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WISSENS -MANAGEMENT

Warum sich Expertenwissen


nicht managen lässt und
wie es trotzdem funktioniert
Innovationsorientierte Unternehmen leben von Wissen. Insofern ist es nur verständlich, wenn sie versuchen, ihre wichtigsten Ressourcen
zu managen. Doch genau das stellt sich in vielen Fällen als Fehler heraus. Besonders, wenn es darum geht, Innovationen im Unter-
nehmen systematisch zu unterstützen, braucht Wissensmanagement flexiblere Strategien als datenbankbasierte Ablagen.

B ei Medizintechnik-Herstellern, Produzenten von Unterhaltungs-


elektronik oder in Unternehmensberatungen ist vor allem eine A U TO R : Dr. Thomas Morscher
Ressource knapp: Wissen. Dementsprechend besteht ein Großteil der Vorstand der Finebrain AG,
Managementaufgaben darin, Mitarbeitern und Partnern das richtige Leiter „Enterprise Search Solutions“
Wissen zur richtigen Zeit verfügbar zu machen. Was liegt da näher als der
Ansatz, dieses Wissen zu sammeln, zu ordnen und zentral bereit zu stellen?
A U TO R : Dr. Angela Berrisch
Senior Beraterin bei der nexum AG, Spezialistin
Beschränkungen der physikalischen Welt für Wissensmanagement und Intranet-Projekte
Jede Bibliothek funktioniert nach diesem Prinzip: Bücher erhalten einen
festen Platz in einem komplexen, aber standardisierten System zuge-
wiesen, an dem sich der Suchende orientieren kann. Als Teil der physi- diese Methode hat ihre Grenzen. Denn Zettelkataloge – auf Papier oder
kalischen Welt kann ein Buch immer nur in einem Regal zugleich ste- digital – müssen gepflegt und vorhandene Buchbestände entspre-
hen. Alternative Anordnungen würden eine Vervielfältigung des Buch- chend verschlagwortet werden.
bestandes erfordern. Bis zu einem gewissen Grad bieten Zettelkataloge
oder moderne elektronische Schlagwort-Hierarchien Abhilfe. Aber auch Das Prinzip Bibliothek ist also einerseits leistungsfähig, weil es große
Wissensmengen überhaupt durchsuchbar und verfügbar macht. Zugleich
ist es schwerfällig. Neue Wissensgebiete und neue Zuordnungen lassen
sich oft nur mit großer Mühe in vorhandenen Schlagwortsystemen abbil-
den. Sie gelten dann verbindlich für alle Benutzer, ganz gleich ob es ihrer
individuellen Suchperspektive gerecht wird.

Die elektronischen Lösungen, mit denen Unternehmen ihr Wissen mana-


gen, funktionieren letztlich nach demselben Prinzip. Das macht für viele
Arten von Wissen nach wie vor Sinn. Allgemeine Informationen wie
Unternehmensdarstellungen, Marketingunterlagen oder Umsatzergeb-
nisse lassen sich am besten in zentralen Datenbanken speichern und zum
Beispiel über ein Intranet bereitstellen. Es handelt sich hierbei um Wissen,

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das personenunabhängig verstanden und benutzt werden kann. Es setzt Erkenntnisse mit Wissen aus der Kunststoff- oder Nanoforschung ent-
wenig oder nur begrenzte Fachkenntnis voraus, um es zu sammeln und zu stehen. Welches Klassifikationssystem soll solche Querverbindungen
ordnen. Das ist das typische Einsatzfeld von Content-, Dokumenten- und vorwegnehmen? Bibliotheken wie klassische Wissensmanagement-
Wissensmanagement-Systemen. Systeme sind antiquarische Werkzeuge, deren Ordnungen und Klassi-
fikationen Sinn durch Rückschau stiften. Sicherlich stellen sie dem
Wissen ist nicht gleich Wissen Benutzer eine breite Palette von Inhalten zur Verfügung. Doch unter
Bei Innovationen spielt Basiswissen dagegen nur eine untergeordnete dem hohen Innovationsdruck müssen Unternehmen in wissensintensi-
Rolle. Erfolgsentscheidend ist hier eine andere Wissensform. Zum Beispiel ven Branchen mehr leisten. Sie müssen aktiv Bedingungen schaffen,
Forschungsergebnisse. Es braucht Experten, um dieses Wissen zu beurtei- damit solch wertvolle Querverbindungen schneller und häufiger
len, anzuwenden und zu ordnen. Und: Innovationswissen lebt von geknüpft werden als bei der Konkurrenz. Wissensmanagement unter-
Aktualität, wie der Wortkern „novum“ bereits andeutet. Innovationswissen liegt im Innovationsgeschäft also anderen Zielsetzungen als der bloßen
hat daher nur eine geringe Halbwertszeit. Ein Unternehmensprofil kann Archivierung von Wissen.
ohne Weiteres zwei Jahre Gültigkeit besitzen. Der Produktivwert einer
Forschungsstudie verfällt unter Umständen schon innerhalb weniger Innovationen sind gesellige Phänomene
Wochen. Fazit: Innovationswissen ist hochgradig personen- und kontext- Der Schlüssel zur richtigen Strategie ist die soziale Komponente von
gebunden, kurzlebig – und somit nur schwer zu dokumentieren. Innovationen. Wenn der einzelne Wissensarbeiter eine neue, unerwar-
tete Brücke zwischen Fachgebieten schlägt, stützt er sich dabei auf die
Doch das klassische Wissensmanagement ignoriert diese Tatsache allzu Vorarbeiten anderer. Der schnellste Weg, um neuartige Anknüpfungs-
häufig und wirft Marketingmaterialien und Expertenwissen in einen Topf punkte zu finden, sind daher keine Dokumente, sondern Kollegen.
oder besser: in eine Datenbank. Dorthinein soll der Wissensarbeiter sein Beim Wissensmanagement für Innovationen müssen die Wissens-
flüchtiges Wissen schreiben, es dabei in die vorgegebene Ordnungs- arbeiter im Mittelpunkt stehen, nicht ihre flüchtigen und kaum zu
struktur einpassen – um es dann sich selbst zu überlassen. Wem es ein- handhabenden Erzeugnisse.
mal nützen könnte, ist nun nicht mehr seineSorge. Doch warum sollte sich
ein vielbeschäftigter Forscher überhaupt die Mühe machen, wenn die Wenn ein Halbleiterspezialist an einer neuen Chiptechnologie arbeitet,
Inhalte schon nach kürzester Zeit nur noch dokumentarischen Charakter wird er vermutlich nur geringe Kenntnisse über die Funktionsweise
besitzen? Bereits hier scheitert klassisches Wissensmanagement, weil lebender Zellen besitzen. Aber vielleicht hält die Zellbiologie gerade für
Wissensarbeiter schnell erkennen, dass ihnen eine Datenbank im Tages- sein Arbeitsfeld revolutionäre Konzepte bereit. In einer Datenbank wird
geschäft wenig nützt, sie dafür aber mit zusätzlicher Arbeit belastet. er kaum auf diesen Zusammenhang stoßen, schließlich weiß er noch
nicht, dass er danach suchen sollte. Überdies versteht er nichts von
Eine Chance für Umwege dem fremden Fachgebiet, um dessen Ergebnisse für seine Arbeit zu
Hinzu kommt noch ein weiteres, grundsätzliches Problem: Inno- verwerten. Bei einem Gespräch mit einem Kollegen aus der Biologie
vationen entstehen oft durch unerwartete Verknüpfungen. Ein neuer hingegen könnten beide Forscher sehr schnell Gemeinsamkeiten und
Werkstoff beispielsweise kann durch die Kombination biologischer verwandte Denkmuster oder Fragestellungen entdecken.

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Der Ansatz macht eine doppelte Datenhaltung überflüssig. So gewinnt das


Wissensmanagement die nötige Flexibilität, um etwas so Flüchtiges wie
Innovationswissen zu fördern und zu erschließen, ohne es von zentralerStelle
„managen“ zu müssen. Die Wissensarbeiter nutzen derweil ihre gewohnten
Systeme weiter. So entsteht ein lebendiges Abbild der Wissenslandschaft im
Unternehmen ohne zusätzlichen Pflegeaufwand für die Nutzer.

Experten suchen anders


Ebenso wie der Webcrawler von Google Webseiten mit Algorithmen
durchpflügt und erfasst, legt eine Themen- und Expertensuche Indizes
und Schlagwortkataloge der verfügbaren Wissensquellen an. Das umfasst
neben organisationsinternen Systemen auch Suchtreffer aus den Weiten
des Internets.

Doch die üblichen Verfahren, wie sie Google oder Microsoft einsetzen, sind
zu grobe Werkzeuge für die Suche nach Innovationswissen. Sie arbeiten
nach dem Prinzip der Masse. Diejenigen Inhalte, die die größte
Elektronische Telefonbücher im Intranet werden gerne als probates Aufmerksamkeit des breiten Publikums wecken, tauchen ganz vorne in den
Werkzeug für das Networking unter Wissensarbeitern angepriesen. Suchtreffern auf. Im Wissensmanagement kommt es dagegen auf andere
Doch auch sogenannte Yellow Pages greifen mit ihrem Ansatz zu kurz. Qualitätsmerkmale an: die Güte der Information, ihre Passgenauigkeit zu
Auch die Eins-zu-Eins-Übertragung von Diensten und Technologien aus bestehenden Wissensstrukturen oder ihre Urheberschaft. Suchsysteme für
dem Social Web garantiert nicht, dass sich die potenziell richtigen hoch spezialisierte Wissensarbeiter benötigen eine ebenso spezielle
Experten untereinander vernetzen. Innovationsförderndes Wissens- Suchoptik, die Treffer aus unterschiedlichen Quellen mit eigenen semanti-
management innerhalb einer Organisation muss an mehreren Punkten schen Verfahren aufbereitet. Hierzu müssen eigene Klassifikationen entwi-
zugleich ansetzen. ckelt werden, die auf die exklusiven Anforderungen der Wissensarbeiter im
Unternehmen und ihre Fachgebiete zugeschnitten sind.
Innovationsstrategie für Wissen
Zunächst gilt es, die Wissensträger im Unternehmen zu identifizieren. In So bilden intelligente Suchsysteme das Rückgrat einer neuen und beweg-
der Regel sind nicht alle Abteilungen und Mitarbeiter eines Unter- lichen Form des Wissensmanagements, die ohne eine Schaltzentrale,
nehmens relevant für die Innovationsprozesse. Im nächsten Schritt müs- zusätzliche Contentprozesse und Redaktionen auskommt. Sie vernetzt
sen Wissensarbeiter und Themen verlinkt werden. Wer ist Experte auf lediglich Vorhandenes, Themen, Dokumente und Fachleute auf intelligen-
einem bestimmten Fachgebiet? Wer in relevante Projekte eingebunden? te und dynamische Weise. Solche Suchverfahren lassen sich in vorhande-
ne Portale oder Intranets einbinden. Sie sorgen dafür, dass Wissens-
Suchen statt archivieren arbeiter im richtigen Moment den richtigen Partner finden oder die ihm
Ein Fehler wäre es, diese Informationen wieder in eine neue Datenbank zugeordneten Informationen.
zu schreiben und dann turnusmäßig zu aktualisieren. Da Experten-
wissen sich ständig verändert, müssen Wissensmanagement-Systeme Wie Sie Ihre Experten vernetzen
das innovationsrelevante Wissen und seine Träger dynamisch vernetzen Wir beraten Sie gerne, wie Sie das Innovationswissen in Ihrem
und dieses Netzwerk sichtbar machen. Als wesentlich flexibler als eine Unternehmen systematisch fördern und den Austausch zwischen Ihren
zentrale Datenbank haben sich spezialisierte Suchlösungen erwiesen, Experten unterstützen. Die nexum AG verfügt als Interaktiv-Dienstleister
die im Unternehmen bereits vorhandene Informationsquellen in Echt- über breite Erfahrung in großen Wissensmanagement-Projekten. Die
zeit nutzen. Das können Nutzerdaten, Organigramme oder Prozess- Finebrain AG hat sich auf die Entwicklung zentraler Lösungen für das
informationen sein. Dabei ist es gleichgültig, ob diese Daten in einem Wissensmanagement spezialisiert, hierbei insbesondere auf die
SAP vorliegen, auf einem Dateiserver oder in einem Intranetportal. Vernetzung von Wissensarbeitern sowie auf Suchmaschinen. Als Partner
Entscheidend ist, dass die Suchlösungen keinen zusätzlichen, zentralen bieten wir Ihnen die Expertise, mit der Sie das Wissenspotential Ihres
Datentopf schaffen. Unternehmens ausschöpfen.