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Konsumentenschutz

Prinz-Eugen-Straße 20-22
A-1041 Wien
Tel: ++43-1-501 65/2144 DW
E-Mail: konsumentenpolitik@akwien.at

32/2010
März/April 2010

VERTRAGS-RECHTSSCHUTZVERSICHERUNGEN
Konzeption
Kollmann Michaela, Prantner Christian

Durchführung
Silvia Doppler, Walter Hager

Die wichtigsten Ergebnisse


 Vertrags-Rechtschutzversicherungen sind dazu da, dass Rechtsansprüche
des Versicherungsnehmers im Streit aus einem Vertrag mit einem Unterneh-
men durchgesetzt werden können. Zum Beispiel: Herr K. klagt die B-Bank auf
Schadenersatz. Die Rechtsschutzversicherung kann zum Beispiel die Kosten
für Rechtsanwalt, Gerichtskosten sowie für Sachverständige übernehmen.
 Vertrags-Rechtsschutz ist allerdings als Einzelbaustein nicht abschließbar.
Entweder es müssen bestimmte vorgegebene Modelle bzw zumindest drei
verschiedene Rechtsschutz-Bausteine abgeschlossen werden.
 Aus der Analyse von 17 Verträgen geht hervor:
o Es gibt erhebliche Unterschiede bei Deckungen und Ausschlüssen.
o Sieben von siebzehn analysierten Versicherunsgverträgen schließen
Streitigkeiten aus Finanzveranlagungen und Versicherungsverträgen
aus.
o Streitigkeiten aus Finanzveranlagungen (besonders Finanzveranla-
gungen gem. § 48a Z3 Börsegesetz) sind in den letzten Jahren ver-
mehrt aus der Deckung herausgenommen worden. In älteren Verträ-
gen sind sie öfters inkludiert.
 Gute Beratung ist wichtig. Vor Abschluss eines Neuvertrages sollten Kunden
überlegen, welche Bereiche und Risiken gedeckt sein sollen. Bei bestehen-
den Verträgen, Achtung Falle: Bei Konvertierungsangeboten (Vertragsände-
rungen, -anpassungen, Verlängerungen) „ködern“ Versicherer die Kunden mit
höheren Versicherungssummen – aber teilweise mit zusätzlichen Ausschlüs-
sen oder sonstige Leistungseinschränkungen.
 AK-Forderung an Gesetzgeber: Kunden sollten vor Vertragsabschluss ver-
pflichtend ein Produkt-Informationsblatt ausgehändigt bekommen. Darin sind
(auf 1 bis 2 Seiten) alle wichtigen Produkt- und Vertragsmerkmale aufgelistet.
Projektdurchführung:
Verein für Konsumenteninformation
Mariahilfer Straße 81
1060 Wien

Autoren:
Mag Silvia Doppler
Walter Hager

Projektzeitraum:
März/April 2010

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INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung.................................................................................................................... 4
1.2 Erhebungsdurchführung ...................................................................................... 5
2. Allgemeine Rechtsschutzversicherung ...................................................................... 7
2.1 Sparten und Bausteine ........................................................................................ 7
3. Allgemeiner Vertrags-Rechtsschutz .................................................................... 13
3.1 Ein-/Ausschluss von Streitigkeiten wegen Finanzveranlagungen ..................... 15
3.2 Musterbedingungen; Definition Finanzinstrumente in Börse- und
Wertpapieraufsichtsgesetz....................................................................................... 16
3.3 Angaben der Versicherer zu Ein-/Ausschluss von Streitigkeiten wegen
Finanzveranlagungen/aus Versicherungsverträgen in Neuverträgen ..................... 17
3.4 Errichtung, Planung und Finanzierung von Bauvorhaben ................................. 25
3.5 Wartefrist............................................................................................................ 25
4. Problembereiche, Kritikpunkte ................................................................................. 25
5. Verbraucherempfehlungen....................................................................................... 27

ABBILDUNGS- UND TABELLENVERZEICHNIS

Tabelle 1: Liste der analysierten Versicherer…………………………………….………………6


Tabelle 2: nicht ausgewertete Versicherer……………………………………….……………….6
Tabelle 3: Tarifbeispiele Allianz, ARAG, Basler, D.A.S., Donau…………….………………..11
Tabelle 4: Tarifbeispiele Generali, GraWe, HDI, Helvetia, OOEV…………....….………….. 11
Tabelle 5: Tarifbeispiele Raiffeisen, Roland, Uniqa, VAV, Wiener Städtische,
Wüstenrot, Zürich……………………………………….…………....…..……………12
Tabelle 6: Deckungen im Vertrags-Rechtsschutz………………………………….…………...23
Abbildung 1: Fußnoten zu Tabelle 6………………………………………………….…………..24

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1. Einleitung

Die Finanzkrise hat deutlich aufgezeigt, dass vielen euphorisch vertriebene und als
„sicher“ bezeichnete Anlageprodukte tatsächlich eine Menge unerwartete Unzuläng-
lichkeiten (Kursverluste, wertlose Garantien etc.) und problematische Punkte anhaften.
Die Finanzkrise war auch ein Auslöser für eine gewaltige Zunahme an Klagen gegen
Finanzvermittler und Anbieter von Finanzdienstleistungen. Fälle aus der Praxis zeigen,
dass viele Rechtsschutzversicherer die Deckung mit unterschiedlichsten Begründun-
gen verweigern, was nicht nur auf Finanzdienstleister beschränkt ist, sondern sich
durch viele Bereiche zieht. Vermehrt aufgetreten sind demnach Streitigkeiten aus Fi-
nanzveranlagungen, wobei es dadurch zu teilweise sehr hohen Streitsummen und
Massenschäden gekommen ist. Auch im Bereich der Sammelklagen hat sich seit Aus-
bruch der Finanz-, Banken- bzw. Wirtschaftskrise einiges getan. Wie sich bei dieser
Erhebung herausstellte, sind Streitigkeiten aus Finanzveranlagungen bei Neuab-
schlüssen, d.h. in den Geschäftsbedingungen die einem Neuabschluss zugrunde lie-
gen, immer häufiger vom Versicherungsschutz ausgeschlossen.

Ein in der AK-Beratung häufig genanntes Problem ist, dass der Rechtsschutzversiche-
rer die Deckung ablehnt, weil der Versicherungsvertrag zu „spät“ abgeschlossen wur-
de. Ein Beispiel: Frau K. hat AMIS-Wertpapiere gekauft und viel Geld dabei verloren.
Ihre Rechtsschutzversicherung lehnte die Deckung ab. Der Grund: Sie kaufte die
Wertpapiere im Jahr 1999, hingegen schloss sie die Rechtsschutzversicherung erst im
Jahr 2001 ab. Die Rechtsschutzversicherung gibt keine Deckungszusage ab, wenn
der Versicherungsfall (zum Beispiel fehlerhafte Beratung etc.) in der Vergangenheit,
das heißt vor Abschluss des Rechtsschutzversicherungsvertrages, liegt.

Zu einer Ablehnung bei der Rechtsschutzversicherung kann es kommen, wenn die


sogenannte Wartefrist – eine Art „Probezeit“ ab Vertragsabschluss, um für den Versi-
cherungsnehmer bereits ersichtliche Versicherungsfälle zu vermeiden - nicht verstri-
chenn ist. Ein Beispiel: Frau L. wollte ihre Bank klagen, weil sie sich beim Abschluss
eines Sparvertrages nicht gut beraten fühlte. Ihre Rechtsschutzversicherung lehnte ab,
weil die Wartefrist seit Abschluss des Rechtsschutzversicherungsvertrages – im kon-
kreten Fall 6 Monate – nicht eingehalten wurde.

Ablehnungen für die Deckung passieren jedoch auch, wenn der Versicherer erklärt,
dass bestimmte Sparten bzw. Vertragstypen von der Deckung generell ausgeschlos-
sen sind. Beispiel: Herr K. will seinen Lebensversicherer klagen, weil die Auszah-
lungssumme bei seinem ausgelaufenen Vertrag viel niedriger als prognostiziert ist.
Sein Rechtsschutzversicherer erklärt ihm, dass Versicherungsverträge generell vom
Rechtsschutz ausgenommen sind – das wusste Herr K. nicht und es war ihm bei Ver-
tragsabschluss auch nicht dezidiert gesagt worden.

Für Rechtsschutzversicherungen finden sich einige Werbeargumente: „Rechtliche


Auseinandersetzungen lassen sich nicht immer vermeiden. Aus Angst vor ausufern-
den Kosten für Anwalt und Gericht verzichten viele lieber auf ihr gutes Recht. Zur Ab-
federung des finanziellen Risikos eines Rechtsstreites wurden Rechtsschutzversiche-
rungen konzipiert“, heißt es beispielsweise von Seiten des österreichischen Versiche-
rungsverbandes.

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Ziele dieser Studie waren:
 den Bausteins Allgemeiner Vertrags-Rechtsschutz, vor allem hinsichtlich der
zugrunde liegenden Allgemeinen und Besonderen Geschäftsbedingungen zu
analysieren.
 Zu hinterfragen, inwieweit ein „finanzielles Risiko eines Rechtsstreites“ abge-
deckt wird.
 festzustellen, inwieweit die österreichischen Versicherer Deckungen im Be-
reich des Vertrags-Rechtsschutzes und vor allem im Bereich von Finanzveran-
lagungen bzw. Versicherungsverträgen anbieten bzw. ausschließen.

1.2 Erhebungsdurchführung
Die Anbieter wurden dahingehend einbezogen, dass mittels Fragebogen die Grundda-
ten einer Rechtsschutzversicherung eingeholt wurden. Außerdem wurden die aktuel-
len Geschäftsbedingungen eingeholt um eine Analyse betreffend Neuabschlüssen
durchzuführen. Das heißt im Klartext, dass die Ergebnisse dieser Erhebung und Aus-
wertung nur für Neuabschlüsse bzw. für Abschlüsse, denen die derzeit gültigen Ge-
schäftsbedingungen zugrunde liegen, gelten. Für Verträge die vorher abgeschlossen
wurden (Altverträge) gelten die zum Vertragsabschluss gültigen Geschäftsbedingun-
gen. Diese können sich von den aktuellen Bedingungen in vielerlei Hinsicht (teils deut-
lich) unterschieden, nicht nur die Versicherungssummen betreffend, sondern vor allem
auch den Deckungsumfang betreffend.

Alle in Österreich relevanten Anbieter von Rechtsschutzversicherungen, die den Bau-


stein Allgemeiner Vertrags-Rechtsschutz im Programm haben, wurden mittels E-Mail
befragt.

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Befragt und geantwortet haben (und sind somit in der Tabelle vertreten):
 Allianz
 ARAG
 Basler
 D.A.S.
 Donau
 Generali
 Grazer Wechselseitige
 HDI
 Helvetia
 Oberösterreichische Versicherung
 Raiffeisen Versicherung
 Roland Rechtsschutz
 Uniqa
 VAV
 Wiener Städtische
 Wüstenrot
 Zürich
Tabelle 1: Liste der analysierten Versicherer

Befragt und nicht an der Umfrage teilgenommen haben (somit auch nicht in der Tabel-
le vertreten):

 Kärntner Landesversicherung
 Merkur
 Niederösterreichische Versicherung
 Tiroler Landesversicherung
 Vorarlberger Landesversicherung
Tabelle 2: nicht ausgewertete Versicherer

Von den 22 von uns kontaktierten Versicherern haben uns 17 Versicherungsunter-


nehmen geantwortet. Fünf Versicherer wollten wie oben bereits erwähnt, an der Um-
frage nicht teilnehmen.
MuKi wurde auch befragt, bietet aber keine eigenen Rechtsschutz-Produkte sondern
Produkte von Roland-Rechtsschutz an.

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2. Allgemeine Rechtsschutzversicherung
Viele Österreicher haben für den Fall von Rechtsstreitigkeiten eine private Rechts-
schutzversicherung abgeschlossen. Üblicherweise werden aufbauend auf Basisleis-
tungen weitere Leistungsbausteine dazu gewählt.
Die private Rechtsschutzversicherung sorgt für die Wahrnehmung rechtlicher Interes-
sen und übernimmt die dabei entstehenden Kosten, sie ersetzt aber nicht den ent-
standenen Schaden! Sie unterstützt bei Rechtsproblemen in den verschiedensten
Lebensbereichen, übernimmt die Verfahrenskosten bis zur Höhe der vereinbarten
Versicherungssumme und stellt juristische Hilfe zur Verfügung.

Bei einer möglichen Deckung durch eine Rechtsschutzversicherung stellen sich immer
die beiden folgenden Fragen: Ist das richtige Risiko versichert? Hat die Versicherung
im Zeitpunkt des Versicherungsfalles (schon) bestanden?

2.1 Sparten und Bausteine


Die Rechtsschutzversicherung ist nach dem Bausteinprinzip aufgebaut, d.h. es gibt
Paketangebote von „klein“ (Grundpaket mit einigen wenigen Bausteinen) bis „umfas-
send“ (Komplettpakete, die viele Einzelbausteine beinhalten). Ein Grundpaket kann
mit Zusatzbausteinen bzw. -leistungen individuell aufgebaut werden.

Folgende Bausteine gibt es im Bereich der Privat-Rechtsschutzversicherung:


- Schadenersatz-Rechtsschutz: für die Geltendmachung von Schadenersatzan-
sprüchen aufgrund gesetzlicher Haftpflichtbestimmungen privatrechtlichen In-
halts wegen eines erlittenen Personen-, Sach- oder Vermögensschadens
- Straf-Rechtsschutz: für die Verteidigung in Strafverfahren vor Gerichten und
Verwaltungsbehörden

Zusätzlich können im Straf-Rechtsschutz vereinbart werden:


- Diversion: bei Ergreifung von Diversionsmaßnahmen werden die notwendigen
Kosten der Verteidigungshandlungen und die Gerichtskosten übernommen.
Diversion bedeutet Verzicht auf Strafverfolgung, wenn vereinbarte Auflagen
erfüllt werden und ist somit im strafrechtlichen Zusammenhang ein Mittel der
Staatsanwaltschaft, bei Ersttätern bzw. leichten und mittelschweren Delikten
eine Eröffnung eines Strafprozesses zu unterlassen und die Tat durch Abse-
hen von einer Strafverfolgung zu erledigen. Beispiele für diese vereinbarten
Auflagen sind außergerichtlicher Tatausgleich, Probezeit, gemeinnützige Leis-
tungen oder Zahlung eines Geldbetrages.
- Bei Delikten die sowohl vorsätzlich als auch fahrlässig begangen werden
können (zB Körperverletzung) ist bei Anklage wegen Vorsatz rückwirkend
Versicherungsschutz gegeben, wenn Freispruch oder Einstellung des Verfah-
rens bzw. nur eine Verurteilung wegen Fahrlässigkeit erfolgt.
- Delikte die nur vorsätzlich strafbar sind (zB Veruntreuung, Betrug), besteht kein
Versicherungsschutz

- Beratungs-Rechtsschutz: umfasst die Erteilung einer Rechtsauskunft durch ei-


nen vom Versicherer ausgewählten Rechtsberater aus allen Gebieten des öster-
reichischen Rechts, ausgenommen Steuer-, Zoll- und sonstiges Abgabenrecht.

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- Allgemeiner Vertrags-Rechtsschutz: Wahrnehmung rechtlicher Interessen aus
Verträgen über bewegliche Sachen sowie aus Reparatur- und sonstigen Werk-
verträgen über unbewegliche Sachen, d.h. wenn Ansprüche geltend gemacht
oder abgewehrt werden müssen, die aus Verträgen des täglichen Lebens stam-
men (zB bei einem Möbelkauf oder einer Reparatur). Für unbewegliche Sachen
erstreckt sich der Versicherungsschutz aus Reparatur- und sonstigen Werkver-
trägen nur auf Gebäude oder Wohnungen, die vom Versicherungsnehmer be-
nützt werden.
- Rechtsschutz für Grundstückseigentum und Miete: für Grundstückseigen-
tums- und Mietrechtsangelegenheiten. Keinen Versicherungsschutz gibt es hier
für Enteignungs- und Grundbuchsangelegenheiten, familien- und erbrechtliche
Angelegenheiten, für Streitigkeiten über Erwerb und Verkauf des versicherten
Objekts.
- Arbeitsgerichts-Rechtsschutz: der Versicherungsschutz umfasst die Wahr-
nehmung rechtlicher Interessen aus Arbeits- und Lehrverhältnissen in Verfahren
vor österreichischen Arbeitsgerichten, also bei Streitigkeiten aus dem Arbeitsver-
hältnis. Ausgenommen ist das kollektive Arbeitsrecht.
- Sozialversicherungs-Rechtsschutz: Unterstützung gibt es in gerichtlichen Ver-
fahren oder Verwaltungsverfahren wegen Streitigkeiten mit Sozialversicherungs-
trägern, wegen Feststellung der Sozialversicherungspflicht, der Sozialversiche-
rungsberechtigung, des Beginns oder Endes der Sozialversicherung sowie we-
gen Streitigkeiten über Beitragszahlungen und Zuschläge.
- Erb- und Familien-Rechtsschutz: bei Streitigkeiten im Bereich des Erbrechts,
des Eltern-Kind-Verhältnisses und des Eherechts. In diesem Bereich gibt es eini-
ge wichtige Ausschlüsse. Kein Versicherungsschutz besteht in Ehescheidungs-
sachen (manche Versicherer bieten die Möglichkeit einer Scheidungsmediation),
zur Feststellung oder Bestellung der Vaterschaft und Ehelichkeit sowie zur Fest-
stellung der Unehelichkeit eines Kindes, in erbrechtlichen Angelegenheiten,
wenn der zugrundeliegende Erbfall vor Versicherungsbeginn oder innerhalb ei-
nes Jahres danach eingetreten ist (siehe auch Wartefristen).
- Rechtsschutz für Auslandsreisen: Versicherungsschutz besteht aus Streitig-
keiten mit Reiseveranstaltern, Reisevermittlern, Reisebüros und Beherbergungs-
betrieben, mit gewerblichen Vermietern von Freizeit- und Sportanlagen oder
Sportgeräten sowie mit gewerblichen Vermittlern oder Erbringern von Dienstleis-
tungen, die üblicherweise auf Reisen in Anspruch genommen werden oder im
Notfall in Anspruch genommen werden müssen. Oftmals auch über den Einkauf
von Waren, die dem Eigenbedarf dienen und einen Wert (Kaufpreis) von (je nach
Versicherer) 2.200,- bis 2.500,- Euro nicht übersteigen. Als Reise gilt eine mehr-
tägige, vorübergehende Abwesenheit vom ständigen Wohnsitz bis zu einer
Höchstdauer von acht Wochen zu Erholungszwecken.
- Rechtsschutz in Versicherungsstreitigkeiten: beinhaltet die Wahrnehmung
rechtlicher Interessen aus Versicherungsstreitigkeiten
- Daten-Rechtsschutz: Der Versicherungsschutz umfasst die Wahrnehmung
rechtlicher Interessen zur Durchsetzung des Auskunfts-, Berechtigungs-, Lö-
schungs- und Widerspruchsrechtes gem. §§ 26 bis 28 Datenschutzgesetz gegen
private Datenverarbeiter im Sinne des Datenschutzgesetzes.
- Steuer-Rechtsschutz: Der Versicherungsschutz umfasst die Wahrnehmung
rechtlicher Interessen im Bereich des Steuer-, Zoll- und Abgabenrechtes vor dem
Verfassungs- und Verwaltungsgerichtshof, die Verteidigung in Strafverfahren
nach dem Finanzstrafgesetz (einschließlich Verwaltungsstrafverfahren) wegen

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fahrlässiger strafbarer Handlungen und Unterlassungen. Bei Vorsatz wird rück-
wirkend Versicherungsschutz geboten, wenn keine Verurteilung erfolgt.
- Ausfallversicherung für gerichtlich bestimmte Ansprüche aus Körperschä-
den: hier ersetzt der Versicherer die Ansprüche des Versicherungsnehmers auf
Schmerzensgeld und Verunstaltungsentschädigung, die beim Schädiger unein-
bringlich sind.
- Rechtsschutz für nebenberufliche selbständige Erwerbstätigkeit: Der Versi-
cherungsschutz erstreckt sich auch auf Versicherungsfälle aus einer selbständi-
gen Erwerbstätigkeit, sofern diese nur nebenberuflich ausgeübt wird.
- Mediation: Hier werden die Kosten für eine außergerichtliche Konfliktlösung
durch einen Mediator übernommen.

Zusätzlich gibt es die Fahrzeug (Kfz) -Rechtsschutz, diese beinhaltet folgende Bau-
steine:
- Schadenersatz-Rechtsschutz: für die Geltendmachung von Schadenersatzan-
sprüchen wegen eines erlittenen Personen-, Sach- oder Vermögensschadens
- Strafrechtsschutz: für die Verteidigung in Strafverfahren vor Gericht oder Ver-
waltungsbehörden wegen eines Verkehrsunfalls oder der Übertretung von Ver-
kehrs-vorschriften
- Führerschein-Rechtsschutz: für die Vertretung im Verfahren wegen Entzie-
hung oder wegen Androhung der Entziehung der Lenkerberechtigung, wenn das
Verfahren im Zusammenhang mit einem Verkehrsunfall oder einer Übertretung
von Verkehrsvorschriften eingeleitet wurde.
- Fahrzeug-Vertrags-Rechtsschutz: vertreten werden die Interessen in Streitig-
keiten aus Verträgen, die das versicherte Fahrzeug betreffen.

Der Lenker-Rechtsschutz beinhaltet die Durchsetzung der persönlichen Ansprüche


bzw Verteidigung in Strafverfahren als Lenker eines fremden Fahrzeugs, etwa nach
einem Verkehrsunfall.

In allen Fällen entfällt der Versicherungsschutz wenn


- der Lenker nicht die behördliche Befugnis besitzt, das Fahrzeug zu lenken
- wenn sich der Lenker im Zeitpunkt des Versicherungsfalles in einem durch Alko-
hol, Suchtgift oder Medikamentenmissbrauch beeinträchtigen Zustand befindet
und
- wenn der Lenker nicht den nach einem Verkehrsunfall gesetzlichen Verständi-
gungs- und Hilfeleistungspflichten entspricht.

Besondere Zusatzleistungen können sein:


- Opfer- und Anti-Stalking-Rechtsschutz: Hier besteht ein Versicherungsschutz
bei rechtlichen Interessen als Opfer einer Straftat (gegen Leib und Leben, gegen
die Freiheit bzw. strafbare Handlungen gegen die Sittlichkeit), für die Übernahme
der Kosten eines Rechtsanwalts für Ansprüche nach dem Verbrechensopferge-
setz, als Privatankläger in Verfahren wegen Delikten (Straftaten) gegen den be-
schuldigten Täter sowie für die Beantragung einer einstweiligen Verfügung ge-
gen den beschuldigten Täter.
- Reise-Service-Versicherung: Diese Zusatzversicherung deckt personenbezo-
gene Leistungen bei Reisen im In- bzw. ins Ausland, unabhängig von der Art des
gewählten Transportmittels, wie Personenrücktransport und Krankenbesuch, Be-
nennung eines deutsch- oder englisch sprechenden Arztes/ Garantieübernahme
bzw. Vorschussleistung für stationäre Krankenhausbehandlung, Suchen, Bergen

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und Retten nach einem Unfall, Arzneimittelversand ins Ausland, Rückreise der
Kinder mit Begleitung, Heimreise im Todesfall eines Familienmitgliedes, Verlust
von Reisezahlungsmitteln im Ausland/Sperre der Kreditkarte, Ersatzbeschaffung
von Reisedokumenten bzw. Hilfeleistungen bei besonderen Notfalltatbeständen.
- Verkehrs-Service-Versicherung: Diese deckt fahrzeug- und personenbezoge-
ne Leistungen für Reisen mit dem versicherten Fahrzeug, wie etwa Hilfe bei
Panne und Unfall mittels Bevorschussung der Kosten für eine Notreparatur, bei
Diebstahl und Totalschaden, Fahrzeugrückholung durch Ersatzfahrer, Personen-
rücktransport und Krankenbesuch, Benennung eines deutsch- oder englisch
sprechenden Arztes/Garantieübernahme bzw. Vorschussleistung für stationäre
Krankenhausbehandlung, Suchen, Bergen und Retten nach einem Unfall, Arz-
neimittelversand ins Ausland, Rückreise der Kinder mit Begleitung, Verlust von
Reisezahlungsmitteln im Ausland/Sperre der Kreditkarte, Ersatzbeschaffung von
Reisedokumenten, Hilfeleistungen bei besonderen Notfalltatbeständen bzw. Ver-
sicherungsschutz für Selbstfahrer-Vermietfahrzeuge.

Prämienbeispiele für Pakete bzw. Bausteine


Die nachfolgenden Tabellen zeigen einige Prämienbeispiele für verschiedene Modelle
bzw. Pakete, in welchen der Baustein Vertrags-Rechtsschutz inkludiert ist. Diese An-
gaben beruhen auf Angaben der Versicherer und bilden keinen Preis-
/Leistungsvergleich ab. Die angegebenen Prämien und Versicherungssummen die-
nen nur zur Orientierung. Die angegebenen Tarife beziehen sich auf Familienvarian-
ten, nicht auf Single- oder Seniorentarife. Eine Vergleichbarkeit ist dadurch nicht ge-
geben, dass die Angaben der Prämien äußerst unterschiedlich sind. Die Versicherer
gaben entweder Brutto- oder Nettoprämien an, d.h. manche Versicherer geben die
Prämien exklusive Versicherungssteuer an. Darüber hinaus wurden verschiedenste
Rabatte berücksichtigt. Vor allem aber sind die angebotenen Paketlösungen im Be-
reich der Deckungen und Bausteine nicht miteinander vergleichbar, weil die Versiche-
rer in den Paketlösungen unterschiedlichste Bausteine berücksichtigen. Hier zeigt sich
ganz deutlich, dass an einer unabhängigen Beratung wohl kein Weg vorbeiführt.

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Anbieter Allianz ARAG Basler D.A.S. Donau
Baustein Allgemeiner Grundbaustein Konsumenten-
Vertrags-RS € 50 bis RS 24 Stunden: € 34,25
Konsumenten-RS
25 je nach Rabatt Konsumenten-RS Bereich Frei-
Basis plus 06/2009 € 87,47 Ideal € 152
Tarife und Prämien für Baustein Versiche- zeit € 68,50
All-in-one 06/2009 € 126,86 Komfort € 126,17 Konsumenten- und
Paket(e) mit Vertrags- rungsvertrags-RS € 40 Konsumenten-RS Bereich Frei-
(jeweils ohne Total-Verkehrs- Premium € 177,57 Berufs-Urs Ideal
Rechtsschutz bis 20 je nach Rabatt zeit und Familie € 129,98
Rechtsschutz) € 216, Optimal-RS
(es müssen mind. 3 Konsumenten-RS Bereich Frei-
€ 256
Bausteine ausgewählt zeit, Wohnen und Familie
werden) € 184,37
Je nach Anzahl der
ausgewählten Baustei-
Prämien inkl. 11% VSt und Prämien = Jahres-
Anmerkungen zu ge- ne werden zw. 10% Prämien sind Netto-
20% Dauerrabatt für 10-jährige Brutto-Prämien inkl.
nannten Prämien und 50% Rabatt auf prämien
Vertragslaufzeit Individualrabatt -
jeden ausgewählten
Baustein gewährt.
Basis/Standard-
Versicherungssummen
für Paket(e) mit Ver- € 57.000 € 120.000 € 50.000 € 125.000 € 57.000
trags-Rechtsschutz
Tabelle 3) Tarifbeispiele Allianz - Donau

Anbieter Generali GraWe HDI Helvetia OOEV


Standardschutz
Rechtsschutz für Ganz Privat ImRecht Privat: Grundschutz +
Tarife und Prämien für € 100,50 PrivatRS mit Kfz € 188
Privatpersonen (un- Familien € 122,05 Allg. Vertrags-RS (ohne Ver-
Paket(e) mit Vertrags- Topschutz € 166,65 PrivatRS ohne Kfz € 164
selbständig Erwerbs- Vertrags-RS alleine kehrs-RS)
Rechtsschutz (ohne Fahrzeug-RS, Komplett-RS € 210
tätige) ab € 74.26 € 64,34 € 110
mit Lenker-RS)
Bruttoprämien, es wurde ein
Anmerkungen zu ge- Prämien exkl. 11% Marktrabatt von 20% berück-
Jahresbruttoprämie inkl. VSt.
nannten Prämien VSt. - - sichtigt (=Dauerrabatt ab 5
Jahre LZ)
Basis/Standard-
Versicherungssummen
€ 75.000 € 50.000 € 80.000 € 55.000 € 100.000
für Paket(e) mit Ver-
trags- Rechtsschutz
Tabelle 4) Tarifbeispiele Generali - Oberösterreichische

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Wiener Städti-
Anbieter
Raiffeisen Roland Uniqa VAV sche Wüstenrot Zürich
Privat RS
Kompakt-RS
All-inclusive
Rechtsschutz für € 82,31, All-
Tarife und Prämien für Privat- Privat- ARSV Familientarif € € 149 Rechtsschutz
Privat & Beruf round-RS
Paket(e) mit Vertrags- Rechtsschutz Rechtsschutz 205 ARS Familientarif (durch diverse Kompakt
Basisschutz € 141,98, Uni-
Rechtsschutz € 91,03 € 96,01 € 160 Ausschlüsse € 75
€ 94,20 versal-RS €
auf € 59,-
184,05
reduzierbar)
Prämien brutto Prämien brutto
(inkl. VSt.) abzgl. (inkl. VSt.) abzgl.
durchschnittlicher durchschnittli-
Nachlass auf- Jahresprämien ohne cher Nachlass Prämien inkl. VSt,
Anmerkungen zu ge- Jahresprämien
grund der Kun- Versicherungssteuer aufgrund der abzgl. 20% Dauerra-
nannten Prämien inkl. VSt
denbeziehung (d.h. + 11%) Kundenbezie- batt (10 Jahre Laufzeit)
- -
und Risikoart hung und Risi-
sowie 20% Dau- koart sowie 20%
errabatt Dauerrabatt
Basis/Standard-
Versicherungssummen
€ 106.000 € 130.000 € 112.500 € 75.000 € 46.000 € 80.000 € 80.000
für Paket(e) mit Ver-
trags- Rechtsschutz
Tabelle 5) Tarifbeispiele Raiffeisen - Zürich

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3. Allgemeiner Vertrags-Rechtsschutz
Der Versicherungsschutz erstreckt sich je nach Vereinbarung auf den Privat- und/oder
Betriebsbereich.
Im Privatbereich sind der Versicherungsnehmer und seine Familienangehörigen für
Versicherungsfälle, die den privaten Lebensbereich, also nicht den Berufs- oder Be-
triebsbereich oder eine sonstige Erwerbstätigkeit betreffen, versichert.

Im Normalfall bieten die Versicherer unterschiedliche Pakete nach dem klassischen


Bausteinsystem an. Die Pakete unterscheiden sich darin, dass weniger oder mehr
Bausteine beinhaltet sind bzw. dass sie aufeinander aufbauen. Der Versicherungs-
nehmer wählt aus, welche Bausteine bzw. welche Bausteinpakete für ihn individuell
sinnvoll erscheinen. Bestimmte Grunddeckungen sind in allen angebotenen Paketen
enthalten (abgesehen von reinen Fahrzeug-Rechtsschutz-Paketen z.B. Allg. Scha-
denersatz-Rechtsschutz, Straf-Rechtsschutz). Der Allgemeine Vertragsrechtsschutz ist
in den meisten Fällen bereits im Basis-/Grundpaket enthalten oder kann in dieses
eingeschlossen werden. Komplett alleine (d.h. nicht gemeinsam mit anderen Baustei-
nen) kann dieser Baustein bei keinem Versicherer aus unserer Erhebung abgeschlos-
sen werden.

Was ist im Allgemeinen Vertrags-Rechtsschutz versichert?


Der Versicherungsschutz umfasst üblicherweise die Wahrnehmung rechtlicher Inte-
ressen aus schuldrechtlichen Verträgen des Versicherungsnehmers über bewegliche
Sachen sowie aus Reparatur- und sonstigen Werkverträgen des Versicherungsneh-
mers über unbewegliche Sachen. Als Wahrnehmung rechtlicher Interessen aus
schuldrechtlichen Verträgen gilt auch die Geltendmachung und Abwehr von Schaden-
ersatzansprüchen wegen reiner Vermögensschäden, die aus der Verletzung gesetzli-
cher oder vertraglicher Pflichten zwischen Vertragspartnern oder aus der Verletzung
vorvertraglicher Pflichten entstehen. Der Versicherungsschutz aus Reparatur- und
sonstigen Werkverträgen über unbewegliche Sachen erstreckt sich im Privatbereich
nur auf Gebäude oder Wohnungen einschließlich zugehöriger Grundstücke, wenn
diese vom Versicherungsnehmer zu eigenen Wohnzwecken benützt werden.
Je nach Vereinbarung erstreckt sich der Versicherungsschutz auf den Privat- und/oder
Betriebsbereich. Achtung: Der Geltungsbereich dieser Rechtsschutzvariante liegt je
nach Versicherer nur in Österreich oder ist auf Europa oder auf einzelne Län-
der/Kontinente erweitert.

Beispiele für Streitigkeiten im Allgemeinen Vertrags-Rechtsschutz:


- Ansprüche aus einem Möbelkauf (Beispiel: Ein Kunde lässt für sein Wohnzimmer
Maßmöbel anfertigen. Bei der Lieferung stellt sich heraus, dass die Maße nicht
stimmen. Ein Anwalt vertritt die Interessen des Kunden in der Auseinanderset-
zung.)
- Ansprüche aus einer Kühlschrankreparatur
- Streitigkeiten mit dem Handy-Provider wegen der Rechnung
- Käufe übers Internet
- Obwohl die beim Ankauf einer Ware vereinbarten Raten pünktlich und voll bezahlt
wurden, wird dennoch durch das Versandhaus ein Restbetrag eingeklagt.

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Wer ist versichert?
Im Privatbereich sind üblicherweise der Versicherungsnehmer und seine Familienan-
gehörigen für Versicherungsfälle, die den privaten Lebensbereich, also nicht den Be-
rufs- oder Betriebsbereich oder eine sonstige Erwerbstätigkeit betreffen, versichert.
Es gibt aber auch Pakete, bei denen nur eine Person d.h. nur der Versicherungsneh-
mer selbst versichert ist (Single-Tarife).

Versicherungsvertrags-Rechtsschutz
Die Wahrnehmung rechtlicher Interessen aus Versicherungsverträgen des Versiche-
rungsnehmers ist entweder
- gar nicht mitversichert/versicherbar (zB Donau, Grawe, OOEV, Wiener Städti-
sche)
- im Rahmen des Allgemeinen Vertragsrechtsschutzes versichert (z.B. Allianz,
ARAG, D.A.S., Generali, HDI, Helvetia, Raiffeisen, Roland, Uniqa, VAV, Wüsten-
rot, Zürich)
- im Rahmen eines eigenen Bausteins Versicherungsvertrags-Rechtsschutz versi-
chert (z.B. Basler)

Exkurs: Sozialversicherungs-Rechtsschutz
Streitigkeiten mit Sozialversicherungen sind im Rahmen des Allgemeinen Vertrags-
Rechtsschutzes nicht versichert. Dazu gibt es den eigenen Baustein Sozialversiche-
rungs-Rechtsschutz. Der Versicherungsschutz umfasst hierbei die Wahrnehmung
rechtlicher Interessen des Versicherungsnehmers in gerichtlichen Verfahren mit Sozi-
alversicherungsträgern wegen sozialversicherungsrechtlicher Leistungssachen sowie
in Verfahren vor Verwaltungsbehörden wegen Feststellung der Sozialversicherungs-
pflicht, der Sozialversicherungsberechtigung, des Beginns oder Endes der Sozialver-
sicherung sowie wegen Streitigkeiten über Beitragszahlungen und Zuschläge.

Exkurs: Rechtsschutz für den Verkehrsbereich


Rechtsstreitigkeiten aus Verträgen betreffend Motorfahrzeuge zu Lande, zu Wasser
und in der Luft sowie Anhänger sind nicht im Allg. Vertrags-Rechtsschutz sondern im
eigenen Baustein Fahrzeug-Rechtsschutz versichert/versicherbar. Dieser kann die
Bereiche Schadenersatz-Rechtsschutz, Straf-Rechtsschutz, Führerschein-
Rechtsschutz sowie Fahrzeug-Vertrags-Rechtsschutz umfassen. Zusätzlich gibt es
den Baustein Lenker-Rechtsschutz.

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3.1 Ein-/Ausschluss von Streitigkeiten wegen Finanz-
veranlagungen
Bei Streitigkeiten, die eine Finanzveranlagung im Allgemeinen betreffen, stellen sich
bei einer möglichen Deckung durch eine Rechtsschutzversicherung die beiden bereits
angesprochenen Fragen bezüglich richtigem Risiko und richtigem Zeitpunkt.

Richtiges Risiko: Es kommen folgende zwei Risikobereiche in Betracht: Im Recht-


schutzbaustein Schadenersatz-Rechtsschutz ist die Geltendmachung von Schadener-
satzansprüchen aufgrund gesetzlicher Haftpflichtbestimmungen versichert, ausge-
nommen sind Schäden, die aus der Verletzung vertraglicher Pflichten entstehen. Im
Rechtsschutzbaustein Vertrags-Rechtsschutz sind Streitigkeiten aus schuldrechtlichen
Verträgen versichert.
Richtige Zuordnung: Streitigkeiten mit einem Vermittler werden – da sie sich auf den
Vermittlungsvertrag beziehen – in den Bereich des Vertrags-Rechtsschutzes fallen.

Streitigkeiten mit Aufsichtsbehörden oder auch Wirtschaftsprüfern hingegen werden -


da zwischen Aufsichtsbehörde und Betroffenem kein Vertragsverhältnis besteht - unter
den Bereich Schadenersatz-Rechtsschutz fallen. Es gibt auch Streitigkeiten, die nicht
eindeutig zuordenbar sind (z.B. mit AMIS), weil hier einerseits eine Verletzung von
vertraglichen Pflichten vorliegen kann, andererseits aber auch andere z.B. strafrechtli-
che Vorwürfe denkbar sind und es sich bei den anderen Vorwürfen um keine Verlet-
zung vertraglicher Verpflichtungen handelt.
Richtiger Zeitpunkt: Die Definition des Versicherungsfalles und die Definition, wann
der Versicherungsfall als eingetreten gilt, ist im Schadenersatz-Rechtsschutz und im
Vertrags-Rechtsschutz unterschiedlich geregelt. Im Schadenersatz-Rechtsschutz gilt
als Versicherungsfall das dem Anspruch zugrundeliegende Schadenereignis. Als Zeit-
punkt des Versicherungsfalles gilt der Eintritt dieses Schadenereignisses.

Im Vertrags-Rechtsschutz gilt als Versicherungsfall der tatsächliche oder behauptete


Verstoß des Versicherungsnehmers, Gegners oder eines Dritten gegen Rechtspflich-
ten oder Rechtsvorschriften. Der Versicherungsfall gilt in dem Zeitpunkt als eingetre-
ten, in dem eine der genannten Personen begonnen hat oder begonnen haben soll,
gegen Rechtspflichten oder Rechtsvorschriften zu verstoßen. Bei mehreren Verstößen
ist der erste, adäquat ursächliche Verstoß maßgeblich, wobei Verstöße, die länger als
ein Jahr vor Versicherungsbeginn zurückliegen, für die Feststellung des Versiche-
rungsfalles außer Betracht bleiben. Zu beachten ist dabei auch die Wartefrist im Ver-
trags-Rechtsschutz von drei Monaten.

So gilt bei einem Vorgehen gegen den Vermittler wegen Verletzung von Aufklärungs-
pflichten die Definition des Vertrags-Rechtsschutzes, wonach es auf den ersten Ver-
stoß ankommt. Dies wird im Normalfall der Zeitpunkt der Beratung bzw. des Abschlus-
ses sein, weil frühere Verstöße (auch anderer Personen), die mehr als ein Jahr zu-
rückliegen, außer Betracht bleiben. Im Zeitpunkt dieses Verstoßes muss die Rechts-
schutzversicherung (bzw. auch eine Vorversicherung) bereits bestanden haben. Zu
beachten ist dabei auch die wahrscheinliche Wartefrist im Vertrags-Rechtsschutz (drei
Monate).

Seite 15
Bei einem Vorgehen gegen Aufsichtsbehörden hingegen gilt das dem Anspruch
zugrundeliegende Schadenereignis als Versicherungsfall. Das ist wahrscheinlich jener
Zeitpunkt, in dem die Vermögensverminderung beginnt.

Bei einem Vorgehen gegen eine Firma kommt es darauf an, ob man eher eine Zuord-
nung in den Schadenersatz-Rechtsschutz oder in den Vertrags-Rechtsschutz vor-
nimmt. Je nach dieser Zuordnung kommt es für die Beurteilung, wann der Versiche-
rungsfall eingetreten ist, auf den ersten Verstoß oder auf den Eintritt des Schadenser-
eignisses an. Der Zeitpunkt des Versicherungsfalles wird daher entweder mit Ab-
schluss des Vertrages (Vertrags-Rechtsschutz) oder mit Schadenseintritt (Schadener-
satz-Rechtsschutz) anzunehmen sein.

3.2 Musterbedingungen; Definition Finanzinstrumente in Börse-


und Wertpapieraufsichtsgesetz
In den Musterbedingungen des Versicherungsverbandes findet sich in den Allgemei-
nen Bedingungen für die Rechtsschutz-Versicherung ARB 2007 im Artikel 7 der Ge-
meinsamen Bestimmungen („Was ist vom Versicherungsschutz ausgeschlossen?“)
unter Punkt 1.6. der Ausschluss der Wahrnehmung rechtlicher Interessen im ursächli-
chem Zusammenhang mit der Anlage von Vermögen in Finanzinstrumenten gem. §
48a Z3 Börsegesetz und der damit zusammenhängenden Beratung, Vermittlung und
Verwaltung.

Wenn Streitigkeiten aus Finanzveranlagungen bei den Versicherern ausgeschlossen


werden, findet sich oftmals dieser Hinweis auf Börse- und Wertpapieraufsichtsgesetz.

Gemäß Börsegesetz 1989, § 48a Z3 sind „Finanzinstrumente“:


a) Wertpapiere im Sinne von § 1 Z 4 WAG 2007,
b) Anteile an Organismen für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren,
c) Geldmarktinstrumente,
d) Finanzterminkontrakte (Futures) einschließlich gleichwertiger bar abgerechneter
Instrumente,
e) Zinsausgleichsvereinbarungen (Forward Rate Agreement),
f) Zins- und Devisenswaps sowie Swaps auf Aktien oder Aktienindexbasis (Equity-
Swaps),
g) Kauf- und Verkaufsoptionen auf alle unter lit. A bis f fallenden Instrumente ein-
schließlich gleichwertiger bar abgerechneter Instrumente; dazu gehören insbe-
sondere Devisen- und Zinsoptionen,
h) Warenderivate,
i) Alle sonstigen Instrumente, die zum Handel auf einem geregelten Markt in ei-
nem Mitgliedstaat zugelassen sind oder für die ein Antrag auf Zulassung zum
Handel auf einem solchen Markt gestellt wurde.

Seite 16
Im Wertpapieraufsichtsgesetz 2007 (WAG 2007) finden sich unter § 1 Z 4:

§ 1. Im Sinne dieses Bundesgesetzes gelten folgende Begriffsbestimmungen:

4. Übertragbare Wertpapiere: die Gattungen von Wertpapieren, die auf dem Kapital-
markt gehandelt werden können, mit Ausnahme von Zahlungsmitteln, wie insbesonde-
re
a) Aktien und andere Anteile an in- oder ausländischen juristischen Personen, Perso-
nengesellschaften und sonstigen Unternehmen, soweit sie Aktien vergleichbar sind,
sowie Aktienzertifikate;
b) Schuldverschreibungen oder andere verbriefte Schuldtitel, einschließlich Zertifikaten
(Hinterlegungsscheinen) für solche Wertpapiere;
c) alle sonstigen Wertpapiere, die zum Kauf oder Verkauf solcher Wertpapiere berech-
tigen oder zu einer Barzahlung führen, die anhand von übertragbaren Wertpapieren,
Währungen, Zinssätzen oder -erträgen, Waren oder anderen Indizes oder Messgrö-
ßen bestimmt wird.

3.3 Angaben der Versicherer zu Ein-/Ausschluss von Streitigkeiten


wegen Finanzveranlagungen/aus Versicherungsverträgen in
Neuverträgen
Der Ein- oder Ausschluss von Streitigkeiten aus der Anlage von Vermögen in Finanz-
instrumenten findet sich in den Allgemeinen Bedingungen der jeweiligen Versicherer.
Ergänzend dazu haben wir den Versicherern per e-mail Fragen bezüglich des Ein-
oder Ausschlusses von Streitigkeiten wegen Finanzveranlagungen und Streitigkeiten
aus Versicherungsverträgen gestellt. In den beiden nachfolgenden Tabellen finden
sich die diesbezüglichen Antworten.

Seite 17
Streitigkeiten wegen Finanzveranlagungen
Frage: „Sind bei Ihren Rechtsschutz-Produkten Streitigkeiten wegen Finanzveranla-
gungen ein- bzw ausgeschlossen? Wie lauten die diesbezüglichen Regelungen und
wo sind diese aufzufinden (Allgemeine Versicherungsbedingungen, Besonde-
re/Spezielle Versicherungsbedingungen, Vertragsunterlagen)?“

Allianz Vermögensveranlagungsstreitigkeiten sind bis zu einer Versicherungssumme von


€ 11.400,- mitversichert. Die volle Versicherungssumme steht zur Verfügung für die Wahr-
nehmung rechtlicher Interessen im Zusammenhang mit Produkten von Versicherern, Pen-
sionskassen sowie mit von Banken und der Republik Österreich emittierten Anleihen. Vgl.
näher Art 7.1.1.5 und Art. 27 der ARB 2008.
Art 7.1.1.5: Kein Versicherungsschutz besteht für die Wahrnehmung rechtlicher Interessen
in ursächlichem Zusammenhang mit der Anlage von Vermögen in Finanzinstrumente im
Sinne des § 48a Z. 3 Börsegesetz und der damit zusammenhängenden Beratung, Vermitt-
lung und Verwaltung; Dieser Ausschluss gilt nicht für die Wahrnehmung rechtlicher Inte-
ressen in ursächlichem Zusammenhang mit der Anlage von Vermögen in Produkte öster-
reichischer Lebensversicherer, Mitarbeitervorsorge- und Pensionskassen sowie in solche
Anleihen, die von österreichischen Banken und Sparkassen oder der Republik Österreich
emittiert werden. Der Republik Österreich und österreichischen Unternehmen gleichgestellt
sind die EU-Mitgliedsstaaten, Schweiz und Liechtenstein sowie vergleichbare Anbieter und
Emittenten derartiger Produkte, die ihren Sitz innerhalb der EU, Schweiz oder Liechten-
stein haben.
Art. 27: Abweichend vom Artikel 7.1.1.5 umfasst der Versicherungsschutz auch die Wahr-
nehmung rechtlicher Interessen in ursächlichem Zusammenhang mit der Anlage von Ver-
mögen in Finanzinstrumente im Sinne des § 48a Z. 3 Börsegesetz und der damit zusam-
menhängenden Beratung, Vermittlung und Verwaltung bis maximal 20% der im Versiche-
rungsvertrag vereinbarten Versicherungssumme.
ARAG Gemäß Artikel 7.1.10. ARB 2003 ist die Wahrnehmung rechtlicher Interessen im Zusam-
menhang mit Spiel- und Wettverträgen, Gewinnzusagen oder diesen vergleichbaren Mittei-
lungen und Termin-, oder diesen ähnlichen Spekulationsgeschäften sowie damit im Zu-
sammenhang stehenden Auseinandersetzungen mit Kreditgebern, Vermittlern, Beauftrag-
ten oder sonstigen Anspruchsgegnern vom Versicherungsschutz ausgeschlossen.
Basler In den aktuellen Rechtsschutz-Bedingungen sind reine Spekulations- und Termingeschäfte
ausgeschlossen. Im zukünftigen Rechtsschutz wird der Ausschluss voraussichtlich auf
Vermögensveranlagungen erweitert (entsprechend dem Marktangebot). Die Regelungen
finden sich in unseren Allgemeinen Rechtsschutzversicherungsbedingungen 2006.
D.A.S. In den aktuellen Rechtsschutzbedingungen sind Versicherungsfälle im Zusammenhang mit
der Anlage von Vermögen in Finanzinstrumente gemäß § 48a Z 3 Börsegesetz ausge-
schlossen. Unter Versicherungsschutz fällt hingegen die Geltendmachung von Schadener-
satzansprüchen, die in ursächlichem Zusammenhang mit der Anlage von Vermögen in
Produkte österreichischer Lebensversicherer, Mitarbeitervorsorgekassen und Pensions-
kassen sowie in solche Sparprodukte und Anleihen stehen, die von österreichischen Ban-
ken und Sparkassen sowie Anbietern derartiger Produkte mit Sitz innerhalb der EU emit-
tiert werden (Art. 7.1.6. ARB).
Donau Laut den aktuellen ARB (Allgemeine Rechtsschutzbedingungen) 2010 Art. 7, welche mit
Mai 2010 in Kraft treten, besteht für Streitigkeiten wegen Finanzveranlagung kein Versi-
cherungsschutz. In allen Produkten mit älteren Rechtsschutz-Bedingungen ist kein diesbe-
züglicher Ausschluss verankert.

Seite 18
Generali Grundsätzlich decken wir auch Finanzveranlagungen, ausgenommen sind jedoch spekula-
tive Risikoveranlagungen gemäß § 48a Z. 3 Börsegesetz. Diese Veranlagungsformen stel-
len einer höheren Ertragschance auch den teilweisen bzw. gänzlichen Verlust des einge-
setzten Kapitals gegenüber. Das sich aus dem Wesen einer spekulativen Risikoveranla-
gung ergebende und bewusst eingegangene Verlustrisiko kann daher im Verlustfall nicht
über eine Rechtsschutzversicherung bekämpft werden. Die entsprechende Regelung fin-
den Sie in den Allgemeinen Bedingungen für die Rechtsschutzversicherung.
Artikel 7 - Was ist vom Versicherungsschutz ausgeschlossen?
1. Kein Versicherungsschutz besteht für die Wahrnehmung rechtlicher Interessen 1.13.in
unmittelbarem oder mittelbarem Zusammenhang mit – Spiel- und Wettverträgen, Gewinn-
zusagen oder diesen vergleichbaren Mitteilungen; – Termin- oder diesen ähnlichen Speku-
lationsgeschäften sowie damit im Zusammenhang stehenden Auseinandersetzungen mit
Kreditgebern, Vermittlern, Beauftragten oder sonstigen Anspruchsgegnern; – Erwerb, Ver-
äußerung (Kauf, Tausch, Schenkung usw.) von Finanzinstrumenten gemäß § 48a Z. 3
Börsegesetz (siehe Anhang); – Anlage von Vermögen in Finanzinstrumente gemäß § 48a
Z. 3 Börsegesetz (siehe Anhang) sowie damit im Zusammenhang stehende Auseinander-
setzungen aus Beratung, Vermittlung und Verwaltung
GraWe Streitigkeiten wegen Finanzveranlagungen sind bei uns, als einer der wenigen Anbieter am
Markt, gemäß den derzeit aktuellen ARB mitversichert. Dies ergibt sich daraus, dass bei
den Ausschlüssen des Art.7 ARB keine entsprechende Bestimmung zu finden ist (verglei-
che im Gegensatz dazu den Art.7, Pkt.1.6 der Musterbedingungen des Verbandes der
Versicherungsunternehmen Österreichs, der den Versicherungsschutz im Zusammenhang
mit der Anlage von Vermögen in Finanzinstrumenten ausschließt).
HDI Streitigkeiten wegen Finanzveranlagungen sind nicht mitversichert, die Regelungen dazu
finden Sie in unseren ARB 2008, Art. 7 Pkt. 1.6, sowie Pkt. 2.2
(1.6: Es besteht kein Versicherungsschutz für die Wahrnehmung rechtlicher Interessen in
ursächlichem Zusammenhang mit der Anlage von Vermögen in Finanzinstrumente im Sin-
ne des § 48a Z3 Börsegesetz und der damit zusammenhängenden Beratung, Vermittlung
und Verwaltung.
2.2: … mit Spiel- und Wettverträgen, Gewinnzusagen oder diesen vergleichbaren Mittei-
lungen und Termin- oder diesen ähnlichen Spekulationsgeschäften sowie damit im Zu-
sammenhang stehenden Auseinandersetzungen mit Kreditgebern, Vermittlern, Beauftrag-
ten oder sonstigen Anspruchsgegnern)
Helvetia Streitigkeiten aus Finanzveranlagungen sind in unserem Helvetia Ganz Privat Rechts-
schutz nicht ausgeschlossen. Daher findet sich in den Bedingungen auch kein Hinweis auf
Streitigkeiten aus Finanzveranlagungen, z. B. in Artikel 7 (in dem die allgemeinen Aus-
schlussgründe genannt sind). Rechtsschutzdeckung besteht daher, wenn der Baustein
Allgemeiner Vertragsrechtsschutz abgeschlossen wurde und unter Berücksichtigung aller
anderen Kriterien die Deckungsprüfung positiv verläuft.
OOEV Streitigkeiten aus Finanzveranlagungen sind bei der Oberösterreichischen nicht ausge-
schlossen (kein diesbezüglicher Ausschluss in den Bedingungen). Die allgemeinen Risiko-
ausschlüsse sind jedoch zu beachten (z.B. Spekulationsgeschäfte). (Diese Angaben be-
ziehen sich auf den derzeit gültigen Tarif. Es ist jedoch für dieses Jahr noch ein neuer Tarif
geplant. Dazu kann noch kein genaues Datum und keine genaue Änderungsbeschreibung
bekanntgegeben werden.)

Seite 19
Raiffeisen Mit Einführung der Allgemeinen Bedingungen für die Rechtsschutzversicherung (ARB)
Uniqa 2009 per Juli 2009 wurde der Versicherungsschutz für Vermögensveranlagungen einge-
schränkt. Versicherungsschutz besteht für die Geltendmachung von Schadenersatzan-
sprüchen, die im ursächlichen Zusammenhang mit der Anlage von Vermögen in Produkte
österreichischer Lebensversicherer, Mitarbeitervorsorgekassen, Pensionskassen sowie in
Anleihen stehen, die von österreichischen Banken und Sparkassen oder der Republik Ös-
terreich emittiert werden. Der Republik Österreich sowie österreichischen Unternehmen
gleichgestellt, sind EU-Staaten sowie vergleichbare Anbieter und Emittenten derartiger
Produkte, die ihren Sitz innerhalb der EU haben (Art 7.1.14 Allg. Rechtsschutz Bedingun-
gen 2009).
1.14: Kein Versicherungsschutz besteht für die Wahrnehmung rechtlicher Interessen in
ursächlichem Zusammenhang mit der Anlage von Vermögen in Finanzinstrumenten gem.
§ 48a Z 3 Börsegesetz (Anhang) und der damit zusammenhängenden Beratung, Vermitt-
lung und Verwaltung. (Abweichung siehe oben)
Roland Streitigkeiten wegen Anlagegeschäfte haben ja durch die Entscheidung des EuGH hins.
Gewährleistung der freien Anwaltswahl bei Massenschäden viele Rechtsschutzversicherer
nunmehr ausgeschlossen, anders ROLAND, ROLAND hat Anlagegeschäfte in den neues-
ten Bedingungen (Art.7.1.9 ARB 2010) (§ 48 a Zi 3 BörseG) nach wie vor versichert, so-
weit der Anlagebetrag € 40.000,- nicht übersteigt, bei höheren Anlagenbeträgen besteht
anteilig Versicherungsschutz.
VAV Streitigkeiten wegen Finanzveranlagungen sind bedingungsgemäß gedeckt, entweder im
Rahmen des Schadenersatz RS gemäß Art. 19 oder im Rahmen des Vertrags-
Rechtsschutz gem. Art. 23 ARB, je nachdem wie die Klage gestaltet ist.
Wiener Städ- Auseinandersetzungen aus Finanzveranlagungen sind im Rahmen des Allgemeinen Ver-
tische trags-Rechtsschutz versichert - siehe Artikel 23 der ARB
Wüstenrot Versichert ist die Wahrnehmung rechtlicher Interessen in ursächlichem Zusammenhang
mit der Anlage von Vermögen gegen in Österreich behördlich zugelassene Vermögensbe-
rater, Wertpapierdienstleistungsunternehmen, Geldinstitute und Versicherer. Die Wahr-
nehmung rechtlicher Interessen im Zusammenhang mit der Anlage von Vermögen in Fi-
nanzinstrumenten gemäß § 48a Z3 Börsegesetz und der damit zusammenhängenden
Beratung, Vermittlung und Verwaltung ist ausgeschlossen (Artikel 7 Punkt 1.6 ARB 2007).
Zürich Da Zürich noch nicht auf die Verbandsbedingungen 2007 umgestiegen ist, gibt es in den
Zürich Rechtsschutz Bedingungen 2005 im Artikel 7 keinen diesbezüglichen Ausschluss.
D.h. Streitigkeiten wegen Finanzveranlagungen sind im Allgemeinen Vertrags-
Rechtsschutz integriert.

Seite 20
Streitigkeiten aus Versicherungsverträgen
Frage: „Sind Streitigkeiten aus Versicherungsverträgen versichert? Wenn ja, sind die-
se in der Allg. Vertrags-Rechtsschutz inkludiert oder extra? In welchen Bedingungen
ist dies geregelt?“

Allianz Ja, Streitigkeiten aus Versicherungsverträgen - auch gegen die Allianz - sind im Allg. Ver-
trags-Rechtsschutz automatisch mitversichert (durch automatischen Einschluss der Klau-
seln 7771, 7772, 7773, bzw 7774).
ARAG Streitigkeiten aus privaten Versicherungsverträgen sind gemäß Artikel 22.2.1.1. ARB ver-
sichert und sind bereits im BASIS-Paket Vertragsinhalt.
Basler Streitigkeiten aus Versicherungsverträgen sind über die Variante Versicherungsvertrags-
rechtschutzversicherung versicherbar. Aus der Sparte Allgemeiner Vertragsrechtsschutz
finden diese keine Deckung. Die Regelungen finden sich in unseren Allgemeinen Rechts-
schutzversicherungsbedingungen 2006.
D.A.S. Streitigkeiten aus Versicherungsverträgen fallen unter Versicherungsschutz (Art. 23.2.1.1.
ARB).
Donau Derartige Streitigkeiten sind gemäß Art. 7 ARB nicht versichert.
Generali Über den Baustein "Allgemeiner Vertragsrechtsschutz" sind auch Versicherungsverträge
für den Privatbereich abgedeckt. Ausgeschlossen aus dem Versicherungsschutz ist ledig-
lich der Rechtsschutzvertrag selbst.
Die entsprechende Regelung finden Sie in den Allgemeinen Bedingungen für die Rechts-
schutzversicherung.
Artikel 7 - Was ist vom Versicherungsschutz ausgeschlossen?
1. Kein Versicherungsschutz besteht für die Wahrnehmung rechtlicher Interessen 1.12.
aus Rechtsschutzversicherungsverträgen mit dem eigenen Rechtsschutzversicherer;
GraWe Streitigkeiten aus Versicherungsverträgen sind bei uns nicht versichert (siehe Art.7,
Pkt.1.12 ARB).
HDI Allgemeiner Vertragsrechtsschutz: Streitigkeiten aus Versicherungsverträgen mitversichert,
ausgenommen Streitigkeiten gegen HDI-Versicherung, geregelt im Unternehmenstarif,
Polizzenklausel RS03 - Deckungserweiterung im Allgemeinen Vertrags-Rechtsschutz
Kfz-Rechtsschutz (Kfz-Vertragsrechtsschutz): Streitigkeiten aus Kfz-
Versicherungsverträgen mitversichert, ausgenommen HDI-Versicherung, geregelt in den
ARB 2008, Art. 17 Pkt. 2.4.3.
Helvetia Streitigkeiten aus Versicherungsverträgen sind bei Helvetia selbstverständlich inkludiert,
und zwar im Allgemeinen Vertragsrechtsschutz und im Kfz-Vertragsrechtsschutz. Unsere
Versicherungsnehmer genießen damit umfassenden Rechtsschutz in allen privaten Le-
bensbereichen. Die Regelungen finden Sie dazu in der BV 333 825 (zum Allgemeinen
Vertragsrechtsschutz) und in BV 333 828 (zum Kfz-Vertragsrechtsschutz). Vom Versiche-
rungsschutz ausgenommen sind in diesem Zusammenhang Streitigkeiten gegen die Hel-
vetia Versicherungen AG.
OOEV Streitigkeiten aus Versicherungsverträgen sind vom Versicherungsschutz ausgeschlossen
(lt. Allgemeinen Bedingungen für die Rechtsschutzversicherung ARB2003.1 Artikel 7 Pkt.
1.11) (Diese Angaben beziehen sich auf den derzeit gültigen Tarif. Es ist jedoch für dieses
Jahr noch ein neuer Tarif geplant. Dazu kann noch kein genaues Datum und keine genaue
Änderungsbeschreibung bekanntgegeben werden.)
Raiffeisen Streitigkeiten aus Versicherungsverträgen sind versichert. Derartige Interessenswahrneh-
Uniqa mungen sind im "Allgemeinen Vertrags-Rechtsschutz" inkludiert. Dieser Einschluss ergibt
sich aus dem Rechtsschutz-Versicherungsvertrag. Einzig Streitigkeiten aus Rechtsschutz-
Versicherungsverträgen mit dem eigenen Rechtsschutzversicherer sind vom Versiche-
rungsschutz ausgeschlossen. Dieser Ausschluss ist im Art. 7.1.13 der Allg. Rechtsschutz
Bedingungen 2009 geregelt.
Roland Da ROLAND ein reiner Rechtsschutzversicherer ist, bietet selbstverständlich ROLAND
Streitigkeiten aus Versicherungsverträgen ohne Streitwertgrenze standardmäßig mit an (im
Rahmen des Allg. Vertrags-Rechtsschutz, im Privat-Rechtsschutz).

Seite 21
VAV Streitigkeiten aus Versicherungsverträgen sind im Allgemeinen Vertrags RS gemäß beilie-
gender Besonderer Bedingung RS 01 mitgedeckt.
Wiener Städ- Streitigkeiten aus Versicherungsverträgen werden von uns nicht versichert - eine Rechts-
tische beratung im Rahmen des Beratungs-Rechtsschutzes ist möglich.
Wüstenrot Streitigkeiten aus Versicherungsverträgen - auch gegen die Wüstenrot Versicherungs-AG -
sind im Baustein "Allgemeiner Vertrags-Rechtsschutz" gemäß Artikel 23 Punkt 2.1.1 ARB
2007 (also in der Grunddeckung unseres "Privat-Rechtsschutz all-inclusive") mitversichert:
Der Versicherungsschutz umfasst die Wahrnehmung rechtlicher Interessen aus Versiche-
rungsverträgen über in Österreich gelegene Risken (nicht jedoch aus Kfz-Haftpflicht-
und/oder Kfz-Kasko-Versicherungsverträgen). Naturgemäß nicht versichert sind im Rah-
men des "Privat-Rechtsschutz" Betriebsrisiken jeglicher Art, somit auch keine Streitigkeiten
aus Versicherungsverträgen für einen Betrieb. Vom Versicherungsschutz ausgeschlossen
bleibt außerdem immer die Wahrnehmung rechtlicher Interessen aus Rechtsschutzversi-
cherungsverträgen mit dem eigenen Rechtsschutzversicherer (Artikel 7 Punkt 4.4 ARB
2007). Streitigkeiten aus Kfz-Haftpflicht- und/oder Kfz-Kasko-Versicherungsverträgen sind
aber bei Einschluss des "Fahrzeug-Rechtsschutz" mitversichert.
Zürich Ja, Streitigkeiten aus Versicherungsverträgen sind versichert und zwar im Allgemeinen
Vertrags-Rechtsschutz (im Betriebsbereich sogar ohne Streitwertgrenze). Geregelt ist die-
ser Einschluss über Klauseln im Vertrag (Polizze).

Dazu ist noch folgendes anzumerken: ein Ausschluss dieser Streitigkeiten, wie bei
Donau, GraWe, OÖV und Wiener Städtische, dann wird es schwierig, dass Konsu-
menten zu ihrem Recht kommen. Die Versicherungen sparen eine wichtige Gruppe
von Verträgen des täglichen Lebens aus – und schützen sich gegenseitig vor all zu
vielen Klagen durch die Konsumenten. Es kann angenommen werden, dass in vielen
Altverträgen diese Klausel noch immer aufscheint.

Die nachfolgende Tabelle zeigt zusammenfassend die Ergebnisse der Untersuchung


hinsichtlich Deckungen bzw. Ausschlüssen der einzelnen, analysierten Versicherer im
Bereich des Allgemeinen Vertrags-Rechtsschutzes.

Streitigkeiten aus Finanzveranlagungen gemäß § 48a Z3 Börsegesetz sind mittler-


weile bei sieben der 17 analysierten Versicherungsunternehmen ausgeschlossen.
Eine Einschränkung des Versicherungsschutzes hinsichtlich der Versicherungssumme
gibt es bei einem Anbieter (Allianz). Basler gibt an, dass es künftig, mit Neuauflage der
Versicherungsbedingungen, einen Ausschluss geben wird, wobei der genaue Zeit-
punkt noch nicht bekanntgegeben wurde. Drei jener Versicherer (D.A.S., Raiffeisen
und Uniqa), welche die Streitigkeiten aus Anlagen nach § 48 Börsegesetz ausschlie-
ßen, versichern nur Vermögensanlagen wie z.B. Lebensversicherungen oder Anleihen
österreichischer Anbieter. Generali und HDI schließen darüber hinaus noch Termin-
und Spekulationsgeschäfte aus. Wüstenrot versichert nur Streitigkeiten gegen in Ös-
terreich behördlich zugelassene Vermögensberater, Wertpapierdienstleister, Geldinsti-
tute und Versicherer.
Streitigkeiten aus Versicherungsverträgen wird von vier Anbietern dezidiert ausge-
schlossen. Eingeschränkt ist dieser Schutz bei Donau, bei welcher maximal 25% der
Versicherungssumme gedeckt ist. Bei Basler stellt diese Deckung einen eigenen Bau-
stein dar.
Streitigkeiten aus Spiel- oder Wettverträgen bzw. Gewinnzusagen und Ähnliches
wird nur von fünf Anbietern gedeckt.
Streitigkeiten aus der Errichtung, Veränderung, Planung und Finanzierung von
Bauvorhaben sind generell ausgeschlossen.

Seite 22
Anbieter Allianz ARAG Basler D.A.S. Donau Generali GraWe HDI Helvetia
Sind folgende Streitigkeiten grundsätzlich mitversichert/versicherbar:
Streitigkeiten aus Finanzveranlagung gemäß § 48a
Z3 Börsegesetz1) teilweise4) ja ja6) nein8) nein nein9) ja nein9) ja
2)
Streitigkeiten aus Versicherungsverträgen ja ja ja7) ja nein ja nein ja ja
Spiel- oder Wettverträge, Gewinnzusagen, andere
vergleichbare Mitteilungen nein nein nein nein ja nein nein nein ja
Errichtung, Veränderung, Planung, Finanzierung
von Bauvorhaben3) nein nein nein nein nein nein nein nein nein
Verträge über Timesharing, Teilnutzung, Superädifi-
kate, Wiederkaufs-, Rückverkaufs- oder Vorkaufs-
rechte an sowie Vorverträge über unbewegliche
Sachen nein nein5) ja nein ja nein nein nein ja

Anbieter Roland Wiener


OOEV Raiffeisen Rechtsschutz Uniqa VAV Städtische Wüstenrot Zürich
Sind folgende Streitigkeiten grundsätzlich mitversichert/versicherbar:
Streitigkeiten aus Finanzveranlagung gemäß § 48a
Z3 Börsegesetz1) ja9) nein8) ja10) nein8) ja ja nein12) ja
2)
Streitigkeiten aus Versicherungsverträgen nein ja ja ja ja11) nein ja ja
Spiel- oder Wettverträge, Gewinnzusagen, andere
vergleichbare Mitteilungen nein nein nein nein ja ja nein ja
Errichtung, Veränderung, Planung, Finanzierung
von Bauvorhaben 3) nein nein nein nein nein nein nein nein
Verträge über Timesharing, Teilnutzung, Superädifi-
kate, Wiederkaufs-, Rückverkaufs- oder Vorkaufs-
rechte an sowie Vorverträge über unbewegliche
Sachen nein5) nein5) nein5) nein5) ja ja nein ja
Tabelle 6: Deckungen im Vertrags-Rechtsschutz

Seite 23
1) sowie damit im Zusammenhang stehende Auseinandersetzungen aus Beratung, Vermittlung und Verwaltung. Unter § 48a Z3 Börsegesetz fallen bei-
spielsweise Wertpapiere wie Aktien und Aktienzertifikate, Schuldverschreibungen bzw sonstige Wertpapiere, die zum Kauf oder Verkauf solcher Wert-
papiere berechtigen, Geldmarktinstrumente, Beteiligungen, Futures und Optionen.

2) Streitigkeiten wegen dem Rechtsschutzversicherungsvertrag sind immer ausgeschlossen; alle Streitigkeiten mit dem eigenen Versicherer sind bei
HDI, Helvetia und VAV ausgeschlossen.

3) Errichtung bzw. baubehördlich genehmigungspflichtige Veränderung von Gebäuden, Gebäudeteilen oder Grundstücken, die sich im Eigentum oder
Besitz des Versicherungsnehmers befinden oder von ihm erworben werden; Planung derartiger Maßnahmen; Finanzierung des Bauvorhabens ein-
schließlich des Grundstückerwerbs. Dieser Ausschluss gilt nicht für die Geltendmachung von Personenschäden sowie im Straf-Rechtsschutz.

4) Max. 20 % der Versicherungssumme; volle Versicherungssumme für Vermögensanlage in Produkte österreichischer Lebensversicherer, Mitarbeiter-
vorsorge und Pensionskassen sowie in solche Anleihen, die von österreichischen Banken und Sparkassen, der Republik Österreich oder Anbietern der-
artiger Produkte mit Sitz innerhalb der EU, Schweiz oder Liechtenstein emittiert werden.

5) Superädifikate nicht dezidiert ausgeschlossen


6) zukünftig voraussichtlich ausgeschlossen
7) Nicht im Vertrags-Rechtsschutz inkludiert, eigener Baustein Versicherungsvertrags-Rechtsschutz
8) Versichert ist die Vermögensanlage in Produkte österreichischer Lebensversicherer, Mitarbeitervorsorgekassen und Pensionskassen sowie in solche
Sparprodukte und Anleihen, die von österreichischen Banken und Sparkassen sowie Anbietern derartiger Produkte mit Sitz innerhalb der EU emittiert
werden.

9) Ausschluss von Termin- und Spekulationsgeschäften sowie damit im Zusammenhang stehenden Auseinandersetzungen.
10) Bis zu einem Anlagebetrag von 40.000 € besteht voller, darüber anteiliger Versicherungsschutz; Ausschluss von Termin-, Options- und
Spekulationsgeschäfte sowie damit im Zusammenhang stehende Auseinandersetzungen.

11) bis max. 25 % der Versicherungssumme


12) Versichert sind Streitigkeiten gegen in Österreich behördlich zugelassene Vermögensberater, Wertpapierdienstleistungsunternehmen, Geldinstitute
und Versicherer.

Abbildung 1: Fußnoten zu Tabelle 6

Seite 24
3.4 Errichtung, Planung und Finanzierung von Bauvorhaben
Ebenfalls in den vorhin angesprochenen Musterbedingungen findet sich in Artikel 7,
Punkt 1.5. folgende Regelung:
„Soweit nichts anderes vereinbart ist, besteht kein Versicherungsschutz für die Wahr-
nehmung rechtlicher Interessen im ursächlichem Zusammenhang mit
- der Errichtung bzw. baubehördlich genehmigungspflichtigen Veränderung von
Gebäuden, Gebäudeteilen oder Grundstücken, die sich im Eigentum oder Besitz
des Versicherungsnehmers befinden oder von ihm erworben werden;
- der Planung derartiger Maßnahmen und
- der Finanzierung des Bauvorhabens einschließlich des Grundstückerwerbes.
Dieser Ausschluss gilt nicht für die Geltendmachung von Personenschäden sowie im
Straf-Rechtsschutz.“

Diese Regelung haben wir in allen von uns analysierten Versicherungsbedingungen


gefunden.

3.5 Wartefrist
Normalerweise beginnt der Versicherungsschutz nach Zusendung der Polizze und
Bezahlung der ersten Prämie. In speziellen Fällen der Rechtsschutzversicherung
kommen allerdings noch Wartezeiten - für Versicherungsfälle, die vor Ablauf von einer
bestimmten Anzahl an Monaten ab dem vereinbarten Versicherungsbeginn eintreten,
besteht kein Versicherungsschutz. Dieser Ausschluss gilt nicht für die Wahrnehmung
rechtlicher Interessen aus Verträgen, die nach Versicherungsbeginn abgeschlossen
werden.
Beim Allgemeinen Vertragsrechtsschutz beträgt die Wartefrist bei allen von uns analy-
sierten Anbietern/Tarifen 3 Monate.

4. Problembereiche und Kritikpunkte


Wie oben bereits mehrfach erwähnt, gelten diese Ausführungen fast ausschließlich für
Neuabschlüsse bzw Verträge, denen die aktuell gültigen Geschäftsbedingungen
zugrunde liegen. Da sich die Leistungen bzw. Deckungen in den letzten Jahren zum
Teil stark verschlechtert haben - die in den Bedingungen definierten Ausschlüsse ha-
ben zugenommen - besteht ein gewisses Risiko, dass Kunden in schlechtere Verträge
gedrängt werden. Wie aus der Beratungspraxis bekannt ist, versuchen Versicherer
immer wieder bestehende Verträge in Neuverträge umzuwandeln, mit dem Ergebnis,
dass für diese Neuverträge auch die neuen, oft schlechteren, Geschäftsbedingungen
gelten. Als Argument der Versicherer für eine Umwandlung bzw. Änderung der Ver-
tragsbedingungen gegenüber den Kunden werden oftmals höhere Versicherungs-
summen ins Rennen geschickt. Es ist jedoch darauf zu achten, ob eine höhere Versi-
cherungssumme tatsächlich die Nachteile, die oft mit den neuen Bedingungen ver-
bunden sind, kompensiert. Aus diesem Grund müssen Konvertierungsvorschläge von
Seiten der Versicherer immer mit einer gesunden Skepsis begegnet werden und die
Vor- und Nachteile einer Vertragsänderung bzw. Vertragsumgestaltung abgewogen
werden. Dazu sollte auch die Meinung eines unabhängigen Beraters eingeholt wer-
den.

Seite 25
5. AK-Forderungen

Bessere Transparenz:
Produktinformationsblätter vor Vertragsabschluss
Die AK fordert die Einführung von Produktinformationsblättern beim Abschluss von Versicherungsverträ-
gen. Diese kompakten Klipp-und-Klar-Informationen sollen die Informationsqualität verbessern und maßgebli-
che Punkte eines Versicherungsvertrages auf einen Blick sichtbar machen. Denn Versicherungsverträge sind
generell schwer verständlich und für „normale“ Versicherungsnehmer wenig "greifbar". Insbesondere bei Ver-
sicherungsverträgen mit Wartefristen und höchst unterschiedlichen Leistungsinhalten und Ausschlüssen
kommt ein kompakte Produktinformation zentrale Bedeutung zu. Um die Informationsdefizite über Versiche-
rungverträge zu verbessern, spricht sich die Bundesarbeitskammer dafür aus, dass es - nach deutschem
Vorbild (Produktinformationsblatt gemäß VVG-InfoV) – auch in Österreich eine verpflichtende, gesetzliche
normierte standardisierte Information gibt, die dem Verbraucher vor Abgabe seiner Vertragserklärung in Pa-
pierform auszuhändigen ist. Diese „Klipp-und-Klar-Informationen“ im Umfang von 1 bis 2 Seiten sollten die
wichtigsten Produktmerkmale in verständlicher Form enthalten, jedenfalls aber folgende Angaben: Beschrei-
bung der versicherten Risiken, Leistungsausschlüsse, Obliegenheiten, Prämienhöhe, Vertragsbeendigung.

Umfassende Deckungsumfänge – inklusive Finanzprodukte!


Die Versicherer sollen Verbraucher nicht im Regen stehen lassen und wichtige Bereiche rund um Geldanla-
ge, Finanzierung und Versichern nicht von der Deckung einer Vertragsrechtsschutzversicherung ausnehmen.
Schleichende Verminderungen des Deckungsumfanges entsprechen nicht dem Grundsatz, dass Kunden für
alle Konsum- und Lebensbereiche ausreichenden Versicherungsschutz genießen. Finanzdienstleistungen wie
Veranlagungsprodukte und Versicherungsverträge haben in den letzten Jahren erheblich an Bedeutung ge-
wonnen. Rechtsschutzversicherungen, die gerade diese Dienstleistungsbereiche ausnehmen, agieren nicht
kundenfreundlich, insbesondere wenn sich diese Ausschlüsse im Kleingedruckten verbergen.
Eine Folge der Finanzkrise ist, dass die Komplexität von Veranlagungsprodukten sowie die aggressiven Ver-
triebsmethoden letztlich dazu geführt haben, dass viele Konsumenten vermehrt vor der Frage stehen, ob sie
beispielsweise korrekt beraten wurden oder wirklich ein passendes Produkt empfohlen bekommen haben. Es
gibt somit einen steigenden Bedarf nach rechtlicher Klärung dieser Fragen – und somit auch Bedarf nach
verlässlichen Rechtsschutzversicherungsverträgen, die einen möglichst umfassenden Deckungsbereich
beinhalten.

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6. Tipps für Versicherungsnehmer
Diese Empfehlungen gelten grundsätzlich für den Bereich Rechtsschutzversicherun-
gen, da der Baustein Vertrags-Rechtsschutz nicht einzeln abgeschlossen werden
kann, sondern wie bereits erwähnt nur als Baustein in einem Komplettpaket oder als
einer von mehreren Bausteinen.

 Bestehende Verträge decken in der Regel Streitigkeiten aus Finanzveranla-


gungen. Daher ist folgendes zu beachten: Sollte Ihr Versicherer mit einem
neuen Angebot auf Sie zukommen, prüfen Sie die Unterschiede zum Altver-
trag. Die Geschäftsbedingungen könnten sich in den letzten Jahren klar ver-
schlechtert haben, d.h. es könnte mehr Ausschlüsse geben.

 Grundsätzlich ist bei einem Neuabschluss folgendes zu beachten:


 Welche Bausteine benötigt man, d.h. welche Gefahren will
man abdecken?
 Wo, d.h. in welchen (Lebens-)Bereichen besteht ein erhöhtes
Risiko, dass es zu gerichtlichen Auseinandersetzungen
kommt?
 Vor welchen Prozessrisiken will man sich schützen?
 Gibt es für gewisse Bereiche bereits andere Deckungen, d.h.
ist eines dieser Risiken bereits ausreichend gedeckt? (z.B.
Mieterschutz, Gewerkschaft, Betriebsrat, etc)
 Gibt es für diese Risiken überhaupt einen Versicherungs-
schutz?
 Achten Sie auf Wartefristen (dh Frist, ab der der volle Versi-
cherungsschutz eintritt): je nach Baustein und Versicherung
kann es Fristen von 3 bis 6 Monaten geben.
 Wie lautet der örtliche Geltungsbereich der Versicherung (Eu-
ropa, außereuropäische Staaten etc.)
 Welche Ausschlüsse gibt es im Vertrag (zB Bauherrnrisiko,
Versicherungsverträge etc)

 Unabhängige, ausführliche Beratung ist ratsam. Denn wenn ein wichtiger Aus-
schluss unter den Tisch fällt, dann kann für den Kunden eine Deckungslücke
entstehen.

 Die Prämienhöhe allein sagt im Bereich der Rechtsschutzversicherungen we-


nig aus. Leistungsumfang, Versicherungssummen, Zusatzleistungen und vor
allem Ausschlüsse sollten bei der Auswahl den Ausschlag geben.

 Leistungsumfang: Prüfen, ob einzelne Teilbereiche nicht schon gedeckt sind.

 Wer viele Bausteine benötigt, fährt meist mit Komplettpaketen besser.

 Was tun im Schadensfall:Ist ein möglicher Schadensfall eingetreten gilt vor-


erst einmal: Nie auf eigene Faust vorgehen. Auch wenn man sich (z.B. im
Rahmen des Vertrags-Rechtsschutzes) nur wegen einer Auskunft an einen
Rechtsberater wenden möchte, muss man immer zuerst vom Rechtsschutz-

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versicherer eine Deckungszusage einholen. In den Geschäftsbedingungen ist
klar geregelt, dass bei Verlangen eines Versicherungsschutzes der Versiche-
rungsnehmer verpflichtet ist, den Versicherer unverzüglich, vollständig und
wahrheitsgemäß über die jeweilige Sachlage aufzuklären und dem Versiche-
rer alle erforderlichen Unterlagen auf Verlangen vorzulegen hat. Außerdem
kann es sein, dass man dem Versicherer die Beauftragung des Rechtsvertre-
ters überlassen muss. Wird ein Versicherungsfall vom Rechtsschutzversiche-
rer abgelehnt, bleibt dem Verbraucher nur der Weg des Schiedsgerichtsver-
fahrens.

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