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Mengenlehre

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Die Mengenlehre ist das grundlegende Teilgebiet der Mathematik. Die gesamte Mathematik, wie sie
heute üblicherweise gelehrt wird, ist in der Sprache der Mengenlehre formuliert und baut auf den Axiomen
der Mengenlehre auf. Die meisten mathematischen Objekte, die in Teilbereichen wie Algebra, Analysis,
Geometrie, Stochastik oder Topologie behandelt werden, um nur einige wenige zu nennen, lassen sich als
Mengen definieren. Gemessen daran ist die Mengenlehre eine recht junge Wissenschaft; erst nach der
Überwindung der Grundlagenkrise der Mathematik zu Beginn des 20. Jahrhunderts konnte die
Mengenlehre ihren heutigen, zentralen und grundlegenden Platz in der Mathematik einnehmen.

Inhaltsverzeichnis
1 Geschichte
1.1 19. Jahrhundert
1.2 20. Jahrhundert
2 Definitionen
3 Gesetzmäßigkeiten
4 Siehe auch
5 Literatur
6 Weblinks
7 Einzelnachweise

Geschichte
19. Jahrhundert
Die Mengenlehre wurde von Georg Cantor in den Jahren 1874 bis 1897 begründet. Statt des Begriffs
Menge benutzte er anfangs Wörter wie „Inbegriff“ oder „Mannigfaltigkeit“; von Mengen und
Mengenlehre sprach er erst später. 1895 formulierte er folgende Mengendefinition:
„Unter einer „Menge“ verstehen wir jede Zusammenfassung M von bestimmten
wohlunterschiedenen Objekten m unserer Anschauung oder unseres Denkens (welche die
„Elemente“ von M genannt werden) zu einem Ganzen.“
– GEORG CANTOR[1]
Cantor klassifizierte die Mengen, insbesondere die unendlichen, nach ihrer Mächtigkeit. Für endliche
Mengen ist das die Anzahl ihrer Elemente. Er nannte zwei Mengen äquivalent (gleichmächtig), wenn sie
sich bijektiv aufeinander abbilden lassen. Die Mächtigkeit oder Kardinalzahl einer Menge M ist nach
Cantor die Äquivalenzklasse der zu M äquivalenten (gleichmächtigen) Mengen. Er beobachtete wohl als
Erster, dass es verschiedene unendliche Mächtigkeiten gibt. Die Menge der natürlichen Zahlen und alle
dazu gleichmächtigen Mengen heißen nach Cantor abzählbar, alle anderen unendlichen Mengen heißen
überabzählbar.

ist also nichtabzählbar (Cantors zweites Diagonalargument). auf Ablehnung. etwa bei Leopold Kronecker. Er sprach von Systemen statt von Mengen und entwickelte 1872 eine mengentheoretische Konstruktion der reellen Zahlen[2] und 1888 eine verbale mengentheoretische Axiomatisierung der natürlichen Zahlen. Cantor benannte das Kontinuumproblem: Gibt es eine Mächtigkeit zwischen derjenigen der Menge der natürlichen und der Mächtigkeit der Menge der reellen Zahlen? Er selbst versuchte es zu lösen. der rationalen (Cantors erstes Diagonalargument) und der algebraischen Zahlen sind abzählbar und damit gleichmächtig.[3] Giuseppe Peano. als Antinomien bekannt wurden. blieb aber erfolglos. wie sein Beweis der Allklasse als Nichtmenge durch die zweite Cantorsche Antinomie belegt. das ist auch als Satz von Cantor bekannt. weshalb die Frühform der Mengenlehre später als naive Mengenlehre bezeichnet wurde. Cantors Mengendefinition beabsichtigt aber keine solche naive Mengenlehre. Von je zwei Mengen ist mindestens eine gleichmächtig zu einer Untermenge der anderen. die er erstmals in einer präzisen mengentheoretischen Sprache formulierte. darunter das Symbol für das Elementprädikat. Die Menge aller Untermengen einer Menge M (ihre Potenzmenge) hat stets größere Mächtigkeit als M.[5] Cantors Mengenlehre wurde von seinen Zeitgenossen in ihrer Bedeutung kaum erkannt und keineswegs als revolutionärer Fortschritt angesehen.[4] Eine andere mengentheoretische Begründung der Arithmetik versuchte Gottlob Frege wenig später in seinem Menge als gedankliche Zusammenfassung von Objekten Kalkül von 1893. Noch mehr geriet sie in Misskredit. dass die Frage grundsätzlich nicht entscheidbar ist. so dass etwa Henri Poincaré spottete: „Die Logik ist gar nicht mehr steril – sie zeugt jetzt Widersprüche. Später stellte sich heraus. Das wird mit Hilfe der von Cantor ausführlich behandelten Wohlordnung bewiesen.Wichtige Ergebnisse von Cantor Die Mengen der natürlichen. Es gibt überabzählbar viele Mächtigkeiten.“ . der Mengen als Klassen bezeichnete. schuf bereits 1889 den ersten formalen Klassenlogik-Kalkül als Basis für seine Arithmetik mit den PeanoAxiomen. Dieser Widerspruch und auch andere Widersprüche entstehen aufgrund einer uneingeschränkten Mengenbildung. der als Russellsche Antinomie bekannt wurde. Er entwickelte damit die Grundlage für die heutige Formelsprache der Mengenlehre und führte viele heute gebräuchliche Symbole ein. sondern stieß bei manchen Mathematikern. Die Menge der reellen Zahlen hat größere Mächtigkeit als die der natürlichen Zahlen. In diesem entdeckte Bertrand Russell 1902 einen Widerspruch. das als „ist Element von“ verbalisiert wird. Neben Cantor war auch Richard Dedekind ein wichtiger Wegbereiter der Mengenlehre.

20. aber als Mengenelemente in Frage kommen und Cantors „Objekte unserer Anschauung“ einkalkulieren. Zermelo fügte es in sein Zermelo-Fraenkel-System von 1930 ein. aber hinderten den Erfolg der Mengenlehre in keiner Weise. 1903/1908 entwickelte Bertrand Russell seine Typentheorie. oder 1955 die AckermannMengenlehre. Jahrhundert setzten sich Cantors Ideen immer mehr durch. mittels derer zuvor herrschende Widersprüche überwunden werden konnten. Definitionen → Hauptartikel: Menge (Mathematik) . von der Anhänger des Intuitionismus sprachen. dass dazu zusätzlich sein Ersetzungsaxiom nötig sei. die Problem-Mengen mied. Die Mathematiker-Gruppe mit Pseudonym Nicolas Bourbaki trug wesentlich zu dieser Anerkennung bei. nach Gödels Unvollständigkeitssatz von 1931 ist ein solcher Nachweis der Widerspruchsfreiheit prinzipiell nicht möglich. Er konzipierte es auch für Urelemente. die keine Mengen sind. sie wollte die Mathematik auf der Basis Mengenlehre einheitlich neu darstellen und setzte dies ab 1939 in zentralen Mathematikgebieten erfolgreich um. so dass von einer Grundlagenkrise der Mathematik. Viele Mathematiker setzten aber statt auf eine konsequente Axiomatisierung auf eine pragmatische Mengenlehre. in Wirklichkeit nichts zu spüren war. eine Grenze. Letztlich erwies sie sich aber als unzulänglich für Cantors Mengenlehre und konnte sich auch wegen ihrer Kompliziertheit nicht durchsetzen. Parallel zur Erfolgsgeschichte der Mengenlehre blieb jedoch die Diskussion der Mengenaxiome in der Fachwelt aktuell. in der Mengen stets einen höheren Typ als ihre Elemente haben. damit problematische Mengenbildungen unmöglich würden. Handlicher und erfolgreicher war dagegen die von Ernst Zermelo 1907 entwickelte axiomatische Mengenlehre. Es entstanden auch alternative axiomatische Mengenlehren. Gödels Entdeckungen steckten nur Hilberts Programm. Nach und nach wurde es immer mehr Mathematikern bewusst. deren Objekte ausschließlich Mengen sind. gleichzeitig vollzog sich innerhalb der sich entwickelnden Mathematischen Logik eine Axiomatisierung der Mengenlehre. die Mathematik und Mengenlehre auf eine nachweislich widerspruchsfreie axiomatische Basis zu stellen. dass sich die ZF-Mengenlehre als Grundlage der Mathematik eignet. das er kurz ZF-System nannte. dass die Mengenlehre eine unentbehrliche Grundlage für die Strukturierung der Mathematik ist. Die heutige Zermelo-Fraenkel-Mengenlehre ist dagegen nach Fraenkels Vorstellung eine reine Mengenlehre. die er gezielt zur widerspruchsfreien Begründung der Mengenlehre von Cantor und Dedekind schuf. Das ZFSystem bewährte sich in der Praxis. etwa 1940 die NeumannBernays-Gödel-Mengenlehre. so etwa die oft aufgelegten Mengenlehren von Felix Hausdorff ab 1914 oder von Erich Kamke ab 1928. Jahrhundert Im 20. die ZF auf Klassen verallgemeinert. Abraham Fraenkel bemerkte 1921. weshalb es heute als Basis der modernen Mathematik von der Mehrheit der Mathematiker anerkannt ist. in dem die Mengenlehre in der Grundschule behandelt wurde. In den 1960er Jahren wurde es dann allgemein bekannt. Es gab sogar einen vorübergehenden Zeitraum. Er wies den ersten Ausweg aus den Widersprüchen und zeigte in den Principia Mathematica von 1910–1913 auch ein Stück der Leistungsfähigkeit der angewandten Typentheorie. Die endgültige Anerkennung der ZF-Mengenlehre in der Praxis zog sich allerdings noch über längere Zeit hin. Die Widerspruchsfreiheit konnte allerdings nur für die Mengenlehre mit endlichen Mengen nachgewiesen werden. die neu an Cantors Mengendefinition anknüpfte. das Cantors Mengenlehre mit unendlichen Mengen enthält. aber nicht für das komplette ZF-System. keinerlei Widersprüche konnten mehr aus dem ZF-System abgeleitet werden.

die in jeder Elementmenge von enthalten sind.: Symmetrische Differenz Bisweilen wird noch die "symmetrische Differenz" benötigt: . Diese Definition bezeichnet die Extensionalität und damit die grundlegende Eigenschaft von Mengen. spricht man einfach vom Komplement der Menge B und schreibt z.In der reinen Mengenlehre ist das Elementprädikat die einzige notwendige Grundrelation. Leere Menge Die Menge. Sie wird mit oder auch bezeichnet. Ist die Menge A als Grundmenge vorausgesetzt und B eine Teilmenge von A. A ist eine (echte) Teilmenge von B Vereinigungsmenge Dies ist der zur Schnittmenge duale Begriff: Die Vereinigungsmenge von ist die Menge der Elemente. Schnittmenge Gegeben ist eine nichtleere Menge von Mengen. wenn sie dieselben Elemente enthalten. s. Teilmenge → Hauptartikel: Teilmenge Eine Menge heißt Teilmenge einer Menge . Formal: . Formal: . Formal: Schnittmenge von und Differenz und Komplement Die Differenz wird gewöhnlich nur für zwei Mengen definiert: Die Differenzmenge (auch Restmenge) von und (umgangssprachlich auch "A ohne B". heißt leere Menge. die in mindestens einer Elementmenge von enthalten sind. Gleichheit von Mengen Zwei Mengen heißen gleich. Abb. aber nicht in enthalten sind. Formal: Vereinigungsmenge von und Man nennt die Differenz auch Komplement von B in Bezug auf A. die kein Element enthält. Alle mengentheoretischen Begriffe und Aussagen werden aus ihr mit logischen Operatoren der Prädikatenlogik definiert. Die Schnittmenge (auch Durchschnittsmenge) von ist die Menge der Elemente. die in . wenn jedes Element von auch Element von ist.B.) ist die Menge der Elemente.

soll hier ebenfalls zunächst als Verknüpfung von zwei Mengen definiert werden: Die Produktmenge von und ist die Menge aller geordneten Paare. Somit ist . also eine ohne natürliche Zahl. Mächtigkeit und Kardinalzahl Die Mächtigkeit (Kardinalität) einer Menge wird mit (zuweilen auch # ) bezeichnet. Die Potenzmenge von enthält immer die leere Menge und die Menge . assoziativ und zueinander und und und und und Für die Differenzmenge gelten folgende Gesetzmäßigkeiten: Assoziativgesetze: und Distributivgesetze: und und und . Gleichwohl ist der Begriff Kardinalzahl eine Verallgemeinerung der Elementanzahl einer (endlichen) Menge. Gesetzmäßigkeiten Die Menge denn für alle ist bezüglich der Relation gilt: Reflexivität: Antisymmetrie: Aus Transitivität: Aus Die Mengen-Operationen Schnitt distributiv: Assoziativgesetz: Kommutativgesetz: Distributivgesetz: De Morgansche Gesetze: Absorptionsgesetz: partiell geordnet. mit bezeichnet.Kartesisches Produkt Die Produktmenge oder das kartesische Produkt. in älterer Terminologie auch Verbindungsmenge oder Produkt zweiter Art. Symmetrische Differenz von A und B und und folgt folgt und Vereinigung sind kommutativ. Unter Einbeziehung der Arithmetik der Kardinalzahlen wird die Mächtigkeit der Potenzmenge von . also eine einelementige Menge. auch bei unendlichen Mengen. Potenzmenge Die Potenzmenge von ist die Menge aller Teilmengen von . Bei endlichen Mengen bedeutet die Anzahl der Elemente von . deren erstes Element aus und deren zweites Element aus ist.

sub. ISBN 3-8274-1411-3. Springer Verlag. Richard Dedekind: Stetigkeit und irrationale Zahlen.de/dms/load/img/) 2. André Joyal.Für die symmetrische Differenz gelten folgende Gesetzmäßigkeiten: Assoziativgesetz: Kommutativgesetz: Distributivgesetz: Die Algebra der Mengen ist eine sogenannte Boolesche Algebra. S.. Springer Verlag. Berlin. 1995. 4. 6. Paul R. Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 1994.und Lehrmaterialien Wikibooks: Beweisarchiv: Mengenlehre – Lern. Erich Kamke: Mengenlehre. Turin 1889 . Synonyme. North-Holland.org/10. Heinz-Dieter Ebbinghaus: Einführung in die Mengenlehre. Göttingen 1968. Spektrum Akademischer Verlag. Wortherkunft. 3. ISBN 3-500-24960-4. Siehe auch Wikibooks: Mathe für Nicht-Freaks: Mengenlehre – Lern. Richard Dedekind: Was sind und was sollen die Zahlen? Braunschweig 1888. Kenneth Kunen: Set Theory: An Introduction to Independence Proofs.1007/978-3-642-01445-1 (http://dx. Adolf Fraenkel: Einleitung in die Mengenlehre. 3. Vandenhoeck & Ruprecht. ISBN 978-3-642-01444-4. Berlin 1969. Co. Berlin/Heidelberg/New York 1928. Oliver Deiser: Einführung in die Mengenlehre. Weblinks Wiktionary: Mengenlehre – Bedeutungserklärungen. Die Mengenlehre Georg Cantors und ihre Axiomatisierung durch Ernst Zermelo. doi:10. Georg Cantor: Beiträge zur Begründung der transfiniten Mengenlehre. Übersetzungen Einzelnachweise 1. ISBN 3-52540527-8. Auflage. Giuseppe Peano: Arithmetices Principia nova methodo exposita. Ieke Moerdijk: Algebraic Set Theory. 1980. Heidelberg 2010.doi.uni-goettingen. Neudruck: Martin Sändig oHG. Braunschweig 1872. New York 1914/1949/1965. online (http://gdz.und Lehrmaterialien Tabelle mathematischer Symbole Literatur Felix Hausdorff: Grundzüge der Mengenlehre. Chelsea Publ. Cambridge University Press. ISBN 0-444-85401-0. ISBN 0-52155830-1. Walter de Gruyter & Co. Arnold Oberschelp: Allgemeine Mengenlehre.. In: Mathematische Annalen 46 (1895). 481. ISBN 978-3-540-42224-2.1007%2F978-3-64201445-1) . Halmos: Naive Mengenlehre. Walluf 1972. Heidelberg–Berlin 2003. Auflage.

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