicht allein die Glatzköpfe in
April wurde zudem noch ein Strafprozess NS-Regimes wieder der Prozess gemacht. Springerstiefeln und die NPD sind das
gegen den MNR-Chef Mégret eröffnet Eine der schillerndsten Figuren war Hu- Problem. Das Problem sind die gesell-
wegen Missbrauchs öffentlicher Gelder: bert Schrübbers, während der Nazi-Zeit schaftspolitischen Umstände und die
2002, als seine Gattin Catherine Mégret Generalstaatsanwalt in Hamm, verant- Kräfte, die sie gewähren lassen. Der deut-
noch Bürgermeisterin im südfranzösi- wortlich für zahlreiche Terrorurteile ge- sche Faschismus kam aus der Mitte der
schen Vitrolles war, hatten 75.000 Euro gen Antifaschisten. Schrübbers wurde Gesellschaft. Rechtsradikalismus, Aus-
aus städtischen Geldern dazu gedient, nach 1945 Präsident des Bundesamtes für länderfeindlichkeit, Rassismus und Anti-
MNR-Propaganda zu verbreiten. Verfassungsschutz und zeichnete sich semitismus findet sich auch heute in der
Eine ehemalige ranghohe FN-Funktio- durch besonders harte Verfolgung von Mitte unserer Gesellschaft. Das ist der
närin, die 2004 und 2005 zusammen mit Antifaschistinnen in der Adenauer-Ära Nährboden, auf dem Neonazismus gedei-
Bompard gegen Parteichef Le Pen aus. Es bedurfte Jahre des Kampfes der hen kann. Dieser Sumpf muss ausgetrock-
„Front machte“ und – mindestens verbal Demokraten, auch der VVN, diesen Nazi net werden! Wir stehen hier an der letzten
– für eine Annäherung an den MPF unter aus dem Amt zu jagen. Ruhestätte von 71 Opfern der Faschisten.
Philippe de Villiers eintrat, kann sich dem Beim Aufbau der Bundeswehr waren Ihrer zu gedenken heißt in diesen Tagen,
Rechtskatholiken unterdessen nicht mehr die Nazi-Generäle wie Trettner, Heusin- sich den neuen Nazis in den Weg zu stel-
anschließen. Marie-France Stirbois, die ger, Kielmannsegg, Speidel und viele an- len, auch wenn ihre Aufmärsche vom
„schreckliche Witwe“ (eines 1988 tödlich dere, die meinen und Millionen anderer BVG genehmigt sind. Zivilcourage ist an-
verunglückten FN-Generalsekretärs), ist Väter auf dem Gewissen haben, unent- gesagt. „Faschismus ist keine Meinung –
in der Nacht vom Ostersonntag auf Oster- behrlich. In der Politik waren es unter vie- Faschismus ist ein Verbrechen“. Ehren
montag verstorben. len anderen Hans-Maria Globke, Mitver- wir die Opfer, indem wir uns den neuen
Bernhard Schmid, Paris ■ fasser und Kommentator der Nürnberger Nazis in den Weg stellen.“ ■

: antifaschistische nachrichten 8/2006 5


Lautstark rufende Demonstranten
vor dem Restaurant oder Saalbe- „Besondere Atmosphäre“
trieb – gut für das gastronomische
Geschäft ist das sicher nicht. Und so
scheint es, jenseits von Politik oder mo-
mit viel Alkohol und Gewalt
ralischer Verantwortung, allein schon Suche nach Räumen: Rechtsextremisten wollen Gastronomen
eine Frage des Geldbeutels zu sein, wenn in die Irre führen von Thomas Klaus
Gastronomen verstärkt darauf achten,
dass ihre Räume nicht von rechtsextre- teste vor dem Restaurant wurde die Ge- von dem wahren Hintergrund: Die ex-
mistischen Veranstaltern „missbraucht“ schäftsführung aufmerksam: Sie erteilte trem rechte Band „Allerseelen“, deren
werden. In hohem Maße sensibilisiert den HIAG-Mitgliedern ein sofortiges CD von Fotos aus dem Haus Atlantik ge-
wurden und werden die Wirtsleute von und absolutes Hausverbot. schmückt wird, sollte auftreten. Das
den Polizeibehörden. Mehrere Landes- Wenn Sicherheitsbehörden wie das „Hilton“ erklärte daraufhin: „Da durch
kriminalämter haben inzwischen an das hessische Landeskriminalamt Gastrono- diese Veranstaltung die Sicherheit unse-
Gastgewerbe appelliert, es solle beim men und Hoteliers vor rechtsextremisti- rer Gäste und das Ansehen des Hotels
Verhindern rechtsextremistischer Ver- schen Veranstaltungen warnen, dann ha- gefährdet wäre, nehmen wir von dem
sammlungen behilflich sein. ben sie (verständlicherweise) nicht in Vertrag Abstand.“ Wohl eine weise Ent-
In einem Aufruf des hessischen Lan- erster Linie den Imageschaden für die scheidung: Immer wieder enden Skin-
deskriminalamtes (LKA) wird beispiel- Unternehmer vor Augen. Sie sorgen sich head-Konzerte in Lokalen blutig, so im
haft beschrieben, wie Rechtsextremisten eher angesichts der „besonderen Atmo- September 2000 in Laave im niedersäch-
häufig vorgehen, wenn sie an begehrte sphäre“ bei vielen rechtsextremistischen sischen Kreis Lüneburg. Im Gasthaus
Räume in Gaststätten, Restaurants oder Veranstaltungen, die „nicht selten durch „Zum Goldenen Stern“ hatten 500 Leute
Hotels gelangen wollen – für öffentliche volksverhetzende Exzesse geprägt“ sei- ein Skinhead-Konzert „genossen“. Mit
oder auch geschlossene Veranstaltungen. en. Das LKA in Wiesbaden: „Durch er- 500 Beamten wollte die Polizei dem
„Gegenüber den Vermietern offenbaren höhten Genuss alkoholischer Getränke braunen Spuk ein Ende bereiten. Es kam
sich die rechtsextremistischen Veranstal- wächst deutlich die Gewaltbereitschaft, zu Ausschreitungen: 46 Personen wur-
ter in der Regel nicht als Rechtsextremis- so dass im Umfeld der Veranstaltung mit den zum Teil schwer verletzt, 32 Skin-
ten“, weiß man beim LKA. Oft würden Störungen der öffentlichen Sicherheit heads festgenommen.
rechtsextremistische Veranstaltungen ge- und Ordnung sowie mit Widerstands- ■ Früherer Rechtsterrorist als
genüber Vermietern als private Runden handlungen gegen polizeiliche Maßnah- Gastronom in Thüringen
wie zum Beispiel Geburtstags- oder Ver- men zu rechnen ist.“
lobungsfeiern deklariert, so das hessi- Eine solche „besondere Atmosphäre“ Um nicht auf Gastronomen angewiesen
sche Landeskriminalamt. Mitunter wer- mit reichlichem Alkoholkonsum und ei- zu sein, die sich in die Irre führen lassen,
de ein Strohmann vorgeschickt, der we- ner latenten Gewaltbereitschaft kenn- nehmen Rechtsextremisten inzwischen
der durch sein Verhalten noch durch sein zeichnet die meisten Konzerte von Skin- immer häufiger das Heft selbst in die
Äußeres als Rechtsextremist erkennbar heads, wissen Experten. Skinheads er- Hand: Sie sickern als Immobilienbesitzer
sei. „Fast immer“, berichtet das LKA, kennt man an Bomberjacken, hoch ge- oder Unternehmer in die Branche der
„werden die eigentlichen Veranstaltungs- krempelten Jeans mit breiten Hosenträ- professionellen Gastgeber ein. Das ver-
orte verschleiert und Ausweichorte vor- gern, Springerstiefeln und der typischen suchte Karl-Heinz Hoffmann ebenfalls.
bereitet. Denn bei Rechtsextremisten ist Kurzhaarfrisur bis hin zur Glatze. In Lie- Der einstige Führer der 500 Mann star-
ein hohes Maß an Mobilität erkennbar.“ dern der Skinhead-Bands wird zur Ge- ken, 1980 verbotenen „Wehrsportgruppe
Den Gastronomen empfiehlt die Poli- walt gegen Ausländer, Juden und An- Hoffmann“ saß fünf Jahre im Gefängnis,
zei, sie sollten misstrauisch sein und sich dersdenkende aufgerufen. Dargeboten vor allem wegen gefährlicher Körperver-
bei Zweifeln an bestimmten Veranstal- wird die Musik in einem harten, peit- letzung und Verstößen gegen das Waffen-
tern lieber beim Verfassungsschutz er- schendem Rhythmus – nach dem Motto: gesetz. Seine „Wehrsportgruppe“ war so-
kundigen als sich womöglich lange an- „Drei Harmonien für einen Song rei- wohl in den Bombenanschlag auf das
dauernden Ärger aufzuhalsen. chen“. Nach Angaben der Bundesregie- Münchner Oktoberfest im September
■ Das „Hilton“ Bremen bekam noch rung kletterte die Zahl dieser Konzerte 1980 (13 Tote und mehrere hundert Ver-
rechtzeitig die Kurve 2005 im Vergleich zum Vorjahr von 119 letzte) verstrickt als auch einige Monate
auf 137. Von einer Dunkelziffer muss später in den Mord an den jüdischen Ver-
Dass geschäftsschädigende ultrarechte ausgegangen werden. Die durchschnittli- leger Shlomo Levin und seiner Lebens-
Zusammenkünfte tatsächlich nicht unbe- che Besucherzahl liegt bei 165 Personen; gefährtin Frieda Poeschke. Besagter
dingt immer leicht zu erkennen sind, manche Konzerte werden von 500 oder Hoffmann betrieb bis 2000 die Gaststätte
musste man erst im März 2006 im haus- mehr Teilnehmern besucht. Als die be- „Gerberstube“ in seiner thüringischen
eigenen Restaurant der Hamburger vorzugten Aufmarschgebiete der rund 70 Heimatstadt Kahla.
Handwerkskammer feststellen. In die- Skinhead-Bands und ihrer Fans in der Ein anderer Fall rechtsextremistischer
sem Lokal, dem „Remter“ hatten sich Bundesrepublik gelten zurzeit Sachsen Ambitionen im Gastgewerbe beschäftig-
seit 1975 Mitglieder der „Hilfsorganisa- und Thüringen. (Allerdings: Nicht alle te im Februar 2006 den Landtag von
tion der ehemaligen Angehörigen der Skinhead-Konzerte wurden und werden Rheinland-Pfalz. Dort berichtete Innen-
Waffen-SS“ (HIAG) getroffen, mit Un- in Gaststätten abgehalten.) minister Karl Peter Bruch aufgrund einer
terbrechungen. Bis zur Auflösung des Im Februar 2005 ist dem „Hilton“-Ho- Anfrage der Grünen-Landtagsfraktion,
Bundesverbandes 1992 war die HIAG tel in Bremen ein solches ehrenrühriges dass die rechtsextremistische „National-
Beobachtungsgegenstand des Verfas- und konfliktträchtiges Konzert nur um demokratische Partei Deutschlands“
sungsschutzes. Ein Kammer-Sprecher Haaresbreite erspart geblieben. Für eine (NPD) offenbar in Kirchheim bei Grün-
beschrieb den harmlosen Eindruck, den „Privatveranstaltung mit Jazz-ähnlicher stadt eine überwiegend leer stehende
man anscheinend von diesen Gästen ha- Musik“ hatte Axel M. den geschicht- Gaststätte erwerben will. Im Januar 2006
ben musste: „Sie sind als Gruppe von äl- strächtigen Himmelssaal des Hauses At- war ein Pachtvertrag geschlossen wor-
teren Damen und Herren aufgetreten, lantik angemietet – beim dafür zuständi- den: Er sieht im Wesentlichen die Nut-
tranken bei uns gemeinsam Kaffee und gen „Hilton“. Erst durch einen Tageszei- zung des Lokals für Vorträge, Konzerte
aßen Kuchen.“ Erst durch lautstarke Pro- tungsbericht erfuhr man in der Direktion und Buchpräsentationen vor. Nach Er-

6 : antifaschistische nachrichten 8/2006


kenntnissen des Innenministers wurde mal den achten Buchstaben des Alpha- Gasthofes „Landhaus“ unter rechtsextre-
das Anmieten der Gaststätte mit der Op- bets, sprich: „Heil Hitler“) wirkt auf mi- mistischer Führung einzuläuten. Nach-
tion verbunden, sie später für 900.000 litante Rechtsextremisten faszinierend, dem ein ehemaliger Angestellter der Lü-
Euro kaufen zu können. und das weit über das nördlichste Bun- becker Stadtverwaltung wegen Verwen-
Ähnliche Bestrebungen der NPD wur- desland hinaus. Deshalb ist er den Ver- dung von Kennzeichen verfassungswid-
den in Rheinland-Pfalz bisher dadurch fassungsschutzbehörden seit der Eröff- riger Organisationen entlassen worden
abgewehrt, dass Kommunen oder Kredit- nung vor zehn Jahren ein Dorn im Auge. war, versuchte er sich als Gastwirt. Zu-
institute in kommunaler Hand von den ■ Lokal des Magdeburger NPD- gleich betätigte sich Dieter K. im rechts-
Rechtsextremisten beäugte Immobilien Chefs ein Fall für Brandstifter extremistischen Sinne kommunalpoli-
kauften und ihnen quasi vor der Nase tisch, als Gründer und Vorsitzender des
wegschnappten. Eine andere Abwehr- Über die Konzession für den „Club 88“ „Bündnisses rechts“. Die Bevölkerung
strategie überlegte man sich in Heiligen- verfügt Christiane Dolscheid, die ehema- von Heilshoop und Umgebung stimmte
felde, einem kleinen niedersächsischen lige Ortgruppenleiterin des „Skingirl- über die Zukunft des „Landhauses“ mit
Ort, der zu Syke zählt: Dort will die Freundeskreises Deutschland“. Bei Neo- den Füßen ab. Aus wirtschaftlichen
Stadt „Niebuhrs Gasthof“ abreißen las- nazi-Aufmärschen fotografiere sie gerne Gründen gab K. im Frühjahr 2005 auf.
sen. Dieses Gebäude wird zwar nicht Demonstranten aus dem gegnerischen Matthias Gürtler hatte für seinen Ab-
mehr für einen regulären Gastronomie- Lager oder sei bei der Sanitäterinnen- schied von der Gaststätte „Zum Rein-
Betrieb verwendet, aber mit steigender gruppe „Braunes Kreuz“ aktiv, heißt es heitsgebot“ in Magdeburg ein anderes
Tendenz für NPD-Veranstaltungen in in Veröffentlichungen aus Anti-Nazi- Motiv. Das Lokal des NPD-Kreisvorsit-
Beschlag genommen. Der Eigentümer Kreisen. Als „Sprecher“ des Lokals fun- zenden wurde nämlich im Oktober 2002
der Immobilie ist ein Kaufmann aus Bre- gierte auch der ehemalige schleswig-hol- zum Ziel eines Brandanschlages. Dabei
men. Er hat sie bis in den Sommer 2006 steinische NPD-Landesvorsitzende Peter wurde der Betrieb völlig zerstört.
hinein an Enno L. aus dem Raum Wil- Borchert. Der wegen Körperverletzung Den öffentlichen, administrativen und
helmshaven verpachtet. Dieser – haupt- vorbestrafte „überzeugte Nationalsozia- politischen Druck erlebten auch die
beruflich Lastwagenfahrer – macht im list“ (Eigenaussage) wurde im Oktober „Macher“ des „Cafés Germania“ im Ber-
NPD-Parteiorgan „Deutsche Stimme“ 2003 bei einer Razzia gegen eine rechts- liner Stadtteil Lichtenberg. Dieser Be-
massiv Werbung für den Festsaal. Die terroristische Bande verhaftet und im trieb wurde im Dezember 1998 ge-
Propaganda in der NPD-Presse bescherte Folgejahr aufgrund illegalen Waffenhan- schlossen. Geschäftsführer war Andreas
dem 1.400-Seelen-Dorf im vergangenen dels zu einer mehrjährigen Gefängnis- Voigt aus dem Raum Stuttgart, ein unter
Juni sogar den NPD-Landesparteitag und strafe verurteilt. anderem wegen Nötigung und Körper-
den wohl größten Polizeieinsatz in der Administrative und juristische Versu- verletzung vorbestrafter Ex-Chef der ge-
Geschichte der Stadt Syke. che, das zwielichtige Lokal „Club 88“ fürchteten Skinhead-Gruppierung
Ein leichtes Leben führen rechtsextre- loszuwerden, scheiterten bisher. Der „Kreuzritter für Deutschland“. Voigt hat-
mistische Gastronomen jedoch nicht. Sie Konzessionsentzug durch die Stadt Neu- te in dem „Café Germania“ den Auftakt
müssen sich auf lang anhaltenden öffent- münster wurde im September 2000 vom für den „Aufbau einer bundesweiten In-
lichen und politischen Druck gefasst ma- Verwaltungsgericht Schleswig verwor- frastruktur von nationalen Gastronomie-
chen. An den scheinen sich die Besitzer fen. und Freizeitobjekten“ gesehen. Von der
des „Clubs 88“ im schleswig-holsteini- Im nicht allzu weit von Neumünster Erfüllung dieses Traumes sind die deut-
schen Neumünster längst gewöhnt zu ha- entfernten Heilshoop bedurfte es keiner schen Rechtsextremisten jedoch noch
ben. Der „Club 88“ („88“ bedeutet zwei- rechtlichen Schritte, um das Ende des meilenweit entfernt. ■

Der greift auch gerne für die „Jun-


Am 1. April de- ge Freiheit“ zur Feder und wurde
monstrierten an 2003 als Referent bei der neofa-
die 4.000 Men- schistischen „Gesellschaft für
schen gegen Fa- freie Publizistik“ (GfP) angekün-
schismus in Lübeck digt. Die „Deutsche Sprachwelt“
und verhinderten regte kürzlich eine Aktion
mit einer großen „Deutschpflicht für Politiker“ an
Blockade und ei- und verschickte Briefe an alle
ner spontanen Bundestagsabgeordneten, in de-
Mobilisierung zum nen diese aufgefordert wurden,
Dom, dass ein sich zu verpflichten, sich u.a. für
Nazi-Aufmarsch in den Gebrauch und das Ansehen
die Innenstadt der deutschen Sprache einzuset-
gelangen konnte. zen. Unterstützung fand diese Ak-
tion bislang, so die „Junge Frei-
heit“ (15/06), bei „Politikern aus
Fragwürdige Verbindungen len beklagt. „Einheimische Künstler“ fast allen Fraktionen des Bundestages
würden nach wie vor „kaum ernstge- von der Linkspartei bis zur CDU/CSU“.
Hamburg/Erlangen. Der „Deutsche nommen und sogar diskriminiert“. Nun So u.a. bei Christine Scheel (Bündnis
Rock- und Popmusikerverband“ müsse man sich mit allen verbünden, 90/Die Grünen), Ilse Aigner (CSU), An-
(DRMV), dem über 5000 Akteure aus „die die gleichen Ziele haben wie wir“ nette Widmann-Mauz (CDU), Ulrich
der Musikbranche angehören, ist dem („Globus“ 1/2006). Im Kampf um „Pfle- Maurer (Die Linke) und Patrick Mein-
deutschtümelnden „Verein Deutsche ge und Schutz der deutschen Sprache“ hardt, dem bildungspolitischen Sprecher
Sprache“ beigetreten. In der Begründung fühlen sich zahlreiche Mitglieder des der FDP. „Nur aus der SPD-Fraktion“, so
dieser Entscheidung wurde eine „ameri- Sprachvereins mit der Zeitung „Deut- wurde bedauert, habe bislang noch kein
kanisch geprägte Monotonie“ in allen sche Sprachwelt“ um Chefredakteur Parlamentarier unterzeichnet.
wichtigen Rundfunk- und Fernsehkanä- Thomas Paulwitz (Erlangen) verbunden. hma ■

: antifaschistische nachrichten 8/2006 7


Zur Gedenkveranstaltung zum 61.
Jahrestag der Selbstbefreiung des
KZ Buchenwald fanden sich am 9.
Gedenkveranstaltung in
April ca. 400 Menschen ein. In seiner
Begrüßungsansprache dankte der Präsi- nicht den Blick für die Gefahren des Neumann den baldigen Baubeginn unse-
dent des Lagerkomitees Bertrand Hertz Rechtsextremismus verstellen. Bis heute res Denkmals.
noch einmal vielen Menschen, die im reißt die Kette rechtsradikaler und rassis- Der frühere Bundespräsident Herzog
vergangenen Jahr den 60. Jahrestag fei- tisch motivierter Gewalttaten, die sich stellte im Jahre 1997 klar, dass der Völ-
erlich begangen hatten, vor allem aber gerade auch gegen Angehörige unserer kermord an den Sinti und Roma mit dem
den „jungen Menschen aller Nationalitä- Minderheit richtet, nicht ab. gleichen Willen zur vollständigen Ver-
ten, die in Dora, in den Kommandos und Unser besonderes Augenmerk muss nichtung systematisch vom Kleinkind
in Buchenwald mit eigenen Händen ge- der schleichenden, jenseits der öffentli- bis zum Greis im besetzten Europa
schaufelt und gegraben haben“, um chen Wahrnehmung erfolgenden Aus- durchgeführt wurde wie der an den Ju-
Überreste des Lebens im Lager für die höhlung unserer demokratischen Kultur den. Es gibt ein eindeutiges Votum der
Erinnerung freizulegen. Zum diesjähri- durch Rechtsradikale, Neonazis und de- KZ-Überlebenden, dass das Herzog-Zi-
gen 61. Jahrestag der Selbstbefreiung ren intellektuelle Vordenker gelten. Dies tat Inschrift des Holocaust-Denkmals für
sprachen drei Vizepräsidenten des Inter- zeigt das Beispiel Sachsen. Ermutigt die ermordeten Sinti und Roma sein soll;
nationalen Komitees Buchenwald-Dora durch ihren erschreckenden Wahlerfolg, dies muss die neue Bundesregierung an-
und Kommandos: hat es sich die NPD zum Ziel gesetzt, erkennen. Die Aussage von Roman Her-
● Albert Dlabaja, Sohn eines österrei- den Staatsapparat auf allen Ebenen zu zog darf nicht relativiert oder in Frage
chischen Widerstandskämpfers, unterwandern und schrittweise öffentli- gestellt werden.
● Romani Rose, Vorsitzender des Do- che Positionen zu besetzten. Aus der Rede von Albert Dlabaja
kumentations- und Kulturzentrums Mit der nahezu unkontrollierten Aus-
Deutscher Sinti und Roma sowie breitung rassistischen Gedankenguts Als Nachkomme eines Buchenwaldhäft-
● Günther Pappenheim, Vorsitzender über das Internet ist zudem eine völlig lings, der mit dem Traumata des Lagers
der Lagerarbeitsgemeinschaft Buchen- neue Form der Bedrohung gerade der und der seelischen Zerstörung, die damit
wald-Dora und Erster Vizepräsident des jungen Generation entstanden. Vor allem einherging, eigentlich nie fertig gewor-
Internationalen Buchenwaldkomitees. im Osten Deutschlands ist die Jugend- den ist und mir doch eine humanistische,
Auszüge aus der Ansprache von kultur in weiten Teilen von der neonazis- weltoffene und hasslose Erziehung ange-
Romani Rose: tischen Ideologie geprägt. ... deihen ließ, danke ich ihm und all seinen
Was aber ist zu tun? Einfache Antwor- Kameraden und Kampfgefährten, die
... „Holocaust“ – dies steht auch für die ten auf das Problem der rechten Gewalt sich nach seinem Tod im Jahre 1970 rüh-
vom NS-Staat systematisch ins Werk ge- und des ihr zugrunde liegenden rassisti- rend um mich und um meine antifaschis-
setzte Ermordung einer halben Million schen Menschenbilds, das tief in die Mit- tische, antirassistische Erziehung und
Sinti und Roma. Es gibt in Deutschland, te unserer Gesellschaft reicht, kann es Weiterbildung gekümmert haben. Ich
aber auch in den ehemals besetzten oder nicht geben. habe in dieser Zeit erfahren, was es be-
mit Hitler-Deutschland verbündeten Zunächst ist es notwendig, die beste- deutet, in einer Lagergemeinschaft ein-
Ländern unter uns Sinti und Roma kaum henden Gesetze mit voller Härte gegen gebunden zu sein. So wie diese Kamera-
eine Familie, die in den Jahren 1933 bis rechte Gewalttäter anzuwenden. Darüber den im Lager gehandelt haben, so haben
1945 keine Opfer zu beklagen hätte. Na- hinaus fordert der Zentralrat Deutscher sie auch im weiteren Leben gehandelt.
men wie Buchenwald, Auschwitz, Kulm- Sinti und Roma bereits seit über 10 Jah- Egal welche Probleme oder Hindernisse
hof, Dachau oder Sachsenhausen haben ren öffentlich ein Gesetz gegen Gewalt- auftauchten, immer war ein Kamerad zur
sich unauslöschlich in das kollektive Ge- taten mit einem eindeutig rassistischen Stelle, um mit Rat und Tat zur Seite zu
dächtnis unserer Minderheit eingebrannt. Hintergrund. Um Angriffe auf Menschen stehen. ... Diese Kameraden haben wahr-
Dass ein großer Teil unserer Opfer anderer Hautfarbe und Minderheitenzu- scheinlich gedacht, sie würden ewig le-
Kinder und Jugendliche waren, ist der gehörigkeit wirksam zu verhindern, ben und haben sich lange Zeit keine Ge-
wohl eindringlichste Beleg für die Totali- muss im Strafgesetzbuch der besondere danken über die Zukunft der Lagerge-
tät des nationalsozialistischen Vernich- Tatbestand der „rassistisch motivierten meinschaft gemacht und was aus ihr ein-
tungswillens gegenüber unserer Minder- Gewalttätigkeit durch Einzelne und mal werden soll, wenn sie einmal nicht
heit. Noch Ende September 1944 wurden Gruppen“ berücksichtigt werden. mehr sind.
im KZ Buchenwald 200 jugendliche Sin- Vor allem ist es wichtig, die lokalen Bei den sozialdemokratischen Frei-
ti und Roma auf einen Transport nach Netzwerke, die sich gegen den dumpfen heitskämpfern, in der Arbeitsgemein-
Auschwitz geschickt und zwei Wochen Rassismus von Rechts engagieren, auch schaft der Opferverbände und beim ös-
später in den Gaskammern ermordet. staatlicherseits zu unterstützen. Ich sage terreichischen KZ-Verband sind die Sta-
Wer kann die Qualen ermessen, die diese dies ganz bewusst vor dem Hintergrund tuten dahingehend geändert worden, dass
Menschen damals erleiden mussten. der aktuellen Sparzwänge, die nicht dazu junge Antifaschisten beitreten und auch
Der industriell betriebene Massen- führen dürfen, dass dieser fundamenta- aktiv mitarbeiten können. Das ist der Ga-
mord in Auschwitz und in den anderen len gesellschaftspolitischen Aufgabe die rant für ein nachhaltiges Eintreten gegen
Vernichtungslagern der Nationalsozialis- materielle Grundlage entzogen wird. Faschismus, Antisemitismus, Rassismus
ten steht für ein Verbrechen, das in der Zum Abschluss richte ich einen Appell und Fremdenfeindlichkeit.
Geschichte der Menschheit ohne Bei- an die Bundesregierung. ... Der Respekt ... Ich möchte mich in meiner Anspra-
spiel ist. und die Achtung vor den Opfern unserer che insbesondere an die Jugend wenden,
Meine sehr geehrten Damen und Her- Minderheit verlangen es, dass die Bun- die diese Gedenkstätte besucht. Die Ju-
ren, die Erinnerung an die Opfer der NS- desregierung jetzt endlich auch das Ho- gend, die von rechter Seite oft als erste
Verbrechen schärft zugleich das Be- locaust-Denkmal für die ermordeten Sin- Generation der „Umerzogenen“ ge-
wusstsein für die Gefährdungen unserer ti und Roma auf dem vorgesehenen Platz schmäht wird, die Jugend, die von kon-
heutigen demokratischen Gesellschaft. beim Reichstag errichtet. Nach den jah- servativer Seite oft wegen der „Gnade
Die Bedrohungen durch den interna- relangen Verzögerungen durch die vor- der späten Geburt“ von jeder Verantwor-
tionalen Terrorismus, die die politische hergehende Bundesregierung erwarten tung für die Vergangenheit freigespro-
Diskussion derzeit beherrschen, dürfen wir jetzt vom neuen Kulturstaatsminister chen wird, diese Jugend und ihre Erzie-

8 : antifaschistische nachrichten 8/2006


Gedenkformeln in Erinnerung rufen, eingeschränkt. Da frage ich mich oft, wo
Buchenwald dann ist dies ein erster wichtiger Schritt,
vielleicht sogar die Voraussetzung zur
bleibt die Masse der Ehrlichen und An-
ständigen, diejenigen, die zur Zivilcoura-
Wiederherstellung von menschlicher ge aufgerufen haben. Sie sind nicht im-
hergeneration sind es, die als „Nachge- Würde und Identität. Die Nazi-Opfer mer präsent. Es gibt sie die Mutigen, es
borene“ heute Erinnerungsarbeit leisten hatten ja tatsächlich Namen, hatten ehr- sind nur noch zu wenige.
werden und sollen. Diese beiden Nach- bare Namen und ein würdevolles Leben, Wer mit dem Bündnis gegen Rechts
kriegsgenerationen geben sich mit den bis ihnen beides geraubt wurde. Ein So- Erfolge erzielen will, muss das Trennen-
Beschönigungen, Verdrängungen und zialwissenschafter hat einmal geschrie- de beiseite legen.
Verdrehungen der Geschichte nicht mehr ben, mit dem Raub der Sprache und des Wir alle müssen die Lehren aus der
zufrieden. In diesem Sinne erinnert Namens fingen alle „legalen Morde“ an. Vergangenheit beherzigen und davon
Europas Jugend mit dieser Gedenkstätte Unter diesem Raub können wir verste- ausgehen, dass nur das gemeinsame
an die verdrängte Geschichte jener Frau- hen, jemandem seine Muttersprache zu Handeln der Schlüssel zum Erfolg ist
en und Männer, die gegen Hitlers Ver- verbieten, kritische Menschen mundtot ... Ich bin weiterhin in großer Sorge,
nichtungsfeldzug aufgetreten sind, die zu machen oder ihre Bücher zu verbren- dass wiederum Feindschaft weiter in der
die Nazi-Ideologie des Rassenwahns be- nen oder ihnen eben „Nummern statt Na- Welt geschürt wird, dass bei der Eindäm-
kämpft haben, die den Widerstand und men“ aufzuzwingen und einzubrennen mung des Terrorismus der Krieg als Mit-
die Partisanen unterstützt haben, die un- Die Entmenschlichung hat ihre Syste- tel der Lösung leichtfertig geplant und
ter großen persönlichen Gefahren Nazi- matik und es ist wichtig, daran zu erin- vorbereitet wird. Es ist meine feste Über-
Opfern und Verfolgten geholfen haben. nern und zu erkennen, dass es Anzeichen zeugung, dass nichts, aber auch gar
... Viele waren es nicht, die sich da- und Vorzeichen dafür gibt, wann ein Sys- nichts einen Präventivschlag gegen ein
mals für politisch Verfolgte, Juden, Sinti tem zum Verbrechens- und Mordbetrieb Land rechtfertigt. Zu leiden haben dabei
und Roma, Behinderte und andere ver- wird. Wir können heute, 61 Jahre da- stets die Bevölkerung, vor allem Frauen
folgte Gruppen eingesetzt haben. Kei- nach, nichts „wiedergutmachen“, nicht und Kinder und Greise. Seit dem letzten
nesfalls war es die Mehrheit der europäi- nur, weil die Verbrechen so groß und Golfkrieg sind nach Schätzung über
schen Bevölkerung, die sich deutlich ge- „unfassbar“ waren, sondern weil uns 100 000 Iraker ums Leben gekommen
gen die Nazis gestellt hat. Ich bin mir Nachgeborene keine persönliche Schuld und es kommen täglich neue Opfer hin-
nicht sicher, ob es heute so ganz anders daran trifft. Aber gerade deshalb ergibt zu. Der Krieg hat kein Ende.
wäre. Dennoch gibt es Anzeichen für die sich daraus eine Verpflichtung, nämlich Wir alle wissen und haben es selbst er-
Hoffnung, dass Rassenhaß, Nationalis- die Schweigetabus der Gesellschaft zu fahren, dass man Terrorismus nicht mit
mus und Rechtsextremismus heute nicht brechen und verdrängte Geschichte wie- einem Krieg bekämpfen kann. Da sind
mehr so leicht und so breit in die Köpfe der in Erinnerung zu rufen; und diese andere Mittel gefragt. Wir bleiben bei
und Herzen der Menschen einzudringen Geschichte ist, auf beiden Seiten, bei den unserem Schwur von Buchenwald: Nie
vermögen wie anno dazumal. Auch dazu Tätern wie bei den Opfern, nicht anonym wieder Faschismus – Nie wieder Krieg!
leisten die europäischen jungen Men- zu schreiben. Aber auch Folter an Gefangenen leh-
schen mit dieser Gedenkstätte einen Diese Geschichte ist nicht mystisch und nen wir ab. Wir wissen, was Folter ist,
wichtigen Beitrag, nämlich einen Beitrag nicht voll von unerklärlichen, unbenenn- haben sie am eigenen Leib erlebt. Es ist
zur Aufklärung der Bevölkerung über baren menschlichen Tragödien. Die Nazi- eine Schande, wehrlose Gefangene der
eine in Vergessenheit geratene Tradition; Zeit bestand nicht aus „Tragödien“, son- Folter auszusetzen, deshalb treten wir für
ich meine damit die unpopuläre Traditi- dern aus konkreten Verbrechen. Nur auf ein absolutes Verbot der Folter ein, als
on des Widerstandes und des kompro- dem Wege dieser ehrlichen „Nüchtern- eine Grundforderung universeller Men-
misslosen Einsatzes für Recht und Ge- heit“ können Recht und Gerechtigkeit schenrechte. Wir wissen aber auch was
rechtigkeit.... wieder Maßstäbe der wertenden Ge- es bedeutet „Nacht und Nebel“-Aktionen
Die überlebenden ehemaligen KZ- schichtsbetrachtung werden, nur wenn wir zu führen, Menschen zu entführen, sie
Häftlinge vom Buchenwald, die zuvor „Namen statt Nummern“ setzen und erin- einfach verschwinden zu lassen.
schon in zum Teil verschiedenen KZ´s nern, nur wenn wir an unbegriffene Tragö- ... Liebe jungen Freunde. Wir sind froh
erfahren mussten, wozu SS und Nazi- dien mahnen, nur dann können wir Men- darüber, dass ihr Euch den Idealen des
Schergen fähig sind, erzählten uns auch schen bewegen, sensibel machen, und nur Antifaschismus verpflichtet fühlt. Euch
von jenen Erlebnissen, die zu den „Erst- dann können wir auf Widerstand gegen ist es nicht egal, wie die Entwicklung in
eindrücken“ aller KZ-Häftlinge gehören: Unrechtssysteme bauen bzw. hoffen. unserem Lande verläuft. Mit eurem En-
Einer der ersten Schritte zur Erniedri- Aus der Rede von Günther Pappen- gagement gegen Rechts, eurer Demons-
gung und Entmenschlichung der Häftlin- heim tration und dem Auftreten hier auf dem
ge war die Vergabe von Nummern, die an Appellplatz und anschließend am Glo-
der Häftlingskleidung angebracht wer- Heute 61 Jahre nach Auschwitz, Buchen- ckenturm vor dem Ehrenmal aufrechter,
den mussten und die im Unterarm eintä- wald, Börgermoor, Ravensbrück, Sach- gefallener und ermordeter Antifaschis-
towiert wurden. Nummern statt Namen – senhausen u.a.m. hat man sich wieder an ten, bekundet ihr den Willen, unseren
der erste Schritt zur Auslöschung der so manches gewöhnt. Kampf zu unterstützen und fortzusetzen.
Identität. Diese Nummern mussten in Es gibt keinen Tag und das nicht nur in Wir ehemaligen Häftlinge waren, sind
den ersten Tagen „in Fleisch und Blut“ Deutschland – aber ich spreche von un- und werden immer mit Euch gemeinsam
übergehen; die Häftlinge mussten sie serem Land – wo nicht neue Pläne bera- die Stafette unseres Schwures von Bu-
auswendig lernen und, egal welcher Na- ten werden, wo rechter Mob auf Straßen chenwald weitertragen und dafür sorgen,
tion sie angehörten, in deutscher Sprache demonstriert! Es werden Transporte or- dass er immer wieder neu mit Leben er-
auf Anhieb sagen können – oder es gab ganisiert, um gleichzeitig an mehreren füllt wird. Unser Schwur hat an Aktuali-
Prügel, Folter, Totschlag. Die ehemali- Orten präsent zu sein. Ganz offen wer- tät nicht verloren und er darf nicht in Ver-
gen Häftlinge erzählen auch, dass sie ge- den faschistische Symbole und Fahnen gessenheit geraten. Durch eure Teilnah-
genüber den SS-Herrenmenschen nie- getragen, werden Transparente getragen me bekundet ihr, dass der Antifaschis-
mals den Kopf heben und ihnen in die mit Losungen, die oft auf fruchtbaren mus neue Impulse durch Euch erhält.
Augen schauen durften. Boden fallen. Aber auch antifaschisti- Das ist, so glauben wir, die richtige Ent-
... Wenn wir heute wieder Namen statt sche Gegendemonstrationen, Bündnisse scheidung in unserer belebten Zeit.
Nummern oder Nummern statt anonyme gegen Rechts werden in ihren Aktionen ■

: antifaschistische nachrichten 8/2006 9


Ein vermeintliches Paradoxon Frankreich:
durchzieht die Schlussfolgerun-
gen, die durch die „Nationale
Beratungskommission für Menschen-
Jahresbericht zu Rassismus
rechte“ (CNCDH) aus ihrem diesjähri-
gen Rassismusbericht gezogen wer-
den. Die CNCDH ist ein unabhängiges
und Antisemitismus 2005
Gremium, das dem Amt des Premier- in Frankreich die Anzahl rassistisch oder der in einem Arbeiterbezirk im nordost-
ministers zuarbeitet und alljährlich am antisemitisch motivierter Taten abgenom- französischen Hénin-Beaumont rechtsex-
21. März einen detailierten Untersu- men habe. In Wirklichkeit blieb sie auf treme Flugblätter auf dem Wochenmarkt
chungsbericht über Rassismus und An- ungefähr konstantem Niveau. verteilt. Er ist, sofern denn seine Angaben
tisemitismus in Frankreich vorlegt. Unbestreitbar ist der gleichzeitig zu stimmen, vor diesem Hintergrund im Ja-
verzeichnende Anstieg der Zustimmungs- nuar dem FN beigetreten.
Der jüngst veröffentlichte Jahresbericht werte zu rassistischen oder fremdenfeind- Nicht durch einen organisierten rechten
mit dem Rückblick auf 2005 enthält zwei lichen Aussagen, wie etwa der, es gebe zu Hintergrund, wohl aber durch das allge-
Grundsaussagen, die auf den ersten Blick viele „Ausländer“ in Frankreich (56 Pro- meine rassistische Klima erklärbar ist der
widersprüchlich wirken. Einerseits ist im zent, plus 18 % binnen eines Jahres). Nur Tod des 42-jährigen, aus Algerien stam-
Jahr 2005, gegenüber 2004, die Anzahl noch 32 Prozent erklären sich spontan be- menden Familienvaters Chaïb Zehaf. Er
körperlicher und verbaler Aggressionen reit, „ein rassistisches Verhalten bei der wurde am 4. März in einem Bierlokal in
mit rassistischem, antisemitischem oder Polizei anzuzeigen“, dies entspricht ei- der Lyoner Vorstadt Oullins von einem
rechtsextremem Hintergrund abgesunken. nem Rückgang um 18 Prozent. angetrunkenen Waffennarren namens
Statt 1.574 Gewaltdelikten und -drohun- Jean-Marie G. erschossen.
gen im Jahr 2004 wurden im Jahr darauf Augenzeugen berichteten
noch 974 verzeichnet, das entspricht ei- mehrfach, zum Zeitpunkt
nem Rückgang um 38 Prozent. 43 Prozent der tödlichen Schüsse rassis-
der verzeichneten Taten haben, so die tische Beschimpfungen ge-
CNCDH, einen organisierten rechtsextre- gen „Araber“ aus dem Mun-
men Hintergrund. Noch stärker ist der de des Schützen gehört zu
Rückgang bei den Straftaten gegen Juden haben. Artikel und Korres-
und jüdische Einrichtungen, die rund die pondentenberichte in der
Hälfte der Gesamtzahl ausmachen: Ange- linksliberalen Pariser Tages-
sichts von 504 verzeichneten Delikten zeitung ,Libération‘ aber
und Drohungen, gegenüber 974 im Vor- auch in der rechtsbürgerli-
jahr, kann ein Rückgang um 48 Prozent Demonstration 2004 nach einem Brandanschlag auf ein chen Boulevardzeitung
vermeldet werden. jüdisches Sozialzentrum in Paris ,France Soir‘ (ab dem 11.
Doch gleichzeitig verzeichnet der Jah- März) sprachen schon früh
resbericht auch einen sichtbaren Anstieg von einem mutmaßlichen
der Zustimmungsrate vor allem zu rassis- Auch hier hängt die – gravierende – rassistischen Hintergrund, der bislang ver-
tischen und zuwandererfeindlichen Äuße- Verschiebung der statistischen Daten al- schleiert werde. Die örtliche Polizei strei-
rungen, Ideen und Haltungen. Ein Drittel lerdings mit einer Abfolge konkreter Er- tet ein mögliches rassistisches Tatmotiv
der Befragten geben selbst an, sich für eignisse im zurückliegenden Jahr zusam- ab. Und laut einem Bericht in ,Libération‘
„rassistisch“ zu halten – darunter 24 Pro- men. Die Meinungsumfragen, die zur Er- wurde einer der Begleiter des Ermordeten
zent, die laut Selbsteinschätzung „ein we- hebung statistischer Daten durchgeführt – der selbst durch eine Schusswunde am
nig rassistisch“ sind, und 9 Prozent, die wurden, fanden im November 2005 statt, Arm verletzt worden war – durch die Be-
sich für ungeschminkt rassistisch ausge- und damit zeitlich parallel zu den Unru- amten nicht als nützlicher Augenzeuge
ben. Ihre Gesamtzahl verzeichnet einen hen in der französischen Trabantenstädte. oder potenzielles Opfer behandelt, son-
Zuwachs um 8 Prozent innerhalb eines Diese Riots in den Banlieues wurden aber dern wie ein Täter verhört. Obwohl am
Jahres. Im Gegenzug nimmt der Anteil durch relevante Teile der Bevölkerung, Arm verwundet, wurde er demnach kurz
derer, die sich für strikt un- oder antiras- wie auch des konservativen Teils der poli- nach der Tat eine Stunde lang in Hand-
sistisch erklären (40 Prozent), im Ver- tischen Klasse, „ethnisch-religiösen“ Ur- schellen angehört.
gleich zum Vorjahr um acht Prozent ab. sachen – statt sozialen Verwerfungen – Antirassismusorganisationen wie SOS
Der Widerspruch zwischen den beiden zugeschrieben. Dieser Blick durch die Racisme und MRAP ermitteln zu der Af-
großen Tendenzen ist nur scheinbar. Denn „ethnisierende“ Brille, zum Zeitpunkt der färe, und sprechen von einem aufgeheiz-
die hohe Anzahl von Straftaten mit rassis- Unruhen, erklärt mit Sicherheit einen Teil ten Klima vor Ort. Die Empörung über
tischem oder antisemitischem Hinter- der größeren Verschiebungen im erfassten das „Totschweigen“ des möglichen rassis-
grund resultiert vor allem aus einer zeit- Meinungsspektrum. Darauf weist auch tischen Tathintergrunds mache sich auch
lich eingrenzbaren Welle von Schändun- die Pariser Abendzeitung ,Le Monde‘ in dergestalt Luft, dass manche Anwohner
gen jüdischer Friedhöfe und Denkmäler, einem Leitartikel explizit hin. migrantischer Herkunft erklärten, „man
die Ende April 2004 in der Nähe von Ob aus diesen Daten eine dauerhafte müsse schon Jude oder ein Geflügeltier
Strasbourg begann und sich danach vor Entwicklung der Meinungslandschaft ab- sein, wenn man getötet wird, dass sich ir-
allem auf Ostfrankreich erstreckte. Diese geleitet werden kann, oder aber ob sich gend jemand dafür interessiert“ – eine An-
Kette von Taten, die auf Judenhass basier- ein Teil der öffentlichen Meinung danach spielung auf die Demonstrationen nach
ten, ging nach einige Monaten zu Ende – wieder entspannt (hat), bleibt erst noch der Ermordung des jungen Juden Ilan Ha-
ein Teil der Täter konnte ermittelt werden, abzuwarten. Sicher ist hingegen, dass die limi, sowie auf die Aufregung um die Vo-
darunter der mutmaßliche Urheber der organisierte extreme Rechte diese Unru- gelgrippe.
ersten Friedhofsschändung in Herrlisheim hen und ihre gesellschaftliche Wahrneh- Die allzu verständliche Empörung
bei Strasbourg, der im Übrigen Mitglied mung als Steilvorlage benutzt hat, um droht auf diese Weise noch zur Entfrem-
des Front National ist. neue Sympathisanten und auch Mitglieder dung von Bevölkerungsgruppen unterei-
Daraus erwächst in der Statistik der zu rekrutieren. ,Le Parisien‘ vom 8. April nander beizutragen.
Eindruck, dass im folgenden Jahr generell zitiert etwa einen früheren KP-Wähler, Bernhard Schmid, Paris ■

10 : antifaschistische nachrichten 8/2006


: ausländer- und asylpolitik
Ausländereinrichtungen zu intensivie-
ren.“
In einem „Offenen Brief“ haben die
Flüchtlinge die unerträgliche Lebenssi-
„Politische Taktlosigkeit und neration, statt den jungen Menschen einen tuation, die sich aus der grundsätzlichen
menschenverachtende Profi- Weg in unsere Gesellschaft zu weisen. Einschränkung und Bevormundung sowie
lierungssucht“ – ver.di kriti- Migranten gehören zu den schwächsten der Isolation durch das Lagerleben ergibt,
der Gesellschaft, ebenso wie Kinder; also beschrieben. So sei die Versorgung mit
siert Migrationsprogramm gehören Kinder von Migranten in doppel- Essen mangelhaft, besondere Ernährungs-
München. ver.di Bayern steht dem von ter Hinsicht zu den Schwächsten dieser bedürfnisse von Säuglingen und Klein-
der bayerischen Staatsregierung forcier- Gesellschaft. „Die außergewöhnlich kindern würden nicht berücksichtigt. Das
ten Programm gegen sogenannte „Inte- schnelle Reaktion auf die Ereignisse an geringe Taschengeld müsse für zusätzli-
grationsverweigerer“ äußerst kritisch ge- einer Schule in einem anderen Bundes- che Lebensmittel ausgegeben werden, um
genüber. „Wir fordern auf zum mit- land (nur 4 Tage) lässt zumindest die Fra- Mangel- oder Unterernährung zu verhin-
menschlichen Handeln, statt Stammtisch- ge aufkommen, ob nicht der bayerische dern.
parolen umzusetzen“, sagte Luise Kle- Ministerpräsident auf eine solche Gele- Weiterhin beklagen die BewohnerIn-
mens, stellvertretende Landesbezirksvor- genheit gewartet hat, um sein angeschla- nen des Lagers die medizinische Versor-
sitzende von ver.di Bayern. In nur weni- genes Image wieder aufzufrischen. Dass gung. Auch die unzureichende Beschu-
gen Ländern hängen soziale Herkunft und er dies auf Kosten der Schwächsten in un- lung der Kinder und Jugendlichen im La-
Bildungserfolg so stark zusammen wie in serer Gesellschaft – nämlich den Kindern ger ist Anlass für Unmut. Wer wegen
Deutschland. Der bayerische Ministerprä- von Migranten – tut, zeugt von politischer mangelnder Sprachkenntnisse nicht die
sident steigert diesen Herkunftsdruck mit Taktlosigkeit und menschenverachtender Regelschule besuchen darf, wird mit le-
seinen Bemühungen, „ausländische Schü- Profilierungssucht“, sagte Luise Klemens. diglich zwei Unterrichtsstunden am Tag
ler besser zu integrieren“, ins Absurde. Es www.verdi-bayern.de ■ abgespeist. Dies sei bei weitem keine an-
ist nicht zielführend, Kinder von Migran- gemessene Schulbildung. Zudem benäh-
tenfamilien den Zugang zur Schule zu Flüchtlinge protestieren men sich die LehrerInnen z.T. als seien sie
verweigern, wenn die Deutschkenntnisse von der Ausländerpolizei, indem sie die
nicht ausreichen. Stattdessen wäre die gegen Lagerunterbringung SchülerInnen nach Informationen aus-
stärkere Förderung solcher Kinder die Bramsche. Nördlich von Osnabrück liegt fragten, die für die Ausländerbehörde von
richtige Antwort. ver.di spricht sich klar der Ort Bramsche-Hesepe. Umgeben von Interesse seien.
gegen Gewalt aus und weist darauf hin, einem Wald, befindet sich dort auf einem Als besondere Belastung empfinden
dass Gewalt an Schulen kein Problem ist, alten Kasernengelände die so genannte die BewohnerInnen außerdem die beengte
das primär mit der Staatsangehörigkeit Landesaufnahmestelle für ca. 550 Flücht- Wohnsituation, die den über Monate bis
zusammenhängt. Vielmehr sind soziale linge. Offiziell gehört die Landesaufnah- z.T. Jahre dort lebenden Menschen kei-
Unterschiede und verweigerter Respekt – mestelle zur Zentralen Aufnahme- und nerlei Privatsphäre ermögliche. Zudem
auch gegenüber der Situation von Jugend- Ausländerbehörde in Blankenburg/Olden- seien die sanitären Anlagen mangelhaft
lichen – Auslöser für Gewalt. burg, wo ebenfalls mehrere hundert und würden den hygienischen Bedürfnis-
ver.di fordert deshalb eine Umgestal- Flüchtlinge ‚leben’. Doch der Name trügt, sen nicht gerecht.
tung der geplanten Maßnahmen: er soll schlicht verschleiern, dass in Bram- Die BewohnerInnen kommen zu dem
1. Deutschtest für ausländische Kinder: sche-Hesepe das größte Abschiebelager Schluss, dass nur die Auflösung des La-
Wenn dieser Test eingeführt wird, sollte Deutschlands steht. Denn in Bramsche- gers und eine dezentrale Unterbringung
dies für alle Kinder der Fall sein, um früh- Hesepe sind vor allem zwei Gruppen von die unerträgliche Situation beenden kön-
zeitig auf Sprachdefizite reagieren zu Flüchtlingen untergebracht: Einerseits ne. Der niedersächsische Flüchtlingsrat
können. Flüchtlinge, deren Asylanträge bereits ab- schließt sich diesen Forderungen an
2. Sprachunterricht im letzten Kinder- gelehnt wurden und deren Abschiebung Ca. 150 DemonstrantInnen überbrach-
gartenjahr: Kinder müssen gefördert wer- lediglich deshalb ausgesetzt ist, weil kei- ten den „Offenen Brief“ der Flüchtlinge
den, um bei der Einschulung über einen ne Pass(ersatz)papiere vorliegen. Ande- aus Bramsche Hesepe am 2. März 2006
annähernd gleichen Grundwortschatz zu rerseits werden nach Bramsche-Hesepe dem Niedersächsischen Landtag und dem
verfügen. Deshalb können ihre Sprach- Flüchtlinge eingewiesen, deren Asylver- Innenministerium. Schon im Vorfeld der
kenntnisse mit bis zu 160 Stunden unter- fahren noch laufen, bei denen aber auf- Demonstration kündigte der Lagerleiter
stützt werden. grund einer so genannten Prognoseaussa- Christian Lüttgau an, dass die Teilnahme
3. Betreuung durch Förderschulen bei ge des Bundesamtes für Migration und von Flüchtlingen aus Hesepe Konsequen-
mangelnden Sprachkenntnissen: Förder- Flüchtlinge die Wahrscheinlichkeit groß zen haben würde. Außerdem unterstellte
schulen haben den Auftrag, besonderen ist, dass sie ebenfalls keine Anerkennung er, die Flüchtlinge hätten den Brief nicht
Handikaps durch spezielle Förderung zu als AsylbewerberInnen finden (so wie ja geschrieben und die 183 Unterschriften
begegnen; sie sind nicht geeignet, um in Deutschland ohnehin nur 1,7% aller der Flüchtlinge wären erschlichen wor-
Sprachdefizite auszugleichen. Stattdessen Asylverfahren positiv ausgehen). Erklär- den. Dieses für sich ist schon eine üble
ist im Rahmen der ersten Klasse eine spe- tes Ziel in Bramsche-Hesepe ist es des- Verleumdung und zeigt, welcher Mut
zielle Sprachförderung einzuführen. halb, die BewohnerInnen zur so genann- dazu gehört, einen Brief zu verfassen, der
4. Bestrafung von „Integrationsverwei- ten freiwilligen Rückkehr zu bewegen. klare und begründete Forderungen enthält
gerern“: Eine Extraregelung für ausländi- Die Landesregierung in Hannover räumt und der von Flüchtlingen verschiedener
sche Mitbürger lehnt ver.di ab. Stattdessen das im übrigen unumwunden ein, sie be- Herkunft und mit unterschiedlichen
sind – wenn überhaupt – Regeln der allge- trachtet Bramsche-Hesepe sogar als Ex- Fluchtschicksalen in so hoher Zahl unter-
meinen Schulpflicht zu bemühen. perimentierfeld: „Die Erfahrungen und schrieben wurde. Konsequenzen ihres
5. Vorzeitiger Schulausschluss von no- Kompetenzen in Bramsche sollen auch Mutes bekamen die Flüchtlinge gleich am
torischen Störern: Mit dieser Regelung dafür genutzt werden, die Verstärkung der Morgen der Abfahrt zur Demonstration in
gibt der Ministerpräsident einen Teil der Rückführungsansätze – insbesondere die Hannover zu spüren. Ausgerechnet für
jungen Generation auf und schafft Pro- Beratung zur Freiwilligen Rückkehr – diesen Morgen war eine Drogenrazzia im
blemfälle in der Zukunft. Er löst damit auch in den übrigen Gemeinschaftsunter- Lager anberaumt. Das hohe Polizeiaufge-
das Problem auf Kosten der nächsten Ge- künften der Zentralen Aufnahme- und bot mit Hunden diente einzig dem Zweck,

: antifaschistische nachrichten 8/2006 11


die AktivistInnen einzuschüchtern und an Lüttgau, der die VerfasserInnen des Brie-
der Teilnahme des Protestes in Hannover fes verleumdete und den ÜberbringerIn-
zu hindern. Dennoch fuhren ca. 30 Be- nen des Briefes als einzige Antwort die
wohnerInnen des Lagers nach Hannover. Androhung von Strafen gab. Wir gehen
Ab 13 Uhr trafen sich AktivistInnen des davon aus, dass es trotz verhinderter Per-
No-Lager-Netzwerkes mit den Bewohne- sonalienfeststellung bei der Abfahrt des
rInnen aus Hesepe und weiteren Unter- Busses zu Anzeigen wegen Residenz-
stützerInnen am Kröpcke und nach einer pflichtverstoßes kommen wird. Schlimm
Auftaktkundgebung zog die Demonstrati- genug, dass es einzig in Deutschland ein
on mit ca. 150 TeilnehmerInnen Richtung solches Gesetzt gibt, dass für Ungleich-
Landtag. Hier musste sie außerhalb der heit der Rechte sorgt und das Menschen in Kundgebung vor der ZAB Dortmund
Bannmeile warten, während die fünfköp- ihrer Bewegungsfreiheit einschränkt. am 20.3.
fige Delegation der Flüchtlinge einer Ein- Schlimmer noch, dass dieses Gesetz hier
ladung von Landtagsabgeordneten der gezielt dafür eingesetzt wird, Menschen terium des afrikanischen Staates zugeord-
Fraktionen Bündnis 90/Die Grünen und zu kriminalisieren, die nichts anderes tun, net sind.
FDP in das Landtagsgebäude folgte. Die als von ihrem Recht Gebrauch zu machen, Zumindest einer der Verhörspezialisten
Zeit wurde für eine Kundgebung von sich in der Öffentlichkeit Gehör zu ver- ist der Internationalen Gesellschaft für
Flüchtlingen aus der ZAAB Oldenburg schaffen. Gehör für das Einfordern von Menschenrechte (IGFM) bekannt. N’Faly
genutzt, die ihrerseits die katastrophalen elementaren Rechten. Keite gelte als „äußerst korrupter und ge-
Bedingungen in diesem Lager schilder- Allein mit Arroganz werden die Behör- fährlicher Zeitgenosse“, heißt es in einem
ten. den die Proteste zur Lagerunterbringung schriftlichen Bericht der IGFM, der sich
Nachdem sich die Delegation der De- nicht zum Schweigen bringen und die auf Informationen aus der deutschen Bot-
monstration wieder angeschlossen hatte, zentrale Forderung bleibt: Schließung al- schaft in Guinea bezieht.
ging es weiter zum Innenministerium, ler Lager, Bewegungsfreiheit und gleiche Die Grünen im nordrhein-westfäli-
welches durch eine Polizeikette abgesi- Rechte für Alle! schen Landtag in Düsseldorf fordern nun
chert war. Unter Beifall durfte lediglich Quelle: Nds. Flüchtlingsrat 6.3.06 ■ Aufklärung über die Widersprüche in
eine Person zum Briefkasten gehen, um Aussagen von Innenminister Wolff. „Wir
den Brief einzuwerfen, der neben den 183 „Es gilt das Recht Guineas“ wollen wissen, ob hier die Standards un-
Unterschriften aus dem Lager mit über seres Rechtsstaates eingehalten werden“,
500 Unterschriften von UnterstützerInnen Dortmund. In Massenbefragungen lässt sagte die innenpolitische Sprecherin der
unterzeichnet war. die Zentrale Ausländerbehörde (ZAB) der Partei, Monika Düker.
Nach einer Abschlusskundgebung löste Stadt Dortmund die mögliche Identität Quelle: Welt vom 7. April 2006
sich die Demonstration auf und ein Teil abgelehnter Asylbewerber klären. Dazu www.welt.de/data/2006/04/07/870794.
der AktivistInnen machte sich zum war- würden innerhalb von wenigen Tagen html
tenden Bus aus Hesepe auf. Erwartet wur- rund 350 Personen aus Westdeutschland
den sie von einem Zug der Bereitschafts- einer Delegation aus dem westafrikani- Bleiberecht für geduldete
polizei Hannover, die hier gelauert hatte, schem Land Guinea vorgeführt, sagte der
um die Personalien der TeilnehmerInnen Leiter der Zentralbehörde, Friedhelm Flüchtlinge jetzt!
aufzunehmen, damit im Nachhinein we- Weller. Oldenburg. Mehr als 200.000 Men-
gen Verstoß gegen das „Residenzpflicht- Aufgrund der Aussprache und der Ge- schen müssen in Deutschland bis heute
gesetz“ ermittelt werden kann. Ein Ge- sichtsform würde dann die Delegation he- mit dem unsicheren Status einer Duldung
spräch mit dem Zugführer blieb zunächst rausfinden, wer aus Guinea komme und leben, davon etwa 150.000, die bereits seit
ohne Ergebnis, bis dann der Einsatzleiter wer nicht. Personen, die aus Guinea mehr als acht Jahren hier leben. Ein Groß-
sich zu dem Bus bemühte. Es folgten zähe stammten, würden in das Land abgescho- teil von ihnen sind Kriegsflüchtlinge, de-
Verhandlungen, die zu dem positiven Er- ben. Die ZAB Dortmund ist auf den Ab- nen der Schutz des Asylrechts verweigert
gebnis führten, dass die Personalienkon- transport von Asylsuchenden aus dem wurde. Allein 100.000 Geduldete sind
trolle abgeblasen wurde. Die Polizei woll- afrikanischen Land spezialisiert. Nach Flüchtlinge und Vertriebene aus Ser-
te sich nun doch nicht zum Handlanger Auskunft des Auswärtigen Amtes in Ber- bien/Montenegro und dem Kosovo. In
der Lagerbehörden machen, die das Ahn- lin weist die Menschenrechtslage in Gui- Niedersachsen leben 22.000 Menschen
den des „Residenzpflichtverstoßes“ ein- nea „gravierende Defizite“ auf. Es gebe mit dem prekären Status einer Duldung.
zig als Repression gegen die AktivistIn- Folter und willkürliche Verhaftungen, au- Eine besonders diskriminierte Gruppe un-
nen aus Hesepe einsetzen wollten und die- ßerdem würden in dem westafrikanischen ter ihnen sind die mehr als 5000 Roma aus
ses ja schon im Vorfeld angekündigt hat- Land Todesurteile vollstreckt. dem Kosovo.
ten. Die Räume, in denen die Afrikaner be- Die Gründe dafür, dass viele Menschen
Im Rückblick auf diesen Tag ist es fragt werden, befinden sich in der Dort- trotz verweigerten Asylrechts nicht abge-
durchaus als Erfolg zu werten, dass trotz munder ZAB. Es würde sich dabei um schoben werden, sind vielfältig. An erster
aller widriger Umstände der Brief der „quasi exterritoriales Gebiet“ handeln, Stelle stehen drohende Folter oder Todes-
Flüchtlinge mit einer einigermaßen gro- sagte ZAB-Chef Weller. Bei der Befra- strafe im Herkunftsland (was zum Teil
ßen öffentlichen Aufmerksamkeit nach gung gelte das Recht Guineas. Eine Spre- nicht als Asylgrund anerkannt wird). Im
Hannover gebracht werden konnte. Einzig cherin des Innenministers von Nordrhein- Kosovo hält die UNO-Verwaltung auf-
unglaubwürdig machten sich die Behör- Westfalen (NRW), Ingo Wolff (FDP), sag- grund der weiter bestehenden Gefahr für
den. Es ist eine unglaubliche Arroganz, te, bei den Verhören seien deutsche Beam- Leib und Leben eine Wiederansiedlung
wenn der zuständige Ministerialbeamte te nicht unbedingt zugegen. Aber auch der Roma und anderer nichtalbanischer
im Niedersächsischen Innenministerium ohne Überwachung sei durch Absprachen Minderheiten bis auf weiteres für ausge-
schon im Vorfeld es ablehnt, eine Delega- sichergestellt, dass „die Bedingungen un- schlossen. Auch sechs Jahre nach Kriegs-
tion der Flüchtlinge zu empfangen und seres Rechtsstaates“ bei den Verhören ein- ende müssen Roma im Kosovo noch im-
den Brief persönlich entgegenzunehmen. gehalten würden. Die Delegation aus Gui- mer in Lagern leben. Zudem stellte die
Der Protest bleibt deswegen nicht unge- nea besteht nach Auskunft des NRW-In- Weltgesundheitsbehörde fest, dass in drei
hört. Noch deutlicher in seiner Menschen- nenministeriums aus vier Personen, die Lagern Menschen, vor allem Kinder, an
verachtung positionierte sich Lagerleiter offensichtlich alle dem Sicherheitsminis- Bleivergiftungen erkrankt sind, weil diese

12 : antifaschistische nachrichten 8/2006


Lager auf verseuchtem Gelände errichtet Kräften für einen Mehrheitsbeschluss ein- ten auch Kirchen, Wohlfahrtsverbände
wurden. Auch nach jahrelangem Aufent- zusetzen. und Flüchtlingsorganisationen beteiligt
halt in Deutschland ist die gesellschaftli- Roma-Bündnis Nordwest werden.
che Eingliederung der Geduldeten hier Quelle: Nds. Flüchtlingsrat, April Mit dem vor einem Jahr in Kraft getre-
bisher politisch unerwünscht und wird be- 2006 ■ tenen Zuwanderungsgesetz hätten viele
wusst verhindert. ... für Flüchtlinge engagierte Organisationen
Viele der Flüchtlinge verbinden mit den 16.865 Abschiebungen auf auf eine Verbesserung der Situation für
im letzen Jahr begonnenen Verhandlun- geduldete Menschen ohne regulären Auf-
gen der deutschen Innenministerkonfe- dem Luftweg – bei 1983 enthaltsstatus gehofft, heißt es in dem
renz über ein dauerhaftes Bleiberecht für wurde Gewalt angewendet Aufruf. Diese Hoffnungen hätten sich je-
Geduldete die Hoffnung auf eine sichere Berlin. Im Jahr 2005 wurden insgesamt doch nicht erfüllt. Die strengen Ausle-
Lebensperspektive. Durch die Vertagung 16.865 Mal Ausländer auf dem Luftweg gungsvorschriften des niedersächsischen
dieses Punktes auf der letzten Innenminis- abgeschoben. Dabei sind 1983 Hilfsmittel Innenministeriums haben nach Ansicht
terkonferenz im Dezember 2005 in Karls- der körperlichen Gewalt eingesetzt wor- der Wohlfahrtsverbände zur Folge, dass
ruhe wurde diese Hoffnung enttäuscht. den, etwa Fesselungsmittel. Dies erklärt nur ein Bruchteil der Betroffenen tatsäch-
Die problematische Praxis der Kettendul- die Bundesregierung in der Antwort lich eine Aufenthaltserlaubnis erhalte.
dungen wird von deutschen Behörden auf (16/1055) auf eine Kleine Anfrage der Gleichzeitig werde die Abschiebepraxis
unabsehbare Zeit fortgeführt. Dies ist ge- Bundesgrünen (16.924). Statistische in Niedersachsen „immer härter“. Betrof-
sellschaftspolitisch unverantwortlich und Übersichten über die Anwendung (einfa- fen davon seien oft auch Familien, die seit
den Betroffenen gegenüber unverzeihlich. cher) körperlicher Gewalt würden von zehn oder mehr Jahren in Niedersachsen
Die Geduldeten, schon lange Mitglie- der Bundespolizei nicht geführt, heißt es lebten und deren Kinder in dem Bundes-
der unserer Gesellschaft, müssen endlich weiter. Entsprechend gebe es auch keine land geboren seien. „Das Herkunftsland
aus ihrem weitgehend rechtlosen Status Angaben der Länderpolizei. In 3.666 Fäl- ist ihnen fremd, oftmals kennen sie es nur
befreit werden und die Chance zu einem len habe die Bundespolizei oder die Län- von Erzählungen oder Fotos, sie sprechen
menschenwürdigen und gleichberechtig- derpolizei von Abschiebung betroffene seine Sprache nicht.“
ten Leben in Deutschland erhalten. Ausländer begleitet. Bei 216 Abschiebun- Viele Kinder aus Flüchtlingsfamilien
Ein breites Bündnis von Flüchtlingsrä- gen nach Algerien hätten Sicherheitskräf- gingen nicht mehr in die Schule, weil sie
ten, Wohlfahrtsverbänden, Kirchen und te des jeweiligen Zielstaates die Personen befürchteten, dort von der Polizei abge-
Gewerkschaften fordert eine unbürokrati- begleitet, bei 993 Abschiebungen nach holt und abgeschoben zu werden, bekla-
sche und großzügige Bleiberechtsrege- Serbien-Montenegro sei dies ebenso der gen die Verbände. Erstunterzeichner des
lung. Wir bitten auch den Rat der Stadt Fall gewesen. In weiteren 1.284 Fällen sei Aufrufes sind die Landesarbeitsgemein-
Oldenburg ein solches Zeichen zu setzen die Begleitung von Sicherheitskräften schaft der Freien Wohlfahrtspflege, der
und sich gegenüber der niedersächsischen verschiedener Luftverkehrsgesellschaften DGB in Niedersachsen und der Nieder-
Landesregierung für ein dauerhaftes Blei- vorgenommen worden. sächsische Flüchtlingsrat.
berecht der Geduldeten einzusetzen. ... Zu Abschiebungen mit Charterflügen epd Niedersachsen-Bremen/
Kein anderes Bundesland legt das Zuwan- und zur Frage, wie viele Personen im b0931/6.4.06
derungsgesetz so rigide aus wie Nieder- Zuge von „Sammelabschiebungen der Quelle: arbeitskreis asyl goettingen ■
sachsen. Seit dem Amtsantritt von Innen- EU“ entweder direkt in ihr Herkunftsland
minister Schünemann kommt es wieder oder über Flughäfen anderer Mitglieds- Mahnwache – Handeln statt
zu überfallartigen Abschiebungen im staaten in das jeweilige Herkunftsland
Morgengrauen. Darüber hinaus lehnte die abgeschoben wurden, gibt es laut Regie- Wegschauen! Gewalt und
Landesregierung die Einrichtung einer rung „keine belastbaren statistischen An- Diskriminierung darf nicht
Härtefallkommission ab. Schon bei der gaben“. geduldet werden!
Innenministerkonferenz im Juni 2005 ver- Die Zahl der wegen aktiver oder passi-
hinderte Schünemann zusammen mit sei- ver Widerstandshandlungen gescheiterten Thüringen. Die
nem bayrischen Amtskollegen eine gene- Rückführungen im Jahr 2005 wird mit ver.di-MigrantInnen
relle Bleiberechtsregelung für langjährig 298 angegeben. Weitere 94 Rückführun- wenden sich mit ei-
geduldete Flüchtlinge. Die mehr als gen seien aus medizinischen Gründen ge- nem offenen Brief an
200.000 geduldeten Flüchtlinge müssen scheitert. die BürgermeisterIn-
seitdem weiter in ständiger Angst vor Ab- Büro JRS, stefan.kessler@jrs.net, nen-Kandidaten in
schiebung und der Zerstörung ihrer in jah- 30.03.06 Thüringen und füh-
relangen Anstrengungen aufgebauten Quelle: Nds. Flüchtlingsrat ■ ren am 6. Mai in Er-
Existenz in Deutschland leben. furt eine Mahnwache
Vor der nächsten Innenministerkonfe- Wohlfahrtsverbände fordern und Kundgebung gegen Diskriminierung
renz Anfang Mai in Garmisch-Patenkir- und Gewalt gegen Minderheiten durch. In
chen, auf der die Debatte über eine Blei- andere Flüchtlingspolitik einem offenen Brief werden die Bürger-
berechtsregelung fortgesetzt werden wird, Hannover. Mit einem „Flüchtlingspoli- meisterkandidaten gebeten „ ... mitzutei-
sollte der Rat der Stadt Oldenburg ein tischen Aufruf“ wollen die niedersächsi- len, welche Maßnahmen Sie umsetzen
deutliches Signal setzen, sich den zahlrei- schen Wohlfahrtsverbände auf eine „hu- werden, um Rassismus, Antisemitismus
chen Wohlfahrtsverbänden, Kirchen, manitäre Bleiberechtsregelung“ für ge- und Gewalt gegen Nichtdeutsche und an-
Flüchtlingsinitiativen und Gewerkschaf- duldete Flüchtlinge und eine sachgerechte dere Minderheiten eindeutig einzuschrän-
ten anschließen und sich für ein bedin- Umsetzung des Zuwanderungsgesetzes ken, wenn Sie gewählt werden.“
gungsloses und dauerhaftes Bleiberecht hinwirken. In ihrem am Donnerstag be- Die Wahlberechtigten werden aufgefor-
für die in Deutschland lebenden gedulde- kannt gemachten Appell fordern die Ver- dert, keinen Bürgermeister zu wählen, der
ten Flüchtlinge aussprechen. Dies sollte bände das Land Niedersachsen außerdem nicht alle Möglichkeiten nutzen wird, um
mit einem deutlichen und eindringlichen auf, traumatisierte und kranke Menschen die Rechtsentwicklung zu stoppen und die
Appell an die niedersächsische Landesre- nicht mehr abzuschieben und Familien- Gewalt und Diskriminierung der Auslän-
gierung verbunden sein, auf der nächsten trennungen bei Abschiebungen zu verhin- der zu verhindern. Rassismus sei in dieser
Innenministerkonferenz für ein solches dern. An der von der Landesregierung be- Gesellschaft tief verankert.
Bleiberecht zu stimmen und sich mit allen schlossenen Härtefallkommission müss- Angelo Lucifero ■

: antifaschistische nachrichten 8/2006 13


Kassel-Hamburg, 21. März Keine deutschen oder EU-Truppen in den
2006 – Angesichts des sich ab-
zeichnenden Einsatzes einer Kongo – Zivile Lösungen sind gefragt
EU-Kampftruppe unter deutscher Be- Die Weichen für einen Bundeswehr- und EU-Truppeneinsatz im Kongo sind ge-
teiligung in der DR Kongo erklären stellt – Die Friedensbewegung hält dagegen: Eine Stellungnahme im Wortlaut
die Sprecher des Bundesausschuss
Friedensratschlag Dr. Peter Strutynski werden können, die mit ihren Helikop- ren dazu. Die bisherigen Stabstrocken-
(Kassel) und Lühr Henken (Hamburg): tern ohnehin für die Logistik der Wahlen übungen sollen sich nun im „multinatio-
zuständig sind. nalen“ Praxistest bewähren. Damit
Die Bundesregierung plant derzeit erst- Wir stellen fest: Auch dieses militäri- kommt die EU ihrem erklärten Ziel,
malig in einem eigenständigen militäri- sche Vorhaben mit deutscher Beteiligung nicht nur wirtschaftlich, sondern auch
schen Kampfeinsatz der Europäischen ist überflüssig. militärisch zu einem globalen Akteur zu
Union (ohne NATO-Beteiligung) die Weitere Einsatzoptionen sind offiziell werden, einen weiteren Schritt näher.
Führung zu übernehmen. Ab Mitte Juni nicht geplant. Somit erweist sich der Ein- Die Bevölkerungen der EU-Staaten sol-
soll ein im Wesentlichen aus deutschen satz der EU-Kampftruppe insgesamt als len auf diese Weise an die Militarisie-
und französischen Infanterietruppen be- überflüssig. rung der EU gewöhnt werden.
stehender Verband in der kongolesischen 2. Dies geschieht nicht zum Selbst-
Hauptstadt Kinshasa einen reibungslosen zweck. Es geht auch um die Verfolgung
Ablauf der ersten Präsidenten- und Par- wirtschaftlicher Interessen. So ist in der
lamentswahl des Landes nach 45 Jahren DR Kongo die französische Consulting-
gewährleisten. Die Anforderung basiert firma Sofreco im Juli letzten Jahres als
auf einer Anfrage des für die UN-Blau- Übergangsverwalterin der kongolesi-
helme zuständigen französischen UN- schen staatlichen Minengesellschaft Gé-
Untergeneralsekretärs Guéhenno von camines eingesetzt worden, um diese
Ende Dezember: Die EU-Truppe solle weiter zu privatisieren. Die DR Kongo
vor allem „Störer abschrecken“. Nach ist reich an Diamanten, Kupfer, Kobalt
grundsätzlicher Zustimmung insbeson- und Gold, aber auch an seltenen Metal-
dere von Frankreich, Deutschland und len wie Germanium und Coltan (Niob
Großbritannien setzte zunächst ein heil- und Tantal). Zudem könnte Uran geför-
loses Durcheinander um die Modalitäten dert werden. Bis auf den Diamantenab-
des Einsatzes ein. Die bisher bekannten Ostermarsch Frankfurt, Foto: indymedia bau darbt der Rohstoffexport. Internatio-
Parameter des EU-Militäreinsatzes las- nal tätige Minengesellschaften vor allem
sen mittlerweile allerdings folgende Bundesverteidigungsminister Jung hat aus Südafrika, den USA und Kanada ha-
Schlussfolgerungen zu: vor wenigen Tagen eine weitere „Be- ben bereits Milliarden investiert oder be-
● das vorgegebene Einsatzziel, nach gründung“ für den Kongoeinsatz nachge- absichtigen es, um endlich die kostbaren
dem ersten Wahlgang die staatlichen In- schoben: Es ginge darum, künftige Rohstoffe preiswert ausbeuten zu kön-
stitutionen, insbesondere die Wahlkom- Flüchtlingsströme aus dem zentralafrika- nen. Die Firma Siemens, größter deut-
mission vor dem Druck der Wahlverlie- nischen Land nach Europa und Deutsch- scher Investor in der DR Kongo, bemüht
rer zu schützen, lässt sich mit einer 250 land zu verhindern. Wer so argumentiert, sich um einen Milliardenauftrag zum
Mann starken französischen Infanterie- bedient nicht nur fremdenfeindliche Res- Ausbau von Wasserkraftwerken am Kon-
truppe nicht gewährleisten. Sie kann ein sentiments und rassistische Vorurteile, go. Da will man das Feld nicht nur den
Aufeinandertreffen der Privatarmeen der die nicht nur am rechten Rand der Ge- anderen überlassen.
vormaligen Bürgerkriegsgegner und jet- sellschaft vorhanden sind. Er lügt auch – Jahrzehnte des Bürgerkriegs und der
zigen Präsidenten J. Kabila (10.000- ob wissentlich oder unwissentlich, kön- äußeren militärischen Einmischung ha-
15.000 Mann Eliteeinheiten) und eines nen wir nicht beurteilen. Er lügt, weil die ben das Land in das Chaos und die Be-
der Vizepräsidenten J.-P. Bemba (5.000 Migration aus dem Kongo nach Europa, völkerung in immer größeres Elend ge-
bis 6.000 Mann) nicht verhindern. Ande- insbesondere nach Deutschland selbst in stürzt (man spricht von bis zu drei Mil-
re kongolesische bewaffnete Kräfte sind den bittersten Jahren des kongolesischen lionen Todesopfern und Millionen von
im Einsatzgebiet Kinshasa nicht zu er- Bürgerkrieges gegen Null tendierte. Menschen auf der Flucht). Damit sollte
warten. Falls es tatsächlich zu umfassen- Wir fordern deshalb die Abgeordneten doch hinreichend deutlich geworden
den bewaffneten Auseinandersetzungen des Bundestages auf, dem Antrag der sein, dass mit Militär die Probleme des
nach dem ersten Wahlgang kommen soll- Bundesregierung auf Beteiligung an die- Landes nicht zu lösen sind. Es ist an der
te, müssten schwer bewaffnete EU-Bo- sem EU-Kampfeinsatz nicht zuzustim- Zeit, einen grundsätzlich anderen Weg
dentruppen in größerer Zahl nachgeführt men. Über die Kosten redet wohlweislich einzuschlagen und endlich zivile Kon-
werden und Luftangriffe erfolgen. Da niemand. Dabei hätten die EU und zepte der Konfliktbearbeitung anzuwen-
eine Vorplanung dieser Szenarien derzeit Deutschland viele Gründe, den Sozial- den.
nicht in Sicht ist, bleibt dann nur der Ab- staat zu verteidigen – nicht am Hindu- Die Friedensbewegung warnt die Bun-
zug. Wir ziehen daraus den Schluss, dass kusch und im Kongo, sondern hier bei desregierung davor, sich im Kongo mili-
es sich um einen symbolischen Einsatz uns. Die Frage drängt sich auf, weshalb tärisch zu engagieren und fordert statt-
handelt. trotz knapper Staatsfinanzen Zig-Millio- dessen:
● Ein zweites Einsatzziel ist, wie es nen Euro dafür verschleudert werden ● mehr Anstrengungen und Mittel für
offiziell heißt, die Evakuierung von etwa sollen. eine effektivere Entwicklungshilfe,
200 europäischen Wahlbeobachtern, wo- Wir beantworten die Frage in zwei ● eine Initiative zur nachhaltigen Ent-
für insbesondere ein deutsches Fall- Richtungen: schuldung des Landes,
schirmjägerbataillon zuständig sein soll, 1. Die EU sucht ein möglichst an- ● schärfere Kontrolle der Waffenaus-
das in Gabun stationiert ist. Wir wissen, spruchsvolles Einsatzgebiet zur Erpro- fuhren (insbes. was die Kleinwaffen be-
dass solche Maßnahmen effektiver auch bung ihrer im Aufbau befindlichen Batt- trifft).
von den in den meisten Landesteilen be- le-Groups (13 solcher Elitekampfeinhei- Bundesausschuss Friedensratschlag:
reits präsenten 20 Infanteriebataillonen ten hat die EU beschlossen). Die deut- Lühr Henken, Hamburg
der UN-Truppe Monuc übernommen schen Fallschirmjäger aus Lebach gehö- Peter Strutynski, Kassel ■

14 : antifaschistische nachrichten 8/2006


11.00 Uhr bis 13.00 Uhr
Drohender Krieg gegen
Plenumsdiskussion: Auflösung und
Iran Hauptthema bei den Verbot aller Nazi-
organisationen!
Ostermärschen 2006
Im Zentrum der mehr als 80 tiativen gegen die Remilitarisierung des
Schluss mit Nazi-
Ostermärsche stand in diesem
Jahr die Warnung vor einem mög-
Flughafens Hahn, die Friedensinitiative
Westpfalz demonstrierte an der US-Airba-
aufmärschen in
lichen Krieg gegen Iran und die Forde-
14.00 - 16.30 Uhr
rung nach konstruktiver Konfliktlösung
se Ramstein gegen die dort vermuteten
Atomwaffen. Der Ostermarsch Baden-
NRW!
Arbeitsgruppen:
des Atomstreites. Die jüngsten Veröffent- Württemberg forderte in Ulm „Abrüstung
lichungen über geheime Operationen zum statt Sozialabbau“. In Münster wehrten Konferenz
Regimesturz im Iran und die US-Militär- sich die Friedensgruppen gemeinsam mit antifaschistischer
planungen unter Einschluss taktischer dem „Bündnis gegen Rechts“ gegen eine
Atomwaffen entsprechen den schlimms- Kundgebung von Neonazis. Initiativen und
ten Befürchtungen der Friedensbewe- Kritisiert wurden von den Friedensin- Organisationen
gung. Vielfach wurden bei den Osterak- tiativen neben dem EU-Verhalten in der in NRW
tionen Unterschriften an den Bundestag Irankrise auch die Situation Israel/Palästi-
gesammelt, entschieden für eine friedli- na, die Militarisierung der EU mit der
che Lösung der Krise einzutreten, jede Einrichtung der „battle-groups“, die gra-
deutsche Unterstützung für einen Krieg vierenden Menschenrechtsverletzungen Sonntag, 7. Mai
gegen Iran auszuschließen und eine diplo- der USA im „Anti-Terror- Krieg“ und die
matische Offensive für eine Sicherheits- BND-Beteiligung am Irak-Krieg. Gegen in Duisburg
konferenz für den Nahen und Mittleren eine von den Ministern Schäuble und 11 Uhr bis 17.30 Uhr
Osten mit dem Ziel einer Atomwaffenfrei- Jung gewünschte Grundgesetzänderung
en Zone zu starten. Ein ausführliches für eine weitere Lockerung der Definition
Internationales Zentrum
Dossier zum Iran-Konflikt mit Vorschlä- des Verteidigungsfalls und die Ermögli- Flachsmarkt 15
gen zur Zivilen Konfliktbearbeitung hat chung von Bundeswehreinsätzen im In-
die „Kooperation für den Frieden“ vorge- land wurde Widerstand angekündigt.
Nähe Rathau us
16.30 - 17.30 Uhr
legt (siehe www.koop-frieden.de/irandos- Am Ostersonntag beging die Bürgerini-
Abschlussplenum
sier.pdf). tiative FREIe HEIDe ihre 100. Protest-
Den Auftakt in der Karwoche machte wanderung gegen das Bombodrom in der Ablauf der Konferenz:
am Donnerstag eine Mahnwache und Kyritz-Ruppiner Heide. Zu diesem Oster-
Kundgebung zum Iran-Thema in Erfurt. marsch kamen 12000 TeilnehmerInnen 11.00 Uhr bis 13.00 Uhr
Am Karfreitag folgten Veranstaltungen in aus Brandenburg und Berlin, es war die Plenumsdiskussion:
Biberach, Bruchköbel, Chemnitz und insgesamt größte Veanstaltung.
Dortmund sowie der zweitägige Leipziger Größere Abschlusskundgebungen fan- NPD und „Freie Kameradschaften“ Ei oder
Huhn? Wer ist der Schwanz und wer wedelt
Oster-“marsch“ als Fahrrad-Rundtour. den am Montag noch in Berlin, Hamburg, mit dem Hund?
Die meisten der mehr als 70 Ostermarsch- Dortmund, Frankfurt und Nürnberg statt. Einführung Ulla Jelpke, MdB Die Linke
Aktionen fanden am Ostersamstag von Aufgegriffen wurde die Ostermarschtradi-
Aschaffenburg bis tion in diesem Jahr Zum Verhältnis zweier Fraktionen des Neo-
faschismus.
Zwickau statt. So starte- auch mit Kundgebun- Erfahrungsberichte aus mehreren Städten in NRW
te in Duisburg der drei- gen in Bern, Brüssel anschließend Diskussion
tägige Ostermarsch und Den Haag.
durchs Ruhrgebiet, im Weitere Informa- 14.00 - 16.30 Uhr
Hunsrück wendeten sich tionen unter Arbeitsgruppen:
die örtlichen Bürgerini- www.friedenskooperative.de ■
1. Eine neue Kampagne zum Verbot der NPD
Moderation: Thomas Willms,
Der Herausgabekreis und die Redaktion sind zu erreichen über: Bundesgeschäftsführer der VVN- BdA
GNN-Verlag, Zülpicher Str. 7, 50674 Köln Tel. 0221 / 21 16 58, Fax 0221 / 21 53 73.
email: antifanachrichten@netcologne.de, Internet: http://www.antifaschistische-nachrichten.de 2. „Gib Pfötchen!“ Ist die „Junge Freiheit“
Erscheint bei GNN, Verlagsges. m.b.H., Zülpicher Str. 7, 50674 Köln. V.i.S.d.P.: U. Bach so harmlos wie sie tut?
Redaktion: Für Schleswig-Holstein, Hamburg: W. Siede, erreichbar über GNN-Verlag, Neuer Kamp 25, Moderation: Helmut Kellershohn, Mitarbeiter
20359 Hamburg, Tel. 040 / 43 18 88 20. Für NRW, Hessen, Rheinland Pfalz, Saarland: U. Bach, des DISS
GNN-Verlag Köln. Baden-Württemberg und Bayern über GNN-Süd, Stubaier Str. 2, 70327 Stuttgart,
Tel. 0711 / 62 47 01. Für „Aus der faschistischen Presse“: J. Detjen c/o GNN Köln. 3. Abschiebungen, Austrocknung der
Flüchtlingsarbeit, Kampagnen gegen
Erscheinungsweise: 14-täglich. Bezugspreis: Einzelheft 1,30 Euro.
Muslime – eine Bilanz der neuen CDU-FDP
Bestellungen sind zu richten an: GNN-Verlag, Zülpicher Str. 7, 50674 Köln. Sonderbestellungen sind
Regierung in Düsseldorf
möglich, Wiederverkäufer erhalten 30 % Rabatt. Moderation: NRW Flüchtlingsrat (angefragt)
Die antifaschistischen Nachrichten beruhen vor allen Dingen auf Mitteilungen von Initiativen. Soweit ein-
zelne Artikel ausdrücklich in ihrer Herkunft gekennzeichnet sind, geben sie nicht unbedingt die Meinung 4. Musik als Werbeträger neofaschistischer
der Redaktion wieder, die nicht alle bei ihr eingehenden Meldungen überprüfen kann. Ideologie
Herausgabekreis der Antifaschistischen Nachrichten: Anarchistische Gruppe/Rätekommunisten (AGR); Annelie Moderation: Kai Venohr, DGB Bielefeld
Buntenbach (Bündnis 90/Die Grünen); Rolf Burgard (VVN-BdA); Jörg Detjen (Forum kommunistischer Arbeitsgemein- (angefragt)
schaften); Martin Dietzsch; Regina Girod (VVN - Bund der Antifaschisten); Dr. Christel Hartinger (Friedenszentrum e.V.,
Leipzig); Hartmut-Meyer-Archiv bei der VVN - Bund der Antifaschisten NRW; Ulla Jelpke (MdB); Jochen Koeniger (Ar- 16.30 - 17.30 Uhr
beitsgruppe gegen Militarismus und Repression); Marion Bentin, Edith Bergmann, Hannes Nuijen (Mitglieder des Vor-
standes der Arbeitsgemeinschaft gegen Reaktion, Faschismus und Krieg–Förderverein Antifaschistische Nachrichten);
Abschlussplenum
Kreisvereinigung Aachen VVN-BdA; AG Antifaschismus/ Antirassismus in der PDS NRW; Angelo Lucifero (Landesleiter
hbv in ver.di Thüringen); Kai Metzner (minuskel screen partner); Bernhard Strasdeit; Volkmar Wölk.

: antifaschistische nachrichten 8/2006 15


: meldungen, aktionen
„Lynx“ in Gauting
Gauting. Der Gautinger Kunsthistoriker
Hetze gegen Moscheebau Jahr Interviewpartner der „Deutschen und Sachverständige für italienische Ma-
Nationalzeitung“, Dr. Stefan Scheil lerei, Dr. phil. Christian Hornig, gründete
Dormagen/Kr.Neuss. Mitglieder der (Neuhofen), Träger des „Gerhard-Lö- 2001 den „Lynx-Verlag“. Der verlegte
NPD und der sogenannten „Freien Na- wenthal-Preis“ der „Jungen Freiheit“, für kürzlich das Buch „Michel Friedman,
tionalisten“ haben am 1. April eine die er auch schreibt, und Dr. Walter Post Haim Saban und die deutsche Medien-
Mahnwache vor dem alten Rathaus in (München), Interviewpartner der NPD- landschaft“ von Tobias Brendle. „Eine
Dormagen durchgeführt. Die Mahnwa- Zeitung „Deutsche Stimme“ und im ver- sachliche Kritik an gewissen Leuten“ von
che richtete sich gegen einen Bau einer gangenen Jahr als Referent beim alljähr- einem „gemäßigten, deutschen patrioti-
Moschee im Norden der Stadt. Der Akti- lichen „Deutsche-Stimme“-Kongress an- schen Standpunkt“ aus, äußerte dazu Ver-
on hätten sich angeblich auch „einige gekündigt. Die Diskussionen sollen von leger Hornig jüngst in einem Interview mit
Dormagener Bürger“ angeschlossen, die Dr. Olaf Rose (Bochum) geleitet werden, der „Deutschen Nationalzeitung“ von
bereits eine „Unterschriftenliste der An- der ebenfalls auf „Deutsche Stimme“- DVU-Chef Gerhard Frey. Im Jahr 2001
wohner gegen den geplanten Moschee- Kongressen referiert hatte. In der Vergan- hatte Hornig, ein ehemaliges CSU-Mit-
bau unterschrieben“ hatten, heißt es in genheit hatte Rose auch auf Veranstal- glied, auf einer Veranstaltung der soge-
einem Eintrag auf der Webseite der sog. tungen der „Staats- und Wirtschaftspoli- nannten „Republikaner“ in München über
„Autonomen Nationalisten“ aus Neuss. tischen Gesellschaft“ (SWG), dem „Bis- das Buch „Die Holocaust-Industrie“ von
Die Polizeiführung vor Ort habe sich marck-Bund“ und dem „Akademiekreis“ Norman G. Finkelstein referiert (s.a. „AN“
nicht „gerade sehr kooperativ“ verhalten gesprochen. hma ■ 20/2001). Eine Rezension des Buches
und verboten, die schwarz-weiß-rote schrieb er im gleichen Jahr für die extrem
oder schwarze Fahne zu zeigen. Atlantis in Warstein rechte Zeitschrift „Opposition. Magazin
Ein Transparent mit dem Text „Wir für Deutschland“ der „Verlagsgesellschaft
sind Deutschland“ sei beschlagnahmt Warstein/Köln. Mit einer Anzeige in Berg“ von Gert Sudholt. Das Buch sei ein
worden, heißt es in einem Eintrag von der „Deutschen Nationalzeitung“ des „Denkanstoß, der die Einzigartigkeit und
„NPD Krefeld“ auf den Webseiten der DVU-Chef Frey wirbt ein „Atlantis-Ver- die moralische Höherwertigkeit des Ju-
Klever NPD. Die Nachfrage nach Infor- sand“ aus Warstein (Kreis Soest) für Mu- dentums mit etlichen Fragezeichen ver-
mationsmaterial sei so groß gewesen, sik-CDs des „nationalen“ Liedermachers sieht“, so Hornig dort. Außerdem würden
dass in einem Kopierladen noch 2000 Rene Heizer („Deutschland, heiliges dort die „deutschen Verbrechen mit denen
Flugblätter nachkopiert werden mussten. Wort“, „Balladen für Deutschland“ usw.). anderer Nationen“ verglichen und das die-
NPD-Aktivitäten hatte es in der Ver- Angeboten wird auf der Webseite des Ver- ne „zweifellos einer historisch gerechten
gangenheit in Dormagen nur selten gege- sands zudem szenetypische Bekleidung Bewertung der Deutschen, deren Taten im
ben. Im Jahr 2000 wurde ein Dormage- sowie Bücher aus dem „Arun-Verlag“ des Kontext mit ähnlichen im 20. Jahrhundert
ner, der Techniker Reinhard Vielmal, ehemaligen „Wiking-Jugend“-Aktivisten durchaus nicht als „einzigartig“ erschei-
zum Kreisvorsitzenden der Neusser NPD Stefan Ulbrich (Engerda). Auch Unter- nen müssen“. Im Interview mit dem
gewählt. hma ■ stützung bei der Herstellung von Tonträ- Frey’schen Hausblatt bezeichnet sich Hor-
gern wird angeboten. Liedermacher „Hei- nig u.a. als „deutscher Patriot“ und „Geg-
„Zeitgespräche“ in zer“ heißt mit richtigem Namen Ingo Hal- ner der EU und des ganzen Multikulti-
berstadt und lebte in der Vergangenheit in Rummels“. hma ■
München Köln. Er gehörte der NPD-Jugendorgani-
München/Inning. Die „Kriegsschuld- sation „Junge Nationaldemokraten“ an EU warnt vor Nazi-Ideologie
frage“ neu stellen will eine – geschlosse- und gab in den 90er Jahren die Zeitschrift
ne – Vortragsveranstaltung am 6. Mai in „Musik & Kultur“ heraus, die der „Mid- Der Europarat hat vor einem bedrohli-
München, die vom einschlägig rechten gard“-Versand um Halberstadts Frau The- chen Anstieg der Nazi-Ideologie ge-
„Druffel & Vowinckel-Verlag“ aus In- resa vertrieb. Theresa H. ist auch Inhabe- warnt. „Der EU-Befund deckt sich mit
ning am Ammersee organisiert wird. An- rin der Webseite des „Atlantis-Versand“. Tendenzen in Deutschland,“ so Petra
gekündigt werden unter der Überschrift Seit den 90er Jahren trat Liedermacher Pau, stellv. Vorsitzende der Fraktion DIE
„Kriegsursachen 1939/1941“ Vorträge „Heizer“ zunehmend auf „Sonnenwend- LINKE, Mitglied im Innenausschuss:
von Brigadegeneral a.D. Gerd Schultze- feiern“ und anderen Veranstaltungen der „Bundesweit gibt es im Schnitt stündlich
Rhonhof (Buxtehude), im vergangenen DVU auf. hma ■ eine rechtsextremistische Straftat und
täglich 2 1/2 rechtsextremistische Ge-
walttaten. Das sind die offiziellen Zah-
BESTELLUNG: Hiermit bestelle ich … Stück pro Ausgabe (Wiederverkäufer erhalten 30 % Rabatt)
len. Sie stapeln tief. Hinzu kommen ver-
O Halbjahres-Abo, 13 Hefte 22 Euro
Erscheinungsweise: breitete rassistische und antisemitische
O Förder-Abo, 13 Hefte 27 Euro 14-täglich Ressentiments inmitten der Gesellschaft.
O Jahres-Abo, 26 Hefte 44 Euro
Sie sind jederzeit aktivierbar und das
O Förder-Abo, 26 Hefte 54 Euro
wird leichtfertig auch immer wieder ver-
O Schüler-Abo, 26 Hefte 28 Euro
sucht. Trotzdem gibt es darüber keinerlei
O Ich möchte Mitglied im Förderverein Antifaschistische Nachrichten werden. Der Verein unterstützt finanziell
und politisch die Herausgabe der Antifaschistischen Nachrichten (Mindestjahresbeitrag 30,- Euro). ernsthafte gesellschaftliche Debatte,
Einzugsermächtigung: Hiermit ermächtige ich den GNN-Verlag widerruflich, den Rechnungsbetrag zu Lasten
auch nicht im Bundestag. Im Gegenteil:
meines Kontos abzubuchen. (ansonsten gegen Rechnung) Fördermittel für Projekte dagegen sollen
sogar gestrichen werden. Es ist höchste
Name: Adresse: Zeit für einen gesellschaftlichen Dialog
gegen den alltäglichen Rechtsextremis-
Konto-Nr. / BLZ Genaue Bezeichnung des kontoführenden Kreditinstituts mus, Rassismus und Antisemitismus.
www.petra-pau.de ■
Unterschrift

Durch Osterurlaube entfallen diesmal


GNN-Verlag, Zülpicher Str. 7, 50674 Köln, Tel. 0221 – 21 16 58, Fax 21 53 73, email: gnn-koeln@netcologne.de
Bankverbindung: Postbank Köln, BLZ 370 100 50, Kontonummer 10419507
leider die Rubriken „ostritt“ und „aus
der faschistischen Presse“

16 : antifaschistische nachrichten 8/2006