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:antifaschistische Nr.

25-26
nachrichten g 3336 13.12.2007 23. jahrg./issn 0945-3946 1,30 ¤
www.antifaschistische-nachrichten.de

Ein breites Bündnis hat am


Samstag, 8.12.2007, gegen
einen NPD-Aufmarsch in
Essen demonstriert.
Die NPD hetzte in ihrem Auf-
ruf gegen den Neubau der
ältesten Essener Moschee im
Stadtteil Altendorf und durfte
zusammen mit einem großen
Block der Kameradschaften
mitten durch den Nachbar-
stadtteil Frohnhausen mar-
schieren.
Mehr als 800 Menschen be-
teiligten sich an den Gegen-
aktionen. wof

siehe auch S. 7

Verhallen mehr als 175.000 Stimmen


zum NPD-Verbot ungehört?
Präsidium des Deutschen Bundestages ist nicht bereit, Unterschriften entgegenzunehmen
175.445 Bürgerinnen und Bür- In dem Brief heißt es, „dass die Obleu- Richter, Erwin Geschonneck und Gisela
ger aus allen Teilen des Landes te des Petitionsausschusses beschlossen May, der Kabarettist Jürgen Becker, die
unterzeichneten einen Brief an haben, dass zunächst keine persönlichen Liedermacher Konstantin Wecker, Han-
die Abgeordneten des Deutschen Übergaben an Abgeordnete des Petitions- nes Wader und Dieter Süverkrüp.
Bundestages, in dem diese aufgefor- ausschusses stattfinden sollen. Wir kön- Das ursprüngliche Ziel, bis zum 9. No-
dert werden, einen neuen Antrag nen Ihnen lediglich anbieten, die Unter- vember 100.000 Unterschriften zu sam-
zum Verbot der NPD in die Wege zu schriften bei einem Mitarbeiter oder einer meln, wurde bei zahlreichen bundeswei-
leiten. Initiator der vom 26. Januar Mitarbeiterin des Ausschussdienstes des ten Aktionen weit übertroffen. Es betei-
bis 9. November 2007 gelaufenen Petitionsausschusses in der Schadowstra- ligten sich Bürgerinnen und Bürger jeden
Kampagne „nonpd – NPD-Verbot ße 12/13 abzugeben“. Alters, Wohnortes und sozialer Herkunft,
jetzt!“ war die Vereinigung der Ver- Ein weiteres Schreiben vom 12. No- Gewerkschaften, Jugendverbände, Aus-
folgten des Naziregimes-Bund der vember an den Bundestagspräsidenten länderorganisationen, Betriebsräte, ka-
Antifaschistinnen und Antifaschisten mit der Aufforderung, endlich eine Klä- tholische und evangelische Kirchenge-
(VVN-BdA). Die Übergabe gestaltet rung herbeizuführen, blieb bislang unbe- meinden.
sich schwierig: antwortet. Unterschrieben haben den Brief auch
Als einen unglaublichen Affront be- die Bürgermeister aus Wunsiedel, Halle,
Zunächst weigerte sich das Bundestags- zeichnet Erstunterzeichnerin Esther Beja- Weimar, Bremen, Schwabach, Augsburg,
präsidium, den gesammelten Volkswillen rano, Überlebende von Auschwitz, das Nürnberg und Tübingen.
in Form der Unterschriften entgegenzu- Verhalten des Bundestagspräsidiums und Auf einer Pressekonferenz am 30. No-
nehmen. Die Empfehlung von Bundes- die Antwort des Petitionsausschusses. vember erklärte der Vorsitzende der
tagspräsident Norbert Lammert in einem „Es ist eine Unverschämtheit, den Willen VVN-BdA, Werner Pfennig, dass der
Brief vom 26. Oktober, man solle sich an von 175.000 Menschen in diesem Land Verband Druck machen werde, damit die
den Petitionsausschuss wenden, wurde am derart abzutun, indem man der VVN- Briefe mit den mehr als 175.000 Unter-
8. November von diesem ebenfalls ab- BdA anbietet, die Unterschriften bei der schriften ihre Adressaten erreichen.
schlägig beantwortet. Poststelle am Hintereingang abzugeben. Berlin, 30. November 2007
Ich frage mich, ob diesen Politikern klar Vereinigung der Verfolgten des Nazire-
Bedingt durch die Feiertage ent- ist, dass sie mit ihrem Verhalten genau gimes - Bund der Antifaschistinnen und
fällt die Ausgabe der AN am 27.12. denen in die Hände spielen, um deren Antifaschisten (VVN-BdA)
Die Nummer 1-2008 erscheint am Verbot es geht.“ Internet: www.vvn-bda.de ■
17. Januar. Die Jahrestagung fin- Unterstützt wurde die Kampagne von Letzte Meldung: Am 12. Dezember, 12 Uhr
zahlreichen prominenten Unterzeichnern, werden die Unterschriften auf der Freitrep-
det voraussichtlich am 23. Februar
darunter u.a. die Schauspieler Hannelore pe des Reichstages Abgeordneten des deut-
2008 statt. schen Bundestages übergeben.
Elsner, Peter Sodann, Rolf Becker, Ilja
: meldungen, aktionen
Bundesweite Demo gegen den
kapitalistischen Normalzustand:
Rechte „Ideenwerkstatt“ in Aber, so Rabehl, „es wird
Bielefeld sich Widerstand regen!“. Die
Bielefeld. Die von der „Burschenschaft Veranstaltung wurde von
UNSERE SOLIDARITÄT
Normannia-Nibelungen“ zum dritten etwa 150 Personen besucht. GEGEN IHRE REPRESSION!
Mal veranstaltete „Bielefelder Ideen- („DNZ“ 48-2007)
werkstatt“ fand im November zum The- hma ■ Hamburg, Sa., 15. Dezember,
ma „Politikverdrossenheit“ statt. Auf
dem Treffen sprachen der Mittelständler 13 Uhr Rote Flora
„Nationale Speise-
Jürgen Höpfner, der u.a. wegen eines In-
terviews mit der „Jungen Freiheit“ in die gaststätte“ in Näheres unter www.antirepressions-
Kritik geratene Ex-Bundesminister Karl- Mönchengladbach? kampagne-hamburg.de oder
Heinz Funke (SPD) und der NRW-Land- Mönchengladbach. Ein http://GemeintSindWirAlle.selfip.net
tagsabgeordnete Heinrich Kemper Eintrag im Forum der Home-
(CDU). Am zweiten Tag referierten der page der NPD Heinsberg
von Anhängern der extrem rechten Szene lässt befürchten, das die Nazis keine Heimat geben!
gern als Rechtsanwalt genommene Klaus Mönchengladbacher Neonazi-Szene der-
Kunze (Uslar), der „Danubia“-Burschen- zeit auf der Suche nach einer eigenen Remstal/Schorndorf. Am 15. Dezem-
schafter Sascha Jung sowie die Kölner Gastwirtschaft ist. Durch die Spendenbe- ber findet in Schorndorf/ Weiler eine De-
Soziologin Ute Scheuch. Letztere war reitschaft eines NPD-nahen „Kamera- monstration mit anschließender Kundge-
noch im vergangenen Jahr Interviewpart- den“ könne der Traum „eines nationalen bung statt. Sie richtet sich gegen die NPD-
nerin der „Jungen Freiheit“. hma ■ Speiselokals“ bald Wirklichkeit werden, Kneipe „Linde“, die zum Szenetreff der
schrieb dort am 25. November ein „Mar- Rechtsextremen geworden ist. Seit Au-
Nowotny-Ehrung in Wien ko70“ aus Mönchengladbach. Da das gust 2006 ist Jürgen Wehner Besitzer und
Lokal „aber nicht NPD geführt sein Betreiber der Gaststätte. Er ist bekennen-
Wien. Etwa 100 Personen nahmen am kann“, habe sich ein in der Gastronomie des NPD-Mitglied. Schon im Sommer
11. November auf dem Wiener Zentral- erfahrener „Kamerad“ „dazu bereit er- 2006 war des öfteren eine Reichskriegs-
friedhof an einer Gedenkveranstaltung klärt“, „als Pächter zu fungieren“. Ein flagge (schwarz-weiß-rot) vor der „Lin-
für den 1944 abgestürzten NS-Jagdflie- erstes Objekt in der Innenstadt sei bereits de“ zu sehen. Die „Schorndorfer Nach-
ger Walter Nowotny teil. „am Haken“. Das Speiselokal habe einen richten“ berichteten außerdem über in der
Der Bezirksobmann des ÖVP-nahen „Gesellschaftsraum für 80 Personen“, „Linde“ aushängende Fotos deutscher
Kameradschaftsbund Spitz an der Do- wo „Schulungen und Vorträge gehalten Landser beim Überschreiten der Grenze
nau, Walter Graf, kritisierte in seiner werden“ könnten. Das begehrte Objekt zu Polen und eine Deutschlandkarte mit
Rede die Aberkennung des Ehrengrab- sei brauereifrei und „direkt in der Stadt- erweiterter Ostgrenze. In der Nacht vom
Status für das Nowotny-Grab als „Kul- mitte an einer Zubringer-straße zur Hin- 23./24.10.06 wurden bei einer Razzia der
turbarbarei der Stadt Wien“. Anwesend denburgstraße gelegen“. Durch den Pri- Polizei Waffen und NPD-Werbematerial
waren bei der Veranstaltung u.a. Leo vatsponsor wäre „die Pacht für ein Jahr beschlagnahmt. Im Keller hatten Schieß-
Malleczek (98), ein „nationales Urge- gesichert“. Zwischenzeitlich sucht man übungen stattgefunden, die Anwohnern zu
stein“, so die „Deutsche Nationalzei- noch nach weiteren Objekten, wobei eine Folge bis heute stattfinden. Eine aktuelle
tung“ (48-2007) und „seit 1940 Obmann „brauereifreie Traditionsgaststätte“ in Studie über Rechtsextremismus im Rems-
der Wiener akademischen Turnerschaft der Stadtmitte von Mönchengladbach Murr-Kreis stellt eindeutig fest, dass Re-
Danubo-Markomania“, einige Landtags- oder Rheydt bevorzugt wird. Bereits lativieren, Ignorieren oder gar Akzeptie-
abgeordnete der FPÖ und der Wiener Ende Oktober hatte ein Eintrag in dem ren den Rechtsextremismus enorm stärkt.
FPÖ-Stadtrat Johann Herzog. hma ■ Forum für Aufsehen in Krefeld gesorgt. Dieser ist im Rems-Murr-Kreis jedoch
Demnach beabsichtigt die NPD im stark verankert, was nicht zuletzt der An-
Ex-Linke bei der FPÖ Rheinland, Büroräume in der Krefelder stieg rechtsmotivierter Straftaten von 77
Lindenstraße zu ersteigern. Die Verstei- im Jahr 2005 auf 91 im Jahr 2006 zeigt.
Wien. Das FPÖ-nahe „Freiheitliche Bil- gerung wurde mittlerweile auf den Janu- Erst im September dieses Jahres wurde ei-
dungsinstitut“ (früher „Freiheitliche ar verschoben. peb ■ nem engagierten Antifaschisten in Waib-
Akademie“) hat im Wiener Palais Palffy lingen als massive Drohung ein toter
ein Symposium zur „Frankfurter Schule“ Neues von der Heimatfront Fuchs mit einem NPD-Flugblatt an den
durchgeführt. Eingeladen waren der Briefkasten gehängt. In der Zwischenzeit
„Junge Freiheit“-Autor Herbert Ammon Neuss. Als erster Kreis im Land hat der hat sich herausgestellt, dass in der „Lin-
(Berlin), der ehemalige Bielefelder Uni- Rhein-Kreis-Neuss mit dem „Bund der de“ jeden 1. und 3. Samstag im Monat ei-
versitätsbibliotheksdirektor Johannes Historischen Deutschen Schützenbruder- ner von bundesweit acht „patriotischen
Rogalla von Bieberstein, Autor des Bu- schaften“ eine förmliche Kooperations- Stammtischen“ veranstaltet wird. Reger
ches „Jüdischer Bolschewismus“, der vereinbarung „über die Zusammenarbeit Besuch zeigt außerdem, dass sich die
„Ostpreußenblatt/PAZ“-Autor Klaus zur Verbesserung der öffentlichen Si- rechtsextreme Szene hier etabliert hat und
Rainer Röhl (Köln) sowie Bernd Rabehl cherheit und des allgemeinen Sicher- die Gaststätte auch als Schulungsraum
(Berlin). Den einstigen Weggefährten heitsgefühls“ geschlossen. Die Polizei dient. Es ist höchste Zeit, „hinzuschauen“
von Rudi Dutschke findet man mittler- wolle keine Bürgerwehr, meint Polizeidi- und zu handeln!
weile als Referenten u.a. bei NPD und rektor Fox, aber mitdenkende Partner, Wir wollen keine rechtsextremen Sze-
DVU. Die Deutschen seien ein „Heloten- die die Sorgen und Nöte der Bürger ken- netreffs, weder hier noch irgendwo sonst!
volk“ geworden, so der Ex-Linke Rabehl nen, Hinweise geben und ihre leistungs- Wir stehen auf gegen rechtsradikale Ge-
in seiner Wiener Rede. Die Medien, so starke Organisation einbringen. Die walttäter, Naziideologie und Propaganda!
Rabehl, redeten den Deutschen eine Schützenbruderschaften im Rhein-Kreis- Lasst uns gemeinsam ein Zeichen setzen
Schuld ein und gäben ständig die Parole Neuss umfassen etwa 20 000 Aktive. gegen Fremdenfeindlichkeit, Intoleranz
aus, sich mit den USA zu solidarisieren. peb ■ und Diskriminierung! Kommt zur De-

2 :antifaschistische nachrichten 25-2007


monstration am 15. Dezember um 14 Uhr
am S-Bahnhof in Weiler (Schorndorf) (für
Ortsunkundige Treffpunkt 13:30 Uhr am
Handeln statt warten!
Bahnhof Schorndorf) und zur Kundge- CDU zerredet ein NPD-Verbot
bung Platz vor der Traube ca. 15 Uhr ■
Alternatives Bündnis Remstal, Attac Regionalgruppe 175.000 Unterschriften für ein gab der Journalist Peter Scholl-Latour in
Schorndorf, Club Manufaktur e.V., DGB Ortsver- Verbot der NPD hat die der rechtsextremen Zeitung „Junge Frei-
bände Fellbach und Schorndorf, DKP Rems Murr, VVN/BdA inzwischen gesam- heit“ nicht zum ersten Mal ein Interview.
Grüne Jugend Rems-Murr, IG Metall Waiblingen (2) Warum wird diese Person nicht poli-
Ortsvorstand und Ortsjugendausschuss, Initiative melt und wollte diese dem Bundestags-
Weiler schaut hin, Juso-AG Schorndorf, Die Lin- präsidenten übergeben. Der lehnte einen tisch isoliert. Stattdessen tritt er bei Talk-
ke.Rems-Murr, Linksjugend [‘solid] Rems-Murr, Empfang der bekannten Antifaschistin Shows als Zeitzeuge in Erscheinung. So
Naturfreunde Ortsgruppe Schorndorf, Fa. Picobello Esther Bejarano einfach ab, ebenso der gar die Bundestagsfraktion DIE LINKE
Winterbach, Schwäbische Wirtschaftsberatung
GmbH, SPD Schorndorf, Schorndorfer Bündnis ge- Petitionsausschuss des Bundestages. hat Scholl-Latour Gehör verschafft.
gen Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus, Dies lässt tief blicken auf das soge- Die Zeitung „Junge Welt“ weist in ei-
Verdi Kreisvorstand Rems-Murr, VVN-Bund der nannte „Bündnis der Demokraten gegen nem Beitrag von Ulla Jelpke darauf hin,
Antifaschisten Rems-Murr und Baden-Württemberg den Rechtsextremismus“. So wurde im „dass in vielen Kommunalparlamenten
Alfred Denzinger, Jürgen Gaiser und Irmgard Bron-
ner-Gaiser, Evelyne Hofer, Adolf Riekenberg Vorfeld der Innenministerkonferenz am die strikte Ablehnung von NPD-Anträ-
VVN-BdA Ba.- Württ. Stuttgart ■ 6./7. Dezember viel über ein Verbot der gen ohne Debatte dazu geführt hat, die
NPD diskutiert. Herausgekommen ist öffentliche Resonanz für Neonazis deut-
Justiz weist NPD-Klage ab aber nichts. Die CDU hält faktisch ihre lich zu senken.“ (3)
schützenden Hände über die NPD,
Nürnberg. Die Staatsanwaltschaft weil sie sich weigert, die Verfas-
Nürnberg-Fürth hat die Ermittlungen ge- sungsschutzspitzel abzuziehen. In
gen Arno Hamburger, den Vorsitzenden der Diskussion über ein Verbot der
der Israelitischen Kultusgemeinde, den NPD wird immer deutlicher: Ohne
die NPD wegen Beleidigung angezeigt dieses geht es nicht.
hatte (wir berichteten, s. AN 24-07), ein- Der Berliner Staatsrechtler Ul-
gestellt. Auch die Ermittlungen gegen rich Battis erklärte:
Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich „Ich glaube nicht, dass man bei
Maly und den CSU-Bundestagsabgeord- einem neuen Verbotsantrag beson-
neten Thomas Silberhorn wurden zu den ders gute Karten hätte. Sie wissen,
Akten gelegt. Hamburger hatte die NPD wie das letzte Verfahren ausgegan-
eine „Verbrecher-Partei“ genannt. Maly gen ist. Die Richter sind überwie-
bezeichnete NPD-Mitglieder auf einer gend noch dieselben. Die V-Leute
Kundgebung in Gräfenberg als „Rechts- sind wahrscheinlich auch noch diesel- Eine Studie der Friedrich-Ebert-Stif-
extremisten“, Silberhorn nannte sie ben. Solange sich das nicht ändert, sind tung schlussfolgert:
„Neonazis“. Daraufhin hatte der bayeri- die Chancen nicht so gut. Das ist mehr „Für eine erfolgreiche und lebendige
sche NPD-Chef Anzeige wegen Beleidi- Schaukampf als wirklich real. Man kann Auseinandersetzung mit dem lokalen
gung erstattet. das wieder in Angriff nehmen, wenn die Rechtsextremismus ist es wichtig (und
Die Justizbehörden sehen die Äuße- V-Leute abgeschaltet sind … Aber die Voraussetzung) möglichst alle relevanten
rungen durch das Recht auf freie Mei- Verfassungsschützer brauchen in der institutionellen Akteure und möglichst
nungsäußerung gedeckt. Die Erklärun- NPD nicht so viele V-Leute, wie sie sie viele engagierte Bürgerinnen und Bürger
gen seien zur „Wahrnehmung berechtig- hatten. Sie müssen und können das ver- in ein dauerhaftes Kooperationsnetz bzw.
ter Interessen“ gemacht worden und da- ändern.“(1) bürgerschaftliches Netzwerk, eine dialo-
her keine Straftat. Man sei sich einig über die Bewertung gische Kultur der Zusammenarbeit und
Erklärungen bei Pressegesprächen und der NPD, aber uneinig, wie man handeln ein optimistisches Klima einzubeziehen
Kundgebungen dürften mit plakativen solle, erklärte Innenminister Schäuble. – hin zu einer gemeinwesenorientierten
und auch überspitzten Aussagen verdeut- Diese Reaktion des sonst so handlungs- Gesamtkultur.“ (4)
licht werden, da nur auf diese Weise hin- wütigen Bundesinnenministers muss die Ein Verbot der NPD wird nur kom-
reichende Aufmerksamkeit erreicht wer- NPD doch als Freifahrtschein für ihre men, wenn das politische Engagement
den könne. neonazistische Hetze betrachten. Wobei gegen den Rechtsextremismus nicht
Die NPD kann gegen den Bescheid Landtagsabgeordnete der LINKEN da- nachlässt.
Beschwerde einlegen, dann muss sich rauf hinweisen, dass das Wechselspiel Wenn die Innenminister jetzt angekün-
die Staatsanwalt erneut damit befassen zwischen NPD und Kameradschaften in digt haben, „Scientology“ in einem hal-
und – falls sie bei ihrer Einschätzung den neuen Bundesländern immer offen- ben Jahr verbieten zu wollen (5), dann
bleibt – die Angelegenheit an die Gene- sichtlicher wird. Aber auch an das Verbot werden wir mit Interesse verfolgen, wel-
ralstaatsanwaltschaft weiterleiten. der Kameradschaften gehen die Landes- che Rolle V-Leute dabei spielen bzw.
Quelle: Nürnberger Nachrichten innenminister und der Bundesinnenmi- hoffentlich nicht spielen.
22.11.2007 ■ nister nicht ran – eine Möglichkeit, neue Jörg Detjen ■
Fakten im Rahmen eines Verbotsszena-
Nachtrag zur Implosion der rios zu schaffen. Stattdessen machte der Quellen:
Berliner Innensenator Körting, SPD, den 1 Kölner Stadt-Anzeiger, 7.12.2007,
rechtsextremen Fraktion im Vorschlag, rechten Stiftungen die Ge- 2 Junge Freiheit Nr. 4/2007, 30.11.2007
3 Junge Welt, vom 7.12.2007
Europaparlament meinnützigkeit abzuerkennen. Da es aber 4 Politische Strategien gegen die extreme Rechte
Brüssel. Katzenjammer herrscht bei überhaupt noch keine NPD-Stiftung gibt, in Parlamenten,Folgen für kommunale Politik und
den Rechtsextremen im Europäischen ist dies ein Vorschlag, der ins Leere läuft. lokale Demokratie, Benno Hafeneger und Sven
Parlament: Ihre bisherige 21-köpfige ge- Wichtig wäre eher, Bündnisorganisatio- Schönfelder, Philipps-Universität Marburg/Lahn,
Fachbereich Erziehungswissenschaften, Institut
meinsame Fraktion löste sich am 14. No- nen und Pressemedien zu torpedieren, für Erziehungswissenschaft. Studie im Auftrag der
vember 2007 offiziell auf. Nachdem die Kontakte zu Rechtsextremen halten. Friedrich-Ebert-Stiftung, Forum Berlin.
sechs Abgeordnete (fünf Rumänen von Handeln, wo man handeln kann: Z.B. 5 FAZ vom 8.12.2007
weiter Seite 4
: antifaschistische nachrichten 25-2007 3
Fortsetzung von Seite 3
der „Großrumänienpartei“ PRM oder
‚Romana Mare‘ plus die Italienerin Ales-
Stiefel, Glatze etc.
sandra Mussolini) ihren Austritt aus der Augsburg. Gut versteckt in einer ten herrschen pure Menschenverachtung
Fraktion angekündigt hatten, fiel diese Nische neben dem Hörsaal eins und Hasspropaganda.“ Das mag als
unter die Schwelle der zwanzig erforder- ist bis zum 4. Dezember die Aus- quantitative Aussage richtig sein, geht
lichen Parlamentarier. Dadurch ging sie stellung „Rechtsradikalismus in Bayern“ aber an dem Umstand, dass viele Inter-
ihres Status – und der damit zusammen- des Bayernforum der Friedrich-Ebert- netseiten moderner Rechter Jugendliche
hängenden technischen und finanziellen Stiftung an der Universität Augsburg zu u.a. über die subkulturelle Ebene anspre-
Mittel, über eine Million Euro jährlich – besichtigen. Konzipiert als Reaktion auf chen und politische Inhalte subtil streu-
verlustig. Das Zusammenbleiben der die Zunahme rechtsextremer Straftaten en, treffsicher vorbei. Fraglich scheinen
Parlamentarier als Fraktion war damit im letzten Jahr, will die Ausstellung die zudem die Ausführungen zu rechtem
gegenstandslos geworden. Die Ankündi- mittlerweile parallel an über 100 Orten Lifestyle. Marken wie Masterrace und
gung des Verschwindens der rechtsextre- gezeigt und von 80.000 Interessierten be- Thor Steinar, die in der rechten Szene
men Abgeordnetengruppe erfolgte unter sucht wurde, über „die demokratiefeind- verwurzelt sind und deren Gewinne zu
dem Applaus der übrigen Europaparla- Teilen in diese zu-
mentarier, auf den der französische rückfließen, werden
Rechtsaußenpolitiker reagierte, indem er in eine Reihe gestellt
einem österreichischen Abgeordneten- mit Doc Martens und
kollegen, Hans-Peter Martin, eine obszö- Fred Perry, die seit
ne Geste – den „Stinkefinger“ – zeigte. Jahren antirassistische
(AN berichtete und analysierte die Ursa- Arbeit unterstützen.
chen) Jenseits fehlender
Ein Nachspiel der Affäre? Differenzierung und
Aktualität wirft die
Am Sonntag, 25. November wählten die Ausstellung die Frage
Rumäninnen und Rumänen ihre Vertreter nach Zielgruppe und
im Europaparlament neu. Ihre dortigen Anspruch auf. Wer
Repräsentanten waren bisher nicht durch soll darüber aufge-
die Bevölkerung direkt gewählt gewesen, klärt werden, dass die
sondern das nationale Parlament in Bu- REPs, die DVU und
karest hatte zum Zeitpunkt des rumäni- die NPD rechte Par-
schen EU-Beitritts (am 1. Januar 2007) teien sind? Welchem
eine Delegation aus seinen Reihen nach lichen Rechtsextremisten mit ihrem Zweck dient der Hinweis, dass Nazis
Strasbourg entsandt. Nunmehr wurden menschenverachtenden Weltbild“ (aus: Turnschuhe der Modemarke New Balan-
deren Mitglieder aber durch gewählte Informationspapier der Ausstellung) auf- ce tragen, weil das Markensymbol „N“
EU-Parlamentarier ausgetauscht. Dabei klären. Auf 15 Schautafeln werden Hin- für „National“ stehen soll? Rechte Codes
fiel die „Großrumänienpartei“ dieses tergründe über Parteien, Symbole, Inter- werden dekodiert, kurze Zeit später gibt
Mal bei den Wählerinnen und Wählern netpräsenz und Lifestyle der Rechten er- es neue Codes, subtile Anspielungen, die
haushoch durch. Konnte sie bis dahin läutert und versucht, Gegenmaßnahmen nur versteht, wer Teil der Szene ist oder
mitunter bis zu 15, 20 Prozent der Stim- aufzuzeigen. Dafür soll vor allem das sich intensiv mit ihr beschäftigt. Die Fra-
men erreichen, kam sie nunmehr auf 3,4 veränderte Erscheinungsbild der Rechts- ge nach dem Sinn des Hase-Igel-Wett-
Prozent der abgegeben Wähler/innen/ extremen herausgearbeitet werden. laufes im Identitätsspiel der Rechten und
stimmen. Damit scheiterte sie an der bei Die Ausstellung wird diesem An- der (selbsternannten) Verfassungsschüt-
diesem Urnengang geltenden Fünf-Pro- spruch leider nicht gerecht. Entspre- zer stellt die Ausstellung nicht. Vor allem
zent-Hürde. Ihr Chef, Vadim Tudor, er- chend dem Poster, das für die Ausstel- aber fragt sie nicht, wie es sein kann,
klärte daraufhin seinen Austritt aus dem lung mit dem Bild von Springerstiefeln dass „die demokratiefeindlichen Rechts-
rumänischen Nationalparlament und gab mit weißen Schnürsenkeln wirbt, sind extremisten mit ihrem menschenverach-
sein dortiges Abgeordnetenmandat zu- die Rechten auf den Schaubildern durch- tenden Weltbild (...) ein fester Bestand-
rück. weg Stiefelnazis und Scheitelträger. Dass teil des politischen Alltags zu werden“
Ob diese Niederlage mit der Affäre um der moderne Rechtsextremismus mittler- (ebd.) drohen.
die Hetze gegen rumänische Einwande- weile Subkulturen wie Hip-Hop und Aufklärung und Analysen über Neo-
rer in Italien aus der früheren gemeinsa- Punk teilweise erfolgreich integriert, Au- Nazismus lässt die Ausstellung vermis-
men Fraktion zusammenhängt, und ob tonome Nationalisten Auftreten und Pa- sen. Dafür bedient sie Stereotype und
die PRM-Parlamentarier eventuell unter rolen der Antifa kopieren und, entgegen moderne Mythen. Auf ihrer Internetseite
dem Druck des „zu Hause“ ablaufenden der Vorstellung von verbitterten Hasspre- wirbt das Bayernforum für die Ausstel-
Wahlkampfs so energisch gegen ihre digern und Trunkenbolden, Nazis nette lung mit dem oben erwähnten Bild der
Fraktionskollegen gehandelt haben, wis- Jungs von neben an sein können, die Springerstiefel, worauf zu lesen steht:
sen wir nicht. beim Ausfüllen des Hartz IV-Antrages „Der Kampf gegen die Dummheit hat ge-
Hingegen steht fest, dass der frühere behilflich sind, wird nicht thematisiert. rade erst begonnen.“ Neo-Nazismus als
Fraktionsvorsitzende Bruno Gollnisch Bestätigt wird, was alle zu wissen Folge mangelnder Intelligenz? Dümmer
am darauffolgenden Tag (26. November) meinen: „Auf den meisten Internet-Sei- geht’s nicht. mg ■
ein Kommuniqué in recht hämischem
Tonfall herausgab. Darin behauptet er,
„national gesinnte Wähler“ hätten an je- behauptung. Denn dass die rumänischen scheinlich gelten. Die chauvinistischen
nem Sonntag nicht für die PRM ge- Wähler sich in ihrem Land – zu Hause an Hetzparolen der PRM zogen eine Zeit
stimmt, um sie für ihren Austritt und ihr der Urne – die Sorgen rechtsextremer lang, aber das Schicksal der Fraktion im
Sabotieren der rechtsextremen Vertre- Kader und Parteifunktionäre in Stras- fernen Europaparlament dürfte ihren frü-
tung im Europaparlament abzustrafen. bourg, Brüssel oder Paris/Wien... zu ei- heren Sympathisanten eher egal gewesen
Das klingt freilich ziemlich nach Schutz- gen machen, dürfte als eher unwahr- sein. bhs ■

4 :antifaschistische nachrichten 25-2007


Mit einer Sonderseite zu den
bayerischen Kommunal- und
Landtagswahlen wird die Antifa-
Internetsonderseite zur
schistische Informations-, Dokumentati-
ons- und Archivstelle München e. V.
(a.i.d.a.) über diejenigen Gruppierungen
extremen Rechten
a.i.d.a.-Service zu den bayerischen Kommunal- und
der extremen Rechten, die an den Wahlen
teilnehmen wollen, informieren und auf- Landtagswahl 2008 mit Schwerpunkt München
klären. Ziel ist die Stärkung des zivilge-
sellschaftlichen Engagements gegen fliktfelder anzuhängen, um zu versuchen, Propaganda anzubringen. Bei Widerstand
Rechts und ein Beitrag zur Verhinderung sich in der Bevölkerung zu verankern. dürften sie sich als verfolgt und als ver-
bzw. Erschwerung von Propaganda- und Als Beispiele seien hier genannt: Pro- meintlich einzig verbliebene wahre Oppo-
Wahlerfolgen der extremen Rechten. teste gegen die dritte Start- und Lande- sitionsbewegung darstellen.
Nach dem Erfolg der NPD bei den bahn des Münchner Flughafens, gegen Unsere Fragestellungen sind dabei ins-
Landtagswahlen in Mecklenburg-Vor- den Transrapid und Propaganda gegen besondere: Was sind das für Gruppierun-
pommern, wo die extrem rechte Partei den Moscheebau in München-Sendling. gen, was für eine Geschichte haben sie,
über 7 Prozent erreichte und mit sechs Nach Differenzen innerhalb von „Pro welche Personen stecken dahinter, welche
Abgeordneten nun nach Sachsen in einem München“ und der rechten Szene gründe- Verbindungen gibt es und was für Inhalte
zweiten Landesparlament sitzt, verkünde- te sich im Herbst 2007 die „Bürgerinitiati- vertreten sie?
ten Parteivertreter, sich jetzt auf den ve Ausländerstop München“ (BIA). Auch
Wahlkampf in einem westdeutschen Bun-
desland, nämlich Bayern, konzentrieren
zu wollen. Gemäß Absprache mit der ex-
trem rechten Deutschen Volksunion
(DVU) des Dr. Gerhard Frey aus Mün-
chen tritt bei den Landtagswahlen hier die
NPD an.

a.i.d.a. Internetsonderseite ab sofort


unter http://wahlen.aida-archiv.de –
diese Sonderseite wird vom Kurt Eis-
ner Verein für politische Bildung in
Bayern e.V. und der Rosa Luxemburg
Stiftung finanziell unterstützt.

Bei den Kommunalwahlen spricht eini-


ges dafür, dass die NPD teils unter eige-
nem Namen (wie in Fürth), teils mit Tarn-
bzw. Sammlungslisten versuchen wird,
zur Wahl anzutreten. In Nürnberg sitzt
etwa der bayerische NPD-Landesvorsit-
zende Ralf Ollert bereits als Vertreter der
rassistischen „Bürgerinitiative Ausländer- die BIA plant nun eine Kandidatur für den Wir möchten dokumentieren, welche
stopp“ im Stadtrat. In München hat sich Münchner Stadtrat. Ein entsprechender Aktivitäten diese Organisationen dabei
eine so genannte „Bürgerbewegung Pro Internetauftritt „Ausländerstopp Mün- entfalten und wollen Informationen zum
München – patriotisch und sozial e. V.“ chen“ ist bereits freigeschaltet. Domain- Umgang mit Rechten auf den eigenen
unter Beteiligung verschiedener Mitglie- Inhaber war bis vor kurzem der NPD- Veranstaltungen zur Verfügung stellen.
der extrem rechter Organisationen ge- Funktionär und bayerische Landesvorsit- Auf dieser Sonderseite wird auch Raum
gründet. Erklärtes Ziel von „Pro Mün- zende der „Jungen Nationaldemokraten“ sein für Stellungnahmen aller demokrati-
chen“ ist die Teilnahme an den Kommu- (JN) Norman Bordin, mittlerweile ist es schen Parteien und Organisationen, eben-
nalwahlen und die Erringung von zwei bis Roland Wuttke. so wie für die Dokumentation von Flug-
drei Stadtratsmandaten. Strategie der Dieser fungiert auch als presserecht- blättern, Pressemitteilungen und Veran-
Rechten hierbei ist es, mit harmlos daher lich Verantwortlicher. Wuttke ist Vorsit- staltungshinweisen antifaschistischer
kommenden Organisationsnamen sich an zender des NPD-Bezirksverbandes Ober- Gruppen sowie Literaturhinweise.
kommunalpolitische Themen und Kon- bayern, Landespressesprecher der bayeri- Die Seite soll mit dazu beitragen, einen
schen NPD und stellvertrender Propaganda- oder Wahlerfolg der extre-
Anzeige
NPD-Landesvorsitzender. Das men Rechten bei den bayerischenKom-
Vorhaben wird ausdrücklich vom munal- und Landtagswahlen 2008 zu ver-
NPD-Bundesvorstand und dem hindern oder zu erschweren.
bayerischen NPD-Landesvor- Der Schwerpunkt des Projekts wird auf
stand unterstützt. Außerdem ist dem Raum München liegen, soweit es
damit zu rechnen, dass die Anhän- aber die personelle, zeitliche und finan-
ger und Funktionäre der extremen zielle Situation ermöglicht, werden wir
Rechten neben eigenen Veranstal- auch Informationen und Hinweise zu
tungen, Infoständen und Demons- ganz Bayern geben. Hierbei ist allerdings
trationen immer öfter versuchen die Unterstützung und das Zutragen von
werden, bei Terminen der demo- Informationen durch andere Gruppen und
kratischen Parteien und Organisa- Organisationen in München und Bayern
tionen im Sinne der so genannten unerlässlich.
„Wortergreifungsstrategie“ ihre Marcus Buschmüller, a.i.d.a. ■

: antifaschistische nachrichten 25-2007 5


Hopfgarten/Tirol. Unter dem
Motto „Keine Ruhe den NS-
Kriegsverbrechern“ fand am
Aktionstag zu NS-Kriegs-
Samstag (den 1.12.07) in der Tiroler Ge-
meinde Hopfgarten ein antifaschistischer verbrechen
Aktionstag statt. Hopfgarten wählte das
Dutzend demonstrierender Antifaschis- in Marzabotto niedergemetzelt und er- sich verstecken konnten“. Michael Kurz,
tInnen aus Österreich und Deutschland mordet. Weitere 1.000 in umliegenden ein Sprecher der DemonstrantInnen in
deshalb, da hier Hubert Bichler, ein in Orten, die zur Gemeinde Marzabotto ge- Hopfgarten forderte: „Die NS-Kriegs-
Italien zu lebenslanger Haft verbrecher müssen zur Verant-
verurteilter Kriegsverbre- wortung gezogen werden. Für
cher bisher ungestört seinen die Täter darf es kein ruhiges
Lebensabend verbringt. Hinterland geben, weder in
Der am 1.12.1920 gebore- Hopfgarten noch anderswo“.
ne Bichler war als Komman- Die Aktion in Hopfgarten
dant zweier Züge maßgeb- wird von den AktivistInnenen
lich an dem Massaker von als großer Erfolg gewertet. Am
Marzabotto beteiligt. Des- zentralen Marktplatz der 5000
halb wurde er (und neun EinwohnerInnen war eine
weitere deutsche Soldaten) „Mahnwache“ mit Infostand.
am 13. Januar 2007 vom Mi- Auch vor Supermärkten wur-
litärtribunal in La Spezia zu den Flyer verteilt. Innerhalb
lebenslänglicher Haft (1 Jahr von 2 Stunden waren hunderte
davon tagsüber in Isolations- Flyer weg. Es gab zahlreiche
haft) wegen mehrfachen Transparent vor dem Kriegerdenkmal gute Gespräche mit PassantIn-
Mordes an ZivilistInnen verurteilt. nen und bis auf eine Person keine feind-
Das Massaker, welches Bichler mit hören. Unter den Opfern waren etwa seligen Bemerkungen). An die direkte
den SS-Einheiten zwischen dem 29. Sep- zweihundert Kinder, manche erst wenige Nachbarschaft von Hubert Bichler wur-
tember und 1. Oktober 1944 an der Zivil- Tage alt. Die SS-Männer drangen in den extra noch „offene Briefe“ verteilt.
bevölkerung der norditalienischen Ge- Wohnhäuser, Höfe, Schulen und Kirchen Diese Aktion wird in den nächsten Tagen
meinde Marzabotto anrichtete, gehört ein, erschossen ihre Opfer mit Maschi- Ortsgespräch Nummer 1 sein.
nach Informationen der DemonstrantIn- nengewehren, warfen Handgranaten in Der Aktionstag „Keine Ruhe den NS-
nen zu den schlimmsten und brutalsten Häuser und zündeten Gebäude und Kir- Kriegsverbrechern“ fand neben Hopfgar-
Kriegsverbrechen der Nazis während des chen an. Selbst auf Leichenberge wurde ten noch in neun weiteren Städten (u.a.
Zweiten Weltkriegs. In dem in Hopfgar- noch geschossen. Die wenigen Überle- Nürnberg, Berlin etc.), in welchen verur-
ten verteilten Flugblatt heißt es dazu: benden entkamen nur deshalb dem Tod, teilte NS-Kriegsverbrecher leben, statt.
„800 Menschen, hauptsächlich Frauen, weil sie von den Leichen ihrer Angehöri- http://www.keine-ruhe.org
Kinder und ältere Männer, wurden allein gen und Nachbarn verdeckt waren oder Quelle indymedia ■

Hamburg. Rund 40 Menschen


aus Hamburg beteiligten sich an
einer Kundgebung im noblen
Opa war ein Kriegs-
Stadtteil Volksdorf gegen die „unver-
diente Ruhe“ für den Kriegsverbrecher
verbrecher
Gerhard Sommer. Die Kundgebung vom Kundgebung bei einem NS-Mörder in Hamburg-Volksdorf
Arbeitskreis Distomo und der VVN-
Bund der Antifaschisten war Teil einer
bundesweiten Kampagne in zwölf Städ-
ten in Deutschland und Österreich unter
dem Motto „Die Mörder sind unter uns!“
In den zwölf Orten lebt ein Teil der
Kriegsverbrecher, welche zwar in Italien
zu lebenslanger Haft verurteilt wurden,
die aber Dank der deutschen Justiz bis-
her trotzdem ein beschauliches Leben
führen konnten. Dies gilt auch für den
ranghöchsten noch Lebenden der 16. SS-
Panzergrenadier-Division „Reichsführer
SS“ Gerhard Sommer.
Der ehemalige SS-Untersturmführer
wurde im Juni 2005 in Italien wegen
Mordes an 560 Zivilisten in dem Berg-
dorf Sant’Anna di Stazzema, darunter schaft Stuttgart seit mehreren Jahren ge- sagte Martin Klingner, Rechtsanwalt und
120 Kinder, zu lebenslanger Haft verur- gen Gerhard Sommer und weitere Sprecher des Arbeitskreises Distomo.
teilt. Sein Revisionsantrag wurde am 6. Kriegsverbrecher. Nüchtern betrachtet Die deutsche Justiz setzt offenbar auf
November dieses Jahres abgelehnt. Da müssen diese Ermittlungen jedoch eher eine „biologische Lösung“ für die noch
Deutschland rechtskräftig verurteilte als gezielte Verzögerung betrachtet wer- lebenden Kriegsverbrecher aus Wehr-
Mörder selbst in das EU-Ausland nicht den. „Bislang wurde in Deutschland ge- macht und SS, welche in ihren Heimator-
ausliefert, ermittelt die Staatsanwalt- gen keinen der Täter Anklage erhoben“, ten ein ganz alltägliches Leben

6 : antifaschistische nachrichten 25-2007


Essen. Ein breites Bündnis hat
am Samstag, 8.12.2007, gegen
einen NPD-Aufmarsch in Essen
Runder Tisch mit Gegen-
demonstriert. Bei den beiden Kundge-
bungen sprachen Vertreter der Christ-
aktionen zufrieden
lichen Kirchen, des DGB, der Bezirks-
schüler/ innen-Vertretung, der Initiati- Deutliche Kritik an Polizei-Taktik gegenüber Nazi-
ve Altendorf, der SPD, der Ratsfrakti- Aufmarsch
on DIE LINKE/DKP/AUF und der Anti-
fa sowie der Vorsitzende des Integra- „Unsere Losung ,Gemeinsam für das wenn sie schon nicht verboten werden
tionsbeirates der Stadt Essen. Die friedliche und respektvolle Miteinander konnten, wenigstens in weniger belebten
NPD hetzte in ihrem Aufruf gegen im Essener Westen, für Religions- und Gebieten stattfanden. Diese langjährige
den Neubau der ältesten Essener Mo- Glaubensfreiheit, gegen Rassismus und Essener Linie hat die neue Polizeipräsi-
schee im Stadtteil Altendorf und durf- Rechtsextremismus‘ ist von den vielen dentin, Frau Fischer-Weinziehr, offen-
te zusammen mit einem großen Block Teilnehmerinnen und Teilnehmern und sichtlich verlassen. Es ist ein Skandal,
der Kameradschaften mitten durch den Rednern mit Leben gefüllt worden“, dass ein ganzer Stadtteil in Belagerungs-
den Nachbarstadtteil Frohnhausen so Rainer Sonntag vom Anti-Rassismus- zustand versetzt wird und Veranstaltun-
marschieren. Dazu nimmt die folgen- Telefon. „Darüber sind wir sehr erfreut. gen der Einwohner/innen massiv in Mit-
de Pressemitteilung des Runden Ti- Auch der von den Kirchen und vom DI- leidenschaft gezogen werden, nur damit
sches Stellung. wof TIB-Moscheeverein organisierte, gut be- die NPD ungeschoren mitten durch den
suchte ,Christlich-Muslimische Feier- Stadtteil ziehen darf.“
Ausgesprochen zufrieden sind die Orga- abend‘ am Freitag und die Infostände des Aus Sicht des Runden Tisch müssen
nisatoren des Runden Tisches für Men- Stadtteilprojektes zum Moschee-Neubau diese Fragen im politischen Raum disku-
schenrechte, gegen Rassismus und am Samstag Mittag haben genau das Ge- tiert werden. Hinzu kommt, dass es am
Rechtsextremismus mit den eigenen Ak-
tionen gegen den NPD-Aufmarsch am
gestrigen Samstag und mit den Veran-
staltungen des Stadtteilprojektes Alten-
dorf. Mehr als 800 Menschen haben an
den beiden Kundgebungen und der De-
monstration des Runden Tisches teilge-
nommen, darunter erfreulich viele junge
Leute. Vor allem an der Kundgebung auf
dem Christuskirchplatz, die vom Be-
zirksvorsteher des Bezirkes III Essen-
West, Bruno Pöllen, eröffnet wurde, be-
teiligten sich viele Altendorfer.

als „netter Opa von nebenan“ führen. In


Volksdorf ist dieses Image von Gerhard
Sommer jedoch durch wiederholte öf-
fentliche Aktionen angekratzt. Die Leute
aus dem Stadtteil wissen zumindest, dass genteil von dem bewirkt, was die NPD Gervinusplatz und im Anschluss an die
sie mit einem rechtskräftig verurteilten mit ihrer Hetze erreichen wollte.“ Kundgebung des Runden Tisches zu völ-
Massenmörder zusammen leben. Heftige Kritik hat der Runde Tisch je- lig unangemessenen Reaktionen der Po-
Es gibt keinen Grund, die Täter für doch an der Polizeitaktik. Die NPD durf- lizei kam, die zu einigen Festnahmen
ihre Morde heute nicht mehr zur Rechen- te mitten durch das Herz des Stadtteils von Antifaschisten führten. Viele Ju-
schaft zu ziehen. Reue ist für die meisten Frohnhausen demonstrieren, direkt am gendliche unter 18 Jahren wurden stun-
von ihnen ohnehin ein unbekanntes Gervinus-Platz vorbei, obwohl auf die- denlang in Polizeigewahrsam genom-
Wort. Gerhard Sommer zum Beispiel be- sem Platz der traditionelle Weihnachts- men.
teuerte gegenüber dem Fernsehen er markt der Bürgerschaft stattfand. Der „Während die Polizei bei den jüngeren
habe ein „absolut reines Gewissen.“ Weihnachtsmarkt wurde dadurch erheb- Teilnehmern unserer Demonstration
Am Umgang mit der Vergangenheit lich in Mitleidenschaft gezogen. Viele peinlichst auf die Einhaltung des Ver-
entscheidet sich die Frage, auf welchen Frohnhausener Einwohner hatten Angst, mummungsverbotes achtete, durfte ein
Werten sich eine Gesellschaft gründet. mit ihren Kindern daran teilzunehmen, großer Teil der Nazis völlig unkenntlich
Wenn massenhaft Verbrechen bewusst so dass der Bürgerverein auf einem gro- durch die Gegend laufen“, ergänzt Rai-
verdrängt, Mörder gezielt nicht zur Ver- ßen Teil der Nikolaus-Geschenke sitzen ner Sonntag. „Offensichtlich hat die Po-
antwortung gezogen, sondern als „ehren- blieb. lizei mit zweierlei Maß gemessen.“
werte Bürger“ angesehen werden, gibt es Auch die Alfred-Krupp-Schule hatte Der NPD-Aufmarsch, zu dem sich
keinen Grund, sich über Gewaltexzesse auf Grund eines Hinweises der Polizei auch eine große Gruppe der militanten
wie in Mügeln zu wundern. Im August ihren lange geplanten „Tag der Offenen Kameradschaften gesellt hatte, war mit
2007 wurden dort Menschen indischer Tür“ abgesagt. 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmern
Herkunft vom Mob durchs Dorf gejagt. „Wir haben in den vergangenen Jahren der größte Aufmarsch dieser Art in Essen
Warum die Polizei erst sehr spät ein- immer eine gute Zusammenarbeit mit seit Jahrzehnten.
schritt, kann sich heute angeblich nie- der Polizei gehabt“, sagte Wolfgang Diese unerfreuliche Tatsache macht
mand erklären. Freye für den Runden Tisch. „Polizeiprä- deutlich, dass die politische Auseinan-
Lokalberichte Hamburg vom 6.12.07, sident Herbert Schenkelberg hatte stets dersetzung mit Rechtsextremismus ver-
25-2007 ■ dafür gesorgt, dass Nazi-Aufmärsche, stärkt werden muss. ■

: antifaschistische nachrichten 25-2007 7


Düsseldorf. Der DGB NRW übernimmt die Schirmherr- menden Februar einfahren und ei-
schaft für den „Zug der Erinnerung“, wenn er im kommenden
Februar durch Nordrhein-Westfalen fährt. Dies ist das Ergeb-
nen Beitrag leisten, um mit seiner
Ausstellung den vergessenen Op-
Zug
nis eines Koordinationstreffens, das am 28. November in
Düsseldorf stattfand. Vertreten war die DGB-Jugend aus 7
Regionen, die sich über die bisherigen Ergebnisse des bun-
fern ihre Gesichter und ihre Wür-
de wiederzugeben. der
desweiten Gedenkens informierte und Vorbereitungen für die
Ankunft des Zuges in ihren jeweiligen Städten treffen will.
Vorläufiger Zuglaufplan:
Reguläre Öffnungszeiten: 9:00 - 19:00
Uhr. Bitte informieren Sie sich vor Ort über
Erinne-
In Dortmund und Siegen hat die praktische Arbeit bereits
begonnen. Dort nehmen die Koordinatoren Kontakt mit den
örtlichen Schulen auf und regen Projekte zur Spurensuche an.
die genauen Öffnungszeiten.
Göttingen: 12. Dezember bis 16. Dezem-
ber (mit Pendelfahrt nach Northeim) Koor-
rung
Bürgerinitiativen und andere gesellschaftliche Organisationen dination: zug-der-erinnerung-goe@hot-
werden eingeladen, ein Begleitprogramm zu entwerfen. Ziel mail.de
ist eine möglichst umfassende Breite des Gedenkens. . Kassel: 17. Dezember bis 18. Dezember im Hauptbahnhof, Koordination:
Im Rhein/Ruhrgebiet fanden Massendeportationen statt, politischebildung@gmx.de
die der Historiker Michael Zimmermann am Beispiel der 19. Dezember bis 6. Januar 2008 noch frei
Transporte aus Essen detailliert dargestellt hat. Um die Esse- Hannover: 7. Januar bis 11. Januar. Koordination: tom.seibert@dgb.de
Lehrte: 12. Januar bis 13. Januar, Koordination: tom.seibert@dgb.de
ner Juden am 21. und 25. Juli 1942 in den Tod zu schicken,
Braunschweig: 14. Januar bis 15. Januar, Koordination:
stimmten sich die Reichsbahndirektionen Köln, Wuppertal, hansi.volkmann@dgb.de
Kassel, Frankfurt am Main, Erfurt und Dresden ab. Die Halle: 16. Januar bis 19. Januar, (mit Pendelfahrt nach Bernburg u.a.)
Schleusung der „Sonderzüge“ fand am helllichten Tage und Koordination: zug_der_erinnerung@gmx.de
unter den Augen des zufällig anwesenden Bahnpublikums Gotha: 20. Januar bis 22. Januar im Hauptbahnhof
statt. Teilweise wurden Deportationswagen üblichen Reisezü-
Weitere Stationen: Erfurt; Weimar; Leipzig, Hildesheim. Anschließend NRW
gen angehängt, um die Deportierten an Knotenpunkte der u.a. (Februar/März), Rheinland-Pfalz (März), Bayern (März/April).
Reichsbahn-Logistik zu bringen. Anfahrt Dresden, Bautzen, Görlitz/Grenze Ende April.
In eine Reihe dieser Bahnhöfe des heutigen Bundeslandes Ankunft Gedenkstätte Auschwitz Anfang Mai 2008
Nordrhein-Westfalen wird der „Zug der Erinnerung“ im kom-

D
er bisherige Wahlkampf der NPD
in Niedersachsen zeigt, dass die
Abgrenzung des Parteivorstandes
NPD hofft auf weitere
zum „Schwarzen Block“ vom 15. August
in der Realität schnell vergessen ist. Beim
Parlamentssitze
Wahlkampfauftakt am 15.9. in Hannover anderer Kulturkreise“. Demagogisch den Gleisen des „Richters Gnadenlos“
wurden die ‚freien“ Nationalisten offen heißt es, da die Integration gescheitert sei, Ronald Schill, wenn auch die Forderung,
hofiert. Ganz offensichtlich braucht die dürften deutsche und ausländische Kinder ‚Bettler und Penner“ hätten auf Hamburgs
NPD gerade diese Gruppen, um ihr ange- nicht länger die Leidtragenden sein. Straßen nichts verloren, auf dem Pro-
strebtes Ziel zum Einzug in den Landtag Durch die Einrichtung von Sonderklassen grammparteitag sprachlich gemildert
ihres „Stammlandes“ – 6 plus x der Stim- sollten die ausländischen Kinder „bei ih- wurde. Forderungen nach Abschaffung
men – zu erreichen. So waren nicht nur rer Rückführung“ einen leichteren Start in des Jugendstrafrechts, nach Kopftuchver-
ganze Gruppen der „autonomen“ Natio- ihrem Heimatland haben. Weitere natio- bot in öffentlichen Gebäuden und nach
nalisten aus Dortmund, Essen und Hamm nalistische Forderungen sind die nach genetischem Fingerabdruck von allen
angereist, auch auffällig viele Kamerad- Prämien für jeden Betrieb in Hessen, der Asylbewerbern führten dennoch dazu,
schaftsaktivisten aus dem „Sozialen und bevorzugt Deutsche einstellt (das eigene dass die „lächelnde Guillotine“ (so
Nationalen Bündnis Pommern“ spielten Volk muss im eigenen Land bevorzugt Kuschs Spitzname) bei der Veranstaltung
eine wichtige Rolle. Ihnen war aus der werden“), nach Ehestandsdarlehen für vom „Schwarzen Block“ mit massiven
Seele gesprochen, als neben Spitzenkan- deutsche Paare und nach ‚Begrüßungs- „Schill junior“-Rufen gestört wurde.
didat Molau auch Bundesvorsitzender geld“, wenn diese dann deutsche Kinder Auch die Veranstaltungen des EX-Schil-
Udo Voigt die zuvor verkündete Ausgren- zeugen sowie nach einem Schulfach lianers Dirk Nockemann (früher Innense-
zung durch die Bundespartei aufhob und (deutsche) „Volkskunde/Kultur“. nator) mit seiner ‚Deutschen Zentrums-
den „Black Block“ zur Unterstützung des Für die Bürgerschaftswahl in Hamburg partei“ gerieten zum Debakel, gingen in
Wahlkampfes begrüßte. Dieter Riefling, haben wieder mehrere Gruppierungen das einem Meer von Seifenblasen, Luft-
verurteilter ‚Blood & Honour“-Aktivist Wählerpotenzial rechts von der CDU im schlangen, Spottgesängen, in Gejohle und
und Anführer der Freien Nationalisten Blick. Entsprechend dem Wahlpakt zwi- Handyton-Gedudel unter.
Niedersachsen, erklärte dann demonstra- schen DVU und NPD ist es hier die DVU, Das rechtsextreme „Nationale Bünd-
tiv: „Wir brauchen jeden Mann und jede die die rechtsextreme Liste aufstellt, was nis“ Dresden hat beschlossen, bei der
Frau“. Er kann als Direktkandidat für die NPD-Vertreter nicht ausschließt. Die Un- Stadtratswahl 2009 nicht mehr selbst an-
NPD im Landtagswahlkampf antreten terstützung der „Freien Nationalisten“ zutreten, sondern die offenen Listen der
und versprach schon: „Im Landtag wer- dürfte sich dagegen schwieriger gestalten. NPD zu unterstützen. Bei der Vorstands-
den wir für neue Zeiten sorgen!“ Bereits im Sommer versuchten des weite- wahl im September wurden alle Vor-
Mit einem aktualisierten „Sofortpro- ren zwei ehemalige Senatoren auf Schills standsmitglieder in ihren Ämtern bestä-
gramm“ will eine NPD-Fraktion bei Ein- Spuren mit populistisch-nationalistischen tigt. Holger Apfel, stellvertretender Vor-
zug in den hessischen Landtag punkten. Parolen in den beginnenden Wahlkampf sitzender der NPD und Fraktionsvorsit-
Nach der populistischen Forderung „Sen- einzusteigen. Ex-Senator und Ex-CDU- zender der NPD im sächsischen Landtag
kung der Abgeordnetendiäten auf 50 %“ Mitglied Roger Kusch (früher Justizchef) bleibt auch da Chef.
kommt man ähnlich wie Andreas Molau wagte eine Neugründung unter dem Na- aus Newsletter Die Linke / BAG
in Hannover gleich zur Sache und fordert men „KUSCH – rechte Mitte Heimat Rechtsextremismus/Antifaschismus, Anti-
„Sonderklassen für ausländische Kinder Hamburg“. Er fährt dabei weitgehend auf fa aktuell 10/2007 ■

8 :antifaschistische nachrichten 25-2007


„Teilwahl“ in der Pariser Banlieue:

Extremer Rechten gelingt es nicht, übermäßig


Kapitel aus den schweren Unruhen zu schlagen
Jean-Michel Dubois ist ein langjäh- warten. Bei der konservativen Tageszei- Die Bauweise ist also nicht schuld,
riges Führungsmitglied des Front tung ‚Le Figaro‘ waren es unterdessen wenn die sozialen Probleme in Villiers-le-
National (FN). Bereits in den 80er nicht allein die Leser (oder Internetnutzer), Bel sich zu einer explosiven Mischung zu-
Jahren war er führend am Aufbau einer die rassistische Reaktionen und rassisti- sammengeballt haben, die vergangene Wo-
„Wirtschaftsorganisation“ der rechtsextre- sche Interpretationen des Geschehens an che zu einer Aufsehen erregenden Detona-
men Partei, die sich damals vor allem an den Tag legten. Auch im redaktionellen tion führte. Allerdings leidet die Stadt, oder
die mittelständischen Unternehmer richtete Teil des Blattes wurde in ähnlichem Sinne die Mehrheit ihrer Einwohner, unter einem
– es handelte sich um die FNEML (Natio- geholzt, wobei der Tonfall natürlich höfli- wichtigen Handicap: ihrer räumlichen Iso-
nale Föderation für moderne Unternehmen cher blieb. Der berüchtigte Verantwortliche lierung, dem Gefühl, abgeschnitten und im
und Freiheit) – beteiligt. Am vergangenen für die Kommentarspalte und die Seite für Stich gelassen worden zu sein. Früher war
Wochenende war, erstmals in den letzten Gastbeiträge sowie Leserbriefe, Ivan Ri- es einmal nicht unattraktiv, hier zu woh-
Jahre, größere Aufmerksamkeit in der fran- foul, tönte etwa, die Vorfälle erwiesen „das nen: In 15 S-Bahn-Minuten Entfernung
zösischen Öffentlichkeit auf ihn gerichtet. Scheitern des Multikulturalismus“. Er von Paris konnte man im Grünen siedeln.
Am Sonntag, 9. Dezember trat Dubois sprach von „neuen Barbaren“ und analy- Arbeiter und Angestellte ließen sich hier
in der Pariser Banlieue oder Trabanten- sierte das Geschehen als eine Konsequenz nieder, nachdem der Staat in den sechziger
stadtzone als Kandidat an. Dort, präziser von „Einwanderung und Vermischung der Jahren massiv in den Wohnungsbau inves-
im Wahlkreis von Sarcelles, ist ein durch Kulturen“, den Linksparteien vorwerfend, tiert hatte, zunächst, um die bei der Unab-
den Abgang des bisherigen rechtssozialde- deren „Loblied“ (éloge) zu singen (Vgl. im hängigkeit (1962) aus Nordafrika ausge-
mokratischen Abgeordneten Dominique Original: http://www.lefigaro.fr/de- siedelten Algerienfranzosen unterzubrin-
Strauss-Kahn nach Washington (wo er bats/2007/11/30/01005-20071130ART- gen. In der Hauptstadt und ihrer Umge-
neuer Direktor des Internationalen Wäh- FIG00355-la-france-en-morceaux- bung gab es noch genügend Jobs in greif-
rungsfonds IWF geworden ist) frei gewor- suite.php). Die extrem dramatisierende barer Nähe. Über die geographische Situa-
dener Abgeordnetensitz neu zu besetzen. Überschrift des Kommentars lautet: tion der Stadt machte man sich nicht so
Dazu findet eine so genannte ‚élection par- „Frankreich in Stücken“. viele Gedanken, man war vor allem am
tielle‘ oder „Teilwahl“ statt, wie es im fran- Zunächst noch einige notwendige An- Abend und am Wochenende dort und mit-
zösischen System üblich ist, wo es keine merkungen zu den Unruhen selbst. unter froh, vom Treiben der Großstadt ein
Landeslisten bei den Parlamentswahlen Ein Besuch in Villiers-le-Bel wenig abgeschnitten zu sein. Aber mit dem
gibt. Ausbleiben von Arbeitsmöglichkeiten wird
In demselben Wahlkreis, genauer in der An der Architektur liegt es nicht! Das Ers- die vermeintliche Idylle für die Bewohner,
26.000 Einwohner zählenden Stadt Vil- te, was dem Ankömmling in Villiers-le-Bel und für ihre heranwachsenden Kinder, zur
liers-le-Bel, fanden vor nunmehr zwei Wo- sofort auffällt, ist der Anschein von Banali- Ödnis: Ohne regelmäßiges Einkommen
chen dreitägige, heftige Unruhen statt, die tät, ja fast von Idylle. Steigt man in der kann man sich die – aufgrund der Lage in
im ganzen Land im Mittelpunkt der Me- Stadt, die in der vergangenen Woche für so einer äußeren Zone des Verkehrsverbunds
dienberichterstattung standen. Der FN- viele Schlagzeilen in Frankreich – und da- – relativ teuren Verkehrsmittel etwa nach
Kandidat Dubois verstand es kurz nach rüber hinaus – sorgte, aus dem Bus, findet Paris nicht mehr oft leisten. Wer es recht-
Ausbruch der Riots geschickt, die in Teilen man keine gigantischen Wohnsilos vor. zeitig schaffte, zog fort. Die Dagebliebe-
der Gesellschaft aufgebrochenen Ängste Weder riesige Hochhaustürme noch Plat- nen fühlen, dass sich der Ruf ihrer Stadt
aufzugreifen und sich in Szene zu setzen. tenbauriegel, bis auf einen einzigen, der verschlechtert, dass eine Adresse hier ihre
Vor diesem Hintergrund bestand das er- auf den romantisch anmutenden Namen Jobchancen schmälert.
hebliche Risiko, dass (ähnlich wie nach ‚La Cerisaie’ (Der Kirschgarten) hört. Soziale Krisenphänomene und Gewalt
den großflächigen Riots von 2005) ein Teil Von der Haltestelle im Zentrum von Vil- wuchsen an. Wer aber als Jugendlicher ein-
der Gesellschaft mit einem rassistischen liers-le-Bel aus losgehend, stößt man zu- mal „Dummheiten“ beging oder der Poli-
Schub und einem Rechtsruck reagieren nächst auf einen historischen Dorfkern. Er zei auffällig wurde, hat rasch verspielt: Um
könnte. An den ersten beiden Tagen nach wird durch Straßen mit schmucken Häus- etwa am Flughafen zu arbeiten, darf man
dem Ausbruch der Riots mussten mindes- chen und kleinen Läden geprägt. Manchen nicht nur kein Vorstrafenregister aufwei-
tens zwei Leserforen französischer Medien von ihnen sieht man an, dass es sich vor sen, sondern darf auch nicht in sonstiger
– jenes der Gratistageszeitung ‚20 minu- vielleicht zwei Generationen noch um Form in den Polizeiakten zitiert werden.
tes‘, und das unter einem Artikel der kon- Bauernhöfe handelte. Dieser Teil von Vil- „Aus Sicherheitsgründen“, wie es heißt.
servativen Tageszeitung ‚Le Figaro‘ zum liers-le-Bel hört heute auch offiziell auf Der Flughafen von Roissy-Charles de
Thema – im Internet aufgrund überborden- den Namen Le Village, „das Dorf“. Einige Gaulle liegt in greifbarer Nähe, ist aber für
der rassistischer Äußerungen geschlossen Querstraßen weiter dann betritt man die viele Bewohner kaum erreichbar. Auf-
werden. Beim ‚Figaro‘ las man etwa, von Kollektivsiedlungen des sozialen Woh- grund ihrer „Polizeibekanntheit“ aus Ju-
LeserInnen verfasst: „Ungeziefer, das rot- nungsbaus, die heute 50 Prozent der Ge- gendjahren, aber vor allem auch aufgrund
tet man aus“ (la vermine, ça s’extermine) samtzahl der Wohnungen in der 26.000 mangelnder Verkehrsanbindung. Wer kein
oder „Mit echter Munition auf die Aufrüh- Einwohner zählenden Stadt ausmachen. eigenes Auto besitzt, hat verloren: Obwohl
rer schießen!“ Ob das nur eine rechtsradi- Sie weisen drei bis zehn Stockwerke auf, der Flughafen in dichtester Nachbarschaft
kale Minderheit ist, die laut lospoltert, ob zeichnen sich also keineswegs durch Gi- liegt, müsste man einen gigantischen Um-
der Rechtsruck im Gegenteil breitere Krei- gantomanie aus, und die Siedlungen insge- weg über Paris fahren, um sich mit öffentli-
se bis hinein ins verängstigte Bürgertum samt sind wesentlich kleiner als die Hoch- chen Transportmitteln dorthin zu begeben.
erfasst, oder aber ob die Sache aufgrund haus- und Plattenbaulandschaften anderer Bei flexiblen Arbeitszeiten, Tag und Nacht,
des relativ schnellen Abflauens der dies- Pariser Trabantenstädte wie Argenteuil, hat man da keinerlei Chance. Der Bau ei-
jährigen Unruhen bald wieder in den Hin- Nanterre oder La Courneuve. Alles eher ner S-Bahn-Linie zwischen Stadt und be-
tergrund rückt, blieb zunächst noch abzu- unspektakulär. nachbartem Flughafen ist zwar geplant,

: antifaschistische nachrichten 25-2007 9


gilt aber nicht als „Priorität“. Bis spätes- aber hat das Rathaus das erforderliche richtet. „Sie kommen nicht bis direkt hier-
tens 2030 soll es so weit sein. Ein schwa- Geld stattdessen in den Bau einer neuen her, die Hubschrauber bleiben über den So-
cher Trost. Polizeiwache investiert. Das Herumgehei- zialbausiedlungen und drehen dort stän-
Damit sind einige der Ursachen dafür ze nerve die Polizisten, die sich darauf ver- dig“, meint der junge Mann, den wir neben
benannt, dass die Lage in Villiers-le-Bel legt hätten, diesen Jugendlichen Angst ein- der ausgebrannten Polizeiwache getroffen
„explosiv“ werden konnte. Es musste noch zujagen: Man verfolge sie im Auto und haben. „Das geht die ganze Nacht so.
ein Katalysator hinzukommen, ein Anlass, fahre dicht von hinten an sie heran oder Wenn Du sechs oder sieben Helikopter
um es zum Knall kommen zu lassen. Das versetze ihnen einen Stoß von hinten, um hast, dann kannst Du nicht schlafen“ stöhnt
war am Sonntag, den 25. November der ihnen Furcht einzuflößen. Das hätten die er.
Fall. Am frühen Abend starben der 16-jäh- beteiligten Beamten bestimmt auch in die- Das Wahlergebnis
rige Larami und der 15 Jahre alte Moushin sem Falle versucht: „Sie wollten sie nicht
auf ihrem, im Französischen als ‚mini- töten, nur von hinten anfahren. Aber dieses Vor diesem Hintergrund erhielt Jean-Mi-
moto’ bezeichneten, Crossmotorrad beim Mal haben sie vielelicht zu stark beschleu- chel Dubois nun im Wahlkreis von Sarcel-
Zusammenstoß mit einem Polizeiauto. Der nigt. Ein Freund von mir ist Ingenieur und les 7,47 % der Stimmen. In der Stadt Vil-
Bäckerlehrling und der Jugendliche, der war bei einer Firma in der Unfallforschung liers-le-Bel selbst sind es 10,53 % Die
am folgenden Tag eine Ausbildung als tätig: Er meint, so wie das Auto aussehe, Wahlbeteiligung, die bei solchen „Teilwah-
Klempner beginnen sollte, wurden durch müssten sie zum Kollisionszeitpunkt 120 len“ allgemein niedrig liegt, beiträgt insge-
die Luft geschleudert und waren sofort tot. Stundenkilometer drauf gehabt haben, samt 25,06 %. Vor Ort in Villiers-le-Bel
Ihre Familien waren dereinst aus dem Se- sonst könnte es nicht in solch einem Zu- liegt sie bei (noch geringeren) 22,24 %.
negal sowie aus Marokko nach Frankreich stand sein. Deshalb auch sind die Polizis- Dieses Ergebnis bedeutet einen Wieder-
eingewandert. ten nach dem Unfall abgehauen: Sie wuss- anstieg des rechtsextremen Stimmenanteils
Wie genau die Kollision ablief, ist bis- ten, dass sie eine Dummheit angerichtet gegenüber der Parlamentswahl vom 10.
her noch ungeklärt. Die „offizielle Versi- hatten, und bekamen es mit Angst vor den und 17. Juni dieses Jahres. Damals erhielt
on“ lautet, dass die beiden Jugendlichen Folgen zu tun.“ Seine Version wird von an- der FN-Bewerber im Wahlkreis von Sar-
mit ihrem Minimotorrad, auf dem sie ohne deren jungen Leuten vor Ort geteilt. Ande- celles genau 4 % der Stimmen. In der Stadt
Sturzhelm fuhren, an einer Ecke dem Poli- re berichten, zwei bis drei Wochen vor dem Sarcelles waren es damals 3,3 %, in Vil-
zeifahrzeug die Vorfahrt genommen habe. tödlichen Unfall hätten Polizisten manchen liers-le-Bel hingegen leicht überdurch-
Daher sei es, von vorne links her kom- Heranwachsenden in Villiers-le-Bel ge- schnittliche 4,67 %.
mend, in das Polizeifahrzeug hinein gefah- droht: „Wenn Ihr mir Eurem blöden Cross- Allerdings können die diesjährigen Par-
ren, welch letzteres mit 40 bis 50 km/h, fahren nicht aufhört, dann fahren wir Euch lamentswahlen kaum als Maßstab für die
also mit moderater Geschwindigkeit ge- über den Haufen.“ Bewertung des Abschneidens der extremen
fahren sei. Gegen diese „offizielle“ Theorie Der tödliche Zusammenstoß und seine Rechten herangezogen werden: Allgemein
wird aber der Zustand des Polizeifahrzeugs Begleitumstände wurden zum Auslöser schnitt der FN in diesem Jahr dabei unge-
angeführt: Dieses weist auf seiner gesam- kurzer, aber heftiger Unruhen, in deren wöhnlich niedrig (im nationalen Durch-
ten Vorderseite – und zwar auf der linken Verlauf sich vor allem Jugendliche und schnitt: 4,3 %) ab, nachdem Le Pen zuvor
ebenso wie auf der rechten Flanke und vor- junge Erwachsene heftige Kämpfe mit Po- im ersten Durchgang der Präsidentschafts-
ne – einen Totalschaden auf, wie er nur von lizeikräften – die immer massiver zusam- wahl am 22. April 2007 zum ersten Mal
einer schweren Kollision im vorderen Be- mengezogen wurden – lieferten. Aber auch auf landesweiter Ebene einen Rückschlag
reich stammen kann. Darauf hatte die Poli- öffentliche und private Gebäude, von der hatte hinnehmen müssen. Nehmen wir also
zei wiederum eine Antwort. Sie behauptet, Polizeiwache über die Niederlassung eines zum Vergleich zusätzlich noch die Parla-
dass junge Aufrührer das Polizeiauto nach- Autohändlers bis hin zu einer örtlichen Bi- mentswahlen vom Juni 2002 heran, die
träglich mit Eisenstangen demoliert hätten. bliothek, anzündeten und niederbrannten. auch damals, in wenigen Wochen Abstand,
Dumm nur, dass die liberale Pariser Insgesamt wurden bei Zusammenstößen dicht den Präsidentschaftswahlen folgten.
Abendzeitung ,Le Monde‘am Mittwoch mit den Sicherheitskräften an den ersten Vor fünf Jahren erhielt die damalige FN-
(28?. November) ein Amateurvideo veröf- drei Tagen 120 Polizisten verletzt. Vier un- Bewerberin noch 14,52 % in dem Wahl-
fentlichte, das unmittelbar nach dem Un- ter ihnen wurden mit schwereren Verlet- kreis, der uns interessiert. In der Stadt Sar-
fall aufgenommen worden war. Es wurde zungen, die vom Beschuss mit Schrotmu- celles erhielt sie unterdurchschnittliche
von einem Anwohner gedreht, der sofort nition herrühren, stationär behandelt. 12,12 %, in dem (jetzt von den Unruhen
nach dem Ereignis auf die Straße hinunter Seit dem 29. November kehrt dann wie- betroffenen) Villiers-le-Bel hingegen 16,61
ging. Und man sieht darauf allzu deutlich, der eine prekäre Ruhe in der Stadt ein, % der Stimmen.
dass sich das an der Kollision beteiligte Po- nachdem starke Polizeikräfte aus der ge- Insofern lässt sich feststellen, dass es
lizeifahrzeug bereits in dem Zustand be- samten Region Ile-de-France dort konzen- dem FN in einer für ihn und seine Propa-
fand, den es auch später aufwies. triert worden waren, um neu ausbrechende ganda ausgesprochen günstigen Situation
Was aber steckt dahinter? Ein junger Unruhen im Keim zu ersticken. Rund zwar gelingt, sein absolutes Tief vom Früh-
Mann, der mich auf der Straße anspricht, 1.000 Ordnungshüter, namentlich aus der sommer dieses Jahres zu überwinden, er
weil ich die heruntergebrannte Polizeiwa- Bereitschaftspolizei CRS, schieben seit- aber dennoch (bei weitem) keine neuerli-
che photographiere, kennt eine Antwort. Er dem Wache – ihre Anzahl entspricht vier che Annäherung an vergangene Spitzener-
selbst verurteilt die schweren Ausschrei- Prozent der Einwohnerzahl von Villiers-le- gebnisse schafft. Die Stichwahl am kom-
tungen, die sich infolge des Todes von La- Bel. Auch das Elite-Sondereinsatzkom- menden Sonntag werden die beiden „gro-
rami und Moushin in seiner Stadt abspiel- mando RAID, das ungefähr mit der deut- ßen“ Kandidaten von der Sozialdemokratie
ten, weist aber auch auf die Ursachen hin: schen Sondereinheit GSG9 verglichen und der konservativen Regierungspartei
Nicht alle, aber einige Polizeibeamte seien werden kann, kam Ende vergangener Wo- UMP unter sich ausmachen. Mit gut 38
ausgesprochen rassistisch und schikanier- che dort zum Einsatz. Unter Einsatz von bzw. gut 37 Prozent der abgegebenen
ten vor allem die Jugendlichen aus Ein- Spezialkameras sollte es nach eventuell Stimmen schnitten sie in ähnlichen Propor-
wandererfamilien. Viele der Jugendlichen auftauchenden Schusswaffen suchen. tionen ab wie bei der frankreichweiten Par-
aus den sozialen Unterschichten wiederum Nachts kreisen Hubschrauber mit Licht- lamentswahl im Juni. Noch hält der „Effekt
vertrieben sich ihre Zeit damit, auf kleinen projektoren über Villiers-le-Bel. Wir sehen Sarkozy“, der viele frühere rechtsextreme
Crossmotorrädern durch die Gegend zu selbst einen dieser Helikopter, der in gerin- Wähler (zurück) in den Bann des konser-
heizen. Seit Jahren werde gefordert, ein ger Entfernung von uns seine Kreise zieht vativen Rechtsblocks zog, anscheinend an.
Crossgelände dafür anzulegen, bislang und einen Lichtkegel in Richtung Boden Bernhard Schmid (Paris) ■

10 :antifaschistische nachrichten 25-2007


: ausländer- und asylpolitik
Abschiebungshaft in
Deutschland: Datenlage
immer noch schlecht
Berlin. Der Interkulturelle Rat (IR) hat
zum dritten Mal eine Sammlung von An-
fragen an die Länderparlamente zum
Thema Abschiebungshaft veröffentlicht.
Unter dem etwas umständlichen Titel
„Auswertung kleiner und großer Anfra-
gen und Antworten der Länderparlamen-
te zum Themenfeld Abschiebungshaft“
sind die wenigen Informationen, die man
über die Praxis der Abschiebungshaft in
Deutschland erhalten kann, zusammen-
gestellt und kurz kommentiert. Die
Mehrheit der Bundesländer führt näm-
lich immer noch keine oder nur unvoll-
ständige Statistiken über ausreisepflich-
Demonstration gegen Aus- tige Personen und Flüchtlinge. Außer-
Politik gegenüber MigrantInnen und dem sind die Daten auf Grund unter-
schaffung Flüchtlingen und erlässt Gesetze, welche schiedlicher Erhebungsverfahren nur be-
Zürich. Einige hundert Personen haben elementare Menschen- und Grundrechte dingt vergleichbar.
am Samstag, den 17.11. in Zürich gegen mit Füssen tritt. Auf den 1. Januar 2008 Aus Bayern, Bremen, Hessen, dem
das neue Ausländer- und Asylgesetz de- werden die letzten Teile des neuen Aus- Saarland und Sachsen-Anhalt liegen be-
monstriert, das am 1. Januar 2008 in länder- und Asylgesetzes gültig und wir dauerlicherweise gar keine Daten vor,
Kraft tritt. Motto der bewilligten De- werden mit einer neuen Dimension von die umfangreichste Datenerhebung wird
monstration war «Gegen Ausschaffung Ausgrenzung, Kriminalisierung und Het- in Berlin angestellt.
und Ausgrenzung! Solidarität leben!». ze gegen MigrantInnen und Flüchtlinge Allgemein lässt sich ein Rückgang der
Unter den Teilnehmenden befanden konfrontiert sein. ... Zahl der Abschiebungshäftlinge ver-
sich viele, die von den Verschärfungen Wir fordern: Ein radikales Umdenken zeichnen. Die Zahl der Suizidversuche
des neuen Gesetzes betroffen sein wer- in der Asylpolitik und eine sofortige Auf- ist aber weiterhin recht hoch und hängt
den, teilten die Organisatoren am Sams- nahme von Kontingentflüchtlingen aus möglicherweise mit der Haftdauer zu-
tag mit. Laut Organisatoren nahmen rund Krisenregionen wie beispielsweise dem sammen. Am Beispiel von Berlin lässt
1500 Personen teil, die Polizei geht von Irak, Darfur oder Burma! Wir fordern: sich dieser Sachverhalt recht gut bele-
rund 500 Personen aus. Die Kundgebung Jede Form von Zwangsausschaffung zu gen: Die zehn Abschiebungshäftlinge,
sei friedlich verlaufen, hieß es von seiten unterlassen und alle Ausschaffungsge- die einen Selbstmordversuch begingen,
der Stadtpolizei Zürich. fängnisse per sofort zu schliessen! Keine saßen durchschnittlich rund 83 Tage in
Gefordert wurde von den Demonstran- Ausschaffungen in Bürgerkriegsländer Haft. Die längste Haftdauer belief sich
ten ein radikales Umdenken in der Asyl- und Folterstaaten wie dem Iran, der Tür- auf 177 Tage.
politik. Aus Krisenregionen wie etwa kei oder Afghanistan! Weiterhin festzustellen ist, dass sich
dem Irak, Darfur oder Burma sollten Wir fordern: Schluss mit der gesell- immer noch viele Minderjährige in Ab-
Kontingentsflüchtlinge sofort aufgenom- schaftlichen Ausgrenzung! Freier Zu- schiebungshaft befinden. Ein weiblicher
men werden. Zudem solle jede Form von gang zu Bildung und Arbeit sowie Chan- Abschiebungshäftling in NRW beging
Zwangsausschaffung unterlassen und cengleichheit für alle. Weg mit dem Ar- Selbstmord.
alle Ausschaffungsgefängnisse per sofort beitsverbot und Sozialhilfestopp! Quelle: Forum Migration Dez.2007 ■
geschlossen werden. Die Aktion wurde Wir rufen zum zivilen Ungehorsam
unter anderem von der Menschenrechts- gegen die unmenschliche Asyl- und Mi- Stellungnahme zum Prüfbe-
organisation „augenauf“ organisiert. grationspolitik auf. Wer wegschaut und
Im Aufruf zur Demonstration heißt es: schweigt, der macht sich mitschuldig!“ richt des Innenministeriums
„Seit Jahren verschärft die Schweiz ihre Fotos:www. arbeiterfotografie.com ■ „Illegal aufhältige Migran-
ten in Deutschland“
Berlin. Der Deutsche Caritasverband
hat zum Bericht des Bundesministeriums
des Innern zum Prüfauftrag „Illegalität“,
der aus der Koalitionsvereinbarung der
Regierungskoalition stammt, sowie zum
Bericht des BMI „Illegal aufhältige Mig-
ranten in Deutschland – Datenlage,
Rechtslage, Handlungsoptionen“ vom
Februar 2007 Stellung genommen. In der
Stellungnahme wird insbesondere kriti-
siert, dass das zentrale Ergebnis des Be-
richtes, im Wesentlichen bestehe beim
Thema „Illegalität“ kein Handlungsbe-
darf, im krassen Widerspruch zur Reali-
tät stehe. Der Staat müsse sich mit den
Notlagen der Menschen in aufenthalts-
rechtlicher Illegalität auseinandersetzen

: antifaschistische nachrichten 25-2007 11


und dürfe nicht länger darauf vertrauen, Jahr an den niedersächsischen Innenmi-
dass die Akteure der Zivilgesellschaft nister Uwe Schünemann, der damit Gün-
diese Aufgaben übernehmen. Der Staat ther Beckstein ablöst.
sei in der Pflicht, seinen Aufgaben nach- Ausschlaggebend für die Wahl waren
zukommen und Zugang zur Gesund- folgende Kriterien: Uwe Schünemann
heitsversorgung, Schulbildung und zum setzte sich zusammen mit seinem Amts-
Rechtsweg auch tatsächlich zu ermögli- vorgänger Günther Beckstein für eine
chen. „Duldung zur Arbeitsplatzsuche“ als
Die Kernforderungen der Caritas lau- Grundlage der von der Innenminister-
ten: konferenz im November 2006 verab-
1. Der Deutsche Caritasverband for- schiedeten Bleiberechtsregelung ein. Da-
dert den Gesetzgeber auf, die Übermitt- Medienpaket: mit verschärfte sich die Situation vieler
lungspflichten für bestimmte öffentliche DISPLACED – Flüchtlinge an bleibeberechtigten Flüchtlinge.
Stellen, die mit der Gewährung sozialer Außerdem wurden für die Umsetzung
Rechte betraut sind, einzuschränken. Sie Europas Grenzen“ der gesetzlichen Altfallregelung, die die
Fotobuch (128 Seiten, vierfarbig, gebunden;
erfüllen ihre Aufgabe nicht und tragen zu Marokko/Spanien/Italien/Ukraine); Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis nun
existenzieller Not bei. Die bestehenden Dokumentarfilm „Au clair de la lune“ (Burkina zunächst ermöglicht, in Niedersachsen
gesetzlichen Beschränkungen, insbeson- Faso/Elfenbeinküste/Mali 40 Min.); Dokumen- äußerst restriktive Vorgaben gemacht.
dere die Schweigepflicht von Ärzten und tarfilm „Le Heim“ (Deutschland, 16 min); Hrsg. Die Landesregierung hat eine ganze Lis-
ihren Gehilfen, müssen in vollem Um- von PRO ASYL im von Loeper Literaturverlag, te von Ausschlussgründen erarbeitet. So
fang respektiert werden. Dezember 2007. sollen zum Beispiel Flüchtlinge, die ih-
2. Der Deutsche Caritasverband mahnt Die Reise der Fotografin und Dokumentarfilme- ren Pass nicht rechtzeitig vorgelegt oder
rin Leona Goldstein beginnt in Westafrika, wo
die Klarstellung auf untergesetzlicher sich nicht eigeninitiativ um die Beschaf-
korrupte Politiker ihre Wahlkampagnen von
Ebene an, dass berufspezifische humani- französischen Unternehmen führen lassen, wo fung von Abschiebungspapieren bemüht
tär motivierte Unterstützung für Men- bittere Armut die Menschen in die Flucht haben, ausgeschlossen werden.
schen ohne Aufenthaltsstatus kein straf- zwingt. Goldstein folgt der Ausbeutung der Was zusätzlich für die Wahl von Uwe
würdiges Unrecht ist. Rohstoffe und der Menschen, spricht mit Oppo- Schünemann zum „Besten Abschiebemi-
3. Der Deutsche Caritasverband ruft sitionellen und Flüchtlingsfrauen. Sie sucht die nister 2007“ sprach, war seine erfolgrei-
dazu auf die UN-Kinderrechtskonventi- Menschen vor den kaum überwindbaren Mau- che Behinderung der Arbeit der Härte-
on vorbehaltlos zu ratifizieren und auf- ern der „Festung Europa“ in Marokko und in fallkommission. Seit ihrer Konstitution
der Ukraine auf. Schließlich geht sie hinein in
enthaltsrechtliche Regelungen nicht län- ein isoliertes deutsches Flüchtlingslager, eine
im September 2006 hat die Kommission
ger über das Kindeswohl zu stellen. Exklave im Inneren Europas, wo Flüchtlinge auf in Niedersachsen lediglich über neun
4. Der Deutsche Caritasverband unter- sechs Quadratmetern Niemandsland vegetie- Anträge entschieden!
streicht, dass die legitime Durchsetzung ren. Als Auszeichnung für diese „Ver-
von Recht und Ordnung nicht ohne die Das Medienpaket eignet sich als Geschenk dienste“ um das Bleiberecht verliehen
menschenrechtlichen Bindungen des oder für die politische Bildungsarbeit von Ju- die Jugendlichen ohne Grenzen JoG
Staates gedacht werden kann. gendlichen und Erwachsenen. Alle Inhalte sind dem „Besten Abschiebeminister 2007“
dreisprachig (deutsch/englisch/französisch).
Quelle: Deutscher Caritasverband e.V. ■ Uwe Schünemann am 6.12.2007 die
http://www.proasyl.de/
Zu bestellen „Goldene Rute“.
Katholisches Forum kriti- über.http://www.proasyl.de/de/shop/bu- Quelle: www.hier-geblieben.net -
echer/index.html%20, Subskriptionspreis bis flucht@nds-fluerat.org ■
siert Bericht des Innenminis- 31.12.07 26,90 Euro + 3,- Euro Versand
teriums zu „Illegalen“ Senat beschließt Sitz für
Berlin. Das Katholische Forum „Leben plante Ausweitung der Übermittlungs-
in der Illegalität“ hat den Bericht des pflichten träfe insbesondere die Kinder Flüchtlingsorganisation in
Bundesinnenministeriums zu „Illegal unerlaubt im Land lebender Eltern und der Härtefallkommission
aufhältigen Migranten in Deutschland“ würde ihre ohnehin äußerst schwierige Bremen. Der Senat hat heute
ebenfalls kritisiert. Obwohl der Bericht Situation noch weiter verschlechtern. (27.11.2007) die Erweiterung der Härte-
schon seit vielen Monaten den Koaliti- „Polarisierungen, wie sie der Bericht des fallkommission auf sieben Mitglieder
onsparteien vorliege, sei eine Veröffentli- Innenministeriums vornimmt, helfen beschlossen und dazu eine Änderung der
chung bislang ausgeblieben. nicht weiter“, so Weihbischof Voß. Statt- Verordnung zur Einrichtung einer Härte-
„Die Probleme, die daraus für die be- dessen müssten pragmatische Lösungen fallkommission nach dem Aufenthaltsge-
troffenen Menschen und für die Gesell- gesucht werden, die den Menschen ge- setz vorgenommen.
schaft entstehen, verschwinden nicht, in- recht würden. Damit setzt der Senat eine Koalitions-
dem man sie verschweigt“, mahnt der jrs-newsletter 3.12.07 ■ vereinbarung zwischen SPD und Bünd-
Vorsitzende des Katholischen Forums nis 90/Die Grünen um, nach der die Här-
„Leben in der Illegalität“, Weihbischof „Goldene Rute“ für Uwe tefallkommission um einen Vertreter/
Dr. Josef Voß. eine Vertreterin von Flüchtlingsorganisa-
Das Forum kritisiert besonders die Schünemann tionen zu erweitern ist. Bisher sind in der
Vorschläge des Berichts zur Beibehal- Hannover. Am 6.12. wurde von den Ju- Verordnung sechs Mitglieder der Härte-
tung und Verschärfung der gesetzlichen gendlichen ohne Grenzen JoG der „Bes- fallkommission genannt. Mit der Ände-
Übermittlungspflichten öffentlicher Stel- te Abschiebeminister 2007“ gewählt. rung wird die Zahl um einen Vertreter
len. Denn diese verhindern, dass Men- Alle Innenminister hatten gute Chancen oder eine Vertreterin des Verein Ökume-
schen in der aufenthaltsrechtlichen Ille- auf den Titel, denn die Abschiebepraxis nische Ausländerarbeit e.V. auf sieben
galität die ihnen auch nach dem deut- der Bundesrepublik ist nach wie vor un- erhöht.
schen Recht zustehenden grundlegenden menschlich und steht im krassen Wieder- Der Verein ist eine im Land Bremen
sozialen Rechte (etwa auf medizinische spruch zu den Kinder- und Menschen- allgemein anerkannte Institution im Be-
Versorgung, Schulbesuch und Lohn für rechten und viel zu wenige haben trotz reich der Flüchtlingsarbeit und An-
geleistete Arbeit) auch tatsächlich angst- Bundestagsbeschluss ein Bleiberecht er- sprechpartner für viele Flüchtlinge. In
frei in Anspruch nehmen können. Die ge- halten. Die „Auszeichnung“ geht dieses der Härtefallkommission behandelte Fäl-

12 :antifaschistische nachrichten 25-2007


le wurden häufig über oder mit Hilfe des das kommunale Wahlrecht auch ein ge- Flüchtlingspolitik und ihre tödlichen
Vereins eingebracht. Dem Verein gehö- wichtiger politischer Beitrag gegen Ras- Folgen 1993 - 2006)! Deutschland ist
ren Vertreter von Kirchengemeinden und sismus und Diskriminierung. Hier leben- treibende Kraft der EU-Abschottungspo-
Einzelpersonen verschiedener Konfes- de Migrantinnen und Migranten sollten litik. Mit weiteren tödlichen Folgen:
sionen an. nicht nur am politischen Leben teilneh- Nach Schätzungen sind über 10.000
Quelle: Flucht@nds-fluerat.org ■ men können, sondern auch durch ihr Menschen im vergangen Jahr bei dem
Wahlrecht die Möglichkeit haben, frem- Versuch nach Europa zu gelangen ge-
Kommunales Wahlrecht denfeindlicher Politik oder rechtsextre- storben. Die DemonstrantInnen forder-
men Parteien ihre Stimme zu entziehen.“ ten die IMK sowie die PolitikerInnen der
Jetzt! Für alle Migrantinnen Attac (Sabine Leidig, Geschäftsführerin) • Attac- Bundesrepublik auf:
und Migranten Koordinierungskreis (Detlev v. Larcher)• Bundes- ◗ Umgehend einen Abschiebestopp für
Berlin. „Wir, die Unterzeichner, greifen ausländerbeirat (Memet Kilic, Bundesvorsitzen- alle Flüchtlinge zu verhängen!
der) • Bundesverband der Migrantinnen e.V. (Si-
die aktuellen Initiativen in einigen Bun- dar Demirdögen, Bundesvorsitzender)) • Födera- ◗ Zuwanderung ohne Rassismus und
desländern und Kommunen auf und wol- tion der demokratischen Arbeitervereine (Hüsey- ein ganzes Bleiberecht umzusetzen.
len bundesweit der Forderung nach dem in Avgan, Bundesvorsitzender),) • Foederation ◗ Abgeschobenen Menschen die
kommunalen Wahlrecht für alle Migran- der Aleviten Gemeinden in Europa (Ali Ertan To- Rückkehr in ihre Heimat – die Bundesre-
prak, Generalsekräter)) • GLADT (Ü.Gürkan
tinnen und Migranten mehr Geltung ver- Buyurucu, Geschäftsführer)) • IG Metall-Vor- publik Deutschland – zu ermöglichen.
schaffen. Mit unserer gemeinsamen stand Ressort Migration (Nafiz Özbek)) • Inga ◗ Menschen ohne Papiere ein Bleibe-
Kampagne zur Einführung des kommu- Nitz (MdBB) Die Linke Mitglied des Parteivor- recht zu geben!
nalen Wahlrechts wollen wir alle parla- standes), Mitglied der Bremischen Bürgerschaft) ◗ Sowie Zäune und Mauern um
• Mehr Demokratie e.V (Dr. Michael Efler, Mit-
mentarischen Initiativen, insbesondere glied des Bundesvorstands Mehr Demokratie Europa abzuschaffen, Fluchtwege zu öff-
der Bundestagsfraktionen DIE LINKE e.V.)) • Die Linke (Katina Schubert, stellvertre- nen und Menschen in Not großzügig auf-
und Bündnis90/ Die Grünen unterstüt- tende Bundes-Vorsitzende Die Linke) • Türkische zunehmen.
zen. Wir begrüßen auch die Bundesrats- Gemeinde in Deutschland (Hilmi Kaya Turan, ◗ Die Kinder- und Menschenrechte der
Stv. Bundesvorsitzender)) • Verdi- Migration
initiative der Länder Rheinland-Pfalz, (Sonja Marco) www.agaby.de ■ UNO vollständig in der Bundesrepublik
Berlin Brandenburg und Schleswig-Hol- zu respektieren und umzusetzen!
stein für die entsprechende Verfassungs- siehe auch: http://www.hier.geblie-
änderung. Wir fordern die Bundesregie- Demonstration für ein ben.net/Antifaschistische Initiative Moa-
rung sowie SPD und CDU/CSU auf, uneingeschränktes Bleibe- bit [AIM], a_i_m@gmx.de
ohne Verzögerung die verfassungsmäßi- recht für alle! http://www.antifa-moabit.de.vu ■
gen Voraussetzungen zur Einführung ei-
nes kommunalen Wahlrechts für die in Berlin. Anlässlich der Innenminister- Der Publizist Kemal Kutan
der Bundesrepublik Deutschland leben- konferenz in Berlin fand am 6.12. eine
den Nicht-EU-Bürgerinnen und -bürger Demonstration statt, zu der verschiedene darf nicht an die Türkei aus-
zu schaffen. Initiativen aufgerufen hatten. Der Bun- geliefert werden
Das allgemeine Wahlrecht ist konstitu- destag und der Bundesrat haben im Som- Die Bundestagsabgeordnete Ulla Jelpke
tives Element von Demokratie. Das ist mer mit dem „neuen Zuwanderungsge- hat gegen die Auslieferung des kurdi-
ein selbstverständlicher Grundsatz eines setz“ zahllose Verschärfungen beschlos- schen Publizisten Kemal Kutan an die
demokratischen Rechtsstaats. Nur wer sen: die Erschwerung des Familiennach- Türkei protestiert. Seit dem 29. Oktober
die Möglichkeit hat, sich durch die Wahl zugs, die Erschwerung der Einbürgerung befindet sich Kutan in Auslieferungshaft.
seiner Vertreterinnen und Vertreter an der für junge MigrantInnen, Sanktionen bei Er wurde aufgrund eines internationalen
Politik vor Ort zu beteiligen bzw. sich Nichtteilnahme an Integrationskursen, Haftbefehls der Türkei während einer
wählen zu lassen, wird ernst genommen! Zugfahrt nach Stutt-
Diese Menschen sind dann nicht mehr gart von der Polizei
Objekte des politischen Handelns, son- festgenommen und
dern gestalten das Leben in ihrem Um- in das Karlsruher
feld aktiv mit. Abschiebegefängnis
Zum Wahlrecht gibt es derzeit keine gebracht. Obwohl
Alternative. Denn Einbürgerung wird Kutan ausschließ-
durch zu hohe Hürden erschwert. Diese lich publizistisch tä-
müssen abgebaut werden. Aber auch für tig war, wirft ihm
jene Migrantinnen und Migranten, die die türkische Justiz
nicht die deutsche Staatsangehörigkeit vor, an Tötungsde-
annehmen können oder wollen, müssen likten einer Gueril-
das Wahlrecht haben. Politische Beteili- laorganisation betei-
gung, gleiche Rechte und Chancen- ligt gewesen zu sein.
gleichheit sind entscheidende Vorausset- Eine Auslieferung
zungen für das Gelingen der Integration! Kutans an den türki-
Das kommunale Wahlrecht ist ein verminderter Leistungsbezug auf vier schen Staat würde sein Leben gefährden.
wichtiger Schritt hin zur rechtlichen Jahre für nicht anerkannte Flüchtlinge, Statt einem rechtsstaatlichen Gerichts-
Gleichstellung aller hier lebenden Men- verschärfte Ausweisung und vieles mehr. verfahren drohen ihm Misshandlungen
schen – unabhängig von Herkunft und Außerdem gibt es nach wie vor keine und Folter.
Pass. Ein kommunales Wahlrecht für effektive Bleiberecht, keine Regelung für „Ich fordere die Verantwortlichen in
Nicht-EU-Bürgerinnen und -bürger ist besonders schutzbedürftige Flüchtlinge, der Bundesregierung auf, Kemal Kutan
deshalb in vielen EU-Ländern wie Bel- wie zum Beispiel Kranke oder traumati- sofort frei zu lassen. Als politisch Ver-
gien, Dänemark, Finnland, Irland, Nie- sierte Flüchtlinge, Alte oder Erwerbsun- folgter muss er uneingeschränktes politi-
derlande, Schweden, Estland, Litauen, fähige. sches Asyl in Deutschland bekommen,“
Slowakei, Slowenien und Ungarn sowie Die sichtbaren Folgen der bundeswei- so Ulla Jelpke,
die Nicht-EU-Mitglieder Norwegen und ten Flüchtlingspolitik bedeuten 351 nach PM Ulla Jelpke, MdB, Innenpoliti-
Island bereits Standard. Gleichzeitig ist Tote(Quelle: ARI, Bundesdeutsche sche Sprecherin Fraktion DIE LINKE ■

: antifaschistische nachrichten 25-2007 13


Vertreibungsausstellung in München

„Das kriegen wir schon hin“ von Renate Hennecke

München, 22. November. Pres- Ausstellungsstücke nicht auf Reisen Menschen verhungern sollten, um „Le-
sekonferenz in der Chefetage schicken kann (vor München wurde die bensraum im Osten“ für den deutschen
des Bayerischen Hauptstaatsar- Wanderausstellung in diesem Sommer in Herrenmenschen zu schaffen. 27 Millio-
chivs. In einer Stunde soll ein Stock- Frankfurt/Main gezeigt). Und auch in- nen Tote hatte die Sowjetunion durch
werk tiefer die Ausstellung „Erzwunge- haltliche Änderungen. Der Abschnitt den deutschen Überfall zu beklagen. Sol-
ne Wege“ der Stiftung Zentrum gegen über die Vertreibung von Ungarn aus der che Zahlen werfen ein grelles Licht auf
Vertreibungen eröffnet werden. Auf Slowakei sei ausgeweitet, der Teil über Sätze wie diesen: „Die Vertreibung, die
Wunsch „der Staatskanzlei“, d.h. auf Italien dafür zusammengefasst worden. Deportation und auch die Flucht Millio-
Wunsch des bisherigen bayerischen Das leuchtet ein: Ungarn war während nen Deutscher aus der Heimat war in Art
Ministerpräsidenten Stoiber, wurde des Zweiten Weltkriegs mit Deutschland und Umfang ein Verbrechen gegen die
die Ausstellung kurzfristig ins Pro- Menschlichkeit von ganz einzigartigem
verbündet und stellt jetzt ähnliche Forde-
gramm des Archivs genommen. Ausmaß.“ Diesen Satz hat Erika
Steinbach am 1.6.1995 vor dem
Die Pressekonferenz ist dünn be- Deutschen Bundestag gesprochen.
sucht, und Fragen der Journalis- Ähnlich der Ausstellungstext:
ten sind offenbar nicht vorgese- „Flucht und Vertreibung von 12 bis
hen. Nach den einleitenden Flos- 14 Millionen Deutschen am Ende
keln von Prof. Dr. Rumschöttel, des Zweiten Weltkrieges aus den
Generaldirektor der staatlichen deutschen Ostgebieten und aus den
bayerischen Archive, und Erika deutschsprachigen Regionen au-
Steinbach, Präsidentin der Stif- ßerhalb Deutschlands stellten die
tung und des Bundes der Vertrie- größte Zwangsmigration in der eu-
benen, soll man eigentlich gleich ropäischen Geschichte dar.“
hinausgeschickt werden zu einer Aber nicht die Furcht davor, sich
Führung durch die Ausstellung Eröffnung der Müncher Ausstellung am 22.11., Günther Beck- selbst Lügen zu strafen, sei der
unter Anleitung der Kuratorin, stein und Erika Steinbach(1. und 2. von rechts) Grund für die auffällige Lücke in
Frau Dr. Klotz. der Ausstellung, erfahre ich. Die
Ich habe mir die Ausstellung schon im rungen an die Slowakei wie die deut- Gründe seien ganz einfach: Erstens habe
vorigen Jahr im Berliner Kronprinzenpa- schen Vertriebenenverbände an Tsche- man eben eine Auswahl treffen müssen,
lais gründlich angesehen und festgestellt, chien. Gerade vor ein paar Tagen fand in zweitens hätten sie niemanden gehabt,
dass sie alle Befürchtungen bestätigt. Die Budapest ein Staatsakt unter dem Motto der Russisch konnte, und drittens seien
verschiedensten historischen Gescheh- „60 Jahre Unrecht der Vertreibung“ statt. die Russen ohnehin nicht sehr kooperativ
nisse werden in eine Reihe gestellt und Frau Steinbach war dazu eingeladen. gewesen. Außerdem enthalte die Ausstel-
gleichermaßen als „ethnische Säuberun- Prof. Rumschöttl und Frau Steinbach lung doch Vieles über die Sowjetunion,
gen“ mit dem Ziel der Schaffung homo- verbreiten sich jetzt über die Vielzahl der z.B. über das Baltikum. (In der Tat gibt
gener Nationalstaaten interpretiert. Die Völker, die als Opfer von Vertreibungen es einen Abschnitt über die „Umsiede-
unterschiedlichen Vorgeschichten wer- Aufnahme in die Ausstellung gefunden lung“ (!) der Deutschbalten und der Li-
den dabei gleichgültig. Nach dem Motto haben. Ja, sage ich, nur die Russen feh- tauendeutschen ins besetzte Polen durch
„Das Leiden des Individuums ist überall len. In der Berliner Ausstellung waren Hitler).
gleich“ braucht man sich dafür nicht sie nicht einmal in der Aufzählung ge- Bevor noch peinlichere Sätze fallen,
mehr zu interessieren. Auch die Umsie- nannt, die den Prolog der ganzen Schau mahnt Prof. Rumschöttl zum Rundgang.
delung von Deutschen am und nach dem bildete. (Die entsprechende Tafel fehlt in Draußen spricht mich Dr. Wilfrid Ro-
Ende des Zweiten Weltkrieges wird zu München). Dabei gehörte die Vertrei- gasch an. Er ist Historiker, Mitarbeiter
einer angeblichen „ethnischen Säube- bung der Zivilbevölkerung ausdrücklich des Deutschen Historischen Museums in
rung“ – Deutsche mussten leiden, „nur zur Kriegsstrategie der deutschen Wehr- Berlin und einer der Kuratoren und Ma-
weil sie Deutsche waren“ und Polen und macht in der Sowjetunion. „Die Flucht cher dieser Ausstellung. Er möchte gern
Tschechen sie einfach loswerden woll- der Bevölkerung bei und nach der Beset- eine gute Presse für das Werk und appel-
ten. Schon seit dem 19. Jahrhundert sei- zung der Stadt nach Osten ist zu för- liert an meine Nachsicht. Sie hätten ja
en rigorose Vertreibungspläne geschmie- dern“, heißt es beispielsweise mit Blick viele Tage in polnischen, aber keinen Tag
det worden, Hitler habe dann – so hat es auf die ukrainische Stadt Charkow in ei- in russischen Archiven zugebracht. Und
Frau Steinbach mehrfach verkündet – nem Eintrag in das Kriegstagebuch der 6. vielleicht kann man ja irgendwann meine
nur die willkommene Gelegenheit zur deutschen Armee vom 10. Oktober 1941. „Anregungen“ noch aufnehmen. Mei-
Verwirklichung der Pläne gegeben. Mit Eine riesige Vertreibungs- und Flucht- nem Einwand, dass der Vernichtungs-
seriöser Geschichtsdarstellung hat das welle von 14 Millionen Menschen habe feldzug der deutschen Wehrmacht in der
alles nichts zu tun. die Wehrmacht schon 1941 bei ihrem Sowjetunion sich wohl schwerlich in das
Aber ist die in München gezeigte Vormarsch vor sich her geschoben, Konzept von den ethnischen Säuberun-
„Wander- Variante“ der Ausstellung schreibt der Historiker Peter Jahn, ehe- gen zwecks Schaffung eines homogenen
identisch mit der, die ich in Berlin gese- maliger Direktor des Deutsch-Russi- Nationalstaates einpassen lassen würde,
hen habe? Oder hat die Kritik an der Ber- schen Museums in Berlin-Karlshorst in begegnet er mit Optimismus: „Doch, das
liner Urfassung vielleicht zu Veränderun- einem Artikel, der nicht zufällig gerade kriegen wir schon hin.“ Ich fürchte, da
gen geführt? zum Zeitpunkt der Eröffnung der „Er- hat er recht.
Das will ich doch noch wissen, bevor zwungenen Wege“ in Frankfurt in der Renate Hennecke ist Redakeurin der
die Führung beginnt. Ja, es habe Ände- ZEIT erschien. Ausdrücklich ging die Deutsch-Tschechischen Nachrichten ■
rungen gegeben, erfahre ich. Solche deutsche Führung davon aus, dass noch Download, Bezugsbedingungen unter
praktischer Art, weil man die kostbaren weit mehr als 14 Millionen sowjetische www.deutsch-tschechische-Nachrichten.de

14 antifaschistische nachrichten 25-2007


Die wirtschaftlich und Wir wenden uns gegen ein Machtsystem,
politisch Mächtigen das sich am Profit orientiert und das so-
der Welt beanspru- wohl in Friedens- als auch in Kriegszei-
chen für sich das ten über Leichen geht, gegen ein System
Recht auf ungehinder- der rigorosen Abschottung der EU-Au-
ten Zugang zu Märk- ßengrenzen gegenüber Flüchtlingen und
ten und Rohstoffen MigrantInnen. Dazu gehören die rassisti-
auf dem gesamten schen und fremdenfeindlichen Auslände-
Globus. rInnengesetze in Deutschland, die Ab-
Sie setzen ihre öko- schaffung des Asylrechts, tödliche Hetz-
nomischen Interessen jagden und Überfälle sowie die europa-
und Machtansprüche weit anlaufende Massenabschiebung von
auch mit militärischer Flüchtlingen in die Kriegsgebiete des
Gewalt durch. Die Be- Irak und Afghanistans.
satzungskriege der Fluchtursachen bekämpfen. Öffnung
NATO-Staaten und ih- der Grenzen für Flüchtlinge und Mi-
rer Verbündeten, die grantInnen statt Stacheldraht und
unter der Losung der Lager
Terrorbekämpfung ge- Zeigen wir den selbst ernannten Welt-
führt werden, sind herrschern und Kriegsstrategen: Ihr seid
selbst Terror gegen die hier in München und anderswo uner-
Bevölkerung: Bom- wünscht. Eurer Politik von neoliberaler
bardierungen, Vertrei- Wirtschaftsmacht und Ausbeutung, von
bung, Zerstörung, Ver- Aufrüstung und Sozialabbau setzen wir
gewaltigungen sowie weltweit Protest und Widerstand entge-
die Wiedereinführung gen, denn eine andere Welt ist möglich –
Aufruf des Aktionsbündnis- der institutionalisierten Folter wie in Gu- eine gerechte Gesellschaft, eine friedli-
ses gegen die NATO-Sicher- antanamo und in Geheimgefängnissen. che Welt ohne Krieg und Folter.
Die NATO-Kriege und Besatzungregime
heitskonferenz am 8./9. eskalieren die Konflikte weltweit; selbst-
Statt sozialer Demontage und Auf-
rüstung – Umverteilung von oben
Februar 2008 bestimmter Aufbau und eine demokrati- nach unten
Die „Sicherheitskonferenz“ in München sche Entwicklung haben keine Chance.
ist ein Treffen von Militärstrategen, Re- Gegen Krieg und Folter – Für ein Wir rufen auf: Mischt euch ein, beteiligt
gierungsvertretern, Generälen und Rüs- freies und selbstbestimmtes Leben euch an den vielfältigen Protesten und
tungslobbyisten. Verschanzt hinter Ab- aller Menschen Gegenveranstaltungen in München! Die
sperrgittern, Wasserwerfern und einer gi- Proteste und Blockaden von Heiligen-
gantischen Polizeimacht kommen im No- Die erneute Militarisierung der deut- damm gegen den G8-Gipfel haben ge-
belhotel Bayerischer Hof jährlich EU- schen Außenpolitik führt längst auch zur zeigt, dass wir erfolgreich sind. Trotz ab-
und NATO-Repräsentanten zusammen, Militarisierung im Innern. Diese Politik geschotteter Zonen und Demoverboten
um Kriegseinsätze, internationale Militär- des präventiven „Sicherheits“-Staates haben dort Zehntausende erfolgreich
strategien und Rüstungsgeschäfte zu pla- betreibt den Abbau der Grundrechte aller durch zivilen Ungehorsam und Wider-
nen. So wurden bei der Münchner Militär- BürgerInnen durch Vorratsdatenspeiche- standsaktionen die Zufahrtswege zum
tagung unter anderem die Angriffskriege rung von Telefongesprächen, dem Aus- Gipfel effektiv blockiert. Im Februar
gegen Jugoslawien, Afghanistan und den spionieren von PC-Daten, Unterbin- werden wir deutlich machen: Kriegsver-
Irak vorbereitet und entscheidende Wei- dungsgewahrsam, Überwachung von öf- brecher und Folterbefürworter erwartet
chen für den so genannten „Globalen fentlichen Plätzen und Privatwohnungen. auch in München Protest und Wider-
Krieg gegen den Terror “ gestellt. (...) stand.
Keine Auslandseinsätze der Bundes- Gegen den Überwachungsstaat – No justice, no peace! –
wehr – Gegen jede deutsche Kriegs- Für Meinungsfreiheit und Bürger- Ohne Gerechtigkeit kein Friede!
unterstützung rechte
Kommt alle zur Großdemonstration
und den weiteren Widerstandsaktio-
Der Herausgabekreis und die Redaktion sind zu erreichen über:
GNN-Verlag, Venloer Str. 440, 50825 Köln Tel. 0221 / 21 16 58, Fax 0221 / 21 53 73. nen am 9. Februar 2008 in München!
email: antifanachrichten@netcologne.de, Internet: http://www.antifaschistische-nachrichten.de
Erscheint bei GNN, Verlagsges. m.b.H., Venloer Str. 440, 50825 Köln. V.i.S.d.P.: U. Bach
Redaktion: Für Schleswig-Holstein, Hamburg: W. Siede, erreichbar über GNN-Verlag, Neuer Kamp 25,
20359 Hamburg, Tel. 040 / 43 18 88 20. Für NRW, Hessen, Rheinland Pfalz, Saarland: U. Bach, Spendenkampagne
GNN-Verlag Köln. Baden-Württemberg und Bayern über GNN-Süd, Stubaier Str. 2, 70327 Stuttgart, Tel.
0711 / 62 47 01. Für „Aus der faschistischen Presse“: J. Detjen c/o GNN Köln.
Erscheinungsweise: 14-täglich. Bezugspreis: Einzelheft 1,30 Euro. Bis zum 10.12
Bestellungen sind zu richten an: GNN-Verlag, Venloer Str. 440, 50825 Köln. Sonderbestellungen sind wurden bereits
möglich, Wiederverkäufer erhalten 30 % Rabatt.
Die antifaschistischen Nachrichten beruhen vor allen Dingen auf Mitteilungen von Initiativen. Soweit ein-
zelne Artikel ausdrücklich in ihrer Herkunft gekennzeichnet sind, geben sie nicht unbedingt die Meinung 840,– Euro
der Redaktion wieder, die nicht alle bei ihr eingehenden Meldungen überprüfen kann.
Herausgabekreis der Antifaschistischen Nachrichten: Anarchistische Gruppe/Rätekommunisten (AGR); Annelie Bun-
tenbach (Bündnis 90/Die Grünen); Rolf Burgard (VVN-BdA); Jörg Detjen (Forum kommunistischer Arbeitsgemeinschaf-
gespendet. Vielen Dank!
ten); Martin Dietzsch; Regina Girod (VVN - Bund der Antifaschisten); Dr. Christel Hartinger (Friedenszentrum e.V., Leip-
zig); Hartmut-Meyer-Archiv bei der VVN - Bund der Antifaschisten NRW; Ulla Jelpke (MdB); Marion Bentin, Edith Berg- Spendenkonto: GNN-Verlag,
mann, Hannes Nuijen (Mitglieder des Vorstandes der Arbeitsgemeinschaft gegen Reaktion, Faschismus und Krieg–
Förderverein Antifaschistische Nachrichten); Kreisvereinigung Aachen VVN-BdA; AG Antifaschismus/ Antirassismus in
Postbank Köln, BLZ 370 100 50,
der PDS NRW; Angelo Lucifero (Landesleiter hbv in ver.di Thüringen); Kai Metzner (minuskel screen partner); Bernhard Kto.Nr. 10419507
Strasdeit; Volkmar Wölk.

: antifaschistische nachrichten 25-2007 15


: aus der faschistischen Presse
politik und ihre neoliberalen und christ-
lich-fundamentalistischen Propagandist
(inn)en zu verteidigen, es gilt aber, sauber
Antisemitisch ins Neue Jahr Das Vergnügen an der Vorstellung, Isra- zwischen linker Kritik, wie Avnery sie be-
Nation & Europa Nov./Dez. 2007 el würde zerstört, ist kaum zu überlesen. treibt, auf der einen und Antisemitismus
George W. Bush in der Zwangsjacke vor Wer aber veranlasst Bush zu seiner ag- und Neofaschismus auf der anderen Seite
einem im Hintergrund aufsteigenden gressiven Politik? „Einer der engsten zu unterscheiden.
Atompilz, dazu die Überschrift „Dritter Bush-Berater ist Norman Podhoretz. Er Um was es N&E wirklich geht, macht
Weltkrieg? Ein Fall für die Zwangsjacke“ zählt zum einflussreichen Council on Fo- KARL RICHTER in seinem Artikel
– macht die Antikriegsbewegung mobil? reign Relations und gibt das vom Ameri- „Eine Symbiose, die es niemals gab:
Nein, es handelt sich bei der beschriebe- kanisch-Jüdischen Kongreß finanzierte ,Christlich-jüdisches‘ Erbe“ deutlich:
nen Illustration um das Titelbild der, tradi- ,Commentary Magazine‘ heraus... Der „Christlich-jüdisch? Wer die europäi-
tionell als Doppelnummer erscheinenden aus einer linken Familie stammende Chef- sche Geschichte der letzten anderthalb
Jahresabschlussausgabe von „Nation & Intellektuelle sieht die USA bereits in ei- Jahrtausende unvoreingenommen Revue
Europa“. Immer öfter versuchen neofa- nem Weltkrieg mit ,Islamofaschisten‘ und passieren läßt, muß sagen, was er will: das
schistische Kreise in letzter Zeit sich äu- vergleicht Iran mit NS-Deutschland“. Christliche oder (Hervorhebung im Origi-
ßerlich friedensbewegt, ja links zu geben, Auch BERNHARD RADTKE ver- nal - tri) das Jüdische. Denn die modische
um ihre Hetze besser verbreiten zu kön- sucht in seinem Beitrag „US-Präsident- Synthese hat es in Wahrheit nie gege-
nen. schaftskandidaten werden auf Kurs ge- ben.... Jüdisches blieb in den anderthalb
Dass diese Versuche äußerlich bleiben, bracht: Was folgt nach Bush?“ fortschritt- Jahrtausenden zwischen Völkerwande-
zeigt der Blick auf die Inhalte. JÜRGEN lich zu klingen und zieht einen unverdäch- rung und Moderne auf Rand- und Ni-
HOFMANN fragt „Und wieder spielt tigen Kronzeugen heran: „Der israelische schenbereiche der abendländischen Ge-
Bush mit dem Feuer: Dritter Weltkrieg?“ Antizionist Uri Avnery charakterisierte sellschaft verwiesen: ungeliebt, geduldet,
und findet die Antwort in Israel und einem die ,Neokonservativen‘ in einem Aufsatz fremd, in Gestalt von Zinsleihern und
Juden: als ,eine Gruppe, deren Mitglieder fast Händlern.... Die Juden blieben, als fremde
„Schon gar nicht wird in Teheran an alle jüdisch sind. Sie halten einerseits die Ingredienz im Sauerteig des werdenden
Weltherrschaftsplänen und nuklearen Ag- Schlüsselpositionen der Bush-Adminis- Abendlandes. Was gleichfalls blieb, war
gressionen gebastelt. Niemand dort will tration inne als auch die in den Studienin- das – religiös gespeiste, mithin um so stär-
die Amerikaner, Russen, Chinesen oder stituten (think tanks), die eine bedeutende kere – Bewußtsein der eigenen Exklusivi-
Europäer überfallen. Das weiß natürlich Rolle beim Formulieren der amerikani- tät. Es hielt die Schranken zwischen Jüdi-
auch Bush. Aber seine vordergründige schen Politik und der Leitartikelseiten der schem und Nichtjüdischem wirksamer
Sorge lautet: ,Wir haben in Iran einen einflußreichen Zeitungen spielen. (...) aufrecht als je die Ausgrenzungs- und
Führer, der erklärtermaßen die Zerstörung Diese Gruppe träumt nicht nur von einem Nichtvermischungsgebote der Umge-
Israels will‘. das stimmt in dieser verkürz- amerikanischen Weltreich im Stil eines bung... Möglicherweise lassen sich be-
ten Form zwar nicht, würde jedoch die römischen, sondern auch von einem israe- stimmte Dinge auch nur deshalb offen
Frage aufwerfen, ob der jüdische Staat al- lischen Mini-Empire unter der Kontrolle aussprechen, weil der Zug längst abgefah-
len Ernstes einen Weltkrieg wert ist. Es der extremen Rechten und der Siedler...‘ ren ist: An die Stelle autochthoner, ange-
sind schon andere Staaten zerstört wor- Ob die aus dem 19. Jahrhundert stammen- stammter Wertvorstellungen und Symbole
den, ohne daß sich die Menschheit veran- den Flügelbezeichnungen rechts und links treten neue, säkulare wie der Kult der
laßt sah, den ganzen Planeten in die Luft überhaupt noch zutreffen, mag dahinge- ,Menschenrechte‘ und die immerwähren-
zu sprengen. Aber Israel ist militärisch stellt bleiben. Zum dominierenden Faktor de Bewältigung des ,Holocaust‘, der mit
keineswegs gefährdet. Nach Auffassung der US-Politik konnte diese Gruppe je- Recht als postmoderne ,Zivilreligion‘ be-
wirklich aller Experten verfügt es über denfalls durch die Allianz mit christlichen zeichnet wurde... Der Kreis schließt sich:
nukleare, biologische und chemische Ver- Fundamentalisten aufsteigen, die sich in die ,christlich-jüdische‘ Symbiose, die
nichtungswaffen, wie es sie stärker und jüngerer Zeit immer offener als christliche uns weisgemacht werden soll, hat es nie
moderner nirgendwo gibt, schon gar nicht ,Israel-Lobby‘ bekennen und zahlenmä- gegeben. Dagegen gibt es die Symbiose,
in unmittelbarer Nachbarschaft. Selbst ßig weit bedeutender sind als die jüdi- will sagen: die Infiltration des globalen
konventionell ist Israel so stark, daß es schen Zionisten in den Vereinigten Staa- ,Weltgewissens‘ mit dem Holocaust-Dog-
nach Belieben zu ,Strafexpeditionen‘ in ten“. Antifaschist(inn)en kann es nicht da- ma, die auf die weltweite Inthronisierung
die Anrainer-Staaten eindringen kann“. rum gehen, die US-amerikanische Kriegs- einer jüdischen Sonder-Identität zu Lasten
jeder anderen nationalen Integrität hinaus-
läuft“.
BESTELLUNG: Hiermit bestelle ich … Stück pro Ausgabe (Wiederverkäufer erhalten 30 % Rabatt)
Abgesehen davon, dass Richter gegen
O Halbjahres-Abo, 13 Hefte 22 Euro
Erscheinungsweise: etwas polemisiert, was nie behauptet wur-
O Förder-Abo, 13 Hefte 27 Euro 14-täglich de (das „christlich-jüdische Erbe“ ergibt
O Jahres-Abo, 26 Hefte 44 Euro
sich aus einem gleichen, beiden Religio-
O Förder-Abo, 26 Hefte 54 Euro
nen heiligen Text, dem Alten Testament
O Schüler-Abo, 26 Hefte 28 Euro
sowie der Tatsache, dass das Christentum
O Ich möchte Mitglied im Förderverein Antifaschistische Nachrichten werden. Der Verein unterstützt finanziell
und politisch die Herausgabe der Antifaschistischen Nachrichten (Mindestjahresbeitrag 30,- Euro). aus der jüdischen Religion hervorging)
Einzugsermächtigung: Hiermit ermächtige ich den GNN-Verlag widerruflich, den Rechnungsbetrag zu Lasten
und ebenfalls abgesehen davon, dass es
meines Kontos abzubuchen. (ansonsten gegen Rechnung) einen inhaltlichen Unterschied zwischen,
zu verurteilendem, religiös gespeisten
Name: Adresse: christlichen Antijudaismus und dem mo-
dernen faschistischen Antisemitismus
Konto-Nr. / BLZ Genaue Bezeichnung des kontoführenden Kreditinstituts gibt, gibt es für Richters Haltung (und die
seiner Kollegen) eine kurze, treffende Be-
Unterschrift zeichnung: Der Jude ist unser Unglück!
Antisemitismus bleibt Antisemitismus
GNN-Verlag, Venloer Str. 440, 50825 Köln, Tel. 0221 – 21 16 58, Fax 21 53 73, email: gnn-koeln@netcologne.de
Bankverbindung: Postbank Köln, BLZ 370 100 50, Kontonummer 10419507
und als solcher menschenfeindlich – egal
wie gelehrt er sich gibt. tri ■

16 :antifaschistische nachrichten 25-2007