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:antifaschistische Nr.

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nachrichten g 3336 27.3.2008 24. jahrg./issn 0945-3946 1,30 ¤
www.antifaschistische-nachrichten.de

Skandalöse Habsburg-
Rede in Wien
Österreich/Wien. Aus Anlass des 70.
Jahrestages des „Anschlusses“ Öster-
reichs an Nazi-Deutschland 1938 hatte
die konservative „Österreichische
Volkspartei“ (ÖVP) Mitte März zu ei-
ner Feierstunde ins Parlament eingela-
den. Zu den Rednern der Veranstaltung
gehörte auch der Sohn des letzten öster-
reichischen Kaisers, Otto von Habsburg
(95). „Paneuropäer“ Habsburg über-
raschte die Zuhörer, darunter viele
ÖVP-Parlamentarier und Schüler, mit
einer ganz eigenwilligen Interpretation
der Geschichte. Es gebe keinen Staat in
Europa, so Habsburg, „der mehr recht
hat, sich als Opfer zu bezeichnen“. Die Zug der Erinnerung jetzt auf dem Weg nach Hamburg. Vom 13.- bis 15. März machte er in Köln
Deklaration der Alliierten in Moskau Station. Bericht Seite 4 und 5 Foto: www.arbeiterfotografie.com
von 1943, in der die Mitverantwortung
Österreichs verankert wurde, bezeich- Ostermärsche bei Frost, Schnee und Regen:
nete Habsburg als einen großen „Akt
von Heuchelei und Lüge“ (RP 13.3.08).
Aus 250.000 bis 300.000 NS-Anhän-
gern, die Hitler am 15. März 1938 auf
Friedensbewegung zieht
dem Heldenplatz gefeiert hatten, wur-
den in Habsburgs Rede 60.000 und eine
positive Bilanz
„Selbstverständlichkeit“, die er mit der Kassel, 24. März 2008. Durch- entsenden, dann drohe Deutschland über
Harmlosigkeit eines Fußballspiels ver- gefroren, aber guten Muts. So kurz oder lang sein eigenes Vietnam. Vie-
glich. Die auch „in einen Nebenraum etwa fühlten sich die Friedensakti- le Ostermarschteilnehmer/innen nutzten
übertragene Rede Habsburgs wurde vistinnen und -aktivisten, die die rund 90 die Gelegenheit und unterschrieben eine
mehrmals von tosendem Applaus und Ostermärsche in allen Teilen des Landes Petition der Friedensbewegung, in der die
sogar Jubelrufen unterbrochen“ (NZZ- organisiert und durchgeführt haben. Auch Bundestagsabgeordneten aufgefordert
Online 14.3.08). wenn man das Wetter nicht immer auf sei- werden, einer Verlängerung oder Auswei-
Ex-Bundeskanzler Schüssel sah sich ner Seite hatte: Der Zuspruch zu den Frie- tung des Bundeswehreinsatzes in Afgha-
veranlasst, die von Habsburg vorgetra- densdemonstrationen war eher größer als nistan nicht mehr zuzustimmen.
gene Geschichtsauffassung vorsichtig im vergangenen Jahr. Ein aufmunterndes Fünf Jahre nach dem Einmarsch in den
zu relativieren. Die Österreicher seien Ergebnis, wenn man an die bevorstehen- Irak stellt sich auch dort die Situation für
„leider auch Täter geworden“, so den Herausforderungen der Friedensbe- die Besatzungsmächte desaströs dar. Die
Schüssel, und die Menschenmassen, wegung denkt. Friedensbewegung erinnerte in zahlrei-
die Hitlers Auftritt auf dem Heldenplatz Die Ostermärsche waren von drei zen- chen Ostermarsch-Aufrufen und Reden
bejubelt hatten, seien auch nicht so tralen Themen beherrscht: Den Kriegen in an die Tatsache, dass die Bundesregie-
harmlos wie bei einem Fußballspiel ge- Afghanistan und im Irak sowie der fort- rung, obwohl nicht direkt am Krieg betei-
wesen. Der sozialdemokratische Minis- dauernden Eskalation des israelisch-pa- ligt, den völkerrechtswidrigen Krieg der
ter Darabos bezeichnete Habsburgs lästinensischen Konflikts. Zu Afghanistan USA, Großbritanniens und anderer Alli-
Rede als „veritablen demokratiepoliti- hatte die Friedensbewegung schon im ierter dadurch unterstützt und fördert,
schen Skandal“, eine Verhöhnung der Vorfeld ihre Positionen klar formuliert: dass den US-Streitkräften unwiderspro-
Opfer des Nazi-Regimes und forderte Eine Chance für eine Beendigung des chen Militärbasen in Deutschland zur Ver-
eine Distanzierung der ÖVP von Habs- Krieges könne es nur geben, wenn die Be- fügung stünden, von denen aus die tödli-
burgs Aussagen. hma ■ satzungstruppen einschließlich der Bun- che Fracht in den Irak transportiert würde.
deswehr das Land verlassen. Das krasse Berlin müsse den Luftraum für solche Mi-
Missverhältnis zwischen den Ausgaben litäroperationen sperren und könne dies
für das Militär und den Ausgaben für den auch. Das grundgesetzliche Verbot der
Aus dem Inhalt: zivilen Aufbau (Relation etwa 10 zu 1) Beihilfe zu einem Angriffskrieg gebiete
Stichwahl in Frankreich: müsse umgekehrt werden. Andernfalls dies sogar.
FN kann nicht punkten . . . . . . . 7 drohe eine weitere Irakisierung der Nach Überzeugung des „Friedensrat-
2000 demonstrierten gegen Kämpfe. Sollte die Bundesregierung ihr schlags“ hat der Irakkrieg die Lage im ge-
Überwachungsstaat . . . . . . . . 15 Vorhaben in die Tat umsetzen und zusätz- samten Nahen Osten weiter destabilisiert.
liche Kampftruppen nach Afghanistan weiter Seite 3
: meldungen, aktionen
Gedenkort zu versteigern?
Bremen. Große Empörung lösen in Bre-
men Pläne der Bundeswehr aus, den U-
Boot-Bunker „Valentin“ zum Verkauf
Sammlerfreuden ren“, meinte Frings. Nachdem die Orga- anzubieten. 1943-45 starben auf der
Bulgarien/Sofia. Die bulgarische Ar- nisatoren um das Serbien-Forum darauf Bunkerbaustelle rund 3.500 KZ-Häftlin-
mee hat mit der Versteigerung alter Pan- hingewiesen wurden, wer „Doktor“ ge an Entkräftung oder wurden erschla-
zer aus deutscher Produktion begonnen. Frings sei, distanzierten sie sich von gen, zu Tode getreten oder in den Beton
Die mit Nazi-Deutschland verbündete Frings Auftritt und den Inhalten seiner gestoßen. 10-12.000 Menschen aus allen
bulgarische Führung hatte während des Rede. von der Hitlerwehrmacht besetzten Län-
2. Weltkriegs über 200 Kampf- und Jagd- Auch die Serbische Gemeinde zu Ber- dern Europas mussten tagtäglich auf die-
panzer geliefert bekommen. Die Panzer lin, der Weltkongress der Serben und alle ser Baustelle Sklavenarbeit leisten,
dienten nach Kriegsende an der Grenze weiteren Vereine, die am 8. März zu ei- Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter, KZ-
zur Türkei als Panzersperren. Es gebe ein ner zentralen Demonstration in Berlin Häftlinge, viele von ihnen nach einem
großes Interesse von Sammlern, so der aufgerufen hatten, distanzierten sich von täglichen Anmarsch von 4,5 km.
für die Versteigerung zuständige Gene- dem „skandalösen Auftritt“ des NPDlers Erst Ende Juni letzten Jahres eröffnete
ral. hma ■ Frings. Für Frings zeugt dies von „Krie- der Staatssekretär des Bundesverteidi-
cher-Mentalität“. Es sei eine Schande für gungsministeriums im Bunker eine Aus-
Ermittlungen gegen die Serben, sich im Nachhinein so ängst- stellung über den Denkort Lagerland-
lich zu zeigen. schaften und Bunkerwelt, über Ursache
Polizisten Der serbischen Gemeinde ist nur zu und Hintergründe für die Bunkerpla-
Neuwied. Gegen mehrere Polizisten aus wünschen, dass sie aus diesem Vorfall nung, Verschleppung von Abertausenden
Neuwied ermittelt derzeit die Koblenzer lernt und künftig auch kritisch mit natio- von KZ-Häftlingen, Lebensbiographien
Staatsanwaltschaft. Die Polizisten stehen nalistischen, rassistischen und antisemi- und Perspektiven für eine Erinnerungs-
unter dem Verdacht der Körperverlet- tischen Tendenzen in den eigenen Reihen kultur.
zung im Amt. Ihnen wird vorgeworfen, umgeht. abk ■ Die Bundesmarine nutzt große Teile
einen 32-jährigen Mann mit türkischer des Bunkers als Materialdepot, wird sich
Staatsbürgerschaft in Polizeigewahrsam Erschreckende Zunahme aber in zwei Jahren da rausziehen. War
verprügelt und auf rassistische Art belei- es seit vielen Jahren möglich, das zu
digt zu haben. Während ein Polizist zu- rechter Gewalt in Bayern Kriegsende durch Bomben teilweise zer-
geschlagen habe, hätten mehrere andere München. Angesichts der erschrecken- störte hintere Drittel des 451 m langen,
Beamte nur zugesehen, ohne einzugrei- den Zunahme rechtsextremer Gewaltde- 80 m breiten und 15-27 m hohen Bun-
fen. hma ■ likte in Bayern haben die Landtagsgrü- kers zu besichtigen, so ist das aus Sicher-
nen von der Staatsregierung Konsequen- heitsgründen nicht mehr möglich.
Frings (NPD) redet auf zen eingefordert: „Seit Jahren müssen Aber auch die sehenswerte Ausstel-
wir feststellen, dass Jugendliche auch in lung im Mittelteil des Bunkers ist seit
Serben-Demonstration Bayern vermehrt anfällig für braunes dem Wechsel des Standortkomman-
Köln. Etwa 400 Serben hatten sich am Gedankengut sind“, sagte die rechtspoli- dos nur nach Durchlaufen einer Sicher-
Sonntag, den 2. März, auf dem Kölner tische Sprecherin Christine Stahl. Den- heitsprüfung möglich und am Wochen-
Neumarkt versammelt, um gegen die noch habe die Staatsregierung bislang ende bis auf vier Ausnahmen schon gar
Unabhängigkeitserklärung des Kosovo nichts unternommen, um die Präventi- nicht (der Brandschutz ist nicht gewähr-
zu demonstrieren. Beifall bekam auch onsarbeit gegen rechts zu stärken: „Es ist leistet).
ein Redner, der sich, laut Veranstalter, als entscheidend, Jugendliche frühzeitig ge- Bremen ist nicht in der Lage die auf
„Doktor‘ vorgestellt und spontan um ei- gen rechte Agitatoren zu sensibilisieren, 700.000 Euro jährlich veranschlagten
nen Redebeitrag auf der Kundgebung ge- ihnen eine soziale Perspektive zu bieten Unterhaltungskosten alleine zu tragen,
beten hatte: Benedikt Frings. und ihr demokratisches Bewusstsein zu die Bundeswehr möchte sich ihrer Ver-
Der Diplom-Psychologe ist in Köln schärfen.“ Stattdessen aber gebe es an antwortung entziehen, der Kulturstaats-
kein Unbekannter. Bis 2006 war Frings den bayerischen Schulen weder genü- sekretär winkt ab. In Bremen gibt es bis-
Kreisgeschäftsführer der Kölner NPD. gend Schulsozialarbeit noch entspre- lang keine Gedenkstättenstiftung, ohne
Im gleichen Jahr nahm er an der Holo- chende Projekte zur Demokratieerzie- regelmäßigen Bundeszuschuss ist der
caustleugner-Konferenz in Teheran teil. hung. Verfall der einzigen vollständigen Bun-
Im April soll das NPD-Mitglied bei der „Es ist eine Bankrotterklärung, wenn keranlage in Deutschland abzusehen.
neofaschistischen „Gesellschaft für freie die Justizministerin nun als einzige Maß- Bürgermeister Jens Böhrnsen appel-
Publizistik‘ referieren. nahme gegen rechtsextremistische Straf- lierte an den Bund, seine Verantwortung
Auf der Kundgebung am Neumarkt taten den umstrittenen Gesetzentwurf für zu übernehmen. Das Verkaufsangebot im
hetzte Frings gegen Jüdinnen und Juden, ein neues Versammlungsrecht nennen Internet enthält nicht einen Hinweis auf
Freimaurer und eine „Achse des Bösen“, kann“, kritisierte Christine Stahl. Eine die Vergangenheit und Bedeutung des
zu denen er Washington, Tel Aviv und Verschärfung des Grundrechts auf Ver- menschenvernichtenden U-Boot-Bun-
London zählt. Sie seien an der Abspal- sammlungsfreiheit treffe alle Bürgerin- kers.
tung des Kosovo schuld und strebten nen und Bürger, die friedlich ihren Pro- Als antifaschistische Organisation be-
eine Eine-Welt-Diktatur an. „Und wie test anmelden wollten. „Ein härteres Ver- fürchten wir das völlige Vergessen fa-
soll der Gruß dieser Regierung heißen?“, sammlungsrecht wird keine einzige schistischer Verbrechen, KZ-Haft und
fragte Frings die Anwesenden in seiner fremdenfeindliche Gewalttat verhindern. Zwangsarbeit. Statt den Bunker langsam
teilweise wirren Rede und viele antwor- Was wir stattdessen dringend brauchen, dem Verfall preiszugeben, sollte die Bun-
teten ihm im Chor: „Shalom“. ist mehr Geld und staatliches Engage- desrepublik die notwendigen Mittel in
Abspaltungstendenzen wittert Frings ment, um gefährdete Jugendliche früh- einer gemeinsam mit der Wirtschaft ge-
sogar schon in Köln. So könne mit Blick zeitig gegen die braunen Hetzer immun stalteten Stiftung aufbringen.
auf den hohen Migrationsanteil in man- zu machen.“ Raimund Gaebelein, VVN-BdA
chem Kölner Stadtteil „auch uns passie- http://www.gruene-fraktion- aus Bremer Antifaschist,
ren, dass sich Teile für unabhängig erklä- bayern.de/ ■ 4-2008 ■

2 :antifaschistische nachrichten 6-2008


Fortsetzung Ostermärsche S. 1
Dies bekämen nicht zuletzt die Paläs- Selbstverständlich ist der Umfang der den steigenden Rüstungs- und Militäraus-
tinenser zu spüren, denen seit Jahren die bei den Ostermärschen angesprochenen gaben (weltweit aber auch in Deutsch-
Gründung eines lebensfähigen Staates an Themen und Probleme damit längst nicht land) mündete in die griffige Forderung:
der Seite Israels verwehrt wird. 60 Jahre erschöpft. Die Friedensbewegung lebt „Abrüstung statt Sozialabbau!“.
Israel zu feiern – wie das die Bundeskanz- schließlich auch von ihrer Vielfalt. Und Der breite Protest in Fretzdorf um die
lerin vor wenigen Tagen getan hat –, ist die Ostermärsche waren immer auch eine Verhinderung des „Bombodroms“ – auch
daher nur die halbe Wahrheit. Wer dabei Gelegenheit, die ganze Bandbreite der in diesem Jahr wieder der größte Oster-
das Schicksal der Palästinenser vergisst, friedenspolitischen Themen darzustellen. marsch – ist das hervorstechende Beispiel
macht sich zum Verbündeten der einen So wurde etwa die Militarisierung der Eu- für die Praxis der Friedensbewegung, vor
Seite und faktisch zum Gegner der ande- ropäischen Union genauso verurteilt wie den Einrichtungen zur täglichen Kriegs-
ren Seite. Einen Friedensprozess kann es die Umwandlung der NATO von einem vorbereitung (z.B. US-Stützpunkte in
im Nahen Osten aber nur geben, wenn Verteidigungspakt in ein weltweit einsetz- Ramstein, Grafenwöhr oder Katterbach)
alle Konfliktparteien gleichberechtigt da- bares Interventionsbündnis. Vielerorts, zu demonstrieren. Erstmals war z.B. dieses
ran beteiligt werden. vor allem in den großen Städten, spielte Jahr der Truppenübungsplatz Ohrdruf in
Auch der Terrorismus der einen Seite die Kurdenfrage eine große Rolle und Thüringen Ziel einer Osterdemonstration.
wird nur aufhören, wenn der (Staats-)Ter- häufig wurde auf die anhaltende Gefahr Die Friedensbewegung hat mit den
rorismus der anderen Seite ebenfalls auf- einer Aggression gegen den Iran hinge- Ostermärschen ihre Wetterresistenz, ihre
hört. Der Bundeskanzlerin wurde zugeru- wiesen. An vielen Orten war auch der Ver- Vielfalt und ihren Elan unter Beweis ge-
fen: „Menschenrechte sind unteilbar. such spürbar, an die Kämpfe und Forde- stellt.
Nicht nur in Tibet, sondern auch im Na- rungen der sozialen Bewegungen und der Für den Bundesausschuss Friedens-
hen Osten!“ Gewerkschaften anzuknüpfen. Kritik an ratschlag: Peter Strutynski (Sprecher) ■

NPD-Spitzen werden vom an einem Fabrikgebäude an der Hove-


Schweriner Landtag bezahlt straße und an Bushaltestellen Haken-
kreuze gesprüht. Das Hakenkreuz am jü-
Schwerin. Der bei der Landtagswahl in dischen Denkmal an der Salzbergener-
Niedersachsen gescheiterte Spitzenkan- straße wurde bereits von aufmerksamen
didat der rechtsextremen NPD, Andreas Mitbürgern abgedeckt.
Molau, ist seit Anfang März 2008 Mitar- www.antifa-netzwerk.de ■
beiter der NPD-Landtagsfraktion im
Schweriner Landtag, bestätigte ein Spre- Antifa-Spaziergang in
cher der Fraktion. Der rechtsextreme Pu-
blizist und NPD-Fuktionär sei damit das Ludwigshafen
dritte Bundes-Vorstandsmitglied der Ludwigshafen. Am Samstagnachmit-
NPD, das über eine Anstellung aus Mit- tag, dem 15.3.2008 führten etwa 30 Anti-
teln der Schweriner Fraktion bezahlt faschistInnen einen Antifa-Spaziergang
wird, berichtet die Schweriner Volkszei- in Ludwigshafen durch. Ziel war die öf-
tung (SVZ) am 6. März 2008. Molau war fentliche Thematisierung rechter Struk-
bis 2004 acht Jahre lang Lehrer an der turen und Ideologie sowie das Entfernen
Waldorf-Schule in Braunschweig. We- bzw. Überkleben von Nazi-Propaganda.
gen seiner rechtsextremen Aktivitäten kreuzen und rechten Parolen beschmiert. Der Spaziergang führte durch die Innen-
wurde ihm gekündigt. Der Gedenkstein für die ehemalige jüdi- stadt und den Stadtteil Süd, wo hunderte
Weitere Mitarbeiter der NPD-Fraktion sche Synagoge an der Salzbergenerstra- Flugblätter verteilt und Nazi-Aufkleber
im Schweriner Landtag seien der stell- ße wurde in der Nacht vom 8. auf den 9. und Schmierereien überklebt wurden.
vertretende Bundesvorsitzende und Ge- März 2008 mit einem Hakenkreuz be- Der Stadtteil Süd ist besonders beliebt
neralsekretär Peter Marx als Fraktions- sprüht, der Gedenkkranz, der im Geden- bei Nazis, die dort teilweise wohnen und
geschäftsführer und der Berliner Be- ken an die Opfer des Holocaust von der sich in rechtsoffenen Kneipen treffen.
zirksabgeordnete und rechtsextreme Lie- Stadt Rheine davor niedergelegt wurde, Ludwigshafen gilt als rechte Hoch-
dermacher Jörg Hähnel als Bundesvor- wurde beschädigt. Und auch die Gedenk- burg in der Rhein-Neckar-Region. Im-
standsmitglieder. Bislang war auch der tafel am jüdischen Friedhof an der Müh- mer wieder kommt es zu Übergriffen von
Landesvorsitzende der NPD Saarland, lenstaße wurde mit SS-Runen und einem Nazis und RassistInnen. Die Kamerad-
Frank Franz, Fraktionsmitarbeiter in Hakenkreuz verunstaltet, auf die Umran- schaften um das „Aktionsbüro Rhein-
Schwerin. Mit dem Landesvorsitzenden dungsmauer „Glaubt nicht ihren Lügen“ Neckar“, die NPD, die Republikaner und
und Abgeordneten Stefan Köster sei ein gesprüht. andere Nazi-Zusammenhänge sind dort
Fünfter der 21 Bundesvorstandsmitglie- Die Auswahl der Ziele lässt auf eine aktiv. In der Stadt wohnen bundesweit
der der rechtsextremen Partei Mitarbeiter geplante Aktion schließen, da der jüdi- relevante Nazi-Kader wie Matthias Herr-
oder Abgeordneter im Landtag Mecklen- sche Friedhof an der Mühlenstraße nicht mann, führendes Mitglied des Aktions-
burg-Vorpommerns. Axel Holz ■ sehr bekannt ist. büros, und Malte Redeker, Unternehmer
Des Weiteren wurden mehrere Na- in Sachen Nazi-Rock-Musik und Betrei-
Jüdischer Friedhof und jüdi- zischmierereien im Innenstadtbereich ber des Internetversandes „Gjallarhorn
(Emstribüne; Ketteler Ufer), an der Salz- Klangschmiede“. ...
sches Denkmal in Rheine bergenerstraße und Riegelstraße ge- Die TeilnehmerInnen sahen den Spa-
geschändet sprüht. Einige Stolpersteine, die an wäh- ziergang als Erfolg: „Immer wieder klei-
Rheine. In der Nacht von Samstag rend der NS-Zeit deportierte und ermor- ne Aktionen machen, die Nazis ins Licht
(8.3.2008) auf Sonntag (9.3.2008) wurde dete jüdische Mitbürger aus Rheine erin- der Öffentlichkeit zerren ... Das muss
das jüdische Denkmal an der Salzber- nern, wurden übersprüht. Teil einer kontinuierlichen Antifa-Politik
generstraße Ecke Neuenkirchenerstraße Dieser Vorfall ist nur der Höhepunkt sein“, kommentierte eine Teilnehmerin.
und der jüdische Friedhof an der Müh- einer Kette von Neonazi Schmierereien, AK Antifa Mannheim c/o Jugend-
lenstraße von Neofaschisten mit Haken- denn schon vor ca. drei Wochen wurden zentrum in Selbstverwaltung ■

: antifaschistische nachrichten 6-2008 3


Kein Platz für „Zug der Erinnerung“ auf
dem Hamburger Hauptbahnhof?
Auf dem Hamburger Hauptbahn- Am Ostermontag, 24. März 2008, wird dieser Kinder zu bewahren! Geben Sie
hof steht kein Bahnsteig für das der Zug im Hamburger Hauptbahnhof er- den Hauptbahnhof für die Erinnerung
Gedenken an die deportierten Kin- wartet. Shoa-Überlebende aus Hamburg, frei! Ermöglichen Sie auch in der Freien
der und Jugendlichen der NS-Zeit zur Israel und New York wollen ihn dort um und Hansestadt Hamburg ein würdiges
Verfügung. Dies hat die Bahn AG dem 15 Uhr begrüßen. Für Hamburg ist ein Gedenken an die Opfer der Deportatio-
„Zug der Erinnerung“ jetzt mitgeteilt. sechstägiger Zugaufenthalt geplant. nen!
Mehr als 1000 Hamburger Kinder und Ju- Erst am Montag bestätigte die DB AG, Die Hamburger Arbeitsgruppe „Deportatio-
gendliche wurden über Hamburger Bahn- dass der Hamburger Hauptbahnhof für nen/11.000 Kinder“, Auschwitz-Komitee in der
höfe in die Konzentrations- und Vernich- das geplante Gedenken gesperrt wird. Da- BRD e.V., DGB Hamburg, DGB Nord, ver.di Lan-
desbezirk Hamburg, VVN-BdA – Vereinigung der
tungslager deportiert und ermordet – und für seien „bahnbetriebliche“ Gründe maß- Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifa-
hier bei uns in Hamburg gibt es keinen gebend, um die planmäßige Ordnung des schisten, KZ-Gedenkstätte Neuengamme, Lager-
Platz für ein würdevolles Gedenken und Zugverkehrs aufrecht zu erhalten. Aus- gemeinschaft Ravensbrück und FreundInnenkreis
Erinnern dort, wo die Kinder auf ihre weichbahnhöfe im Stadtgebiet stünden e.V., Arbeitsgemeinschaft Neuengamme, Freun-
deskreis KZ-Gedenkstätte Neuengamme, Juso-
Fahrt in den Tod gezwungen wurden? entweder gar nicht oder nur stundenweise Gruppe Harburg, AG gegen Rechts – Die Linke.
Wir sind sprachlos und entsetzt. Der zur Verfügung, teilt die Bahn AG mit. Sie Hamburg, RCU – Romund Cinti-Union e.V.,
„Zug der Erinnerung“ hat bisher in 43 bietet ein Abstellgleis in Hamburg-Altona Hamburg, KZ-Gedenkstätte Neuengamme, Ham-
Städten der Bundesrepublik auf Haupt- an, das in den Kernzeiten des Besucherin- burger Bündnis gegen Rechts, GEW – Gewerk-
schaft für Erziehung und Wissenschaft, Hamburg,
bahnhöfen gestanden und 145.500 Men- teresses ebenfalls gesperrt wird. Dort dür- Vereinigung der Kinder vom Bullenhuser Damm
schen haben die Ausstellung besucht. Im fe der „Zug der Erinnerung“ seine Ge- e.V., Verein zur Erforschung der Geschichte der
April wird der Zug auch für einige Tage in denkausstellung um 10 Uhr eröffnen. Ab Juden in Blankenese e.V., Freundeskreis von Yad
Berlin erwartet. Die letzte Etappe endet 15 Uhr müsse der Zug „abgeräumt“ wer- Vashem in Deutschland e.V., Jüdische Gemeinde
Hamburg, Pax Christi, Stadtteilarchiv Eppendorf
am 8. Mai in der Gedenkstätte KL Ausch- den, verfügt die Bahn. Die Hamburger Ar- e.V., Bezirksversammlung Altona und weitere Or-
witz in Oswiecim, Jugendliche und Ver- beitsgruppe „Deportationen/ 11.000 Kin- ganisationen
treter zahlreicher internationaler Medien der“ appelliert an die Bahn AG: Helfen Zug-der-Erinnerung-Hamburg@t-online.de
www.bahnhof-der-erinnerung-hamburg.de (im
begleiten ihn dann. Sie uns, die Erinnerung an jedes einzelne Aufbau) www.zug-der-erinnerung.eu ■

Einige Termine: Stellungnahme der Fraktion DIE LINKE


Freitag, 28. März, ab 14 Uhr, Am 24. März, so ist es lange vorbereitet, sollte der „Zug
Führung durch die Gedenk- der Erinnerung“ im Hamburger Hauptbahnhof einfahren
stätte für die Kinder vom Bul- und dort sechs Tage lang die Ausstellung über die Deporta-
lenhuser Damm. tion von Kindern und Jugendlichen in die faschistischen
In der Nacht vom 20. auf den 21. Vernichtungslager zeigen. Bisher haben über 140.000
April 1945 wurden im Keller der Menschen die Wanderausstellung besichtigt.
damaligen Schule am Bullenhu- Kurzfristig hat die Deutsche Bahn AG jetzt den Organi-
ser Damm zwanzig jüdische satoren mitgeteilt, dass dem „Zug der Erinnerung“ aus
Kinder zwischen fünf und zwölf Jahren ermordet. Sie kamen aus „bahnbetrieblichen“ Gründen im Hauptbahnhof kein Gleis
Frankreich, Italien, den Niederlanden, Polen und wahrscheinlich zur Verfügung gestellt wird. Man könne der Gedenkaus-
aus Jugoslawien. Sie wurden in das KZ- Auschwitz deportiert und stellung lediglich ein Abstellgleis in Altona anbieten – aus-
von dort in das KZ Neuengamme. Dort sind sie für medizinische schließlich in der besucherfeindlichen Zeit zwischen 10.00
Versuche missbraucht worden. Um dies vor den anrückenden alli- und 15.00 Uhr. Dazu erklärt die innenpolitische Sprecherin
ierten Truppen zu verbergen, tötete die SS die Kinder mit ihren der Fraktion DIE LINKE Christiane Schneider: „Die Sper-
vier Häftlingsbetreuern. In derselben Nacht tötete die SS in der rung des Hauptbahnhofs für die Gedenkausstellung ist der
Schule ebenfalls 24 sowjetische Kriegsgefangene. Hinter dem Ge- vorläufige Höhepunkt vielfältiger Versuche der Deutschen
bäude hat die „Vereinigung der Kinder vom Bullenhuser Damm“ Bahn AG, gegen die Gedenkausstellung vorzugehen. Erst
einen Rosengarten angelegt. Hier können zum Gedenken an die hat sie jahrelang verhindert, dass die Wanderausstellung
Opfer Rosen gepflanzt werden. Anmeldung nicht erforderlich. auf Bahnhöfen überhaupt gezeigt werden konnte. Dann
Gedenkstätte Bullenhuser Damm und Rosengarten für die Kinder versuchte sie die Organisatoren des ,Zugs der Erinnerung’
vom Bullenhuser Damm. Bullenhuser Damm 92, 20539 Ham- mit hohen Forderungen für die Nutzung von Trassen, Sta-
burg.(10 Minuten Fußweg vom S-Bahnhof Rothenburgsort) tionen und elektrischen Anschlüssen in die Knie zu zwin-
Freitag, 28. März, ab 15 Uhr, Hannoverscher Bahnhof, Lohse- gen. So verlangt sie u.a. pro Stunde Aufenthalt in einem
platz Bahnhof zwischen 22 und 45 Euro, pro gefahrenen Kilo-
Gedenkveranstaltung zur Erinnerung an die Opfer der Deportatio- meter 3,50 Euro, für einen Stromanschluss ohne Verbrauch
nen in Hamburgs ehemaligem Hannoverschen Bahnhof. Mehr als 945 Euro. Die Hamburger Organisatoren mussten bisher
7000 Menschen, vor allem Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma, über 6000 Euro aufbringen, der Gesamtbetrag, den die DG
sind zwischen 1940 und 1945 vom Hauptgüterbahnhof Hamburg, für den ,Zug der Erinnerung’ verlangt, wird auf 110.000
dem Hannoverschen Bahnhof, in den Tod deportiert worden. Es Euro veranschlagt. Die Sperrung des Hamburger Haupt-
spricht der Generalsekretär der Rom- und Cinti-Union e.V., Karl- bahnhofs für die Ausstellung ist der vorläufige Gipfel einer
Heinz ‚Lolo‘ Weiß und VertreterInnnen des Auschwitz- Komitees unsäglichen Ver- und Behinderungsstrategie. Wir fordern
in der BRD e.V. Organisation: Hamburger Arbeitsgruppe gemein- zusammen mit den Hamburger Organisatoren, der Arbeits-
sam mit der RCU Hamburg gruppe ,Deportationen / 11.000 Kinder’, die Deutsche
Sonnabend, 29. März, 10 – 19 Uhr Aufenthalt des Zugs der Bahn AG auf, den Hauptbahnhof für den ,Zug der Erinne-
Erinnerung auf dem Bahnhof Altona. (Uhrzeit muss noch be- rung’ und das Gedenken an die deportierten Kinder freizu-
stätigt werden) geben.“ ■

4 :antifaschistische nachrichten 6-2008


Köln Hauptbahnhof, Gleis 1:
Obwohl von Donnerstag 13.3.
bis Samstag 15.3. dort keine
Gedenken an Fahrten
Züge ankamen oder abfuhren, war
der Bahnsteig an diesen Tagen häufig
belebter als an normalen Tagen. Das
in den Tod
Erinnerung“ in den Hauptbahnhof hol- Bisher wurde das von den Verantwort-
lag nicht an der alten Dampflok, die ten. Auf Initiative der SPD hatte der Kul- lichen der Bahn, die den Bahnhof in ers-
vor zwei unscheinbare Waggons ge- turausschuss des Rates so gut wie ein- ter Linie als Renditeobjekt sehen, verhin-
spannt einen kleinen Teil des Gleises stimmig beschlossen, kurzfristig eine dert; die von Gunter Demnig gestaltete
einnahm, obwohl auch sie Eisenbahn- Summe zur Verfügung zu stellen, die es, Schwelle immer wieder ins Abseits ver-
nostalgiker anzog. Es lag an dem zusammen mit finanziellen Beiträgen der bannt.
sprachlos machenden Inhalt der bei- beteiligten Gruppen, erlaubte, das Allerdings passt diese Haltung genau
den Wagen, die den „Zug der Erinne- Schicksal der deportierten Kölner Kinder zur Haltung des Bahnvorstandes: Zwar
rung“ bildeten. zu dokumentieren, ein Begleitprogramm hatte die Deutsche Bundesbahn, die Vor-
anzubieten und die Besucher(in- läuferin der heutigen Bahn AG, Material
nen) des Zuges von Mitarbeiter (und häufig auch die Verantwortlichen
(innen) des NS-Dokumentations- für die Transporte in den Tod) übernom-
zentrums, die viel Engagement men, sie weigerten sich aber lange Zeit,
und Zeit investierten, betreuen zu den Opfern in einem angemessenen Rah-
lassen. men zu gedenken.

Ungefähr 7.500 Menschen, so viele, dass


am letzten Tag die Öffnungszeit so weit
wie möglich verlängert wurde, nahmen
Anteil am Schicksal der von den Nazis

www.arbeiterfotografie.com
mit der Reichsbahn deportierten, und das
hieß in den allermeisten Fällen in den
Tod geschickten, Kindern und Jugendli-
chen, darunter vor allem jüdische sowie
Sinti- und Romakinder aus ganz Europa.
Insgesamt waren es Zehntausende, da-
runter auch viele aus Köln, derer mit ei-
ner kleinen Sonderausstellung der Initia- Am Morgen des 13. März wurde der Und auch der „Zug der Erinnerung“
tive „Die Bahn erinnern“ gedacht wurde, Zug von Bürgermeisterin Angela Spizig wird von ihnen offenbar in erster Linie
die mit der sprichwörtlichen deutschen begrüßt, die auf das Schicksal der aus als lohnendes Gewinnobjekt gesehen
Eisenbahnpünktlichkeit in die Vernich- Köln stammenden Kinder, die Opfer des und, bisher allen Protesten zum Trotz,
tungslager transportiert wurden. nazistischen Rassenterrors wurden, hin- mit gigantischen Kosten belastet. Die
In Köln hatte sich erst recht kurzfristig wies. Sie erinnerte aber auch daran, dass Bahn soll schließlich gewinnbringend
eine Initiative aus verschiedenen Grup- die Initiative „Die Bahn erinnern“ schon privatisiert werden und da kommt Bahn-
pen und Organisationen, darunter dem seit Jahren dafür eintritt, einen Ort des chef Mehdorn jeder Cent nur Recht. Das
NS-Dokumentationszentrum, dem DGB, Gedenkens an die Transporte mit der Gedenken an ermordete Kinder und Ju-
der Gewerkschaft ver.di, der VVN/BdA Reichsbahn in den Tod am Hauptbahn- gendliche hat in einem solchen Rendite-
und anderen gebildet, die den „Zug der hof zu errichten. denken keinen Platz. tri ■

Der „Zug der Erinnerung“ wird als nächstes Hamburg (24.-29. 3.) anfahren. Danach folgen Bremen (1.4.),
Nordenham (2.-3.4.), Cuxhaven (4.-5.4.), Rotenburg/Wümme (6. 4.), Kiel (7.-9.4.) und Rathenow
(10.-11. 4.), Berlin (13.-22. 4.), Brandenburg (23.-24. April), Potsdam (25.-26.4.), Cottbus (27.4.), Dresden
(28.-30. 4.), Bautzen (2.-3.5.), Görlitz (4.-5. 5.). Anschließend wird der Zug durch Polen zur
Gedenkstätte Auschwitz fahren.

: antifaschistische nachrichten 6-2008 5


In Bamberg fand am Dienstag,
den 4. März 2008, eine Kundge-
bung der NPD statt. Etwa 700
700 gegen Nazikund-
Gegendemonstranten standen den 30-
40 Nazis gegenüber und konnten de-
ren Zusammenkunft lautstark stören.
gebung in Bamberg
zis an der Macht waren: Ausschaltung tikel und die Revolution von 1848 erin-
Rund 700 Personen waren dem Aufruf jeglicher Opposition, systematischer Ter- nern. Vor Ort waren vor allem regionale
des Bamberger „Bündnis gegen Rechts“ ror gegen alle Nazi-Gegner, Übernahme NPD-Kader, wie Axel Michaelis, Matthi-
gefolgt, und versammelten sich am und Gleichschaltung der Gewerkschaf- as Fischer und Günter Kursawe zugegen.
Nachmittag des 4. März 2008 vor dem ten, Verfolgung und Ermordung all der- Beflaggt und mit Fackeln sangen die Na-
E.T.A. Hoffmann-Theater am Schiller- jenigen, die nicht in das
platz. Das Gelände war frühzeitig von rassistische Menschen-
Bamberger Polizeieinheiten abgesperrt bild der Nazis passten.
worden. Dazu wurden zahlreiche Vor- Millionen Tote durch
kontrollen eingerichtet. Daneben waren den Holocaust an den
USK und Dutzende Zivilpolizisten im europäischen Jüdinnen
Einsatz. Die NPD hatte für die Zeit von und Juden, Roma und
19.00 bis 21.00 Uhr eine Kundgebung Sinti. Weltweiter Krieg,
vor dem Bamberger Theater angemeldet. an dessen Ende mehr
Ihr vorgeschobener Anlass war das Da- als 55 Millionen Tote
tum des 4. März 1848, an dem im Bam- zu beklagen waren“,
berger Theater die „14 Bamberger Arti- betont der Antifaschist
kel“ verabschiedet worden waren, um weiter. Deshalb will das
letztendlich demokratische Strukturen in „Bamberger Bündnis
Deutschland zu schaffen. Gegen diese gegen Rechts“ dafür
geplante Verhöhnung der Demokratie sorgen, dass Nazis in
durch demokratiefeindliche, menschen- Bamberg keinen Platz
verachtende Neonazis hatte es im Vorfeld haben. Die Stimmung
eine breite Gegenmobilisierung gegeben. während der von musi-
Das „Bamberger Bündnis gegen kalischen Beiträgen be- Das abgebildete Transparent hing am Sonntag, 17.2.08, bis gegen
Rechts“, in dem auch VVN und DGB gleiteten Kundgebung 11.00 Uhr am Treppenaufgang des Bamberger Rathauses. AB Fran-
mitarbeiten, hatte ab 17.30 Uhr vor Ort war durchweg gut. Be- ken könnte evtl. „autonome Bewegung“ oder vielleicht „auton. Be-
zu einer Gegenkundgebung aufgerufen. gleitet wurde sie von freiung“ heißen, jedenfalls ein Hinweis auf „autonome“ Kamerad-
Der DGB-Vorsitzende Werner Schnabel Redebeiträgen der örtli- schaften der Rechten in Oberfranken/Bamberg.
hatte in einem offenen Brief „an alle De- chen Gewerkschaften,
mokraten“ nochmals extra dazu aufgeru- vom Ausländerbeirat, der „Front der zis die drei Strophen des Deutschlandlie-
fen. „Bisher versuchten die Neonazis mit Deutschen Äpfel“ und Michael Helm- des, das jedoch – ebenso wie die Rede-
Aufmärschen wie in Gräfenberg, mit brecht vom Bürgerforum Gräfenberg. beiträge von Michaelis und Kursawe – in
Info-Ständen, Flugblattaktionen oder der Ab 18.30 Uhr wurde die Kundgebung einem gellenden Pfeifkonzert und zahl-
Verteilung von „Schulhof-CDs“ ihrer offiziell aufgelöst, ohne jedoch zuvor auf reichen Sprüchen der Gegendemo unter-
menschenverachtenden Ideologie den das in Gräfenberg übliche Ritual zu ver- ging. Laut Polizei wurden teilweise über
Anschein von Normalität zu geben. Nun zichten. Die Bamberger Bürger blieben 100 dB gemessen. Darüber hinaus be-
wollen sie – nach den missglückten Ver- also auf dem Schillerplatz, um der NPD richten Beobachter davon, dass Dutzen-
suchen des Jahres 2007 – erneut auch in lautstark entgegenzutreten. Der NPD war de Wasserbomben aus der Mitte der Ge-
Bamberg wieder ihre soziale Demagogie zuvor ein wesentlich kleinerer Teil des genkundgebung in die Versammlung der
verbreiten“, so Günter Pierdzig von der Schillerplatzes zugewiesen worden, der NPD platziert wurden. Am Ende der Ver-
VVN-BDA in Bamberg. Die Hintergrun- von Bereitschaftspolizei und USK-Kräf- anstaltung meldete die Polizei über 20
de des geplanten Auftretens der NPD in ten abgesperrt wurde. Bis 19 Uhr hatten Festnahmen hauptsächlich wegen Ver-
Bamberg seien in Wirklichkeit so gela- sich rund 30 Nazis eingefunden, darunter stoßes gegen das Versammlungsgesetz.
gert: einerseits sei auf einen Affront ge- Anti-Antifas, die – ebenso wie die Poli- Unter ihnen waren Punks, Antifas und
gen das Bamberger Theater selbst rück- zeieinheiten – durchgehend in die Menge und Apfelfront‘ler. Bevor die NPD um
zuschließen, das zur Zeit mit dem Stück der Bürgerdemo filmten. Das Nazitrans- 20.30 Uhr wieder abzog, bekräftigte
„Heldensabbat“ die Bamberger Ge- parent mit der Aufschrift „Einigkeit, Axel Michaelis sein Vorhaben, einen
schehnisse zur Zeit des Nationalsozialis- Recht, Freiheit – 1848, damals wie heu- Bundesparteitag in Bamberg im Sommer
mus aufzuarbeiten versucht und anderer- te“ sollte an die vierzehn Bamberger Ar- abhalten zu wollen. nah ■
seits wolle die NPD austesten, auf wel-
chen Widerstand ihr geplanter Bundes-
parteitag 2008 und weitere Landesveran- Bürgermeister demonstrieren gegen Rechtsextremismus
staltungen in der Bamberger Kongress- Colditz. Mit einer Protestaktion bei Colditz (Muldentalkreis) haben am Dienstag rund 20 Bürgermeister ein
halle stoßen könnten. Zugleich wolle sie Zeichen gegen Rechtsextremismus gesetzt. Für etwa eine Viertelstunde sei dabei die Bundesstraße zwi-
natürlich auch in Bamberg ihren Land- schen Colditz und Mittweida blockiert worden, teilte Mittweidas Bürgermeister Matthias Damm (CDU) am
tagswahlkampf einleiten. Dienstag auf ddp-Anfrage mit. Mit der Aktion sollte gezeigt werden, dass sich die Bürgermeister der Region
Die NPD missbrauche deshalb den 4. gemeinsam gegen Rechts engagierten. Damm verwies auf die jüngsten Vorfälle in Mittweida am vergan-
genen Wochenende. Dort seien in der Nacht zu Samstag auf dem Innenhof des Rathauses rechte Schmie-
März 1848 als Vorwand, um über ihren rereien, darunter ein großes Hakenkreuz, festgestellt worden. Auch Damm selbst sei bei dieser Aktion ver-
eigenen Demokratiemissbrauch hinweg bal angegriffen worden. Die Schmierereien seien inzwischen entfernt worden.
zu täuschen, wie er z.B. in Gräfenberg Hintergrund für die Aktion der Bürgermeister war ein rechter Überfall vor etwa drei Wochen in Colditz. Da-
fortlaufend praktiziert wird. „Wir haben bei hatten etwa 100 rechte Jugendliche in der Stadt randaliert. Sie wollten ein linkes Konzert stören. Unter
aber nicht vergessen, was in diesem Land ihnen waren auch drei Mitglieder der verbotenen rechtsextremistischen Organisation Sturm 34 aus Mitt-
mit der Demokratie passierte, als die Na- weida. Sandro Witt, DGB Jugend Thüringen, Jugendbildungsreferent ■

6 : antifaschistische nachrichten 6-2008


Rathauswahlen in Frankreich (2. Wahlgang)
Die extreme Rechte vermag keinen Einfluss auf die Stichwahlen zu nehmen. Aber ihre
Ideen bleiben weiterhin vertreten – von „Ehemaligen“ und Bündnispartnern
Beide Durchgänge der französi- nalwahl im ersten Wahlgang höher lagen überwiegend finanziellen Gründen nur 85
schen Rathaus- und Bezirksparla- als beim ersten Durchgang der Parlaments- Listen in Städten von über 10.000 Einwoh-
mentswahlen, die landesweit am 9. wahl vom Juni 2007, scheiterte sie. Nach ner/inne/n aufgestellt, gegenüber ihrer 150
und 16. März dieses Jahres stattfanden, lie- dem ersten Wahlgang verfügte sie über kei- noch bei der letzten Kommunalwahl im
gen nun hinter uns. Die extreme Rechte nerlei Stimmreserven mehr, die sie für den März 2001. Und nur insgesamt 17 Listen,
konnte in diesem Jahr nicht punkten. Keine zweiten Durchgang noch hätte mobilisieren sieben von ihnen in Städten mit über
Siege im Kampf um die Rathäuser waren können. - Unrichtig war dabei die Informa- 10.000 Einwohner/inne/n, konnten im ers-
für den Front National (FN) zu verzeich- tion, die in der vorigen Ausgabe der AN auf ten Wahlgang die Zehn-Prozent-Hürde
nen. Und doch bleiben die „Ideen“ der Seite 11 erschien: Die FN-Liste zu den Par- überspringen und in die Stichwahl einzie-
rechtsextremen Partei, so, wie der FN sie lamentswahlen vom 10. und 17. Juni 07 hen. 2001 waren es noch 41 Listen, und vor
langjährig verkörpert hat, nach wie vor in habe bereits im ersten Wahlgang „die 30- allem 1995: 103 Listen.
der kommunalpolitischen Landschaft prä- %-Marke überschritten“. Es waren „nur“ Alle übrigen Listen erhielten in diesem
sent. Allen voran wurde Jacques Bompard, 24,5 % im ersten Wahlgang. Die starke Jahr (laut ‚Le Figaro‘ vom 24. März 08)
der Bürgermeister von Orange – 1995 für Steigerung zwischen den beiden Runden zwischen 2 % und 8,5 % der Stimmen.
den FN in dieses Amt gewählt, von ihrer erklärte sich damals daraus, dass der FN Unterstützung für konservative
Gründung (1972) ab bis im Herbst 2005 noch über Stimmreserven verfügte; insbe- Kandidaten
Mitglied der rechtsextremen Partei – auch sondere aber aus der Tatsache, dass die bür-
in diesem Jahr und zum zweiten Mal trium- gerliche Rechte in Gestalt der konservati- In zwei Fällen unterstützte der FN in größe-
phal wiedergewählt. Nur hat er inzwischen ven Regierungspartei UMP im damaligen ren Städten konservative Kandidaten für die
das parteipolitische Etikett gewechselt, und ersten Wahlgang noch ein höheres Ergebnis Stichwahl: Gegen den Willen der nationa-
dies noch nicht einmal als „Anzeichen der erhielt und sich ihr Wählerpotenzial in der len Parteiführung im nordfranzösischen
Mäßigung“ verkauft. Bompard ist dabei Stichwahl auf die Sozialdemokraten einer- Calais, wo Spitzenkandidat François Du-
nur das herausragendste Beispiel. Noch an- seits und den FN andererseits aufsplittete. bout (12,4 % im ersten Wahlgang) seine
dere Fälle der Fortsetzung lokalpolitischer Bei der diesjährigen Kommunalwahl Liste vor der Stichwahl zurückzog. Er er-
Karrieren, die einst auf der extremen Rech- schnitt die UMP von vornherein unterhalb laubte so der konservativen UMP, die lang-
ten begonnen hatten, sind zu vermelden. von 5 % im ersten Wahlgang ab, in den jährige KP-Rathausmannschaft unter dem
Der Erfolg ihrer Protagonisten ist wechsel- zweiten Wahlgang zogen die Linksparteien bisherigen Bürgermeister Jacky Hénin zu
haft, wie die diesjährigen Rathauswahlen unter Führung der Sozialdemokratie sowie schlagen. Die französische kommunisti-
belegen. eine Liste sozialdemokratischer „Dissiden- sche Partei verliert dadurch die größte, bis-
Marine Le Pen enttäuscht Hoffnungen ten“ ein. deshalb konnte der FN kaum noch lang noch von ihr regierte Kommune. Aber
auf „Durchbruch“ zusätzliche Stimmen vor dem zweiten die FN-Parteiführung entzog Dubout da-
Wahlgang „anzapfen“. raufhin seine Mitgliedschafts-Rechte, und
Alle Hoffnungen des FN bei der diesjähri- De facto erfuhr der FN eine totale Sta- Marine Le Pen tobte gegen den „Wahlbe-
gen Rathauswahl ruhten zunächst auf der gnation: Nachdem er zunächst 28,53 % ein- trüger“. Ihr zufolge hätte er seine Kandida-
Liste in der 30.000 Einwohner zählenden, fuhr, holte er in der Stichwahl 28,83 % der tur aufrecht erhalten müssen, da er seinen
früheren Arbeiterstadt Hénin-Beaumont im Stimmen. Und damit zwar 0,3 % mehr, Wahlerfolg dem FN verdanke und er des-
ehemaligen Bergbaurevier Pas-de-Calais aber in absoluten Zahlen ausgedrückt: ge- sen Richtlinien und Anordnungen zu befol-
(im Nordosten Frankreichs, Richtung bel- nau zwanzig Wähler/innen weniger als im gen hatte.
gische Grenze). Die dortige Kandidatenlis- ersten Durchgang. Durch das Ergebnis, das Hingegen war es die nationale Parteifüh-
te wurde zwar von Steeve Briois als Spit- einige gar zu hochfliegende Träume beer- rung, die in Nizza den „dissidenten“ kon-
zenkandidat angeführt, aber ihr prominen- digt, erhält auch Marine Le Pen einen servativen Kandidaten Jacques Peyrat (von
tester Name war der von „Cheftochter“ Dämpfer, und die Anwärterin auf die 1972 bis 1994 beim FN, von 1995 bis im
Marine Le Pen, die auf dem zweiten Listen- „Thronfolge“ beim FN wird gegenüber ih- März 2008 Bürgermeister von Nizza) ge-
platz antrat. Im Juni 2007 hatten die beiden, ren innerparteilichen Opponenten ge- gen den offiziellen Kandidaten der Sarko-
mit umgedrehten Rollen, bereits im Wahl- schwächt. Gegenüber der Reporterin der li- zy-Partei namens Christian Estrosi unter-
kreis Hénin-Beaumont als Kandidatin (Ma- beralen Pariser Abendzeitung ‚Le Monde‘ stützte. Peyrat, obwohl „Verräter“ gegen-
rine Le Pen) bzw. ihr Stellvertreter bei den vor Ort – Christinane Chombeau – lässt über dem FN, gilt nach wie vor als persön-
Parlamentswahlen firmiert. Damals mit Marine Le Pen denn auch am Wahlabend licher Freund Le Pens, mit dem zusammen
nicht wenig Erfolg, denn ihr „Tandem“ er- durchblicken, „manchmal“ habe sie „die er in den Kolonialkriegen in Indochina und
hielt bei der Parlamentwahl im Vorjahr 24,5 Nase voll von diesem (Politikerinnen-)Le- Algerien kämpfte. Schon Monate vor der
% im ersten Wahlgang und acht Tage später ben“. Auch wenn sie hinzufügt, „dies“ – ein Wahl hatten (laut dem Antifa-Infomagazin
dann 41,7 % in der Stichwahl. Daraufhin solches Gefühl – dauere bei ihr „immer nur REFLEXes) geheime Verhandlungen zwi-
verkündete die „Cheftochter“ und Anwärte- eine Nacht lang“. Die Rechtsextremismus- schen dem FN und dem aufgrund seiner
rin auf die Nachfolge ihres Herrn Papa – Spezialistin der Zeitung, Ch. Ch., bemerkt „Konkurrenzkandidatur“ frisch aus der
Jean-Marie Le Pen – an der Parteispitze denn auch, Marine Le Pen sei sich darüber UMP ausgeschlossenen Peyrat stattgefun-
landauf landab, man werde im März 2008 bewusst, dass ihr „politisches Erbe“, also den, die jedoch zunächst scheiterten. Aber
nunmehr das Rathaus der Kleinstadt er- die langjährige Parteiaufbau-Arbeit des nachdem der FN noch am 5. März, vor dem
obern und dort eine Modellverwaltung des Herrn Papa, „beschädigt“ sei. ersten Wahlgang, seinen Fraktionsvorsit-
FN errichten. In jenem Falle sollte Marine Zumindest bei der diesjährigen Wahl hat zenden im Stadtrat – Gérard de Gubernatis
Le Pen dabei stellvertretende Bürgermeis- der FN seine Kapazität verloren, zu zeigen, – wegen verfrüht ausgesprochener Unter-
terin mit Zuständigkeit für „Innere Sicher- dass er zu „gewinnen“ oder aber die Ande- stützung für Peyrat ausschloss, rief die Par-
heit“ werden. ren – die „etablierten Altparteien“ und Kor- teispitze dann am 10. März zur Wahl Pey-
Daraus wurde nun nichts. Denn obwohl rupten – ernsthaft zu stören in der Lage ist. rats auf. Doch dieser sollte mit 23,5 % ge-
die Ergebnisse der FN-Liste zur Kommu- Von vornherein hatte der Front National aus genüber Estrosi (über 38 %) unterliegen.

: antifaschistische nachrichten 6-2008 7


Frühere FN-Bürgermeister
FN rückläufig in den Stichwahlen
Von den im Juni 1995 im Namen des FN Eine der erfolgreichsten FN-Listen war jene von Claudine Cannie in Oignies, einem 10.000-Einwohner-Städten
gewählten Bürgermeister/inne/n waren bis im ehemaligen Bergbaurevier Pas-de-Calais. Sie erhielt 19,3 %, aber dort kam es nicht zu einer Stichwahl, da
im März dieses Jahres noch zwei im Amt: die Liste der vereinigten Linksparteien bereits im ersten Wahlgang eine absolute Mehrheit erzielte. In die Stich-
Bompard und Simonpieri. wahl einziehen konnte der FN in Cluses, 18.000 Einwohner, in Hoch-Savoyen in den ostfranzösischen Alpen so-
wie in der mittelgroßen Stadt Perpignan, rund 115.000 Einwohner, am Mittelmeer. Auch im südfranzösischen
Jacques Bompard ist im September 2005 Städtchen Carpentras in der Nähe von Avignon – bekannt geworden durch die Schändung des örtlichen jüdi-
aus dem FN ausgetreten, aber keineswegs schen Friedhofs durch Neonazis im Mai 1990, die vorübergehend eine landesweite Protestmobilisierung gegen
deswegen, weil er in seinen Ansichten nun den FN ausgelöst hatte – konnte der FN an der Stichwahl teilnehmen. Aber in allen Fällen liegen die Ergebnisse
„moderater“ geworden wäre. Vielmehr im zweiten Wahlgang unterhalb dessen in der ersten Runde. Damit ging dem FN auch die „Kapazität, Schaden
anzurichten“ (aus Sicht der etablierten Parteien) ein gutes Stück weit verloren. Letztere bestand jahrelang darin,
warf Bompard dem Parteichef Jean-Marie dass die rechtsextreme Partei in der Stichwahl einen bestimmten Block an Stimmen fest an sich binden konnte,
Le Pen vor, „zu viel Wasser in seinen Wein“ auf den die anderen – insbesondere konservativen – Parteien nicht mehr zählen konnten, und so das Spiel der
zu schütten und den „Modernisierungs“- etablierten politischen Kräfte durcheinander brachte. Nun nimmt aber die Bindung der Wähler an den FN zwi-
kurs seiner Tochter Marine zu unterstützen. schen den beiden Wahlgängen offenkundig ab. So fällt die örtliche FN-Liste in Carpentras von 11,6 % im ersten
Wahlgang auf 7,7 % im zweiten. Bei den letzten dortigen Kommunalwahlen (vor sieben Jahren) hatte der FN
Erstmals hatte Bompard sich 1999 zaghaf- noch über 22 % erzielt. In Noyon, rund 60 bis 70 Kilometer nördlich von Paris, 15.000 Einwohner, fällt die Liste
ten Versuchen der Parteiführung, das Pro- des FN zwischen den beiden Wahlgängen von 17 % auf 9,2 %. (Doch dort erhielt der FN im Juni 1995 noch
gramm „aufzulockern“ und zu „moderni- gut 44 % im ersten und 48,1 % im zweiten Wahlgang.)
sieren“, widersetzt. (Vgl. http://www.anti- In Perpignan erhält die Liste – angeführt vom Generalsekretär der rechtsextremen Partei, Louis Aliot – in der
Stichwahl noch 10,4 %, nach den 12,3 % in der ersten Runde. Und in Cluses erzielte die Liste unter Dominique
faschistische-nachrichten.de/1999/24/ Martin, der laut eigenen Worten mit „populistischen“ und „demagogischen“ Methoden – sowie mit Kitsch – um
026.shtml) Seit 2003 opponiert er nun offen Stimmen warb, 23,6 Prozent im ersten Wahlgang, landete aber „nur“ auf dem dritten Platz. In der Stichwahl ist
gegen Jean-Marie, insbesondere aber gegen das Ergebnis, mit 20,5 Prozent, (leicht) rückläufig.
Marine Le Pen. Zudem wirft er dem Partei- Im (süd)elsässischen Mulhouse liegt ein Sonderfall vor. Dort erhielt die FN-Liste in der Stichwahl einen Zuwachs
chef vor, die lokale Verankerung der „natio- von 10,3 % (im ersten Wahlgang) auf 14,3 %. Aber es muss auch berücksichtigt werden, dass im ersten Wahl-
gang noch eine andere, weit rechts stehende Liste präsent war: jene von Gérard Freulet, dem früheren langjähri-
nalen Bewegung“ zu vernachlässigen. gen FN-Spitzenkandidaten in der elsässischen Industriestadt, der in diesem Jahr für den nationalkonservativen
(Vgl. http://www.antifaschistische-nach- MPF (Mouvement pour la France, „Bewegung für Frankreich“) des Rechtskatholiken Philippe de Villiers antrat.
rich-ten.de/2004/21/austauschF_D.shtml) Freulet hatte dieses Jahr im ersten Wahlgang 7,8 % der Stimmen gesammelt. Da er keine Stimmempfehlung für die
Am 3. November 2005 trat Bompard, in ei- Stichwahl abgab, dürfte sich seine Wählerschaft auf den – durch die konservative Regierungspartei UMP unter-
stützten – Bürgermeister Jean-Marie Bockel (wiedergewählt) und den FN-Kandidaten aufgespalten haben. ■
nem spektakulären Auftritt in Epinay-sur-
Seine – vor den Kulissen der Pariser Ban-
lieue während der dort „tobenden“ Unru- rier in Bollène gewählt. Beck kommt aus Ansonsten wurden in mehreren Fällen
hen – zusammen mit Philippe de Villiers, der „nationalrevolutionären“ Strömung der auch konservative Bürgermeister, die in der
zu dessen nationalkonservativer Kleinpartei extremen Rechten (Nouvelle Résistance), Vergangenheit durch zweifelhafte bis un-
MPF über. die früher von Christian Bouchet - einem zweideutig rassistische Auslassungen auf
In „seinem“ Städtchen Orange, 30.000 heute eher marginalisierten „Nationalbol- sich aufmerksam gemacht hatten, wieder-
Einwohner, in Südfrankreich wurde Bom- schewisten“ - angeführt wurde, und trat erst gewählt. Die beiden prominentesten Fälle
pard auch in diesem Jahr schon im ersten 1995 aus dieser Ecke kommend dem FN sind die triumphale Wiederwahl von Xa-
Wahlgang wiedergewählt: 60,97 % der ab- bei. Er gilt als so „radikal“, dass die Vil- vier Lemoine (aus der Ecke von Philippe
gegebenen Stimmen! Im März 2001 waren liers-Partei MPF es Bompard im Jahr 2005 de Villiers kommend, aber seit 2002 Mit-
es 59,97 %, auch damals bereits in der ers- zur Beitrittsbedingung machte, dass Beck glied der Regierungspartei UMP) in der
ten Runde, gewesen. Offenkundig verfängt nicht Mitglied bei ihr werden könne. Pariser Vorstadt Montfermeil, mit gut 60 %
die klientelistische Politik Bompards, die Ein weiterer früherer rechtsextremer im ersten Wahlgang – und die Wiederwahl
vor allem auf die „Verschönerung“ und Bürgermeister, der bis vor kurzem im Amt von Yves Leblanc in der 16.000 Einwohner
Restaurierung der historischen Innenstadt war, ist Daniel Simonpieri (1974 bis 1999 zählenden Stadt Méru rund 50 Kilometer
setzt, während die weiter außerhalb gelege- FN, danach von 1999 bis 2001/02 bei des- nördlich von Paris.
nen (und stärker von Einwanderern be- sen Spaltprodukt MNR, im März 2001 wie- Yves Leblanc, UMP, hatte 1996 sowie
wohnten) Wohnviertel eher vernachlässigt dergewählt). Aber er unterlag in diesem 2007 im Kommunalparlament mal grenz-
werden. Hinzu kommt eine Programmatik Jahr dem konservativen Gegenkandidaten, wertige, mal offen rassistische Sprüche ge-
der rabiaten „Senkung der kommunalen Eric Le Disses. Letzterer erhielt in der klopft. Aber in diesem Jahr hatte er Mühe,
Steuern“. Stichwahl 51,1 % der Stimmen, gegenüber seine Wiederwahl durchzubekommen, da
Zudem wurde Jacques Bompard am 16. 25,5 % für die sozialdemokratisch geführte ein Teil seiner früheren sozialen Basis ihm
März, mit 59,6 % der abgegebenen Stim- Liste und „nur“ 23,4 % für Simonpieri. Pi- den Rücken gekehrt hatte und zudem auch
men, zum Vertreter des Kantons (Wahlbe- kant daran ist, dass Simonpieri die offizielle eine parteilose Liste – unter Einschluss ei-
zirks) Orange-Ouest im Bezirksparlament Unterstützung der konservativen Regie- ner früheren Beisitzerin, deren Lebensge-
des Départements Orange-West wiederge- rungspartei UMP genoss. Seit 2004 gehört fährten er rassistisch beleidigt hatte, und
wählt. Ferner wurde nun auch seine Ehe- er ihrer Fraktion im Bezirksparlament von von Jugendlichen aus den benachteiligten
frau, Marie-Claude Bompard, in einem an- Marseille, als parteiloser Abgeordneter; an. Stadtvierteln – neu gegen ihn entstanden
deren Städtchen desselben Départements Im November 07 hatte die UMP in als ihren war. Doch er schaffte seine Wiederwahl,
zur Bürgermeisterin gewählt: in Bollène. Kandidaten für die Rathauswahl in Mari- indem er eine klientelistische Politik auch
Dort gewann sie in der Stichwahl mit 48 %, gnane aufgestellt. Aber das UMP-Mitglied gegenüber Einwanderergruppen in „sei-
nachdem die UMP ihre Liste (die in der Le Disses führte daraufhin eine Liste von ner“ Stadt entwickelte und insbesondere
Stichwahl 8 % erhielt) neben jener der sozi- „Dissidenten“ aus dem bürgerlichen Lager moslemischen Gemeinden kräftig Verspre-
aldemokratisch geführten Linkskoalition an – und hat nunmehr die Wahl gewonnen. chungen machte – etwa bezüglich des
im zweiten Wahlgang aufrecht erhalten hat- Im Juli 2005 hatte Simonpieri dadurch die Neubaus einer Moschee, den er in Aussicht
te. Vielleicht hat sie dadurch den Sieg der (landesweite) Aufmerksamkeit auf sich ge- stellte. Dadurch wurde die migrantische
etablierten Linksparteien verhindert, viel- zogen, dass er auf dem kommunalen Fried- Bevölkerung vor Ort gespalten. Aber viel-
leicht aber auch „nur“ die eigenen Wähler/ hof in „seiner“ Stadt Marignane eine Stele leicht garantiert dieses Phänomen wenigs-
innen davon abgehalten, für Madame Bom- zum Gedenken an tote Rechtsterroristen der tens, dass Yves Leblanc sich künftig in Sa-
pard zu stimmen. Auf ihrer Liste wurde An- OAS („Organisation geheime Armee“, die chen Rassismus erkennbar zurückhält. Ab-
dré-Yves Beck, in den letzten Jahren 1961/62 einen blutigen Bombenterror ge- warten… In der zweiten Runde wurde er
„Kommunikationsbeauftrager“ im Rathaus gen den französischen Rückzug aus Alge- mit 51,4 % wiedergewählt.
von Orange, zum Kommunalparlamenta- rien verübte) einweihen ließ. Bernhard Schmid, Paris ■

8 :antifaschistische nachrichten 6-2008


Köln. Am 25. Februar wurde
Jörg Uckermann von der Be-
zirksvertretung Ehrenfeld kurz-
„Pro Köln“ knabbert
fristig als stellvertretender Bezirks-
bürgermeister abgesetzt. Die CDU hat
Uckermann das Vertrauen entzogen
an der CDU
und gemeinsam mit SPD, Grünen und CDU und seinen Eintritt bei „pro Köln“. Die Verharmlosung von pro Köln zu
DIE LINKE die Abwahl von Ucker- Er wolle „extremistische Politik ma- einer „rechtsdemokratischen“ Partei
mann beantragt. Damit war die not- chen“, soll Uckermann laut Pressebe- deckt sich mit der Unsitte der CDU im
wenige Zweidrittelmehrheit gege- richten auf der gemeinsamen Pressekon- Rat der Stadt Köln, „pro Köln“ und DIE
ben. ferenz mit „pro Köln“ erklärt haben. LINKE. in die rechte bzw. linke Ecke zu
Uckermann macht jetzt Karriere bei stellen. An der Spitze der Bürgermeister
Uckermann wurde abgewählt, gegen 2 „pro Köln“ und tritt locker flockig auf: Müller, der auf jeder Ratssitzung seine
Stimmen. Vermutlich seine eigene und „Ich habe mit allen relevanten pro- rechten Sprüche gegen DIE LINKE in
die von dem Mandatsträger von „pro Köln-Funktionären lange diskutiert und den Saal ruft. Deshalb muss die CDU
Köln“. Wer glaubt, Uckermann gab sich festgestellt, dass es große inhaltliche Ge- sich über ihren abtrünnigen Uckermann
geschlagen, der sah sich getäuscht. Zur meinsamkeiten gibt – sowohl in der nicht wundern.
Neuwahl der Bezirksbürgermeisterin Großmoschee-Frage als auch in vielen Und wenn Reinarz erklärt, er wundere
kandidierte Uckermann gegen die CDU- anderen kommunalpolitischen Punkten.“ sich, dass sich Uckermann „nicht zu
Kandidatin Frau Strobl. Auch hier erhielt Uckermann bezeichnet „pro Köln“ als schade ist, mit den Rechtsradikalen“ zu-
Uckermann wieder zwei Stimmen. Auf Rechtsdemokraten und meint: „Der Bun- sammenzuarbeiten, dann muss man er-
dieser Sitzung wurde der Schulterschluss desadler kann ohne einen rechten Flügel kennen, dass die CDU die Tragweite die-
mit „pro Köln“ mehr als deutlich. Auf nicht fliegen.“ ser Entwicklung nicht versteht: Faschis-
die Frage, wann wechselt Uckermann zu Auf der Internetseite gibt „pro Köln“ mus ist keine Meinung, sondern ein Ver-
„pro Köln“, meinten alle, der wartet erst dann Uckermann wieder: „Dies wäre brechen! Und diese Losung trifft auch
mal seinen Prozess mit der CDU ab. umso nötiger, da sich die CDU in den auf „pro Köln“ zu.
Uckermann wartete aber nicht ab, son- letzten Jahren immer mehr von einer ,pa- Jörg Detjen ■
dern erklärte seinen Austritt aus der triotischen Politik‘ verabschiedet hätte.

Bad Fallingbostel/Dorfmark.
Ein Bündnis aus Gewerkschaften, „Ludendorffer sind Anti-
Parteien und Initiativen informier-
te zu „Ludendorffer – religiöse Begrün-
dung für menschenverachtende Nazi-
semiten und Neonazis“
Ideologie“. Wie Versammlungsleiter Christentum „entwurzelt, so dass Juda junge AntifaschistInnen den Nazis den
Charly Braun vom DGB informierte, leichtes Spiel hat“. Die „jüdische Einlass verwehrten, wurde einem Antifa-
lehnten es in Dorfmark Kirche und Gast- Schachtrasse“ schädige über „verjudete
stätte ab, diese Veranstaltung bei sich christliche Erziehung“ deutsche Kinder.
stattfinden zu lassen. In Lokale, wo die Dagegen müssten die „Lichtrassen“ mit
rassistischen Ludendorffer tagen, wollte ihrem „Recht des Stärkeren“ vorgehen.
man nicht. So fand dieser Info-Abend „Gibt es noch übleren Antisemitis-
denn in Fallingbostel statt. mus?“ fragte Lisa Böhne, Sprecherin der
Die Referentin Lisa Böhne, Erzie- VVN/BdA Osnabrück.
hungswissenschaftlerin aus Osnabrück, Lokalhistorikerin Böhne zeigte auf,
hat sich seit Jahren „meterweise“ durch wie der Ludendorffer „Bund für Gotter-
die Schriften von Mathilde Ludendorff, kenntnis“ Kinder und Jugendliche in die-
Gründerin des rassistischen „Bund für ser aggressiven rassistischen Weltan-
deutsche Gotterkenntnis“, gelesen. Die schauung erzieht. Dieser Herrenrassen-
Frau des Hitler-Putschgefährten General glaube bietet Grundlage für Ausgren-
Ludendorff, teilt die Menschen in zung, Vernichtung und heutige Nazi-An-
„Licht- und Schachtrassen“ ein. Nach ih- schläge auf MigrantInnen und politische
rer Theorie „wähnen sich die Rassen und und religiöse Gegner. Kein Wunder, dass
Völker mit ,Lichtlehren‘ dem Göttlichen zu den Ostertagungen der Ludendorffer
nahe, während die Rassen mit ,Schacht- in Dorfmark sich auch bekannte Nazis Aktion Ostern 2007
lehren‘im Gehorsam ihr tiefes religiöses einfinden.
Erleben finden.“ Den sogenannten Es kann straffrei gesagt werden, dass schisten eine Flasche auf dem Kopf zer-
Schachtrassen dichtet Frau Ludendorff Ludendorffer Antisemiten und Neofa- schlagen. Während der im Krankenhaus
denn gleich noch „Unvollkommenheit schisten sind, erklärte Steffen Ahrens, behandelt wurde, durchsuchte die Polizei
und Sündhaftigkeit“ als sogenannten Rechtsanwalt und stellvertretender Bür- Nazis und AntifaschistInnen und erteilte
„Volkscharakter“ an. Mit vielen Zitaten germeister. Beim Verdener Landgerichts- den Nazis Platzverweise.
belegte die Referentin wie nach der Lu- prozess zogen kürzlich die Ludendorffer Bündnissprecher Charly Braun ver-
dendorff-Theorie „Rassenmischung zum ihre Verleumdungsklage zurück, um sprach, so lange vor Ort gegen die Lu-
Volkstod“ führe. So verwundert es nicht, nicht auch noch per Gerichtsurteil Anti- dendorffer zu agieren, bis sie niemand
dass der Herrenrassenwahn der Nazis semitismus und Neofaschismus bestätigt mehr in Dorfmark aufnimmt. Die SPD
mit ausgrenzenden und zu Massenmord zu bekommen. lädt für Karfreitag 21.3.08 ab 14 Uhr zu
führenden Rassegesetzen, von Mathilde Welchen Anhang die Ludendorffer ha- einer Informationsaktion nach Dorfmark
Ludendorff begrüßt wurde. Nach der Lu- ben, wurde auch dadurch deutlich, dass ein, gegenüber „Hotel Deutsches Haus“
dendorff-Lehre sei das deutsche Volk eine Gruppe „Autonomer Nationalisten“ einem der Ludendorffer-Tagungslokale.
durch Kommunismus, Freimaurer- und vorm Tagungslokal demonstrierte. Als PM Bündnis gegen Ludendorffer ■

: antifaschistische nachrichten 6-2008 9


Die Münchener Staatsanwalt-
schaft geht jetzt gegen ein Mit-
glied des „Kameradenkreises
Anklage gegen
der Gebirgstruppe e.V.“ wegen eines
Kriegsverbrechens vor. Da sich gera-
de die Münchener Staatsanwaltschaft
Scheungraber erhoben
in derartigen Fällen nicht gerade Im Kameradenkreis der Gebirgstruppe Der AK Angreifbare Traditionspflege
durch überbordenden Verfolgungsei- sind noch ca. 2000 ehemalige Wehr- fordert:
fer hervorgetan hat, wird der Arbeits- machtsangehörige organisiert. Nach his- ◗ Entzug der Gemeinnützigkeit des
kreis Angreifbare Traditionspflege torischen Erkenntnissen des AK Angreif- Kameradenkreises der Gebirgstruppe!
das weitere Vorgehen intensiv beob- bare Traditionspflege ist nicht die Frage, ◗ Verbot der Pfingstfeier des Kamera-
achten und begleiten, heißt es in einer wer von ihnen an NS- und Kriegsverbre- denkreises auf dem Hohen Brendten!
Pressemitteilung des AK: chen beteiligt war, sondern wer es ◗ Einstellung der Unterstützung des
NICHT war. Es ist bekannt, dass ganze Kameradenkreises durch das Verteidi-
Josef Scheungraber aus Ottobrunn, ge- Kompanien gemeinsam an unvorstellbar gungsministerium!
gen den die Staatsanwaltschaft nun die grauenhaften Massakern beteiligt waren, ◗ und vor allem: Entschädigung der
Anklage wegen Mordes erhoben hat, ist wie die aus Mittenwald stammende 12. Opfer der Gebirgstruppe – Bestrafung
nicht der einzige NS-Verbrecher in Rei- Kompanie des Gebirgsjäger-Bataillons der Täter!
hen des Vereins ewig Gestriger. Wir erin- 98, die im nordgriechischen Kommeno
nern an General Lanz, lange Jahre Eh- 347 Kinder, Frauen und sonstige Zivilis- Dieses Jahr findet die Gedenkfeier
renvorsitzender des Kameradenkreises, ten hinmetzelten. Einige der noch leben- am Hohen Brendten bei Mittenwald
der in den Nürnberger Prozessen wegen den Mörder wohnen nach wie vor in Mit- am ersten Maiwochenende statt.
seiner Kriegsverbrechen zu einer lang- tenwald. Hier das vorläufige Programm der
jährigen Haftstrafe verurteilt wurde. Wir Der „Kameradenkreis der Gebirgs- Proteste dagegen (ohne Gewähr):
erinnern an Feldmarschall Schörner, den truppe e.V.“ ist als gemeinnützig aner-
„Bluthund von Lemberg“, der stolz da- kannt und wird vom Verteidigungsminis- Samstag, 3. Mai 2008
rauf war, das Edelweiß-Abzeichen der terium ständig hofiert. Es stellt dem Ka- 11 Uhr: Kundgebung und Demo durch
Gebirgsjäger zum Schrecken der Men- meradenkreis Einrichtungen der Bundes- das Zentrum von Mittenwald
schen Europas gemacht zu haben, und wehr für Saufabende und andere Ver- 13 Uhr: ZeitzeugInnen-Veranstaltung
der nach einer Verurteilung bis an sein sammlungen zur Verfügung, schickt sei-
Lebensende vom Kameradenkreis auch ne Musiker zu den Kriegsverbrecherfei- Sonntag, 4. Mai 2008
materiell unterstützt wurde. Wir erinnern ern auf dem Hohen Brendten bei Mitten- 9 Uhr: Kundgebung in Mittenwald und
an General Ringel, der von seinen frühe- wald und entsendet den Staatssekretär im Protest gegen das Gebirgsjägertreffen am
ren Untergebenen vor der britischen Mi- Verteidigungsministerium Christian Hohen Brendten
litärjustiz versteckt wurde. Wir erinnern Schmidt (CSU), Mitglied im Kamera-
an Otmar Mühlhauser aus Dillingen, der denkreis, als seinen offiziellen Vertreter Weitere Informationen unter
zu den Soldaten der 1. Gebirgsdivision zur Pfingstfeier dieser „Selbsthilfeverei- www.nadir.org/mittenwald sowie
gehörte, die auf der Insel Kephallonia nigung für Kriegsverbrecher“ auf den unter http://www.nrw.vvn-bda.de/
tausendfachen Mord an entwaffneten Hohen Brendten. Dort traf er Pfingsten (dort unten rechts auf Google Search
Kriegsgefangenen beging und gegen den 2007 u.a. auf den Kriegsverbrecher, Ka- „Mittenwald Gebirgsjäger“ klicken).
die Staatsanwaltschaft München nicht meraden und Parteigenossen Scheungra-
vorgehen will. Wir erinnern an die An- ber und die Ordensgemeinschaft der Rit- Pressemitteilung, 4. März 2008
gehörigen des Polizei-Gebirgsjäger-Re- terkreuzträger. Im Gegensatz hierzu ver- AK Angreifbare
giments 18, die an der Deportation der bot der österreichische Verteidigungsmi- Traditionspflege NRW
Athener Juden nach Auschwitz beteiligt nister Darabos seinen Soldaten die Teil- angreifbare.tradition@freenet.de ■
waren. nahme an der Pfingstfeier 2007.

Staatlich subventionierter werden soll, ist das äußere Zeichen da- der in den 50er Jahren ein Sammelbe-
Geschichtsrevisionismus für, dass hier Geschichte manipuliert cken für NSDAP-Mitglieder war.
wird. Die Deutschen werden als Opfer Die pauschale Würdigung von „Ver-
Berlin. Durch Kabinettsbeschluss wur- dargestellt. Dafür, dass sich diese Ge- triebenen“ ist auch deswegen unange-
de jetzt die Einrichtung einer Erinne- schichtsklitterung auch inhaltlich wider- bracht, weil unter ihnen zahlreiche fa-
rungs- und Dokumentationsstätte über spiegelt, bürgt, dass der Bund der Ver- schistische Täter waren.
Vertreibungen in Berlin beschlossen. Die triebenen „angemessen“ an der Gestal- Währenddessen leben in Polen, der
innenpolitische Sprecherin der Fraktion tung beteiligt werden soll. Das ist ein Pa- Sowjetunion, den jugoslawischen Nach-
DIE LINKE, Ulla Jelpke, erklärt dazu: radox. Der Bund der Vertriebenen hat in folgestaaten, Albanien, Griechenland
„Der Kabinettsbeschluss öffnet den der Vergangenheit oft genug bewiesen, und vielen anderen Staaten immer noch
Weg in staatlich subventionierten Ge- wes Geistes Kind er ist. Erst vor zwei Menschen, die unter Massakern der
schichtsrevisionismus. Jahren hat seine Chefin Erika Steinbach Wehrmacht gelitten haben.
Für das beschlossene „Sichtbare Zei- behauptet, Polen und die Tschechoslo- Ich fordere deshalb die Bundesregie-
chen“ gibt es keine Notwendigkeit. wakei hätten schon lange vor dem Zwei- rung auf, die für die Vertriebenenschau
1400 bereits über die Republik verteil- ten Weltkrieg die Vertreibung der Deut- vorgesehen Millionen in die Entschädi-
te Mahnmale und andere sichtbare Zei- schen geplant, Hitler habe nur „die Tore gung der Opfer des Dritten Reiches zu
chen sollten genug sein. Warum soll nun aufgestoßen“. Die eigene Ausstellung stecken. Das wäre ein angemessenes,
für 30 Millionen Euro eine neue Ausstel- des BdV „Erzwungene Wege“ relativiert sichtbares Zeichen.“
lung her? Dass sie nur wenige Meter den Nationalsozialismus. Der Holocaust Ulla Jelpke, MdB
vom Holocaust-Mahnmal entfernt im wird als Geschichte einer Vertreibung er- Innenpolitische Sprecherin
Berliner Deutschland-Haus eingerichtet zählt. Das passt zur Geschichte des BdV, Fraktion DIE LINKE ■

10 :antifaschistische nachrichten 6-2008


Am 11. März 2008 hat unter dem
Motto „Medizinverbrechen in
Schwerin in der Zeit des Natio-
Aufarbeitung der Euthanasie-
nalsozialismus“ in den HELIOS-Klini-
ken die zweite Vortragsveranstaltung zur
Verbrechen in Schwerin
Aufarbeitung der Euthanasie-Verbrechen fe der Tagung Teile seiner Forschungen bene Versprechen der Klinikleitung ein-
in Schwerin zusammen mit der Landes- zur Zwangssterilisation auf der Basis des gelöst, bemerkte der Chef der Carl-
zentrale für politische Bildung Mecklen- faschistischen „Erbgesundheitsgesetzes“ Friedrich-Flemming-Klinik, Prof. Dr.
burg-Vorpommern e.V. stattgefunden. im Bereich des Schweriner Gesundheits- Andreas Boocks, in der Diskussion. Zum
Seit dem Antritt von Prof. Dr. Andreas amtes dar. Er arbeitete heraus, dass die einen wurde der bei der Aufarbeitung der
Broocks als Leiter der Flemming-Klinik medizinische und soziale Stigmatisie- Euthanasie-Verbrechen verdienstvolle
hat sich bei der öffentlichen Aufarbei- rung von bis zu einem Prozent der Be- Freundeskreis Sachsenberg e.V. neu be-
tung der Euthanasie in Schwerin sehr völkerung auf dem Gebiet des damaligen lebt und andererseits das Projekt der Er-
viel getan. Zunächst wurde in einem Vor- Deutschen Reiches als „lebensunwertes richtung einer Gedenkstätte für die Eu-
trag über „Denkzeichen“ in Pirna über Leben“ vor allem die sozial schwächeren thanasie-Opfer auf dem Gelände der
16 Schautafeln – mit durch Vokabeln der Schichten der Bevölkerung traf und auch Schweriner HELIOS-Kliniken in Angriff
Euthanasie verfremdeten Kunstnachdru- zur Abschreckung und Bestrafung politi- genommen.
cken auf dem Weg der Opfer zur Ver- scher Gegner und unangepasster Men- Bereits Anfang Dezember 2007 hatte
nichtung durch Pirna – zur Erinnerung schen diente. sich in Schwerin eine Jury für die Errich-
an die Tötungsstätte Sonnenburg infor- Derzeit wird in den Schweriner HE- tung einer Keramik-Stele von Dörte Mi-
miert. Margret Hamm sprach als Vertre- LIOS-Kliniken und anschließend im chaelis zum Gedenken an die Euthana-
terin der Euthanasie-Geschädigten über Schweriner „Dokumentationszentrum sieopfer auf dem Gelände der heutigen
den langen Kampf der Opfer um Aner- für die Opfer der Diktaturen in Deutsch- Schweriner Flemming-Klink entschie-
kennung und Entschädigung. Über Jahr- land“ eine Ausstellung über Prozesse ge- den. Mehrere hundert behinderte Men-
zehnte wurden die Euthanasieopfer in gen Euthanasie-Täter aus dem Jahre schen wurden in der Nazi-Zeit von hier
Westdeutschland nicht als Opfer der 1947 in Dresden gezeigt, die aus heutiger aus in Vernichtungslager überstellt. Die
Nazi-Diktatur anerkannt und nicht nach Sicht rechtstaatlichen Standards stand- bunten Keramikstelen würden farbenfro-
dem Bundesentschädigungsgesetz ent- halten. Die Täter wurden zu Todesurtei- he Heiterkeit verbreiten und die Ver-
schädigt. Erst Ende der neunziger Jahre len und zu hohen Haftstrafen verurteilt. schiedenartigkeit der Menschen symbo-
wurde eine Entschädigung von 5.000 Auch in Schwerin fand ein Prozess ge- lisieren, so die Künstlerin. Auch der His-
DM für jedes Opfer vereinbart und später gen Euthanasie-Täter statt, der mit To- toriker Prof. Matthias Pfüller vom Verein
eine Rente für die Opfer erwirkt, die aber desurteilen endeten, die später in Haft- für Politische Memoriale freut sich über
mit 120 Euro monatlich deutlich unter strafen umgewandelt wurden. Einer der die Wahl. Wir bräuchten keine neue
vergleichbaren Entschädigungen liegt Hauptverantwortlichen der Euthanasie- „Kranzabwurfstelle“, dafür aber Orte,
und die Opfer erneut diskriminiert. Lei- Morde in Schwerin, der Klinkleiter Dr. die zu diesem Thema neue Zugänge er-
der wurden die Euthanasie-Opfer auch in Leu, konnte sich durch Flucht in den öffneten. Das Denkmal soll am 2. Mai
der DDR nicht als „Opfer des Faschis- Westen seiner Verantwortung entziehen. 2008 eingeweiht werden. Am selben Tag
mus“ anerkannt. Die eingegrenzte Defi- Dort wurde er später in einem erneuten wurde 1945 das KZ Wöbbelin in der
nition von Opfern des Faschismus als ak- Prozess, wie viele seiner Mittäter in Nähe von Ludwigslust befreit. An der Fi-
tive Widerstandskämpfer gegen den Fa- Westdeutschland, freigesprochen. nanzierung des Projektes haben sich ne-
schismus konnte einer umfassenden Be- Nach dem ersten Symposium der HE- ben den Helios-Kliniken und der Lan-
rücksichtigung aller Opfergruppen der LIOS-Kliniken zur Aufarbeitung der Eu- deszentrale für Politische Bildung auch
Nazi-Diktatur nicht gerecht werden. thanasie-Verbrechen während der Nazi- die Ostdeutsche Sparkassenstiftung und
Der Archivar Jens-Uwe Rost vom Diktatur in Schwerin zu Jahresbeginn die VVN-BdA Schwerin beteiligt.
Schweriner Stadtarchiv stellte im Verlau- 2007 wurden mittlerweile zwei abgege- Axel Holz ■

DVU will offenbar zur Land- in den thüringischen Landtag als reali- „Deutschlandpakt“ noch daran gehin-
tagswahl 2009 in Thüringen sierbar eingeschätzt. Jedoch wurden dert. Die „Freien Kräfte Thüringen“ un-
Zweifel an der Fähigkeit der DVU geäu- terstützen mit Hilfe eines Banners „Par-
antreten – freie Kräfte ßert: teien gibt es viele, Alternativen aber nur
unterstützen NPD Öffentliche Auftritte der thüringischen Eine! NPD!“ klar die NPD.
Thüringen. Im Spätsommer des nächs- DVU waren in der Vergangenheit eher In der Vergangenheit wurden Bündnis-
ten Jahres sind in Thüringen Landtags- Mangelware, heißt es auf der nationalen se zwischen NPD und DVU, ähnlich
wahlen. Aufgrund der internen Abspra- Internetseite „Altermedia“. Weiterhin sei dem jetzigen „Deutschlandpakt“, öfter
chen im „Deutschlandpakt“ zwischen man gespannt, wie unter diesen Bedin- aufgekündigt, wenn einer der Partner
NPD und DVU hätte eigentlich die DVU gungen ein Landtagswahlkampf geführt nicht mehr davon profitieren konnte. So
das alleinige Recht anzutreten. Jedoch werden solle. bleibt abzuwarten, ob der Pakt bestehen
wurden nach den letzten Wahlschlappen Auf dem DVU-Landesparteitag war bleibt und welche Partei in Thüringen
der DVU Stimmen laut, über eine Auf- auch Matthias Faust, gescheiterter Spit- antreten wird.
kündigung des Paktes nachzudenken. zenkandidat der DVU in Hamburg, an- Zuletzt hatte man sich auf Seiten der
Auf ihrem Landesparteitag am vergan- wesend – möglicherweise um Unterstüt- NPD um Glättung der Wogen bemüht. In
genen Sonntag hatte die DVU vor unge- zung und Hilfestellungen zu geben. In der Märzausgabe der Parteizeitung
fähr 400 Teilnehmern erneut ihr Bestre- Hamburg wurde die DVU noch von „Deutsche Stimme“ gratulierte man Dr.
ben bekundet, bei den Landtagswahlen NPD-Mitgliedern unterstützt. Dieses Gerhard Frey zu seinem 75. Geburtstag
in Thüringen im nächsten Jahr antreten dürfte in Thüringen nicht eintreten. und wünschte sich und der DVU ein „Su-
zu wollen. In internen nationalen Kreisen Die NPD würde offenbar gerne selber perwahljahr 2009“.
wird der Einzug einer nationalen Partei zur Wahl antreten, wird jedoch durch den Quelle: www.endstation-rechts.de ■

: antifaschistische nachrichten 6-2008 11


: ausländer- und asylpolitik
schen in Abschiebehaft, darunter 56 Män-
ner und acht Frauen. bee ■
Abgeschobene Familie darf zu Unrecht in Abschiebehaft“, sagt Fahl-
zurückkehren Schünemann macht Auslän-
busch. Auf fast 4000 „rechtswidrige Haft-
Frankfurt. Mit einer bahnbrechenden tage“ ist Fahlbusch nach seiner Mehrjah- derbehörden Druck
Entscheidung hat das Verwaltungsgericht resstatistik gekommen – im Schnitt säße Hannover. Innenminister Uwe Schüne-
Frankfurt am Main den Main-Kinzig- jeder Mandant 25,8 Tage zu Unrecht in mann (CDU) hat ein härteres Vorgehen bei
Kreis verpflichtet, die vor gut einem Jahr Haft, mancher nur einen Tag, mancher für Abschiebungen von Ausländern angekün-
abgeschobene Familie Kazan wieder zu- Monate. „Das ist doch für einen Rechts- digt, die sich widerrechtlich in Deutsch-
rück nach Deutschland einreisen zu lassen staat ein desaströses Ergebnis“, sagt der land aufhalten. „Wir müssen überlegen,
und ihnen Aufenthaltserlaubnisse zu ertei- Anwalt. wie wir Abschiebungen wieder erleichtern
len. Das Grundrecht auf Schutz des Privat- Oft sind es höhere Gerichtsinstanzen, können“, sagte der CDU-Politiker am
lebens nach Art. 8 der Europäischen Men- die die Anordnungen der jeweiligen Aus- Montag, den 10.3. in Hannover. Im ver-
schenrechtskonvention der Kinder der Fa- länderbehörden oder auch einzelner Haft- gangenen Jahr seien 663 Menschen von
milie sei durch die Abschiebung verletzt richter in Zweifel ziehen. Fahlbusch kann den niedersächsischen Ausländerbehörden
worden. dies mit einer Fülle von Fakten belegen. abgeschoben worden, berichtete der Mi-
Die Familie lebte vierzehn Jahre lang in Da bemängelt das Landgericht Hildes- nister. „1360 Personen hätten wir aber ab-
Deutschland, fünf der sechs Kinder sind heim die Inhaftierung eines 16-jährigen schieben müssen“, sagte er. Als Gründe
hier geboren. Im Februar 2007 wurden alle Minderjährigen aus dem Landkreis Peine für das Scheitern von mehr als jeder zwei-
Familienmitglieder in die Türkei abge- als rechtswidrig, weil „unverhältnismä- ten Abschiebung nannte der Minister unter
schoben, ein Bleiberechtsantrag war zuvor ßig“, da rügt das Landgericht Lüneburg, anderem, dass einige Menschen unter-
abgelehnt worden, weil der Vater, der sich dass schwer kranke und damit reiseunfähi- tauchten, sich als fluguntauglich bezeich-
inzwischen von der Familie getrennt hatte, ge Menschen in Abschiebehaft genommen neten oder Asylfolgeanträge stellten.
v.a. wegen Verstößen gegen die Residenz- worden waren. Schünemamnn kündigte an, sich für bun-
pflicht zu Geldstrafen verurteilt worden „Es kommt immer wieder vor, dass desweite Sammel-Charterflüge von Abzu-
war. Schon kurz nach der Abschiebung Festnahmen ohne richterlichen Haftbe- schiebenden einzusetzen. Außerdem sol-
gründeten Freunde der Familie einen Un- schluss stattfinden oder Anhörungen ohne len künftig Fachärzte für Flugmedizin zu
terstützerkreis, der für die Wiedereinreise Ehepartner stattfinden“, so der Anwalt. Rate gezogen werden. Außerdem müsse
kämpfte. Dabei sei die Anhörung zwingend vorge- die Zusammenarbeit mit den ausländi-
Das Gericht stellte jetzt fest, dass die schrieben. Einer seiner Mandanten sei vor schen Behörden verbessert werden. Schü-
hier hervorragend integrierten Kinder in Jahren sogar an seinem Arbeitsplatz fest- nemann forderte mehr Rückführabkom-
der Türkei keinerlei Perspektive hätten, da genommen worden, obwohl gar kein Haft- men. Der Innenminister bezifferte die
sie keinerlei Bezug zum Leben in der Tür- grund vorgelegen habe. „In der Gesamt- durchschnittlichen Kosten pro Abschie-
kei haben und auch kein Türkisch spre- heit ergibt sich ein hochgradig erschre- bung auf 1400 Euro. Die Zahl der Asylbe-
chen. Daher hätten sie Anspruch auf Ertei- ckendes Bild.“ Vor allem öffentliches Des- werber in Niedersachsen ist im vorigen
lung einer Aufenthaltserlaubnis. Auch die interesse und eine fehlende Lobby macht Jahr im Vergleich zu 2006 um vier Pro-
Mutter der Kinder darf wieder einreisen. der Jurist dafür verantwortlich, dass sich zent auf 1673 Menschen zurückgegangen.
„Wir begrüßen die mutige Entscheidung kaum jemand für diese „vergessenen „ Ge- 13 Frauen und Männer wurden 2007 als
der Verwaltungsgerichtes. Nach über ei- fangenen interessiere. „Wenn ich meine Asylbewerber anerkannt. Die meisten
nem Jahr gibt es für die Familie jetzt doch Frau länger als eine Woche einsperre, Asylbewerber kamen aus dem Irak (444
noch ein Happy-End“ erklärte Timmo droht mir eine Haftstrafe von mehr als ei- Personen) Serbien (206), der Türkei (103)
Scherenberg, Geschäftsführer des Hessi- nem Tag.“ Doch im Flüchtlingsbereich und Syrien (100).
schen Flüchtlingsrates in Frankfurt. „Das legten manche Behörden wohl andere Massive Kritik an den von Innenminis-
heute ergangene Urteil zeigt, dass erfolg- Maßstäbe an, obwohl es sich nicht um Kri- ter Schünemann geplanten Maßnahmen
reiche Integration stärker in ausländer- minelle handele. „Ihr einziges Vergehen zur Beschleunigung von Abschiebungen
rechtlichen Entscheidungen berücksichtigt besteht darin, nicht dieses Land verlassen kommt von den Landtagsgrünen. Sie kriti-
werden muss. Wir hoffen, dass eine ent- zu wollen.“ Nicht glücklich findet der An- sieren, dass in Niedersachsen Abschiebun-
sprechende Rechtsauffassung Schule walt auch, dass Beschwerden bei Abschie- gen aus der Psychiatrie heraus und unter
macht und sind optimistisch, dass Familie behaftverfahren bei den Landgerichten Hinnahme von Familientrennungen an der
Kazan jetzt baldmöglichst nach Hause zu- landeten und dort von Richtern bearbeitet Tagesordnung seien. „Wenn Ärzte die Rei-
rückkehren kann.“ würden, deren täglich Brot Kapitalverbre- seunfähigkeit feststellen, dann ist das be-
Gez. Timmo Scherenberg, chen seien und die oft wenig Zeit hätten, gründet. Die Grundsätze der Bundesärzte-
Geschäftsführer Hess. Flüchtlingsrat ■ sich auf komplizierte Asylverfahren einzu- kammer für Abschiebungen müssen end-
lassen.“ lich auch in Niedersachsen beachtet wer-
Abschiebehaft wird oft zu „Abschiebehaft sollte eigentlich nur die den“, sagte die flüchtlingspolitische Spre-
allerletzte Möglichkeit bleiben“, sagt Kai cherin Filiz Polat. Auch dürfe die Abschie-
schnell verhängt Weber vom niedersächsischen Flücht- behaft immer nur das letzte Mittel sein.
Hannover. Während sich Innenminister lingsrat. „Wir fragen uns oft: Wo bleibt der Die hohe Quote der rechtswidrigen Haft-
Schünemann (CDU) schnellere Abschie- Grundsatz der Verhältnismäßigkeit?“ anordnungen sei „skandalös“.
bungen wünscht, klagen Menschenrechts- Früher habe ein Erlass die Behörden Die Grünen-Politikerin warf Schüne-
und Flüchtlingsorganisationen über aufgefordert, bei allen ihren Schritten den mann vor, diejenigen Personen schnell ab-
schwere Verstöße gegen die Grundrechte Verhältnismäßigkeitsgrundsatz zu beherzi- schieben zu wollen, die nicht vom Bleibe-
bei der Abschiebepraxis. Viele Flüchtlinge gen. Doch heute dränge Innenminister recht erfasst würden: „Diese Regelung ist
säßen zu Unrecht in Abschiebehaft, so der Schünemann die Kommunen geradezu, zu restriktiv und bedroht gerade Alte und
hannoversche Anwalt Peter Fahlbusch, der möglichst schnell und möglichst viele Kranke. Die will der Innenminister jetzt
in den letzten sechs Jahre 534 Flüchtlinge Menschen abzuschieben: „Da steckt doch los werden.“ Mehr als die Hälfte der Ge-
anwaltlich beraten und Buch über ihr wei- System dahinter“, so Weber. duldeten seien schon länger als sechs Jah-
teres Schicksal geführt hat. „154 meiner Derzeit sitzen in Niedersachsen nach re hier. „Nach so langer Zeit sind viele da-
insgesamt 534 Mandanten saßen teilweise Auskunft des Justizministeriums 64 Men- von faktisch Inländer. Sie noch abzuschie-

12 :antifaschistische nachrichten 6-2008


ben verstößt gegen die Europäische Men- 182 Migranten sind
schenrechtskonvention“, sagte Polat. beim Überqueren von
In dem Konstrukt der Bund-Länder-Ar- Grenzflüssen ertrunken,
beitsgruppe „Rückführung“ sieht Polat ein die Mehrheit davon in
„strukturelles Problem“. In Gremien die- der Oder-Neisse, zwi-
ser Art würden weitreichende Entschei- schen Polen und
dungen getroffen, die der parlamentari- Deutschland, in der
schen Kontrolle entzogen werden. Evros, zwischen der
Quelle: Quelle: HAZ 11.3.08 und Türkei und Griechen-
PM Bündnis90/Die Grünen Landtag land, in der Sava zwi-
Nds. - Hannover, 11.03.2008 ■ schen Kroatien und Bos-
nien und in der Morava
Fortress Europe zwischen der Slovakei
und Tschechien. 112
Seit 1988 sind mindestens 11.778 Perso- Personen sind unterwegs
nen entlang der europäischen Grenzen ge- in den eisigen Grenzge-
storben. Davon sind 4.226 Leichen immer bieten in den Bergen er-
noch im Mittelmeer verschollen. Im Mit- froren, dies vor allem in
telmeer, sowie im Atlantischen Ozean der Türkei und in Grie-
Richtung Spanien starben 8.109 Personen. chenland. An der grie-
2.487 sind im Kanal von Sizilien ertrun- chischen Grenze mit der
ken, zwischen Libyen, Tunesien, Malta Türkei gibt es entlang
und Italien, davon 1.529 verschollen; 64 des Evros Flusses immer
weitere Tote zwischen Algerien und Sardi- noch Minenfelder. Hier
nien, Italien. Weitere 4.004 Tote zwischen sind, beim Versuch nach
Marokko, Algerien, Mauritanien, Senegal Griechenland zu gelan- Schweinfurt. Anlässlich der „Aktionswochen gegen Rassismus“ de-
und Spanien, beim Überqueren der Mee- gen, mindestens 88 Per- monstrierten Celtis-SchülerInnen gegen Rassismus. Mit Plakaten,
wie „Stoppt den Rassismus“, „Rassismus nicht mit uns!“ oder „Ge-
resenge von Gibraltar oder in der Nähe der sonen gestorben. gen Rassismus – für Zivilcourage“, zogen SchülerInnen des
Kanarischen Inseln, davon sind 1.956 ver- 147 Migranten sind Schweinfurter Celtis Gymnasiums von ihrer Schule durch die Innen-
schollen. 885 Tote in der Ägäis zwischen von Grenzpolizisten er- stadt zum Jugendkulturzentrum „Stattbahnhof“, wo die Demo mit
der Türkei und Griechenland, davon sind schossen worden, davon einer kurzen Abschlusskundgebung endete.
461 verschollen. 553 Tote in der Adria, 35 in Ceuta und Melilla,
zwischen Albanien, Montenegro und Ita- spanische Enklaven in Marokko und 28 im „Fremdenfeindliche Kampagnen sind
lien, davon sind 250 verschollen. Im Indi- Van Distrikt in der Osttürkei, nahe der Ira- für große Volksparteien ein Risiko gewor-
sche Ozean, 597 Tote zwischen Comore nischen Grenze. Ein paar Leute sind eben- den“, gibt Jürgen Micksch, Vorsitzender
und die französisches Insel Mayotte. Aber falls von der frnzösischen, deutschen, spa- des Interkulturellen Rates, zu bedenken.
das Meer wird nicht nur mit normalen nischen und Schweizer Polizei erschossen Die Gewerkschaften beteiligen sich jedes
Schiffen überquert, sondern ebenfalls ver- worden. 41 Männer sind tot aufgefunden Jahr mit zahlreichen Aktivitäten an der in-
steckt in Transport-Kargos. Dabei sind worden, versteckt in den Fahrgestellen von ternationalen Woche gegen Rassismus. So
141 Männer erstickt oder ertrunken. Flugzeugen. 23 Leute sind in Calais ge- hat die IG BCE beispielsweise auch in die-
Die Sahara ist eine gefährliche, unver- storben, oder unter Zügen in dem Channel sem Jahr in Zusammenarbeit mit dem In-
meidbare Passage, um zum Meer zu gelan- Tunnel, beim Versuch nach England zu terkulturellen Rat ein Faltblatt erstellt, in
gen. Migranten durchqueren sie mit Last- reisen. Wiederum 12 sind unter anderen dem Ideen und Anregungen für die Durch-
wagen und anderen Fahrzeugen zwischen Zügen zu anderen Grenzen gestorben und führung von Veranstaltungen zusammen-
Sudan, Schad, Niger und Mali einerseits 3 beim Versuch den Channel zu durch- gestellt sind.
und Libyen und Algerien andererseits. Hier schwimmen. Das Flugblatt und eine Broschüre kön-
sind seit 1996 mindestens 1.579 Personen Quelle: fortresseurope gabriele del nen auf der Internetseite des Interkulturel-
gestorben. Überlebende erzählen, dass jede grande /flucht mailing listflucht@ len Rates heruntergeladen werden unter:
Reise Opfer kostet. Und damit könnte die nds-fluerat ■ www.interkultureller-rat.de sowie unter
Anzahl von Toten noch größer werden. Die www.gelbehand.de/ir2008
Statistiken beinhalten ebenfalls die Opfer Internationale Woche gegen Quelle Aktiv+Gleichberechtigt, 3/2008,
der Massenabschiebungen, die in Tripoli, hrsg vom Kumpelverein ■
Algerien und Rabat von den Autoritäten Rassismus: Alle anders – alle
vorgenommen werden, und die dabei die gleich Rassismus entgegentreten
Migranten einfach in wüstenähnlichen „Rassismus und Fremdenfeindlichkeit
Grenzgebieten aussetzen. können überwunden werden, wenn sich Berlin. Zum Auftakt der bundesweiten
In Libyen kommen ebenfalls ernsthafte viele Menschen dafür einsetzen.“ Dies ist „Aktionswoche gegen Rassismus“ erklärt
Misshandlungen von Migranten vor. Es der Ausgangspunkt für den Interkulturel- die innenpolitische Sprecherin der Frakti-
gibt keine offiziellen Zahlen, aber in 2006 len Rat (IR) gemeinsam mit über 40 bun- on DIE LINKE, Ulla Jelpke:
hat Human Rights Watch und Afvic Tripo- desweiten Organisationen erneut zur regen Naziüberfälle auf Migrantinnen und
li wegen Verhaftungen, Schlägen und Fol- Teilnahme an den Internationalen Wochen Migranten, Linke oder Punks sind nur eine
terungen in Migranten-Zentren angeklagt. gegen Rassismus aufzurufen. Seite der Facette. Die andere Seite besteht
Von diesen Zentren werden 3 von Italien In diesem Jahr finden die Wochen vom aus Hetzkampagnen von CDU/CSU-Poli-
finanziert. Mindestens 560 Personen star- 10. bis zum 23. März statt. Die Aktivitäten tikern und Teilen der Presse gegen „Aus-
ben während gewaltsamen Massenaus- zeigen Wirkung. „Jedes Jahr gibt es in ländergewalt“.
schreitungen gegen Durchwanderer im Deutschland mehr Veranstaltungen, die Zuwanderer insbesondere aus islami-
September 2000 in Zawiyah, im Nord- sich dieser Thematik widmen“, erklärt schen Ländern werden von Regierungspo-
Westen von Libyen. Torsten Jäger, Geschäftsführer des Inter- litikern pauschal unter Terrorismusver-
In Lastwagen mitfahrend sind bereits kulturellen Rates. So gab es im letzten Jahr dacht gestellt. Das im vergangenen Jahr in
282 Personen tot aufgefunden worden. über 500 Veranstaltungen. Kraft getretene Zuwanderungsgesetz dient

: antifaschistische nachrichten 6-2008 13


vor allem der Flüchtlingsabwehr und ist in 01, Sparkasse Göttingen, Stichwort:
Gesetzesform gegossener Stammtischpo- Katzhütte
pulismus. The VOICE Refugee Forum;
Durch Wahlkämpfe und Medienkampa- http://thevoiceforum.org ■
gnen auf dem Rücken von Migrantinnen
und Migranten werden Rechtsextreme zu Unerhörter Umgang mit
ihren Übergriffen ermutigt. Neonazis kön-
nen sich als Vollstrecker eines scheinbaren Flüchtlingen
Volkswillens sehen. Wunsiedel. Sirwan M. lebt als gedulde-
Daher gilt es, dem Rassismus aus der also, in der Hoffnung, die verbleibenden ter Flüchtling in Wunsiedel. Und wie alle
Mitte der Gesellschaft genauso entgegen- Flüchtlinge würden dann wieder in die Iraker hat er keinen gültigen Pass, denn
zutreten wie den Neonazis der NPD – staatlich erwünschte Lethargie zurück ver- gültige irakische Pässe sind derzeit nicht
nicht nur in einer Aktionswoche gegen fallen, aus dem Lager Katzhütte entfernen. zu erhalten. Für die Polizei Wunsiedel
Rassismus, sondern auch dann, wenn Doch damit nicht genug an Besuchen, die eine Straftat, eine so genannte „Nichter-
dumpfer Rassismus in Parlamenten salon- Herr Sbaih an diesem Tag bekam. Einige füllung der Passpflicht“. Seit 2006 ermit-
fähig gemacht wird. Stunden später kam der örtliche Leiter des telt sie daher gegen Sirwan M. Der junge
Ulla Jelpke, MdB Polizeireviers vorbei. Iraker wird immer wieder festgehalten,
Innenpolitische Sprecherin Dieser betonte, dass die Heimleitung kontrolliert und verhört. Obwohl die An-
Fraktion DIE LINKE ■ künftig „von dem Hausrecht Gebrauch zeigen der Polizei bereits dreimal von
machen werde“, d.h. Protestaktivitäten, der Staatsanwaltschaft abgelehnt wurden
Flüchtlinge in Katzhütte brau- Pressekonferenzen u.ä. künftig notfalls mit und vor Gericht keine Chance auf Erfolg
Gewalt verhindert werden würden, und haben, reißen die Schikanen nicht ab.
chen dringend Unterstützung dass er (den man schon im Vorfeld verant- „Hier wird ein Mensch ohne Grund psy-
Seit gut zwei Wochen wenden sich die Be- wortlich macht) dafür juristisch zur Re- chisch zerstört“, erklärt Tobias Klaus
wohnerInnen des Asylbewerberheims in chenschaft gezogen werde – von empfind- vom Bayerischen Flüchtlingsrat nach
Katzhütte mittels öffentlicher Erklärung, lichen Geld- bis hin zu Haftstrafen. Des Gesprächen mit dem Iraker.
Pressekonferenz, Einladung zum Besuch Weiteren ermahnte er, dass Protestaktivitä- Immer wieder wird Sirwan M. auf der
des Heimes und verschiedenen Protestak- ten außerhalb des Geltungsbereiches der Straße aufgehalten und sein Pass kon-
tionen an die Öffentlichkeit, um so auf die Hausordnung mindestens 48 Stunden vor- trolliert. Dann folgen die Fragen: „Wa-
unerträgliche Lebenssituation, zu der die- her bei dem Landratsamt zu genehmigen rum hast du keinen Pass? Wo arbeitest
ses Lager zwingt, hinzuweisen und um die seien. du? Bist du ein Straftäter?“ Ca. 30 Minu-
bedingungslose Schließung des Isolations- Trotz dieser Einschüchterungsversuche ten dauert eine solche Kontrolle – immer
lagers zu fordern. lassen sich die Flüchtlinge in Katzhütte unter den abwertenden Blicken der Öf-
Den Auftakt des Flüchtlingsprotestes in nicht von ihrer Entschlossenheit abbrin- fentlichkeit, denn dass er kein Straftäter
Katzhütte bildete eine öffentliche Erklä- gen, weiterhin für die Schließung des Iso- ist, wissen die Passanten nicht.
rung, in der die BewohnerInnen in neun lationslagers zu kämpfen. Dabei wird es Bereits dreimal wurde er auf die Poli-
Punkten die unerträgliche Lebenssituation jedoch um so wichtiger, Solidarität mit zeiwache mitgenommen, dort über Stun-
des Lagers darlegen. den Katzhüttener Flüchtlingen zu üben. den festgehalten und musste sich kom-
Am 11. März 2008 luden die Bewohne- Eine Abschiebung von palästinensischen plett entkleiden. Mehrfach wurde er vor-
rInnen schließlich zu einer Pressekonfe- Flüchtlingen ins Westjordanland ist auf geladen. Er erhält Anzeigen, die juris-
renz und einem öffentlichen Besuchster- lange Sicht nicht möglich, nach Jordanien tisch haltlos aber psychisch vernichtend
min in ihren Wohnort – das Lager. Die La- jedoch denkbar. Zwar hat dieses Land be- sind. „Ich werde behandelt wie ein Kri-
gerleitung versuchte dies mittels eines reits 1,8 Mio. palästinensische Flüchtlinge mineller und fühle mich wie auf der
Großaufgebots an Polizei zu verhindern, aufgenommen und derzeit suchen dort Flucht. Ich bin hier nicht erwünscht, aber
was ihr jedoch wegen der Entschlossen- hunderttausende von IrakerInnen Zuflucht wo soll ich sonst hin? Ich habe Angst auf
heit der BewohnerInnen nicht gelang. vor Krieg und Besatzung. Doch mit ent- die Straße zu gehen, aber sie kommen ja
In beiden Fällen hatte sich Herr Sbaih sprechenden Zahlungen und diplomati- auch in die Unterkunft“, sagt Sirwan M.
ein palästinensischer Flüchtling aus dem schem Druck, könnte Jordanien durchaus Zu der Angst trägt auch der abwertende
Lager mit seinem Namen und seiner zur Einreise eines palästinensischen Tonfall gegenüber Flüchtlingen bei. So
Handy Nummer als Kontaktperson zur Flüchtlings aus Deutschland gebracht wer- berichtet Sirwan M., dass er und andere
Verfügung gestellt. den. Und der deutsche Staat lässt sich die Flüchtlinge generell mit „Du“ angeredet
Damit hat er nun den Zorn des Land- Aufrechterhaltung seines Lagersystems werden.
ratsamts Saalfeld-Rudolstadt und des Thü- bestimmt noch so einiges kosten… In das Gesamtbild fügen sich die Schi-
ringer Innenministeriums, die an der ge- Vor dem Hintergrund dieser jüngsten kanen durch flankierende Maßnahmen
zielten Ausgrenzung und Isolierung von Entwicklungen in Katzhütte rufen wir zur der Ausländerbehörde, welche ihm eine
Flüchtlingen festhalten wollen, auf sich Intensivierung der Unterstützung auf. „freiwillige Rückkehr“ in das Bürger-
gezogen. Am Montag den 17. März 2008 Am Ostermontag werden die Flüchtlin- kriegsland rät, anstatt seine Integration
kam eine Abordnung des Landratsamtes ge aus Katzhütte in Saalfeld/Thüringen zu fördern.
zu ihm nach Katzhütte. Man zeigte ihm ei- eine Öffentlichkeitsaktion durchführen. Das Konzept scheint aufzugehen: Sir-
nen neuen palästinensischen Pass und deu- Geld wird dringend für die Mobilisierun- wan M. kann momentan nur mit Mühe
tete an, dass man ihn jetzt sehr schnell gen, die Treffen und die Kampagnenarbeit davon abgehalten werden auszureisen –
nach Jordanien abschieben wolle, ein für der Flüchtlinge in Thüringen gebraucht. trotz der Gefahr im Irak.
Sbaih fremdes Land, denn er kommt aus Allein die Anreise von Flüchtlingsakti- „Wir fordern ein Ende der ziellosen
dem Westjordanland. visten aus anderen Teilen Thüringens für Ermittlungen und Einschüchterungen.
Doch neben der Peitsche brachte das die Vorbereitung und Durchführung des Die Polizei Wunsiedel hat wichtigeres zu
Landratsamt scheinbar auch noch das Zu- öffentlichen Hearings im Lager Katzhütte tun als in Sackgassen zu ermitteln!“, for-
ckerbrot, indem man Sbaih nahe legte, ei- fielen mehrere hundert Euro Fahrtkosten dert Tobias Klaus vom Bayerischen
nen Umverteilungsantrag in ein anderes an. Flüchtlingsrat.
Heim zu stellen, der in seinem Fall doch Spenden an: The Voice e. V., Göttin- Bayerischer Flüchtlingsrat,
beste Aussichten hätte. Man möchte ihn gen, Kontonr:127 829, BLZ: 260 500 www.fluechtlingsrat-bayern.de ■

14 antifaschistische nachrichten 6-2008


2000 demonstrierten gegen Aus-
bau der staatlichen Überwachung
Am Samstag, den 15. März, ha- stadt und kehrte gegen 16 Uhr zur Ab- Anschließend sprach Petra Pau. Sie
ben sich auf dem Roncalliplatz schlusskundgebung auf den Roncalli- kritisierte die Entwicklung in Staat und
in Köln circa 2000 Bürger ver- platz zurück. Auf der Abschlusskundge- Gesellschaft in Bezug auf Überwachung:
sammelt, um gegen den Ausbau der bung sprachen Vertreter der aufrufenden „Ohne Datenschutz kann es keine Demo-
staatlichen Überwachung und die Ein- Organisationen, unter anderem die Vize- kratie geben. [...] Gegenwärtig erleben
schränkung der bürgerlichen Grund- präsidentin des deutschen Bundestages, wir, wie ein demokratisch verfasster
rechte zu demonstrieren. Organisiert Petra Pau (Die Linke), und MdB Volker Rechtsstaat Stück für Stück zu einem
wurde die Demonstration von einem Beck Bündnis 90/Die Grünen). präventiven Sicherheitsstaat umgebaut
breitem Bündnis bestehend aus Bür- www.arbeiterfotografie.com wird. Andere sagen
gerrechtsorganisationen, Berufsver- Überwachungsstaat.
bänden und Parteien (Grüne, Linke, Ich finde, das ist
Chaos Computer Club Cologne, Frei- nicht hinnehmbar.“
heit ist Sicherheit, AK Vorrat, Verband Als in besonderem
der freien Lektorinnen und Lektoren Maße betroffen
e.V., Piratenpartei, FoeBuD). sprach Andrea
Kamphuis als Vertre-
Die Auftaktveranstaltung zur Demo be- terin des Verbandes
gann gegen 14 Uhr. Es sprach unter an- der freien Lektorin-
derem Dr. Frank Überall, Politologe und nen und Lektoren
freier Journalist, der in seiner Rede be- (VFLL e.V.): „Lekto-
tonte, dass „Politiker machen, was sie ren untersuchen die
wollen, ohne auf geltende Gesetze zu ihnen vorgelegten
achten – und dies unter dem Vorwand, Artikel und Bücher
dass sie darauf achten wollen, dass die auch auf inhaltliche
Gesetze eingehalten werden.“ Des weite- Fehler. Dazu ist es
ren wies er auf die Gefahren der massen- unumgänglich, unter
haften Speicherung von Daten hin. „Wo anderem im Internet
Daten einmal vorhanden sind, wachsen zu recherchieren und
die Begehrlichkeiten, sie auch zu nutzen. Eröffnet wurde die Abschlusskundge- Webseiten zu besuchen, die sich mit teils
Und wenn wir heute schon Wirtschafts- bung von Annika Kremer vom Bürger- fragwürdigem Inhalt befassen, so zum
spionage nicht wirksam verhindern kön- rechtsbündnis „Freiheit ist Sicherheit“, Beispiel Rechtsextremen, Selbstmord-
nen, wie wollen wir dann garantieren, die in ihrer Rede betonte, dass „Freiheit bombern, aber auch militärischen Anla-
dass sich niemand an unseren Daten hin- und Sicherheit keine Gegensätze sind, gen, Waffen und ähnlichem. Interpretiert
terrücks bedient?“ Außerdem sprach pa- sondern zwei Werte, die eine große Rolle man diese Besuche auf den Webseiten
deluun von FoeBuD e.V., welcher sich für unsere Gesellschaft spielen. Wir kön- falsch, dann kann sehr schnell ein ganz
sehr optimistisch für die Zukunft zeigte nen weder ohne das eine, noch ohne das falsches Bild von der Person entstehen.
und ein „Fenster für eine breite Daten- andere leben – und deswegen sollten wir „Wir müssen uns die nötigen Informatio-
schutzbewegung“ geöffnet sieht. Die denjenigen Einhalt gebieten, die genau nen da beschaffen, wo wir sie kriegen
Kommunikationsgesellschaft beginne zu das von uns verlangen. [...] Wir können können. Ich habe schon Webseiten be-
verstehen, dass „Überwachung immer in Sicherheit leben, ohne unsere Privat- sucht, mit deren Betreibern ich unter kei-
Unsicherheit bedeutet und niemals Si- sphäre dafür aufzugeben – wir müssen nen Umständen in Verbindung gebracht
cherheit.“ dies sogar anstreben, denn langfristig werden möchte. Neugier gehört zum Me-
Anschließend bewegte sich der De- kann unsere Gesellschaft weder ohne das tier. Wo im Netz ich mich herumtreibe,
monstrationszug durch die Kölner Innen- eine noch ohne das andere auskommen.“ geht keinen etwas an; niemand hat das
Recht, daraus ein Profil zu erstellen oder
Rückschlüsse auf meine Gesinnung zu
Der Herausgabekreis und die Redaktion sind zu erreichen über:
GNN-Verlag, Venloer Str. 440, 50825 Köln Tel. 0221 / 21 16 58, Fax 0221 / 21 53 73. ziehen.“
email: antifanachrichten@netcologne.de, Internet: http://www.antifaschistische-nachrichten.de Die Veranstalter waren mit dem Er-
Erscheint bei GNN, Verlagsges. m.b.H., Venloer Str. 440, 50825 Köln. V.i.S.d.P.: U. Bach gebnis der Demonstration sehr zufrie-
Redaktion: Für Schleswig-Holstein, Hamburg: W. Siede, erreichbar über GNN-Verlag, Neuer Kamp 25, den. Waren es im November letzten Jah-
20359 Hamburg, Tel. 040 / 43 18 88 20. Für NRW, Hessen, Rheinland Pfalz, Saarland: U. Bach, res gerade einmal 500 Menschen, die
GNN-Verlag Köln. Baden-Württemberg und Bayern über GNN-Süd, Stubaier Str. 2, 70327 Stuttgart, Tel.
0711 / 62 47 01. Für „Aus der faschistischen Presse“: J. Detjen c/o GNN Köln. sich an einer Demonstration zum selben
Erscheinungsweise: 14-täglich. Bezugspreis: Einzelheft 1,30 Euro. Thema beteiligt hatten, waren es jetzt
Bestellungen sind zu richten an: GNN-Verlag, Venloer Str. 440, 50825 Köln. Sonderbestellungen sind schon 2000, der Widerstand gegen die
möglich, Wiederverkäufer erhalten 30 % Rabatt. aktuelle Sicherheitspolitik der derzeiti-
Die antifaschistischen Nachrichten beruhen vor allen Dingen auf Mitteilungen von Initiativen. Soweit ein- gen Bundesregierung scheint also weiter
zelne Artikel ausdrücklich in ihrer Herkunft gekennzeichnet sind, geben sie nicht unbedingt die Meinung zu wachsen. Immer mehr Bürger lassen
der Redaktion wieder, die nicht alle bei ihr eingehenden Meldungen überprüfen kann. es sich nicht mehr gefallen, dass so viele
Herausgabekreis der Antifaschistischen Nachrichten: Anarchistische Gruppe/Rätekommunisten (AGR); Annelie Bun-
tenbach (Bündnis 90/Die Grünen); Rolf Burgard (VVN-BdA); Jörg Detjen (Verein für politische Bildung, linke Kritik und Kom-
Daten über sie zentralisiert gespeichert
munikation); Martin Dietzsch; Regina Girod (VVN - Bund der Antifaschisten); Dr. Christel Hartinger (Friedenszentrum e.V., werden sollen. Die Veranstalter hoffen,
Leipzig); Hartmut-Meyer-Archiv bei der VVN - Bund der Antifaschisten NRW; Ulla Jelpke (MdB); Marion Bentin, Edith Berg- mit dieser weiteren Demonstration ein
mann, Hannes Nuijen (Mitglieder des Vorstandes der Arbeitsgemeinschaft gegen Reaktion, Faschismus und Krieg–
Förderverein Antifaschistische Nachrichten); Kreisvereinigung Aachen VVN-BdA; AG Antifaschismus/ Antirassismus in
Zeichen nach Berlin gesandt zu haben,
der PDS NRW; Angelo Lucifero (Landesleiter hbv in ver.di Thüringen); Kai Metzner (minuskel screen partner); Bernhard aus dem eben dies hervorgeht.
Strasdeit; Volkmar Wölk. Markus Pachali ■

: antifaschistische nachrichten 6-2008 15


: aus der faschistischen Presse
Oberfläche und neigen jener Partei zu, die
durch Medienberichte und Umfrageergeb-
Rechte Bürgerkriegs- dent wurde. Das Odium des ,Parteiverrats‘ nisse am ehesten geeignet erscheint, die
phantasien Nation & Europa 3-2008 tritt nach anfänglicher Verstimmung hinter Fünfprozenthürde zu überspringen und
die ideologische Wesensverwandtschaft den Regierenden einen Denkzettel zu ver-
Antikommunismus, genauer gesagt der zurück, die in solchen Personalien zum passen“. Schlauer ist durch diese Erklä-
Hass auf die sozialistische und kommunis- Ausdruck kommt. Auf unterer und mittle- rung niemand.
tische Bewegung, ist eine der konstituie- rer Ebene kooperieren Rote und Knallrote Um Rassismus geht es Karl Richter, der
renden Eigenschaften (wenn nicht sogar längst wie Marx und Engels. Ihr Ziel ist es, unter dem Titel „,Scheiß-Deutsche‘“ vom
die konstituierende Eigenschaft) aller fa- die historische Spaltung der ,Arbeiterbe- „Kampf um unsere Städte“ phantasiert.
schistischen Bewegungen. In einer Zeit, in wegung‘ zu überwinden. Koalitionen sind Dass es sich tatsächlich um Phantasien
der die Totalitarismustheorie Staatsdoktrin dazu ein zwangsläufiger Schritt. Ohnehin handelt, macht z.B. ein Satz wie dieser
ist, gerät diese Tatsache auch bei antifa- bezieht man sich auf die gleichen Traditio- deutlich: „...gehört dieses Vokabular längst
schistisch gesinnten Menschen häufig in nen und Idole“. zum hässlichen Repertoire des alltäglichen
Vergessenheit. Der Rechten allerdings ist Dann aber kommt Hansen zu dem The- Terrors, denen (so im Original – tri) an den
sie immer bewusst. Für sie steht der Feind ma, das ihn umtreibt: Warum punktet die Brennpunkten der Überfremdung ausge-
in erster Linie links. „Nation & Europa“ er- Linke, während die diversen braunen setzt sind“. Für den Rassismus bemüht
innert in der Märzausgabe, auf deren Titel- Gruppen in den alten Bundesländern bei Richter den Altfaschisten Oswald Speng-
seite der Linken (im Sinne der gleichnami- Wahlen kaum einen Blumentopf gewinnen ler, den er ausgiebig zitiert: „Der Mensch
gen Partei) attestiert wird, sie sei „aufer- können? „Nur einem kleinen Teil der kann den Menschen nicht täuschen. Der
standen aus Ruinen“ – das Ganze aller- Linkswähler steht der Sinn nach DDR und Farbige durchschaut den Weißen, wenn er
dings illustriert mit einem tristen schwarz- Kommunismus. Die meisten wollen ein- von ,Menschheit‘ und ewigem Frieden re-
weiß-Photo aus der DDR der fünfziger fach nur protestieren: gegen Brachialkapi- det. Er wittert die Unfähigkeit und den feh-
Jahre. talismus und Sozialabbau, gegen Arbeits- lenden Willen, sich zu verteidigen.... Wir
Klaus Hansen widmet sich dem Titel- platzvernichtung und Rentenbetrug, gegen können uns nicht erlauben, müde zu sein.
thema im ersten Artikel des Heftes. „Wes- eine politische Fehlentwicklung, die die ei- Die Gefahr pocht an die Tür. Die Farbigen
halb die Linke triumphiert: Verzweiflungs- nen immer reicher und die anderen immer sind nicht Pazifisten. Sie hängen nicht an
wähler“ betitelt er den Versuch zu erklären, ärmer macht... Die Linke punktet vor allem einem Leben, dessen Länge sein einziger
warum „Die Linke“ von Wahl zu Wahl zu- in jenen Wählerschichten, die erfahrungs- Wert ist. Sie nehmen das Schwert auf,
legt, während die braunen Parteien in den gemäß auch für die Rechte erschließbar wenn wir es niederlegen, Sie haben den
alten Bundesländern ein eher marginali- sind: junge Menschen ohne Perspektive, Weißen einst gefürchtet, sie verachten ihn
siertes Dasein fristen und oft froh sein kön- Arbeitslose, sozial Benachteiligte. Das ver- nun“. Als Mittel rassistischer Agitation
nen, so viele Stimmen zu erhalten, um in wundert umso weniger, als es zwischen dient Richter auch die Hetze gegen den Is-
den Genuss der Rückerstattung der Wahl- Links und Rechts seit einigen Jahren in- lam, die zur Zeit vor allem als Anti-Mo-
kampfkosten durch den Staat zu gelangen. haltliche Schnittmengen gibt, die man zu- schee-Kampagne daher kommt: „Während
Im alten Stil beginnt er mit plattem Anti- vor nicht kannte. Auf manchen Gebieten den christlichen Großkirchen ihre Schäf-
kommunismus: „Die Partei, die bis 1990 fällt die Abgrenzung schwer. Etwa bei der lein davonlaufen, schießen islamische Ge-
SED hieß und in Mitteldeutschland eine Globalisierungskritik. Oder bei der Ableh- betshäuser und Moscheen wie Pilze aus
vierzigjährige Diktatur ausübte... Todes- nung deutscher Militäreinsätze im Aus- dem Boden – ethnisch-kulturelle Spaltpil-
grenze... Mauerbauer... blutbeschmiert und land.“ ze, die allenthalben die brüchige Asphalt-
gestrig“. Man kennt das (nicht zuletzt von Abgesehen davon, dass bei auch nur decke der christlich-säkularen Gesellschaf-
CDU/CSU und FDP) und ist nicht weiter halbwegs genauem Hinsehen von den an- ten des Westens durchstoßen und im Be-
überrascht. geblichen inhaltlichen Schnittmengen griff sind, ihnen binnen weniger Jahre ein
Auch der Ausfall gegen die Sozialdemo- nichts übrig bleibt, was vielleicht doch neues, fremdes Gepräge zu verleihen. Der
kratie zeugt nicht gerade von Originalität: mehr Wähler(innen) merken, als den Rech- Kampf, der in vielen deutschen Städten um
„Oskar Lafontaine, der heutige Co-Vorsit- ten lieb ist, bleibt die Frage, warum Links immer neue und immer größere Moscheen
zende der Linken, war zuvor SPD-Chef. Er erfolgreicher ist als Rechts, spannend – nur geführt wird, ist ein Vorpostenkrieg um die
verkörpert die rote ,Volksfront‘ ähnlich wie beantwortet der Autor sie nicht einmal an- kulturelle und letztlich ethnische Domi-
einst Otto Grotewohl, der nach dem Zwei- satzweise. Er bleibt flach, betreibt Wähler- nanz“.
ten Weltkrieg von der SPD-Spitze zur SED beschimpfung und erklärt damit nichts: Richters militärische Metaphern sind
überwechselte und DDR-Ministerpräsi- „Die Wähler orientieren sich am Reiz der kein Zufall – er träumt vom Bürgerkrieg:
„Abwehrreaktionen des betroffenen Orga-
nismus sind in dieser Situation etwas völlig
BESTELLUNG: Hiermit bestelle ich … Stück pro Ausgabe (Wiederverkäufer erhalten 30 % Rabatt)
Normales; es geht um Reflexe des Überle-
O Halbjahres-Abo, 13 Hefte 22 Euro
O Förder-Abo, 13 Hefte 27 Euro
bens, des Territorialverhaltens, um nicht
Erscheinungsweise:
O Jahres-Abo, 26 Hefte 44 Euro 14-täglich
mehr und nicht weniger. Niemand wird
O Förder-Abo, 26 Hefte 54 Euro
von einer ethnischen Gruppe (,Volk‘) er-
O Schüler-Abo, 26 Hefte 28 Euro
warten können, dass sie sich sehenden Au-
O Ich möchte Mitglied im Förderverein Antifaschistische Nachrichten werden. Der Verein unterstützt finanziell
ges von ihrem angestammten Siedlungs-
und politisch die Herausgabe der Antifaschistischen Nachrichten (Mindestjahresbeitrag 30,- Euro). raum verdrängen und durch andere erset-
Einzugsermächtigung: Hiermit ermächtige ich den GNN-Verlag widerruflich, den Rechnungsbetrag zu Lasten zen lässt. Im besten Fall behauptet sie ihr
meines Kontos abzubuchen. (ansonsten gegen Rechnung) Terrain, im schlimmsten Fall werden aus
Mehrheiten Minderheiten und der Terror
Name: Adresse: gegen die Dagebliebenen die Regel – das
Kosovo lässt grüßen“. Richter phantasiert
Konto-Nr. / BLZ Genaue Bezeichnung des kontoführenden Kreditinstituts
von einer Gewalt, die er sich offenbar her-
beiwünscht – selten wurden in N&E Po-
Unterschrift
GNN-Verlag, Venloer Str. 440, 50825 Köln, Tel. 0221 – 21 16 58, Fax 21 53 73, email: gnn-koeln@netcologne.de
grome so deutlich als legitim („Abwehrre-
Bankverbindung: Postbank Köln, BLZ 370 100 50, Kontonummer 10419507 aktionen... Reflexe des Überlebens“) ange-
sprochen. tri ■

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