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Berliner Brief

Juni (3) 2016
Liebe Leserinnen und Leser,
der „Brexit“ wird Realität. Die Bürgerinnen und Bürger Großbritanniens
haben sich in einem Referendum
mehrheitlich für den Austritt ihres
Landes aus der Europäischen Union
entschieden. Das bedauere ich sehr.
Es ist eine Entscheidung historischen Ausmaßes und ein Rückschlag
für das geeinte Europa. Wir müssen
aber gerade jetzt alles daran setzen,
das Vertrauen in die Europäische
Union zu festigen - in den anderen
Mitgliedstaaten, aber auch bei uns in
Deutschland. Dieser Tag muss Ansporn sein, Europa zu stärken, auch
wenn ein Mitglied die Europäische
Union verlässt.
Wir alle wissen: Die Europäische
Union ist nicht perfekt. Sie ist aber

der Garant für Frieden und Wohlstand - vor allem auch für uns Deutsche. Niemand sollte sich der Illusion hingeben, dass durch ein Zurück
zu den Nationalstaaten für die Bürger
unter dem Strich irgendetwas besser
werden würde. Das Gegenteil wird
der Fall sein, und ich fürchte, die
Bürgerinnen und Bürger in Großbritannien werden das bald zu spüren
bekommen.
Nun müssen wir ruhig und besonnen
nachdenken, wie sich die Europäische Union weiterentwickeln soll.

tes bewusst sein und in der Zukunft
alles dafür tun, Europa zu stabilisieren und zu pflegen.
Das NATO-Land Großbritannien wird
auch nach einem Austritt aus der Europäischen Union ein Freund und
wichtiger Partner Deutschlands bleiben.
Über meine ereignisreiche Sitzungswoche informiert Sie wieder mein
aktueller Berliner Brief.
Es grüßt Sie herzlichst, Ihre

Mit Blick auf die Geschichte Europas
mit all ihren Feindschaften und Kriegen ist es nach wie vor ein Wunder,
dass mittlerweile so viele Staaten in
ein gemeinsames Haus eingezogen
sind. Wir alle sollten uns seines Wer-

Fotos: Kai Horstmann (oben), CDU/CSU-Bundestagsfraktion| Steffen Hollah, Deutscher Bundestag| Anke Jacob, Deutscher Bundestag | JF Müller (unten, v.l.n.r); V.i.S.d.P.: Astrid Timmermann-Fechter

Astrid Timmermann-Fechter, MdB
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Meine Woche im Parlament
Am Beginn meiner Sitzungswoche
am Montag (20.06.) bereite ich meine Berichterstattungen für die AG
Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie für den Familienausschuss vor.
Am Dienstag (21.06.) berichte ich
dann in der AG Familie über den
„Entwurf eines Vierten Gesetzes zur
Änderung arzneimittelrechtlicher
und anderer Vorschriften“. In der
Fraktionssitzung geht es am Nachmittag wie immer um die aktuellen
parlamentarischen Vorhaben der Woche. Dazu gehören die Vierte Arzneimittelgesetz-Novelle und das Gesetz
zur Anpassung des Erbschaftsteuerund Schenkungsteuergesetzes an die
Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts, das in dieser Woche
im Plenum beraten wird. Durch die
Neuregelung der Erbschaftssteuer
wird die besondere Unternehmenskultur in Form von mittelständischen
(Familien-)Unternehmen gesichert.
Ebenfalls intensiv diskutiert wird das
Thema Fracking: hier hat die CDU/
CSU-Fraktion auf die schnelle Verab-

schiedung eines Schutzgesetzes gedrängt. Damit ist unkonventionelles
Fracking grundsätzlich verboten. Die
Entscheidung über bis zu 4 Probebohrungen, die bundesweit erlaubt
sein sollen, liegt bei den jeweiligen
Landesregierungen. Das ist eine gute
Nachricht, denn die Landesgruppe
der CDU-NRW hat im Rahmen des
Gesetzgebungsverfahrens intensiv
für diese Einschränkungen gekämpft.
Fest steht: mit der CDU in NRW wird
es kein Fracking und keine Zustimmung zu Probebohrungen geben.
Der Mittwoch (22.06.) ist ein ganz
besonderer Tag: ich darf meinen Geburtstag inmitten meiner Kolleginnen und Kollegen im Ausschuss für
Familie, Senioren, Frauen und Jugend verbringen. Denn dieses Jahr
fällt mein Geburtstag in eine Sitzungswoche des Deutschen Bundestages. Nichtsdestotrotz wird gearbeitet: so sprechen wir mit der Parlamentarischen Staatssekretärin Caren
Marks aus dem Familienministerium
und dem Parlamentarischen Staatssekretär Christian Lange aus dem

Foto: Sitzung des Ausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Paul-Löbe-Haus
Foto: Deutscher Bundestag/Thomas Trutschel/photothek.net

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Bundesjustizministerium über den
Reformbedarf beim Adoptionsrecht
und beim Adoptionsvermittlungsrecht.
Am Donnerstag (23.06.) nutze ich
den Vormittag für Besprechungen
mit meinen Mitarbeitern, denn im
Laufe des Tages stehen dann verschiedene familienpolitische Debatten auf der Plenartagesordnung. So
debattieren wir über einen Oppositionsantrag, der einen bundesweiten
Aktionsplan gegen Sexismus fordert.
Auch stimmen wir namentlich über
zahlreiche Gesetzesvorhaben wie etwa die Fortsetzung der deutschen
Beteiligung am UNIFIL-Mandat im
Libanon ab. Am Abend besuche ich
dann das Sommerfest der Deutschen
Parlamentarischen Gesellschaft im
ehemaligen Reichstagspräsidentenpalais.
Der Freitag (24.06.) wird natürlich
vom Ausgang des Referendums in
Großbritannien dominiert. Es stehen
daher nicht nur mehrere namentliche Abstimmungen unter anderem
zur Erbschaftssteueranpassung oder
zum Fracking auf dem Programm,
sondern auch eine Sonderfraktionssitzung zum „Brexit“. Hier erörtern
wir die politischen Konsequenzen
des Referendums. Am Abend endet
dann eine turbulente Sitzungswoche,
die von einem bedauernswerten Ereignis überschattet wurde, das das
Gesicht der EU nachhaltig verändern
wird. Es wird uns schon bald wieder
beschäftigen: der Bundestag wird in
der kommenden Woche zu einer Sondersitzung zusammenkommen, um
über die Lage zu beraten.

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Weiteres aus Fraktion und Plenum
In dieser Woche wird über zahlreiche Gesetze beraten oder beschlossen — hier eine Auswahl:
75. Jahrestag des Überfalls
Deutschlands auf die Sowjetunion.
Wir erinnern an das Leid und Unrecht, das aus dem Angriff des nationalsozialistischen Deutschen Reiches
auf die Sowjetunion entstanden ist.
Am 22. Juni 1941 begann unter dem
Decknamen „Unternehmen Barbarossa“ der deutsche Überfall auf die
Sowjetunion. Wir gedenken den auf
beiden Seiten gefallenen Soldaten
und verneigen uns vor den Opfern des
deutschen Angriffs.
Fortsetzung der Beteiligung bewaffneter deutscher Streitkräfte an
der „United Nations Interim Force
in Lebanon“ (UNIFIL). Die Mission
UNIFIL ist für die Stabilität im Nahen
Osten von großer Bedeutung, während die Region durch den SyrienKonflikt und die IS-Terrormilizen zusätzlich destabilisiert wird.
Fortsetzung der deutschen Beteiligung an der internationalen Sicherheitspräsenz in Kosovo
(KFOR). Wir unterstützen den Antrag
der Bundesregierung auf eine Fortsetzung der deutschen Beteiligung an
der internationalen Sicherheitspräsenz im Kosovo (KFOR).
Gesetz zur Einführung von Ausschreibungen für Strom aus erneuerbaren Energien und zu weiteren
Änderungen des Rechts der erneuerbaren Energien (ErneuerbareEnergien-Gesetz – EEG 2016). In erster Lesung diskutieren wir das Gesetz,
das das Fördersystem für erneuerbare
Energien schrittweise auf Ausschreibungen umstellen und somit marktwirtschaftlicher machen soll. Durch
die Einführung eines wettbewerbli-

chen Systems integrieren wir die erneuerbaren Energien dabei besser in
den Markt und senken die Kosten für
deren Ausbau, die seit Jahren eine
erhebliche, steigende Last für die
Stromkunden darstellen.
Versöhnung, Partnerschaft, Zusammenarbeit – 25 Jahre deutschpolnischer Vertrag über gute Nachbarschaft und freundschaftliche
Zusammenarbeit. Unser Antrag würdigt den 25. Jahrestag des Vertrags
über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Polen vom
17. Juni 1991. Wir würdigen in diesem Antrag erstmals ausdrücklich die
Bedeutung, die der „Charta der deutschen Heimatvertriebenen“ aus dem
Jahr 1950 für die Aussöhnung mit Polen zukommt. Dass die Heimatvertriebenen das Schaffen eines geeinten
Europas als Antwort auf die Schrecken des Zweiten Weltkriegs setzten
und auf Vergeltung für ihre Vertreibung verzichteten, bewerten wir als
einen wichtigen deutschen Beitrag
zur Versöhnung der europäischen
Völker.
Gesetz zur Digitalisierung der
Energiewende. Mit dem Gesetzentwurf, den wir in zweiter und dritter
Lesung beschließen, regeln wir den
schrittweisen verpflichtenden Einbau
von intelligenten Stromzählern – sogenannten Smart Metern – die einen
wichtigen Baustein für intelligente
Stromsysteme und damit einen effizienteren Ressourceneinsatz darstellen.
Gesetz zur steuerlichen Förderung
von Elektromobilität im Straßenverkehr. In erster Lesung diskutieren
wir steuerliche Verbesserungen im
Bereich der Einkommen- und Kraftfahrzeugsteuer, die das Maßnahmen-

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bündel der Bundesregierung zur Förderung der Elektromobilität ergänzen.
Gesetz zum besseren Informationsaustausch bei der Bekämpfung des
internationalen Terrorismus. Wir
legen zunächst in erster Lesung, dann
in zweiter und dritter Lesung die
rechtliche Grundlage dafür fest, dass
das Bundesamt für Verfassungsschutz
gemeinsame Dateien mit wichtigen
ausländischen Nachrichtendiensten
einrichten und betreiben kann. Über
diesen Austausch sollen etwa Reisebewegungen von Dschihadisten besser erkannt und gewalttätige Bestrebungen nach der Rückkehr aus
Kampfgebieten besser erkannt und
erfasst werden.
Gesetz zur Änderung des Standortauswahlgesetzes. Wir beschließen in
zweiter und dritter Lesung eine Änderung des Standortauswahlgesetzes,
die wir in breitem politischem Konsens aller Fraktionen vorbereitet haben. Diese Änderung ermöglicht die
Einrichtung eines „Nationalen Begleitgremiums“, das als wichtiges Instrument der Öffentlichkeitsarbeit
und Bürgerbeteiligung bei der Ermittlung eines Standorts für die Endlagerung radioaktiver Abfallprodukte wirken soll.
Gesetz zu dem Übereinkommen
vom 19. Februar 2013 über ein Einheitliches Patentgericht. In erster
Lesung schaffen wir die Voraussetzungen für ein Einheitliches Patentgericht, an dem sich 25 EUMitgliedsstaaten beteiligen. Zusammen mit dem EU-Einheitspatent bildet das Einheitliche Patentgericht als
erstes grenzüberschreitend zuständiges Zivilgericht den neuen Rechtsrahmen für einen einheitlichen europäischen Patentschutz.