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:antifaschistische Nr.

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nachrichten g 3336 9.10.2008 24. jahrg./issn 0945-3946 1,30 ¤
www.antifaschistische-nachrichten.de

Landtagswahl in Bayern:
NPD bei 1,2 Prozent Österreich: Extreme
München, 29.9.2008. Das vorläufige
amtliche Endergebnis sieht die NPD in
Bayern bei 1,2 Prozent. Damit hat die ex-
Rechte fast 30 Prozent
Starke Verluste für SPÖ und ÖVP / Linksprojekt
trem rechte Partei die 1-Prozent-Hürde
zur Erstattung der Wahlkampfkosten ge- notwendiger denn je
schafft. 63.352 Wählerinnen und Wähler
gaben der NPD ihre Erststimme und ins- Die Nationalratswahlen in Ös- gern gelegentlich als „Che“ (sic!) feiern.
gesamt erreichte sie 123.273 Gesamt- terreich brachten einen deutli- Die logische Antwort der Linken und An-
stimmen. chen Rechtsruck. Während die tifaschistInnen bei Gegenkundgebungen:
Die rechten Republikaner mussten im bisherigen Koalitionspartner starke „Viva Che – Strache Ade“.
Vergleich zur Landtagswahl 2003 einen Verluste einfuhren (SPÖ minus 5,8 Aller Voraussicht nach steht wieder
Verlust von 0,9 Prozent hinnehmen und Prozent, ÖVP gar minus 8,7 Prozent), eine große Koalition ins Haus: in der ÖVP
stehen nun bei 1,4 Prozent (Erst- & Ge- konnten die beiden Parteien der Ex- etwa muss Parteichef Wilhelm Molterer
samtergebnis). tremen Rechten deutlich zulegen: FPÖ den Hut nehmen; ihm folgt der „Erneue-
Ergebnisse der NPD in den und BZÖ gewannen jeweils rund sie- rer“ Josef Pröll, der schon bisher mit dem
einzelnen Bezirken: ben Prozent dazu und stehen nun bei SP-Chef Werner Faymann als „Regie-
18 bzw. 11 Prozent. rungskoordinator“ fungierte.
Oberbayern: 0,7 % Erststimmen (13.567); Rot-Schwarz wird trotz allem Gerede
0,7 % Gesamtstimmen (26.914). Zusammengerechnet sind sie fast so stark von ,neuer Politik‘ und ,neuem Stil‘ im
Niederbayern: 1,6 % Erststimmen wie die Sozialdemokratie (29,71 Pro-
(8.072); 1,7 % Gesamtstimmen (16.261). zent) – die auf einen historischen Tief-
Oberpfalz: 1,8 % Erststimmen (8.588); stand fiel. Die Grünen büßten mit ih-
1,7 % Gesamtstimmen (16.160). rer verwaschenen, auf soziale Fragen
Oberfranken: 1,6 % Erststimmen (7.979); kaum eingehenden Politik rund ein
1,7 % Gesamtstimmen (16.080). Prozent ein, rutschten unter die 10-
Mittelfranken: 1,4 % Erststimmen Prozent-Marke und nehmen nur mehr
(10.478); 1,4 % Gesamtstimmen Platz fünf ein. Die neoliberale Politik
(20.014). von SPÖ und ÖVP hatte den rechtsex-
Unterfranken: 1,1 % Erststimmen (6.412); tremen Rattenfängern den Boden auf-
1,0 % Gesamtstimmen (11.950). bereitet. Die Sozialdemokratie etwa
Schwaben: 1,1 % Erststimmen (8.256); hatte alle ihre zentralen Wahlverspre-
1,1 % Gesamtstimmen (15.894) chen wie „Keine Eurofighter“, „Weg
Auf der Website der bayerischen NPD mit den Studiengebühren“ oder
zeigt man sich mit dem Ergebnis zufrie- „Rücknahme der Pensions“reform“ Strache bei „pro Köln“ im Juni 2007
den. In der Analyse des stellvertretenden gebrochen. Die ÖVP leistete ihren Beitrag www.arbeiterfotografie.com
Landesvorsitzenden, Sascha Roßmüller, zur Fremdenfeindlichkeit und forderte Wesentlichen die bisherige Politik mit all
hört man aber auch Kritik am konkurrie- „Deutschkurse für Ausländer“ und Ver- ihren Grauslichkeiten fortsetzen und da-
renden Antreten von NPD, Reps und schärfung der ohnedies schon menschen- mit einer weiteren Stärkung der extremen
Bayernpartei: Es zeige sich einmal mehr, unwürdigen Asylbestimmungen. Rechten Vorschub leisten. Um sich besser
„daß konkurrierende Wahlantritte natio- Vor diesem Hintergrund, angesichts ei- gegen Kritik abzuschotten, gibt es immer
naler (Nationaldemokraten), rechtskon- nes weit verbreiteten Unbehagens in die mehr Überlegungen bei Rot und Schwarz
servativer (Republikaner) und lands- offizielle Politik und – im Unterschied zur in Richtung Einführung eines ,Mehrheits-
mannschaftlich-konservativer Parteien BRD – dem Fehlen einer breiten linken wahlrecht‘.
(Bayernpartei) ernstzunehmende Erfolge Alternative, sahnten die Rechten mit so- Die einzige Chance, den weiteren Auf-
massiv erschweren“. zialer Demagogie und Ausländerhetze stieg der Extremen Rechten zu stoppen,
www.aida-archiv.de ■ mächtig ab. Die FPÖ gerierte sich als „so- besteht im Aufbau einer breiten, pluralen
ziale Heimatpartei“ „Jetzt geht es um uns und kantigen Linken.
Österreicher“; „Asylbetrug bedeutet Hei- Das jetzige Wahlresultat – bei dem
matflug“; „Volksvertreter statt EU -Ver- KPÖ und LINKE knapp ein Prozent der
räter“. Stimmen bekamen – zeigt, dass wir erst
Aus dem Inhalt: Die BZÖ-Slogans glichen dem FPÖ- ganz am Anfang eines langen und schwie-
Bierzeltdunst weitgehend aufs Haar. Ein rigen Prozesses sind.
Ulrichsbergtreffen 2008 . . . . . . . 5
Spezifikum der FPÖ-Propaganda-Masche Das Bündnis LINKE, das seine Tätig-
Umgruppierungen bei der
bestand darin, sich partiell einen „stürmi- keit auch nach den Wahlen fortsetzt, wird
Rechten in Frankreich . . . . . . . . . . 7
schen Charakter“ zu geben. So ließ sich alles daran setzen, dass solch ein Links-
Nachlese zum 20.9. . . . . . . . . . . . . 9
der selbsternannte „Führer“ der FPÖ HC projekt weitere Konturen annimmt.
Strache von seinen jugendlichen Anhän- Hermann Dworczak ■
: meldungen, aktionen
bertären Stammtische“, die sich im Um-
feld der „eigentümlich frei“ in den letz-
ten Jahren in zahlreichen Städten grün-
deten. Im März 2009 soll das nächste
NPD und DVU bauen ihre Treffen der „Libertären Plattform“ statt-
Einzug in den Kreistag, noch in die Gu- finden. hma ■
Basis in Brandenburg aus bener Stadtverordnetenversammlung.
Berlin/Brandenburg. Im größten Bun- Quelle: Tagesspiegel vom 29. Militante Nazi-Kamerad-
desland Ostdeutschlands konnten am und 30.9. ■
Sonntag, den 28. September, 2,13 Millio- schaften in Celle verbieten!
nen Menschen die Parlamente der Ge- Miegel-Gedenken fällt aus Hannover. Am 21. Juni hatte die neo-
meinden, Landkreise und kreisfreien nazistische „Kameradschaft 73“ aus Cel-
Städte neu wählen. Die DVU trat mit 72 Bad Nenndorf. Nach Informationen le auf dem Hof eines NPD-Aktiviisten in
Kandidaten an, die NPD mit 49. Zwar er- der rechten Berliner Wochenzeitung Eschede eine Sonnenwendfeier mit
reichte die NPD landesweit nur 1,9 Pro- „Junge Freiheit“ wird die traditionelle rechtextremen Musikgruppen veranstal-
zent (2003 waren es 0,5 %), die mit ihr Ehrung der Dichterin Agnes Miegel tet. Dabei haben Nazis Journalisten an-
verbündete DVU kam auf 1,5 % (2003: 1 (1879-1964) in diesem Jahr ausfallen. gegriffen. DIE LINKE im Niedersächsi-
%), aber faktisch zieht die NPD in alle Nachdem im vergangenen Jahr Antifa- schen Landtag hat deshalb Innenminister
Kreistage ein, für die sie kandidiert hat. schistInnen gegen die alljährliche Ge- Uwe Schünemann (CDU) jetzt aufgefor-
Mit drei Abgeordneten (+ ein Mandat / denkveranstaltung protestiert hatten, ver- dert, ein Verbotsverfahren gegen die Ka-
4,5 %) gelang der Wiedereinzug in den zichtet man in diesem Jahr darauf, Blu- meradschaft 73 einzuleiten.
Kreistag Oder-Spree sowie mit zwei Ab- men am Gedenkstein für Miegel nieder- „Das gewaltbereite Auftreten hat ein-
geordneten (+ 1 / 4,3 %) in den Kreistag zulegen. Die von ihren AnhängerInnen mal mehr gezeigt, dass diese Gruppie-
Oberhavel. Erstmals trat die NPD in den zur „Mutter Ostpreußens“ hochstilisierte rung extrem militant und gefährlich ist“,
Kreisen Dahme-Spreewald (3 / 4,6%), Dichterin ist wegen ihrer engen Verstri- sagt Pia Zimmermann, innenpolitische
Havelland (2 / 4 %), Spree-Neiße (2 / 4 ckung mit dem NS-Regime zunehmend Sprecherin der LINKEN. „Verbote sind
%) und Uckermark (2 / 4 %) an und konn- in die Kritik geraten. Mittlerweile wurde zwar kein Allheilmittel, schwächen aber
te dort auf Anhieb Mandate erzielen. eine Reihe von nach Miegel benannten die Naziszene wenigstens vorüberge-
In Cottbus zieht die NPD mit zwei Ab- Straßen und Schulen umbenannt. hend.“
geordneten in das Stadtparlament ein. hma ■ Für ein Verbotsverfahren gegen die
Weitere NPD-Mitglieder konnten zudem Celler Kameradschaft, die als Verein or-
über DVU-Listen in der Landeshaupt- „Libertäre Plattform“ in der ganisiert ist, gibt es eine klare gesetzli-
stadt Potsdam und im Landkreis Barnim che Grundlage. Im Gegensatz zum Par-
Mandate erzielen. Auch in den Städten FDP teienverbot sind die Hürden für ein Ver-
Oranienburg, Königs Wusterhausen, Bonn. Mitte September fand das erste einsverbot deutlich niedriger. „Wenn
Ludwigsfelde, Guben und Nauen sowie Bundestreffen der „Libertären Plattform sich aus dem Handeln eines Vereins
weiteren Gemeinden gibt es Mandate. in der FDP“ in Bonn statt, an dem etwa schließen lässt, dass Mitglieder gemein-
Mehr als 100.000 Wähler haben für 60 überwiegend jüngere Personen teil- sam Straftaten begehen, muss ein Verbot
NPD und DVU gestimmt, 2003 waren es nahmen. Neben dem FDP-Bundestags- erfolgen“ erläutert Zimmermann. Die
erst kanpp 43.000. abgeordneten Frank Schäffler und Ingo Kameradschaft 73 ist laut Sicherheitsbe-
DVU-Landeschef Sigmar-Peter Stolle vom Bundesvorstand „Liberaler hörden eine der aktivsten rechtsextremen
Schuldt machte die Medien dafür verant- Mittelstand“ referierte auf dem Treffen Gruppen zwischen Nordsee und Harz.
wortlich, dass die DVU schlechter ab- auch Carlos A. Gebauer. Der gehört der Um das Treiben der rund 20 „Freien Ka-
schnitt als die NPD, in den Medien sei Redaktion der in Grevenbroich erschei- meradschaften“ in Niedersachsen unter
immer nur von der NPD die Rede gewe- nenden rechtsliberalen Zeitschrift „ei- die Lupe zu nehmen, hat Pia Zimmer-
sen. gentümlich frei“ an, aus deren Umfeld mann eine Anfrage an die Landesregie-
NPD-Generalsekretär Peter Marx die Idee zur Gründung der „Libertären rung gestellt. „Dadurch ist die Regierung
kommentierte das Ergebnis der Wahl: Plattform“ erwuchs. Die „Libertäre gezwungen, sich mit dem Thema zu be-
„Mit nunmehr knapp 30 erzielten kom- Plattform“ sieht den derzeitigen Libera- schäftigen und kann nicht mehr weggu-
munalen Mandaten in Brandenburg wur- lismus „dominiert von einer modernen cken.“
de eine nationaldemokratische Mandats- Spielart des Sozialismus, dem Sozialli- 12. September 2008, Pia Zimmer-
brücke zwischen Dresden und Schwerin beralismus“. „Neoliberale Argumente im mann, innenpolitische Sprecherin ■
geschaffen.“ Jetzt gelte es, „den kommu- ursprünglichen Sinne“ würden „kaum
nalen Rückenwind für den weiteren not- noch vertreten“, bedauert die neue Platt- NPD-Umtriebe in Wolfsburg
wendigen Strukturaufbau in Branden- form, deren Spektrum – nach eigenen
burg zu nutzen.“ Zu viele Brandenburger Angaben – vom „klassischen Liberalen Wolfsburg. Nach Medieninformatio-
hätten diesmal noch mit ihrer Stimmab- bis zum anarcho-kapitalistischen Frei- nen versucht die rechtsextreme NPD zur-
gabe die Linke unterstützt, aber nach denker“ reicht. Unter den „Regionalen zeit, in Wolfsburg Räume für Wahl-
dem Zusammenbruch weltweit operie- Ansprechpartnern“ der Plattform finden kampfschulungen anzumieten. Die
render Banken werde immer deutlicher, sich zahlreiche Autoren der „eigentüm- Wolfsburger Landtagsabgeordnete Pia
dass die NPD-Aussage ‚sozial geht nur lich frei“ und der „Jungen Freiheit“ wie- Zimmermann, innenpolitische Spreche-
national‘ die richtige Antwort auf die ge- der. Darunter auch David Schah aus rin der LINKEN-Landtagsfraktion, hat
scheiterte Globalisierung sei Bonn. Der Kleinunternehmer, Autor des sich deshalb mit einer Kleinen Anfrage
Im Landkreis Spree-Neiße kandidierte Buches „Die Säulenhalle“, hatte 1992 ei- an die niedersächsische Landesregierung
mit Alexander Bode für die NPD ein nem Vortrag des Anti-Antifa-Experten gewandt. Zimmermann will wissen, ob
Neonazi, der 2002 zu einer zweijährigen Hans-Helmuth Knütter im Haus der die Landesregierung diese Information
Jugendstrafe verurteilt wurde: Bode war „Burschenschaft Frankonia“ beigewohnt bestätigen kann und welche genauen Er-
Haupttäter bei der tödlichen Hetzjagd in und gehört der Redaktion der Zeitschrift kenntnisse ihr seit wann darüber vorlie-
Guben 1999 auf den Algerier Omar Ben „eigentümlich frei“ an. Viele der Akteure gen. Zudem soll die Anfrage klären, wel-
Noui. Ihm gelang allerdings weder der kennen sich bereits von Treffen der „Li- che Schritte die Regierung einzuleiten

2 :antifaschistische nachrichten 20-2008


gedenkt, um das Vorhaben der NPD zu
I
n Stutt-
verhindern. „Wir dürfen nicht einfach ta- gart ha-
tenlos zusehen, wenn sich Rechtsextre- ben am
misten in unserer Stadt einnisten wol- 20. Septem-
ber etwa
len“, so Zimmermann. drei- bis vier-
Angesichts der Versuche der NPD, in tausend Men-
Wolfsburg Fuß zu fassen, kritisierte die schen gegen
Abgeordnete auch die Haltung der Lan- den Krieg
desregierung bezüglich eines erneuten der Nato-
NPD-Verbotsverfahrens: „Das alles blie- Staaten in Af-
be uns erspart, wenn diese Partei endlich ghanistan de-
monstriert.
verboten wäre.“ Ein neues Verfahren
Etwa 500
könne nur deshalb nicht eröffnet werden, Menschen
weil Innenminister Uwe Schünemann haben sich
und seine Kollegen sich weigerten, die an einem an-
V-Leute des Verfassungsschutzes aus der tikapitalisti-
NPD abzuziehen. „Die Folgen dieser Po- schen Block
litik bekommen wir nun auch hier in auf der
Wolfsburg zu spüren“, so Zimmermann. Demo betei-
ligt. Die Auf-
Quelle: linksfraktion-niedersachsen ■ taktkundgebung begann um 12 Uhr gegenüber des Hauptbahnhofs, es gab dort u.a.
eine Rede von einem ehemaligen US-Soldaten, der im Irak gekämpft hat, dazu auch mu-
sikalische Beiträge. Bernd Riexinger, Mitglied des Landesvorstandes der Linkspartei in
Neue Schlägerei in Mügeln Baden-Württemberg, bezeichnete den Auslandseinsatz der Bundeswehr auf der Kundge-
bung als gescheitert. Die afghanische Frauenrechtlerin Zoya konstatierte: „Es gibt keine
– Staatsschutz ermittelt Meinungsfreiheit im Land. Die alliierten Truppen haben die bestehenden demokratischen
Mügeln. In Mügeln (Kreis Nordsach- Gruppen ignoriert, anstatt sie zu unterstützen.“ Auch die Verstärkung der Besatzungs-
sen), wo vor einem Jahr Ausschreitungen truppen, wie beispielsweise von US-Präsidentschaftskandidat Barack Obama gefordert,
werde an der Lage nichts ändern. Zufrieden mit den Protesten äußerten sich deren Orga-
gegen eine Gruppe Inder für Schlagzei- nisatoren. Es sei gelungen, ein beeindruckendes Zeichen gegen die völkerrechtswidrige
len sorgten, hat erneut eine Gewalttat Intervention in Afghanistan zu setzen. – Trotz des enormen Polizeiaufgebots wurde beim
stattgefunden. Der Staatsschutz der Poli- antikapitalischen Block auch ein großer Papp-Panzer symbolisch in Brand gesetzt.
zei prüft nach eigenen Angaben, ob es ei- alk, nach verschiedenen Berichten ■
nen Zusammenhang zwischen der Tat,
bei der ein 35-Jähriger schwer verletzt
wurde, und den Ereignissen vom Vorjahr Stadtoberhaupt zu konzentrieren. Es ist in der Leipziger Allee Nr. 9. Als Kon-
gibt. festzuhalten, dass die Ermittlungsarbeit kursverwalter trat die Greifswalder RA
Der 35-Jährige hatte bei den Ermitt- der Polizei nach den Übergriffen beim Kanzlei Sievers, Shea und Kron auf. Ver-
lungen zu den Übergriffen als Zeuge aus- Altstadtfest nicht unbedingt effizient ge- suche, die Immobilie über Zwangsver-
gesagt und war auch in einer Fernseh- wesen ist. Gleiches gilt für die juristische steigerungen am Amtsgericht Anklam zu
Dokumentation aufgetreten. Am vorigen Aufarbeitung. Die Hauptverantwortung vermarkten, scheiterten im Frühjahr
Sonntag wurde er von einem 20-Jährigen allerdings liegt beim Innenminister. Es 2007. Am 20.6.07 wurde das Gebäude
umgerissen, geschlagen und getreten. Er reicht nicht aus, dass endlich eine über- bei der Sommerauktion der Norddeut-
war zuvor an einer Gruppe von etwa 15 fällige Handlungsanleitung gegen rechts schen Grundstücksauktionen AG in Ros-
Personen vorbeigelaufen. „Dort ist er!“, für die Kommunen vorgelegt wird, wenn tock für 10.500,- EUR versteigert.
soll einer aus der Gruppe gerufen haben. diese ansonsten mit dem Problem allein- Bei dem mutmaßlichen Neubesitzer
Das Opfer erlitt eine Platzwunde ne- gelassen werden. Notwendig ist der Auf- handelt es sich um einen Herrn R. aus
ben dem Auge sowie Prellungen. bau einer Art Task Force, die Kommunen Görke bei Anklam. R. ist in der Region
Ob der 20 Jahre alte Angreifer dem in solchen Krisensituationen wie in Mü- seit langem als Rechtextremist bekannt
rechten Spektrum zuzurechnen ist, blieb geln nachhaltig unterstützt. Ein entspre- und soll maßgeblich bei der Organisation
offen. Die Polizei machte keine weiteren chender Antrag wird von der Linksfrakti- von Rechtsrockkonzerten aktiv gewesen
Angaben, die Staatsanwaltschaft ermit- on eingebracht werden. Es ist einfach un- sein. Anwohnern gegenüber ließ R. ver-
telt wegen des Verdachts der gefährli- redlich, wenn das Innenministerium von lauten, dass Verwaltungsgebäude würde
chen Körperverletzung. Acht Inder hat- den Bürgerinnen und Bürgern sowie den in Wohnraum umgewandelt. Über die be-
ten sich im August 2007 während des Kommunen zivilgesellschaftlichen Mut absichtigte Verwendung der Produkti-
Mügelner Altstadtfestes mit knapper Not gegen die extreme Rechte fordert und sie onsräume ist bisher nichts bekannt. Doch
in eine Pizzeria gerettet. Davor grölte ein dann im Regen stehen lässt.“ liegt die Vermutung nahe, dass dort Ver-
Mob von etwa 50 Personen ausländer- nach PM Kertin Köditz, MdL ■ anstaltungen durchgeführt werden könn-
feindliche Parolen. ten. Auch eine Verwendung als Drucke-
Für die Linksfraktion kritisierte Kers- Erneuter rechtsextremer rei wäre vorstellbar. Bausicherungs- und
tin Köditz, der Mügelner Bürgermeister Umbauarbeiten werden von den Nach-
habe „bis heute noch nicht den Mut offen Immobiliencoup in Anklam barn schon seit Herbst 2007 beobachtet.
einzugestehen, dass es in seiner Kommu- Unbemerkt von der Öffentlichkeit und Anklam hat somit einen dritten attrak-
ne ein offenkundiges Problem mit der Verwaltung der Stadt Anklam ist es der tiven Anlaufpunkt für die rechtsextreme
extremen Rechten gibt“. ... „Auch jetzt rechtsextremen Szene vermutlich erneut Szene. Neben dem seit 10 Jahren überre-
wälzt er wiederum die Verantwortung gelungen, eine größere Immobilie zu er- gional bekannten Laden ,New Dawn‘,
auf die Justiz ab, die den Täter hart be- werben. Nach Recherchen des „Blick- von Marcus Thielke und dem auch im
strafen soll. An eigene Aktivitäten gegen punkt Demokratie und Extremismus“ letzten Jahr von den beiden Aktivisten
die extreme Rechte in seiner Stadt denkt des Zentrums Demokratische Kultur Hamisch und Wendt erworbenen Möbel-
er offenbar immer noch nicht.“ handelt es sich dabei um ein Verwal- haus, hier ist die KPV der NPD und ein
„Es wäre allerdings falsch,“ so Köditz tungs- und Produktionsgebäude der 2003 Buchversand angesiedelt, stellt dieses
weiter, „den Zorn auf ein überfordertes in Konkurs gegangen Bäckerei A-Back neue Objekt einen weiteren Ausbau der

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rechtsextremen Infrastruktur dar. Zieht beim Ausstieg begleiten konnte. Diese LMO-Gruppe, Nehrenheim, soll u.a.
man dann noch die Objekte im Umland mutige Arbeit muss von der Bundesre- Prof. E. Windemuth zum Thema „Ver-
mit hinzu ist von einer im deutschspra- gierung honoriert und nicht sabotiert treibung aus Ostpreußen – Ursachen und
chigen Raum einzigartigen Dichte neo- werden! leidvolle Auswirkung“ sprechen. Winde-
nazistischer Projekte auszugehen. Das europäische Sonderprogramm muth gehörte 2004 zu den Erstunter-
Nun sind die Verantwortlichen der XENOS besitzt genügend Mittel, um zeichnern eines Aufrufs des Arbeitskrei-
Stadt gefragt. Von Mal zu Mal steigt das EXIT wie bisher mit 90.000 Euro jähr- ses „Protestaktion gegen Kollektivschuld
Risiko, dass sich noch weitere rechtsex- lich zu unterstützen. Das ist keine Frage und Sippenhaftung“, der u.a. in der „Jun-
treme Unternehmungen in Anklam an- des Geldes, sondern des politischen Wil- gen Freiheit“ veröffentlicht wurde, und
siedeln und die Stadt zu einem Wahl- lens. Wenn die große Koalition den referierte 2005 beim „Erlebniswochen-
fahrtsort für Rechtsextremisten ver- Rechtsextremismus in unserem Land ende Geschichte“ in Leipzig, das vom
kommt. wirklich ernsthaft ablehnt, darf sie Aus- einschlägig rechten „Druffel & Vowin-
Pressemitteilung des ZDK (Gesell- stiegswillige jetzt nicht im Stich lassen. ckel-Verlag“ und der geschichtsrevisio-
schaft Demokratische Kultur gGmbH) Sie muss Menschen aus der Nazi-Szene nistischen Zeitschrift „Deutsche Ge-
Amadeu Antonio Stiftung eine realistische Chance zur Reintegrati- schichte“ veranstaltet wird. 2004 war im
www.amadeu-antonio-stiftung.de ■ on in unserer demokratischen Gesell- „Druffel & Vowinckel-Verlag“ Winde-
schaft bieten. Die verängstigten, trauma- muths Buch „Ostpreußen – Mein Schick-
Bedrohte Initiativen gegen tisierten und verunsicherten Ex-Nazis, sal“ erschienen. hma ■
ihre PartnerInnen und Kinder, sind auf
Rechts müssen erhalten eine kompetente und verlässliche An- Borna trifft Ostpreußen
bleiben! laufstelle angewiesen. Oft sind jahrelan-
Hannover. In Niedersachsen sind zahl- ge psychosoziale Begleitung und Schutz Kassel. Am 9. September war der „wis-
reiche Initiativen gegen Rechts in ihrer vor Racheakten aus der rechtsextremen senschaftliche Leiter“ des geschichtsre-
Existenz bedroht. Der Leiter der Arbeits- Szene vonnöten. Wer kümmert sich um visionistischen „Vereins Gedächtnisstät-
stelle gegen Rechtsextremismus und Ge- diese Probleme, wenn die EXIT-Mitar- te“ aus Borna, Peter Hild, zu Gast bei der
walt, Reinhard Koch machte darauf auf- beiterInnen aus Geldmangel gekündigt „Landsmannschaft Ostpreußen“ in Kas-
merksam, dass das Bundesprogramm ge- werden? sel. Begrüßt vom 2. Vorsitzenden der
gen Rechtsextremismus in den Jahren Wir fordern die große Koalition auf, Gruppe, Hermann Opiolla, konnte Hild
2009 und 2010 schrittweise ausläuft. Da- eine Verlängerung der Förderung aus bei den 41 Anwesenden, darunter so
von seien auch zahlreiche Projekte in dem Bundesprogramm XENOS sicher- „Das Ostpreußenblatt/PAZ“, auch „Mit-
Niedersachsen betroffen, deren Zukunft zustellen! Der Staat muss beweisen, dass glieder anderer landsmannschaftlicher
deshalb noch völlig offen sei. Koch for- unsere demokratischen Institutionen den Gruppen und der Vorsitzende des BDV
derte zum Handeln auf, damit die in den Hilfe suchenden Menschen mehr Ge- Kassel“, für den neuen Treffpunkt der
letzten Jahren gewachsenen Strukturen meinschaft und Schutz bieten als jede verschiedenen Spektren der extremen
der Zivilgesellschaft nicht wegbrächen. Nazi-Kameradschaft.“ Rechten in Borna werben.
Die Landtagabgeordnete Pia Zimmer- PRESSEMITTEILUNG - Monika La- Hild, ehemaliger Mitarbeiter des da-
mann nahm diese Warnung zum Anlass, zar, MdB, Mitglied im Petitionsaus- maligen CDU-Bundestagsabgeordneten
die Landesregierung zu fragen, wie sie schuss Sprecherin für Strategien gegen Martin Hohmann ist Träger der „Silber-
die bestehenden Strukturen über das Rechtsextremismus, monika.lazar@bun- nen Ehrennadel“ der „Hilfsgemeinschaft
Auslaufen der Bundesprogramme hinaus destag.de Internet: www.monika- auf Gegenseitigkeit“ der ehemaligen An-
erhalten will. Zugleich will die Links- lazar.de ■ gehörigen der Waffen-SS (HIAG) und
fraktion im Rahmen der Haushaltsver- Mitglied der „Ordensgemeinschaft der
handlungen für das Jahr 2009 Umschich- Jan Timke neuer Abgeord- Ritterkreuzträger“. Hilds Vortrag und das
tungen für diese Maßnahmen vorschla- mitgebrachte Informationsmaterial habe
gen. Die Arbeit müsse auf eine solide fi- neter die ZuhörerInnen „stark bewegt“, so das
nanzielle Basis gestellt werden. DIE Bremen. Nachdem die Partei „Bürger in Organ der „Landsmannschaft Ostpreu-
LINKE setzt sich für Kontinuität und Wut“ die Wahl in Bremen erfolgreich an- ßen“. hma ■
Ausbau des Kampfes gegen Rechtsextre- gefochten hatte und Neuwahlen in einem
mismus ein. Bezirk durchsetzte, kann jetzt Jan Timke Diskriminierung jüdischer
Quelle: linksfraktion-niedersachsen ■ in die Bremische Bürgerschaft einziehen.
Wie der Landeswahlleiter mitteilte, ist Partisanen in Litauen
Aussteigerinitiative EXIT der Bewerber für die Partei „Bürger in beenden!
Wut“ (BIW) mit Wirkung vom 23. Sep- Berlin. Am 30.9. wurden dem li-
auch künftig unverzichtbar! tember 2008 für den Wahlbereich Bre- tauischen Botschafter in Berlin Unter-
Der Nazi-Aussteigerinitiative EXIT merhaven in das Landesparlament einge- schriften gegen die Verfolgung früherer
Deutschland droht das Aus. Monika La- treten. Wolfgang Jägers (SPD) schied aus jüdischer Partisanen übergeben. Unter-
zar, Sprecherin der Grünene für Strate- der Bürgerschaft aus. zeichnet hat auch die innenpolitische
gien gegen Rechtsextremismus: www.bremische-buergerschaft.de ■ Sprecherin der Fraktion DIE LINKE.,
„Der Bund muss EXIT Deutschland Ulla Jelpke. Zeitgleich ging eine Antwort
auch künftig fördern! Die derzeit rund 40 Windemuth bei der LMO der Bundesregierung auf eine Kleine An-
aktiv betreuten AussteigerInnen und de- frage ein. Jelpke erklärt hierzu:
ren Familien dürfen ihre Vertrauensper- NRW „Frühere jüdische Partisanen, die ge-
sonen nicht verlieren. Es ist skandalös, Oberhausen. Am Samstag, den 18. Ok- gen die Nazi-Besatzer gekämpft haben,
wie sich das Bundesarbeitsministerium tober, will die Landesgruppe NRW der sind in Litauen Ziel einer diskriminieren-
mit einem ablehnenden Förderbescheid „Landsmannschaft Ostpreußen“ (LMO) den staatsanwaltschaftlichen Ermittlung.
nun einfach aus der Verantwortung für so ihre „Herbst-, Kultur und Frauentagung“ Seit fast einem Jahr ermittelt die
viele menschliche Schicksale stehlen in Oberhausen durchführen. Nach der Staatsanwaltschaft wegen angeblicher
will. EXIT Deutschland ist ein erfolgrei- Begrüßung durch den LMO-Landesvor- Kriegsverbrechen, die von Partisanen
ches, bürgerschaftliches Projekt, das sitzenden Jürgen Zauner (Viersen) und während des Zweiten Weltkrieges began-
mittlerweile knapp 300 ehemalige Nazis den Vorsitzenden der Oberhausener gen worden sein sollen. weiter Seite 6

4 :antifaschistische nachrichten 20-2008


Am 21. September fand bereits
zum 49. Mal das „Heimkehrer-“
oder „Ulrichsbergtreffen“ im An-
Ulrichsbergtreffen 2008
denken an den „Abwehrkampf“ und die einzige Ziel, eine ungestörte Feier der fugees Welcome!“ zum Auftakt der Ak-
„deutschen“ Opfer der beiden Weltkriege Wehrmachts- und SS-Veteranen und ih- tionen gegen das Ulrichsbergtreffen ge-
statt. Im Vorfeld wurde von den Verant- rer ideologischen AnghängerInnen am geben, die dank ca. 200 motivierten Akti-
wortlichen die Absicht bekundet, dies- Ulrichsberg sicherzustellen“ stellt Jose- vistInnen zu einem großen Erfolg wurde.
mal keine als solche erkennbaren Neona- phine Broz, Sprecherin des AK gegen Antifaschistischer Stadtspaziergang
zis zuzulassen. Dennoch konnten diese den Kärntner Konsens, fest.
laut Medienberichten wieder in Gruppen Von zwei angemeldeten Kundgebun- Beim antifaschistischen Stadtspazier-
aus dem In- und Ausland am Ulrichsberg gen wurde eine gleich von vornherein gang am Samstag Nachmittag fanden
aufmarschieren. Ingesamt wurden je- untersagt – angeblich hatte die Ulrichs- sich ca. 150 Personen ein. Gemeinsam
doch nur 500 Teilnehmer gezählt. berggemeinschaft für ihre ebenfalls als wurden Orte besucht und – wenigstens
Die Sprachregelung der umstrit-
tenen Ulrichsberggemeinschaft,
wonach man doch eine „Friedens-
feier“ abhalte und aller Opfern ge-
denke, scheint sich immer noch
nicht allzu weit herumgesprochen
zu haben. So heißt es beim Aula-
Schriftleiter Martin Pfeiffer: „Aus
allen Teilen unseres Volksraumes
und darüber hinaus kommen Vete-
ranen des Zweiten Weltkrieges,
aber auch junge heimatbewusste
Deutsche, um an den Opfergang des
deutschen Soldaten im großen Völ-
kerringen zwischen 1939 und 1945
zu erinnern und der Gefallenen zu Redebeitrag von Wolfgang Zinggl, NR-Abgeordneter
gedenken.“ (Zur Zeit 38/2008, S. 5)
Pfeiffer betont darüber hinaus
noch einmal, dass ehemalige Waffen-SS- politische Kundgebung angemeldete Fei- kurzfristig – verändert, an denen sich der
Angehörige am Ulrichsberg ausdrück- er gleich den ganzen Berg samt Zufahrts- deutschnationale Konsens besonders
lich willkommen seien. Das wären auch straßen und Wegenetz beansprucht. deutlich ausdrückt wie die „Stätte der
wieder Politiker, diese sind jedoch auf- Die nicht-untersagte antifaschistische Kärntner Einheit“ im Landhaushof oder
grund des Wahlkampfes dieses Jahr weit- Versammlung in Karnburg war von will- das „Denkmal für die Opfer der Partisa-
gehend ausgeblieben. Hingegen hatten kürlicher Brutalität und Schikanen von nen“ am Domplatz. Weitere Stationen
schon im Vorfeld deutsche und österrei- Seiten der Polizei begleitet. Unter faden- waren Plätze, an den in der NS-Zeit
chische Neonazis – Pfeiffers „junge hei- scheinigen Vorwänden wurden vier Per- Menschen – Kärntner SlowenInnen, Ju-
matbewusste Deutsche“ – im Internet ihr sonen festgenommen – in einem Fall den und Jüdinnen und Widerstands-
Kommen angekündigt. Tatsächlich hieß es (wörtlich), dass die betreffende kämpferInnen – gequält, gefoltert und er-
machten dann etwa 15 vermummte Neo- Person einem Polizisten „auf die Brust mordet wurden. Besonders gedacht wur-
nazis zwei Tage vor dem Treffen Jagd geklopft“ hätte. de dem antifaschistischen Kampf der
auf protestierende AntifaschistInnen und Dass es dennoch einigen Gruppen von PartisanInnen, der in Kärnten/Koroška
verletzten einige von ihnen. AntifaschistInnen gelang, die Straße auf so oft verschwiegen und verleumdet
www.doew.at ■ den Ulrichsberg zeitweise zu blockieren, wird. Die angebrachten Gedenktafeln
Zur Demonstration am 21.9.: stellt unter diesen Umständen einen gro- wurden freilich fast alle von der Polizei
Versammlungsrecht, Neonazis und ßen Erfolg dar – auch wenn es auch da- sofort wieder entfernt.
die Kärntner Behörden bei zu zwei Festnahmen kam. Zeitzeuginnengespräch
Von den sechs vorläufig festgenom-
„Passt auf, die Gruppe von Neonazis, die menen Personen waren Sonntag Abend In der vollbesetzten Buchhandlung Ha-
für den gewalttätigen Angriff in Krum- alle wieder frei, gegen eine Person wurde jek fand Samstag Nachmittag das Zeit-
pendorf verantwortlich war, ist in der ein Aufenthaltsverbot in Österreich aus- zeuginnengespräch mit Katja Sturm-
Gegend unterwegs. So schnell sind wir gesprochen, das auf dem Rechtsweg be- Schnabl, Dozentin an der Uni Wien statt.
nicht, dass wir euch vor denen schützen kämpft wird. Frau Sturm-Schnabl erzählte von der De-
könnten“, so sinngemäß die Warnung, „Sicher ist, dass weder diese Repres- portation ihrer Familie, aber auch von
die ein Einsatzleiter der Kärntner Polizei sionen, noch die Nazi-Gewalt uns davon der Rückkehr nach Kärnten/Koroška
an verdutzte antifaschistische Demons- abhalten wird, unsere Meinung auch nach 1945. Geschichte, die keinen Besu-
trantInnen weitergab. Die waren zu die- weiterhin zu äußern: das Ulrichsbergtref- cher kaltließ.
sem Zeitpunkt allerdings bestens „ge- fen muss weg!“ meint Josephine Broz. Das Gespräch mit ZeitzeugInnen, die
schützt“ – wurde die angemeldete antifa- „Die Proteste werden weitergehen, so- von ihren Erlebnissen und Erfahrungen
schistische Kundgebung am Sonntag lange in Kärnten rechte RevisionistIn- erzählen, ist für den AK gegen den
doch während ihrer gesamten Dauer von nen, GeschichtsfälscherInnen und Neo- Kärntner Konsens ein wichtiger Bestand-
PolizistInnen in einer Weise eingekes- nazis von Politik und Gesellschaft hofiert teil der Proteste – wird hier doch ein Teil
selt, die die Versammlungsfreiheit zur werden.“ der verdrängten und „vergessenen“
Farce macht. Dass sich polizeibekannte Demo „Goodbye Ulrichsberg - Kärntner Geschichte nachvollziehbar.
rechtsextreme Schläger gleichzeitig un- Refugees Welcome!“ AK gegen den Kärntner Konsens,
gehindert bewegen konnten, rückt das 22.09.2008,
Verhalten der Kärntner Behörden ins Schon am Freitag, 19.9. hatte es eine De- www.u-berg.at
„rechte“ Licht. „Offensichtlich war das monstration „Goodbye Ulrichsberg - Re- kontakt@u-berg.at ■

: antifaschistische nachrichten 20-2008 5


Auf den Vernehmungslisten der
Staatsanwaltschaft stehen ausschließlich
jüdische Namen. Dazu gehört unter an-
Ehrung für Esther Bejarano
derem der frühere Direktor der Holo- Am 6. Oktober 2008, wird Esther Bejarano, Ehrenvorsit-
caust-Gedenkstätte Yad Vashem, Yitzhak zende der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes –
Arad. Formal richten sich die Ermittlun- Bund der Antifaschisten und Vorsitzende des Auschwitz-
gen gegen „Unbekannt“, die früheren Komitees in der BRD von Bundespräsident Horst Köhler
Kämpfer sollen als Zeugen gehört wer- im Berliner Schloss Bellevue mit dem Bundesverdienst-
den. Dabei wird ihnen unterstellt, sie hät- orden der Bundesrepublik Deutschland geehrt.
ten Kenntnis von behaupteten Verbre- Zur Begründung heißt es:
chern ihrer Mitkämpfer. Viele ihrer Familienangehörigen wurden von den Na-
Auffällig ist außerdem, dass Litauen tionalsozialisten ermordet. Sie überlebte, weil sie im KZ
sich bislang nicht die geringste Mühe ge- Auschwitz Aufnahme in das Mädchenorchester fand und
macht hat, die zahlreichen einheimi- Esther Bejerano bei der Be- später im Frauen-KZ Ravensbrück Zwangsarbeit leistete.
schen Nazi-Kollaborateure vor Gericht grüßung des Zugs der Erin- Nach ihrer Befreiung wanderte sie im August 1945 nach
zu bringen. Umso mehr Eifer legt die nerung in Hamburg „Erez Israel“ (Palästina) aus und kehrte 15 Jahre später in
Staatsanwaltschaft an den Tag, wenn das ihre Heimat zurück, wo sie sich seit langem in der Verei-
Ermittlungsziel in jüdischen Antifaschis- nigung der Verfolgten des Nazi-Regimes e.V. und in dem von ihr gegründeten
ten besteht. Ich teile ausdrücklich die „Auschwitz-Komitee in der BRD e.V.“ als Vorsitzende engagiert. Es ist ihr ein wich-
Ansicht zahlreicher jüdischer Organisa- tiges Anliegen, besonders junge Menschen über den Nazi-Terror und den Rechtsex-
tionen, darunter das Simon-Wiesenthal- tremismus aufzuklären. Wertvolle Aufklärungsarbeit leistet sie als Zeitzeugin auch
Center, dass die Ermittlungen Ausdruck mit ihren Biographien „Man nannte mich Krümel“ und „Wir leben trotzdem“.
geschichtsrevisionistischer Tendenzen Wir begrüßen diese Würdigung einer streitbaren Antifaschistin und freuen uns,
sind und den Antisemitismus in Litauen dass zusammen mit ihr auch Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrates Deutscher
anstacheln. Sinti und Roma, den Bundesverdienstorden erhält.
Die Bundesregierung hat in der Antwort Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und An-
auf eine Kleine Anfrage dargelegt, dass die tifaschisten (VVN-BdA) Bundesvereinigung
deutsche Botschaft in Vilnius einen Emp- e-mail: bundesbuero@vvn-bda.de, Internet: www.vvn-bda.de ■
fang für die frühere Partisanin Fania Yo-
cheles Brantsovskaya – eine der vier von
den Ermittlungen Betroffenen – ausge- – „Association Energie Bleu Marine“ sang in einem ihrer bekanntesten Titel
richtet hat und sich an einer von dieser or- (ungefähr: „Vereinigung Marineblaue eine Lobeshymne auf die französischen
ganisierten Führung durch die Überreste Energie“) – anvertraut worden ist. Es SS-Rekruten der Truppe LVF („Legion
des jüdischen Ghettos beteiligt hat. Diese handelt sich um niemand anderen als den der französischen Freiwilligen“). Diese
diplomatischen Signale sind richtig. Weil früheren ultraradikalen Neonazi-Rock- freiwilligen Kämpfer dienten damals in
die Ermittlungen aber andauern, muss der musiker Robert Ottaviani, den gut eine der deutsch-französischen SS-Division
Druck nun erhöht werden. Litauen muss Woche zuvor die rechtsextreme Wochen- Charlemagne (Karl der Große). Das Vi-
klargemacht werden: Wer den Partisanen- zeitung ‚Minute‘ interviewt und vorge- deoclip der Neonaziband ‚Ultime As-
kampf gegen Nazibesatzer und Kollabora- stellt hatte. Daraufhin hatte ‚Libération‘ saut‘, in dem diese Truppe besungen und
teure zum Verbrechen erklärt, der kann prompt zu überprüfen begonnen, mit verherrlicht wird, zeigt u.a. Bilder von
kein Partner sein. Auf EU-Ebene muss die wem man es bei ihm genau zu tun hat. der Abfahrt der LVF-„Legionäre“ an die
Entscheidung, Vilnius 2009 zur „Kultur- Laut der Präsentation durch ‚Minute‘ Ostfront im Jahr 1941 sowie von der öf-
hauptstadt Europas“ zu machen, überdacht war der heute 38-Jährige von 1993 bis 96 fentlichen Großveranstaltung der LVF in
werden.“ stellvertretender Vorsitzender der rechts- Paris 1942.
Berlin, den 30. September 2008 extremen Partei-Jugendorganisation FNJ Auf Nachfrage von ‚Libération‘ hin
Ulla Jelpke, MdB ■ (Front national de la jeunesse) gewesen. dementierte Robert Ottaviani nun, dieser
Bei der Spaltung des FN 1998/99 sei er Band jemals angehört zu haben. Doch
Fanclub für Marine Le Pen der „Dissidenten“fraktion unter Bruno die Tageszeitung fand den ausdrückli-
Mégret gefolgt. Nach deren Misserfolg chen Hinweis auf seine Zugehörigkeit
unter Vorsitz von früherem habe er zunächst die Politik aufgegeben, zur (und seine Funktion innerhalb der)
Neonazi-Rocker in die er nun zurückkehre – an der Spitze Neonaziband in früheren Ausgaben des
Paris. Es hätte alles so schön sein kön- des Unterstützerclubs für Marine Le Pen, internen Mitteilungsblatts der FNJ-Sekti-
nen, jedenfalls aus Sicht der Parteispitze: ohne aber (bisher) erneut Parteimitglied on im Département Essonne, im südli-
Da schien der drohende finanzielle des Front National geworden zu sein. chen Pariser Umland, wo Ottaviani in
Bankrott des rechtsextremen Front Na- Dies bestätigt die aktuell gehegte Vermu- den frühen 1990er Jahren aktiv war. Dort
tional (FN) soeben abgewendet. Da tung, dass Marine Le Pen eifrig dabei zu steht es schwarz auf weiß gedruckt.
schien die Nachfolgefrage für den inzwi- sein scheint, das Kaderpotenzial des ge- Nun versteht man auch besser, warum
schen 80-jährigen Jean-Marie Le Pen scheiterten Mégret-Parteiprojekts MNR Marine Le Pen jüngst in einem, am 16.
„endlich“ in seinem Sinne auf eine Klä- (Mouvement national républicain) abzu- September eigens veröffentlichten, Pres-
rung zuzusteuern. (Vgl. ausführlichen schöpfen. sekommuniqué die zuvor verbreitete
Artikel in dieser Ausgabe) Und dann Doch was ‚Minute‘ nicht schrieb, setz- Kurzmeldung der Wochenzeitung ‚Mi-
platzt eine Negativschlagzeile frisch he- te nunmehr ‚Libération‘ hinzu: Ottaviani nute‘ über die bevor stehende Gründung
rein. Ausgerechnet die „Hoffnungsträge- war in den 1990er Jahren auch der Sän- ihres Unterstützerclubs noch energisch
rin“ der rechtsextremen Partei, die aktu- ger der Neonazi-Band ‚Ultime Assaut‘ dementiert hatte. Bei der Veröffentli-
ell 40-jährige Marine Le Pen, betreffend. (Letzter Sturm), die aus der Skinheadbe- chung dieser Nachricht handele es sich
Am vergangenen Freitag, den 3. Oktober wegung hervorging. Nicht wirklich sa- lediglich um den Versuch, ihr Schaden
enthüllte die linksliberale Pariser Tages- lonfähig wird man mit dieser Referenz: zuzufügen, hatte sie behauptet. Mutmaß-
zeitung ‚Libération‘, wem der Vorsitz Die Band, die zur – unter Rechtsradika- lich hat sie den Skandal kommen sehen.
des neuen Unterstützerclubs für die Kan- len damals beliebten – Stilrichtung Nun ist er da!
didatin auf den Chefposten in der Partei ‚Rock identitaire français‘ (RIF) gehörte, BhS, Paris ■

6 :antifaschistische nachrichten 19-2008


Französische extreme Rechte:

Umgruppierungen und Vorbereitungen


auf ein munteres Parteien-Sterben
Jean-Marie Le Pen erwägt erstmals je verkündete der alternde „Chef“ dies in ke berät schon seit Februar 2006 offiziell
offiziell seinen Abgang aus der akti- seinem letzten größeren Interview, das am die Le Pens, Vater und Tochter. Allerdings
ven Politik, und von der Spitze des 11. September in Valeurs Actuelles – die- ist er innerparteilich heftig umstritten, u.a.
Front National (FN). Eine abschließende Re- ses Wochenmagazin steht zwischen Kon- weil Alain Soral der hauptsächliche Erfin-
gelung der bislang noch umstrittenen Nach- servativen und Rechtsextremen – erschien. der des Konzepts ist, wonach der FN sich
folgefrage – in seinem Sinne – deutet sich (Vgl. http://www.valeursactuelles.com/ auch an die französischen Staatsbürger/in-
an. Der FN könnte damit unter Umständen public/valeurs-actuelles/html/fr/articles. nen ausländischer Herkunft als Mitglieder
aus der tiefen inneren Zerrissenheit und aus php?article_id=3244 ) Er lobte darin nicht einer nationalen Schicksalsgemeinschaft
der Krise, in der er seit über einem Jahr nur Marine Le Pen, die aufgrund ihres Al- wenden müsse. Ihm wird von Teilen der
steckt, herauskommen. Dagegen scheinen ters „den Leuten und ihren Alltagssorgen“ Partei maßgeblich die Niederlage bei den
die mit ihm konkurrierenden Parteigrün- näher stehe als er selbst und seine Alters- Wahlen von 2007 angelastet. Alain Soral
dungen, unter ihnen der MNR und die ‚Nou- genossen. Er räumte dabei auch ihren ist es auch, der den schwarzen bzw.
velle Droite Populaire‘, am Abgrund einer wichtigsten Rivalen verbal aus dem Wege, „Mischlings“franzosen und ehemals pro-
(tödlichen?) Krise zu stehen den Juraprofessor Bruno Gollnisch, der minenten Theatermacher Dieudonné, der
andere Vizepräsident der Partei neben sei- seit 4 bis 5 Jahren zunehmend starke anti-
Auf der extremen Rechten in Frankreich ner Tochter: „Bruno Gollnisch ist seit 30 semitische Tendenzen an den Tag legt, er-
dürften Einige es als gute Nachricht auf- Jahren da (gemeint: in der Politik). Er hat folgreich an Le Pen und den Front Natio-
fassen, andere wiederum als schlechte. sich nicht nach vorne gedrängt, das ist nal angenähert hat. Alain Soral Clubs
Unerwartet hingegen kommt sie auf kei- vielleicht einer seiner Charakterzüge.“ „Egalité & Réconciliation“ – „E & R“,
nen Fall. Die Nach- Und das Aus für den Mann, den er noch also „Gleichheit und Aussöhnung“ – ver-
richt lautet: Jean-Ma- vor drei, vier Jahren offiziell als seinen steht sich darauf, die faschistischen Poten-
rie Le Pen plant, „Kronprinzen“ (dauphin) dargestellt hatte. ziale auch innerhalb der Migrationsbevöl-
„endlich“, seinen Und noch weitere potenzielle Konkur- kerungen in Frankreich anzusprechen und
Rückzug aus der ak- renten von Gewicht schieben die Le Pens auszuschöpfen. So arbeitet er neben den
tiven Politik. Der zur Seite: Zu ihnen zählt der frühere Gene- Dieudonné-Anhängern auch mit der Grup-
rechtsextreme Politi- ralsekretär der rechtsextremen Partei, Carl pierung ‚Banlieue Anti-Système‘ zusam-
ker, der im Juni die- Lang, der 2005 von seinem Amt zurück- men, die inzwischen mit den Anhängern
ses Jahres das Alter trat. Der blonde 51-Jährige (mutmaßlicher des schwarzen, „ethno-zentristischen“ An-
von 80 erreicht hat, „Thor-Gläubiger“, also Neuheide in der tisemitenführers „Kémi Séba“ alias Stellio
steht seit über einem Tradition der „rassialistischen“ Nouvelle Capochichi fusioniert hat. Vgl. für einen
halben Jahrhundert Droite) gilt als einer der Hüter der pro- Beleg zu ihrer Zusammenarbeit mit Alain
auf der politischen grammatischen „Orthodoxie“ in der Par- Sorals Club „E & R“: http://www.cmaq.
Bühne: Im Januar tei, vor allem auch bezüglich ihrer rassisti- net/node/31023) Soral gilt aber innerhalb
1956 war er, für die schen und nationalistischen Aussagen. des FN als, umstrittener, Wortführer einer
antisemitisch grundierte Anti-Steuer-Pro- Und er ist notorisch besorgt über eine „Modernisierung“ des Parteiprofils – der
testpartei der „Poujadisten“, als damals „Modernisierung“ des Parteiprogramms von so manchen Parteimitgliedern des An-
jüngster Abgeordneter ins französische unter einer aufstiegsbewussten jungen tirassismus geziehen wird...
Parlament gewählt worden. Nun soll Vorsitzenden Marine Le Pen, die „viel zu Laut einer Umfrage, die Valeurs Actuel-
Schluss ein. Allerdings erst im Jahre 2010, weit“ gehen könnte. Le Pen (Vater) möch- les zeitgleich zum Interview mit Jean-Ma-
also nach den Europaparlamentswahlen te ihm nun aber definitiv eine Kandidatur rie Le Pen publizierte, wünschen sich
des kommenden Jahres – beim nächsten auf einem der Spitzenplätze zu den nächs- 76 % der FN-Sympathisanten Marine Le
Parteikongress des Front National (FN), ten Europaparlamentswahlen verbauen: Pen zur künftigen Parteichefin, 14 % wün-
den Jean-Marie Le Pen im Oktober 1972 Wer „keine aktive Rolle im Parteileben“ schen Gollnisch als Vorsitzenden und nur
gegründet hat und dessen Vorsitz er seither spiele, so zürnt der Gottvater-Parteivorsit- 7 % den persönlich eher blass wirkenden
ununterbrochen innen hat. Und es soll zende, könne auch keinen vorderen Lis- Lang. Keine guten Nachrichten für die
auch nur dann Ernst werden mit seinem tenplatz erhalten. Umgekehrt hat Lang be- Traditionalisten.
Abschied von der Parteispitze, wenn nicht reits angekündigt, er werde bestimmt kei- Spaltprodukte des FN vor dem Aus?
„außergewöhnliche Umstände“ ihn dazu nen Platz als Nummer 2 oder 3 hinter Ma- Auf jeden Fall: im Schlamassel...
zwingen, so Le Pen, 2012 noch einmal als rine Le Pen auf einer der Listen zur Euro-
Präsidentschaftsbewerber anzutreten. Es paparlamentswahlen einnehmen. Eine bessere Zukunft, als die Parteifüh-
wäre seine sechste Kandidatur für das Bei den Wahlen zum Europäischen Par- rung sich noch in jüngster Zeit erhoffen
höchste Staatsamt. Dabei waren Viele in lament bildet Frankreich – infolge der konnte, scheint sich für den FN abzuzeich-
seiner eigenen Partei schon der Auffas- jüngsten Reform des Wahlrechts zu An- nen. Denn seine diversen Spaltprodukte –
sung, dass jene von 2007 schon „die Kan- fang dieses Jahrzehnts – kein einheitliches andere rechtsextreme Parteien, die aus den
didatur zu viel“ gewesen sei. Laut zu sa- Wahlgebiet, sondern wird in 8 Riesen- wachsenden politischen Widersprüchen
gen wagte das allerdings kaum jemand. wahlkreise eingeteilt. Marine Le Pen wird innerhalb des FN heraus entstanden waren
Noch immer ist das Wort „des Chefs“ mutmaßlich in der erweiterten Hauptstadt- – zerlegen sich derzeit aktiv selbst.
beim FN quasi Befehl. region – Ile-de-France – kandidieren. In Dies gilt für den MNR (Mouvement
Wie sich bereits in den letzten Jahren ihrem Gepäck bringt sie, laut ersten An- National Républicain), der 1999 unter
abzuzeichnen begann, möchte Jean-Marie kündigungen, als „Überraschungskandi- Bruno Mégret entstand. Sein langjähriger
Le Pen unbedingt seine Tochter Marine, daten“ den Berufsprovokateur und Schrift- Vorsitzender hatte sich im Mai 2008 aus
die seit kurzem 40 geworden ist, zu seiner steller Alain Soral mit. Was nicht mehr gar der Politik verabschiedet und sich zurück-
Nachfolgerin küren. Unüberhörbarer denn so überraschend kommt: Der frühere Lin- gezogen, um auf Madagaskar für ein fran-

: antifaschistische nachrichten 20-2008 7


zösisches Unternehmen zu arbeiten. Nun
kehrte er aber zurück, um Mitte September Neue Pleite für „pro NRW“-Chef
einen Großteil des aktuellen Vorstands zu
stürzen. Unter anderem wurden General-
sekretär Nicolas Bay und sein Stellvertre-
Beisicht – diesmal vor Gericht
ter Jacques Gaillard wegen „parteischädi- Köln/Leverkusen. Nach seiner zeugung der Kammer die wahren Motive,
genden Verhaltens“ aus dem MNR ausge- Blamage mit dem „Anti-Islamisie- die zur Auswahl dieses Versammlungsor-
schlossen. rungs-Kongress“ vom Wochenen- tes geführt haben.
Ihnen wird vorgeworfen, mit Hilfe einer de in Köln musste „pro NRW“-Chef Mar- Der Bekanntheitsgrad dieses Ortes rührt
neuen Struktur unter dem Namen Conver- kus Beisicht nun beim Amtsgericht Lever- nämlich daher, dass die Wewelsburg 1934
gences nationales (ungefähr: „Konvergie- kusen die nächste Schlappe einstecken. durch die SS angemietet wurde, um dort
rende nationale Kräfte“) eine Annäherung Der von ihm gegen den Leiter des Köl- ein Zentrum der NS-Ideologie und eine
an Marine Le Pen einzuleiten – was ver- ner Bauspielplatzes „baui“ Gottfried Weihestätte für tote SS-Führungspersonen
mutlich auch zutrifft. In der Tat antworte- Schweitzer angestengte Prozess wegen zu gründen. Für die Bauarbeiten verlegte
ten die Betroffenen auf die Vorwürfe, die Beleidigung endete mit folgendem Urteil: die SS nach Abzug des Reichsarbeits-
ihnen von anderen Teilen der Partei(füh- Der Antrag von Beisicht auf Erlass einer dienstes zunächst ein Kommando des
rung) adressiert werden, auf Webpages, einstweiligen Verfügung gegen Schweit- Konzentrationslagers T. nach Wewelsburg.
die offen (Marine) Le Pen unterstützen. zer wird abgelehnt. Beisicht muss die Ver- Schließlich wurde in der Nähe des Ortes,
Eine Wieder-Annäherung an ihre „Altpar- fahrenskosten tragen. Beisicht und seine wo das „Festzelt“ der geplanten Versamm-
tei“, den Front National, ist somit tatsäch- Anwältin Judith Wolter lung stehen soll, im Jahr 1941 das
lich nicht ausgeschlossen. (Vgl. http:// von der „pro Köln“- Konzentrationslager „O.“ errich-
www.nationspresse.info/?p=9271 ) Fraktion hatten behaup- tet. Dort sind mindestens 1285
Infolge des jüngsten innerparteilichen tet, Schweitzer habe an KZ-Häftlinge ums Leben gekom-
Umsturzes trat ein Großteil der bisherigen einem Infostand der men. (.....). An einem solchen Ort
Führungsmitglieder des MNR umgehend Rechtsradikalen in Le- die Parole „Ruhm und Ehre der
aus. Wahrscheinlich wird sich dieses Ka- verkusen gerufen: „Mar- Waffen-SS“ skandieren und ver-
derpotenzial, das dem FN seit 1999 fehlte, kus Beisicht hat in der breiten zu wollen, enthält eine
doch noch um seine bisherige „Altpartei“ Vergangenheit Angehö- nicht hinnehmbare Verhöhnung
scharen – trotz des Aufstiegs der den Ideo- rige der Waffen-SS in der Opfer und der Menschenwür-
logen eher suspekten Marine Le Pen. Strafverfahren vertei- de der Hinterbliebenen. .... Viel-
Auch die Nouvelle Droite populaire digt“. mehr wird im Gegenteil durch
(NDP), die am 1. Juni 2008 als weitere Tatsächlich hatte Markus Beisicht den Versammlungsort die Nähe
Abspaltung vom und „Alternative“ zum Schweitzer Besucher des Foto: pab/fotojournalisten.com zur Terrorherrschaft des NS-Re-
FN gegründet worden war, zerfällt. Mitte Infostandes wahrheitsgemäß darüber auf- gimes gesucht. Für diese Annahme spre-
September dieses Jahres schloss sie ihren geklärt, dass Beisicht als Verteidiger einer chen die weiteren Umstände des Ver-
bisherigen Generalsekretär Jean-François Veranstaltung für „Ruhm und Ehre der sammlungsablaufs. ..... Auch die Veran-
Touzé – einen früheren Anwärter auf die Waffen-SS“ vor dem Bundesverfassungs- stalter und Redner sind bekannte Personen
Nachfolge Jean-Marie Le Pens an der Par- gericht aufgetreten war. aus der rechtsextremistischen Szene. ...
teispitze des FN – „mit Wirkung zum 17. In den Lokalberichten Köln vom 19.9. Die als Redner vorgesehenen Personen
September um 14 Uhr“ aus. Ihm wurden schreibt Rechtsanwalt Reinicke, der sind entweder ehemalige Aktivisten oder
„tiefgreifende ideologische Differenzen“ Schweitzer vor Gericht vertrat, zu dem Vorsitzende von inzwischen verbotenen
vorgeworfen: Anlässlich des jüngsten Hintergrund des Verfahrens: rechtsextremistischen Organisationen, wie
Kräftemessens zwischen Großmächten im „Ein Herr O. hatte für eine Gruppierung etwa der FAP oder der ANS/NA.“
Kaukasuskrieg (August 2008) hatte er eine „Initiative der weißen Art“ an der Wewels- Gegen diese Entscheidung wurde Be-
pro-US-amerikanische Position – mit Tö- burg eine Neonazi-Veranstaltung unter schwerde eingelegt. Das OVG wies die
nen, die an den Kalten Krieg erinnerten – dem Motto „Ruhm und Ehre der Waffen- Beschwerde zurück. Auch der Versuch
bezogen, während andere Teile der NDP- SS“ durchführen wollen, die von der Poli- von Beisicht, beim Bundesverfassungs-
Führung unter Robert Spieler hingegen ein zei erfreulicherweise verboten worden geericht eine einstweilige Anordnung
eng an Russland angelehntes „starkes war. Der Entscheidung des VG Minden durchzusetzen, scheiterte.
Europa“ befürworteten. In der Ausschluss- kann man die Verbotsgründe entnehmen: In dem Antrag gegen Schweitzer
begründung werden Touzé „atlantizisti- „In diesem Verfahren kommt wegen der schreibt Wolter im Auftrag von Beisicht:
sche, zionistische, wirtschaftsliberale und besonders schwerwiegenden Provokati- „Für den Antragsteller als Spitzenkandidat
bürgerliche“ Positionen vorgeworfen. onswirkung im Hinblick auf den Ver- der Bürgerbewegung pro NRW ist die Be-
Viel-Parteigründer Touzé – er hat be- sammlungsort allein das Verbot in Be- hauptung, er habe Angehörige der Waffen-
reits mehrfach rechtsextreme Kleinpartei- tracht, ...... Grundlegende soziale und ethi- SS verteidigt, ehrverletzend und geeignet
en wie den,bedeutungslosen, aber noch sche Anschauungen werden hier nämlich ihn in der öffentlichen Meinung herabzu-
existenten ,Parti populiste‘ lanciert – grün- deshalb verletzt, weil eine Verbreitung na- würdigen.“
dete alsbald eine neue Organisation unter tionalsozialistischen Gedankenguts durch Immerhin eine interessante Einsicht.
dem Namen Nouvelle Droite Républicai- öffentlich bekannte Neonazis an einem Nun fragt man sich allerdings, warum es
ne (NDR). Er versucht sich an den rechten Ort stattfinden soll, dem eine erhebliche eigentlich ehrenhafter sein soll, eine Ver-
Flügel der US-Republikaner dranzuhän- Symbolwirkung hinsichtlich der national- sammlung unter dem Motto „Ruhm und
gen und wirbt für sich auf Webpages, die sozialistischen Gewaltherrschaft zu- Ehre der Waffen-SS“ vor dem Bundesver-
eine Wahl John McCains zum US-Präsi- kommt. Entgegen der Darstellung des An- fassungsgericht durchsetzen zu wollen, als
denten favorisieren. Eine Position, die tragstellers ist sehr wohl maßgeblich, dass einzelne Mitglieder der Waffen-SS vor
stark an jene von FN-Prominenten zur Un- die Wewelsburg in nationalsozialistischer Gericht zu verteidigen. Vielleicht meinte
terstützung Ronalds Reagans in den 80er Zeit für Terror gestanden hat. Seine Dar- Beisicht, insgesamt eine Diskussion über
Jahren erinnert, die aber heute in der fran- stellung, die Nutzung als „Quasi-Kultstät- dieses Kapitel seiner Tätigkeit verhindern
zösischen extremen Rechten durchaus te der SS“ sei im Verhältnis zur Existenz- zu können.“
nicht en vogue ist. dauer der Burg eine „statistisch vernach- nrhz vom 6.10. und Lokalberichte
Bernhard Schmid, Paris ■ lässigbare Größe“, verschleiert nach Über- Köln Nr. 19 ■

8 :antifaschistische nachrichten 20-2008


Wie wir in der vergangenen Aus- Nach dem – verhinderten – Kölner Rassistenkongress:
gabe ausführlich berichtet haben,
konnte der durch die rechtsextre-
me Lokalpartei „Pro Köln“ ausgerichtete
Die ideologische Gegen-
so genannte „Anti-Islamisierungs-Kon-
gress“ am 19./20. September de facto
weitgehend verhindert werden.
offensive hat begonnen
An den Protesten gegen ihn hatten sich möchten, und am besten auch noch den- setzt die Antifa in einem Interview mit
mehrere Zehntausend Menschen betei- jenigen, die sich nicht auf sofortigen Be- der Springerzeitung ‚Die Welt‘– darunter
ligt. Nur wenigen Anhängern der extre- fehl hin die No-go-for-Nazis-Buttons ans ging’s wirklich nicht – mit der SA gleich.
men Rechten war es gelungen, auf den Revers stecken wollen. Die erklärt der Originalton: „Die so genannte Antifa,
Platz der öffentlichen Kundgebung, die anständige Kölner umgehend zu ‚Fa- die auf der Straße in der Überzahl war
den Höhepunkt des „Kongresses“ abge- schisten‘, wie die Rheinische Post be- und sich gebärdete wie früher die SA, er-
ben sollte – den Heumarkt in Köln – zu richtet. Tapfere Hausmuttis singen in zwang von der Polizei die Aufgabe des
gelangen. Unter ihnen Aktivisten oder Chören ironische Lieder über deutsche Schutzes der Rechtspopulisten. Das
Sympathisanten von „Pro Köln“, der ita- Muselmanenangst – ach, es kommt ei- könnte auch mal umgekehrt sein - eine
lienischen Lega Nord, des französischen nem so vor, als sei diese verirrte Truppe beunruhigende Perspektive. (…) Jeder
MNR, der britischen BNP sowie des des rechtspopulistischen Vereins ‚Pro darf eine Gegenkundgebung organisie-
Vlaams Belang aus Köln. Repräsentan- Köln‘ ein großes neofaschistisches ren, aber eine angemeldete und geneh-
ten des Vlaams Belang und der österrei- Hochwasser, das über Köln hereinzubre- migte Demonstration muss von der Poli-
chischen FPÖ steckten zur selben Zeit
zusammen mit der „proKöln“-Spitze am
Flughafen Köln-Bonn fest und veranstal-
teten eine Pressekonferenz in einem Kel-
lerraum unter einem Flughafengebäude.
Nun hat aber, gerade weil die Proteste
so erfolgreich und weil die Rechtsextre-
men/Rechts„populisten“ so wenige wa-
ren, eine intensive ideologische Gegen-
offensive in einem Teilbereich der öf-
fentlichen Meinung begonnen. Dies gilt
nicht nur für die extreme Rechte (dass
„Pro Köln“ gegen die „Zensur“ oder „In-
quisition“, deren Opfer man sei, ebenso
wie gegen „unzureichenden Schutz
durch die Polizei“ tobt und geifert, ist
normal bzw. liegt in der Natur der Sache)
– sondern auch für Stimmen aus der bür-
gerlichen, liberalen und konservativen
Ecke.
‚Süddeutsche Zeitung‘: Wider die
moralische Selbstgefälligkeit der
Kölner, gegenüber dem armen
verirrten „Häuflein“ Rassisten
Just aus München, wo die Sache mit dem
„Kongress“ und den Protesten dagegen
möglicherweise anders ausgegangen
wäre, ist eine laute Gegenstimme gegen chen drohte wie nichts Gutes. Dabei wa- zei geschützt werden! Hier in Köln hat
den Verlauf der Ereignisse zu verneh- ren doch da bloß ein paar kleine xeno- sich der Staat der Macht der Straße ge-
men. Während auch andere Beobachter phobe Männekens an den Rhein gekom- beugt.“ (Vgl. dazu, wie auch zu den laut
die örtliche kulturelle Färbung des Gan- men, die sich vorher ganz fest bei den Broder „verständlichen Ängsten“ von
zen hervorheben, ohne deswegen in Ab- Händen gehalten und einander fest ver- Anwohnern irgendwelcher Menschen,
neigung, Spott, Häme oder gar Hetze zu sprochen haben, ihren Restmut zusam- zum im Kern berechtigten „Generalver-
verfallen (vgl. http://www.freitag.de/ menzukratzen und ihren Zorn über den dacht“ gegenüber Moslems sowie dem
2008/39/08390102.php), kippt die Sache Islam auf den Heumarkt zu tragen.“ angeblichen „Appeasement“ - sic - ge-
in einem Beitrag für den Kulturteil der (Vgl., für dieses Zitat wie für weitere genüber kriminellen Nordafrikanern in
‚Süddeutschen Zeitung‘ ins Negative Unfreundlichkeiten: http://www.sued- Berlin, die Quelle: http://www.welt.
um. deutsche.de/kultur/968/311888/text) de/welt_print/article2490009/Koeln-
So wird dort, angesichts des behaup- Dabei ging es dem Autor – im Feuille- war-eine-Kapitulation.html )
teten Missverhältnisses zwischen der ton – aber wohl gar nicht unmittelbar um Den Vogel aber schoss, mal wieder,
Zahl von 40.000 Gegendemonstrant/inn Politik, sondern eher um einen „Stil“, die zwischen konservativ-wirtschaftsli-
/en und nur 100 Rassisten (aber wie hätte den er als unangenehm empfindet. Aber beralem Spektrum (rechtem Flügel von
es OHNE den massiven Protest vielleicht es gibt auch Menschen, die mit solcherlei CDU und FDP) und Rechtsextremen an-
ausgesehen!) mokierend festgestellt: Eindrücken bewusste Politik betreiben. gesiedelte Webpage ‚Politically Incor-
„Und trotzdem gibt es in Köln diesen Unter ihnen befindet sich Henryk M. rect‘ alias ‚PI‘ , die von einem Sozialdar-
unglaublich nervigen politischen Sau- Broder, Starautor der deutschen Anhän- winismusfan namens Stefan Herre aus
berkeitsfimmel (…). Ihr eigener gerech- gerszene der US-Neokonservativen, gro- Bergisch-Gladbach betrieben wird, ab.
ter Zorn rührt die Herzen der anständi- ßer Verteidiger der US-amerikanischen Sie übertrug nach Deutschland ein übles
gen Kölner sogar dermaßen, dass sie all und (erst recht) der israelischen Militär- Gerücht, das zunächst durch die extre-
diesen ,Nazis‘ sofort die Fressen polieren und Besatzungspolitik. Der Publizist mistische Moslemhasser-Seite ‚Gates of

: antifaschistische nachrichten 20-2008 9


Vienna‘ (also „die Tore von Wien“, unter Bei der rechtsextremen „Bürgerbewe- extremen Rechten und der deutschen
Anlehnung an die osmanische Belage- gung“ liest sich das nun folgenderma- Konservativen – für den u.a. auch die
rung der Stadt im Jahr 1683) lanciert ßen: Was in der Stadt am Rhein gegen Springer-Presse repräsentativ ist - exer-
worden waren. Eine Behauptung, für die ihre Kundgebung abgelaufen sei, sei ziert seit Jahrzehnten vor, dass in seinen
es nicht den leisesten Anflug eines Be- nichts Anderes als eine „Judenhatz in Augen jede Sauerei erlaubt ist, solange
legs gibt: Ein durch seine Kippa als Jude Köln“ (sic). Und wer’s nicht glaubt, man nur „Probleme mit den Juden“ ver-
erkennbarer Bürger, der unbedingt-unbe- möge es nachlesen: http://www.pro-ko- meidet und demonstrativ für den Staat Is-
dingt-unbedingt an der Kundgebung von eln-online.de/artikel6/judenhatz.htm … rael (inklusive der Schattenseiten seiner
„Pro Köln“ hätte teilnehmen wollen, sei Diese lügenhafte Darstellung erlaubt konkreten Politik, die jedoch aus Sicht
an den Blockadestellen der Antifa belei- es den Protagonisten der Rechten gleich deutscher Militaristen eher Lichtseiten
digt-geprügelt-und-misshandelt worden. im doppelten Sinne, in die Gegenoffensi- darstellen) eintritt.
„Als Jude’’ selbstverständlich, drunter ve zu gehen: Einerseits können sie sich Auch anderswo versteht die extreme
ging’s auch hier nicht. (Vgl. selbst als „verfolgte Juden“ aufspielen, Rechte sich auf dieses Spiel, so gab der –
http://www.pi-news.net/2008/09/koeln- also sich in DIE historische Opferrolle unbestritten zum Teil offen antisemiti-
faschistenschwein-mit-kippa-verprue- hinein projizieren – eine pure politisch- sche - französische Front National im
gelt/#more-20610 und auch historische Hochstapelei, auf die Rechts- April 1996 eine dicke Broschüre zum
http://www.pi-news.net/2008/09/leser- extreme sich aber schon immer verstan- Thema „Sozialistische Ursprünge des
brief-an-pi-antisemiten-in-koeln/#more- den haben. Antisemitismus“ heraus. Ziel: Den Anti-
20497.) Zum Anderen können sie sich aber semitismusvorwurf gegen die politische
Das Gerücht, das durch ‚PI‘ lanciert auch zu „Bekämpfern des Antisemitis- Linke zu richten.
worden war, hat „Pro Köln“ selbstver- mus“ aufschwingen. Denn der „moder- Bernhard Schmid, Paris ■
ständlich sofort begierig aufgegriffen. ne“, philosemitisch gewendete Teil der

Gelöbnis kostete Gemeinsames Handeln verhinderte


eine Million europäisches Rassistentreffen
Berlin. Das Bundeswehrgelöbnis vor dem
Reichstagsgebäude am 20. Juli 2008 hat Die friedliche und gewaltlose Ver- Kundgebung auf dem Heumarkt verbie-
fast eine Million Euro gekostet. Das hat hinderung des von der extrem ten.
die Bundesregierung auf eine Kleine An- rechten und rassistischen Partei Einen Schatten auf den gemeinsamen
frage der Fraktion DIE LINKE mitgeteilt Pro Köln und ihren braunen politischen Erfolg wirft allerdings das Verhalten der
(BT-Drs. 16/10153). Der Löwenanteil ent- Freunden aus dem In- und Ausland orga- Polizei nach dem Verbot der Kundgebung.
fiel dabei auf das Land Berlin, das für den nisierten und großmäulig als europäi- Während sie sich im Lauf des Tages von
Polizeieinsatz 800.000 Euro zahlen muss- scher „Anti-Islamisierungskongress“ be- einigen unnötigen Provokationen abgese-
te. Eine Kostenerstattung ist laut Bundes- zeichneten Treffens durch ein breites an- hen, weitgehend zurückhielt, kesselte sie
regierung nicht vorgesehen. „Angesichts tifaschistisches Bündnis war ein großer nach Auflösung der Blockaden unter dem
hoher Verschuldung und wachsender Ar- Erfolg für alle Demokrat(inn)en weit Vorwand, es sei zu Ausschreitungen ge-
mut ist dieser unsinnig teure Soldatenauf- über Köln und das Rheinland hinaus. kommen, mehrere hundert Demonstant
marsch absolut ungerechtfertigt“, findet Entscheidend für diesen Sieg ist die (inn)en ein, um sie zu einer Gefangenen-
die innenpolitische Sprecherin der Frakti- Tatsache, dass es gelungen ist, weit sammelstelle mehrere Kilometer außer-
on, Ulla Jelpke. Ihrer Ansicht nach zeigt vor dem 20.9. ein Klima der Ablehnung halb Kölns zu transportieren. Unter den
die Antwort auch, wie schwer sich die der rechten Zusammenrottung zu erzeu- Festgenommenen befanden sich auch Kin-
Bundeswehr damit tut, sich vom Rechts- gen, dass weit in die politische Mitte der und Jugendliche.
extremismus abzugrenzen: „Die Bundes- reichte. Nach übereinstimmenden Aussagen
regierung bestätigt, dass der Rechtsextre- Dieses Klima gegen rechts, dem sich in von Menschen, die festgenommen wurden
mist Alfred Mechtersheimer eine Einla- den Wochen vor dem geplanten Kongress und Anwälten waren die Bedingungen in
dung für den Großen Zapfenstreich am 26. weder die Lokalpresse noch Oberbürger- der Gefangenensammelstelle Brühl men-
Oktober 2005 erhalten hatte. Mechtershei- meister Fritz Schramma (CDU) verschlie- schenunwürdig. Wir protestieren gegen
mer ist seit den 90er Jahren in der so ge- ßen konnte, bewegte zehntausende von die Massenfestnahmen und verlangen eine
nannten ,Deutschland-Bewegung‘ aktiv. Menschen dazu, sich den Rassisten in den Überprüfung der Vorfälle und gegebenen-
Die Bundesregierung beteuert: ,Die Einla- Weg zu stellen. Sie wählten dabei Aktions- falls rechtliche Konsequenzen gegen die
dung erfolgte ausschließlich auf Grund formen, die ihren jeweils eigenen Vorstel- Verantwortlichen.
seiner Eigenschaft als ehemaliges ordent- lungen entsprachen, aber alle das Ziel hat- Insgesamt hat der Verlauf der antifa-
liches Mitglied des Verteidigungsaus- ten, das Treffen der europäischen Rechten schistischen Aktivitäten und ihr Erfolg ge-
schusses.‘ Dieser Rechtfertigungsversuch unmöglich zu machen. Dazu zählte die ge- zeigt, dass bei einem breiten Widerstand,
geht nach hinten los. Selbst der Verfas- meinsame Blockade des Veranstaltungsor- der bei allen unterschiedlichen Formen ei-
sungsschutz schätzt Mechtersheimer tes durch ein breites Bündnis von Organi- nig im Ziel ist, die Rechten aufzuhalten
schon seit fünf Jahren als Rechtsextremis- sationen und Einzelpersonen ebenso wie sind.
ten ein. Da wirkt es wie Hohn, wenn die Kundgebung und Demonstration unter Wir danken deshalb allen Beteiligten
Bundesregierung behauptet, es seien ,Kon- dem Motto „Wir stellen uns quer!“ und und fordern sie auf, auch weiterhin wach-
trollmechanismen eingerichtet, die die das Konzert Kölner Musiker(innen). All sam zu bleiben. Pro Köln kündigt bereits
Teilnahme von Extremisten an Veranstal- diese Aktionen, die unterschiedliche For- heute an, den Rassistenkongress, der am
tungen der Bundeswehr unterbinden sol- men aber ein gemeinsames Ziel hatten, 20.9. verhindert werden konnte, wiederho-
len.‘ Diese Mechanismen haben offenbar und an denen sich zehntausende beteilig- len zu wollen. Sollen sie’s versuchen – ge-
versagt. Anfrage und Antwort können un- ten, sorgten dafür, dass es der Kölner Poli- meinsam werden wir diese Pläne so oft
ter www.ulla-jelpke.de herunterladen zei nicht möglich war, den Rechten den verhindern wie nötig!
werden. ■ Weg bahnen – sie mussten die geplante VVN/BdA Köln ■

10 :antifaschistische nachrichten 20-2008


: ausländer- und asylpolitik
Die Abschiebeanhörungen, zu denen
über 280 Flüchtlinge aus mehreren Bun-
Tag des Flüchtlings und Tag teten Kleinbussen gekommen. Sie brach- desländern vorgeladen sind und die im
der Einheit 2008 ten Trommeln und Musik mit. Lautstark Rahmen des „Return“-Programms der
und mit vielen Parolen gegen Abschie- EU stattfinden, dauern in Hamburg noch
„Stoppt das Sterben an den europäischen bungen, für Bleiberecht und gleiche bis zum 19.9.08. Allerdings kam bisher
Außengrenzen! Menschenrechte achten Rechte für alle zog die Demo vom nur etwa die Hälfte der Vorgeladenen zu
– Flüchtlinge schützen“ Unter diesem Hauptbahnhof zur Innenbehörde und den Anhörungen. Organisationen der Si-
Motto steht der diesjährige Tag des weiter vor das Büro der Grünen, die da- erra LeonerInnen, GuineerInnen sowie
Flüchtlings. Dieser findet im Rahmen für kritisiert wurden, dass sie die Ab- der Flüchtlingsrat und das Café Exil rie-
der Interkulturellen Woche bundesweit schiebeanhörungen im Rahmen ihrer Re- fen zum Boykott auf und sind jeden Tag
am 3. Oktober, dem Tag der deutschen gierungsbeteiligung mittragen. Dann mit einer Mahnwache vor Ort, um mit
Einheit, statt. In den über 3.000 Veran- ging es zur Abschlusskundgebung am Betroffenen zu diskutieren.
staltungen befassen sich viele Initiativen Gänsemarkt. Viele Flüchtlinge, auch aus Hamburg,
und kirchliche Gruppen mit einem der Kritisiert wurde auch die Korruption wurden allerdings zwangsweise vorge-
traurigsten und drängendsten Probleme und Kollaboration afrikanischer Regie- führt, sei es aus (Abschiebe-)Haft oder
der europäischen Flüchtlingspolitik: dem rungen, die für Geld von deutschen und indem sie von Polizei aus ihren Unter-
Sterben an den Grenzen Europas.Monat EU-Behörden, das sie in ihre Taschen künften abgeholt wurden. Nächste oder
für Monat spielen sich dort Tragödien ab. stecken, an der Abschiebung ihrer übernächste Woche soll die Delegation
Unzählige Menschen kommen bei dem Landsleute mitwirken. Es wurde dazu in Karlsruhe Abschiebeanhörungen
Versuch ums Leben, in der Europäischen aufgerufen, gemeinsam – Flüchtlinge durchführen. Wir hoffen, dass es auch
Union Schutz, Sicherheit und menschen- und Nicht-Flüchtlinge, in Deutschland dort Proteste geben wird!
würdige Lebensbedingungen zu finden. und international – gegen Abschiebun- Conni Gunßer, Hamburg, 18.09.2008 ■
Seit dem Mauerfall im Jahr 1989 wurden gen, Rassismus und Diskriminierung zu
über 10.000 Tote an den neuen Mauern kämpfen. Menschen in Not helfen!
um Europa gezählt - die Dunkelziffer ist Besonders makaber ist, dass der größ-
hoch. Allein im Monat August 2008 er- te Teil der von den Vorladungen betroffe- Hamburg. Die Ärztekammer Hamburg
tranken mindestens 270 Migranten und nen Flüchtlinge schon mehr als zehn Jah- informiert in einem neuen Faltblatt Ärz-
Flüchtlinge beim Einreiseversuch. re in Deutschland lebt und eigentlich ei- tinnen und Ärzte über Rechtslage und
PRO ASYL erinnert im Zusammen- nen Anspruch auf Bleiberecht haben Möglichkeiten der Kostenerstattung,
hang mit dem Tag der deutschen Einheit: müsste. Für sie, aber auch für alle ande- wenn sie illegal in Hamburg lebende Pa-
Die Freude über den Fall der Mauern, die ren Flüchtlinge und MigrantInnen wurde tienten behandeln. Dr. Frank Ulrich
Europa trennten, war damals auch ver- ein bedingungsloses Bleiberecht sowie Montgomery, Präsident der Ärztekam-
bunden mit der Hoffnung, dass im neuen weltweite Bewegungsfreiheit gefordert, mer Hamburg und Menschenrechtsbe-
Europa keine menschenfeindlichen so wie es EuropäerInnen selbstverständ- auftragter der Bundesärztekammer, for-
Grenzanlagen mehr aufgebaut werden. lich für sich in Anspruch nehmen. dert außerdem eine politische Lösung
Angesichts des tausendfachen Todes dür- Der Demonstration schlossen sich zur besseren Versorgung dieser Men-
fen wir uns nicht damit abfinden, dass in auch einige Flüchtlinge an, die zufällig schen.
Europa die Friedhöfe an den Außengren- in der Innenstadt waren. Ein Passant Wenn Menschen ohne Papiere krank
zen jeden Tag größer werden. Die zahl- fragte, ob dies noch „das Camp“ sei? Of- werden, führt das oft zu großen Proble-
reichen Veranstaltungen zum Thema fensichtlich hat das Antirassismus- und men: Frauen bringen unter riskanten
„Stoppt das Sterben an den europäischen Klimacamp, das vom 16.-24.08.08 in Umständen Kinder auf die Welt, weil sie
Außengrenzen“ zeigen, dass immer Hamburg stattfand, bleibende Eindrücke wegen drohender Abschiebung nicht zur
mehr Menschen in Deutschland und in der Stadt hinterlassen! Vorsorge gehen und sich schon gar nicht
Europa nicht mehr bereit sind,
den Preis der europäischen Ab- Anzeige
wehrpolitik zu ertragen.
PRO ASYL Bundesweite
Arbeitsgemeinschaft für
Flüchtlinge e.V. ■

Demonstration gegen
Sierra Leone-Abschie-
beanhörungen
Hamburg. Etwa 120 Men-
schen, davon mehr als die Hälf-
te afrikanische Flüchtlinge, de-
monstrierten am 17.9. in der
Hamburger Innenstadt gegen
die Abschiebeanhörungen
durch eine Delegation aus Sier-
ra Leone, die seit Montag in der
Wandsbeker Witthöfftstr. 5
stattfinden (siehe auch die Pres-
seerklärung dazu auf www. flu-
echtlingsrat-hamburg.de). So-
gar aus Berlin waren 27
Flüchtlinge mit von der Sierra
Leone-Organisation angemie-

: antifaschistische nachrichten 20-2008 11


in ein Krankenhaus trauen. Andere ver- rei. Wegen eines komplizierten Bein- Menschen, die selber gegenüber den
zögern eine notwendige medizinische bruchs musste er diese Beschäftigung auf- Mitbürgern aus dem Ort und auch gegen-
Behandlung so lange, bis sie als Notfall geben. Der ältere Sohn besuchte die 5. über den Behörden offen waren – sonst
in der Klinik landen – Abschiebung in- Klasse der örtlichen Realschule. wären sie ja der Vorladung des Ausländer-
klusive? Medizinern ist die Problematik Über die Vorgänge, die dem Ereignis amtes mit der Aufforderung, sich einen sy-
zwar oft bekannt, aber es herrscht Unsi- vorausgingen, konnten wir nur erfahren, rischen Pass zu beschaffen, nicht gefolgt –
cherheit, wie sie sich verhalten müssen. dass die Familie – wie zur Zeit alle syri- wurden getäuscht, gedemütigt.
Montgomery appelliert an Hamburger schen Kurden mit Duldungsstatus – von Die Älteren mag das an finstere Zeiten
Ärztinnen und Ärzte, Flüchtlinge, die der Ausländerbehörde aufgefordert wor- der deutschen Vergangenheit erinnern, bei
sich ohne Papiere in Hamburg aufhalten, den war, sich bei der syrischen Botschaft vielen Verunsicherung gegenüber unserem
zu behandeln. neue Papiere zu besorgen. In der Hoffnung Rechtssystem erzeugen, bei nicht wenigen
Bisher kann die Zahl der Betroffenen auf ein Bleiberecht, waren die Jafars dieser Ohnmachtsgefühle oder neuen Hass.
nur geschätzt werden. Die Zahlen Aufforderung nachgekommen. Ob sie da- Quelle: Presseerklärung Arbeitskreis
schwanken bundesweit zwischen bei auch ihren Kölner Anwalt zu Rate ge- Asyl Oldenburg ■
500.000 und 1 Million Pastorin Fanny zogen haben, ist zur Zeit noch unklar.
Dethloff, Flüchtlingsbeauftragte der Am Tag vor der Abschiebung war das Demonstration gegen das
Nordelbischen Kirche (NEK) und stell- Ehepaar jedenfalls noch zu einer Untersu-
vertretende Vorsitzende des Ausschusses chung beim Gesundheitsamt bestellt wor- Ausreisezentrum in Trier
Grundrechte der Ärztekammer Ham- den. Trier. Am Samstag den 6.9.08 trugen ca.
burg, geht von 10.000 bis 100.000 Perso- Syrien ist ein Land mit immer noch 100 Menschen ihren Unmut gegen das
nen in Hamburg aus. Sie spricht von ei- eklatanten Menschenrechtsverletzungen Ausreisezentrum Trier auf die Straße und
ner hohen Anzahl an Menschen, die in und einer besonderen Diskriminierung forderten die Schließung. Forderungen
Not geraten und sich an Kirchengemein- von Kurden (vgl. Bericht von amnesty in- wie „Ausreisezentrum abschaffen“ und
den und Beratungsstellen wenden und ternational). Hinzu kommt die Verschlech- „Solidarität statt Repression“ standen auf
unterstützt die Forderungen der Ärzte-
kammer. „Es gibt jetzt schon viele Ärzte,
die in solchen Situationen Patienten un-
entgeltlich behandeln. Wir freuen uns
über diese Kolleginnen und Kollegen,
die in Praxen und Kliniken schnell und
unbürokratisch helfen. Aber es darf nicht
sein, dass die Politik sich auf der Hilfs-
bereitschaft der Ärztinnen und Ärzte
ausruht. Wir fordern daher klare Rege-
lungen für die Gesundheitsversorgung
für Menschen ohne Papiere“, so Montgo-
mery. Eine Finanzierung der medizini-
schen Versorgung ausschließlich über
Spenden und ehrenamtliche Hilfen sei
kaum möglich. Er schlägt vor, auf politi-
scher Ebene Lösungsmodelle zu disku-
tieren und umzusetzen, wie beispielswei-
se die Fondslösung aus den Niederlan-
den.
Hamburger Ärztekammer, 11.9.2008 ■
terung der Lebensbedingungen durch über den Schildern und Bannern der rund
Abschiebung im Morgen- eine Million irakischer Flüchtlinge. hundert Trierer Bürgerinnen und Bürger,
All diese Gründe hinderten die Auslän- die sich an der Demonstration beteilig-
grauen derbehörde des Landeskreises Oldenburg ten. Von Trommeln begleitet zogen die
Oldenburg. Wie erst jetzt bekannt wur- nicht, Herrn und Frau Wakass und die bei- Demonstranten vom Hauptbahnhof über
de, ist am Dienstag, 16.9. morgens zwi- den Kinder, in einer Nacht- und Nebelakti- die Porta Nigra bis nach Trier Nord in die
schen 5.00 und 6.00 Uhr in Sandkrug/Ge- on festzusetzen. Die Behörde folgt dem Dasbachstraße zur sogenannten Landes-
meinde Hatten eine 4-köpfige kurdische bekannten harten Kurs des Bundesinnen- unterkunft für Ausreisepflichtige.
Familie von der Polizei aus der Wohnung ministers (Abschluss eines Rückführungs- „Niemand flieht ohne Grund!“ erklärt
geholt und nach Syrien abgeschoben wor- abkommens mit dem syrischen Staat) und Lydia Tomaschowski vom Multikulturel-
den. des Nieders. Innenministers Schünemann. len Zentrum Trier e.V. Im Ausreisezen-
Opfer der Aktion waren das Ehepaar In einer Zeit, da in der Öffentlichkeit für trum befinden sich Flüchtlinge, die keine
Fawzi Jafar und Fatma Wakass mit ihren Integration und Fairness gegenüber Aus- Chance auf Asyl haben und nicht abge-
Söhnen Nagwan 12 Jahre und Siya, 5 Jah- ländern geworben wird, ist ein derartig schoben werden können, da ihre Identität
re. Die Familie lebte seit 9 Jahren in brutales Vorgehen ein Schlag für alle, – ungeklärt ist. „Die Zustände im Ausrei-
Deutschland, seit 8 Jahren in Sandkrug in Deutsche wie Ausländer – die sich um sezentrum sind untragbar“, erläutert Ma-
einem 4-Familienhaus, Lilienweg 11. Der Verständnis füreinander bemühen. Es ver- ria Kronenberg vom Arbeitskreis Asyl
jüngere Sohn ist in Deutschland geboren. letzt jedes Gefühl von Gerechtigkeit. Ein der Arbeitsgemeinschaft Frieden. Die
Die Eltern, besonders die Mutter, waren Schlag ist dieses rabiate Vorgehen vor al- Wände seien schimmelig, die Innenein-
im Ort vielen Leuten bekannt, Frau W. be- lem für die Familie selber: Wie Verbrecher richtung unhygienisch, in den kargen 6-
teiligte sich an verschiedenen kommuna- müssen sich Menschen behandelt fühlen, Bett-Zimmern sei eine Privatsphäre un-
len Aktivitäten, z. B. vom Kindergarten die noch in der Nacht – wie anzunehmen denkbar. Zudem herrsche ein Arbeitsver-
veranstalteten Basaren oder Veranstaltun- ist: aus dem Schlaf – aus der Wohnung ge- bot, was die dort lebenden Menschen
gen der Kirche. Der Vater hatte eine Zeit holt und in ein Auto verfrachtet werden – vom sozialen und kulturellen Trierer
lang eine Beschäftigung in einer Gärtne- Nachbarn hörten sie um Hilfe schreien. Stadtleben ausschließt.

12 :antifaschistische nachrichten 20-2008


Dieser Meinung ist auch Daniel Neu- nur viel zu wenigen Menschen zu einem
mann von der Gruppe „Passierschein Bleiberecht verhilft.
A38 – Super, wir bewegen uns!“. Er ver- Des weiteren wurde von Politikern der
langt in seinem Redebeitrag ein „Um- großen Koalition im Jahre 2007 im Rah-
denken in der Europäischen Flüchtlings- men des Zuwanderungsgesetz „ein biss-
und Asylpolitik“. „Unser Wohlstand chen Bleiberecht“ beschlossen.
wird auf der Armut von Entwicklungs- Doch leider fehlt weiterhin der politi-
ländern aufgebaut. Wir fordern Europa sche Wille, einen sofortigen umfassenden
auf, sich seiner Verantwortung dafür zu Abschiebestopp zu verhängen, ein ganzes
stellen. Wir müssen die Fluchtursachen Bleiberecht zu verabschieden und umzu-
bekämpfen, nicht die Flüchtlinge“. setzen, sowie endlich die Kinder- und
Zudem stehe es jedem Bundesland Menschenrechte auch in der Bundesrepu-
frei, ob es ein Ausreisezentrum betreibe blik ernsthaft und vollständig zu respektie-
oder nicht. ne wie Binational oder Mosaik, das Inter- ren.
Deshalb fordert Tamara Breitbach von kulturelle Migrantinnenzentrum, das Ju- Deshalb fordern wir von Ihnen, den Ap-
den Jusos Trier die Landesregierung auf, gendamt wie auch das Junge Schauspiel- pell der Kinder und Jugendlichen, der
ihre Abschiebepraxis zu ändern. „Das haus, um nur einige zu nennen. schon seit 2005 an die Innenministerkon-
Ausreisezentrum Trier und der Abschie- Infos unter: www.respekt-und-mut.de ferenzen in Stuttgart, Karlsruhe, Gar-
beknast Ingelheim gehören abgeschafft“ Quelle: Publikation „Aktiv + Gleichbe- misch-Partenkirchen und Nürnberg und
gibt sie vor der Porta Nigra kund. Ap- rechtigt September 2008“ ■ den Bundestag gerichtet wurde, endlich
plaus von den Demonstranten, Touristen vollständig umzusetzen.
und Passanten vor dem Wahrzeichen Offener Brief an die Innenmi- September 2008,
Triers. JOG-Vernetzungstreffen, Potsdam
In der Dasbachstraße angekommen, nisterkonferenz 2008 zum gez. Rola Saleh (JOG - Sachsen),
nutzten die Demonstranten bei einem ge- Weltkindertag 2008 Rachima Magamaj (JOG - Thüringen),
meinsamen Essen mit den Flüchtlingen Rebar Hama-Saleh (JOG - Bayern),
die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen Parallel zu der Innenministerkonferenz, Mohammed Youni (JOG - Berlin-
und sich auszutauschen. Die Organisato- die von Donnerstag, dem 20.11.2008 bis Brandenburg
ren – die Gruppe „Passierschein A38“ Freitag, dem 21.11.2008 in Potsdam statt- Wichtige Termine:
und das Multikulturelle Zentrum Trier findet, veranstalten die Jugendlichen ohne 19.11.2008, 20:00 Uhr, Galaabend zur
e.V. zeigten sich sehr zufrieden mit dem Grenzen (JoG), eine Gegenkonferenz. Aus Wahl des Abschiebeministers mit promi-
Verlauf der Veranstaltung. „Wir hoffen, ganz Deutschland werden junge Flüchtlin- nenten Gästen
mit dieser friedlichen Demonstration un- ge kommen. Im Offenen Brief an die In- 20.11.2008, 17:00 Uhr, Demonstration
serem Ziel einen Schritt näher gekom- nenminister heißt es: am Potsdamer Hauptbahnhof am Tag der
men zu sein: Das Ausreisezentrum Trier „Wir nehmen uns den Tag der Kinder- Kinderrechte
muss geschlossen werden“, so Neumann. rechte als Anlass, um auf unsere Lage auf- Unsere Aktionen werden unterstützt
„Nur so kann das Menschenrecht auf merksam zu machen, denn genau um die- von: GRIPS Theater, Aktionsbündnis
Asyl verwirklicht werden“. se geht es: Bis zum heutigen Zeitpunkt hat Hiergeblieben!, Gewerkschaft Erziehung
http://www.passierschein-a38.de.vu ■ die BRD die UNO-Kinderrechtskonventi- und Wissenschaft (GEW), Bundesfachver-
on nicht vorbehaltlos ratifiziert. So werden band Unbegleitete Minderjährige Flücht-
Bahn frei für Respekt und Vielen von uns elementare Grundrechte linge e.V., Naturfreundejugend Deutsch-
verweigert. land und vielen anderen.
Mut Auch die Bleiberechtsregelung hat un- Demonstrationsaufruf, Anmeldungen
Düsseldorf. „Freie Bahn für Respekt und sere Erwartungen immens enttäuscht. und Informationen zur Konferenz und den
Mut“ – das ist seit August Programm in Geduldete müssen immer noch unter geplanten Aktionen unter:
der Landeshauptstadt NRWs. Und damit unmenschlichen Verhältnissen leben und http://www.jogspace.net/ ■
es jeder mitkriegt, fährt seitdem die „Res- sind den täglichen Schikanen der Behör- Quelle: http://www.hier.geblieben.net/ -
pekt und Mut“-Straßenbahn durch Düssel- den ausgeliefert. flucht mailing list flucht@nds-fluerat.org
dorf. Auf ihr steht, wo es mit „Respekt und Viele von uns sind akut von der Ab-
Mut“ langgeht: die Düsseldorfer Beiträge schiebung bedroht. So lange die Asylpoli-
zur interkulturellen Verständigung laden tik der BRD uns keine Lebensperspekti-
zu über 50 Veranstaltungen ein. „Respekt ven bietet, werden wir weiter aktiv blei-
und Mut“ setzt sich für das Zusammenle- ben. Darum demonstrieren wir am 20. No-
ben von und die Verständigung zwischen vember zusammen mit vielen anderen Ini- Flüchtlingsschutz verbessern:
Menschen verschiedener Nationalitäten in tiativen für ein Bleiberecht ohne Ausgren-
Düsseldorf ein. Das Programm umfasst zung und für die UNO-Kinderrechte. UNHCR fordert Umdenken
Theater, Comedy, Musik, Information und Denn die großzügige Umsetzung des Blei- der EU
Ausstellungen. „Respekt und Mut“ rückt berechts war und ist überfällig und lange Paris. Der UN-Flüchtlingskommissar An-
das Zusammenleben von EinwohnerInnen angemahnt!!! tonio Guterres hat an die EU-Mitgliedstaa-
Düsseldorfs in den Mittelpunkt, die aus Doch die Mehrheit der Politikerinnen ten appelliert, ihre Flüchtlingspolitik zu
vielerlei Ländern an den Rhein gekommen und Politiker der Bundesrepublik überdenken.
sind und die hier ihren Lebensmittelpunkt Deutschland scheint leider nicht gewillt zu An die für Asyl und Migration verant-
gefunden haben. Unter dem Dach von sein, eine menschenwürdige Flüchtlings- wortlichen Minister der EU-27 gewandt,
„Repekt und Mut“ sind in diesem Jahr 33 politik zu betreiben. Durch die zahlreichen unterstrich Guterres am 7. September
Initiativen, Organisationen und Einrich- Proteste und Aktionen für das Bleiberecht, 2008 in Paris, dass das gemeinsame euro-
tungen zusammengekommen und gestal- ist es gelungen, die Innenministerkonfe- päische Asylsystem „der ganzen Welt als
ten das Programm. Mit dabei sind der renz im November 2006 in Nürnberg zu Vorbild dienen“ könnte, wenn es tatsäch-
Düsseldorfer Appell, Gewerkschaften, einem ersten Schritt zu bewegen. lich den Schutz von Flüchtlingen garantie-
Volkshochschule, Polizei, Kirchen, Zakk, Die Innenminister haben sich zu einer re. Die Minister-Konferenz zu Asyl tagte
Ausländerbeirat, Diakonie, Caritas, Verei- Regelung durchgerungen, die aber leider

: antifaschistische nachrichten 20-2008 13


auf Einladung der französischen EU-Prä- werkschaft und Arbeitgeberverband durch Irakische Flüchtlinge:
sidentschaft. die Gründung von „Gemeinsam für Tole- Bundesregierung muss
Für Guterres sind die Bemühungen um ranz“ deutlich machen.
den Aufbau eines gemeinsamen europäi- Die Initiative fordert alle DemokratIn- handeln
schen Asylsystems ein „ehrgeiziges und nen dazu auf, sich gegen jede Form von Berlin. Die Frage der Aufnahme iraki-
beispielloses Unterfangen“ und eine „ein- Rassismus, Ausländerfeindlichkeit und scher Flüchtlinge duldet keinen Aufschub
zigartige Gelegenheit, den Flüchtlings- Rechtsextremismus wie gegen alle ande- mehr. Deutschland besitzt die nötige Infra-
schutz zu stärken“. Aufgrund der unzähli- ren Formen der Diskriminierung zu stel- struktur, um sehr kurzfristig die ersten
gen Hindernisse an den europäischen len. Politische Verantwortungsträger und Flüchtlinge aus den Nachbarstaaten des
Grenzen sähen sich viele Betroffene ge- alle BürgerInnen sollen „Gesicht zeigen“ Iraks aufzunehmen. Bundesinnenminister
zwungen, sich in die Hände von Schlep- für mehr Demokratie und Toleranz in Schäuble spricht nunmehr nur noch von
pern und Menschenschmugglern zu bege- Deutschland und Europa. 10.000 Aufnahmeplätze in der gesamten
ben. Über die Homepage werden Wege auf- EU, die irgendwann zur Verfügung gestellt
Über 80 Prozent der Flüchtlinge auf der gezeigt, wie ein tolerantes Miteinander in werden. Allein Deutschland wäre aus der
Welt haben mittlerweile in Entwicklungs- der Arbeitswelt möglich wird. Personalbü- Sicht von PRO ASYL in der Lage, sofort
ländern Zuflucht gefunden. „Europa“, so ros und Betriebsräte finden Unterstützung Flüchtlinge in dieser Größenordnung auf-
Guterres, „kann und muss mehr tun“. und Materialien, um vor Ort in den Betrie- zunehmen. Eine Aufnahmequote der 27
Weitere Informationen zum Thema ben ein Klima der Toleranz zu schaffen. EU-Mitgliedsstaaten von 10.000 Flücht-
Flüchtlingsschutz gibt es unter: Auf der Seite finden sich ebenso Hinter- lingen ist traurig und beschämend.
www.unhcr.de grundinformationen zu rechtem Denken, Das ständige Hinauszögern und das
Quelle: Publikation „Forum Migration rechten Codes und zu rechter Musik, wie Kleinreden der notwendigen Aufnahme-
Oktober 2008“ ■ beispielhafte Betriebsvereinbarungen und plätze muss aufhören. Humanität bedarf
Aufrufe, mit denen ein gleichberechtigtes keines Beschlusses aller EU-Innenminis-
Gemeinsam für Toleranz: Miteinander praktisch im Betrieb veran- ter. Dieser „Club der Unwilligen“ möchte
kert werden kann. weiterhin die millionenfache Flüchtlings-
NGG startet Initiative gegen Quelle: „Aktiv + Gleichberechtigt tragödie vor der eigenen Haustür aussit-
Rechts September 2008“ ■ zen. Das Gebot der Stunde ist, den vielen
Gemeinsam gegen Rechtsextremismus warmen Worten endlich Taten folgen zu
Farbe bekennen – dies ist das Ziel der Ini- Gesundheitliche Versorgung lassen. Bundesinnenminister Schäuble
tiative, die die Gewerkschaft Nahrung Ge- spricht seit Monaten von der notwendigen
nuss Gaststätten (NGG) zusammen mit von Asylbewerbern teilwei- Aufnahme besonders schutzbedürftiger
dem Arbeitgeberverband Nahrung und se katastrophal Flüchtlinge. Was hindert ihn und die Bun-
Genuss im Sommer startete. Hannover. Als verlogen hat die Fraktion desregierung, nun endlich ein Zeichen zu
Grund zum Handeln war die Einschät- DIE LINKE im Niedersächsischen Land- setzen und zu handeln?
zung, dass Rechtsextremismus und Funda- tag die Ankündigung von Integrationsmi- Das Bundesinnenministerium hat in sei-
mentalismus längst keine Randthemen nister Uwe Schünemann bezeichnet, sich nem Positionspapier im Frühsommer die
mehr sind, sondern sich auch in der Mitte für eine bessere Gesundheitsförderung Dramatik und die Notwendigkeit eines
der Gesellschaft finden. „Die Gewerk- von Migranten-Kindern einsetzen zu wol- großzügigen Aufnahmeprogramms hinrei-
schaft NGG und die Arbeitgebervereini- len. „Schünemanns Auffassungen haben chend beschrieben.
gung Nahrung und Genuss stellen gemein- mit der Realität nichts zu tun.“, sagt die in- Die katastrophalen Lebensbedingungen
sam besorgt fest, dass in Deutschland nenpolitische Sprecherin der Linksfrakti- für die über zwei Millionen Flüchtlinge in
Menschen zunehmend wegen Herkunft, on, Pia Zimmermann, heute (Freitag) in Syrien und Jordanien haben sich seitdem
Religion, Geschlechts oder sexueller Ori- Hannover. Die gesundheitliche Versor- nicht geändert – die Sicherheitslage im
entierung diskriminiert werden. gung von Asylbewerbern und illegal in Irak ist weiterhin alarmierend. Mehrere
Solche Diskriminierungen sind kein Deutschland lebenden Menschen sei kata- Hunderttausend Flüchtlinge sind Angehö-
Randproblem; sie sind weder jugendspezi- strophal und werde durch die Sonntagsre- rige religiöser Minderheiten, für die es auf
fisch noch regional auf Ostdeutschland be- den des Ministers nicht besser. unabsehbare Zeit keine Rückkehrmöglich-
grenzt. In einer Migrationsgesellschaft wie „Den Betroffenen wird eine optimale keit in den Irak gibt..
der deutschen, in einer Gesellschaft, in der Gesundheitsversorgung per Gesetz ver- Bis heute hat jedoch Deutschland dem
sich Werte schnell verändern, müssen die wehrt“, kritisiert Zimmermann. Im Asyl- UNHCR keinen einzigen Resettlement-
Menschen besonders tolerant miteinander bewerberleistungsgesetz sei geregelt, dass platz für irakische Flüchtlinge zur Verfü-
umgehen. Rassistische Äußerungen und sie nur dann behandelt werden, wenn sie gung gestellt.
Gewalttaten, so genannte Ausländerfeind- akut erkrankt sind oder Schmerzen haben. Die beiden großen Kirchen, Politikerin-
lichkeit und Rechtsextremismus haben Chronische Krankheiten blieben unbehan- nen und Politiker aus allen Parteien, viele
hier keinen Platz, wie sie auch nirgendwo delt, Zahnersatz erhielten die Betroffenen zivilgesellschaftliche Initiativen treten für
anders etwas zu suchen haben!“ so heißt es nur, wenn dies aus medizinischen Grün- die sofortige Installierung eines großzügi-
auf der Homepage der Initiative, www.ge- den unaufschiebbar sei. gen Flüchtlingsaufnahmeprogramms ein.
meinsam-fuer-toleranz.de. „Besonders zynisch sind deshalb Schü- PRO ASYL appelliert eindringlich an
Nicht nur Gesellschaften, sondern auch nemanns Zurechtweisungen an die Zuge- die Bundesregierung, als großes und ge-
Unternehmen werden internationaler. So wanderten, die Kinder haben. Der Integra- wichtiges Land in der EU unverzüglich
arbeiten in den Betrieben der Nahrungs- tionsminister hatte erklärt, Zuwanderer- mit der Umsetzung des eigenen Konzeptes
mittelbranche Menschen aus allen Län- Kinder litten überproportional oft an zu beginnen und irakische Flüchtlinge auf-
dern, unterschiedlicher Religionen, Frauen Übergewicht, weshalb deren Eltern eine zunehmen.
und Männer zusammen. Für eine solche besondere Verantwortung hätten“, sagt gez. Karl Kopp Europareferent
Zusammenarbeit sind gegenseitiger Res- Zimmermann. Notwendig sei vielmehr, Presseerklärung 25. September 2008
pekt und Toleranz notwendig. das Asylbewerberleistungsgesetz abzu- Pro Asyl - flucht@nds-fluerat.org ■
Auch in den Unternehmen der Ernäh- schaffen und alle Asylbewerber vollstän-
rungswirtschaft haben Rassismus, Sexis- dig gleich zu behandeln, betonte Zimmer-
mus und andere Formen der Diskriminie- mann.
rung nichts zu suchen. Dies wollen Ge- Quelle: linksfraktion-niedersachsen ■

14 :antifaschistische nachrichten 20-2008


: neuerscheinungen

„Es ging wie am


Schnürchen ...“
Das mörderische Finale des Zweiten Weltkrieges –
Blutorgie der Nazis
„Der deutsche Faschismus, sein der Untersuchung dann auch jenen zehn
unvermeidliches Ende vor Augen Massakern, die von der Gestapo und der
– auch wenn viele seiner Anhän- SS in der Zeit vom 8. März bis zum Ein-
ger es noch nicht wahrhaben wollten – treffen der Amerikaner am 12. April
verhielt sich wie ein tödlich verwunde- 1945 in Dortmund und der näheren Um-
tes Raubtier, das vor seinem Ende noch gebung verübt wurden. Dabei wurden
einmal mit voller Wucht um sich auf Anweisung aus dem Reichssicher-
schlägt“, konstatiert der Dortmunder heitshauptamt und konkretisiert durch
Journalist Ulrich Sander im Vorwort die- Befehle des zuständigen Gauleiters der 131 italienischen Militärinternierten am
ser Nachzeichnung der Blutspur, die das NSDAP Albert Hoffmann über 300 in- 23. April 1945 in Treuenbrietzen, die als
Regime in den letzten Tagen des Krieges und ausländische Gegner des Regimes Zwangsarbeiter in der dortigen Muniti-
quer durch Deutschland zog. Dabei er- aus den Haftanstalten, Zwangsarbeiter- onsfabrik arbeiten mussten.
hebt der Autor mit dieser auf 190 Seiten und Kriegsgefangenenlager geholt, im Das alles lief exakt nach den Plänen
gedrängten Chronik keinen Anspruch Rombergpark und in der Bittermark in der Reichsführung ab, die Propaganda-
auf Vollständigkeit bei der Darstellung Serie – „wie am Schnürchen“ – mit Ge- minister Josef Goebbels am 21. April
der Dimensionen dieser Orgie von Ge- nickschuss ermordet und in Bomben- 1945 in die Formel gekleidet hatte:
walt, des mörderischen Finales, dieses trichtern verscharrt. Ein Augenzeuge be- „Wenn wir abtreten, dann soll der Erd-
kaum zu erfassenden Blutrauschs wäh- richtet: „Den Männern waren die Hände kreis erzittern.“ So lautete denn auch
rend der letzten Kriegstage. Bestürzend mit Stacheldraht auf den Rücken gebun- eine „Geheime Reichssache vom 2. Ja-
zu lesen, wie die Maschinerie des Re- den, den Frauen und Mädchen, ebenfalls nuar 1945“, dass in allen sich zeigenden
gimes mit seinen Geburtshelfern und mit Stacheldraht gefesselt, waren die Fällen von Anzeichen einer umstürzleri-
Anhängern, „die es noch nicht wahrha- Hände auf den Leib gebunden.“ schen Tätigkeit „unter ausländischen
ben wollten“, bis zum bitteren Ende Sanders Anliegen ist es nachzuwei- Arbeitern und auch ehemaligen deut-
funktionierte. sen, dass es sich bei den Dortmunder schen Kommunisten ... sofort und brutal
Sander konstatiert über seinen For- Mordaktionen um keine Einzelfälle im zuzuschlagen“ sei. „Die Betreffenden
schungsgegenstand: „So grausig das „mörderischen Finale“ handelt. Zahlrei- sind zu vernichten.“
Thema ist, so unerschöpflich ist es.“ che Einzelforschungen und eigene, hier Zu vernichten waren durch „Abschie-
Was einer der Vollstrecker Jahre später in solcher Dichte erstmals zusammenge- bung in den Tod“ auch die Zwangsarbei-
im Dortmunder Rombergpark-Prozess fasste Recherchen führen den Leser an ter, die Auskunft geben konnten über
aussagte, galt für den Ablauf im ganzen rund 90 Tatorte von Kriegsendverbre- ihre Sklavenarbeit in den Rüstungsbe-
Restdeutschland „Es war wie ein Karus- chen. Die begangenen Untaten reichten trieben der deutschen Großindustrie.
sell, es ging wie am Schnürchen, es von der Ermordung des von den Ameri- „Aufgeräumt“ wurde in den Kriegsge-
klappte alles tadellos.“ kanern nach der Befreiung Aachens ein- fangenenlagern. Bis in die Tage des
Herausgeber dieses Buches ist das in gesetzten Oberbürgermeisters durch fa- April wurde in den Zuchthäusern, in den
Dortmund ansässige Internationale natische Mitglieder des „Werwolfs“ am Konzentrationslagern und in den Anstal-
Rombergparkkomitee, dessen Mitglied 25. März 1945 über die Massenexekuti- ten zur Vernichtung „lebensunwertes Le-
Sander, Bundessprecher der Vereinigung on von rund 1000 KZ-Häftlingen in ben“ gemordet. 8000 Soldaten wurden
der Verfolgten des Naziregimes (VVN- Isenschnibbe bei Gardelegen am 11. als Deserteure in den letzten Kriegsmo-
BdA), ist. So widmet sich ein Großteil April 1945 bis hin zur Erschießung von naten hingerichtet. Noch ist nicht genau
die Zahl der Männer und Frauen be-
kannt, die bei den Todesmärschen aus
Der Herausgabekreis und die Redaktion sind zu erreichen über:
GNN-Verlag, Venloer Str. 440, 50825 Köln Tel. 0221 / 21 16 58, Fax 0221 / 21 53 73. den Konzentrationslagern ums Leben
email: antifanachrichten@netcologne.de, Internet: http://www.antifaschistische-nachrichten.de kamen – vor Erschöpfung oder gezielt
Erscheint bei GNN, Verlagsges. m.b.H., Venloer Str. 440, 50825 Köln. V.i.S.d.P.: U. Bach von den Wachmannschaften getötet.
Redaktion: Für Schleswig-Holstein, Hamburg: W. Siede, erreichbar über GNN-Verlag, Neuer Kamp 25, Die Publikation überzeugt durch die
20359 Hamburg, Tel. 040 / 43 18 88 20. Für NRW, Hessen, Rheinland Pfalz, Saarland: U. Bach, Fülle der Zeitdokumente und Zeugen-
GNN-Verlag Köln. Baden-Württemberg und Bayern über GNN-Süd, Stubaier Str. 2, 70327 Stuttgart,
Tel. 0711 / 62 47 01. Für „Aus der faschistischen Presse“: J. Detjen c/o GNN Köln. aussagen und entsetzt bei der Lektüre
Erscheinungsweise: 14-täglich. Bezugspreis: Einzelheft 1,30 Euro. der Gerichtsurteile über die wenigen,
Bestellungen sind zu richten an: GNN-Verlag, Venloer Str. 440, 50825 Köln. Sonderbestellungen sind spät und milde oder gar nicht zur Verant-
möglich, Wiederverkäufer erhalten 30 % Rabatt. wortung gezogenen Täter, ganz zu
schweigen von den Auftraggebern in Po-
Die antifaschistischen Nachrichten beruhen vor allen Dingen auf Mitteilungen von Initiativen. Soweit ein-
zelne Artikel ausdrücklich in ihrer Herkunft gekennzeichnet sind, geben sie nicht unbedingt die Meinung litik und Wirtschaft.
der Redaktion wieder, die nicht alle bei ihr eingehenden Meldungen überprüfen kann. Hans Canjé ■
(Neues Deutschland vom 18.9.2008)
Herausgabekreis der Antifaschistischen Nachrichten: Anarchistische Gruppe/Rätekommunisten (AGR); Annelie
Buntenbach (Bündnis 90/Die Grünen); Rolf Burgard (VVN-BdA); Jörg Detjen (Verein für politische Bildung, linke Kritik und
Kommunikation); Martin Dietzsch; Regina Girod (VVN - Bund der Antifaschisten); Dr. Christel Hartinger (Friedenszentrum Ulrich Sander: Mörderisches Finale –
e.V., Leipzig); Hartmut-Meyer-Archiv bei der VVN - Bund der Antifaschisten NRW; Ulla Jelpke (MdB); Marion Bentin, NS-Verbrechen bei Kriegsende.
Edith Bergmann, Hannes Nuijen (Mitglieder des Vorstandes der Arbeitsgemeinschaft gegen Reaktion, Faschismus und Krieg
– Förderverein Antifaschistische Nachrichten); Kreisvereinigung Aachen VVN-BdA; Angelo Lucifero; Kai Metzner (minus- PapyRosa, Köln 2008. 190 S., br.,
kel screen partner); Bernhard Strasdeit; Volkmar Wölk. 14,90 EUR.

: antifaschistische nachrichten 20-2008 15


: aus der faschistischen presse
nehmungsfeld des Volkes geraten zu
können, erkennt aber durchaus an, in der
Nichtwählermobilisierung hinter den Er-
Bundespräsidentenwahl: sche, die schon Unsummen für die Viel- wartungen geblieben zu sein.“
Dr. Frey kandidiert nicht zahl jüdischer Einrichtungen auf deut- Zur Aufmunterung gratuliert Roßmül-
schem Boden zahlen müssen, sind verun- ler „unseren Kameraden in Brandenburg
Auf der Website der DVU wird eine Mel- sichert. Kritisieren ist – Antisemitismus- zu ihren kommunalpolitischen Erfolgen“
dung dementiert, wonach der DVU-Vor- und Ausländerfeindlichkeitsvorwürfe und verkündet die weitere kommunalpo-
sitzende Dr. Gerhard Frey der gemeinsa- sind garantiert – nur bedingt erlaubt.“ Es litische Verankerung der NPD in Bayern
me Kandidat von DVU und NPD zur gebe aber zwischen dem Islam und als jetzt wichtigstes Ziel.
Bundespräsidentenwahl sein werde. (Of- Deutschland keine Feindschaft, nur solle Quelle: npd-bayern
fensichtlich hat die Berliner Zeitung eine „Deutschland doch bitteschön ein deut-
Äußerung Holger Apfels von der NPD- sches und abendländisch geprägtes Land Voigt zum „Fall Kemna“
Fraktion Sachsen so interpretiert.) Das bleiben.“ Dass dann noch die Auswei-
treffe nicht zu, heißt es: „DVU und NPD sung krimineller Ausländer gefordert In einer langen Erklärung hat der Bun-
werden in der Bundesversammlung mit und der Beitritt der Türkei in die EU ab- desvorsitzende der NPD Udo Voigt zum
vier Mitgliedern vertreten sein. Die gelehnt wird, gehört zum ständigen Re- Fall Kemna Stellung genommen. Kem-
DVU- und NPD-Vertreter in der Bundes- pertoire des Blattes. u.b. na, langjähriger Bundesschatzmeister
versammlung werden auch einen eige- der NPD hatte am 12. September 2008
nen Kandidaten für das Amt des Bundes- Bayerische NPD nicht vor Gericht eingestanden, in den letzten
präsidenten nominieren.“ Die DVU- 3 ½ Jahren aus NPD-Kassen 741.000
Fraktionsvorsitzende im Landtag Bran- zufrieden Euro veruntreut zu haben. Er wurde zu
denburg, Liane Hesselbarth, habe die In einer Erklärung zum Ausgang der einer Haftstrafe von 32 Monaten verur-
Gespräche mit dem parteifreien Wunsch- Landtagswahl in Bayern schreibt Sascha teilt. Voigt, dem vorgeworfen wird, Kem-
kandidaten von DVU und NPD geführt Rossmüller, stellv. Landesvorsitzender na zu lange unterstützt zu haben, vertei-
und dieser habe sich einverstanden er- der NPD in Bayern, die CSU habe ihre digt sich: „Ich räume vorbehaltlos ein:
klärt. Wer dies sei, werde im ersten verdiente Strafe bekommen und werde Erwin Kemna genoß mein Vertrauen, das
Quartal 2009 bekannt gegeben. Es han- nach wie vor überbewertet. Die zu erwar- des Parteivorstandes und der Gesamtpar-
dele sich um einen Kandidaten, „der weit tende Koalition mit den Neoliberalisten tei, wie die großen Vertrauensbeweise
in das Lager der Etablierten einbrechen der FDP lasse „sozialpolitisch nichts Gu- auf Wahlparteitagen immer wieder zeig-
kann,“ verkündet Bruno Wetzel, stellv. tes erwarten“. „Leider haben sich aber ten. Angesichts der staatlichen Machen-
Bundesvorsitzender, vollmundig. Bleibt auch für die nationale Opposition die schaften bei der Patriotenverfolgung war
abzuwarten, wer da nominiert wird, der Hoffnungen nicht erfüllt,“ heißt es wei- es daher für uns zunächst selbstverständ-
„Einbruch“ wird sich wohl in Grenzen ter, „es zeigte sich einmal mehr, daß kon- lich, daß wir uns nach seiner Verhaftung
halten. Quelle: Website der DVU kurrierende Wahlantritte nationaler (Na- hinter ihn gestellt haben.“ Dieses Ver-
tionaldemokraten), rechtskonservativer trauen habe Kemna allerdings miss-
Islam: Was fürchten die (Republikaner) und landsmannschaft- braucht. Das Parteipräsidium habe daher
lich-konservativer Parteien (Bayernpar- die notwendigen Schritte eingeleitet, um
Deutschen? tei) ernstzunehmende Erfolge massiv er- evtl. noch bestehende Vermögenswerte
Nationalzeitung Nr. 39 vom 19.9.08 schweren.“ zu sichern. Der Aufforderung, aus der
In der Debatte um die angebliche „Isla- Die Wahlverweigerung weiter Kreise NPD auszutreten, sei Erwin Kemna am
misierung“ Deutschlands fährt die NaZe Unzufriedener stehe einer politischen 15. September nachgekommen. Inzwi-
ihren eigenen Kurs. Zum „Anti-Islami- Veränderung zusätzlich entgegen. Die schen sei eine Untersuchungskommissi-
sierungskongress“ gibt es keine Stel- NPD habe zwar – trotz kaum vorhande- on unter der Leitung von Hans-Joachim
lungnahme. Gero Hagen verweist auf die ner finanzieller Mittel – zeigen können, Voss aus Unna eingesetzt worden, „die
große Anzahl von Moscheen, die inzwi- „dass sie nicht mehr dem Null-Komma- sich neben der Klärung konkreter An-
schen in Deutschland vorhanden seien Ghetto angehört“ und werde „den An- sprüche auch mit Fragen beschäftigen
und für die der deutsche Steuerzahler spruch auf staatliche Mittel, den sie sich wird, warum die Kontrollmechanismen
nun auch noch einspringen müsse und erkämpfen konnte, als politischen Hebel nicht griffen und wie künftig wirksamere
versieht seine Kritik daran mit dem übli- einsetzen, um als politische Alternative Schutzmechanismen ähnliches aus-
chen antisemitischen Schwenk: „Deut- künftig noch mehr als bisher ins Wahr- schließen können.“ Voigt lehnt einen
Sonderparteitag bzw. seinen Rücktritt ab.
Wörtlich: „Ich bin fest entschlossen, der-
BESTELLUNG: Hiermit bestelle ich … Stück pro Ausgabe (Wiederverkäufer erhalten 30 % Rabatt)
gestalt Verantwortung zu übernehmen,
O Halbjahres-Abo, 13 Hefte 22 Euro
Erscheinungsweise: daß ich unsere NPD auch durch diese
O Förder-Abo, 13 Hefte 27 Euro
14-täglich Feuerprobe führen... werde.“ Er werde
O Jahres-Abo, 26 Hefte 44 Euro
dem Parteivorstand vorschlagen, „den
O Förder-Abo, 26 Hefte 54 Euro
O Schüler-Abo, 26 Hefte 28 Euro
nächsten Wahlparteitag von 2010 auf ei-
O Ich möchte Mitglied im Förderverein Antifaschistische Nachrichten werden. Der Verein unterstützt finanziell
nen zeitnahen Termin nach der Bundes-
und politisch die Herausgabe der Antifaschistischen Nachrichten (Mindestjahresbeitrag 30,- Euro). tagswahl im November 2009 vorzuzie-
Einzugsermächtigung: Hiermit ermächtige ich den GNN-Verlag widerruflich, den Rechnungsbetrag zu Lasten hen.“ Mit den zahlreichen Kommunal-
meines Kontos abzubuchen. (ansonsten gegen Rechnung) wahlen in Frühjahr/Frühsommer und den
am 30. August stattfindenden Landtags-
Name: Adresse: wahlen in Sachsen, Thüringen, Branden-
burg und im Saarland habe die NPD „die
Konto-Nr. / BLZ Genaue Bezeichnung des kontoführenden Kreditinstituts einmalige Chance, mit unserem Bünd-
nispartner weitere Parlamente zu erobern
Unterschrift
und vier Wochen später auch zur Bun-
GNN-Verlag, Venloer Str. 440, 50825 Köln, Tel. 0221 – 21 16 58, Fax 21 53 73, email: gnn-koeln@netcologne.de
Bankverbindung: Postbank Köln, BLZ 370 100 50, Kontonummer 10419507
destagswahl einen Paukenschlag zu set-
zen.“ Website NPD, Berlin, 17.9.08

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