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Aktenzeichen*: 6 E 2129/04

Verwaltungsgericht Wiesbaden
Urteil vom 14.09.2005 rechtskräftig
Normen: GG Art 1 Abs 1; HDSG § 19 Abs 3; HDSG § 19 Abs 4; HVerfSchG § 19
Abs 1; HVerfSchG § 19 Abs 2; HVerfSchG § 2 Abs 2 Nr 1; HVerfSchG § 6 Abs 1; HVe
rfSchG § 6 Abs 6
Leitsatz:
1. Die Entscheidung über einen Löschungs- bzw. Sperrungsantrag ist Regelung mit
Außenwirkung im Sinne eines Verwaltungsaktes.
2. Ein Löschungsanspruch ergibt sich aus den Regelungen des allgemeinen Datensch
utzrechts. Hiernach sind personenbezogene Daten zu löschen, wenn ihre Verarbeitu
ng unzulässig ist.
3. Die personenbezogenen Daten sind auch zu löschen, wenn feststeht, dass ihre S
peicherung nicht mehr erforderlich ist, um die Zwecke zu erfüllen, für die sie e
rhoben sind.
4. Regelungen im Hessischen Verfassungsschutzgesetz und im Hessischen Datenschut
zgesetz zur Verarbeitung personenbezogener Daten beim Hessischen Landesamt für V
erfassungsschutz sind nicht zu beanstandende Konkretisierungen dieses Grundrecht
es.
5. Das Landesamt für Verfassungsschutz darf personenbezogene Daten speichern, so
weit dies zur Aufgabenerfüllung der Behörde erforderlich ist.
6. Ein Anspruch auf Sperrung besteht nicht, wenn die Richtigkeit eines Registere
intrages bestritten wird oder von dem Kläger eine andere Bewertungs als von dem
Beklagten ausgeht. In letzterem Fall geht es nicht um die Richtig- oder Unrichti
gkeit von personenbezogenen Daten, sondern um deren Bewertung.
Veröffentlichungen:
Volltext:
Verwaltungsgericht Wiesbaden
U r t e i l
Im Namen des Volkes!
In dem Verwaltungsstreitverfahren

- Kläger -
bevollmächtigt:
Rechtsanwälte

g e g e n

Land Hessen,
vertreten durch ,
- Beklagter -
w e g e n
Datenschutzrecht
hat die 6. Kammer des Verwaltungsgerichts Wiesbaden durch
Vors. Richter am VG Schild
Richter am VG Walther
Richter am VG Dr. Wartusch
ehrenamtlicher Richter Tiemann
ehrenamtlicher Richter Leinz
aufgrund der mündlichen Verhandlung vom 14. September 2005 für Recht erkannt:
Die Klage wird abgewiesen.
Die Kosten des Verfahrens hat der Kläger zu tragen.
Das Urteil ist hinsichtlich der Kosten vorläufig vollstreckbar. Der Kläger darf
die Vollstreckung durch Sicherheitsleistung oder Hinterlegung in Höhe der festzu
setzenden Kosten abwenden, falls nicht der Beklagte vor der Vollstreckung Sicher
heit in entsprechender Höhe leistet.
T a t b e s t a n d
Der Kläger begehrt die Löschung seiner personenbezogenen Daten bei dem Beklagten
. Der Kläger ist XXX-Staatsangehöriger und XXX.
Der Kläger reiste 1983 mit einem Stipendium der Regierung nach Deutschland ein u
nd erhielt eine Aufenthaltserlaubnis für ein Studium in Deutschland. Im November
1988 wurde ein Antrag auf Erteilung einer weiteren Aufenthaltserlaubnis abgeleh
nt, da der Kläger einen Studienwechsel beabsichtigte, der im Widerspruch zum urs
prünglichen vorübergehenden Aufenthalt zu Ausbildungszwecken stand. Trotz des fü
r den Kläger nur bestehenden Aufenthaltsrechts für Studienzwecke im Rahmen der E
ntwicklungshilfe wurde der Ehefrau des Klägers die Einreise in die Bundesrepubli
k Deutschland gewährt.
Mit Schriftsatz seiner damaligen Bevollmächtigten vom XXX 1989 stellte der Kläge
r einen Asylantrag. Hierbei wurde unter anderem ausgeführt, dass der Kläger einz
elne Prüfungen an der Universität auf Grund seiner religiösen Tätigkeiten nicht
zeitgerecht abgelegt habe. Bereits in T. habe er sich einer Gruppe von Leuten an
geschlossen und zusammen mit diesen den Islam insbesondere die Sunna, die Shahri
riar und Hadiz studiert,. Man habe über den Glauben sowie über Einheit von Relig
ion und Staat diskutiert. In Deutschland habe er bald nach seiner Einreise einen
Ägypter getroffen, welcher der dortigen Moslembruderschaft angehört habe. Mit i
hm und anderen hätten sie sich regelmäßig wöchentlich getroffen. Er habe seit 19
83 unregelmäßig an Treffen in großen islamischen Zentren u.a. in Aachen, München
, Wuppertal und Frankfurt teilgenommen. Dabei sei es um islamische Zentren in de
nen der konservative Islam gelehrt wurde, gegangen. Dem Kläger gehe es allein da
rum, seine islamischen Studien - die der Grundlinien des Islams - durchzuführen.
Bei seiner Anhörung durch das Bundesamt für die Anerkennung ausländischer Flücht
linge gab der Kläger am ............... 1990 an, dass er in der Moslem-Studenten
vereinigung in A sei. Er sei Mitglied des Vorstandes. Der Hauptsitz dieser Verei
nigung ist in B. Auf die Frage, ob die Vereinigung auch politisch tätig sei erkl
ärte der Kläger :
"Wir äußern uns auch zu politischen Themen. Aber das ist nicht unser Ziel. Nicht
all zu häufig. Das tun bereits die anderen Organisationen."
Auf die Frage, ob der Mitglied der Moslembruderschaft sei, antwortete der Kläger
:
"Ich bin offiziell kein Mitglied, aber ich vertrete das Gedankengut der Moslembr
uderschaft. Diejenigen, die sich jetzt Moslembrüder nennen, vertreten die Meinun
g, dass man mit Gewalt gegen das Regime vorgehen muß. Der Islam Alattcr vertritt
die Meinung, die Moslems müßten aufgeklärt werden. Die Leute in T hätten keine
Ahnung mehr von der Sharia, dem islamischen Gesetz. Man will das Land verbessern
. Die Leute müssen erst islamisch sein, dann kann das islamische Gesetz praktizi
ert werden. Ich versuche in dieser Richtung aktiv zu sein. Ich achte auf islamis
che Aufklärung und dass das Islambild bei den Menschen hier berichtigt wird, die
Vorurteile gegenüber dem Islam beseitigt werden. Was hier in den Medien ist, si
nd die Flugzeugentführer, die Terroristen. Den durchschnittlichen Moslem kennt m
an hier nicht."
Auf die Frage wie er zur Anwendung von Gewalt zur Durchsetzung der Ziele der Mos
lembruderschaft stehe:
"Ich vertrete die islamische Meinung. Im Islam darf man Gewalt anwenden zur Selb
stverteidigung und wenn man mit Gewalt gehindert wird, die Leute zum Islam einzu
laden. Wir laden die Leute ein, friedlich. Es gibt keinen Zwang im glauben. Aber
es muß Gelegenheit geben, den Islam vorzustellen."
Auf die Frage, was er zu den Attentaten der Moslembruderschaft sage:
"Ja wissen sie, es kommt darauf an, was für ein Attentat es war. Es gibt Leute d
ie den Tod verdienen. Leute, die viele Verbrechen an Menschen begangen haben."
Mit Bescheid des Bundesamtes vom .......... 1990 wurde der Asylantrag angelehnt
und der Kläger mit weiterem Bescheid der Ausländerbehörde vom ............. 1990
zur Ausreise aufgefordert. Gegen beide Bescheide wurde vor dem Verwaltungsgeric
ht W. Klage erhoben. Im Rahmen der Klagebegründung trug die damalige Bevollmächt
igte des Klägers vor, dass der Kläger verschiedene islamische Zentren in Deutsch
land, darunter das islamische Zentrum in A, besuche, welches als der Moslembrude
rschaft zugehörig betrachtet werde. Weiter wurde ausgeführt:
"Der Kläger ist nunmehr C des islamischen Konsils in Deutschland. Das islamische
Konsil ist eine Dachorganisation vieler islamischer Organisationen, unter ander
em der islamischen Gemeinschaft in Deutschland (Zentrum in München, wie oben dar
gelegt), Milli Görüs (Organisation der türkischen REFA-Partei, Moslemstudentenve
reinigung etc.).
Beweis: Auskunft des Bundesverfassungsschutz
Durch die Tätigkeiten des Klägers und vielen Interviews und Artikel, die er für
islamische politische Zeitschriften geschrieben hat, ist sein Name in der Zwisch
enzeit nicht nur beim T Geheimdienst bekannt, sondern auch bei dem ägyptischen u
nd tunesischen Geheimdienst. In beiden Fällen erfuhr der Kläger über Vertrauensp
ersonen, dass er in den Ländern gesucht ist."
Ferner wurde vorgetragen, dass der Kläger D der gebildeten "Islamisch-Christlich
en Arbeitsgemeinschaft in Hessen" sei.
Bei seiner Anhörung in der mündlichen Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht W.
am ............. 1998 gab der Kläger unter anderem die folgenden Erklärungen ab:
"Wenn ich gefragt werde, was ich beruflich hier in der Bundesrepublik Deutschlan
d zur Zeit mache, so muß ich sagen, dass ich vom islamischen Konzil finanziell u
nterstützt werde. Im übrigen bin ich quasi islamischer Theologe, d.h. ich bezeic
hne mich als Islamologe. Ich habe den Islam per Fernstudium an einer privaten Ho
chschule in Frankreich und zwar am Chateau Chinon, welche 300 km südlich von Par
is liegt, vier Jahre lang per Fernstudium studiert. Ich habe auch sämtliche Prüf
ungen abgelegt. Im übrigen bin ich hier im Bundesgebiet quasi auf 3 Ebenen beruf
lich und ehrenamtlich tätig. Die erste Ebene betrifft die Ebene meiner wissensch
aftlichen Arbeiten."
"Ich bin auf der zweiten Ebene als D der islamischen Religionsgemeinschaft Hesse
n, die im November 1997 gegründet worden ist, tätig. Diese islamische Religionsg
emeinschaft Hessen zählt inzwischen ca. 4.000 einzelne Mitglieder und umfaßt auc
h sämtliche islamische Organisationen hier in Hessen. Wir setzen uns ein für die
Einführung des islamischen Religionsunterrichtes an hessischen Schulen. Wir sin
d dabei, insoweit ein Schulbuch zu erstellen. Des weiteren setzen wir uns dafür
ein, ggf. auf dem Klagewege, für eine Schächtung ohne Betäubung. Des weiteren se
tzen wir uns dafür ein, einen zentral-islamischen Friedhof in Hessen zu errichte
n. Unsere Gemeinschaft umfaßt ca. 150 islamische Gemeinden, die Mitglieder komme
n aus mehr als 50 Städten. Schließlich bin ich auf der dritten Ebene tätig und z
war im Rahmen des christlich-islamischen Dialoges und ich arbeite zusammen mit H
errn Pfarrer B. von der evangelischen Kirche in Hessen-Nassau. Zudem habe ich zu
r Zeit auch einen Lehrauftrag an der Universität A, wo ich heute Nachmittag bere
its wieder eine Vorlesung abhalte. Im übrigen habe ich zahlreiche Vorträge sowoh
l in christlichen als auch in islamischen Gemeinden gehalten."
"Ich bin kein Moslembruder, aber ich habe viele enge Kontakte zu Moslembrüdern s
owohl in Deutschland als auch in anderen Ländern und zwar insbesondere Kontakte
zu führenden Leuten der Moslembruderschaft."
Des weiteren wies der Kläger darauf hin, dass sich in den Gerichtsakten ein Foto
befinde, das ihn zusammen mit Herrn M. zeige, der inzwischen weltweit der Führe
r der Moslembruderschaft ist.
Mit Urteil des Verwaltungsgerichts W. vom ......... 1998, Az. ............., wur
de die Klage als offensichtlich unbegründet abgewiesen.
Mit Schreiben seiner damaligen Bevollmächtigten vom ......... beantragte der Klä
ger sodann eine Aufenthaltsbefugnis, wobei er einen Anstellungsvertrag mit dem "
Islamischen Konzil in Deutschland" vorlegte in welchem dem Kläger ein Bruttogeha
lt von 5.500,- DM zugesagt wurde. Dieser Antrag wurde mit Bescheid vom .........
..... 2000 abgelehnt, da auf Grund der Größe der Familie eine ausreichende Siche
rung des Lebensunterhalts nicht nachgewiesen wurde.
Am ............. 2002 stellte der Kläger einen Asylfolgeantrag. Zur Begründung w
urde im wesentlichen vorgetragen, dass er E der Islamischen Religionsgemeinschaf
t Hessen (IRH) gewesen und jetzt F des sogenannten Fiqh-Rates sowie der Kommissi
on für islamischen Religionsunterricht (KIRU) sei. Die deutschen Behörden rechne
ten den Kläger der Moslembruderschaft zu. Es könne dahin gestellt bleiben, ob di
ese Festestellungen des Beklagten zuträfen oder nicht.
Weiter trug der Kläger im Klageverfahren, vor dem Verwaltungsgericht G. gegen de
n ablehnenden Bundesamtsbescheid vor, dass er am .............. ein Schreiben de
s Beklagten erhalten habe, in dem offiziell bestätigt werde, dass die deutschen
Behörden des Verfassungsschutzes den Kläger der Moslembruderschaft zurechneten.
Hierbei handele es sich keineswegs nur um einen internen Aktenvermerk der hessis
chen Verfassungsschutzbehörden, vielmehr sei die Behauptung seit November 1998 g
ezielt vor allem in der hessischen aber auch in der deutschen Öffentlichkeit ver
breitet worden. Im Weiteren führte er mehrere Fundstellen auf, wonach er der Mos
lembruderschaft zuzurechnen sei. Daraus ergebe sich, dass die Behauptung, er sei
der Moslembruderschaft zuzurechnen, ein Allgemeinplatz geworden sei, ein Faktum
, das als bewiesene Wahrheit dargestellt werde. Weiter führte der Kläger aus:
"Herr A. wird seit November 1998 in der breiten deutschen Öffentlichkeit in Pres
se, Rundfunk und Fernsehen, von deutschen Behörden und Ministerien, von Politike
rn und Entscheidungsträgern als der Moslembruderschaft zuzurechnen bezeichnet. F
ür die Verbreitung dieser Information trägt den Antragsteller insofern keine Sch
uld, da er keinen Einfluß auf die deutschen Behörden, deren Organe und die bunde
sdeutschen Medien hat.
Diese in der deutschen Öffentlichkeit als Faktum verbreitete Information - A sei
der Moslembruderschaft zuzurechen - ist für die T Behörden mehr als ausreichend
er Grund, gegen A "als Moslembruder" den Paragrafen des T Gesetz zur Anwendung z
u bringen, welcher die Todesstrafe für diese Personengruppe vorsieht.
Abgesehen davon drohen Personen, die auch nur im geringsten Verdacht stehen der
Moslembruderschaft anzugehören, in T auch heute noch zumindest Verhaftung, Folte
r und langjähriges Verschwinden in Kerkerhaft.
Beweis: Jahresbericht amnesty international 2000 und 2001
Wie aus dem Bescheid vom .......2002 hervorgeht, wurde der Antrag von der hessis
chen Außenstelle in Gießen mehr als unzureichend bearbeitet. Es wurden Akten ver
wechselt, es wurden Beweise und Argumente ignoriert und das entscheidende Argume
nt bei der Sachverhaltswiedergabe der Ablehnungsbegründung gänzlich unbeachtet g
elassen.
Dies weist unseres Erachtens auf die Brisanz und auch auf die Besonderheit des F
alles A. hin.
Auf Grund der vielfältigen Aspekte und Verflechtungen der politischen Entscheidu
ngsträger in Hessen mit der Sache A., wurde unsererseits im Antrag deshalb vorso
rglich angeregt, dieses spezielle Verfahren nicht in Hessen, sondern in der Zent
rale durchzuführen. Diese Bedenken haben sich mit der Ablehnungsbegründung bewah
rheitet.
Die Gießener Außenstelle scheint uns ungeeignet, sich mit diesem speziellen Fall
zu befassen und dem Antragsteller eine unparteiische Überprüfung der vorgetrage
nen Gesichtspunkte zu gewähren. Um dem Antragsteller nach Jahren der Unsicherhei
t auf Grund der Aktivitäten der hessischen Behörden ein unabhängiges Verfahren u
nd eine Entscheidung Iosgelöst vom Einflußbereich der hessischen Behörden zu gew
ähren, wird nochmals die Bearbeitung der Sache A durch das Bundesamt in Berlin b
eantragt."
Mit Urteil des Verwaltungsgerichts G. vom ........ 2002, Az. ..............., wu
rden die Voraussetzungen des § 53 Abs. 1 und Abs. 4 AuslG hinsichtlich S. festge
stellt. Im Rahmen des noch laufenden Widerspruchsverfahrens gegen den Bescheid d
er Ausländerbehörde vom ......... 2000 beantragte der Kläger am .............. 2
002 bei der Ausländerbehörde ein Reisedokument. Im Rahmen dieses Verfahrens trug
sein nunmehriger Bevollmächtigter im Hinblick auf die Aufforderung der Behörde
einen gültigen s. Nationalpass vorzulegen bzw. diesen bei der T Botschaft zu bea
ntragen () im Schriftsatz vom ........ 2003 vor:
"Zur Paßfrage:
Herr A. läßt mich wissen, dass aus der Akte ersichtlich sei, dass nachhaltige Be
mühungen schon Ende der 90er Jahre zum Erhalt eines Passes stattgefunden hätten.
Das sei auch bezeugt worden (..........). Im übrigen seien die Bemühungen detai
lliert vorgetragen worden.
Herr A. erklärt sich ausdrücklich damit einverstanden, dass Sie sich entweder di
rekt oder über das Auswärtige Amt an die T Botschaft wenden.
Ich bitte, die Aufenthaltsbefugnis einstweilen in ein Ausweisersatzpapier einzut
ragen."
In einem weiteren Schriftsatz vom ............ 2003 des Klägervertreter wird die
s noch mit folgendem Vortrag vertieft:
"Herr A. hat sich nachhaltig um einen t. Reisepaß bemüht. Richtig ist: zuletzt 1
998. Damals hatte er in Begleitung eines Zeugen bei der t. Botschaft vorgesproch
en. Herr A. ließ mich wissen, dass Ihnen seinerzeit die Bemühungen detailliert n
achgewiesen worden seien.
Warum die Botschaft inzwischen ihre Auffassung geändert haben sollte, ist nicht
ersichtlich.
Aber: Herr A. erklärt sich ausdrücklich damit einverstanden, dass Sie sich in se
inem Namen an die Botschaft wenden, sei es auf dem kurzen Dienstweg, sei es über
das Bundesinnenministerium."
Seit Juni 2003 ist der Kläger zunächst provisorisch mit dem Aufgaben eines G und
seit September 2003 als H an der Islamischen Religionspädagogischen Institut in
XXX betraut.
Bereits mit Schriftsatz seines Bevollmächtigten vom ............ 2001 beantragte
der Kläger bei dem Beklagten eine Auskunft über seine dort erhobenen und gespei
cherten Daten. Diese Anfrage wurde mit Schreiben vom ............ 2001 - welches
dem Folgeantrag zugrunde lag - wie folgt beantwortet:
"A. ist im Bereich des Ausländerextremismus in Erscheinung getreten und mit sein
en Aktivitäten gespeichert (§ 3 i.V.m. § 2 des Gesetzes über das Landesamt für V
erfassungsschutz). So war er seit Jahren aktives F der "Muslim Studenten Vereini
gung in Deutschland e.V." (MSV). Diese steht in enger Verbindung zur "Islamische
n Gemeinschaft in Deutschland e.V." (IGD) und ist der "Muslimbruderschaft" (MB)
zuzurechnen. Er hat mehrfach zu erkennen gegeben, dass er das Gedankengut der MB
vertritt.
Bis 2000 war er D der "Islamischen Religionsgemeinschaft Hessen e.V." (IRH). Ein
er Gruppierung, die Beobachtungsobjekt des LfV Hessen ist."
Mit Schreiben seines Bevollmächtigten vom .........2004 beantragte der Kläger nu
nmehr die Löschung, hilfsweise die Sperrung der gespeicherten Daten. Zur Begründ
ung wird ausgeführt:
"Unser Mandant war F der "Muslim Studentenvereinigung in Deutschland e.V." von 1
989 bis 1993; danach nicht mehr. C war er von 1990 bis 1993. Die MSV war zu kein
er Zeit Mitglied der "Islamischen Gemeinschaft in Deutschland e.V.". Eine enge V
erbindung besteht nicht.
Hinsichtlich des Gedankengutes der "Muslimbruderschaft" hat sich Herr A. nur ein
einziges Mal dazu geäußert, nämlich bei seiner Anhörung zu seinem
Asylantrag im Jahre 1990 und konkret nur im Zusammenhang mit T. und mit dem Wide
rstand gegen das Regime dort, den die 'Muslimbruderschaft' geleistet hat. Diese
Äußerung hat er danach nicht mehr wiederholt. Herr A. ist einer der J der "Islam
ischen Religionsgemeinschaft Hessen e.V.". D war er von 1998 bis 2000. Der D der
IRH bestand zu dieser Zeit aus 19 Mitgliedern aus allen Ethnien und muslimische
n Gruppen aus Hessen. Die IRH wurde gegründet, um als Ansprechpartner für den St
aat zu fungieren, um z.B. den islamischen Religionsunterricht umzusetzen.
Es ist nicht erkennbar, warum die IRH Beobachtungsobjekt des Landesamtes für Ver
fassungsschutz Hessen ist."
Dies wurde mit Schreiben des Beklagten vom ......... 2004 abgelehnt. Hiergegen l
egte der Kläger mit Schriftsatz seines Bevollmächtigten vom ............ 2004 "W
iderspruch" ein. Das Löschungsbegehren wurde mit Bescheid von ........... 2004 z
urückgewiesen. Zur Begründung wurde ausgeführt, dass der Kläger selbst unstreiti
g angebe, dass er von 1989 bis 1993 F der "Muslim Studentenvereinigung in Deutsc
hland e.V. (MSV) gewesen sei. Eine Änderung im Vereinsregister, welche ihn im Ja
hre 1993 als K im MSV ausweise, sei bis Anfang 2004 nicht korrigiert worden, so
dass davon auszugehen sei, dass der Kläger auch nach 1993 bis 2004 noch in der M
SV aktiv war. Bei einer Veranstaltung der MSV sei er als Verantwortlicher mit au
fgeführt.
Eine enge Verbindung der MSV zur Islamischen Gemeinschaft in Deutschand e.V. (IG
D), welche der Muslimbruderschaft (MB) nahe stehe, ergebe sich zum einen nach de
r Satzung der MSV, wonach das Vermögen in bestimmten Fällen an die IGD falle (§
6 der Satzung). Darüberhinaus gebe es personelle Verknüpfungen wie auch gemeinsa
me Aktivitäten, welche auf diese Verbindung hindeuten.

Der Kläger gebe selbst an, viele enge Kontakte zu Muslimbrüdern sowohl in Deutsc
hland als auch in anderen Ländern und zwar insbesondere Kontakt zu führenden Per
sonen der Muslimbruderschaft zu unterhalten. Bei solchen intensiven Kontakten se
i anzunehmen, dass hier eine gemeinsame Grundposition des Islamismus vertreten w
erde. Dies gestehe der Kläger auch selbst ein: "Er halte sich selbst für keinen
Moslembruder, vertrete aber deren Gedankengut".
Die Muslimbruderschaft sei bereits seit Jahren Beobachtungsobjekt der Verfassung
sschutzbehörden. Sie strebe die Beseitigung der herrschenden arabischen Regime a
n, die sie als unislamisch ansehe. Sie fordere eine Beseitigung westlicher Einfl
üsse in der islamischen Welt, die Rückkehr zur "reinen Lehre" des Propheten und
wende sich gegen eine Lockerung islamischer Traditionen und Sitten. Fernziel der
Muslimbruderschaft sei die globale Verwirklichung einer islamistischen Herrscha
ftsordnung.
Die Nähe des Klägers zu der "Muslimbruderschaft" ergebe sich auch aus dem Urteil
des Verwaltungsgerichts G.. Dort sei als eigener Vortrag des Klägers auf Seite
3 ausgeführt: "Er sei des weiteren C des islamischen Konzils in Deutschland, wel
ches eine Dachorganisation vieler islamischer Organisationen wie der islamischen
Gemeinschaft in Deutschland und Milli Görüs darstellte". Die beispielhaft aufge
führten Organisationen seien beide Beobachtungsobjekte der Verfassungsschutzbehö
rden und würden als islamistische Gruppierungen eingeschätzt.
Dies alles seien Hinweise für das Eintreten des Klägers für einen Islam, der sic
h nicht damit begnügte, eine Religion zu sein, sondern der Religion und Staat al
s untrennbare Einheit ansiehe. Damit widerspreche er den Prinzipien über die fre
iheitliche demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland.
Aufgrund der Gesamtwertung dieser Erkenntnisse könne der Kläger der islamistisch
en Szene zugeordnet werden. Eine Löschung seiner personenbezogenen Daten komme z
ur Zeit nicht in Betracht, da sie zur Aufgabenerfüllung des Landesamt für Verfas
sungsschutz Hessen noch erforderlich seien.
Am .................2004, hat der Kläger Klage erhoben.
Zur Begründung führt er aus, es träfe zu, dass er von 1989 bis 1993 F der "Musli
m Studentenvereinigung in Deutschland e.V." (MSV) gewesen sei. Die MSV sei bunde
sweit die erste islamische Organisation, die ihre gesamte Arbeit bewußt und gezi
elt rein deutschsprachig organisierte, um größtmögliche Transparenz zu gewährlei
sten, die Integration der Studenten zu fördern und den interkulturellen Dialog z
u erleichtern. Das Engagement in einer solchen Organisation könne nicht als staa
tsfeindlich eingestuft werden.
Ferner sei er E von 1990 bis 1993 gewesen. Seit 1993 sei er nicht mehr in der MS
V aktiv, auch nicht bis 2004. Dass eine Berichtigung im Vereinsregister bis in d
as Jahr 2004 nicht erfolgt sei, habe er nicht zu vertreten. Es wäre Sache der üb
rigen Vorstandsmitglieder gewesen, das Ausscheiden des Klägers aus dem F dem Ver
einsregister gegenüber mitzuteilen. Dies habe der Vorstand versäumt.
Es stimme nicht, dass er auf der Mitgliederversammlung am .................. ern
eut als K gewählt worden sei. Das Protokoll habe er nicht als Protokollführer un
terschrieben. Er unterschreibe nie in arabischer Schrift. Das Protokoll sei ohne
sein Wissen und ohne seine Zustimmung erfolgt. Noch am gleichen Tage nach dem B
esuch bei dem Beklagten am ...... 1999 habe er die MSV kontaktiert und auf Korre
ktur der falschen Eintragung gedrungen, was ihm mit Schreiben vom ......... 1999
auch bestätigt worden sei (). Nach 1993 sei er nicht mehr für die MSV tätig gew
esen.
Es werde mit Nichtwissen bestritten, dass der Kläger an einer Veranstaltung der
MSV im Oktober 1995 als Verantwortlicher mit aufgeführt worden sei. Und selbst w
enn dies geschehen wäre, sei dies ohne Zutun des Klägers erfolgt. Wie aus einer
vorgelegten Liste der Aktivitäten des Klägers unschwer zu erkennen sei, sei er z
ur fraglichen Zeit im Jahr 1995 bereits stark in der deutschsprachigen Dialog- u
nd Integrationsarbeit engagiert gewesen. Aufgrund seiner Kompetenzen (auf sprach
licher Ebene, auf islamisch-wissenschaftlicher Ebene und auch als Organisator) h
abe der Kläger nachweislich eine Vielzahl von Terminen im Monat als Referent ode
r Co-Referent oder Moderator wahrgenommen. Es sei auch Mitorganisator bei den ve
rschiedensten Veranstaltungen, sowohl bei Nicht-Muslimen als auch bei Muslimen g
ewesen. Gemeinsame Aktivitäten unter Muslimen und islamischen Organisationen sei
en eher die Regel und nicht die Ausnahme.
Es sei nicht sehr seriös, die Leitung eines Bunten Abends am ........... 1995 au
f einem Treffen der MSV als inhaltliche Aktivität für diesen Verein zu werten. A
us einer einzigen Aktivität unter mehreren Dutzend im Jahr 1995 ableiten zu woll
en, dass er aktiv für diese Organisation gewesen sei, sei nicht nachvollziehbar.
Die MSV sei laut Satzung und Zielsetzung ein Verein von Studenten für Studenten.
Seit seiner Exmatrikulation habe der Kläger nicht mehr den Status eines Student
en. Seit 2003 sei er mit einem Ganztagsjob als H des Islamischen Religionspädago
gischen Instituts und als L an der Islamischen Religionspädagogischen Akademie i
n XXX tätig; diese Tätigkeit lasse andere Aktivitäten nicht mehr zu.
Der MSV sei zu keiner Zeit Mitglied der "Islamischen Gemeinschaft in Deutschland
" (IGD) gewesen. Der Kläger sei zu keiner Zeit F der IGD gewesen. Die behauptete
n personellen Verknüpfungen zwischen MSV und IGD zum fraglichen Zeitpunkt zwisch
en 1989 und 1993 würden mit Nichtwissen bestritten.
Die Aussage des Klägers, "er pflege enge Kontakte zu Muslimbrüdern", sowie, "er
vertrete das Gedankengut der Muslimbruderschaft" habe er nur ein einziges Mal ge
macht und zwar bei der Anhörung im Rahmen seines Asylverfahrens im Jahr 1989/199
0 und danach nicht mehr. Diese Äußerung habe nur im Zusammenhang mit T. und mit
dem Widerstand, den die Muslimbruderschaft gegen das dortige Regime führte, gest
anden. Dass er Kontakte zu Muslimbrüdern gehabt habe, sei unvermeidlich. Er habe
diese Kontakte einzig aufgrund seiner Exposition als Person des öffentlichen Le
bens innerhalb der Islamischen Gemeinschaft in Deutschland gehabt. Bekanntermaße
n bestünden bei Personen des öffentlichen Lebens zwangsläufig Kontakte zu allen
Gesellschaftsschichten und Gruppierungen, die auch gepflegt werden müssen, ohne
dass man selbst sich deren Positionen und Gesinnung zu eigen machte.
Er habe nur ein einziges Mal, am ......... 1989, im Alter von 24 Jahren bei der
Anhörung in seinem Asylverfahren ausgesagt, er vertrete das Gedankengut der t. M
uslimbruderschaft in Bezug auf die damalige politische Situation in T., weil die
se Organisation nach 1976 die einzige weit verbreitete Opposition gegen das Regi
me von B gewesen sei, der sich 1970 mit Hilfe des Militärs an die Macht geputsch
t habe. Anlaß für eine Opposition seien damals die Methoden, mit welcher B. sein
Regime in T. etabliert habe, gewesen. Man erinnere sich nur an die militärische
Niederschlagung des Aufstandes gegen das Regime 1982 in Hama (200.000 Einwohner
), ............
Die Tatsache, dass er sich vor 15 Jahren zu dem oben dargelegten islamischen Ged
ankengut bekannt habe, sei kein Beweis für seine Verfassungsfeindlichkeit, sonde
rn belege seine demokratische rechtsstaatliche Grundeinstellung. Schließlich sei
die Idee, ein Land von einem Unrechtsregime zu befreien, weder moralisch verwer
flich noch undemokratisch oder ein Verstoß gegen die Ideen der Zivilgesellschaft
, der Aufklärung und der Menschenrechte, sondern Grundidee der europäischen Aufk
lärung.
Zu keinem späteren Zeitpunkt nach dieser Anhörung habe er nochmals ausgesagt, da
s Gedankengut der Muslimbruderschaft zu vertreten. Er habe auch zu keinem Zeitpu
nkt geäußert, er sei F oder Sympathisant der Muslimbruderschaft zu sein bzw. sic
h in irgendeiner Art für die Muslimbruderschaft zu engagieren. Es bestehe auch e
in Widerspruch darin, dass die Behörden seit Ablehnung des Asylbegehrens im Apri
l 1998 aktiv darauf hinarbeiteten, ihn, den sie in der Öffentlichkeit und in den
Medien ständig der Mitgliedschaft in der Muslimbruderschaft bezichtigen, nach T
. abzuschieben, obwohl den Behörden sehr wohl bekannt sei, dass in T. allein der
Verdacht der Mitgliedschaft in der Muslimbruderschaft oder auch nur die Nähe zu
r oder die Sympathie mit der Muslimbruderschaft laut Gesetz .........mit dem Tod
e bestraft und diese Strafe bis heute noch vollstreckt werde.
Er habe im Jahr 2002 vom Verwaltungsgericht G., wegen der vom Gericht erkannten
paradoxen und lebensbedrohlichen Situation Abschiebeschutz aus humanitären Gründ
en erhalten: Einerseits seien ihm weder Asyl noch Aufenthaltsstatus zuerkannt wo
rden, weil er kein Mitglied der Muslimbruderschaft gewesen sei, andererseits wer
de er von den politisch Verantwortlichen der Nähe zur Muslimbruderschaft beschul
digt und es werde seine Abschiebung in ein Land betrieben, in dem ihm - wegen di
eser falschen Behauptungen - mit Sicherheit Folter bis hin zur Todesstrafe droht
en.
Das "Islamische Konzil in Deutschland" sei 1990 gegründet worden und bestehe sei
t fast vier Jahren nicht mehr. Das Islamische Konzil in Deutschland sei ein unab
hängiges, überregionales Koordinierungsgremium verschiedener islamischer Organis
ationen gewesen, eine Art Projektforum zur Durchführung integrationsfördernder,
sozialer, kultureller und humanitärer Aufgaben auf internationaler Ebene, in wel
chem sich nationalitäten- und länderübergreifend folgende in Deutschland ansässi
gen islamischen Organisationen und Dachorganisationen gemeinsam engagiert hätten
:
1. Föderation islamischer Organisationen in Europa
2. Union der türkisch-islamischen Kulturvereine/ATID
3. Vereinigung der neuen Weltsicht in Europa/AMGT
4. Islamische Gemeinschaft in Deutschland
5. Verband der bengalischen Gemeinde
6. Föderation der bosnisch-islamischen Kulturzentren
7. Islamische Gemeinschaft in Wuppertal
8. Muslim Studentenvereinigung/MSV
9. Young Muslim Association in Europe/Zweigstelle Deutschland.

Wie unschwer erkennbar, seien als Mitglieder im islamischen Konzil sowohl Organi
sationen, die auch im Zentralrat der Muslime Deutschland (ZMD) Mitglied sind, eb
enso Organisationen, die auch im Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland Mit
glied sind, als auch Organisationen, die keiner dieser beiden Dachorganisationen
zuzurechnen seien.
Das islamische Konzil habe unter anderem folgende Zielsetzung gehabt:
1. Förderung des friedlichen Zusammenlebens aller Gesellschaftsgruppen in Deutsc
hland,
2. Koordinierung der Zusammenarbeit der islamischen Gemeinden und Gemeinschaften
in Deutschland,
3. Schaffung von Diskussionsforen zur kontroversen Beschäftigung mit den Herausf
orderungen in der islamischen Welt einerseits und der Situation der Mulsime ande
rerseits,
4. Unterstützung gemeinsamer gemeinnütziger Projekte der Muslime in Deutschland.
Tätigkeitsbereiche des Islamischen Konzils seien unter anderem gewesen:
1. Sozialer Bereich: z. B. Hilfestellung bei der Integration,
2. religiöser Bereich: z. B. Unterstützung bei der Schaffung islamischer Kulturz
entren und Moscheen,
3. medialer Bereich: z.B. Unterstützung bei der Gründung eigener islamischer Pri
ntmedien,
4. humanitärer Bereich: Initiierung und Koordinierung von Hilfsaktionen bei Natu
rkatastrophen, in Kriegs- und Notstandsgebieten, vor allem in Bosnien-Herzegovin
a,
5. gesellschaftlicher Bereich: z. B. Förderung des islamisch-christlichen Dialog
s und des islamisch-jüdischen Dialogs.
Unbestritten sei, dass der Kläger sich im Islamischen Konzil aktiv engagiert und
die genannten Aktivitäten bis 1995 als C des IKD mit getragen habe. Die Behaupt
ung, die "Islamische Gemeinschaft Milli Görüs/IGMG" sei damals Mitglied im Islam
ischen Konzil gewesen, sei nicht richtig, denn die islamische Gemeinschaft Milli
Görüs/IGMG sei erst 1995 als Nachfolgeorganisation der AMGT gegründet worden.
Die "AMGT/Vereinigung der neuen Weltsicht in Europa" sei als Mitglied im Islamis
chen Konzil im fraglichen Zeitraum (1989 bis 1995) nicht Beobachtungsobjekt des
Verfassungsschutzes gewesen. Aus der Tatsache, dass Mitgliedsorganisationen des
Islamischen Konzils (erst nach dem fraglichen Zeitraum 1989/1990) Beobachtungsob
jekt des Verfassungsschutzes wurden, schlußfolgern zu wollen, das Islamische Kon
zil sei bereits deswegen als nicht verfassungskonform einzustufen, sei mit recht
sstaatlichen Prinzipien nicht zu vereinbaren.
Der Kläger sei J der "Islamischen Religionsgemeinschaft Hessen e.V." (IRH). Er s
ei deren D von 1998 bis November 2000 gewesen. Der Verein habe damals 19 Mitglie
der aus islamischen Gruppen in Hessen gehabt. Der Verein sei gegründet worden, d
amit der Staat einen Ansprechpartner habe, z. B. um die Forderung nach einem isl
amischen Religionsunterricht umzusetzen. Der Verein IRH stehe erst seit Mai 2001
unter Beobachtung des Landesamtes für Verfassungsschutz.
Keine einzige der Äußerungen des Klägers könne als "islamistisch" bezeichnet wer
den. Das beklagte Land möge Zitate aus Büchern, Artikeln oder anderen Schriften
des Klägers vorlegen, welche die These seiner Zugehörigkeit zur "islamistischen
Szene" belegen könnten. Der Kläger habe als D der IRH mehrere Gespräche mit dem
Hessischen Landesamt für Verfassungsschutz und zwar auf seinen Wunsch und seine
Initiative hin geführt. Das letzte dieser Gespräche habe 1999 mit dem damaligen
Leiter stattgefunden. In dieser Zeit wären nach Auskunft des Leiters des Beklagt
en weder der Kläger, noch die IRH, deren D er damals gewesen ist, beobachtet wor
den. Zu diesem Zeitpunkt sei er ausschließlich in der IRH aktiv gewesen; das Isl
amische Konzil habe faktisch seit ca. 5 Jahren nicht mehr existiert und aus der
MSV sei er seit Jahren ausgeschieden.
Die Begründung dafür, dass er beobachtet werde, liege einzig in seinen Aktivität
en für die Einführung des islamischen Religionsunterrichts in Hessen. Nachdem di
e IRH unter seinem Vorsitz im Jahre 1998 den Antrag auf islamischen Religionsunt
erricht gestellt und offensichtlich alle Voraussetzungen erfüllt gehabt habe und
auch die externen Gutachten über die IRH keine Argumente geliefert hätten, den
Antrag abzulehnen, habe die neue CDU-Regierung ab April 2000 einen glaubwürdigen
Grund gebraucht, den Antrag der IRH abzulehnen. Der einzige Grund, der für die
Betroffenen und die Öffentlichkeit nicht überprüfbar sei, sei die Unterstellung
der Verfassungsfeindlichkeit. Aus diesem Grund würden sowohl die IRH als auch de
r Kläger als deren J und D ab 2000 zum Beobachtungsobjekt gemacht, um mit dieser
Begründung den Antrag auf islamischen Religionsunterricht ablehnen zu können, w
as auch im September 2000 erfolgt sei.

Der Kläger beantragt nach entsprechender Erörterung in der mündlichen Verhandlun


g nur noch,
den Bescheid des Beklagten vom ............2004 aufzuheben und den Beklagten zu
verpflichten, die personenbezogenen Daten des Klägers zu löschen, hilfsweise zu
sperren.
Der Beklagte beantragt,
die Klage abzuweisen.
Der Beklagte ist der Auffassung, bereits die Tatsache, dass der Kläger bis zu se
inem Wegzug nach W. seinen Wohnsitz und den Sitz des .....................in Hes
sen gehabt habe und im Vereinsregister der MSV als E aufgeführt werde, sei ein A
nhaltspunkt für eine extremistische Tätigkeit, welche zur Speicherung seiner per
sonenbezogenen Daten berechtige.
Seine Einlassungen, er sei seit 1993 nicht mehr bei der MSV aktiv gewesen, stünd
en im Widerspruch zur Vereinsakte. Danach sei er auf der Mitglieder- bzw. Delegi
ertenvollversammlung der MSV am xxx erneut als K der MSV gewählt worden. Ausweis
lich des Protokolls sei der Kläger zum xxx und xxx dieser Sitzung bestimmt worde
n. Die Vorstandwahl sei im März 1994 ins Vereinsregister eingetragen worden.
Dass der Kläger auch nach 1993 - und damit nach dem von ihm behaupteten Ende sei
ner Tätigkeit bei der MSV noch aktiv für diese gewesen sei - zeige die Veranstal
tung im ............... 1995, bei der er ausweislich des Programmes einen Progra
mmpunkt, nämlich den Bunten Abend "The Gala" veranstaltet habe.
Allein die Ankündigung in dem Programm sei jedenfalls ein tatsächlicher Anhaltsp
unkt für ein extremistisches Verhalten, der die Speicherung rechtfertige. Dem Kl
äger gegenüber sei in einem Gespräch im Hause des Beklagten am ..........1999 er
wähnt worden, dass er noch im C der MSV geführt sei. Dass er sich daraufhin nich
t sichtbar um die Löschung hieraus bemüht habe, müsse als Zeichen dafür gewertet
, dass er sich dem Vorstand der MSV noch zugehörig gefühlt und die Betätigung de
r MSV damit unterstützt habe.
Auf die Verflechtungen der MSV zur Islamischen Gemeinschaft in Deutschland (IGD)
sowie zur Muslimbruderschaft wiesen zahlreiche Anhaltspunkte. So sei bei der Ve
ranstaltung der MSV im Oktober 1995 auch Dr. C. als Redner einer Podiumsdiskussi
on aufgetreten. C. sei jahrelang Generalsekretär, später Dialogreferent der IGD
gewesen.
D. der ausweislich des Vereinsregisterauszugs 1. Vorsitzender der MSV ist/war, s
ei seit 2002 Vorsitzender der IGD. Der 2. Vorsitzende, E., sei in den Jahren 200
1/ 2002 Vorsitzender der islamistischen türkischen Islamischen Gemeinschaft Mill
i Görüs e.V. (IGMG) gewesen. Dem Kläger sei 1988 durch die IGD für die Dauer des
Asylverfahrens eine monatliche Unterstützung gewährt worden, damit er und seine
Familie nicht in Sammelunterkünften habe leben müssen.
Die Nähe der MSV zur Muslimbruderschaft sei auch aus einem Artikel in der MSV- Z
eitschrift "Saut al-Talib" vom Oktober 1995 erkennbar, in dem F., Gründer der Mu
slimbruderschaft, als bedeutende islamische Persönlichkeit des Jahrhundert vorge
stellt werde. Hierin heißt es u.a.: "F. konzentrierte seine Arbeit auf die Erzie
hung und zwar auf den Aufbau einer neuen Generation, die den Islam richtig verst
eht, dass er Religion und Staat, Anbetung Allahs und völlige Unterwerfung unter
den Willen Allahs und eine endgültige Gesetzgebung, die das gesamte Leben der Me
nschen in allen Lebensbereichen umfaßt, sowohl das erzieherische das gesellschaf
tliche, das wirtschaftliche und das politische Leben der Menschen vereint..."
Enge Verbindungen zwischen den genannten Organisationen würden auch von Islamwis
senschaftlern festgestellt. Das Islamische Konzil in Deutschland (IKD), das dem
sunnitisch-extremistischen Spektrum der Muslimbruderschaft zugerechnet werde und
als Koordinierungsgremium der Muslimbruderschaft in Deutschland gelte, habe ebe
nfalls eine Nähe zu IDG und MSV. Dies ergebe sich bereits daraus, dass beide Ver
einigungen mit anderen Gruppierungen, Gründungsmitglieder des IKD gewesen seien.
Der Kläger bestreite nicht, im IKD aktiv gewesen zu sein. Er habe z.B. für das I
KD an der Islamisch-christlichen Arbeitsgemeinschaft in Hessen teilgenommen. Sei
ne Nähe zur Muslimbruderschaft habe der Kläger selbst bekannt gegeben und dies n
icht nur im Asylverfahren.
Es sei nicht richtig, dass der Kläger einzig aus dem Grund beobachtet werde, wei
l er für die Einführung des islamischen Religionsunterrichtes in Hessen eintrete
. Die Speicherung seiner personenbezogenen Daten folgten aus seinen verfassungsf
eindlichen Aktivitäten, seiner im Gegensatz zur freiheitlich demokratischen Grun
dordnung stehenden Auffassungen von Demokratie und Pluralismus, auf welche auch
seine Aktivitäten Aufschluss gäben. Menschenrechte als Individualrechte endeten
bei dem Kläger an der Grenze der Prioritäten, die er in seinen islamologischen S
chriften ziehe. Dominierendes System, bzw. der Kultur- und Zivilisationsträger m
üsse der von Islamologen entworfene Islam sein. Der Mensch als Staatsbürger sei
in dieser Weltsicht von sekundärer Natur, mithin auch seine bürgerlichen Rechte.
Der Kläger, der bereits an einer der Muslimbruderschaft nahestehenden Privatuniv
ersität studiert habe, die dem Vorwurf ausgesetzt sei, eine Kaderschule für musl
imische Fundamentalisten zu sein, setze sich seinen Worten nach für eine Integra
tion der Muslime in westlichen Gesellschaften ein. Es dürfe indes bezweifelt wer
den, dass das vom Kläger immer wieder auch in seinen Schriften entworfene Weltbi
ld mit einem säkularen Staat vereinbar sei und ob nicht vielmehr für den Kläger
Staat und Religion eine untrennbare Einheit darstellen. Bekenntnisse zu Menschen
rechten und dem Grundgesetz seien vor dem Hintergrund fragwürdig, wenn er z.B. i
n seinem Lehrbuch xxx den Begriff `Din' als "islamische Lebensweise", die "alle
Bereiche und Ebenen der Lebensgestaltung, nämlich die religiöse, kulturelle, pol
itische, wirtschaftliche, soziale, wissenschaftliche etc. impliziert und umfasst
" (xxx) definiert: "Die Regeln sind von Allah gegeben und unveränderlich." Der K
läger erwecke den Eindruck, man habe es bei dem Koran mit einem zu allen Zeiten
und für alle Muslime in gleicher Weise gültigen verbindlichen Recht zu tun. Eine
Relativierung innerhalb einer mehrheitlich nichtmuslimischen Umgebung auch in B
ezug auf das geltende Gesetzesrecht werde nicht thematisiert. Der Kläger verlang
e von den Muslimen den Aufbau einer Wir-Gruppe, eines vorrangigen Gemeinschaftsg
efühls: "Die Muwalat (= Zuneigung und Liebe mit religiöser Identifikation, so di
e Definition des Klägers, Anm.) für Nichtmuslime, d.h. die offene und/ oder subt
ile Bevorzugung anderer Gemeinschaften, Wir- Gruppen und/ oder Individuen vor de
r Gemeinschaft der Muslime wird praktisch als Abweichung vom Islam verstanden."
(xxx).
Dass mit anderen Wir- Gruppen auch die gesamte Gesellschaftsordnung gemeint sei,
Muslime mithin für den Kläger außerhalb der hiesigen Gesellschaft stünden, sei
aus Folgenden zu schließen (xxx): "Fakt ist, dass zwischen den beiden Wir- Grupp
en (Muslimen und Nicht-Muslimen) in den verschiedenen Bereichen Unterschiede bes
tehen, z.B. ... in den Wertvorstellungen, Zielsetzungen und in der Akzentsetzung
für die gesamte Lebensweise, in Theorie und Praxis in Bezug auf das Sozialverha
lten, Ehtik, Moral, usw. Diese Unterschiede wirken sich auf die gesamte individu
elle Lebensführung aus und kennzeichnen die Zugehörigkeit zur jeweiligen Wir- Gr
uppe ... . Zusätzlich schaffen Verhaltensmuster, Denkstrukturen und Normen inner
halb der eigenen Wir-Gruppe eine gewisse emotionale `Distanz' zu anderen Wir- Gr
uppen, wenn diese gegen die gültigen Normen der anderen Wir-Gruppe verstoßen und
aus diesem Grund abgelehnt werden."
Die Konstruktion einer solchen Dualität verhindere die Integration von Muslimen
in die hiesigen Gesellschaft, die im Übrigen z.B. in Bezug auf Wertvorstellungen
ja gerade nicht einheitlich sondern pluralistisch und dementsprechend vielfälti
g sei. Jedenfalls sei der vom Kläger beschriebene Dualismus schwer in Einklang m
it dem hiesigen Verständnis zu bringen, dass oberste Gesetze für das Zusammenleb
en der Menschen nicht göttliche, sondern vom Menschen gemachte sind, die als ges
ellschaftlicher Konsens für alle gegenüber allen verpflichtend gelten. Die Konse
quenz aus den Lehren des Klägers sei - bestenfalls - die Entstehung einer Parall
elgesellschaft, in der dann individuelle Menschenrechte eine relative Gültigkeit
haben. Sie gälten, solange sie mit den Lehren des Koran vereinbar sind.
Eklatantestes Beispiel hierfür seien die Rechte von Mädchen und Frauen. Mit der
sogenannten Kamelfatwa des Fiqh-Rates der Islamischen Religionsgemeinschaft Hess
en aus dem Jahr 1998 habe der Kläger zum Beispiel erklärt, dass islamischen Schü
lerinnen die Teilnahme an Klassenfahrten ohne Begleitung eines männlichen Famili
enangehörigen (Mahram) verboten sei, weil sie gegen islamische Regeln verstoße.
Der Grund dafür sei, dass im Koran geschrieben stehe, dass eine Frau nicht die E
ntfernung einer Tages- und Nachtreise ohne Mahram zurücklegen dürfe. Diese Entfe
rnung werde heute auf 81 km festgesetzt, was der Tagesleistung eines Kamels ents
prechen solle. Der Grund sei früher der gewesen, dass ein männlicher Angehöriger
ihr zum Schutz kommen können sollte, wenn Gefahr drohte. Da der Koran nach der
dort vertretenen Auffassung sich einer Deutung entziehe, werde der Radius, in de
m sich die Mädchen und Frauen bewegen dürfen, auch heute noch an der Tagesleistu
ng eines Kamels gemessen.
Mit einem solchen Verbot, welches der Kläger selbst mit Art. 4 GG begründe, stel
le er aber eine Regelung auf, die zugleich mit Art. 3 Abs. 2 GG sowie mit dem st
aatlichen Erziehungsauftrag der Schulen im Widerspruch stehe und die dazu führe,
dass Schülerinnen nicht in der gleichen Weise wie ihre Mitschüler und nichtmusl
imischen Mitschülerinnen die Möglichkeit zur eigenen Entwicklung hätten, die den
Schülerinnen und Schülern auf Klassenfahrten ermöglicht werden soll. Auch hätte
n Bücher des Klägers, die in der islamistischen Szene rezipiert werden, z.B. auf
der Frankfurter Buchmesse 2000 u.a. das Buch `At-Tafsir' auf dem Stand der Isla
mischen Gemeinschaft Milli Görüs ausgelegen.
Die aufgeführten Aktivitäten sowie von ihm veröffentlichten Schriften - hier: se
in Buch xxx - seien Belege dafür, dass der Kläger Bestrebungen verfolge, die geg
en die freiheitlich demokratische Grundordnung gerichtet seien. Damit lägen tats
ächliche Anhaltspunkte im Sinne des § 2 Abs. 2 Nr. 1 VerfSchG vor. Dies rechtfer
tige die Speicherung von über ihn gesammelten personenbezogenen Daten durch das
Landesamt für Verfassungsschutz.
Wegen den weiteren Einzelheiten wird auf den Inhalt der Gerichtsakte, ein Heftst
reifen Anlagen, die Behördenakte des Beklagte, die Ausländerakte, die Bundesamts
akten (2 Heftstreifen) sowie die Gerichtsakte des Verwaltungsgerichtes G., Bezug
genommen, welche sämtlich zum Gegenstand der mündlichen Verhandlung und Entsche
idung gemacht worden sind.
E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e
Die Klage ist zulässig. Das Begehren des Klägers ist als Anfechtungs- und Verpfl
ichtungsklage zulässig. In der Entscheidung des Beklagten, ein Löschungs- bzw. S
perrungsantrag stattzugeben, oder ihn ganz oder teilweise abzulehnen, liegt eine
Regelung mit Außenwirkung im Sinne eines Verwaltungsaktes.
Die Klage ist jedoch nicht begründet. Ein Anspruch auf Löschung der personenbezo
genen Daten des Klägers bei dem Beklagten besteht gemäß § 19 Abs. 1 HVerfSchG i.
V.m. § 19 Abs. 3 und 4 HDSG nicht.
Nach § 19 Abs. 4 HDSG sind personenbezogene Daten zu löschen, wenn ihre Verarbei
tung unzulässig ist. Dass die über den Kläger vorhandenen Erkenntnisses bei dem
Beklagten unzulässig sind, hat der Kläger weder substantiiert vorgetragen noch e
rgibt sich dies aus den vorgelegten Unterlagen. Denn die Daten sind rechtmäßig v
on dem Beklagten gespeichert worden.
Das Landesamt für Verfassungsschutz darf personenbezogene Daten speichern, sowei
t dies zur Aufgabenerfüllung der Behörde erforderlich ist. Zur Erfüllung seiner
Aufgabe beobachtet das Landesamt für Verfassungsschutz gemäß § 2 Abs. 2 Nr. 1 HV
erfSchG Bestrebungen, die gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung, den
Bestand oder die Sicherheit des Bundes oder eines Landes gerichtet sind oder ei
ne ungesetzliche Beeinträchtigung der Amtsführung der Verfassungsorgane des Bund
es oder eines Landes oder ihrer Mitglieder zum Ziele haben. Zu diesem Zwecke sam
melt es gemäß § 2 Abs. 2 Satz 2 HVerfSchG Informationen, insbesondere
sach- und personenbezogene Auskünfte, sowie Nachrichten und Unterlagen über solc
he Bestrebungen und Tätigkeiten und wertet sie aus. Erforderlich hierfür ist, da
s Vorliegen objektiver Anhaltspunkte die mit hinreichender Wahrscheinlichkeit au
f verfassungsfeindliche Aktivitäten und ähnliches im Einzelfall hinweisen.
Dies ist bezüglich des Klägers der Fall. Ob der Kontakt einer Person zu den vom
Verfassungsschutz als extremistisch eingestuften Gruppierungen oder Personen zuf
ällig und damit verfassungsschutzrechtlich irrelevant ist oder hierin ein Anhalt
spunkt für extremistisches Verhalten dieser Person zu erkennen ist, kann nur auf
grund einer Bewertung in der Zusammenschau vieler vorliegender Erkenntnisse gefo
lgert werden.
In Bezug auf den Kläger ist festzustellen, dass er bereits in seinem ersten Asyl
verfahren geltend machte, Kontakt zur "Moslembrüderschaft" gehabt zu haben. Noch
in der mündlichen Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht W. im ..... 1998 erklä
rte er, dass er zwar kein Moslembruder sei, aber viele Kontakte zu Moslembrüdern
sowohl in Deutschland als auch in anderen Ländern und zwar insbesondere Kontakt
e zu führenden Leuten in der Moslembrüderschaft habe. Insoweit verwies er auch a
uf ein Foto mit einem Herr M. und dem Kläger, wobei Herr M. nach dem damaligen V
ortrag des Klägers inzwischen weltweit der Führer der Moslembrüderschaft sei.
Auch wenn der Kläger heute geltend macht, dass die damaligen Personen gar nicht
der "Moslembrüderschaft" angehörig oder zuzurechnen gewesen sei, so hat er sich
selbst zur Begründung seines Asylbegehrens dem Einflussbereich einer extremistis
chen Organisation zugerechnet, welche zu Recht von dem Beklagten beobachtet wird
. Von seiner Zurechnung zur Moslembruderschaft, welche eine globale Verwirklichu
ng einer islamischen Herrschaftsordnung im Sinne der Schaffung eines islamischen
Gottesstaates auf Erden anstrebt, hat sich der Kläger auch nicht in seinem Asyl
folgeverfahren vor dem Verwaltungsgericht G. distanziert. Zwar macht er hier wor
tgewaltig geltend, dass andere ihn als der Moslembruderschaft zugehörig ansehen
würden; diese Zurechnung ließ er jedoch ganz offensichtlich zur Begründung seine
s Asylverfahrens gegen sich wirken, denn er distanzierte sich in keinster Weise
von diesem Vorwurf und machte auch nicht geltend, dass es sich hierbei um eine F
ehlinterpretation handele. Im Gegenteil nutzte er hierzu unter Vorlage der Ausku
nft des Beklagten vom ...... 2001 die erteilte Auskunft zur Begründung seines Fo
lgeverfahrens, wonach er mehrfach zu erkennen gegeben habe, dass er das Gedanken
gut der Moslembrüderschaft vertrete. Bereits zum damaligen Zeitpunkt hätte der K
läger die Möglichkeit gehabt, sich hiervon zu distanzieren, was er nicht tat.
Insoweit lässt sich feststellen, dass eine Verarbeitung der personenbezogenen Da
ten des Klägers in keinster Weise unzulässig ist.
Die personenbezogenen Daten des Klägers wären ansonsten allenfalls zu löschen, w
enn feststeht, dass ihre Speicherung nicht mehr erforderlich ist, um die Zwecke
zu erfüllen, für die sie erhoben worden sind (§ 19 Abs. 3 HDSG). Dass die Daten
für den Beklagten nicht mehr erforderlich sind, behauptet der Kläger ebenfalls n
icht. Der Kläger macht vielmehr geltend, dass seine bisherigen Aktivitäten in ke
inster Weise gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung verstoßen würden
und mögliche Verknüpfungen zu Organisationen mit verfassungsfeindlichen Tendenze
n falsch von dem Beklagten gewertet würden. Gerade dies macht aber die weitere S
peicherung der Daten erforderlich.
So macht der Kläger in dem vorliegenden gerichtlichen Verfahren erstmals geltend
, dass er entgegen den Eintragungen im Vereinsregister der Moslem-Studentenver-e
inigung Deutschland e.V. nicht mehr bis 2004 aktiv gewesen sei, sondern nur bis
zum Jahre 1993. Die Eintragung im Vereinsregister sei aufgrund gefälschter Proto
kolle und ohne sein Wissen und ohne seine Zustimmung erfolgt.
Es ist nicht Sache des Gerichtes im Rahmen eines Löschungsbegehrens zu prüfen, o
b eine öffentliche Urkunde richtig oder falsch zustande gekommen ist. Die öffent
liche Urkunde (das Vereinsregister) und die Erklärungen des Klägers hierzu sind
jedoch im Rahmen der Aufgabenerfüllung des Beklagten auch im Hinblick zur Frage
des Gedankengutes des Klägers und seiner Verbindungen zu verfassungsfeindlichen
Organisationen einer Bewertung zugänglich. Zudem ist auch bis heute kein Bericht
igungsantrag hinsichtlich des Vereinsregisters vom Kläger gestellt worden.
Dass der Kläger zunächst bestritt bei einer Veranstaltung der Moslem-Studenten-V
ereinigung Deutschland e.V. im ....... 1995 bei einem bunten Abend beteiligt gew
esen zu sein, dies aber im Rahmen seines weiteren Vortrages dahingehend relativi
erte, dass auch andere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens ohne vom Verfass
ungsschutz beobachtet zu werden an dieser Veranstaltung teilnahmen, zeigt, dass
es dem Kläger lediglich um die Frage der Verknüpfung seiner Tätigkeit mit "verfa
ssungsfeindlichen Tendenzen" geht. Hierauf kommt es jedoch nicht an, denn die Ak
tivitäten des Klägers sind tatsächliche Anhaltspunkte zur Beurteilung des Vorlie
gens von Bestrebungen nach § 2 Abs. 2 HVerwSchG.
Das Gericht vermag dabei nicht zu erkennen, dass die über den Kläger gespeichert
en personenbezogenen Daten das für die Aufgabenerfüllung des Landesamtes für Ver
fassungsschutz erforderliche Maß übersteigen (vgl. § 6 Abs. 1 HVerfSchG).
Insoweit kommt es auf die weiteren und umfänglichen Ausführungen des Klägers in
dem vorliegenden Klageverfahren, welche sich nun indirekt auf die Erforderlichke
it der Speicherung der personenbezogenen Daten des Klägers richten, nicht weiter
an.
Der Kläger hat auch keinen Anspruch auf Löschung seiner personenbezogenen Daten
aus dem Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung nach Art. 2 Abs. 1 i.V.m
. Art. 1 Abs. 1 GG, wie dies das Bundesverfassungsgericht in mehreren Entscheidu
ngen konkretisiert hat (vgl. BVerfGE 65, 1(43); 78, 77 (84)). Denn die Regelunge
n im Hessischen Verfassungsschutzgesetz und im Hessischen Datenschutzgesetz zur
Verarbeitung personenbezogener Daten beim Hessischen Landesamt für Verfassungssc
hutz sind nicht zu beanstandende Konkretisierungen dieses Grundrechtes. Dass die
hierin vom Landesgesetzgeber getroffenen Regelungen den grundgesetzlich geregel
ten Rahmen überschreiten, hat der Kläger weder dargetan, noch ist dies ersichtli
ch.
Nach alledem besteht ein Löschungsanspruch nicht.
Im übrigen ist festzustellen, dass nach § 6 Abs. 6 HVerfSchG der Gesetzgeber Lös
chfristen festgelegt hat, welche sicherstellen, dass nach Ablauf eines Zeitrahme
ns nach der letzten gespeicherten relevanten Information die gesamten Daten zu l
öschen sind. Diese Fristen sind aber noch nicht in Lauf gesetzt.
Auch steht dem Kläger der hilfsweise geltend gemachte Anspruch auf Sperrung sein
er personenbezogenen Daten nicht zu. § 19 Abs. 1 HVerfSchG regelt nur den Fall d
er Sperrung von Daten, welche eigentlich zu löschen sind. Insoweit ergibt sich h
ieraus für den Kläger kein Anspruch auf Sperrung.
Ein Anspruch auf Sperrung könnte sich allenfalls aus § 19 Abs. 1 HVerfSchG i.V.m
. § 19 Abs. 2 HDSG ergeben, wobei hier nur der Fall des § 19 Abs. 1 HDSG nicht d
urch die bereichsspezifische Regelung des § 19 Abs. 1 HVerfSchG verdrängt wird.
Hiernach sind personenbezogene Daten zu sperren wenn ihre Richtigkeit von Betrof
fenen bestritten wird und sich weder die Richtigkeit noch die Unrichtigkeit fest
stellen lässt. Dies bezieht sich auf Tatsachen, nicht jedoch auf Meinungen. Vorl
iegend wird zwar von dem Kläger die Richtigkeit des Vereinsregisters bestritten.
Die Nutzung eines Auszuges aus dem Vereinsregister unterliegt jedoch als öffent
liche Urkunde nicht der Sperrung.
Soweit im übrigen der Kläger von einer anderen Bewertung als der Beklagte ausgeh
t, geht es ebenfalls nicht um die Richtig- oder Unrichtigkeit von personenbezoge
nen Daten, sondern um deren Wertung. Insoweit ist auch hier ein Sperrungsanspruc
h nicht gegeben. Denn der Kläger muss seine früheren Erklärungen und Angaben wei
terhin gegen sich gelten lassen, auch wenn er diese heute in einem anderen Licht
e gesehen haben möchte. Insoweit ist gerade ein Fall eines Sperrungsanspruches n
icht gegeben.
Nach alledem ist die Klage abzuweisen.
Die Kostenentscheidung folgt aus § 154 Abs. 1 VwGO.
Der Ausspruch hinsichtlich der Vollstreckbarkeit erfolgt aus § 167 VwGO i.V.m. §
§ 708 Nr 11, 711 ZPO entsprechend.
R e c h t s m i t t e l b e l e h r u n g
Gegen dieses Urteil steht den Beteiligten die Berufung zu, wenn sie vom Hessisch
en Verwaltungsgerichtshof zugelassen wird.
Die Berufung ist nur zuzulassen, wenn
1. ernstliche Zweifel an der Richtigkeit des Urteils bestehen,
2. die Rechtssache besondere tatsächliche oder rechtliche Schwierigkeiten aufwei
st,
3. die Rechtssache grundsätzliche Bedeutung hat,
4. das Urteil von einer Entscheidung des Hessischen Verwaltungsgerichtshofes, de
s Bundesverwaltungsgerichts, des gemeinsamen Senats der obersten Gerichtshöfe de
s Bundes oder des Bundesverfassungsgerichts abweicht und auf dieser Abweichung b
eruht oder
5. ein der Beurteilung des Berufungsgerichts unterliegender Verfahrensmangel gel
tend gemacht wird und vorliegt, auf dem die Entscheidung beruhen kann.
Die Zulassung der Berufung ist schriftlich innerhalb e i n e s M o n a t s nach
Zustellung des vollständigen Urteils zu beantragen. Der Antrag ist bei dem
Verwaltungsgericht Wiesbaden
Konrad-Adenauer-Ring 15
65187 Wiesbaden
zu stellen. Er muss das angefochtene Urteil bezeichnen. Innerhalb von zwei Monat
en nach Zustellung des vollständigen Urteils sind die Gründe darzulegen, aus den
en die Berufung zuzulassen ist. Die Begründung ist, soweit sie nicht bereits mit
dem Antrag vorgelegt worden ist, bei dem
Hessischen Verwaltungsgerichtshof
Brüder-Grimm-Platz 1
34117 Kassel
einzureichen.
Vor dem Hessischen Verwaltungsgerichtshof muss sich jeder Beteiligte, soweit er
einen Antrag stellt, durch einen Rechtsanwalt oder Rechtslehrer an einer deutsch
en Hochschule im Sinne des Hochschulrahmengesetzes mit Befähigung zum Richteramt
als Bevollmächtigten vertreten lassen. Das gilt auch für den Antrag auf Zulassu
ng der Berufung.
Juristische Personen des öffentlichen Rechts und Behörden können sich auch durch
Beamte oder Angestellte mit Befähigung zum Richteramt sowie Diplomjuristen im h
öheren Dienst, Gebietskörperschaften auch durch Beamte oder Angestellte mit Befä
higung zum Richteramt der zuständigen Aufsichtsbehörde oder des jeweiligen kommu
nalen Spitzenverbandes des Landes, dem sie als Mitglied zugehören, vertreten las
sen.
Schild Walther Richter am VG Dr. Wartusch
ist wegen Erkrankung an
der Leistung der Unterschrift gehindert.
Schild
6 E 2129/04 (V) Verkündet am: 14. September 2005
Mursch
Urkundsbeamtin
der Geschäftsstelle
6 E 2129/04(V)-Hs