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Psychiatrie, Neurologie 40.

Jahrgang

und medizinische Psychologie


Juni 1988
Zeitschrift für die gesamte Nervenheilkunde
und Psychotherapie Heft 6

Übersichtsreferat

Westfälisches Zentrum für Forensische Psychiatrie Lippstadt

Biographische Anamnese Ulrich


und soziale Amnesie
Ein Überblick über Anamneseerhebung,
Exploration, klinisches Interview,
biographische Analyse und
diagnostisch-klinisches Gespräch

„Man muß also herauszufinden versuchen, was der Ursprung dieser .immer verborgenen'
Wunde ist, die zwangsläufig auf seine frühe Kinheit zurückgeht. Das ist, glaube ich, kein
schlechter Ausgangspunkt." ( S a r t r e 1977, S. 8)

Historische Einleitung

So selbstverständlich uns heute die Erhebung einer Anamnese vor Beginn gleich welcher
Therapie erscheint, so kurz erst ist ihre Geschichte. Die Beobachtungen verschiedener
Ärzte im 19. Jahrhundert, darunter auch F r e u d , bezogen sich auf den entscheidenden
Einfluß der frühen Entwicklungsjahre für die Disposition späterer Erkrankungen. — Zuvor
allerdings wurden psychische Auffälligkeiten oder akutpsychiatrische Symptome mit z. B.
„den krankhaften Zuständen besonderer Gehirnwindungen in Verbindung" gebracht, so
zumindest Sir Alexander M o r i s o n 185:! in seiner .Physiognomik der Geisteskrankhei-
ten.' Kr schreibt in seinem Vorwort, diese „Scclenlchrc" (Phrcnologie) von G a 11 sei wis-
senschaftlich nicht mehr haltbar: vielmehr sei der Gesichtsausdruck .mit dem Zustande
der Seele innig verbunden und von demselben abhängig", so daß ihm „die Eintheilung
aller Geisteskrankheiten in Manie, Monomanie, Dementia und Idiotismus, . . . , bei unserer
gegenwärtigen beschränkten Kenntnis der Sache, die passendste zu sein" scheint. — Ähn-
liche Annahmen über eine Entsprechung zwischen dem .inneren' und dem .äußeren' Men-
schen finden sich in der .Physiognomie des Wahnsinns' wie sie photografisch von Dr.
Conolly D i a m o n d dokumentiert wurde; in den hierzu publizierten Bild-nissen von
Geisteskranken von B u r r o w s und S c h u m a c h e r (1979) findet sich ein ausführliches
Kapitel (S. 41—55) zur Phrenologie G a 11 s und zur Physiognomik von E s q u i r o l ,
L a v a t e r, M o r i s o n oder D i a m o n d sowie ein Originalartikel von John C o n o 11 y
(1858) über .Physiognomie und Wahnsinn' (S. 139-158). Seine Fortsetzung findet dieser
deterministische Kausalansatz in der Typologie Ernst K r e t s c h m e r s . die immerhin
g-;o Kobbe Biographische Anamnese und soziale Amnesie

noch 1963 (!) von R o h r a c h er in dessen 10. Auflage der .Kleinen Charakterkunde' ver-
breitet wird. (Einen sehr schönen Oberblick Ober diese z. T. parallel verlaufenden Ent-
wicklungen psychiatrischer Systematik(en) bis heute gibt B a e r.)
Hang L i f e event Durchschnittswerte

Grundlagenforschung Tod des Ehepartners100Q


Scheidung 73
Im Anschluß an F r e u d und andere frühe Analytiker bildete sich in diesem Jahr- Trennung vom Ehepartner 651
hundert nach der Gründung der ersten psychoanalytischen Poliklinik 1920 in Haftstrafe 63
Berlin eine Arbeitsrichtung, die sich auf die biographische Anamnese konzentrierte: Tod eines Familienangehörigen 63
die damaligen Psychoanalytiker „wollten mit der zielgerichteten Sammlung wich- Eigene Verletzung oder Krankheit
tiger Daten und Fakten das Kräftespiel verstehen, das die vitale Balance der un- Heirat $0 \t des Arbeitsplatzes V
tersuchten Patienten aus dem Gleichgewicht gebracht hatte" ( D ü h r s s e n 1981, Aussöhnung mit dem Ehepartner
S. 9). Verknüpft ist dieses Vorgehen mit den frühen Life-Event-Untersuchungen Pensionierung
von S c h u l t z - H e n c k e (1927) u n d denen v o n H o l m e s u n d R a h e vierzig Änderung im Gesundheitszustand eines , , i—
Jahre danach: sie erarbeiteten eine .Social Readjustment Rating Scale' (s. Abb. 1), Familienmitglieds
auf der die einzelnen Lebensereignisse hinsichtlich ihres lebensverändernden Cha- 12 Schwangerschaft ^+0
"3 Sexuelle Schwierigkeiten 39
rakters gewichtet sind. Diese Life-Event-Skala bietet somit einen Überblick über Familienzuwachs 39
das, was inhaltlich in Anamnesen thematisiert werden kann oder sollte. Gesellschaftliche Veränderung 39
Zugleich muß jedoch ebenso klar sein, daß die jeweiligen Ereignisse nicht auto- 16 Erhebliche EinkommensVeränderung 38
matisch eine Störung oder Krankheit auslösen, selbst bei einer Kumulation beson- 17 Töd eines nahen Freundes 37
ders bedrohlicher oder einschneidender Ereignisse. Generell wird von einer be- -18 Berufswechsel 36
stimmten Disposition oder Vtilnerabilität des Individuums ausgegangen, wobei 19 Änderung in der Häufigkeit von Auseinander-
setzungen mit dem Ehepartner 35 L
ungeklärt bleibt, ob es sich um eine angeborene oder konstitutionelle Veranlagung 20 Aufnahme eines Kredits über 10.000 j 31 [
handelt oder aber im Sinne F r e u d s um eine erworbene neurotische Disposi- 21 Kündigung eines Darlehens 30
tion. (Einige klassische Arbeiten zum Thema .Familie, Trauma, psychische Erkran- 22 Veränderung im beruflichen Verantwortungsbereich 29
kungen' stammen beispielsweise von L a i n g 1974, R i c h t e r 1969, P a n k o w 25 Kinder verlassen das Elternhaus 29
2k Ärger mit der angeheirateten Verwandtschaft 29
1984 sowie B a t e s o n , J a c k s o n , L a i n g , L i d z, W y n n e u. a. 1972.) Zum Großer persönlicher Erfolg 28l
Stellenwert der Anamnese schrieb 1933 der unorthodoxe Analytiker G r o d d e c k: Anfang oder Ende der Berufstätigkeit der Ehe frau 26
27 Schulbeginn oder -abschluß 26

2k rr
25
„Solch eine Behandlung, die sich in erster Linie der Anamnese bedient, ist nicht schwie- 23 Änderung des Lebensstandards
riger als eine andre, nur muß sie erst erlernt werden. Sie ist ungefährlich, zuverlässig und 29 Änderung persönlicher Gewohnheiten
wirksam. Sie schließt die Untersuchung nicht aus, korrigiert aber die Fehler, weil sie dem 30 Ärger mit dem Vorgesetzten
Arzte oft zeigt, was an dem Untersuchungsbefunde wichtig für die Behandlung und was 31 Änderung von Arbeitszeit und -bedi ngungen
Wohnungswechsel
nebensächlich ist. Sehr, sehr vieles, was wir bei genauer Untersuchung finden, hat nicht Schulwechsel
die geringste Bedeutung für unsre Maßnahmen; oft macht es uns nur irre" (1984, S. 228). Änderung der Freizeitgewohnheiten
35 Änderung der kirchlichen Gewohnheiten
36 Änderung der gesellschaftlichen Gewohnheiten
Anamnese: Form, Inhalt, Länge, Aufbau 37 Aufnahme eines Kredits unter 10.000 $
33 Änderung der Schlafgewohnheiten
Grundsätzlich ist beim Erstkontakt mit dem Patienten zu klären a) welche Infor- Änderung der Häufigkeit familiärer Kontakte
mationen benötigt werden und b) auf welchen Wegen, mit welchem Vorgehen sie Änderung der Eßgewohnheiten
gesammelt werden sollen. D ü h r s s e n schreibt hierzu, es gäbe eine „bunte Pa- Urlaub
<*2 Weihnachten
lette von Vorgehensweisen" : Geringfügige Gesetzesübertretungen
„Von reinen Frage'oogenaktionen einmal abgesehen, kennen wir die .psychiatrische Ex-
ploration', die den Beziehungsaspekt zwischen Arzt und Patient mehr oder weniger außer nach DtlKRSSEM 1981, S.12
acht läßt. Wir haben die ausführlichen Überlegungen zum .Ärztlichen Gespräch' (M a u z , Abb. l
M e e r w e i n), Angaben zum .Ersten Interview in der Psychotherapie' (A r g e l a n d e r). S o c i a l R e a d j u s t m e n t R a t i n g S c a l e (SRRS)
Es gibt die Ausführungen zur .Tiefenpsychologisch orientierten Anamnese' ( S c h u l t z - Einschätzskala Sozialer Neuanpassung
H e n c k e , D ü h r s s e n ) u n d w i r kennen d i e humoristischen Gegenüberstellungen v o n
B a i i n t, der die psychoanalytische .Detektivtechnik' von der .Flash-Technik' unterschie-
den haben wollte und der dem plötzlichen .Vcrständnisbesitz' (FLASH) den Vorzug gab
vor der .Detektivtechnik' des sogenannten .langen Interviews'" (1981, S. 18).
324 Kobbe Biographische Anamnese und soziale Amnesie 325

Unabhängig vom Vorgehen sind die Quellen für krankheitsauslösende oder -mit- winnt, hat den Charakter einer Rekonstruktion und wirkt deshalb klischiert ohne
bedingende Konflikte in folgenden Lebensbereichen zu suchen-. die einmaligen Züge einer individuellen Persönlichkeit" ( A r g e l a n d e r 1970,
S. 13).
— Herkunftsfamilie unter Berücksichtigung eines Drei-Generationen-Konzepts; Ergänzend benutzen Interviewer subjektive Informationen, die unterschied-
— Freundschaften, persönliche Bindungen, Partnerwahl, Familienleben; lich verläßlich sind. Hierbei geht es um die Bedeutung, die Sinnzusammenhänge
- Arbeits-, Lern- und Leistungsverhalten, schulische Entwicklung, Berufswahl, be- der Informationen über Lebensabschnitte und -ereignisse. Der Bedeutungskontext
rufliche Entwicklung, Hobbies und Interessen; kann entsprechend nicht vom Therapeuten allein, sondern nur gemeinsam mit
— Wirtschaftliche Verhältnisse; dem Patienten erarbeitet oder erschlossen werden, wobei das Instrument der Wahr-
- umgebender soziokultureller Raum. nehmung dieser subjektiven Informationen allein auf der Beziehung zu dem Patien-
ten und der Erfahrung des Therapeuten mit Anamnesen liegt. Da das Kriterium für
An dieser — wenn auch groben — Aufzählung wird bereits deutlich, daß man um die Verläßlichkeit die situative Evidenz ist, sind diese Informationen nur sehr
eine ausführliche Biographie im Sinne eines langen Interviews kaum herumkom- schwer nachprüfbar. Hier stellt sich für den zuhörenden, fragenden, beobachtenden
men wird, nach der die Beobachtungen oder Befunde mit der Symptomatik sowie Therapeuten eine Übereinstimmung von Information und Wahrnehmung in der
mit der inneren und äußeren Lebensgeschichte des Individuums in Verbindung Situation her, die das Bild vom Patienten im Gegensatz zu den objektiven Daten
oder zur Deckung zu bringen sind. Detaillierter geben beispielsweise R e d l i c h sehr lebendig macht.
und F r e c d m a n (1976, S. 327—330) Anleitungen, Hinweise und Stichpunkte zur So steht in bezug auf den diagnostischen Aspekt der Anamnese die präzise Auf-
Erstellung einer persönlichen Anamnese an. A l e x a n d e r (1930) sagt, daß eine merksamkeit gegenüber Äußerungen und Verhalten von Patienten im Vorder-
Krankengeschichte, „die das empirische Substrat der psychoanalytischen Wissen- grund, unabhängig davon, ob es sich um beispielsweise wahnhafte Aussagen han-
schaft darstellt, noch am ehesten mit einer guten Biographie zu vergleichen sei. delt oder nicht. So spricht D u n c k e r (1982) in Anlehnung an EY„hiermit die zwei-
Allerdings mit einer Biographie in mikroskopischer Vergrößerung" (in: D ü h r s - fache Funktion des Zuhörens in der psychiatrischen Exploration an. Es dient näm-
s e n 1981, S. 136) - und gerade um diese mikroskopischen Aspekte des individu- lich einmal zur Sammlung von Informationen zur biographischen und medizini-
ellen Lebenslaufes geht es. schen Anamnese, zur aktuellen sozialen und familiären Situation und zur bewuß-
Für das Sichten, Ordnen und Niederlegen der lebensgeschichtlich wichtigen ten Konfliktproblematik, zum anderen aber dem Ziel, Strukturen aus dem Erfah-
Daten empfiehlt D ü h r s s e n eine Einteilung, die der obengenannten von R e d - renen herauszuarbeiten, die mittels psychopathologischer Analyse zu Bausteinen
l i c h und F r e e d m a n ähnlich ist. Das heißt aber auch zugleich, daß Anamnesen für die Zuordnung zu ätiologischen oder syndromalen Krankheitseinheiten werden"
nicht — wie leider oft auch in Gutachten beobachtbar — in Erzählform oder in (V e n z l a ff 1981, S. III). Dies bedeutet auch, daß die Interviewsituation heraus-
Ich-Form erhoben werden können. Zusammenfassend konstatieren hierzu fordernden Charakter für Persönlichkeitsmerkmale des Patienten besitzt und durch
S c h r a m l und B a u m a n n: ihre Konstellation mit ihren Anspruch, ihren Zielen, den unbewußten wie bewuß-
ten Motivationen des Patienten Phänomene hervorruft, die sich im Gesprächs-
„In der klassischen somalisch-medizinischen und auch psychiatrischen Auffassung wird verhalten, in Einstellungen und Besiehungsaspekten zu typischen Konfigurationen
dem diagnostischen und therapeutischen klinischen Gespräch weder in der Ausbildung noch verdichten.
in der Literatur wesentliche Beachtung gezollt. Der gute Arzt beherrscht die Kunst des kli- Drittens gibt es szenische oder situative Informationen (siehe hierzu die Begriffe
nischen Gesprächs; woher er dieses Können nimmt, wird nicht erörtert . . . Überall aber der „Szene" und des „Dramas" bei P o l i t z e r 1974). Dieses Informationen unter-
prävaliert die Sicherung der Angaben des PL und die Bewertung seiner Äußerungen, also scheiden sich von den subjektiven durch eine Akzentverschiebung: Bei den sub-
das Objektive vor dem Subjektiven, dem Erleben" (1975, S. 268/269). jektiven Informationen richtet sich die Aufmerksamkeit auf die berichteten Ereig-
nisse und deren subjektive Bedeutung. Bei dem szenischen Geschehen dagegen
steht das Erleben der Interviewsituation mit allen Beziehungs- und Vorstellungs-
Objektivität und Subjektivität aspekten des Therapeuten im Vordergrund. Man könnte diesen Vorgang auch auf
die griffige Formel der „Cegenübertragung" bringen. Das Instrument der Wahr-
Bislang handelt es sich bei den o. R. Angaben zur Anamneseerhebung um geläufige nehmung hierbei ist allein die Persönlichkeit des Thernpeuten: es kommt sozusagen
objektive Daten oder Informationen, um berichtete biographische Fakten, um be- zu einer Datengewinnung im Dialog, in dem der Therapeut eine neutrale ISeobach-
stimmte Verhaltensweisen oder Persönlichkeitseigenschaften, die jederzeit nach- t e r f u n k t i o n („verzerrungsfreier Spiegel") einnimmt, die allenfalls durch blinde
prüfbar sind. Auch wenn sie zusammenhanglos im Gespräch oder im Erstinterview Flecken gestört werden kann (nach F o h l e n und W i t t m a n n 1980, insb. S. 14).
geliefert werden, ergibt sich eine Konstellation als psychologische Aussage in Form — Sowohl für die subjektiven wie auch die szenischen Informationen, bei denen sich
sogenannter objektiver Informationen, die über die eigentlichen Daten hinausgeht. das Augenmerk nicht (nur) auf die Objektivität, sondern auf die Beziehungsgestal-
Das heißt, daß die berichteten Lebensereignisse vom Therapeuten in Beziehung tung und die Erfahrung der bewußten wie unbewußten verhaltenssteuernden De-
zueinander gesetzt werden, die einzelnen Daten zwar objektiv, die gewonnenen terminanten richtet, findet sich in der Literatur der Begriff des sogenannten .freien
Informationen jedoch vieldeutig sind. klinischen Gesprächs'. In dieser Interviewhaltung werden sowohl Anregungen der
„Die Verläßlichkeit der psychologischen Aussage hängt letztlich vom Fachwissen Psychoanalyse wie der interpersonalen Psychiatrie (vgl. S u l l i v a n 197G) wie der
und der überzeugenden logischen Kombinationsfähigkeit ab. Als Kriterium für nicht-direktiven Psychotherapie (vgl. R o g e r s 1972 und 1976) aufgenommen.
den relativen Wahrheitsgehalt der Interpretationen bietet sich die logische Evidenz So beschreibt S u l l i v a n in seinem .psychotherapeutischen Gespräch' (1976,
an. Das Bild, das man auf diese Weise von der Persönlichkeit eines Patienten ge- S. 67—86) sehr anschaulich und praktisch, wie sich eine Anamnese vom Vorgehen,
;!2(i Kobbe Biographische Anamnese und soziale Amnesie 327

von den verschiedenen Informationsarten und -ebenen, von der Intention des z e r (1974) „Momente einer Erlebnisfigur ohne Ansehen der Faktenwahrheit". Vom
Therapeuten wie des Klienten her gestalten läßt. Sein posthum herausgegebenes Beziehungsaspekt her ist verhaltenstherapeutisches Vorgehen (nur) objektivistisch
Buch enthalt die Prämisse des Entstehens psychischer Störungen aufgrund zwi- als Datensammlungsprozeß zu begreifen, der lediglich ein sehr begrenztes Ver-
schenmenschlicher Beziehungsstörungen in frühester Kindheit und macht diese ständnis konkreter Individualität und subjektiver Lebensweise ermöglicht.
auch zur Grundlage seiner Gesprächstechnik der interpersonalen Psychiatrie, die Eine derartige Amnesie bezüglich der Komplexität des Individuums steht in
nach S c h r a m l und B a u m a n n (1975, S. 270) als wesentlicher Beitrag zum deutlicher Diskrepanz zu den von R a p a p o r t oben skizzierten empirischen,
klinischen Gespräch hervorzuheben ist. organismischen, genetischen, topographischen, dynamischen, ökonomischen, struk-
turellen, adaptiven, psychosozialen und .Gcstalt'-Gesichtspunkten des Verhaltens
des Individuums. Das verhaltenstherapeutische Schema muß — auch unter Be-
Tiefenpsychologische Grundlagen rücksichtigung des .Fragebogens zur Lebensgeschichte' der Deutschen Gesellschaft
für Verhaltenstherapie — ahistorisch und reduktionistisch erscheinen, insbesondere
Wenn zuvor in Anlehnung an A r g e l a n d e r , D ü h r s s e n , S c h u l t z - wenn S a r t r e in Frage stellt, „ob eine Totalisierung möglich und ob die Wahrheit
H e n c k e , S u 11 i v a n u. a. auf lebensbeeinflussende Ereignisse, auf determinie- einer Person nicht Plural ist" (1977, S. 7). Entsprechend geht es um einen dialogisch
rende Lebensabschnitte und Kindheitsphasen abgehoben wurde, schimmern hierin strukturierten Verstehens- und Verständigungsprozeß zur Konstituierung des be-
bereits die Strukturen des psychoanalytischen Menschenbildes durch, das hier sonderen Individuums sowie zur (Re-)Konslruktion seines Lebensdramas (vgl.
thesenhaft mit Hilfe von R a p a p o r t (1973, S. 7/8) expliziert werden soll: P o l i t z e r 1974 und 1978). — Diesem Anspruch wird meines Erachtens auch nicht
der Versuch von D o l l a r d und M i l l e r (1950) gerecht, „die psychiatrische
— „Jedes Verhalten ist integral und unteilbar, die zu seiner Erklärung dienenden Be- Theorie in eine Lernsprache zu übersetzen, um eine vorherrschend psychoanaly-
griffe beziehen sich auf seine verschiedenen Komponenten und nicht auf verschiedene tische Behandlungstheorie lebensfähig zu machen und auf eine breitere Grundlage
Verhaltensweisen"; zu stellen" (K a n f e r und P h i l l i p s 1975, S. 104). So verweist u . a . auch
— „Kein Verhalten steh! isolici [ alles Verhalten is! das der integralen und unteilbaren R a p a p o r t (1953,5.207) darauf, dal', in diesem Versuch der Vermittlung von
Persönlichkeit" • Psychoanalyse in behaviorale Lernrnodelle klinische Fakten und Erfahrungen in
— „Alles Verhalten ist Teil einer genetischen Reihe und, durch seine Vorläuler. Teil der ihrer Komplexität und Differenziertheil' „durch vermeintliche wissenschaftliche
zeitlichen Aufeinanderfolgen, die die gegenwärtige Form der Persönlichkeit hervorge- Respektabilität zu ersetzen" versucht wird (K a n f e r und P h i l l i p s 1975, S. 108).
bracht haben"• Wie vielfältig, mehrdimensional und vielschichtig die Lebensgeschichten kon-
— „Die entscheidenden D e t e r m i n a n t e n des Verhaltens sind u n b e w u ß t " ; kreter Individuen sind, läßt sich beispielhaft bei F, n z c n s b e r g e r (1975) in des-
- „Alles Verhalten ist letzten lindes tricbbi-stimml"; sen biographischen Nachrufen aufzeigen, deren Balladencharaktcr „ohne Mühe
- „Alles Verhalten führt seelische Energie ab und wird durch seelische Energie reguliert" • auch die Zitate und Zwischenrufe, die Anspielungen, Parenthesen und Querver-
— „Alles Verhalten hat s t r u k t u r e l l e Delerminanten"; weise, die das Thema verlangt", trägt (Klappentext).
— „Alles Verhalten wird durch die Realität b e s t i m m t " ;
— „Alles Verhalten ist sozial d e t e r m i n i e r t " .
Das narrative Explorieren . . .
Diese Konzentration auf die Konstitution von Subjektivität in der Psychoanalyse
ist in diesem Zusammenhang nicht zufällig, sondern beruht auf der Überzeugung, A r g e l a n d e r (1970) bezeichnet das anamnestische Interview in Anlehnung an
daß die lebcnsgcschichtliche Vermitteltheit der heutigen Situation des Patienten eine Arbeit über ,das Erstinterview in der Psychotherapie' (ders. 1967) als „Grenz-
wichtig ist. Eine derartige Aussage weist die Hier-und-Jetzt-Ideologie z. B. dcr situation". In dieser fließen fortschreitende Informations- und Materialgestaltung,
Gestalttherapie konsequent zurück und findet deren Motto „Die Vergangenheit szenische Dynamik und deutende (Nach-)Fragen zu einer neuen Information zu-
ist gewesen, die Zukunft ist noch nieht. Nur das Jetzt existiert" (P c r l s 1947) sammen. Die Grenzsituation konstelliert sich als starke Vergrößerung, die mit
schlicht „spontaneistisch" und „trivial" ( G r ö s e n k e ) . — Anders in der Verhal- Hilfe der stärkeren Optik einerseits einen genaueren Einblick bietet, andererseits
tenstherapie: hier teilt die Lerntheorie in ihrer Geringschätzung der Biographie des die Übersicht durch die Verkleinerung des Beobachtungsfeldes behindern kann.
Subjekts das positivislisdie K c s s e u t i m r n t von l ' o p p e r (l!).1;?) gegen GeschichU- So sind die Wahrnehmungen des Diagnostikers unter Umständen mehrdeutig und
als unnützen Ballast für die G e g e n w a r t . G r ö s c h k e schreibt hierzu: erfordern entsprechende makroskopische Befunde. W e i t e r h i n erfordert die I n l e r
„Biographische Momente erscheinen in der Sicht der instrumentalistischen Ver- pretation der Daten Wissen und Erfahrung, denn nur wer die psychodynamischen
haltenstherapie allenfalls im Sinne zv/eckrationaler Mittelorganisation für prag- Zusammenhänge kennt, sie reflektiert und in der Praxis mit ihnen Erfahrungen
matisch-konkrete Problemlösungen. In der biographischen Verhaltensanalyse ist gewonnen hat, kann Gesprächssituationen mit fokalem Charakter richtig inter-
nur interessant, was strategischen Wert für die anstehende Therapieplanung hat. pretieren. Das heißt, daß gesunder Menschenverstand und Intuition — so banal
Die Vergangenheit des Subjekts wird unter dem Aspekt ihrer Dienlichkeit für es sein mag — ohne Fachwissen und ohne berufliche Erfahrung nur dilettierende
technizistisch aufgetaute Verhaltensproblemlösungen bewertet, nicht als elemen- Versuche ergeben können.
tare Bedingung der Konstitution von Subjektivität wie in der Psychoanalyse" (19S3, Man muß z. B. wissen, in welcher Gesprächssequenz, zu welchem Zeitpunkt be-
S. 445). stimmte Informationen erfragt werden können und wann nicht. Das heißt prak-
So ist eine verhaltenstherapeutische Anamnese Faktensicherung für Bedingungs- tisch, daß es ein Unterschied ist, ob man am Ende oder am Anfang einer Anam-
analysen - psychoanalytisches Explorieren dagegen rekonstruiert nach L o r e n - nese außerhalb dynamisch gefärbter Passagen Informationen über beispielsweise
328 Kobbe Biographische Anamnese und soziale Amnesie 329
Geschwister oder die Geschwisterposition des Patienten erfragt. Es geht also um nicht ausschließlich in den vorgegebenen Handlungsräumen Sinn konstruieren. So
das konkrete Vorgehen des Therapeuten, der die Anamnese erhebt. Vorschlagen geht es um das Begreifen der strukturellen Handlungsvorgaben, die gerade durch
möchte ich hierfür das sog. .narrative Interview', das sich von Anfang an an die die individuellen Handlungsintentionen des Patienten hindurch erfaßt werden.
zeitlichen Abfolgen und die sequentiellen Strukturen der Lebensgeschichte hält. Hierfür hat S a r t r e (1964) in seinem methodologischen Entwurf eine sog. .regres-
S c h ü t z e (1983) definiert hierzu u. a.: „Die Lebensgeschichte ist eine sequentielle siv-progressive Approximationsmethode' entwickelt, bei der sich das Erkenntnis-
geordnete Aufschichtung größerer und kleinerer in sich sequentiell geordneter interesse „regressiv" auf die vorhandenen Gegebenheiten subjektiver wie objek-
Prozeßstrukturen. Mit dem Wechsel der dominanten Prozeßstruktur im Fort- tiver Art richtet und „progressiv" auf die Entwürfe, die Umsetzungen, die Entfal-
schreiten der Lebenszeit ändert sich auch die jeweilige Gesamtdeutung der Lebens- tung dieser gegebenen Wirklichkeit durch den einzelnen abzielt. Die Basis für eine
geschichte durch den Biographieträger" (S. 284). derartige Vorgehensweise sind Überlegungen von S a r t r e zum Verhältnis von
Er rät im weiteren zu folgender sequenzierender Anamneseeinstellung: „Es Subjektivität und Objektivität im konkreten Individuum, wie es sich bereits in der
müssen also Fragen gestellt werden wie: ,Was kommt zuerst? Und was kommt Einteilung in objektive und subjektive Informationen auf der Anamnesematrix
dann?' .Wie fängt es an?' .Und wo hört es auf?', ,Wie ist die interne Abfolge von abbildete. Er schreibt:
äußeren und inneren Ereignissen und Zuständen zwischen dem Anfangs- und dem
Endpunkt? 1 , ,Wie wird der Übergang zwischen einem Endpunkt und einem neuen „Man kann auf zwei Arten in den Idealismus geraten: die eine besteht darin,
Anfangspunkt geleistet?' Das sind zunächst einmal recht triviale Fragen. Ihnen daß man das Wirkliche in der Subjektivität auflöst, die andere darin, daß man
wohnt allerdings eine erstaunliche heuristische Kraft inne" (S. 284/285). alle eigentliche Subjektivität zugunsten der Objektivität leugnet. Die Wahrheit
Gegliedert wird ein solches autobiographisch-narratives Interview in drei Teile, aber ist die, daß die Subjektivität weder alles noch nichts ist; sie bildet nur ein
wobei in der Anamnese der Patient zum Erzählen seiner Lebensgeschichte aufgefor- Moment des objektiven Prozesses (der Verinnerlichung der Äußerlichkeit), und
dert wird. Erst nach deren Beendigung schöpft der Therapeut das Erzählpotential zwar ein Moment, das sich unaufhörlich aufhebt, um ebenso unaufhörlich immer
aus und fragt im zweiten Schritt an den Stellen nach, an denen sich aus dem Be- wieder ins Spiel zu treten" ( S a r t r e 1964, S. 31).'
richt Stellen mit Abbruchen, mit thematisch querverlaufenden Erzählfäden, Stellen
ungenauer oder unverständlicher Darstellungen der Lebensereignisse, Stellen der Entsprechend sollte der Erkenntnisprozeß in der Anamnese, im biographischen
Verkürzung wegen vermeintlicher Unwichtigkeit usw. finden. Wesentlich hierbei Interview so ablaufen, daß der Therapeut einen permanenten Perspektivewechsel
ist, daß das Nachfragen wirklich „narrativ" ist, das heißt, sich die Nachfrage auf zwischen objektiven Notwendigkeiten und subjektiven Möglichkeiten hinsichtlich
eine erinnerte oder zitierte narrative Passage bezieht. Erst im dritten Teil des der Life-Events vornimmt. — Nichts wesentlich anderes schreibt übrigens L o c h
Interviews sind abstrahierende Beschreibungen von Zuständen oder Situationen, in der Einleitung zur ,Krankheitslehre der Psychoanalyse': „Die Verfolgung der
von wiederkehrenden Ereignissen oder Abläufen oder von systematischen Zu- Motivgeschichte bis in die Kindheit, bis zu den Traumen, die Erziehung und Milieu
sammenhängen angebracht. Voraussetzung für ein solches Vorgehen ist — abgese- dem sich entwickelndem Kinde zufügen, enthüllte darüber hinaus die enge Ver-
hen von dem Zeitaufwand —, daß der Therapeut ein inhaltlich differenziertes Kon- klammerung, die zwischen den biologisch-somatischen Vorgängen und den psycho-
zept von beeinflussenden Lebensereignissen für die verschiedenen Altersstufen und sozialen Verhältnissen und Einflüssen besteht. So wurde deutlich wie die Interak-
Lebensbereiche hat. tion zwichen dem Individuum und der Welt, wie im handelnden und erlebenden
Ergänzt werden muß, daß eine derartige narrative Technik zur Rekonstruktion wechselseitigen Umgang die Motive entfaltet und begründet werden und wie
der Biographie des Subjekts auch den Vorstellungen von B a i i n t (1984) ent- umgekehrt die einmal entfalteten Motive wiederum in Handlungsvollzüge über-
spricht, der für das übliche Erfragen einer Anamnese feststellt, der Therapeut gehen" (1983, S. XVI).
erhalte „eben Antworten auf seine Fragen — aber weiter auch nichts. Wenn er zu Konkret und beispielhaft hat S a r t r e den Perspcktivewechsel innerhalb eines
einer .tieferen' Diagnose kommen will, so muß er ersteinmal lernen zuzuhören" regressiv-progressiven Vorgehens selbst an seiner monumentalen fünfbändigen
(S. 171). Studie ,Der Idiot der Familie —Gustave Flaubert' (1977) unter dem Leitmotiv „Was
Bei gutem Zuhören wird dann auch erkennbar, daß es sich nicht um eine Bio- kann man heute von einem Menschen wissen?" exemplifiziert (siehe hierzu auch
graphie, sondern um eine Zahl von Lebensgeschichten handelt, über die unab- G r ö s c h k e 1983, S. 449). Daß diese Studie nicht einfach eine sophistisch-existen-
lässig eine Sychronisation von Ereignissen oder Erlebnissen von alltagszeitlichem tialistische Stilübung S a r t r e s ist, sondern diese Approximationsmethode praxis-
Charakter mit einem lebcnsgeschichtlichen Horizont geleistet werden, „der vor- relcvant werden kann, belegt K o n r ad (1985) in seinen berufsbiographischen
vergangene mit vergangenen Ereignissen, vergangene mit gegenwärtigen und Interviews von psychiatrischen Krankenpflegern.
schließlich gegenwärtige mit zukünftig denkbaren verbindet" (A l h e i t 1983,
S. 189). (Zugleich bleibt kritisch anzumerken, daß S e v e (1977) an S a r t r e s Arbeiten
rügt, dieser verfalle „selbst ganz eindeutig in diesen Fehler . . ., wenn er das Kon-
kret-Individuelle aus psychoanalytischen Generalschemata (in existentialistischer
Ausprägung) .hervorbringen' will" (S. 392). Diese fundamentale Kritik bezieht sich
. . . und die regressiv-progressive Methode sowohl auf .Die Kindheit eines Chefs' (1985) wie auf den .Baudelaire' (1978) wie auf
die Flaubert-Studie (1977) von S a r t r e , da der psychoanalytische Grundgedanke
Zu der Lebensgeschichte des einzelnen gehören zweifellos Geflechte gesellschaft- als wesentliche Grundlage einer Wissenschaft von der Biographie „unzulässig
licher Bedingtheit und intentionaler Handlungen im Leben, die in ihrer gegebenen reduzierend" sei! Allerdings entwickelt S e v e selbst auf immerhin 31 Seiten über
Faktizität von den Individuen immer wieder kreativ überschritten werden und die Biographie als Wissenschaft keinerlei praktisch-praxisrelevante Anleitungen.)
Kobbe Biographische Anamnese und soziale Amnesie 331
Suchen und Sichern von Erinnerungsspuren zeichnet worden ist; im zweiteren Falle verwirft er die Spur, die gerade zu sichern
er sich anschickte" (S. 302).
Andererseits ist — ebenfalls angeregt durch S a r t r e — darauf hinzuweisen, daß So weit zur Rolle des Therapeuten während des biographischen Interviews. Für
die (utopische) Totalisierung der lebcnsgeschichtlichen Ereignisse eines Patienten die Rolle des betroffenen Patienten jedoch ist der Ausgang dieser Spurensuche und
anamnestisch nur fragmentarisch erfolgen kann. Die Anamnese ist die „Arbeit der -entdeckung noch lange nicht definitiv: Anamnesen sind die ersten therapeutischen
verdichteten Fallgeschichte', eine Annäherung an das Unbewußte, dessen Spuren Interventionen, sie haben psychotherapeutischen Charakter, weil sie die Behand-
sich in Symptomen einstellen und entstellen. Das vom Patienten Erzählte ist auch lungsvorbereitung einschließen. Durch die Art und Weise des Umgangs miteinander,
eine „Geschichte von Zensur und Lücken, deren Rekonstruktion nur durch ein der gemeinsamen Rekonstruktion im Dialog und der damit verbundenen Aktuali-
genaues Lesen der Verdrängungsnarben, Erinnerungsreste und ,Gedächtnisspuren' sierung von konflikthaften Ereignissen oder Lebensabschnitten soll der einzelne
(S. F r e u d ) gelingt, die nicht spurlos untergehen, sondern diskontinuierlich wie- für die Behandlung motiviert werden. Das biographische Interview bereits be-
derkehren" (T h o l e n und W a s s n e r 1985, S. 149). So wird der Therapeut auch deutet und beinhaltet einen Prozeß, den M i t s c h e r l i c h (1975) als „Kampf
zum Spurensucher von Erinnerungsspuren und Engrammen, leiblichen Einschrei- um die Erinnerung" kennzeichnet, den Patienten als Infragestellung ebenso er-
bungen des Erlebens (vgl. L o r e n z e r 1985), denn — so T h o l e n und W a s s n e r leben wie als Chance, Herausforderung oder als „Probehandeln mit kleinsten Ener-
— „das Subjekt arbeitet nachtraglich vergangene Ereignisse um und verleiht ihnen giemengen" ( F r e u d ) . Praktisch berichtet hierüber z. B. M a n d e l (1976) in ihrem
dadurch pathogene Wirksamkeit" (S. 152). Sichern lassen sich diese unbewußten Bericht .zur Funktion biographischer Analysen bei der Lösung aktueller Partner-
Gedächtnisspuren nicht, da sie fortlaufend entstellt und verschmolzen werden, konflikte'.
eine „Umschrift" ( F r e u d ) erfahren (siehe hierzu W e t z e l 1985).
Biographisches Material unterliegt so immer wiederkehrenden Paramnesien,
retrospektiven Falsifikationen des Erinnerungsgutes ( S c h a r f e t t e r 1976), die Autobiographischer Exkurs
unbewußt ablaufen und bei der Reproduktion der persönlichen Geschichte ebenso
fortgesetzt wie auch partiell als .soziale Amnesien' ( D e l a y und P i c h o t 1970) Dali eine biographische Anamnese als solche bereits klärend und therapeutisch
erkannt und korrigiert, rekonstruiert werden können. So werden in der Inter- sein kann, daß sie dem Patienten das Erkennen von Lebens- und Sinnzusammen-
aktion mit dem anderen vom Individuum Sclbsttheorien konstruiert, die bis dahin hängen als wesentlichem (Fort-)Schritt ermöglicht, ist insofern evident. Entspre-
nicht notwendig bewußt waren; „hinzu kommt, daß, was immer Person A über ihre chend gibt es auch Ansätze zur sog. Selbstanalyse mit Hilfe der selbstgeschriebenen
Vergangenheit Person B mitteilt, untrennbar mit der gegenwärtigen Beziehung zwi- Biographie, auch didaktisch aufgebaute Anleitungen hierfür wie z. B. bei C l a u s e r
schen den beiden verknüpft und von ihrem Wesen her beeinflußt ist " (W a t z - (1963), T h o m a s (1976), A n z i e u (1959), H o r n e y (1974) und T i c h o (1967).
l a w i c k 1969, S. 46). Diese Selbsttheorien tendieren auf der Grundlage der Lust- Die Selbstanalyse als Ziel der psychoanalytischen Behandlung beschreibt eben-
Unlust-Balance zur Stabiltät, so daß Korrekturen zunächst nur in marginalen falls T i c h o (1971) in einem Zeitschriftenartikel, in dem sie u . a . auch auf
Bereichen vorgenommen werden; zentralere Infragestellungen erfolgen erst im F r e u d s Selbstanalyse bezug nimmt, wie ja auch sonst jede .klassische' Analyse
Laufe einer Therapie, da sie zu vorübergehender .Desorganisation' und struktu- in eine Selbstanalyse einmündet. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt F i e d l e r (1981)
reller Veränderung der Selbsttheorie führen (vgl. A l h e i t 1983, S. 211 ff). Weiter- mit dem .Psychotherapieziel Selbstbehandlung' durch Verbesserung der Selbstbe-
führend wird die .Rolle von Selbstkonzepten im Prozeß der Auseinandersetzung handlungskompetenz.
mit der Bewältigung von kritischen Lebensereignissen' von F i l i p p (1983) in Unter dem Gesichtspunkt der zuvor bereits behandelten Selbsttheorie bezieht
einem Obersichtsreferat aus unterschiedlichen Perspektiven dargestellt. sich die selbstanalytische, sozusagen autobiographische Arbeit auf den operativen
Zum Wesen und zur Verwendbarkeit anamnestischer Angaben wie auch zur Not- Aspekt des Denkens im Sinne P i a g e t s (1973), der sich nicht auf eine Homöostase
wendigkeit eines über starre Kausalbeziehungen zwischen Vergangenheit und durch Assimilation und Akkomodation beschränkt, sondern auf die Transformation
Gegenwart hinausgehenden Begriffssystems n i m m t W a t z l a w i c k (19159) mit von Zuständen abzielt, daß heißt auf eine .Ordnung durch Fluktuation' wie sis
dem Hinweis Stellung, „daß bei vielen — vielleicht den meisten — Untersuchungen S c h n e i d e r (1981 und 1983) ausführlich beschreibt. A I h e i t (1983) spricht be-
menschlicher Lebensläufe die Vergangenheit nur als Bericht in der Gegenwart züglich dieses operativen Aspekts „von einer transformierenden .Intentionalität'
zugänglich ist. Da Berichte über d i e Vergangenheit aller notwendigerweise in der kognitiven Besrbeitung lebensReschichtltchcr Erfahrung* und u n t e r s t r e i c h t die
einer gegenwärtigen zwischenmenschlichen Situation gemacht werden, kann die jeweils neue Erarbeitung antizipierter Selbstbilder in der Ausarbeitung der eigenen
Vergangenheit sehr wohl selbst zum Material für das gegenwärtige Beziehungs- Lebensgeschichte. Analog ist das Schreiben von Tagebüchern aus eigenem Inter-
spiel werden und daher unter Umständen sehr wenig mit .reiner' Information zu esse des Patienten oder nach Aufforderung durch den Therapeuten als autobio-
tun haben" (S. 148). Hierbei ergänzt S c h w e n d t e r (1985) zur Rolle des Thera- graphische Arbeit zu betrachten, bei der das Bewußtsein für die eigenen Gefühle,
peuten, er werde als Spurensucher und Spurensicherer notwendigerweise zürn Wünsche, Verhaltensweisen gefordert und gefördert wird.
„Passeur" und könne sich So ergibt sich im autobiographischen Schreiben ein .alltägliches' Leben mit seinen
„nicht auf Werkimmanenz beschränken. Dies hieße, zu hören, ohne zu sagen, wiederkehrenden Selbstverständlichkeiten und Alltagsroutinen, die den einzelnen
was ihm zum Gehörten eingefallen ist, also anders, was er damit verkettet, was von dem Gefühl der Individualität und Kohärenz entfernen. Parallel dazu lebt
er gehört hat, bevor das gesagt worden ist, was er gehört hat. Ebenfalls kann er jeder ein .biographisches' Leben mit A n f ä n g e n , Stationen, Weichenstellungen und
sich nicht auf die Deduktion von bereits Gehörtem beschränken, da er dann nicht Schlußpunkten, dessen Linearitäten typisierenden rigiden Erwartungsstrukturen
hören kann, was noch gesagt werden wird. Im ersteren Falle verwirft er die Viel- gleichen, die das Besondere im Leben des einzelnen ebensowenig markieren. „Des-
falt der Kontexte, das, was in unserem Zusammenhang als .metadisziplinär' be- halb muß das alltagszcitliche Erleben immer wieder in den Kontext biographisch
332 Kobbe Biographische Anamnese und soziale Amnesie 333

vorgängiger Ereignisse ,eingepaßt' werden. Aber auch unsere biographische .Ge- Pe3K>iwe
samtsicht' muß durch narrativ erinnerbare Alltagserlebnisse stets konkretisierbar
Koßßc: EiiorpaipHHeCKiifi anüsine3 H couHajitüasi anine3HX
und korrigierbar bleiben" (A l h c i t 1983, S. 190).
B paßore HaßpocaiiM ncTopimecKue OCHOBLI pa3BHTna aHaivmeaa, B TOM wtCJie 1-icc.rieflo-
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KMX 3anwcew.
Zuletzt sind meines Erachtens D e v e r e u x s Aussagen zur .Angst und Methode
in den Verhaltenswissenschaften' (1967) thesenartig auch auf das biographische
Interview anzuwenden: es Summary

Kobbe : Biographical anamnesis and social amnesia.


1. wird durch die angsterregende Überschneidung von Objekt und Beobachter
behindert, The article describes the hisrorical roots of the developmcnt of anamnesis including life-
2. was eine Analyse von Art und Ort der Trennung zwischen beiden erfordert; event-research and offers an overview of objective, subjective and situative Information
3. muß die Unvollstäncligkcit der Kommunikation zwischen Objekt und Beob- levels during diagnostic interviews. The author proposes äs rnethod the narrative inter-
achter auf der Ebene des Bewußtseins kompensieren. view completed by the so-called regressive-progressivc method from Sartre. He calls
4. muß aber der Versuchung widerstehen, die Vollständigkeit der Kommuni- special attention to the interpersonal aspect and to the therapeutic function of anamnesis
kation zwischen Objekt und Beobachter auf der Ebene des Unbewußten zu kom- äs well äs autobiographical writing.
pensieren,
5. was Angst und infolgedessen Gegenübertragungsreaktionen hervorruft, Literatur
6. die wiederum die Wahrnehmung und Deutung von Daten verzerren
7. und Gegenübertragungswiderstände hervorbringen, die sich als Methodologie 1. A l e x a n d e r , F.: 10 Jahre Berliner Psychoanalytisches Institut. Wien: Internat.
tarnen und somit weitere Verzerrungen sui generis verursachen. Psychoanalyt. Verlag, 1930.
8. Da die Existenz des Beobachters, seine Beobachtertätigkeit und seine Ängste 2. A l h e i t , P.: Alltagsleben. Zur Bedeutung eines gesellschaftlichen ..Restphänomens".
(sogar im Fall der Selbstbeobachtung) Verzerrungen hervorbringen, die sich sowohl Frankfurt/ New York: Campus Verlag 1983.
technisch als auch logisch unmöglich ausschließen lassen, 3. A n z i e u . D. : L'auto-analyse. Paris-. Presses Universitaires de France 19S9.
9. muß jede taugliche verhaltenswissenschaftliche Methologie diese Störungen 4. A r g e l a n d e r , H.: Das Erstinterview in der Psychotherapie. Psyche XXI (1967) 455.
als die signifikantesten und charakteristischsten Daten der Verhaltenswissenschaft 5. A r g e l a n d e r , H. : Das Erstinterview in der Psychotherapie. Darmstadt: Wissen-
behandeln und schaftliche Buchgeseilschaft 1970.
10. sich die aller Beobachtung inhärente Subjektivität als den Königsweg zu einer 6. B a e r . R.: Die psychiatrische Systematik um 1800 und ihre Überwindung, in: Das
eher authentischen als fiktiven Objektivität dienstbar machen, ärztliche Gespräch 3, Tropon, Köln (o. J.).
11. die eher anhand des real Möglichen zu definieren ist, als anhand dessen, was 7. B a i i n t . M.: Der Arzt, sein Patient und die Krankheit. Stuttgart: Klett-Cotta 1984.
.sein sollte'. 8. B a t e s o n , G.; D. D. J a c k s o n ; R. D. L a i n g ; T h. L i d z ; L. C. W y n n e u.a.:
12. Ignoriert man diese .Störungen' oder wehrt man sie durch als Methodologie Schizophrenie und Familie. Frankfurt: Suhrkamp Verlag 1972.
getarnte Gegenübertragungswiderstände ab, so werden sie zu einer Quelle unkon- 9. B u r r o w s , A.; I. S c h u m a c h e r : Doktor Diamonds Bildnisse von Geisteskranken.
trollierter und unkontrollierbarer Irrtümer, obwohl sie, wenn man sie Frankfurt: Syndikat Verlagsgesellschaft 1979.
13. als elementare und charakteristische Daten der Verhaltenswissenschaft behan- 10. C l a u s e r . G.: Lehrbuch der biographischen Analyse. Stuttgart: Thieme Verlag 1963.
delt, gültiger und der Einsicht förderlicher sind als irgendeine andere Art von 11. C o n o l l y , J.: Physiognomie und Wahnsinn, in: Burrows und Schumacher, a.a.O.,
Datum (S. 17/18). S. 139-158.
12. D e l a y , J.; P. P i c h o t : Medizinische Psychologie. S t u t t g a r t : Thieme Verlag 1970.
13. Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie (Hrsg.) Fragebogen zur Lebensgeschichte.
Tübingen: DGVT-Material Nr. 8, 1D73.
Zusammenfassung 14. D e v e r e u x , G..- Angst und Methode in den Verhaltenswissenschaften. München:
Carl Hanser Verlag 1967.
Der Artikel streift die historischen Grundlagen der Anamneseentwicklung einschließlich 15. D o 11 a r d , J.; N. E. M i 11 e r: Personality and psychotherapy: An analysis on therms
der Life-event-Forschung und gibt einen Überblick über die objektiven, subjektiven und of learning, thinking and culture. New York: MC Graw-Hill 1950.
szenischen Informationsebenen des diagnostischen Interviews. Der Autor schlägt hierfür 16. D ü h r s s e n , A.: Die biographische Anamnese unter tiefenpsychologischem Aspekt.
methodisch das narrative Interview vor, ergänzt durch sie sog. regressiv-progressive Me- Göttingen: Verlag für Medizinische Psychologie 1981.
thode nach Sartre. Er unterstreicht den Beziehungsaspekt und die therapeutische Funktion 17. D u n c k e r , H. : F. K u l h a n e k : Syndromatik der Psychosen und Neurosen. Mün-
von Anamnesen wie von autobiographischem Schreiben. chen : Schwarzeck Verlag 1982.
334 Kobbe Biographische Anamnese und soziale Amnesie 335

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Fortschritts. F r a n k f u r t : Suhrkamp Verlag 1975. Reinbek: Rowohlt Taschenbuch Verlag 1969.
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