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Evolutionsfähige PV-Netze für Entwicklungsländer


- Internes Konzeptpapier -

Michael Grupp, Gerd Schröder


23/06/2005

Einleitung

Dieses Papier untersucht die Frage, wie eine Elektrifizierung mit Solar Home Systems (SHS) in
abgelegenen Gegenden vorangetrieben werden kann, ohne dabei gleichzeitig die Chancen für eine
spätere Netz-Elektrifizierung zu vermindern, oder Investitionen obsolet zu machen.

Als Basis zu diesen Überlegungen werden bei Synopsis PV-Modell-Netzwerke experimentell


untersucht.

Erfahrungen

Erfahrungen bei der Elektrifizierung netzferner Gegenden haben die Vor- und Nachteile
verschiedener Systeme gezeigt:

- Individuelle Systeme (Solarlampen, SHS) brauchen - zumindest im Prinzip - keine


Subventionen, da sie vom Nutzer angeschafft und (mit entsprechender technischer
Unterstützung) gewartet werden; sie bieten aber keine netz-typische Dienstleistung, da
Leistung und Speicherkapazität begrenzt sind.

Komponenten eines SHS: PV-Modul (schwarz), SHS


Batterie (blau), Laderegler (rot), Verbraucher (gelb).
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- Gemeinschafts-Systeme (Dorfnetze) zentralisieren die Versorgungsfunktionen; sie bieten dem


Nutzer einen netz-artigen Komfort, müssen aber professionell konzipiert, finanziert, installiert
und gewartet werden.

Ver-
braucher

Ver-
braucher

PV-Dorfzentrale Ver-
braucher

Ver-
braucher
Schema eines PV-Dorfnetzes

Akzeptanz: PV-Systeme als Sackgasse?

Hier zeigt sich eine Schwäche der oben genannten Systeme: sie sind nicht auf Evolution
ausgelegt. Die Entscheidung für ein bestimmtes System kann nicht ohne Verluste rückgängig
gemacht werden.

Man kann daher verstehen, dass potenzielle Nutzer von PV-Systemen fürchten, von der
Warteliste für einen Netzanschluss gestrichen zu werden, und daher wenig Interesse an PV-Strom
haben - eine schlechte Basis für Akzeptanz und Investitionsbereitschaft.

Ausweg: evolutionsfähige Netze

Eine wichtige Anforderung an fortgeschrittene PV-Systeme ist daher, einen späteren Übergang zu
lokalen Netzen bzw. zum zentralen Netz zu erleichtern oder zumindest nicht zu erschweren, und
diesen Übergang sowohl für den Nutzer als auch für private Investoren und Betreiber interessant
zu machen.

Evolutionsfähige SHS-Netzwerke

Im einfachsten Fall besteht ein solches Netz aus 2 oder mehr gleichberechtigten SHS ohne
Zentrale, mit der Aufgabe, Überschüsse einer Anlage an andere Anlagen zu verkaufen. Dies
eröffnet die Möglichkeit für alle, nicht nur als Verbraucher zu fungieren, sondern auch als
Stromproduzent. Entsprechende technische Normen müssen entwickelt werden.
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Um die Entscheidung für die Teilnahme an einem solchen Netz zu erleichtern, sollte es keine
Liefer- oder Übernahme-Verpflichtung geben: der Nutzer muss mit sofortiger Wirkung per
Schalter seine Anbindung an das Netz lösen und wieder herstellen können, wenn ihm das
vorteilhaft oder notwendig erscheint. Auch eine Begrenzung auf nur kaufen oder nur verkaufen
ist möglich.

SHS

SHS

SHS

SHS

Prinzip-Skizze eines SHS-Netzes: die Systemfunktionen Produktion, Regelung und Speicherung


bleiben in unmittelbarer Nähe der Verbraucher, nur Überschussstrom wird über das Netz geleitet

Als Basis für die Abrechnung zwischen den Teilnehmern wird der "Import" bzw. "Export" jedes
Teilnehmers per Zähler ermittelt. Die Summe aller Importe und Exporte muss 0 sein; das
ermöglicht eine Kontrolle des Gesamtsystems.

Gegenüber einem isolierten SHS hat ein SHS-Netzwerk folgende technische Vorteile:

- überschüssiger Strom kann genutzt werden

- es findet ein "statistischer Lastausgleich" statt

- Batterien und andere Komponenten werden geschont

- geeignet konzipierte SHS-Netzwerke können in später installierte größere Netze integriert


werden

- Die spezifischen Vorteile isolierter SHS (z.B. die Eigentümer-Verantwortung für Investition
und Unterhalt) bleiben erhalten; auch gewöhnen sich die Nutzer an Netze und die
entsprechenden Verpflichtungen.

Gegenüber Dorfnetzen haben SHS-Netze den Vorteil, dass Produktion und Speicherung
dezentralisiert sind und in unmittelbarer Nähe zum Verbraucher stattfinden, was eine Verkürzung
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der mittleren Leitungswege bedeutet (von etwa 1 km für den gesamten Strom bei einem typischen
Dorfnetz auf etwa 10 m für den direkt genutzten Strom bei einem SHS-Netz).

Weiterentwicklung von SHS-Netzwerken

Da PV-Systeme in Kapazität und Maximalleistung begrenzt sind und nur tagsüber und bei
Sonnenschein produzieren, ist es von Interesse, zusätzliche Produktions- und Speicher-Kapazität
zum Ausgleich zu integrieren, was bei SHS-Netzen ohne weiteres möglich ist. Es können dabei
privatwirtschaftlich betriebene erneuerbare Energie-Anlagen (Wind, Biomasse) oder Generatoren
infrage kommen, die bei starker Nachfrage anspringen (Hybridsysteme).

Ebenso kann das lokale SHS-Netz durch das zentrale Netz unterstützt werden, wenn ein solches
zur Verfügung steht. Die Vorteile dieser Kombination im Vergleich zu einer Vollversorgung
durch das zentrale Netz sind ein niedrigerer Verbrauch und niedrigere Netz-Feeder-Kapazität,
sowie eine höhere Versorgungs-Sicherheit.

Schlussfolgerungen

Geeignet konzipierte SHS-Netze:

- ermöglichen eine effizientere Nutzung im Vergleich zu isolierten SHS

- sind wirtschaftlicher als lokale Dorfnetze

- erleichtern einen eventuellen Zugang zum zentralen Netz.

Weiteres Vorgehen

Vor einer eventuellen Felderprobung sollten noch folgende Punkte geklärt werden:

- Test verschiedener weiterer Systemvarianten

- Vor- und Nachteile von DC oder synchro-AC

- Zähler: Typ und Eignung

- Entwurf und Bau operationeller Prototypen

- Verständnis von und Anpassung an Nutzermotivation.