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:antifaschistische Nr.

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nachrichten g 3336 28.6.2007 23. jahrg./issn 0945-3946 1,30 ¤
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Von der Liste gestrichen Köln-Ehrenfeld am
16. Juni 2007
Bremerhaven. Bei der letzten Wahl
hatte die rechte Wählervereinigung
„Bürger in Wut“ (BiW) nur knapp den Trotz internationaler Unterstützung:
Einzug in den Bremer Senat verpasst.
Nun wurde ihr auch noch eine ihrer drei
Abgeordneten in der Stadtverordneten-
Pro Köln bot ein schwaches Bild
versammlung von Bremerhaven von Pro Köln hat offenbar wenig Pro Köln wurde die eigens herbeigerufe-
der Liste gestrichen. Abgeordnete Jutta Glück: Knapp drei Wochen nen Geister nicht los und dürfte sich für
Laue und Vorsitzender Jan Timke wur- nach dem politischen Debakel diesen Bärendienst bedanken.
den vom zuständigen Ortsamt rückwir- der Bürgeranhörung über den Neu- Besser klappte die Mobilisierung bei
kend von der Kandidatenliste gestri- bau der Moschee (siehe AN 12-07) den demokratischen Kräften, die rechter
chen. Das Amt wirft ihnen vor, ihren war auch der von ihr organisierte Hetze entgegen treten wollten. Zwar lös-
ersten Wohnsitz nicht in Bremerhaven Schweigemarsch durch Ehrenfeld, te sich die Demonstration antifaschisti-
zu haben, wie es das Wahlgesetz for- trotz teilweise prominenter Unterstüt- scher Gruppen, die unter dem Motto
dert. Timke kündigte nun an, eine einst- zung aus Belgien und Österreich für „Den rassistischen Konsens durchbre-
weilige Verfügung zu beantragen, da- die Rechten kein Erfolg. Nur zwischen chen – Wegsehen war schon immer
mit Laue am 5. Juli an der konstituie- 150 und 200 Teilnehmer(innen), weni- Scheiße!” vom Hans-Böckler-Platz los-
renden Sitzung der Stadtverordneten- ge davon aus Ehrenfeld, zogen am gezogen war und der sich die Teilneh-
versammlung teilnehmen kann. hma ■ Vormittag des 16. Juni über die Vo- mer(innen) einer Kundgebung von Schü-
gelsanger Straße. lern und Studenten angeschlossen hatten,
Wieder im Hausarrest bereits nach kurzer Zeit wegen der poli-
Augenzeugen berichten, ein Teil der zeilichen Restriktionen auf, aber es ge-
Italien/Rom. Nach zahlreichen Protes- Teilnehmer(innen) stammte aus den Rei- lang einigen Antifaschist(inn)en trotz al-
ten aus der Bevölkerung hat die italie- hen der NPD. Anziehungskraft übte der ler Polizeisperren dennoch, an den De-
nische Justiz den Hausarrest gegen den Aufruf der Kölner „Bürgerbewegung“ monstrationsweg von pro Köln zu gelan-
ehemaligen SS-Offizier Erich Priebke offenbar auch auf das militante Spektrum gen und ihren Missmut deutlich zu arti-
wieder in Kraft gesetzt. Ein Militärrich- aus: Nach Polizeiangaben fast 200 „auto- kulieren.
ter hatte zuvor entschieden, dass der nome Nationalisten“ aus dem Ruhrgebiet Auch das Zusammentreffen von Le-
wegen NS-Verbrechen zu lebenslanger waren der Einladung von Manfred Rouhs bensmitteln wie Tomaten und Mehl mit
Haft Verurteilte das Recht habe, jeden & Co. gefolgt. Unbeachtet ließen sie al- einigen der Rechten konnte von der über-
Tag in das Büro seines Anwaltes gehen lerdings die Bitte der Organisator(innen), reich vertretenen Polizei, u.a. war ein
zu können. Daraufhin hatte es Protest- doch möglichst in ziviler Aufmachung Hubschrauber im Dauereinsatz, nicht
aktionen vor Priebkes Haus und vor der zu erscheinen, da es sich um eine De- verhindert werden. Nach Presseangaben
Kanzlei seines Anwaltes, Paolo Giachi- monstration einer Bürgerinitiative han- erreichten nur wenige Rassist(inn)en den
ni, gegeben. hma ■ dele. Einheitlich schwarz verkleidet pö- Ort ihrer Abschlusskundgebung an der
belten sie bereits bei der Ankunft antise- Herbrandtstraße.
mitisch herum – ihr Aufmarsch wurde Auf dem Neptunplatz, auf dem eine
Inhalt: deshalb sofort von der Polizei aufgelöst; von Bezirksbürgermeister Josef Wirges
Marine Le Pen holt fast 42 % . . . . 7 die Nazis erhielten Platzverweise. Das und DGB-Chef Wolfgang Uellenberg-
G8-Gipfel: Resümee des hinderte sie nicht daran, randalierend in van-Dawen initiierte Kundgebung statt-
Komitees für Grundrechte . . . . . . 9 Richtung Innenstadt zu ziehen, was eine fand, zu der ein breites Bündnis aufgeru-
ganze Reihe Festnahmen zur Folge hatte. fen hatte, versammelten sich ab 11 Uhr
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: meldungen, aktionen
Mit Moscheebau-Gegnern
solidarisch
Landesparteitag der Deut- stelle gegen Rechtsextremismus, Simone Bergisch-Gladbach/Köln. Publizis-
schen Partei – BaWü in Richter mit. Mit der Aktion lehne sich die tische Unterstützung erhalten die Geg-
Stuttgart Kameradschaft an die Strategie der NPD ner des Moschee-Neubaus in Köln-Eh-
an. Die CD wurde Richter zufolge an der renfeld nicht nur durch einschlägig
In Stuttgart fand am 20. Mai 2007 der Realschule, Hauptschule und der Grund- rechte Zeitungen und Zeitschriften.
Landesparteitag der „Deutschen Partei“ schule verteilt. An den Laternenpfosten Auch der Weblog „politically incor-
(DP) statt, mit Beteiligung von DP-Funk- vor dem Gymnasium seien Aufkleber an- rect“ (pi) mit Sitz im benachbarten
tionären aus Bayern. Die DP, die laut Ver- gebracht worden, die auf die CD hinwei- Bergisch-Gladbach hat sich auf die
fassungsschutz bundesweit 1000 Mitglie- sen und eine Internetseite zum Download Seite von Marylin Anderegg, der Spre-
der hat, gibt sich nach außen deutschna- angeben. Auch in der Umgebung der cherin der Ehrenfelder „Anwohnerini-
tional und rechtskonservativ, gliedert sich Wirtschaftsschule seien Flyer mit Hin- tiative“ gegen den Moschee-Neubau
aber auch in die „Volksfront von Rechts“ weis auf die CD an Schüler verteilt wor- und zugleich Funktionärin der extrem
mit den neofaschistischen Parteien DVU den. Einige Schulen kündigten nun Aktio- rechten „Bürgerbewegung pro Köln“
und NPD ein. Zum neuen Landesvorsit- nen gegen Rechtsextremismus an. So geschlagen.
zenden der DP in Baden-Württemberg wolle etwa die Hauptschule noch in dieser „Danke, Marylin!“ heißt es dort
wurde laut DP-Homepage Johannes Woche eine Schredder-Aktion für die nach dem Aufmarsch der „pro Köln“-
Schwefel gewählt. Stellvertretende Lan- noch vorhandenen Propaganda-CDs ver- Leute am 16. Juni, der von belgischen
desvorsitzende wurden Ulrich Woyte und anlassen, sagte Richter. Rassisten und führenden Funktionären
Hannelore Schmid. Landesschatzmeiste- Seit 2001 war Wunsiedel vier Mal in der österreichischen Rechtspartei
rin wurde Emma Woyte, Landesschrift- Folge das Ziel von Neonazis beim so ge- „FPÖ“ unterstützt wurde. Die „über-
führer Marius Frosch (Ex Christliche Mit- nannten Heß-Gedenkmarsch. 2005 und wiegend islamkritischen pi-Leser zei-
te Landesgeschäftsführer, Heimattreue 2006 waren die Aufmärsche jedoch ge- gen sich beeindruckt von der unermüd-
Jugend, Witikobund), Landesjugendbe- richtlich verboten worden. Der 1987 ge- lichen Arbeit der Kölner Moscheegeg-
auftragter Christian Elser (Katholische storbene Hitler-Stellvertreter und verur- ner“, heißt es dort. Natürlich darf sich
Pfadfinderschaft Europas) und Beisitzer teilte Kriegsverbrecher Rudolf Heß ist in die „pro Köln“-Funktionärin im pi-
wurden Gernot Hegenbart, Ex-REP Wunsiedel begraben. Laut bayerischem Weblog auch für die vielen freundli-
Kreisvize in Stuttgart, Frank Demmig und Verfassungsschutzbericht 2006 gehört der chen Zusprüche bedanken. Nach eige-
Ekkehard Etz. Nach dem Bericht der DP „Kameradschaftsbund Hochfranken“ zu nen Angaben greifen täglich über
sind der Auf- und Ausbau weiterer Kreis- den aktivsten Neonazi-Gruppierungen in 27.000 Menschen auf den Weblog zu,
und Bezirksverbände, sowie die Teilnah- Nordbayern. der sich als „proamerikanisch“ und
me der DP an den Kommunalwahlen im Quelle: http://www.pr-inside.com ■ „proisraelisch“ bezeichnet und „gegen
Jahr 2009 geplant. Bei Kommunalwahlen die Islamisierung Deutschlands“ ein-
gilt nicht die 5%-Sperrklausel und es gibt AntifaschistInnen verweigern tritt.
eine geringe Wahlbeteiligung, wodurch Gegründet wurde die Internetprä-
auch rechte Kleinstparteien eine größere Bußgeld für Polizeikessel senz von dem von Köln nach Bergisch-
Chance haben, Mandate zu erringen. Halbe. Als am 3. März 2007 zum wieder- Gladbach verzogenen Sportlehrer Ste-
infoladen ludwigsburg holten Male Neonazis zum Waldfriedhof fan Herre. Gemeinsam mit der Web-
infoladen.lb@gmx.de ■ in Halbe marschieren wollten, stellten log-Redakteurin Dr. Beate Klein aus
sich einige hundert Menschen auf die Berlin findet man Herre aber auch in
Gesinnungsgenossen Straße um den Aufmarsch zu verhindern. der rechten Wochenzeitung „Junge
Die Polizei räumte dem Nazi-Aufmarsch Freiheit“ wieder. So veröffentlichten
fusionierten den Weg frei, wobei auch DemonstrantIn- sie dort im vergangenen Jahr einen
In der ersten Ausgabe 2007 von „Das nen verletzt wurden. Anschließend nah- Beitrag für die Rubrik „Pro & Contra“.
Freie Forum“, dem Quartalsblättchen der men die Beamten von 70 Menschen die Herre selbst verfasste seit 2005 zahl-
„Gesellschaft für freie Publizistik“ (GfP) Personalien auf. reiche Leserbriefe an die „Junge Frei-
wird berichtet, dass die „Deutsche Studi- Nun sollen alle Betroffenen ein Buß- heit“ und das „Ostpreußenblatt“.
engemeinschaft“ (DSG) mit der GfP fu- geld in Höhe von 124 Euro bezahlen. Ih- Vertreten war der pi-Weblog auch
sioniert hat. Die DSG soll laut dem Be- nen wird eine sogenannte „Ordnungswid- jüngst bei einem Treffen des „Bundes-
richt bereits Ende 2006 der „größten rigkeit“ vorgeworfen, da sie „sich trotz verband der Bürgerbewegungen“ in
rechtsextremen Kulturgemeinschaft“ (O- Auflösung (..) durch die (..) Behörde nicht Wertheim. Die Vertreter zahlreicher
Ton Verfassungsschutz) als Arbeitsge- unverzüglich vom Versammlungsort ent- Bürgerinitiativen gegen lokale Mo-
meinschaft beigetreten sein. Die Homepa- fernten.“ scheebauprojekte lauschten dort einer
ge der DSG (www.dsg-studiengemein- Viele von ihnen wehren sich nun dage- Rede des Publizisten Udo Ulfkotte
schaft.de) ist derzeit nicht erreichbar. gen, dass die häufig eingeforderte Zivil- über eine mögliche „islamkritische“
TL ■ courage gegen Rechts mit Bußgeldverfah- Parteigründung. Zum Abschluss der
ren und Verletzungen „bezahlt“ werden Tagung wurde ein „Wertheimer Ap-
„Kameradschaftsbund muss. In der Zwischenzeit haben zahlrei- pell“ beschlossen, in dem die Politiker
che Organisationen und Einzelpersonen dazu aufgerufen werden, zu überprü-
Hochfranken“ verteilt die Erklärung „Naziaufmärsche zu blo- fen, ob die im Grundgesetz verankerte
„Nationale Schulhof-CD“ ckieren ist unser Recht – Bezahlt wird Religionsfreiheit überhaupt auf den Is-
Wunsiedel. Der rechtsextreme „Kame- nicht“ mit ihrer Unterschrift unterstützt. lam anwendbar sei. Ein EU-Beitritt der
radschaftsbund Hochfranken“ hat an In einer gemeinsamen Einlassung zu Türkei wird in dem Appell ebenso ab-
mehreren Schulen im oberfränkischen den Bußgeldbescheiden erklären die Op- gelehnt wie der Bau von Minaretten.
Wunsiedel Propagandamaterial verteilt. fer des Polizeieinsatzes, dass sie die Diese seien ein „Ausdruck des politi-
So sei den Schülern eine so genannte Na- Rechts- und Verhältnismäßigkeit des poli- schen Islam“ und daher abzulehnen.
tionale Schulhof-CD angeboten worden, zeilichen Vorgehens bezweifeln. Sie wei- abk ■
teilte die Leiterin der bayerischen Projekt- sen zudem darauf hin, dass die Identitäts-
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2 : antifaschistische nachrichten 13-2007
Fortsetzung von Seite1
ca. 600 Teilnehmer(innen), um ihren Frau Over aus Köln-Nippes, über die der Rechte Kommentare zur
Protest gegen Rassismus, Nationalismus Kölner Stadt-Anzeiger in seiner Mon- Demo:
und Ausländerfeindlichkeit zum Aus- tagsausgabe berichtete: Sie wollte zwar Timo Pradel, Landes-Org.-Leiter der NPD-NRW ist
druck zu bringen. Nachdem sie einen gegen den Moscheebau demonstrieren sauer: Mit der Demonstration am 16.6. sei es Pro
wahren Redemarathon, nur aufgelockert und wurde daraufhin von Demonstranten Köln nicht wirklich darum gegangen, „Islamisie-
durch Musik von den rung und Überfremdung entgegenzutreten“.An-
Magic Street Voices biederung an die CDU wäre der „selbst ernann-
ten Bürgerbewegung“ lieber als die Unterstüt-
und türkische Volkstän- zung der nationalen Opposition. Dabei erinnert
ze, sowie einen heftigen Pradel daran, dass es mal andere Zeiten gab:
Regenschauer über sich „Die Doppeldemonstration von Pro Köln am
ergehen lassen hatten, 15.3.2003 in Köln-Chorweiler und Köln-Mülheim
demonstrierten sie zu gegen den Moscheebau wäre ohne die organi-
einer Abschlusskundge- satorische, logistische und personelle Unterstüt-
bung am Mahnmal an zung durch NPD-NRW und freie Kräfte nicht
der Bartholomäus- möglich gewesen.“ schreibt er auf der NPD-NRW
Homepage. „Dies hinderte Pro Köln im nachhi-
Schink-Straße, wo u.a. nein jedoch nicht daran, die Demonstrationsteil-
der ehemalige Edel- nehmer allesamt zu Pro Köln-Anhängern zu stem-
weißpirat Jean Jülich peln…“ Die Taktik der Bürgerbewegung sei klar:
sprach. „NPD und freie Kräfte sollen vor den Pro Köln-

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Kuriosität am Rande: Karren gespannt werden und sollen sich gefäl-
Der Kölner Autor Ralph ligst mit der Statistenrolle begnügen, während Pro
Giordano, der mit sei- Köln die politischen Früchte erntet.“ Markus Bei-
sicht habe sogar „einen Zusammenhang zwi-
nen massiven, einen
schen der NPD-NRW und dem Inlandsgeheim-
Kulturkampf provozie- dienst ,Verfassungsschutz‘ konstruiert.“ Die NPD
renden Auftritten gegen habe mit ihrem Aufruf, sich am 16. Juni an der
den geplanten Neubau Demo zu beteiligen, lediglich das Thema der De-
der Moschee und die in Fronttransparent der Pro Köln-Demo: links Manfred Rouhs, monstration unterstützt und darauf hingewiesen,
Deutschland lebenden rechts die Vorsitzende der Bürgerinitiative Marylin Anderegg dass es sich bei Pro Köln um keine „befreundete
gläubigen Muslime Organisation“ handele.
nicht wenig Wasser auf die Mühlen der als Nazi beschimpft, konnte sich das aber Das Aktionsbüro Westdeutschland drückt es
noch etwas krasser aus: „Die selbsternannte Bür-
Rechtspopulisten geleitet hatte, be- beim besten Willen nicht erklären. Mit gerbewegung Pro Köln ist eine reaktionäre, po-
schwerte sich, dass diese seine Worte „Es pro Köln wolle sie schließlich nichts zu pulistische, philosemitische und absolut spießbür-
gibt kein Grundrecht auf den Bau einer tun haben – nur mit den rechten Auslän- gerliche Partei“ heißt es dort. Man sei aber mit ih-
Großmoschee“ als Fronttransparent mit derfeinden gemeinsam demonstrieren. nen der Meinung, dass in Ehrenfeld keine Groß-
sich führten. Ist ihm denn nicht bewusst, Alles in allem kann man nach den Ak- moschee gebaut werden solle und deshalb nach
dass es in einer solchen Frage keine un- tionen am 16. Juni in Ehrenfeld den Köln gekommen. Schon am Ehrenfelder Bahnhof
schuldigen Stellungnahmen geben kann? Schluss ziehen, dass es sich immer noch von der Polizei gekesselt, seien verschiedene Ver-
Wer sich in der konkreten Situation ge- lohnt, gegen rechte Aufmärsche die Öf- suche von Spontandemonstrationen niederge-
knüppelt worden, „Kameraden hätten stunden-
gen den Neubau des muslimischen Got- fentlichkeit mobil zu machen. lang in Sammelgewahrsam gesessen, andere hät-
teshauses ausspricht, noch dazu mit platt In Zukunft sollte allerdings von allen ten Platzverweise bekommen. „Keiner von den
antiislamischen „Argumenten“, die die Beteiligten darauf geachtet werden, die 200 Nationalisten konnte letztendlich an der Pro-
Grenze der Beleidigung weit überschrei- vorhandenen Gemeinsamkeiten in den Köln-Demonstration teilnehmen“ heißt es, um
ten, darf sich nicht wundern, wenn seine Mittelpunkt ihrer Aktivitäten zu stellen. gleich die Frage zu stellen: Warum nicht? Hier tei-
Worte von Rouhs und Konsorten benutzt Sich gegeneinander abzugrenzen, nutzt le man die Vermutung der NPD-NRW, dass Pro
werden. in einer Situation, in der es gilt zusam- Köln Absprachen mit der Polizei getroffen habe.
„Die Einkesselung von 200 Demoteilnehmern
Ähnlich naiv, wenn man denn an Nai- men zu stehen, nur dem gemeinsamen und die Festnahme mehrerer dutzend Moschee-
vität glauben will, war nur noch eine Gegner. tri ■ baugegner war Pro Köln auf ihrer Weltnetzseite
keine Erwähnung wert“ wird abschließend mo-
niert, aber Pro Köln solle nicht glauben, sie hätten
Grundgesetz Art. 4 das Thema für sich allein gepachtet.
(1) Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und FPÖ-Chef Strache muss auf einer anderen Ver-
die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen anstaltung gewesen sein als der in Köln, denn die
Bekenntnisses sind unverletzlich. Meldung auf der FPÖ-Internetseite verblüfft dann
(2) Die ungestörte Religionsausübung wird doch: „Schlichtweg sensationell“ sei das Echo auf
gewährleistet. Straches Teilnahme gewesen, er sei nicht nur von
den Demonstrationsteilnehmern herzlich empfan-
gen worden (das mag ja noch so gewesen sein,
schließlich waren das im Wesentlichen Gesin-
nungsgenossInnen) aber auch von den Bürgern
in Köln positiv angesprochen worden. „Die Politik
der FPÖ erlebt offensichtlich nicht nur in Öster-
reich einen Höhenflug, sondern wird mittlerweile
auch international positiv registriert und als Hoff-
nungsanker gesehen…“
Da kommt der Artikel in der „Jungen Freiheit“
der Sache schon näher, die von kurzfristigen Blo-
ckaden berichtet, dass Eier und Mehl flogen, die
„Nazis raus“- Rufe den von klassischer Musik un-
termalten „Schweigemarsch“ begleiteten. Diejeni-
gen Bürger, die auch gegen die Moschee sind,
Der DGB Region Köln hat diese Postkarte herausgegeben, die sich den Oberbürger- seien lieber zu Hause geblieben aus Angst vor
diesem Szenario (JF 26-07) ■
meister richtet und ihn auffordert, sich klar ür den Moscheebau einzusetzen

: antifaschistische nachrichten 12-2007 3


feststellungen willkürlich erfolgten und und Englisch vor) – aber dem Frankfurter
nicht im Zusammenhang mit der Aktion schwarz-grünen Magistrat ist das bis heu-
standen. Unter Verweis auf die großen, te noch nicht einmal den Versuch des Ver-
von breiten Bündnissen getragenen Blo- bots dieser Veranstaltung wert.
ckaden im November 2005 und 2006 be- Anti-Nazi-Koordination Frankfurt,
stehen sie auf ihrem Recht, gegen die Hel- www.antinazi-wordpress.com ■
denverehrung der Nazis zu protestieren.
Aus diesen Gründen fordert auch das 100 jugendliche Nazigegne-
Berlin-Brandenburger Bündnis „NS-Ver-
herrlichung stoppen“ die Bußgeldbehörde rInnen festgenommen
auf, die Bescheide zurückzunehmen. Ihr München, 17.6.07. Am gestrigen Sams-
Sprecher Jan Soost erklärt dazu: „Dieses lers bei der Bürgermeisterwahl in Alden- tag sollte im oberpfälzischen Schmidga-
Bußgeld ist eine Frechheit. Bekommen hoven im August diesen Jahres und die den der sogenannte „Bayern Tag“ der
jetzt die vielen Menschen, die sich in den Pläne der NPD, bei den Kommunalwah- neonazistischen NPD stattfinden. Dage-
letzten Jahren in Halbe den Nazis in den len 2009 in die Stadt- und Gemeinderäte gen sollte unter anderem eine antifaschis-
Weg stellten, vielleicht auch noch eine der Region einzuziehen. tische Kundgebung und Demonstration
Rechung?“ Soost will jedenfalls weiter- Im Anschluss an die Kundgebung de- stattfinden. Diese wurde jedoch – nach
machen, „bis der braune Mob die Lust an monstrierten die NPD-Gegner durch den vorliegenden Informationen von Anwe-
Halbe verliert – denn Faschismus ist kein Ort. Auch die Kampagne „NPD-Verbot senden – kurzerhand untersagt. Über 100
Meinung, sondern ein Verbrechen“. jetzt!“ war in Inden-Altdorf präsent. Rund NazigegnerInnen kamen in Polizeihaft,
Jan Soost 60 Unterschriften für die Einleitung eines viele von ihnen erzählten von schikanö-
Berlin-Brandenburger Bündnis neuen Verbotsverfahrens gegen die NPD sem Verhalten der Polizei.
„NS-Verherrlichung stoppen“ wurden gesammelt. Der Beginn einer Gegenkundgebung
http://www.redhalbe.de.vu ■ www.antifa-dueren.org ■ von AntifaschistInnen verzögerte sich um
eine circa Stunde, da die Polizei die einge-
Bürgerprotest gegen NPD in Schlechtes Wochenende setzten Shuttle-Busse aufhielt und zum
Teil über 45 Minuten lang durchsuchte
Inden Frankfurt. Das war ein verdammt und alle Insassen penibelst kontrollierte.
Rund 300 Menschen folgten am vergan- schlechtes Wochenende für den hessi- Als die angekündigte und angemeldete
genen Samstag, den 9.6. einem Aufruf des schen Nazi-Aktivisten und NPD-Vorsit- Demonstration dann mit Verspätung los-
Dürener Bündnisses gegen Rechts und zenden Marcel Wöll, der auch Anmelder ziehen wollte, „untersagte“ die anwesen-
demonstrierten in Inden-Altdorf gegen der den den 7. Juli angekündigten De- de Polizei diese, da der Platz für eine
die NPD. Der Protest richtete sich auch monstration der NPD in Frankfurt ist: Erst nachfolgende Veranstaltung gebraucht
gegen eine Veranstaltung von Neonazis scheiterte er in seinem eigenen Wohnort würde. Jeder Versuch, trotzdem vom Ver-
am Abend in Pier. mit dem Versuch einer Mahnwache – nun sammlungsrecht Gebrauch zu machen,
Fünf Minuten vor Zwölf – zu dieser muss er auch noch am 25. Juni in Fried- wurde durch die Polizei unterbunden.
symbolischen Uhrzeit begann die Auf- berg wegen Volksverhetzung vor Gericht. Schließlich wurde eine große Gruppe an
taktkundgebung vor dem Indener Rat- Am Samstag wurden Wöll und etwa 20 der Polizeiabsperrung zum NPD-Veran-
haus, an der sich viele Indener Bürger be- seiner „Kameraden“ in Butzbach gnaden- staltungsgelände und eine weitere auf
teiligten. In Ansprachen wandten sich los ausgepfiffen und mussten unter dem dem Rückweg zur Kundgebung von CSU
Karl Panitz, DGB und einer der Sprecher Gesang „Ihr könnt nach Hause gehn ...“ und SPD von Polizeieinheiten eingekes-
des Dürener Bündnisses gegen Rechts, mit Sack und Pack abziehen. Die Stadt selt und verhaftet.
der Indener Bürgermeister Ulrich Schus- Butzbach hatte zuvor versucht, die von Ein Großteil der Verhafteten wurde in
ter und Vertreter der beiden großen christ- Wöll angemeldete Mahnwache vor einer einer Turnhalle untergebracht, wobei ein
lichen Kirchen an die Teilnehmerinnen US-Kaserne zu verbieten, war damit aber Teil davon ca. zwei Stunden teils im Re-
und Teilnehmer. Thematisiert wurden u.a. vor Gericht gescheitert. An der anschlie- gen und Hagel davor ausharren musste.
die Aktivitäten der Neonazis in der Ge- ßenden Aktion und erfolgreichen Verhin- Sowohl wurde weiblichen Personen der
meinde Inden. Der NPD-Kreisvorsitzende derung dieser gerichtlich ausdrücklich ge- Toilettengang verweigert, noch wurden
Ingo Haller lebt in Pier. Auf dessen nehmigten Veranstaltung beteiligten sich die Verhafteten mit Getränken versorgt.
Grundstück hatte bereits vor rund drei neben 200 NazigegnerInnen auch der Minderjährige waren teils mehrere Stun-
Wochen ein Treffen von 100 Neonazis Bürgermeister von Butzbach und der De- den in Haft, in einigen Fällen wurden die
stattgefunden. Ersten Presseberichten zu- kan des Ev. Dekanats Bad Nauheim. Eltern nicht informiert. Der Roten Hilfe
folge waren am vergangenen Samstag er- Wöll und Kameraden hatten unter an- ist kein Fall bekannt, in dem es – wie vor-
neut etwa 80 Neonazis zu einer Veranstal- derem ein Transparent mit der Aufschrift geschrieben – zu richterlichen Anhörun-
tung mit neonazistischen Liedermachern „Die USA sind unser Unglück“ dabei – gen über den Gewahrsam kam. Ein Grund
nach Pier gereist. „Es ist zu befürchten, ihre aktuelle Version des nazifaschisti- für die Freiheitsentziehung wurde oft
dass die Veranstaltungen auf dem Haller- schen Slogans „Die Juden sind unser Un- nicht genannt, oder aber der pauschale
schen Gelände auch in der Zukunft noch glück“ und passend zum Aufruf für die Vorwurf „versuchte Störung einer Ver-
zunehmen werden. Das hat die Gemeinde Frankfurter Demonstration am 7. Juli, in sammlung“.
Inden und insbesondere der Ortsteil Pier dem die „bloodsuckers“ von der „Ostküs- Schon die Auflösung der angemeldeten
nicht verdient. Mit unserer heutigen Ver- tenmafia“, geschützt von „political cor- Versammlung mit der Begründung, die
anstaltung macht das Dürener Bündnis rectness“ und „Holocaustkeule“ für alles VersammlungsteilnehmerInnen haben zu
gegen Rechtsextremismus, Rassismus Unglück dieser Erde verantwortlich ge- lange gebraucht, war eine klar rechtswid-
und Gewalt deutlich, die Bürgerinnen und macht werden. Die „Protokolle der Wei- rige Polizeimaßnahme. Dem schließen
Bürger von Inden stehen nicht alleine mit sen von Zion“ lassen grüßen! sich zahlreiche Rechtsverstöße im Poli-
diesem rechtsextremen Problem sondern Es ist glasklarer militanter Antisemitis- zeigewahrsam an. Offensichtlich sollte
wir als Bündnis stehen hinter Ihnen“, sag- mus, der da seit über einem halben Jahr die antifaschistische Demonstration unter
te Karl Panitz in seiner Ansprache. Die im Internet für eine in Frankfurt angemel- allen Umständen unterbunden werden.
Demonstration des Bündnisses richtete dete Demonstration weltweit verbreitet Die Veranstalter als auch zahlreiche
sich auch gegen die Kandidatur Ingo Hal- wird (der Nazi-Aufruf liegt in Deutsch Verhaftete haben angekündigt, juristisch

4 : antifaschistische nachrichten 13-2007


Bündnis Münster gegen Nazis zieht positive Bilanz:

„Breites Netzwerk gegen Nazis initiiert“


Am 9. Juni tagten mehr als 130 der Bündelung der regio-
Teilnehmer aus ganz Westfalen nalen antifaschistischen
beim Kongress „Zivilcourage ge- Aktivitäten, den Vorstel-
gen Nazis! – Wie macht man das?!?“ im lungen und Strategien
Rathaus zu Münster. Verabredet wurde der so genannten „intel-
der Aufbau eines Netzwerkes gegen lektuellen Rechten“ und
Neofaschisten für Westfalen sowie der möglichen Gegenstrate-
Aufbau einer Internet-Seite, die über die gien oder auch mit neo-
regionalen Aktivitäten des Neonazismus nazistischer Jugendkul-
wie über Aktivitäten gegen Rechts infor- tur beschäftigten, unter-
miert. Die Organisatoren zogen bei die- hielt das Impro-Theater
ser großen und positiven Resonanz eine „Scharf im Wolfspelz“
erfolgreiche Bilanz. die Kongressteilnehmer.
Nach einem Grußwort des Vorsitzen- Im Schlussplenum
den des Ausländerbeirates, Spyros Mari- wurde vereinbart, die re-
nos, der die Notwendigkeit einer breiten gionalen Aktivitäten ge-
Allianz gegen neofaschistische Umtriebe gen Nazis fortzusetzen.
betonte, hielt Prof. Klönne (Paderborn) Etliche Aktive aus dem
das Eingangsreferat zu den historischen Kreis Steinfurt haben
Herkünften, dem gegenwärtigen Poten- sich auf dem Kongress kennen gelernt Beifall und haben weitere Mitstreiter ge-
zial und den ideologischen Verknüpfun- und vereinbarten gegenseitige Unterstüt- wonnen.
gen des heutigen Neofaschismus in der zung sowie gemeinsame Projekte insbe- Über das Bündnis „Münster gegen Nazis!“:
Bundesrepublik. Er machte dabei deut- sondere gegen die NPD und ihren Ver-
Das Bündnis „Münster gegen Nazis“ hat sich An-
lich, dass der historische Nationalsozia- such, bei der Kommunalwahl 2009 im fang 2006 gegründet. Der Anlass war ein durch
lismus von 1933 – 45 allenfalls noch Re- Kreis Steinfurt Fuß zu fassen. Für Müns- Freie Kameradschaften angemeldeter Nazi-Auf-
ferenzfeld und Projektionsfläche des ter, stellte Bündnissprecher Carsten Pe- marsch im Februar. Damals organisierte das
heutigen Neofaschismus ist und auch der ters in der Schlussrunde fest, werde die Bündnis eine Gegenkundgebung im Münsteraner
Rathausinnenhof. Der Widerstand im Hansavier-
Verweis der Nazi-Gegner auf die Verbre- Auseinandersetzung mit der nach Presse- tel hatte damals den Nazi-Aufmarsch blockiert.
chen des Dritten Reiches nicht mehr zur berichten in Gründung befindliche Nach gerade mal 200m war Schluss. Im Mai –
Bekämpfung ausreicht. Vielmehr müsse rechtspopulistischen Initiative „Pro zum zweiten Nazi-Aufmarsch in MS-Hiltrup –
das Hauptaugenmerk auf die aktuellen Münster“ ein wichtiges Themenfeld hatte das Bündnis „Münster gegen Nazis“ zusam-
men mit dem „Bündnis gegen Rechts“ im Zen-
Strategien gelegt werden, die darin be- sein: „Soweit es denn zu einem Tätig- trum von Hiltrup eine gemeinsame Gegenkund-
stehen, sich bestehende politische Forde- werden dieser Gruppe kommt, müssen gebung organisiert. Damals verhinderten die Be-
rungen des linken und bürgerlichen diese rechten Schaumschläger ohne Pro- sucher der Gegenkundgebung den Nazi-Auf-
marsch. Hier reichte es nur zu einer kleinen Run-
Spektrums, wie beispielsweise von At- blemlösungskompetenz konsequent ent- de für die Nazis.
tac, anzueignen und diese national zu larvt werden.“
wenden und durch rassistische Katego- Das Bündnis wird die erfolgreiche Ar- „Münster gegen Nazis“, c/o GEW, Zum-
rien zu ersetzen. beit fortsetzen. Die aktiven Organisato- sandestr. 35, 48145 Münster
Nach der Arbeit in den acht Arbeitsge- ren des Kongresses erhielten für ihre Ar- demo@muenster.org
meinschaften, die sich unter anderem mit beit am Ende des Kongresses großen www.muenster-gegen-nazis.de ■

gegen diese grobe Versammlungsstörung am Kampf gegen den Faschismus ein- Die Mitglieder der Schweriner
durch die Polizei vorzugehen. Die Rote setzten. Die Faschisten verfolgten diese VVN/BdA verurteilen diese Straftat und
Hilfe wird sie dabei mit den ihr zur Verfü- Menschen im Leben, sperrten sie in Kon- fordern von der Polizei eine schnellst-
gung stehenden Mitteln unterstützen. zentrationslager oder zwangen sie zur mögliche Aufklärung der Tat und Bestra-
Pressemitteilung Rote Hilfe e.V. – Orts- Flucht aus der Heimat. Millionen über- fung der Täter. „Um solche Straftaten in
gruppe München, muenchen@ lebten den Widerstand gegen den Fa- Zukunft zu verhindern, fordern wir eine
rote-hilfe.de. www.rote-hilfe.de ■ schismus nicht. Manchen dieser Opfer verstärkte Auseinandersetzung mit der
ließen die Faschisten nicht einmal ihren eigenen Geschichte. Die Geschichte im
So schlimm sah es noch nie Namen. So wurden auf ihren Gräbern eigenen Ort ist dabei eine der wichtigs-
Nummern eingemeißelt. Aber egal ob ten. Denn der Faschismus fand in jedem
aus! Name oder Nummer, alle Gräber wurden Dorf, in jeder Stadt statt. Die Stolperstei-
Schwerin. „So schlimm sah der Ehren- zerstört. Die geistigen Erben des Fa- ne sind dazu ein gutes Projekt. Forschen
friedhof noch nie aus!“ so ein Angehöri- schismus, die Neofaschisten lassen nicht Sie in der Geschichte ihres Ortes nach
ger eines VVN-Mitglieds. einmal die Gräber dieser Menschen in Opfern der Faschisten, wo sie wohnten
In der Nacht vom 17. zum 18. Juni Ruhe. und unter welchen Umständen diese Mit-
2007 haben unbekannte Täter den Ehren- Der Ehrenfriedhof wurde am 8. Mai menschen ums Leben kamen.“ so Micha-
friedhof am Platz der Opfer des Faschis- 1945 durch die Bestattung von 71 Opfern el Strähnz von der Schweriner
mus geschändet. 62 Grabsteine von Op- aus dem KZ Wöbbelin durch die US- VVN/BdA Gruppe.
fern des Faschismus und toten sowjeti- Streitkräfte angelegt. Später wurden hier Michael Strähnz
schen Soldaten wurden umgestoßen oder sowjetische Soldaten und Kämpfer ge- Vereinigung der Verfolgten des Nazi-
zerstört. gen den Faschismus bestattet. Nach 1990 regimes - Bund der Antifaschisten M/V.
Wieder einmal wurden die Gräber je- wurden hier die Urnen von der Gedenk- e.V., Gruppe Schwerin
ner Menschen geschändet, die sich aktiv stätte der Sozialisten umgebettet. bda-sn@freenet.de ■

: antifaschistische nachrichten 13-2007 5


Varel. Mit seinem Interview für
die ultrarechte Wochenzeitung
Aufwertung für Ultrarechts-Postille
„Junge Freiheit“ hat sich der ehe- Ex-Bundesminister Funke gibt „Junge Freiheit“ ganzseitiges Interview
malige Bundeslandwirtschaftsminister von Thomas Klaus
und jetzige Ratsvorsitzende von Varel im
Landkreis Friesland, Karl-Heinz Funke, müsse Stärke zeigen („Mit einem Wort: tritt und dort 1995 sogar als „Feuerred-
nicht nur Freunde gemacht. Hinter vor- einsperren und angemessen verdon- ner“ bei einer Sonnenwendfeier vertreten
gehaltener Hand kritisieren manche Par- nern!“). war. In Conneforde werden heidnische
teigenossen des SPD-Mannes, dass er die Zu den Ständigen Freien Mitarbeitern Bräuche und germanische Sitten ge-
zeitweise von den Verfassungsschutzbe- der „Jungen Freiheit“, die im Impressum pflegt, was nicht zuletzt viele Altnazis
hörden beobachtete Zeitung durch seine vermerkt sind, zählen zum Beispiel Alain anzieht. Zahlreiche von ihnen liegen hier
Gesprächsbereitschaft deutlich aufge- de Benoist und Heinrich Lummer. Ber- begraben, so etwa Wilhelm Tietjen aus
wertet habe. lins ehemaliger Innensenator Lummer ist Bremen – Namensgeber für die von Neo-
In einer wissenschaftlichen Studie des Ehrenvorsitzender der „Deutschen Kon- nazi Jürgen Rieger gelenkte „Fruchtbar-
Duisburger Institutes für Sprach- und So- servativen“, die der wegen Volksverhet- keits-Stiftung“. Die wollte bekanntlich
zialforschung (DISS) heißt es über die zung und Aufstachelung zum Rassenhass unter anderem mit einem Hotel in Del-
„Junge Freiheit“, dass sie sich „mal ge- vorbestrafte Joachim Siegerist leitet. menhorst und dem Heisenhof in Dörver-
tarnt, mal mit offenem Visier im rechten Und Alain de Benoist hat sich in ein- den „zum Schuss“ kommen.
Grenzraum des Verfassungsbogens be- schlägigen Kreisen als Rechts-Intellektu- Karl-Heinz Funke war von 1990 bis
wegt und Woche für Woche intellektuelle eller einen Namen gemacht. 2003 veröf- 1998 niedersächsischer Landwirtschafts-
Aufrüstung gegen die moderne demokra- fentlichte er eine gegen den „Hauptfeind minister, wechselte nach dem Wahlsieg
tische Gesellschaft betreibt“. USA“ gerichtete Stellungnahme. Dem- von Gerhard Schröder in dessen erstes
Das Interview in der Ausgabe vom 15. nach sei „weltweit jeder Akt der Vergel- Bundeskabinett – als Bundeslandwirt-
Juni zieht sich fast über eine ganze Seite. tung, der auf amerikanische Interessen schaftsminister. Dieses Amt übte er bis
Thema ist die Gewalt von links, die nach und auf amerikanisches militärisches, zu seinem Rücktritt im Zusammenhang
Funkes Auffassung verharmlost wird. Er politisches, diplomatisches und adminis- mit der BSE-Krise im Januar 2001 aus.
spricht sich dafür aus, dass die Anti-G8- tratives Personal zielt, zugleich legitim Danach wandte sich der gelernte Land-
Steinewerfer von Rostock wegen ver- und notwendig“. wirt der Kommunalpolitik zu. In Varel
suchten Mordes angeklagt werden soll- Nicht zum ersten Mal wird das SPD- fungiert er auch als stellvertretender Bür-
ten. Gewalttätige Linke seien eindeutig Urgestein mit der ultrarechten Schiene in germeister, ist neben weiteren Ehrenäm-
schlimmer als friedliche Neonazis, so Verbindung gebracht. So ist bekannt, tern Vorsteher des Ostfriesisch-Olden-
Funke. Die Polizei werde nicht ausrei- dass Funke in der „Ahnenstätte Conne- burgischen Wasserverbandes (OOWV).
chend in Schutz genommen; der Staat forde“ desöfteren als Trauerredner auf- Thomas Klaus ■

Zwangsarbeiter-Entschädi- jährt. Ehemalige Soldaten der Waffen-SS e.V. hat beschlossen, dass der Bundes-
gung: Weder Erfolgsge- können heute noch Renten beantragen – verband alle Anstrengungen unterneh-
schichte noch Anlass zum dass ihre Opfer erneut schlechter gestellt men wird, um im Zusammenwirken mit
Schlussstrich werden, ist unerträglich. anderen Opferverbänden und interessier-
Die Stiftung „Erinnerung, Verantwor- ten Gruppen den Erhalt der bestehenden
Berlin. „Das Entschädigungsprogramm tung und Zukunft“ konnte nur im Rah- Strukturen der Stiftung „Erinnerung,
für ehemalige NS-Zwangsarbeiter ist men eines viel zu eng angelegten Geset- Verantwortung und Zukunft“ (EVZ) zu
ausgelaufen – ein Grund zum Feiern ist zes wirken. Schon dieses Gesetz musste bewirken.
das nicht“, so Ulla Jelpke, innenpoliti- gegen den Widerstand der Wirtschaft er- Nach einem gemeinsamen Entwurf
sche Sprecherin der Fraktion DIE LIN- kämpft werden. Umso absurder muten der Koalitionsparteien CDU/CSU und
KE. und Mitglied des Kuratoriums der die Pläne der Bundesregierung an, die SPD zur Änderung des Gesetzes zur Er-
Stiftung „Erinnerung, Verantwortung Stiftung so umzugestalten, dass die Ver- richtung einer Stiftung „Erinnerung, Ver-
und Zukunft“. Denn noch immer warte- gabe der Fördermittel durch den Zu- antwortung und Zukunft“ (EVZ-StiftG)
ten Hunderttausende von NS-Opfern auf kunftsfonds faktisch unter die Kontrolle sollen die Strukturen der Stiftung grund-
ihre Entschädigung: „Zu den größten der Wirtschaft gerät. Das ist ein Schlag legend geändert werden. Es soll ein Stif-
Ungerechtigkeiten der bisherigen Ent- ins Gesicht aller NS-Opfer, die auch Op- tungsrat installiert werden, besetzt mit 8
schädigungspolitik gehört die willkürli- fer des deutschen Großkapitals waren. Mitgliedern der Regierung und der Wirt-
che Ausgrenzung von über 100.000 ita- Notwendig ist es vielmehr, nun die schaft. Dieses Gremium soll die Ent-
lienischen Militärinternierten. Unver- bislang vergessenen NS-Opfer zu ent- scheidungshoheit in allen personellen
ständlich bleibt, dass sowjetische Kriegs- schädigen.“ Ulla Jelpke, MdB ■ und finanziellen Angelegenheiten haben.
gefangene trotz ihres grausamen, allen Daneben soll es ein „Kuratorium“ geben,
Völkerrechtsbestimmungen Hohn spre- Ulla Jelpke hat einen Reader zusammengestellt, das mit „Sachkundigen“ besetzt werden
chenden Schicksals niemals entschädigt der einen Überblick über die bisherigen parla- soll. Der Bundesverband soll ebenso aus-
worden sind. Ebenso warten die Opfer mentarischen Initiativen und einige andere wich- geschlossen werden wie z.B. die IOM
tige Dokumente zu diesem Thema gibt. Das Büro
von Wehrmachts- und SS-Massakern bis Jelpke mailt den Reader auf Anfrage gerne zu. (63 (International Organization for Migrati-
heute darauf, wenigstens eine symboli- Seiten, 2,6 MB). Einzelne Exemplare sind auch on), der Bundesrat und der UNHCR.
sche Wiedergutmachung für das von auch als Papierausdruck zu haben. Dieses „Kuratorium“ hätte keinerlei Be-
Deutschen verübte Unrecht zu erhalten. fugnis mehr und auf die weitere Ausge-
Zahlreiche Zwangsarbeiterinnen und Strukturen der Stiftung „Er- staltung der Arbeit der Stiftung keinen
Zwangsarbeiter haben lediglich aus for- Einfluss.
malen Gründen keine Entschädigung er- innerung, Verantwortung Gegen diese Entmachtung des Kurato-
halten. Nur im engen Zeitfenster von und Zukunft“ erhalten! riums wendet sich der Bundesverband,
1999 bis 2001 waren Anträge möglich. Köln. Die außerordentliche Mitglieder- ausschließlich vor dem Hintergrund,
Die Linksfraktion betrachtet aber versammlung des Bundesverbandes In- dass die legitimen Interessen der NS-Op-
Zwangsarbeit als Unrecht, das nicht ver- formation & Beratung für NS-Verfolgte fer bei der angestrebten Veränderung

6 : antifaschistische nachrichten 13-2007


„Das Ende der Le Pen-Jahre“ ver- Frankreich nach der zweiten Runde der Parlamentswahl:
spricht das sozialliberale Wochen-
magazin ‚Nouvel Observateur‘ von der Ti-
telseite seiner Nummer vom 14. Juni 07.
FN muss betteln. Aber Marine
„Le Pen, das Ende“ kündigte die linkslibe-
rale Pariser ‚Libération‘ eine Woche zuvor Le Pen bei fast 42 Prozent...
über mehrere Seiten hinweg an, in ihrem ralen erheblich erschwerte, sofern diese Teilnehmer am ersten Wahlgang von den
Tagesthema vom Donnerstag, 7. Juni. sich nicht mit ihm verbünden mochten. in die zweite Runde einziehenden Bewer-
Auch ein Leitartikel der Pariser Abendzei- Aber das erstaunlich hohe Abschneiden bern trennt. Dazu sind 12,5 Prozent erfor-
tung ‚Le Monde‘, gezeichnet vom Redak- der „übrig gebliebenen“ Kandidatin Mari- derlich, nicht der abgegebenen gültigen
teur Arnaud Laparmentier, in der Ausgabe ne Le Pen in „ihrem“ Wahlkreis – im ehe- Stimmen (wie man in deutschen Medien
vom Abend des 11. Juni ist übertitelt mit maligen Bergbaurevier Pas-de-Calais nahe oft fälschlich liest), sondern der in die
‚FN, fin‘ (Front National, Ende). der belgischen Grenze – in der Stichwahl Wählerlisten eingetragenen Wahlberech-
Marine Le Pen war wohl nicht unmittel- belegt gleichzeitig, dass im rechtsextre- tigten. Das bedeutet, dass, je nach Wahlbe-
bar anvisiert, als ihr Familienname fiel, men Potenzial noch immer erhebliche teiligung, 15 oder 18 Prozent oder auch
eher ging es um das (derzeit noch hypothe- Kräfte schlummern. Und es weist darauf, mehr der abgegebenen Stimmen im ersten
tische) politische ‚Aus‘ für ihren Vater. dass die „Aus und Vorbei“-Rufe doch Durchgang erforderlich sein können. Die
Dennoch drängt sich ein Zusammenhang ziemlich voreilig gewesen sein könnten. Wahlenthaltung war frankreichweit an
zwischen diesen Pressetiteln und dem
Ausgang der Stichwahlrunde bei den Der FN und die Stichwahlen
französischen Parlamentswahlen auf. Bei den Parlamentswahlen 1997 kam der FN noch in 131
In dieser hatte die rechtsextreme Partei Wahlkreisen in die Stichwahl, und seine Präsenz führte in
nur noch eine einzige Kandidatin im 76 Fällen zu Dreierkonstellationen zwischen Linksparteien,
Rennen, nämlich Marine Le Pen. Dies Bürgerlich-Konservativen und FN. (76 von 79 Stichwahlen
markiert einen historischen Tiefstand, „zu dritt“ gingen damals auf die Anwesenheit des FN zu-
womit auch die „Schadenskapazität“ rück; hingegen gab es in diesem Jahr 2007 nur eine einzi-
des FN aus Sicht des konservativ-libe- ge Dreierkonstellation im zweiten Wahlgang, und diese
ralen Bürgerblocks sehr stark zurück- hing mit dem christdemokratisch-liberalen MoDem als neu-
er Partei „zwischen Linker und Rechter“ zusammen.) Diese
ging. Letztere hing bisher damit zu- Konfiguration fiel grundsätzlich zu Ungunsten der bürgerli-
sammen, dass der rechtsextreme FN chen Rechten aus, da das traditionelle Links-versus-Rechts-
seine Kandidaten auch in der Stich- Schema dadurch aufgebrochen wurde und es nunmehr auf
wahlrunde (dort, wo er die Hürde der ihrem rechten Flügel Konkurrenz gab. Es wird geschätzt,
erforderlichen Stimmenzahl nehmen dass die bürgerliche Rechte dadurch bei den Wahlen von
konnte) neben denen des bürgerlichen 1997 rund 60 Sitze verloren hat, was ihr damals, unter an-
rechten Lagers aufrecht erhielt, und da- Marine deren Faktoren, den Wahlsieg kostete.
durch Wahlsiege der Konservativ-Libe- Le Pen Im Juni 2002, als der FN bei den Parlamentswahlen bereits
zurückging, trotz vorausgehenden Triumphs bei der Präsi-
dentschaftswahl, kamen seine Bewerber noch in 39 Fällen
Die weitere Entwicklung wird in die Stichwahl. ■
nicht mehr wie bisher an zentraler Stelle selbstverständlich in hohem Maße
dieser international besetzten und vom von der Gesamtentwicklung der gesell- diesem Sonntag außerordentlich hoch (39
Stiftungszweck her weltweit einmaligen schaftlichen Widersprüche unter der Präsi- Prozent), so dass die Hürde – in Prozenter-
Stiftung stehen. dentschaft Sarkozy abhängen. Aber es gebnissen gemessen – dieses Mal noch hö-
Weiterhin beschloss die außerordentli- wäre vorschnell, nicht nur den nahenden her lag, bis zu 21 Prozent.
che Mitgliederversammlung des Bundes- Abschluss der politischen Karriere Jean- Die Cheftochter hatte sich jenen Wahl-
verbandes, dass dieser sich nachdrück- Marie Le Pens vorauszusagen – was aus kreis (in der industriellen Krisenzone in
lich dafür einsetzen wird, dass die Opfer Altersgründen nicht gar so schwer ist, der Nähe von Lens) ausgesucht, wo der
des NS-Regimes entschädigungsrecht- denn der Mann wurde am vergangenen FN anders als fast überall sonst noch eine
lich und versorgungsrechtlich gegenüber Mittwoch 79 Jahre alt –, sondern auch sei- echte gesellschaftliche Verankerung vor
den Opfern des SED-Regimes nicht be- ner Partei das „Ende“ zu prognostizieren. Ort aufweist, konkrete soziale Probleme
nachteiligt werden. Die österreichische Erfahrung der Jahre aufgreift und im Alltag sofort auf neu auf-
Hier steht vor allen Dingen der An- 2002 bis 2006 hat gezeigt, dass auch eine tauchende Ereignisse zu reagieren vermag.
spruch im Vordergrund, das Bundesver- extreme Rechte, die mehrere schwere Kri- Diese Zone bildet in gewisser Weise das
sorgungsrecht auch für die Opfer des sen, einen erheblichen Rückgang ihrer „soziale Laboratorium“ des FN. Andern-
NS-Regimes zur Anwendung zu bringen. Wählerschaft und sogar eine Spaltung hin- orts ist er dazu überhaupt nicht mehr in der
Der Bundesverband Information & Bera- ter sich hat, dadurch noch nicht von der Lage. Zu verdanken ist ihr Wahlerfolg also
tung für NS-Verfolgte e.V. begrüßt aus- Bildfläche verschwindet. Die beiden nicht hauptsächlich der Persönlichkeit
drücklich die Entschädigung der Opfer rechtsextremen Parteien in jenem Land, Marine Le Pens, sondern der Kleinarbeit
des DDR-Regimes. Festzustellen ist, FPÖ und BZÖ, erhielten immerhin bei der des örtlichen Kaders Steeve Briois, der im
dass es bezüglich der strafrechtlichen, Parlamentswahl vom 1. Oktober 2006 zu- Juni 2002 in demselben Wahlkreis wie
der beruflichen und der verwaltungs- sammen noch immer 15 Prozent der Stim- jetzt „die Tochter“ antrat und jahrein, jahr-
rechtlichen Rehabilitation der Opfer des men (ein erheblich höherer Anteil als bei aus die örtliche Terrainarbeit verrichtet.
DDR-Regimes für diese Gruppe erheb- Wahlen in den beiden Jahren zuvor). Marine Le Pen selbst war 2002 im be-
lich bessere Entschädigungen und Ver- Marine Le Pen rettet die Hoffnungen nachbarten Wahlkreis von Lens angetre-
sorgungsregelungen gibt als für die Op- der extremen Rechten ten, und hatte dort 24,2 Prozent im ersten
fer des NS-Regimes. Hier geht es nicht und gut 32 Prozent im zweiten Durchgang
um Konkurrenzen sondern um Gleichbe- Als einzige Bewerberin des Front National der damaligen Parlamentswahl erzielt.
handlung. konnte die Cheftochter Marine Le Pen in Beide Wahlkreise liegen direkt nebenei-
Bundesverband Information & ihrem Wahlkreis Hénin-Beaumont, im frü- nander: Lens ist das 13., Hénin-Beuamont
Beratung für NS-Verfolgte e.V. heren Bergbaurevier Pas-de-Calais, die das 14. Wahldistrikt des Départements
info@nsberatung.de ■ magische Hürde überspringen, die die Pas-de-Calais. Ihr dortiges Wahlergebnis,

: antifaschistische nachrichten 13-2007 7


zu einer Zeit, als Marine Le Pen bei wei- nisten“ Paul-Marie Coûteaux, der 2004 licher Empfang bereitet wird. Allem An-
tem noch nicht so prominent (aufgrund ih- auf der durch Philippe de Villiers ange- schein nach hat es der FN zumindest in
rer Medienpräsenz) war wie heute und führten Liste ins EP gewählt wurde, rief dieser einen Ecke Frankreichs – seinem
noch nicht als potenzielle Nachfolgerin ih- aus ähnlichen Gründen zur Stimmabgabe „sozialen Laboratorium“, wie der extra da-
res Vaters gehandelt wurde wie seit 2003, für Marine Le Pen auf. Das Unterstützer- rüber gedrehte Film ‚Au pays des gueules
lag also sehr in der Nähe der jetzigen Grö- komitee für die Kandidatin wurde zudem noires‘ (2004) feststellt – tatsächlich ver-
ßenordnung. Es erklärt sich weitaus eher von einem enttäuschten Sozialdemokraten mocht, sich real auch in den sozialen „Un-
aus der sozialen und politischen Konfigu- geleitet, Daniel Jansses, der während 17 terschichten“ inklusive einer prekarisier-
ration in dem fraglichen Gebiet als aus ih- Jahren Vorsitzender des PS-Ortsverbands ten Arbeiterschaft zu verankern.
rer persönlichen „Leistung“. von Laforest war. Ferner war er 24 Jahre Die extreme Rechte jubelt und feiert ih-
Zwischen den beiden Wahlgängen lang stellvertretender Bürgermeister von ren Wahlerfolg als eine Rettung ihrer
Laforest gewesen. Hoffnungen, auch wenn dies an vielen Or-
In „ihrem“ Wahlkreis erhielt Marine Le Aber jenseits solcher Engagements von ten eher dem Pfeifen im dunklen Wald äh-
Pen in der ersten Runde am 10. Juni dieses (mehr oder minder prominenten) Einzel- neln mag.
Jahres 24,5 Prozent der Stimmen und lag personen hielten alle übrigen politischen Die parteinahe Wochenzeitung ‚Natio-
damit um knappe 4 Prozent hinter dem Kräfte, im Prinzip, gegen die Kandidatur nal Hebdo‘ macht am Donnerstag danach
bestplatzierten Bewerber: Albert Facon Marine Le Pens zusammen. Die konser- (21. Juni) ihre Titelseite mit den lakoni-
(28,2 %) aus den Reihen der französischen vative Regierungspartei UMP erklärte schen Worten „Marine 42 %“ und einem
Sozialdemokratie, dem bisherigen Abge- zwar die Wahl Marine Le Pens für nicht Foto der Kandidatin auf. Diese selbst
ordneten des Wahlkreises. Gegen ihn wünschenswert und trat gegen sie auf, rief sprach in ihrer Erklärung am Wahlabend
konnte sie nun in der zweiten Runde antre- aber auch nicht explizit zur Stimmabgabe in Hénin-Beaumont von einer „immensen
ten. Aussichten darauf, in der Stichwahl für ihren sozialdemokratischen Gegenkan- Hoffnungsbotschaft für die Zukunft“. Ihr
acht Tage später den Parlamentssitz zu er- didaten auf. Hingegen hatte ihr örtlicher Wahlergebnis habe gezeigt, dass der FN
obern, konnte sie sich im Prinzip keine Kandidat in der ersten Runde, Nesrédine „das kleine Volk gegen die Apparate, ge-
ausrechnen. Die Regionalzeitung ‚La Ramdani (der im ersten Wahlgang rund 13 gen die traditionellen Parteien sammeln“
Voix du Nord‘ (mit Sitz in Lille) schrieb Prozent erhielt), seinerseits erklärt, er per- könne. Und fuhr fort: „Die nationale
bereits kurz nach dem ersten Wahlgang, sönlich stimme im zweiten Wahlgang für Rückeroberung beginnt an diesem Abend
Marine Le Pen habe ihr Stimmenpotenzial Albert Facon. Der Kandidat des christde- von Hénin-Beaumont aus, von dieser Erde
bereits voll ausgeschöpft, während ihr Ge- mokratisch-liberalen MoDem (ehemals der kleinen Leute – ein Symbol.“
genkandidat auf einen Stimmentransfer UDF), Jean Urbaniak, rief seinerseits klar Zudem gab sie als nächstes Etappenziel
von allen übrigen (je nach Sichtweise: zur Stimmabgabe gegen Marine Le Pen die nächsten Rathauswahlen (die in ganz
demokratischen bzw. etablierten) Parteien auf. Frankreich im März 2008 stattfinden) in
bauen könne. Ergebnis Hénin-Beaumont aus. Auch ihr Vater Jean-
Allerdings erhielt Marine Le Pen in den Marie Le Pen sprach davon, dieses Ergeb-
Tagen vor der Stichwahl die Unterstützung Und doch... Und doch erhielt Marine Le nis sei „vielversprechend für die Zukunft,
zweier konservativer Prominenter, unter Pen in der Stichwahl mit 41,7 Prozent (auf sowohl auf lokaler Ebene als auch nationa-
ihnen der frühere Leitartikler im ‚Figaro Wahlkreisebene) ein gewaltiges Ergebnis. ler Ebene“. Mit den letzten Worten dürfte
Magazine‘ (und berüchtigte Reaktionär An ihrem Wahlerfolg, auch wenn er am er vielleicht auch an die offene Frage der
sowie langjährige Befürworter von Allian- Ende nicht von einem Sitz gekrönt war, späteren Regelung seiner Nachfolge ge-
zen der politischen Rechten mit dem FN, gibt es nichts herumzudeuteln. Denn auch dacht haben.
etwa anlässlich der Regionalparlaments- in absoluten Zahlen ausgedrückt, und Einstweilen plagen den Mann aber noch
wahlen im März 1998) Alain Griotteray. nicht allein in Prozentanteilen gemessen, andere Sorgen. Zeitgleich mit dem Wahl-
Der Zweite im Bunde ist Michel Calda- legt Marine Le Pen zwischen den beiden ergebnis von Hénin-Beaumont wurde
guès, der ebenfalls wie Griotteray aus na- Runden der Wahl nochmals ordentlich zu. ebenfalls bekannt, dass Jean-Marie Le
tionalistischen Gründen in der Résistance Statt 10.593 Stimmen im ersten Durch- Pen eine Spendenkampagne unter dem Ti-
aktiv war und später als gaullistischer Se- gang erhält sie nunmehr, im zweiten Wahl- tel „SOS Front National“ lanciert habe.
nator von Paris (d.h. Mitglied des parla- gang, 17.107 Stimmen. In der Kommune Darin richtet der Chef der rechtsextremen
mentarischen Oberhauses, das dort die Beaumont sammelt sie 52 Prozent der Partei sich an Privatleute, die er auf die
Hauptstadt vertritt) war. Caldaguès amtier- Stimmen, und im persönlichen Wahlbüro dramatische finanzielle Situation des FN
te zudem bis im Jahr 2000 als neogaullisti- von Steeve Briois – des örtlichen Kaders, hinweist.
scher (RPR-)Bürgermeister des 1. Arron- der ihr das Terrain bereitet hatte – in Hénin Nicht nur, dass die staatliche Parteienfi-
dissements der Hauptstadt Paris, während 53 Prozent. nanzierung für den Front National (die von
Griotteray bis 2002 konservativ-liberaler Das Gesamtergebnis deutet darauf hin, den Stimmergebnissen bei den Parla-
(UDF-)Bürgermeister des bürgerlich ge- dass es dem Front National zwischen den mentswahlen abhängt: 1,63 pro Wähler
prägten Pariser Vororts Charenton war. beiden Wahlgängen gelungen sein muss, und pro Jahr bis zur nächsten Wahl) künf-
Beide erklärten ihre Unterstützung für die einen nicht unerheblichen Teil des Publi- tig um 60 Prozent gegenüber dem bisheri-
Kandidatur Le Pens (Tochter), um die kums der bürgerlichen Parteien auf seine gen Stand reduziert wird, da er in diesem
französische Nation vor dem Aufgehen in Seite zu ziehen. Denn jene Wählerschaft Jahr 1,1 Millionen Wähler hatte gegenüber
einem supranationalen Europa zu schüt- in den sozialen Unterklassen, die für die 2,8 Millionen im Juni 2002. Zudem erhal-
zen. Griotteray und Caldaguès luden die extreme Rechte gewinnbar ist, dürfte Ma- ten über 300 (von insgesamt 555) Parla-
„Cheftochter“ des FN zudem am 13. Juni, rine le Pen von Anfang an für sich gehabt mentskandidaten des FN keine Rücker-
also genau zwischen den beiden Durch- haben – diese Anhängerschaft hat wohl stattung ihrer Wahlkampfkosten, da sie
gängen der Parlamentswahl, in die von ih- kaum erst bürgerlich gestimmt. die dafür erforderlichen 5 Prozent verfehlt
nen animierte Sendung auf ‚Radio Cour- In einem kurz vor dem Stichwahltermin haben.
toisie‘ ein. Bei diesem Radiosender, der unter dem Titel „Marine Le Pen bewegt Und inzwischen wurde nun auch noch
im 16. Pariser Arrondissement ansässig ist, sich in erobertem Gebiet“ erschienenen bekannt, dass der FN 8 Millionen Euro an
kommen unterschiedliche Strömungen der Artikel berichtet die Pariser Abendzeitung vorgestreckten Wahlkampfkosten seinen
Rechten und extremen Rechten zu Wort. ‚Le Monde‘ darüber, wie Marine Le Pen eigenen Kandidaten wird zurückzahlen
Auch der Europaparlaments-Abgeord- am Ausgang der Fabriken in „ihrem“ müssen. Wohl bekomm’s!
nete der nationalkonservativen „Souverä- Wahlkreis ein anscheinend höchst freund- Bernhard Schmid (Paris) ■

8 : antifaschistische nachrichten 13-2007


Vom 2. bis 8. Juni 2007
trafen sich rund um Ros- 1. Resümee aus den Demonstrati-
tock und Heiligendamm
Kritiker und Kritikerinnen der
Politik der G-8-Staaten. Diese
onsbeobachtungen beim G8-Gipfel
Proteste hat das Komitee für Komitee für Grundrechte und
Grundrechte und Demokratie Demokratie
mit insgesamt 30 Demonstrati-
onsbeobachtern und -beobach- zei protestierend durch die Innenstadt von
terinnen begleitet. Wir waren Rostock ziehen konnte – einzelne Men-
bemüht, an vielen Stellen zuge- schen mit rabiater Gewalt herausgreift und
gen zu sein, die vielen großen abführt, muss mit Protest und Empörung
und kleinen Versammlungen rechnen. Die Stimmung wird angeheizt.
und den polizeilichen Umgang Mit der von der Polizei behaupteten De-
mit ihnen beobachtend. Umfas- eskalation hat dieses Vorgehen rein gar
send ist dies nicht gelungen, nichts zu tun.
viele Beobachtungen müssen ● Die der Auftaktveranstaltung am
im einzelnen noch zusammen- Samstag, 2. Juni 2007, folgenden Tage
getragen und ausgewertet wer- waren jeweils unter einen thematischen
den, aber ein erstes deutliches Resümee Demonstrierenden gemessenen – von Per- Schwerpunkt gestellt: „Globale Landwirt-
können wir ziehen: Die Polizei ist dem sonen kam, die diese Auseinandersetzun- schaft“, „Flucht & Migration“ und „Gegen
Protest von Beginn aller Planungen an es- gen mit der Polizei suchten. Sie agierten Militarismus, Krieg und Folter - G8 blo-
kalierend und kriminalisierend begegnet. aus der Versammlung heraus, warfen Steine ckieren, Kriege verhindern“. Es formierte
Sie selbst spricht entlarvend davon, dass und Flaschen und gefährdeten damit die an- sich ein breiter, unterhaltsamer, die The-
Demonstrationen nicht länger an der lan- deren Demonstrierenden – nicht nur durch men an symbolischen Orten aufgreifen-
gen Leine herumgeführt werden. Zugleich ihre eigenen Würfe, sondern auch durch die der Protest. Hier wurde deutlich, in wel-
machten die Demonstrierenden deutlich, darauf gerichteten Polizeiaktionen. Die Po- chem Maße die Demonstrierenden vielfäl-
dass das Recht auf Versammlungs- und lizei trug mit ihrem Konzept den Konflikt tige Formen des deeskalierenden Eingrei-
Meinungsfreiheit in seiner freiheitlichen ebenfalls mitten in die Versammlung hi- fens entwickelt haben. Vieles davon wurde
Konzeption gestärkt werden muss. Alle nein. Vor allem die Beweissicherungs- und zwar bereits Samstag versucht, blieb jedoch
Einschränkungen sind unnötig und verfas- Festnahmeeinheiten – und in ähnlicher angesichts einer an Auseinandersetzungen
sungswidrig. Als freiheitliches Grundrecht Weise agierende Polizeieinheiten anderer interessierten Gruppe von schwarz geklei-
muss es verstanden und geschützt werden. Länder - drangen immer wieder tief in die deten Vermummten und einer zumindest
● Früh wurde mit der Kriminalisie- Versammlung ein, um einzelne Personen einseitig an Strafverfolgung und Sichtbar-
rung des Protests begonnen – vor terroris- festzunehmen oder auch, um die Personen machung von Straftätern interessierten,
tischen Taten, vor Straf- und Gewalttätern zu filmen, die während dieses provozieren- schwarz gekleideten und vermummten Po-
wurde öffentlich und medienwirksam ge- den Agierens Steine und Flaschen auf die lizei beschränkt. Clownsgruppen und
warnt und zugleich bei konkreteren Nach- Polizei warfen. Sie schlugen während die- „Clownsarmee“ sorgten für Spaß und Ironi-
fragen zugegeben, dass keine konkreten ses Vorgehens rücksichtslos um sich. Wer sierung angespannter Situationen. Trom-
Hinweise vorlägen. Die nebulösen Progno- aus solch einer breiten, internationalen, mel- und Rhythmusgruppen, Musikwagen
sen aber schafften der Polizei Handlungs- großen und heterogenen Versammlung - die sorgten für Entspannung, Unterhaltung und
spielraum. Darüber hinaus wurden in der zuvor weitgehend unbehelligt von der Poli- Bewegung. Lautsprecherwagen sorgten für
Region rund um Rostock und Heiligen- Information und Orientierung. Vor allem
damm Ängste und Abwehr geschürt, der Bürgerrechte nach dem G8-Gipfel. am Montag, dem Protesttag „Flucht & Mi-
Protest delegitimiert. Die demonstrierenden Erste Bilanz und Perspektiven gration“, wurde die Geduld dieser Demons-
Jugendlichen konnten diese Vorurteile nur Bürgerrechtsorganisationen, AnwältInnen und trierenden auf eine harte Probe durch die
langsam im konkreten Kontakt abbauen. OrganisatorInnen berichten und analysieren– polizeilichen Verunsicherungs- und Desin-
● Auf dem Hintergrund dieser Krimina-
Eine Anhörung des Arbeitskreises V und der formationsbemühungen gestellt. An die im-
Fraktion DIE LINKE, Montag, den 2. Juli 2007,
lisierung konnte eine Allgemeinverfügung 10.00 bis 13.30 Uhr
mer wieder erfolgten Durchsuchungen von
erlassen werden, die die Grundrechte auf Deutscher Bundestag, Sitzungssaal der Fraktion Rucksäcken beim Zugang zu Demonstra-
Versammlungs- und Meinungsfreiheit DIE LINKE. im Reichstagsgebäude, Einlass mit Vor- tionen – hier zur Kundgebung am Flücht-
weiträumig außer Kraft setzen sollte. Weit anmeldung über Eingang Süd/Scheidemannstr. lingslager Satowerstraße – hatten sich die
über den von allen Freiheitsrechten ausge- Mit: Elke Steven, Komitee für Grundrechte
meisten schon gewöhnt, manche größeren
nommenen, von einem 12 km langen Zaun und Demokratie. Demonstrationsbeobachtung Gruppen konnten jedoch auch erfolgreich
abgegrenzten Bereich um Heiligendamm und -auswertung einen unkontrollierten Zugang einfordern.
sollten die Rechte auf Versammlungs- und Sönke Hilbrans, Republikanischer Anwältin- Selbst die seit Samstag immer wieder statt-
Meinungsfreiheit keine Geltung haben. nen- und Anwälteverein, Legal Team findenden Festnahmen aus größeren Grup-
Dieses weiträumige Demonstrationsverbot Martin Kutscha, Beirat der Humanistische Uni- pen heraus führten nicht zu Eskalationen.
wurde von vielen Seiten und zunehmend on, Professor für Staats- und Verwaltungsrecht Allerdings zu Empörung und mehr noch zu
FHVR Berlin, Spezialist für Versammlungs- und
auch aus den etablierten Parteien heraus – Ängsten um die betroffenen Personen, von
Demonstrationsrecht
von den Grünen über FDP bis zur SPD – Christoph Kleine, Block G8/Interventionisti- denen andere oft überzeugt waren, dass sie
kritisiert. sche Linke (angefragt) keine Straftaten begangen hatten.
● Eine solche Allgemeinverfügung – Graziella Mascia, Mitglied für den PRC im In- ● Eskalationsverhalten der Polizei:
vom Verwaltungsgericht eingeschränkt, nenausschuss des italienischen Parlaments, Als sich am Montag, dem 4.6. der geneh-
vom Oberverwaltungsgericht bestätigt – beteiligt an den Untersuchungen der Ereignis- migte Demonstrationszug mit einigen tau-
wurde nur deshalb vom Bundesverfas- se des G8 Gipfels in Genua 2001 send TeilnehmerInnen vom Flüchtlingsla-
sungsgericht bestätigt, weil es am Samstag, Greenpeace (angefragt) ger zur Innenstadt formierte, standen sie
2. Juni 2007 zu massiven Auseinanderset- Anmeldung unter Angabe des vollständigen Na- vor einer Armada hochgerüsteter Polizei
mens und Geburtsdatum bis 28. Juni bitte richten
zungen zwischen Polizei und einem ver- an: Katrin.Maillefert@linksfraktion.de, Telefon und fünf Wasserwerfern. Über eine Stunde
schwindend kleinen Teil – an der Zahl der 030/227 51193 oder Fax 030/227 56293 durfte dieser Zug nicht losziehen. Informa-

: antifaschistische nachrichten 13-2007 9


tionen der Polizei, gar Begründungen er- bestehen bleiben, ein ungehinderter Zu- Schon jetzt ist festzuhalten, in welchem
folgten allenfalls spärlich und widersprüch- gang war möglich und der weitere Weg Maße das polizeiliche Vorgehen auf Eska-
lich. Keine der Begründungen hätte einer oder der Zaun wurde nur von wenigen Poli- lation angelegt war und nur aufgrund des
Überprüfung standgehalten – mal waren zisten gesichert. So wenig polizeilicher deeskalierenden und besonnenen Verhal-
500 TeilnehmerInnen nicht durchsucht Aufwand ist also notwendig, wenn De- tens des weitaus größten Teils der De-
worden, dann wieder drohte Gefahr von au- monstrationen möglich sind! Dagegen rüs- monstrierenden auf wenig Resonanz
ßen oder es wurden Tausende von gewalt- tete die Polizei rund um das westliche Ein- stieß.
bereiten „Autonomen“ von der Polizei in gangstor martialisch auf. Die Polizei hatte Die Polizei betreibt – gemeinsam mit
die friedliche Versammlung hinein imagi- die Straße besetzt, die Demonstrierenden BKA und Verfassungsschutz – zuneh-
niert. Die Demonstrierenden dagegen sorg- befanden sich auf einer großen Wiese ne- mend eine eigene Politik, die beängsti-
ten mit ihren Unterhaltungs- und Informati- benan. Ohne konkrete Aufforderungen oder gend ist, behält man Grundgesetz, die ga-
onsmitteln für Entspannung trotz aller An- polizeiliche Ansagen wurden letztlich neun rantierten Grundrechte und die demokra-
spannung. Nach mehr als einer Stunde Wasserwerfer gegen die ca. 1.000 Demons- tische Verfasstheit im Auge. Sie schafft
Wartezeit durfte der Demonstrationszug trierenden auf der Wiese eingesetzt. Eine mit Fehlinformationen und grundrecht-
zumindest einen kleinen Teil des geneh- Reihe von Verletzungen wurden so verur- lich nicht legitimierbaren Aktionen und
migten Weges ziehen. Da der weitere Weg sacht. Die Ansage nach mehrfachem Was- Eingriffen eine Lage, in der sie im selbst
Richtung Innenstadt von der Polizei nicht serwerfereinsatz „Bleiben Sie ruhig, wir geschaffenen Ausnahmezustand gemäß
zugelassen wurde, auch kein verkürzter verschaffen uns nur ein bisschen Platz“ ihrer unüberpüfbaren Kriterien agieren
Weg, musste der Versammlungsleiter die kann nur als zynisch verstanden werden. kann – z.B. Sitzblockaden hoheitlich zu-
Versammlung auflösen. Vor Ort führte die Flaschenwürfe gegen diesen Einsatz – vor lassen oder Versammlungen mit (Wasser-
Polizei als Begründung vor allem an, dass allem von Plastikflaschen – waren wohl werfer-)Gewalt und ohne Kommunikation
die Demonstration größer als angemeldet auch hier willkommene Anlässe zum vi- auflösen. Die Kontrolle über die exekuti-
sei. Die 10.000 Teilnehmer – in diesem Fall deographieren von „Tätern“, die dann wie- ve polizeiliche Gewaltausübung droht in
eine interessierte Hochrechnung – könnten derum eskalierend aus Versammlungen he- solchen Ausnahmesituationen zu entglei-
nicht in die Innenstadt gelassen werden. rausgegriffen werden können. ten. Voraussetzung hierfür sind eine Öf-
Gegenüber den Medien wurde zumindest ● Auch die Medienvertreter und -ver- fentlichkeitsarbeit, die polizeiliche und
teilweise berichtet, es befänden sich ge- treterinnen versuchte die Polizei ihren geheimdienstliche Erkenntnisse behaup-
waltbereite Autonome in großer Zahl in jeweiligen Interessen gemäß zu behan- tet, ohne sie zu belegen oder die nach den
dieser Versammlung. Diese hatten sich al- deln. Zumindest in entspannten Situationen Auseinandersetzungen am Samstag, 2.
lerdings nicht zu erkennen gegeben und ta- durften sie sich ungehindert bewegen. In Juni 2007, von 10 Schwerverletzten be-
ten dies auch im weiteren Verlauf nicht. Je- anderen Situationen wurden jedoch Kame- richtet und erst später, auch nach der Be-
denfalls formierte sich schnell – entgegen raobjektive zugehalten. Als Sonntag, 3. stätigung der Allgemeinverfügung durch
allen polizeilichen Drohungen von Durch- Juni 2007, beim Aktionstag „Globale Land- das BVerfG, zugibt, dass nach den offi-
suchungen und Festnahmen – eine Spon- wirtschaft“ der „Verdacht“ bestand, ein ziellen Kriterien nur zwei Beamte schwer
tandemonstration, die, ohne dass auch nur Journalist hätte möglicherweise bei einer verletzt wurden, also stationär behandelt
ein einziger Vorfall registriert werden konn- kleinen Protestaktion ein Foto gemacht, das werden mussten. Auch diese konnten
te, in Ruhe zur geplanten Schlusskundge- die Polizei als Beweis nutzen könnte, sollte nach zwei Tagen das Krankenhaus verlas-
bung zum Stadthafen zog. dieses sofort der Polizei „überlassen“ wer- sen. Diese Öffentlichkeitsarbeit schafft -
● Bürger und Bürgerinnen nehmen den. Erst deutlicher Protest gegen eine sol- das konnte in vielen Gesprächen mit Poli-
sich ihr Recht auf Versammlungsfrei- che Beschlagnahme konnte dies verhin- zistInnen beobachtet werden – auch in-
heit: Die folgenden Blockadetage – Mitt- dern. Donnerstag wurden die Medienver- nerhalb der Polizei eine Stimmung, die
woch und Donnerstag (6./7. Juni 2007) – treterInnen zwischen den ca. 1.000 De- die Gewaltbereitschaft der einzelnen Poli-
haben dann gezeigt, mit welcher Disziplin monstrierenden auf der Wiese am Westtor zistInnen heraufsetzt.
und Konsequenz, mit wie viel Phantasie gar aufgefordert, den Bereich zu verlassen. Der Fehlinformation der Öffentlichkeit
und unbedingtem Willen dieser Protest sich Sie hätten jetzt letztmalig die Gelegenheit, entspricht auf der anderen Seite die
auszudrücken vermag. In die Demonstrati- durch die Polizeikette auf die Straße zu ge- Nicht-Kommunikation mit den Demons-
ons-verbotszone der Allgemeinverfügung langen. Anderenfalls gefährdeten sie sich trierenden. Sie wurden meist nicht über
wurde eingedrungen, vor dem Zaun und und die Polizeiarbeit! Eine solche unver- Forderungen und polizeiliche Maßnah-
den Toren jedoch halt gemacht. Es ging hohlene Drohung, die an Nötigung grenzt, men informiert, sondern begegneten einer
nicht um eine Stürmung des Zauns, son- gegenüber Medienvertretern, die ihrer Auf- wortlosen Gewaltdemonstration, von der
dern um einen sichtbaren Protest an Orten, gabe der Berichterstattung nachgehen wol- man nie wusste, wann und ob sie einge-
an denen er öffentlich wahrgenommen wer- len, macht deutlich, wie selbstverständlich setzt wird. Wer dann aber eine Blockade
den kann. In körperlich anstrengenden die Polizei jede öffentliche Kontrolle ihrer freundlich auffordert, die in der Blockade
Märschen durch Weizenfelder und über Arbeit zu verhindern sucht. eingeschlossenen Polizeifahrzeuge durch-
Wiesen, sich aufteilend und wieder zusam- Viele weitere Beobachtungen von Situa- zulassen (Donnerstag, 7. Juni 2007, auf
menfindend wurden die Polizeiabsperrun- tionen und Entwicklungen werden wir in der Straße vom Westtor nach Steffensha-
gen umgangen. Gegen diese Gruppen, die den nächsten Wochen zusammentragen gen) – bleiben Sie ruhig, wir planen jetzt
nichts als ihren Körper und ihren Willen und aus diesen Mosaiksteinchen das Bild keine Maßnahme gegen Sie –, das Entge-
zur Demonstration einsetzten, wurden von dieser Woche genauer zeichnen. Vieles genkommen dann aber nutzt, um sofort
mehrfach Wasserwerfer und sogar Gaspa- wird noch zu recherchieren sein, z.B. zum hinterher zu räumen und Räumpanzer für
tronen eingesetzt. Hunde wurden aufs Feld polizeilichen Einsatz am Samstag und erst die Holzblockaden hin-einzuführen, darf
geführt. Auf den angestrebten Straßen an- recht zum Bundeswehreinsatz im Inneren sich nicht wundern, wenn diese Jugend
gekommen, konnten die Demonstrierenden während dieser Tage. Zu recherchieren vor allem eines lernt: Wenn diese Polizei
sitzend blockieren – immer mal wieder auf- wird auch sein, wie es um die Verletzungen dann doch einmal kommuniziert, darf
geschreckt vom unkommentiertem martia- tatsächlich bestellt ist, welche Taten den man ihr auf keinen Fall trauen.
lischem Auftreten der Polizei. Festgenommenen vorgeworfen werden und gez. Elke Steven
● Verbote und Einschreiten mit poli- wie dies belegt werden kann. Auf der Komitee für Grundrechte und Demokra-
zeilichen Gewaltmitteln oder Gewähren- Grundlage all dieser Erkenntnisse werden tie, www.grundrechtekomitee.de
lassen nach polizeilichem Gutdünken: wir in jedem Fall baldmöglichst einen um- info@grundrechtekomitee.de ■
Zwei Sitzblockaden konnten Donnerstag fassenderen Bericht erstellen. (aus Platzgründen leicht gekürzt)

10 : antifaschistische nachrichten 13-2007


Deserteursdenkmal: Aguayo, von (273), gefolgt vom Arbeitskreis Asyl mit
Aufstellung am 30. August Oktober 2006 168 und Terre des Femmes mit 159.
bis April 2007 Peter Grohmann, Anstifter ■
Stuttgart. Seit fast 10 Jahren setzt sich im US-Militär-
die Initiative Deserteur-Denkmal dafür gefängnis in Deutsche Liegenschaften in
ein, dass auch in Stuttgart – wie 2005 Mannheim in-
schon in Ulm – ein solches Denkmal er- haftiert, erhält Italien gepfändet
richtet wird. Die offizielle Aufstellung den Stuttgarter Am 10. Juni begehen die Einwohner von
und Einweihung des Denkmals wird nun Friedenspreis Distomo den 63. Jahrestag des Massa-
am 30. August 2007 am Stuttgarter Thea- 2007. Er hatte kers, bei dem deutsche SS-Einheiten im
terhaus stattfinden. Zur Finanzierung der seit 2004 ver- Jahre 1944 218 Menschen ermordeten.
Skulptur des Bildhauers Nikolaus Kern- geblich ver- Das Massaker wurde bis zum heutigen
bach aus Aulendorf „PROFILSCHNITT, sucht, als Tag nicht gesühnt, Entschädigungen
1996/2001“ läuft seit Sommer 2006 eine Kriegsdienstverweigerer anerkannt zu wurden nicht gezahlt, obwohl das Land-
Bausteinkampagne. werden. Nach einem ersten Einsatz im gericht Livadia die Bundesrepublik
Das Denkmal soll am Theaterhaus so Irak verweigerte Aguayo einen erneuten Deutschland bereits im Jahre 1997 zu
lange stehen, bis ein städtischer Platz da- Einsatz im Irak, floh aus der Armee, Entschädigungszahlungen von etwa 27
für bereit gestellt wird. „An die Opfer stellte sich aber. 2007 wurde er von ei- Millionen Euro rechtskräftig verurteilte.
der Kriege – Zivilisten und Soldaten – nem US-Militärgericht zu acht Monaten Die Vollstreckung in Griechenland schei-
erinnern Dutzende Denkmale. Doch an Haft verurteilt; im Mai 2007 konnte er zu terte nach Intervention Deutschlands an
diejenigen, die sich dem Krieg entzogen seiner Familie in die USA zurück. Unter- der fehlenden Zustimmung der grie-
haben bzw. sich heute entziehen, wird stützt wurde Agustin Aguayo v.a. von chischen Regierung. Die Kläger betrei-
gewöhnlich im negativen Sinn gedacht – Connection e.V., die Asyl für Kriegs- ben darum die Vollstreckung in Italien.
sie gelten meist als ‚Verräter‘ und ‚Feig- dienstverweigerer aus Kriegsgebieten Der mit der Vollstreckung in Italien
linge‘“, so Roland Blach, Sprecher der fordert und Deserteure unterstützt. Allein beauftragte Rechtsanwalt Joachim Lau
Initiative. 50.000 Deserteure sind von in den USA gibt es seit Beginn des Irak- (Florenz): „Zur Sicherung der berechtig-
der NS-Militärjustiz verfolgt, mehr als krieges mehr als 4000 Deserteure im ten Schadensersatzansprüche aus dem
20.000 Todesurteile sind vollstreckt wor- Jahr. Agustín Aguayo stammt aus Mexi- Zweiten Weltkrieg wurden am 8. Juni
den; davon allein 37 am Justizgebäude in ko. Der Rettungssanitäter aus Los Ange- 2007 deutsche Liegenschaften nahe
der Stuttgarter Urbanstraße. Erst 2002 les ist Vater von zwei Töchtern. Como / Italien durch Eintragung einer
sind Deserteure durch den Deutschen Mit dem Stuttgarter Friedenspreis Zwangshypothek gepfändet.“
Bundestag rehabilitiert worden, wofür werden jedes Jahr Projekte oder Perso- Die Bundesregierung war auf Anfrage
sich insbesondere der 85-jährige Ludwig nen ausgezeichnet, die sich mit Zivilcou- des AK Distomo Hamburg zu einer An-
Baumann, einer der letzten noch leben- rage und Mut für „Frieden, Gerechtigkeit erkennung der Rechtsansprüche der Op-
den Wehrmacht-Deserteure intensiv ein- und Solidarität“ einsetzen. Der mit 5000 fer und einer Stellungnahme zum Jahres-
gesetzt hat. Euro dotierte Preis wird vom Bürgerpro- tag nicht bereit.
„ir werden die Diskussion über einen jekt der AnStifter ausgeschrieben, der Rechtsanwalt Martin Klingner, der Ar-
städtischen Standort und die Baustein- Preisträger am 21. Dezember im Rahmen gyris Sfountouris vor dem Europäischen
kampagne in den kommenden Monaten einer Friedensgala in Stuttgart geehrt. Gerichtshof für Menschenrechte vertritt:
intensiv fortsetzen“, kündigt Blach an. In diesem Jahr standen 32 Vorschläge „Jeder weitere Tag der Zahlungsverwei-
Es liegen schon jetzt Patenschaften von zur Abstimmung. Stimmberechtigt mit gerung ist ein Skandal und eine Verlet-
ca. 8.000 Euro vor, darunter von OB Bo- drei Stimmen waren rund 700 Förderer zung der Menschenrechte der Opfer.“
ris Palmer (Tübingen), den Landtagsab- der AnStifter-Projekte. Abgegeben wur- AK-Distomo
geordneten Christine Rudolf und Brigitte den 1233 Stimmen. Agustín Aguayo er- Distomo, den 10. Juni 2007 ■
Lösch, Tobias Pflüger aus dem Europa- hielt mit Abstand die meisten Stimmen
parlament, dem ehemaligen Bundestags-
abgeordneten Peter Conradi und Klaus- Gegen den Terror des Krieges – Friede den Hütten
Peter Murawski (Bürgermeister in Stutt- Sommerakademie des Friedensratschlags
gart). [Auch Ulrike Küstler, Stadträtin 19. bis 22. Juli 2007 - Oberhof (Thüringen)
der LINKEN war eine der ersten Patin- Die globalisierte Welt wird immer unfriedlicher, Hunger, Armut, Kriege und Bürgerkriege, Terrorismus,
nen, d. Red.] Über diese positive Reso- Flucht und Vertreibung nehmen zu. Der Krieg im Irak, begründet mit erfundenen Beweisen und falschen
nanz ist die Initiative sehr erfreut. Es feh- Behauptungen, hat über einer halben Millionen Menschen das Leben gekostet. Und ein Ende ist nicht in
Sicht. Der Krieg gegen Afghanistan eskaliert. In regelmäßigen Abständen ist zu hören, dass neue Solda-
len aber noch 6.500 Euro bzw. 130 Bau- ten und mehr Kriegsgerät nach Afghanistan geschafft werden sollen. Auch von Seiten der Bundeswehr.
steine zu je 50 Euro. Auch heute gibt es Und in den Schubladen in Washington und Berlin liegen offensichtlich schon Pläne für neue Kriege: Su-
Deserteure und totale Kriegsdienstver- dan, Somalia und vor allem Iran. Gleichzeitig wird bei auftretenden Konflikten immer schneller nach dem
weigerer in vielen Ländern. Wegen „Fah- Militär gerufen, folglich nehmen die Auslandseinsätze der Bundeswehr deutlich zu.
nenflucht“ und „Befehlsverweigerung“ Gleichzeitig tut die Europäische Union (EU) alles, um beim Kriegführen ganz vorne mit dabei zu sein. Der
werden sie bestraft, zum Teil mit Ge- EU-Verfassungsentwurf setzt auf militärische Gewalt als Mittel der Politik. Die NATO ist zu einem Durch-
fängnis, manche gar mit dem Tod. setzungsinstrument für die Interessen ihrer Mitgliedsstaaten, allen voran die USA, geworden. „Die Deut-
Spenden zur Unterstützung des Denkmals sind steu- schen müssen wieder töten lernen“, titelte kürzlich der Spiegel. Vergessen sind die Lehren aus der Zeit, als
erabzugsfähig PAX AN – Spendenkonto 361349- die Deutschen „noch töten konnten“. Die Lehren aus Nationalsozialismus und Shoa „Nie wieder Faschis-
705 Postbank Stuttgart (BLZ 600 100 70) • Stich- mus – nie wieder Krieg“ scheinen nicht mehr zu gelten. Die Politik der militärischen Gewalt aufhalten!
wort DENKMAL Initiative für ein Deserteursdenkmal Mit dieser Sommerakademie wollen wir gemeinsam mit anderen interessierten Menschen aus dem In- und
Ausland Alternativen zur vorherrschenden Gewaltpolitik aufzeigen, mit WissenschaftlerInnen, PolitikerIn-
nen, Aktiven der Friedensbewegung und anderer sozialer Bewegungen neue Kompetenzen erwerben
Stuttgarter Friedenspreis und Konzepte für die Praxis entwickeln, in Exkursionen zum ehemaligen KZ-Buchenwald und zum Bio-
sphärenreservat Rhön Gemeinsamkeiten mit der antifaschistischen und Ökologie-Bewegung erarbeiten,
geht an Agustín Aguayo und in einer schönen Umgebung mit ausreichend Freizeit in einer entspannten Atmosphäre einander ken-
nen lernen und ins Gespräch kommen, miteinander diskutieren und natürlich auch feiern. Suchen wir nach
„Ich bin total überrascht und freue mich neuen Wegen einer friedenspolitischen Widerstandskultur. Bundesausschuss Friedensratschlag
sehr! Danke, und Grüße an alle AnStif-
ter!“ Der 35-jährige US-Soldat Agustín http://www.sommerakademie-frieden.de/

: antifaschistische nachrichten 13-2007 11


: ausländer- und asylpolitik
fahren ein Gesetz ohne sorgfältige parla-
mentarische Beratung, dessen Mängel
offen zu Tage liegen:
Flüchtlingsfreundliche EU-Regelun-
Asylwiderrufe müssen Hinblick auf Flüchtlingsschutz und Men- gen werden sinnentstellend so umge-
beendet werden schenrechte. PRO ASYL erinnert zum setzt, dass sie ins Leere laufen. Flüchtlin-
Berlin. Der 20. Juni ist der internationa- Internationalen Tag des Flüchtlings da- ge, die vor innerstaatlichen bewaffneten
le „Tag des Flüchtlings“. Das Flücht- ran, dass sich die EU auf die „absolute Konflikten fliehen (z.B. Irak), haben ent-
lingshilfswerk der UN hat bekannt gege- Beachtung des Asylrechts“ und auf die gegen dem Willen der EU auch künftig
ben, dass derzeit 9,9 Millionen Men- uneingeschränkte Anwendung der keinen Rechtsanspruch auf den sog. „er-
schen weltweit auf der Flucht sind. Flüchtlings- und Menschenrechtskon- gänzenden Schutz“.
Durch die Lage im Irak hat sich diese ventionen verpflichtet hat. Die im Gesetz enthaltene Bleibe-
Zahl wieder erhöht. Hinzu kommen Die Politik der Abwehr um jeden Preis rechtsregelung ist ungenügend. Nur ein
schätzungsweise 20-25 Millionen Bin- verstößt gegen dieses Selbstverständnis geringer Teil der bislang Geduldeten
nenflüchtlinge. und gegen die völkerrechtlichen Ver- wird darunter fallen. Entgegen den poli-
Die Bundesrepublik und die Europäi- pflichtungen Europas. Anstatt Flüchtlin- tischen Versprechungen werden die Ket-
sche Union reagieren auf diese Entwick- ge zu bekämpfen, muss Europa diesen tenduldungen nicht beseitigt.
lungen vollkommen unangemessen. Sie einen gefahrenfreien Zugang und eine Asylsuchende, die aufgrund der Dub-
verschlechtern kontinuierlich den Schutz menschenwürdige Aufnahme gewähren. lin II-Verordnung in einen anderen EU-
von Flüchtlingen und bleiben hinter den Gerade angesichts des Exodus aus dem Staat abgeschoben werden sollen, erhal-
Anforderungen der Genfer Flüchtlings- Irak wäre Solidarität mit den Nachbar- ten grundsätzlich keinen Eil-Rechts-
konvention zum Teil weit zurück. staaten, ein großzügiges Flüchtlingsauf- schutz mehr. Das heißt, dass Rücküber-
Erst vorige Woche hat die Bundestags- nahmeprogramm (Resettlement) und ein stellungen an andere EU-Staaten nicht
mehrheit das Aufenthaltsrecht geändert. sicherer Status für irakische Schutzsu- gerichtlich verhindert werden können –
Die Anerkennung als Flüchtling ist für chende in
die meisten Schutzsuchenden nun noch der EU das
schwerer zu erreichen, und Asylbewer- Gebot der
ber müssen weitere Einschritte in ihre Stunde.
sozialen Rechte hinnehmen. gez. Karl
Besonders inhuman ist jedoch, dass Kopp
das Bundesamt für Migration weiterhin Europa-
Asylanerkennungen widerruft. Weil ih- referent Pro
nen angeblich nach dem Sturz Saddam Asyl ■
Husseins keine Verfolgung mehr droht,
haben Tausende von Irakerinnen und Ira- PRO
kern ihren Status als Asylberechtigte ver-
loren und müssen ihre Abschiebung in ASYL:
den Irak fürchten. Angesichts der Tatsa- rechts-
che, dass derzeit rund 1,5 Millionen Ira- staats-
ker auf der Flucht sind, gehört eine sol-
che Praxis zu den besonders inhumanen widriges
Seiten deutscher Flüchtlingspolitik. Abschot-
Auf der Sitzung des Innenausschusses tungs-
des Bundestags am 20.6. wird über einen
Antrag der Fraktion DIE LINKE. für ei-
werk
nen Abschiebeschutz für irakische Am 14. Juni
Staatsangehörige und die Aufnahme von wird der
irakischen Flüchtlingen beraten (Bt-Drs Deutsche
16/5248). Wenn die Koalitionsparteien Bundestag
ihrer humanitären Pflicht nachkommen voraussicht-
wollen, müssten sie diesem Antrag zu- lich die Än-
stimmen. derung des
Berlin, den 19. Juni 2007 Zuwande-
Ulla Jelpke, MdB ■ rungsgeset-
zes verab-
Flüchtlinge schützen – nicht schieden.
PRO ASYL
bekämpfen kritisiert das
PRO ASYL appelliert zum „Internatio- Gesetzespa-
nalen Tag des Flüchtlings“ an die deut- ket als „zum
sche EU-Ratspräsidentschaft, nicht wei- Teil rechts-
ter auf eine "militärische Lösung" an den staatswidri-
europäischen Außengrenzen zu setzen. ges Abschot-
„Schnelle Eingreiftruppen“ der Euro- tungswerk“.
päischen Union – mit einsatzbereiten Der Deut-
Waffen ausgestattet – sind Ausdruck ei- sche Bun-
ner Politik der Verantwortungslosigkeit. destag be-
Europa macht sich damit mitschuldig am schließt nun
weiteren Tod von Schutzsuchenden und in einem
verspielt jegliche Glaubwürdigkeit im Hauruckver-

12 : antifaschistische nachrichten 13-2007


selbst wenn sie rechtswidrig
sind (§§ 34a, 27a, 26a
AsylVfGE).
Das Rechtsstaatsprinzip
wird verletzt, wenn Asylsu-
chende künftig allein wegen
des Verdachts einer ander-
weitigen Zuständigkeit in
Abschiebungshaft genom-
men werden. Der österrei-
chische Verwaltungsge-
richtshof hat in seinem Be-
schluss vom 30. Januar
2007 (Zl. A 2007/0010) eine
ähnliche Regelung des ös-
terreichischen Fremdenpoli-
zeigesetzes als menschen-
rechtswidrig bewertet, da
sie gegen Art. 5 Abs. 1 lit. f EMRK ver- kungen auf die gerichtliche Entschei- Das Thema Rassismus ist genauso ab-
stoße. dungspraxis haben. wesend wie die Wahrheit in den Worten
Eine Verletzung des Rechtsstaatsprin- Wenn Abschiebungsschutz nach § 60 der Angeklagten und der als Zeugen vor-
zips liegt darin, dass Abschiebungen Absatz 1 Aufenthaltsgesetz nicht in Fra- geladenen Polizisten. Nur zwei Mal ist
künftig nicht mehr angekündigt werden ge kommt, scheint das Bundesamt zu- Rassismus als Thema überhaupt in den
sollen. Etwaige Rechtsmittel können mindest bereit zu sein, eine Anerkennung bisher zehn Verhandlungstagen ange-
dann nicht mehr eingelegt werden. Au- nach § 60 Absatz 7 Aufenthaltsgesetz zu sprochen worden: Einmal, als ein Afrika-
ßerdem sollen Ausländerbehörden mit erwägen. Hierzu gibt es positive Er- ner aus dem Gerichtssaal rausgeworfen
einem vorläufigen Festnahmerecht aus- kenntnisse bereits hinsichtlich alleinste- wurde, weil er –als der rassistische Dia-
gestattet werden, ohne dass sie hierfür hender Frauen. log zwischen Arzt und angeklagtem An-
eine richterliche Anordnung einholen Quelle: Deutscher Caritasverband e.V. ■ dreas Schubert vorgelesen wurde– „Was
müssen. Hierin liegt eine Verletzung des haben wir Euch jemals getan, das Ihr uns
Richtervorbehalts gem. Art. 104 II GG. Bundesweite Demo in so behandelt!“ schrie, und ein zweites
PRO ASYL wird die betroffenen Mal als ein Aktivist der „Initiative in Ge-
Flüchtlinge in ihren Verfahren bis hin Gedenken an Oury Jalloh denken an Oury Jalloh“ auf die Anklage-
zum Europäischen Gerichtshof unterstüt- Dessau. Am 23. Juni demonstrierten ca. bank gesetzt wurde, weil er angeblich ei-
zen. gez. Günter Burkhardt 1000 Menschen in Dessau, um an Oury nen anwesenden NPD-Kader beleidigt
Geschäftsführer Pro Asyl ■ Jalloh zu erinnern der am 7. Januar 2005 hatte.
an Händen und Füßen gefesselt in einer Zu alldem kommt noch ein Skandal in
Asylfolgeantrag für Polizeizelle verbrannte. Die offizielle den Medien: Hans-Christoph Glombitza,
These: Selbstmord. leitender Polizeidirektor Dessaus, sagte
Christen aus dem Irak Hier Auszüge aus dem Aufruf zur De- bei einem Treffen mit drei Staatsschüt-
Das Bundesamt in Nürnberg hat seine monstration: zern über die Bekämpfung rechtsextre-
Entscheidungspraxis gegenüber Christen Am 27. März 2007, wurde ein Ge- mistischer Straftaten, „man muss doch
aus dem Zentralirak und dem Südirak richtsverfahren gegen zwei Polizeibeam- nicht alles sehen“. Ergänzend erklärte er,
anscheinend geändert. Das Amt nimmt te, die möglicherweise für den Tod Oury dass Regierungsprogramme wie die Ak-
jetzt eine Gruppenverfolgung gemäß § Jallohs verantwortlich sind, in Dessau tion „Hingucken!“ sowieso nur für die
60 Absatz 1 Aufenthaltsgesetz durch begonnen. Sie sind jeweils angeklagt we- Galerien seien. Volker Bittermann, lei-
nichtstaatliche Akteure an, wenn die Zu- gen Körperverletzung mit Todesfolge tender Staatsanwalt Dessaus, hat seiner-
gehörigkeit zu einer christlichen Glau- und fahrlässiger Tötung. Bei der Anklage seits die Ermittlungen diesbezüglich
bensgemeinschaft nachgewiesen werden der Staatsanwaltschaft – die einzige In- schon eingestellt.
kann. stanz, die in Deutschland in so einem Ihrerseits sieht die Dessauer Polizei
Geprüft wird offenbar weiterhin, ob Fall klagen darf – spielt weder Rassis- den Prozess als Gelegenheit, Aktivisten
der Nordirak eine inländische Fluchtal- mus noch irgendein anderer möglicher der „Initiative in Gedenken an Oury Jal-
ternative darstellen kann bzw. ob eine Hintergrund der Tat eine Rolle. Die An- loh“ zu kriminalisieren und zu verfolgen.
freiwillige Rückreise in den Nordirak klage geht ausschließlich von einer The- Etwa hundert Polizisten mit Hunden be-
möglich ist. Dies kann angenommen se aus: Selbstmord. Ein gebrochenes Na- waffnet schützen das Gerichtsgebäude
werden, wenn dort Angehörige leben, die senbein und ein verletztes Mittelohr, Ver- innen und außen. Nicht nur die Prozess-
zur Aufnahme und Unterstützung von letzungen, die bei der zweiten, von der beobachter sind schweren Sicherheits-
Rückkehrern in der Lage sind. Umge- Nebenklage finanzierten Obduktion ent- vorkehrungen ausgesetzt, auch Aktivis-
kehrt wird es regelmäßig nicht der Fall deckt worden waren, gelten dabei nicht ten der Initiative werden durch gezielten
sein, wenn dort keine Verwandten be- als Teil der gerichtlichen Beweislage. Personalienkontrollen versucht einzu-
kannt sind. Der bisherige Verlauf des Prozesses ist schüchtern.
Die vorgenannten Kriterien sind für nicht mehr als die Bestätigung unseres Die Arroganz und das fehlende
einen Asylfolgeantrag oder für ein Asyl- tiefsten Misstrauens. Über zwei Jahre menschliche Verständnis – vor allem ge-
klageverfahren wichtig. Anscheinend verurteilten wir ständig die Vertuschung genüber Menschen nicht-europäischer
will das Bundesamt auch in bereits lau- und Verschleppung der Wahrheit in der Herkunft – innerhalb der Polizei und in
fenden Gerichtsverfahren diese Praxis Öffentlichkeit. Wie zu erwarten war, äh- der Gesellschaft im Allgemeinen ist das,
anwenden und positive Entscheidungen neln sich die Aussagen der vorgeladenen was es erlaubt, dass Menschen wie Oury
widerspruchslos anerkennen. Damit Polizisten auffallend: Alle können sich Jalloh, solche grauenhaften Tode sterben
dürfte die neue Entscheidungspraxis des perfekt erinnern - außer an das was den müssen.
Bundesamtes ebenfalls positive Auswir- Tod Oury Jallohs betrifft. Mehr Infos: http://thecaravan.org ■

: antifaschistische nachrichten 13-2007 13


: neuerscheinungen, ankündigungen
schistisches Wirken
in Funk und Fernse-
hen.
Völkermord statt bei Behinderte, Sinti und Das Buch von
Holocaust. Jude und Roma und auch Homosexuel- Mathias Krauß wen-
Judenbild im le als Opfergruppe unter den det sich einerseits an
Tisch. Aber die kritische Aus- die ostdeutschen Le-
Literaturunterricht einandersetzung mit dieser ser, erinnert sie an
der DDR Einseitigkeit der Opferbe- jene interessanten
War die DDR antisemitisch? trachtung hat in vielen Teilen Themen zur Ausei-
War allein der kommunisti- Europas ihre eigene schwieri- nandersetzung mit
sche Widerstand Thema im ge und langwierige Geschich- Krieg, Völkermord
Schulunterricht? Hat die te. Auch die Profilierung des und Faschismus, de-
DDR-Schule vierzig Jahre kommunistischen Widerstan- nen kaum ein Schü-
lang den Holocaust ver- des in der DDR gegenüber ler unter dem Diktat
schwiegen? Viele Fragen und vielfältigen anderen Wider- des Einheitslehrpla-
unterschiedliche Antworten, standsformen findet in der nes entgehen konnte.
denn vieles ist mittlerweile Überhebung des militärischen Es zeigt dem Leser
vergessen und ein schräges Widerstandes und dem zeit- aber auch mögliche
DDR-Bild fast schon ge- weiligen Verschweigen jegli- Interpretationen des
wohnter Alltag. chen Widerstandes sein durch Lesestoffes auf, die in der Demonstrationen von Ge-
Erst kürzlich hat sich die den kalten Krieg geprägtes DDR unter den Tisch fielen werkschaften und sozialen
Wochenzeitung „Freitag“ westdeutsches Pendent. oder nur selten aufgegriffen Bewegungen, um sie für ihre
ausführlich damit beschäftigt, Den westdeutschen Leser wurden. Dabei wird der eins- antidemokratischen und ras-
ob und wie die DDR antise- wird überraschen, dass allein tige Schulstoff um Informa- sistischen Ziele zu missbrau-
mitisch war. Antisemitismus, 85 Texte jüdischer Autoren tionen ergänzt, die im Unter- chen.
Antizionismus und antiimpe- im Anhang ausgewählt wer- richt keine Rolle spielten, ob- Welche politischen Ziele
rialistische Kritik an der Poli- den, die zum Lehrstoff des wohl sie zur Einordnung und dabei verfolgt werden, zeigt
tik Israels wurden dabei von- Literaturunterrichtes der das Verständnis des jeweili- die Broschüre „Trittbrettfah-
einander unterschieden. Wie DDR zählten und von denen gen Werkes wichtig gewesen rer der sozialen Frage: Sozial-
nötig das ist, zeigt die aktuel- er in seinem eigenen Schul- wären. Das Buch wendet sich demagogie von NPD und
le Diskussion, in der immer unterricht vielleicht kaum et- auch an den westdeutschen Neonazis“, die der DGB Bun-
wieder jegliche Kritik an der was gehört hat. Ausführlich Leser, dessen Bild vom desvorstand, Bereich Migrati-
Politik Israels schnell als anti- wird in diesen Texten auch Schulunterricht der DDR aus ons- und Antirassismuspolitik
semitisch abgetan wird. auf das Thema Judenverfol- nachvollziehbaren Gründen herausgegeben hat. Sie macht
Mathias Kraus hat sich nun gung eingegangen. Ein Fazit sicher deutlich anders ausfällt deutlich, dass die extreme
mit den Wurzeln dieser Dis- des Autors: Wenn Defizite und der hier mit einer literari- Rechte zwar soziale Miss-
kussion in der DDR beschäf- vorhanden waren – den für schen Welt konfrontiert wird, stände, Zukunfts- und Exis-
tigt – speziell mit der Ausein- die Deutschstunde ausge- von deren Existenz er mögli- tenzängste in der Gesellschaft
andersetzung um Faschismus wählten Werken jedenfalls cherweise bislang nichts ge- aufgreifen, diese jedoch auf
und Holocaust im Schulunter- können sie nicht angerechnet ahnt hat. ihre altbekannten rassisti-
richt der DDR. Tatsächlich werden. Bezeichnend ist auch Axel Holz ■ schen und nationalistischen
hat sich die DDR-Schule mit die Auseinandersetzung mit Mühlen lenken.
dem Judentum so wenig be- der Judenverfolgung im fa- Mathias Krauß: Völker- Die Broschüre diskutiert
schäftigt wie mit dem Chris- schistischen Deutschland au- mord statt Holocaust. Jude nicht nur die rechten Vorstel-
tentum und dem Islam. Auch ßerhalb des Unterrichts. Der und Judenbild im Literatur- lungen in Bezug auf Gewerk-
wird man den Begriff Holo- Roman von Peter Edel „Die unterricht der DDR, Ander- schaft, Sozialpolitik für die
caust in den Schulbüchern, Bilder des Zeugen Schatt- beck-Verlag 2007, 14,80 Volksgemeinschaft und Glo-
Lehrbüchern und Unterrichts- mann“ etwa und dessen vier- Euro, ISBN 978-3-937751- balisierungskritik sondern
materialien der DDR nicht teilige Verfilmung des DDR- 39-9 zeigt auch in einem histori-
finden. Statt dessen ist vom Fernsehens aus dem Jahre schen Abschnitt Wirtschaft
Völkermord die Rede, den es 1973 zeigt detailliert den Ras- im „Dritten Reich“ auf.
tatsächlich nicht nur an jüdi- sismus, das perfide System Trittbrettfahrer der Ein großer Serviceteil gibt
schen Menschen fast aller eu- der Judenverfolgung und de- Anregungen, wie Gewerk-
ropäischen Völker gab, son- ren Leben in Angst und sozialen Frage schaften und andere gegen
dern auch an den Polen, Schrecken, die Kollaboration Broschüre zur Sozialdema- Rechts aktiv werden können.
Weißrussen, Ukrainern und der deutschen Nachbarn aber gogie von Neonazis Im Betrieb und in der Gesell-
den Völkern Jugoslawiens. auch die erfahrene Solidarität Soziale Themen spielten für schaft, in der Bildungsarbeit
Wurde wegen dieses anders auf. Der Hauptdarsteller Gun- Neonazis lange Zeit keine und überall dort, wo es darum
verwendeten Begriffes das ter Schoß war beim Thema Rolle. Rechtsextreme Partei- geht, sich Neonazis in den
Thema Judenverfolgung im Völkermord in seiner eigenen en haben sich neoliberale Weg zu stellen.
DDR-Unterricht negiert? Kei- Familie auf eisernes Schwei- Programme gegeben oder
neswegs, denn allein über gen gestoßen. Kein Wunder, zeigten sich unternehmer- 48 Seiten A4, Herausgeber:
dreißig Texte setzten sich in denn seiner Vater war aktiver freundlich. Inzwischen haben DGB-Bundesvorstand, Be-
den Schulbüchern von der SS-Offizier. Die Auseinander- sie ihre Strategie geändert reich Sozialpolitik u. Migra-
sechsten bis zwölften Klasse setzung mit dem faschisti- und versuchen sich mehr und tions- und Antirassismuspo-
mit den Themen Faschismus, schen Völkermord hatte ihm mehr als Vertreter des kleinen litik, Postfach 11 03 73,
Widerstand, Judenverfolgung, erst die Schule ermöglicht Mannes zu inszenieren. 10833 Berlin, Download:
KZ und Völkermord ausei- und damit die Grundlage ge- Dabei drängen Neonazis http://www.dgb.de/the-
nander. Zweifellos fielen da- legt für sein eigenes antifa- sogar in Veranstaltungen und men/themen_a_z/abiszdb/

14 antifaschistische nachrichten 13-2007


: aus der faschistischen
abisz_search?kwd=Rassismus&show Wissen über die NS-Zeit, die vielleicht
single=1 mehr bewegt als manches Sachbuch.
Presse
oder unter:
www.gelbehand.de/trittbrettfahrer Herausgeber ist die „Initiative gegen
das Vergessen – Zwangsarbeit in Rechte Sorgen wegen
Das kurze Leben der Zofia Schweinfurt“, Verlag Rudolph &
Enke, Ebertshausen, ISBN 978-3- Linkspartei
Malczyk 931909-09-3 Junge Freiheit, Nr. 25/2007, 15. Juni
Im März 2007 wurde in Schweinfurt ein Junge Freiheit-Autor Michael Paulwitz
Gedenkstein eingeweiht, der daran erin- Antifaschismus in Europa sorgt sich über die politische Entwick-
lung der Bundesrepublik: „Auf dem Weg
Ende Mai erschien die Dokumentation in die linke Republik“ wird da prophe-
der gemeinsamen Konferenz der FIR zeit und vermutet, dass die Linkspartei
und der GUE/NGL – Fraktion im Euro- und die SPD über kurz oder lang zusam-
päischen Parlament „60 + 1 Jahr Antifa- menarbeiten werden. Paulwitz vergleicht
schismus in Europa“. Unter den Über- das mit den „Dachlatten“ des inzwischen
schriften „Die politische Gefahr der ex- verstorbenen hessischen Ministerpräsi-
tremen Rechten“, „die politische Arbeit denten Börner, die der gegenüber den
der antifaschistischen Verbände“, „Um- Grünen schwang, um anschließend mit
gang mit Geschichte und Gedenkstät- ihnen zu koalieren. Dabei sei der Name
ten“ und „Herausforderungen und Per- „Die Linke“ schon genial.
spektiven des antifaschistischen Kamp- Was ist aber mit der Rechten? Das
fes heute“ sind auf 136 Seiten alle ein- Blatt beklagt, dass die CDU eine Stabili-
gereichten Beiträge der Konferenz in sierung der Rechten nicht machen wür-
deutscher Sprache abgedruckt. de: „In dieses Abseits hat die Union sich
Auch einige Monate nach der Konfe- seit den achtziger Jahren selbst manö-
renz sind diese Texte immer noch von viert, indem sie sich kurzfristig und ohne
großer Aktualität, da sich die politischen Rücksicht auf spätere Koalitionsoptio-
Probleme, zu denen sie Stellung neh- nen lästige Stimmenkonkurrenz auf der
nert, dass am 21. März 1945, wenige men, nicht grundlegend verändert haben. Rechten im Schulterschluss mit der Lin-
Tage vor dem Ende des II. Weltkrieges Dabei sind die Texte eindrucksvolle Zei- ken per ,Faschismuskeule‘ vom Hals
eine polnische Zwangsarbeiterin von chen der politischen Vielfalt der Arbeit schaffte. Der Preis dafür war die Aufgabe
Nazi-Polizisten ohne Urteil hinterrücks der Mitgliedsverbände der FIR in Ost-, des Antitotalitarismus, der linken und
erschossen wurde. Die ermordete Zofia Mittel- und Westeuropa. rechten Extremisten gleichermaßen galt,
Malczyk war im siebten Monat schwan- Die Dokumentation ist im Pahl – Ru- und die Übernahme der ,antifaschisti-
ger. genstein - Verlag, Bonn erschienen. Der schen‘ Ideologie, mit der die delegiti-
Mit diesem NS-Verbrechen und der Ladenpreis beträgt 12,00 Euro. Mitglie- mierte Staatspartei SED als ,PDS‘ ihren
juristischen Aufarbeitung des Falles be- der der FIR können den Band über die Hals gerettet hat ... Der zum ,Antifa-
schäftigt sich auch eine Broschüre, die FIR für 10,00 Euro (zuzüglich Porto) er- schismus‘ übergelaufenen CDU fehlt al-
jetzt erschienen ist. Neben der ausführ- halten. Bestellungen sind per Fax bzw. lerdings zur offensiven Entzauberung der
lich dargestellten Geschichte der Zofia Brief an das Büro der FIR in Berlin ,Linken‘ Mut und Glaubwürdigkeit. Statt
Malczyk sind ergänzende Materialien (Franz-Mehring-Platz 1, D – 10243 Ber- dessen wird sie sich wohl oder übel dem
zur Lage polnischer Zwangsarbeiter lin, Fax ++49-(0)30 - 29784179) zu Linksruck anschließen, um überhaupt
und zu den Nutznießern der Zwangsar- richten oder per E-Mail an dr.u.schnei- noch mitspielen zu dürfen. Der Vor-
beit in der Region Schweinfurt aufge- der@arcor.de marsch der ,Linken‘ und das Versagen
nommen. Eine ansprechend gestaltete Eine zweisprachige Ausgabe in engli- der Union könnte aus Deutschland eine
Broschüre, die ein Stück Regionalge- scher und französischer Sprache ist für ganz andere Republik machen.“
schichte aufarbeitet und damit – auch den Herbst in Vorbereitung. Dieses Bedrohungsszenarium von
wenn die Tat bereits über 60 Jahre zu- Fédération Internationale des Résis- „Links“ ist zwar total übertrieben. Die
rückliegt – eine Facette hinzufügt zum tants (FIR) – Association Antifasciste ■ Redaktion der JF sieht aber zu Recht ein
Problem. Wahlforscher gehen davon aus,
dass sich in Zukunft öfter Dreier-Koali-
Der Herausgabekreis und die Redaktion sind zu erreichen über:
GNN-Verlag, Zülpicher Str. 7, 50674 Köln Tel. 0221 / 21 16 58, Fax 0221 / 21 53 73. tionen bilden werden. Da ist Rot-Rot-
email: antifanachrichten@netcologne.de, Internet: http://www.antifaschistische-nachrichten.de Grün eine Option. Im sogenannten rech-
Erscheint bei GNN, Verlagsges. m.b.H., Zülpicher Str. 7, 50674 Köln. V.i.S.d.P.: U. Bach ten Lager gibt es aber nur zwei Parteien:
Redaktion: Für Schleswig-Holstein, Hamburg: W. Siede, erreichbar über GNN-Verlag, Neuer Kamp 25, CDU und FDP. Der Chefredakteur Dieter
20359 Hamburg, Tel. 040 / 43 18 88 20. Für NRW, Hessen, Rheinland Pfalz, Saarland: U. Bach, Stein macht sich über die Rechte Sorgen
GNN-Verlag Köln. Baden-Württemberg und Bayern über GNN-Süd, Stubaier Str. 2, 70327 Stuttgart, Tel.
0711 / 62 47 01. Für „Aus der faschistischen Presse“: J. Detjen c/o GNN Köln. und schreibt in der darauffolgenden Aus-
Erscheinungsweise: 14-täglich. Bezugspreis: Einzelheft 1,30 Euro. gabe Nr. 26/2007: „Und rechts? Wo ist
Bestellungen sind zu richten an: GNN-Verlag, Zülpicher Str. 7, 50674 Köln. Sonderbestellungen sind „Die Rechte“? CDU/CSU? Sie ist eine
möglich, Wiederverkäufer erhalten 30 % Rabatt. Partei der Mitte. Sagt die Union. Und
Die antifaschistischen Nachrichten beruhen vor allen Dingen auf Mitteilungen von Initiativen. Soweit ein- rechts daneben? Was ist mit der anderen
zelne Artikel ausdrücklich in ihrer Herkunft gekennzeichnet sind, geben sie nicht unbedingt die Meinung Hälfte des „demokratischen Spek-
der Redaktion wieder, die nicht alle bei ihr eingehenden Meldungen überprüfen kann. trums“? Wie, das gibt es nicht? Rechts
Herausgabekreis der Antifaschistischen Nachrichten: Anarchistische Gruppe/Rätekommunisten (AGR); Annelie Bun-
tenbach (Bündnis 90/Die Grünen); Rolf Burgard (VVN-BdA); Jörg Detjen (Forum kommunistischer Arbeitsgemeinschaf-
neben der Union gähnt ein Abgrund, aus
ten); Martin Dietzsch; Regina Girod (VVN - Bund der Antifaschisten); Dr. Christel Hartinger (Friedenszentrum e.V., Leip- dem uns V-Leute des Verfassungsschut-
zig); Hartmut-Meyer-Archiv bei der VVN - Bund der Antifaschisten NRW; Ulla Jelpke (MdB); Marion Bentin, Edith Berg- zes entgegenwinken, lesen Sie in der
mann, Hannes Nuijen (Mitglieder des Vorstandes der Arbeitsgemeinschaft gegen Reaktion, Faschismus und Krieg–
Förderverein Antifaschistische Nachrichten); Kreisvereinigung Aachen VVN-BdA; AG Antifaschismus/ Antirassismus in
Zeitung? Skandalös, meinen Sie? Nein,
der PDS NRW; Angelo Lucifero (Landesleiter hbv in ver.di Thüringen); Kai Metzner (minuskel screen partner); Bernhard das ist der ganz normale Wahnsinn in
Strasdeit; Volkmar Wölk. Deutschland. weiter Seite 16

: antifaschistische nachrichten 13-2007 15


: aus der faschistischen Presse
ihren Reihen weitergemacht hätte. Hans
Filbinger, 1937 der NSDAP beigetreten,
Dank der politischen Kultur und einer EU, rechter Antiamerikanismus, Kritik der wechselte jedenfalls zur CDU. Ob dies aus
medialen Schweigespirale, erscheint es Globalisierung, Antisemitismus, Rassis- tiefinnerer Überzeugung oder aus Karrie-
derzeit undenkbar, dass das breit differen- mus. Dabei lernt man zwar neue rassisti- re-Erwägungen geschah, läßt sich nicht
zierte linke Parteienspektrum ein Äquiva- sche Perfiditäten kennen, wie die Bezeich- klären; dazu müßte man in den Köpfen le-
lent erhält. Dies wäre im Sinne einer intak- nung „Wirtsvölker“ für die meist weißen sen können.
ten und lebendigen Demokratie begrü- Bewohner des reichen Nordens im Ver- Fest steht, daß es weder bei der CDU
ßenswert und ein erfrischendes Gegenmit- hältnis zu Migranten (Wirtsvölker werden noch bei der NSDAP einen Beitrittszwang
tel zur Politikverdrossenheit. Nur: Die po- in der Biologie Organismen genannt, von gab. Das belegen, ganz nüchtern und sach-
litische Impotenz ist „rechts“ zu einem denen Parasiten leben), aber kaum neue lich, die Mitgliederzahlen. Nach dem Zu-
Gutteil hausgemacht. Inkompetenz, Versa- Gedanken. sammenbruch politischer Systeme be-
gen, Sektierertum sind hier Quelle der po- Anlass zu einem gewissen Amusement, haupten deren Nutznießer aus Selbst-
litischen Abstinenz.“ jöd ■ soweit es bei der Lektüre von N&E über- schutzgründen zwar gern, sie seien zum
haupt möglich ist sich zu amüsieren, gibt Parteieintritt gezwungen oder sogar ohne
Ex-Nazis: Opportunisten ein Beitrag von Klaus Hansen, der sich ihr Wissen aufgenommen worden. Aber
unter dem Titel „Warum sich die CDU im- im Dritten Reich waren 90 % der Deut-
oder ehrlich Überzeugte? mer wieder blamiert: Das Oetinger-Syn- schen keine NSDAP-Mitglieder. Wer der
Nation & Europa Mai 2007 drom“ mit dem Phänomen des politischen Partei beitrat, war entweder überzeugter
Ein interessantes und grafisch gelungenes Opportunismus beschäftigt. Die Abnei- Nationalsozialist oder versprach sich von
Titelbild lässt nicht unbedingt auf einen gung gegen diese Charaktereigenschaft der Mitgliedschaft persönliche Vorteile.
ebensolchen Inhalt schließen – auch wenn lässt Hansen interessante Wahrheiten ver- Die genauen Beweggründe blieben das
natürlich genau dieser Eindruck bei den künden: Geheimnis derer, die sich per Aufnahme-
Leser(inne)n erweckt werden soll. Einen „Als Hitler im Januar 1933 mit dem antrag verpflichteten, ,als treuer Gefolgs-
typischen Fall solch publizistischer Ross- Kanzleramt betraut wurde, hatte die mann des Führers die Partei mit allen mei-
täuscherei stellt die Maiausgabe von „Na- bis dahin oppositionelle NSDAP rund nen Kräften zu fördern‘“. Dem gibt es
tion & Europa“ dar: Bonnie und Clyde, 850 000 Mitglieder. Bis Mitte Mai 1945 nichts hinzuzufügen.
beide mit einem Revolver im Anschlag, im verzehnfachte sich diese Zahl auf insge- Anton Vergeiner berichtet unter der
Hintergrund eine amerikanische Klein- samt 8,5 Millionen. Es wären sicherlich Überschrift „Vorbild Leonidas“ begeistert
stadtstraße aus den dreißiger Jahren zieren noch mehr gewesen, wenn sich die Partei über „ein Kino-Epos über die Spartaner“,
den Umschlag. Allerdings kommen einem nicht mit einer jahrelangen Aufnahme- das Hollywood-Machwerk „300“. Dieser
die Gesichter des US-amerikanischen Ver- sperre gegen bloße Mitläufer und Karrie- Film wird so beschrieben: „...zahllose Ein-
brecherpärchens merkwürdig bekannt vor. risten zu wehren versucht hätte. Austritte stellungen, in denen aus nächster Nähe
Kein Wunder, handelt es sich doch um die gab es kaum. Die meisten Nationalsozia- und in Zeitlupe Körperglieder abgetrennt
von US-Präsident Bush und Bundeskanz- listen verloren ihre Mitgliedschaft werden, sattrotes Blut spritzt,...“. Kein
lerin Merkel, die, ein seltenes Bild, die Be- zwangsläufig, als die Alliierten im Okto- Film also für die Leser(innen)gemeinde
trachter sogar anlächelt. Titel des Politstil- ber 1945 die Partei auflösten und verbo- von „Nation & Europa“, wäre da nicht der
lebens: „Wie Bonnie und Clyde: Gesetzlos ten.... Möglicherweise hätte sich eine nicht absolut Nazi-kompatible Inhalt und die
durch die Welt“. Dass der Vergleich hinkt, aufgelöste NSDAP nach 1946 ähnlich SS-Ästhetik: „“...während er die Spartaner
die historischen Vorbilder raubten Banken (wie die SED - tri) entwickelt. Durch das mit allen Attributen des Schönen und
aus während es absolut unvorstellbar ist, alliierte Verbot aber waren ihre Mitglieder Ebenmäßigen ausstattet, zeichnet er die
dass die beiden Politgrößen über finanziel- gezwungen, sich entweder auf die anderen ,Bösen‘, Xerxes’ Perser, nachgerade als
le Umverteilungen zu Lasten des Eigen- Parteien zu verteilen oder gänzlich des po- Auswurf der Unterwelt. In ihren Reihen
tums von Geldinstituten auch nur nach- litischen Engagements zu entsagen. Unter tummeln sich nicht nur Ninjakämpfer mit
dächten, gerät dabei in Vergessenheit. jenen Bedingungen konnten sich die Un- silbernen Gesichtsmasken und dinosau-
Ein hübsches Titelbild also – dahinter terschiede zwischen Mitläufern und Über- rierhafte Kampfnashörner (!), sondern
folgt allerdings fast nur geistige Ödnis. zeugten nicht herauskristallisieren, blieb auch Heerscharen von Verschnittenen,
Mehr oder minder lustlos werden die obli- unbeantwortet, wer die Nationalsozialisti- Mutanten und Mißgestalteten. Xerxes sel-
gatorischen Themen abgehandelt: sche Deutsche Arbeiterpartei nach ihrer ber mutet an wie aus der New Yorker
Schlamperei und Verschwendung bei der Entmachtung freiwillig verlassen oder in Schwulenszene live dazugeschaltet.... da-
für liefert ,300‘ eine Botschaft, die im
deutschen Kino lange nicht mehr zu hören
BESTELLUNG: Hiermit bestelle ich … Stück pro Ausgabe (Wiederverkäufer erhalten 30 % Rabatt)
war. Leonidas’ Spartaner reden zwar nicht
O Halbjahres-Abo, 13 Hefte 22 Euro
Erscheinungsweise: allzu viel – die berühmte ,lakonische Kür-
O Förder-Abo, 13 Hefte 27 Euro 14-täglich ze‘ – doch wenn, dann beschwören sie
O Jahres-Abo, 26 Hefte 44 Euro
ohne übertriebene Reflektion Werte wie
O Förder-Abo, 26 Hefte 54 Euro
Pflicht, Ruhm und Vaterlandsliebe. Sie
O Schüler-Abo, 26 Hefte 28 Euro
verteidigen ihre Heimat und mit ihr eine
O Ich möchte Mitglied im Förderverein Antifaschistische Nachrichten werden. Der Verein unterstützt finanziell
und politisch die Herausgabe der Antifaschistischen Nachrichten (Mindestjahresbeitrag 30,- Euro). Ordnung, die auf ,Vernunft und Recht‘ be-
Einzugsermächtigung: Hiermit ermächtige ich den GNN-Verlag widerruflich, den Rechnungsbetrag zu Lasten
ruht, wie es einmal heißt – während die zu
meines Kontos abzubuchen. (ansonsten gegen Rechnung) Millionen herandrängenden Perser nichts
als pure Masse, Dekadenz, Grausamkeit
Name: Adresse: und den amorphen Kosmopolitismus eines
weltumspannenden Riesenreiches aufzu-
Konto-Nr. / BLZ Genaue Bezeichnung des kontoführenden Kreditinstituts bieten haben. Ihre Einpeitscher und Führer
läßt Snyder interessanterweise durchweg
Unterschrift von Farbigen spielen“.
Wie schön, dass der so gelobte Streifen
GNN-Verlag, Zülpicher Str. 7, 50674 Köln, Tel. 0221 – 21 16 58, Fax 21 53 73, email: gnn-koeln@netcologne.de
Bankverbindung: Postbank Köln, BLZ 370 100 50, Kontonummer 10419507
kaum noch irgendwo läuft.
tri ■

16 : antifaschistische nachrichten 13-2007

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