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Chris Oliver Schulz Universität Wien, 2016

Biopolitik

Inhaltsverzeichnis

1.Geschichte: Disziplinarmacht und Biopolitik

1

1.1 Biopolitik Somatokratie

3

1.2 krank und gesund - unklare Grenzen

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1.3 Exkurs

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2. Biopolitik und (Neo)Liberalismus

11

2.1

Humanismus und Posthumanismus

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Schlussgedanken

16

1

Dieser Text gliedert sich in zwei Teile. Zunächst wird der Begriff und die Entstehung der Biopolitik anhand von Michel Foucaults Perspektive erläutert, anschließend am Beispiel der Gesundheit(spolitik) vertieft und dann auf aktuelle Phänomene bezogen (Stichworte Entgrenzung der Medizin und Enhancement). Der zweite Teil beschäftigt sich mit der Verbindung von Biopolitik und (Neo)Liberalismus und wird mit einer Kritik am Humanismus enden.

Geschichte: Disziplinarmacht und Biopolitik

Michel Foucaults Analysen beziehen sich meist auf den europäischen Raum und im Folgenden wird die Genealogie, wie er sie denkt, beschrieben, die von souveränen Formen von Macht über neue Technologien, wie die der Disziplin schlussendlich in dem, was er Biopolitik nennt, münden. Ein relevanter Unterschied ist der, dass im Rahmen der Biopolitik Macht über verschiedene Institutionen ausgeübt wird, anstatt quasi direkt über zentrale Herrscherfiguren. Foucault beginnt seine Analyse zur Macht in Zeiten der sogen. souveränen Herrschaftsformen, aus der sich neue Techniken entwickelten, so zum Beispiel die Disziplinarmacht. Er beschreibt sie als eine neu hinzukommende produktive Form von Macht, „die er in Abgrenzung zur souveränen, unterdrückenden Machtlogik des Feudalismus konturiert1 . Als souveräne Herrschaftsform versteht er das Recht des Souveräns, leben zu lassen und sterben zu machen und diese Form der Macht sei vielleicht wesentlich als Abschöpfungsinstanz zu verstehen, als Zugriffsrecht und Ausbeutungsmechanismus, als Recht auf Aneignung von Reichtümern, als eine den Untertanen aufgezwungene Entziehung von Produkten, Gütern, Diensten, Arbeit und Blut 2 . Von der Unterdrückung komme es, folgt man Foucault, zu einer Überwachung im Sinne davon, Kräfte eines Staates hervorzubringen, zu ordnen, anstatt sie zu hemmen oder zu beugen 3 . Es komme zu einer Verwaltung der Körper und rechnerischen Planung des Lebens, ein neues Kalkül politischer Macht entwickelte sich und damit einhergehend neue Disziplinen (in Form von Schulen, Internaten, Kasernen, Fabriken) 4 . Diese neuen Techniken dienen der Dressur und Serialisierung und zielen damit auf die Verfertigung und Einpassung individueller Körper in ökonomische Nutzenkalküle5 . Die daraus sich im Entstehen befindende Biopolitik der Bevölkerung zielt im Sinne Foucaults weniger auf einen scheinbar einheitlichen Volkskörper,

1 1 Marianne Pieper, Thomas Atzert, Serhat Karakayal, Vassilis Tsianos, 2011: Biopolitik in der Debatte Konturen einer Analytik der Gegenwart mit und nach der biopolitischen Wende, S. 9

2 Vgl. Michel Foucault, 2014: Recht über den Tod und Macht zum Leben S. 66

3 Ebda.

4 Ebd., S. 69 (in „Überwachen und Strafen“ beschreibt und analysiert er genannte Institutionen)

5 Pieper, Atzert, Karakayal, Tsianos, S. 9

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sondern auf einen multiplen Körper mit zahlreichen Köpfen, dieser werde zur grundlegenden Ressource des Staates, die es zu bewirtschaften gelte und durch Regulierung zu optimieren, um langfristig Regelmäßigkeiten zu erzielen 6 .

Der Begriff Biopolitik meint zunächst eine Form von Regierungspraxis, die zusammen „Assemblagen aus staatlichen Regierungspraxen und Selbstregierungspraxen“ 7 bilden und somit auch eine Reaktion auf gesellschaftliche Phänomene und damit verbundenen Probleme darstellen: Gesundheit, Hygiene, Geburtenziffern, Rassen, Lebensdauer und Sterberaten etc. dienen als Beispiele und dies seien aber kollektive Phänomene, die in ihren ökonomischen und politischen Wirkungen erst auf Ebene der Masse überhaupt in Erscheinung treten können und bedeutsam würden 8 . In diesem Sinne spricht Foucault von einer Verstaatlichung des Biologischen, die den „Eintritt des Lebens in die Geschichte“ markiere, anhand dessen er einen neuen Typus, eine neue Qualität von Macht charakterisiere, eben den der Biopolitik 9 . Foucault nennt für das Aufkommen dieser Praxis das 18. Jahrhundert, denn in diesen Zeiten sah er erste Versuche der Rationalisierung hinsichtlich der Praktiken einer Regierung 10 . Um dies zu verdeutlichen, wird später das Beispiel der Gesundheit gewählt werden. Er bezeichnet diesen Wandel der Formen der Regierungsrationalität auch als einen, der von „der Kunst des Regierens“ zur politischen Gouvernementalität übergeht. Ersteres als Orientierung an traditionellen Tugenden (Achtung vor göttlichen Gesetzen, Gerechtigkeit, etc.) und Alltagsfähigkeiten (Überlegung, Rückgriff auf die besten Ratgeber) hin zu einer neuen Rationalität, deren Blick sich mehr und mehr auf das Verhalten der Bevölkerung richte und die ihre Prinzipien nicht mehr in genannten Tugenden finde, sondern vielmehr im Anwendungsfeld des Staates selbst und sich somit Strategien entwickeln, die die Kräfte eines Staates zu bündeln wissen 11 . Für Foucault sind die zentralen politischen Technologien die diplomatisch- militärische und die Polizei, im Sinne eines Ensembles aus Mitteln, um die Kräfte im Innern eines Staates zu fördern, während erstere sich nach Außen richten und im Raum staatlicher Konkurrenz agiere 12 . Ihr Verbindungspunkt sei der Handel und der zwischenstaatliche Geldverkehr, also würden somit Bevölkerung und Reichtum zum privilegierten Objekt des

6 Vgl. Foucault 2014 [1976]: In Verteidigung der Gesellschaft, S. 95f

7 Raunig, Nigro, Lorey, 2012: Biopolitik, S. 188

8 Michael Foucault, 2003[1979]: Die Geburt der Biopolitik, S. 1020 und vgl. ebd. 2014 [1976] In Verteidigung der Gesellschaft, S. 95

9 Pieper, Atzert, Karakayal, Tsianos, 2011, S. 8

10 Foucault, 1979, S. 127

11 Foucault, 1977-1978: Sicherheit, Territorium und Bevölkerung, S. 902

12 Ebd., S. 903

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vernünftigen Regierens 13 . Diese Form von Regierungspraxis beinhaltet ebenso den Mechanismus der freiwilligen Unterwerfung, also das Entstehen von Selbstregulierungspraxen, wie sie später anhand des Begriffs des (Neo)Liberalismus noch besprochen werden. Die staatliche Form von Macht und disziplinären Einrichtungen erschienen als vermeintlich unausweichliche Instanzen der (sozialen und politischen) Ordnung, die sich in „die feinsten Kapillarien der Gesellschaft“ verteilten, sich in die Körper einschreiben, so verinnerlicht würden und somit die tendenziell gewaltvollen Maßnahmen souveräner Praxen überflüssig machen oder schlicht zu ersetzen beginnen 14 . Foucault spricht hier auch von der Normalisierungsgesellschaft, die eine Gesellschaft ist, in der sich entsprechend einer orthogonalen Verknüpfung die Norm der Disziplin und die Norm der Regulierung miteinander verbinden“ 15 .

1.1 Biopolitik - Somatokratie

Die Disziplinarmacht bildet nach der souveränen Form von Macht den Ausgangspunkt und im Zeitraum des 18. Jahrhunderts verortet Foucault das Aufkommen eines neuen Machttypus, den er, wie schon erläutert, als Biopolitik der Bevölkerung charakterisiert 16 . Foucault verortet in diesem Zeitraum das Auftauchen von Gesundheit und Krankheit als Probleme, „die auf die eine oder andere Weise verlangen, dass das Gemeinwesen die Verantwortung dafür übernimmt“ 17 . In der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts setze die Entwicklung der medizinischen Polizei ein und unter Bevölkerung verstehe man nun vielmehr ein Ensemble aus Lebewesen mit spezifischen biologischen und pathologischen Merkmalen 18 . Von dieser Entwicklung ausgehend, in der das Thema der Gesundheit und das der Krankheit für eine Regierung sozusagen als Möglichkeiten des Eingriffs auftauchten, wählt er als symbolischen Referenzpunkt nun für das 20. Jahrhundert den Beveridgeplan, mit dem „die Gesundheit ins Feld der Makroökonomie eintrete“, denn nun würden Ausgaben für die Gesundheit weniger durch beispielsweise Rückriffe auf Renten oder ähnlichem finanziert, sondern vielmehr vorrangig durch steuerfinanzierte öffentliche Einrichtungen und somit gerate das Thema der Gesundheit und Krankheit in die makroökonomischen Berechnungen eines Staates 19 .

13 Ebda.

14 Vgl. Pieper, Atzert, Karakayal, Tsianos, 2011, S. 10

15 Foucault, 2014 [1976]: In Verteidigung der Gesellschaft, S. 102f

16 Pieper, Atzert, Karakayal, Tsianos, 2011, S. 10

17 Foucault, 2003[1976]: Die Gesundheitspolitik im 18. Jahrhundert, S. 20f

18 Ebd., S. 21

19 Vgl. Foucualt, 2003 [1976]: Krise der Medizin oder Antimedizin?, S.56f (genauer den Zeitraum 1940-1950)

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An dieser neuen Politik des Körpers zeichne sich ein Wandel von der Theokratie, deren Ziel noch das Seelenheil war, hin zur Somatokratie, für die körperliche Pflege und Gesundheit zentral wurden 20 . Vom Recht auf Leben komme es zum Recht auf Gesundheit, welche bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts im Sinne der Erhaltung der Gesundheit des Volksköpers durchaus auch schon eine Angelegenheit eines Staates war, aber ab nun „um der Individuen Willen“ 21 . Es sei somit eine weitere Umkehrung im Recht auszumachen, denn vom Individuum, das bei guter Gesundheit dem Staate diene, diene nun der Staat dem Individuum in Sachen Gesundheit und ebenso spricht er von einer aufkommenden Politik und Moral des Körpers, denn die „Sauberkeit ist die Pflicht, dem Individuum und den Menschen seiner Umgebung eine gute Gesundheit zu gewährleisten“ 22 . Eine weitere Verschiebung folge nun, denn ab der Mitte des 20. Jahrhunderts tauche das Recht auf, krank zu sein, also das Recht, die Arbeit zu unterbrechen und die hier entstehenden Kosten wurden, wie schon angedeutet, nicht mehr durch private Versicherungen oder ähnliches gedeckt sondern durch den staatlichen Haushalt 23 . Die Medizin ist somit bei Foucault eine soziale Praktik (und keine individuelle, die sich nur im Rahmen individuelle/r PatientIn-Arzt/Ärztin abspielt) und das Krank-Sein wurde zu einer öffentlichen Angelegenheit. Jedoch haben die Formen sozialer Politik in Zeiten des Liberalismus nicht mehr den allgemeinen Ausgleich von Wohlstand zum Ziel, sondern schlussendlich die Schaffung von Möglichkeiten privater Absicherung gegenüber Armutsrisiken, während gerade die soziale Ungleichheit ein wichtiger Motor des Wettbewerbs sei24 . Das in der sozialen Ungleichheit auch ein Gefälle der Möglichkeiten miteinhergeht, entgegen dem der Motor durchaus schlicht versagen kann, war offenkundig kein Gegenstand der Politik.

Noch einmal zurück in das 18. Jahrhundert, um zu zeigen, dass sich bereits damals eine Bürokratisierung abzeichnete: Die Medizin nahm als Gesundheitstechnik einen immer wichtigeren Platz in den Verwaltungsstrukturen ein, denn die Verwaltung diene als Stützpunkt für z.B. große medizinische Erhebungen über die Gesundheit der Bevölkerung (und andere groß angelegte Maßnahmen, wie z.B. Impfungen), somit entwickelte sich ein medizinisch- administratives Wissen und gleichermaßen baue sich ein politisch-medizinischer Einfluss auf

20 Vgl. Ebd., S. 58

21 Ebd., S. 55

22 Ebd., S. 55f

23 Ebd., S. 56

24 Jan-Ottmar Hesse, 2006: Der Mensch des Unternehmens und der Produktion - Foucaults Sicht auf den Ordoliberalismus und die ‚Soziale Marktwirtschaft’, S. 292

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die Bevölkerung auf, die nun mit Regeln und Vorschriften belegt wurde, die über das Thema der Krankheit hinausgingen und Ernährung oder Sexualität ebenso umfassten 25 . Das alles spielt sich auch im Rahmen von ökonomischen Kalkülen ab, denn noch vor der Zeit, in der das Recht krank zu sein auftauchte, waren die Kranken zunächst quasi die Unsichtbaren einer Bevölkerung, bevor sie zum Ziel politischer Überlegungen wurden und es darum ging, von den Kranken die arbeitstauglichen zu unterscheiden. Die Kranken waren zunächst Aufgabe der Fürsorge, anders als diese, deren Einrichtungen caritative Hilfeleistungen erbrachten, werden die „armen Kranken“ nun Gegenstand einer gewissen Gesundheitspolitik. Es gehe nun darum, wie sich einerseits die Gesundheit aller, also des Sozialkörpers anheben ließe und andererseits darum, die arbeitstauglichen Einzelnen unter den Armen herauszufiltern und sie in den Produktionsapparat einzubinden. Fragen der Wirtschaftlichkeit kamen auf, zum Beispiel wie sich die Ausgaben für Ausbildungen in den Waisenhäuser später rentieren können, wie führt man die tauglichen Armen an Arbeit heran und wie können sich Menschen im Krankheitsfalle selbst finanzieren 26 ? Die Gesundheit spielt hier insofern eine zentrale Rolle, da hierfür einerseits hohe Kosten aufgewendet werden und andererseits gesunde Menschen, ob arm oder reich, als Arbeitskräfte nützlich sind und anders als „Müßiggänger“ keine oder wenige Kosten verursachen. Somit ist es eine Regierungspraxis, die mit Einrichtungen und Verordnungen einerseits hilft, Gesundheit zu erhalten, aber auch andererseits Zwang in dieser Hinsicht ausübe und daher schreibt Foucault vom aufkommenden Imperativ der Gesundheit 27 . Die Regelwerke und Institutionen, also die Gesamtheit der Mechanismen, die Gesundheit, aber auch Ordnung und Bildung von Reichtum absichern, summiert er unter dem Begriff „Policey“ 28 . Dieser Begriff umfasse ebenso die Beachtung des für die Ökonomie geltenden Regelwerks (Warenzirkulation, Verpflichtungen der Handwerker untereinander als auch gegenüber der Kundschaft, etc.), Beachtung der Ordnungsmaßnahmen (Überwachung, Jagd auf Landstreicher, Verfolgung von Kriminellen), Beachtung der allgemeinen Hygieneregeln (Lebensmittelkontrollen, Überwachung der Wasserversorgung, etc.) 29 . Waren Spitäler noch vor dem 18. Jahrhundert ‚lediglich‘ Orte des Sterbens, wurden sie später zu Orten kollektiver Medizinierung, begleitet von einem Apparat medizinischer Verwaltung, der z.B. das Erstellen von Datenregistern, sowie Erhebungen und Vergleiche von Statistiken beinhalte 30 .

25 Vgl. Foucault, 2003 [1976]: Die Gesundheitspolitik im 18. Jahrhundert, S. 31

26 Vgl. ebd., S. 22f

27 Ebd., S. 23

28 Ebd., S. 24

29 Vgl. ebda.

30 Foucault 2003 [1976]: Krise der Medizin oder Antimedizin?, S. 68

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Foucault stellt nun interessanterweise fest, dass der wachsende Apparat der Medizin, die Gesundheit als zentrales Anliegen politischer Kalküle keineswegs zu einem Anstieg der Gesundheit und Rückgang der Sterberaten einer Bevölkerung führte 31 . Er spricht von der Gefahr, die von der Medizin ausgehe, z.B. durch Fehldiagnosen, Nebenwirkungen von Medikamenten, die im Grunde eine Störung des Ökosystems des Menschen darstellen, bis hin zu genetischen Manipulationen und die Möglichkeit biologische Waffen zu entwickeln, somit erscheine die Medizin als ein unsicheres Terrain der Wahrscheinlichkeiten und Risiken, die sich vom Individuum und seiner Nachkommenschaft bis auf die menschliche Gattung erstrecken können 32 .

So spricht Foucault auch von einer zunehmenden Medizinierung, wie sie hier später im Sinne der Entgrenzung der Medizin erläutert wird: Sie fungiere immer häufiger auch außerhalb ihres traditionellen Feldes, das durch Nachfrage der Kranken geprägt gewesen sei, denn im Lauf des 20. Jahrhunderts werde sie zu einer Autorität, die beispielsweise durch ärztliche Gutachten darüber entscheide, ob es zu einer beruflichen Anstellung komme oder nicht, oder den Interventionsbereich der Medizin (Psychiatrie und Psychotherapie sind mitgemeint), der das sexuelle Verhalten und dessen vermeintlichen Abweichungen umfasse und somit schließt er, dass die Medizin des 20. Jahrhunderts vielmehr eine Gesellschaft der Norm und nicht des Gesetzes erfinde, denn eine Gesellschaft werde durch die Unterscheidung zwischen Normal und Anormal regiert, weniger durch Gesetzesbücher 33 . Foucault folgend kann man sagen, es gäbe keinen Bereich mehr, der der Medizin äußerlich sei, gleichermaßen betont er aber, das es kaum möglich ist, Alternativen zu etablieren, da diese mehr oder weniger auf grundlegendes biopolitisches Wissen und dessen Mechanismen rekurrieren. Beispielsweise schlugen VertreterInnen der Antimedizin als Gegenentwurf eine Gesundheitskunst vor, die u.a. Hygiene, Ernährung, Arbeitsbedingungen umfasste, aber „was ist derzeit die Hygiene anderes als eine Gesamtheit von Regeln, die durch ein biologisches und medizinisches Wissen aufgestellt und

31 Vgl. ebd., S. 73. Laut Erhebungen der Statistik Austria lag z.B. die Todesursache durch Neubildung von Tumoren (Bösartige Neubildungen - C00-C97) 1970 bei 19.362, im Jahr 2014 bei 20.501. Wiederum verzeichnet sich ein Rückgang bei Todesfällen durch Erkrankungen der Atmungsorgane und des Verdauungssystems, jedoch ein Anstieg von Todesfällen durch „sonstige Erkrankungen“ im selben Zeitraum (1970-2014) siehe:

Krebsinzidenz (Anstieg), oder der Häufigkeit von Krankenständen (Anstieg),

Beispiele aus dem Bereich der Statistik, merkt aber an, dass diese im Grunde keine Aussagekraft haben, da viele

Informationen zu Kontextbedingungen in einer Statistik verloren gehen.

32 Foucault, 2003[1976]: Krise der Medizin oder Krise der Antimedizin?, S. 61f

33 Ebd., S. 67

Foucualt nennt selbst

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kodifiziert wurden“ 34 . Diese ‚Diagnose‘ unterstreicht nochmals Foucaults These, dass sich Medizin im Sinne und in Verbindung mit einer Biopolitik in nahezu sämtliche Bereiche der Gesellschaft erstreckt.

1.2 krank und gesund - unklare Grenzen Über den Begriff der Gesundheit möchte ich nun noch einmal auf die sogenannte Entgrenzung der Medizin zurückkommen. Für Foucault ist die Gesundheit ein Konsumobjekt geworden, produziert von pharmazeutischen Laboratorien und ÄrztInnen und dies verweist auf eine neue, oder weitere Verbindung der Gesundheit, des Körpers mit der Medizin und Ökonomie. Die Ausweitung des medizinischen Konsums führe, wie schon angedeutet, keineswegs zur Verbesserung des Gesundheitszustandes einer Bevölkerung und ebenso wenig zu einer Verbesserung der Lebensqualität und somit zeige sich auch, dass die Qualität des medizinischen Konsums nicht in Zusammenhang mit der Qualität der Gesundheit stehe 35 . Hinzu kommt nun, dass der medizinische Gebrauch nicht mehr nur von erkrankten Menschen nachgefragt wird, also die Gesundheit nicht mehr das alleinige Ziel darstellen muss, sondern die Verbesserung von einem gesunden Körper und/oder Geist. So befinden wir uns seit den 1990ger Jahren in einer Zeit, in der laut der Soziologen Viehöver und Wehling die Rede von einer intensivierten neoliberalen Rhetorik der Eigenverantwortung und Selbstbestimmung sein könne, Hand in Hand mit der Zunahme an Möglichkeiten der Optimierung, sei es im Bereich der Genetik, Neuro-Pharmakologie oder der ästhetischen Chirurgie 36 . Eine Entgrenzung der Medizin (im Sinne einer Grenze zwischen gesund und krank) stellt sich für die beiden als vielschichtiges Geschehen dar, das Elemente der Grenzverschiebung, - überschreitung, -verwischung, und -pluralisierung 37 bedeute, somit sieht sich allerdings auch die Grenze zwischen gesund und krank in Frage gestellt. Im Sinne der Verschiebung könnte man sprechen, da nun ehemals Gesunde nun als Kranke betrachtet würden, die am Wandel der Wahrnehmung von z.B. Schüchternheit festgestellt werden könne, da sie inzwischen oftmals als psychische Störung betrachtet würde. Das Phänomen der Überschreitung zeige sich in der Forderung, gesunden Menschen den Zugang zu leistungssteigernden Medikamenten zu ermöglichen 38 . Ebenso interessante Phänomene zeigen sich in der Pluralisierung, in der es im Grunde zur Infragestellung von Diagnosen kommt, so z.B. bei ADHS, da es auch aufgrund

34 Ebd., S. 69

35 Vgl. ebd., S. 73f

36 Vgl. Viehöver, Wehling, 2011: Entgrenzung der Medizin Transformationen des medizinischen Feldes aus soziologischer Perspektive, S. 13

37 Vgl. ebd., S. 9

38 Vgl. ebd., S. 9f

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fehlender diagnostischer Kriterien höchst fragwürdig ist, ab wann man von Hyperaktivität sprechen könnte und die Urteile darüber variieren somit zwischen Betroffenen und Behandelnden (ebenso zwischen PsychiaterInnen und PsychotherapeutInnen) sehr stark 39 . Schlussendlich sei noch ein Beispiel für die Grenzverwischung genannt: Die sogenannten healthy ill bezeichnen Personen, die gleichermaßen gesund und krank seien, genauer: Personen, bei denen eine genetische Disposition für künftige Krankheiten entdeckt wurde, die jedoch aktuell gesund sind 40 . Die gewohnte Unterscheidung zwischen gesund und krank wurde und wird von neuen Techniken und Erkenntnissen durchzogen und somit verändert und ebenso verändert sich wohl unsere Selbstwahrnehmung und die gegenüber anderen. In einem kurzen Exkurs nach diesem Kapitel wird darauf in Hinblick auf die Diagnose des Todes eingegangen, da diese mit dem Wandel an medizinischen Erkenntnissen entsprechende Konsequenzen nach sich zieht. Im Lichte der Analysen Foucaults zur Gesundheit waren und sind es vor allem leistungsfähige Menschen, die als gesund bezeichnet werden und gesund hat insofern viel mit Nützlichkeit zu tun. Die Inwertsetzung von Körpern im Sinne der Arbeitskraft nimmt nun aber neue Formen an und zwar, wie schon angedeutet, solche, die es unklar werden lassen, ob man nun von Therapie oder Optimierung sprechen kann. So zum Beispiel ist fraglich, ob es sich bei „der Einnahme von Methylphenidat durch Menschen mit Konzentrationsschwierigkeiten […] um eine medizinisch indizierte Therapie“ handelt, oder gehe es doch um eine unausgesprochene Enhancement-Maßnahme zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit 41 . Noch etwas weiter gedacht ließe sich dieselbe Frage stellen, wenn man an die prophylaktische Stärkung der Abwehrkräfte denke, wäre dies eine Sache der medizinischen Therapie oder des Enhancements 42 ? Der Begriff Human Enhancement stand ursprünglich noch für klare Abgrenzung zur „klassischen medizinischen Aufgabe der Heilung“, jedoch erwies sich diese Unterscheidung zwischen Heilung und Optimierung, wie schon gezeigt, als umstritten, ebenso wie sich eine vermeintlich klare Unterscheidung zwischen gesund und krank nicht halten ließe 43 . Der Begriff des Enhancement bezieht sich auch nicht nur auf technische Modifikationen (Gehirnprothesen, sonstige Implantate in z.B. den Augen, genetische Modifikationen, etc.), sondern reicht bis zu Psychopharmaka, die uns weniger schüchtern, fröhlicher, konzentrierter, etc. machen sollen.

39 Vgl. ebd., S. 10

40 Ebda.

41 Ebd., S. 14

42 Ebda.

43 Vgl. ebd., S. 13

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Für gewöhnlich wird Human Enhancement definiert als emerging field within medicine and bioengineering that aims to develop technologies and techniques for overcoming current limitations of human cognitive and physical abilities44 . In diesem Sinne geht es klar um die Entgrenzung der menschlichen Natürlichkeit 45 , könnte man sagen, wie es auch die sogenannten Transhumanisten verstehen, da die Optimierung hier gezielt über ‚normale‘ Funktionalitäten hinaus will, sei es die der Muskulatur, Ausdauer, die der Stimmung oder Persönlichkeit 46 . Im Transhumanismus findet sich, so könnte man sagen, das Extrem der hier umrissenen Entgrenzung der Medizin. Der Mensch ist hier, erstens allgemeingeltend als mit einem Begehren ausgestattet gedacht, das immerfort nach Verbesserung strebe, außerdem so geschaffen, dass er Gestalter seiner selbst sei und dies alles im Rahmen der Idee, sich von den Zwängen der Natur zu befreien 47 . Offenkundig steht hier der Mensch als Maßstab der Dinge im Zentrum und setzt die Evolution in Eigenregie fort. Wer nun meint, dass das alles doch sehr nach Science-Fiction klinge, irrt sich vielleicht, denn die Idee der Verbesserung des Menschen reicht bis in die Ethik. Die Bio-Ethiker Ranisch und Savulescu schrieben 2009 von einer Verpflichtung der Eltern, ihre Kinder biologisch zu verbessern 48 . Foucaults Analysen der Biopolitik, in der das Individuum entsprechende Techniken verinnerlicht, scheinen Bestätigung zu finden. Problematisch erscheint das, wenn biopolitische Praxen und ihre Techniken zum Imperativ werden und das Ideal eines (mehr als) leistungsfähigen, entsprechend schönen oder sonst wie normierten Subjekts entwerfen. Fraglich auch, in wie weit ein Mensch alleiniger Gestalter seiner oder ihrer selbst ist: Unterzieht sich ein Mensch diversen Schönheitsoperationen um „sich“ zu gefallen, oder „sich“ im Spiegel gesellschaftlicher Normen? Das Ideal des mental und körperlich gesunden, leistungsstarken Menschen setzt auch voraus, überhaupt leistungsorientiert zu sein und, so die Annahme, kann dieses Konzept im Grunde nur in kapitalistischen, also neoliberalistischen Gesellschaften greifen, in denen es für Wachstum und Leistung keine Grenze zu geben scheint. Auf der anderen Seite macht es wenig Sinn, eine Anti-Technische Haltung einzunehmen, aus ähnlichen Gründen, wie es Foucault in Hinblick auf Medizin und Antimedizin formulierte. Wieder fragt sich, wo man eine Grenze ziehen sollte, vom Haare färben, über Implantate in Brüsten, Hintern, Wangen, oder der Bauchmuskulatur, Verpflanzungen, Straffungen, Transplantationen, hormonelle

44 Philip Brey, 2008: Human Enhancement and Personal Identity, S. 169

45 Ohne die Unterscheidung künstlich und natürlich zu vertiefen, sei nur angemerkt, dass diese ebenso problematisch ist, wie es die zwischen gesund und krank ist

46 Ebd., S. 169f

47 Mona Singer, Und was sagt Eva? Warum die Feminstin keine Transhumanistin sein will, Posthumanistin dagegen schon, S. 51f

48 Vgl. Viehöver, Wehling, 2011: Entgrenzung der Medizin Transformationen des medizinischen Feldes aus soziologischer Perspektive, S. 7

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Modifikationen bis hin zu Impfungen, oder Seh- und Hörhilfen ist es eigentlich kaum möglich, einheitliche Regelungen zu formulieren, da die Gründe für Eingriffe verschiedenster Art sein können und unterschiedlichste Ausmaße annehmen. Jedoch gibt es gute Gründe, Konzepte des Enhancements, wie es sich der Transhumanismus aneignet, zu kritisieren, da dieser im Lichte eines anthropozentrischen Ideals agiert, in dem der Mensch sozusagen alles kann, und das noch besser. Dem Transhumanismus entgegengesetzt ist der sogenannte Posthumanismus, dessen Kritik sich gerade gegen das hierarchische, humanistisch-anthropozentrische Herrschaftsdenken richte und entgegen der Idee der Menschen als GestalterInnen ihrer Selbst ebendiese nicht als AlleinautorInnen unserer Handlungen verstehe, sondern uns vielmehr in einem ökologischen Ganzen betrachte 49 . Die Positionen des Trans- und Posthumanismus wurden nun nur kurz angedeutet, warum allerdings eine Kritik an humanistischen Konzepten als gerechtfertigt erscheint, wird im letzten Kapitel besprochen. Im Folgenden nun ein kurzer Exkurs zur „Politisierung des Todes“, wie es der italienische Philosoph Agamben nennt und dann ein Einblick in die Geschichte des Liberalismus und schlussendlich einige Erläuterungen zum Begriff des Humanismus.

1.3. Exkurs Dieser Exkurs veranschaulicht noch einmal das Zusammenspiel von Medizin im Sinne von Technik und Politik, jedoch hier wird vielmehr befragt, wie das Leben hierin verhandelt wird. In Homo Sacer I erläutert Agamben u.a. die Kriterien des Todes und wie sie sich im Lauf der Geschichte der Medizin verändert haben. Die traditionellen Kriterien waren das „Aufhören des Herzschlags und Stillstand der Atmung“ und diese galten für den legalen Tod 50 . Im Jahr 1968 setzten sich langsam die neuen Kriterien des Hirntodes durch, die von einer Sonderkommission der Universität von Harvard festgelegt wurden und diese fanden somit „Eingang in die Gesetzgebung vieler amerikanischer und europäischer Staaten“. Im Jahr 1959 formulierten zwei französische Neurophysiologen (Maurice Goulon und Pierre Mollaret) das Ultrakoma (coma dépassé) als neue, vierte Form der komatösen Zustände. Das gewöhnliche Koma zeichne sich durch den Fortbestand des vegetativen Systems aus (Atmung, Kreislauf, Thermoregulation), neben dem Wachkoma und dem coma carus, bei dem die vegetativen Lebensfunktionen beeinträchtigt seien 51 . Beim coma dépassé aber komme es zur totalen Aufhebung der vegetativen Systeme und ebenso der relationalen Lebensfunktionen (die beispielsweise beim Wachkoma zum Teil noch intakt seien) und das interessante hier nun ist

49 Vgl. Singer, 2008, S. 54

50 Vgl. Giorgio Agamben, 2015: Homo Sacer - Die souveräne Macht und das nackte Leben, S. 170

51 Vgl. ebd., S 169

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die Formulierung der beiden Neurophysiologen, denn sie bezeichneten den Zustand des Ultrakomas als Frucht (im übertragenen Sinne, im Original stehe rançon, was Lösegeld heißt, quasi der überzogene Preis für eine Sache) der neuen Technologien der Reanimation 52 . Im Falle eines Ultrakomas wird der Begriff des Lebens abstrakt, da er von den Maschinen abhängt, im wahrsten Sinne des Wortes, da jene sämtliche Funktionen übernehmen. Nun kommt hier ein weiterer medizinischer Faktor hinzu, der ebenso politisch ist, wie die Definition des Todes, oder des Lebens. Der Zustand der Ultrakomatösen sei ein idealer Zustand für Organspenden 53 , jedoch, noch vor der Definition des Hirntodes als Kriterium, wäre das Abschalten der Geräte Mord gewesen. Etwas widersprüchlich erscheine das Kriterium des Hirntodes in verschiedenen Berichten, in denen die Rede davon ist, dass die Patienten, „an denen Hirntod diagnostiziert worden war“ innerhalb eines Tages starben, oder das der Herzstillstand wenige Tage auf die Diagnose des Hirntodes folgte 54 . Wie schon angedeutet, ist Medizin eher ein Feld von Wahrscheinlichkeiten und Risiken. Das Gehirn wurde in unserem Jahrhundert zum Zentrum für das Kriterium des Lebens, was auch modernen Auffassungen entspricht, viele glauben an den Sitz der Seele ebenda, nicht mehr im Herzen, beispielsweise. Ein weiterer Grund: Das Gehirn ist das einzige Organ, das nicht transplantiert werden kann“ 55 , noch nicht? Bei den Begriffen Leben und Tod zeigen sich „bewegliche Grenzen, weil es biopolitische Grenzen sind“ 56 , ebenso wie es bei den Begriffen krank und gesund der Fall ist.

2. Biopolitik und (Neo)Liberalismus

Es mutet zunächst vielleicht seltsam an, dass Biopolitik und die damit verbunden Zugriffe auf eine Population mit dem Liberalismus in Zusammenhang stehen könnten, denn ist es doch dieser, der ein ‚zu viel‘ des Regierens kritisierte, sich frei machen wollte von Zugriffen und Reglements von Seiten einer Regierung. Foucault beschreibt den Liberalismus als „Form der kritischen Reflexion über die Regierungspraxis“ 57 , dessen großes Programm die Sicherung der Menschen- und Bürgerrechte war, auch im Sinne der „Freisetzung spontaner Aktivität des Individuums in Wirtschaft und Gesellschaft“ 58 . Diese Freisetzung geht u.a. auch durch Privatisierung öffentlicher Güter einher (allerdings: Privatisierung ist eine Form von staatlicher

52 Vgl. ebd., S. 169

53 Vgl. ebd., S. 170

54 Vgl. ebd., S. 171f

55 Ebd., S. 172

56 Ebd., S. 173

57 Foucault, 2003[1979]: Die Geburt der Biopolitik, S. 1025

58 Wolfgang J. Mommsen, 1974: Das Zeitalter des Imperialismus, S. 10

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Intervention), oder ebenso die Inwertsetzung von Körpern, Kaushik Sunder Rajan (2006) uses the phrase “biocapital” to describe this conjunction of the life sciences and neoliberal capitalism, reminding us that the life sciences are always “overdetermined” by the “political economic systems in which they emerge” 59 . Wie schon gezeigt, verfolgt z.B. die Medizin gewisse Zwecke, die im Rahmen der Biopolitik gesetzt werden. Liberalismus und auch Neoliberalismus bedeuten also keinesfalls die Abwesenheit von Herrschaft, vielmehr stellen sie bei Foucault eine besondere Form der Regierung dar 60 , wie es der Wirtschaftshistoriker Hesse formuliert. Foucault unterscheidet vor allem zum Zweck der Analyse zwischen einem europäischen und amerikanischen Liberalismus, ersterer sehe im Markt ein fragiles Gebilde, das durch eine wachsame Politik, also soziale Interventionen, unterstützt und geordnet werden müsse (er spricht vom Ordoliberalismus, wobei dies aber genaugenommen für England nicht galt), letzterer setze voll auf die Rationalität des Marktes, dehne sie aus und diese Form entspreche dem Neoliberalismus 61 . Für Foucault erstrecke sich die Entwicklung ausgehend vom europäischen Liberalismus hin zum amerikanischen Neoliberalismus 62 und um die gesellschaftspolitischen Veränderungen dieser Zeit zu veranschaulichen, nun ein kurzer Rückblick auf die Geschichte des europäischen Liberalismus 63 .

Zu damaliger Zeit war es ein regelrechter, politischer Kampf, denn der Liberalismus galt als „die eigentliche progressive Kraft in der europäischen Politik“ die von konservativer Seite als „Irrlehre angegriffen wurde, die zur Zerrüttung der gesellschaftlichen Ordnung führen müsse“ 64 . Es war die damals „wirtschaftlich aufsteigende Schicht des Bürgertums“ 65 , die die bestehenden monarchischen Praxen und Eigentumsverhältnisse in Frage stellte und somit lässt sich andeuten, das jene lediglich die bis dato eigenen Macht- und Besitzverhältnisse sicherstellen wollten. So kam es bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts zu einer neuen politischen Kraft, die der Arbeiterschaft, welche wiederum die „natürliche Führungsrolle des Bürgertums […] vehement in Zweifel zog und seinen Besitzstand als Usurpation brandmarkte“ und infolgedessen „konzentrierte der Liberalismus seine politischen Energien auf die

59 King 2016: Biogenetics, The Nation, and Globalization in Paolo Bacigalupi’s Critical Dystopias, S.5

60 Jan-Ottmar Hesse, 2006: Der Mensch des Unternehmens und der Produktion - Foucaults Sicht auf den Ordoliberalismus und die ‚Soziale Marktwirtschaft’, S. 291

61 Foucault, 2003[1979]: Die Geburt der Biopolitik, . 1027

62 Hesse, S. 291

63 Ein interessanter Überblick über die Geschichte Europas aus wirtschaftlicher Perspektive auch hier:

https://viewpointmag.com/2014/10/26/europe-forged-in-crisis-the-emergence-and-development-of-the-

eu/?utm_campaign=shareaholic&utm_medium=facebook&utm_source=socialnetwork

64 Mommsen, S. 10f

65 Ebd., S. 10

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Verteidigung der einmal erkämpften politischen und gesellschaftlichen Energien“ 66 . Neben einem Linksliberalismus, oder Nationalliberalismus findet sich beispielsweise auch der liberale Imperialismus, der sich (wie wohl die anderen auch) im Grunde durch schon angedeutete Macht- und Eigentumsansprüche und somit auch rassistische Tendenzen charakterisieren lässt. Denn der liberale Imperialismus, wie er sich in England in den 1890ger Jahren etablierte, „setzte den Akzent vorwiegend auf die gefühlsmäßigen Faktoren der Überlegenheit und der Zusammengehörigkeit der britischen Nation“. Lord Rosebery, damaliger Außenminister, meinte, dass es in ihrer Verantwortung läge, „dafür zu sorgen, daß die Welt, soweit sie noch geprägt werden kann, angelsächsischen und nicht einen anderen Charakter erhält“ 67 . Neben imperialen Ansprüchen, die sich mit liberalistischen Ideen vermischen, ist es zunächst - bezogen auf die Marktwirtschaft - den liberalistischen Bewegungen gemein, sich für Deregulierung der Märkte einzusetzen im Lichte der Idee, dass die Freiheit der wirtschaftlichen Prozesse keine sozialen Verzerrungen produziere 68 . Jedoch scheint in dieser Formulierung bereits durch, um wessen Freiheit es eigentlich geht, die des Marktes und dessen Agenten. Es wird deutlich, dass es sich, so progressiv diese Bewegungen auch erscheinen mögen, um es mit den Worten des Elitetheoretikers, Politik- und Sozialwissenschaftlers Geatano Mosca zu formulieren, in dieser Politik um einen „steten Kampf kleiner, sich selbst perpetuierender Eliten um die Macht im Staate“ handele:

Jede herrschende Elite aber schaffe sich eine ihrer Lage und ihren Interessen angemessene Ideologie, welche ausschließlich dazu bestimmt sei, ihre Herrschaft in den Augen der breiten Masse des Volkes moralisch zu rechtfertigen. Auch und gerade der demokratische Parlamentarismus sei nur ein Mittel, um die Tatsache, daß die wirkliche Macht nur von einer kleinen Minderheit ausgeübt werde, mit einem blendenden Schleier zu verhüllen 69

Das Problem nun im Liberalismus sei jenes, dass dieser die Bedingungen, „unter denen Individuen frei sein können“ organisiere und die Form dieser Freiheit sei eine fragile, weshalb es zu immer wieder neuen Interventionen komme, die auf die Kehrseite des Liberalismus verweisen, denn die liberale Freiheit könne daher nicht unbeschränkt gelten, sondern werde einem Sicherheitskalkül unterstellt 70 . Der Soziologe Thomas Lemke spricht daher von einer künstlich arrangierten Freiheit und so resultieren aus der Idee der Befreiung der Märkte von staatlichen Regulierungsmaßnahmen diverseste Sicherheitsmaßnahmen und diese würden zur zentralen Aufgabe der Regierungsrationalität 71 .

66 Ebd., S. 12

67 Ebd., S. 20

68 Foucault, 2003[1979], Die Geburt der Biopolitik, S. 1026 69 Mommsen, S. 26 (Mommsen bezieht sich auf Moscas Werke Teoria dei governi, 1884 und Elementi scienza politica, 1896)

70 Vgl. Thomas Lemke, 2000: Gouvernementalität, S.5f

71 Ebd., S. 6

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Diese Entwicklungen sind begleitet von wachsender Konkurrenz zwischen den und innerhalb der Staaten und wie schon erläutert ist es z.B. die Gesundheitspolitik, die auch dafür Sorge trägt, Produktivkräfte für und in einem Staat hervorzubringen. Es gehe also darum, die Gesellschaft nach den Prinzipien des Marktes, des Wettbewerbs zu organisieren, so dass nicht mehr die pure Bedürfnisbefriedigung und der Warentausch im Mittelpunkt der ökonomischen Aktivität der Menschen stehe, sondern vielmehr die aktive unternehmerische Betätigung, welche nun alle gesellschaftlichen Bereiche durchdringe 72 . Damit sind die Selbstregulierungspraxen ebenso gemeint, denn Biopolitik zeichne sich gerade auch dadurch aus, dass sich die Lebensweisen in einer Demokratie, in der sich Menschen als freie Rechtssubjekte auffassen, im Modus einer kapitalistischen Inwertsetzung befinden 73 . Allein die Art wie wir arbeiten, mache uns schon regierbar, somit wohl ebenso die Weisen unseres Konsums, der Bildung etc. und somit sind wir zwangsläufig oder zunächst Teil dieser Form von Macht, die nicht mehr nur „von oben“ komme, sondern uns einbezieht, um produktiv sein zu können, denn Biopolitik meint, wie schon beschrieben, „Assemblagen aus staatlichen Regierungspraxen und Selbstregierungspraxen jeder einzelnen Person74 .

2.1 Humanismus und Posthumanismus Die Geschichte Europas ist also im Grunde auch eine Geschichte des Liberalismus und dem vorausgehend, die Geschichte des Humanismus. Im letzten Kapitel nun sollen diese Genealogien verknüpft werden mit bereits angesprochenen Ideen des Transhumanismus und der Kritik des Posthumanismus. Die Philosophin Rosi Braidotti beschreibt den traditionellen Humanismus als europäisches, vielmehr eurozentrisches Phänomen, als Grundelement unserer kulturellen Praxis, dem quasi jeder Respekt vor dem Lebendigen fehle und dessen Fortschrittsgedanke sich vor allem an Rationalität und Technik orientiere 75 . Der Humanismus ist hier eine normative Konvention, insofern, dass er einen „systematischen Maßstab der Wiedererkennbarkeit oder Gleichheit zum Ausdruck [bringt], durch den sich alle anderen bewerten, normieren und einer bestimmten sozialen Stellung zuordnen lassen76 . Die bereits beschriebenen disziplinären und auch biopolitischen Techniken und Mechanismen einer Regierung schließen an hier nahtlos an, da dieses Modell nicht nur kulturelle Maßstäbe setze,

72 Vgl. Jan-Ottmar Hesse, 2006: Der Mensch des Unternehmens und der Produktion - Foucaults Sicht auf den Ordoliberalismus und die ‚Soziale Marktwirtschaft’, S. 292f

73 Vgl. Raunig, Nigro, Lorey, 2012: Biopolitik, S. 188

74 Ebda.

75 Vgl. Rosi Braidotti, 2014: Posthumanismus, Leben jenseits des Menschen, S. 21 und 53 (sie bezieht sich an der Stelle u.a. auf Vandana Shiva, Physikerin und inzwischen vielmehr soziale Aktivistin, Mitbegründerin des Ökofeminismus)

76 Ebd., S. 31

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sondern auch individuelle 77 , somit können Selbstregulierungspraxen und jene der Institutionen im Lichte der individuellen und universellen Vervollkommnung miteinander funktionieren Ebenso daher, wie Foucault unterschied, weil Macht auch produktiv sein kann, nicht nur einschränkend und somit kann sie auch in „theoretischen und kulturellen Vorstellungen, politischen und normativen Narrativen oder auch sozialen Identifikationen wirksam werden“ 78 . Ein Beispiel, das dieses Netz durchkreuzt stellen sogenannte ‚Behinderte‘ dar, die sich aber nicht als solche Empfinden, taubstumme Menschen beispielsweise, die Technologien des Enhancements ablehnen, da sie sie für sich nicht brauchen.

Wohin führt Braidotti die Lesenden, nachdem sie die Kehrseiten, die verdrängten Facetten des Humanismus aufzeigte? Ein Anti-Humanismus ist für sie keine Lösung, jedoch sei er eine Quelle des posthumanen Denkens, also des kritischen Posthumanismus, den sie von dem aus der Moralphilosophie hervorgegangenen Posthumanismus unterscheidet und ebenso von der analytischen Form des Posthumanismus. Ersterer werde von Martha Nussbaum vertreten, stelle eine Verteidigung des Humanismus als Garant für Freiheit, Demokratie und Menschenwürde, also eine Position, die die Geschichte/n (Imperialismus und Neoimperialismus, z.B.) dieser Freiheiten scheinbar nicht befragt und letztere entspringe den Science and Technology Studies 79 , beide Stellen für Braidotti keine Option dar. Bezüglich der Menschenwürde, nun im Sinne der Menschenrechte, die ja durchaus auch eine Art Gallionsfigur des Humanismus, der Demokratie darstellen, zeigt sich beispielsweise Agamben besonders skeptisch, denn die „Erklärung der Menschenrechte stellt die originäre Figur der Einschreibung des natürlichen Lebens in die juridisch-politische Ordnung des Nationalstaates dar“, es sei eine Art Symptom dafür, das Nativität und Nationalität miteinander verschmelzen und sei Basis für moderne Biopolitik 80 . Ähnlich wie Braidotti fordert er eine kritische Befragung europäischer Geschichte, hier zum Beispiel auf die Idee der Menschenrechte bezogen, die, wie er am Beispiel der Flüchtlinge zeigt, dann doch nicht für alle gelten 81 . Während bei Agamben die Kritik mehr oder weniger bei der Kritik verbleibt, zeigt sich Braidotti von einer produktiverenSeite, sie bezieht ihre Aussichten auf Alternativen, also des posthumanen Denkens aus dem feministischen Antiuniversalismus, der antikolonialen Phänomenologie Frantz Fanons, oder beispielsweise der Ökologie (u.a. Ökofeminismus, Philosophie der Ökologie), die den Zusammenhang zwischen

77 Vgl. ebd., S. 20

78 Ebd., S. 30

79 Vgl. ebd., S. 44

80 Agamben, 2015, S. 136

81 Vgl. ebd., S. 140f, er bezieht sich vor allem auf Hannah Arendt (1986): Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft. Antisemitismus, Imperialismus, Totalitarismus

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der humanistischen Betonung des Menschen und der Beherrschung und Ausbeutung der Natur betone, vielmehr: „sie verurteilt die Übergriffe von Wissenschaft und Technik. Beide beinhalten epistemische Gewalt und physische Gewalt gegenüber den strukturellen Anderen und sind mit dem europäischen Aufklärungsideal der Vernunft verbunden82 . Das Subjekt bei Braidotti ist niemals ideal, sondern immer verortet, situiert, verleiblicht, vitalistisch und somit gelte es, eine neue Agenda aufzustellen, „die nicht mehr die der europäischen oder eurozentrischen universal-rationalen Subjektivität ist, sondern die ihrer radikalen Veränderung“ 83 . Anhand der Vielfalt an Positionen gegenüber vorherrschenden Ideologien zeigt sich vielleicht, das selbst technischer Fortschritt nicht nur im Sinne der Nützlichkeit und Effektivität verwendet werden wird oder muss, sondern sich auch ein anderer Gebrauch etablieren kann.

Schlussgedanken

Wie könnte ein Mensch einer transhumanistischen Zukunftaussehen? Sorgen, wie die, das technische Modifikationen den menschlichen Organismus derart verändern, das er nicht mehr länger als Teil der Homo Sapiens wahrgenommen würde 84 , sind vielleicht berechtigt. Jedoch fußen die transhumanistischen Ideen auf den Idealen des Wachstums, des Fortschritts und damit, so die Vermutung, gehören sie in den Rahmen kapitalistischer Ideologien. Diese gehen ihrem Ende zu, auch wenn dies wohl noch dauern wird, jedoch zeigen beispielsweise die Artikel des Atlas der Globalisierung 2015 deutlich, dass die Lage bezüglich u.a. Ressourcen bereits prekär ist. Somit stellt sich auch die Frage, ob es tatsächlich einen quasi unendlichen Fortschritt in Sachen Technik, Biogenetik, etc. geben kann. Laufen wir Gefahr, immer mehr auf Effektivität getrimmt zu werden und uns dahingehend trimmen? Effektiv und leistungsfähig für was eigentlich? Geht es hier um Ideale, die, so könnte man sagen, im Grunde Trugbilder darstellen? Die Idee des homo sapiens in Verbindung mit der Theorie zur Entwicklung der Spezies selbst sieht sich inzwischen in Frage gestellt. Studien, so z.B. „A new view of the tree of life85 zeigen, dass eher die Rede von uns als Organismen die Rede sein müsste. Es sind Bakterien, die im Grunde den Großteil des Lebens, der Lebewesen darstellen (bei Haraway 2008 ist noch von etwa 90% die Rede, andere schreiben von 50%, so oder so, ist ‚das Ich‘ tatsächlich nicht ‚Herr im Hause‘ unser Leib stellt eine Art Multitude, einen Organismus voller

82 Braidotti, 2014, S. 52f (zumeist und im Grunde ist das Subjekt diverser Theorien erwachsen, physisch und psychisch gesund, fallweise männlich und weiss)

83 Ebd., S. 57

84 Vgl. Philip Brey, 2008, S. 176

85 Nature Microbiology 1, Article number: 16048 (2016), http://www.nature.com/articles/nmicrobiol201648

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Organismen dar). Es ist der wissenschaftliche Fortschritt selbst, der das Ideal des Menschen verändert. Genau daran knüpft auch Donna Haraway an, die im Grunde eine, so könnte man nun sagen, sehr produktive Position zwischen Technik und Mensch einnimmt, diese facettenreichen Aspekte verbindet und einem humanistischen Ideal keinen Platz bietet, was sich sehr schön in folgendem und abschließenden Zitat erkennen lässt:

I am a creature of the mud, not the sky […] I love the fact that human genomes can be found in only about 10 percent of all the cells that occupy the mundane space I call my body […]I am vastly outnumbered by my tiny

become

an

one

companions;

better

in

put,

I

messmates.

adult

human

being

company

with

these

tiny

To

be

is always to become with many. 86

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