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1.

Einleitung
1. 2. Zum Jesajabuch
A. Allgemeine Problemstellung
B. Der Aufbau des Buches
a Thema: Trost
b Thema: Recht und Gerechtigkeit
C. Die Prophetengestalt und der
vorgegebene historische Kontext
1. Der Prophet und sein Wort
2. Die Überschriften und der geschichtliche Rahmen
3. Die Prophetengestalt
1. 2. Überblick zum Jesajabuch

Deutero-Jesaja (40–55)
40,1–11 Prolog
40,12–48,19 Jahwe als Schöpfer,
Proto-Jesaja (1–39) Herr der Geschichte
48,20–55,7 neuer Exodus
1–12 Gerichts- und Heilsworte 55,10–13 Epilog
gegen Jerusalem/Juda
13–23 Drohworte gegen die Völker
24–27 Jesaja »Apokalypse«
28–31 Gerichts- und Heilsworte
gegen Jerusalem/Juda Trito-Jesaja (56–66)
32–35 Heilsworte für Jerusalem/Juda 56,1–63,6 Gerechtigkeit–Recht
36–39 Geschichtlicher Anhang Rettung–Gerechtigkeit
63,7–66,24 Jahwe als Vater und
Mutter Israels
1. 2. Jesajabuch
John N. Oswalt

Von Kap. 1 bis Kap. 66 sind die verschiedenen Teile des vorliegenden Buches
alle aufeinander bezogen. Mehr noch, man kann ganz allgemein sagen, dass die
letzten Kapitel geschrieben worden sind im Lichte der ersten, während die
ersten Kapitel eine ganz enge Verbindung mit den Themen der letzten Kapitel
aufweisen (Bd. 2, S. 4).
Oswalt ist der festen Überzeugung, »dass der wesentliche Inhalt des Buches uns
durch einen Autor überliefert worden ist, nämlich Jesaja, Sohn des Amoz.
Außer knappen Herausgeberhinweisen, wie etwa die Überschrift 1,1, die dem
Buch durch Jesaja selbst oder durch einen späteren Bearbeiter hinzugefügt
worden sind, ist es mit seinen 66 Kapiteln das Werk des Propheten aus dem 8.
Jh. (vgl. Bd. 1, S. 25f.)

Lit.: John N. Oswalt, The Book of Isaiah. Chapters 1–39, Grand Rapids 1986 und
Chapters 40–66, Grand Rapids 1998 in: The New International Commentary on the Old
Testament.
1. 2. Jesajabuch
contra John N. Oswalt

Die neuere kritische Forschung steht in der Gefahr, sich der von Oswalt
postulierten Einheit des Jesajabuches insoweit zu nähern, als sie darin eine
Sammlung erkennt, die zwar nicht im 8. Jh., sondern erst im 5. Jh. v. Chr.
entstanden ist.

Während Oswalt in Übereinstimmung mit der alttestamentlichen Tradition


diese dem Propheten des 8. Jh. zuordnet, glauben neuere Ausleger (Kaiser,
Becker, Levin) etwa an levitische Sängergilden oder andere theologische
Kreise des 5. Jh. v. Chr.

Oswalt hat an einem Kritikpunkt sicher Recht:


Wenn es keine prophetische Gestalt mehr gibt, dann gibt es auch kein
prophetisches Schrifttum.
Wenn es keine prophetische Gestalt mehr gibt, dann hat die alttestamentliche
Prophetie, vorab Jesaja, nicht jene universale geistesgeschichtliche Bedeutung,
die ihr seit J. Wellhausen und B. Duhm beigemessen worden ist.
1. 2. Jesajabuch
Christoph Levin

Ausgangsthese: Für den Prozess der Kanonisierung gilt


weitgehend eine Beurteilung der Prophetie, wie sie Josephus in
Contra Apionem I 7 beschreibt:

»Nicht jeder durfte nach Belieben Eintragungen machen, wobei


es ohne Widersprüche wohl nicht hergegangen wäre, sondern
jenes Recht stand nur den Propheten zu, welche die ältesten
Ereignisse der Vorzeit durch göttliche Eingebungen erfahren und
die Begebnisse der eigenen Tage genau so, wie sie sich zutrugen,
geschildert haben.«

Lit.: Chr. Levin, Das Alte Testament, München 2001.


1. 2. Jesajabuch
Christoph Levin
Schlussfolgerung: »Kriterium ist die Prophetie. Es hat eine
gewaltige Wirkung gehabt, von der Inspirationslehre der
christlichen Dogmatik bis zur idealistischen Prophetenexegese
des 19. Jh.s, und es ist eines der größten Hindernisse der
historischen Bibelkritik gewesen. Schon Josephus, der das
Kriterium vorgefunden hat, muss seinetwegen interpretieren. Die
traditionellen biblischen Schriftsteller werden samt und sonders
zu Propheten erklärt, auch Mose, David und Salomo. Im Talmud
werden dann die einzelnen Schriften genau ihren vermeintlichen
prophetischen Verfassern zugewiesen (Traktat Baba batra
14b–15a). Was aber den Kanon heiliger Schriften angeht, ist
unumgängliche Folge, dass die Prophetie mit seinem Abschluß
erloschen sein muss: Esra, der letzte Autor des biblischen
Kanons, war der letzte Prophet. Hinfort gibt es keine Prophetie
mehr, nur noch Auslegung« (AT, S. 121f).
1. 2. Jesajabuch
Christoph Levin
Jeremia als Ausgangspunkt prophetischer Traditionsbildung im Kanon
des Alten Testaments:
»Die Hoffnung auf die Wiederkehr des judäischen Königtums scheiterte an
den Persern. Damit erwies sich, dass der Untergang Jerusalem das Ende der
herkömmlichen Jahwe-Religion bedeutet hatte. Gegen Ende des 6. Jh.s wurde
unausweichlich, sich den Konsequenzen der Katastrophe zu stellen. Die
Deutung entnahm man der überlieferten Prophetie. Die größte Bedeutung kam
Jeremia zu, dem letzten Propheten des alten Juda. Seine Worte und
Zeichenhandlungen sowie die Berichte über sein Geschick am Hof in
Jerusalem bildeten die Grundlage einer umfangreichen Neubesinnung. Im
Rückblick las sich die Klage über das eintretende Unheil als prophetische
Voraussage. So verstanden bot sie die Möglichkeit, den Untergang als Tat
Jahwes zu deuten, als sein Strafgericht. Daraus erwuchs zugleich die Anklage
der Judäer: Sie waren von Jahwe gestraft worden, weil sie ihm abtrünnig
geworden waren. Doch wurden auf diesem Wege ebenso Maßstäbe für die
Zukunft gewonnen, sei es als Forderung der Umkehr und des neuen
Gehorsams, sei es als Jahwes Verheißung, die früheren Verhältnisse
wiederherzustellen« (AT, S. 59f.)
1. 2. Jesajabuch
721
701 597/587

Zerstörung Belagerung Belagerung/Zerstörung


Samarias Jerusalems Jerusalems

Gerichtsprophetie Heilsprophetie

Hosea/Amos Jesaja     Jeremia/Ezechiel Deuterojesaja

Heilsprophetie Gerichtsprophetie

Amos Jesaja Jeremia/Schriftgelehrte


1. 2. Jesajabuch

Mosaische Königszeit Zerstörung


Zeit Jerusalems

Gesetz Prophetie Schriften

Ältere Überlieferungen Prophetie Gesetz

Prophetie
Ältere Erzählungen,
Epen und Sagen Gesetz
Jes 1,2–3
B. Aufbau des Buches
synchrone Beobachtungen
rB´DI hw:hy“ yKi ≈r<a≤ ynIyzIa}hæw“ µyImæv… W[m]vi
.ybi W[v]P… µh´w“ yTim]mæwrøw“ yTil]D"GI µynIB…
Proto-Jesaja (1–39)
wyl…[…B] sWba´ rwmøj}w" WhnEqo rwvø [d"y:
1–12 Gerichts- und Heilsworte
gegen Jerusalem/Juda .ˆn:wBøt]hi alø yMi[æ [d"y: alø la´r:c]yI
13–23 Drohworte gegen die Völker
24–27 Jesaja »Apokalypse«
»Höret, ihr Himmel, und Erde nimm zu Ohren, denn Jahwe
28–31 Gerichts- und Heilsworte
gegen Jerusalem/Juda redet! Ich habe Kinder großgezogen und hochgebracht, und
32–35 Heilsworte für Jerusalem/Juda sie sind von mir abgefallen! 3 Ein Ochse kennt seinen
36–39 Geschichtlicher Anhang Herrn und ein Esel die Krippe seines Herrn; aber Israel
kennt’s nicht, und mein Volk versteht’s nicht.«
Deutero-Jesaja (40–55)
40,1–11 Prolog
40,12– Jahwe als Schöpfer, Jes 66,22
48,19 Herr der Geschichte
48,20– neuer Exodus
55,7 ynIa} rv≤a} hv…d:j}hæ ≈r<a…h…w“ µyvid:j’hæ µyImæV…hæ rv≤a}kæ yKi
55,8–13 Epilog µk≤m]viw“ µk≤[}r“z" dmo[}y" ˆK´ hw:hy“Aµa¨n“ yn"p…l] µydIm][o hc≤[o
Trito-Jesaja (56–66)
56,1– Gerechtigkeit–Recht »Denn wie der neue Himmel und die neue Erde, die ich
63,6 Rettung–Gerechtigkeit mache, vor mir Bestand haben, spricht Jahwe, so soll
63,7– Jahwe als Vater und auch euer Geschlecht und Name Bestand haben.«
66,24 Mutter Israels
Jes 1,2
B. Aufbau des Buches
synchrone Beobachtungen
rB´DI hw:hy“ yKi ≈r<a≤ ynIyzIa}hwæ “ µyImvæ … W[m]vi
.ybi W[v]P… µh´w“ yTim]mæwrøw“ yTil]D"GI µynIB…
Proto-Jesaja (1–39)
1–12 Gerichts- und Heilsworte
»Höret, ihr Himmel, und Erde nimm zu Ohren, denn Jahwe
gegen Jerusalem/Juda
redet! Ich habe Kinder großgezogen und hochgebracht, und
13–23 Drohworte gegen die Völker
24–27 Jesaja »Apokalypse« sie sind von mir abgefallen!«
28–31 Gerichts- und Heilsworte
gegen Jerusalem/Juda
32–35 Heilsworte für Jerusalem/Juda
36–39 Geschichtlicher Anhang
Verb [vp mit der Präposition b
Deutero-Jesaja (40–55)
40,1–11 Prolog
40,12– Jahwe als Schöpfer, Jes 66,24
48,19 Herr der Geschichte
48,20– neuer Exodus
55,7 µT…[]læwtø yKi yBi µy[iv]Pohæ µyvin:a}h… yrEg“piB] War:w“ Wax]y:w“
55,8–13 Epilog rc…B…Alk…l] ˆwaør:dE Wyh…w“ hB≤k]ti alø µV…aiw“ tWmt… alø
Trito-Jesaja (56–66)
56,1– Gerechtigkeit–Recht »Und sie werden hinausgehen und schauen die Leichname
63,6 Rettung–Gerechtigkeit derer, die von mir abgefallen; denn ihr Wurm wird nicht
63,7– Jahwe als Vater und sterben, und ihr Feuer wird nicht verlöschen, und sie werden
66,24 Mutter Israels allem Fleisch ein Greuel sein.«
B. Aufbau des Buches µr<k…b] hK…s¨K] ˆwYoxiAtbæ hr:t]wnow“
synchrone Beobachtungen Jes 1,8 hr:Wxn“ ry[iK] hv…q]mib] hn:Wlm]Ki
Proto-Jesaja (1–39) »Übriggeblieben ist allein die Tochter Zion wie ein
1–12 Gerichts- und Heilsworte Häuslein im Weinberg, wie eine Nachthütte im
gegen Jerusalem/Juda Gurkenfeld, wie eine belagerte Stadt.«
13–23 Drohworte gegen die Völker
24–27 Jesaja »Apokalypse«
28–31 Gerichts- und Heilsworte Kinderarm
gegen Jerusalem/Juda
32–35 Heilsworte für Jerusalem/Juda
36–39 Geschichtlicher Anhang

Deutero-Jesaja (40–55)
40,1–11 Prolog Jes 66,8b. 10 Kinderreich
40,12– Jahwe als Schöpfer,
48,19 Herr der Geschichte
48,20– neuer Exodus
h…yn<B…Ata≤ ˆwYoxi hd:l]y:AµG" hl…j…AyKi
55,7 HT…ai Wcyci h…yb≤h}aoAlK… Hb… WlygIw“ µIlæv…Wry“Ata≤ Wjm]ci
55,8–13 Epilog
h…yl≤[… µyliB]aæt]MihæAlK… cwcøm…
Trito-Jesaja (56–66)
56,1– Gerechtigkeit–Recht »Kaum in Wehen, hat Zion schon ihre Kinder geboren…
63,6 Rettung–Gerechtigkeit Freuet euch mit Jerusalem und seid fröhlich über die Stadt,
63,7– Jahwe als Vater und alle, die ihr sie liebhabt! Freuet euch mit ihr, alle, die ihr über
66,24 Mutter Israels sie traurig gewesen seid.«
Jes 1,11–14

B. Aufbau des Buches 11 Was soll mir die Menge eurer Opfer? spricht Jahwe.
Ich bin satt der Brandopfer von Widdern und des Fettes
synchrone Beobachtungen von Mastkälbern und habe kein Gefallen am Blut der
Stiere, der Lämmer und Böcke. 12 Wenn ihr kommt, zu
Proto-Jesaja (1–39) erscheinen vor mir — wer fordert denn von euch, dass ihr
1–12 Gerichts- und Heilsworte meinen Vorhof zertretet? 13 Bringt nicht mehr dar so
gegen Jerusalem/Juda vergebliche Speisopfer! Das Räucherwerk ist mir ein
13–23 Drohworte gegen die Völker Greuel! Neumonde und Sabbate, wenn ihr
24–27 Jesaja »Apokalypse« zusammenkommt, Frevel und Festversammlung mag ich
28–31 Gerichts- und Heilsworte nicht! 14 Meine Seele ist feind euren Neumonden und
gegen Jerusalem/Juda Jahresfesten; sie sind mir eine Last, ich bin’s müde, sie zu
32–35 Heilsworte für Jerusalem/Juda
36–39 Geschichtlicher Anhang
tragen.

Jes 66,20f. 23
Deutero-Jesaja (40–55)
40,1–11 Prolog
20 Und sie werden alle eure Brüder aus allen Völkern
40,12– Jahwe als Schöpfer,
48,19 Herr der Geschichte herbringen Jahwe zum Weihgeschenk auf Rossen und Wagen,
48,20– neuer Exodus in Sänften, auf Maultieren und Dromedaren nach Jerusalem zu
55,8–13 Epilog meinem heiligen Berge, spricht Jahwe, gleichwie Israel die
Opfergaben in reinem Gefäße zum Hause Jahwes bringt. 21
Und ich will auch aus ihnen Priester und Leviten nehmen,
Trito-Jesaja (56–66)
spricht Jahwe…
56,1– Gerechtigkeit–Recht
63,6 Rettung–Gerechtigkeit 23 Und alles Fleisch wird einen Neumond nach dem andern
63,7– Jahwe als Vater und und einen Sabbat nach dem andern kommen, um vor mir
66,24 Mutter Israels anzubeten, spricht Jahwe.
B. Aufbau des Buches
synchrone Beobachtungen

Kap. 1/2 Thema Kap. 66 Thema

1,2 Himmel/Erde 66,22 neuer Himmel/neue Erde

1,2 Frevel Israels 66,24 Frevel der Feinde

1,8 Zion als Verlassene 66,8.10 Zion als Kinderreiche

1,13f. falscher Neumond/Sabbat 66,23 Verehrung am Neumond/Sabbat

1,11–13 falscher Gottesdienst 66,20f. richtiger Gottesdienst

2,2–4 Völkerwallfahrt 66,12.16 Völkerwallfahrt

JesSir 48,24f.:
»Gewaltigen Geistes schaute er die letzten Dinge / und tröstete die Trauernden in Zion.
Für alle Zeiten verkündete er das Zukünftige / und das Verborgene bevor es eintritt.«
Vgl. K. Schmid, Jesaja/Jesajabuch, RGG/4, IV, 452.
B. Aufbau des Buches Die Wurzel µjn
Thema: Trost

Proto-Jesaja (1–39) »Jahwe, … es wird sich wenden dein Zorn und du PK-Form
wirst mich (wieder) trösten« (12,1)
1–12 Gerichts- und Heilsworte
gegen Jerusalem/Juda
13–23 Drohworte gegen die Völker »Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer Gott« (40,1) Imperativ
24–27 Jesaja »Apokalypse«
28–31 Gerichts- und Heilsworte
gegen Jerusalem/Juda Denn Jahwe hat sein Volk getröstet und erbarmt
AK-Form
32–35 Heilsworte für Jerusalem/Juda sich seiner Elenden.« (49,13)
36–39 Geschichtlicher Anhang
»Denn Jahwe tröstet Zion, er tröstet alle ihre
Deutero-Jesaja (40–55) Trümmer…« (51,3)
40,1–11 Prolog
40,12– Jahwe als Schöpfer,
48,19 Herr der Geschichte »Ich, ich bin euer Tröster!…« (51,12)
48,20– neuer Exodus
55,7 »… denn Jahwe hat sein Volk getröstet und
55,8–13 Epilog Jerusalem erlöst« (52,9)
AK-Form
Trito-Jesaja (56–66) »… zu verkündigen ein gnädiges Jahr Jahwes,… zu + Infinitiv
56,1– Gerechtigkeit–Recht trösten alle Trauernden (61,2)
63,6 Rettung–Gerechtigkeit
63,7– Jahwe als Vater und »Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet; ja, ihr
66,24 Mutter Israels
sollt an Jerusalem getröstet werden« (66,13)
B. Aufbau des Buches Die Begriffe fpvm und hqdx
Thema: Gerechtigkeit

Ach, wie ist zur Hure geworden die treue Stadt, gefüllt mit Recht,
Gerechtigkeit wohnte in ihr – jetzt aber Mörder (1,21)
Proto-Jesaja (1–39)
Zion, im Gericht wird es erlöst und seine Einwohner in
1–12 Gerichts- und Heilsworte Gerechtigkeit (1,27)

gegen Jerusalem/Juda Er wartete auf Rechtsspruch, siehe, da war Rechtsbruch, auf


Gerechtigkeit, siehe, da war Geschrei über Schlechtigkeit (5,7)
13–23 Drohworte gegen die Völker

24–27 Jesaja »Apokalypse« »Recht und Gerechtigkeit« als Stützen des Thrones Davids (9,6)

28–31 Gerichts- und Heilsworte Und ich will das Recht zur Richtschnur und die Gerechtigkeit zur
Waage machen… (28,17)
gegen Jerusalem/Juda
Und das Recht wird in der Wüste wohnen und Gerechtigkeit im
32–35 Heilsworte für Jerusalem/Juda fruchtbaren Lande (32,16)

36–39 Geschichtlicher Anhang Erhaben ist Jahwe, denn er wohnt in der Höhe. Er hat erfüllt Zion
mit Recht und Gerechtigkeit. (35,5)
B. Aufbau des Buches Die Wurzel µjn
Thema: Trost

Proto-Jesaja (1–39) »Jahwe, … es wird sich wenden dein Zorn und du PK-Form
wirst mich (wieder) trösten« (12,1)
1–12 Gerichts- und Heilsworte
gegen Jerusalem/Juda
13–23 Drohworte gegen die Völker »Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer Gott« (40,1) Imperativ
24–27 Jesaja »Apokalypse«
28–31 Gerichts- und Heilsworte
gegen Jerusalem/Juda »Denn Jahwe hat sein Volk getröstet und erbarmt
AK-Form
32–35 Heilsworte für Jerusalem/Juda sich seiner Elenden.« (49,13)
36–39 Geschichtlicher Anhang
»Denn Jahwe tröstet Zion, er tröstet alle ihre
Deutero-Jesaja (40–55) Trümmer…« (51,3)
40,1–11 Prolog
40,12– Jahwe als Schöpfer,
48,19 Herr der Geschichte »Ich, ich bin euer Tröster!…« (51,12)
48,20– neuer Exodus
55,7 »… denn Jahwe hat sein Volk getröstet und
55,8–13 Epilog Jerusalem erlöst« (52,9)
AK-Form
Trito-Jesaja (56–66) »… zu verkündigen ein gnädiges Jahr Jahwes,… zu + Infinitiv
56,1– Gerechtigkeit–Recht trösten alle Trauernden« (61,2)
63,6 Rettung–Gerechtigkeit
63,7– Jahwe als Vater und »Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet; ja, ihr
66,24 Mutter Israels
sollt an Jerusalem getröstet werden« (66,13)
C. Die Prophetengestalt
Julius Wellhausen

»Von einem unbedeutenden Winkel der Erde verfolgt Jesaias den Lauf
der Begebenheiten, tief ergriffen und doch unerschüttert von dem, was er
sah und hörte. Indem er Jahve sprechen ließ, bewährte er eine
durchdringende Kenntnis der Menschen und der Verhältnisse. Er
verspottete die Politiker und verstand trotzdem mehr davon, als die
kurzsichtigen Praktiker seiner Tage. Von dem unbewegten Zentrum in
der Mitte des Wirbels, der die Welt bewegte, übersah er die Situation.
Wenn die außerordentlichen Ereignisse den Weisen einen Strich durch
die Rechnung machten, so bestätigten sie seine Erwartung; wenn die
Lebenden verzweifelt Rat bei den Toten suchten und an jeden Strohalm
sich klammerten, so war er getrost. In dem Unwetter, das Eichen knickte
und Türme stürzte und alles hohe und erhabene Menschenwerk zu Boden
warf, vernahm er das Rauschen Jahves, der sich aufmachte, sein
befremdliches, unerhörtes Geschäft zu verrichten« (Geschichte, 130).
C. Die Prophetengestalt
Bernhard Duhm

Zitate aus B. Duhm, Israels Propheten, 1916, 145-147:

»Jesaja scheint ein vornehmer Mann, vielleicht von


königlichem Geblüt gewesen zu sein; denn er verkehrt mit dem
›Haus Davids‹ wie auf gleichem Fuß und weiß, dass der König
Ahas seinen kleinen Sohn Schaerjaschub beim Namen kennt.
Niemals wird er feindlich bedroht, hohen königlichen Beamten
kann er ungestraft auf den Leib rücken, seine Zuhörer wagen es
vielleicht einmal trunkenen Muts ihn zu verspotten, aber
flüchten sonst lieber vor seinem Wort.«
C. Die Prophetengestalt
Jes 22,12–14

Zu der Zeit rief Gott, Jahwe Zebaoth, dass man weine und klage
und sich das Haar abschere und den Sack anlege.
Aber siehe da, lauter Freude und Wonne, Rinder töten, Schafe
schlachten, Fleisch essen, Wein trinken:
»Lasset uns essen und trinken; wir sterben doch morgen!«
Aber meinen Ohren ist von Jahwe Zebaoth offenbart:
»Wahrlich, diese Missetat soll euch nicht vergeben werden,
bis ihr sterbt«, spricht Gott, Jahwe Zebaoth.
C. Die Prophetengestalt
Bernhard Duhm

»In der äußeren Politik verlangt er gehört zu werden; aus der


Art, wie ihn König Hiskia beim Einfall Sanheribs durch eine
feierliche Gesandtschaft um Rat befragt, scheint man sich
späterer Zeit das Bild und die hohe Stellung gemacht zu haben,
die die alten Propheten den Königen gegenüber eingenommen
hätten. Jesajas Stellung zum Königshaus war wohl auch, wie
wir sehen werden, von Einfluss auf gewisse
Zukunftserwartungen dieses Propheten.
Er scheint schon früh Nabi geworden zu sein, er nennt sich
selber so und trägt den Nabimantel. Vielleicht hat das in der
Überschrift des Amosbuches erwähnte Erdbeben unter
Asarja/Ussia, dessen Eindrücke er in einem ersten Gedicht Kap
2,11–17 wiederzugeben scheint, ihn dazu bewogen, sich Gott zu
weihen«.
C. Die Prophetengestalt
Jes 2,11–17

11 Denn alle hoffärtigen Augen werden erniedrigt werden, und, die


stolze Männer sind, werden sich beugen müssen; Jahwe aber wird
allein hoch sein an jenem Tage. 12 Denn der Tag Jahwe Zebaoth
wird kommen über alles Hoffärtige und Hohe und über alles
Erhabene, dass es erniedrigt werde: 13 über alle hohen und
erhabenen Zedern auf dem Libanon und über alle Eichen in Baschan,
14 über alle hohen Berge und über alle erhabenen Hügel, 15 über
alle hohen Türme und über alle festen Mauern, 16 über alle Schiffe
im Meer und über alle kostbaren Boote, 17 dass sich beugen muss
alle Hoffart der Menschen und sich demütigen müssen, die stolze
Männer sind, und Jahwe allein hoch sei an jenem Tage.
C. Die Prophetengestalt
Jes 2,11–17

In dem Jahr, als König Ussia starb, etwa 740 v. Chr., steht er,
nachdem sich die Teilnehmer am Opfer verlaufen, einsam und
in tiefes Sinnen verloren im Tempelvorhof, das Auge gerichtet
nach dem Ort, wo Jahwe im dunkeln Hinterraum des Tempels
geheimnisvoll zugegen ist. Da wird ihm der innere Sinn
geöffnet, er erblickt Jahwe selber, sitzend auf hohem Thron,
seine Schleppen füllen das Tempelhaus, auf die nun Jesaja, in
Ehrfurcht erschauernd, die Blicke nieder senkt, Sarafen, die
Wächter der Schwelle, tiergestaltige Wesen, die mit zwei
Flügeln den nackten Unterleib, mit zweien das Gesicht vor dem
Herrn der Welt bedecken und mit zweien fliegen, singen den
Hymnus:
Heilig, heilig ist Jahwe der Heere, seine Hoheit füllt das Weltall.
C. Die Prophetengestalt
Bernhard Duhm
»Überwältigt von dem, was er so plötzlich hört und sieht, ruft er:
Wehe mir ich bin verloren! Denn ein Mensch unrein von Lippen bin ich. Und zum Volk
unrein von Lippen gehöre ich. Denn den König Jahwe der Heere sahen meine Augen.
Da fliegt ein Saraf zu ihm her, reinigt seine Lippen mit einem Glühstein vom
Altar und entsühnt ihn von aller Schuld. Jetzt hat ihn die höhere Welt selbst
geweiht, ihn aufgenommen in das göttliche Mysterium, jetzt kann er Jahwe selber
reden hören. Jahwe sagt: Wen soll ich senden, wer wird für uns gehen?
und er weiß: sind auch die Worte nicht an ihn gerichtet, so sind sie doch für ihn
gesprochen, und antwortet: mich hier, mich sende! Und jetzt erhält er seinen
Auftrag:
Geh, sprich zu diesem Volk da: Sollt hören, doch nicht verstehen, sollt sehn, doch nicht
erkennen.
Jesaja soll beständig zum Volk reden von Jahwes Beschlüssen und ihm Jahwes
Tun anzeigen, aber dadurch soll er bewirken, dass es immer unfähiger wird zum
Hören und Sehen und Verstehen! In banger Vorahnung fragt er: Bis wie lange,
Herr? und erhält die Antwort:
Bis verödet die Städte sind und die Häuser ohne Menschen und das Land nachbleibt als
Wüste.
C. Die Prophetengestalt
Bernhard Duhm
»Das ist der Inhalt und die Wirkung der Sendung des Jesaja! Es
scheint, dass er diesen Bericht von seiner Berufungsvision erst in
späteren Jahren niedergeschrieben hat. Da war schon der eine oder
andere Hoffnungsstrahl in sein Herz gefallen, und trotzdem bleibt
sein Auftrag an das Volk derselbe, er soll es reif machen, helfen für
den Untergang. Seine Aufgabe ist noch schwerer als die des Amos,
sein Wirken soll das Verderben herbeiziehen, sein Reden und Tun
soll nicht bloß vergeblich sein, es soll, indem es das Volk vor die
Entscheidung stellt, seinen moralischen Tod herbeiführen, damit der
physische folgen kann. Eine Aufgabe von höchster Tragik und
scheinbar voller Widersprüche: Jesaja soll zum Guten reden und
raten, damit das Böse sich entfalte und das Schlimme eintrete. Was
schon Hosea fühlte, dass man gegen die Religion nicht neutral sein
kann, das ist hier zur letzten Konsequenz durchgeführt: Israels
Religion wird sein Verderben sein«
(Duhm, Israels Propheten, 1916, 145-147).
C. Die Prophetengestalt
Bernhard Duhm
Drei Perioden der Verkündigung

Proto-Jesaja (1–39)
1. Berufung bis zum sog. syrisch-
1–12 Gerichts- und Heilsworte
ephraemitischen Krieg (740-
gegen Jerusalem/Juda

13–23 Drohworte gegen die Völker 734)


24–27 Jesaja »Apokalypse« 2. Untergang Samarias (722)
28–31 Gerichts- und Heilsworte
3. Thronbesteigung Sargons und
gegen Jerusalem/Juda
Belagerung Jerusalems durch
32–35 Heilsworte für Jerusalem/Juda

36–39 Geschichtlicher Anhang


Sanherib (721-701).
C. Die Prophetengestalt
Jörg Jeremias

Urteile wie sie B. Duhm oder auch J. Wellhausen noch formulieren


konnten, weil sie die Botschaft an die Person des Propheten und an
eine konkrete Geschichte gebunden haben, werden heute nicht mehr
zu treffen sein. Grundsätzlich gilt das Diktum von Jörg Jeremias,
dass die prophetischen Texte keinen Zugang mehr ermöglichen zu
den »redenden Propheten«, sondern dass diese immer nur »das
Prophetenverständnis der jeweiligen Tradenten wider(spiegeln)«
(Hosea und Amos, FAT 13, Tübingen 1996, 142).
C. Die Prophetengestalt
Sekundäre Anteile

Proto-Jesaja (1–39) Vgl. John Barton, Jesaja – Prophet in Jerusalem.


Eine Einführung zu den Themen in Jes 1–39,
1–12 Gerichts- und Heilsworte
Göttingen 2006.
gegen Jerusalem/Juda

13–23 Drohworte gegen die Völker


Ausnahme allenfalls Sprüche über Ägypten
und Aussur: 14,28–29.31; 17,1–3; 18*; 19*; 20; 22*

24–27 Jesaja »Apokalypse« Apokalypse eine Gattung der Spätzeit (Dan, Sach)

28–31 Gerichts- und Heilsworte


gegen Jerusalem/Juda

Buch übergreifende Redaktionskapitel


32–35 Heilsworte für Jerusalem/Juda

36–39 Geschichtlicher Anhang Anhang aus 2Kön 18–20


C. Die Prophetengestalt
Struktur von Jes 1–11 nach E. Blum

Das »Testament Jesajas nach E. Blum, Jesajas prophetisches Testament.


Beobachtungen zu Jes 1–11 [Teil 1], ZAW 108, 1996, 547–568.

A (1,21–26)
B (2,7ff.; 3,1ff.16ff.)
C (5,1–24a. 24b.–29
D (*6,1–8,17) »Denkschrift«
C’ (9,7ff.; 10,1ff.)
B’ (10,5ff. 27b*–34)
A’ (11,1–5).
C. Die Prophetengestalt
Struktur von Jes 1–11 nach W.-H. Jüngling
H.-W. Jüngling, Das Buch Jesaja, in: E. Zenger u. a. [Hg.], Einleitung in das Alte
Testament, Stuttgart 52004, 431.
1,2–5,7
1,2–31: Israels Verlust an Recht und Gerechtigkeit
2,1–5: Jerusalem-Zion
2,6–22: Hochmut der Männer
3,1-15: Rechtsstreit Jahwes
3,16–4,1: Hochmut der Frauen
4,2–5: Jerusalem-Zion
5,1–7
5,8–10,19
Weherufe: 5,8–14
Kehrversgedicht: 5,25
Ich-Erzählung: 6
»Denkschrift« Fremderzählung: 7
Ich-Erzählung: 8
Kehrversgedicht: 9,7–20
Weherufe: 10,1–3 (4).5–19
10,20–11,16
10,20–27: Der Rest Israels
10,28–34: Das Kommen der Gefahr
11,1–16: Der Spross aus Isais Stamm
C. Die Prophetengestalt
Struktur von Jes 28–31 nach W.-H. Jüngling
H.-W. Jüngling, Das Buch Jesaja, in: E. Zenger u. a. [Hg.], Einleitung in das
Alte Testament, Stuttgart 52004, 434.

Katastrophe für Efraim (»Wehe«): 28,1–4


Wiederherstellung: 28,5–6
Katastrophe für Jerusalem: 28,7–13. 14–22
Schonung: 28,23–29
Katastrophe für Ariel (»Wehe«): 29,1–4
Schonung Ariels: 29,5–8
Katastrophe für das Volk: 29,9–14. 15–16 (»Wehe«: 29,15)
Wiederherstellung: 29,17–24
Katastrophe für die Söhne (»Wehe«): 30,1–5. 6–7. 8–14. 15–17
Wiederherstellung: 30,18–26

Katastrophe für Assur: 30,27–33


Katastrophe für Jerusalem (»Wehe«): 31,1–3
Katastrophe für Assur: 31,4–9
C. Der historische Kontext
Die Überschriften Jes 1,1; 2,1; 6,1; 13,1

1,1 µIlv… W… rywI hd:Why“Al[æ hz:j… rv≤a} ≈wmøaA… ˆb≤ Why:[v] yæ “ ˆwzoj}
.hd:Why“ yk´lm] æ WhY:qzi j“ yi “ zj…a… µt…wyo WhY:Z[I ¨ ym´yBi
Schauung Jesajas des Sohnes Amoz, die er geschaut
hat über Juda und Jerusalem in den Tagen Ussias,
Jotams, Ahas und Hiskias, der König Judas

2,1 .µIlv… W… rywI hd:Why“Al[æ ≈wmøaA… ˆB≤ Why:[v] yæ “ hz:j… rv≤a} rb…Dh: æ
Das Wort, das geschaut hat Jesaja der Sohn Amoz über Juda und Jerusalem

6,1 yn:dao A} ta≤ ha≤ra“ w≤ : WhY:Z[I ¨ Ël≤Mh≤ æ twmøAtn"vB] i


Im Todesjahr des Königs Ussia sah ich den Herrn …
13,1 ≈wmøaA… ˆB≤ Why:[v] yæ “ hz:j… rv≤a} lb≤B… aC…mæ
Ausspruch über Babel, den geschaut hat Jesaja der Sohn Amoz
C. Der historische Kontext
Die Überschriften Hos 1,1 als Grundlage

Hos 1,1 zj…a… µt…wyo hY:Z[I ¨ ym´yBi yrIaB´ A] ˆB≤ [ævw´ høAla≤ hy:h… rv≤a} hw:hy“ArbæD“
la´rc: y] I Ël≤m≤ va…wyoAˆB≤ µ[…br] y: : ym´ybiW hd:Why“ yk´lm] æ hY:qzi j“ yi “
Das Wort Jahwes, das ergangen ist an Hosea, den Sohn Beeris, in den Tagen
Ussias, Jotams, Ahas und Hiskias, der Könige von Juda, und zur Zeit Jerobeams,
des Sohnes des Joasch, des Königs von Israel.

Die einzelnen Elemente sind:


1. Name des Vater (Jes, Ez, Hos, Joel, Zef, Sach).
2. Herkunft (Am, Mi, Nah, Jer); Fehlen bei Jes: seine Jerusalemer
Herkunft sei bekannt.
3. Zeitangaben, in der Regel die Regierungszeiten der Könige von
Israel und Juda (Jes, Hos, Am, Mi, Zef, Hag, Sach, Ez, Jer).
4. Adressaten: Amos über Israel, Micha über Samaria und
Jerusalem, Nahum über Ninive, Haggai an Serubbabel und Josua,
Maleachi über Israel.
C. Der historische Kontext
Parallelen zur Überschrift Jes 1,1

1,1 µIlv… W… rywI hd:Why“Al[æ hz:j… rv≤a} ≈wmøaA… ˆb≤ Why:[v] yæ “ ˆwzoj}
.hd:Why“ yk´lm] æ WhY:qzi j“ yi “ zj…a… µt…wyo WhY:Z[I ¨ ym´yBi
Schauung Jesajas des Sohnes Amoz, die er geschaut
hat über Juda und Jerusalem in den Tagen Ussias,
Jotams, Ahas und Hiskias, der König Judas

Für 1,1 fehlt insofern ein direkter Beleg, als keines der Prophetenbücher mit dem
Begriff ˆwzoj} eingeleitet wird. Die Wurzel hzj bezeichnet allerdings nicht nur im Jes
die prophetische Wirksamkeit, sondern die Wurzel findet sich auch in den
Überschriften zu Am, Nah und Hab. Am häufigsten lautet die Einführungsformel:
Ala≤ hy:h… rv≤a} hw:hy“ArbæD“, so Hos 1,1; Joel 1,1; Mi 1,1; Zef 1,1; vgl. auch die sachlich
entsprechende Form: Ala≤ hw:hy“ArbæD“ hy:h…÷yhiy“w", vgl. Jona 1,1; Sach 1,1; Ez 1,2; Jer 1,1.
Als Vergleich für die Wendung Why:[]væy“ ˆwzoj lässt sich bestenfalls auf Überschriften
aus Prov verweisen. Vgl. Prov 1,1: la´r:c]yI Ël≤m≤ dwID:Aˆb≤ hmoløv] yl´v]mi
und Prov 22,17: µymik…j} yrEb]DI. In beiden Fällten stehen der Gattungsbegriff wie der
Autor in einem Genetivverhältnis.
C. Der historische Kontext
Parallelen zur Überschrift Jes 2,1

2,1 .µIlv… W… rywI hd:Why“Al[æ ≈wmøaA… ˆB≤ Why:[v] yæ “ hz:j… rv≤a} rb…Dh: æ

Das Wort, das geschaut hat Jesaja der Sohn Amoz über Juda und Jerusalem

Amos 1,1

hY:Z[I ¨ ym´yBi la´rc: y] AI l[æ hz:j… rv≤a} [æwqøTm] i µydIqN] bO æ hy:hA… rv≤a} swmø[… yrEbD] I
v[ærh: y… nEpl] i µyItnæ v: ] la´rc: y] I Ël≤m≤ va…wyoAˆB≤ µ[…br] y: : ym´ybiW hd:Why“AËl≤m≤

Worte des Amos, der unter den Schafzüchtern von Tekoa war, die er geschaut
hat über Israel in den Tagen Ussias, des Königs von Juda, und Jerobeams, des
Sohnes des Joasch, des Königs von Israel, zwei Jahre vor dem Erdbeben.
C. Der historische Kontext
Parallelen zur Überschrift Jes 6,1

6,1 yn:dao A} ta≤ ha≤ra“ w≤ : WhY:Z[I ¨ Ël≤Mh≤ æ twmøAtn"vB] i


Im Todesjahr des Königs Ussia sah ich den Herrn …

6,1 ist im engeren Sinne keine Überschrift, sondern eine


Zeitangabe. Die Einleitung mit tn"vB
] i findet sich ca. 170 mal im AT,
zumeist mit einer konkreten Jahresangabe;
≤ æ vw<yr: d“ l: ] µyITvæ ] tn"vB] .i
vgl. nur Hag 1,1: Ël≤Mh
Der Bezug auf das Todesjahr twmøAtn"vB
] i findet sich nur noch einmal
in Jes 14,28 selbst: hZ<hæ aC…Mh
æ æ hy:h… zj…a… Ël≤Mh≤ æ twmøAtn"vB] .i
C. Der historische Kontext
Parallelen zur Überschrift Jes 13,1

13,1 ≈wmøaA… ˆB≤ Why:[v] yæ “ hz:j… rv≤a} lb≤B… aC…mæ

Ausspruch über Babel, den geschaut hat Jesaja der Sohn Amoz

Hab 1,1
aybiNh: æ qWQbæj} hz:j… rv≤a} aC…Mhæ æ

Ausspruch, den geschaut hat Habakkuk der Prophet


C. Der historische Kontext
Zusammenfassung zu den Überschriften

Jes 6,1 und 14,28 sind Überschriften, die sich auf einen begrenzten Text
beziehen.
Von der Form her können nur 1,1 und 2,1 als eine Art Buchüberschrift
gelten. 14,28 deckt sich aber insofern mit 1,1 und 2,1 als die prophetische
Tätigkeit Jesajas mit dem Verb hzj »schauen« umschrieben wird.
6,1 dagegen verwendet das Verb har »sehen«.
Von den Überschriften 1,1 und 2,1 macht die letztere und kürzere den
Eindruck, dass sie eine eigenständige und wohl auch ältere Einleitung zu
einer Jesajaausgabe darstellt.
Anders Kaiser u. a.: Von einem Redaktor wäre zu erwarten gewesen, dass
er nicht den Sing. von rb…d… »Wort« gebraucht, sondern den Plural wie Am
1,1. Die Überschrift beziehe sich deshalb nur auf 2,2–5 und erklärt sich,
weil hier der Paralleltext aus Mi 4 aufgenommen worden ist.
Ganz überzeugend ist diese These nicht. Der Sing. von rb…d… »Wort« kann
durchaus die Gesamtheit einer Prophetie beschreiben, wie Mi 1,1, beweist.
C. Der historische Kontext
Deutung der Namen in den Überschriften

Der Name ≈wmøaA… ˆb≤ Why:[v


] yæ “ ist leider nicht ganz eindeutig. Im
Grunde erwartet man eine Ableitung von der Wurzel [vy
»helfen, retten«. Diese ist im Hebräischen im Ni. oder Hi.
belegt, aber nicht im Kal.
Deshalb wird auch vermutet, dass der Name von der Wurzel
[[v »blicken« abzuleiten ist. Trotz des Mangels an einem
Beleg im Kal dürfte der Name die Bedeutung tragen: »Jahwe
hat Heil geschenkt«.
Leichter ist der Vatersname zu deuten: ≈wmøa;… eine Kurzform
von whyxma »Jahwe ist stark«. Man fand Ende der 50er Jahre
des letzten Jahrhunderts ein Sigel mit diesem Namen; dennoch
kann man nicht davon ausgehen, dass dies dem Vater von
Jesaja gehört haben könnte.
C. Der historische Kontext
Die Adressaten in der Überschriften

Die von Jesaja geschaute Offenbarung ist gerichtet an Jerusalem und


Juda: µIlv
… W… rywI hd:Why“Al[æ.
Die Präposition l[ bedeutet »auf, über, gegen«, letzteres häufig auch
im feindlichen Sinne. Diesen Sinn könnte sie auch gut in dieser
Überschrift tragen, obgleich l[ mehrheitlich synonym zu la
verstanden werden kann.
Während in der Gerichtsprophetie durchaus von Israel als von
Jahwes Volk die Rede ist, nämlich ym[,»mein Volk«, verwendet das
Jesajabuch im ersten Teil sehr häufig: hZ<hæ µ[…h… »dieses Volk«
(6,10; 8,6. 11f.; 9,15; 28,12. 14; 29,13f.).
C. Der historische Kontext
Die Könige in der Überschriften

Die Reihe:
»Ussia, Jotam, Ahas und Hiskia, die Könige von Juda«
lässt sich auch ohne diese Überschrift aus dem Buch rekonstruieren.
Alle hier genannten Könige kommen an anderen Stellen des
Jesajabuches vor:
Ussia 6,1; 7,1 (Vater Jotams); Jotam 7,1 (Vater Ahas); Ahas 7,1. 3.
10. 12; 19, 28; 38,3; Hiskia im Nachtrag der Kap. 36–39.

Asarja/Ussia 756-741
Jotham 741
Ahas 741-725
Hiskia 725-697 (728-700)
C. Der historische Kontext
Asarja/Ussia 2Kön 15,1–7

1 Im siebenundzwanzigsten Jahr Jerobeams, des Königs von Israel,


wurde Asarja König, der Sohn Amazjas, des Königs von Juda. 2
Sechzehn Jahre war er alt, als er König wurde, und er regierte
zweiundfünfzig Jahre zu Jerusalem. Seine Mutter hiess Jecholja, aus
Jerusalem. 3 Und er tat, was Jahwe wohlgefiel, ganz wie sein Vater
Amazja, 4 nur, dass die Höhen nicht entfernt wurden; denn das Volk
opferte und räucherte noch auf den Höhen. 5 Jahwe aber plagte den
König, dass er aussätzig war bis an seinen Tod, und er wohnte in einem
besonderen Hause. Jotam aber, der Sohn des Königs, stand dem Hause
des Königs vor und richtete das Volk des Landes. — 6 Was aber mehr
von Asarja zu sagen ist und alles, was er getan hat, siehe, das steht
geschrieben in der Chronik der Könige von Juda. 7 Und Asarja legte sich
zu seinen Vätern, und man begrub ihn bei seinen Vätern in der Stadt
Davids. Und sein Sohn Jotam wurde König an seiner Statt.
C. Der historische Kontext
Jotam und Ahas 2Kön 15,37 und 16,5. 7–9

2 Kön 15,37: Zu seiner Zeit [Jotams] begann Jahwe, gegen Juda zu


senden Rezin, den König von Aram und Pekach, den Sohn Remaljas.

2Kön 16,5. 7–9: 5 Damals zogen Rezin, der König von Aram, und
Pekach, der Sohn Remaljas, der König von Israel, hinauf, um gegen
Jerusalem zu kämpfen, und belagerten Ahas in der Stadt; aber sie
konnten sie nicht erobern… 7 Aber Ahas sandte Boten zu Tiglat-Pileser,
dem König von Assyrien, und ließ ihm sagen: Ich bin dein Knecht und
dein Sohn. Komm herauf und hilf mir aus der Hand des Königs von
Aram und des Königs von Israel, die sich gegen mich aufgemacht haben!
8 Und Ahas nahm das Silber und Gold, das sich in dem Hause Jahwes
und in den Schätzen des Königshauses fand, und sandte dem König von
Assyrien Geschenke. 9 Und der König von Assyrien hörte auf ihn und
zog herauf gegen Damaskus und eroberte es und führte die Einwohner
weg nach Kir und tötete Rezin.
C. Der historische Kontext
Hiskia und der Untergang Samarias

2Kön 18,9–12:
9 Im vierten Jahr Hiskias, des Königs von Juda — das war das
siebente Jahr Hoscheas, des Sohnes Elas, des Königs von Israel
—, zog Salmanassar, der König von Assyrien, herauf gegen
Samaria und belagerte es. 10 und nahm es ein nach drei Jahren. Im
sechsten Jahr Hiskias, das ist im neunten Jahr Hoscheas, des
Königs von Israel, wurde Samaria eingenommen. 11 Und der
König von Assyrien führte Israel weg nach Assyrien und ließ sie
wohnen in Halach und am Habor, dem Fluss von Gosan, und in
den Städten der Meder, 12 weil sie nicht gehorcht hatten der
Stimme Jahwes, ihres Gottes, und seinen Bund übertreten hatten
und alles, was Mose, der Knecht Jahwes, geboten hatte; sie hatten
nicht gehorcht und nicht danach getan.
C. Der historische Kontext
Hiskia und die Belagerung Jerusalems

2Kön 18,13–16:
13 Im vierzehnten Jahr des Königs Hiskia zog herauf Sanherib, der
König von Assyrien, gegen alle festen Städte Judas und nahm sie
ein. 14 Da sandte Hiskia, der König von Juda, zum König von
Assyrien nach Lachisch und ließ ihm sagen: Ich habe Unrecht
getan, zieh weg von mir. Was du mir auferlegst, will ich tragen.
Da legte der König von Assyrien Hiskia, dem König von Juda,
dreihundert Zentner Silber auf und dreißig Zentner Gold. 15 So
gab Hiskia all das Silber, das sich im Hause Jahwes und in den
Schätzen des Hauses des Königs fand. 16 Zur selben Zeit zerbrach
Hiskia, der König von Juda, die Türen am Tempel Jahwes und das
Goldblech, das er selbst hatte darüberziehen lassen, und gab es
dem König von Assyrien.
C. Der historische Kontext
Hiskia in den Annalen Sanheribs
Hiskia von Juda, der sich meinem Joch nicht unterworfen hatte – 46
seiner festen ummauerten Städte, sowie die zahllosen kleinen Städte in
ihrem Umkreis, belagerte und eroberte ich durch das Anlegen von
Belagerungsdämmen, Einsatz von Sturmwiddern, Infanteriekampf,
Untergrabungen, Breschen und Sturmleitern. 200150 Leute, große und
kleine, männliche und weibliche, Pferde, Maultiere, Kamele, Rinder und
Kleinvieh ohne Zahl führte ich aus ihnen heraus und rechnete sie zur
Beute. Ihn selbst schloss ich gleich einem Käfigvogel in seiner Residenz
Jerusalem ein. Schanzen warf ich gegen ihn auf, das Hinausgehen aus
seinem Stadttor verleidete ich ihm. Seine Städte, die ich geplündert
hatte, trennte ich von seinem Land ab und gab sie Mitinti, dem König
von Asdod, Padi, dem König von Ekron und Silbel, dem König von
Gaza, und verkleinerte so sein Land. Zu dem früheren Tribut, ihrer
jährlichen Abgabe, fügte ich ein Geschenk als Gabe für meine
Herrschaft zu und legte es ihnen auf. Jenen Hiskia aber legte die Furcht
vor dem Glanz meiner Herrschaft nieder…
C. Der historische Kontext
Zusammenfassung
Vier politische Ereignisse werden in dem ersten Jesajabuch
vorausgesetzt:
1. 733/32 der sog. syrisch-ephraemitische Krieg, ein Aufstand
der Kleinstaaten unter Führung von Damaskus gegen die
Assyrer
2. 722/21 Eroberung und Zerstörung Samarias
3. 713-711 der Asdodensische Aufstand
4. 705-701 Hiskias Aufstand und Sanheribs Strafaktion.
3. Biographische Angaben
Literatur zur Denkschrift (Jes 6–8)
Auret, A., Another look at CwCmw in Isaiah 8:6, OTEs 3, 1990, 107–114.
Barth, H., Die Jesaja-Worte in der Josiazeit. Israel und Assur als Thema einer produktiven
Neuinterpretation der Jesajaüberlieferung, WMANT 48, Neukirchen-Vluyn 1977.
Barthel, J., Prophetenwort und Geschichte. Die Jesajaüberlieferung in Jes 6–8 und 28–31,
FAT 19, Tübingen 1997.
Becker, U., Jesaja – von der Botschaft zum Buch, FRLANT 178, Göttingen 1997.
Becker, U., Jesajaforschung (Jes 1–39), ThR 64, 1999, 1–37. 117–152.
Blum, E., Jesajas prophetisches Testament. Beobachtungen zu Jes 1–11 (Teil 1), ZAW 108,
1996, 547–568, (Teil 2), ZAW 109, 1997, 12–29.
Duhm, B., Das Buch Jesaia, HAT III/1, Göttingen 21902.
Kaiser, O., Der Prophet Jesaja. Kapitel 1–12, ATD 17, Göttingen 51981.
Kilian, R., Jesaja 1–39, EdF 200, Darmstadt 1983.
Köckert, M. - Becker, U. - Barthel, J., Das Problem des historischen Jesaja, in: I. Fischer u.
a. (Hg.), Prophetie in Israel, Altes Testament und Moderne 11, Münster 2003, 105–134.
Liss, H., Die unerhörte Prophetie. Kommunikative Strukturen prophetischer Rede im Buch
Yesha'yahu, ABG 14, Leipzig 2003.
Steck, O.H., Bemerkungen zu Jes 6, in: Wahrnehmungen Gottes im Alten Testament.
Gesammelte Studien, ThB 70, München 1982, 149–170.
Wellhausen, J., Israelitische und jüdische Geschichte, Berlin 51904.
Wildberger, H., Jesaja. Kapitel 1–12, BK X/1, Neukirchen-Vluyn 1972.
3. Biographische Angaben
Struktur der Denkschrift (6–8)
8,1–4; 7,14–16
7,3–9 Motiv der Geburt eines 8,1–4
Drohwort Kindes, die Wendung Drohwort
ronh  ody  Mrfb  yk
gegen gegen
Damaskus Damaskus
und und
6,1–11 Samaria Samaria
Berufung 7,10–17 8,5–8a
Warnung Warnung
an an
Jerusalem Jerusalem
und und
Juda Juda
6,7f.; 8,11
O.H. Steck, Bemerkungen zu Jes 6, Motiv der Berufung
in: Wahrnehmungen Gottes im Alten Testament. 6,3; 8,13f.
Gesammelte Studien, ThB 70, München 1982, 149–170. die Wurzel vdq
3. Biographische Angaben
Bernhard Duhm

Zitate aus B. Duhm, Israels Propheten, 1916, 145-147:

»Jesaja scheint ein vornehmer Mann, vielleicht von


königlichem Geblüt gewesen zu sein; denn er verkehrt mit dem
›Haus Davids‹ wie auf gleichem Fuß und weiß, dass der König
Ahas seinen kleinen Sohn Schaerjaschub bei Namen kennt.
Niemals wird er feindlich bedroht, hohen königlichen Beamten
kann er ungestraft auf den Leib rücken, seine Zuhörer wagen es
vielleicht einmal trunkenen Muts ihn zu verspotten, aber
flüchten sonst lieber vor seinem Wort.«
3. Biographische Angaben
Jes 7,3–7

3 Aber Jahwe sprach zu Jesaja: Geh hinaus, Ahas entgegen, du und dein Sohn
Schear-Jaschub, an das Ende der Wasserleitung des oberen Teiches, an der
Strasse beim Acker des Walkers, 4 und sprich zu ihm: Hüte dich und bleibe
still; fürchte dich nicht, und dein Herz sei unverzagt vor diesen beiden
Brandscheiten, die nur noch rauchen, vor dem Zorn Rezins und der Aramäer
und des Sohnes Remaljas. 5 Weil die Aramäer gegen dich Böses ersonnen
haben samt Ephraim und dem Sohn Remaljas und sagen: 6 »Wir wollen
hinaufziehen nach Juda und es erschrecken und für uns erobern und zum König
darin machen den Sohn Tabeals«, 7 so spricht der Herr Jahwe:
Es soll nicht geschehen und nicht so gehen.

»Assarhaddon, König der Länder, fürchte dich nicht!…


Deine Feinde, wie Äpfel des Monats Siman rollen sie
vor deinen Füßen umher.
Die große Herrin bin ich. Ich bin die Ischtar von Arbela…
Nach dem Munde der (Sprecherin) Ischtar-la-taschijat aus Arbela«.
3. Biographische Angaben
U. Becker Rekonstruktion

6,8 Und ich hörte die Stimme Jahwes, wie er sprach: Wen soll ich
senden? Wer will unser Bote sein? Ich aber sprach: Hier bin ich,
sende mich!

8,1 Und Jahwe sprach zu mir: Nimm dir eine große Tafel und
schreib darauf mit deutlicher Schrift: Raubebald-Eilebeute!… 3
Und ich ging zu der Prophetin; die ward schwanger und gebar
einen Sohn. Und Jahwe sprach zu mir: Nenne ihn Raubebald-
Eilebeute! 4 Denn ehe der Knabe rufen kann: Lieber Vater! Liebe
Mutter!, soll die
Macht von Damaskus und die Beute aus Samaria weggenommen
werden durch den König von Assyrien.
3. Biographische Angaben
Jes 8
1 Und Jahwe sprach zu mir: Nimm dir eine große Tafel und schreib darauf mit
deutlicher Schrift: Raubebald-Eilebeute! 2 Und ich nahm mir zwei treue Zeugen,
den Priester Uria und Secharja, den Sohn Jeberechjas. 3 Und ich ging zu der
Prophetin; die ward schwanger und gebar einen Sohn. Und Jahwe sprach zu mir: A
Nenne ihn Raubebald-Eilebeute! 4 Denn ehe der Knabe rufen kann: Lieber Vater!
Liebe Mutter!, soll die Macht von Damaskus und die Beute aus Samaria
weggenommen werden durch den König von Assyrien.

5 Und Jahwe redete weiter mit mir und sprach: 6 Weil dies Volk verachtet die
Wasser von Siloah, die still dahinfließen, und in Angst zerfließt vor Rezin und
dem Sohn Remaljas, 7 siehe, so wird der Herr über sie kommen lassen die starken
und vielen Wasser des Stromes, nämlich den König von Assyrien und alle seine B
Macht, dass sie über alle ihre Ränder fluten und über alle ihre Ufer gehen. 8 Und
sie werden einbrechen in Juda und wegschwemmen und überfluten, bis sie an den
Hals reichen. Und sie werden ihre Flügel ausbreiten, dass sie dein Land, o
Immanuel, füllen, so weit es ist.

9 Tobet, ihr Völker, ihr müsst doch fliehen! Höret’s alle, die ihr in fernen Landen
seid! Rüstet euch, ihr müsst doch fliehen; rüstet euch, ihr müsst doch fliehen! 10 C
Beschließt einen Rat, und es werde nichts daraus; beredet euch, und es geschehe
nicht! Denn hier ist Immanuel!
3. Biographische Angaben
Jes 8

9 Tobet, ihr Völker, ihr müsst doch fliehen! Höret’s alle, die ihr in fernen
Landen seid! Rüstet euch, ihr müsst doch fliehen; rüstet euch, ihr müsst doch
fliehen! 10 Beschließt einen Rat, und es werde nichts daraus; beredet euch, und
C
es geschehe nicht! Denn hier ist Immanuel!

11 Denn so sprach Jahwe zu mir, als seine Hand über mich kam und er mich
warnte, ich sollte nicht wandeln auf dem Wege dieses Volks: 12 Ihr sollt nicht
alles Verschwörung nennen, was dies Volk Verschwörung nennt, und vor dem,
was sie fürchten, fürchtet euch nicht und lasst euch nicht grauen, 13 sondern
verschwört euch mit Jahwe Zebaoth; den lasst eure Furcht und euren Schrecken B‘
sein. 14 Er wird ein Fallstrick sein und ein Stein des Anstosses und ein Fels des
Ärgernisses für die beiden Häuser Israel, ein Fallstrick und eine Schlinge für
die Bürger Jerusalems, 15 dass viele von ihnen sich daran stossen, fallen,
zerschmettern, verstrickt und gefangen werden.

16 Ich soll verschließen die Offenbarung, versiegeln die Weisung in meinen


Jüngern 17 und will hoffen auf Jahwe, der sein Antlitz verborgen hat vor dem A‘
Hause Jakob, und will auf ihn harren.
3. Biographische Angaben
Struktur von Jes 8

8,2: Bestellung (dwo Hi.)


I. 1–4 A vertrauenswürdiger Zeugen
(Mynman Mydo) angesichts eines
prophetischen Zeichens
II. 5–8a B

III. 9–10 C

IV. 11–15 B‘

8,16: Bewahrung des Zeugnisses


V. 16–17 A‘ (hdwot in Parallele zu hrwt)
im Kreis der Schüler
3. Biographische Angaben
Jes 8,1–4

1 Und Jahwe sprach zu mir: lwødÎ…g NwøyD;lˆ…g ÔKVl_jåq yAlaE hÎwh◊y rRmaø¥yÅw 1
Nimm dir eine große Tafel und vwønaT f®rjR b;V wyDloD bOtkV w…
schreib darauf mit deutlicher Schrift:
Raubebald-Eilebeute! zAb; vDj lDlvD rEhmA lV
2 Und ich nahm mir zwei treue Zeugen,
den Priester Uria und Secharja, MyˆnDmTa‰n MyîdoE yIl; h∂dyIoaD w◊ 2
den Sohn Jeberechjas. w… hÎykV r® bR y◊ NRb; w… hÎyr√ kA z◊ _tRaw◊ NEhk;O hA hÎy¥ rî w… a tEa
3 Und ich ging zu der Prophetin;
die ward schwanger und gebar NEb; dRlt;E wÅ rAht;A wÅ hDayIb◊…nhA _lRa bårqV aR wÎ 3
einen Sohn. Und Jahwe sprach zu mir:
Nenne ihn Raubebald-Eilebeute! zAb; vDj lDlvD rEhmA wømvV a∂rqV yAlaE hÎwh◊y rRmaøy¥ Åw
4 Denn ehe der Knabe rufen kann:
Lieber Vater! Liebe Mutter!, soll die
yIm; aI w◊ yIbaD aørqV rAon…Å hA oådy´ M®rfR b;V yIk; 4
Macht von Damaskus und die Beute NwørmV vO lAlvV tEaw◊ qRcm;R d;å lyEj_tRa aDÚcˆy
aus Samaria weggenommen werden
durch den König von Assyrien. s r…wvÚ aA KJ lR mR y´npV lI
3. Biographische Angaben
Jes 8,5–8
6 Weil dies Volk verachtet die Wasser von h‰ΩzAh MDoDh sAaDm yI;k NaoÅy 6
Siloah, die still dahinfließen,
MyIkVlOhAh AjølIÚvAh yEm tEa
MT:und sich freut [cwøcVm…w] an Rezin und dem
Sohn Remaljas [d.h. am Untergang]
cwøcVm…w fAaVl
Kor.:und in Angst zerfließt [swøsVm…w] vor Rezin …whÎyVlAm√r_NRb…w NyIx√r_tRa
und dem Sohn Remaljas,
7 siehe, so wird Jahwe über sie kommen lassen MRhyElSo hRlSoAm yÎnOdSa h´…nIh NEkDl◊w 7
die starken und vielen Wasser des Stromes,
nämlich den König von Assyrien und alle seine MyI;bårDh◊w MyIm…wxSoDh rDhÎ…nAh yEm_tRa
Macht, wødwøbV;k_lD;k_tRa◊w r…wÚvAa JKRlRm_tRa
dass sie über alle ihre Ränder fluten und über
alle ihre Ufer gehen. JKAlDh◊w wy∂qyIpSa_lD;k_lAo hDlDo◊w
8 Und sie werden einbrechen in Juda und wyDtwød◊…g_lD;k_lAo
wegschwemmen und überfluten, bis sie an den
Hals reichen. rAbDo◊w PAfDv h∂d…whyI;b PAlDj◊w 8
Und sie werden ihre Flügel ausbreiten, wyDpÎnV;k twøÚfUm hÎyDh◊w Aoyˆ…gyÅ raÎ…wAx_dAo
dass sie dein das Land, o Immanuel, füllen, so
weit es ist. s lEa …wnD;mIo ÔKVx√rAa_bAjOr aølVm
3. Biographische Angaben
Jes 8,11–15
11 Denn so sprach Jahwe zu mir, als dÎy¥ hA tåqz◊ jR k;V yAlaE hÎwh◊y rAmaD hOk yIk; 11
seine Hand über mich kam
und er mich warnte, ich sollte nicht rOmaEl h‰ΩzhA _MDohD KJ r® d® b;V tRkl;R mI yˆnérV;sˆy◊w
wandeln auf dem Wege dieses Volks:
12 Ihr sollt nicht alles Verschwörung lOklV rRvq® N…wrVmaøt_aøl 12
nennen, was dies Volk Verschwörung rRvq∂ h‰ΩzhA MDohD rAmaøy_rRvaS
nennt,
und vor dem, was sie fürchten, fürchtet w… xyîroS tA aølw◊ w… a√ryIt_aøl wøar∂ wøm_tRaw◊
euch nicht und lasst euch nicht grauen,
13 sondern Jahwe Zebaoth haltet w… vyîd; qV tA wøtaO twøabD xV hÎwh◊y_tRa 13
Heilig; den lasst eure Furcht MRkxV rî oS mA a…wh◊w MRkaS rå wøm a…wh◊w
und euren Schrecken sein.
14 Er wird ein Heiligtum sein und ein P‰gn‰ NRbaR lV w… v∂d; qV mI lV hÎyhD w◊ 14
Stein des Anstoßes und ein Fels
des Ärgernisses für die beiden Häuser lEar∂ cV yˆ yEt; bD y´nvV lI lwøvkV mI r…wxVlw…
Israel, ein Fallstrick und eine Schlinge
für die Bürger Jerusalems,
MÊlD vD w… r◊y bEvwøylV véqwømlV w… jAplV
15 dass viele von ihnen sich daran w… lVpnÎ ◊w MyIb; rå MDb w… lVvkD w◊ 15
stoßen, fallen, zerschmettern, verstrickt
und gefangen werden. s w… dDk; lV nˆ w◊ w… vVqwønw◊ w… rDb; vV nˆ w◊
3. Biographische Angaben
Jes 8,12–13

Die Mahnung besteht aus drei sich jeweils entsprechenden


Verboten (V. 12) und Geboten (V. 13).

1 Ihr sollt nicht alles Verschwörung nennen, lOklV rRvq® N…wrVmaøt_aøl 1


was dies Volk Verschwörung nennt, rRvq∂ h‰ΩzhA MDohD rAmaøy_rRvaS
2 und vor dem, was sie fürchten, w… a√ryIt_aøl wøar∂ wøm_tRaw◊ 2
fürchtet euch nicht
w… xyîroS tA aølw◊ 3
3 und lasst euch nicht grauen,

1 Jahwe Zebaoth haltet Heilig; …wvyîd; qV tA wøtaO twøabD xV hÎwh◊y_tRa 1


2 den lasst eure Furcht sein, MRkaS rå wøm a…wh◊w 2
3 den lasst euren Schrecken sein. MRkxV rî oS mA a…wh◊w 3
3. Biographische Angaben
Jes 8,11–15
11 Denn so sprach Jahwe zu mir, als dÎy¥ hA tåqz◊ jR k;V yAlaE hÎwh◊y rAmaD hOk yIk; 11
seine Hand über mich kam
und er mich warnte, ich sollte nicht rOmaEl h‰ΩzhA _MDohD KJ r® d® b;V tRkl;R mI yˆnérV;sˆy◊w
wandeln auf dem Wege dieses Volks:
12 Ihr sollt nicht alles Verschwörung lOklV rRvq® N…wrVmaøt_aøl 12
nennen, was dies Volk Verschwörung rRvq∂ h‰ΩzhA MDohD rAmaøy_rRvaS
nennt,
und vor dem, was sie fürchten, fürchtet w… xyîroS tA aølw◊ w… a√ryIt_aøl wøar∂ wøm_tRaw◊
euch nicht und lasst euch nicht grauen,
13 sondern Jahwe Zebaoth nennt …wryIvqV tA wøtaO twøabD xV hÎwh◊y_tRa 13
Verschwörer; den lasst eure Furcht MRkxV rî oS mA a…wh◊w MRkaS rå wøm a…wh◊w
und euren Schrecken sein.
14 Er wird ein Verschwörer sein und P‰gn‰ NRbaR lV w… r∂vqV lV hÎyhD w◊ 14
ein Stein des Anstoßes und ein Fels
des Ärgernisses für die beiden Häuser lEar∂ cV yˆ yEt; bD y´nvV lI lwøvkV mI r…wxVlw…
Israel, ein Fallstrick und eine Schlinge
für die Bürger Jerusalems,
MÊlD vD w… r◊y bEvwøylV véqwømlV w… jAplV
15 dass viele von ihnen sich daran w… lVpnÎ ◊w MyIb; rå MDb w… lVvkD w◊ 15
stoßen, fallen, zerschmettern, verstrickt
und gefangen werden. s w… dDk; lV nˆ w◊ w… vVqwønw◊ w… rDb; vV nˆ w◊
3. Biographische Angaben
Jes 8,16–18

16 Ich will verschließen die Offenbarung, y∂dm;U lI b;V h∂rwøt; MwøtjS h∂dw… oVt; rwøx 16
versiegeln die Weisung in meinen Jüngern
wyÎnpÚD ryIt; sV m;A hA hÎwhyAl yItyIk; jI w◊ 17
17 und will hoffen auf Jahwe, der sein Antlitz
verborgen hat vor dem Hause Jakob, wøl_yIty´…wIq◊w bOqoS yÅ tyEb; mI
und will auf ihn harren. MyîdlD y◊ hA w◊ yIknO aD h´…nhI 18
18 Siehe, hier bin ich und die Kinder, twøtaO lV hÎwh◊y yIl_NAtnÎ rRvaS
die mir Jahwe gegeben hat als Zeichen
und Weissagung in Israel von Jahwe Zebaoth,
MIomE lEar∂ cV yˆ b;V MyItpV wømlV w…
der auf dem Berge Zion wohnt. s Nwøy¥ xI rAhb;V NEkvÚO hA twøabD xV hÎwh◊y
3. Biographische Angaben
Jes 8,9–10

9 Tobet, ihr Völker, ihr müsst doch fliehen! …wnyˆzaS hA w◊ w… t; jO wÎ MyIm; oA w… oOr 9
Höret’s alle, die ihr in fernen Landen seid!
Rüstet euch, ihr müsst doch fliehen; rüstet X®rDa_yéq; jA r√ mR lOk;
euch, ihr müsst doch fliehen! w… t; jO wÎ w… r◊ΩzaA tV hI w… t; jO wÎ w… r◊ΩzaA tV hI
10 Beschließt einen Rat, und es werde
nichts daraus; beredet euch, und es geschehe
rDbd∂ w… rVb; d;å rDptU w◊ hDxoE w… xUo 10
nicht! Denn hier ist Immanuel! s lEa w… nDm; oI yIk; M…wqÎy aølw◊
3. Biographische Angaben
Zusammenfassung
1. 733/32 der sog. syrisch- I. 1–4 A
ephraemitische Krieg
2. 722/21 Eroberung und
Zerstörung Samarias
II. 5–8a B
3. 713-711 der Asdodensische
Aufstand III. 11–15 B‘
4. 705-701 Hiskias Aufstand
und Sanheribs Strafaktion. IV. 16–17 A‘