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:antifaschistische Nr.

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nachrichten g 3336 13.3.2008 24. jahrg./issn 0945-3946 1,30 ¤
www.antifaschistische-nachrichten.de

Schlappe Seppl
München/Köln. „Bitte achten Sie am
Sonntag auf das Ergebnis der Kommunal-
wahl in München“, lautete es kurz vor der
Wahl in einer Anzeige von „Pro Deutsch-
land“ in der „Jungen Freiheit“. Denn „was
heute möglich ist, erreichen wir morgen
auch in Berlin“, hieß es dort vollmundig.
Allerdings fiel das Resultat anders aus, als
es Manfred Rouhs, Vorsitzender von „Pro
Deutschland“ und Stadtrat der extrem
rechten „Bürgerbewegung pro Köln“, er-
hofft hatte.
Mit einem Ergebnis von 0,9 Prozent
blieb der Erfolg von „Pro München“ je-
denfalls eindeutig aus. Fast trotzig heißt in
einem Kommentar auf der Webseite von
„Pro Deutschland“ zum Münchner Wahl-
ergebnis: „Wahlteilnahmen sind mit Aus-
sicht auf Erfolg nur dort möglich, wo der
im Laufe der Zeit erarbeitete Unterstüt-
zerkreis mehrere Prozent der Wahlbevöl-
kerung umfasst“. Offensichtlich war „Pro
Spontandemonstration – Liste
München“ soweit noch nicht. Künftig
wolle „Pro Deutschland“ Kandidaturen „Ausländerstopp“ mit einem
„nur noch dort unterstützen, wo diese Vo-
raussetzung erfüllt ist“, heißt nun. Ob es Sitz im Münchner Stadtrat
angesichts dieser Vorbedingungen jemals
zu einer erfolgreichen Kandidatur in Ber- München. Am Dienstag, den te erreicht worden sind; die Reaktionen
lin kommen wird, steht derzeit noch nicht 4.3. zogen rund 80 Münchner waren auch durchaus positiv.
einmal in den Sternen. hma ■ AntifaschistInnen spontan durch Nachdem die Demonstration das
die Münchner Fußgängerzone. Anlass Karlstor passiert hatte, zog sie über den
Flächendeckende Kandidatur dazu war der Einzug der „Bürgerinitia- vielbefahrenen Stachus und die Bayer-
tive Ausländerstopp“ (BIA) in den neu- straße in Richtung Hauptbahnhof. Erst
Bayern. Zur Landtagswahl im Septem- en Münchner Stadtrat. nach einer Dreiviertelstunde ließ sich die
ber wird die NPD in Bayern flächende- bayerische Bereitschaftspolizei blicken,
ckend antreten. Nach eigenen Angaben Ab 18 Uhr sammelten sich auf dem was die rasche (Selbst-)Auflösung der
konnten alle 91 Stimmkreise besetzt Münchner Marienplatz ca. 80 vorwie- Demonstration zur Folge hatte.
werden. Karl Richter, Spitzenkandidat gend autonome AntifaschistInnen zu ei- Fazit: Eine gelungene Aktion, die trotz
der „Bürgerinitiative Ausländerstopp ner spontanen und unangemeldeten De- sehr kurzer Mobilisierungszeit (ein Tag)
München“ (BIA) bei der Kommunal- monstration gegen den Einzug der „Bür- ganz gut besucht war und mit der Miss-
wahl, wird im Münchner Wahlkreis 107 gerinitiative Ausländerstopp“ in das letz- achtung des Demonstrationsverbotes in
(Ramersdorf) kandidieren. Die BIA er- ten Sonntag neu gewählte Münchner der Fußgängerzone ein erfreuliches Zei-
hielt 1,2 %, so dass Richter ins Stadtpar- Stadtparlament. Außerdem wurde gegen chen im Hinblick auf das geplante, neue
lament einzieht. In Nürnberg konnte die die Hetze der bürgerlichen Parteien ge- Versammlungsrecht in Bayern gesetzt
BIA ihre Stimmen von 2,3 auf 3,5 % ver- gen MigrantInnen im Laufe des Wahl- hat.
bessern und hat nun zwei Sitze. In einer kampfes Stellung bezogen, sowie das Quelle: www.de.indymedia.org ■
Pressemitteilung bot Richter allen den faktische Demonstrationsverbot in der
„vielen braven Basisarbeitern“ von „Pro Münchner Fußgängerzone durchbro- Bei den bayrischen Kommunalwahlen am
München“ die Zusammenarbeit an. Man chen. 2. März traten in mehreren Kreisen zur
könne jetzt ohne überflüssige Konkur- Nach zehn Minuten zogen die Versam- Wahl der Landräte auch Kandidaten der
renz an die Arbeit gehen. u.b. ■ melten unter lauten Parolenrufen über Republikaner an. Insgesamt chancenlos er-
die große Münchner Einkaufsmeile in reichten diese Stimmenanteile von 4,9 % im
der Neuhauser-/Kaufingerstraße in Rich- Berchtesgadener Land, 3,7 % in Erding, 1,8
Aus dem Inhalt: % in Nürnberg-Land. Für die Kreistage er-
tung Stachus, ohne dass nennenswerte hielten die REP in Ingolstadt 2,6 % der Stim-
Politische Strategien gegen die Polizeikräfte zu sehen gewesen wären. men, in Dingolfing – Landau 3,8 % und in
extreme Rechte in Parlamenten Die Stimmung auf der Demonstration Erding 5,2 %. Newsletter 3/2008
Jahrestagung 23.2. . . . . . . . . . . 7 war durchgehend gut und lautstark, wes- DIE LINKE/BAG Antifaschismus ■
wegen wohl eine Menge shoppende Leu-
: meldungen, aktionen
die Bezirksvertretung des Kölner Stadt-
teils Mülheim ein. Birgit Golombek en-
gagierte sich später bei der „Deutschen
Hetze gegen Ausstellung 68er im Visier Liga für Volk und Heimat“. Beworben
Görlitz. Mit einem neuen Faltblatt Hannover/Dortmund. In einem Inter- wird die Veranstaltung mit Scharfenberg
wirbt die „Aktion gegen das Vergessen“ view mit der Zeitschrift „Der Selbständi- u.a. in der neofaschistischen Zeitschrift
um Unterstützung. In der von Jürgen ge“ des „Bund der Selbständigen NRW“ „Nation und Europa“. abk ■
Hösl, ehemals Bundesvorsitzender der (BDS) und der „Bundesvereinigung mit-
„Schlesischen Jugend“, unterzeichneten telständischer Unternehmer“ (BVMU) Neonazi Oliver Hilburger
Schrift wird Stimmung gemacht gegen kündigt Erika Steinbach, Präsidentin des
die Ausstellung „Größte Härte…“, in der „Bund der Vertriebenen“, eine neue Aus- darf kein Arbeitsrichter
Verbrechen der Wehrmacht im Krieg ge- stellung „zur Siedlungsgeschichte der bleiben
gen Polen im Jahr 1939 thematisiert wer- Deutschen“ an. Die Stiftung „Zentrum Stuttgart. Das Landesarbeitsgericht
den. gegen Vertreibungen“ werde auch nach hat den ehrenamtlichen Arbeitsrichter
Als Alternative zu der als „polnische dem Beschluss der Bundesregierung, ein Oliver Hilburger seines Amtes enthoben.
Greuelhetze gegen deutsche Soldaten“ „sichtbares Zeichen“ zur Erinnerung an Der Musiker der Neonaziband „Noie
bezeichneten Ausstellung empfiehlt die die „Vertreibung“ nach dem Zweiten Werte“ weigerte sich, das Amt freiwillig
„Aktion gegen das Vergessen“ den Er- Weltkrieg zu setzen, ihre Arbeit nicht niederzulegen .
werb des Buches „Größte Zumutung… einstellen, so Steinbach. Im Sommer vergangenen Jahres ist der
Vergehen gegen die historische Wahr- Die als Arbeitsgemeinschaft aus dem CGMler nach längerem Hin und Her als
heit“ des Historikers Daniel Heintz, das BDS NRW hervorgegangene „Stimme Betriebsrat zurückgetreten. Obwohl
im vergangenen Jahr im extrem rechten der Mehrheit“ organisiert unterdessen schon damals Hilburgers Neonazi-Akti-
„Regin-Verlag“ (Wachtendonk) erschien. ein Frühjahrssymposium am 11. und 12. vitäten bekannt waren, hieß es von den
Das mit einem Vorwort des ehemaligen April in Hannover. In diesem Jahr sollen Betriebsräten der Christlichen Gewerk-
Generalleutnants und extrem rechten Pu- dort die „68er und ihr erfolgreicher schaft Metall (CGM), man könne ihm
blizisten Franz Uhle-Wettler versehene Marsch durch die Institutionen“ aufs nichts vorwerfen. Vergeblich forderte die
Buch habe die Gruppe um Hösl zur Er- Korn genommen werden. Sieben Refe- IG Metall von Hilburger und den CGM-
öffnung der Ausstellung am 1. Septem- renten, so die Ankündigung, wollen „den Betriebsräten, sich von den rechtsradika-
ber 2007 in Nürnberg in Auszügen Spuren der ideologischen Gesellschafts- len Texten und den Aktivitäten der Neo-
„50.000 mal per Fax und 30.000 mal per veränderer“ folgen und aufzeigen, „wel- naziband „Noie Werte“ zu distanzieren.
Briefpost“ verschickt. Außerdem reno- che Institutionen die 68er vorrangig im Auch der CGM-Bundesvorsitzende
viere die Gruppe Friedhöfe und Kriegs- Visier haben“. Dabei soll sich, so der Reinhardt Schiller sah im Rahmen eines
gräber in Ostdeutschland, errichte „Stimme der Mehrheit Vorsitzende Fernsehbeitrages keinen Anlass, sich zu
„Denkmäler z.B. in Oberschlesien für Hans-Jürgen Mahlitz, ehemals Chefre- distanzieren und meinte, dass jemand,
die gefallenen Freikorpskämpfer“ und dakteur des „Ostpreußenblatt“, der Blick der wie Hilburger Nazi-Texte singe, doch
„zerre politisch Verblendete vor Ge- darauf richten, in wie weit „unsere heuti- trotzdem als Arbeitsrichter Recht spre-
richt“. Schon „über 37 Vertreter des Sys- ge Gesellschaft und ihre künftige Ent- chen könne.
tems (vom Politiker bis zum Richter)“ wicklung“ bereits von der „Revolution Das sieht nun das Landesarbeitsge-
habe man bislang „teils erfolgreich ange- der Unkultur“ geprägt seien. Als Refe- richt Baden-Württemberg ganz anders.
zeigt“. renten werden Prof. Dr. Alexander In der Begründung der Amtsenthebung
Man trete „den polnischen Chauvinis- Schuller, der ehemalige Staatssekretär hieß es, Hilburger habe durch sein Ver-
ten öffentlichkeitswirksam auf die Füße“ Dr. Jürgen Aretz, Heribert Seifert, die halten das Ansehen eines ehrenamtlichen
und stelle sich sogar „den linken Chao- Publizisten Ulrich Schacht und Dr. Kon- Richters beschädigt.
ten in den Weg“. Wie z.B. im vergange- rad Adam, der langjährige „Die Welt“- Aus Scheibenwischer, Zeitung der IG
nen Jahr im bayrischen Schliersee, als Redakteur Gernot Facius und Nathanael Metall für die Beschäftigten
man sich nach der kurzfristigen Absage Liminski angekündigt. Letzterer ent- bei DaimlerChrysler, Februar 2008 ■
der alljährlichen Annaberg-Gedenkfeier stammt einer „Opus Dei“-Familie und
der Anhänger des „Freikorps Oberland“ moderierte im vergangenen Jahr eine Po- Ermittler sehen Brandan-
in der dortigen Weinbergkapelle „ver- diumsdiskussion auf dem Kongress des
schanzt“ habe. Zudem sei man in den „Forum Deutscher Katholiken“, auf dem schlag als „äußerst unwahr-
letzten beiden Jahren mit „je 120 Mit- auch Eva Herman als Rednerin auftrat. scheinlich“ an
streitern“ und Wachsfackeln durch Zittau hma ■ Ludwigshafen. Einen Monat nach der
marschiert und habe dort der „Zerstö- Feuerkatastrophe in Ludwigshafen mit
rung Dresdens 1945“ gedacht. Es liege „Witiko-Bund“ im Raum neun Toten schließen die Ermittler einen
„nun an der jungen Generation, sich den Anschlag weitgehend aus. Eine fremden-
Geschichtsfälschern, welche unsere Vor- Stuttgart feindliche oder anders motivierte vor-
fahren in den Dreck ziehen, entgegen zu Stuttgart/Königswinter. Der revan- sätzliche Brandstiftung sei „äußerst un-
stellen“. chistische „Witiko-Bund“ will am 15. wahrscheinlich“, sagte der Leiter der
Nun hofft die Gruppe um den ehemali- März ab 15.30 Uhr im Raum Stuttgart- Staatsanwaltschaft Frankenthal, Lothar
gen DSU-Stadtrat Hösl darauf, das sich Bad Canstatt eine Veranstaltung mit Liebig, am Dienstag in Ludwigshafen.
die „Erlebnisgeneration wenigstens Mark Scharfenberg aus Königswinter Am wahrscheinlichsten sei als Ursache
großzügig finanziell an diesem Ringen durchführen. Der Vater von zwölf Kin- ein „wie auch immer geartetes fahrlässi-
beteiligt“. Auch Bücherspenden würde dern soll zum Thema „Abenteuer volks- ges Verhalten“, sagte Liebig.
dabei gerne angenommen, so das Falt- treue Großfamilie“ sprechen. Scharfen- Er berichtete weiter, zwei Mädchen,
blatt der Gruppe um Hösl, der zusammen berg gehörte, wie auch seine spätere Frau die einen Brandstifter gesehen haben
mit seinen Mitstreitern 2006 in Polen Birgit Golombek, dem 1987 von der wollten, hätten ihre Aussagen korrigiert.
u.a. wegen „Aufstachelung zum Völker- „Wiking-Jugend“ abgespaltenem „Deut- Einen technischen Defekt schließen die
hass“ zu einer Bewährungsstrafe verur- schen Jugendbund – Sturmvogel“ an. Ermittler als Ursache weiter aus. „Wir
teilt wurde. Auf der Liste der sog. „Republikaner“ haben ein offenes Feld an Möglichkei-
hma ■ zog Scharfenberg Ende der 80er Jahre in ten, wie sich dieses Feuer entwickelt ha-

2 :antifaschistische nachrichten 5-2008


ben könnte“, sagte Liebig. Bei dem Molau neuer Pressespre- Jährige, „obwohl das immer wieder ver-
Brand waren am 3. Februar neun türki- cher der NPD-Landtagsfrak- sprochen wurde.“
sche Frauen und Kinder gestorben, 60 Zur Eröffnung der Ausstellung waren
Menschen wurden verletzt. tion Meckl.--Vorpommern der stellvertretende Landrat, der Siege-
Auch der Leiter der türkischen Ermitt- Schwerin. Der gescheiterte Spitzenkan- ner Bürgermeister und der DGB-Kreis-
lergruppe, die von der Regierung in An- didat der Niedersächsischen NPD im vorsitzende auf den Hauptbahnhof ge-
kara nach Ludwigshafen geschickt wor- Landtagswahlkampf 2008, Andreas Mo- kommen. Landrat Jürgen Althaus (CDU)
den war, Mehmet Tüzel, sagte, es gebe lau, wurde in diesem Jahr schon mehr als erinnerte an die in Siegen begangenen
keinen Hinweis auf einen Anschlag. Ein einmal im Landtag von MV gesehen. Deportationsverbrechen:
solcher könne aber auch nach wie vor Wie sich jetzt herausstellte aus gutem „Jeden Tag fahren Züge den Haupt-
„nicht gänzlich“ ausgeschlossen werden. Grund: Molau ist nach eigenen Angaben bahnhof in Siegen an, entlassen Men-
Ähnlich äußerte sich Liebig. Die türki- seit Beginn der Woche neuer Pressespre- schen in die Innenstadt, nehmen neue
schen Ermittler sollen in den nächsten cher der NPD-Landtagsfraktion in Reisende auf und verlassen den Bahnhof
Tagen in ihr Heimatland zurückkehren. Schwerin.Dies berichtete NDR1 in ei- wieder. Ein alltägliches Geschehen. Heu-
Der Brand war unter den untersten nem Beitrag. Damit ist Molau das dritte te wie damals. Doch vor 66 Jahren fuh-
Stufen der Kellertreppe des viergeschos- NPD-Bundesvorstandsmitglied, das in ren von hier – mitten zwischen den regu-
sigen Hauses ausgebrochen, auf einer der Schweriner Landtagsfraktion sein fi- lären Zügen – Züge des Grauens. Am 27.
„räumlich eng begrenzten Fläche“. Eine nanzielles Auskommen findet. Nach In- Juli 1942 verließ ein Güterzug den Sie-
Kerze oder Zigarette als Zündquelle sei formationen von ENDSTATION gener Hauptbahnhof. Darin zusammen-
nicht sehr wahrscheinlich, könne aber RECHTS. soll der ehemalige JN-Bun- getrieben und eingepfercht: 41 jüdische
auch nicht ausgeschlossen werden, sagte desvorsitzende Stefan Rochow für Mo- Männer, Frauen und Kinder aus Siegen
Liebig. lau in der NPD-Fraktion Platz machen und der Region. Sein Ziel: Die Vernich-
Laut Gutachten hatte das Feuer zu- www.endstation-rechts.de ■ tungslager Sobibor und Belzec in Polen.
nächst 15 Minuten bis drei Stunden ge- Es folgten drei weitere Deportationszüge
schwelt, ehe die Flammen in die oberen Alle sahen zu...
Stockwerke vorgedrungen seien. Die
Kellertür sei zunächst geschlossen gewe- Siegen/Aachen/Wiehl. Nach drei
sen, aber wohl nicht abgeschlossen. Ausstellungstagen auf dem Haupt-
Zwei acht und neun Jahre alte türki- bahnhof von Aachen ist der „Zug der
sche Mädchen hatten zunächst behaup- Erinnerung“ in Siegen eingetroffen.
tet, einen Mann in dem Haus mit Feuer Der Zuspruch, den die Koordinato-
hantieren gesehen zu haben. Dies hätten ren aus Aachen melden, übersteigt
sie korrigiert, sagte Liebig. Die Kinder sämtliche Erwartungen: „Wir sind
wollen zwar weiter einen Mann in dem im Augenblick bei der Auswertung
Haus gesehen haben, der aber nichts mit und werden uns nächste Woche noch
Feuer gemacht habe. Es gebe keinerlei einmal mit allen Helfern und Unter-
Hinweise darauf, dass die Mädchen eige- stützern treffen, um ein Fazit zu zie-
nes Fehlverhalten mit ihrer Aussage hät- hen,“ heißt es in einem Kurzbericht
ten verdecken wollen, sagte Liebig. Ein der dortigen Volkshochschule. „Vor-
Psychologe habe darauf hingewiesen, ab ein paar Daten: über 100 Schul-
dass die Mädchen stark traumatisiert ge- klassen in zwei Tagen / insgesamt
wesen seien. pro Tag zwischen ca. 1.900 (Sonn-
Liebig betonte noch einmal, dass in tag) und über 2.000 (Dienstag) Be-
dem Haus keinerlei Spuren von Brandbe- sucherInnen / 25 HelferInnen aus dem aus Siegen: Bis September 1944 wurden
schleunigern gefunden worden seien. Unterstützerkreis / 5 BegleiterInnen, die insgesamt etwa 84 jüdische Mitbürger
Auch die Tatsache, dass das Feuer sich die Gruppen inhaltlich eingewiesen ha- aus der Region in die Konzentrationsla-
sehr langsam entwickelt habe, spreche ben und eine Unmenge positiver Rück- ger der Nazis verschleppt. Nur wenige
gegen einen Anschlag. Brandstifter gin- meldungen zum Zug aber auch zu unse- überlebten...Aus der Stadt Siegen wur-
gen in der Regel anders vor. Auch die Er- rer Arbeit.“ den sechs 6 jüdische Kinder und Jugend-
mittlungen in der rechtsextremen Szene Ein ähnliches Echo verspricht der liche deportiert und in die Vernichtungs-
hätten keine Hinweise gebracht. Nach zweitägige Aufenthalt in Siegen. Dort lager gebracht:
Angaben der Polizei wurden bislang kam es am Mittwoch zu einem schmerz- Salo Buchthal, geboren 1940
mehr als 200 Spuren ausgewertet. Die lichen Zusammentreffen: Cecylja Kus- Fritz Kessler, geboren 1925
Ermittlungsaufwand soll nun personell menko, eine aus Polen stammende Sie- Ruth Landesmann, geboren 1938
reduziert werden. Im Kern soll eine etwa generin, besuchte den Zug, der sie an ih- Ruth Meyer, geboren 1926
zehnköpfige Gruppe die Arbeit weiter- ren eigenen Leidensweg erinnerte. Frau Norbert Wolff, geboren 1930
führen. Liebig appellierte noch einmal an Kusmenko war im Alter von 17 Jahren Ruth Beate Wolff, geboren 1931
mögliche Zeugen, sich bei der Polizei zu verhaftet und in die Lager Ravensbrück ... Sie hatten ihr ganzes Leben noch
melden. (dpa, 4. März 2008) und Buchenwald verschleppt worden. vor sich. Doch in Nazi-Deutschland wur-
Sicherlich ist es beruhigend, dass sich Helfer im „Zug der Erinnerung“ bahnten den sie all der Hoffnungen und Träume,
ein Brandanschlag als Ursache des der schwer gehbehinderten Überleben- die man als junger Mensch hegt, beraubt
furchtbaren Brandunglücks in Ludwigs- den einen Weg, doch brach Frau Kus- ... Der ‘Zug der Erinnerung’ mahnt uns
hafen durch die polizeilichen Ermittlun- menko den Rundgang nach wenigen Me- alle, ein Zeichen zu setzen: Gegen Anti-
gen nicht bestätigt hat. tern ab - von Erinnerungen an Deportati- semitismus, Fremdenhass und nationalen
Allerdings kann nach dem Stand der on, Haft und Zwangsarbeit im „Fraue- Größenwahn, damit ein solches Unrecht
Ermittlungen nach wie vor nichts ausge- naußenkommando“ gepeinigt. „Alle sa- nie wieder geschieht!
schlossen werden. Ein Restzweifel bleibt hen zu, wenn wir unter Bewachung Vom 13- bis 15. März steht der Zug
also bestehen. durch die Straßen getrieben wurden. Nie- auf dem Hauptbahnhof in Köln, Gleis 1
scr, Kommunal-Info Mannheim, mand hat uns geholfen.“ Eine Rente habe (in Richtung Eigelstein)
5-2008 ■ sie „nie bekommen“, berichtet die 82- www.zug-der-erinnerung.de ■

: antifaschistische nachrichten 4-2008 3


Berliner Initiative ruft zu Antimuslimischer Rassismus
Protesten gegen die Bahn kein Thema für die Bundes-
AG auf regierung
Berlin/Aachen. Zu einer Großveran- Berlin. Wenn extrem rechte Parteien
staltung vor dem Brandenburger Tor und auf Kosten von in Deutschland lebenden
einem anschließenden Schweigemarsch Muslimen Wahlkampf machen und auf
zur Zentrale der Deutschen Bahn AG ru- Internetseiten in rassistischer, beleidi-
fen die Berliner Initiatoren für den „Zug gender, hasserfüllter und oft gewaltver-
der Erinnerung“ auf. Damit soll der über herrlichender Weise gegen „den Islam“
4.600 Kinder und Jugendlichen gedacht und Migranten aus Ländern des Nahen-
werden, die aus der deutschen Haupt- und Mittleren Ostens gehetzt wird, ist
stadt mit der „Reichsbahn“ in die Ver- dies für die Bundesregierung offenbar
nichtungslager deportiert wurden. Zu- kein Grund zur Besorgnis.
gleich wollen die Veranstalter darauf auf- Die Fraktion Die LINKE hatte eine
merksam machen, dass die Deutsche Kleine Anfrage zu „Antimuslimischem
Bahn AG als „Erbe des ,Sondervermö- Rassismus und Rechtsextremismus“ ge-
gens Deutsche Reichsbahn‘“ für die bun- stellt (BT-Drucksache 16/8008). Die
desweite Fahrt Gebühren erhebt. Antworten der Bundesregierung sind
Die Großveranstaltung vor dem Bran- mehr als dürftig. „Das Thema ,Mo-
denburger Tor wird am Abend des 12. scheenneubauten‘ wird in der rechtsex-
April eröffnet, einem Samstag. Um an tremistischen Szene als Aufhänger ge-
die Opfer zu erinnern, sollen anschlie- nutzt, um Angst vor Islamisierung, damit
ßend über 4.600 Kerzen mit Namens- generell vor Überfremdung zu schüren“ S oeben ist die Ausgabe Nr. 30 der LOTTA -
antifaschistische Zeitung aus NRW - erschie-
nen. Schwerpunkt ist diesmal der sog. Rechtspo-
schildern der Deportierten zum Potsda- heißt es lapidar.„Antiislamische Äuße-
pulismus. Konkret wird in NRW damit oft die Stra-
mer Platz getragen werden. Dort residiert rungen finden sich im Internet auf zahl-
tegie der extrem rechten Partei „Pro Köln“ be-
die Konzernzentrale der Deutschen Bahn losen Homepages in Gästebüchern, zeichnet, die sich als angebliche Bürgerbewe-
AG. Einen Tag später (Sonntag, 13. Chatrooms, Diskussionsforen, Weblobs gung nun ausbreiten will (Pro NRW). Außerdem
April) wird der „Zug der Erinnerung“ in sowie Newsgroups.“ Welche Weblogs berichten wir wie gewöhnlich ausführlich in unse-
Berlin eintreffen und für zehn Tage zur das sind, kann die Bundesregierung ren Rubriken „Extreme Rechte“, „Geschichte“,
Verfügung stehen. Allein den Gedenk- ebenso wenig aufzählen wie Erkenntnis- „Gesellschaft“, „Rassismus“, „Grundlagen“ oder
aufenthalt auf mehreren Berliner Bahn- se über die extrem rechte Pro-NRW- und „Kurzberichte“.
höfen belasten Bahn AG und Verkehrs- Pro-Deutschland-Bewegung.
LOTTA - antifaschistische Zeitung aus NRW Am
ministerium mit Kosten zwischen fünf- In populistischen und rassistischen Förderturm 27, 46049 Oberhausen
und zehntausend Euro. Kampagnen gegen „den Islam“ sieht die http://www.free.de/lotta
Trotz hunderter Briefe und Petitionen extreme Rechte – nicht nur in Deutsch- Erhältlich ist LOTTA für 3 Euro in gut sortierten
an beide Verwaltungen erklären die land – aktuell ein Erfolgsrezept für ihre Buchläden, 4 Euro als Einzelexemplar per Post
Bahn- und Ministerialsprecher unisono, Propaganda. Solche Kampagnen sollen sowie für 13 Euro als Viererjahresabo. Näheres
die Erhebung von Gebühren für das Ge- als Eintrittsticket von Rechtspopulisten sowie Rabatte für WeiterverkäuferInnen siehe
denken sei unabänderlich. Pro stündli- und Rechtsextremen zur politischen Mit- http://www.free.de/lotta.
chem Ausstellungsaufenthalt des Zuges te dienen. So konstatierte die Studie
werden zwischen 22. und 45.- Euro ver- „Deutsche Zustände 2006“ des Bielefel- Um gegen die öffentliche Präsenz der
langt, pro gefahrenem Kilometer 3,50 der Soziologen Wilhelm Heitmeyer eine Neonazis zu demonstrieren, versammel-
Euro. Für die Nachtabstellung der Aus- „steigende Islamophobie“ in Deutsch- ten sich spontan etwa 40 Antifaschistin-
stellungswagen mit Fotos und Dokumen- land auch unter Gebildeten. nen und Antifaschisten. Sie sammelten
ten der Deportierten fallen stündlich wei- Im Unterschied zur Bundesregierung den Großteil der verteilten Neonazi-
tere 5.- Euro an, für die Bereitstellung wird DIE LINKE weiterhin Rassismus Flugblätter wieder ein und informierten
von Stromanschlüssen (ohne Stromver- und Rechtsextremismus aus der Mitte gleichzeitig die PassantInnen auf dem
brauch) zwischen 225.- und 945.- Euro der Gesellschaft öffentlich benennen. Anger über die Propaganda der NPD/JN.
pro Stecker. Bei einer Gesamtstrecke von Die Kleine Anfrage und die Antwort Nach knapp 50 Minuten räumten die Na-
rund 6.000 Kilometern und 60 Stations- der Bundesregierung sind veröffentlicht zis unter Applaus der AntifaschistInnen
aufenthalten von mindestens 2 Tagen auf: www.ulla-jelpke.de ■ entnervt den Anger.
summieren sich die Forderungen der „Nur dem spontanen und entschiede-
Bahn AG auf 70 bis 100 Tausend Euro. nen Handeln zahlreicher Antifaschistin-
Zu Protesten gegen diese Forderungen Nazikundgebung erfolg- nen und Antifaschisten ist es zu verdan-
rief auch die Bürgermeisterin von Aa- ken, dass den Neonazis heute erneut er-
chen am Sonntag auf, als der „Zug der reich behindert folgreich Widerstand entgegengesetzt
Erinnerung“ im Hauptbahnhof einlief. Erfurt. Am 25.2. versammelten sich ab wurde. Ihnen wurde unmissverständlich
Zuvor hatte die mobile Ausstellung in 18:00 Uhr auf dem Erfurter Anger rund deutlich gemacht, dass es in Erfurt kei-
Wuppertal und Leverkusen Halt ge- 20 Neonazis, um gegen die Befreiung nen Platz für Nazipropaganda gibt“, er-
macht. Durch die Grenzstadt Aachen ka- vom deutschen Faschismus durch die Al- klärte Uli Klein. Um sicherzugehen, dass
men zehntausende Deportationsopfer, liierten zu demonstrieren. Mit Fahnen die Nazis sich nicht erneut zu einer
die in Belgien interniert wurden, um an- der NPD-Jugendorganisation „Junge Na- Kundgebung versammelten, geleiteten
schließend per „Reichsbahn“ durch tionaldemokraten“ (JN) und einem die AntifaschistInnen die NPD/JN-An-
Deutschland geschleust zu werden. Ziel Transparent ausgerüstet, verteilten sie hängerinnen und Anhänger aus der In-
waren die Vernichtungslager. An diese geschichtsrevisionistische Flugblätter nenstadt. An der Straßenbahnhaltestelle
Opfer erinnerten Aachener Jugendliche der NPD und der JN. Das Bundesvor- Augustinerstraße zerstreute die Polizei
mit Fotos und Dokumenten, die sie am standsmitglied der JN Dominik Weinlich endlich den braunen Spuk.
Sonntag in den Zug einbrachten. zeichnete für die Flugblätter verantwort- Antifaschistische Koordination Erfurt
www.zug-der-erinnerung.de ■ lich. [AKE] ■

4 :antifaschistische nachrichten 5-2008


Dem Kölner Stadtrat lag auf
der Ratssitzung am 4. April ein
Antrag von der Fraktion „pro
„Pro Köln“-Antrag scharf
Köln“ vor, in dem sie „den Beitritt der
Stadt Köln zum Bündnis ,Städte ge-
zurückgewiesen
gen Islamisierung‘, bestehend zu- werden solche Beschlüsse fassen. Es gibt „Sie zeigt eindeutig, dass es unter jun-
nächst aus den Städten Köln, Wien dort keine Mehrheiten dafür.“ gen Muslimen keineswegs mehr gewalt-
und Antwerpen“ forderten. Der Fraktionsvorsitzender der LIN- bereite radikalisierte Menschen als im
KEN Jörg Detjen, erklärte: Durchschnitt der Bevölkerung gibt.
Die Fraktionsvorsitzende der Rechtsex- „Die Stadt Köln hat zahlreiche Städte- 7 bis 8 Prozent der Muslime gelten als
tremen Judith Wolter begründete den An- partnerschaften unter anderem mit Lüt- radikal. Die gleiche Studie zeigt aber
trag: tich und Rotterdam. Um die Neonazis in auch, dass rund 10 Prozent der deut-
„Europäische Patrioten haben vor we- Antwerpen können sich die dortige Poli- schen Bevölkerung ein geschlossenes
nigen Wochen in Antwerpen eine enge zei, die Gerichte und Staatsanwaltschaf- rechtsradikales Weltbild haben.“
politische Kooperation im Kampf gegen ten kümmern. Der Antwerpener Stadtrat Zum Ende der Debatte erklärte Jörg
die Islamisierung der europäischen des rechtsextremen Vlaams Belang, Bart Detjen: „pro braun will am besagten 20.
Großstädte und Metropolen geschlossen. Debie, den sich „pro Köln“ gern als
Nächster Höhepunkt der europaweiten Redner einlädt, ist wegen ausländer-
Aktivitäten dieses neuen nonkonformen feindlicher Übergriffe einschlägig verur-
Städtebündnisses wird ein ‚Anti-Islami- teilt und vom Polizeidienst suspendiert.
sierungs-Kongreß‘ am 20.9.2008 in Köln Seit Dezember 2005 gehört Köln dem
sein.“ Städtebündnis gegen Rassismus an.
SPD, Grüne und DIE LINKE kritisier- Das hat der Antragsteller ausgeblen-
ten „pro Köln“ scharf. Ratsfrau Susana det. Der vorliegende Antrag verstößt dia-
dos Santos Hermann (SPD) erklärte: metral gegen die Beschlusslage des Ra-
„Es ist eine dreiste Behauptung und tes der Stadt Köln.“
Lüge, wenn gesagt wird, dass nur darauf Der Sozialpolitische Sprecher von September am Rheinufer in Köln-Deutz
gewartet wird, dass Köln den Startschuss Bündnis 90/Die Grünen, Ossi Helling einen sogenannten „Anti-Islamisie-
zu diesem Städtebündnis gibt. Es wird setzte sich in seinem Beitrag mit den ras- rungs-Kongress“ durchführen. Das sei
kein Städtebündnis geben. Weder die sistischen Positionen von „pro Köln“ der ,Vorwahlkampf für die Kommunal-
Stadt Wien noch die Stadt Antwerpen zum Islam auseinander und schlussfol- wahlen 2009‘ in NRW, behaupten sie
gerte: selbst. Gemeinsam sollten wir diesem
Anzeige
„Tatsache ist: Der heutige Islam in rechtsextremen Aufruf entgegentreten.
Gänze ist ebenso wenig zivilisations- Frei nach dem Wagen aus dem Kölner
zeitschrift zur kritik der globalen ökonomie
feindlich wie das heutige Christentum, Rosenmontagszug ,Lachen wir die Nazis
das heutige Judentum oder der heutige aus der Stadt‘ – pro braun entblößt sich
Buddhismus. Tatsache ist auch, das Mil- selber! pro braun ist am und im Arsch!
lionen von Zuwanderern in Europa akti- In München ist der Kölner Ableger
WELTWIRTSCHAFT UNTERM HAMMER ve Stützer und Verfechter der jeweiligen kläglich gescheitert und kam nicht in den
Die Vernichtung von Finanztiteln im
Wert von hunderten Milliarden Dollar Verfassungen der Einwandererländer Münchener Stadtrat.“
mündet in der Zerstörung der sind … Jörg Detjen spielte in seiner Schluss-
Existenzgrundlagen von hunderten
Millionen Menschen. Und erneut gilt:
Zum Glück orientiert sich die riesige bemerkung auf eine gelungene Kritik des
„Die Männer in den Konjunkturforschungs- Mehrheit unserer Gesellschaft an den Kölner Festkomitees am Treiben von
instituten ... zeigten ihren Kopf Grundrechten unserer Verfassung: Arti- „Pro Köln“ mit einem Wagen im diesjäh-
nur dadurch, dass sie
ihn schüttelten.”
kel 1: ,Die Würde des Menschen ist un- rigen Rosenmontagszug an (s. Bild).
Bertolt Brecht über die
antastbar, an dem Gleichheitsanspruch Der Antrag wurde im Rat mit den
Weltwirtschaftskrise von Artikel 3 und an der Glaubens- und Stimmen von CDU, SPD, Grüne, DIE
Lest Lunapark21 Bekenntnisfreiheit des Artikel 4.“ LINKE. Köln und zwei Einzelmandats-
Die neue, Ratsfrau Susana dos Santos Hermann trägern abgelehnt.
nein: ERSTE!
„Zeitschrift machte auf die Studie des Innenministe- Inzwischen bilden sich in Köln Bünd-
zur Kritik der globalen Ökonomie“ rium „Muslime in Deutschland“ auf- nisstrukturen, um die Hetzveranstaltung
merksam: im September zu verhindern. u.b. ■
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22,- Euro (Normalabo) NPD-Landesgeschäftsstelle eröffnet
50,- Euro (Förderabo Silber)
100, - Euro (Förderabo Gold)
Saarbrücken. Am Sonntag 23. Februar 2008 eröffnete die NPD Saar mitten in Saarbrücken
eine sehr auffällige Landesgeschäftsstelle. Angereist waren neben der NPD-Bundesprominenz
Vorname/Name wie Voigt und Marx und den Vertretern der NPD Saar auch Vertreter aus anderen Landesor-
ganisationen und eine Reihe Pressevertreter. In ihren Schmähreden gegen Oskar Lafontaine,
Adresse Kurt Beck und Andrea Ypsilanti machten die NPD-Funktionäre vor allem ihren Willen deutlich,
zur Landtagswahl 2009 im Saarland verstärkt anzutreten. Spitzenmann für den Einzug in den
Unterschrift
Landtag in Saarbrücken soll der NPD-Landesvorsitzende Frank Franz sein.
Bitte senden an: Lunapark21 GmbH, Auf dem Landesparteitag der NPD in Steinburg bei Itzehoe wurde Ende Februar der Lan-
Hubertusallee 42/44, 14193 Berlin desvorsitzende Uwe Schäfer in seinem Amt bestätigt. Schäfer hatte sich früher mit seiner Äu-
oder per Fax: 033205-44685.
ßerung hervorgetan, dass es „mit unserem Einzug in den Reichstag“ wieder einen „Volksge-
Mailbestellung an: abo@lunapark21.net
richtshof“ geben würde. Als Stellvertreter stehen Schäfer weiter Jörn Lemke, Jens Lütke und
Mehr Infos über:
Ingo Stawitz zur Seite. Gastredner war NPD-Vorsitzender Udo Voigt. Die NPD wird zu den
www.lunapark21.net Kommunalwahlen in Schleswig-Holstein am 25. Mai d. J. antreten.
Newsletter 3/2008 DIE LINKE/BAG Antifaschismus ■

: antifaschistische nachrichten 5-2008 5


Die ver.di Landesleitung Sach-
sen/Sachsen-Anhalt/Thüringen Angelo Lucifero nicht
hat ihr Ziel nicht erreicht, Ange-
lo Lucifero zu kündigen. Es waren of-
fenbar die unzähligen Protestbriefe
gekündigt
und -resolutionen, die den ver.di-Bun- Angelo ab 1. Februar 2010 als politi- selbst gerichteten Aufträge wurden hin-
desvorstand zur Intervention veran- schen Sekretär weiter zu beschäftigen. gegen vorsorglich als Material an den
lassten. Sollte sich die Vereinbarung als elegante- Bundesvorstand degradiert, so auch ein
re Kündigung herausstellen, werden un- Antrag der Bundesjugendkonferenz, die
Die nun geschlossene Vereinbarung sieht sere gemeinsamen Proteste in zwei Jah- Abmahnung von Angelo zurückzuneh-
vor, dass: Angelo ab 1. Februar 2010 wie- ren dort weitergehen, wo sie jetzt ausge- men und ihm in Hinblick auf das Straf-
der als politischer Sekretär bei ver.di (aber setzt werden. verfahren jegliche Unterstützung zukom-
nicht im Landesbezirk Sachsen/ Sachsen- In der Zwischenzeit gibt es in ver.di ei- men zu lassen.
Anhalt/Thüringen) arbeiten soll. In der niges aufzuarbeiten: Unzählige Briefe, Mit der geplanten Weiterbeschäfti-
Zwischenzeit wird er, mit einem Jahr Resolutionen und Debatten konnten gung von Angelo ruht das arbeitsrechtli-
Freistellung, bei einer Koordinierungs- nichts daran ändern, dass die ver.di Lan- che Verfahren. Im Strafverfahren muss
stelle gewerkschaftlicher Initiativen tätig desleitung einem antifaschistisch enga- auf die Ergebnisse des Gutachtens zur
sein. Für die Weiterbeschäftigung ab 1. gierten Kollegen jegliche Solidarität und Hör- und Verständigungsfähigkeit ge-
Februar 2010 gibt ver.di keine Garantie, Unterstützung verweigerte, als es ernst wartet werden. Zur finanziellen Dimen-
allerdings ist bei Uneinigkeit eine wurde. Seine Verteidigung gegen einen sion: Zunächst einen herzlichen Dank an
Schiedsstelle vorgesehen. Angelo hatte Nazi-Angriff mit den Mitteln von alle SpenderInnen! Mit Eurer Unterstüt-
die Alternative, dieses Angebot anzuneh- Rechtsextremisten zu vergleichen, war zung sind die entstandenen Kosten bis
men oder gegen die Kündigung zu klagen. politisch eine gezielte Entsolidarisie- jetzt ungefähr zu decken. Welche weite-
Der Weg vor das Arbeitsgericht hätte so rung, im Hinblick auf gewerkschaftliche ren Kosten auf Angelo zukommen, hängt
befürchtete er begründet auf keinen Fall Kollegialität ein Tritt in den Rücken. ... insbesondere vom Fortgang des Ge-
zurück zu ver.di geführt. Angelo will wei- Im Herbst 2007 forderte der ver.di- richtsverfahrens ab. Sollte die Hauptver-
ter bei ver.di arbeiten und hat deshalb die Bundeskongress per Beschluss alle Mit- handlung mit mehreren Verhandlungsta-
Vereinbarung unterzeichnet. glieder und die Öffentlichkeit auf, im- gen stattfinden, werden wir erneut zu
Die GewerkschafterInnen gegen mer, in allen Formen und mit allen Mit- Spenden aufrufen müssen.
Rechts gewähren ver.di den Vertrauens- teln gegen Rechtsextremismus in all sei- GewerkschafterInnen gegen Rechts -
vorschuss, ernsthaft zu beabsichtigen, nen Spielarten vorzugehen. Die an sich http://ggr.blogsport.de/ ■

Wahldebakel der Sozialdemokratie –


Starke Gewinne der Extremen Rechten
Österreich. Die Sozialdemokratie nach rechts: In Niederösterreich sind im ÖGB“; Teilen der SJ). Und auch über
hat in Niederösterreich ein wahres 30000 frühere sozialdemokratische Wäh- den künftigen „Fahrplan“ gibt es weitge-
Debakel erlebt: Minus 7,9 % und lerInnen den rechtsextremen Rattenfän- henden Konsens:
wurde damit zur Mittelpartei degradiert. gern von Rosenkranz, Strache & Co auf ◗ Einberufung eines ersten gesamtöster-
In der traditionellen ArbeiterInnenmetro- den Leim gegangen! reichischen „Linken Ratschlags“ in
pole Wiener Neustadt verlor sie fast 17 % Daher sind die folgenden Zeilen mit nächster Zeit mit dem Abstecken eines
der Stimmen und wurde von den Schwar- größter politischer Verantwortung ge- „gemeinsamen (inhaltlichen) Rahmens“
zen überholt! Die ÖVP konnte ihre abso- schrieben: nur ein kantiges, pluralistischs (Gegen Neoliberalismus und Krieg; Für
lute Mehrheit weiter ausbauen, die FPÖ Linksprojekt bietet die Chance (ohne jeg- die Aufrechterhaltung öffentlicher Diens-
vieles von ihrem – nach „Knittelfeld“ – liche „Garantie“) dem Trend nach rechts te; Für eine Umverteilung von oben nach
verlorenen Terrain zurückgewinnen. In und rechtsextrem entgegenzuarbeiten. unten; Für einen ÖGB, der kämpft; Für
Bad Vöslau gelang es ihr – mit „Anti-Mo- Nach zahlreichen Gesprächen mit vie- eine soldarische Gesellschaft - ohne Ras-
schee-Parolen“ – ihren Stimmeanteil gar len AktivistInnen in Bewegungen, linken sismus und Fremdenfeindlichkeit)
zu vervierfachen (16,2 %). Organisationen bzw. Parteien und mit ◗ Einsetzen einer Arbeitsgruppe, die –
Die kuscheligen, sprich Pröll hinterher- kämpferischen – also nicht „sozialpart- über den Sommer – Vorarbeit leistet und
laufenden Grünen, stagnierten und rangie- nerschaftlich“ stillgestellten Gewerkschf- den allgemeinen Rahmen auf die konkrete
ren nun deutlich hinter den Blau/Braunen. terInnen – bin ich der Überzeugung, dass Ebene runterbricht
Obwohl es sich um Landtagswahlen die Bedingungen, solch ein „Projekt“ ◗ im frühen Herbst eine „große“ gesamt-
handelte, war diesmal die „bundespoliti- (also bei weitem noch keine Partei!) zu österreichische Konferenz, die die Ent-
sche Bedeutung“ besonders offensicht- starten, herangereift sind. Objektiv durch wicklung bis dahin beurteilt; die inhaltli-
lich. Wie schon vorher in Graz zeigen die Notwendigkeit, der neoliberalen Of- chen Positionen präzisiert; die weitere
auch die Werte in Niederösterreich der fensive Einhalt zu gebieten; dem Versagen Vorgangsweise absteckt: u.a. Prüfen der
Gusenbauer-SPÖ steil nach unten. Das der SP- und ÖGB-Führung;. etc. – aber Möglichkeit für eine Kandidatur zu Na-
Bilden der „schwarzen“ Regierung mit ei- auch subjektiv: im Unterschied etwa zur tionalrats- und Europawahlen).
nem „roten“ Kanzler“ und das Brechen Kandidatur der „Linken- Opposition für EIN LINKSPROJEKT IN ÖSTER-
aller zentralen Wahlversprechen führt die eine solidarisches Europa“ zu den Euro- REICH IST MÖGLICH: GEHEN WIR
Sozialdemokratie in die Katastrophe. pawahlen 2005 kommt die Forderung, ES GEMEINSAM AN: JETZT UND SO-
Aber es besteht nicht der geringste An- den politische Raum links von SPÖ und LIDARISCH!
lass für dümmliche Schadenfreude: der Grünen zu besetzen, auch von neuen Ak- Hermann Dworczak (Mitglied der ÜBERFRAK-
Großteil der Unzufriedenheit der (SP- teuren (etwa im Rahmen der Kampagne TIONELLEN INITIATIVE für einen kämpferi-
)WählerInnenschaft führt bislang entwe- für eine VOLXABSTIMMUNG über den schen und demokratischen ÖGB; Aktivist im Aus-
der zu Wahlabstinenz oder zum Abdriften EU-Reformvertag; die „Steuerinitiative trian Social Forum/ASF ■

6 : antifaschistische nachrichten 5-2008


Politische Strategien gegen die extreme
Rechte in Parlamenten
Folgen für kommunale Politik und lokale Demokratie
Auf der diesjährigen Tagung terviewpartnern durch- Tab. 1: Wahlergebnisse der Kommunalwahlen 2001 und 2006
der Antifaschistischen Nach- geführt (30 – 70 Min.). in der Gemeinde Ehringshausen
richten am 23.2. stellte Dr. Sven Befragt wurden die 2006 2001 Veränderung
Schönfelder die Ergebnisse der gleich- kommunalen Frakti- in % in % in %-Punkte
namigen Studie vor, die er gemein- onsvorstände von SPD (Mandate) (Mandate) (Mandate)
sam mit Prof. Benno Hafeneger (bei- und CDU in Regionen, CDU 36,4 (11) 30,3 (9) +6,2 (+2)
de Universität Marburg) im Auftrag wo die extreme Rechte SPD 35,4 (11) 41,0 (13) -5,6 (-2)
der Friedrich-Ebert-Stiftung im letzten parlamentarisch vertre- FWG 23,3 (7) 21,6 (7) +1,7 (H0)
Jahr erstellt hat. Wir dokumentieren ten und sichtbar poli-
NPD 4,9 (2) 7,1 (2) -2,2 (H0)
seine Präsentation auf der Tagung, tisch aktiv ist und zwar:
die durch freien Vortrag ergänzt wur- 1) Ehringshausen
Abb. 9: Stimmenanteil der NPD bei Kommunalwahlen in der
de. Insofern ist die Darstellung der Er- und Wölfersheim in Gemeinde Ehringshausen und im Landkreis Lahn-Dill
gebnisse hier sehr gerafft, die kom- Mittelhessen, 25,0%
22,9%
plette Studie kann von der Website 2) Ludwigshafen und 20,0%
der Stiftung heruntergeladen wer- Pirmasens in der Pfalz,
15,0%
den: www.fes.de/rechtsextremis- 3) Königstein und 13,6%
mus Sebnitz in der Sächsi- 10,0%
7,1%
schen Schweiz, 5,0%
4,6% 4,9%
1,8%
Gliederung der Präsentation 4) Stralsund und An- 0,0%
2,0%

1. Erkenntnisinteresse und Anlage der klam in Vorpommern. 1993 1997 2001 2006
Untersuchung Ehringshausen Lahn-Dill-Kreis

2. Das Untersuchungsfeld – Kommunale 2. Das Untersu-


Strukturdaten und politische Situation chungsfeld – Wahlergebnisse der Kommunalwahlen 2001 und 2006 in
3. Empirische Ergebnisse der Untersu- Kommunale Struk- der Gemeinde Ehringshausen
chung turdaten und
4. Kommunale Politik im Umgang mit pol. Situation
Tab. 2: Wahlergebnisse der Kommunalwahlen 2001 und 2006
der extremen Rechten. Ein Leitfaden Neben den Wahlergeb- in der Gemeinde Wölfersheim
zur Problemanalyse und Strategieent- nissen wurden auch be-
2006 2001 Veränderung
wicklung stimmte sozialstruktu- in % in % in %-Punkte
5. Lokale Demokratie als politisch-so- relle Merkmale der (Mandate) (Mandate) (Mandate)
zialer Interaktionsraum. Ein Ausblick Kommunen betrachtet, SPD 53,3 (17) 52,5 (16) +0,8 (+1)
auf kommunale Handlungsoptionen die sowohl in der For-
CDU 20,4 (6) 22,7 (7) -2,3 (-1)
schung als auch in der
öffentlichen Diskussion NPD 10,4 (3) 12,6 (4) -1,7 (-1)
1. Erkenntnisinteresse und Anlage
der Untersuchung immer wieder mit dem Grüne 8,2 (3) 5,8 (2) +2,4 (+1)
Wahlerfolg rechtsextre- FWG 7,8 (2) 6,9 (2) -0,9 (H0)
Das Erkenntnisinteresse der Untersu- mistischer und rechts-
chung galt den Umgangs- und Gegen- populistischer Parteien Abb. 10: Stimmenanteil der NPD bei Kommunalwahlen in der
strategien der demokratischen Parteien in Zusammenhang ge- Gemeinde Wölfersheim und im Landkreis Wetterau
25,0%
in der politisch-parlamentarischen Aus- bracht werden: 20,9%
22,7%

einandersetzung mit der extremen Rech- ● Bevölkerungsent- 20,0%

ten auf kommunaler Ebene (in Städten wicklung 15,0%


12,1%
und Gemeinden). ● Ausländeranteil
10,0%
10,4%

In den Monaten Mai und Juni 2007 ● Arbeitslosenquote


5,0%
wurden 16 problemzentrierte, halbstruk- ● Wahlbeteiligung
3,1% 3,6%
3,3%
turierte Interviews mit insgesamt 19 In- ● Wahlergebnisse 0,0%
1993 1997 2001 2006
Wölfersheim Wetteraukreis

Wahlergebnsse der Kommunalwahlen


2001 und 2006 in der Gemeinde Wöl-
fersheim

3. Empirische Ergebnisse der Unter-


suchung

Die Themenbereiche der Interviews um-


fassten insgesamt 21 Detailfragen zu
sieben Themenbereichen:

: antifaschistische nachrichten 5-2008 7


Politische Strategien gegen die extreme Rechte in Parlamenten – allerdings weniger rationale bzw.
wahltaktische Überlegungen,
2. DasTab.
Untersuchungsfeld – Kommunale
3: Wahlergebnisse der Kommunalwahlen Strukturdaten
1999 und 2004 und pol. Situation
in der Stadt Ludwigshafen – sondern vielmehr (tendenziell)
2004 1999 Veränderung rechtsextreme Überzeugungen.
in % in % in %-Punkte
(Mandate) (Mandate) (Mandate)
● Mischung aus politischer Unzufrie-
CDU 42,9 (26) 42,9 (26) H0,0 (H0)
SPD 32,6 (20) 41,2 (25) -8,6 (-5)
denheit und wirtschaftlichen wie so-
REP 8,8 (5) 5,3 (3) +3,5 (+2)
zialen Problemlagen in Verbindung
Grüne 6,0 (4) 4,3 (3) +1,7 (+1)
mit fremdenfeindlichen und mitunter
FDP 4,1 (2) 2,4 (0) +1,7 (+2)
auch ausgeprägten rechtsextremen
FWG 5,5 (2) -- +5,5 (+2)
Einstellungen.
Tab. 4: Wahlergebnisse der Kommunalwahlen 1999 und 2004
in der Stadt Pirmasens ● Typus des sog. Modernisierungs-
Abb. 17: Stimmenanteil der REP bei Kommunalwahlen in den 2004 1999 Veränderung verlierers als Wähler rechtsextremer
Städten Ludwigshafen und Pirmasens in % in % in %-Punkte Parteien.
15,0% (Mandate) (Mandate) (Mandate)

10,0% CDU 46,0 (21) 47,8 (22) +1,8 (-1) 2) Aktivitäten der rechtsextremen
SPD 23,8 (11) 35,2 (16) -11,4 (-5) Parteien sowie Präsenz einer
5,0%
FWG 10,8 (5) 7,1 (3) +3,7 (+2) rechtsextremen Szene in den Kom-
0,0% REP 10,2 (5) 2,9 (0) +7,3 (+5) munen
Ludwigshafen Pirmasens
1999 5,3% 2,9% Grüne 4,3 (2) 4,0 (2) +0,3 (H0)
2004 8,8% 10,2% ● Aktivitäten und Präsenz sind nach
PDS 2,6 (0) -- +2,6 (H0)
FDP 2,5 (0) 3,1 (1) -0,6 (-1)
Angaben der Interviewpartner kaum
oder gar nicht festzustellen.
Wahlergebnisse in Ludwigshafen und Pirmasens
● Die lokalen Akteure der extremen
Rechten treten häufig als deutsch-na-
Politische Strategien gegen die extreme Rechte in Parlamenten tionale Biedermänner auf.
2. DasTab.
Untersuchungsfeld – Kommunale
5: Wahlergebnisse der Kommunalwahlen Strukturdaten
1999 und 2004 und pol. Situation
in der Stadt Königstein
● Nicht selten handelt es sich um
2004 1999 Veränderung
in % in % in %-Punkte
Einzelakteure, die in der Stadt/ Ge-
(Mandate) (Mandate) (Mandate) meinde bekannt sind und ihrer Partei
CDU 38,8 (6) 37,9 (6) +0,9 (H0) vor Ort ein Gesicht geben
NPD 21,1 (3 [2]) 11,8 (2) +9,3 (+1)
VBI 18,7 (3) 12,5 (2) +6,2 (+1) 3) Auftreten der rechtsextremen
SPD 16,2 (2) 35,1 (6) -18,9 (-4) Mandatsträger in den Parlamen-
FDP 5,1 (0) 2,8 (0) +2,3 (H0) ten
Tab. 6: Wahlergebnisse der Kommunalwahlen 1999 und 2004
in der Stadt Sebnitz
● Ihr parlamentarisches Auftreten be-
2004 1999 Veränderung wegt sich zwischen verbal aggressiv
Abb. 24: Stimmenanteil der NPD bei Kommunalwahlen in den in % in % in %-Punkte
Städten Königstein und Sebnitz sowie im Landkreis Sächsische (Mandate) (Mandate) (Mandate) und konfrontativ einerseits und eher
25,0%
Schweiz ruhig, sachlich, mitunter kleinbürger-
CDU 49,5 (10) 50,6 (13) -1,1 (-2)
20,0% lich und bieder andererseits.
PDS 14,8 (2) 12,2 (3) +2,6 (-1)
15,0%

10,0% NPD 13,2 (2) 6,5 (1) +6,7 (+1) ● Ihre Themen sind v.a. protestorien-
5,0%

0,0%
Mitsprache 11,6 (2) 6,5 (1) +5,1 (+1) tiert und populistisch geprägt:
Sebnitz
Königstein Sebnitz Sächsische Schweiz
– weniger dezidiert fremdenfeindlich
1999 11,8% 6,5% 1,2%
2004 21,1% 13,2% 4,3%
SPD 5,4 (1) 11,2 (2) -5,8 (-1) oder klassisch rechtsextrem
FDP 5,4 (1) 7,8 (1) -2,4 (H0) – als vielmehr lokale, alltagsbezoge-
DSU -- 5,3 (1) -5,3 (-1) ne Sachfragen (insbesondere Fragen
der kommunalen Sozial-, Verkehrs-
Wahlergebnisse in Königstein und Sebnitz, Sächsische Schweiz und Finanzpolitik).

1. Wahlerfolg und Auftreten der extre- 7. Maßnahmen gegen die extreme Rech- ● Eine kommunalpolitische Kompetenz
men Rechten in der Stadt/ Gemeinde te aus Sicht der demokratischen Par- ist (i.d.R.) nicht festzustellen:
2. Wahrnehmung der extremen Rechten teien – pol. Selbstdarstellung als Interessen-
im Kommunalparlament Die Auswertung erfolgte mittels eines vertreter der „kleinen Leute“,
3. Umgang der demokratischen Parteien Computerprogramms, bei dem das soge- – öffentl. Selbstinszenierung als ver-
mit der extremen Rechten im Parla- nannte thematische Codieren zur An- meintliche pol. Alternative.
ment wendung kommt, mit dem sich Daten-
4. Änderungen der „parlamentarischen material problem- und themenzentriert 4) Umgang mit den rechtsextremen
Spielregeln“ codieren und analysieren lässt. Fraktionen und Mandatsträgern
5. Wahrnehmung der parlamentarischen Zusammenfassung der empirischen
Auseinandersetzung mit der extremen Ergebnisse: ● Rechtsextreme Abgeordnete werden
Rechten in der Bevölkerung nach Ein- weitgehend ignoriert und im Rahmen der
schätzung der demokratischen Partei- 1) Wahlentscheidung zugunsten der parlamentarischen Möglichkeiten ausge-
en extremen Rechten grenzt:
6. Zivilgesellschaftliches Engagement in
der Stadt/Gemeinde ● Protestwahl als vorrangige Erklärung – Anträge werden prinzipiell und ohne
der Interviewpartner: vorherige Diskussion abgelehnt oder in

8 :antifaschistische nachrichten 5-2008


Wahlergebnisse in Stralsund und
Anklam

tuationsbezogen erfolgen, d.h. unter


Berücksichtigung der jeweiligen
rechtsextremen Akteure, Aktivitäten
und Organisationen.

● Voraussetzung dafür ist allerdings,


dass die betroffenen Kommunen auch
bereit sind, sich der Auseinanderset-
zung mit „ihrem“ lokalen Rechtsex-
tremismus zu stellen.

● Es besteht ein Beratungsbedarf


zum Thema Rechtsextremismus!
Beratung meint jedoch weder pau-
schale Lösungsangebote noch eindi-
mensionale Handlungsempfehlungen,
sondern bezeichnet ein gemeinsames
Arbeiten von Kommune, Zivilgesell-
schaft und Experten.

die jeweiligen Ausschüsse verwiesen, wo 4. Kommunale Politik im Umgang mit der extremen Rechten
dann die Ablehnung erfolgt; Die Entwicklung von politischen Strategien gegen die extreme Rechte in Parlament
– durch Verfahrensänderungen bei der und Kommune lässt sich in einem Schema wie folgt darstellen:
Ausschussbesetzung wird versucht,
rechtsextreme Abgeordnete außen vor zu
lassen;
– die Auseinandersetzung wird kurz
und knapp gehalten, um den Rechtsex-
tremen keine Bühne zu bieten, und auch
nur dann geführt, wenn es nötig ist bzw.
wenn es sich nicht anders vermeiden
lässt.

5) Überparteiliche Zusammenarbeit
der demokratischen Fraktionen, öf-
fentliches Interesse und zivilgesell-
schaftliches Engagement

● Die überparteiliche Zusammenarbeit


gegen die extreme Rechte wird in den
meisten Kommunen als gut bewertet (ge-
genläufige Meinungen finden sich in Kö-
nigstein und Anklam).

● Das Interesse der kommunalen Öffent- 5. Lokale Demokratie als politisch-sozialer Interaktionsraum
lichkeit (in der Bevölkerung, aber auch
bei den lokalen und regionalen Medien) Die Skizze hebt fünf Aspekte
ist nur in geringem Maße oder gar nicht hervor, die sich auf kommunale 1
Parteien als
vorhanden. parlamentarische und außerpar- kommunale
Meinungs-
lamentarische Umgangsformen bildner
● Zivilgesellschaftliches Engagement, und Strategien beziehen. Ihre je- 5 2
Prävention, Parlament als
ob nun organisiert (z.B. in Form eines weilige praktische Ausformung Intervention und Ort streitbarer
Bürgerbündnisses) oder eher privat bzw. hängt von den örtlichen Bedin- Repression Demokratie
individuell, ist v.a. in den untersuchten gungen ab.
kommunale
westdeutschen Kommunen ausgeprägt Für eine erfolgreiche und le- Demokratie
und dort auch in der kommunalen Ge- bendige Auseinandersetzung mit
meinschaft (tief) verwurzelt. dem lokalen Rechtsextremismus demokratische
Kommune
ist es wichtig (und Vorausset- 4 3
zung) möglichst alle relevanten Partizipation
Politische
Gemeinde und
6) Schlussfolgerungen für die Strate- instutionellen Akteure und mög- und
Zivilgesellschaft
Infrastruktur
gieentwicklung lichst viele engagierte Bürgerin-
nen und Bürger in ein dauerhaf-
●Die Entwicklung von angemessenen tes Kooperationsnetz, eine dialogische Kultur der Zusammenarbeit und ein optimisti-
Umgangs-und Gegenstrategien muss si- sches Klima einzubeziehen – hin zu einer gemeinwesenorientierten Gesamtkultur. ■

: antifaschistische nachrichten 5-2008 9


Rathauswahlen in Frankreich:

Erosion des rechtsextremen Einflusses.


Aber einige Hochburgen bleiben übrig
Am vergangenen und am kommen- gehaltenen Rathäusern schon im ersten im Rennen sind. Ausgenommen davon
den Sonntag (9. und 16. März) fan- Wahlgang erfolgreich verteidigen konnte, sind natürlich die mittleren und vor allem
den bzw. finden in ganz Frankreich ziemlich gut. Auch die antikapitalistische die Großstädte Frankreichs.
die Kommunal- und Lokalwahlen statt. Linke schnitt dort, wo sie antrat, oftmals Was das Abschneiden der extremen
Neben den Rathäusern werden dabei die mit ziemlich stattlichen Ergebnissen ab. (In Rechten bei den Kantonalwahlen betrifft,
Bezirksparlamente – Conseils généraux – Sotteville-lès-Rouen, einer von kämpferi- so wurde in der Wahlnacht zunächst ver-
auf der Ebene der insgesamt 100 Départe- schen Eisenbahnertraditionen und anderen meldet, die Kandidaten des FN vereinigten
ments neu besetzt. Letztere Wahlen heißen sozialen Bewegungen geprägten Stadt bei frankreichweit 4 Prozent auf sich , gegen-
auch „Kantonalwahlen“, da zu diesem Rouen in der Normandie, erhielten zwei über 7 Prozent bei den letzten vergleichba-
Zweck die Départements in spezielle linksradikale Listen zusammen gut 19 Pro- ren Wahlen im März 2001. Doch am spä-
Wahlkreise eingeteilt werden, die als Kan- zent der Stimmen.) ten Vormittag des Montag wurden diese
tone bezeichnet werden. Nicht in allen ■ Die extreme Rechte Zahlen auf ein Endergebnis von 5,01 Pro-
Kantonen wird dabei gleichzeitig abge- zent im nationalen Durchschnitt hoch kor-
stimmt. (Die in den letzten Tagen in deut- Aber was uns in dieser Zeitschrift – auf- rigiert.
schen Zeitungen immer wieder auftau- grund ihrer thematischen Spezialisierung Bei diesem Durchschnittsresultat muss
chende Ankündigung von „Regionalwah- nahe liegend – besonders interessieren noch berücksichtigt werden, dass der Front
len“ in Frankreich führt völlig in die Irre. wird, ist natürlich das Abschneiden der National in diesem Jahr insgesamt rund
Die 22 Regionalparlamente wurden zuletzt rechtsextremen Listen. Dazu gibt es eben- 1.100 Kandidatinnen und Kandidaten zu
im März 2004, und werden zum nächsten falls Einiges zu sagen. Denn auch für die den Bezirksparlamenten aufgestellt hatte,
Mal im Jahr 2010 neu gewählt.) extreme Rechte, die bei den Präsident- gegenüber rund 1.700 im Jahr 2001. Aller-
Es handelt sich bei den jetzigen Kom- schafts- und insbesondere bei den Parla- dings hat die rechtextreme Partei dabei be-
munal- und Kantonalwahlen um den ersten mentswahlen im Frühjahr 2007 ihren ers- vorzugt jene Kantone und Bezirke mit ih-
landesweiten Urnengang, seitdem Nicolas ten ernsthaften Rückschlag und sogar Ein- ren Bewerber/inne/n „bestückt“, die bevöl-
Sarkozy und sein politisches Lager im bruch seit 25 Jahren zu verzeichnen hatte, kerungsreich sind und/oder ihr früher rela-
April, Mai und Juni 2007 die nationalen war es der erste Wahl„test“ seit damals. tiv hohe Ergebnisse lieferten. Im Vorfeld
Präsidentschafts- und Parlamentswahlen Aus finanziellen Gründen, da nämlich der des Urnengangs hatte der Wahlkampfleiter
gewonnen haben. Darum konnten sie auch Front National aufgrund seiner relativ des FN für die Kommunalwahlen, Martial
als erster Stimmungstest gegenüber der niedrigen Wahlergebnisse vom Vorjahr und Bild, Ende Februar gegenüber der Presse
konservativen Regierungspolitik gewertet der damit gesunkenen Wahlkampf-Rücker- angegeben, seine Partei werde es „80 Pro-
werden. Die Wahlbeteiligung lag mit etwa stattung (sowie des Rückgang der öffentli- zent“ der früheren FN-Wähler „ermögli-
70 Prozent – das amtliche Endergebnis lag chen Parteifinanzierung für ihn) auf einem chen“, erneut ihre Stimme erneut für Be-
bei Redaktionsschluss am Montag Mittag Schuldenberg von 8 bis 9 Mil. Euro sitzt, zirksparlaments-Kandidaten derselben
noch nicht vor – rund ein Prozent über je- konnte die Partei von vornherein nicht flä- Partei abzugeben. Insofern widerspiegelt
ner bei der letzten frankreichweiten Rat- chendeckend antreten. das Abschneiden des FN bei den diesjähri-
hauswahl im März 2001. Das Desinteresse Einen Gradmesser für den ihm verblie- gen Kommunalwahlen allenfalls ein leich-
der WählerInnen fiel also nicht so stark benen Einfluss „auf nationaler Ebene“ bil- tes Abbröckeln seiner Wählerschaft – die
aus, wie von vielen Politiker/inne/n be- den dabei die Kantonalwahlen, da deren sich freilich bei den vorangegangenen
fürchtet worden war. Bei vielen Stimmbür- Resultate (im Gegensatz zu denen der Rat- Kantonalwahlen (im März 2001) bereits
ger/inne/n mag dabei auch das Motiv, das hauswahlen, bei denen oftmals auch eine auf einem relativ niedrigen Sockel befun-
Regierungslager abstrafen zu wollen, ge- örtliche Dynamik bzw. ein „Mikroklima“ den hatte, da ihr die Spaltung der Partei in
wirkt bzw. neben anderen Faktoren eine sowie die individuelle Persönlichkeit der Le Pen- und Mégret-Anhänger (1999) und
wichtige Rolle gespielt haben. lokalen Rathauskandidaten berücksichtigt der Abgang zahlreicher Kader und Aktivis-
■ Gesamtbilanz (ein kurzer Überblick) werden muss) relativ leicht zu Gesamter- ten zeitlich kurz vorausging.
gebnissen der jeweiligen Parteien hochge- ■ Ein paar Hochburgen
Erwartungsgemäß hat sich dabei ein Ein- rechnet werden können. Zudem sind die
bruch für das Regierungslager, dessen Po- Kantonalwahlen zu den insgesamt 100 Be- Nach wie vor verfügt der FN über ein paar
litik in den letzten Monaten zunehmend zirksparlamenten klassische Listenwahlen, – in diesem Jahr freilich eher vereinzelte –
Enttäuschungen – aus guten wie aus die unter den verschiedenen politischen Hochburgen, in denen er weit über seinem
schlechten Gründen, vgl. die vorige Ausga- Kräften ausgetragen werden. Hingegen nationalen Durchschnitt abschneidet. Dies
be der AN – hervorrief, abgezeichnet. sind die Rathauswahlen vor allem in den machte sich bei den Kommunalwahlen be-
Gleichzeitig findet ein, ebenso erwartet, kleineren Gemeinden – Frankreich besitzt merkbar, freilich in weit geringerem Aus-
Wiederaufstieg der Sozialdemokratie (die insgesamt 36.683 Kommunen, von denen maß als bei früheren Rathauswahlen im
vielerorts gegenüber den Regierungskandi- rund 30.000 klein bis sehr klein sind, und Jahr 2001 oder (stärker noch) 1995. Da-
daten auch den sprichwörtlichen Besen- auch Gemeinden mit nur 100 Einwohner/ mals, im Juni 1995, hatte der Front Natio-
stiel hätte zur Wahl stellen können) statt. inne/n haben oft ein eigenes Rathaus – von nal nicht nur seinen mit Abstand stärksten
Die etablierten Linksparteien unter Füh- parteifreien oder überparteilichen, sich Einfluss auf kommunaler Ebene nehmen,
rung der französischen Sozialdemokratie „unpolitisch“ gebenden Personenzusam- sondern auch drei Rathäuser „erobern“
erhielten landesweit im Durchschnitt 48 % menschlüssen geprägt. Deswegen ist es können: Toulon, Orange und Marignane.
der Stimmen, gegenüber 40 % für den kon- schwierig, die Ergebnisse der Rathauswah- Diese Städte blieben in der Folgezeit für ei-
servativ-liberalen Block, der die Regierung len zu einem nationalen, in Prozenten für nige Jahre rechtsextrem regiert. Eine sol-
unterstützt. Auf örtlicher Ebene schlug sich die jeweiligen Formationen ausdrückbaren che Möglichkeit scheint für den FN unter-
dabei auch die französische KP, die viele Gesamttrend hochzurechnen, weil insge- dessen heute in ziemlich weiter Ferne zu
historische Bastionen in den noch von ihr samt zu viele parteilose KandidatInnen mit liegen.

10 :antifaschistische nachrichten 5-2008


Im Vorfeld der aktuellen Rathauswahlen ten Platz, konnte jedoch in der Stichwahl Louis Aliot angeführte, Rathausliste gar nur
hatte Parteichef Jean-Marie Le Pen drei jeweils nicht gewinnen. Nunmehr fällt sie auf dem vierten Platz hinter dem konserva-
Städte bezeichnet, die für den FN gewinn- hingegen auf den zweiten Platz zurück, und tiven Bürgermeister Jean-Paul Alduy mit
bar seien: Hénin-Beaumont im nordfranzö- hat keinerlei Chance, im zweiten Durch- 38,88 % und zwei Listen der etablierten
sischen früheren Bergbaurevier Pas-de-Ca- gang zu gewinnen. Linken (bei 20,0 und 15,1 %). Zwar rühmte
lais, Noyon in der Picardie (im Bezirk Oise, In den französischen Alpen erhielt die sich Marine Le Pen in einem TV-Auftritt
der einen starken Anteil an rassistischen FN-Liste in Cluses zwar 23,6 %, landete am Sonntagabend, immerhin habe der FN
Wählern und dort angesiedelten, früheren damit aber nur auf dem dritten Platz. Ihr in Perpignan seinen örtlichen Stimmenan-
Algerienfranzosen – Pied Noirs – aufweist) örtlicher Spitzenkandidat, der 46-jährige teil gegenüber 2001 „verdoppeln“ können.
sowie Cluses in Hoch-Savoyen in den ost- Dominique Martin, der laut eigenen Anga- In Wirklichkeit wuchs sein Anteil gegen-
französischen Alpen. ben nicht vor „Populismus“ und „Demago- über den letzten Kommunalwahlen dort
Aber in keiner der drei Städte zeichnet gie“ zurückschreckte, hatte im Vorfeld star- aber nur von 9,27 auf jetzt 12,29 Prozent.
sich ab, dass der FN für die Stichwahl vom ke Hoffnungen bei seiner Partei und offen- ■ Niedergang in früheren Hochburgen
kommenden Sonntag wirklich (auch nur kundig bei sich selbst erweckt. Aussichten
halbwegs realistische) Aussichten auf einen auf einen Wahlsieg besitzt er, nach dem ers- Gleichzeitig erlitt der FN einen sichtbaren
Wahlsieg hätte. In Hénin-Beaumont – einer ten Durchgang, keine. Niedergang in früheren Hochburgen, wie
Stadt von rund 30.000 Einwohner/ inne/n, An manchen anderen Orten kann die etwa der von einer stark rassistisch und
welche der FN seit Jahren als „Laboratori- rechtsextreme Partei ihre Kandidaten noch post-kolonial geprägten Meeralpen-Me-
um“ für eine vorgeblich „soziale“ und bür- in der Stichwahl behalten, ohne dass diese tropole Nizza. Dort überschritt der FN in
gernahe Politik mit realer Verankerung vor jedoch durchschlagende Ergebnisse erhal- den frühen neunziger Jahren noch locker
Ort benutzt, nachdem er Letztere andern- ten hätten. In Mulhouse im Südelsass kann die 40-%-Marke. Am vergangenen Sonn-
orts inzwischen aufgegeben hat – erzielte Patrick Binder, langjähriger FN-Kandidat tag erhielt dort die Rathausliste des FN un-
die Liste des FN 28,53 Prozent. Ihr gegen- im Elsässischen, zwar (als drittplatzierter ter Spitzenkandidatin Lydia Schenardi
über erhielt der sozialdemokratische Bür- Kandidat) in die Stichwahl einziehen, wo er noch 4 %, jene der konkurrierenden akti-
germeister Gérard Dalongeville schon im dem Bürgermeister Jean-Marie Bockel vistisch-stiefelfaschistischen ‚Identitaires‘
ersten Durchgang 43,09 %. Aufgrund sei- vom konservativen Block und der etablier- unter Philippe Vardon ihrerseits 3 %. In
ner Stimmreserven in Gestalt einer anderen ten Linken gegenüber tritt. Bei einem An- den vierzehn Tagen vor der Wahl hatten
Liste der etablierten Linken mit 17 Prozent teil von 10,3 % liegt er jedoch deutlich un- die beiden rechtsextremen Listen sich ei-
der Stimmen (sowie der bürgerlichen UMP terhalb jenes Sockels, den der damalige ört- nen heftigen, teils gewalttätig ausgetrage-
und der radikal-linken LCR, die jeweils liche Spitzenpolitiker der extremen Rech- nen Konflikt geliefert. Dies ging bis hin zu
knapp unter 5 % abschnitten) dürfte Dalon- ten – Gérard Freulet – noch in den neunzi- einer Demonstration der ‚Identitaires‘ ge-
geville die Stichwahl am 16. März pro- ger Jahren konstant hielt, als er damals re- gen einen Wahlkampfauftritt Le Pens in
blemlos gewinnen. gelmäßig Stimmenergebnisse von 23 bis 25 Nizza, und eine Strafexpedition von mit
Spitzenkandidat des FN in Hénin-Beau- % einfuhr. Allerdings war Freulet (der 1999 Baseballschlägern bewaffneten FN-An-
mont war Steeve Briois, der seit Jahren das zunächst aus dem FN aus- und zu dessen hängern gegen die rechtsextremen Kon-
örtliche Terrain kontinuierlich beackert, Spaltprodukt MNR übertrat) in diesem Jahr kurrenten. Gleichzeitig erzielte der bishe-
während die „Cheftochter“ Marine Le Pen für den Rechtkatholiken Philippe de Villiers rige Bürgermeister von Nizza, Jacques
als Nummer Zwei auf der Liste kandidierte. und seine rechtskonservative „Bewegung Peyrat (von 1972 bis 1994 beim FN, ab
Im Falle eines Wahlsiegs in der früheren für Frankreich“ – MPF – ins Rennen ge- 1996 „Neogaullist“, dann UMP und nun-
Arbeiterstadt hätte Marine Le Pen laut An- gangen und hatte knapp 10 % erzielt. Auf- mehr „Dissident“ des bürgerlichen Lagers,
kündigungen der rechtsextremen Partei als grund der für einzelne Listen geltenden da er dessen Entscheidung zugunsten ei-
„für die Sicherheit zuständige“ Vize-Bür- Zehn-%-Hürde kann Freulet sich jedoch nes anderen Kandidaten nicht akzeptieren
germeisterin amtieren sollen. Noch bei den nicht im Rennen halten, es sei denn, er soll- mochte), seinerseits 23 % der Stimmen.
Parlamentswahlen im Juni vorigen Jahres te sich mit Bürgermeister Jean-Marie Bo- Ihm gegenüber schnitt Christian Estrosi,
hatte Marine Le Pen, die damals im Wahl- ckel verbünden und ihn letztendlich unter- Sarkozys Mann und Minister für die fran-
kreis von Héni-Beaumont kandidierte, dort stützen, denn für Listen im Verbund eines zösischen Überseegebiete, mit 38 % als
die 30-%-Hürde schon im ersten Wahlgang Wahlbündnisses gilt hingegen eine Fünf- stärkster Bewerber ab. Noch ist offen, ob
überschritten, und in der Stichwahl 41,7 % Prozent-Hürde. Bockel, der dereinst den der FN gegen ihn in der Stichwahl Peyrat,
der Stimmen erzielt. Ihr jetziges Ergebnis rechten Flügelmann bei der französischen der noch immer trotz Parteiaustritts als
dürfte voraussichtlich in beiden Wahlgän- Sozialdemokratie abgab, ist erst im Vorjahr persönlicher Freund Le Pens gilt, unter-
gen darunter fallen. Ihre Strategie wäre da- 2007 zum konservativen Lager Nicolas stützen wird – wie Lydia Schenardi durch-
mit nicht aufgegangen. Auch ihr Vater, der Sarkozys (dessen Staatssekretär für Afrika- blicken ließ. Jacques Peyrat hat nun seit 13
in der Wahlnacht mit sicher klingender politik er derzeit ist) übergelaufen. Und Jahren Nizza regiert, seine Siegeschancen
Stimme von einem „klaren Wiederaufstieg gründete dabei seine eigene Partei, deren für den zweiten Wahlgang gelten jedoch
des FN“ gegenüber dem vergangenen Jahr unbestrittener Chef er heute ist, unter dem als ausgesprochen gering.
sprach, wollte ihr Abschneiden in Hénin- Namen ‚Gauche moderne‘ (Moderne Lin- In Marseille, wo der FN früher bei Wer-
Beaumont „nicht (als) einen Erfolg“ be- ke). Ein trügerischer Titel, der aber mögli- ten um die 20 % lag, kann seine Liste (mit
zeichnen, nannte es aber „dennoch beacht- cherweise geeignet ist, explizit rechte Wäh- 9,1 % der Stimmen) sich dieses Mal nicht
lich“. ler von der Stimmabgabe für diesen – durch in der Stichwahl aufrecht erhalten. In einer
In Noyon, das in einer stark rassistisch die Regierungspartei UMP unterstützten – früheren Hochburg, nein, „der“ ehemali-
geprägten Zone rund 60 Kilometer nördlich Kandidaten abzuhalten. Aufgrund dieser gen Hochburg des FN – wo er 1983 seinen
von Paris liegt, erhielt der FN knapp 17 Situation hätte die Rechtsaußenpartei also ersten Durchbruch bei Wahlen überhaupt
Prozent der Stimmen (16,98 %). Dieses Er- im Prinzip eine günstige Ausgangssituation erzielte –, in Dreux rund 80 Kilometer
gebnis muss jedoch in Relation zu seinen vorgefunden, die sie jedoch nur unzurei- westlich von Paris, hatte er dieses Mal gar
früheren Ergebnissen vor Ort gestellt wer- chend nutzen konnte. keine Liste aufstellen können. Eine, im
den. Bei den Rathauswahlen im Juni 1995 Im südwestfranzösischen Perpignan, wo Gesamtprofil wesentlich extremistischer
hatte die rechtsextreme Partei in dieser viele frühere Kolonialfranzosen aus Alge- auftretende, Kandidatenliste seines Spalt-
Stadt gut 44 % der Stimmen erhalten, im rien heute leben, konnte der FN zwar eben- produkts MNR gemeinsam mit den ‚Iden-
März 2001 noch gut 30 %. In beiden Fällen falls die Zehn-%-Hürde überwinden. Doch titaires‘ erhielt am Sonntag dort 4,3 %.
lag sie damit unter allen Listen auf dem ers- hier landet die, vom FN-Generalsekretär Bernhard Schmid. Paris ■

: antifaschistische nachrichten 5-2008 11


: ausländer- und asylpolitik
setzentwurf zum Ausbau der Kinderta-
gesbetreuung vorzulegen und im Rah-
men des Gesetzes einen Rechtsanspruch
Rund 19.000 Asylbewerber kurze Zeit später erneut inhaftiert. In auf einen Betreuungsplatz für Kinder
im Jahr 2007 – Geringster Berlin-Köpenick war es der erste Suizid- vom ersten bis zum dritten Lebensjahr zu
Zugang seit 1977 versuch eines Flüchtlings, der zum Tode verankern. Außerdem verlangen die Grü-
führte. Es war der dritte im Jahr 2007 be- nen die Rücknahme der „integrations-
Berlin. Trotz eines deutlichen Anstiegs kannt gewordene Suizidversuch im Ab- feindlichen“ Regelungen im Aufenthalts-
irakischer Asylbewerber ist die Zahl der schiebegewahrsam in Köpenick. Im Jahr gesetz, wie etwa die Voraussetzung von
Asylerstanträge im vergangenen Jahr 2005 waren es zehn, 2006 wurden zwei Deutschkenntnissen für den Ehegatten-
nochmals um knapp 9 Prozent gesunken. Selbstmordversuche erfasst. nachzug. Um die Integration aller in
2007 wurden beim Bundesamt für Mi- Nach dem Selbstmord des tunesischen Deutschland wohnenden ausländischen
gration und Flüchtlinge 19.164 Asylerst- Häftlings im Abschiebegewahrsam Ber- Mitbürger zu fördern, solle ihnen das
anträge (2006: 21.029) registriert. Die lin-Grünau hat der Ausschuss für Men- Kommunalwahlrecht eingeräumt wer-
Zahl der irakischen Flüchtlinge hat sich schenrechtsfragen der Ärztekammer den. Einbürgerungen zu erleichtern statt
im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt, so Berlin erneut eine sichere medizinische zu erschweren lautet eine weitere Forde-
dass der Irak 2007 mit 4327 Migranten Versorgung für Menschen ohne legalen rung der Grünen. Dazu müssten so ge-
das stärkste Herkunftsland war. Für Pro Aufenthaltsstatus gefordert. Der Aus- nannte Gesinnungstests durch die Län-
Asyl belegen die außergewöhnlich nied- schuss hatte in der Vergangenheit bereits dern wirksam unterbunden und die Rege-
rigen Zahlen, dass „Deutschland seinen wiederholt die Beseitigung struktureller lungen zur erleichterten Einbürgerung
Verpflichtungen im internationalen Mängel bei der medizinischen Versor- von Jugendlichen und jungen Erwachse-
Flüchtlingsschutz nach wie vor nicht gung im Abschiebegewahrsam Grünau nen wieder hergestellt werden.
nachkommt. Immer weniger Menschen angemahnt. Quelle: stefan.kessler@jesuiten-
gelingt die Flucht nach Deutschland.“ Weiter kritisierte er die Meldepflicht, fluechtlingsdienst.de ■
Angesichts dieser Zahlen sei die Tatsa- der auch öffentliche Krankenhäuser un-
che, dass mehr Menschen einen Schutz- terliegen. Dadurch würden viele Men-
status bekamen – 2007 waren es 27,5 % - schen ohne Papiere aus Furcht vor einer
„ein schwacher Trost.“ Abschiebung auch bei schwerer Krank-
heit einen Arztbesuch vermeiden. Der
Wohnsitzbeschränkungen Menschenrechtsausschuss forderte daher
die Gewährleistung einer sicheren medi-
für anerkannte Flüchtlinge zinischen Versorgung sowie eine gesi-
beanstandet cherte Kostenübernahme der Behand- KOBAG
Leipzig. Wohnsitzbeschränkungen für lung. KONTAKTBÜRO
anerkannte Flüchtlinge sind rechtswid- Quelle: www.jesuiten-fluechtlings- ARBEIT UND GESUNDHEIT
rig, wenn die Ausländerbehörden damit dienst.de / flucht mailing list
das Ziel verfolgen, die finanzielle Belas- flucht@nds-fluerat.org ■ Arbeitsrechtliche Informa-
tung durch Sozialleistungen anteilig auf tionen für Flüchtlinge
die Bundesländer zu verteilen. Das hat Grüne kritisieren
das Bundesverwaltungsgericht in Leip- Zum Abschluss der Arbeit des Equal-
zig am 15.1.2008 entschieden. Die Gen- Integrationspolitik Projekts SAGA (Selbsthilfe, Arbeits-
fer Flüchtlingskonvention garantiert an- Berlin. Nach Ansicht der Fraktion marktzugang und Gesundheit von Asyl-
erkannten Flüchtlingen grundsätzlich Bündnis 90/Die Grünen besteht bei der suchenden) sind zwei Informationsfalt-
Freizügigkeit. Dieses Recht kann zwar Integrationspolitik der Bundesregierung blätter erschienen. Sie stellen dar, welche
eingeschränkt werden, allerdings nicht eine große Kluft zwischen Anspruch und Rechte „MigrantInnen ohne Papiere“ ge-
aus Gründen der Verteilung öffentlicher Wirklichkeit. In einem Antrag (16/8183), genüber ihren Arbeitgebern z.B. im Falle
Fürsorgelasten. (BVerwG 1 C 17.07) der am Freitag im Bundestag diskutiert eines Arbeitsunfalls haben und wie sie
wird, stellen die Abgeordneten daher ein sie geltend machen können. Das eine
Berliner Ärztekammer for- eigenes gesamtstaatliches Integrations- Faltblatt richtet sich unmittelbar an die
konzept vor. Dieses sieht unter anderem Migrantinnen, das andere ist für Beraten-
dert medizinische Versor- eine umfassende Sprachförderung vor, de konzipiert.
gung für Illegale die „so früh wie möglich“ beginnen sol- Mehr Informationen unter;
Berlin. Das neue Jahr begann im Berli- le. Auch die verpflichtenden Deutschkur- www.equal-saga.info ■
ner Abschiebungsgewahrsam mit einem se des Zuwanderungsgesetzes müssten
Suizid. Ein 28-jähriger Insasse des Ab- ausgebaut werden. Statt wie die Große Abschiebung von irakischen
schiebungsgewahrsams Berlin-Köpenick Koalition die Haushaltsmittel drastisch
ist am Neujahrstag nach einem Selbst- zu kürzen, so die Grünen, solle die Qua- Flüchtlingen
mordversuch gestorben. Der aus Tune- lität der Kurse weiter verbessert werden. Berlin. Am 6. Dezember 2007 hat die
sien stammende Mann erlag seinen Ver- Um die Konzentration von Zuwanderern Bundesregierung eine Kleine Anfrage
letzungen, die er sich einige Tage vorher in einzelnen Stadtvierteln zu bekämpfen, von Abgeordneten der Fraktion Die Lin-
bei dem Versuch, sich mit Schnürsenkeln sollen sich die Kommunen „interkultu- ke im Bundestag beantwortet (BT-
an einem Fenster aufzuhängen, zugezo- rell öffnen“. Ebenfalls benötigt wird aus Drucksache 16/7426). Die Linksfraktion
gen hatte. Der Tunesier war bereits An- Sicht der Grünen ein Abbau der Zu- hatte sich erkundigt nach der „Situation
fang Dezember inhaftiert gewesen, eine gangsbarrieren zum Arbeitsmarkt, wie von irakischen Flüchtlingen in der Bun-
Psychologin hatte damals Auffälligkei- auch zu Ausbildungsplätzen. Auch der desrepublik Deutschland und der Praxis
ten in seinem Verhalten festgestellt, eine Hochschulzugang für junge Erwachsene des Asyl(widerruf)verfahrens“.
Untersuchung in einem psychiatrischen mit Migrationshintergrund solle verein- Aus der Antwort ergibt sich u.a., dass
Krankenhaus ergab jedoch, dass er haft- facht werden. 2.217 irakische Staatsangehörige voll-
fähig sei. Dennoch wurde er entlassen, Von der Bundesregierung fordern die ziehbar ausreisepflichtig sind, bei 8.849
allerdings nach einem Ladendiebstahl Abgeordneten unter anderem, den Ge- weiteren Irakern ist eine Abschiebungsan-

12 :antifaschistische nachrichten 5-2008


drohung gespeichert. 9.358 Iraker waren
zum Stichtag 31. Oktober 2007 geduldet. Flüchtlinge fordern die Heim-
Die Antwort enthält eine Übersicht über
zwischen Juli 2006 und Oktober 2007
eingeleitete und entschiedene Widerrufs-
schließung
verfahren. Insgesamt hält die Bundesre- Katzhütte. Am 26.2.2008 besuchten wurden ihnen aber immer wieder von
gierung an der bisher verfolgten Politik Vertreter des Landratsamtes und der Ge- der Heimleitung weggenommen, mit
des Umgangs mit irakischen Flüchtlingen meindeverwaltung die Gemeinschaftsun- der Begründung, die Geräte würden zu
fest und behauptet mit dem Bundesamt, terkunft (GU) Katzhütte. Presseberichten viel Strom verbrauchen.
man gehe im Irak von einem innerstaatli- der „OTZ Rudolstadt“ und der Zeitung Wir bekommen monatlich 106,00
chen Konflikt aus, von dem schwerpunkt- „Freies Wort“ zufolge, versuchen die Euro in Gutscheinen und 60,00 Euro in
mäßig lediglich bestimmte Regionen be- Heimleitung, die Gemeindeverwaltung Bargeld ausgezahlt. Manche bekommen
troffen seien. Die mit diesem Konflikt und die Vertreter des Landratsamtes die nur Gutscheine. Außerdem bekommen
verbundenen allgemeinen Gefahren auf- Unterbringunssituation der Flüchtlinge wir noch monatlich festgelegte Beträge
grund der sehr angespannten Sicherheits- in Katz- für Kleidung,
und Menschenrechtslage „erreichen nach hütte zu Hausrat und
derzeitiger Einschätzung grundsätzlich verharm- Hygienearti-
und vorbehaltlich einer im Einzelfall vor- losen kel. Festge-
zunehmenden anderen Bewertung nicht und so- legt ist auch,
die für die Annahme einer individuellen, gar deren dass wir in-
gleichsam unausweichlichen Betroffen- Berichte klusive die-
heit erforderlichen Dichte.“ teilweise ser Beträge
Quelle: Pro Asyl-Newsletter Nr. 132 als un- monatlich
Februar 2008 ■ wahr 224,00 Euro
darzu- ausgezahlt
Keine Rückführungen nach stellen. bekommen
Aus die- müssten.
Sri Lanka sem Ausgezahlt
Schweiz. Die Schweizerische Flücht- Grund haben die Bewohner erneut eine werden uns jedoch nur 166,00. Euro. Es
lingshilfe SFH fordert die Schweizer Be- eigene Stellungnahme zu den Gescheh- heißt, die Heimleitung müsste von dem
hörden angesichts der jüngsten Entwick- nissen herauszugeben: Geld Toilettenpapier und andere Hygie-
lungen in Sri Lanka auf, von Wegweisun- „Während des Besuches der Vertreter neartikel für die Gemeinschaft bereitstel-
gen dorthin abzusehen und die Einreise der besagten Behörden, versuchte die len. Dies ist allerdings nicht der Fall.
von srilankischen Staatsangehörigen Heimleitung immer wieder zu verhin- Fraglich ist also der Verbleib der 58,00
möglichst unbürokratisch zu gestalten. dern, dass wir, die Bewohner des Flücht- Euro die wir jeden Monat zu wenig aus-
Wiederholt hatte die SFH bereits im lingsheimes Katzhütte die Zustände in gezahlt bekommen.
vergangenen Jahr darauf hingewiesen, unserer Behausung den Vertretern direkt Kollektivbestrafungen wie die Drosse-
dass die Situation in Sri Lanka sich ver- schildern. Des Weiteren verbietet die lung der Wassertemperatur in der Nacht,
schlechtert hatte und ein offener Bürger- Heimleitung, ohne ersichtlichen Grund, bzw. dass Abschließen der Gemein-
krieg drohte. Mit den jüngsten Entwick- sämtlichen Pressevertretern bzw. uns schaftsküche sind pädagogische Maß-
lungen hat sich diese Befürchtung nun persönlich, im Heim zu filmen oder zu nahmen, die noch aus Zeiten des Ferien-
bewahrheitet: Nach der Aufkündigung fotografieren, was es unmöglich macht, lagers zu stammen scheinen. Wir,
des Waffenstillstandes haben die Kriegs- die Situation im Heim einer breiten Öf- Flüchtlinge aus aller Welt, die aus ver-
handlungen weiter zugenommen. Der fentlichkeit zu zeigen. schiedenen Gründen unsere Heimat ver-
Friedensprozess ist gescheitert. Eine Den Presseberichten zufolge gibt die lassen mussten, fühlen uns durch derarti-
weitere Brutalisierung durch Kriegsfüh- Heimleitung lediglich zu, dass in zwei ge Repressalien, wie auch die Erfindung
rung und Menschenrechtsverletzungen Bungalows Schimmel in den Wänden der Lebensmittelgutscheine und Ur-
ist zu erwarten. Leidtragend ist die Zivil- ist, was sich allerdings leicht reparieren laubsscheine in unserer Würde verletzt.
bevölkerung, die zunehmend zwischen ließe. Wir möchten jedoch klarstellen, Wir fordern aus diesem Grund, keine
die Fronten gerät. dass wir in einem ehemaligen Ferien- Reparatur der schimmligen Wände in
Beim größten Teil der Personen, die in heim wohnen, was noch zu DDR Zeiten zwei Bungalows, sondern eine sofortige
die Schweiz kommen, handelt es sich um gebaut wurde. Nur einige Bewohner Schließung dieses Heims und eine Un-
Tamilen und Tamilinnen, die aus den wohnen in diesen ehemaligen Ferien- terbringung in normalen Wohnungen, in
Kriegsgebieten im Norden oder Osten Bungalows. Die meisten wohnen jedoch denen es uns möglich ist, ein men-
des Landes stammen. Die SFH geht da- in alten Baracken, deren Wände aus schenwürdiges Leben zu führen!
von aus, dass es in Sri Lanka keine Ge- Hartpappe bestehen. Die Räume sind ex- Am 27.2.2008 sind ohne ersichtli-
biete mehr gibt, in die sich diese Men- trem hellhörig und es gibt für die dort le- chen Grund Polizeibeamte auf das Ge-
schen in Sicherheit bringen können. Die benden Familien kaum Privatsphäre. Die lände des Heims und in unsere Gemein-
Zahl der intern Vertriebenen schwankt je ehemalige Ferienanlage ist zum einen alt schaftsküche eingedrungen. Seitdem
nach Quelle zwischen einer halben und und verbraucht, da sie nie restauriert fahren immer wieder Polizeiwagen
einer Million. Es ist zu erwarten, dass die worden ist, zum anderen wurde sie nie Streife um das Heim.
Kriegshandlungen weitere Vertreibungen zum dauerhaften Bewohnen ausgerich- Wir fordern außerdem, diese Art von
mit sich bringen werden. Die SFH ruft tet. Die meisten der Bewohner der GU Einschüchterungsversuchen sofort zu
die Schweizer Behörden deshalb dazu müssen dort allerdings für 5 Jahre und unterlassen!“
auf, von Wegweisungen abzusehen und mehr wohnen bleiben. Die Bewohner der Gemeinschafts-
die Ausreisefristen für bereits Abgewie- Die Wände der Bungalows und Bara- unterkunft Katzhütte
sene bis auf weiteres zu verlängern. Au- cken sind kaum oder gar nicht gedämmt,
ßerdem sollte die Einreise in die Schweiz weshalb sich viele der Bewohner elektri- E-mail: thevoiceforum@emdash.org,
möglichst unbürokratisch ermöglicht sche Heizgeräte selber kauften. Diese http://thevoiceforum.org ■
werden. Quelle: www.osar.ch ■

: antifaschistische nachrichten 5-2008 13


Sonneberg. Es ist schon vorge-
kommen, dass eine Verkäuferin
Asylbewerber erbost: Restbeträge
dem Asylbewerber die Packung
Kaffee wieder vom Band genommen und auf Wertschecks nicht ausbezahlt
zurück ins Regal gestellt hat. Begrün-
dung: Das sind Genussmittel. Die sind „Schwachsinn“, sagt dazu eine Sonne- lungen für Asylbewerber, Geduldete und
nicht für Sie gedacht.“ Sandra Jesse berger Verkäuferin, die anonym bleiben weitere Leistungsberechtigte umzustel-
seufzt. Die Sprecherin des Thüringer möchte. Die eigentliche Frechheit sei len. „Mit dem Verweis auf den Vorrang
Flüchtlingsrates weiß, dass es allerorten doch, dass der Scheck-Stuss am Schluss von Sachleistungen gegenüber Geldzah-
im Freistaat immer wieder Probleme dem Letzten in der Kette, der Verkäufe- lungen hatte der Gesetzgeber beabsich-
gibt, wenn Asylbewerber mit ihren Gut- rin an der Kasse, aufgehalst wird. „Nach tigt den Massenzustrom von Flüchtlin-
scheinen einkaufen wollen. Anweisung von oben.“ Ob Firmenzen- gen nach Deutschland einzuschränken.
Das Landratsamt Sonneberg hält sich trale oder Sozialstaat, ist ihr dabei egal. Durch Senkung der Attraktivität von
an die Thüringer Generallinie, die Wert- Nur ausbaden müsse sie eben die ständi- Leistungen zum Lebensunterhalt sollten
schecks vor Bargeld setzt. Mit Folgen. gen Beschwerden. Anreize genommen werden.“ In der Pra-
Anfang des Jahres wurde das System Protestbrief der Flüchtlinge xis habe sich aber gezeigt, dass diese Be-
umgestellt. Statt eines elektronischen schränkung wenig wirksam ist. Die Asyl-
Chips, der beim Einkauf in den diversen Alles wird ständig teurer, von der knapp bewerberzahlen sind aus eher anderen
Discountern der Spielzeugstadt das Ein- bemessenen Hilfe auch noch das Rück- Gründen rückläufig. „Das vermeintliche
gekaufte abbucht, wird nun zum Monats- geld abgezockt zu bekommen, empfindet Regulativ Leistungsgewährung trägt
anfang eine Zettelwirtschaft ausgereicht. der Kunst- und Mathelehrer Delschad als dazu nicht oder kaum bei.“
70 grüne Blättchen, davon zwölf zu 5 demütigend. Delschads Einkaufstour Durch die gesonderte Behandlung
Euro, 26 zu 2 Euro, zehn zu einem Euro steht Pate fürs Allgemeinbild. In nahezu durch Gutscheine würden Flüchtlinge
und neun 50-Cent-Papierchen. Drei ha- allen Textilbuden oder Lebensmittelram- stigmatisiert, und durch den Verweis auf
ben den Wert von 10 Cent aufgemustert pen haben die in der Sammelunterkunft bestimmte Einkaufsstätten oder durch
bekommen. Summa summarum 126,80 in der Sonneberger Gustav-König-Straße den Ausschluss von Wechselgeldzahlun-
Euro, auf die Mustafa Hamad Delschad untergebrachten Flüchtlinge Vergleich- gen benachteiligt. „Zudem werden durch
qua Leistungsermittlung nach dem Asyl- bares erlebt. Gehässige Kommentare die für jedermann offensichtliche um-
bewerberleistungsgesetz (AsylbLG) mo- vom Gegenüber an der Kasse gab’s mit- ständliche Behandlung dieser betroffe-
natlich Anspruch hat, um davon die Kos- unter gratis obendrauf: Wem es nicht nen Ausländergruppe unnötige Angriffs-
ten für Brot und Seife zu bestreiten. passt, der solle doch heimgehen. flächen für Fremdenfeindlichkeit ge-
Obendrauf kommen 40,90 Euro bar aus- Einzig im Penny-Markt oder bei Diska schaffen. Gerade im Zusammenhang mit
bezahltes Taschengeld. In einem Satz: werde nach den aufgedruckten Regeln der neuerlichen Diskussion über Rechts-
Halbes Hartz IV für Essen und Trinken verfahren bzw. der Rest vom Wertgut- extremismus wäre hier ein politisches
im Monat. schein erstattet. Mal so, Signal gegen Ausgren-
Der irakische Kurde hat seine eigenen mal so geht es bei Kauf- zung von Flüchtlingen
Erfahrungen mit den Gutscheinen ge- land aus. Bei Edeka, kik wünschenswert.“
macht. „Das Rückgeld wird nicht heraus- und NKD heißt es mit- Den Verwaltungsauf-
gegeben.“ Zwar steht auf den Schecks unter lapidar auf den wand könne man sich
aufgedruckt, dass zumindest Rückgeld Kassenbons: Rückgeld also glatt sparen. Dazu
bis zu zehn Prozent des Nennwerts aus- verfällt. kommt: Im ländlichen
bezahlt wird, doch Pustekuchen. An der Nachdem sich die ei- Raum ist es für Asylbe-
Kasse, so haben es die Flüchtlinge ein genwillige Praxis he- werber zunehmend
ums andere Mal erlebt, erweisen sich die rumgesprochen hat, war schwierig Läden aufzu-
Kassiererinnen als Bollwerk gegen Ba- der Ärger groß in der Sammelunterkunft. tun, die Wertschecks überhaupt akzeptie-
res. „Freies Wort“ begleitete den 44-Jäh- Eine Petition wurde aufgesetzt, rund 40 ren. Den Appell, von Gutscheinen auf
rigen zu einem Billig-Textilmarkt. Die Flüchtlinge unterschrieben, protestierten Bargeld umzuschwenken, hat kein Son-
Packung Socken für 3,99 Euro wurde mit gegen die Umstellung von Chipkarten- neberger unterschrieben. Die Position ei-
einem 5-Euro-Gutschein beglichen. system auf Wertgutschein. Eine Antwort nes Ausländerbeauftragten lässt der
„Geld gibt’s aber nicht zurück“, sagt die steht bis heute aus, dem Landratsamt Kreistag seit Jahren unbesetzt.
Verkäuferin. „Anweisung aus der Zen- Sonneberg ist von der Existenz eines Be- „Freies Wort“ nahm die Beschwerde
trale“, heißt es knapp zur Begründung. schwerdebriefes zudem nichts bekannt, der Asylbewerber zum Anlass einer
Nicht einmal die sogar auf dem Gut- so Behördensprecher Michael Volk. Nachfrage beim Anbieter des Wert-
schein zugestandenen zehn Prozent, also Trotz der offensichtlichen Probleme, die schecksystems. Sodhexopass-Sprecher
50 Cent, werden herausgerückt. die Neuerung zulasten der Flüchtlinge George Wyrwoll zeigte sich unangenehm
„Wo geht das Geld hin, wer behält mit sich bringt, sieht das Landratsamt überrascht: „Das steht deutlich im Wi-
das?“, fragt Delschad erbost. Das Leben keinen Grund diese wieder zurückzuneh- derspruch zu dem, was wir als praktika-
in Deutschland ist teuer, seufzt der men. ble Lösung konzipiert haben.“ Dass das
Mann, der 2002 aus dem Irak floh, weil Gelegenheit, es überhaupt nicht soweit nicht ausbezahlte Restgeld schlussend-
sein Leben als Angehöriger einer Min- kommen zu lassen, hätte das Landrats- lich verfällt, ist seine Vermutung. Wenn
derheit von der Diktatur bedroht wurde. amt gehabt. Flüchtlingsratssprecherin die Discounter mit dem Pass des Frank-
In der Demokratie, so sieht er es, wird er Jesse verweist auf eine Forderung der furter Versorger-Multis abrechnen, kön-
nun beklaut. Arbeitsgemeinschaft der kommunalen ne schließlich nur das abgebucht werden,
„Dass Alkohol und Tabak mit den Ausländerbeauftragten Thüringens. Das was als Ware zuvor herübergereicht wur-
Gutscheinen nicht gekauft werden dür- Gremium hatte Anfang September in Er- de. Wie auch immer: Man werde Kontakt
fen, das lesen die Verkäuferinnen auch. furt getagt. Die Ausländerbeauftragten mit den Akzeptanzstellen aufnehmen
Aber, dass sie Rückgeld bis zehn Prozent nahmen die landesweite Vertragskündi- und die Angelegenheit prüfen. „So ist
ausbezahlen müssen, das lesen sie gung des Chipkartenanbieters Sodhexo das nicht zu billigen.“
nicht“, schimpft der Flüchtling. „Stecken zum Anlass zu fordern, generell von Quelle: www.freies-wort.de / flucht
die sich das als Trinkgeld ein?“ Sachleistungen auf einheitliche Geldzah- mailing list, flucht@nds-fluerat.org ■

14 antifaschistische nachrichten 5-2008


Ostermärsche 2008 Militärausgaben
wären Hunger,
Armut und
Vor 50 Jahren führte der erste gie und die Umkehr zu einer neuen Poli- Konfliktpoten-
Ostermarsch von London zur tik, basierend auf internationaler Ver- ziale in Krisen-
Atomforschungsanlage Aldermas- ständigung, Abrüstung, Gerechtigkeit, regionen zu be-
ton (7. April 1958). Andreas Buro Solidarität, Armutsbekämpfung und wältigen.
schreibt darüber im FriedensForum nachhaltigen Umgang mit der Natur. Wir Keine Angriffskriege zur
1/2008. Die englische CND erinnert da- verlangen von der Bundesregierung die Ausplünderung von Bodenschätzen
ran dieses Jahr mit einer Veranstaltung Unterstützung von Alternativen zur zivi-
am gleichen Ort. In der damaligen Bun- len Konfliktregelung, Verhandlungen Es ist kein Zufall, dass die von den In-
desrepublik wurde das englische Bei- statt Sanktionen und Kriegsdrohungen. dustrienationen ins Visier genommenen
spiel zwei Jahre später aufgegriffen Truppen raus aus Afghanistan Kriegsgebiete reiche Bodenschätze be-
(1960 in Bergen Hohe) und bis heute ist sitzen oder für deren Transport sehr
die Tradition ungebrochen. Der grundgesetzwidrige Einsatz einer wichtig sind. Die Umrüstung der Bun-
Die Aktionen in diesem Jahr stellen deutschen schnellen Eingreiftruppe in deswehr zu einer kriegsfähigen Armee
die Kriegseinsätze in Afghanistan, Irak Afghanistan verstrickt unser Land noch überall auf der Welt, steht im Wider-
und die politische Lösung des Schlüssel- tiefer in den so genannten Antiterror- spruch zu Grundgesetz und Hessischer
konflikts Israel/Palästina in den Mittel- krieg und damit in die direkte Kriegsbe- Verfassung. Dieser Verfassungsbruch
punkt. Auch das ursprüngliche Oster- teiligung. Damit geschieht genau das Ge- (Art. 26 des Grundgesetzes verbietet An-
marsch-Thema wird aufgegriffen, die genteil dessen, was die Bundesregierung griffskriege) wird durch den Reformver-
Abschaffung aller Atomwaffen und die versprach. Nicht das zivile Engagement trag der Europäischen Union zur offiziel-
Auflösung des deutschen Atomwaffenla- wird verstärkt, sondern das militärische. len Politik.
gers Büchel gefordert. Naher und Mittlerer Osten werden zu- Kein neuer kalter Krieg in Europa
Die Ostermärsche finden traditionell nehmend zu einem Pulverfass. Der Kon-
in regionaler und lokaler Verantwortung flikt wird dadurch weiter geschürt, dass Seit der geplanten Raketenabwehr der
statt. Auf der Website der Friedensko- den Palästinensern die Unterstützung für USA in Polen und Tschechien ver-
operative (Bonn) findet sich eine Über- einen lebensfähigen Staat verweigert schlechtert sich das Klima zwischen
sicht über die geplanten Ostermärsche, wird. Russland und der Nato. Es droht ein
die Aufrufe aus den Regionen sowie z.T. Krieg ist Terror und keine Terrorbe- Rückfall in den Kalten Krieg, gegen den
auch die vorgesehenen Redner und kämpfung bereits die Ostermarschbewegung in den
Kundgebungsprogramme. 60er Jahren des letzten Jahrhunderts ge-
Diese Termin- und Inhaltsübersicht Seit über sechs Jahren sind für die USA kämpft hat. Die geplante Verlagerung
wird auch nach den Veranstaltungen im- und ihre Verbündeten Afghanistan und des US-Hauptquartiers nach Wiesbaden
mer noch weiter ergänzt. der Irak die zentralen Kriegsschauplätze. macht unsere Region noch mehr zur
Infos: Netzwerk Friedenskooperative Insbesondere im Irak hat der Krieg durch Drehscheibe für Kriegseinsätze.
Tel.: 0228/692904, die Besatzer hunderttausendfache Todes- Spart endlich an der Rüstung
www.friedenskooperative.de opfer unter Zivilisten gefordert und Mil-
Wir dokumentieren den Aufruf zum lionenfache Vertreibung. Für die Men- Wir brauchen keine neuen Waffen und
Ostermarsch 2008 in Frankfurt am schen dieser Länder ist Krieg nur Terror zusätzliche Milliarden für Auslandsein-
Ostermontag, 24. März: und die fremden Truppen sind Besatzer. sätze der Bundeswehr. Wir brauchen eine
Rüstung tötet schon im Frieden Politik, die Konfliktursachen beseitigt
Dem Frieden eine Chance und statt Rüstungsgelder zu verschwen-
Den Unsummen für Rüstung und Kriegs- den, notwendigen zivilen Projekten wie
Die Versuche, politische Probleme mili- führung stehen Almosen für Friedens- vorrangig der Beseitigung von Armut zur
tärisch zu lösen, sind zum Scheitern ver- dienste und Entwicklungshilfe gegen- Verfügung stellt.
urteilt. Unschuldige Menschen sterben, über. Eine besondere Art von „Entwick- Keine Militarisierung im Inneren
Länder werden verwüstet, Hass und Ver- lungshilfe“ in Krisengebiete sind zudem
zweiflung wachsen an. Wir fordern ein Rüstungsexporte aus Deutschland. Be- Mit ständig geschürter Anti-Terror-Hys-
Absage an eine Weltneuordnungsstrate- reits mit einem Bruchteil der weltweiten terie werden an breiter Front in einem
nie da gewesenen Maße demokratische
Grundrechte ausgehöhlt. Seit dem ver-
Der Herausgabekreis und die Redaktion sind zu erreichen über:
GNN-Verlag, Venloer Str. 440, 50825 Köln Tel. 0221 / 21 16 58, Fax 0221 / 21 53 73. fassungswidrigen Bundeswehreinsatz in
email: antifanachrichten@netcologne.de, Internet: http://www.antifaschistische-nachrichten.de Heiligendamm 2007 wird damit auch
Erscheint bei GNN, Verlagsges. m.b.H., Venloer Str. 440, 50825 Köln. V.i.S.d.P.: U. Bach eine Militarisierung im Inneren legiti-
Redaktion: Für Schleswig-Holstein, Hamburg: W. Siede, erreichbar über GNN-Verlag, Neuer Kamp 25, miert.
20359 Hamburg, Tel. 040 / 43 18 88 20. Für NRW, Hessen, Rheinland Pfalz, Saarland: U. Bach,
GNN-Verlag Köln. Baden-Württemberg und Bayern über GNN-Süd, Stubaier Str. 2, 70327 Stuttgart, Tel. Wir fordern:
0711 / 62 47 01. Für „Aus der faschistischen Presse“: J. Detjen c/o GNN Köln.
Erscheinungsweise: 14-täglich. Bezugspreis: Einzelheft 1,30 Euro. ◗ Abzug der Bundeswehr aus
Bestellungen sind zu richten an: GNN-Verlag, Venloer Str. 440, 50825 Köln. Sonderbestellungen sind Afghanistan
möglich, Wiederverkäufer erhalten 30 % Rabatt. ◗ Abzug aller Besatzungsmächte aus
Die antifaschistischen Nachrichten beruhen vor allen Dingen auf Mitteilungen von Initiativen. Soweit ein- Irak und Afghanistan
zelne Artikel ausdrücklich in ihrer Herkunft gekennzeichnet sind, geben sie nicht unbedingt die Meinung ◗ Unterstützung für einen lebens-
der Redaktion wieder, die nicht alle bei ihr eingehenden Meldungen überprüfen kann. fähigen Staat Palästina
Herausgabekreis der Antifaschistischen Nachrichten: Anarchistische Gruppe/Rätekommunisten (AGR); Annelie Bun-
tenbach (Bündnis 90/Die Grünen); Rolf Burgard (VVN-BdA); Jörg Detjen (Verein für politische Bildung, linke Kritik und Kom-
◗ Armutsbekämpfung statt Bekämp-
munikation); Martin Dietzsch; Regina Girod (VVN - Bund der Antifaschisten); Dr. Christel Hartinger (Friedenszentrum e.V., fung der Armen
Leipzig); Hartmut-Meyer-Archiv bei der VVN - Bund der Antifaschisten NRW; Ulla Jelpke (MdB); Marion Bentin, Edith Berg- ◗ Demokratie und Menschenrechte
mann, Hannes Nuijen (Mitglieder des Vorstandes der Arbeitsgemeinschaft gegen Reaktion, Faschismus und Krieg–
Förderverein Antifaschistische Nachrichten); Kreisvereinigung Aachen VVN-BdA; AG Antifaschismus/ Antirassismus in
statt Militarisierung
der PDS NRW; Angelo Lucifero (Landesleiter hbv in ver.di Thüringen); Kai Metzner (minuskel screen partner); Bernhard ◗ Kein US-Hauptquartier in Wies-
Strasdeit; Volkmar Wölk. baden

: antifaschistische nachrichten 5-2008 15


: aus der faschistischen Presse
eigentlich weniger die Gustloff-Tragödie
an sich als ein Thema für einen Anti-
Deutschlandpakt auch bei nalen Kampagne.“ heißt es auf der Web- Kriegsfilm im Sinn gehabt.“ Dass das
Kommunalwahlen in NRW site der Bundes-NPD. ZDF das Thema jetzt anders angeht, ge-
Bundesweit würden in den nächsten fällt ihm: „Der neue Film behandelt das
NRW. Der sogenannte Deutschlandpakt Wochen hunderttausende Flugblätter, Thema weniger bedeutungsschwer, son-
zwischen NPD und DVU bei Landtags-, Zeitungen und Aufkleber verbreitet. Zu- dern versucht, das Geschehen im Rah-
Bundestags- und Europawahlen werde dem würden hunderte Infostände den men eines Unterhaltungsfilms zu vermit-
auch bei den Kommunalwahlen 2009 in Menschen dieses Landes die Möglich- teln. Damit ist es wesentlich eingängiger
NRW fortgeführt, heißt es von Seiten der keit geben, sich über die Nationaldemo- für das große Publikum.“
NPD NRW. Markus Pohl, zuständig für kraten und ihr soziales Wollen zu infor- „JF: Sie empfehlen also, auf jeden Fall
Öffentlichkeitsarbeit teilte mit, am mieren. Die verschiedenen Materialien – den Film am Sonntag- und Montagabend
2.3.2008 hätten sich Vertreter der Lan- eine Kampagnenzeitung sowie zahlrei- nicht zu verpassen?
desverbände von NPD und DVU getrof- che Flyer zu verschiedenen sozialen The- Schön: Ja unbedingt! Denn ich glaube,
fen, um ein gemeinsames Vorgehen bei men – stehen bereits als Download zur es ist trotz allem (gemeint sind kleinere
den Kommunalwahlen im nächsten Jahr Verfügung. Ungereimtheiten im Drehbuch) ein gro-
zu besprechen. Man habe vereinbart, in Als Höhepunkt der Kampagne wird ßer und ein mutiger Film. Nicht zuletzt
welchen Regionen die NPD und in wel- eine Großdemonstration am 1. Mai in deshalb, weil er auch stellvertretend steht
chen Regionen die DVU zur Kommunal- Nürnberg angekündigt. für all das unerzählte Leid, das so viele
wahl antreten wird. Beide Parteien hätten Großspurig heißt es: „Nationalismus Deutsche damals durchleben mussten –
sich gegenseitige Unterstützung der ist ein politischer Frühling. Machen wir es ist eine deutsche Tragödie.“
Wahlantritte zugesagt, was sich neben den Frühling dieses Jahres zum Signal Schön bestätigt im Grunde so die viel-
der eigentlichen Wahlkampfunterstüt- des Aufbruches.“ fach vorgetragene Kritik an dem Fern-
zung auch in Form von Kandidaten für Nach den diversen Wahlschlappen die- sehfilm, er habe eine revisionistische
die jeweiligen Listen niederschlagen ses Frühjahrs scheinen die Anhänger ein Sichtweise, weil er den geschichtlichen
könne. Sowohl der DVU-Landesvorsit- wenig Aufmunterung nötig zu haben. Gesamtzusammenhang nahezu ausblen-
zende von NRW, Max Branghofer, als Quelle: Website der NPD ■ de und die deutschen Schiffspassagiere
auch der NPD-Landesgeschäftsführer, nur als Kriegsopfer darstelle.
Claus Cremer, betonen in Stellungnah- „Junge Freiheit“ interviewt Genau das muss man doch auch mal
men, dass „nur ein gemeinsames Han- sagen dürfen, ist der Tenor des Inter-
deln auch zum Erfolg führen wird.“ Für Gustloff-Überlebenden views und auch wie immer über die
Cremer heißt das aber auch die Einbezi- Junge Freiheit Nr. 10/08 Wehrmacht gesprochen wird, gefällt
heung der „Freien Kräfte“: „Ich bin mir vom 29. Februar 2008 Schön nicht: „… bis heute wird in der
sicher, daß wir diese Erfolge zusammen Das Blatt interviewt aus aktuellem An- breiten öffentlichen Darstellung ver-
mit den Kameraden der DVU und den lass – dem am 1. und 2. März ausge- schwiegen, dass die deutsche Kriegs-
Kameraden des parteiungebundenen strahlten ZDF-Zweiteiler „Die Gustloff“ und Handelsmarine 2,5 Millionen Deut-
Spektrums erreichen können.“ – den Überlebenden Heinz Schön, der als sche über die Ostsee gerettet haben. Eine
Sollten auch die REP noch zur Wahl 4. Offizier auf der Gustloff tätig war. enorme humanitäre Leistung!“
antreten, erwächst den „Pro“-Kandidatu- Nach dem Krieg, so die JF, recherchierte Gefragt, wie er sich dieses „Tabu“ er-
ren diverse Konkurrenz. Schön unermüdlich, baute das „Gustloff- kläre, fährt er fort: „Die Wehrmacht und
Quelle: PM NPD NRW ■ Archiv“ auf und hat inzwischen 3 Bücher damit auch die Marine gilt heute ja ge-
zum Thema geschrieben. Im Interview meinhin meist nur noch als ,Hitlers
NPD startet Kampagne erwähnt er, auch bei einem Kinofilm Kriegsmaschine‘, und da passen Helden-
1959 „Nacht fiel über Gotenhafen“ die taten nicht ins Bild. Am Ende würde das
„Sozial geht nur national“ Filmemacher bereits als Zeuge des Ge- vielleicht noch positiv auf Großadmiral
„Mit dem Frühling startet auch die NPD schehens beraten zu haben. Schön: „Was Dönitz abfärben! Nicht zuletzt liegt es
und ihre Jugendorganisation JN eine das Dokumentarische betrifft, war ,Nacht vielleicht daran, dass die Frage nach den
neue Öffentlichkeitsoffensive. ,Sozial fiel über Gotenhafen‘ ganz hervorra- deutschen Opfern im Zweiten Weltkrieg
geht nur national‘ ist der Name der natio- gend, aber Regisseur Frank Wisbar hat heute auf die Formel reduziert wird:
Selbst schuld, auf uns fiel nur zurück,
was wir angefangen haben.“
Der Stern veröffentlichte einen inte-
BESTELLUNG: Hiermit bestelle ich … Stück pro Ausgabe (Wiederverkäufer erhalten 30 % Rabatt) ressanten Artikel zu dem „Fachberater“
O Halbjahres-Abo, 13 Hefte 22 Euro Schön in Sachen „Gustloff“ und seinen
O Förder-Abo, 13 Hefte 27 Euro Erscheinungsweise: diversen Berührungspunkten mit der ex-
14-täglich
O Jahres-Abo, 26 Hefte 44 Euro tremen Rechten: http://www.stern.de/po-
O Förder-Abo, 26 Hefte 54 Euro litik/panorama/612929.html. u.b. ■
O Schüler-Abo, 26 Hefte 28 Euro
O Ich möchte Mitglied im Förderverein Antifaschistische Nachrichten werden. Der Verein unterstützt finanziell
und politisch die Herausgabe der Antifaschistischen Nachrichten (Mindestjahresbeitrag 30,- Euro).

Einzugsermächtigung: Hiermit ermächtige ich den GNN-Verlag widerruflich, den Rechnungsbetrag zu Lasten
Spendenkampagne
meines Kontos abzubuchen. (ansonsten gegen Rechnung)
Noch ist das Spendenziel von
Name: Adresse: 2000 Euro nicht erreicht!
Bis jetzt wurden
Konto-Nr. / BLZ Genaue Bezeichnung des kontoführenden Kreditinstituts 1624 Euro gespendet.
Vielen Dank!
Unterschrift Spendenkonto: GNN-Verlag,
GNN-Verlag, Venloer Str. 440, 50825 Köln, Tel. 0221 – 21 16 58, Fax 21 53 73, email: gnn-koeln@netcologne.de Postbank Köln, BLZ 370 100 50,
Bankverbindung: Postbank Köln, BLZ 370 100 50, Kontonummer 10419507
Kto.Nr. 10419507

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