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VOM POLIZEI
GRIFF
ZUM
ÜBERGRIFF
Anti-Diskriminierungssbüro Berlin (ADB) Berlin e.V.
.IMPRESSUM.
Autoren
Marcus Blöhm | Jeldrik Hanschke

Herausgeber
Anti-Diskriminierungsbüro (ADB)
Berlin e.V.

April 2007 | Berlin

Auflage: 1.000 Stück

Eigentumsvorbehalt
Nach dem Eigentumsvorbehalt
ist die Zeitung solange Eigentum
des Absenders, bis sie der/ Herausgeber
dem Gefangenen persönlich Anti-Diskriminierungsbüro (ADB) Berlin e.V.
ausgehändigt ist. „Zur-Habe-Name“ Greifwalder Str. 4, 10405 Berlin
ist keine persönliche Aushändigung Telefon/Fax: 030 / 204 25 11
im Sinne dieses Vorbehalts. Web: www.adb-berlin.org
Wird die Zeitung der/dem Email: adb_berlin@gmx.de
Gefangenen nicht persönlich
ausgehändigt, so sind die nicht Unser Dank gilt allen Unterstützer_innen, insbesondere:
ausgehändigten Teile – und nur
sie – dem Absender mit dem Kampange für Opfer rassistischer Polizeigewalt (KOP)
Grund der Nichtaushändigung www.kop-berlin.de
zurückzusenden.

V.i.S.d.P.
Reza Rassouli,
Anti-Diskriminierungsbüro (ADB) Fraktion 2002 e.V. der Linksfraktion im Bundestag
Berlin e.V.,
Greifswalder Str. 4, 10405 Berlin und vielen weiteren...

gestaltung | .zersetzer. | freie grafik | www.zersetzer.com


.3.

.INHALT.
Vorwort 4

Was ist was: Einführung in die Polizei 6

Der Polizeiübergriff 9

Die polizeiliche Ausbildung 12

Ein Versuch der Erklärung 14

„Er konnte nicht verstehen, dass ich Deutscher bin“ 17

Rassismus und Polizei 20

„Erst die Schläge, dann die Antwort!“ 26

Polizeiübergriffe im rechtsfreien Raum 30

Übergriffe wegreformieren? 33

„Demonstrationsfreiheit muss immer öfter


mit Blessuren bezahlt werden“ 37

Resümee: Vom Staat, der Polizei und Übergriffen 42

Private Sicherheitsdienste 48

Was tun als Opfer oder Zeuge/in von Polizeigewalt?! 51

Beratungsstellen in Berlin und Brandenburg 53

Literatur und Web 54

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.VORWORT. Vom Staat bezahlte


Durchsetzung
staatlichen Gewalt-
monopols

3 Wie kommt mensch auf die Idee,


eine Ausstellung über Übergrif-
fe durch Polizisten in Deutschland
zu machen? Würde sich das Anti-
Diskriminierungsbüro in Istanbul
befinden, würde sich diese Frage für
viele gar nicht stellen – assoziieren
die meisten doch Polizeigewalt mit
Bildern aus der Tagesschau von
türkischen Polizisten, die auf Op-
positionelle einprügeln. So wird
Polizeigewalt meist als ein Phäno-
men diktatorischer Regime wahr-
genommen. Prügelnde Polizisten
in Deutschland sind daher für viele
undenkbar.
Doch müssen wir in unser staates billigend in Kauf genom- hen, ob es sich bei den Schlägern Obwohl ein Übergriff für
alltäglichen Arbeit immer wie- men. in Uniform wirklich nur um wenige Betroffene eine einschneidende
der feststellen, dass Übergriffe Die Alltäglichkeit von Über- „Schwarze Schafe“ handelt, die dem Erfahrung ist und nicht nur eine
durch deutsche Polizisten nicht nur griffen und die Ohnmacht vieler Stress und Frust des Polizeiall- schwere Erschütterung des Ver-
denkbar, sondern für viele Men- Menschen sich wirksam dagegen tags nicht gewachsen sind, wie von trauens in Polizei und Staat bedeu-
schen traurige Realität sind. zu wehren, hat uns veranlasst, die Politik und Polizei häufig behaup- tet, sondern auch schwere Trauma-
Immer wieder berichten uns Betrof- Ausstellung „Vom Polizeigriff zum tet. Außerdem analysieren wir den tisierungen hinterlassen kann, wird
fene von rassistischen Beleidigun- Übergriff“ aus dem Jahr 2001 zu Rassismus in der Polizei, welcher in der Öffentlichkeit das Problem
gen, Drohungen, Freiheitsberau- überarbeiten und nun neu zu er- sich in Schikanen und Übergriffen weitgehend totgeschwiegen oder
bungen, Tritten und Schlägen durch öffnen. Dabei thematisieren wir gegen Migrant_innen zeigt. Des schlicht verharmlost. Wir wollen
Polizeibeamte im Dienst. Gleichzei- nicht nur der Übergriff selbst, dass weiteren hinterfragen wir, war- diesem mit der Ausstellung etwas
tig werden die Stimmen nach ei- heißt Schläge, Tritte, Beleidigun- um Schläger in Uniform so gut wie entgegensetzen, die Öffentlichkeit
nen hartem Vorgehen des Staates gen und Schikanen durch Polizis- nie eine Verurteilung zu befürchten sensibilisieren und den Betroffenen
im Kampf gegen „linke Chaoten“, ten im Dienst, sondern auch die haben, während die Betroffenen eine Stimme geben.
„Gewalttäter nichtdeutscher Her- internen Strukturen des deutschen durch Gegenanzeigen eingeschüch- Viel Spaß beim Anschauen,
kunft“, Hooligans und islamisti- Polizeiapparates, welche solche tert werden. Zu guter Letzt gehen Lesen, Diskutieren und natürlich
sche Terroristen immer lauter. Da- Übergriffe erst ermöglichen und wir der Frage nach, ob und wenn ja auch kritisieren.
bei werden Übergriffe bis hin zur gegebenenfalls sogar fördern. Da- wie Übergriffe verhindert werden Anti-Diskriminierungsbüro
Folter und der Abbau des Rechts- bei wollen wir der Frage nachge- können. (ADB) Berlin e.V.
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VOM POLIZEI [Foto: Christian Ditsch/version | www.version-foto.de]
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.WAS IST WAS.


.EINFÜHRUNG IN DIE POLIZEI.
3 Obwohl die Polizei als Träger des und Ordnung. Sie soll also als Träger
staatlichen Gewaltmonopols eine des staatlichen Gewaltmonopols die
essentielle Rolle für den moder- bestehende Ordnung durchsetzen,
nen Staat und die Demokratie spielt, um so ein geregeltes Zusammen-
wird die Institution Polizei nur selten leben der Menschen auf Grundlage
kritisch betrachtet. Die öffentliche der herrschenden Regeln und Nor-
Wahrnehmung der Polizei schwankt men sicherzustellen.
meist zwischen zwei Extremen: Die Polizei ist Ländersache,
Große Teile der Bevölkerung be- weshalb sie den jeweiligen Innen-
trachten sie als unfehlbaren „Freund ministern bzw. -senatoren(2) der
und Helfer“ und brandmarken Bundesländern untersteht. Durch
jegliche kritische Bemer- die unterschiedlichen Polizeigeset-
Die Polizei soll also als kung zur konkreten Aus- ze der Bundesländer ergeben sich der Fahndung entwickelt sich mit Eine besondere Situation Mit „Harter
Hand“ für Recht
Träger des staatlichen Gewalt- prägung und Mängeln der Unterschiede in Organisation und dem Bundeskriminalamt (BKA) stellen Demonstrationen und ande-
und Ordnung
monopols die bestehende deutschen Polizei als An- einzelnen Rechten der Polizei zwi- zunehmend eine zentrale Polizei- re Großereignisse (wie zum Beispiel
Ordnung durchsetzen, um so griff auf die Sicherheit und schen den Bundesländern. Diese behörde mit immer weitreichen- Fußballspiele) dar. Hierfür existiert
ein geregeltes Zusammen- Ordnung allgemein (und Unterschiede betreffen aber meist deren Befugnisse. die spezielle Bereitschaftspolizei,
leben der Menschen auf häufig sogar als Unterstüt- Detailfragen. welche kaserniert für die Bewälti-
Grundlage der herrschenden zung der Kriminalität und Obwohl die Alliierten als Bürger_innen und Polizei gung dieser so genannten polizei-
Regeln und Normen des Terrors). Andererseits Reaktion auf die Erfahrungen des Für Übergriffe, dass heißt lichen Großlagen bereitgehalten
sicherzustellen. verliert die Polizei als Re- Nationalsozialismus eine zentra- Schläge, Tritte und Beleidigungen wird. Im Gegensatz zu dem polizeili-
präsentant des Staates in lisierte Polizei verhindern wollten, durch Polizeibeamte im Dienst, sind chen Alltag können hierbei auch Po-
großen Schichten der Bevölkerung entwickelt sich zunehmend eine insbesondere diejenigen Teile der lizeibeamte anderer Bundesländer
(und insbesondere unter Jugendli- zentrale, dem Bund unterstell- Polizei interessant, die in direkten angefordert werden.
chen) zunehmend an Autorität und te Polizeibehörde. So wurde der Kontakt mit Bürger_innen treten.
Polizisten(1) werden pauschal als „Bul- Bundesgrenzschutz (BGS) zu ei- Dies ist vor allem die Schutzpolizei, Hierachie nach innen ...
lenschweine“ wahrgenommen. Eine ner uniformierten Bundespolizei welche für die Gefahrenverhütung Generell ist die Arbeit der
fundierte Kenntnis über die Polizei und umgebaut. Diese schränkt durch und -beseitigung durch Streifen- Polizisten streng an die Weisungen
eine differenzierte Auseinandersetzung die Überwachung von Bahnhöfen und Postendienst zuständig ist. des direkten Vorgesetzten gebun-
mit dieser findet meist nicht statt. (auch des öffentlichen Personen- Hier sind besonders die Funkstrei- den, der sich wiederum genauso
nahverkehrs) und dem Einsatz bei fenbeamten von Bedeutung: Ob es in einer langen Hierarchiekette
Die deutsche Polizei Großereignissen wie zum Beispiel sich um einen Verkehrsunfall, eine mit zahlreichen Gliederungen von
Die allgemeine Aufgabe der Demonstrationen zunehmend die Schlägerei oder einen Einbruch Befehlsempfängern und Befehls-
Polizei ist die Gewährleistung und polizeilichen Hoheitsrechte der handelt, Funkstreifenbeamte sind verteilern befindet. Dies ist eine
Aufrechterhaltung von Sicherheit Länder ein. Auch auf der Seite als erste vor Ort. Folge der Abbildung der polizei-
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dem_der Bürger_in einen Freiraum,


.DER POLIZEIÜBERGRIFF.
der kaum kontrolliert werden kann.
3 Dies resultiert einerseits aus der 3 Wann wird ein Polizeigriff zum beeinträchtigen“(1). Doch ist der
fehlenden individuellen Kennzeich- Übergriff? Die juristische Definiti- Begriff der Verhältnismäßigkeit je
nung von Polizisten, wie sie zum on beschreibt einen Übergriff als nach Sichtweise verschieden aus-
Beispiel Dienstnummern oder Na- „unverhältnismäßige (körperliche) legbar. Wird zum Beispiel ein_e Tat-
mensschilder leisten könnten, wes- Gewaltanwendung von Beamten verdächtige_r bei ihrer_
halb der_die Bürger_in es häufig im Dienst“. Rechtlich gesehen ist seiner Festnahme Belei- Gewalt von Polizisten wird
mit einem anonymen, uniformierten eine polizeiliche Gewaltanwendung digungen, Schlägen, Trit- erst durch den Kontext,
Polizeibeamten zu tun hat. Anderer- dann unverhältnismäßig, wenn von ten ausgesetzt, können in dem diese sich abspielt,
seits wird unter anderem durch die Zwangsmitteln und Zwangsmaßnah- Polizisten im nachhinein zum Übergriff.
Nähe von Polizei zu Staatsanwalt- men ein unangemessener Gebrauch eine Verhältnismäßigkeit
schaft und Justiz, sowie durch nicht gemacht wird. Diese Definition wirft konstruieren z.B. mit der Behaup-
existente oder nicht effiziente Kon- bereits erste Probleme auf: tung des entgegengebrachten Wi-
trollmechanismen eine Verfolgung Ein Übergriff wird hier nicht derstandes. Dementsprechend ist
und Sanktionierung von Übergriffen durch eine bestimmte Handlung de- es wichtig bei einem vermeintlichen
erschwert. (Mehr hierzu im Artikel: finiert. Und da der Einsatz von kör- Polizeiübergriff viele Zeug_innen zu
Übergriffe im rechtsfreiem Raum) perlicher Gewalt durch das allein kontaktieren, um der Darstellung
beim Staat liegende Gewaltmonopol der Polizisten etwas entgegenset-
Polizisten ausdrücklich erlaubt ist zen zu können. (siehe Artikel: Ver-
lichen Struktur nach militäri- Fußnoten und ihnen nur Extremformen wie halten bei Übergriffen)
schem Vorbild. Ein kooperativer (1) Wir verwenden in dieser Broschüre grund- Folter und Exekutionen verboten Allgemein lässt sich also
Führungsstil, der eine sätzlich die geschlechtsneutrale Schreibweise sind, wird eine Polizeihandlung erst festhalten, dass Gewaltanwendung
Der_die Bürger_in ist meist selbstständige Denk- und „_innen“. Diese hat die Funktion, dass nicht durch den Kontext, in der sie ausge- durch Polizisten immer erst dann
mit einem anonymen, Handelsweise, sowie die nur Frauen, sondern auch Menschen, die führt wird, zum Übergriff. als Übergriffe gelten, wenn sie mit
uniformierten Polizeibeamten (Selbst-)Kritik der einzel- sich zwischen bzw. außerhalb der Zweige- Ein prügelnder Polizist be- dem Blick auf den Kontext,
konfrontiert. ner Beamten einfordert, schlechtlichkeit verorten, mit gedacht werden. findet sich nicht sofort außerhalb in dem sich die Gewaltan- Übergriffe sind nicht nur
konnte sich bis heute, Bei Polizisten verwenden wir allerdings nur die der Legalität, sondern nur dann, wendung abgespielt hat, körperlicher Natur:
trotz mehrerer Empfehlungen dies- männliche Form, um der Dominanz von Män- wenn die Art und Weise der von ihm als unverhältnismäßig an- auch durch Beleidigungen,
bezüglich, nicht durchsetzen. nern innerhalb der deutschen Polizei gerecht ausgeübten Gewalt als unverhält- gesehen werden müssen. schikanöse Kontrollen und
zu werden. Natürlich bedeutet dies nicht, dass nismäßig angesehen werden kann. Ein weiteres Pro- Gewaltandrohungen,
... fehlende Kontrolle keine Frauen an Übergriffen beteiligt sind. Dem Grundsatz der Verhältnismä- blem besteht in der Be- missbrauchen Polizisten
nach außen (2) Genauso wie für Polizisten verwenden wir ßigkeit nach, hat der Polizeibeamte schränkung des Begriffs ihre Autorität.
Im Gegensatz zu dieser star- auch für Innenminister bzw. -senatoren nur „unter mehreren möglichen und „Übergriff“ auf die un-
ken hierarchischen Abhängigkeit die männliche Schreibweise, da eine Innenmi- geeigneten Maßnahme diejenige verhältnismäßige körperliche Ge-
innerhalb des Polizeiapparats ge- nisterin in unser Gesellschaft fast undenkbar zu treffen, die den einzelnen und waltanwendung. Auch durch ver-
nießen Polizeibeamte gegenüber erscheint. die Allgemeinheit am wenigsten bale Beleidigung, Beschimpfungen,
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Im Zusammenhang mit Ausnahmefällen. Doch wird dann in


dem System von Gegenanzeigen den meisten Fällen von Seiten der
und Nichtsanktion durch Gerichte Innensenatoren und Polizisten ver-
und Vorgesetzt, veranlasste selbst sucht, das Opfer des Polizeiüber-
amnesty international von einem griffs selbst als Täter_in
„Muster“ der Polizeigewalt gegen darzustellen. Dabei wer- Übergriffe geschehen aus
Ausländer_innen in Deutschland zu den häufig in der Bevölke- einem Kollektiv von Tätern
sprechen. rung verbreitete Vorurtei- heraus, selbst wenn nur ein
le bedient: Demonstrant_ Polizist beleidigt oder schlägt,
Die Orte und die Täter innen werden als „Cha- dulden und decken dies seine
Wo finden Polizeiübergriffe oten“ und „Randalierer“ Kollegen.
statt? Der Ort des Übergriffs ist mit dargestellt und die Mig-
Ausnahme von Gewaltanwendung rant_innen als kriminell. Dies wird
bei Demonstrationen meist ein für durch die beschuldigten Polizis-
die Öffentlichkeit nicht zugänglicher ten unterstützt, indem sie Gegen-
[Foto: Tobias Pforte] Ort, wie zum Beispiel Arrestzellen, anzeigen gegen das Opfer des
Polizeiwachen oder Dienstfahrzeu- Übergriffs stellen. Nur wenn ein
ge, was vermeintliche Zeug_innen Übergriff gar nicht mehr zu leugnen
„Verhätnismäßige“ unrechtmäßige und schikanierende Betroffenen handelt es sich meist von vornherein ausschließt. ist – da dieser zum Beispiel durch
Gewalt? Kontrollen sowie Gewaltandrohun- um Angehörige gesellschaftlicher Bei den Tätern handelt es Video- bzw. Fotomaterial dokumen-
gen missbrauchen Beamte ihre Minderheiten oder Randgruppen, sich so gut wie nie um einzelne Per- tiert wurde – werden die Übergriffe
polizeiliche Autorität. Die Realität wie Asylsuchende, Migrant_innen, sonen, sondern Übergriffe gesche- als solche anerkannt und öffentlich
zeigt gerade, dass diese psychische Obdachlose, Drogenabhängige oder hen fast ausschließlich aus einem bedauert. Jedoch werden die Täter
Gewalt mit körperliche Gewalt ein- Angehörige ethnischer Minderhei- Kollektiv von Tätern heraus. Selbst meist als „Schwarze Schafe“ ab-
hergeht. Oft nutzen Polizisten Belei- ten. Zusammenfassend also Perso- wenn nur ein Polizist beleidigt oder gestempelt, die es nun mal überall
digungen und Provokationen sogar nen mit geringer Beschwerdemacht. schlägt, gibt es Kollegen die dies geben würde, wodurch strukturelle
bewusst, um durch die Reaktionen Zudem werden auch des Öfteren dulden und später decken, womit Ursachen und Mängel geleugnet
des Betroffenen körperliche Über- Teilnehmer_innen von Demonstra- sie als genauso kriminell wie der und der Fall bagatellisiert wird.
griffe gegen diesen rechtfertigen zu tionen, sowie Journalist_innen Op- eigentliche Täter einzustufen sind Nur in den seltensten Fällen haben
können. Doch leider findet gerade fer von Übergriffen. Erschreckend und was eine juristische Aufarbei- Übergriffe berufliche oder straf-
die psychische Gewalt von juristi- ist die Erkenntnis, dass sich in dem tung von Polizeiübergriffe erschwert rechtliche Konsequenzen für die
scher Seite her kaum Beachtung. letzten Jahrzehnt überflüssige und und meist verhindert. (siehe Artikel: Täter zur Folge.
unnötige Polizeigewalt primär gegen Polizeiübergriffe im rechtsfreien
Die Opfer Migrant_innen richtete. Dies deckt Raum)
Obwohl Polizeiübergriffe sich mit der faktischen Abschaffung
eine große Bandbreite zeigen und des Grundrechtes auf Asyl und den Die Öffentlichkeit Fußnoten
die Opfer, die Orte und die Art und zunnehmenden Repression gegen Meist finden Polizeiübergrif- (1) Gesetz über den unmittelbaren Zwang
Weise variieren, finden Übergriffe Flüchtling (Residenzpflicht, Asylbe- fe in der Öffentlichkeit so gut wie durch Vollzugsbeamte des Bundes (UzwG)
nicht beliebig statt, sondern weisen werberleistungsgesetz, Sachleis- keine Beachtung. Zu öffentlichem vom 10. März 1961, in Bundesgesetzblatt Teil I,
bestimmte Merkmale auf. Bei den tungsprinzip, etc.). Interesse kommt es nur in wenigen S. 165, §4
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[Foto: Christian Ditsch/version | www.version-foto.de]


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.DIE POLIZEILICHE AUSBILDUNG.


3 Setzt mensch sich mit den Ursachen verwendung und insbesondere Sport
von Polizeiübergriffen auseinander, einen hohen Stellenwert. Im zweiten
ist auch eine kritische Auseinander- und dritten Ausbildungsjahr sind Sport
setzung mit der polizeilichen Aus- sowie psychologische Seminare fester
bildung notwendig. Wie ist sie orga- Bestandteil des Programms, sie en-
nisiert? Unter welchen Bedingungen den beide mit einer Laufbahnprüfung
findet sie statt? Wo treten Mängel (1. und 2. Fachprüfung).
auf, die Übergriffe ermöglichen oder Die Auszubildenden werden
gar fördern? größtenteils von Polizeibeamten des
Die Grundvoraussetzungen mittleren oder gehobenen Dienstes
für die polizeiliche Ausbildung sind unterrichtet. Nur in Fächern wie zum
unter anderem ein Mindestalter von Beispiel Englisch sind Lehrer_innen
16 Jahren, ein erweiterter Haupt- aus „normalen“ Schulen, die nicht
schulabschluss und die Gewähr je- dem Polizeidienst zuzuordnen sind, in
derzeit für die freiheitliche demokra- die Ausbildung von Polizeianwärtern
tische Grundordnung im Sinne des involviert. Bis Ende 70er und Beginn
Grundgesetzes einzutreten. Um in das der 80er Jahre fand die polizeiliche
Ausbildungsverhältnis der Ausbildung vollständig kaserniert in
Die soziale Abschottung durch Polizei aufgenommen zu der Bereitschaftspolizei statt. Heutzu-
eine polizeiinterne Ausbildung werden, müssen alle Be- tage tragen meist Polizeischulen, bzw. des militärischen Charakters der Einerseits die polizeiinter- Die Richtung
erschwert das Einbringen von werber_innen schriftliche, beim gehobenen Dienst Fachhoch- Ausbildung und der vollständigen ne Ausbildung und damit die Ab- steht fest:
Rechts rum!
neuen Erkenntnissen. sportliche und mündliche schulen die Verantwortung für die Kasernierung – doch ergeben sich schottung der Polizisten vom Rest
Eignungsprüfungen beste- Ausbildung. Trotz der Aufhebung ei- auch aus der heutigen Polizeiaus- der Gesellschaft und anderseits
hen. Die reguläre Ausbildungsdau- ner durchgehenden Kasernierung mit bildung immer noch wesentliche die Vernachlässigung von sozial-
er bei der Schutzpolizei- (mittlerer teilweise militärischen Ausbildungs- Probleme. So verläuft die Aus- wissenschaftlichen, politologi-
Dienst) beträgt 2 ½ Jahre. Das erste formen, wird die Ausbildung zum Po- bildung immer noch weitgehend schen und psychologischen Aus-
Ausbildungsjahr umfasst die Grund- lizeibeamten immer noch weitgehend polizeiintern. Diese soziale Ab- bildungsinhalten (bedingt durch
ausbildung mit fachtheoretischem polizeiintern, dass heißt abgeschottet schottung macht es schwer neue die Konzentration auf die Rechts-
Unterricht (Rechtskunde), allgemein von anderen Sozialstrukturen, durch- Erkenntnisse in die Polizei hinein fächer) führen zu erheblichen
bildendem Unterricht (Deutsch, Eng- geführt. zutragen und ist somit hinderlich Defiziten im späteren Polizeialltag.
lisch) und psychologischem Seminar. für eine Reformierung. Gleichzeitig Dies wird noch durch den geringen
Neben der theoretischen Ausbildung, Problematik der Ausbildung fördert diese Abschottung nicht gera- Anteil von Frauen und Angehörige
die durch das Lernen von Definition Zwar hat sich Ausbildung de kritik- und kommunikationsfähige ethnischer Minderheiten verstärkt.
und Tatbestandsmerkmalen geprägt in den letzten 20 Jahren gewan- bzw. -bereite Polizeibeamte, sondern (weiteres hierzu im Artikel: Ein Ver-
ist, hat die Schießausbildung, Polizei- delt – insbesondere in den Punkten führt eher zu Konformismus. such der Erklärung).
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.EIN VERSUCH DER ERKLÄRUNG.


3 Geht es in der öffentlichen Diskussi- ationen ausnutzen, um sich abzure-
on um Ursachen von Polizeigewalt, agieren.
dominiert ein wesentlicher Erklä- Als eine weitere Ursache
rungsansatz: Übergriffe wären das von Polizeiübergriffen werden meist
Resultat individueller Defizite der „strukturelle Belastungen“ von Po-
Polizisten und der polizeilichen Ar- lizisten benannt. Nach einer Studie
beitsbedingungen, die durch Über- „Polizei und Fremde“ der Polizei-
lastung, Stress und Frustration führungsakademie, resultiert Poli-
gekennzeichnet seien. Dem gegen- zeigewalt aus den Arbeitsbedingun-
über steht die Einsicht, dass aus gen der Beamten. Demnach würden
strukturellen Defiziten im Polizeiap- insbesondere durch „die Kumulati-
parat Gewalt resultiert, wenn diese on (Ansammlung, d. Red.) von Be-
nicht gar gefördert wird. lastungen in Ballungszentren mit
[Foto: Christian Ditsch/version | www.version-foto.de]
hoher illegaler Einwanderung und
„strukturelle Belastung“? Kriminalität sowie bei Großeinsät-
Übergriffe auf das Fehlver- zen gegen verbotene Demonstrati- (mehr hierzu im Artikel: Übergriffe Gefühl der Kameradschaft („sich Polizisten –
halten einzelner Beamten zurück- onen manche Beamte überfordert“. wegreformieren?) auf einander verlassen müssen...“) nur Opfer
ihrer Arbeits-
zuführen, gehört zur gewöhnlichen Übergriffe werden als quasi „unver- und der Anwendung von Gewalt als
bedingungen?
Vorgehensweise von Innenministe- meidliche Reaktion auf äußere Rei- „Cop culture“ Handlungsoption. Die Praxis des
rium und Polizeiführung, sollte es ze“ interpretiert – polizeiliche Täter und Korpsgeist Gewaltmonopols orientiert sich
im Fall eines Übergriffs ausnahms- zu Opfern ihrer Arbeitsbedingungen Gegenüber den oben ge- hierbei nicht an rechtlichen Vor-
weise zu einer öffentlichen De- verklärt. nannten meist von offizieller Seite gaben, sondern wird vielmehr von
batte kommen. Dabei wird auf das Sofern nun die Ursachen abgegebenen Erklärungsansätzen, den Erfahrungen des polizeilichen
vorhandene Gewaltpotenzial in der zum einen in der Persönlichkeit des steht der Begriff der polizeilichen Alltags bestimmt, in der die An-
Gesellschaft verwiesen. Mit der Be- einzelnen Polizisten, zum anderen Subkultur („Cop Culture“). Ent- wendung körperlicher Gewalt eine
hauptung, die Polizei sei in den polizeilichen Arbeitsbedin- scheidend für Polizeiübergriffe und andere bzw. umfassendere Legiti-
Schläger in Uniform – bloß ein Spiegel der Ge- gungen gesehen werden, reicht die übermäßiger Gewalt sei, dass die mierung findet, als in der offiziellen
nur Schwarze Schafe sellschaft, in der ebenso Palette von möglichen Lösungs- Praxis des Gewaltmonopols durch polizeilichen Lehre.(2)
und Opfer ihrer gewalttätige Personen ansätzen von strengeren Auswahl- einen „Second code in Form von sub- Der „Cop culture“-Ansatz
Arbeitsbedingungen? vorhanden seien, wird kriterien für den Polizeiberuf über kulturellen Handlungsmustern“ erklärt zum einen Übergriffe als
Polizeigewalt schlichtweg die Einführung von Supervision bei bestimmt wird.(1) Zu deren Grund- Folge der Frontstellung gegen
relativiert. Persönliche Defizite, so- der Polizei, bis hin zum Ausbau elementen gehöre einmal, die po- Personen, die die von den Polizisten
wie mangelnde Professionalität der von Stressbewältigungstrainings lizeiliche Selbstbeschreibung, als zu verteidigende Ordnung zu be-
Polizisten würden halt dazu führen, oder der Rotation der Beamten bei „Frontkämpfer“ im Einsatz gegen drohen scheinen und zum anderen,
das wenige „schwarze Schafe“ Situ- der Besetzung der Einsatzgebiete. das gesellschaftliche Chaos, das warum Übergriffe zum größten Teil
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„Er konnte nicht
verstehen, dass ich
Deutscher bin.“
3 Im Herbst 2004 wurde Charles B.* im Zuge einer „verdachtsunabhängigen“
Kontrolle – der einzige Verdacht war seine dunkle Hautfarbe in Zusammen-
Eben kein Job von unbeteiligten Beamten geduldet Doch ist gerade eine abgegrenzte hang mit dem Stereotyp des „afrikanischen Dealers“ – beleidigt und geschla-
wie jeder andere! und gedeckt werden („Mauer des Sozialisierung für einer Ausprägung gen. Die Polizisten wurden freigesprochen – Charles B. jedoch wegen Beleidi-
Schweigens“): Nämlich aufgrund bzw. Verfestigung gewalthafter Ver- gung verurteilt. * Name geändert
einer falsch verstandenen Loyalität haltensmuster mitverantwortlich.
und einem daraus entstehenden Ebenso wird aufgrund un-
Korpsgeists. zureichenden interner und exter- ADB: Im Oktober 2004 wurdest du schlug er mir viermal mit der Faust
Ein Lösungsansatz für die ner Kontrollmechanismen Gewalt Opfer eines Übergriffs durch Poli- in den Magen. Ich sagte zu ihm: „Sie
Problematik der polizeilichen Sub- im Polizeialltag Vorschub geleis- zisten. Was ist dir genau passiert? Haben mich viermal in meinem
kultur („Cop Culture“) ist schwer zu tet. Wo illegale Gewalttaten weder Bauch geschlagen. Ich klage Sie an.“
finden, da deren Merkmale unmit- disziplinar- noch strafrechtlich Charles B.: Ich hatte familiäre Pro- Er erwiderte: „Ich schlage dich auch
telbar mit den Besonderheiten der geahndet werden, nehmen Über- bleme und fühlte mich nicht gut. noch das fünfte Mal und ich zeige
Institution Polizei, deren Organisa- griffe zu.(3) Daher ging ich in die Hasenhei- dich an. Das geht schneller.“ Gleich-
tion und politischen Auftrag verbun- Auch steht die „Cop Culture“ de, einen Park in der Nähe meiner zeitig schlug er mich noch mal.
den sind. nicht im Widerspruch zur Polizeiphi- Wohnung, um zu beten. Ich ging zur Nach ein oder zwei Minuten
losophie, sondern ist ein Teil dieser. „Rhododendron Ecke“, einem ruhi- kamen noch zwei weitere Polizis-
Institutionelle Bedingungen Der Bezug auf die Aufrechterhal- gen Ort im Park, wo aber auch an- ten, ein Polizist und eine Polizistin
Die Entstehung der „Cop Cul- tung der bestehenden Ordnung, auf dere Deutsche hingehen. Ein Polizist und fragten, was hier los sei. Ich
tur“ steht somit in direktem Zusam- deren Verteidigung gegen Norm- und eine Polizistin kamen auf mich habe die Antwort nicht verstanden.
menhang mit der Institution Polizei. brecher_innen und Störer_innen, zu, während ich mit meiner Bibel in Ich betete immer noch, als mich
Neben dem zentralen Merkmal, die Drohung mit und der Einsatz von der Hand betete. Sie führten mich der dazugekommene Polizist nach
der legalen Anwendung physischer Gewalt sind Merkmale jeder Polizei. zu einem Ort, wo viele Bäume und meinem Ausweis fragte. Ich hatte
Gewalt, sind es insbesondere drei Übergriffe sind somit kein Unfall, keine Menschen waren. Ich wusste nur meine Papiere dabei. Er schlug
institutionelle „Rahmenbedingun- sondern Folge des normalen Funk- nicht, warum sie mich in die abge- mir mit seinem Ellbogen auf mei-
gen“, die Polizeiübergriffe tionierens der Institution Polizei. schottete Ecke führten und hatte ein nen Unterkiefer und sagte
Wo illegale Gewalttaten weder fördern: bisschen Angst vor der Polizei. gleichzeitig „opla“. Dabei „Ich schlage dich auch noch
disziplinar- noch strafrechtlich Die Bildung eines Fußnoten fiel meine Brille zu Boden das fünfte Mal und ich zeige
gehandet werden, nehmen „Polizeighettos“ beginnt (1) Behr, R.: Funktion und Funktionalisierung ADB: Was ist dann in dieser abgele- und mein Kiefer wurde dich an. Das geht schneller.“
Übergriffe zu. schon in der Ausbildung: von Schwarzen Schafen in der Polizei, in: Kri- genen Ecke passiert? ausgerenkt. Ich konnte
Obwohl die Polizeibewer- minologisches Journal 2000, H. 3, S. 219-229 nun nicht mehr richtig beten und
ber während der Ausbildung meist (227) Charles B.: Der Polizist befahl mir, der erste Polizist sagte daraufhin:
nicht mehr kaserniert sind, findet (2) Norbert Pütter: Polizeigewalt als Ausnah- mit den beten aufzuhören. Ich sagte „Ja es geht doch.“ Und die anderen
diese nach wie vor abgeschottet me und Regel. in Cilip 67 (Nr. 3/2000) zu ihm, er soll seine Arbeit machen Polizisten lachten. Anschließend
vom Rest der Gesellschaft statt. (3) ebd. und ich betete weiter. Daraufhin haben sie mich durchsucht. Sie ha-
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ADB: Was hast du nach deiner Frei- Ein Afrikaner wird niemals Gerech-
lassung gemacht? Hast du die Poli- tigkeit bekommen.
zisten angezeigt?
ADB: Eine ganz schön harte Aus-
Charles B.: Ich habe gleich meinen sage. Glaubst du, dass du nur we-
Anwalt angerufen und bin ins Kran- gen deiner Hautfarbe Opfer der Po-
kenhaus gefahren, wo meine Verlet- lizei wurdest?
zungen behandelt wurden. Danach
habe ich bei der Polizei Anzeige er- Charles B.: Ein Polizist sagte vor
stattet. Gericht, dass 80% der Menschen im
Park schwarz sind oder
Folgerichtig: ben mich halb-nackt ausgezogen, Charles B.: Nein, sie haben mich ADB: Wurden die Polizisten trotz- afrikanisch – aber das Im Auto erhielt der eine
Rassismus obwohl es kalt war. zu ihrem Streifenwagen gebracht. dem verurteilt? stimmt nicht. Es gibt nicht Polizist einen Anruf und sagte,
ist weit
Als sie mich wegführten, habe ich so viele Afrikaner oder dass sie den „Neger“ jetzt
verbreitet in den
geschlossenen ADB: Das war doch bestimmt nicht sie auf meine Brille aufmerksam Charles B.: Nein, ich hatte keine „Schwarze“ im Park. Er nach Hause bringen.
Reihen der leise und hat einige Zeit gedauert. gemacht. Daraufhin trat ein Poli- Chance vor Gericht. Der Richter hat hat mich kontrolliert, weil
Polizei Kam denn niemand vorbei und hat zist absichtlich darauf und steckte der Polizei geglaubt, aber mir nicht. ich schwarz bin. Er sagte mit stolz
dir geholfen? sie mir in meine Brusttasche. Im Er fragte mich sogar in der Verhand- bei der Verhandlung, dass im Park
Auto erhielt der eine Polizist einen lung, wie es sein könnte, dass ich bestimmte Gruppen wie zum Bei-
Charles B.: Nein. Die Polizisten ha- Anruf und sagte, dass sie den „Ne- Deutscher bin, obwohl ich schwarze spiel Araber, Türken und Schwarz-
ben mich zu einem sehr abgelege- ger“ jetzt nach Hause bringen. Ich Hautfarbe habe. Dass ich mich für afrikaner von vornherein verdächtig
nen Ort gebracht und die wenigen finde das Wort „Neger“ sehr verlet- meine deutsche Staatsangehörig- sind.
Leute, die dort vorbeikamen, wur- zend und erwiderte: „Ich weiß nicht, keit vor einem Richter rechtfertigen Ich habe bereits vorher Er-
den von einem der vier Polizisten was für sie Neger bedeutet. Aber muss, zeigt wie weit der Rassismus fahrungen mit der Polizei gemacht.
weggeschickt. egal was es für sie bedeutet, sie in Deutschland verbreitet ist. Die Sie sind an allen „weißen“ Menschen
sind mehr als das.“ Dann haben sie Polizisten wurden freigesprochen vorbeigegangen und haben nur mich
ADB: Haben die Polizisten dich meine Wohnung gegen meinen Wil- und ich musste 150 Euro wegen kontrolliert. Afrikaner können nicht
denn, nachdem sie deine Persona- len durchsucht und mein Familien- einer Beleidigung zahlen, die ich zusammen in Gruppen stehen oder
lien kontrolliert und keine Anhalts- buch mitgenommen. Danach wurde nie gesagt hatte. Nur weil ein Po- herumlaufen. Die Polizei kommt,
punkte für Straftaten gefunden ha- ich noch zwei Stunden auf der Wache lizist meinte, dass ich ihn vielleicht um uns zu kontrollieren. Sie haben
ben, in Ruhe gelassen? am Columbia Damm festgehalten. „Arschloch oder so“ genannt hätte. rassistische Vorurteile.
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.RASSISMUS UND POLIZEI.


3 Neben Obdachlosen, Prostituieren als Ausnahme und die Ursachen
und Linken werden vor allem Mig- können bei den einzelnen Polizisten
rant_innen (oder Menschen, die auf gesucht werden. Die Normalität, die
Grund ihres Aussehens zu „Nicht- rassistisch motivierte Übergriffe für
Deutschen“ erklärt werden) Opfer Betroffene darstellen, wird somit
von Polizeiübergriffen. Insbesonde- nicht wahrgenommen oder gar als
re dunkelhäutige Asylbewerber_in- Übertreibung und gezielte Diffamie-
nen berichten von fast täglichen rung der Polizei geleugnet.
Konfrontationen mit der deutschen Eine Scheinexekution, die
Polizei – von Schikanen, Beleidigun- 1994 Auslöser für den „Hambur-
gen und Gewalt. ger Polizeiskandal“ war, stellt zum
Glück die Ausnahme dar. Allerdings
Die Normalität ... berichten Betroffene, dass diskrimi-
Rassistisch motivierte Über- nierenden Beleidigungen eher die fenen spielt hier insbesondere das Die Realität zeigt, dass die Selek- Alltag für
Migrant_innen:
griffe durch Polizisten haben eine Regel als die Ausnahme sind, wenn Mittel der verdachts- und ereignis- tion dabei nach vermeintlich „Deut-
„verdachts-
große Bandbreite. Die öffentliche sie mit der Polizei zu tun haben. unabhängigen Polizeikontrollen im schen“ und „Nicht-Deutschen“ ge- unabhängige“
Wahrnehmung reduziert Gleichzeitig bleibt es häufig nicht bei Rahmen der so genannten Schlei- schieht und vor allem letztere ins Kontrollen
Betroffene berichten, sich allerdings auf wenige einer Beleidigung und so endet eine erfahndung eine wichtige Rolle. Visier der Polizei geraten.(3)
dass diskriminierende Einzelfälle: Diese sind so- einfache Personalienfeststellung Seit Mitte der 90er Jahre verfügen Die wenigen verfügbaren
Beleidigungen eher die Regel wohl durch massive kör- mit Schlägen und Tritten in einer die Bundes- und fast alle Länder- Daten zur Praxis der Schleierfahn-
als die Ausnahme sind, perliche Gewalt als auch dunklen Ecke bzw. im Streifenwagen polizeien mit dieser Befugnis über dung zeigen, dass diese nicht wie
wenn sie mit der Polizei eine eindeutige Beweis- oder führt zu einem stundenlangem die Möglichkeit Personen ohne kon- behauptet der Bekämpfung der
zu tun haben. lage gekennzeichnet und Aufenthalt in einer Gewahrsamszel- kreten Verdacht anzuhalten, nach organisierten Kriminalität dient:
erhalten so eine große le – manchmal sogar zu beidem.(2) ihrem Ausweis zu fragen und teil- Die „Erfolgsquote“ stellt sich nur
mediale Aufmerksamkeit. Insbeson- weise sogar zu durchsuchen. Nach deshalb ein, weil Asylbewerber_in-
dere die wenigen „Polizeiskandale“, ...hat juristischen dem Abbau der Grenzkontrollen zu nen aufgegriffen werden, die ge-
wie zum Beispiel der „Hambur- Background... Osteuropa soll somit die „illegale“ gen die Residenzpflicht – also den
ger Polizeiskandal“ aus dem Jahr Es wäre verkürzt, rassistisch Migration, sowie die grenzüber- Zwang sich in einem bestimmten
1994(1), prägen die öffentliche Wahr- motivierte Polizeigewalt nur außer- schreitende Kriminalität bekämpft Landkreis aufzuhalten – verstoßen
nehmung. Durch diese verzerrte halb der zulässigen Praktiken der werden. Auf Grund dieses Auftrages haben.(4) Vielmehr lassen diese Zah-
öffentliche Betrachtung der Proble- Polizei zu betrachten. Zunehmend setzt sich der Personenkreis, der len den Schluss zu, dass es sich bei
matik, die nur die extremen Ausma- erhält die Polizei Handlungsspiel- von diesen Maßnahmen betroffen der Schleierfahndung um ein Mittel
ße der rassistischen Polizeigewalt räume und -aufträge, die rassi- ist, nicht willkürlich zusammen, zur Kontrolle und Überwachung von
und nicht die alltäglichen Formen stische Praktiken ermöglichen oder sondern wird durch die Polizisten an Flüchtlingen und Migrant_innen
betrachtet, erscheinen Übergriffe gar voraussetzen. Für die Betrof- äußeren Merkmalen festgemacht. handelt.
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... und System der Debatte über die „Ausländer-


Sowohl die hohe Anzahl der kriminalität“ und der polizeilichen pflicht – wird es so für Flüchtlinge le zu nennen. Nach diesen in der
Fälle als auch die extremen Aus- Sonderkommissionen zu einzelnen, und Migrant_innen fast unmöglich, Öffentlichkeit ständig reproduzier-
maße der Gewalt lassen erahnen, ethnisch definierten Kriminalitäts- während ihres Aufenthalts nicht ten Stereotypen werden die poli-
dass es sich bei rassistisch mo- bereichen („AG Vietnam“ u.a.). gegen Gesetze zu verstoßen. zeilichen Sonderkommissionen ge-
tivierter Polizeigewalt bildet: So ist zum Beispiel eine „AG
Zunehmend erhält die Polizei nicht nur um Einzelfäl- Illegalisierung und ...Ethnisierung Vietnam“ für die Bekämpfung des
Handlungsspielräume und le handelt. Die Formen Kriminalisierung der Kriminalität Zigarettenschmuggels zuständig.(8)
-aufträge, die rassistische der Gewalt – Schikanen, der Migrant_innen ... Gleichzeitig werden in der Einerseits durch Existenz und
Praktiken ermöglichen Beleidigungen, körperli- Im Zuge der Debatte über öffentlichen Diskussion einzelne Arbeit solcher Sonderkommissio-
oder gar voraussetzen. che Gewalt – und insbe- die so genannte „Ausländerkrimina- Kriminalitätsbereiche bestimmten nen und andererseits durch die po-
sondere deren extremen lität“ wurde Migrant_innen generell
Ausmaßen – Scheinexekutionen eine höhere „kriminelle Energie“ zu [Foto: Christian Ditsch/version | www.version-foto.de]

und bis zum Tode prügeln – lassen gesprochen (wobei an bereits tradi-
sich nur durch einen massiven Ab- tionell vorhandene Vorurteile in der
bau von Hemmschwellen erklären. deutschen Gesellschaft angeknüpft
Die Ursachen dafür alleine in einer werden konnte). Dies wird durch
allgemeinen Gewaltbereitschaft in die zunehmende Illegalisierung und
der Gesellschaft oder in den indivi- Kriminalisierung von Flucht und
duellen Charaktereigenschaften der Migration unterstützt. Flüchtlinge
Polizisten zu sehen, ist, angesichts werden immer öfter nur noch als
der Vielzahl von Übergriffen und der „Asylbetrüger“ gesehen und durch
Tatsache, dass diese nahezu aus- die deutsche Flüchtlings- und Mi-
schließlich durch Kollektive(5) ausge- grationspolitik gezielt illegalisiert:
übt werden, nicht haltbar. Aber spä- Durch die Dritt-Staaten-Regelung
testens die institutionalisierte Form ist eine Flucht und Migration fast
der Übergriffe (von Gesetzen, die nur noch auf „illegalen Wegen“
rassistisch motivierte Polizeigewalt nach Deutschland möglich. Auch ist
fördern über die Deckung der Täter auf Grund einer fehlenden Arbeits-
durch Polizei und Politik erlaubnis(6) eine legale Beschäftigung
Einzelne Kriminalitätsbereiche bis zur Nicht-Verfolgung meist unmöglich. In Verbindung mit
werden bestimmten Gruppen und Nicht-Sanktionierung dem gekürzten Sozialhilfesatz und
von Migrant_innen zu ge- der Übergriffe) lassen den der Gewährung von Sachleistungen
schrieben und somit Rassismus in der Polizei statt Bargeld(7) werden Flüchtlinge
ethnisiert: „Polnische Auto- nur noch strukturell er- so beinahe gezielt in „illegale Be-
diebe“, „vietnamesische klären. schäfigungsverhältnisse“ getrieben.
Zigarettenschmuggler“, Dieser Erklärungsansatz In einigen Fällen wird sogar der Auf- Gruppen von Migrant_innen zu ge- lizeilichen Kriminalitätsstatistiken, Gedenken an
„afrikanische Dealer“ muss dabei auf der Wech- enthalt an sich illegalisiert und die schrieben und somit ethnisiert. So welche erfasste Kriminalität nach Oury Jalloh,
der im Dessauer
selbeziehung zwischen Menschen werden zu „Illegalen“ sprechen Medien und Politiker_in- ethnischen Kriterien aufschlüsseln,
Polizeigewahr-
dem Rassismus in der Polizei und gemacht. In Verbindung mit diver- nen von „vietnamesischen Ziga- werden rassistische Stereotypen sam starb
jenem in der deutschen Gesellschaft sen Straftaten, die nur Flüchtlinge rettenschmugglern“, „polnischen von den „kriminellen Ausländern“
aufbauen. Besonders deutlich wird begehen können, – wie zum Beispiel Autodieben“ und „afrikanischen in die Gesellschaft zurückgetragen
diese Wechselwirkung am Beispiel dem Verstoß gegen die Residenz- Dealern“, um nur einige Beispie- und verstärkt.
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Insbesondere die Rolle der tisch motivierter Polizeigewalt. Die
polizeilichen Kriminalitätsstatisti- meisten Übergriffe spielen sich
ken darf hierbei nicht unterschätzt im Rahmen der Bekämpfung von
werden. Indem diese die Kriminali- „Ausländerkriminalität“ ab. So be-
tät rein „objektiv“ erfassen und nach richtet die Antirassistische Initiative
ethnischen Kriterien aufschlüsseln, (ARI) aus Berlin von systematischen
werden soziale Hintergründe (Klein- Übergriffen mit unterschiedlichen
kriminalität als Überlebensökono- Eskalationsstufen gegen afrika- nen und der Polizei im Speziellen ren Lebensunterhalt nicht selber verdienen. In
mie gegenüber Veruntreuung und nisch und arabisch aussehende zu suchen ist. Der Rassismus wird den wenigen Fällen, in denen eine Arbeitser-
Korruption) und gesellschaftliche Menschen im Zuge der „Bekämp- also nicht einfach durch rassisti- laubnis erteilt wird, gilt eine Vorrangsprüfung:
Bezüge (Versicherungsbetrug als fung der Drogenkriminalität“ am sche Polizisten in die Polizei hinein Der Arbeitgeber muss nachweisen, dass kein
Volkssport) ausgeblendet. Deswei- Berliner Breidtscheidplatz, die sich getragen, sondern der Rassismus Deutscher oder EU-Bürger für den Arbeits-
teren geben diese nur ein verzerrtes über längeren Zeitraum erstreck- in Staat und Gesellschaft wird durch platz in Frage kommt.
Bild wieder: Das Migrant_innen – ten.(9) Aus anderen Städten ist ähn- die Polizei strukturell aufgegriffen, (7) Asylbewerber_innen erhalten keine nor-
auf Grund einer erhöhten Über- liches dokumentiert – zum Beispiel reproduziert und verstärkt. male Sozialhilfe bzw. Arbeitslosengeld II, son-
wachung und Kontrolle von, sowie eine Massenfestnahme von über dern Sozialleistungen nach dem Asylbewer-
durch speziellen Straftatsmerkma- 60 dunkelhäutigen Migrant_innen berleistungsgesetz (AsylbLG). Diese betragen
len (Verstoß gegen Residenzpflicht am Düsseldorfer Hauptbahnhof, an Fußnote weniger als 70 Prozent des normalen Arbeits-
u.a.) für sie – vermehrt die sich teilweise stundenlanges (1) Im September 1994 musste der Hambur- losengeld II-Satzes, also dem
Zusammenfassend lässt sich in der polizeilichen Kri- Polizeigewahrsam zur „Persona- ger Innensenator Werner Hackmann (SPD) geltendem Existenzminimum. Der Rassismus wird also nicht
zur Polizeilichen Kriminali- minalitätsstatistik auffal- lienfeststellung“ – trotz mitgeführ- zurücktreten, nachdem systematische Miss- Außerdem sollen diese bevor- einfach durch rassistische
tätsstatistik festhalten: len, zeugt nicht etwa von ter Ausweispapiere – anschloss.(10) handlungen von Migrant_innen auf Hamburger zugt als Sachleistungen anstatt Polizisten in die Polizei
Ein Stereotyp schafft sich einer höheren „kriminel- Insbesondere durch die Vorge- Polizeiwachen bekannt wurden. Zwei Wachen von Geldleistungen ausgegeben hinein getragen, sondern der
seine Statistik und die Statistik len Energie“ von „Nicht- hensweise der bayerischen Polizei wurden durchsucht und Dutzende Beamte werden. Dieses „Sachleistungs- Rassismus in Staat und
reproduziert ihren Stereotyp. Deutschen“ gegenüber werden Alltag und Zielrichtung der suspendiert. Ein parlamentarischer Untersu- prinzip“ bedeutet: Unterbrin- Gesellschaft wird durch
„Deutschen“, sondern Schleierfahndung entlarvt: Die- chungsausschuss wurde eingesetzt, der einen gung in Lagern, Kantinenessen die Polizei strukturell auf-
einzig von der Unzulänglichkeit der se fertigt „der Selektion dienende 1.200 Seiten starken Bericht vorlegte. oder Lebensmittelgutscheine, gegriffen, reproduziert und
polizeilichen Kriminalitätsstatistik. Fahndungsraster“ für die eigens (2) Dokumentiert unter anderem in den Be- Kleidung aus Kleiderkammern. verstärkt.
Nichts desto trotz dient diese häu- gebildeten Kontrolltrupps an, u.a. richten von amnesty international, Aktion Cou- Viele Betroffene verfügen über
fig als Beleg für das Konstrukt der für „Blitzeinbrüche durch rumä- rage e.V. und der Menschenrechskommission gar kein Bargeld oder höchstens über ein „Ta-
„Ausländerkriminalität“. Zusam- nische Tresorknacker oder polni- der Vereinten Nationen schengeld“ von 40 EUR pro Monat.
mengefasst lässt sich sagen: Ein sche Autoschieberbanden“ – Fahn- (3) Martina Kant: MigrantInnen im Netz der (8) Anja Lederer und Heinz Busch: Polizei-
Stereotyp schafft sich seine Statistik dungsraster also, mit denen nach Schleierfahndung, Cilip 65 (Nr. 1/2000) übergriffe auf AusländerInnen, in: Cilip 67
und die Statistik reproduziert ihren bestimmten Ausländergruppen ge- (4) ebd. (3/2000)
Stereotyp. sucht wird.(11) (5) Einer oder mehrere Täter und diverse Mit- (9) AntiRassismusBüro Bremen: „Sie behan-
wisser; näheres im Artikel: Der Polizeiüber- deln uns wie Tiere“ – Rassismus bei Polizei
In der Praxis Resümee griff und Justiz in Deutschland, S. 212f; Forschungs-
Das dieses Wechselspiel Abschließend lässt sich also (6) Asylbewerber_innen und Migrant_innen gesellschaft Flucht und Migration (Hg.), Heft 4
zwischen Rassismus in der Poli- festhalten, dass die Ursachen für mit dem Aufenthaltsstatus einer „Duldung“ (10) Aktion Courage – SOS Rassismus: Polizei-
zei und Rassismus in Gesellschaft rassistisch motivierte Übergriffe benötigten eine Arbeitserlaubnis, die ihnen die übergriffe gegen Ausländerinnen und Auslän-
und Staat nicht bloß theoretisch nicht nur bei den Tätern, sondern Ausländerbehörde meistens nicht ausstellt. der, Bonn 1996
bleibt, zeigt sich bei einem genau- in den rassistischen Strukturen von Sie dürfen also, selbst wenn sie ein Arbeitsan- (11) Martina Kant: MigrantInnen im Netz der
erem Blick auf den Kontext rassis- Gesellschaft und Staat im Allgemei- gebot haben, nicht arbeiten und können so ih- Schleierfahndung, Cilip 65 (Nr. 1/2000)
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[Foto: berlinfotos/(CC)BY-NC-SA.2.0]
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„Erst die Schläge,


dann die Antwort.“
3 Am 29. April 2005 stürmte gegen 23.30 Uhr ein SEK-Kommando die Wohnung
von Erdal R. (17), in der er gemeinsam mit seinen Eltern und Geschwistern
lebt. Er wurde beschuldigt am selben Abend Beteiligter eines bewaffneten
Raubüberfalles auf einen Pennymarkt gewesen zu sein. Von diesem Vorwurf
wurde er im März 2006 rechtskräftig freigesprochen. Im Zuge der Festnah-
me schlugen und traten die SEK-Beamten Erdal R. und fügten ihm so er-
hebliche Verletzungen zu. Obwohl er bis heute an den physischen und
psychischen Folgen des Polizeiübergriffes leidet, wurde das Verfahren gegen
die Täter eingestellt.

ADB: Frau Silke Studzinsky, sie haben de, bevor es dann weiter in die Wand
gerade ein Klageerzwingungsverfah- stieß und dort eine tiefe Einkerbung
ren wegen des Übergriffs durch das hinterließ. Nach weiteren Schlägen gen ihren Sohn vorliegt. Nach einiger arzt gerufen, da mein Mandant er- SEK bei der
SEK gegen ihren Mandaten, Erdal R., und Tritten wurde mein Mandant Zeit konnte die Mutter schließlich heblich verletzt war: Er hatte einen Arbeit: Räumung
des ehemals
angestrengt. Was passierte genau in schließlich auf den Boden gedrückt doch zu ihrem Sohn, wo es ihr dann herausgebrochenen Zahn, Hämato-
besetzten Hauses
der besagten Nacht? und gefesselt. gelang Fotos zu machen, wodurch me am ganzen Körper durch die Tritte „Yorck59“ in der
die Folgen des Übergriffs sehr gut und Schläge, eine blutende Nase und Yorckstraße in
Frau Studzinsky: Mein Mandant lag ADB: Wo waren die Eltern zu diesem dokumentiert ist. Im weiteren Ver- überall Schmerzen. Doch der eintref- Berlin
schlafend im Bett und wurde durch Zeitpunkt? Konnten sie ihrem Sohn lauf wurden dann noch einige Dinge fende Arzt kommentierte die Situation
Lärm geweckt. In dem Moment ging helfen oder irgendwie deeskalie- gesagt wie z.B. von einer Polizeibe- etwa sinngemäß mit: „Wie, der kann
schon die Tür des Zimmers auf und rend auf die Situation einwirken? amtin: „Hopp schneller, für so einen ja noch stehen! Also wir nehmen nur
mehrere bewaffnete und vermumm- wie dich haben wir keine Zeit, du Halbtote mit!“ Darauf hatten weder
te Polizeibeamte stürmten in sein Frau Studzinsky: Nein. Die Eltern Wichser!“ (Erdal war zu diesem Zeit- Erdal R. noch seine Eltern das Ver-
Zimmer. Sie schlugen und traten so- wurden mit vorgehaltener Waffe im punkt schon gefesselt und konnte trauen, ihren Sohn dort in Behand-
fort, während er noch im Bett lag, auf Schlafzimmer festgehalten. Sie hör- sich auf Grund der Schmerzen kaum lung zu geben. Sie sind dann erst
ihn ein. Ein Polizist war mit ten ihren Sohn schreien, doch auf die bewegen.) nach der Entlassung von der Wache
Auf Grund der psychischen einem Schild ausgestattet Frage was denn der Grund für die aus ins Krankenhaus gefahren.
Folgen des Übergriffs musste und wollte mit diesem auf Hausdurchsuchung sei, antworten ADB: Im Zuge der Festnahme kam
er seine Schullaufbahn Erdal R., der sich im Bett die Polizisten ihnen nur sinngemäß: es ja zu massiven körperlichen ADB: Wie war die Behandlung auf
abbrechen. aufgerichtet hatte, ein- „Erst die Schläge, dann die Ant- Übergriffen. Wie sahen die Verlet- der Wache?
schlagen. Obwohl dieser wort.“ Das heißt zum Zeitpunkt der zungen ihres Mandanten aus und
der vollen Wucht des Schlages ge- Festnahme und der Durchsuchung wurden sie medizinisch behandelt? Frau Studzinsky: Auf der Wache wur-
rade noch ausweichen konnte, traf wurde keinerlei Erklärung dazu ab- de dem gerade 17 Jahre alt geworde-
ihn das Schild am Schlüsselbein und gegeben, was der Grund des Eindrin- Frau Studzinsky: Noch in der Woh- nen Erdal R. gesagt, dass die Zelle
verursachte dort eine blutende Wun- gens ist oder welcher Tatvorwurf ge- nung wurde von der Polizei der Not- jetzt sein neues Zuhause sei und er
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ÜBERGRIFF sein Altes komplett vergessen könne. Ich hatte schon im September 2005 Frau Studzinsky: Die Aussagen
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Auf seine Frage, ob er wisse, warum viele Anträge gestellt, was noch alles der Polizisten widersprechen sich
er Schläge bekommen hatte, sag- ermittelt werden muss, doch wurde ganz erheblich: Zwei Polizisten be-
te ein Beamter zu ihm: „Weil du ein diesen im Wesentlichen nicht nachge- haupten, Erdal R. habe sich beim
schwarzhaariger Ausländer bist!“. gangen. Die Staatsanwaltschaft war Betreten des Zimmers nicht im
Nachdem er dann den Kassiererin- schlicht und ergreifend untätig und Bett befunden, sondern sei ihnen
nen des Pennymarktes gegenüber- die Akte blieb grob zusammengefasst entgegengekommen und so mit
gestellt wurde und diese ihn nicht als ein Jahr liegen bzw. wurde einfach im- dem Schild zusammengestoßen,
Täter identifizieren konnten, wurde mer nur hin und her geschickt. Hinzu wodurch auch die Verletzung am
Erdal R. um 2.00 Uhr in der Nacht kommt, dass die beschuldigten Poli- Schlüsselbein entstanden sein soll.
immer noch blutend auf die Straße zisten nur mit Codiernummern auf- Andere dagegen sagten aus, dass
gesetzt, wo ihn dann seine Eltern traten, obwohl es dafür keine gesetz- Erdal eindeutig im Bett lag, als sie
abholten und zur Erstbehandlung liche Grundlage gibt. Ich hatte zwar das Zimmer betraten. Dies bestäti-
ins Krankenhaus fuhren. Nachdem mehrfach beantragt, die Codierung gen auch die Fotos der Mutter, wo
er dort entlassen wurde, begab er aufzuheben oder eine Sperrerklärung eindeutig Blutspuren auf dem Bett
sich am nächsten Tag erneut wegen zu machen, doch es gab keine Reak- zu erkennen sind. Außerdem lassen
heftiger Schmerzen zur ambulanten tion. Ein Polizist wechselte sogar im sich die dokumentierten Verletzun-
Behandlung ins Krankenhaus. Am Laufe des Verfahrens seine Codier- gen, die sich am ganzen Körper be-
2.Mai erschien die Polizei bei ihm zu nummer, also soviel zur Eindeutigkeit finden, nicht mit den Aussagen der
Hause, um ihn aufzufordern, sich zur von Codiernummern. Schließlich wur- Polizisten in Einklang bringen. Die
Beobachtung sofort wie- de im Januar 2006 das Verfahren mit von ihnen beschriebenen angeblich
Die Staatsanwaltschaft war der ins Krankenhaus zu der Begründung eingestellt, die Aus- durchgeführten Handlungen kön-
schlicht und ergreifend begeben, da der Verdacht sagen der Polizeibeamten stünden nen die Verletzungen allerdings gar
untätig: Die Akte blieb ein auf Schädelbasisbruch be- den Angaben meines Mandanten wi- nicht verursacht haben.
Jahr liegen. stand. Dort konnte aber dersprüchlich gegenüber. Es sei nicht Beim Europäischen Gerichts-
zumindest der Schädelba- mit der für eine Anklageerhebung er- hof ist zwar keine Strafverfolgung
sisbruch ausgeschlossen werden. forderlichen Sicherheit festzustellen, auf nationaler Ebene zu erreichen,
An den psychischen Folgen wodurch die Verletzungen verursacht aber zumindest eine Entschädigung.
des Übergriffs leidet Erdal R. nach worden seien. Dagegen habe ich Be- Mit einer endgültigen Entscheidung
wir vor: Er hat Schlafstörungen und schwerde eingelegt. Dann wurde das ist allerdings erst in vielen Jahren
Konzentrationsprobleme. Er konnte Verfahren von der Generalstaatsan- zu rechnen.
seine Schule nicht mehr fortsetzen waltschaft endgültig eingestellt, wor-
und brach sie schließlich ab. auf ich beim Kammergericht ein Kla- Die Kampagne für Opfer rassistischer Poli-
zeigewalt [www.kop-berlin.de] unterstützt im
geerzwingungsverfahren eingereicht
Rahmen des Rechtshilfefonds Erdal bei der
ADB: Noch am 30. April er- habe, um eine Anklageerhebung zu Klage gegen die Polizisten. Dies kostet na-
statteten die Eltern Strafanzeige erreichen. Wenn dem nicht stattge- türlich Geld, viel Geld. Wir bitten daher um
wegen Körperverletzung gegen die geben wird, beabsichtige ich, Verfas- Spenden:
beteiligten Polizisten. Durch Fotos sungsbeschwerde zu erheben, um
Netzwerk Selbsthilfe e.V.
der Mutter waren die Folgen der dann schließlich zum Europäischen
Stichwort ‚Rechtshilfefonds‘
Übergriffe ja gut dokumentiert. Wie Gerichtshof gehen zu können. Bank für Sozialwirtschaft
war der Verlauf der Ermittlungen? BLZ 100 205 00
ADB: Was macht diesen Fall so Er- Konto 302 98 04
Frau Studzinsky: Die Ermittlungen folg versprechend? Und warum bis Nicht jeder SEK-Einsatz
wurden äußerst zögerlich geführt. zum Europäischen Gerichtshof? führt zu Verletzten:
Räumung der Straße von
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.28. deplatzierten Mülltonnen ZUM
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.POLIZEIÜBERGRIFFE
IM RECHTSFREIEN RAUM.
3 Egal ob es sich um Mord, Ein- Anzeigen – zu recht – sehr gering
bruch oder Handtaschen-Diebstahl ein. Einerseits herrscht bei vielen
handelt: Wir erwarten, dass die Tä- Betroffenen ein generelles Miss-

[Foto: Christian Ditsch/version | www.version-foto.de]


ter_innen ermittelt und bestraft, trauen gegen den Staat und seine
sowie die (potentiellen) Opfer ge- Institutionen vor, welches durch
schützt und entschädigt die Erfahrung des Polizeiübergriffs
Migrant_innen, die die werden. Dieser Anspruch noch verstärkt wird. Andererseits
deutsche Flüchtlingspolitik be- muss gerade dann gel- ist gleichzeitig die Beweislage häu-
reits in die Illegalität gedrängt ten, wenn es sich um eine fig sehr schlecht: Während nämlich
hat, müssen sogar bereits „Straftat im Amt“ handelt auf der einen Seite unabhängige
mit Abschiebung – also die Täter selber Re- Zeug_innen fehlen, decken sich auf
rechnen, wenn sie nur präsentanten des Staates der anderen Seite die Polizeibeam-
versuchen, den Übergriff bei sind. Wie es bei Übergrif- ten gegenseitig.
der Polizei anzuzeigen. fen durch Polizisten der Zweitens drohen für die
Fall ist. Betroffene / den Betroffenen und
Doch müssen Opfer von Poli- eventuelle Zeug_innen weitere Nach-
zeiübergriffen allerdings fest- teile: Auf eine Anzeige wegen einem
stellen, dass dieser – zu Recht Polizeiübergriff folgt zumeist
formulierte – Anspruch bei Über- sofort eine Gegenanzeige durch
griffen durch Polizisten nicht erfüllt die beschuldigten Polizisten. So Doppelte Diskriminierung Im Berliner Abschiebegefängnis Gelungene
wird. Eine konsequente Verfolgung wird mittels einer Anzeige wegen Während deutsche Staats- Grünau wurden in der Vergangen- Öffentlich-
keitsarbeit und
und Sanktionierung der Übergriffe Widerstand gegen Vollstreckungs- angehörige durch eine Gegenanzei- heit häufig Betroffene und Zeug_
Persiflage gegen
findet nur in den wenigsten Fällen beamte im nachhinein der Über- ge meistens „nur“ eine Geldbuße innen von Polizeiübergriffen kurz die doppelte
statt. griff legitimiert. Außerdem werden zu befürchten haben, stellen diese nach der Anzeige abgeschoben. Menschenjagd
die Betroffenen und Zeug_innen, für Flüchtlinge einen essentielle Außerdem berichten Flüchtlinge der Polizei:
Wo die Anzeige fehlt ... gegen die häufig der Vorwurf der Bedrohung dar. Eine Verurteilung häufig über vermehrte Diskrimi- Real und
denunzatorisch
In vielen Fällen scheitert Verleumdung oder falschen kann zu „aufenthaltsbeendenden nierungen in der Ausländerbe-
medial.
diese bereits an der fehlenden An- Verdächtigung erhoben wird, durch Maßnahmen“, dass heißt zur Ab- hörde, nachdem sie Polizisten Die offensicht-
zeige und/oder Beschwerde durch die Gegenanzeige eingeschüchtert. schiebung des Betroffenen, führen. angezeigt hatten. Diese struk- liche Persiflage
die Betroffenen oder Zeug_innen. Dies wird dadurch unterstützt, dass Migrant_innen, die die deutsche turelle Benachteiligung von folgten wiederum
Für die geringe Anzeigebereitschaft sich eine Anzeige durch Polizisten Flüchtlingspolitik bereits in die Il- Flüchtlingen stellt sich als be- umfangreiche
Ermittlungen
der Opfer sind vor allem zwei Grün- wegen Widerstands oder Beleidigung legalität gedrängt hat, müssen so- sonders gravierend dar, wenn
wegen Ver-
de verantwortlich: nur schwer widerlegen lässt – gar bereits mit Abschiebung rech- mensch bedenkt, dass gerade leumdung.
Erstens schätzen die Be- insbesondere wenn sie durch andere nen, wenn sie nur versuchen, den Migrant_innen verstärkt Opfer von
troffenen die Erfolgschance ihrer Polizisten gedeckt wird. Übergriff bei der Polizei anzuzeigen. Polizeiübergriffen sind.
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.33.
Ermittlungen gegen Täterdeckung
Kolleg_innen?!?
Wenn Betroffene sich trotz
statt Opferschutz
Das Resultat dieser Struktu- .ÜBERGRIFFE
WEGREFORMIEREN?
den schlechten Ausgangsbedin- ren der disziplinar- und strafrecht-
gungen entscheiden eine Anzeige lichen Nicht-Verfolgung und Nicht-
zu erstatten, garantiert dies noch Sanktionierung von Polizeiübergriffen
lange keine umfassende Aufklärung ist eindeutig: Nur in den wenigsten 3 Nachdem sich Berichte von Poli- Kontrollmechanismen und einer
und Verfolgung des Übergriffs. Die Fällen kommt es überhaupt bis zu zeiübergriffen im Laufe der 90er konsequenten juristischen Verfol-
Ermittlungen der Staatsanwalt- einem Gerichtsverfahren gegen die Jahre häuften und insbesondere gung, Übergriffe zu verhindern.
schaft sind meistens von Desinter- Polizisten. Eine Verurteilungen ist so durch Dokumentationen von Am- Zwar wurde die Polizei teilweise
esse gekennzeichnet, was sich auf gut wie ausgeschlossen. Wenn über- nesty international, Aktion Coura- reformiert, doch hat sich gerade an
die enge Zusammenarbeit und ge- haupt haben die Täter nur eine Geld- ge und der Menschenrechtskom- der Problematik von Polizeigewalt
genseitige Abhängigkeit von Staats- buße zu befürchten. Beispielhaft sind mission der Vereinten Nationen in nichts geändert.
anwaltschaft und Polizei zurückfüh- hier die Zahlen für die Jahre 1995 bis die breite Öffentlichkeit getragen
ren lässt.(1) Um eine reale Chance zu 2004 aus Berlin: Nur in 1,3 Prozent wurden, sind Forderungen nach Re- Aus- und Fortbildung
haben, muss der Betroffene selber der angezeigten Fälle kam es über- formen der Polizei laut geworden. Um Polizeiübergriffe nach-
unabhängige Zeug_innen und Be- haupt zu einer Anklage. Zu einer Ver- Als zentrale Probleme wer- haltig zu verhindern, ist es notwen-
weise finden. Kann er die- urteilung der Polizisten kam es nur den zum einen die Überforderung dig bereits bei der Aus- und Fortbil-
Diese erschreckend geringe se nicht vorweisen, steht in 0,4 Prozent.(2) der Polizisten in gesellschaftlichen dung der Polizisten anzusetzen. Da
Anzahl an aufgeklärten und seine Aussage gegen die Diese erschreckend ge- Konflikten und die Überlastung im die Gesellschaft sich immer stär-
sanktionierten Fällen zeigt, Aussage von einem oder ringe Anzahl an aufgeklärten und Polizeialltag, die zu Stress und Frust ker und schneller verändert, ist es
dass Schläger in Uniform so gar mehreren Polizisten, sanktionierten Fällen zeigt, dass führen, genannt; zum anderen die erforderlich, dass auch
gut wie gar nichts zu woraufhin die Staatsan- Schläger in Uniform so gut wie gar gesellschaftliche Abschottung des die Polizei diese Verän- Zwar wurde die Polizei teil-
befürchten haben. Eine waltschaft das Verfahren nichts zu befürchten haben. Eine Polizeiapparats und die daraus re- derungen berücksichtigt weise reformiert, doch hat sich
Ahndung von Übergriffen stellt meist einstellt. Dem_der Ahndung von Übergriffen stellt die sultierende Cop Culture; zuletzt die und sich ihnen anpasst. gerade an der Problematik von
die absolute Ausnahme dar. Betroffenen bleibt nur absolute Ausnahme dar. Unabhän- fehlende juristische Verfolgung der Doch steht diesem die Polizeigewalt nichts geändert.
noch die Möglichkeit ei- gige Kontrollen der Polizei und eine Übergriffe, was auf fehlende Trans- Realität der weitgehend
nes Klageerzwingungsverfahrens, Beschwerdestelle für Bürger_innen parenz und Kontrolle zurückgeführt von der Gesellschaft abgeschotte-
das allerdings nur in wenigen Fällen (und Polizisten) fehlen genauso wie wird. (mehr hierzu im Artikel: Ein ten Aus- und Fortbildung entgegen,
erfolgversprechend ist. ein Schutz für und eine Unterstüt- Versuch der Erklärung) da sie das Einbringen von neuen
Die disziplinarrechtliche zung von Opfern und Zeug_innen, Menschenrechtsorganisatio- Erkenntnissen und Lerninhalten
Ahndung der Übergriffe verläuft die Polizisten anzeigen oder gegen nen, linke Parteien und Organisatio- erheblich erschwert. Damit neue
vergleichbar schlecht: In den we- diese aussagen. nen fordern deshalb einerseits eine soziologische Erkenntnisse einflie-
nigsten Fällen wird überhaupt ein praxisorientierte Aus- und Fortbil- ßen können, wird gefordert, dass
Disziplinarverfahren angestrengt. Fußnote dung der Polizisten, um sie besser der Unterricht durch Lehrkräfte von
Kommt es doch zu einem Dis- (1) Während die Polizei nicht selber Anklage auf Konflikte im polizeilichen Alltag außerhalb durchgeführt wird.
ziplinarverfahren, so ist die Ermitt- erheben kann, kann die Staatsanwaltschaft vorzubereiten. Andererseits erhof- Des weiteren ist es wich-
lungstätigkeit der Polizisten gegen nicht selber ermitteln. fen diese sich durch erhöhte Trans- tig Ausbildungsinhalte nicht auf
ihre eigenen Kollegen meist nicht (2) Michael Kronewetter: „Schläger mit parenz und Kontrolle der Polizei Rechtskunde und das sture Aus-
sehr intensiv. Staatslizenz“, junge Welt, 19.01.2006 – zum Beispiel mittels einer indivi- wendiglernen von Paragraphen und
duellen Kennzeichnungspflicht – , Tatbestandsmerkmalen zu konzen-
die Verbesserung innerpolizeilicher trieren, sondern den Schwerpunkt
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Dabei sollen insbesondere der Um- wenn mensch bedenkt, dass Ver-
gang mit gesellschaftlichen Min- fahren gegen Straftäter in Uniform
derheiten und Randgruppen thema- häufig daran scheitern, dass diese
tisiert und Handlungsmuster geübt nicht zu identifizieren sind und sich
werden. Der Schwerpunkt solcher hinter dem Kollektiv ver-
Fortbildungen sollte, in Anbetracht stecken können. Damit Grundsätze der Demokratie,
des erschreckenden Ausmaßes aber im Dienst begangene wie Transparenz und Kontrolle
von Übergriffen auf Personen mit Straftaten rechtliche Kon- müssen auch in der Polizei
(vermeintlichem) Migrationshinter- sequenz haben, ist eine umgesetzt werden.
grund, auf die Verbesserung inter- stetige Kontrolle der Po-
kultureller Kommunikation gelegt lizei von Nöten. Zwar existieren be-
werden. Zur Stärkung der inter- reits interne Kontrollmechanismen,
kulturellen Kompetenz, sowie der wie zum Beispiel die Möglichkeit der
Toleranz für andere Kulturen und Dienstaufsichtsbeschwerde, doch
Lebensweisen müssen bestehende sind diese nur Makulatur. Dies zeigt
Vorurteile reflektiert und andere sich spätestens angesichts der Dis-
Kulturen und Lebensweisen in der krepanz zwischen der hohen Anzahl
persönlichen Begegnung kennen- von Übergriffen und den wenigen
gelernt werden. Hierzu wäre insbe- darauf folgenden Disziplinarverfah-
[Foto: Christian Ditsch/version | www.version-foto.de]
sondere ein erhöhter Anteil von Po- ren, die fast nie zu wirklichen Sank-
lizisten mit Migrationshintergrund tionen führen. Disziplinarordnungen
Symbolische der Ausbildung auf sozialwissen- sondern in Form von Seminaren in hilfreich. und Beamtengesetze greifen zu kurz
„Razzia“ bei der schaftliche, verfassungsrechtliche, öffentlichen Bildungseinrichtungen und haben keine präventive Wirkung
PDS durch Antifa-
gesellschaftliche sowie psychologi- durchgeführt werden. Insbesonde- Transparenz und Kontrolle – insbesondere verhindern sie keine
schistInnen 2004.
Dezenter Hinweis sche Inhalte zu setzen, damit die Be- re der Ausbau von Stressbewälti- Neben Reformen, die sich Übergriffe.
auf politische amten ihr eigenes Handeln in einen gungstrainings, die den reflektierten auf die polizeiliche Aus- bzw. Fort- Polizisten können nicht ge-
Verpflichtung größeren gesamtgesellschaftlichen Umgang mit Belastungssituationen bildung beziehen und somit primär gen Polizisten ermitteln, weil sie
der parlamenta- Zusammenhang stellen können. fördern, psychologische Beratung Polizeiübergriffe präventiv verhin- ebenso wie die Staatsanwaltschaft
rischen Kontrolle
Die Vermittlung und Steigerung der und Betreuung der Polizisten und dern sollen, ist es vor allem wich- ein Teil des Systems sind. Um eine
der Exekutive.
sozialen Kompetenz soll in der Aus- Supervision(1), sollen Stress und tig, dass Polizeiarbeit offen und wirkliche weitreichende Kontrolle
bildung den gleichen Stellenwert Frust als Ursache von Übergriffen nachvollziehbar ist. Grundsätze der der Polizei zu erreichen
erhalten, wie die Vermittlung von entgegenwirken. Demokratie, wie Transparenz und ist es notwendig, eine Zwar existieren bereits
Fach- und Rechtswissen, damit das Neben Stressbewältigungs- Kontrolle müssen auch in der Poli- von der Gesellschaft kon- interne Kontroll-
Aufgabenverständnis für die helfen- trainings und Supervision sind zei umgesetzt werden. trollierte, unabhängige mechanismen, doch sind
de, ordnende, ausgleichende und ebenfalls Fortbildungen zur The- Gerade, die von linksliberaler Polizeikommission einzu- diese nur Makulatur.
konfliktlösende Funktion der Polizei matik Konfliktbewältigung und Seite geforderte individuelle Kenn- setzen, die über weitrei-
gestärkt wird. Dialogbereitschaft von besonde- zeichnungspflicht, entspricht dem chende Befugnisse verfügt, wie sie
Um eine Eigendynamik im rer Bedeutung für die alltägliche demokratischen und rechtsstaat- bereits in einer Reihe von Staaten
Polizeialltag zu verhindern, wird Polizeiarbeit. Durch die ausführliche lichen Prinzip. Die Notwendigkeit existiert (z.B. der Menschenrechts-
eine kontinuierliche und praxisori- Vermittlung kommunikativer Basis- einer solchen Kennzeichnung, wie beirat in Österreich oder die Police
entierte Fortbildung der Polizisten fertigkeiten in Theorie und Praxis, zum Beispiel durch Namensschilder Complaints Authority in Großbritan-
gefordert. Dabei soll auch diese soll die Fähigkeit zum Dialog und oder einem individuellen Zahlen- nien). Eine Empfehlung an Deutsch-
kein polizeiinterner Bereich sein, der Konfliktlösung gestärkt werden. code, wird besonders dann deutlich, land zur Einrichtung einer solchen
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„Demonstrationsfreiheit
muss immer öfter mit
Blessuren bezahlt werden.“
3 Am 26. Oktober 2005 fand eine Demonstration in Berlin/Unter den Linden
gegen den Großen Zapfenstreich der Bundeswehr statt. Diese wurde einige
hundert Meter vor dem genehmigtem Ort der Abschlusskundgebung durch
Polizeieinheiten und sog. „Hamburger Gitter“ gestoppt. Kurz darauf ging die
Polizei mit Schlagstockeinsatz gegen die Demonstrant_innen vor. Dabei kam
es zu massiven Übergriffen durch Bereitschafts- und Zivilpolizisten. Mehrere
Demonstrant_innen wurden schwer verletzt. Wir sprachen mit Sven Richwin
vom Republikanischen Anwältinnen- und Anwälteverein (RAV) Berlin, der
zwei Betroffene vertritt.

ADB: Was ist genau geschehen? Linden/Schadowstr. durch massive


Polizeikräfte und sog. „Hamburger
RA Richwin: Bereits vor dem eigent- Gitter“ gestoppt. Direkt vor der Ab-
lichen Start der Demonstration sperrung befand sich der vordere
ging die Polizei gegen mehrere Teil- Teil des Demonstrationszuges so-
Technischer unabhängigen Kontrollkommission trollkommission in ihren operativen nehmer einer antimilitaristischen wie ein Lautsprecherwagen der Ver-
Hilfspolizist zur wurde auch schon bereits vom UN- Tätigkeiten unabhängig sein und Theateraufführung vor, welche anstalter. Kurz nach der Ankunft der
Umsetzung der
Menschenrechtsausschuss ausge- sollte in enger Zusammenarbeit sich u.a. mit alten Stahlhelmen und Demo an der Polizeisperre spran-
Überwachungs-
und Kontroll-
sprochen. Damit diese aber nicht mit Menschenrechtsorganisationen Phantasieuniformen kostümiert hat- gen plötzlich Beamte der
gesellschaft wieder zu einem „systemintegrier- stehen. Zwar wurde bereits 1998 in ten. Dieses wurde seitens der Polizei Bereitschaftspolizei über Obwohl selten ein Polizei-
ten“ Kontrolleur wird, sollte eine Hamburg eine sogenannte Polizei- als „passive Bewaffnung“ gewertet die Absperrgitter. Unter übergriff ähnlich umfassend
solche Kommission personell und kommission eingerichtet, die aber und die Aufführung unterbrochen. Knüppelschlägen mehre- mittels Photos, Zeugenaus-
finanziell unabhängig sein und un- 2001 durch den damaligen Innense- In der Folge ergab sich dann das rer Beamter wurden die sagen und Videomitschnit-
mittelbar dem Parlament und nicht nator Roland Schill wieder aufgelöst absurde Bild, dass „falsche“ Unifor- Teilnehmer der Kundge- ten erfasst werden konnte,
den Innenbehörden unterstehen. wurde. mierte von „richtigen“ Uniformier- bung ohne erkennbaren behauptet die Staatsanwalt-
Damit es letztendlich auch zu einer ten“ weggeführt wurden. Grund zurückgedrängt. schaft, es läge keine lücken-
wirklichen Aufklärung von übermä- Die eigentliche Demonstrati- Einige Demonstrant_in- lose Dokumentation vor.
ßiger Polizeigewalt kommt, muss Fußnoten on startete etwa gegen 19.00 Uhr am nen wurden dadurch ver-
eine solche Kommission den unein- (1) Die deutsche Wikipedia erklärt Supervision Alexanderplatz und sollte als Ziel letzt, insbesondere als ein Teil der
geschränkten, ggf. auch unange- folgendermaßen: „Supervision begleitet Ein- letztlich gegen 20.00 Uhr den Pari- Bereitschaftspolizisten sich unter
meldeten Zugang zu den Akten, den zelne, Teams, Gruppen und Organisationen bei ser Platz/Unter den Linden als Ort Knüppelschläge ein Weg einmal
Diensträumen und den dienstlichen der Reflexion und Verbesserung ihres berufli- der Abschlusskundgebung errei- quer bis hinter die Demo „bahnte“.
Verrichtung der Polizei erhalten. chen oder ehrenamtlichen Handelns.“ (vom 19. chen. Der Demonstrationszug wurde Als sich die Situation bereits
Prinzipiell muss eine Polizeikon- Februar 2007) aber bereits an der Ecke Unter den wieder etwas beruhigt hatte, stürzte
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[Foto: Rasloff
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dere mit Prellungen und Brüchen im ähnlich umfassend mittels Photos,
Bereich der Arme und Handgelenke Zeugenaussagen und Videomit-
infolge von erhobenen Armen als schnitten erfasst werden konnte,
Schutz vor Schlägen sowie Kopf- behauptet die Staatsanwaltschaft,
platzwunden, falls sie sich nicht es läge keine lückenlose Dokumen-
schützen konnten. Mehrere Betrof- tation vor.
fene mussten in einen Kranken- In weiten Teilen liest sich
transporter gelegt und „geschient“ die Einstellungsverfügung wie ein
werden. hilfloser Rechtfertigungsversuch
des Beamten: Das Geschehen sei
ADB: Die juristische Realität zeigt „turbulent“ gewesen, der Beamte
ja leider immer wieder, dass Tä- „überrascht“, der Beamte hätte sich
ter, wenn es sich dabei um Polizis- angesichts der „allgemeinen Ge-
ten handelt, keine Verurteilung zu räuschkulisse“ sowie der „mäßigen
fürchten haben. Kam es angesichts Beleuchtung“ kein „zutreffendes
der schweren Verletzungen und des Bild von der Sachlage“ verschaffen
großen medialen Interesse zu einer können. Übersehen wird dabei al-
Ausnahme von dieser erschrecken- lerdings, dass es die schlagenden
den Normalität? Zivilbeamten waren, die die „über-
raschende Situation“ erzeugten.
RA Richwin: In der Folge gab es eine Warum der Zivilbeamte mit seinem
„Zapfenstreich plötzlich ein Zivilpolizist nach vorne zurückzudrängen. Die Leute dort ganze Reihe von Ermittlungsverfah- Tonfa, einem besonders
abpfeifen! und begann unvermittelt mit sei- konnten jedoch gar nicht weiter zu- ren gegen beteiligte Polizeibeamte, verletzenden Schlagstock, Der nette Polizeibeamte,
Demonstration, nem Tonfa wahllos auf die vor ihm rückweichen, da sie unmittelbar vor sowohl der zivilen Einsatzgruppe als gegen die Demonstranten der noch gestern den
Oktober 2005,
stehenden Leute einzuschlagen; In dem Lautsprecherwagen standen. auch der Bereitschaftspolizei wegen vorging, ohne dass er sich Verkehrsunfall aufnahm,
Unter den Linden.
Ruhe vor dem späteren Fernsehaufnahmen konn- Zudem versuchten sie bereits, sich Körperverletzung und unterlasse- ein „zutreffendes Bild von tritt einem plötzlich als
Strum ten mehr als ein Dutzend wuchtige vor den Schlägen des ersten Zivil- ner Hilfeleistung. Zwei Geschädigte der Sachlage“ hatte ver- martialische Ritterrüstung
Drehschläge in Kopfhöhe gezählt beamten zu schützen, als sie nun wurden dabei durch mich vertreten. schaffen können, von der entgegen.
werden. Die Szene wurde durch auch noch von der Seite angegan- Einer erhielt im Vorbeilaufen einen Staatsanwaltschaft auch
zahlreiche Veröffentlichungen in den gen wurden. Schlag eines Bereitschaftspolizis- noch als Rechtfertigung angese-
Medien von Bild bis RBB dokumen- ten. Dieses Verfahren wurde relativ hen wird, ist nicht nachzuvollziehen.
tiert und sorgte für große öffentliche ADB: Wie viele Verletzte hat dieser schnell von der Staatsanwaltschaft Ein Vorgehen nach dem Motto „erst
Erregung. Polizeieinsatz gefordert und wie sa- eingestellt, da der Beamte mangels Handeln, dann Überblick verschaf-
Während dieses Vorganges hen die Verletzungen aus? Kennzeichnung letztlich „nicht zu fen“, welches verletzte Demonst-
zogen sich die uniformierten Beam- identifizieren“ war. rant_innen zurücklässt ist schon
ten weiter zurück und sahen taten- RA Richwin: Ein genauer Überblick Nach über einem Jahr wur- starker Tobak.
los zu. Plötzlich kam ein weiterer über die Anzahl der Verletzten ist de Ende Februar 07 nun auch über- „Das Vorgehen des Zivilbe-
Zivilbeamter hinzu, ebenfalls mit naturgemäß schwierig, da es ja raschend das Verfahren gegen den amten war in der Art und im Aus-
einem Tonfa bewaffnet. Statt seinen keinen zentralen Punkt gibt, wo sich „zweiten“ Zivilbeamten – dessen maß atypisch“ schreibt die Staats-
Kollegen an weiteren Schlägen zu Verletzte melden. Nach Angaben Name immerhin bekannt war – ein- anwaltschaft. Der vorliegende
hindern, versuchte er seinerseits eines dort eingesetzten Sanitäters gestellt. Dieser hatte einen anderen Ausgang entsprechender Ermitt-
die seitlich stehenden Demonst- wurden von seinem Team etwa ein Mandanten am Handgelenk verletzt. lungsverfahren wegen Körperver-
ranten unter Einsatz seines Tonfas Dutzend Leute behandelt, insbeson- Obwohl selten ein Polizeiübergriff letzung im Amt mittels Einstellung
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ist es leider nicht. „Abgerundet“ ter sei „nach dem Prügeln sofort
wird die juristische Deckung noch versetzt“ worden. Schlagzeilen in
dadurch, dass zwischenzeitlich ein den Boulevardzeitungen wie „Ber-
Fotograf, der die Polizeimaßnah- liner Polizei ermittelt gegen diesen
men gegen die Schauspieltruppe zu Prügel-Polizisten“ (Bild) oder „Poli-
Beginn der Demo fotografierte und zisten sahen beim Prügeln tatenlos
veröffentlichte, wegen Verstoßes zu – Ermittlungen gegen Beamte“
gegen das Persönlichkeitsrecht des (Berliner Zeitung) führten tatsäch-
einschreitenden Polizeibeamten lich zu Beruhigung der Öffentlich-
vom Berliner Landgericht zu einer keit. Auch die Opposition war nun
erheblichen Geldstrafe verurteilt wieder besänftigt: „Der Polizeiprä- Tätigkeit bei der Bereitschaftspoli- nur noch skandalisiert, wenn durch
wurde. Daraus ergibt sich nach wie sident hat richtig gehandelt“ lobte zei zu bewähren“. Wenn selbst ein diese ein größeres, „bürgerlicheres“
vor die Situation, dass einerseits Po- der Fraktionsvorsitzende der Grü- derartiger „Karriereweg“ eine so Spektrum betroffen wird. Grade an
lizeibeamte mangels ausreichender nen im Abgeordnetenhaus, Volker massive Gewaltanwendung gegen Friedens- oder Sozialprotesten neh-
Dokumentation der Übergriffe nicht Ratzmann in der „Berliner Zeitung“. ungeschützte Personen nicht aus- men Menschen teil, die sich nicht
verurteilt werden, andererseits aber „Der Polizeipräsident ist auf gutem schließen kann, liegt es letztlich in unbedingt jedes Wochenende auf
gegen diejenigen vorgegangen wird, Wege“ freute sich die „taz“. der Hand der politischen Entschei- Antifa-Demonstrationen bewegen.
die eine derartige Dokumentation Gegen die „schwarzen Scha- dungsträger, entsprechende Spezi- Regelrecht geschockt wird dann sei-
erst ermöglichen. fe“ wird vorgegangen, das grund- alkräfte nicht mehr inflationär bei tens dieser Menschen oft erstmals
Das letzte Wort bezüglich sätzliche Einsatzkonzept jedoch jeglichem Demonstrationsgesche- realisiert, dass die Wirklichkeit mit
der Einstellung ist jedoch noch nicht nicht in Frage gestellt. Dabei ist zum hen einzusetzen. Dass es darüber der Vorstellung des Grundgesetzes
gesprochen. Derzeit läuft das Be- einen zu fragen, warum derartige auch unter einem rot-roten Senat von der Freiheit der Demonstrati-
schwerdeverfahren bei der Gene- Demonstrationen in Berlin inzwi- weder eine Debatte noch entspre- onsausübung manchmal nicht mehr
ralstaatsanwaltschaft und danach schen routinemäßig von martialisch chende „Signale“ gibt, kann nur als viel zu hat. Der nette Polizeibeamte,
besteht noch die Möglichkeit eines wirkenden Einsatzhundertschaften Rückendeckung für Polizeieinsätze der noch gestern den Verkehrsunfall
Klageerzwingungsverfahrens. „hautnah“ begleitet werden. Zum verstanden werden, bei denen die aufnahm, tritt einem plötzlich als
anderen, welche Feinbilder in der Demonstrationsfreiheit immer öf- martialische Ritterrüstung entge-
ADB: Wie haben Polizeiführung Polizeiausbildung vermittelt wer- ter mit Blessuren bezahlt werden gen. Da wird geschoben und geboxt,
und Politik auf diese Übergriffe re- den, wenn ein hochausgebildeter muss. gefilmt und beleidigt, ein Szenario
agiert? Beamter des Mobilen Einsatzkom- der Einschüchterung aufgebaut. Wer
mandos (MEK) scheinbar in „Privat- ADB: Leider ist das öffentliche In- sich die Pressefotos der Übergriffe
RA Richwin: Wie immer, wenn es zu initiative“ ein Dutzend mal auf unge- teresse an Polizeigewalt normaler- bei der Zapfenstrich-Demo anguckt,
offensichtlichem unverhältnismäßi- schützte Demonstranten einschlägt. weise gering. Warum war die öffent- sieht in schreckensgeweitete Augen
gem Schlagstockeinsatz der Polizei Laut Information des „Tagesspiegel“ liche Aufregung in diesem Fall so der Teilnehmer, sichtlich geschockt
kommt, zeigen sich die polizeilichen soll der zuerst agierende Zivilbe- groß? von der plötzlichen Gewalterfah-
und politischen Führungsträger amte gar vor seinem Einsatz in ei- rung wie alle Gewaltopfer. Dass
„erschrocken“ über die „Ausraster ner Führungsposition, nämlich als RA Richwin: Während Teilneh- die Empörung über das erlittene
einzelner“ Beamten. Im diesem Fall stellvertretender Zugführer der mer_innen von linken Szene-De- Unrecht in eine Vielzahl von Anzei-
ging die polizeiliche Führung sofort Bereitschaftspolizei, tätig gewesen monstrationen sich zynischerweise gen und Zeugenaussagen mündete
in die PR-Gegenoffensive und ver- sein. Er sei deshalb zur AOD (Spe- schon fast an ihre Gesundheitsge- zeugt von einem Rest von Vertrauen
kündeten noch am nächsten Tag, zialeinheit „Aufklärung/Operative fährdung aufgrund ihrer Teilnahme in die Ermittlungsbehörden, die Ein-
dass gegen die prügelnden Beam- Dienste“ des MEK) abgeordnet wor- „gewöhnt“ haben, werden überzo- stellungen der Verfahren wird davon
ten ermittelt werde, ein Zivilbeam- den sein „um sich für eine höhere gene polizeiliche Maßnahmen fast nicht viel übrig lassen.
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DER POLIZEI UND ÜBERGRIFFEN.
3 Im Laufe dieser Broschüre wurden destens gefördert werden, kann nur
diverse individuelle Schwächen von unzureichend erklärt werden.
Polizisten und strukturelle Mängel Bei der Betrachtung des
im Polizeiapparat dargelegt, die Rassismus in der Polizei und ras-
Übergriffe fördern. Außerdem wur- sistisch motivierter Übergriffe ließ
den Reformvorschläge präsentiert, sich schon erahnen, dass eine Er-
mit denen Menschenrechtsorgani- klärung von Übergriffen allein durch
sationen, linke Parteien und Orga- individuelle und strukturelle Män-
nisationen hoffen, Übergriffe ver- gel zu kurz greift. Dort scheint auf,
hindern zu können. Doch angesichts dass Übergriffe nicht ein Betriebs-
der erschreckend hohen Zahl von unfall sind, sondern sich in andere
[Foto: Rasloff | Agentur Ahorn]
Übergriffen und der Routine, mit der – legale – Maßnahmen der Polizei
diese behandelt werden, stellt sich gegen Migrant_innen einordnen.
allerdings die Frage, ob die Ursa- Bei „verdachtsunabhängigen“ Kon- staatlicher Repression ist dabei diese ren Repressionsformen wird hier Protest lässt sich
chen für Übergriffe alleine mit indi- trollen war die direkte Verknüpfung zu schwächen und zu zerschlagen. besonders bei schikanösen Auflagen nicht wegspülen.

viduellen und strukturellen Mängeln mit Übergriffen – also der legalen Diese Aufgabe übernehmen haupt- für Demonstrationen, welche häufig
hinreichend erkannt sind. Schikane und der illegalen Gewalt sächlich der Verfassungsschutz, die als Anlass für einen Übergriff gegen
Bei solchen Erklärungen – deutlich zu Tage getreten. Wie Polizei und die Justiz. In diesem Kon- die Demonstration dienen, deutlich.
bleiben viele Fragen unbeantwortet sollen Übergriffe allerdings erklärt text stellen sich polizeiliche Über- Ob es unverhältsmäßige Tatvorwür-
und sämtliche Rahmenbedingun- werden, wenn nicht allein als Män- griffe nur als eine Facette staatlicher fe gegen Linke sind, die zu monate-
gen, die einen Übergriff erst ermög- gel der Polizei bzw. der Polizisten? Repression dar und reihen sich in die langer Untersuchungshaft und so
lichen, – von der Deckung anderen teils legalen, teils illegalen zu einer faktischen Bestrafung vor
Angesichts der erschreckend der Kollegen, über die Übergriffe und Mittel dieser ein. Dies wird deutli- dem eigentlichen Urteil führen – wie
hohen Zahl von Übergriffen Verharmlosung durch die staatliche Repression cher, wenn man es an konkreten im Fall Julia S. aus Potsdam, die mit
und der Routine, mit der diese Politik, bis zur Nicht-Ver- Das Verständnis von dem, Beispielen festmacht: dem Vorwurf des versuchten Mordes
behandelt werden, stellt folgung durch Staatsan- was polizeiliche Übergriffe darstel- Politisch aktive Menschen mehr als fünf Monate in U-Haft saß,
sich die Frage, ob die waltschaft und Justiz – len, wird in unseren Augen deutli- kennen polizeiliche Übergriffe vor al- weil ein Nazi ein paar Schrammen
Ursachen für Übergriffe scheinen bloß rein zufällig cher, wenn man diese im Kontext lem von Demonstrationen. Prügeln- abbekommen hatte(1); oder die Stür-
alleine mit individuellen und zusammen zu kommen. staatlicher Repression betrachtet. de Polizisten sind auf Demonstratio- mung und Auflösung einer Party,
struktruellen Mängeln Insbesondere warum Repression begreifen wir dabei als nen leider häufig eher die Normalität verbunden mit der Personalienfest-
hinreichend erkannt sind. Schläger in Uniform fast staatliches Vorgehen mittels Insti- als die Ausnahme, wenn der Protest stellung sämtlicher Gäste und der
nie eine diszipliarrechtli- tutionen gegen soziale Gruppen und einer sozialen und/oder politischen Durchsuchung mehrere Büroräume
che oder juristische Bestrafung zu Bewegungen, die sich bewusst oder Bewegung nicht nur symbolisch und Wohnungen (zum Teil auch ohne
befürchten haben und warum Über- unbewusst im Widerspruch zur herr- bleibt. Der Zusammenhang zwischen Durchsuchungsbefehl), im Vorfeld
griffe durch einige Gesetze zu min- schenden Ordnung befinden. Das Ziel polizeilichen Übergriffen und ande- der Bundestagswahl 2005, weil an-
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gekündigt worden war, dort mitge- rant_innen gesehen werden. Diese
brachte Plakate der rechtsextremen waren und sind nicht nur Opfer der
NPD gegen kostenlose Cocktails deutschen Flüchtlingspolitik und
eintauschen zu können(2): Alle diese des deutschen Rassismus, sondern
Formen staatlicher Repression ha- kämpfen auch selber für ihre Rechte
ben das Ziel, die Akteure und gegen Rassismus, Abschiebung
In diesem Kontext stellen sich und Sympathisant_innen und diskriminierende Sondergeset-
polizeiliche Übergriffe nur als sozialer Bewegungen ein- ze. Somit können auch rassistisch
eine Facette staatlicher zuschüchtern, die Bewe- motivierte Übergriffe teilweise als
Repression dar und reihen sich gung zu durchleuchten, in Repression gegen soziale Bewegun-
in die anderen teil legalen, der Anti-Repressionsar- gen verstanden werden.
teils illegalen Mittel dieser ein. beit zu binden und somit Diese Verknüpfung von Über-
diese zu schwächen bzw. griffen und staatlicher Repression
zu zerschlagen. ließe sich auch für andere von Über-
Auch bei rassistisch moti- griffen vermehrt betroffene Grup-
vierten Übergriffen wird die Verzah- pen (z.B. Prostituierte, Obdachlose)
nung der illegalen mit legalen Re- nachvollziehen, allerdings sollten
pressionsformen schnell deutlich. diese beiden Beispiele zur Verdeutli-
So gehen Übergriffen fast immer die chung reichen.
schikanösen und diskriminierenden,
aber legalen „verdachtsunabhängi- Das Bild wird klarer
gen“ Kontrollen voraus. Mit diesen Schienen anfänglich sämtli- fentlichkeit schaffen, die das polizei- scheinbar schon immer und über- Göteborg,
wird die Residenzpflicht überwacht, che Rahmenbedingungen, die einen liche Handeln hinterfragt. Übergriffe all vorhanden sind. Von Seiten der Juni 2001.
Während der
welche Asylbewerber_innen verbie- Übergriff erst ermöglichen, noch rein werden dann zur Belastung und nur Polizei und Politik wird dieser Um-
Prosteste gegen
tet ohne Erlaubnis ihren Landkreis zufällig zusammen zu kommen, muss in solchen Fällen werden diese juris- stand dazu genutzt, Übergriffe aus den dort statt-
zu verlassen und somit deren Bewe- dieses Bild nun revidiert werden. Be- tisch aufgearbeitet und hohe Strafen der Natur des Menschen heraus zu findenden
gungsfreiheit massiv ein- trachtet mensch polizeiliche Über- verhängt, um die Öffentlichkeit zu erklären und somit als nicht ver- EU-Gipfel
Grundsätzlich werden Über- schränkt. Aber auch die griffe als Teil staatlicher Repression, beruhigen. Das AntiRassismusBüro hinderbar zu verharmlosen. Aller- schiessen
schwedische
griffe als Mittel der Repression vielen anderen Sonderge- wird deutlich, dass notwendige Rah- Bremen (ARAB) hat am Beispiel des dings wird nun deutlich, dass – wenn
Polizisten.
zur Aufrechterhaltung der setze für Flüchtlinge und menbedingungen geschaffen werden Bremer „Folterskandals“ aus dem mensch Repression als elementaren 3 Schwer-
herrschenden Ordnung in Kauf Migrant_innen stehen in müssen, damit polizeiliche Übergrif- Jahr 1992 gezeigt, dass der daraus Bestandteil des bürgerlichen Staates verletzte bleiben
genommen – prolematisch direktem Zusammenhang fe ihre Funktion als Teil staatlicher resultierende Verlust der informellen erkennt – polizeiliche Übergriffe als zurück. Ein
werden sie erst, wenn sie sich mit polizeilichen Übergrif- Repression erfüllen können. Das Gewaltanwendung in Form von Über- ein konkretes Mittel der Repression Antifa-Aktivist
aus der BRD
zu einem Skandal ausweiten fen, haben diese doch alle geringe Verfolgungsinteresse der griffen mit erweiterten legalen Mit- notwendiger Bestandteil des bürger-
erleidet einen
und somit eine kritische das gemeinsame Ziel, den Justiz erklärt sich, wenn mensch er- teln der Gewaltanwendung – damals lichen Staates sind. Selbstverständ- Bauchschuss.
Öffentlichkeit schaffen, Aufenthalt in Deutschland kennt, dass der Staat Übergriffe nicht der zwangsweise Verabreichung von lich unterscheiden sich Art und Um-
die das polizeiliche Handeln so schrecklich wie mög- grundsätzlich ablehnt. Grundsätzlich Brechmitteln – kompensiert werden fang von polizeilichen Übergriffen in
hinterfragt. lich zu machen, um eine werden diese als Mittel der Repres- kann.(4) unterschiedlichen Jahrzehnten und
„freiwillige“ Ausreise(3) zu sion zur Aufrechterhaltung der herr- Eine weitere offene Frage Ländern. Dies resultiert allerdings
erreichen. Gleichzeitig müssen ras- schenden Ordnung in Kauf genom- war, warum Übergriffe durch Po- einzig aus den Unterschieden der
sistisch motivierte Übergriffe auch men – problematisch werden sie erst, lizisten nicht nur in bestimmten sozialen Gruppen und Bewegungen,
im Kontext von Protesten und Wi- wenn sie sich zu einem Skandal aus- Jahrzehnten und Revieren, Städten die sich im W iderspruch zur jeweils
derstand von Flüchtlingen und Mig- weiten und somit eine kritische Öf- oder Ländern vorkommen, sondern herrschenden Ordnung befinden,
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und den zur Verfügung stehenden Polizisten das Wesen polizeilicher
anderen Formen der Repression. Übergriffe überhaupt nicht bewusst
Selbstverständlich können bürgerli- sein, damit er die Funktion polizeili-
che Demokratien widersprüchliche cher Übergriffe richtig umsetzt.
Interessen besser integrieren als au- In diesem Kontext stellt sich
toritäre Regime und benötigen daher natürlich die Frage, wie sich polizei-
weniger direkt Repression zur Auf- liche Übergriffe in die anderen For-
rechterhaltung der herr- men der Repression einordnen und
Repression hat das Ziel schenden Ordnung – das wie diese sich von jenen unterschei-
Menschen einzuschüchtern, System ist allerdings das den. Entscheidend ist hierbei, dass
zu vereinzeln und damit ein Selbe. Daher erscheint es polizeiliche Übergriffe im Gegensatz muss es sein, Betroffene nicht alleine Fußnoten
abschreckendes Beispiel für schizophren, wenn deut- zu vielen anderen Mitteln eindeutig dastehen zu lassen, die Folgen des (1) Genauere Informationen zum Verfah-
Andere zu liefern. Diesem sche Politiker_innen poli- illegal sind – auch wenn im kon- Übergriffs für sie_ihn zu minimieren ren gegen Julia S. und drei weitere Ange-
kann mit einer konkreten zeiliche Übergriffe gegen kreten Fall schwer nachzuweisen und sie_ihn bei der Durchsetzung ih- klagte unter www.soligruppe-potsdam.de.
Solidaritätsarbeit etwas Oppositionelle in der Tür- ist, dass es sich um einen Übergriff rer_seiner Rechte zu unterstützen, Ein ähnlicher Fall ereignet sich gerade in
entgegen gesetzt werden. kei und Techno-Fans in gehandelt hat – und von großen Tei- um ihr_ihm zu helfen, aus der Ohn- Berlin: Der Antifaschist Matti sitzt seit Mitte
Tschechien(5) verurteilen, len der Gesellschaft als illegitim machtssituation des Übergriffs aus- Dezember 2006 in Untersuchungshaft. Die
für die deutschen Verhältnisse und angesehen werden. Eine genauere zubrechen. Diese Aufgabe nehmen Staatsanwaltschaft konstruiert einen „ver-
deren Ursachen aber blind sind. Einordnung und Abgrenzung muss diverse Beratungsstellen im gesam- suchten Totschlag“ und als Beweise genügen
Natürlich darf eine Erklärung allerdings an anderer Stelle geleis- ten Bundesgebiet war.(6) die Aussagen von zwei Bekannten Neonazis,
von Übergriffen durch ihre Funktion tet werden. Genauso wichtig ist es, po- die Matti trotz Vermummung erkannt haben
als Teil staatlicher Repression nicht litisch gegen konkrete Formen der wollen. Weitere Informationen unter: www.
bedeuten, dass individuelle und Solidarität ist eine Waffe Repression zu arbeiten. Durch die freiheitfuermatti.com
strukturelle Mängel in der (deut- Erkennen wir polizeiliche Herstellung einer kritischen Öffent- (2) Siehe Stellungnahmen der Antifa-
schen) Polizei und bei den Polizisten Übergriffe als eine spezielle Form lichkeit kann die Repression einge- schistischen Brigaden Berlin (ABB) vom
geleugnet werden. Diese stellen zwar staatlicher Repression, wird es noch schränkt und so bekämpft werden. 27. August 2005 unter http://jab.antifa.de/
nicht die Ursache aber das Mittel wichtiger, uns an den alten Slogan Dabei können auch Teilerfolge er- txt_party_05.php und der Antifaschistischen
dar, um das System der Übergriffe der linken Antirepressionsarbeit zu rungen werden, so dass bestimmte Linken Berlin (ALB) vom 28. August 2005
aufrecht zu erhalten. In diesem Sin- erinnern: „Solidarität ist eine Waffe.“ Arten der Repression für den Staat unter http://www.antifa.de/cms/content/
ne ist das, was als individuelle und Polizeiliche Übergriffe können ge- politisch zu teuer werden. Polizei- view/255/32/
struktrurelle „Mängel“ bezeichnet nauso wenig wie staatliche Repres- liche Übergriffe bieten hier eine (3) Der Begriff „freiwillige Ausreise“ wurde
wird, eine benötigte Voraussetzung sion allgemein innerhalb dieser Ver- besonders gute Angriffsfläche, da zum Unwort des Jahres 2006 gewählt.
für das Funktionieren des Systems hältnisse „abgeschafft“ werden – so sie von weiten Teilen der Bevölke- (4) AntiRassismusBüro Bremen: „Sie behan-
„Übergriff“. So werden die Faktoren, bitter diese Erkenntnis auch klingen rung als illegitim anerkannt sind deln uns wie Tiere“ - Rassismus bei Polizei
welche Übergriffe fördern, geschaf- mag. Gerade daher ist aber eine und sie auch auf dem juristisch Weg und Justiz in Deutschland, S. 135; Forschungs-
fen oder zu mindestens bewusst in konkrete Arbeit gegen polizeiliche thematisiert werden können. Von gesellschaft Flucht und Migration (Hg.), Heft 4
Aus- und Weiterbildung nicht be- Übergriffe notwendig. Repression daher werden zwar auch Forderun- (5) Gemeint ist der Überfall der tschechischen
seitigt. Stattdessen werden mittels hat das Ziel Menschen einzuschüch- gen wie die nach einer individuellen Polizei mit Wasserwerfern, Tränengas und
der Ethnisierung der Kriminalität tern, zu vereinzeln und damit ein Kennzeichnungspflicht, polizeiliche Knüppeln auf die Technoparty Czechtek im Au-
und der Kriminalisierung sozialer abschreckendes Beispiel für Andere Übergriffe nicht verhindern, aller- gust 2005.
Bewegungen Feindbilder produziert zu liefern. Diesem kann mit einer dings doch zu mindestens erschwe- (6) Am Ende dieser Broschüre sind einige Be-
und dadurch Übergriffe gefördert konkreten Solidaritätsarbeit etwas ren und die politischen und individu- ratungsstellen in Berlin und Brandenburg zu
und gelenkt. So muss dem einzelnen entgegen gesetzt werden. Deren Ziel ellen Konsequenzen erhöhen. finden.
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.PRIVATE SICHERHEITSDIENSTE.
3 In immer mehr Bereichen des wendung von Gewalt kann einer-
öffentlichen Lebens wird die Aufga- seits durch Notwehr und Nothilfe
be Sicherheit und Ordnung durchzu- – also die Verteidigung gegen einen
setzen nicht mehr durch die Polizei, rechtswidrigen Angriff – legitimiert
sondern durch private Sicherheits- werden. Andererseits hat jede_r das
dienste übernommen. Ob es sich um Recht jemanden bis zum Eintref-
öffentliche Verkehrsmittel, Einkaufs- fen der Polizei festzuhalten, wenn
zentren oder Großveranstaltungen mensch sie_ihn auf frischer Tat er-
handelt, kommt der_die Bürger_in tappt haben will. Dabei gilt genauso Dussmann
nicht in erster Linie mit der Polizei, wie für die Polizei der Grundsatz der in Mitte:
Privatisiert nicht
sondern mit privaten Sicherheits- Verhältnismäßigkeit.
nur Bürgersteige,
diensten in Kontakt. Kommt es dabei Der zweite Bereich ist das sondern über-
zu Auseinandersetzun- Hausrecht. In vielen halb-öffent- wacht sie auch.
Die Rechte von Security, gen, sind viele Betroffene lichen Bereichen üben private Si-
Kaufhausdetektiven, schlicht weg überfordert: cherheitsfirmen das Hausrecht aus. wendung von Gewalt ist nur in sehr len, stören und werden verdrängt.
Türstehern und Kontrolleuren Die Rechte und Pflichten Sie haben damit die Möglichkeit bei wenigen Situationen zulässig und Dieses führen in vielen Fällen pri-
basieren im wesentlichen gegenüber Mitarbeitern(1) vermeintlichen Verstößen gegen muss dabei immer verhältnismäßig vate Sicherheitsdienste gemeinsam
auf zwei Bereichen: die privater Sicherheitsdiens- die Hausordnung ein Hausverbot sein. mit Ordnungsämtern und Schutzpo-
jedermann_frau zustehenden te sind nicht bekannt und auszusprechen. Dieses dürfen sie lizei aus.
Rechte und das Hausrecht. sehr undurchsichtig. Dies auch mit verhältnismäßiger Gewalt ... praktisch, ... Die Liste der Personen, die
resultiert aus einer pa- durchsetzen – zum Beispiel in dem Während an die Polizei als unerwünscht sind, ist lang: Ob es
radoxen Situation: Obwohl private sie den_die Betroffene_n heraus- staatliche Insitution der Anspruch der Obdachlose ist, der nur einen
Sicherheitsdienste immer mehr Auf- führen oder herausdrängen. Einige erhoben werden kann, dass diese Platz im Warmen sucht; die Motz-
gaben im (halb-)öffentlichen(2) Raum Kommunen haben auch die Durch- dem Allgemeinwohl dient, ist bei pri- Verkäuferin(3), die sich ein paar Euro
übertragen bekommen, existiert setzung von Verwaltungsvorschrif- vaten Sicherheitsdiensten eindeutig, verdienen will; oder der Punk, der
nach wir vor kein gesetzlicher Rah- ten im öffentlichen Raum – wie zum dass diese nicht dem Allgemein- sich den öffentlichen Raum zu-
men für diese. Beispiel in Parks – an private Si- wohl, sondern einzig den Interessen rück nimmt. Dass diese Verdrän-
cherheitsdienste übertragen. ihrer Auftraggeber verpflichtet sind. gung nicht ohne Konflikte abläuft,
Theoretisch, ... Die Rechte privater Sicher- Immer mehr öffentliche Orte wer- ist selbstverständlich. Häufig ver-
Die Rechte von Securitys, heitsdienste sind also nicht mit den privatisiert und wirtschaftlichen stärken sich bereits vorhandene
Kaufhausdetektiven, Türstehern denen der Polizei vergleichbar. Sie Interessen unterworfen. So werden autoritäre Verhaltensweisen und
und Kontrolleuren basieren im we- dürfen niemanden zwingen sich ganze Innenstädte zu einem einzi- Vorurteile bei den Mitarbeitern der
sentlichen auf zwei Bereichen: Der auszuweisen, Personen oder deren gen großen Kaufhaus. Personen, die privaten Sicherheitsdienste ange-
erste Bereich sind die jedermann_ Sachen durchsuchen oder gar Leu- im (halb-)öffentlichen Raum nicht sichts dieses ausgrenzenden und
frau zustehenden Rechte. Die An- te in Gewahrsam nehmen. Die An- nur konsumieren können oder wol- diskriminierenden Auftrags zu einer
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gefährlichen Mischung. Fügen sich gegen den einzelnen Mitarbeiter.
die Betroffenen nicht sofort dieser
diskriminierenden Praxis oder pro-
Angesichts der hohen Fluktuation
bei privaten Sicherheitsdiensten .WAS TUN ALS OPFER ODER
ZEUGE/IN VON POLIZEIGEWALT?!
testieren gar lautstark gegen diese, und der Kurzlebigkeit der Unter-
wird der Auftrag häufig auch mit nehmen ist die Hoffnung durch eine
körperlicher Gewalt durchgesetzt. Anzeige etwas zu bewirken berech-
Die Motivation, die hinter solchen tigterweise noch geringer als bei Ein Beitrag der Kampagne für Opfer rassistischer Polizeigewalt
Übergriffen steht, wird durch be- der Polizei. Gleichzeitig wird die www.kop-berlin.de
gleitende Beleidigungen deutlich. Kooperation zwischen der Polizei,
Diese Praxis wird von den Justiz und private Sicherheitsdiens- Wenn Sie Opfer werden Unterschreiben Sie auf kei-
Unternehmen zu mindestens billi- te immer enger und somit deren Sprechen Sie gezielt mögliche Zeu- nen Fall eine Aussage! Falls Sachen
gend in Kauf genommen: Die Mitar- Aufklärungsinteresse gleichzeitig gen/innen an! Nennen Sie diesen oder Geld von Ihnen beschlagnahmt
beiter sind schlecht oder immer geringer. Kommt es zu einer Ihren Namen und eine Telefonnum- werden, bestehen Sie darauf, ein
Personen, die im (halb-) gar nicht ausgebildet und Verurteilung, bleibt es meist bei ei- mer und bitten Sie diese dort anzu- Protokoll zu erhalten. Unterschrei-
öffentlichen Raum nicht nur werden miserabel bezahlt. ner Bewährungsstrafe oder gar nur rufen. ben Sie dieses Protokoll nicht.
konsumieren können So kriegt ein Branden- einer Geldstrafe für den einzelnen Wenn Sie festgenommen Wenn Sie nicht freigelassen
oder wollen, stören und burger Wachmann 4,33 Mitarbeiter, der allerdings nach der werden, sind Sie verpflichtet Anga- werden, werden Sie dem/r Haftrich-
werden verdrängt. Euro pro Stunde – wenn langen Prozessdauer schon längst ben zu Ihrem Namen, Geburtsda- ter/in vorgeführt oder es findet ein
sich der Arbeitgeber an durch andere Leute ersetzt wurde. tum, Geburtsort und -land, Staats- Schnellverfahren statt. Dies muss
den Tarifvertrag gebunden fühlt.(4) angehörigkeit, Familienstand und spätestens bis Mitternacht des
Weiterbildungen oder Deeskala- Adresse, bei der Sie gemeldet sind, nächsten Tages nach Ihrer Festnah-
tionstrainings fehlen meist völlig. Fußnote zu machen. Machen Sie keine wei- me geschehen sein. Sie haben dort
Stattdessen wird der Druck auf die (1) Bei Mitarbeitern privater Sicherheitsdiens- teren Aussagen oder Angaben! Sie das Recht auf eine/n Dolmetscher/
Mitarbeiter mittels Prämien noch te gebrauchen wir genau wie bei Polizisten nur wissen zu diesem Zeitpunkt nicht, in. Bestehen Sie darauf!
weiter erhöht. Droht für die Firma die männliche Form, um die Marginalisierung welche Vorwürfe im Einzelnen ge- Machen Sie auch jetzt keine
ein Imageschaden, weil einer ihrer von Frauen bei privaten Sicherheitsdiensten gen Sie erhoben werden. Aussage. Alles, was Sie vor der Poli-
Mitarbeiter zu stark oder zu öffent- und Polizei deutlich zu machen. Sie haben ein Recht darauf, zei, der Staatsanwaltschaft oder dem
lich zugeschlagen hat, wird dieser (2) Unter einem halböffentlichen Raum ver- nach der Festnahme eine Rechtsan- Gericht sagen, kann später gegen Sie
auf die Straße gesetzt. Häufig wird steht man ein Räume, die zwar scheinbar wältin/einen Rechtsanwalt anzuru- verwendet werden. Alles, was zu Ihren
so die halbe Belegschaft innerhalb öffentlich sind und von sehr vielen Leuten be- fen. (Notdienst der Strafverteidiger/ Gunsten spricht, können Sie auch spä-
weniger Jahre ausgetauscht. nutzt werden, allerdings einen privaten Eigen- innen: 0172-3255553) ter noch, nach Rücksprache mit einem
tümer haben. Da dieser über das Hausrecht Sie haben das Recht, jede Anwalt/einer Anwältin, aussagen.
... unangreifbar? verfügt, darf dieser entscheiden, wer sich in Aussage zu verweigern, sowohl vor Illegalisierte Personen können direkt
Für die Betroffenen eines diesen aufhalten darf. Beispiele für halböffent- der Polizei, als auch vor der Staats- in Abschiebehaft genommen werden.
solchen Übergriffs ist es meist noch liche Räume sind Einkaufszentren, privatisier- anwaltschaft oder beim Gericht. Auch in diesem Fall haben Sie das
schwieriger sich zu wehren als te Bürgersteige, Bahnhöfe und ähnliches. Lassen Sie sich nicht ein- Recht eine Anwältin/einen Anwalt an-
gegenüber der Polizei: Einerseits (3) Die Motz ist eine Berliner Obdachlosenzei- schüchtern! Manchmal drohen die zurufen.
sind die Rechte von priaten Sicher- tung. Der Verkauf stellt eine kleine Einkom- Beamten/innen Ihnen mit Abschie- Wenn Sie freigelassen wer-
heitsdiensten undurchsichtig und mensquelle dar und finanziert selbstverwalte- bung/Ausweisung oder versprechen den und geschlagen oder misshan-
meist unbekannt, andererseits feh- te Obdachlosen-Heime. Ihnen die Freilassung, wenn Sie delt wurden, gehen Sie sofort zum
len jegliche Kontrollmechanismen. (4) Ver.di: Niedriglohnsektor wächst, die Aussagen machen. Glauben Sie ih- Arzt/zur Ärztin. Lassen Sie sich dort
So bleibt ihm_ihr nur eine Anzeige tageszeitung – taz, 24. August 2006, S. 3 nen dies nicht! ihre Verletzungen attestieren.
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.53.
Wenn Sie Zeuge/in
von Polizeigewalt werden
Fragen Sie die Polizisten/in- In jedem Fall .BERATUNGSSTELLEN.
.BERLIN/BRANDENBURG.
nen nach ihren Dienstnummern. Wenn Sie Opfer oder Zeuge/
Die Verweigerung der Dienstnum- in einer Festnahme oder eines ras-
mer ist rechtswidrig; in diesem Fall sistischen Polizeiübergriffs werden,
verlangen Sie, den Einsatzleiter zu schreiben Sie den genannten Vor-
sprechen. gang so genau wie möglich in einem Anti-Diskriminierungsbüro (ADB) Berlin e.V.
Wenn Zivilgekleidete be- Gedächtnisprotokoll auf: Greifswalder Str. 4, 10405 Berlin
haupten, zur Polizei zu gehören, • Ort und Zeitpunkt des Vorfalls Telefon: 030 / 204 25 11
bestehen Sie darauf den Polizeiaus- • Beobachtete Handlungen Email: adb_berlin@gmx.de
weis zu sehen. • Personenbeschreibungen Web: www.adb-berlin.org
Fordern Sie bereits vor Ort, • Kontakte zu anderen
als Zeuge/in aufgenommen zu Zeugen/innen ReachOut Berlin e.V.
werden! Stellen Sie sich auch den • Dienstnummer Oranienstr. 159, 10969 Berlin
Betroffenen als Zeuge/in zur Verfü- der Beamten/innen Telefon: 030 / 695 68 339
gung. Bitten Sie Umstehende, das • Helmnummer Email: info@reachoutberlin.de
ebenfalls zu tun. der Beamten/innen Web: www.reachoutberlin.de
Im Fall einer Festnahme er- • Autonummern
fragen Sie unbedingt Namen und der Polizeiwagen. ErmittlungsAusschuss (EA) Berlin
Adresse der/des Abgeführten! im Mehringhof
Wenn Sie Anzeige erstatten Wenn Sie Fragen haben oder Gneisenaustr. 2a, 10961 Berlin
wollen: Erstatten Sie diese bei der Unterstützung brauchen, wenden Telefon: 030 / 69 222 22
Staatsanwaltschaft. Sie sich an eine Beratungsstelle. Dienstag 20 – 22 Uhr
Eine Dienstaufsichtsbe- Auch wenn Sie keine Anzeige er-
schwerde können Sie beim Polizei- statten möchten oder anonym blei- Kampange für Opfer rassistischer Polizeige-
präsidenten Ihres Bundeslandes ben möchten, ist es wichtig, dass walt
(in Berlin: Platz der Luftbrücke 6) der Fall ohne Namen dokumentiert mit Rechtshilfefonds für Betroffene
stellen. wird. Web: www.kop-berlin.de
Kontakt über ADB, ReachOut oder EA

Opferperspektive e.V.
Rudolf-Breitscheid-Straße 164, 14482 Potsdam
Telefon: 0331 / 8170000
Email: info@opferperspektive.de
Web: www.opferperspektive.de

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.LITERATUR/WEB.
AntiRassismusBüro Bremen (ARAB):
„Sie behandeln uns wie Tiere“ –
Rassismus bei Polizei und Justiz in Deutschland.
Forschungsgesellschaft Flucht und Migration (Hrg.);
im Web: www.antirassismus-buero.de/polizeipraxis/

Bürgerrechte & Polizei / Cilip: www.cilip.de


Schwerpunkt: Polizeiübergriffe – Polizeikontrolle, Cilip 67 (3/2000);
im Web: www.infolinks.de/medien/cilip/ausgabe/i-67.htm

Kampagne für Opfer rasstischer Polizeigewalt: www.kop-berlin.de

Wege durch die Wüste.


Ein Antirepressionshandburg für die politische Praxis.
AutorInnekollektiv (Hrg.), unrast verlag,
März 2007, 2. aktualisierte Auflage

Rafael Behr: Polizeikultur. Routinen – Rituale – Reflexionen.


Bausteine zu einer Theorie der Praxis der Polizei.
VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2006

Jürgen Korell, Urban Libel: Polizeiskandal – Skandalpolizei?


Demokratiemangel bei der Polizei?, Münster 2000

Polizeikontrollstelle Brandenburg: www.polizeikontrollstelle.de

amnesty international (ai) zur deutschen Polizei: www.amnesty-polizei.de

Wikipedia zur deutschen Polizei:


de.wikipedia.org/wiki/Polizei_(Deutschland)

Offizielle Webseite der deutschen Polizei: www.polizei.de

.54.
.IMPRESSUM.
Autoren
Marcus Blöhm | Jeldrik Hanschke

Herausgeber
Anti-Diskriminierungsbüro (ADB)
Berlin e.V.

April 2007 | Berlin

Auflage: 1.000 Stück

Eigentumsvorbehalt
Nach dem Eigentumsvorbehalt
ist die Zeitung solange Eigentum
des Absenders, bis sie der/ Herausgeber
dem Gefangenen persönlich Anti-Diskriminierungsbüro (ADB) Berlin e.V.
ausgehändigt ist. „Zur-Habe-Name“ Greifwalder Str. 4, 10405 Berlin
ist keine persönliche Aushändigung Telefon/Fax: 030 / 204 25 11
im Sinne dieses Vorbehalts. Web: www.adb-berlin.org
Wird die Zeitung der/dem Email: adb_berlin@gmx.de
Gefangenen nicht persönlich
ausgehändigt, so sind die nicht Unser Dank gilt allen Unterstützer_innen, insbesondere:
ausgehändigten Teile – und nur
sie – dem Absender mit dem Kampange für Opfer rassistischer Polizeigewalt (KOP)
Grund der Nichtaushändigung www.kop-berlin.de
zurückzusenden.

V.i.S.d.P.
Reza Rassouli,
Anti-Diskriminierungsbüro (ADB) Fraktion 2002 e.V. der Linksfraktion im Bundestag
Berlin e.V.,
Greifswalder Str. 4, 10405 Berlin und vielen weiteren...

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www.polizeigriff.org

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