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onkotogie

Sport gegen Krebs


Prof. Dr. med. Dr. med. Ernst Hanisch,
Arztticher Direktor und Chefarzt der Ktinik für Atlgemein-,
Viszera[- und Endokrine Chirurgie, Asklepios Ktinik Langen

Körperliche Aktivität und primäre Krebsprävention: Es gehört


zum Allgemeinwissen, dass körpertiche Aktivität das Risiko
für eine Reihe von Erkrankungen senken kann. Bekannte
Beispiete hierfür sind die koronare Herzerkrankung, der Typ-
ll-Diabetes und der Schtaganfatt. Erst in den letzten Jahren
ist jedoch auch evident geworden, dass körpertiche Aktivität
das Risiko für die Entstehung unterschiedlishster Krebsarten
zu reduzieren vermag.

So konnte in einer Studie bei mehr als reich signifikant angestiegen. A1s ein
150.000 Personen (70.403 Männer, Ergebnis dieser Entwicklung wird Krebs
80.777 Frauen) gezeigt werden, dass sich heute eher a1s eine chronische Erkran-
diejenigen, die sich pro Woche mehr als kung angesehen, wobei ein schwer-
7 Stunden körperlich betätigten, das Ri- punktmäßiges Augenmerk mittlerweile
siko fiir Dickdarmkebs um 40 %o senken auf der Lebensqualität von Patienten
konnten. Darüber hinaus ist der protek- nach einer Krebstherapie liegt.
tive Effekt körperlicher Aktivität Iiir
hormonabhängig wachsende Tumore Mit wetchen wichtigen und [ang
der rveiblichen Brustdrüse in der Post- anhattenden Problemen werden
menopause und {iir den Prostatakebs Krebspatienten konf rontiert?
gut belegt. 1, 70 o/o der Patienten mit soliden
Ti.rmoren und Blutkrebserkrankungen
Epidemiotogie und Therapie von zeigen eine körperliche Verfassung, die
Krebserkrankungen in 50 0/o a1s schlecht bzw als sehr schlecht
Nach Angaben der Deutschen Krebsge- eingestuft wird. Sowohl Bestrahlung als
sellschaft erkrankten im Jahre 2004 ins- auch Chemotherapie scheinen dabei
gesamt 230.500 Männer und 206.000 negative Nebenwirkungen auf das kardi-
Frauen neu an Krebs. Bei Männern steht orespiratorische und muskuloskeletale
der Prostatai<rebs an erster Stelle, gefolgt System zu haben.
von Darm- und Lungenkrebs. Bei 2. Ein signifikanter Muskelschwund
Frauen belegt der Brustkrebs den ersten mit nachfolgender herabgesetzter
Platz, gefolgt von Darm- und Lungen- Muskelkaft findet sich bei 50 o/o aller
krebs. Die Behandlung von Krebser- Krebspatienten. Obwohl der exakte
krankungen hat in den Ietzten Dekaden Mechanismus nicht klar ist, wird
erhebliche Fortschritte gemacht. So allgemein davon ausgegangen, dass der
ist die Überlebensrate von Krebspati- krebsinduzierte Muskelschurrnd ein
enten aufgrund von Verbesserungen im multifaktorieller Prozess ist, der über
diagnostischen und therapeutischen Be- Faktoren wie z.B. verminderte Enersie-

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aufnahme, proinfl ammatorische Zytoki- Rudern oder Radfahrcn geraten. Ztr
r€, gesteigerten Muskelproteinabbau Beratung und Durchführung einer ge-
und Bettruhe zum Trasen kommt. zielten Sporttherapie finanziert die S tif-
3. ln et-gg %o leiden Krebspatienten tung,,Leben mit Krebs" die Einrichtung
während und nach ihrer Krebstherapie von Personalstellen für Sportthera-
unter dem Fatigue-Syndrom. Dieses peuten. Erste Ergebnisse des Projekts
multidimensionale Syndrom ist u.a. mit ,,Sport und Krebs" zeigen, dass leichtes
psychosozialen Problemen wie z.B. Ausdauertraining bei rund 80 Prozent
Angst, Depression, verminderter Selbst- der Teilnehmer bereits nach zwei
wertschätzung und Schlafstörungen as- Wochen die Leistungsfihigkeit und den
soziiert. Lebensmut deutlich verbessern.
4. Vi"l. Krebspatienten berichten über
körperliche Beeinträchtigungen, z.B. Sport in der Krebsnachsorge -
beim Treppensteigen oder beim Spazte- f tächendeckende Nachhattigkeit

rengehen über kurze und längere Die flächendeckende lJmsetzung von


Strecken. Dieser Befund wird bei mehr Sport in der Krebsnachsorge ist erst
als 50 %o der Patienten, die ihre Krebs- in Ansätzen erkennbar, obwohl die
erkrankung erst kürzlich überwunden ;;,
Weiterbildung zu Ubungsleitern in der
haben, aber auch bei Langzeiniberle- Krebsnachsorge von Landessportbün-
benden im Vergleich zu Patienten mit den oder den Behinderten- und Reha-
keiner Krebserkrankung erhoben (2L V0). Sportverbänden seit Jahren angeboten
Körperliche Limitierungen führen in ca wird. Die Ausbildungen sind bundes-
30 0/o bei Krebspatienten zur verminder- einheitlich in einem Curriculum festge-
ten Teilnahme an soziaTen und soort- 1egt. Durch die Rahmenvereinbarung
Ernst Hanisch
lichen Aktivitäten. zwischen dem Deutschen Behinderten- ..,: Promotion in den Fachbereichen Humanmedizin
sporwerband und dem Gesamtverband [1980] und Zahnmedizin [1984] an der Universitäi
Sport ats integraler Bestandteit der Krankenkassen vom 1. Oktober Ertangen
eines multimodalen Krebsthera- 2003 ist Sport in der Krebsnachsorge als
piekonzepts Rehabilitationssport anerkannt und ver- -:, Seit 1998 Außerptanmäßiger Professor der
Zahlreiche Studien zeigen, dass regel- ordnungsfühig. Derbetreuende Arzt Johann Wolf gan g Goethe- Un iversität Fran kf urt/
mäßige körperliche Aktivitat die und der Patient füllen einen Antrag Main
Überlebensrate von an Dickdarmkrebs zum Rehabilitatsionssport aus, der an-
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erkrankten Patienten steigert. Dies gilt schließend durch die Krankenkasse zu
ebenfalls für den Brustkrebs wie auch genehmigen ist (Muster 56 der Formu- .':,. Arztticher Direktor und Chefarzt der KLinik für
für den Prostatakrebs. Die Integration lare der Bundesärztekammer). Die Ver-
ALlgemein-, Viszerat- und Endokrine Chirurgie,
von Sport in ein Gesamttherapiekon- ordnung wird über 90 Übungseinheiten
Asktepios KLinik Langen
zept e{ordert in jedem Falle eine enge innerhalb von 18 Monaten erteilt und
Zusammenarbeit der beteiligten Diszi- belastet das Budget des Arztes nicht.
plinen. Ein sehr wichtiger Aspekt ist,
dass das Wissen um die positiven Wir- Fazit
kungen von Sport in der Tirmortherapie Es gilt als gesichert, dass sportliche Ak-
bisher sowohl bei Arzten als auch bei tivität sowohl in der Primärprophylaxe -i:' Auto r za h Lreich er wisse nschaftti c he r Pu b Li kationen
Patienten leider nicht sehr präsent ist. als auch in der Sekundärprophylaxe von
'* Beteitigung an Projekten der Deutschen
Hier setzt die Stiftung ,,Leben mit Krebserkrankungen deutliche positive
Forsch u ngsgesettschaft IDFG]
Krebs" an: Seit Juli 2005 bietet sie Effekte zeigt. Um jedoch Sport nach-
ein kontrolliertes Sportprogramm für haltig und flächendeckend als Therapie- .?MitgIiedschaft in unterschiedLichen Gesettschaften
Krebspatienten an. Die Patienten ab- prinitp im Kampf gegen den Krebs mit und Arbeitsgruppen, u.a. Deutsche Gesettschaft
solvieren Fitnesstests und erhalten eine zu etablieren, ist sicherlich noch erheb- für Chirurgie, Deutsche Gesettschaft für
Beratung über die individueil geeignete liche Aufldärungsarbeit notwendig. EndokrinoLogie, InterdiszipLinäre Arbeitsgruppe
Ausdauersportart. Am häufigsten wurde
der DlVl Muttiorganversagen
den Parienten zu Walking, Jogging, ll e.hanisch€asklepios.com

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