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WINTER 06/07
ZEITUNG FÜR EINE
INTERVENTIONISTISCHE LINKE

Informationen rund um und gegen das G8-Treffen 2007 | Heiligendamm | BRD

Charme und Weltoffenheit

„Zu Wasser, in der Luft ... oder am liebsten


Herrschaft keine Ruhe gönnen
immer Russland“ soll ein hochrangiger
Statt Roter Zone globale Rebellion
Regierungsvertreter am Rande des letzten
Gipfels in St. Petersburg einem Journalisten
auf die Frage nach der besten G8-Location
geantwortet haben. Denn bei Putin lief es
wie geschmiert. Keine Kostendebatte, keine
Demonstrationsfreiheit, kaum Gipfelgeg-
nerInnen, viel Einschüchterung und nicht
wenige Festnahmen. Das war’s. Aber nicht
im nächsten Jahr. Das verdeutlichte die
zweite Aktionskonferenz in Rostock, auf der
sich über 400 TeilnehmerInnen auf einen um-
fassenden Protestfahrplan vor und während
der Gipfeltage 2007 verständigten. Damit
befassen sich auch die Polizeiapparate:
Heiligendamm wird in eine Hochsicher-
heitszone verwandelt. 13 km Stahlzaun
landwärts, dazu schwere Sicherheitsnetze
im Meer; geschätzte Gesamtkosten, inkl.
15.000 PolizistInnen: 100 Mio. Euro. Viel
Geld in Zeiten einer „Unterschichten“-
Debatte, Mehrwertsteuererhöhung und
Studiengebühren. Das weiß auch BKA-Chef
Jörg Ziercke. Deshalb drohte er auf einer
Sonderpressekonferenz, gut getimed zum
Gipfelkostenstreit, nicht allein mit der Anrei-
se einer „gewalttätigen“ Protestbewegung,
sondern auch möglicher „islamistischer Das Campinski-Camp 2006 vor dem Grandhotel: Ohne Warm up, kein Workout...
Terroristen“, sozusagen den Schlangen im
imperialen Paradies. BKA und Bundespolizei
wollen mal wieder die Bewegungsfreiheit Juni 2007. Ein unüberseh- mit den Widerständen gegen militärische „zivilisierten Welt“ zu sein, ist die von der Ya basta! –
einschränken: No-Go-Zonen vor dem Zaun, barer Zug von Demonstrant- Interventionen ebenso wie mit denen G8 dominierte Welt eine Welt der Kriege, gemeinsam und solidarisch
vorbeugende Festnahmen an Grenzen und Innen aus ganz Europa zieht aus gegen die alltägliche Verschärfung der der Armut und des Elends, des weltweiten Wir wissen, eine gesellschaftliche
Wohnorten, (Ein-)Reiseverbote. Schneidig Protest gegen das Gipfeltreffen der G8- Ausbeutungs- und Arbeitsregime. Wo Angriffs auf soziale und demokratische Alternative kommt nicht durch links-
sekundierte der Rostocker Polizeiführer Knut Staaten durch die Straßen von Rostock. diese Kämpfe sich kreuzen, wird überall, Rechte, der fortwährenden Umweltzer- radikale Rhetorik in Bewegung, sondern
Abramowski: das Demonstrationsrecht sei Zehntausende begrüßen die Regierungs- wenn auch nicht ohne Widersprüche, der störung und einer Politik der Entrechtung braucht die praktische Verbindung der
der „Sicherheit der Staatsgäste“ nachge- chefs bereits auf dem Rollfeld des Flugha- Anspruch auf die Unentgeltlichkeit des und der Folter. Kämpfe. Dass dies weder die eine noch
ordnet, „Blockaden“ seien „Terrorismus“ fens und blockieren den noblen Tagungsort Lebens erhoben, der sich materiell in ei- Wir sprechen der G8 entschieden das die andere Strömung alleine schafft, davon
und würden „konsequent abgeräumt“. Heiligendamm. Immer wieder stören ein- nem bedingungslosen Existenzgeld für alle Recht ab, Entscheidungen über unsere gehen wir aus. Wir wollen vor, während
Trotz diesem wenig Heiterkeit versprühenden fallsreiche Aktionen den Ablauf des Tref- konkretisiert. Lebenswirklichkeit zu treffen, und verwei- und nach Rostock mit den AktivistInnen
Szenario setzt die Gastgeberin weiterhin fens. Im Fokus der Öffentlichkeit stehen gern uns dem Dialog, auch wenn die G8 der Sozialproteste, der Umwelt-, Friedens-
auf einen Gipfel mit „Charme und Welt- nicht die Verlautbarungen der Mächtigen, Mit der G8 kann es tatsächlich Legitimität erwerben konnte. und globalisierungskritischen Bewegung,
offenheit“ (Merkel). Die Bundesregierung sondern die Vielfalt des Protestes und des keinen Dialog geben Wenn die G8 versprechen, Weltordnung aus der linken Gewerkschafts- und Men-
will zudem das „soziale Gesicht der Widerstands … In der Radikalisierung und Ausweitung zu schaffen und zu sichern, fällt ihnen schenrechtsarbeit, der Selbstorganisation
Globalisierung“ präsentieren, nicht zuletzt So oder so ähnlich könnten die Mel- all dieser Initiativen wird sich letztendlich Anerkennung auch deshalb zu, weil welt- der MigrantInnen und den traditionellen,
um den globalen Kapitalismus im öffent- dungen über die Aktionswoche gegen den auch die Frage nach einem Bruch mit dem weit wirklich Millionen von Unsicherheit alternativen und militanten Strömungen
lichen Diskurs endlich mal wieder von G8-Gipfel im nächsten Jahr aussehen. Dass klassenherrschaftlichen, patriarchalen, ras- bedroht werden. Gerade deswegen ist ein der Linken zusammenarbeiten und sie
seinem Negativimage zu befreien. Auch die es so kommt, ist nicht so abwegig, wie es sistischen und imperial(istisch)en System Ziel der Mobilisierung, die Legitimität der untereinander in Kommunikation brin-
lokale Wirtschaft träumt von der großen, manchen auf den ersten Blick erscheinen und die Eigentumsfrage neu stellen. Denn G8 in Frage zu stellen, sie zu untergraben gen. Wie weit das gelingt, liegt zuerst im
weiten Welt: Die Strandstraßencafés sollen mag. Denn die Chance auf ein solches noch immer ist die Welt nichts anderes und letztlich zu zerstören. solidarischen Verhältnis aller Beteiligten
in Gipfeltagen bis 22 Uhr öffnen und be- Szenario geht auf die Proteste in Seattle, als das, was die Geschichte der sozialen Deswegen müssen wir Antworten zueinander, der Verlässlichkeit der Über-
sonders kühne Visionäre der Arbeitsagentur Prag, Genua und Florenz zurück und ist Kämpfe aus ihr machen wird. auf die globale Verunsicherung des Über- einkunft, der gegenseitigen Akzeptanz und
Rostock möchten Hartz-IV-EmpfängerInnen praktisches Resultat der Debatten der Sozi- Wo auch immer die RepräsentantInnen lebens und Antworten auf den alltäglichen Respektierung unterschiedlicher Aktions-
mit Englisch- und Benimmkursen für Ein- alforen, der globalisierungskritischen und kapitalistischer Globalisierung zusammen Zwang zur Konkurrenz finden. Das kön- und Ausdrucksformen.
Euro-Dienste am globalen Kunden schulen. radikalen Linken in Deutschland, in Euro- kommen, ob in der Welthandelsorganisa- nen nur andere Antworten sein als die des Die Interventionistische Linke sucht
Einzig das Doberaner Krankenhaus zeigte pa und weltweit. In ihr kommt zusammen, tion (WTO), dem Internationalen Wäh- neoliberalen Diskurses. Und, da sind wir die solidarische Aktion des gemeinsamen
sich bislang mitfühlend für die kommenden was in zahllosen lokalen Kämpfen weltweit rungsfonds (IWF), der Weltbank oder der uns sicher, auch andere als die bisherigen Ya Basta! Es reicht! Wir beteiligen uns an
Nöte des Massenprotestes. Natürlich werde ausgefochten wird. G8, längst sind die Akteure einer neuen Antworten der historischen Linken und überregionalen wie lokalen Bündnissen und
das Krankenhaus personell aufgestockt, Die Mobilisierung gegen den G8-2007 globalen Widerstandsbewegung vor Ort der historischen sozialen Bewegungen. Netzwerken, um nach Rostock und Heili-
so ein Sprecher, man gehe aber weniger knüpft an Erfahrungen an, die während und zeigen den VerfechterInnen der neo- Keine Frage, klassenspezifische Ausbeu- gendamm zu mobilisieren, um die lokalen
davon aus, dass viele Verletzte nach vergangener Gipfelproteste, aber auch in liberalen Wirtschaftsordnung entschieden tung, patriarchale oder rassistische Herr- Auseinandersetzungen mit den globalen
gewalttätigen Auseinandersetzungen in die anderen Kämpfen wie jüngst in Oaxaca die Zähne. Nicht anders soll und wird es schaft dauern dramatisch an. Aber die Kämpfen zu verbinden. Deshalb beteiligen
Klinik kämen, sondern solche mit Magen- gewonnen wurden. In diesen Erfahrungen im Juni 2007 an der Ostsee sein, wenn in ausgebeuteten Klassen sind in eine hoch- wir uns an allen Demonstrationen, Akti-
Darm-Erkrankungen auf Grund überfüllter gründen Initiativen, die der systematischen Heiligendamm die Regierungsspitzen der gradig ausdifferenzierte Hierarchie der onstagen und Gegenaktivitäten während
Zeltplätze und Camps. Charmant klingt Entrechtung eine Globalisierung sozialer, acht mächtigsten Industriestaaten der Erde Prekarisierung aufgelöst und „Differenz“ des Gipfels. Wir wollen die Ankunft der acht
das alles nicht. Aber die schönsten Partys kultureller, ökonomischer und politischer zusammenkommen. und „Subjektivität“ wurden zu Kampf- Staats- und Regierungschefs genauso stören
sind bekanntermaßen immer noch die, bei Rechte als WeltbürgerInnenrechte entge- Denn während diese Treffen bean- begriffen des neoliberalen Kommandos und blockieren wie das Treffen der G8 im
denen wir ungebeten das Buffet abräumen. gensetzen. Diese Initiativen berühren sich spruchen, die legitime Vertretung der umfunktioniert. Kempinski. u
Die Redaktion

trationen & Aktionstage, Camps Spendet zahlreich und großzügig


5 Auch wenn wir
das abschaffen wollen:
Treffen & Konferenzen, Demons
& Kultur, Blockaden & Sit-Ins, Agi
tation & Aufklärung, Rechts- &
das und noch viel mehr berei-
für die G8-Mobilisierung.
Konto: Libertad!
7
Erste Hilfe, Essen & Trinken – all pf
Ohne Moos nix los! chert unser Leben, macht den
Herrschenden hoffentlich Dam
zt
KTO: 8 020 068 500
aftsbank
h an unseren Nerven und stür BLZ: 430 609 67 / GLS-Gemeinsch
unterm Hintern, zerrt aber auc
4 uns in den Bankrott. Stichwort: no-G8
G8-Xtra | Nr. 03 | WINTER 2006/2007 Für eine interventionistische Linke

Soziale Bewegungen
lassen sich nicht simulieren
Klasse ist durch Klassenkampf bestimmt, oder:
Warum die Linke die G8-Mobilisierung auch als Chance
der eigenen Vergesellschaftung begreifen sollte.

Globalisierung, weltweiter bindung von globalisierungskritischer Ak- Unterschicht“ oder das Entsetzen über Kie- politischen Auseinandersetzung. Allzu oft
Kapitalismus, entfesselte tion und Kampagne mit konkreten sozialen ze, die sich gegen Polizeiübergriffe wehren, scheinen diese Konflikte und ihre Akteure
Märkte – das alles fällt nicht vom Bewegungen. In Seattle war der militante zeigen, dass die Herrschenden durchaus für die Linke ein ähnlich fremdes Terrain
Den Überschuss Himmel. Hunger, Elend, Massenerwerbs-
losigkeit sind keine Naturgewalten und
Straßenprotest zum Ausdruck eines weit
verzweigten Netzwerkes von Dritte-Welt-
eine Ahnung von der politischen und sozi-
alen Instabilität im Lande haben.
zu sein wie für die Herrschenden. Das ist
umso erstaunlicher, weil der innerlinke
der Kämpfe unterliegen auch keiner irgendwie gearte-
ten Naturgesetzlichkeit, wie es die Ideolo-
Initiativen, Menschenrechtsorganisationen
und kämpferischen Gewerkschaftslocals Sozialer Entpolitisierung
Diskurs über prekäre Arbeits- und Le-
bensverhältnisse gerade durch die prakti-

freisetzen gInnen des Marktes gerne behaupten.


Hinter dem Imperialismus, hinter der
geworden. In Genua war es vor allem die
wirre Einheit von Sozialforumsbewegung,
entgegen treten
Im Zusammenhang mit der G8-Mo-
sche Selbstreflexion der eigenen prekären
Arbeits- und Lebensverhältnisse an neuer
weltweiten Organisation von Krieg, Privati- militanten Basisgewerkschaften, Teilen bilisierung wird es für die Linke sicherlich politischer Schubkraft gewinnen könnte.
sierung, Ausbeutung und Profit stehen po- einer sich öffnenden traditionellen Arbei- nicht darum gehen, soziale Bewegungen zu
Vom Einsatz linker Interven-
litische Strukturen, Macht, Interessen und terInnenbewegung und (post-)autonomen „erfinden“. Wohl aber wird es darum gehen, Heiligendamm zum
tionen in soziale Bewegung Personen. Es sind multinationale Institu- Disobbidienti, die den Gipfelprotest zu ob sich die GipfelstürmerInnen im Vorfeld Kristallisationspunkt machen
tionen und politische Entscheidungs- mehr gemacht hat als zu einer erneuten von Heiligendamm und vor allem im Nach- Es wird in Heiligendamm nicht darauf
gremien wie der Internationale Wäh- Ohnmachtserfahrung angesichts des poli- hinein auf die sozialen Konflikte beziehen ankommen, soziale Bewegungen zu simu-
Mit ihren Richtungsforderungen benennt rungsfond (IWF) und die Weltbank, die zeilichen Massakers. oder nicht. Eine solche Bezugnahme drückt lieren oder – noch schlimmer – sich selbst
die Interventionistische Linke weder tages- Welthandelsorganisation (WTO) und die Die politische Qualität der G8-Mobili- sich dabei nicht so sehr in der viel beschwo- als Speerspitze einer solchen Bewegung
politische Reformen noch Etappenziele G8, die die Armut der Völker organisieren sierung nach Heiligendamm wird sich folg- renen und – zumindest in diesem Zusam- selbst zu inszenieren. Für eine Linke, die
eines „Übergangs zum Sozialismus“. Statt und die Zurichtung der Welt nach den Ver- lich daran entscheiden, inwieweit es gelingt, menhang – überbewerteten Frage nach in den offenen wie untergründigen
dessen versuchen wir, den inneren „drive“ wertungsbedürfnissen des Kapitals planen. den Gipfelprotest zu einer Manifestation der Bündnispolitik mit Gewerkschaften, sozialen Konflikten und in all ihren
und darin die Autonomie der konkreten sozialen Protestes und sozialer Bewegun- politischen Parteien oder attac aus. Bedeut- widersprüchlichen Verlaufsformen den
Kämpfe auf den Punkt zu bringen. Deshalb Entscheidend ist die Verbindung gen zu machen. Das ist im Deutschland der samer wären da schon das Bündnis und die Ansatzpunkt wie das Potenzial für jede
ist – ein Beispiel nur – nichts so öde wie mit konkreten Bewegungen Jahre 2006/2007 sicherlich kein einfaches Mobilisierung in linksgewerkschaftliche Form revolutionärer Gesellschaftsverän-
die marxologische Ermahnung, nach der Proteste gegen Gipfeltreffen wie den Unterfangen, denn soziale Widerständigkeit oder gewerkschaftsunabhängige Betriebs- derung sieht, wird es jedoch darauf
die Einforderung eines bedingungslosen G8 in Heiligendamm haben deshalb im- artikuliert sich zur Zeit allerhöchsten unter- gruppen, die z.B. die Arbeitskämpfe der ankommen, diesen Konflikten in und
Existenzgelds unter kapitalistischen mer einen erheblichen – und wichtigen gründig. Die Streiks und Betriebsproteste letzten Jahre tatsächlich getragen haben. um Heiligendamm zum Ausdruck zu
Bedingungen am Sachverhalt der ausbeu- – Symbolgehalt: Sie demonstrieren, dass es bei DaimlerChrysler oder Opel sind genau- Für die Bezugnahme auf soziale Konflikte verhelfen. Dies ist sicher nicht ein-
terischen Mehrwertabschöpfung vorbei immer noch ein Bewusstsein davon gibt, so vorbei wie die Anti-Hartz-Bewegung bedeutsam wäre die Mobilisierung von fach, aber auch nicht unmöglich;
gehe und deshalb entweder „system- mit welchen Leichenbergen, mit welcher mit den großen Massendemonstrationen AktivistInnen des Gate-Gourmet-Streiks immerhin hat es in den letzten Jahren einige
dysfunktional“ oder „systemimmanent“ Gewalt und mit welcher Zerstörung von im November 2003 und April 2004 und und der Ein-Euro-Spaziergänge oder von Versuche gegeben, sich im Terrain der sozi-
sei. Brav nachgelesen, nix kapiert. Mensch und Natur die kapitalistische den Montagsdemos des Sommers 2004. den Jugendlichen und Szenen, die in Köln alen Konflikte zu verhalten, etwa die Kam-
Uns interessiert das Potenzial eines Inwertsetzung verbunden ist. Doch die Doch auch wenn sich soziale Bewegungen monatelang einen ganzen Häuserkomplex pagne Agenturschluss, die Mobilisierungen
Kampfes, der von seinen AktivistInnen aus Geschichte dieser Proteste zeigt auch, dass nicht auf der Straße artikulieren – die besetzt haben oder in Berlin auf die Polizei zum Euromayday, die Konferenz „Die
ganz verschiedenen Motiven geführt wird. in ihnen nur höchst selten Momente von soziale Konfliktualität ist nicht stillgelegt, losgegangen sind, als diese ihre Kumpels Kosten rebellieren“, ganz zu schweigen
Im Fall des Existenzgelds reicht das von Widerstand oder gar von antikapitali- weder in den Betrieben und Büros, noch verhaften wollte. von den GenossInnen, die in der Solidari-
Erwerbslosen, die sich gegen das Elend der stischer Gegenmacht virulent wurden. auf den Ämtern und in den Institutionen Dass eine solche Form von Bündnis tätsarbeit zu Gate Gourmet und anderen
„Arbeitslosenunterstützung“ wehren, bis zu Dabei ist es nicht in erster Linie das Aus- des aktivierenden Sozialstaates: Streiks bei und Mobilisierung so seltsam unrealistisch Streikbewegungen aktiv waren, sich in
Leuten religiösen Hintergrunds, für die das maß der (Straßen-)Militanz, an dem sich Gate Gourmet, AEG, Bosch-Siemens, in und utopisch klingt, liegt nicht zuletzt auch Initiativen gegen kommunale Privatisie-
Existenzgeld die christliche Familie mit der der Umschlag vom Protest zum Widerstand den Krankenhäusern und im Öffentlichen an der eigenen sozialen Entpolitisierung rungsprojekte engagiert haben oder wo-
Geschlechteremanzipation zusammenbringt. zeigt. Es ist noch nicht einmal das Aus- Dienst; die stille Verweigerung gegenüber der radikalen Linken in Deutschland. Im- möglich im letzten Streik des Öffentlichen
„Linksradikal“ ist beides nicht. Doch trägt maß, in dem es gelingt, den reibungslosen Ein-Euro-Zwangsdiensten, Hausbesuchen mer noch spricht man hier eher von Inter- Dienstes mitgestreikt haben. Doch so oder
der aus solchen Motiven geführte Kampf Gipfelablauf zu stören. und Räumungsdrohungen, und nicht vention in soziale Bewegungen als davon, so: Ob und inwieweit der G8-Gipfel zum
mehr in sich als von seinen AktivistInnen Der entscheidende Moment, der z.B. zuletzt der zunehmende, wenn auch oft selbst Teil der sozialen Konfliktualität in Bezugs- oder gar zum Kristallisationspunkt
augenblicklich gewollt wird. Das liegt nicht die Protestaktionen von Seattle und Genua dumpf-ohnmächtige Frust über ein po- diesem Land zu sein. Für viele von uns sind der Klassenauseinandersetzungen hier
an der „Rückständigkeit“ der AktivistInnen, so herausragen lässt, ist litisches System, das die Reichen reicher die vielfältigen sozialen Konfliktlinien, die zu Lande gemacht werden kann, ist auch
die deshalb linker Belehrung bedürftig vielmehr die Ver- und die Armen ärmer macht. Das ja auch unseren eigenen Alltag von Arbeit, ein Maßstab für die momentane tatsäch-
wären: Die politisch, d.h. jeweils für alle Lamento der politischen Klasse Erwerbslosigkeit und sozialer Reproduk- liche sozialrevolutionäre Bedeutung der
eingeforderte Verbesserung beschissener und ihrer Medien über „die tion durchziehen, kein Gegenstand der radikalen Linken. u
Lebenslagen ist das materialistische
A und O jeder Widerständigkeit. Wenn
der innere „drive“ der Kämpfe noch auf
seinen jeweiligen Punkt gebracht werden
muss, liegt das daran, dass die Autonomie
einer sozialen Bewegung keine Eigen-
schaft der Subjekte ist, die sie bilden.

Wer oder was ist eigentlich „autonom“


Wenn wir von der „Autonomie der Mig-
ration“ reden, sagen wir nicht – was eine
fahrlässige Mystifikation wäre – dass Mig-
rantInnen autonome Subjekte seien. Benannt
wird statt dessen, dass die Bewegung der
Migration die wirkliche Gegenmacht zum
herrschenden Migrationsregime bildet und
in diesem Sinn autonom ist. Ausgesprochen
wird diese Autonomie im Überschuss der
konkreten Forderung, den die Richtungs-
forderung auf den Punkt bringt. Im Streit für
ein Recht auf Legalisierung des Aufenthalts
geht es um globale Bewegungsfreiheit und
gleiche Rechte für alle an jedem Ort. In der
Existenzgeldforderung liegt der Überschuss
im Vorgriff auf die Unentgeltlichkeit des Le-
bens. Im Kampf um Schuldenstreichung und
für Reparationszahlungen infolge kolonialer
bzw. imperialistischer Ausbeutung ist dies die
Umkehr der Ressourcenströme zwischen Nord
und Süd. Die Widerstände gegen Atomkraft-
werke, die Bundeswehr oder die Gentechnik
bewegen sich ihrer Richtung nach auf die
Abschaffung aller Destruktivtechnologien zu.
Wir können uns die Kämpfe und Bewegungen
nicht backen, in die wir eingreifen. Doch
können wir, und das ist die linke Interven-
tion, die Autonomie zu Wort bringen, die
dort ihren Ausdruck sucht. Zuletzt hängt
alles daran, die Richtungsforderungen
zusammenzudenken und derart die
Deutsche Schildbürgerkommunikation:
Kämpfe in Kommunikation zu bringen.
International verständliche Piktogramme in Reihe und Glied angeordnet.
Die Redaktion

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Für eine interventionistische Linke G8-Xtra | Nr. 03 | WINTER 2006/2007

Aktionsfahrplan
Heiligendamm

Der innere und Freitag · 1. Juni 2007

äußere Arm der Macht


„Vorläufige Neubesiedlung“ des geplanten
Bombenabwurfgeländes „Bombodrom“
in Kyritzer-Neuruppiner Heide; Camp und
Start der Karawane nach Heiligendamm.

Krieg ist heute eine Form der Herrschaft, die nicht allein auf Bevölkerungskontrolle zielt,
sondern darauf, alle Aspekte des gesellschaftlichen Lebens zu durchdringen.
Samstag · 2. Juni 2007
Internationale Großdemonstration
in Rostock.

„Wer gefoltert wurde, Über fünf Jahre dauert der so genannte schung von Menschen – in der Folter ist
bleibt gefoltert“, schrieb der Krieg gegen den Terror schon an. Dieser das konkret und unmittelbar. Sie mani-
österreichische Schriftsteller Jean Krieg ist weder zeitlich noch räumlich festiert die gewaltsame Dimension der
Amery 1965 in seinem Essay „Die Tor- begrenzt. Denn der moderne Krieg ist Macht und zielt darauf ab, den Willen Sonntag · 3. Juni 2007
tur“: „Unauslöschlich ist die Folter in ihn ein permanenter Ausnahmezustand, der eines Menschen zu brechen. Folter soll die Aktionstag Landwirtschaft.
eingeschrieben, auch dann, wenn keine unterschiedliche Erscheinungsformen an- herrschenden Verhältnisse stabilisieren, Netzwerktreffen und Internationale
klinisch objektiven Spuren nachzuweisen nehmen kann – vom direkten Angriffskrieg oppositionelle Bewegungen abschrecken Auftaktveranstaltung in Rostock.
sind (...) Wer der Folter erlag, kann nicht oder gezielten Bombardements über Besat- sowie die Gesellschaft disziplinieren und
mehr heimisch werden in der Welt.“ Heute zungszonen, militarisierte Protektorate bis autoritär organisieren.
werden wieder im Namen der Zivilisation, hin zu Kriegsökonomien regionaler Raub- Mitwissende werden zu Mittätern.
der Menschenrechte und der Freiheit des eliten im organisierten Zusammenspiel mit Die Verteidigung der westlichen Lebens-
Marktes Kriege geführt, Menschen gefol- den ManagerInnen westlicher Konzerne. form fordert diesen Preis. Wer nicht da- Montag · 4. Juni 2007
tert und ein globaler Ausnahmezustand Dieser Dauerkriegszustand führt welt- gegen ist, ist dafür. Und dagegen zu sein, Aktionstag Migration mit Aktionen an
legitimiert. Im Namen der Menschenrechte weit zu einer zunehmenden Militarisierung beinhaltet auch die fundamentale Kritik an Lagern und vor Ausländerbehörden
werden die Menschenrechte abgeschafft. der Gesellschaften und zur Durchsetzung einer Lebensweise, die mit Folter und Krieg sowie eine Demonstration in der
Der Ausnahmezustand erweist sich, wie Gi- autoritärer Kontrollmechanismen: Die leben kann. Denn nur noch oberfläch- Rostocker Innenstadt und einem
orgio Agamben schreibt, „in der Politik der verschärfte Polarisierung soll die Akzep- lich verdeckt die behauptete Normalität abendlichen Migrationspanel.
Gegenwart immer mehr als das herrschende tanz für militärische und polizeiliche „Lö- kolonialistisches Denken. Die Recht-
Paradigma des Regierens“. Dieser Ausnah- sungen“ durchsetzen. Diese Entwicklung fertigung für den „Anti-Terror-Krieg“ und
mezustand ist von den Machthabern der greift emanzipative Prozesse der sozialen die Folter produzieren dabei nicht die
G8-Staaten geschaffen, gewollt und längst Selbstorganisation gegen die herrschenden Regierungen, sondern diejenigen, die sie
Teil der demokratischen Praxis. Verhältnisse direkt an, fördert die Verinner- zulassen. Dienstag · 5. Juni 2007
Der globale Krieg bestimmt die Weltin- lichung eines repressiven Politikverständ- Aktionstag gegen Militarismus, Krieg,
nenpolitik, um die vielfältigen sozialen und nisses in der jeweiligen Bevölkerung und Kollektive Aneignung Folter und den globalen Ausnahmezustand.
politischen Krisen in den Griff zu bekom- eskaliert ein Ein- und Ausschluss-Prinzip radikaler Alternativen Blockade des Flughafen Rostock-
men oder zumindest zu verwalten – nicht nach rassistischen, kulturalistischen und Der globale Krieg und der permanente Laage, um die anreisenden Staats- und
umsonst nennen die militärstrategischen patriarchalen Strukturen. Sexualisierte Ausnahmezustand machen die Lebensbe- Regierungschefs gebührend zu begrüßen.
Richtlinien der Bundeswehr und der NATO Gewalt, die in den Folterszenen von Abu dingungen der Menschen zu einer äußeren
die Sicherung der Rohstoff- und Handels- Ghraib real praktiziert oder in den Bildern Angelegenheit und die Betroffenen zu
wege weltweit als strategische Ziele. Es ist der deutschen Gebirgsjäger in Afghanistan Objekten entgarantierter und unsicherer
auch kein Widerspruch, dass der Ex-Kanzler inszeniert wurde, bestätigen die struktu- Verhältnisse. Aber ist nicht genau das der
Gerhard Schröder seinen Geschäftsfreund relle Logik dieser Entwicklung. Zweck des nicht-enden-dürfenden „Anti- Dienstag · 5. Juni 2007 –
Wladimir Putin nach wie vor für einen „lu- Terror-Krieges“? Weltweit werden soziale Donnerstag · 7. Juni 2007
penreinen Demokraten“ hält, während die Autoritäre Formierung Sicherheiten abgebaut und immer größere Alternativ (Gegen-) Gipfel zum G8-Treffen
schärfste Kritikerin der russischen Tschet- der Gesellschaft – weltweit Teile der Bevölkerungen können an den in Rostock und in dessen Rahmen einzelne
chenienpolitik in Moskau hingerichtet wur- Für eine Linke, die global denkt und produzierten Reichtümern nicht mehr Veranstaltungen auf dem Protestcamp.
de und Deutschland mit Russland an einer den Anspruch auf eine radikale Alternative teilnehmen. Kapitalistische Globalisierung
gemeinsamen energiepolitischen Strategie wieder zur sozialen Realität ihrer Kämpfe bedeutet nichts anderes als Fragmentie-
arbeitet: Es gibt in der neuen Weltordnung machen will, muss das auch die Konsequenz rung und soziale Ausgrenzung. Dafür
keinen Friedenszustand mehr, der ohne haben, sich mit der reaktionären Instru- sorgen Mauern und Grenzzäune, um die
Krieg auskommt: Krieg ist Frieden! mentalisierung der globalen Konflikte und „Verdammten dieser Erde“ von der Flucht
Krisen auseinander zu setzen: Wie die Rea- in die Wohlstandsinseln abzuhalten, ein Mittwoch · 6. Juni 2007
Der moderne Krieg ist lität der öffentlich verhandelten Folter, die weltweites Lagerregime gegen Migrations- „Block G8“, Blockaden der Gipfel-
ein permanenter Ausnahmezustand militärische Unterdrückung in (NATO-) bewegungen und die Einteilung in Men- infrastruktur als Aktionen Zivilen
„Wir müssen begreifen, dass sich der Besatzungszonen und die Bombardements schen mit und ohne Grundrechte. Ungehorsams und weitere Aktionen
Krieg verändert hat. Er ist heute kein Staats- der westlichen Staaten, nehmen auch die In der Mobilisierung gegen den G8 im Umfeld von Heiligendamm.
akt mehr, um einen Sieg herbeizuführen“, Selbstmordattentate und weltweiten Ter- in Heiligendamm geht es deshalb um die
konstatiert Rupert Smith, ehemaliger Vize- roranschläge die jeweilige Zivilbevölkerung kollektive Wiederaneignung einer radi-
Oberbefehlshaber der NATO im Oktober des angeblichen Gegners (aber auch die kalen Alternative: Fangen wir gemeinsam
2005. Man müsse sich davon verabschie- eigene) als Geisel. Die militaristische Logik mit Zehntausenden und weltweit sichtbar
den, dass auf Krieg Frieden, auf Frieden dieser Politik ist das Massaker. damit an, soziale Strukturen aufzubauen,
eine Krise und dann wieder Krieg folgen: Folter ist Krieg gegen die Gesellschaft. die sich der militaristischen Logik des Donnerstag · 7. Juni 2007
„Wir leben heute nicht mehr in diesem li- Denn Folter ist eine Waffe, die nicht nur permanenten Ausnahmezustands und der Sternmarsch nach Heiligendamm von
nearen Prozess.“ Der globale Krieg ist zum bei den gefolterten Menschen Schmerz, Normierung unserer Körper für Krieg Nienhagen, Kühlungsborn, Bad Doberan und
Dauerzustand geworden: Er dient der Ab- Hoffnungslosigkeit und Ohnmacht erzeu- und Ausbeutung widersetzen. Zu zeigen, Kröpelin mit Demonstrationen und Blocka-
sicherung des Weltmarkts und der damit gen soll. Ausgeliefert in der Gefangenschaft dass gemeinsames Handeln möglich und den „Block G8“.
verbundenen „westlichen Lebensweise“ steht der Staat dem Menschen in voller konkrete Interventionen, wie die Blockade Anschließend „Music and Message“,
in den Wohlstandsinseln im Norden und Machtentfaltung gegenüber. Gefangene des Flughafens und des Gipfels, erfolgreich Konzert von Herbert Grönemeyer
Süden – dem größten Teil der Menschheit zum Sprechen zu zwingen und Geständ- sind, machen Mut und Hoffnung – uns, und anderen KünstlerInnen in
jedoch kann dieses System keine Entwick- nisse zu produzieren, ist nur eine Funktion und hoffentlich Millionen Menschen auf der Nähe der Roten Zone.
lungsperspektive mehr bieten. von Folter. Letztlich geht es um die Beherr- der ganzen Welt. u

Christliches:
Auf zum G8-Treffen
BefreiungstheologInnen für eindeutige Positionierung
gegen die Politik der Reichen

Zur Teilnahme an den in dem Aufruf: „Beteiligt euch aktiv an Pro-


Aktivitäten gegen den G8- testen, zum Beispiel gegen den G8-Gipfel,
Gipfel 2007 rufen ChristInnen der nächstes Jahr vor eurer Haustür statt-
verschiedener Länder auf – vor allem aus findet! Bezieht eindeutig Position gegen
dem „Süden“. Bisher wurde der Text von die Politik der Reichen und Mächtigen, die
ca. 40 teils namhaften Befreiungstheolo- – zum Beispiel durch die G8 – ihre Interes-
gInnen unterzeichnet. Leonardo Boff aus sen durchsetzen, und sich dabei auch noch
Brasilien, Franz Hinkelammert aus Costa ,Freiheit’ und ,Demokratie’ auf die Fahnen
Rica, Elisabeth Schüssler Fiorenza aus schreiben. Denn es besteht immer die Ge-
den USA u.v.a. fordern die ChristInnen fahr. dass Teile der sozialen Bewegungen
insbesondere in Deutschland auf, sich in und der kirchlichen Organisationen mit
ihren Gemeinden dafür einzusetzen und Schuldenerlass- oder ähnlichen Verspre-
Gruppen aufzubauen, die die gesellschaftli- chungen vereinnahmt werden.“
che Situation reflektieren und Widerstand Der Aufruf ist zu finden unter:
Ohne ideologische Kriegsführung keine Motivation:
denk- und lebbar machen. Weiter heißt es www.itpol.de u
Soldat als Träger von Waffen und systemimmanenter Denkmuster.

3
G8-Xtra | Nr. 03 | WINTER 2006/2007 Für eine interventionistische Linke

Von München an
die Ostseeküste
Die Mobilisierung gegen die NATO-Sicherheitskonferenz
als erste Manifestation im Jahr 2007 gegen den militärischen Komplex

Genau vier Monate vor In diesem Erfolg steckt eine wichtige


dem G8-Gipfel in Heiligendamm Erfahrung auch für Heiligendamm: Die
versammelt sich die Welt-Kriegselite Herrschenden können Protest und Wider-
in München. Und das Nobelhotel Baye- stand zwar kriminalisieren, verleumden
rischer Hof verwandelt sich erneut in eine oder verbieten, aber nicht verhindern. Und
Festung. Denn die Zeiten sind vorbei, in noch ein weiterer Aspekt könnte sich für
denen sich die KriegsplanerInnen, NATO- die Mobilisierung nach Heiligendamm
Generäle, RüstungsmanagerInnen und bewähren: Ein breites Bündnis, das über
MilitärstrategInnen völlig störungsfrei und unterschiedliche Inhalte und vielfältige
unbemerkt von der Öffentlichkeit jedes Aktionsformen diskutiert, sich in der Viel-
Jahr zum „weltweit wichtigsten Treffen von falt respektiert und gegenseitig akzeptiert,
Außenpolitikern und Militärs“ (Financial lässt sich nicht spalten oder in „Gute“ und
Times Deutschland) in der deutschen „Böse“ einteilen. Denn es ist nicht die
Hightech-Rüstungsmetropole treffen Aufgabe einer Protestbewegung, den Herr-
konnten. Vom 9. bis 11. Februar 2007 schenden und Mächtigen zu gefallen.
werden sie sich bereits zum sechsten Mal
hinter mehrfachen Absperrungen, Was- Die Kriegsplaner
serwerfern, Räumpanzern und Polizeihun- dürfen nicht durchkommen
dertschaften verschanzen müssen – denn Dass der Prozess der kapitalistischen
Orwellsche Zeiten: Krieg ist Frieden ist Krieg ist Folter ist Krieg ist Frieden ist Folter
seit 2002 haben zehntausende Menschen Globalisierung und die weltweite militäri-
trotz Sicherheitszone und Polizeigewalt die sche Absicherung durch einen permanen-
KriegsstrategInnen mit ihrem Protest und ten Kriegs- und Ausnahmezustand sich bei spielt auch die Abschottung Europas vor minister Frank-Walter Steinmeier forderte straßen zur Konferenz 2004 in München
Widerstand konfrontiert. bedingen, verleugnen selbst die Organisa- unerwünschten afrikanischen Flüchtlingen bereits auf der letzten Sicherheitskonferenz – damals waren es noch zu wenige. Keine
torInnen der früheren „Wehrkundetagung“ durch Maßnahmen in Nordafrika eine wich- eine „Energieaußenpolitik“. Denn „globale Frage, dass die Parole in München auf
Whose streets? Our streets! nicht: „Was das Weltwirtschaftsforum in tige Rolle. Der Vorteil für die ManagerInnen Sicherheitspolitik“ sei im 21. Jahrhundert der Demonstration am 10. Februar 2007
„Von Genua nach München“ – diese Pa- Davos für die Spitzenvertreter der internati- und BankerInnen: Die ExpertInnen für untrennbar mit „Energiesicherheit“ ver- auf dem Marienplatz eindeutig sein wird:
role drückte kurz nach den Protesten gegen onalen Wirtschaft ist, ist die Sicherheitskon- deutsche Interessen können nahtlos von der bunden. Auch der NATO-Generalsekretär Auf nach Rostock und am 5. Juni zum
den G8-Gipfel in Genua 2001 das politische ferenz in München für die Repräsentanten Wirtschaftskonferenz zum Eröffnungsabend Jaap de Hoop Scheffer bekräftigte diese Eurofighter-Flughafen Rostock-Laage, um
Ziel der Mobilisierung gegen die NATO- der strategischen Gemeinschaft“, erklärte der Militärkonferenz wechseln. „wesentliche Aufgabe des Bündnisses“. deutlich zu machen: „Ihr seid hier und an-
Sicherheitskonferenz in München aus: Horst Teltschik, der Organisator der Mili- Auch deshalb versteht das breite Akti- Neben der Durchsetzung einer verstärkten derswo unerwünscht!“
Die Bewegungen gegen die kapitalistische tärtagung und frühere Kanzlerberater von onsbündnis gegen die NATO-Sicherheits- Privatisierung von Gütern wie Bildung,
Globalisierung mit der Notwendigkeit einer Helmut Kohl. Es ist also kein Zufall, dass konferenz von linksradikalen, antimilitaris- „geistigem Eigentum“, Wasser und Ge- Infos zur Großdemo am 10. Februar 2007
starken Bewegung gegen den globalen Krieg diesen Zusammenhang auch die deutsche tischen Gruppen und Netzwerken über Ge- sundheit, wird die „Energiesicherheit“ auch München: www.no-nato.tk und
zusammenzubringen. Der staatliche Macht- Industrie erkannt hat. werkschafter, die Friedensbewegung, attac, auf dem G8-Treffen in Heiligendamm ganz www.gegen-krieg-und-rassismus.de
apparat hatte die Parole sofort verstanden: Die Unternehmerverbände laden in der Sozialforumsbewegung bis hin zu linken oben auf der Agenda stehen. In München
Nach einer wochenlangen Hetzkampagne enger Anbindung an die Sicherheitskonfe- Parteien die diesjährigen Proteste in Mün- sollen deshalb kurz davor neue militärische Infos zum Gebirgsjägertreffen in Mitten-
sollte der Protest mit einem mehrtägigen renz erneut zu einer Finanzierungskonfe- chen auch als einen wichtigen politischen Strategien für den gesamten Nahen Osten, wald an Pfingsten 2007: www.nadir.
Demonstrationsverbot im gesamten Stadt- renz „Nordafrika Mittelost“ ebenfalls nach Auftakt für eine starke Mobilisierung gegen für Afghanistan, Irak und „Lösungen“ für org/nadir/kampagnen/mittenwald
gebiet im Keim erstickt werden. Aber das München. Auf der Tagesordnung stehen der den G8-Gipfel in Heiligendamm. Denn der den Iran-Konflikt gefunden werden.
ging gründlich schief: Über zehntausend Ausbau der deutschen (Energie)-Interessen Zusammenhang von globaler Ausbeutung, „No pasaran – die Kriegsplaner dürfen Infos zum Aktionstag am Flughafen Ro-
Menschen haben sich 2002 trotz Verbot die in Libyen und eine deutsche Wirtschaftsof- Elend, Umweltzerstörung und Krieg wird nicht durchkommen!“ Unter diesem Motto stock-Lage am 5. Juni 2007:
Straßen zurückerobert! fensive im gesamten arabischen Raum – da- immer deutlicher: Der deutsche Außen- blockierten bereits tausende die Zufahrts- www.g8andwar.de u

Termine Tagungsort der KriegsstrategInnen. Aufruf www.attac.de/heiligendamm07/infos/G8- Aktionskonferenz Rostock: An der 2. Kon-
23. Dezember 2006 – 6. Januar 2007: und Infos u.a.: www.no-nato.tk, Reader-Online-eBook.pdf ferenz im November nahmen mehr als
Jugendumweltkongress (Jukss) in Königs www.gegen-krieg-und-rassismus.de 450 AktivistInnen aus unterschiedlichsten
Wusterhausen bei Berlin. Ein Themen- „G8: PR-Show oder Weltregierung?“, fragt Spektren von Umwelt- und Friedensini-
stapellauf schwerpunkt ist u.a. der G8. Mehr Infos:
www.jugendumweltkongress.de/2006
1. – 2. März 2007: Tagung der EU-Verteidi-
gungsministerInnen in Wiesbaden zu infor-
Peter Wahl in dem im VSA-Verlag erschiene-
nen AttacBasisText 21 (96 Seiten, 6.50 Euro).
tiativen bis zur radikalen Linken teil. Auf
der Seite www.heiligendamm2007.de sind
kommt vor 14. Januar 2007: In Berlin beginnt die
mellen Beratungen.
„Einblicke in das Innenleben einer Mobilisie-
Ergebnisse, Protokolle und Termine zu
finden.

dem versenken traditionelle Liebknecht-Luxemburg-De-


monstration um 10 Uhr am U-Bahnhof
6. – 9. April 2007: BUKO 30 in Leipzig. Mo-
bilisierungskongress der Bundeskoordina-
rung“. Auf 92 Seiten sind in dieser Broschü-
re Diskussionen aus dem dissent!-Spek- attac: Die Sonderseite zu Heiligendamm
Frankfurter Tor und geht zur Gedenkstätte tion Internationalismus zum G8-Gipfel. trum zusammengestellt. Das Heft kann als 2007 enthält Diskussionen und Planungen
der Sozialisten in Friedrichsfelde. Kontakt: www.buko.info pdf-Datei heruntergeladen werden: www. von attac und lokalen Gruppen:
gipfelsoli.org/Media+Tools/dissent_bro- www.attac.de/heiligendamm07
14. – 16. Januar 2007: Treffen der EU-Minis- Veranstaltungstermine schuere.pdf. Zu finden ist es aber auch auf
terInnen für Justiz und Inneres in Dresden. Einen ständig aktualisierten Kalender mit Infotischen bei G8-Veranstaltungen. Nichtregierungsorganisationen: Auf der Sei-
Themen sind u.a. der „Kampf gegen den Terminen von Veranstaltungen, Treffen, te www.g8-germany.info stellen verschiede-
Terror“ und Flüchtlingspolitik. Ein Grund Seminaren u.a. findet sich auf der Seite der Unter dem Titel „Folterwelten. Militarisie- ne NGOs ihre Vorhaben für Juni 2007 vor.
mehr gegen sie vor Ort zu sein. Friedenskooperative: www.friedenskoopera- rung – Repression – Weltwirtschaft“ macht
tive.de/g8_2007.htm die Initiative Libertad! einen Kampagnen- Norden gegen G8: Beispielhaft für regionale
19. – 21. Januar 2007: dissent!-Treffen in vorschlag gegen G8-2007, mit dem Ziel, die Zusammenarbeit in der Mobilisierung:
Bremen zur weiteren Vorbereitung der Anti- Materialien Frage von Krieg und Folter zu einem zen- Auch in Schleswig-Holstein sind Gruppen
G8-Aktivitäten. Infos: www.gipfelsoli.org Mobilization sampler: Avanti, Fire and Flames tralen Strang in der Anti-G8-Mobilisierung und Organisationen aktiv geworden und
und Lucha Amada haben eine Musik-CD zu machen: www.libertad.de/antifolter haben sich in Bündnissen und Netzwerken
Impressum
20. – 25. Januar 2007: In Nairobi (Kenia) gegen G8 zusammengestellt. Bestellt werden zusammengeschlossen: www.norden-gegen-
G8Xtra. Zeitung für eine Interventionistische Linke
wird herausgegeben von den Redaktionen tagt das 7. World Social Forum (WSF), das kann sie unter: www.fireandflames.com Den Titel „G8: Gipfel der Ungerechtigkeit“ g8.info
der Zeitungen und Zeitschriften ak – analyse & auch ein Ort der Konsultation und Abstim- trägt ein von Christine Buchholz und Katja
kritik, arranca!, Fantômas und so oder so.
mung zum internationalen G8-Prozess ist Noch‘ne CD: „Eine Revolution, zu der ich Kipping herausgegebenes Buch zum The- analyse und kritik: Hintergrundinformatio-
Die Redaktionen arbeiten mit in der Interventionis-
tischen Linken, in der u.a. auch beteiligt sind vor
(„Brücke nach Heiligendamm“). nicht tanzen kann ...“, sagte Emma Gold- ma (176 Seiten, 11.80 Euro, VSA-Verlag). nen zu verschiedenen Facetten des G8-Pro-
Ort aktive Gruppen und Organisationen wie die Infos: www.socialforum.or.ke, mann – unter diesem Motto wollen Künst- zesses und Informationen über den Stand
Antifaschistische Linke Berlin (ALB), Avanti – Projekt www.worldsocialforum.org lerInnen u.a. eine weitere Musik-CD gegen Links des Anti-G8-Protestes sind zu finden auf
undogmatische Linke (Norddeutschland), Gruppe
dissident! (Marburg), FelS (Berlin), radikale linke G8 mit umfangreichen Booklet vorlegen: Dissent! Network: Die Seite der Gipfelso- einer Themensonderseite von ak – analyse
Nürnberg, Radikale Linke Köln, Stiftung Unruhe Köln, 24. – 28. Januar 2007: Das World Economic www.buko.info/aktuell/neues/cdprojekt.html li-Infogruppe ist die zentrale Adresse der & kritik: www.akweb.de
aber auch Koordinierungen wie Krieg ist Frieden und Forum (WEF) tagt dagegen traditionell im Anti-G8-Aktivitäten dieses Spektrums.
Libertad! sowie Personen aus der Sozialforums- und
Anti-Kriegsbewegung oder von attac. Schweizer Davos. Filmdoku Anti-G8-CampInski: Im August Jede Menge Infos, Termine und Texte zur International: www.2007-g8.tk ist die
Auflage: 60.000 2006 fand in Steinhagen das erste Camp G8-Mobilisierung: www.gipfelsoli.org. Un- Startseite für Infos und Texte gegen den
Die massenhafte Weiterverbreitung dieser Zeitung 9. – 11. Februar 2007: Treffen der Ver- gegen den G8-Gipfel statt. Ein neun minü- ter www.g8-aktionen.de.vu findet sich eine G8-Gipfel 2007 in Deutschland – auf grie-
ist ausdrücklich erwünscht, eine Beteiligung an den treterInnen der NATO-Staaten und ihrer tiger Film zeigt Impressionen vom Camp, Sammlung von Aktionsideen. chisch. Ein erster Ausdruck der Internatio-
Portokosten ebenfalls.
Verbündeten zur „Sicherheitskonferenz“ liefert Argumente gegen die G8 und zeigt nalisierung der Mobilisierung.
Keine Einwände haben wir gegen den Abdruck von
Artikeln in anderen Publikationen. Wir bestehen in München. Seit Jahren konfrontieren Bilder von der Badetag-Aktion vor dem Revolutionäres Bündnis: Im Anti-G8-Bündnis
allerdings auf die Zusendung eines Belegexemplars. tausende Menschen die Generäle, Kriegs- Kempinski Grand Hotel. Der Film: http:// für eine revolutionäre Perspektive sind ver- Anti-G8-Büro in Berlin: Ein „Glocal Of-
Die Artikel sind über www.g8-2007.de elektronisch ministerInnen und Waffenkonzern-Lobby- video.indymedia.org/de/2006/11/564.shtml schiedene autonom-kommunistische Grup- fice“ wurde in Berlin eingerichtet. Adresse:
abrufbar.
istInnen mit ihrem Widerstand. pen zusammengeschlossen: http://antig8.tk Bethanien Südflügel, Mariannenplatz 2,
Redaktion: G8Xtra-Redaktion c/o ak-Redaktion,
Rombergstraße 10, 20255 Hamburg Freitag, 9. Februar 2007, 17 Uhr Protest- „Globalisierung geht ganz anders!“ heißt 10997 Berlin, Telefon: 030/40985406 oder
eMail: g8xtra@g8-2007.de kundgebung, Marienplatz, 17.45 Uhr Fahr- eine Infobroschüre von attac zum bevorste- Interventionistische Linke: Die „Mobilisie- 0176/62078158. Büro und Telefon sind
V.i.S.d.P.: H.-P. Kartenberg
raddemo zur „Finanzierungskonferenz“; henden G8-Gipfel. Bestellungen an attac rungsseite gegen den G8-Gipfel 2007 in Mittwoch bis Freitag von 14-17 Uhr be-
Spenden für diese Zeitung sind erwünscht: Libertad!
KTO 8 020 068 500 | BLZ 430 609 67
Samstag, 10. Februar 2007, 12 Uhr Groß- Deutschland, Münchener Str. 48, 60329 Heiligendamm“ hält auch die Texte der setzt.
GLS-Gemeinschaftsbank | Stichwort: G8Xtra demonstration vom Marienplatz zum Frankfurt oder online ansehen: G8Xtra bereit: www.g8-2007.de FIN