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Geschichte und Gese t zmciß igkeit

l{arun können Gesetzriräßigkeiten in der wo es die seinem I'la chstum notwendlgen Be-
gesellschaftlichen Beuegung nicht nathe- dinElungen vorfindet. ZufäJ1ig ist al_les,
natischen Formeln gleichgeseüzt werden? v&s so oder anders, sein oder nicht sein
kann i se inen Grund hat e s in anderenr. I,l j ncl
.. Anders als in der i"iathenat,ik, ln der und Ort haben keine notwendige Beziehung zun
vö)1ige Identität zvische.n der Erkenntnis Sanenkorn, ihr Vorhandensein ist zufäl1ig;
des Gegenstandes, den sie behandelt, und slnd durch sie aber die dem lrlachstum des
den Gegenstand selbst besteht, gibt es in Korns addquaten Unstände geschaffsrr eo
der Wissenschaft von der Gesellschaft kein entsteht notvendig eine pflanze.
absolutes lJjssen, in dem die Erkenntnis
eins r.räre rnit dere Sein, das sie erkennt. Aus bestirnnten Bedingungen können nur be-
Die Cesetze der gesel.lschaftlichen Entuick:. stimnte Dinge hervorgehen, keine andereni
lung stellen ein ldeal dar, nicht die Der Zufal1 selbst ist von Cesetzen be-
iJirklichkeit. Sie verwi.rklichen s.lch herrscht, das heißt: Führt der ZufalJ zurn
durch ihre Nicht-VersirkJichung. In der Vorhandensein best,irnmter Bedingungen, so
I'lathenatik haben wir es rnit Zahlen zu tun, entsteht notwen<iig und gesetzmäß1g das
also feri,igen Dingen, in der Gesellschaft dlesen Bedingungen Entsprechende. Für
mit einem Pomplex von prozessen. das Hervortreten des I'loLwendlgen sinrj die
Bedingungen also äußerliche und zufä111ge
0der anders ausgedriickt. liegt der llonente; Jede Bedin6lung wiederum lst für
Froblenra.tik von sogenannten Gesetzen in slch betracht.et e1n llotr,rendiges, hervorge-
der Ceschicht.e das Verhältnis von Zufal-l bracht unter zufälllgen Umständen. So 1st
und Nc'twendigkeil, von I'löglichkeit und Jede Sache zuglelch notwendlg und zufäl)ig1
l'ii.rkl ichkeit zugrunde. Betrachtet man Ce- der Zufall ist zugleich relativ
und
schi chte als einen Prozeß sich entwickelnder absolut. Er ist die Surnme unendlich
Bevegungen und Ereignisse, aus dem fort- viefer llotuendiglreiten. Sind alle
Be_
während neue Di.nge hervorgehen, dann dingungen vorhanden, nruß eine
setzt sich in diesem F1uß uerdender unci Sache l,lirl<l i.chkeit uerden.
In Schoße
vergehender [irscheinrrngen durch eine unge_ der Bedingungen ruhen die MögIich_
zähIt,e l.lenge von Zufäl Ien das t{otwendige keiten. !{as als l{otuenrllges l{j rkli
ch_
durch. Das llotwendlge gehL aus zufä)ligen keit ger.rorden ist, kann nicht anders
Umst,änden hervor, die ohne lnneren Zusannen_ sein, wohl aber kön
hang niL der Sache über dns entscheiden,
was entsteht,. 0b aus elnem Sanenkorn eine
keiren .na""" :"#q#:: I:::::;"_r,
vas uirkljch isl, ist notwendig
Pflanze wlrd, isl abhängig rlavon, ob es so ge_
worden, uas nögIich ist, ist,
durch den Hjnd an einen Ort geveht wird,
zufällig.

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Freilich'.":.: sleh nich{inmal Nerrforrnulierunfl kausarer Beziehungen
in Bereich der Neturwlssenschhten über- ge-
führt hat, reuchtet ein' daß einfache
all strenge Ksusalbeziehungen, ein- l(ausalitdt u""o ,o"nru'ohr o:"
fache ursache-!{irkung-verhältnisse historischen ,.oru""::t,:: '{nalyse des
festst.er-Ien. Dje Beziehun6l zvlschen
ur- r,i.;**--;#"ä:;-j:;"ff*äsä-
sache und lriirkung, zwischen Notwendig_
keit und Zufall, kurz: dle Beschreibung Dle sozisldenokratische und
und Forrnulierung des Gesetznäßigen bolsche-
ist r'ristische Schule der
gerade durch die neueren Erkenntniss, ,rie der Geschichtsf""::;il":l::t:l;::t:i:,
der modernen Naturvlssenschaft (hler daß in Geschicht.sprozeß cesetznäßigkeiten
ausgelöst durch den Dualismus der bestlnnbar slnd, dle den Verlsuf;;;;;_
Quantenerschelnung ln cier l{lkrophystk)
zun Gegenstand wissenschaftlieher "chichte vorhersagbar nachen ln slnne eln_
Kon- facher (un<l strenger) Kausalität.
troversen geworden, gb4*r"#r;&/'agio Die nGe_
setze der Geschjchte{ schienen
a?salsa zu funktio_
rn selner krassi K.?ry#f:oidirry"o",*rär ;:;";:":i:";:::":"i"::: J;*:i::;::";:::"
nenschheitsgeschicht'1ichen Erkenntnis- klärung) .Aber
die Gesetze.rter llatur.
prozeß entsprechend zuerst nur eben_
im Be- so rvie die l{atur6lesetze i.n
ihrer vornaLs
reich der Makrophysik Anwendung fand, "ehernrr erscheinenden cültigkeit der
lautet das Kausalprlnzlp uie forgt: progressiven l{atunris
ttrst der Zustand
etnes abgeschlossenen geworcren sinci, ebens."::::::t:,ve1fächtie
nussen die ilGesetze
Syst'er:rs zu lrgendelnem Zeltpunkt Oo, nenschljchen Cesellscheftü
volJständlg bekannt, so kann nan .--Q / bzu. der
den i. Geschjchte in ihrer sozialrrenokratisch
zustand des systenrs zu Jedern frühe- oder nqrxistisch-leninistischen
i prä,gung a1s
ren oder späteren zeltpunlrt grunclsät,z- ''ehernrr beheuptete zuan6stäufigkeit
lich exakt.berechnen.u (Flnkelnburg, ,i verdächtig erseheinen.
cien
., ]1rr*fll,{g,ten
"Einiührung !n die Atomphyslkn, Berljn "":i:-. -1- Pirr$ r*üä'Mn*d,*.#
1975, s . 2o7) Danit r.rerden rlie r r,
crenzen rn .der nenschli chen cesell
scha f t ent_
der Eeurteilung strenger Kausaljtät stehen clurch ctie Tätigkeit
deutrichl geschlossene systeme können cler ltenschen
imner r+ierier neue uncl sich verän.ernrte
nur unter isolierenden bzw. Labor- Bedin,3ungen und darnit eine
bedingungen und nur für bestimnte
Vlelzahl von
Er_ l{ögtichkeiten der gesellschaftlichen
scheinungen hergestellt werden. Die i/ei_
terentrricklung. Der Mensch verlrandelt
veitaus neisten vorgänge irn Berelch dureh
sei"ne praktische Tät,igkeit
tlie l,töglich_
der IJaturwlssenschaften (vor a11enr keiten in die rr{rk1i"iu.ra.
Je-
neo die si"ch nicht unter isolierenclen
Bedingungen nachahnen Lasse.n und
von
denen eine exakte Kenntnis des System- Das r,lerden <ler lJel.t ist
nur in ii.en Sinne
zustands - nindestens vorläufig festgelegt, claß die Uelt sich
- aus ihren e1_
nicht zu erreichen lst) laufen in genen l,ljdersprüchen heraus
entr.rickelt, sich
offenen Systemen ab. Hier kann das dabei nannlgfnltig differenziert,
Ksusalitätsprlnzip ctaß dieser
selne Gültigkelt Djfferenzierungsprozeß sich
nur dadurch behaupten, rlaß es bel in einen inner
konllli zierLer rrerrienen tlechselspiel
selrrer plaktlqchen Anuendung zu el- der [r_
scheinunqen vollzieht unrl clabei
nen - exakt.en oder mehr statistlsch stänciig neue
Keirne zukünftiger Fjntvicklungen
angend#ten - Erkl'ärungszusannenhang setzt. Des
i'ierden der wert ist nur durch
verhjlft' ihre selbst-
Eln weiteres Phcnonen, gesetzten F,ntr.,lcklungsbedingungen
das die n:rive vorslellung von (ausal-ität fest-
gelegt. Das, ro" 11"d, konstituiert
verhietet'' i:;t r:i ie hirrrl'ig zu beobachtende sich
erst ira l4oment selnes Entstehens.
Es lst
kor:i>1eye tiechs'ls*'itile
riechsels*.iti1e Bedingtheit von Ur_ vorher nicht, dsgsllesen. Nlcht
Ur- der Zwecll .
sachen und lJirkunllen ffi das Zlel oder Ende bringen die
BewepJung
In "r I I cicsen Fä11e n isi, serbst in der prozeß ist sei[
ire- .l:ly:::..9:"
turtrissenschaft die ei.nfnche. vorbehnlt "ie""" i"_
egungsursache. l'/äre es nicht.-5o,'""ä"r-]iir.
o:!lll-ll-g dcs l(ausalprinzips unnög- der FjntvrickJungslrozeß von etras be-
l:":
lich. Dr dies in Cen li'iturl^,issenschaften ir
stinnt, rl:rs außerhalb seiner selbsL f,
ztr lehhaft'en Debat,ten über clie nolusnjig6 stiinde. rur
!S-! i.leterialisnus gibt
@

es kein "lrrrilJ"f;,Jü;.' nn. ent";."u, un^"_

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prozeß der I'iatLrr ist nicht in den Si.nne
deterniniert, Die Vorstellung von Auftreten einer
daß er vorherzubestinnen
neuen Produktions- und Lebensweise unab-
värei das uiirde bedeuten, daB er sich
nessen 1ieße an einen Ding, das ihn
hängig vorl ll j 1l en der l,lenschen verleiht
vorherbestimnt, das neben oder äber der Geschichte subjekthaften Chsrakt.er, an-
ihn e:<istiert. [r ist seine eigene Kon- statt die l"lenschen a1s Subjekt,e der
Geschjchte zu begreifen. Die Geschicht.e
kretion, er setzt slch konkret erst 1n
Augenblick seines !Jerdens, davor lst er erscheint dgferniniert, die ZufäIligkeit
nlchts. ist ausgeschaltet, es uirkt nur eine ein-
fache, strenge Notwendigkeit. Dem l4enschen
Der hl storisch-gesellschaftllehe bleibt letztlich keine Möglichkeit, auf
Prozeß lsi das Resultat der Tätigkelt die Geschicht.e verändernd einzuvirken.
dee l.lenschen. Bestrebt, selne unnlttel- Der l'{a.terlalismus verkonmt in dieser Auf-
baren Bedürfnlsse zu befrledigeno ent- fassung zun nechanischen Materiallsmus, zu
deckte der Mensch d1e Erleicht.erung einer teleologischen Betrachtungswelser rECh
der Tellung der Arbelt, wle er Jelziv der Geschichte einen Sinn hat und ihr
dabei ist, dle l,iög1i chkelt der Ab- früheres Geschehen zun Zwecke des späteren
schaffung der Arbelt zu entdecken. stattgefuntlen haben so1l, eine Anlehnung
Auf der hi storlschen Stufenlelter an den objektiven Ideali.srnus.
der Tät,igkeiten des l.lenschen brachte
l{ährend die Entwicklung in der llatur a1s blin_
sein Schaffen ständig neue Beziehungen
der, bewußtloser Prozeß von;tatten geht, (wobei
zur lietur, zur Produktlon und zvlschen
die organische Natur natürlich j n einem ge-
den llenschen hervor, Bezi-ehungen, deren
vissen Sinne nit ihren Anpassungsleistungen
Cesetznäßigkeiten sich ebenfalls ver- nihre Z-weckerr zu verfolgen scheint, nämlieh ihr
änderten.
eigenes Leben erhäl.t), trat der Mensch in Ge-
gensatz dazu die Fähigkeit, auf die Bedingungen
Die i{aterie r,rird treder von nGe-
seiner Unwelt Einfl_uß zu nehnen. Je klarer
setzenfi , ttStrukturentt usw. übeuegtrt,
t'beherrschtir, rrregiertrr usv. Dle i{a- in den Jahrtausenden seiner Existenz seln Be-
vußtsein über seine SteJ,lung in cler !,leIt ge-
teric beuegt sich selbst; was vir Ge-
worden ist, um so besser ist er in der Lage,
setze nennen, isind }1genschaf ten der
die in gesellschaftlichen prozeß enthaltenen
Materie, a: e o\aS6-an slch hat uncl die
Högli.chkeiten zu erkennen und auf ihre Ver-
ohne sie nicht. existieren.So vie wir
vlrklichung hjnzuarbeiten. Soweit die Menschen
1n der Bevregung der llsterie bestlnnte
die historischen 0esetze nicht erfassen, müssen
Ahnlichkelten und lJjederholungen ent-
sle sich unerkannten Regeln r:nterworfen fühlen,
decken, -gltlg!le*!*ull bestir:rnte Struk-
,l ohnnächtig und entfrendet. Ihr Schicksal- scheint
turen in der hjstorischen Beuegun6i, dle
,2t',1fihnen dann von 14ächten außerhalb der menschljchen
uir a1s 0esetznäßigkelten der Ceschlch- f,&3 ,-r-+^h, L^^j:--.
Existenz bestimnt. Die i,lenschen sehen nicht, daß
te benennen. Aber ebenso venlg wle d.ie Jsie Kräften unterljegen, die nur ihr eigenes
liaterie von den Gesetzen threr Ber.re-
Produkt. sind. Das gilt um so mehr in,der Ge-
gung beuegt r'rird, ebenso uenlg be-
" genl;art der spektakulären Klassengesell schaft,
uirken die Ceset.ze der gesell scheft,- /
Llchen Bevequng den tortgang der Ce- / {&#;/-fr* &4aaA4,,*.'#-/ /*
{ i *rE ; *
Dle Menschen mgchen ihre Ceschichte setbst./l [\
schjchte. Der Konnunisnus konnt nicht y
aber nicht nach einem genreinsanen Gesantplrr.
5resetzmäßig, rinabhänglg von !ti11en / S
der Menschen, Gesellscheftl,i che Ce- Die vielen Ei nzelvri.
setze, die eine ganze Gesellscheft ge-
Rlchtungen. rn,." r"llil.:#;:rt:r:";:::i::;[. h
gen ihren lli1len in eine Rlchtung Djeser Umstand und die Abhängigkeit der EnL- k ,
r.rl cklung von unendl- j ch vielen außermens ch- ry
zr.ringen könnten, glbt es nicht. In
der Klassengeiellschoft r"rlrken geseli- lichen Bedingungen Iassen es nicht zu, gesell- &
schaftllche Gesetze u.U. gegen den ull- schaftlj che Cesetzmäßlgkelten naturwissenschaftd'
1en eines Teils threr t'litg1i.eder, lnner lichen Ceset,zen gleichzusetzen. Im wissen- i
aber nit den ilillen eines anderen schaftlichen Experinrent lassen sj.ch die Be- J
Te11s, ll 1e lst elno Produkt.lons- din5lungen inmer niecler in gleicher lieise
$
oder gar Lebensvelse gegen den lJlll-en schaffen -und das l,lirken bestimmter Gesetz- h
der l4enschen und unabhänglg von näßlgkeiLen ulerlerholcn. lllstorlsche &
S.
diesen liillen aufgetreten, zunlndest Situatlonen daßegen wierlerholen sich nlcht. P'
elne l4lnderhelt hst stdtg lhre Durch- Dle in der GeselLschaft wirkenden Fektor"n uu.-
fr
ändern sich und ihre Stellung zuei_nander;
sof,zrrng {'cw('llt, rrnd lür sie gekiinplt..
s€lbst der uicht,igste Faktor, tler Menoch.
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verändert r-:ch. Die Arbeiterklssse der Noven- r.rerden die i'lögli.chkeiten reallsiertoder ver-
berrevol:i"ion lrar eine andere als dle der vorfen. Erst in der Krttik vergangener 14ög-
Weltwiitschaftskrise; noch grijßer sind die llchkeiten wird die Entscheidungsfähi.gkeit für
Unterschiede in Bezug auf nateri.elle Lage das Zukünftlge geschult. Prognosen für die
und Bevußtsein zu den Arbeitern heute. Zukunft sind ,r6iTliliäh, aber, vie man aus
Elend - 1n selner klasslschen oder nodernen denr schlecht,en Bei.splel der sozialdemokrati_schen
Form - lst offenbar eine notwendlge, aber noch und lenlnlstischen Geschlchtsphilosophle ent_
nicht hinrelchende Bedingung für. eine radikale nehnen kenn, rnlt großer Vorslcht anzustell,eni
Umwä1 zung der Gegenwart. epektakulärer I'lrJohI- dle Gefahr von Irrtünern und fdeologlslerungen
stand'r aber auch kelne ausreichende Bedingun6l lst groß. l{as Engels lm HJnbll.leck ouf dle Tages-
zu ihrer Verhinderung. geschlchte feststellte, gllt unseres Erachtens
für die Geschlchte generell: üDer klare Uber-
Di e gesellschaftlichen Bevegungsgesetze irirL blick über die ökononlsche Ceschlchte elner
ken nur als Tendenzen, die auf viele gegen- gegebenen Perlodo ist nte glelchaeitlg, lst
1äufige Tendenzen treffen. Je uehr Bedlngungen nur nachträglich, nach erfolgter Samnlung
auf die Herausbildung einer Sache einwirken, un und Slcht,ung des Stoffes, zu gevlnnen.tl
(MEIJ Bd. 22 s, 509) l
so achlrerer ist das von thnen bedlngte vorher- /"t\
sehbar. In jeder konkreten higtorlschen ii
Sltuation slnd innerhalb der gegebenen Bedlngun- Unser Kanpf für den KOnrnunismus gründet slch \tIt
venlger auf rrunsar l^lLssen!r von Gang der Geschl ch-
gen nehrere l,töglichkelten der l{eiterentvlck-
te, sondern hauptsäch11ch auf die konkrete
\
lung enthalten, Erst r,renn das neu llntstandene
sich gegen andersgerichteie Tendenzen durchge- Analyse der spektakulären Klessengesellschaft
setzt he.t, kann es a1s notwendig erkannt tser- dLeser Zelt. Das nioderne Elend macht den Komrnu-
d en. nlsnus zu elner Sache der rnenechllchen Gattung,
1n der modernen prol-etarischen Bewegung
Deshalb erscheint es also ebenso richtlg sehen vir die Kraft, die die spektaku-
vie belangl-os, von einen historischen Ereignis Läre Hanclelswelt überwinden kann.
zu sagen: Es hat nicht enders kommen kijnnen.
Obvohl es so und nicht anders notvendig gekonnen Die spektakuläre Klassengesellschaft birgt
ist" gab es lnr Augenblick des Geschehens ver- nach unserer bescheidenen Erkenntnis clie i,lög_
schledene Möglichkeiten der tätlgen Menschen. lichkelt des K0mrnunisnus; ob diese l,Jjrkljch-
Insofern ist die Vergangenheit imnrer kritt- keit wi.rd, ist nicht entschieden. AIle
sierbar durch die Parieinahne des Revolutio- genauren [jnsicht.en in diesen prozeß kann
närs, ljas anders konnen kann (nänrlich anders nur die Analyse der heutigen gesellschaft-
als Voraussaöen, die slch selbst im besten FaIl lichen lJirklichkeit und cler bisher noch un_
J genilgend erforschten Abschnitte der Ceschich-
nur au{ einen Teil der zu erlrennenden Kräfte
stützen können), lst das Zukünftige. Durch te erschl ießen. a
die konkreten Entscheidungen konkreter Menschen

IIN[ AUSWAHL AUSLANDISCHIR GRUPPEN UND PUBLIKATIONIN DTR MODIRNTN


RTVOLUT I ONAREN BIWTGUNG
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GR lf cHE\tLAN0 I TAL I E.]

12
SUBUERSION
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VL]N SUBVIRS ION ANZUI IGI'IIN !

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*, Schluß: Die Metapher der Resultante

,L:.lerMetapherderResultanteistangedeutet'daßdasSpektrumderunterschiedlichen
Strategien sind
!:::egien als Kräftefeldinterpretiert werden kann. Die unterschiedlichen
System wird die
:.:,ei mit unterschiedliche.r Kräften vergleichbar. Im polyzentrischen geprägt'
Kräfte
,:":egische Entwicklung immer durch mehrere' nicht vemachlässigbare
Ausgestaltung der strate-
lr: \-ersuch eines Partlilzentrums, hinsichtlich der inhaltlichen
zu dominieren, wird scheitem' Die anderen Kräfte
:..lhen Manöver alle andere Kräfte
beobachtbare
,:.ren nur bedingt unter der Kontrolle eines Zentrums' so daß die tatsächlich
keinem der Beteiligten so intendierl war' Es ist stets
r'::tr eine Resultante darstellt, dje von
:ieFragederempirischenKräftevefieilung,welcheStrategien(Kräfte)dieResultante
der
, s die tatsächlich beobachtbare Kraft) in welcher weise beeinflussen' Die-stärke
:-:zelnenKräfteistdabeiselbstvonvielfältigenFaktorenabhängig,etwavondenDie
\I,;ht- oder Konsenspotentialen derjenigen, die eine bestimmte strategie vertreten'
der organisation bzw' des
:_-.zelnen Kräfte sind dabei keineswegs an die Grenzen
können Kräfte repräsentieren'
:c::achteten Systems gebunden. Auch externe Interessenten
..: stark beeinflussen. Dabei können sich einzelne
die Resultante mehr oder weniger
Die resultierende Kraft,
r;uie gegenseitig verstärken oder (iumindest partiell) aufheben.
-:letztlichdiestrategischeEntwicklungtatsächlichprägt'ergibtsichausdemZusam-
starken Kräfte' Eine Teilmenge der
-=:rrvirken dieser verschiedenen, unterichiedlich
::ategien und Führungshandlungen mag sich auch darauf beschränken, die Regeln des
-;sammenwirkens der-verschiedenen Kräfte zu formen' In bestimmten Situationen mag
.lesonders zu beschränken und
,, rational sein, sich auf solche prozeduralen Handlungen
zu vertrauen, daß eine Resultante häufig die "vemünftigste
-. inhaltlichen Fragen darauf
{;aft" darstellt (vgl. ausführlicher Obring 1992'219ff ')'
das Zusammenspiel untel-
}:e Metapher der Resultante ist jedoch nicht nur geeignet,
zu verdeutlichen' Wir glauben' daß
s.;niedlicher Strategien in ploty'enirischen Sffukturen
:'eMetapherderResultanteeinegeeigneteDenkfigureinerallgemeinenTheor\ederder
verschiedene Möglichkeiten
.:ategischen untemehmensführung ist. sie beinhaltet
bewegen: In polyzentrischen
{:äfteverteilung, die Jn i* Speftrum zweier Extrema
jeder einzelnen der zusammenwirkenden Kräfte
Srrukturen wird die Resultante von
wird die Resultante weitge-
::utiich abweichen. ln monozentrischen Strukturen dagegen
.::nddurcheinedominierendeKraftgeprägt.EinesolcheallgemeineTheoriederstrate-
:tschen unternehmensführung erscheint notwendig,
weil das Phänomen der strategischen
Berücksichtigung des
lürung bei näherer Betrachting - und insbesondere bei expliziter
aufweist'
.Prfifsteines Polyzentrismus" sehr vielfältige Facetten

Erne intendierte Beeinflussung setzt nun vofaus, daß


ein Individuum oder eine Koalition
Entwicklung in ihren Strate-
lie tatsächliche (erst ex post iekonstruierbare) strategische
;ienvorgezeichnetbzw.beabsichtigthat.ZweiFaktorenlassendiesunwahrscheinlich
nicht mit einer hinreichenden
Feldes
:rscheinen. Zum einen können die Requirements des
(aber auch die strategien)
Sicherheit antizipiert werden. Die tatsachlichen Handlungen
nüssenimmerwiederaufErfordemissedesFeldesreagieren,dieindenursprünglichen
Strategiennichtberücksichtigtwurder'.Zumanderen(diesergibtsichausdenAussagen
29
empirischen ,,Kräftevefieilung..,
Zur Metapher der Resultante) ist es eine Frage der
realiter durch Handlungsorientierungen einzelner
inwieweit die strategischen Manöver
IndividuenoderKoalitionengeprägtwerden.JemehrdiezugrundeliegendenHandlungs- Die
strukturen polyzentrisch"n c"n.*t"' haben, desto weniger wird dies der Fall sein.
SfiategischenManöversinddannausbeidenGründenzwardas,,Ergebnismenschlichen
Handelns. aber nicht menschlichen Entwurfs"
(Hayek 1969,91ff .).27 Dennoch implizier
daß auch in solchen Situationen die strategische
Entwicklung
die Metapher der Resultante,
durchintendierteEintlußnahmenzumindestprinzipiellbeeinflußtwerdenkann.
von Phänomenen und
Die hier nur kurz umrissene Theoriekonstruktion zur Analyse
entspricht sicherlich (noch?) nicht
Problemen einer st ategischen Unternehmensführung
unmittelbar darauf gegründeter
den Anforderungen un'Aurrug"rysteme, die Grundlage
nicht unwesentlich
empirischer Designs sind. An"deierseits ist die Theoriekonstruktion
durchdieeigenenBemühungendergroßzahligenempirischenForschunggeprägt.Gerade
und Interviews gewonnenen Erfahrun-
die dort auf der Basis von l.iageuogenerhebungen
zu entwickeln, mit denen die
gen ,,belegen.. die Notwenaiglelt,itreoretische Kategorien
Forschungsergebnisse reflektierl werden können'
auszuwertenden Fragebogen i' d' R'
So ist es hinsichtlich der Antworten der großzahlig
Fragebogen durch das Design des
kaum entscheidbar gewesen, ob die Beantworler der
dahinter stehende Werthaltungen usw'
Fragebogens animiert wurden, formierte Strategien,
auszndrücken oder ob sie durch die
zu rekonstruieren undim Kontext des Fragebogens
System im Kontext des Befragungsde-
Fragebogen animierl wurden, das ihnen bekannte
Es besteht nach dem Gesagten
sigris glJichsam aus der AuJsenperspektive zu beobachten.
die Vermutung (und das giit nuitirtr.t nicht nur
für die empirischen Projekte, die mit oder
durch Gabele durchgefüirt wurden, sondem für
viele Bereiche der empirischen organi-
sationsfofschung) einer möglicherweise vorhanden
enverzerrung der Ergebnlsse' Dies ist
dann der Fall, wenn naci. Intentionen gefi agt wird,
die Antwofien jedoch Ex-post-
der tsefragten darstellen. Den Befragten ist diese
verzemrng häufig gar
Beobachtungen
im Kontext des Befragungsdesigns
nicht bewuß1. Sie werden äil*eire unbewußt von dem
Intentionen und Strategien der
beobachteten Verhalten kurzschlüssig auf dahinterstehende
schließen' Insbesondere
jeweiligen von den Befragten beobaihteten Entscheidungsträger
Attribution einer strategischen Führwng
in Konzernen besteht die öefahr, daß eine solche
polyzentrischen Führungsstrukturen zu letztlich idealisierenden Aussagesyste-
in realiter
dazu beitragen, daß solche ver-
men führt. wir wollen mit unserer Theoriekonstruktion
einfachungenundVerzerungensystematischhinterfragtundoffengelegtwerdenkön-
nen.

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\nmerkungen
- Zu einem ausführlicheren Überblick über die Theoriekonstruktion vgl. Kirsch (1992b), Kirsch (1992c),
Obring (1992), insbesondere S. 76ff. und Obring (1993).
I Die hier angesprochenen Konzepte können auch noch weiter definiert werden. Lelztlich handelt es sich um
ein,,semantisches Feld", das familienähnliche Begriffe wie Lebenswelt, Lebens- und Sprachform, Sprach-
spiel, Kontext, Paradigma, Tradition oder Praxis umfaßt (zu diesem semantischen Feld vgl. Kirsch 1990,
s. 120ff.).
: Obwohl dies im nachfolgenden Text nicht immer herausgestellt wird, kann der gesamte Bezugsrahmen nicht
nur herangezogen werden, um Fragen der strategischen Entwicklung und der strategischen Führung einzelner
Organisationen zu untersuchen. Vielmehr können ais zugrundeliegende Untersuchungsobjekte auch Unter-
nehmensverbindungen, Netzwerke, Branchen etc. gewählt werden. Dies wird besonders relevant, wenn man
das Phänomen polyzentrischer Strukturen untersucht (vgl. die Ausführungen in Abschnitt sieben).
I \fintzberg versteht diese Charakterisierung freilich als Explikation eines allgemeinen Strategiebegriffes.
Strategien können dabei intendiert oder realisiert sowie formuliert oder formiert sein. Mit den strategischen
Entwicklungsmustem - das dürfte im weiteren Verlauf des Textes noch deutlicher werden - sind aus-
sch-ließlich realisierte Strategien angesprochen.
: Der Begriff der ,,Handlungsorientierung" wird freilich nicht im Sinne von Habermas (1981a) verwandt, der
rnit der Erfolgsorientierung und der Verständigungsorientierung unterschiedliche individuelie Einstellungen
gegenüber den jeweiligen Interaktionsteilnehmem bezeichnet, sondem in dem (in der Soziologie durchaus
geläufigen) Sinne von ,,verhaltenssteuemde(n) Aspekte(n) beim Handeln gegenüber Subjekten und Objek-
ten" (Reinhold et al. 1991, S. 228).
: Der Begriff der strategischen Unternehmensentwicklung deutet darauf hin, daß es natürlich auch Untemeh-
mensentwicklungen bzw. Entwicklungsmuster gibt, die nicht als ,,strategisch" gekennzeichnet werden
können. Damit wird es notwendig, das typisch ,,Strategische" näher zu charakterisieren. Wir verbinden das
rypisch Strategische mit der Ausrichtung auf die Ertblgspolentiale und Handlungsmöglichkeiten der Orga-
nisation. Grundsätzlich ergeben sich Erfolgspotentiale, wenn Fähigkeiten der Organisation auf Feldbedin-
gungen treffen, die in der Nutzung dieser Fähigkeiten entsprechende Erfolge erwarten lassen (vgl. hierzu
ausführlicher Kirsch 1992c, S. 8ff. und Wolfrum 1993).
- Zur Übereinstimmung des Strategiebegriffes in der relevanten empirischen Forschung mit unserem Begriff
des strategischen Manövers vgl. Habel (1992).
! In De Woot (1992) wird die Genese der Strategien (Business Policy) von Walt Disney beschrieben. Diese
Ausführungen repräsentieren ein prototypisches Beispiel für den Fall, daß die Strategien den strategischen
Manövem nachfolgen.
t Zt den unterschiedlichen Interpretationen der Performance und den damit einhergehenden Maßstäben des
Untemehmenserfolges vg1. Näther (1993).
- Vgl. hierzu etwa Obring (1992), S. 50ff.
-i Vgl. hierzu als wohl prominentestes Beispiel die Normstrategien in den unterschiedlichen Konzepten der
Portfoliomethode (vgl. etwa Roventa 1981; zu einer Kritik an solchen Normstrategien beispielhaft Trux,
Müller und Kirsch 1988). Aber auch die generischen Wettbewerbsstrategien von Porter (1980) sind ja mit
dem Postulat verbunden, eine dieser Strateglen explizit zu wählen, wobei dann freilich die Umsetzung
losgelöst von den Instrumenten untemehmensspezifisch konkretisiert werden muß.
-i Der Begriff der Verfremdung bringt zum Ausdruck, daß eine kulturelle Transformation durch eine Art der
Kritik stattfindet, die die Betroffenen dazu veranlaßt, eine motivationale Distanz zu sich und ihren Hand-
lungen einzunehmen (vgl. ausführlicher Kolb 1988, S. 90).
.3 Die Verwendung des Konzeptes der Außenperspektive impliziert einige Annahmen und Probleme, die wir
hier nicht eingehend thematisieren können (vgl. dazu Kirsch 1992a, S. 120ff.). Ein wesentlicher Aspekt ist
die Arurahme, daß mit einem Wechsel von der Binnen- in die Außenperspektive auch ein Kontextwechsel
verbunden ist. Wenn wir etwa davon sprechen, daß ein Mitglied eines betrachteten Systems zu einem (Ak-
teur-) Beobachter dieses Systems wird, so wechselt er insofem in die Außenperspektive als er ,,seine"
Organisation in einem (organisationsfremden) Beraterkontext, wissenschaftlichen Kontext o.ä. beschreibt.
-i Vor dem Hintergrund eines methodologischen Individualismus ist es nicht unproblematisch, von Selbstbe-
obachtungen und Selbstbeschreibungen eines sozialen Systems zu sprechen. Letztlich handelt es sich hier um
eine sprachliche Vereinfachung, die nur gerechtfertigt ist, wenn bestimmte Bedingungen vorliegen (vgl.
ausführlicher Kirsch 1992a, S. 262ff.)
l5 Vgl.hierzudieArbeitvonHabel(1992),irderdieeinschlägigenempirischenArbeitenvordemHintergrund
unseres Bezugsrahmen untersucht und kritisch gewürdigt werden.
-5 Der Begriff,,Ökologie von ldeen" wurde nach Bateson erstmals von Sir Geoffrey Vickers im Jahre 1968
verwandt (Bateson 1981, S. 592).

3l
t] Zur genaueren Charakterisierung der historischen Entw:icklung der Portfolioanalyse, in die auch die ,,BCG-
Matrix" einzubeziehen ist, vgl. Roventa (1981).
18 Zt einer detaillierteren Untersuchung des Polyzentrismus-Begriffes vgl. Obring (1992), Kapitel 4.1. Die
verschiedenen empirischen Erscheinungsformen werden in Obring (1992), S.2ff. detaillierter dargestellt.
Empirische Relevanz haben polyzentrische Strukturen vor allem in Konzemen, multinationalen Untemeh-
men und strategischen Allianzen.
19 Die ausschließliche Konzentration aufdiese hierarchische Sichtweise wird etwa von Ochsenbauer (1988),
S. 121 nach einer dementsprechenden Untersuchung der organisationstheoretischen Ansätze festgestellt:
,,Die ,etablierten' Schulen der betriebswirtschaftlichen Organisationstheorie zeichnen sich - bei a1l ihrer
Vielfältigkeit durch eine Gemeinsamkeit aus: sie sehen die Hierarchie als unüberwindbar an."
20 Eine Konsequenz hieraus dürfte darin liegen, daß die Zi,ele der Organisation häufig sehr unklar formuliert
werden. So stellt etwa Hauschild (1977) und (1981) auf der Grundlage empirischer Erhebungen die
Unklarheit der Zieldefinitionen als Normalfall heraus.
21 Eine erste Annilherung an das Spektrum relevanter Maximen lüßt sich anhand des des Sprachspiels der
Zielforschung gewinnen, in dem zwischen Zielen der Organisation, Zielen 1ür die Organisation und Indivi-
dualzielen mit inhaltlichem Bezug auf die Organisation unterschieden wird. Ziele für die Organisation
werden von (organisationsintemen oder -extemen) Interessenten als Forderungen an die Kemorgane der
Organisation herangetragen und beinhalten künftige Zustände der Organisation oder ihrer Umwelt, die durch
Maßnahmen der organisatorischen Entscheidungsträger erreicht werden sollen. Sie werden zu Zielen der
Organisation, wenn die Zielfomulierungen durch die Kernorgane ,,verbindlich beschlossen" und insofem
autorisierl werden. Von diesen Zielen, die sich unmittelbar auf die Organisation beziehen, lassen sich die
individuellen Zielvorstellungen unterscheiden, die ein einzelner Akteur mlt der Teilnahme an der Organisa-
tion bzw. Einflufinahme auf die Organisation verwirklichen will. Diese Individualziele können einen
inhaltllchen Bezug zur Organisation besitzen und prägen ebenialls die Handlungen innerhalb von Organisa-
tionen.
22 Dies schließt die Möglichkeit ein, daß in der Verfassung (2. B. eines Konzems) eine solche zentrale
Steuerungsinstanz definiert ist. Die These ist jedoch, daß der Fühmngsanspruch der Zentrale nicht immer
durchsetzbar ist, so dalS realiter die ,Zentrale" lediglich ein Partialsystem im Rahmen der polyzentrischen
Abslimmungsprozesse ist (zur Bedeutung der Verlassung bei der Entstehung polyzentrischer Führungs-
strukturen vgl. Obring 1,992, S.2I1tt.).
23 Damit wird auf die Mülleimefiheorie organisatorischer Entscheidungsprozesse angespielt. Danach werden
Entscheidungsarenen (Choice Opportunities) a1s ,,Garbage Cans" verstanden, in die verschiedene Partizi-
pienten ihre Problemdefinitionen und Lösungsvorschläge einbringen, die jedoch von anderen Partizipienten
häufig a1s inadäquat, nicht passend oder: einfach als ,,Müll" wahrgenommen werden (vgl. Cohen, March und
Olson 1976).
24 Hinter dieser Sichtweise steht die Konzeption des politischen System der Untemehmung, wie es unter
Rückgriff auf das politikwissenschaftliche Sprachspiel Eastons (1965) ausarbeitet wurde (vg1. Kirsch et al.
i979, S. 26ff., Kirsch 1988, S. 125ff. und Kirsch 1990, S.90ff.). Das politische System stellt dabei eine
Modellierung der organisatorischen Entscheidungsstrukturen dar, in der die zentralen Mechanismen und
Regeln, denen politische Entscheidungen unterliegen, expliziert werden können.
25 Die nachfolgenden Ausführungen basieren auf Uberlegungen in Obring/Ringlstetter (1991 ).
26 Im Rahmen der Abstimmungsprozesse rnüssen die verschiedenen politischen Zentren nicht in direkter
Interaktion stehen. Häufig werden solche politischen Tauschprozesse antizipiert und ohne direkte Interak-
tionen unter Rückgriff auf die ,,Reziprozitätsnorm" vorweggenommen. Die Reziprozitätsnorm fordert, dal3
man ini Verhältnis zu anderen Akteuren nicht nur einseitig Vofieile empfangen kann, sondem zu einer (wie
auch immer gearteten) Gegenleistung verpflichtet ist, auch wenn hierzu keine verfagliche Verpflichtung
besteht (Kirsch 1971, S.215). Die Reziprozilätsnorm muß dabei zwischen den Akteuren nicht vereinbart
werden; sie ist in den meisten Kulturkreisen verankert und wird im Zuge der normalen gesellschafilichen
Sozialisation erlernt. Wenn auf die Wirksamkeit dieser Reziprozitätsnorm vertraut wird, kann auf explizil
vereinbarte Tauschprozesse verzichtet werden. Entscheidungen eines Akteurs oder Entscheidungszentrums
beinhalten dann einseitige Kompensationen, weil man darauf vertraut, daß in vergleichbaren Situationen die
,,andere Seite" ebenfalls zu einseitigen Kompensationen bereits ist. Die Koordination kann daher auch ohne
direkte Interkationen stattfinden (Obring, S. 245f.).
21 Diese Aussage von Hayek ist freilich vor dem Hintergrund eines anderen theoretischen Backgroundes -
nämlich der Systemtheorie - zu verstehen.

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Die Deutsche Bibliothek - CIP-Einheitsaufnahme

Strategien für nationale und internationale Märkte : Konzepte


und praktische Gestaltung ; Eduard Gabele zum Gedenken /
hrsg. von Johann Engelhard und Heinz Rehkugler. Mit Beitr.
von Ingolf Bamberger ... - Wiesbaden : Gabler, 1994
ISBN 3-409-13870-6
NE: Engelhard, Johann [Hrsg.]; Bamberger, Ingolf; Gabele, Eduard:
Festschrift

Der Gabler Verlag ist ein untemehmen der verlagsgruppe Bertelsmann International.

@ Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr. Th. Gabler GmbH, Wiesbaden 1994


Lektorat: Barbara Marks/Silke Specht

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berechtigt auch ohne besondere Kennzeichnung nicht zu der Annahme, daÄ solche Namen im Sinne
der Warenzeichen- und Markenschutz-Gesetzgebung als frei zu betrachten wären und daher von
jedermann benutzt werden dürften.

Satz: Satzstudio RESchulz, Dreieich-Buchschlag


Druck und Bindung: Wilhelm & Adam, Heusenstamm
Printed in Germany

ISBN 3-409-13870-6
\\emer Kirsch und Kai Obring

Grundrisse einer Theorie der


s trate gi s chen Unternehmens führun g

1. Einleitung - In Memoriam Eduard Gabele

2. Überblick über eine Theoriekonstruktion zur strategischen Untemehmensführung

3. Die Außenperspektive: Das Zusammenwirken von Feld, strategischen Manövem und


Erfolg

.1. Die Binnenperspektive: Organisatorische Lebenswelt und strategische Maximen

5. Die Bedeutung von Beobachtungen und die Ökologie von Ideen

6. Die Einbeziehung polyzentrischer Strukturen


.l
7. Schluß: Die Metapher der Resulta\te

Anmerkungen

Literaturverzeichnis