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:antifaschistische Nr.

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nachrichten g 3336 20.9.2007 23. jahrg./issn 0945-3946 1,30 ¤
www.antifaschistische-nachrichten.de

München. Mindestens zwei 15000


Gruppierungen der extremen Menschen
Rechten wollen bei der Kommu- demons-
nalwahl 2008 den Sprung in das Münch- trierten
ner Rathaus schaffen. Neben der im Januar am 15.9.
2006 gegründeten „Bürgerbewegung Pro in Berlin
München – patriotisch und sozial“ plant unter
nun auch eine „Bürgerinitiative Auslän- dem
derstop München (BIA)“ eine Kandidatur Motto
für den Münchner Stadtrat. Ein entspre- „Bundes-
chender Internetauftritt „Ausländerstopp wehr
München“ ist in Vorbereitung. Domain-In- raus
haber ist der NPD-Funktionär und bayeri- aus
sche JN-Landesvorsitzende Norman Bor- Afgha-
din. Das Vorhaben wird vom NPD-Bun- nistan“,
desvorstand und dem bayerischen NPD- Bericht
Landesvorstand unterstützt. Der bayeri- Seite 5
sche Landesvorsitzende der NPD, Ralf Ol-
lert, sitzt als Vertreter der örtlichen „Bür-
gerinitiative Ausländerstop“ bereits seit
2003 im Nürnberger Stadtrat.
Dieser weitere Wahlvorschlag dürfte Spaltung der extremen
für einige Irritationen in der rechten Szene
Münchens sorgen. Ursprünglich war unter
Beteiligung zahlreicher bekannter
Rechten in München
Münchner Neonazi-AktivistInnen näm- München“ um ein durchaus ernstzuneh- heißt es zur Gründung der „BIA“. Tat-
lich „Pro München“ als Sammlungsbewe- mendes Projekt handelt, lässt sich aus der sächlich aber dürfte es sich um eine Spal-
gung für die Wahlen gegründet worden. Präsentation ihres Spitzenkandidaten tung der extremen Rechten in München
Auch NPD-Vertreter waren und sind bei schließen. Der Münchner Publizist Karl handeln, ein knappes halbes Jahr vor den
„Pro München“ aktiv. Der NPD-Vize- Richter, momentan als Chef des parla- bayerischen Kommunalwahlen. Das so
Landesvorsitzende Roland Wuttke war mentarischen Beraterstabs der sächsi- genannte „Münchener Bekenntnis“, im
Protokollant der Gründungsversamm- schen NPD-Landtagsfraktion tätig, soll Januar 2005 auf dem „7. politischen Neu-
lung, an der auch Norman Bordin teil- den Wahlkampf führen. jahrstreffen“ rechter Gruppierungen in
nahm. Erst vor kurzem bezeichnete Rüdi- Der in München und Dresden lebende München-Pasing pathetisch verkündet,
ger Schrembs die „Bürgerbewegung“ als 45-jährige Karl Richter war Mitbegründer scheint das Papier nicht mehr wert zu
„Bündelung aller patriotischen Kräfte“. der neonazistischen „Deutschen Liga für sein, auf dem es verfasst wurde. Darin
Schrembs ist einer der Sprecher von „Pro Volk und Heimat“ und Chefredakteur der war unter anderem davon die Rede, dass
München“ und gleichzeitig Mitglied des neonazistischen Theoriezeitschrift „Nation „der Weg zum politischen Erfolg nur ge-
NPD-Landesvorstands. Treibende Kraft und Europa“ (Coburg). Dort plädierte er meinsam möglich ist“, Wahlbündnisse
bei „Pro München“ sind daneben Funk- 2004 beispielsweise für eine zeitgemäße Normalität werden sollten und dass der
tionäre der extrem rechten Splitterpartei „Rassenkunde“ und nannte Freiheit und „Bruderkampf der deutschen Patrioten“
„Deutsche Partei“ (DP), wie Stefan Wer- Demokratie „Pseudowerte“. (Dass Richter eingestellt sei. Wenn nun auch noch, wie
ner (2005 noch Bundestagskandidat der aus der Burschenschaft Danubia kommt, bereits angekündigt, die Republikaner zur
NPD) und Wolf Peter Bombolowsky. wie A.I.D.A. schreibt, wurde von dieser in- Wahl antreten, dürfte es rechts von der
Aus NPD-Kreisen wird „Pro Mün- zwischen per Gegendarstellung in der „Jun- CSU ein ganz schönes Gedränge geben.
chen“ vorgeworfen, die erfolgreiche Ent- gen Welt“ vom 14.9. bestritten, d. Red.) Die Münchnerinnen und Münchner
wicklung der NPD zu blockieren und „ihr Inhaltlich unterscheiden sich die beiden sollten sich aber nicht zu früh freuen.
eigenes Süppchen“ zu kochen. Schluss- neonazistischen Münchner Wahlprojekte Zwar steigen die Chancen, dass bei ent-
endlich wandten sich führende rechte Ak- bislang kaum. Beide haben als pro- sprechender Aufklärungsarbeit nun keine
tivisten wie Roland Wuttke und Carsten grammatischen Schwerpunkt die Hetze der extrem rechten Organisationen die
Beck von „Pro München“ ab. Dass es sich gegen MigrantInnen und Muslime, beide zum Wahlantritt notwendigen 1000 Un-
bei der „Bürgerinitiative Ausländerstop versuchen, Einfluss auf die Bürgerinitiati- terschriften zusammenbringt. Doch vor
ven gegen den Moscheebau in Sendling allem die NPD-Liste „Bürgerinitiative
zu gewinnen. In der aktuellen Ausgabe Ausländerstopp München“ dürfte sowohl
Bedingt durch den Umzug des der NPD-Zeitung „Deutsche Stimme“ finanziell als auch personell in der Lage
GNN-Verlages am 1. Oktober wird die jüngste Entwicklung als Erfolg sein, eine äußerst aggressive und rassisti-
erscheinen die AN diesmal als verkauft: „(...) dort scheint es jetzt erst- sche Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben.
Doppelnummer. Die Ausgabe Nr. mals gelungen, die „rechte Szene“ an ei- Dem gilt es aktiv etwas entgegenzusetzen.
21 erscheint dann am 18. Oktober. nen Tisch zu bringen und auf einen ge- Antifaschistische Informations-, Dokumenta-
meinsamen Wahlantritt zu vergattern“ tions- & Archivstelle, www.aida-archiv.de ■
: meldungen, aktionen
Es ist begrüßenswert, dass das Ansin-
nen der NPD bei den Betreibern der Bör-
se Coswig auf Ablehnung stößt. Den ein-
„Pro NRW“ jetzt auch im geschlagenen Weg, im Stillen zu hoffen,
Oberbergischen dass „sich das Problem von allein löst“,
wie es die Sächsische Zeitung formuliert,
Oberbergischer Kreis. Angeblich oder der NPD einzig auf verwaltungs-
„über 40 Personen“ hätten an einem ers- rechtlichem Weg die Räume zu verwei-
ten Treffen der „Bürgerbewegung pro gern, hält das Antifa Recherche Team für
NRW“ in Marienheide teilgenommen, so falsch. Die NPD wird dagegen juristisch
die Webseite der extrem rechten „Bür- vorgehen und dies aller Erfahrung nach
gerbewegung pro Köln“. Gleich drei An- erfolgreich. Zuletzt erstritt sie sich im
sprechpartner von „Pro NRW“ gibt es März diesen Jahres die Nutzung des Be-
nun dort: Den „selbstständigen Abfall- ruflichen Schulungszentrums in Pirna für
techniker“ Klaus Oehme aus Marienhei- ihren Landesparteitag.
de, Leser der neofaschistischen Zeit- Wie bei der Börse Coswig handelte es
schrift „Nation und Europa“, den 53jäh- sich um öffentliche Räume, in denen in
rigen Udo Schäfer und Armin Weyrich der Vergangenheit Veranstaltungen ande-
aus Radevormwald. Letzterer sei mal rer Parteien stattfanden.
Vorsitzender der „Jungsozialisten“ in ruf heißt es: „Die Naziszene in der Regi- Der letzte Bundesparteitag fand im
dem Ort gewesen, heißt es. Dies mag on Düren ist seit etwa einem Jahr eine der Herbst 2006 in Berlin, begleitet von we-
lange her sein. Noch 1998 hatte Weyrich aktivsten extrem rechten Zusammenhän- nigen Gegenprotesten, statt. Das Antifa
auf der Landesliste der DVU-NRW für ge in NRW. Zahlreiche NPD-Infostände Recherche Team (ART) Dresden kündigt
die Frey-Partei zum Bundestag kandi- in verschiedenen Städten und Gemeinden daher an, dass davon ausgegangen wer-
diert. Beschlossen wurde auf dem Tref- fanden in der Region statt. Tatsächliche den kann, dass sich in Coswig antifa-
fen ein Aktionsprogramm für den Auf- und vermeintliche politische GegnerInnen schistischer Protest gegen das Neonazi-
bau handlungsfähiger Strukturen vor Ort. der Neonazis werden bedroht und be- Treffen deutlich stärker artikulieren
Vor allem Marienheide, Radevormwald drängt. Die Kneipe „Gütershop” am Ran- wird. Abschließend sei darauf hingewie-
und Gummersbach sollen einen Schwer- de der Dürener Innenstadt hat sich zu ei- sen, dass es typisch für die NPD ist, für
punkt zukünftiger Aktivitäten bilden. nem festen Treffpunkt (nicht nur) der re- derlei Großveranstaltungen mehrere Lo-
Man wolle „der politischen Klasse im gionalen Neonazi-Szene entwickelt. In kalitäten anzumieten, um für eventuelle
Oberbergischen Kreis mit nonkonformen der Gaststätte finden so genannte juristische Streitigkeiten mit den Vermie-
Kampagnen ordentlich Dampf machen‘, „Stammtische”, „Liederabende” und an- tern zusätzlich gewappnet zu sein. Gera-
versprach der ehemalige DVU-Bundes- dere Veranstaltungen der NPD statt. Zu de Bundesländer, in denen sich die NPD
tagskandidat Weyrich. Bei der Kommu- diesen versammelten sich teilweise über in Wahlkämpfen befindet oder auf diese
nalwahl 2009 will man für den Kreistag 100 Neonazis, die nicht nur aus der Regi- vorbereitet, sind dafür prädestiniert. Das
und in Gummersbach, Radevormwald on Aachen / Düren stammten, sondern ART Dresden ruft dazu auf, Proteste ge-
und Marienheide für den Stadtrat kandi- teils aus ganz NRW und sogar dem be- gen den Bundesparteitag der NPD zu or-
dieren. Beworben wurde das „Pro nachbarten Ausland nach Düren anreis- ganisieren oder daran teilzunehmen – in
NRW“-Treffen u.a. im örtlichen „Anzei- ten. Erklärtes Ziel der NPD ist es, bei der Coswig und jeder anderen Stadt.
gen-Echo“. abk ■ Kommunalwahl 2009 auch im Kreis Dü- ART Dresden ■
ren in die kommunalen Parlamente einzu-
Samstags bleibt das Sofa ziehen. In der Region Aachen sitzen Neo- Birger Lüssow eröffnet
faschisten bereits in den Stadträten von
leer! Stolberg, Alsdorf, Erkelenz und den Wahlkreisbüro in Rostock
Düren. Unter dem Motto „22. Septem- Kreistagen von Aachen und Heinsberg. Rostock. Der Rostocker NPD-Landtags-
ber – Kein Platz für Neo-Nazis in Düren“ Ein Ignorieren des Aufmarsches oder abgeordnete Birger Lüssow eröffnete am
haben demokratische Initiativen und Par- kilometerweit entfernte Gegenveranstal- vergangenen Freitag in Rostock ein Wahl-
teien angekündigt, in Düren „wichtige tungen werden der Wirkung des NPD- kreisbüro in der Doberaner Str. 48 d. Sein
Plätze“ zu besetzen. Hintergrund dafür Aufmarsches allein nichts entgegenset- Wahlkreisbüro ist somit offenbar im sel-
ist ein Aufmarsch der NPD mit Unter- zen. In diesem Sinne rufen wir dazu auf, ben Gebäude untergebracht wie der rechte
stützung von Neonazis der so genannten das Sofa leer zu lassen und stattdessen auf Szeneladen East Coast Corner (ECC). Er
„freien Kräfte“ und „Autonomen Natio- nazifreien Straßen spazieren zu gehen.“ habe sein Büro ganz gezielt in den alter-
nalisten“. Zu den „Besetzern“ zählen aus dem Aufruf der Antifa Düren ■ nativen Rostocker Stadtteil KTV gelegt,
Gruppen und Einzelmitglieder des Düre- erklärte Lüssow auf der Homepage der
ner Bündnisses gegen Rechtsextremis- NPD plant Bundesparteitag NPD-Landtagsfraktion. Er wolle somit
mus, Rassismus und Gewalt (BgR). seine Solidarität mit den Betreibern des
Demnach werden Kundgebungen abge- in Coswig bei Dresden ECC bekunden. Dass die Eröffnung des
halten am Kaiserplatz nahe dem Rathaus Dresden. Wie der Sächsischen Zeitung Büros gerade an jenem Standpunkt eine
(Schulen), am Annaplatz (Kirche, Pax Regionalausgabe Dresdner Land zu ent- Provokation ist, verschweigt er sicherlich
Christi und Amnesty International), am nehmen war, plant die Nationaldemokra- ganz bewusst. Der rechte Szeneladen war
Wirteltorplatz (Bündnisgrüne und Grüne tische Partei Deutschlands (NPD) ihren schon mehrfach Auslöser für Demonstra-
Jugend), am Hauptausgang des Bahnho- diesjährigen Bundesparteitag im Herbst, tionen sowohl des linken als auch des
fes (Antifa), in der Kuhgasse (CDU) und am 27./28. Oktober 2007 im sächsischen rechten Lagers.
in der Kölnstraße (Gewerkschaften und Coswig durchzuführen. Als Veranstal- Mit Lüssow haben jetzt insgesamt fünf
SPD). Die Antifa wird nach ihrer Auf- tungsort soll die Börse Coswig genutzt von sechs NPD-Abgeordnete ein Wahl-
taktkundgebung einen Demonstrations- werden. Erfahrungsgemäß nehmen etwa kreisbüro eröffnet: Pastörs und Köster in
zug abhalten, ruft aber zugleich dazu auf, 150-200 Delegierte und ähnlich viele Lübtheen, Müller in Ueckermünde, An-
sich den Neonazis nach Möglichkeit di- Gäste an den jährlich stattfindenden drejewski in Salchow und Lüssow in Ros-
rekt in den Weg zu stellen. In ihrem Auf- Bundesparteitagen der NPD teil. tock. www.endstation-gegen-rechts.de ■

2 :antifaschistische nachrichten 19/20-2007


„Streicht Faschisten von den Listen,
verbietet ihre Partei!“
Hannover. Dies war eine der der NPD heute, forderte „Nazis raus aus Das Ende der Kundgebung und der
Parolen, die u. a. im Demons- unserer Stadt“ und sprach sich eindeutig Beginn der NPD-Veranstaltung fielen auf
trationszug am Samstag, für ein Verbot aus. die ungefähr gleiche Uhrzeit, ein etwas
15.09. gerufen wurde. 8000 Leute, In einem verlesenen Beitrag der Vor- längeres Verbleiben mit dem Krach wäre
vor allem viele Bürgerinnen und Bür- sitzenden des Zentralrats der Juden for- wünschenswert gewesen. Nach der Be-
ger, Gewerkschafter, Mitglieder von derte diese, „die NPD gehört endlich ver- endigung der Kundgebung gab es die
Parteien und geradezu auffallend boten“ und „die Weimarer Republik ist Möglichkeit zum „Fest für Demokratie“,
viele junge Leute haben den Protest- an zu wenig Demokraten gescheitert, zu dem die Stadt aufgerufen hatte, zu ge-
aufruf des Bündnisses „Bunt statt dieses sollte sich nicht wiederholen“. hen.
braun“, gegen den Wahlkampfauf- In keinem dieser Beiträge, besonders Die NPD hatte angekündigt: „Wahl-
takt der NPD zur Landtagswahl 2008 vermisst bei dem Gewerkschaftsvertre- kampfauftakt in Hannover – Signal für
in Hannover, durch ihre Teilnahme un- ter, wurde auf die heutigen gesellschaft- Deutschland. .... Unter der Überschrift
terstützt. lichen Verhältnisse eingegangen. Dieses „Auftakt nach Maß“ bewertet die NPD
tat dann die Vertreterin von Kargah (Ver- ihre Veranstaltung so:
In den Kundgebungsbeiträgen auf dem ein für interkulturelle Arbeit). „Wir sind „In Hannover trafen sich über 800
Opernplatz in der Innenstadt bedauerte Menschen ... .Trotz Presse-
der Oberbürgermeister Weil (SPD) die hetze und weiträumiger Ab-
Tatsache, dass städtische Räume an die sperrungen durch Gegende-
nicht verbotene Partei NPD vermietet monstranten fanden auch
werden mussten und forderte „diese Par- viele Hannoveraner in die
tei muss verboten werden, sie hat hier Eilenriedehalle. Die Besu-
nichts zu suchen“. Die Landesbischöfin cher durften dort einen
der evangelischen Kirche Käßmann be- Wahlkampfauftakt nach
zeichnete die Gewalt und Überfälle der Maß erleben. Der Spitzen-
letzten Tage als Beispiel für rechtes Ge- kandidat Andreas Molau
dankengut und drückte ihr Unverständnis kritisierte insbesondere
aus, „dass so eine Partei nicht verboten Charlotte Knobloch, die
wird“. In einem Atemzug mahnte sie das wieder einmal zum Verbot
Antifaschistische Bündnis „Wenn ihr der Partei aufgerufen hatte.
Gewalt ausübt, setzt ihr die Demonstrati- ‚Ihre Religionsgemein-
on, Freiheit und Demokratie ins Unrecht, schaft, Frau Knobloch, ist
die Polizei schützt unsere Freiheit, bei hierzulande ohnehin über
Gewalt liefert ihr Zündstoff“. Der CDU- ein Teil dieser Gesellschaft, wir müssen privilegiert. Ich versichere Ihnen: Wenn
Vertreter kritisierte insbesondere die uns wiederfinden“ und stellte fest, dass die NPD in Deutschland die Richtlinien
Gruppierungen um die NPD herum und die gesellschaftlichen und politischen der Politik bestimmt, dann können Sie
forderte „die Freiheit“ hochzuhalten. Umstände für Rassismus verantwortlich diese Sonderbehandlung vergessen.
Der Vertreter des DGB kritisierte auf sind. Erfreulich war, dass trotz Abgren- Dann gibt es kein Geld mehr‘“. Neben
die Frage von Journalisten, Molau traten u. a. Voigt, Pastörs, Worch
warum die Veranstaltung auf.
nicht ignoriert werde, dies Der DGB-Regionsvorsitzende Wert-
als Fehler der letzten 20 Jah- müller bewertet die Veranstaltung als
re. „Riesenerfolg für die Demokraten und
Darauf folgte die De- die Hannoversche Zivilgesellschaft“ ...
monstration zum Kongress- Es sei erfolgreich gelungen, ein breites
zentrum, außerhalb der und buntes gesellschaftliches Bündnis
Stadtmitte, dem Tagungsort gegen den braunen Sumpf auf die Beine
der NPD. Das Bündnis von zu stellen. Auftaktkundgebung, Demons-
Antifagruppen, Die LINKE, tration und Abschlusskundgebung seien
Jugendgruppen hatte dazu friedlich verlaufen, allen Unkenrufen
aufgerufen „Lasst uns zu- und Warnungen zum Trotz. Dennoch
sammen den Wahlkampfauf- bleibe ein bitterer Nachgeschmack:
takt der NPD lahm legen! „Dass es uns nicht gelungen ist, diese
Damit der antifaschistische Nazi-Veranstaltung in Hannover zu ver-
Protest nicht zum inhaltsleeren Antiex- zungsversuchen das Antifabündnis einen hindern ...“
tremismus verkommt ...“ Alle Versuche, Beitrag halten konnte. Die Sprecherin Der DGB-Vorsitzende hatte im Vor-
sich dem Veranstaltungsort auch nur zu des Bündnisses griff die Arbeitsbedin- feld der Aktion geschrieben „ich wün-
nähern, wurden von der Polizei abge- gungen und die Hartzgesetze als Nähr- sche mir eine breite gesellschaftliche Be-
wehrt. Das Anliegen, die Wahlkampfver- boden für gesellschaftliche Polarisierung teiligung – jenseits von Grabenkämpfen
anstaltung lahm zu legen, musste bei die- an und verwahrte sich dagegen, dass mit einem gemeinsamen Ziel: Einstehen
sem schützendem Polizeiaufgebot schei- fortschrittlicher Widerstand mit Hetze und Gesicht zeigen gegen Rechtsextre-
tern. gegen NPD durch den Extremismusvor- mismus, Rassismus und Antisemitis-
Auch hier gab es Redebeiträge. Der wurf gleichgesetzt wird. Die Vertreterin mus.“ Dies ist trotz bitterem Nachge-
Landesvorsitzende der IG Metall zog Pa- der VVN wies u. a. auf die Aktion der schmack gelungen. Vor allem mit Unter-
rallelen zu Weimar und dem Auftreten Unterschriftensammlung„Nonpd“ hin. stützung der Jugend. bee ■

: antifaschistische nachrichten 19/20-2007 3


Demo und Straßenfest
gegen Naziladen Showdown in Jena
Rostock. Unter dem Motto „Stadt der Polizei setzt größte Naziversammlung seit 1992 gegen
Kulturen“ ruft das Rostocker Bündnis
„Schöner leben ohne Nazi-Läden“ für
massiven Widerstand durch
den 22. September 2007 alle Bürgerin- Thüringen ist seit langem ein be- Am 18. August war die Polizei brutal
nen und Bürger zu einer Demo gegen deutender Standort rechtsextre- gegen Antifaschisten vorgegangen (viele
Rechtsextremismus und den Nazi-Laden mistischer Ideologieproduktion, Verletzte, 40 Festnahmen), während an-
ECC auf! Sammelpunkt für die Demo ist ein Musterland der Zusammenarbeit von dererseits offenkundige Auflagenverstö-
am Samstag, 22. September 2007, um NPD und Kameradschaften und kulturell ße auf der Heß-Demonstration von der
15.30 Uhr im Friedhofsweg (REWE). ein Nazizentrum mit zwei Rechtsrock- Stadtverwaltung ausdrücklich geduldet
Über die Wismarsche Straße - Saarplatz - konzerten pro Monat. Überfälle stehen wurden. CDU-Landesregierung, Justiz,
Ulmenstraße - Maßmannstraße - Lübe- auf der Tagesordnung. Stadtverwaltung und Polizei haben er-
cker Straße - Doberaner Straße - Loh- Im Laufe des letzten Jahres hat sich heblich an Vertrauen verloren. Die Blo-
mühlenweg - Patriotischer Weg - Kabut- das Land zudem zu einem überregional ckaden am Samstag waren zugleich ein
zenhof geht die bunte Wagenparade zum bedeutenden Aufmarschplatz entwickelt. Protest gegen die Repression und die Be-
Matrosen-DenkMal im Rostocker Stadt- 2006 und 2007 fanden jeweils im August günstigung der Nazis durch den Staat.
hafen. Dort beginnt bereits um 16.30 Uhr die wichtigsten Rudolf-Heß-Märsche der Weitere Eskalation der Polizei-
ein Straßenfest unter dem Motto „Stadt Szene in Jena statt. Am 1. Mai 2007 be- gewalt
der Kulturen“. Mit internationaler Kü- teiligten sich in Erfurt 1300 Personen an
che, Kinderkino, Kabarett, abwechse- der größten Naziversammlung in Thürin- Polizeisprecher und Presse lügen, wenn
lungsreichem Bühnenprogramm, ganz gen seit 1992. sie von einem Deeskalationskonzept am
viel guter Musik und Tanzen gegen Ras- Dieser Rekord wurde auf dem „2. Fest Samstag sprechen. In Wirklichkeit war
sismus wollen das Bündnis „Schöner le- der Völker“ am Samstag erneut gebro- geplant und angekündigt gewesen, „ag-
ben ohne Naziläden“ und viele Ros- chen; die 1500 Teilnehmer reisten zum gressive Verstöße gegen das Versamm-
tocker Bürgerinnen und Bürger ein Zei- Teil sogar aus dem Ausland an. Das lungsrecht“, also Blockaden, zu unter-
chen gegen Fremdenfeindlichkeit, Into- „Fest“ war ein großer Schritt zum Auf- drücken. Dazu kam es nur deshalb nicht,
leranz und Gewalt setzen. Das Bündnis bau einer Europäischen Nationalen Front weil die Polizei überfordert war durch
setzt sich konsequent für die Schließung die Masse und die gute
des Naziladens „ECC“ in der Doberaner Organisation der De-
Straße ein. Alle stehen in der Verantwor- monstranten. Sie hatte nur
tung zu handeln, um das Rostocker die Wahl, willkürlich
Stadtbild nicht von Rechtsextremisten Leute zusammen zu
prägen zu lassen. schlagen oder sich zu-
Rostocker Bündnis gegen Nazi-Läden ■ rückzuziehen. Nachdem
sie den „Festauftakt“ um
Jörg Krebs flog aus dem drei Stunden verzögert
hatten, unterlagen die De-
Römer monstranten dem Staat,
Frankfurt. Der NPD-Stadtverordnete der die Naziversammlung
Jörg Krebs ist am 6. September aus der um jeden Preis durchset-
Sitzung der Stadtverordnetenversamm- zen wollte.
lung ausgeschlossen worden. Krebs hatte CDU gewährt den
zuvor zum Bau einer Moschee in Hausen Nazis Rückendeckung
erklärt: „Erst bauen sie Moscheen, dann
fliegen uns Bomben um die Ohren.“ Da- Auf der Straße wird zu-
mit hatte er versucht, die Moslems insge- und brachte der hiesigen NPD Eintritts- künftig nur wenig mehr gegen die Nazi-
samt für den islamistischen Terror ver- gelder in Höhe von 15.000 Euro ein. Die versammlungen erreicht werden können,
antwortlich zu machen. „Der Rauswurf Weichen sind gestellt: Das „Fest“ wird in solange Landesregierung und -CDU wei-
des NPD Abgeordneten aus der gestrigen den nächsten Jahren ein Pflichttermin ter die rechte Gefahr verharmlosen und
Parlamentssitzung war längst überfällig der Naziszene werden. gleichzeitig die Antifaschisten bekämp-
und konsequent,“ so der DGB Frankfurt. 3000 Menschen auf Blockaden fen. „Zwei Prozent Wählerpotenzial hat
Neonazis gehörten weder ins Parlament die NPD. Wer etwas anderes behauptet,
noch auf unsere Straßen. Die Frankfurter Andererseits ist der Widerstand so stark stärkt die Rechtsextremisten bloß“, sagt
Stadtgesellschaft dürfe und werde nicht wie nie zuvor. Generalsekretär Mike Mohring. Zwei
zulassen, dass fremdenfeindliches Ge- 3000 Menschen haben am Samstag Anfragen zum „Linksextremismus“ hat
dankengut, gegen wen auch immer, ver- sich bewusst für eine illegale Protest- die Fraktion inzwischen gestellt, wäh-
breitet wird. „Wir dulden weder die An- form, für zivilen Ungehorsam entschie- rend kein einziger Parteivertreter zu den
griffe eines Neonazis Krebs auf unsere den. Um 11.40 Uhr waren alle Zugänge Nazi-Brandanschlägen im ersten Halb-
muslimischen Mitbürger, noch lassen zum Seidelplatz von Antifaschisten be- jahr auch nur eine Pressemitteilung he-
wir uns von seiner Androhung einer wei- setzt. Dagegen war der Kundgebungs- rausgegeben hat. Heimattümelei und
teren NPD-Demonstration beeindrucken, platz des Runden Tisches für Demokratie Law-and-Order-Gerede bereiten dem
die er bereits letzte Woche im Ausschuss in der Oberaue fast leer. Rechtsextremismus den Boden, aus ei-
für Sicherheit und Recht angekündigt Es war mit Abstand die bedeutendste nem formalen Demokratieverständnis
hat. Die Bürgerinnen und Bürger sind antifaschistische Aktion seit Jahren. Nie- heraus wird den Nazis der Polizeischutz
gefordert, der NPD bei Wahlen ihre mand kann mehr die Legitimität von gestellt.
Stimme zu versagen, die Politik ist zu Blockaden bestreiten oder sie als Akti-
bestärken ein Verbot durchzusetzen.“ onsform einer kleiner radikalen Minder- Jugend-, Aktions- & Projektwerkstatt
nach Frankfurter Info 19-2007 ■ heit diffamieren. (JAPS), 12. September 2007 ■

4 :antifaschistische nachrichten 19/20-2007


Berlin. Während sich die etab-
lierten Medien auf den Partei-
tag der Grünen oder regional
Demonstration mit
auf die Demonstration vor dem Düs-
seldorfer Landtag in NRW stürzten,
waren in Berlin am 15.9. ca. 15.000
Auftaktcharakter
Demonstrantinnen und Demonstran- Afghanistan aufkommen zu lassen. Fest In Kundgebungsreden wurde auch be-
ten präsent, die deutlich machten, steht aber, dass die Mehrheit der befrag- tont, dass viele Probleme im Inland nicht
dass die deutsche Friedensbewegung ten Deutschen (ca. 62 %) gegen den Ver- zuletzt mit den fehlenden Milliarden im
noch lange nicht am Ende ist. bleib der ca. 3.000 Bundeswehrsoldaten Bundeshaushalt zusammenhängen, die
sind. der Militärhaushalt verschlingt.
Schon die Auftakt-Kundgebung vor dem Auch die Afghanische Bevölkerung Und die von obersten gewählten Bun-
roten Rathaus in Berlin war für Demons- hat inzwischen eine ganz andere Mei- desrichtern bestätigte Zulässigkeit der
tranten und Passanten positiv, weil hier nung, als zu Beginn des Einsatzes der grundgesetzwidrigen Militäreinsätze in
wichtige Informationen noch einmal in ISAF. Die Truppen werden hier offen als der Welt machen diese nicht legaler. Da-
konzentrierter Form deutlich machten, Besatzung und als gegen die Bevölke- bei spielt es überhaupt keine Rolle, ob
dass sich Deutschland mit anderen Staa- rung gerichtet angesehen. Insgesamt sind Deutschland einen Platz im Weltsicher-
ten zusammen gerade in Afghanistan im ca. 50.000 Soldaten im Auftrag dieser heitsrat hat oder nicht.
Krieg befindet. Vor allem die verlesenen merkwürdigen Missionen im Einsatz. Nach einer Demonstration durch die
Stellungnahmen der NGO’s machten die Oskar Lafontaine und Hans Christian Berliner Innenstadt endete diese mit ei-
fragwürdige Rolle der Bundeswehr deut- Ströbele konnten zwar nicht auf der ner Abschlusskundgebung hinter dem
lich. Es wurde klar, dass die Informatio- Kundgebung anwesend sein, aber es Brandenburger Tor auf der Straße des 17.
nen, die die offiziellen Medien über Af- wurde klar, dass sie in ihren Zusammen- Juni.
ghanistan bringen, doch eine sehr einge- hängen (Ströbele auf dem Sonderpartei- Die Friedensbewegung und die mit ihr
färbte und einseitige Berichterstattung tag und Oskar Lafontaine nächste Woche verbundenen politischen Kräfte machten
darstellen. im Bundestag) voll im Sinne der Frie- am Samstag eindeutig klar, dass das Um-
Immer wieder wird der besondere und densbewegung und der betroffenen deut- denken der Mehrheit der Menschen in
humanitäre Auftrag der Bundeswehrein- schen Soldaten in Afghanistan engagiert Deutschland auch die verantwortlichen
heiten betont, um in der Bevölkerung sein werden. Der Ausgang des Parteita- Politiker nicht länger kalt lassen kann.
erst gar keine Zweifel an dem Einsatz in ges der Grünen hat dies deutlich gezeigt. Hans-Peter Keul ■

Köln. Am Samstag, den 8.9.2007


versammelten sich Mitglieder
verschiedener Organisationen vor
Gedenken an Albin Köbis
dem Tor der Luftwaffenkaserne in Porz-
Wahn, um eine Ehrung der vor 90 Jahren
und Max Reichpietsch
hingerichteten Kriegsgegnern Albin Kö- Sinne werden wir weiterkämpfen!“ Die sprochen und einer kritischen Prüfung
bis und Max Reichpietsch vorzunehmen. anschließende Demonstration vom Ka- unterzogen wurden. Auf Transparenten
Im Vorfeld dieser Ehrung hatte es seitens sernenhaupttor Flughafenstraße entlang und Plakaten hatten die Teilnehmer u. a.
der Bundeswehr Versuche gegeben, eine der Bundeswehrkaserne endete am ehe- auch die Forderung: „Bundeswehr raus
Ehrung an der Gedenkstätte für die bei- maligen Haupttor auf der Heidestraße. aus Afghanistan“ erhoben und ihr deutli-
den Matrosen nicht zu genehmigen, weil ches Nein zu ei-
sie diese als eine politische Veranstaltung nem Krieg – unter
einstufte und den Zutritt der Teilnehmer welcher verloge-
auf das Kasernengelände – auf dem sich nen Parole er auch
der Friedhof befindet – verweigert hatte geführt wird – be-
(siehe AN 18-07). kräftigt.
Durch Flugblattverteilungen und das Im Anschluss
Aktivwerden von Politikern (wie z.B. der an die Demonstra-
Kölner Bundestagsabgeordnete Dr. Rolf tion sprach auf ei-
Mützenich, SPD, der Aktivitäten von lin- ner Veranstaltung
ken MdBs wie Paul Schäfer, Ulla Jelpke der Dipl.-Histori-
und Gert Winkelmeier), sowie Stellung- ker Günter Ju-
nahmen von Gewerkschaftsvorsitzenden dick, der schon
der Regionen von Oldenburg/Wilhelms- vor vierzig Jahren
haven, Manfred Kloepper und Köln-Le- an der Gestaltung
verkusen-Erft-Rhein-Berg, Wolfgang der Gedenkfeier
Uellenberg-van Dawen wurde eine Si- für Köbis und
tuation hergestellt, in der dann doch eine Reichpietsch mit-
zehnköpfige Delegation zwei Blumenge- wirkte. Die Teil-
binde und einen Kranz am Denkmal nie- nehmer sprachen
derlegen konnten. Gert Winkelmeier hat- sich für eine Ini-
te sich zusätzlich als Mitglied im Vertei- tiative aus, die si-
digungsausschuss angemeldet und be- cherstellen soll,
gleitete die Gruppe. Trotz der Auflage Dort hielt das Mitglied des Verteidi- zukünftig einen ungehinderten Zugang
dort keine „politische Rede“ zu halten, gungsausschusses des Deutschen Bun- zu den Gräbern der beiden hingerichte-
erklärte ein Vertreter der Kulturvereini- destages, MdB Gert Winkelmeier (Neu- ten Matrosen zu erreichen.
gung Leverkusen e.V.: „Wir ehren heute wied) eine Ansprache, in der auch die Fotos: http://fotoalbum.web.de/gast/kul-
hier die beiden Kriegsgegner,“ in ihrem Bundeswehreinsätze in aller Welt ange- tur-puderbach/Koebes# H.-P. Keul ■

: antifaschistische nachrichten 19/20-2007 5


Erzkonservative „Partei Bibeltreuer Christen“ bereitet
Zusammenschluss mit gleichgesinnten Parteien vor
von Thomas Klaus

Dr. Walter Weiblen hat Wort gehal- gramm unter anderem, dass die Eheschei- „Begrenzung der Zuwanderung
ten. Als der ehemalige Daimler- dung erschwert und für unverheiratete jun- von Ausländern“
Chrysler-Manager 2005 Bundesvorsitzen- ge Frauen ein Soziales Jahr eingeführt Besagtes Flugblatt aus dem Jahre 2005
der der erzkonservativen „Partei Bibel- werden müsse. nennt noch andere Forderungen der Partei,
treuer Christen“ (PBC) wurde, kündigte er Nach Auffassung der Partei sollten die so die „Begrenzung der weiteren Zuwan-
„professionellere Strukturen“ an. Der In- „antigöttlichen Praktiken“ Astrologie, derung“ von Ausländern und ihre „freiwil-
genieur und Unternehmensberater will aus Wahrsagerei und Horoskope in allen lige Rückkehr in die Heimatländer“. In ei-
der 5.000 Mitglieder zählenden PBC eine Schulen und Bildungseinrichtungen ver- nem Flugblatt des PBC-Bundesvorstandes
Art Speerspitze unter den christlich-funda- boten werden. Prostitution müsse scharf mit dem Titel „Nie wieder Krieg“ aus dem
mentalistischen Organisationen machen. überwacht und Pornographie ebenso wie Jahre 1995 wird auf den Punkt gebracht,
Und auf dem Weg zu diesem Ziel dürfte „gotteslästerliches“ Schrifttum illegal was Deutschland aus Parteisicht dem Ver-
der PBC-Bundesparteitag am 12. und 13. sein, so das PBC-Grundsatzprogramm. derben näher bringt: „Unzucht, Habsucht,
Oktober im hessischen Kirchheim eine „Kuppelei“ und Homosexualität mit Ju- Egoismus und Selbstverwirklichung, Fe-
wichtige Etappe sein: Dort wird voraus- gendlichen sollten wieder strafbar sein. minismus, Pornographie, die Propagie-
sichtlich die Zusammenführung mit der Außerdem müssten Schulgebete einge- rung von Okkultismus, Gewalt und Ho-
„Deutschen Zentrums-Partei“ beschlos- führt werden und der schulische Unter- mosexualität spotten der Heiligkeit Got-
sen. Weitere Parteien aus diesem Spek- richt durch Bibelunterweisungen für sämt- tes.“
trum sollen folgen. Für manche Menschen liche Schüler gekennzeichnet sein. Ein Schwerpunktthema der „Partei Bi-
verheißt das allerdings nichts Gutes. In einem von Gerhard Heinzmann und beltreuer Christen“ ist die Abtreibung.
Das gilt zum Beispiel für Homosexuel- Dr. Walter Weiblen verantworteten Flug- Man darf es wohl als „Verharmlosung des
le, die von der PBC immer wieder ge- blatt zur Bundestagswahl 2005 wird er- Holocaust“ betrachten, wenn die PBC im-
brandmarkt werden – zum Beispiel in gänzt: „Bis zum mer wieder Abtreibung mit
Form von Unterschriftensammlungen und Beweis des Gegen- dem Massenmord an den Ju-
Demonstrationen. Beispielhaft sei ein Zi- teils wollen wir in den und anderen Menschen
tat aus dem Jahre 2000 gebracht, das vom Bildungseinrich- unter der Naziherrschaft in
Ehrenvorsitzenden Gerhard Heinzmann tungen in staatli- Deutschland gleichsetzt. In ei-
stammt. Er äußerte sich über Lesben und cher Trägerschaft nem zentralen Flugblatt des
Schwule folgendermaßen: „Immer dreis- biblische Aussagen Bundesvorstandes zu diesem
ter treten die Anhänger dieses widernatür- zu allen Lebensbe- Thema ist zu lesen: „10 Mil-
lichen Lebensstils in der Öffentlichkeit reichen, insbeson- lionen heimtückisch im Mut-
auf. Es scheint, dass sich Dämonen gleich dere zum Men- terleib getötete Kinder seit
einer Wolke über unser Land ausbreiten schenbild und zur Kriegsende auf deutschem
und alle Bereiche unserer Gesellschaft Schöpfung, gleich- Boden schreien zum Welten-
durchdringen.“ rangig neben ande- richter und verklagen uns er-
„Ein deutliches Reden Gottes ren weltanschauli- neut. Hitler hatte Kremato-
vernommen“ chen Deutungen rien, heute macht es die zu-
vermittelt sehen.“ ständige Klinik. Anstelle von
Pastor Heinzmann, ehemaliger Leiter der Das bedeutet also, Massengräbern genügen heut-
„Internationalen Zigeunermission“, hat in- dass die Schöp- zutage Mülltonnen. Früher die
nerhalb der „Partei Bibeltreuer Christen“ fungslehre der Bi- Juden – entrechtet und wehr-
einen besonderen Rang. Denn seine Per- bel eingeklagt los: ,Untermenschen‘. Heute
son sei untrennbar mit der PBC-Gründung wird. Demnach hat Gott allein die Erde die noch Ungeborenen.“
1989 verbunden, heißt es. Im Sommer des geschaffen; die Tier- und Pflanzenarten Klar fällt auch die Frontstellung in der
besagten Jahres habe er „ein deutliches haben sich seitdem nicht verändert. „Islam-Frage“ aus. In dem PBC-Flugblatt
Reden Gottes“ vernommen, wonach eine Aus PBC-Sicht sind regelmäßige Bibel- „Jesus oder Muhammad? Islam oder
Partei mit Gottes Wort als Grundlage for- arbeiten in den Strafanstalten ebenfalls ein Christentum?“ ist von der „dämonischen
miert werden solle. So schilderte Heinz- Ding der Notwendigkeit, und zwar für alle Macht des Islam“ die Rede, die gebrochen
mann wiederholt die Vorgeschichte. In ei- Insassen. Das sei nämlich „das beste Mit- werden müsse. Aus „Gründen der inneren
nem Parteitagsbericht des Bundesvorstan- tel zur Resozialisierung der Straftäter und Sicherheit“ müsse der islamistische Be-
des wird behauptet: „Gerhard hielt dies ihrer Vorbereitung auf die Entlassung.“ völkerungsanteil reduziert werden. O-Ton:
zunächst für sich. Erst Ende September Auch für die „Stärkung eines gesunden „So wie die Festungen des Kommunismus
1989 gab Gott grünes Licht, um darüber Nationalbewusstseins“ legt sich die „Par- durch die Gebete entschiedener Christen
öffentlich zu sprechen.“ tei Bibeltreuer Christen“ laut Programm und deren Festhalten an den Aussagen der
Wohl nicht zuletzt aufgrund solcher ins Zeug – und das nicht nur in der Theo- Bibel zum Einsturz gebracht wurden, wird
Darstellungen lastet die Evangelische rie. In einem PBC-internen Bericht zum schlussendlich der lebendige Gott auch die
Zentralstelle für Weltanschauungsfragen Bundesparteitag im November 2006 ist dämonische Macht des Islam brechen!“
(EZW) der PBC „eine Form religiösen nachzulesen: „Auf Vorschlag aus dem Ple- Die PBC-Mitglieder wollen übrigens
Größenwahns“ an – ein Wahn, der nicht num sangen wir zum Tagesabschluss ge- auch die Juden missionieren und „bekeh-
nur für Homosexuelle ungemütlich wer- meinsam die Nationalhymne. Dies wird ren“. Das PBC-Engagement gegen Antise-
den kann. uns noch lange in Erinnerung bleiben, mitismus mag auf den ersten Blick sympa-
Als Schritte gegen die „Innenweltver- weil es ein Element war, das Jesus in die- thisch klingen. Auf den zweiten zeigt sich
giftung der Menschen unseres Landes“ sen Parteitag eingewoben hat. Sowas kann jedoch der Hintergrund: Die PBC meint
(O-Ton Gerhard Heinzmann) verlangt die man nicht planen; es entsteht durch die nämlich, dass sich nach der Wiedererrich-
PBC in ihrem gültigen Grundsatzpro- Wirkung des Heiligen Geistes.“ tung Israels durch Gott ein letzter Kampf

6 : antifaschistische nachrichten 19/20-2007


Köln. Der Tiger sprang und lan-
dete als – Bettvorleger: Nachdem
der Publizist Udo Ulfkotte bei der
Ulfkotte sagt Demonstration
Ankündigung seiner für den 11. Septem-
ber geplanten Kölner Demonstration, die
in Köln ab
unter dem Motto „Stoppt die Islamisie- nannt oder von ihnen als Aushängeschild Veranstaltung des „Instituts für Staatspoli-
rung Europas – Demonstration für die missbraucht zu werden“. Am gleichen tik“, das laut Wikipedia „der Neuen Rech-
Freiheit und gegen die Islamisierung Tag veröffentlichte pro Köln allerdings ten zugeordnet wird“. Aus Gründen in-
Europas“ noch von 20.000 Teilnehmer(in- eine Erklärung in ihrem Rundbrief, in haltlicher Abgrenzung erfolgte die Dis-
nen) gesprochen hatte, sagte er den ge- dem enthüllt wurde, dass der sich öffent- tanzierung also offensichtlich nicht.
planten Aufmarsch wenig später sang- lich distanzierende Ulfkotte „im Vorfeld Ein Stein vom Herzen fiel nach der Ab-
und klanglos ab. Offizieller Grund für den des Demo-Termins am 31. August bei der sage der rassistischen Demonstration
Verzicht: Ulfkotte und der als Redner an- Bürgerbewegung Duisburg zum Thema wahrscheinlich den Verantwortlichen in
gekündigte Ralph Giordano distanzierten ,Schleichende Islamisierung Europas‘“ der Kölner Verwaltung sowie der Polizei.
sich von der ungebetenen Unterstützung sprach. Weiter heißt es darin: „Andreas Ulfkotte wollte ursprünglich in Brüssel
durch die weit rechtsaußen angesiedelte Akwara, Vorsitzender der Bürgerbewe- demonstrieren – sein Vorhaben wurde al-
Gruppe „pro Köln“ und die ebenso rechte gung Duisburg, gehört zu den wichtigsten lerdings vom Bürgermeister der belgi-
belgische Partei „Vlaams Belang“. Unterstützern der Kandidatur der Bürger- schen Hauptstadt verboten. Ob ein sol-
Beobachtern der Szene scheint diese bewegung pro NRW bei der Landtagswahl ches Verbot auch in Köln erfolgt wäre und
Begründung allerdings vorgeschoben zu 2010...“. Bart Debie, in Belgien verurteil- ob es dann vor Gericht Bestand gehabt
sein. Der wirkliche Hintergrund der über- ter rechter Schläger und Vlaams Belang hätte, ist überaus fraglich. Nun können
raschenden Absage liegt eher darin, dass Abgeordneter, berichtete sogar: „Der sich bürgerliche Politiker(innen) und Ver-
nur wenige Teilnehmer(innen) nach Köln Vlaams Belang steht zu Udo Ulfkotte in waltung distanzieren, ohne wirklich tätig
gekommen wären, von denen vermutlich einem guten, herzlichen Kontakt.“. Soweit werden zu müssen.
ein großer Anteil noch nicht einmal von zur Distanzierung von „Rechtsextremen“. Bleibt nur noch, nach der Rolle Ralph
Ulfkottes Verein „Pax Europa e.V.“ son- Aber auch sonst ist der frühere FAZ- Giordanos zu fragen. Dieser, während des
dern von den genannten Rechtsgruppen Mitarbeiter nach rechts wenig kontakt- Faschismus selbst Opfer rassistischer Ver-
mobilisiert worden wären. Zwar distan- scheu: Nach Angaben der Internet-Enzy- folgung und jahrzehntelang scharfer Kri-
zierte sich der „Terrorismusexperte“ am klopädie Wikipedia „unterstützte er die tiker von Anitsemitismus und Rassenhass,
3.9. im Internet von der „im Verfassungs- von mehreren Medien als rechtspopulis- dürfte sich als politischer Mensch bei sei-
schutzbericht erwähnte(n) und am extrem tisch bezeichnete Wählervereinigung Bür- nen islamfeindlichen Ausfällen über die
rechten Rand des politischen Spektrums ger in Wut“ bei den Wahlen zur Bremi- Unterstützung von rechts nicht wundern.
angesiedelte(n) Gruppe Pro Köln“ und schen Bürgerschaft. Am 3.6.2007 referier- Die knüpfen einfach an Giordanos immer
vom „rechtsextreme(n)“ Vlaams Belang te Ulfkotte neben den einschlägig bekann- hasserfüllter werdende Ausfälle an. Für
und verurteilte „es auf das Schärfste, mit ten Rechten Karlheinz Weißmann, Götz Demokrat(inn)en kommt Giordano jeden-
diesen Menschen in einem Atemzug ge- Kubitschek und Henry Nitzsche auf einer falls nicht mehr in Frage. tri ■

Fortsetzung von Seite 6


Artikel zur PBC
zwischen diesem und dem Teufel ergibt.
Während dieses Kampfes müsse Gott un-
terstützt werden, bis sich am Ende ganz Is-
rael zu Jesus Christus bekennen werde.
Der Schlusspunkt werde mit der Vernich-
tung des Teufels und der Errichtung eines
Gottesreiches gesetzt.
Bevor es soweit ist, wollen die erzkon-
servativen Christen also in einer neuen
Partei ihre Kräfte bündeln. Das ist der
Hintergrund der Fusion zwischen PBC
und der „Deutschen Zentrumspartei“, der
die Mitglieder beider Parteien im Herbst
zustimmen sollen. Über Einzelheiten wie
etwa die Frage der Doppelmitgliedschaft
wird gegenwärtig innerhalb der PBC zum
Teil heftig gestritten. Walter Weiblen redet
Tacheles: „Mittelfristig streben wir in ei-
ner christlichen politischen Bewegung in
Deutschland ein Wachstum auf 50.000
Kulturcafé – ein Erinnerungsort für Ehrenfeld
Mitglieder an und wollen stabil ein Wäh- Köln. Am Samstag, 15. September lud die Ehrenfelder Initiative „Erinnerungsort
lerpotenzial zwischen acht und zehn Pro- Bahnbogen“ zu einer Veranstaltung „Widerstand gegen den Nationalsozialismus –
zent erschließen.“ Schon 2009 solle sich Leben und Überleben in Ehrenfeld ein, auf der auch zwei ehemalige Zwangsarbeiter
bei den Europa- und Bundestagswahlen in aus der Ukraine anwesend waren, die zur Zeit auf Einladung der Stadt in Köln sind.
Deutschland „eine Allianz aller christli- Ziel der Initiative ist es, ein Kulturcafé in einem der alten Bahnbogen einzurichten,
chen Kräfte für eine Neuausrichtung der als einen Ort der Erinnerung mit Ausstellungen und Veranstaltungen, aber auch als
Politik“ zur Wahl stellen, so Weiblen. Sein internationalen Treffpunkt für den Stadtteil. Der Bezirksbürgermeister Josef Wirges
Credo: „Wir dürfen gespannt sein, wohin sprach auf der Veranstaltung und unterstützt das Projekt ebenso wie die Projektgrup-
Gott das alles führen wird.“ ■ pe Messelager im Verein EL-DE-Haus. ■

: antifaschistische nachrichten 19/20-2007 7


Jeden ersten Mittwoch im Monat
traf sich die Hamburger DVU zu
sogenannten ‚Klönschnacks‘ um
Hamburger DVU traf sich
ihre Arbeit zu organisieren. Seit mindes-
tens Frühjahr 2007 tagten der Vorstand
bei der Deutschen Bahn
der neofaschistischen Partei und aktive Antifaschistischer Auftakt gegen den DVU-Wahlkampf
Mitglieder in einem Eisenbahnerheim
der Deutschen Bahn AG in der Bankstra- Als RednerInnen waren u.a. mit folgen- Am 5. September wurden die Aktivitä-
ße bei den Deichtorhallen. Besorgt hatte den Themen vorgesehen: Der Bundes- ten der Hamburger DVU nun erheblich
die Räume Harry Ostwaldt, der regelmä- vorsitzende Gerhard Frey (Noch ist gestört. Mehrere Dutzend AntifaschistIn-
ßig an den Treffen teilnahm und außer- Deutschland nicht verloren), der ehema- nen protestierten friedlich vor dem Ei-
dem Funktionär der Eisenbahnervereini- lige Legion-Condor-Flieger und NS- senbahnerheim, forderten eine Kündi-
gung Association Européenne des Che- Oberst Hajo Herrmann (Die Vernichtung gung der Räume durch die Deutsche
minots (ACE) ist, welche ihre Niederlas- Hamburgs und unser Kampf um die Bahn AG bzw. die ACE und machten auf
sung ebenfalls in dem Heim hat. Ost- Reichsverteidigung) und die Bremerha- die Aktivitäten der DVU bezüglich der
waldt ist kein Unbekannter in der Nazi- venerin Desiree Schneider (Die Jugend Bürgerschaftswahl aufmerksam. Der
szene. wählt deutsch). Laut Homepage waren ehemalige stellvertretende Vorsitzende
Schon 1986 war er Mitglied des 350 Mitglieder und Gäste der neofa- Robert Valkovic behauptete zunächst ge-
Freundeskreis Filmkunst e.V. (FFK), ei- schistischen Partei anwesend, viele wer- genüber der Polizei, er wäre massiv be-
ner Organisation, die über Jahre hinweg den allerdings extra einbestellte droht worden. Dieses erklärt das zu-
indizierte NS-Filme in angemieteten Claqueure aus anderen Bundesländern nächst aggressive Vorgehen der Polizei,
Hamburger Kinos zeigte. 1979 erwarb gewesen sein. Aus Hamburg reiste nur die von ca. 12 Personen die Personalien
der FFK für Jürgen Rieger das Nazi-Zen- ein Bus an, der von Vorstandsmitglied aufnahm und einige zu Boden warf. Als
trum Hetendorf 13 in Niedersachsen, Oswald Dannenberg koordiniert wurde. Valkovic zugeben musste, dass er keines-
welches 1998 von den Behörden ge- Mit der DVU ist zur Bürgerschafts- wegs bedroht wurde, ließ die Polizei alle
schlossen wurde. Der FFK wurde 1962 wahl also zu rechnen. Der NPD-Bundes- Demonstranten gehen.
unter Beteiligung von Altnazis und Mit- sprecher Klaus Beyer hat erklärt, dass Nachträglich stellte sich heraus, dass
gliedern zuvor verbotener Organisatio- seine Partei die DVU im Rahmen der die Bahn und der ACE von Ostwaldt über
nen gegründet und gehört zum Vereins- ‚Volksfront von rechts‘ bei der Wahl un- die ‚Untervermietung‘ nicht informiert
geflecht von Rieger. Gute Beziehungen terstützen wird, ob das auch für die Ham- worden waren. Der Nazi wurde umge-
zu alten Nazis hat auch der regelmäßig in burger Kameradschaften gelten wird, ist hend gefeuert. erk ■
der Bankstraße anwesende Erste Vorsit- unbekannt.
zende der Hamburger DVU Günther
Schlemmer. Er war ebenso regelmäßig
Gast bei ehemaligen SS-Soldaten der
HIAG, deren Treffen im Frühjahr 2006
in der Handwerkskammer aufflog. Auch
„Snevern Jungs“
an der geheimen Feier zum 55. Jubiläum
der HIAG in Büchen im Mai 2005 nahm
die Verkleidung ausziehen
Schlemmer teil. Schneverdingen. Die „Snevern Wehrmachtssoldaten, verbreiten über sog.
Ein weiterer regelmäßiger Teilnehmer Jungs“ (SJ), im niedersächsischen „Witze“ rassistische Hetze in ihrer home-
der ‚Klönschnacks‘ ist einer der momen- Verfassungsschutzbericht 2006 als page, sind beim Nazi-“Stammtisch-Nord“
tanen stellvertretenden Vorsitzenden der eine besonders bedeutende Kamerad- und NPD-Parteitag dabei. Der erste nie-
DVU, Archibald Felsch. Bis 2004 war er schaft herausgestellt, mühen sich um den dersächsische NPD-Landtagswahlkamp-
sogar Landesvorsitzender der neofa- Titel „die netten Nazis von nebenan“. Sie finfostand fand am 9.6.07 in Schneverdin-
schistischen Partei. Trotzdem erhielt beteiligen sich bei Blutspenden, Preisskat, gen, von den SJ durchgeführt, statt. Und
Felsch 2005 eine Ehrung des Techni- kommunalen Umweltaktionen,
schen Hilfswerkes (THW) für seine 50- kämpfen „für freie Kartoffel-
jährige Mitgliedschaft u.a. als Vize-Be- wahl – Rettet Linda“ und kom-
zirksbeauftragter des THW im Bezirk men bei manchen lokalen Ho-
Mitte. noratioren gut an, weil sie inte-
Die monatlichen ‚Klönschnacks’ der ressiert Rats- und Kreistagssit-
Hamburger DVU waren längere Zeit zungen besuchen. Entspre-
schlecht besucht. Dies änderte sich chend der Nazi-Wortergrei-
schlagartig, als auf dem Norddeutschen fungsstrategie durften sie 2006
Parteitag im Juli 2007 von Gerhard Frey bei der SPD diskutieren und bei
bekräftigt wurde, dass in Hamburg die Grünen im Saal bleiben. Damit
DVU zur Bürgerschaftswahl im Februar ist es endgültig vorbei – wie bei
2008 antreten soll. Seit August ist das DGB und Antifa-Initiative
Treffen nun deutlich besser besucht. Eine längst praktiziert.
Homepage für den Hamburger Landes- Als ihr Führer Matthias Behrens im fei- manchmal rutscht ihnen doch mal, nicht
verband wurde extra eingerichtet. Dort nen Zwirn eine Kreis-Jugendhilfeaus- nur die Hand gegen Antifas aus.
befinden sich hauptsächlich Artikel aus schusssitzung besuchte, musste er sich Der jüngste Versuch, von der Mitte der
der DVU-nahen Nationalzeitung mit Be- aus Grünem Munde anhören: „Die braune Gesellschaft akzeptiert zu werden, miss-
zug zu Hamburg, sowie natürlich Wer- Jauche verkleidet und parfümiert sich“. lang den Kameraden.
bung und die Bitte um Unterstützung des Die „Snevern Jungs“ pflegen viele Am 13.8.07 beschlossen SPD, Grüne,
Wahlkampfes. Am Sonntag, den 2. Sep- Kontakte im In- und Ausland, fehlen bei CDU, FDP im Stadtrat Schneverdingen –
tember, fand der „Landesparteitag Ham- keinem Aufmarsch, feiern Fasching in gegen die Stimmen von Wählergemein-
burg“ im nördlichen Niedersachsen statt, Klu-Klux-Klan-Kostümen, treiben Hel- schaft und Bürgermeister Kasch/ CDU (!)
wo Vorstandswahlen abgehalten wurden. denverehrung für Schlageter, Heß und – eine Resolution an alle Vereine, gegen

8 :antifaschistische nachrichten 19/20-2007


Nazi-Einfluss aktiv zu werden. Der DGB Drohgebärden schließlich der Aufforde- der Politik zu sehen. Der TV Jahn war so
forderte Stadtrat und TV Jahn als Veran- rung nach, ihre T-Shirts so zu wenden, schlau und strich wenige Tage zuvor aus
stalter auf, den Kameraden nach Jahren dass die Kameradschaftslogos und der der Internet-Ergebnisliste 2006 nachträg-
endlich die Teilnahme am Internationalen Spruch („Wer von der Lüge lebt, muss die lich die Gruppenbezeichnung „Snevern
Volkslauf des Heideblütenfestes zu ver- Wahrheit fürchten“) nicht zu sehen waren. Jungs“ (vergaß aber, das auch in den Lis-
weigern. Das ginge nicht, da es „keine ge- Auch Zettel mit ihrer „Weltnetz“-Adresse ten der Vorjahre zu tun). Charly Braun
richtliche Handhabe“ gebe, meinte der mussten weg. vom DGB kritisiert die Verantwortlichen:
TV-Jahn-Vorsitzende, der gerade erst als Durch DGB und Antifas informiert, „Ist das nicht ein Verhalten nach dem
stellvertretender Bürgermeister (SPD) der distanzierten sich viele SportlerInnen vor Motto: was ich nicht sehe, das gibt es
Rats-Resolution zugestimmt hatte. der TV-Kamera und kritisierten die Halb- nicht? Wieviel ist die Stadtratsresolution
25 KameradInnen, davon 20 in schwar- herzigkeit der lokalen Verantwortlichen. wert, wenn sie 12 Tage nach ihrer Geburt,
zem Einheitsdress, zogen am 25.8.07 vor Viele Läufer brachten angebotene Antifa- schon bei ihrer ersten Anwendung nicht
Aufkleber auf ihrer Sportklei- hält?“ und er schlägt vor, künftig „antifa-
dung an. Eine Gruppe junger schistische Volksläufe gegen Rassismus“
Frauen startete mit dem Tri- durchzuführen.
kot-Aufdruck „Schöner leben Im Weser-Kurier am 25.8.07 rät Gerd
ohne Nazis“. Während die Bücker, Leiter der Clearingstelle zur Prä-
jüngeren KameradInnen sich vention gegen Rechtsextremismus im
an die Auflagen hielten, zogen Landespräventionsrat Niedersachsen, den
die Führer auf der 5 km-Stre- Schneverdinger Verantwortlichen: „das
cke ihre T-Shirts erneut um, Problem offensiv anzugehen, möglichst
so dass ihre Nazi-Indentität geschlossen für die Demokratie auf die
wieder sichtbar wurde. Am Straße zu gehen und Aufklärungsarbeit zu
Ziel wurden sie von Touristen leisten – vor allem dort, wo Jugendliche
und Schneverdingern mit sind. In der Jugendarbeit darf kein Vaku-
Buh-Rufen und „Nazis raus“ um entstehen, das Neonazis besetzen kön-
empfangen. Während die Lo- nen.“
kalpresse z.T. nichts berichte- Christian Pfeiffer vom Kriminologi-
te, z.T. die überregionalen schen Forschungsinstitut nennt das Ver-
Fotos: „recherche-nord“ Medien als „Aufwertung“ für die Kame- harmlosen „fatal“. Es erinnere ihn an Mü-
raden abtat, war im N3-TV-Bericht zu se- gelns Bürgermeister, denn „Ignorieren
der NDR-Kamera im Block zur Volks- hen, wie Führer M. Behrens Journalisten und Verharmlosen sind die schlimmsten
lauf-Anmeldung. Darunter auch Kamera- bedroht. Das hindert die NPD nicht, die Fehler im Kampf gegen Fremdenfeind-
den aus Verden, Bremen und Lüneburg: Volkslauf-Beteiligung als nachahmens- lichkeit und Rechtsextremismus.“ Der
Daniel Fürstenberg (NPD-Ratsherr im wert zu verkaufen. Landkreis Soltau-Fallingbostel hat laut
Heisenhof-Ort Dörverden), Roman Grei- Vor Ort wurden die AntifaschistInnen Pfeiffer-Studie den zweithöchsten Wert
fenstein (NPD-Landtagskandidat für Lü- von sehr vielen SportlerInnen, Touristen fremdenfeindlicher Aussagen von Ju-
neburg), Marcel Schindler mit eintäto- und SchneverdingerInnen angesprochen. gendlichen in Niedersachsen.
wiertem Kluklux-Klan und verbotenem Bis auf eine Person sprachen sich alle ge- Nach soviel Kritik, hat nun die lokale
„Blood & Honour“ auf dem Bauch. gen Nazi-Teilnahme am Volkslauf und ge- SPD und sogar der Bürgermeister erklärt,
Der TV Jahn verweigerte, sie unter der gen Nazis überhaupt aus, und verteilten dass was gegen Nazis getan werden müs-
Gruppenbezeichnung „Snevern Jungs“ zu Lob für den antifaschistischen Einsatz. se. DGB und Antifa-Initiative warten
notieren. Die 14 laufbereiten KameradIn- Außer dem TV-Jahn-Vorsitzenden (und nicht darauf und setzen ihre Arbeit fort.
nen kamen am Start mit Widerwillen und stellv. Bürgermeister) war niemand aus B/E ■

Ver.di Nord fordert NPD- nandersetzung mit Rassismus und Frem- Struck zum Abschluss einer Konferenz
Verbot denfeindlichkeit, bekräftigte Rüdiger der SPD-Fraktionsvorsitzenden am 5.
Der Leiter des Landesbüros von ver.di in Timmermann, Leiter des ver.di Landes- September in Saarbrücken an. Es könne
Mecklenburg-Vorpommern, Ernst Heil- bezirkes Nord. Der ver.di Landesbezirk nicht tatenlos hingenommen werden,
mann, verurteilte die Gewalt und erneu- unterstütze die VVN-Kampgane „NPD- dass sich die NPD offen zu ihrer Verfas-
ten Angriffe auf Migranten sowie weitere Verbot jetzt“. sungsfeindlichkeit bekenne und aus
Bürgerinnen und Bürger in Bützow, an Näheres zu den Positionen von ver.di Steuergeldern finanziere, aber niemand
denen vorbestrafte Rechtsradikale betei- Nord zum Thema Rechtsradikalismus den Weg für ein Parteiverbot gehe.
ligt waren. Innenminister und Polizei kann man auf der homepage npd-kehrt- Bei der Bundesregierung, verschiedenen
bräuchten endlich ein klares Konzept im marsch.nord.verdi.de erfahren. ■ Länder-Regierungen und auch bei den
Handeln gegenüber rechten Gewalttä- anderen großen Parteien waren die SPD-
tern. Dazu gehöre auch eine Verschär- SPD-Fraktionschefs wollen Pläne für ein neues Verbotsverfahren auf
fung des Strafrechts. Es dürfe keine Be- Skepsis gestoßen. Struck informierte, die
währung mehr für rechte Straftäter ge- neuen Anlauf für NPD-Ver- Konferenz habe auch seinen Vorschlag
ben. Heilmann bekräftigte die ver.di-For- bot für einen NPD-Bericht der Innenminister
derung nach einem NPD-Verbot. Saarbrücken. Trotz vieler Bedenken unterstützt, so die Ostseezeitung. Bis
Bereits am 1. August dieses Jahres haben sich die SPD-Fraktionschefs aus Ende des Jahres sollen demnach die Res-
hatte ver.di Nord als Organisation für die Bund und Ländern für ein neues Verbots- sortchefs in den zuständigen, geheim ta-
Länder Schleswig-Holstein und Meck- verfahren gegen die rechtsextreme NPD genden Ausschüssen des Bundestages
lenburg-Vorpommern eine neues NPD- ausgesprochen, berichtete die Ostseezei- und der Landtage einen Bericht „über die
Verbotsverfahren gefordert. Die Auflö- tung am 6. September. Das NPD-Verbot jetzige aktuelle Bewertung der NPD“
sung der rechtsextremistischen Partei solle „energisch verfolgt“ werden, kün- vorlegen. Darin solle auch aufgeführt
wäre ein wichtiger Schritt in der Ausei- digte Bundestagsfraktionschef Peter werden, „wo noch V-Leute tätig sind“. ■

: antifaschistische nachrichten 19/20-2007 9


Jean-Marie Le Pen geht fremd:
Querfront oder Front National?
Alain Soral und Dieudonné erneut auf krummen Wegen unterwegs
Jean-Marie Le Pen, Parteichef rück. Letztere habe zu einem Austausch mitisches Weltbild hineinzusteigern be-
des rechtsextremen Front Natio- der altansässigen Arbeiterschaft durch gonnen. Aufgrund einer Verschwörung
nal (FN), ist in diesem September eine subproletarische und multinationale würde er in den Medien zum Schweigen
in gewissem Sinne fremd gegangen. Aus Bevölkerung geführt. Faktoren wie die gebracht, die Juden seien historisch für
Kostengründen hatte der Front National Veränderung der Arbeitsverhältnisse den Sklavenhandel verantwortlich (ob-
sowohl seine „Sommeruniversität“ – die selbst blendet Soral dabei völlig aus. wohl „dieser Kommerz“ allen Personen
Sommerakademie für die Parteikader fin- Ebenso wie die Tatsache, dass auch zu jüdischen Glaubens durch den Artikel 1
det normalerweise alljährlich Ende Au- Zeiten rauchender Fabrikschlote in den des Code noir, des im 17. Jahrhundert ver-
gust statt – als auch das sonst im Herbst Banlieues – die damals noch Arbeitervor- abschiedeten Gesetzbuchs zum Sklaven-
anstehende „Blau-Weiß-Rot-Fest“ (Fête städte und von Industrieansiedlungen ge- handel, ausdrücklich verboten wurde) und
BBR, für Blau-Blanc-Rouge) in diesem prägt waren – deren Bevölkerung bereits monopolisierten heute die Medien und die
Jahr abgesagt. Die rechtsextreme Partei zu einem Gutteil aus Einwanderern be- Moral. Im Februar 2005 prangerte Dieu-
muss nämlich sparen: Aufgrund ihres stand. donné auf einer Pressekonferenz in Algier
schlechten Abschneidens bei den Parla- Neben der Einwanderung als angebli- die „Erinnerungspornographie“ bezüglich
mentswahlen sind die Parteikassen leer, cher Ursache des Niedergangs für den des Holocaust, der ständig in Erinnerung
und ferner muss sie noch den nächsten Parteikommunismus bekämpft Soral vor gerufen werde, an. Und beklagte, „zionis-
Kongress am 17./18. November in Bor- allem die „Feminisierung“ der Gesell- tische Autoritäten“ in der französischen
deaux organisieren und bezahlen. schaft, die er in seinem zweiten
Einer „eigenen“ Sommeruniversität be- zentralen Buch als „antidemo-
raubt, tauchte Le Pen am Wochenende des kratisches Komplott“ darzulegen
8./9. September in der Nähe von Ver- versucht.
sailles auf einer Sommerakademie auf, Dort, wo Alain Soral ist, kann
die von Anderen organisiert worden war. auch der „Komiker“ bretonisch-
Es handelte sich um eine Ansammlung kamerunischer Herkunft Dieu-
von 300 Leuten (so jedenfalls die Zahlen- donné M’bala M’bala – der in
angabe der FN-eigenen „Nationalen Wo- Frankreich vor allem unter sei-
chenzeitung“, National Hebdo, NH, vom nem Vor- und Künstlernamen be-
13. September), die auf einen Aufruf der kannt ist – selten weit entfernt
Association ,Egalité et Réconciliation‘ – sein. Dieudonné, der sich seit
Vereinigung „Gleichheit und Aussöh- Herbst 2006 ebenfalls unver-
nung“ – hin in das Kaff Villepreux zusam- kennbar an den Le Pen-Clan (Va-
mengeströmt waren. Diese Kommune mit ter, Tochter und mehr noch an
rund 9.500 Einwohnern liegt in zwölf Ki- Jean-Marie Le Pens zweite Ehe-
lometern Entfernung von Versailles. frau Jany – mit ihr zusammen hielt er sich Kulturwelt seien dafür verantwortlich,
Alain Soral im März 2007 in Kamerun auf) annäherte, dass er das Geld für einen Film über die
ist ebenfalls unter die politischen Geister- Sklaverei nicht zusammen bekommen
Die o.g. Vereinigung ist, laut dem Bericht fahrer gegangen. ,National Hebdo‘ notiert habe. Kurz: Es stinkt, was der Mann seit
von NH, vor nunmehr vier Monaten durch im oben zitierten Veranstaltungsbericht: einigen Jahren von sich gibt.
den Schriftsteller Alain Soral gegründet „Am Samstag (Anm.: 8. September) kam Für seine Auslassungen zur „Erinne-
worden. Der Romancier trat seit längerem der sich jeder Klassifizierung entziehende rungspornographie“ ist Dieudonné übri-
als Provokateur und politischer Geister- Komiker Dieudonné vorbei, um guten Tag gens jüngst, am 11. September dieses Jah-
fahrer in Erscheinung, und berät seit rund zu sagen, als guter Gefährte, der er ist: res 2007, in Paris zu einer Geldstrafe in
zwei Jahren Le Pen. Am 6. Februar 2007 Noch nie hat der Begriff ,Aussöhnung‘ so Höhe von 7.000 Euro verurteilt worden.
trat er offiziell dessen Wahlkampfteam treffende Bedeutung gehabt.“ (Vgl. u.a.: http://www.agoravox.fr/arti-
zur Präsidentschaftswahl bei. Der frühere Antirassist und aktive FN- cle.php3?id_article=28914) Es handelt
Der frühere Linke Alain Soral, Jahr- Gegner Dieudonné – der noch vor zehn sich um seine zweite Verurteilung auf-
gang 1958, der in jüngerer Zeit vor allem Jahren gegen den Front National in seiner grund antijüdischer Äußerungen.
durch seine antifeministischen, provoka- damaligen Hochburg Dreux als Parla- Nationalrevolutionär Christian
torischen und teilweise pornographischen mentskandidat antrat – hat sich seit Bouchet
Schriften auffiel, gehörte bis in die frühen 2003/04 rasant in eine höchst ungute
neunziger Jahre der französischen KP an. Richtung zu radikalisieren begonnen. An- Ein weiterer mehr oder minder prominen-
1993 trat er aus der Partei aus. Danach fänglich fiel er, in diesem Zeitraum, in der ter Name, der in dem NH-Artikel über
ging er auf Abstand zur Linken, die in sei- Öffentlichkeit durch judenfeindliche Äu- die zurückliegende „Sommeruniversität“
nen Augen nicht mehr glaubwürdig den ßerungen auf. Ursprünglich motivierte ihn fällt, ist jener von Christian Bouchet. Bei
Wunsch nach radikaler sozialer Verände- dabei vor allem eine Form von „Opfer- ihm handelt es sich um den führenden
rung verkörpern konnte. Den Niedergang konkurrenz“: Durch die Erinnerung an die Kopf des am verbalradikalsten auftreten-
der KP vor allem in den Banlieues be- Shoah monopolisierten die Juden den Op- den Flügels innerhalb des, organisatorisch
schrieb er in einem 2002 erschienenen ferstatus, und angeblich deshalb schweige zerklüfteten, Spektrums der französischen
Buch (Jusqu’où on va descendre. Abécé- man zu den Verbrechen der Sklaverei und Nationalrevolutionäre. Christian Bouchet,
daire de la bêtise ambiante, also „Bis wo- des Kolonialismus. Nachdem Dieudonné der in der Vergangenheit u.a. die Gruppie-
hin wir herabsinken werden. ABC der jedoch wegen seiner Ausfälle unter erheb- rung Nouvelle Résistance (Neue Résis-
umgebenden Dummheit“) und führte ihn lichen Druck geraten war, hat er sich seit- tance, oder Neuer Widerstand) leitete, be-
dabei vor allem auf die Immigration zu- her zunehmend in ein paranoides antise- ansprucht für sich selbst auch den Begriff

10 :antifaschistische nachrichten 19/20-2007


des „Nationalbolschewismus“. Diese Be- nären lag, die gleich doppelt auftauchen gewonnenen. Insbesondere Alain Soral
zeichnung existierte bereits im Deutsch- (mit den „Nationalbolschewisten“ und (der selbst die Veranstaltung ausrichtete)
land der Weimarer Republik. Damals ging den ,tercéristes‘). Ansonsten kann man und Dieudonné zählen zu ihnen. Der poli-
es dabei um eine der Spielarten der Kon- die weitere Ausschmückung dieses Bei- tische Schwerpunkt lag entsprechend auf
servativen Revolution, mittels derer preu- trags erst einmal getrost vergessen: Dass dem Diskurs der „nationalrevolutionären“
ßische Junker – auf demagogische Art – sich „einfache Neugierige“ zu einem Fraktion, zu deren politischem Profil An-
proletarische Elemente für eine „gemein- solch exquisiten Treffen verirrt hätten, ist näherungs- oder Abwerbeversuch in die-
same Front gegen die Versailler Ordnung“ erst einmal nicht anzunehmen. Hervorste- ser Richtung mit dazugehören. Die natio-
gewinnen wollten; Erfolg war ihr dabei chend wirken jedoch zwei Gruppen, die nalkonservative, monarchistische oder ka-
nicht unmittelbar gegönnt, aber sie wirkte vorgeblich an dem Treffen teilnahmen tholisch-fundamentalistische Unterströ-
(zusammen mit ähnlichen Erscheinun- und sich vom Rest abheben: die vom Au- mung der französischen extremen Rech-
gen) als einer der Wegbereiter für den spä- tor genannten „Trotzkisten“ und “mut- ten vermochte es jedenfalls nicht in ver-
ter siegreichen Nationalsozialismus. Im maßlichen Islamisten“. An dieser Stelle gleichbarem Maße, ehemalige Linke oder
heutigen Frankreich handelt es sich hin- gebietet sich eine kritische Prüfung, den Antirassisten herüber zu ziehen.
gegen um eine, alles in allem maximal ein Wahrgeheitshalt dieser Behauptung be- Bemerkenswert ist dabei jedoch, dass
paar Hundert Personen starke, spezielle treffend. auch Parteichef Jean-Marie Le Pen vom
ideologische Unterströmung der „Natio- Was die angeblichen „trotzkistischen“ FN die Tagung mit seiner persönlichen
nalrevolutionäre“. Teilnehmer betrifft, so legt der Autor des Anwesenheit beehrte. Auch wenn er, laut
Querfront-Projekt: Artikels selbst eine Fährte, indem er einen dem Bericht von Nicolas Gauthier in NH,
Sammelsurium von „Rebellen aller Namen für dieses Spektrum nennt. Er erst am zweiten Veranstaltungstag „zum
Art“ oder politischer Bluff? schreibt: „Der Ökumenismus (Anm.: die sonntäglichen Mittagessen“ eintraf. Dem
gemeinde- oder konfessionsübergreifende Bericht von Gauthier zufolge richtete er
Leute wie Christian Bouchet lieben es, Gemeinsamkeit) geht so weit, dass der allerdings auch eine Ansprache an die
das Szenario einer angeblichen gemeinsa- Schriftsteller Jean Robin, den wir man- Versammelten, deren Inhalt zwar nicht
men Front sämtlicher „Rebellen“, an der gels besserer Begrifflichkeit als ,trotski- wiedergegeben wird, die der NH-Journa-
sie selbst auf legitime Weise teilhaben sant‘ (Anm.: >trotzkisierend< oder trotz- list aber so zusammenfasst: „Jean-Marie
könnten, auszumalen. Ähnlich liest sich kismusähnlich) definieren werden, und Le Pen blieb es vorbehalten, auf die Zu-
der Veranstaltungsbericht in der FN-na- der im übrigen jüdischer Herkunft ist, die kunft der alten Idee, die die Nation dar-
hen Wochenzeitung National Hebdo, des- Anwesenden durch die Vorstellung seines stellt, zu insistieren. Er tut es mit Begrif-
sen Autor (Nicolas Gauthier) dabei aber jüngsten Essays ,La judéomanie‘ in Bann fen, die bei allen (Anwesenden) für Ein-
anscheinend ein bisschen zu tief in den ziehen kann...“ Stellt man aber Nachfor- verständnis sorgen.“
Farbkasten gegriffen hat, um ein getreues schungen zu besagtem Jean Robin an, so Neben dem Bericht von N. Gauthier
Abbild der Wirklichkeit zu malen. So trifft man auf nichts, aber schlichtweg gar auf Seite 11 (von NH; Ausgabe vom 13.
scheint sein Artikel nicht von Übertrei- nichts, was ihn auch nur entfernt mit dem September) findet sich allerdings auf der
bungen frei zu sein; die politische Ab- Trotzkismus oder anderen Varianten des Seite 2 auch noch ein Kasten unter dem
sicht, die er mit seiner Beschreibung ver- Marxismus in Verbindung bringen würde. Titel: „Le Pen bei Soral“. Dort wird eine
knüpft, wird jedoch offenkundig. Hingegen findet sich die Bestätigung, längere Passage aus Le Pens Erklärung
Nicolas Gauthier startet seinen Bericht dass fraglicher Schriftsteller – ob er nun wiedergegeben. In ihr heißt es: „Ich war
mit folgenden Sätzen: „Was zu allererst real jüdischer Herkunft, oder ob dies nur immer für die Gründung von unabhängi-
frappiert, das ist die Vielfältigkeit (diversi- eine durchsichtige Behauptung sei – tat- gen Strukturen zur Reflexion (zum Nach-
té) der Teilnehmer, 300 am Samstag und sächlich der Verfasser eines Buches na- denken), da ich mir darüber bewusst bin,
fast eben so viele am folgenden Tag. mens ,La judéomanie‘ (ungefähr: Der Ju- dass sie nur schwerlich im sehr engen
Kaum mehr als 20 Leute vom Front Na- den- oder jüdische Rummel) ist. Darin Rahmen der politischen Parteien gedeihen
tional. Die übrigen? Trotzkisten, die sich wirft er dem „jüdischen Kommunitaris- können. Diese sind von Natur aus im
Fragen stellen, ,Beurs‘ (Anm.: so nannte mus“ vor, fälschlich Alarmismus bezüg- Tagesgeschäft der Wahltermine eingebun-
man in den 1980er Jahren arabischstäm- lich antisemitischer oder rechtsextremer den (...) Die inhaltliche Analyse benötigt
mige französische Jugendliche, der Be- Tendenzen zu betreiben, und durch seine zudem eine gewisse Unabhängigkeit des
griff ist jedoch längst veraltet bzw. wird Umtriebe die Einheit von Nation und Re- Geistes und der (finanziellen) Mittel, wel-
von den so Bezeichneten inzwischen ab- publik zu gefährden. Dadurch wiederum che – man muss es wohl sagen – nicht
gelehnt) auf Sinnsuche, rechte Leute von werde die ,judéomanie‘ erst ursächlich unbedingt mit den Regeln des Funktionie-
links – Tercéristen (Anm.: wörtlich An- dafür, dass Antisemitismus entstehen kön- rens einer Partei zusammen passt. Ich lege
hänger des volksgemeinschaftlichen ne. Man könnte das Buch infolge solcher daher Wert darauf, den Teilnehmern
>dritten Weges< zwischen Kapitalismus Thesen als, nun ja, antisemitisches Mach- dieser Sommeruniversität zu gratulie-
und Marxismus im Sinne der Nationalre- werk bezeichnen. ren...“
volutionäre, also der ,troisième voie‘; von Was die behaupteten „mutmaßlich isla- Dies bedeutet so viel wie: Die Struktur,
,tierce‘ = dritte/r/s), wie man sie früher mistischen“ Teilnehmer betrifft, so bleibt die Alain Soral ins Leben gerufen hat, ge-
nannte, Katholiken, >Nationalbolsche- der Verfasser des Artikels in NH noch nießt eine Unabhängigkeit vom Front Na-
wisten<, Ehemalige des GUD (Anm.: ex- weitaus vager und unkonkreter – und lie- tional und politisch-ideologische Bewe-
trem gewalttätige rechtsextreme Studen- fert keinerlei Beleg. gungsfreiheit für ihre Gehversuche. Diese
tenvereinigung, die unter ihrem alten Na- Schlussbetrachtungen Manövrierfreiheit bedeutet aber im Ge-
men verboten ist), Royalisten, mutmaßli- genzug auch, dass die Partei nicht (unbe-
che Islamisten, auch einfache Neugierige; Eine echte „Querfront“ war das, was da in dingt) mit ihren politischen Experimenten
aber alles ausschließlich Leute, die sich der Nähe von Versailles tagte, jedenfalls identifiziert werden möchte. Falls aber
Fragen stellen.“` noch nicht: Es fehlten tatsächliche Brü- das ideologische Gebräu, das da aufge-
Aus dieser Beschreibung lässt sich ckenschläge in andere – rebellische, pro- setzt wird, einen Erfolg versprechen soll-
schon heraushören, dass unterschiedliche testlerische, gar linke – Spektren hinein. te, kann die rechtsextreme Partei ja dann
politische Strömungen der extremen Unterschiedliche Strömungen der extre- etwas von den Rezepten kopieren, die in
Rechten vertreten waren – Royalisten, ka- men Rechten blieben anscheinend weitge- diesem – „unabhängigen“ – Rahmen zu-
tholische Fundamentalisten... –, aber der hend unter sich, freilich zusammen mit ei- vor ausprobiert worden sind.
Schwerpunkt bei den Nationalrevolutio- nigen in den letzten Jahren frisch Hinzu- Bernhard Schmid, Paris ■

: antifaschistische nachrichten 19/20-2007 11


: ausländer- und asylpolitik
surdum geführt, so dass es keine faire
Chance mehr für Asylsuchende gäbe.
Die Konsequenz könne daher nur der so-
Fluggastdaten sollen an Mitgliedsstaaten der Europäischen Uni- fortige Stopp aller Abschiebungen und
Bundespolizei übermittelt on kein Aufenthaltsrecht, können aber die Schließung aller Abschiebegefäng-
auch nicht abgeschoben werden, weil die nisse sein.
werden Rückkehr in den Herkunftsstaat unmög- Noel Asanga Fon ist am 4.9.07 aus der
Berlin. Wer künftig per Flugzeug über lich ist. Diese Menschen befinden sich Abschiebehaft freigelassen worden.
die Schengen-Außengrenzen in die Bun- häufig in einem rechtlichen „Niemands- Nach drei Monaten Abschiebehaft wurde
desrepublik einreist, muss damit rech- land“. Immer wieder werden ihnen selbst festgestellt, dass die Ausländerbehörde
nen, dass seine Daten an die Bundespoli- die grundlegenden staatlichen Hilfen wie einen Formfehler begannen hat. Warum
zeidirektion übermittelt werden. Anga- Nahrung, Wohnung, Gesundheitsversor- dieses erst jetzt passierte, nachdem er
ben wie Namen, Geburtsdatum, Ge- gung oder Zugang zum Bildungssystem den Hungerstreik anführte und nicht di-
schlecht, Nummer des Reisedokuments verweigert. Dies sind die Ergebnisse von rekt beim Beginn der Haft, wird wohl
oder Flugnummer sollen nach dem Wil- 54 Interviews, die der JRS Europa vor al- nicht mehr geklärt werden können. Ne-
len der Bundesregierung „unverzüglich“ lem mit Betroffenen, aber auch mit ben Noel Asanga Fon sind zwei weitere
an die Bundespolizei übermittelt werden, Hilfsorganisationen geführt hat. Auch in Gefangene, die maßgeblich an dem
sobald der Check-in der Fluggäste für Deutschland wurden solche Interviews Streik beteiligt waren, entlassen worden.
den betreffenden Flug geschlossen ist. geführt. Pater Martin Stark, der Direktor Die JVA Büren behauptete gegenüber
Das sieht ein Entwurf zur Änderung des des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes Medienvertretern, es befänden sich nur 5
Bundespolizeigesetzes vor, den die Bun- Deutschland, fasst die Ergebnisse wie Inhaftierte im Hungerstreik. Dieses wird
desregierung nun vorgelegt hat. folgt zusammen: „Besonders Menschen jedoch von den Gefangenen massiv de-
Darin heißt es, dass nicht von allen mit einer Duldung und Menschen ohne mentiert.
Flügen Daten übermittelt werden sollen, jeglichen Aufenthaltsstatus sind in Seitdem der Streik begonnen hat, sind
sondern nur in Fällen, in denen die Über- Deutschland Opfer gezielter Ausgren- bei jeder Mahlzeit mindestens 60 Essen
mittlung „ausdrücklich verlangt wird“. zung. Der Zugang zur medizinischen unberührt zurückgegeben worden. Die
So könnten Flugstrecken, die nach den Versorgung ist ihnen entweder vollstän- Gefangenen vermuten, dass diese Fehlin-
behördlichen Erkenntnissen häufiger als dig versperrt oder zumindest stark einge- formation zur Destabilisierung der Hun-
andere für illegale Einreisen genutzt schränkt. Sie können häufig ihre Kinder gerstreikenden beitragen soll. Schon in
werden, gezielter überprüft werden. Die nicht in die Schule schicken und sind zur der Vorbereitung des Hungerstreikes
Übermittlungspflicht gelte für alle Flug- Sicherung ihres Lebensunterhaltes auf wurde der Faxversand, mit denen die Ge-
gäste und differenziere nicht nach deren Schwarzarbeit angewiesen.“ fangenen die Aktion vorbereiteten, von
Staatsangehörigkeit. Die Luftfahrtunter- Die 167-Seiten umfassende Studie der JVA teilweise unterbunden und erst
nehmen müssten ihre Fluggäste über die „We Are Dying Silent - Report on Desti- Beschwerden ermöglichten den Gefan-
elektronische Übermittlung der Daten in- tute Forced Migrants“ (in englischer genen eine freie Kommunikation nach
formieren, heißt es in dem Entwurf. Bei Sprache) findet sich unter www.jrseuro- außen. Der Verein ,Hilfe für Menschen in
den Unternehmen würden die Daten 24 pe.org Abschiebehaft Büren e.V.‘ unterstützt
Stunden nach ihrer Übermittlung ge- Quelle: JRS-Newsletter – 11.09.07 ■ die Forderungen der Streikenden. Presse-
löscht. sprecher Frank Gockel meint dazu, dass
Zur Begründung schreibt die Regie- 60 Gefangene der JVA es verwunderlich ist, dass die Menschen
rung, der Gesetzentwurf diene der Um- angesichts ihrer Verzweiflung bisher so-
setzung einer Richtlinie des Europäi- Büren im Hungerstreik lange ruhig gehalten haben. „Das Ab-
schen Rates und werde dazu führen, dass Büren. 60 Inhaftierte der Abschiebe- schiebesystem der Bundesrepublik ist
mehr Zeit für die grenzpolizeiliche Über- haftanstalt Büren befinden sich seit dem absolut Menschen verachtend, der sofor-
prüfung von Flugpassagieren zur Verfü- 2.9.07 in einen unbefristeten Hunger- tige Stopp aller Abschiebungen und die
gung stehe. Die Übermittlung der Flug- streik. Ihr Ziel ist die sofortige Freilas- Schließung der Abschiebegefängnisse
gastdaten sei ein „wichtiges Instrument sung aller Abschiebehäftlinge. Am kann daher nur der richtige Weg sein.“,
zur Verbesserung der Einreisekontrolle 2.9.07 fand in Büren eine Demonstration so Gockel wörtlich.
und zur Bekämpfung der illegalen Ein- unter dem Motto „Kriege beenden, Ab- Der Verein ,Hilfe für Menschen in Ab-
wanderung“. Quelle: Büro JRS ■ schiebung Abschaffen, Menschenrechte schiebehaft Büren e.V.‘ fordert die JVA
durchsetzen“ statt. Unter anderem gab es auf, endlich eine Gefangenenmitverwal-
Politik des „Ausgrenzens auch eine Kundgebung vor der JVA Bü- tung, die von den Gefangenen zu wählen
ren, die zu einer der größten Abschiebe- ist, zuzulassen und den Beirat der JVA in
und Aushungerns“ haftanstalten der Bundesrepublik zählt. der Form einzusetzen, wie er vom Kreis-
Brüssel. Einen umfangreichen Bericht Bei dieser Kundgebung wurde ein Rede- tag in Paderborn gewählt wurde. „Nur so
über die soziale Ausgrenzung von beitrag von Noel Asanga Fon aus Kame- ist sichergestellt, dass auch staatlich un-
Flüchtlingen in sieben europäischen run verlesen, der sich zu dem Zeitpunkt abhängige Stellen eine Kontrolle inner-
Staaten hat der Jesuiten-Flüchtlings- in der Abschiebehaftanstalt befand. Die- halb der JVA durchführen können und
dienst Europa kürzlich in Brüssel vorge- ser Beitrag war gleichzeitig der Beginn damit die JVA nicht in der Lage ist, In-
stellt. Behandelt wird die Situation in eines Hungerstreiks, dem sich 60 Inhaf- formationen zu manipulieren“, so Frank
Belgien, Deutschland, Großbritannien, tierte anschlossen. Gockel, Vorsitzender des Hilfsvereins.
Italien, Malta, Portugal und Rumänien. Die Hungerstreikenden fordern die so- „Eine weitere Möglichkeit wäre eine Un-
Die Rechtslage ist in den einzelnen Staa- fortige Schließung aller Abschiebege- tersuchungskommission, die den Vor-
ten unterschiedlich. Überall jedoch wer- fängnisse in Deutschland. Die BRD habe würfen der Gefangenen nachgeht.“ Go-
den Flüchtlinge, vor allem wenn sie nicht sich durch die Unterzeichnung diverser ckel glaubt aber nicht, dass die JVA be-
abgeschoben werden können, mit staatli- internationaler Verträge, unter anderem reit ist, sich unabhängigen Beobachtern
chen Maßnahmen an den Rand der Ge- der Genfer Flüchtlingskonvention, ver- zu stellen. Zuviel würde seiner Meinung
sellschaft gedrängt. Ihre sozialen Men- pflichtet, Flüchtlingen Asyl zu gewäh- nach im Gefängnis schief laufen.
schenrechte werden zum Teil gezielt ver- ren. Diese Verpflichtung werde jedoch Quelle: caravane-
letzt. Viele Flüchtlinge erhalten in den durch die deutsche Gesetzgebung ad ab- info@lists.idash.org - 5.9.07 ■

12 :antifaschistische nachrichten 19/20-2007


Anti-Folter-Ausschuss Keiner der jungen Aktivisten hat letz- bungen zu erklären, ansonsten würde die
kritisiert Versäumnisse bei ten Montag daran geglaubt, dass dieser Kampagnestattfinden. Die Karawane-
Tag solch einen Erfolg bringen würde. München und JOG organisieren Protest-
Abschiebungshaft Montag um 9 Uhr landen sie am Flugha- anrufe aus ganz Europa bei Zagros-Air
Brüssel. Der Anti-Folter-Ausschuss fen Frankfurt Hahn. Gerade haben sie in Erbil, die ersten Journalisten fragen
(CPT) des Europarates hat Ende Juli sei- eine europaweiten Konferenz für die bei der Airline an. Der Druck wächst.
nen Deutschlandbericht veröffentlicht. Rechte irakischer Flüchtlinge in Schwe- Dann kommt am Montag den 3.9. ein
Einer der Schwerpunkte sind die Haftbe- den hinter sich. Dann soll es zurück nach Fax von Zagros Air: „Laut unserem Ge-
dingungen in Abschiebungshaftanstalten München. Auf dem Weg vom Flughafen spräch von letzter Woche habe ich, Frau
und Gewahrsamen. Deutlich wird darin nach München noch ein kurzer Zwi- Balsam El Fauzan, mit dem Chef der Li-
kritisiert, dass frühere Empfehlungen schenstopp in Frankfurt. Dort treffen sie nie Zagros Air über die Abschiebungen
auch nach vielen Jahren z.T. nicht umge- den hessischen Flüchtlingsrat (HFR) und gesprochen. Unsere Firma hat sich ent-
setzt seien. Insbesondere betreffe dies die Initiative gegen Abschiebung(IGA). schieden, ab dem 10.September 2007
die Rechte von Personen in Polizeige- Im Gepäck haben sie eine Kampagne ge- keine Abschiebungen Depos in den Irak
wahrsam und die Haftbedingungen von gen die Abschiebe-Airline „Zagros Air“, zu akzeptieren“.(Fax von Zagros-Air,
Abschiebungshäftlingen. So sieht CPT die sie zusammen mit dem Bayerischen 03.09.2007)
ein besonderes deutsches Versäumnis in Flüchtlingsrat, Karawane-München, BI Jetzt wird die Bundespolizei es sehr
einigen Bundesländern, wo es an einer Asyl Regensburg, Flüchtlingsforum Re- schwer haben, Abschiebungen durchzu-
bereichsspezifischen gesetzlichen Rege- gensburg und Münchener Flüchtlingsrat führen, denn aus Deutschlandfliegen
lung für die Abschiebungshaft gänzlich vorbereitet haben. Layout und Finanzie-
fehle. Daraus resultiere, so der Bericht, rung für15.000 Protestpostkarten auf
dass Abschiebungshäftlinge zum Teil deutsch, kurdisch und arabisch stehen.
wie Untersuchungs- oder Strafgefangene Kontakte für internationale Proteste sind
behandelt würden. Besorgt zeigt sich geknüpft. Eine Faxkampagne liegt in der
CPT über die kombinierte Benutzung Schublade. Eine Kundgebung vor der
von Hand- und Fußfesseln. Ständig miss- Zagros-Air Geschäftsstelle in Frankfurt
achtet trotz früherer Kritik von CPT wür- wird angemeldet und für den 10. Sep-
den die Rechte der von Freiheitsentzug tember werden gemeinsame Aktionen
Betroffenen, insbesondere das Recht auf am Frankfurter Flughafen geplant. Denn
Kontaktaufnahme mit einem engen Ver- am10. Septembergehen mindestens zwei
wandten oder einem sonstigen Dritten. Abschiebeflüge via Zagros-Air in Rich-
Im Prinzip sei unmittelbar nach der vor- tung Erbil.
läufigen Festnahme das Recht zur Kon- Kurz vor der Weiterfahrt nach Mün-
taktaufnahme zu gewährleisten. Bezüg- chen dann die spontane Entscheidung,
lich der zum zweiten Mal besichtigten Zagros-Air noch einen Besuch abzustat-
Abschiebungshaftanstalt in Eisenhütten- ten. Gesagt, getan: Aktivisten von Plakat einer Demo in Mannheim am 15.9.
stadt werden Verbesserungen konstatiert, J.O.G., Hessischem Flüchtlingsrat und
jedoch kritisiert, dass Fixierungstechni- Karawane-München besuchen die Ge- kaum Airlines in den Irak. Austrian Air-
ken ohne Einschaltung medizinischen schäftsstelle der Airline in Frankfurt. lines haben ihre Flüge eingestellt, nach-
Personals angewandt würden. Gelobt Zwei J.O.G.-Aktivisten werden schließ- dem sie beschossen wurden, Zozik-Air,
wird die Tatsache, dass das Land Bran- lich zu Frau Balsam El Fauzan, der Ge- die von München nach Suleymania
denburg und der Anwaltsverein Frank- schäftsführerin, vorgelassen. Von dem fliegt, hatte bereits gegenüber J.O.G. er-
furt an der Oder eine Vereinbarung über Gespräch erwarten wir uns nicht viel. So klärt, sich an solchen „Schweinereien“
den Aufbau eines Rechtsberatungssys- wird zunächst auch bestritten, dass über- nicht zu beteiligen. Schließlich bleibt als
tems in Eisenhüttenstadt geschlossen haupt Abschiebungen stattfinden. Dann letzte Möglichkeit, dass die Bundespoli-
hätten. Jeder Insasse habe nunmehr das wird behauptet, dass Zagros gesetzlich zei selbst Abschiebeflüge organisiert.
Recht auf eine zumindest einmalige kos- dazu verpflichtet sei abzuschieben. Man Die Kampagne gegen Irak-Abschie-
tenfreie Beratung. CPT schlägt ähnliches will die Aktivisten abwimmeln, doch Re- bungen (http://irak.antira.info) ist daher
für andere Einrichtungen in ganz bar Hama-Saleh (20) von JOG bleibt noch lange nicht am Ende. 70.000 Irake-
Deutschland vor. stur. „Wir haben mit der vorbereiteten rinnen in Deutschland sind potenziell
Quelle: JRS-Newsletter – 11.09.07 ■ Kampagne und dem Image-Verlust in der von Abschiebungen bedroht, da sie kei-
irakischen Community gedroht“, so Re- nen gesicherten Aufenthalt haben.
Airline steigt aus Abschie- bar-Hama Saleh, selber ein Kurde aus 11.000 Iraker wurde die Abschiebung
dem Irak.„Ich habe gesagt: Sie haben bereits angekündigt. (vgl. Bundestags-
bungen aus doch Bilder von kurdischen Wider- drucksache 16/2419 und http://irak.an-
München. Abschiebungen in den Irak standskämpfern an der Wand hängen, wir tira.info/widerrufsverfahren) Da Ab-
können vorerst nicht mehr stattfinden. sind doch auf einer Seite“. Plötzlich zeigt schiebungen jedoch auf absehbare Zeit
Die Jugendinitiative„Jugendliche Ohne auch die Geschäftsführerin persönliche nicht möglich sind, erhalten viele Iraker
Grenzen“ (J.O.G.) konnte mit Unterstüt- Betroffenheit, erzählt selber von Be- den Status der Duldung, mit dem die
zung des Bayerischen Flüchtlingsrats, kannten, die als Flüchtlinge in Deutsch- „Bereitschaft zur freiwilligen Ausreise“
der Karawane-München und anderer Or- land sind. Nach 45 Minuten kommt das gefördert werden soll. Was das konkret
ganisationen die irakisch-kurdische Air- Einlenken: „Wir werden keine Abschie- heißt, erklärt Rebar Hama-Saleh von
line Zagros-Air zum Ausstieg aus dem bungen mehr durchführen.“, erklärt Frau JOG: „Da die Flüchtlinge nicht abge-
Abschiebegeschäft bewegen. „Unsere Balsam El Fauzan. Sie müsse das jedoch schoben werden können, sollen sie durch
Firma hat sich entschieden, ab dem 10. mit der Hauptgeschäftsstelle der Zagros- Arbeitsverbote, Lagerunterbringung, Re-
September 2007 keine Abschiebungen Group in Erbil abklären. sidenzpflicht und Versorgung mit Sach-
Depos in den Irak zu akzeptieren“, so Der Bayerische Flüchtlingsrat legt am leistungen soweit zermürbt werden, dass
Zagros-Air. Damit gibt es keine Airline Dienstag nach und setzt Zagros-Air sie freiwillig ausreisen. Wir fordern ein
mehr, die Abschiebungen in den Irak für schriftlich eine Frist bis zum 3.9., um öf- Aufenthaltsrecht für alle Flüchtlinge.
die Bundespolizei durchführt. fentlich den Ausstieg aus den Abschie- Diese Politik der Zermürbung und Ab-

: antifaschistische nachrichten 19/20-2007 13


schiebung ist nicht nur ein Verstoß gegen zender der Deutschen Bischofskonfe- sich aussuchen will, nach dem Kriterium
internationales Flüchtlingsrecht, sondern renz, Karl Kardinal Lehmann, der Vorsit- der Nützlichkeit. Bundesinnenminister
zynisch und menschenverachtend. In ei- zende des Rates der Evangelischen Kir- haben nie verhehlt, dass die Abschottung
ner Situation mit 700.000 Binnenflücht- che in Deutschland, Bischof Dr. Wolf- Europas gegen die Verfolgten und die
lingen im Irak, 1.5 Millionen Flüchtlin- gang Huber, und Metropolit Augousti- Hungerleider Platz schaffen soll für die
gen in Syrien und einer Million in Jorda- nos, Griechisch-Orthodoxer Metropolit ökonomisch erwünschte Einwanderung.
nien, ist es beschämend zu sehen, dass von Deutschland: „Ein Leben, das der Die Wirtschaftsgemeinschaft EU domi-
Deutschland nicht einmal den 70.000 Würde des Menschen in vollem Umfang niert die Wertegemeinschaft. Politiker
Irakern, die es bis hierher geschafft ha- gerecht wird, gibt es nur in einem gesell- haben das gesellschaftliche Verständnis
ben, Schutz gewährt.“ schaftlichen Umfeld, das die Freiheit je- für die Notwendigkeit des Flüchtlings-
flucht mailing list flucht@nds- des Menschen achtet und sie durch Be- schutzes systematisch unterminiert. Den-
fluerat.org (5.9.07) ■ teiligung aller fördert.“ noch treffen sie beim Versuch, die Opfer
Quelle: www.interkulturellewoche.de ihrer restriktiven Asylsysteme abzu-
Interkulturelle Woche 2007 - PM vom 29. August 2007 ■ schieben, in den meisten EU-Staaten auf
Widerstand.
setzt ein sichtbares Zeichen Humanitäre Regelungen, die Legali-
Tag des Flüchtlings 2007:
der Solidarität sierung von Menschen ohne Papiere in
Im September 2007 findet bundesweit Flüchtlinge schützen – nicht Südeuropa oder die aktuelle Bleibe-
unter dem Motto „Teilhaben – Teil wer- abschieben! rechtsregelung in Deutschland sind das
den!“ die diesjährige Interkulturelle Wo- Der Tag des Flüchtlings mit dem Motto Ergebnis zivilgesellschaftlichen Engage-
che statt. Die Kirchen rufen bundesweit „Flüchtlinge schützen – nicht abschie- ments. Aus Flüchtlingsschutz ist aber zu-
dazu auf. Die Vorsitzende des Ökumeni- ben!“ wird am 28. September 2007 be- nehmend der Kampf um den bloßen Ab-
schen Vorbereitungsausschusses, Gabrie- gangen. Er bettet sich in die Interkultu- schiebungsschutz geworden. Viele der in
le Erpenbeck, erwartet, dass in mehr als relle Woche ein, die vom 23. bis 29. Sep- Deutschland lediglich mit einer Duldung
200 Kommunen und Gemeinden rund tember 2007 unter dem Motto „Teilha- Lebenden sind zuvor durch die Maschen
3000 Veranstaltungen stattfinden. ben – Teil werden“ stattfindet. eines kaum noch vorhandenen Systems
Frau Erpenbeck ruft Kirchengemein- Der Tag des Flüchtlings widmet sich im des Flüchtlingsschutzes gefallen. Diesen
den und Kommunen, Verbände und Ini- Schwerpunkt einerseits der Situation von Zusammenhang hat der Menschenrechts-
tiative zur aktiven Beteiligung an der In- Flüchtlingen an den Außengrenzen kommissar des Europarates in seinem
terkulturen Woche auf. Angesichts der Europas und wird andererseits der Aus- Deutschlandbericht vor Kurzem betont.
rassistisch motivierten Angriffe und gestaltung der nationalen Bleiberechtsre- Nicht abschieben! ist also das Eine,
Hetzjagden in verschiedenen Orten und gelung sowie deren Auswirkungen in das Insistieren auf dem Flüchtlings-
einer viel zu weit verbreiteten ausländer- den Focus nehmen. Die dazu stattfinden- schutz das Andere.
feindlichen Grundhaltung seien Signale den Veranstaltungen und Aktionen sind Ausländerrecht ist hierzulande nach
der Solidarität mit Migranten und in der Regel in den jeweiligen Program- wie vor Gefahrenabwehrrecht. So haben
Flüchtlingen erforderlich. „Die Interkul- men der Städte zur Interkulturellen Wo- denn auch die aktuellen Änderungen des
turelle Woche ist die öffentlich sichtbare che enthalten. Zuwanderungsrechts, mit dem europäi-
Antwort der Zivilgesellschaft auf offe- „Europa ist ein Asylkontinent und sche Richtlinien umgesetzt werden sol-
nen und versteckten Rassismus.“ sagt Er- muss es bleiben. Es kann sich seiner Ver- len, den Flüchtlingsschutz nicht vorwärts
penbeck. „Rassismus hat nur dann ein antwortung gegenüber Menschen, die in- gebracht, wohl aber einen erneuten Wett-
Chance, wenn er auf eine heimliche oder ternationalen Schutz benötigen, nicht bewerb der Restriktionen ausgelöst. Ein
offene Zustimmung stößt.“ entziehen.“ Diese Mahnung von UN- Land, in dem eine Ausländerbehörde ih-
Die Anlässe für eine ausländerfeindli- Flüchtlingskommissar Antonio Guterres ren Funktionsbereich auf dem Briefkopf
che und rassistisch geprägte Handlungen könnte das Motto des diesjährigen Tages mit „Ausländerrecht und allgemeine Ge-
seien austauschbar. Gewalttätige Angrif- des Flüchtlings am 28. September 2007 fahrenabwehr“ angibt – und damit nicht
fe seien nur die „Spitze des Eisberges“. sein. Europa als Asylkontinent jedoch ist einmal falsch liegt – muss sich nicht
Nicht nur im Osten Deutschlands gebe es eher eine historische Reminiszenz. Denn wundern, dass Deutschland selbst für die
eine subtile Ablehnung von Migranten es entzieht sich permanent seiner Verant- viel beschworenen hoch qualifizierten
und Minderheiten. So werde sie auch wortung – und bürdet sie den Staaten im Zuwanderer kaum attraktiv ist.
sichtbar, wenn Moscheen gebaut werden armen Teil der Welt auf. Wo die weitaus Das Pendant zur ausländerrechtlichen
sollen. „Das Grundrecht auf Religions- meisten Flüchtlinge in dieser Welt leben, Einigelung im Inland ist die militarisierte
freiheit gilt für alle, auch für Muslime; da sollen sie auch bleiben, so das inoffi- Abschottungspolitik an den EU-Außen-
dazu gehört auch der Bau von Mo- zielle Programm der EU unter dem grenzen. Sie setzt darauf, dass auch die
scheen.“ sagte Erpenbeck. Die Vorsitzen- Stichwort „Regionalisierung des Flücht- Gutwilligen angesichts der sich wieder-
de des Ökumenischen Vorbereitungsaus- lingsschutzes“. Europa leistet schon holenden Bilder der Ertrunkenen ab-
schusses zur Interkulturellen Woche for- längst keinen angemessenen Beitrag stumpfen. Das Kalkül: Wenn es gelingt,
dert insbesondere die Kirchengemeinden mehr zur Aufnahme von Flüchtlingen. In Flüchtlinge fernab von Europa zu stop-
auf, Muslime beim Eintreten für ihre der EU gehen die Asylantragstellerzah- pen, dann wird sich hierzulande kaum
Rechte zu unterstützen. Dabei handelten len seit vielen Jahren zurück. Wer es noch jemand für ihr Schicksal interessie-
sie auch im eigenen Interesse. Denn es schafft, den europäischen Limes zu über- ren.
gelte, sich einer verbreitenden Grundein- winden, der verzichtet oft auf die gerin- Dieser Absicht müssen die Unterstüt-
stellung entgegen zu treten, dass Religi- gen Chancen, die ihm engherzige und zerinnen und Unterstützer von Flüchtlin-
on etwas unzeitgemäßes oder altmodi- unfaire Asylsysteme in vielen europäi- gen entgegenwirken. Europa muss wie-
sches sei. Ziel ist das Gelingen der Inte- schen Staaten bieten. Es wächst stattdes- der ein Kontinent des Asyls werden, das
gration. „Dadurch wird ein gesellschaft- sen die Zahl derer, die einen Weg des ist eine der Botschaften des diesjährigen
liches Klima geschaffen, das rassisti- Überlebens ohne Papiere in Europa su- Tages des Flüchtlings.
schen Haltungen den Resonanzboden chen. Kommentar von Günther Burkhardt
entzieht.“ sagt Erpenbeck. Europa spricht lieber von Migration, Geschäftsführer von Pro Asyl
In ihrem Gemeinsamen Wort zur In- auch dann, wenn von Flüchtlingen die Quelle: „Forum Migration
terkulturellen Woche betonen der Vorsit- Rede ist. Migranten sind die, die man September 2007“ ■

14 antifaschistische nachrichten 19/20-2007


: neuerscheinungen, ankündigungen
das Thema „Rechte Frauen“ zu geben,
historisch mit Bezug auf den NS, aktuell
mit Schwerpunkt auf die neonazisti-
Wettbewerb „Die Gelbe Mal „Frauen in der extremen Rechten“ schen Organisationen, Szenen und Akti-
Hand“ für Berufsschulen behandelt. vistinnen, durch eine Darstellung des
und Ausbildungsbetriebe Lange Zeit wurden extrem rechte Wissenschaftsstandes zu Einstellungs-
Frauen nicht als eigenständige Akteurin- mustern rechter Frauen sowie einem In-
Auch in diesem Jahr schreibt der Verein nen wahrgenommen. Neofaschismus galt terview über Rollen, Selbstbilder und
„Mach meinen Kumpel nicht an!“, der als ein Männerproblem. Ein verengter Fremdzuschreibungen von Frauen in der
seit über zwanzig Jahren gegen Rassis- Blick auf das Gewaltphänomen im Neo- extremen Rechten.
mus und Ausländerfeindlichkeit aktiv ist, faschismus bestärkte diese Sichtweise. Einige weitere Themen: Interview mit
wieder den Wettbewerb „Die Gelbe Hannes Heer ● White Man’s Burden:
Hand“ aus. Rassistische Töne aus neoliberalen Eli-
Der Wettbewerb richtet sich an Be- tezirkeln ● Omnipotenzfantasien: Neo-
rufsschulen und andere in der berufli- nazi Steffen Pohl unter der Lupe ●
chen Bildung tätige Einrichtungen sowie RechtsRock in NRW: Ein Update, Teil 1
an Ausbildungsbetriebe und Verwaltun- ● „Eigen volk eerst“: Der extrem rechte
gen. Eingereicht werden können Beiträ- Vlaams Belang in Belgien ● Kein Ras-
ge zum Thema Rechtsextremismus und sismus? Die Anthroposophie ● „Einzel-
Rassismus; es sind aber auch interkultu- kämpfer der Erinnerung“? Eine kurze
relle und interreligiöse Themen willkom- Entstehungsgeschichte der NS-Gedenk-
men. Die Beiträge werden ins Internet stätten in NRW und vieles mehr.
gestellt und sollen andere dazu motivie-
ren, selbst aktiv zu werden. Zu gewinnen Infos zum Bezug der LOTTA sind unse-
gibt es Geld- und Sachpreise im Wert rer Homepage www.free.de/lotta un-
von bis zu 1000,- Euro. ter der Rubrik „Abo“ zu entnehmen.
Die letztjährigen Wettbewerbsbeiträge
können auf der Internetseite www.gelbe-
hand.de eingesehen werden. Es können 2. Sozialforum in Deutsch-
beispielsweise auch Unterrichtseinhei- land vom 18. bis zum
ten, die in diesem Jahr durchgeführt 21. Oktober in Cottbus
wurden, aber auch Projekte und andere In enger Zusammenarbeit mit verschiedens-
Aktivitäten eingereicht werden. ten zivilgesellschaftlichen Gruppen, mit At-
tac und der Friedensbewegung, mit großen
Weitere Informationen über: Eine solche Sicht auf rechte Frauen DGB-Gewerkschaften und den regionalen
„Mach meinen Kumpel nicht an!“ e.V. änderte sich Anfang der 90er Jahre. Gewerkschaftsorganisationen hat die Initia-
Hans-Böckler-Str. 39, 40476 Düssel- Damals machten BeobachterInnen der tive Sozialforum alle organisatorischen Vo-
dorf, Tel. 0211 - 4301 193 , Fax: 0211 - rechten Szene, oftmals feministische An- raussetzungen für ein erfolgreiches 2. Sozi-
4301 134, killguss@gelbehand.de tifa-Gruppen, darauf aufmerksam, dass alforum geschaffen. Mit der Stadtverwal-
tung von Cottbus gibt es eine enge Koope-
www.gelbehand.de sich immer mehr Frauen in der extremen ration. Die zentral gelegenen Veranstal-
Rechten bewegten. Zwischenzeitlich gibt tungsorte bieten die Gewähr, dass die Be-
LOTTA #28 zu „Frauen in es eine Reihe von wissenschaftlichen völkerung der Stadt und der Umgebung an
Veröffentlichungen zum Thema, und den zahlreichen Veranstaltungen teilneh-
der extremen Rechten“ ist auch die Medien haben sich des Themas men kann. Die geografische Nähe zu Polen
erschienen intensiver angenommen, wenn auch häu- und Tschechien schafft die Voraussetzun-
Vor wenigen Tagen ist die Ausgabe #28 fig sehr oberflächlich, sensationslüstern gen für eine umfängliche Teilnahme aus die-
sen Nachbarländern.
der LOTTA – antifaschistische Zeitung und moralisierend.
Auch die Gestaltung des Programms ist weit
aus NRW (www.free.de/lotta) erschie- Mit dem LOTTA-Schwerpunkt soll gediehen. Es ist jetzt Zeit, die selbstorgani-
nen. Als Schwerpunktthema wird dieses versucht werden, einen Überblick über sierten Seminare und Workshops anzumel-
den, um eine reibungslose und rechtzeitige
Organisation des Gesamtprogramms zu ge-
währleisten. Wir bitten alle Interessierten
Der Herausgabekreis und die Redaktion sind zu erreichen über: Gruppen und Initiativen, ihre Veranstal-
GNN-Verlag, Zülpicher Str. 7, 50674 Köln Tel. 0221 / 21 16 58, Fax 0221 / 21 53 73. tungswünsche so bald wie möglich über
email: antifanachrichten@netcologne.de, Internet: http://www.antifaschistische-nachrichten.de
www.sozialforum2007.de und dort über
Erscheint bei GNN, Verlagsges. m.b.H., Zülpicher Str. 7, 50674 Köln. V.i.S.d.P.: U. Bach
Redaktion: Für Schleswig-Holstein, Hamburg: W. Siede, erreichbar über GNN-Verlag, Neuer Kamp 25,
den Punkt „Anmelden“ zu registrieren.
20359 Hamburg, Tel. 040 / 43 18 88 20. Für NRW, Hessen, Rheinland Pfalz, Saarland: U. Bach, Auf dieser website stehen auch alle wichti-
GNN-Verlag Köln. Baden-Württemberg und Bayern über GNN-Süd, Stubaier Str. 2, 70327 Stuttgart, Tel. gen Informationen und Teilnahmebedingun-
0711 / 62 47 01. Für „Aus der faschistischen Presse“: J. Detjen c/o GNN Köln. gen zur Verfügung. In regelmäßigen Presse-
Erscheinungsweise: 14-täglich. Bezugspreis: Einzelheft 1,30 Euro. mitteilungen und Protokollveröffentlichun-
Bestellungen sind zu richten an: GNN-Verlag, Zülpicher Str. 7, 50674 Köln. Sonderbestellungen sind gen wird dort über den Fortgang der Vor-
möglich, Wiederverkäufer erhalten 30 % Rabatt. bereitungen informiert. Weitere Anfragen
bitte an info@sozialforum2007.de
Die antifaschistischen Nachrichten beruhen vor allen Dingen auf Mitteilungen von Initiativen. Soweit ein-
zelne Artikel ausdrücklich in ihrer Herkunft gekennzeichnet sind, geben sie nicht unbedingt die Meinung
Spenden für das zweite Sozialforum in
der Redaktion wieder, die nicht alle bei ihr eingehenden Meldungen überprüfen kann. Deutschland werden dringend erbeten :
Herausgabekreis der Antifaschistischen Nachrichten: Anarchistische Gruppe/Rätekommunisten (AGR); Annelie Bun-
Konto der Friedens- und Zukunftswerkstatt
tenbach (Bündnis 90/Die Grünen); Rolf Burgard (VVN-BdA); Jörg Detjen (Forum kommunistischer Arbeitsgemeinschaf- e.V., Kt.Nr. 200081292 bei der Frankfurter
ten); Martin Dietzsch; Regina Girod (VVN - Bund der Antifaschisten); Dr. Christel Hartinger (Friedenszentrum e.V., Leip- Sparkasse, (BLZ 500 502 01) Stichwort:
zig); Hartmut-Meyer-Archiv bei der VVN - Bund der Antifaschisten NRW; Ulla Jelpke (MdB); Marion Bentin, Edith Berg- SFiD2007
mann, Hannes Nuijen (Mitglieder des Vorstandes der Arbeitsgemeinschaft gegen Reaktion, Faschismus und Krieg– Für die Initiative Sozialforum
Förderverein Antifaschistische Nachrichten); Kreisvereinigung Aachen VVN-BdA; AG Antifaschismus/ Antirassismus in Willi van Ooyen ■
der PDS NRW; Angelo Lucifero (Landesleiter hbv in ver.di Thüringen); Kai Metzner (minuskel screen partner); Bernhard
Strasdeit; Volkmar Wölk.

: antifaschistische nachrichten 19/20-2007 15


: aus der faschistischen Presse
„Junge Freiheit“ gewinnt
nach Deuse-Interview
Schlageter zu Ehren Parlamentswahlen am 24. Februar 2008 Probe-Abos in Mügeln
Ingelheim/Mainz. Als Leser der in Hamburg, berichtet das Blatt über den Nach der Kritik an Mügelns Bürgermeis-
„Deutschen Nationalzeitung“ des DVU- Landesparteitag vom 2. September. Wie ter Gotthard Deuse (FDP) wegen dessen
Chefs Frey entpuppt sich der Landesvor- immer will man „ein Signal für Deutsch- Interview mit der umstrittenen Wochen-
sitzende des „Verband Deutscher Solda- land“ setzen. Wie immer redete der Par- zeitung „Junge Freiheit“ hat das Blatt
ten“ (VdS) in Rheinland-Pfalz. teivorsitzende. „Noch ist Deutschland nach eigenen Angaben mehrere Dutzend
Als „schändlich“ bezeichnet Dr. Niko- nicht verloren“, rief er den Versamm- Probekunden in der 5000-Einwohner-
laus Ruppenthal in einem Leserbrief in lungsteilnehmern zu und gemeinsam Stadt gewonnen. Zuvor habe der Verlag
dem Rechtsaußen-Blatt 31-2007 einen sang man auch alle drei Strophen des dort keinen einzigen Abonnenten gehabt,
Einstellungsbeschluss des Amtsgerichts Deutschlandliedes. Die Versatzstücke jetzt seien bereits rund 50 Bestellungen
Landsberg im Prozess gegen den antifa- dieser Art von Versammlungen scheinen für Probe-Abos eingegangen, sagte ein
schistischen Künstler Wolfram Kastner. immer die gleichen zu sein, garniert mit Sprecher des Verlages am Freitag in Ber-
Der hatte 2006 dort eine Granitstele für einigen Funktionären vor Ort. lin auf ddp-Anfrage. Der Verlag hatte
den 1923 als Führer eines Sabotage- Diesmal unterstrichen Peter Balnat, rund 550 Gratis-Exemplare der Zeitung
Trupps von einem französi- Vorstandsmitglied der Bre- in Mügeln verteilen lassen.
schen Kriegsgericht zum merhavener DVU, und Rudolf Die Staatsanwaltschaft Leipzig leitete
Tode verurteilten Albert Leo Bargmann, Abgeordneter in wegen der Gewaltexzesse gegen acht In-
Schlageter umgekippt. Die der Bremerhavener Stadtver- der vor knapp zwei Wochen inzwischen
Entscheidung des Gerichts, ordnetenversammlung, „die Ermittlungen gegen zwölf Männer im
so Ruppenthal, zeige „wie- Rolle der DVU als rechte Alter zwischen 17 und 35 Jahren aus
der einmal, wohin es mit Volksoppositon“ und kündig- Mügeln und Umgebung ein. Ihnen wer-
Deutschland gekommen“ ten „kraftvolle Unterstützung den Landfriedensbruch, Volksverhetzung
sei. Die Überführung des für den Hamburger Wahl- und gefährliche Körperverletzung vorge-
Leichnams des Freikorps- kampf“ an. worfen.
Mannes Albert-Leo Schlage- In einem längeren Artikel Quelle: ddp/lmh/ple 311240 Aug 07 ■
ter nach Schönau im befasst sich das Blatt mit der
Schwarzwald sei 1923 ein „Triumphzug Frage „Kann man die NPD verbieten?“, Comeback von Küssel?
mit gefeierten Zwischenhalten auf den ohne eine Antwort zu geben. Angebliche
großen Bahnhöfen“ gewesen. Ruppen- oder tatsächliche rechte Ausschreitungen Österreich. Nach seiner Haftentlas-
thal wurde 2006 auch zum 1. Vorsitzen- könne man nicht der NPD anlasten, fin- sung 1999 hielt sich Gottfried Küssel,
den des VdS-Kreisverbandes in Mainz det der ungenannte Autor und schon in der Gründer und Anführer der neonazis-
gewählt. Der VdS-Funktionär war in der den 50iger Jahren sei es der DDR-Ge- tischen Volkstreuen Außerparlamentari-
Vergangenheit auch Unterzeichner des heimdienst gewesen, der Hakenkreuz- schen Opposition (VAPO), eine Zeit lang
„Junge Freiheit“-Appells „für die Presse- schmierereien initiiert hätten, um eine bedeckt. Bis auf Besuche bei Gräbern
freiheit“ und des Aufrufs „Gegen das rechte Bedrohung herbeizufantasieren. von NS-„Helden“ (z. B. Walter Nowotny
Vergessen“ des „Institut für Staatspoli- Rassismus finde man „in jedem Land am Wiener Zentralfriedhof oder Otto
tik“. hma ■ eher als in Deutschland. Skorzeny am Döblinger Friedhof), Teil-
Es sei unanständig, mit eingeschleus- nahmen an „Heldengedenken“ zum 8.
DVU bereitet Wahlkampf in ten V-Leuten eine gegnerische Partei zu Mai und burschenschaftlichen Feierstun-
infiltrieren, heißt es schlapp. Es gäbe in den zeigte er sich kaum öffentlich. Zu-
Hamburg vor Deutschland „keinen wahrhaften Patrio- letzt war Küssel jedoch des Öfteren im
Nationalzeitung 37-2007 ten“, der den freiheitlichen demokrati- Umfeld der Arbeitsgemeinschaft für de-
vom 7. Sept. 2007 schen Rechtsstaat außer Kraft setzen mokratische Politik (AFP) und des Bun-
„Mit einem aus bewährten Aktivisten be- wolle. Eine wirkliche Verteidigung des des freier Jugend (BFJ) anzutreffen.
stehenden Führungsgremium“ gehe die Deutschlandpaktpartners NPD enthalten Nun soll er laut Berichten deutscher
DVU an den Start bei den anstehenden die Zeilen nicht. u.b. ■ Neonazis am 8. September beim „Fest
der Völker“ in Jena eine Rede gehalten
haben, in der er der „mörderischen Irr-
lehre des Liberalkapitalismus eine deut-
BESTELLUNG: Hiermit bestelle ich … Stück pro Ausgabe (Wiederverkäufer erhalten 30 % Rabatt)
liche Absage [erteilte]“. Vor ihm trat ein
O Halbjahres-Abo, 13 Hefte 22 Euro
Erscheinungsweise: weiterer „Ostmärker“ aus dem BFJ-Um-
O Förder-Abo, 13 Hefte 27 Euro 14-täglich feld auf: Karsten Thomas (Pseudonym)
O Jahres-Abo, 26 Hefte 44 Euro
behauptete, dass „es zwischen Österrei-
O Förder-Abo, 26 Hefte 54 Euro
chern und Deutschen keine Grenzen gibt,
O Schüler-Abo, 26 Hefte 28 Euro
sondern vielmehr ein Bruderband“. Die-
O Ich möchte Mitglied im Förderverein Antifaschistische Nachrichten werden. Der Verein unterstützt finanziell
und politisch die Herausgabe der Antifaschistischen Nachrichten (Mindestjahresbeitrag 30,- Euro). se Erkenntnis könnten „auch Verbotsge-
Einzugsermächtigung: Hiermit ermächtige ich den GNN-Verlag widerruflich, den Rechnungsbetrag zu Lasten
setze [...] nicht unterdrücken“.
meines Kontos abzubuchen. (ansonsten gegen Rechnung) Mehr als 1500 Neonazis aus fast ganz
Europa waren der Einladung der NPD
Name: Adresse: nach Jena gefolgt. Dieses völkische
„Fest“ im Dienste der Ausbildung einer
Konto-Nr. / BLZ Genaue Bezeichnung des kontoführenden Kreditinstituts länderübergreifenden Neonaziszene war
wie im vergangenen Jahr geprägt von
Unterschrift den üblichen Brandreden und von rassis-
tischen Hassgesängen von Skinbands
GNN-Verlag, Zülpicher Str. 7, 50674 Köln, Tel. 0221 – 21 16 58, Fax 21 53 73, email: gnn-koeln@netcologne.de
Bankverbindung: Postbank Köln, BLZ 370 100 50, Kontonummer 10419507
wie Brutal Attack oder Sleipnir.
www.doew.at ■

16 :antifaschistische nachrichten 19/20-2007