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Netzmusik:

Musiklernen im digitalen Klimawandel


Musikpädagogisches Blockseminar an der Universität der Künste Berlin
Sommersemester 2010

Dozent: Matthias Krebs

Version: 15.05.2010
Kurze Vorstellung

• In welchem Semester studiert ihr? Welches Instrument spielt ihr?

• Wie nutzt ihr das Internet?

• Welche Erfahrungen habt ihr in Bezug auf Musik im Internet?

• Was sind Eure Erwartungen an das Seminar?

© Matthias Krebs 2010 / 2


Zentrale Fragen der Veranstaltung

• Was kennzeichnet die Internetnutzung? Welche neuen Trends gibt es?

• Welche Möglichkeiten zum Musikmachen gibt es im Internet?


Was kennzeichnet die Musikkultur im Internet?

• Was ist Musiklernen?

• Wie kann im Internet Musik gelernt werden?

© Matthias Krebs 2010 / 3


Agenda

• Intro

• Was ist Web2.0

• Veränderte Mediennutzung

• Musikmachen im Internet

• Musiklernen im Internet (erste Überlegungen)

© Matthias Krebs 2010 / 4


Intro: ein ganz einfacher Step-Sequenzer – Tonematrix

http://lab.andre-michelle.com/tonematrix

http://www.youtube.com/watch?v=OZFMpWKTAjY

© Matthias Krebs 2010 / 5


Intro: Beispiel – inudge.net
www.inudge.net
Der Step-Sequenzer iNudge ist
musikalisches Miniprogramm, mit
dem auch Nutzer ohne
Musikkenntnisse einfache
musikalische Experimente machen
können. Die kleinen Kompositionen
können gleich aus der Anwendung
an Freunde verschickt werden.

© Matthias Krebs 2010 / 6


Intro: Kleine Praxisaufgabe

Probiert dieses sehr einfache


Browser-Musikprogramm selbst
aus.

http://www.inudge.net

Was kennzeichnet dieses


Beispiel?
Gerne auch mal gleich mitdenken:
Was kann an diesen Beispiele
gelernt werden und wie?

© Matthias Krebs 2010 / 7


Intro: Das reale Instrument

YAMAHA TENORI ON TNR-W


Synthesizer mit neuartiger Bedienoberfläche

In Aktion:
http://www.youtube.com/watch?v=_SGwDhKTrwU

Im Laden:
http://www.thomann.de/de/yamaha_tenori_on.htm

© Matthias Krebs 2010 / 8


Intro: Tonematrix in einem komplexen Browserprogramm

http://www.audiotool.com

© Matthias Krebs 2010 / 9


Zwischenreflexion

Das Internet befördert durch seine technische Struktur und seine typischen
Gebrauchsformen die Verwendung offener Prozesse und tendiert zur Aktivierung
der Rezipienten.

Das Internet ist nicht per se für die Vermittlung von Musik geeignet! Es kommt
darauf an Lernumgebungen zu gestalten, die den Lernenden Lust am musikalischen
Spiel, Herausforderung und im weitesten Sinne einen Nutzen bringt.

Da Online-Musikplattformen hauptsächlich durch Interaktion geprägt sind, ähneln


sie aus dem traditionellen Repertoire der Unterrichtsgestaltung besonders der
Musikpraxis
Besondere Qualität der Musikpraxis ist, dass sie sich sehr dazu eignet, Verbindungen
zu anderen Bereichen im Musikunterricht zu ziehen

© Matthias Krebs 2010 / 10


Das Netz als Medium und Werkstatt Quelle: Föllmer 2005, S. 20

Wird über Musik im Internet gesprochen, so beschränkt sich die Reflexion häufig auf
die Entwicklung totaler Verfügbarkeit jeglicher gespeicherter Musik:
• Download-Shops, Tauschbörsen, Internetradio, Archive, Youtube etc.

Ein Programmangebot wird aus einer stetig anwachsenden Auswahl >angeschaltet<.


Der Sendekanal des vernetzten Computers dient hier bloß als Fernbedienung.

© Matthias Krebs 2010 / 11


Das Netz als Medium und Werkstatt Quelle: Föllmer 2005, S. 20

Der Computer als Werkstatt zur Hervorbringung und Manipulation von Musik und
Produktionssystemen.

Zwei Aspekte machen den vernetzten Computer interessant für das Musikmachen
der Zukunft:
• zum einen die kommunikative Nutzung des Sendekanals des Hörers,
• zum anderen jene Fähigkeit des Computers, die über Informationsaustausch
hinausgeht, nämlich die Möglichkeit des Prozessierens von
Informationen – die Steuerung, Modifikation oder Herstellung musikalisch
relevanter Daten.

http://trendpiraten.tv/2009/03/geniale-mashup-musik-aus-youtube-videos

© Matthias Krebs 2010 / 12


Online-Musikplattformen – eine kleine Auswahl

© Matthias Krebs 2010 / 13


Musik im Internet

Musik ist im Internet!

Musik kann im Internet gestaltet werden!

Wann, wie, mit wem und mit welchem musikalischem Ergebnis


entscheidet der Musizierende, der es vor einem Publikum
präsentieren kann.

© Matthias Krebs 2010 / 14


Basis
WAS IST WEB2.0?

© Matthias Krebs 2010 / 15


Entwicklungsprozess des Internets
Krise der New
Phase 1 (1995) Economy (2000) Phase 2 (2004) Phase 3 (2007)

• statische • dynamische • soziale Netzwerke


Websites Websites • Mashups (= Daten-
• Interaktion Remix)

• Flash • Echtzeit

© Matthias Krebs 2010 / 16


Web2.0 = Version 2.0 des Internets?
• für das „World Wide Web“ (Tim Berners-Lee, 1995) gibt es jedoch nicht mal eine
definierte Version 1.0
• nicht alle Aspekte des Web2.0 kamen gleichzeitig auf, einige Entwicklungen
(z.B. die Programmierschnittstelle Ajax) gab es schon seit Beginn
• neuste Entwicklungen werden von Kritikern als Modeerscheinung interpretiert

Ist der Begriff Web2.0 ein reines Marketing-Schlagwort?

–> Entwicklung des Internets ist nicht in (technischen) Versionen darstellbar


–> Entwicklung im Netz und um das Netz herum: z.B. wirtschaftliche Aspekte
und soziale Phänomene
–> es kann eine veränderte Nutzung des Internets festgestellt werden

„Mitmach-Internet“

© Matthias Krebs 2010 / 17


Web2.0

• der Begriff Web2.0 wurde bei einer


vom Verleger Tim O‘Reilly veranstal-
teten Brainstorming-Session im Jahr
2004 geprägt

• nicht die technischen Veränderungen werden beschrieben


• O‘Reilly beschreibt die Kernkompetenzen von denen erfolgreiche Firmen
mindestens eine besitzen

© Matthias Krebs 2010 / 18


Web2.0-Begriff nach Tim O‘Reilly – Kriterien:

1. Internet wird als Plattform benutzt (komplexe Programme im


Internetbrowser ausführbar)
2. Interaktion als Prinzip – Mitmach-Internet
3. die Anwendung besitzt eine einzigartige Datenbasis
4. perpetual beta – ständige Weiterentwickelung von
Anwendungen
5. wieder verwendbaren Komponenten, Verknüpfungen der Daten
zwischen verschiedenen Seiten
6. die Benutzer werden in Gemeinschaften integriert
7. die bekannten „Best Practices“ (Web-Standards) wurden
umgesetzt

© Matthias Krebs 2010 / 19


Kleine Übung: www.inudge.net

1. Plattform ?

2. Interaktion ?

3. Datenbasis ?

4. Ständige Weiterentwicklung ?

5. Wiederverwendbare Komponenten ?

6. Gemeinschaft ?
www.inudge.net

7. Best Practices ?

© Matthias Krebs 2010 / 20


Wahrnehmung von Web2.0

• unpersönlich, oberflächlich, exhibitionistisch?


– können wir gern in der Übung diskutieren

Positiv Negativ
• einfache Bedienung • Aktivitätsdruck
• kostengünstig • man verbringt viel Zeit am
• Infos überall erreichbar Computer
• leicht aktuell zu halten • viele Kanäle
• Interaktion • Eigendynamik
• es macht Spaß • überfordernde Vielfalt

© Matthias Krebs 2010 / 21


Intro: Beispiel – thounds.com
www.thounds.com Auf thounds.com können Musiker kurze musikalische
Gedanken mit dem Laptopmikrophon direkt ins Internet
aufnehmen. Befreundete Musiker können dann weitere
Instrumente hinzuspielen.

1. Einzelaufnahme 2. Kollaborative Musik

• einzelne Spuren können auch


stummgeschalten werden
© Matthias Krebs 2010 / 22
Intro: Kleine Praxisaufgabe

http://www.thounds.com

Was ist an diesem Beispiel


Web2.0? Welche Kriterien
werden erfüllt?

Gerne auch mal gleich mitdenken:


Was kann an diesen Beispiele
gelernt werden und wie?

Video:
http://www.youtube.com/watch?v=lGXuNPAEPtw

© Matthias Krebs 2010 / 23


Basis

WIE SIEHT WEB2.0 AUS?

© Matthias Krebs 2010 / 24


Vielfalt im Web2.0

• täglich neue Web2.0-


StartUps
(=neu gegründete Firmen)

Logo-Übersicht einiger StartUps, 2007

© Matthias Krebs 2010 / 25


musikalische Web2.0-Anwendungen (Auswahl)

• Neu musikalische StartUps verfolgen z.B. unter:


http://www.web2null.de/category/musik
• Jedoch sind die meisten Dienste nicht für musikalische Gestaltung oder die
Musikvermittlung geeignet.

© Matthias Krebs 2010 / 26


Ausprägungen des Web2.0

Ein Versuch Web2.0-Anwendungen anhand verschiedene Eigenschaften zu


systematisieren:

• Usergenerated Content
• Social Software
• Blogs
• Virtual Communities
• Social Network Services

Die im Folgenden vorgestellten Beispiele zeigen eine besonders deutliche


Ausprägung eines einzelnen Prinzips. Häufiger werden gleich mehrere
Eigenschaften des Web2.0 bedient, was eine eindeutige Zuordnung
erschwert.
© Matthias Krebs 2010 / 27
Ausprägungen
• Usergenerated Content
• Social Software
• Blogs
• Virtual Communities
• Social Network Services
http://www.indiepedia.de

Usergenerated Content
• Inhalte, die nicht vom Anbieter eines Webangebots, sondern von dessen Nutzern erstellt werden
• es handelt sich um Publikationen, die in kreativer Eigenleistung entstanden sind und außerhalb
professioneller Routinen erfolgt
• Beispiele sind Wikipedia, Youtube, Webforen und social bookmarking services (z.B. Delicious)

© Matthias Krebs 2010 / 28


Ausprägungen
• Usergenerated Content
• Social Software
• Blogs
• Virtual Communities
• Social Network Services

Social Software http://www.songsterr.com


• ein Modewort für Software, die der menschlichen Kommunikation und der Zusammenarbeit
dienen
• kreative Eigenproduktionen im Internet , Möglichkeiten zu kooperativer Gestaltung

© Matthias Krebs 2010 / 29


Ausprägungen
• Usergenerated Content
• Social Software
• Blogs
• Virtual Communities
• Social Network Services

Blogs
• Web + Log = Weblog = Blog; Ursprünglich: Ein Online-Tagebuch in Form einer Webseite,
die periodisch neue Einträge enthält, thematisch meist auf das Internet bezogen
• Website mit ständig aktualisierten Beiträgen
• Dialog über Kommentare und Vernetzung zu anderen Seiten
• Blogs sind kein Hype, sondern eine neue Form der Publikation

© Matthias Krebs 2010 / 30


Ausprägungen
• Usergenerated Content
• Social Software
• Blogs
• Virtual Communities
• Social Network Services

http://www.allaboutjazz.com/

Virtual Communities
• eine Website, die einen Themenschwerpunkt (Grundvoraussetzung) hat und die den Surfern
auf der Website u.a. Chat, Diskussionsforen und Download-Bereiche bietet
• die Verbreitung und Verwendung von Informationen stammt möglichst von den Besuchern selbst

© Matthias Krebs 2010 / 31


Ausprägungen
• Usergenerated Content
• Social Software
• Blogs
• Virtual Communitys
• Social Network Services

Social Networking Services (SNS)


• Soziale Netzwerke sind Anwendungssysteme, die ihren Nutzern Funktionalitäten zum
Identitätsmanagement (d.h. zur Darstellung der eigenen Person i.d.R. in Form eines Profils) zur
Verfügung stellen und darüber hinaus die Vernetzung mit anderen Nutzern (und so die
Verwaltung eigener Kontakte) ermöglichen.

© Matthias Krebs 2010 / 32


Basis
WAS STECKT HINTER DEM WEB2.0?

© Matthias Krebs 2010 / 33


Grundlegende Mechanismen des Web 2.0

Verschlagwortung Verbreitung Verarbeitung


(Indexierung) (Sharing) (Processing)

© Matthias Krebs 2010 / 34


Grundlegende Mechanismen des Web 2.0

Verschlagwortung Verbreitung Verarbeitung


(Indexierung) (Sharing) (Processing)

© Matthias Krebs 2010 / 35


Was sind Tags?

• Verschlagwortung
• Verbreitung
• Verarbeitung

z.B. bei
Tags http://www.lastfm.de/charts/toptags,
• Tags sind Ein-Wort-Deskriptoren http://www.flickr.com/photos/tags/
• Beliebig viele Tags pro Medieninhalt (empfohlen 7)
• Einfacher und flexibler als statische Kategorien
• effizienteste Weg Inhalte von Datenbänken zu organisieren, so dass Inhalte identifiziert,
gefiltert oder abgerufen werden können
• Es entsteht eine kollaborative Lesezeichen-Sammlung

© Matthias Krebs 2010 / 36


Cloud zum Thema Web2.0, erstellt von Markus Angermeier (2005)

© Matthias Krebs 2010 / 37


Grundlegende Mechanismen des Web 2.0

Verschlagwortung Verbreitung Verarbeitung


(Indexierung) (Sharing) (Processing)

© Matthias Krebs 2010 / 38


Wie kann man Verbindung schaffen?
• Verschlagwortung (Tags)
• Verbreitung
• Verarbeitung

http://blog.kopfhoerer.ch/
RSS
• RSS = Real Simple Syndication („echt einfache Verbreitung“)
• Webbasierte Aktualisierungsfunktion: Inhalte einer Website können abonniert werden
• das Angebot von Artikeln im RSS-Format wird als RSS-Feed bezeichnet
• Nachrichtenticker: Bei Veröffentlichung neuer Inhalte automatische Übertragung der
Überschriften und Texte
• über Links in den Feeds wird der Leser zum Original-Artikel verwiesen

© Matthias Krebs 2010 / 39


Ein einfaches Erklärungsvideo:
http://dotsub.com/view/69aa48a4-
a95f-4bc8-a511-bb0a1ee95e12
Wie funktioniert RSS?

Vom Weblog …

… zum Reader

http://www.google.com/reader

© Matthias Krebs 2010 / 40


Grundlegende Mechanismen des Web 2.0

Verschlagwortung Verbreitung Verarbeitung


(Indexierung) (Sharing) (Processing)

© Matthias Krebs 2010 / 41


Was macht das Web2.0 aus den Daten?
• Verschlagwortung (Tags)
• Verbreitung
• Verarbeitung

www.inbflat.net http://www.takethisdance.com

Mashup
(engl. für Vermanschung, „vermischen“)
• bedeutet auch Remix
• Erstellung neuer Webinhalte durch (Re-)Kombination bestehender Webinhalte und –
angebote aus verschiedenen Quellen
• Inhalte der Mashup-Website werden über Programmierschnittstellen (API), per Web-Feed
(z.B. RSS) oder JavaScript eingebunden

© Matthias Krebs 2010 / 42


Mashup - Kunst

http://flickrvision.com/

http://trendpiraten.tv/2009/03/geniale-mashup-musik-aus-youtube-videos

© Matthias Krebs 2010 / 43


Yeah but I still don't get it. That's ok, you don't have
to. It's pretty intuitive and takes a bit of practice to
fully understand. Just try it and experiment a bit!
© Matthias Krebs 2010 / 44
Basis
VERÄNDERTE MEDIENNUTZUNG

© Matthias Krebs 2010 / 45


Veränderte Mediennutzung

Die klassischen Medien verlieren zu Gunsten des Internet.

Täglicher Mediamix der 14-19Jährigen in Min.

9
120
97

100
Quelle: JIM-Studie 2008 (Jugend, Information, Multimedia)

Studie: www.mpfs.de

© Matthias Krebs 2010 / 46


Veränderte Mediennutzung

„Sie alle sind das, was wir „Digital Natives“ nennen – Menschen also, die
nach 1980 direkt in das digitale Zeitalter hineingeboren wurden, als
Technologien wie Usenet und Bulletin-Board-Systeme online gingen. Sie
sind durchweg vernetzt und mit den neuen digitalen Medien und
Möglichkeiten bestens vertraut.“

Quelle: Palfrey, John und Gasser, Urs: Generation Internet. München (2008)

© Matthias Krebs 2010 / 47


Mediennutzung im Detail: Die neue Generation der „Digital Natives“
• Fast 96% der 14-19-Jährigen haben Tägliche Mediennutzung in Deutschland
250
Zugang zum Internet 225
Min./Tag
• Mehr als 50% besitzen einen eigenen insgesamt
200
14-19jährige
Internetanschluss
• Seit 2008 besitzen Jugendliche erstmals 150 120
eher Computer als Fernseher 100
Min./Tag
Min./Tag
• Sie sind 123 Minuten pro Tag online – 100
58
dagegen 97 Minuten vor dem Fernseher Min./Tag
und 89 Minuten Radio 50

• Internet ist das Medium, auf das die


0
meisten Jugendlichen am wenigsten
Fernsehen Internet
verzichten könnten
Quelle: ARD/ZDF-Onlinestudie, 2009; JIM-Studie 2008
• 95 % der Jugendlichen besitzen ein (Jugend, Information, Multimedia)

eigenes Handy
Studie: www.mpfs.de
© Matthias Krebs 2010 / 48
Welche Themen sind im Internet für Jugendliche interessant?

Bemerkenswert ist, dass das Internet gleich für 7 von 13 Themengebiete das
Leitmedium darstellt, also alle anderen Medien als Informationsquelle
überflügelt hat (JIM-Studie 2009).

http://www.jugendmarketing.de/2009/11/jugendstudie-mediennutzung-stark-themenabhangig/

© Matthias Krebs 2010 / 49


Basis
MUSIKMACHEN IM INTERNET

© Matthias Krebs 2010 / 50


Kulturelle Praktiken (Auswahl)
• Internetradio – z.B.: http://www.radio.de/
• Plattformen für Musikclips – z.B.: http://www.putpat.tv/
• Musikspiele – z.B.: http://www.jamlegend.com/
• Musikdatenbanksysteme – z.B.: http://www.musicline.de/
• Musikforen – z.B.: http://www.musiker-board.de/forum/
• Empfehlungssysteme – z.B.: http://www.lastfm.de/
• Musik-Communities - http://musikernetz.cc/
• Musikblogs – z.B.: http://www.numblog.de/
• Musik bei Twitter, Facebook etc. – z.B.: http://blip.fm/
• Soundtoys / Flash-Animationen mit Musik – z.B.: http://www.sas.mdx.ac.uk/sweetshop/
• Musik-Video-Livestream – z.B.: http://www.ustream.tv/discovery/live/music
• Musikvertrieb – z.B.: http://www.musicload.de/
• Musiktauschbörsen
• Online-Musikmagazine – z.B.: http://www.laut.de/ http://www.klassik.com/
• Veranstaltungsplattformen – z.B.: http://www.livegigs.de/

© Matthias Krebs 2010 / 51


Online-Musikplattformen – eine kleine Auswahl

© Matthias Krebs 2010 / 52


Beispiel: Musikbegleitung aus der Box
• Jamstudio (http://www.jamstudio.com) ist
eine Online-Musikplattform auf der man
Begleitungen entwickeln kann.
• Taktweise können Harmonien festgelegt und
dazu Perkussion- und Begleitinstrumente in
verschiedenen Stilistiken arrangiert werden.

• Es können bis zu 16 Takte auf maximal


5 Seiten harmonisiert werden
• Abspielfolge der Seiten frei wählbar
• Da sich Jamstudio wunderbar für das Hören
• Harmoniewahl mit Grundakkorden und von harmonischen Wendungen eignet, kann es
erweiterten Akkorden (7, maj7...) im MU zum entdeckenden Lernen (Wie klingen
• Transponieren der Akkordfolgen möglich bestimmte Harmonieverbindungen?)
• 8 Slots beliebig mit Instrumenten belegbar und zu Gehörbildungsübungen verwendet
werden.
• 8 verschiedene Instrumententypen: Gitarre,
• Zu eigenen Arrangements kann gesungen oder
Drums, Bass, Klavier, Synthies, Orgel etc. improvisiert werden.

© Matthias Krebs 2010 / 53


Beispiel: Notenschreiben und gemeinsame Kompositionen

• Mit Noteflight (http://www.noteflight.com/)


können Noten im Internet publiziert werden.

• Notationsprogramm im Internet-Browser mit


intuitiver Noteneingabe (auch Akkordsymbole,
Liedtexte und Dynamikzeichen)
• Die Noten können akustisch wiedergegeben
werden (auch einzelne Stimmen)
• Möglichkeit zum Ausdrucken sowie
Speicherfunktion
• Die Noten können auch in und aus
anderen Notationsprogrammen exportiert • Kollaboratives Editieren von Noten – ermöglicht
bzw. importiert werden (MusicXML, MIDI, Gemeinschaftskompositionen oder das
WAV) Unterstützen von Lehrern/Mitschülern
• Notenblätter können auf andere Seiten • Die Nutzung von Noteflight ist kostenlos.
und z.B. Blogs angezeigt und abgespielt

© Matthias Krebs 2010 / 54


Beispiel: Lernen eines Instruments im Internet?
• iPerform3D (www.iperform3d.com/) ist eine
kommerzielle Online-Gitarrenschule
• Angefangen beim Spielen einfacher Akkorde und
Anschlagarten werden auch Notenkenntnisse
vermittelt
• Als Gitarrenlehrer fungiert eine Gruppe realer
Menschen, die über aufwendige Technik in allen
Bewegungen digitalisiert wurden
• Das virtuelles Modell eines Gitarrenlehrers kann frei
von allen Seiten betrachtet (auch durch das Griffbrett
• Der iPerform-Gitarrenkurs ist ganz klar kein
hindurch) und das Tempo kann frei gewählt werden
Ersatz für eine Instrumentalausbildung an einer
• Das System sieht Stufen unterschiedlichen
Musikschule
Schwierigkeitsgrades vor, die frei wiederholt oder • Hier werden aber Ansätze deutlich, wie das
übersprungen werden können Musiklernen im digitalen Zeitalter aussehen
• Der Gitarrenschüler, kann sein Spiel aufnehmen und kann und welche Konsequenzen die neuen
bewerten lassen – die realen Lehrer geben Feedback Technologien auch für den Instrumental-
• Es gibt auch Funktionen um andere Schüler unterricht haben werden
kennenzulernen um auch gemeinsam zu üben • Üben muss jeder Gitarrenschüler noch selbst!

© Matthias Krebs 2010 / 55


Intro: neue Trends

• Musikmachen auf mobilen Endgeräten (insb. Handys)

http://www.youtube.com/watch?v=kzro3XybAQw

http://www.youtube.com/watch?v=1Qyn3frc7Tk

© Matthias Krebs 2010 / 56


Intro: neue Trends

• Musikmachen auf Tablets (z.B. iPad)

http://mashable.com/2010/04/03/magic-piano-for-ipad-is-music-to-our-ears-video-review/

© Matthias Krebs 2010 / 57


Musikpraktiken im Internet (Kompositionsparadigma)
Erzeugung von Musik
• Musikalische Zusammenarbeit im Vordergrund:
• Vernetzte Live-Performances, Improvisation; kollektive Kompositionen;
Austausch von Remixes
• Instrumente
• Multi-User Online-Instrumente

Musikalische Traditionen
(Computermusik, Klangkunst, Popmusik etc.)

technische ästhetische soziale


Strukturen Strukturen Strukturen

Musikstück, Werk,
Quelle: Föllmer 2005, S. 227
Produktion
© Matthias Krebs 2010 / 58
Musikpraktiken im Internet (Kommunikationsparadigma)
technische ästhetische soziale
Strukturen Strukturen Strukturen

Musikalische Traditionen
(Computermusik, Klangkunst, Popmusik etc.)

Musikstück, Werk,
Produktion
Kommunikatives Potenzial
• Plattformen: kommunikative Strukturen für verschiedene Formen musikalischer und
künstlerischer Zusammenarbeit
• Projektplattformen; kommerzielle Idee, dass Fans Hits ihrer Stars remixen –
Bindung an die Musik oder Interesse für die Software-Produkte

Quelle: Föllmer 2005, S. 227

© Matthias Krebs 2010 / 59


Musikalisches Potenzial

• Musikalische Kreativität wird durch die besonderen Möglichkeiten vernetzter


Kommunikation gefördert
• Kommunikation und gemeinschaftsbildender Charakter stehen im Vordergrund
• Kollaborative Produktionsprozesse als neuartige Möglichkeit
• Interaktive Rezeption von Musik

• Musiker konstruieren ihre Instrumente und Materialien zunehmend selbst


• Emanzipation des Musikers: Produktion, Distribution, Kommunikation

© Matthias Krebs 2010 / 60


Implizite Vorgaben für das Musikmachen

• Geringe Audioqualität (Übertragungsprobleme, Bandbreite)


• Klangqualität Voraussetzung für Musik (akademisch ausgebildete
Musiker)  Kommunikationsaspekt über klangsinnlicher Erscheinung
• Timing bzw. Latenz
• Hinderlich  Kreatives Potenzial
• Kontaktproblem
• Zwischen Musikern
• Unmittelbarkeit, Fehlen des Live-Gefühls, des Spiels vor Publikum
(Verzögerung)
• Interaktion auf Maus und Tastatur als Controller reduziert
• Hörsituation (Raum, Abspielhardware etc.)

© Matthias Krebs 2010 / 61


Rezeption

• Musiker sind immer in einer verantwortlichen Position, die Musik entsteht letztlich
im Kopf
• Durch die Ergänzung durch Text, Bilder und Kommunikationsmöglichkeiten
ergeben sich neue Impulse

• Die Nutzer eignen sich einen eigenen Umgang mit dem Vorgefundenen an
• Entscheiden selbst über ihre Hörhaltung
• Entdecken eines zwischen Nutzer und Nutzer geteilten Werkes
• Neuverteilung der Rollen: Wer ist der Künstler?

• Meist ist der interagierende Hörer weniger Gestalter als Auslöser für einzelne,
vorfabrizierte Ereignisse

© Matthias Krebs 2010 / 62


Veränderte musikalische Praktiken

• Improvisation mit Maschinen


• Abwendung im kompositorischen Prozess vom Linearen zu einem Kreislauf von
Einstellen, Hören, Modifizieren, erneut Hören etc.
• Experimentieren ohne stilistische und mediale Grenzen
• Form des Musikmachens, bei der sich der Musiker kreative Environments, Tools und
Klangmaterial selbst konstruiert

• Verfügbarkeit unbegrenztem Klangmaterial


• Gemeinsames Musizieren/Produzieren von Musik ist unabhängig von Ort und Zeit

© Matthias Krebs 2010 / 63


Was ist Medienkompetenz?

Medienkompetenz beinhaltet
• die Fähigkeit, sich relativ rasch in den Informationsangeboten orientieren und
bewegen zu können,
• die Fähigkeit, bestehende Informationen kritisch bewerten zu können,
• die Fähigkeit, selbst eigenständige Inhalte produzieren bzw. bestehende Inhalte auf
wertsteigernde Weise bearbeiten zu können,
• das Wissen um den technischen Umgang mit dem Veröffentlichungswerkzeug sowie
• eine Grundkenntnis der rechtlichen Rahmenbedingungen.

© Matthias Krebs 2010 / 66


Basis
MUSIKLERNEN IM INTERNET
(ERSTE ÜBERLEGUNGEN)

© Matthias Krebs 2010 / 67


Musikkultur im Internet

An der Musikkultur teilzuhaben, schließt heute also auch mit ein, Angebote des
Internets zu nutzen und damit umgehen zu können.

Da Online-Musikplattformen hauptsächlich durch Interaktion geprägt sind, ähneln sie


aus dem traditionellen Repertoire der Unterrichtsgestaltung besonders der
Musikpraxis
Besondere Qualität der Musikpraxis ist, dass sie sich sehr dazu eignet, Verbindungen zu
anderen Bereichen im Musikunterricht zu ziehen.

© Matthias Krebs 2010 / 68


Musiklernen im Internet ist mehr …

… als ein Gehörbildungsprogramm oder sinnfreies Herumgeklicke.


Bisher wurden 43 Online-Musikplattformen untersucht. Um die Vielzahl
an Möglichkeiten zur Auseinandersetzung mit Musik zu beschreiben,
werden folgende Klassen unterschieden:
1. Sequenzer-Programme
2. Notensatzprogramme
3. Livejamming / Begleitungen
4. Kollaborative Plattformen
5. Kommunikation / Community
6. Kunst (Genre: Netzmusik)
7. Soundtoys und Musikspiele
8. Musik/Samplearchive und -bibliotheken
9. Recherche: Musikblogs, Expertenseiten

© Matthias Krebs 2010 / 69


Online-Musikplattformen – eine kleine Auswahl

© Matthias Krebs 2010 / 70


Bezüge

Online-Musikplattformen zeichnen sich durch viele Bezüge zu sowohl realen als auch
virtuellen Musikbereichen aus.

Netzmusik macht Musik und Internet gleichsam erfahrbar.

Eignet sich Schüler, die kein Instrument spielen zu kreativen Handeln zu motivieren.

© Matthias Krebs 2010 / 71


Handhabbarkeit

In diesem Sinne relevante Online-Musikplattformen erfüllen die Bedingungen:


• Ohne Übung, d.h. intuitiv, bedienbar bzw. in einem überschaubaren zeitlichen
Rahmen zumindest in ihrer Grundbedienung erschließbar zu sein
• Abgesehen von Browser-PlugIns ohne Installation von zusätzlicher Software zu
funktionieren
• Ohne besondere medientheoretische Vorkenntnisse bzw. Informatikkenntnisse
verständlich zu sein
• In einem überschaubaren zeitlichen Rahmen zu reflektierten musikalischen
Ergebnissen zu führen

• In vollem Umfang erfahrbar zu sein, d.h. sich nicht auf Dokumentationen zu


beschränken

© Matthias Krebs 2010 / 72


Zielsetzungen

• … grundlegende Eigenschaften des Internets und des Vernetzungsprinzips


demonstrieren.
• … anschauliche Medienerfahrung sein.
• … kritische Reflexion gegenüber Medieneigenschaften anbahnen (Stichwort
Medienkompetenz)
• … die Möglichkeit zur Faszination bieten.
• … zum Musizieren bzw. zu musikalischen Produktionen anregen.
• … für künstlerische Schaffensprozesse sensibilisieren.
• … vielfältige Möglichkeiten der Verknüpfung mit musikgeschichtlichen Themen
bieten.

© Matthias Krebs 2010 / 73


Lernen im Web2.0
Drei zentrale Elemente des Web2.0 unterscheiden dieses Medium von früheren:

1. Das Netzprinzip: Überall kann jeder jederzeit mit jedem verknüpft werden
und der potentielle Austausch mit allen ist möglich. Dadurch wird sowohl der
Austausch von Verschiedenem zu einem Prinzip, als auch die Möglichkeit
gegeben, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. So können sich Netzwerke
und Praxisgemeinschaften bilden.
2. Das Prinzip der Selbststeuerung: Die Vernetzung provoziert die
Selbststeuerung und setzt sie zugleich voraus.
3. Das Prinzip des persönlichen Sinns: Das Subjekt und seine individuelle
Perspektive auf die Welt erhält ausschlaggebende Bedeutung.

Das Kommunikationsmedium Internet hat seine eigenen Gesetze,


seine eigene Dynamik – mit diesen gilt es selbstbestimmt umzugehen.
© Matthias Krebs 2010 / 74
Lernen im Web2.0: Musikpädagogische Herausforderungen
Methodische Überlegungen
• Welches konkrete Lernziel soll mit Hilfe der Online-Musikplattform erreicht werden?
• Was sind die Vorteile gegenüber traditionellen Lehrmedien (CD, Video, Buch etc.)?
• Welche technischen Bedingungen und musikalischen Vorkenntnisse sind zu berücksichtigen?
• Wie kann ein erstes bewusstes Ergebnis unterstützt werden (Arbeitsblatt etc.)?
• Welche Möglichkeiten gibt es, Musik bewusst zu gestalten? Ist das Klangergebnis
reproduzierbar?
• Welche Möglichkeiten gibt es, das Ergebnis mit körperlicher Musikpraxis (Singen, Tanzen etc.)
zu verbinden?
• Entspricht die Komplexität der Bedienung der
Komplexität des möglichen musikalischen Ausdrucks?
Überlegungen zur Motivation
• Welchen Sinn/Nutzen/Spaß/Herausforderung bietet
die Online-Musikplattform für die Lernenden?
• Welche Möglichkeiten zur Team-Kommunikation
oder zur Präsentation von Ergebnissen gibt es?
• eine Hitparade, ein großes Orchester, ein Solo-Vortrag … Abbildung: Grundschul-Workshop, 2009

© Matthias Krebs 2010 / 75


Forschung

Aufgrund der großen Breite des Untersuchungsbereiches und des niedrigen


Forschungsstandes , wird die Untersuchung als Feldforschung angelegt:

• In der ersten Phase der Recherche müssen die zu erfassenden Phänomene näher
definiert werden, um auf dieser Grundlage das Untersuchungsfeld abzustecken und
relevante Projekte zu sammeln.

• In der zweiten Phase soll es darum gehen geeignete Ziele für die Musikvermittlung
zu formulieren.

• In der dritten Phase geht es um die Entwicklung von Methoden und um die
Überprüfung.

Fragen zum Gebrauch von Software, zu Vernetzungskonzepten sowie zu praktischen


Aspekten der Umsetzung von Projekten

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Fakultät Musik, Musikpädagogik

Matthias Krebs
0177 7373939 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!
krebs@udk-berlin.de
http://www.matthiaskrebs.net

Auf meinen Weblogs können Sie weitere Beispiele zum Thema „Musikmachen im Internet“ sowie
Skripte finden:

www.netzmusik.wordpress.com

www.musiklernen.tumblr.com - Blog der Seminarergebnisse des Musikpädagogikseminars


„Musiklernen im Web2.0“ im Wintersemester 2009/10 an der
Universität Potsdam (Unterrichtsideen, Konzepte, Essays)

www.facebook.com/musikmachen

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