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Schwerpunkt “Oidoxie” und “Weisse Wölfe” unter Druck

Marko Gott-
schalk (li.)
Von Jan Spreuk und Pierre Briegert

“Oidoxie” und “Weisse Wölfe”


und Dennis
Linsenbarth

unter Druck
Eigentlich fühlen sich Marko Gottschalk & Co. im TV-Beitrag über “Oidoxie” und den Dortmunder Szene-
Licht der Scheinwerfer wohl. Doch so langsam wird es un- Shop “Buy or die” nach.
gemütlich für den Kopf und Sänger der RechtsRock-Band Gottschalk & Co. versuchten gegenzuhalten. Noch am
“Oidoxie”. In seiner Heimatstadt Dortmund ist das Trei- selben Abend der antifaschistischen Demonstration in
ben der Band nach Jahren des Wegschauens endlich zum Brechten veranstalteten sie eine eigene Spontandemon-
Thema geworden, und inzwischen haben auch Staatsan- stration, an der rund 45 Neonazis teilnahmen, zum Teil di-
waltschaft und Polizei die Ermittlungen gegen den 30-Jäh- rekt vom wöchentlichen “Kameradschaftsabend” in ihrer
rigen und sein Umfeld aufgenommen. Zwar tröstet sich Stammkneipe “Haus Eckmann” in Herne kommend.
Gottschalk noch damit, dass es nach der Berichterstattung “Stoppt linke Hetze – gegen Kriminalisierung und Will-
über die Band “noch nie so viele Anfragen” nach “Oi- kürmaßnahmen von national gesinnten Leuten” hatten sie
doxie”-CDs und nach Auftritten der Band gegeben habe, in krudem Deutsch gegenüber der Polizei als Motto ihrer
doch sein Spielraum dürfte zunehmend enger werden. Spontandemo angegeben. Und während 14 Tage später im
Gebäude der “Auslandsgesellschaft” vor ca. 100 Be-
Das hat zum einen mit dem Bericht in der vorherigen sucherInnen über “Oidoxie” und ihr Umfeld informiert
LOTTA-Ausgabe zu tun: “Oidoxie - eine RechtsRock- wurde, trafen sich am benachbarten Hauptbahnhof rund 70
Band gibt Gas”1. Nach dessen Veröffentlichung und nach- Neonazis, um unter dem Motto “Gegen linke Hetze und
dem AntifaschistInnen aus dem Ruhrgebiet am 5. Februar Bloßstellung von nationalgesinnten Deutschen” gegen
in Dortmund-Brechten, dem Wohnort Gottschalks, gegen JournalistInnen, Linke, aber auch gegen diejenigen Brech-
das Treiben der Band demonstriert hatten, wurden örtliche tenerInnen zu pöbeln, denen es nicht egal ist, was sich in
Medien auf das Thema aufmerksam. Erst recht nach einer ihrer Nachbarschaft tut. “Gesicht zeigen” auf neonazi-
von Dortmunder Antifa-Gruppen organisierten Ver- stisch war angesagt, und so sprachen neben Gottschalk
anstaltung am 19. März, auch der Brechtener “Kameradschaftsführer” Carsten
Carsten Jährling und Marko Gottschalk die unter Mitwirkung und Jährling, der dem Kern der “Oidoxie”-Clique angehören
in den Räumlichkeiten dürfte, sowie der erst kürzlich aus Frankfurt an der Oder
der renommierten “Aus- nach Brechten verzogene Liedermacher Nico Schiemann,
landsgesellschaft NRW der “Oidoxie”-Bassist Dennis Linsenbarth und weitere
e.V.” stattfand: “,Oidoxie’ “Oidoxie”-Mitglieder. Braune Solidarität in der Stunde
agiert als Rattenfänger für der Not bewies am Mikro auch NPD-Landesvorstandsmit-
die Neonazis”, titelte eine glied Claus Cremer.
Tageszeitung und der Sie alle konnten aber nicht verhindern, dass wiederum
WDR setzte mit einem zwei Wochen später der NRW-Landessprecher der “Verei-

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“Oidoxie” und “Weisse Wölfe” unter Druck Schwerpunkt

nigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Anti- Spuren zu verwischen. Beispielsweise
faschistinnen und Antifaschisten” (VVN-BdA), Jupp auf der Homepage der belgischen
Angenfort, gestützt auf die Veröffentlichungen und Re- “Blood & Honour”-Sektion Vlaanderen,
cherchen der LOTTA, Strafanzeige wegen des Verwen- auf der über einen Auftritt der “Ultra-
dens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisatio- C18-Band” “Weisse Wölfe” berichtet
nen, der öffentlichen Aufforderung zu Straftaten und wird und ein Hinweis auf deren Drum-
Volksverhetzung erstattete. Dabei richtete sich die An- mer zu finden ist: “Marko (Sänger von
zeige des ehemaligen KPD-Landtagsabgeordneten nicht ,Oidoxie’ und Schlagzeuger der ,Weis-
allein gegen die “Oidoxie”-Crew, sondern auch gegen die sen Wölfe’) griff ebenfalls zum Mikro-
mit ”Oidoxie” eng verknüpfte Band “Weisse Wölfe”. fon, um einige ,Oidoxie’-Lieder zu sin-
gen.” Fotos zeigen zudem den “Oido-
Die “Weissen Wölfe” xie”-Mitbegründer Dennis Linsenbarth
aus Werne beim Auftritt der “Wölfe” im CD “Weisse Wut” der
Band “Weisse Wölfe”
Die im Sommer 2002 veröffentlichte Debüt-CD “Weis- belgischen Lochristi. Sehr viel spricht
se Wut” der Band “Weisse Wölfe” müsste besonders jenen also dafür, dass die beiden wichtigsten
Neonazis gefallen, die - was die Texte anbelangt - auf NS- und dienstältesten “Oidoxie”-Mitglieder auch bei den
Hardcore stehen. “Wenn wir uns finden beim Marsch “Weissen Wölfen” mitmischen. Sehr häufig standen die
durch das Land, dann brennt in jeder Stadt ein Asylan- “Weissen Wölfe” schon in ihren Anfangszeiten gemein-
tenheim ab”, johlen sie, fordern den “heiligen Rassen- sam mit “Oidoxie” auf der Bühne, ob im Oktober 1998 im
krieg”, verfluchen “diesen gottverdammten Judenstaat” hochsauerländischen Neheim-Hüsten (Arnsberg), Sil-
und bedrohen Polizisten: “Bullen haben Namen und vester 1998/1999 in Dortmund, im April 1999 erneut in
Adressen! Kein Vergeben, kein Vergessen! Am Tag der Arnsberg, im folgenden Oktober in Moers, im Dezember
Rache woll’n wir euch bluten seh’n!” Zum Mitgrölen be- in der Nähe von Bremen, im März 2000 in Hamm, im Juli
sonders geeignet ist das Stück “Ruhm und Ehre”, bei dem in Hasbergen oder im September 2000 in Siegen-Weide-
zu “Sieg Heil”-Rufen die Waffen-SS besungen wird. Wohl nau. Im Juni 2000 feierte die Band auch ihren ersten be-
nicht zufällig ist gerade dieses Lied beim US-Versand kannt gewordenen Auslandsauftritt in Schweden. Dieser
“Micetrap Distribution”, der die CD ebenso wie einige war so erfolgreich, dass sie drei Monate später erneut dort-
andere amerikanische und dänische Versände vertreibt, als hin eingeladen wurde, diesmal zu einem “Ian-Stuart-Me-
Hörprobe zu downloaden. “Juda verrecke und Deutsch- morial”, bei dem die “Wölfe” und “Oidoxie” als “German
land erwache” heißt es schließlich in ihrem Stück “Unse- hardliners” vorgestellt wurden. Ein weiteres Gedächtnis-
re Antwort”, in dem Linken und Juden ein Platz im konzert zu Ehren des 1993 verstorbenen “Blood &
“Arbeitslager” angedroht wird: “Ihr tut unsrer Ehre weh - Honour”-Gründers Ian Stuart Donaldson mit den “Weis-
unsre Antwort Zyklon B”. Und in der letzten Zeile des sen Wölfen” fand im November 2000 in den West Mid-
Stücks heißt es: “Für unser Fest ist nichts zu teuer - 10.000 lands in England statt. Im Frühjahr 2001 folgte ein “Adolf-
Juden für ein Freudenfeuer.” Auf dem Cover der beim Hitler-Geburtstagskonzert” in Spanien. 2001 stand außer-
“Blood & Honour”-Label “Celtic Moon” in Dänemark dem neben dem B&H-Konzert in Lochristi, bei dem u.a.
erschienenen CD präsentiert die Gruppe martialisch ihre auch “Vinland Warriors”, “Hauptkampflinie” (HKL) und
Handlungsbereitschaft: fünf maskierte, mit Schusswaffen “Brigade M” spielten, auch ein Silvesterkonzert in Däne-
und Baseballschlägern bewaffnete Personen, die vor einer mark auf dem Programm. Am 31. August 2002 spielten
Fahne der verbotenen FAP posieren. die ”Weissen Wölfe” u.a. mit “Oidoxie” in der Nähe von
Eindhoven.
Braune Personalunion im Dabei vollzog sich der Aufstieg von einer Kombo, deren
Kampf für Adolf Hitler musikalische Qualitäten zunächst auch von vielen “Kame-
raden” angezweifelt wurden, zum in “Blood & Honour”-
Unter dem Namen “Oidoxie” hat Gottschalk in den letz- Kreisen auch international gefragten Act unter den Augen
ten Jahren eigentlich immer versucht, eine solche Form der Verfassungsschutz-Behörden. Im Sommer 2001 be-
von Klartext zu vermeiden. Juristischen Schwierigkeiten richtete der NRW-Verfassungsschutz: “Die Band ,Weiße
wollte die Band entgehen - spätestens seitdem die “Oido- Wölfe’ wurde Mitte 1998 bekannt und besteht aus fünf
xie”-CD “Schwarze Zukunft” 1998 auf Beschluss des Personen, von denen zwei Mitglieder u.a. bereits im
Amtsgerichts Oldenburg beschlagnahmt worden war. So Zusammenhang mit der DVLH [gemeint ist die DLVH, die
versuchte sie, sich im Geltungsbereich deutscher Strafge- “Deutsche Liga für Volk und Heimat”, Anm. js/pb] bzw.
setze zu mäßigen, gab dafür aber im Ausland mächtig Gas mit der verbotenen FAP sowie wegen gefährlicher Körper-
und verlagerte sich diesbezüglich auch auf andere Band- verletzung und Volksverhetzung in Erscheinung getreten
Projekte. So gibt es diverse Hinweise auf eine teilweise sind. Die Band nahm seit ihrer Gründung an 15 Konzerten
Personalunion der “Oidoxie”-Besetzung mit der der Band im In- und Ausland teil. Bei mehreren Veranstaltungen
“Weisse Wölfe”. Es wurde aber versucht, diese Hinweise kam es zu ,Sieg Heil’-Rufen und Propagandadelikten.”
zum Verschwinden zu bringen: Beiträge in Internetforen Die Spuren der “Weissen Wölfe” führen von Dortmund
wurden zensiert, Konzertfotos auf den einschlägigen aus ins Sauerland. Nicht nur, dass in den Texten von den
Homepages retuschiert. Doch so ganz gelang es nicht, alle “Weissen Wölfen aus dem Sauerland” die Rede ist und die

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Schwerpunkt “Oidoxie” und “Weisse Wölfe” unter Druck

Band das Sauerland als “schönsten Fleck der Welt” be- nicht bestätigen: “Wir können keine Entwicklung festma-
singt. Im Arnsberger Stadtteil Neheim-Hüsten fand schon chen, dass irgendwelche Aktivitäten ansteigend sind.”
im Oktober 1998 eines ihrer ersten Konzerte statt. Dort Der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz sieht die
wurden auch schon Neonazis mit T-Shirts der Band ge- Situation in Dortmund etwas anders, zumindest gibt er
sichtet, lange bevor sich diese in der Szene einen Namen dieses vor. Man wolle mal über das Thema RechtsRock,
gemacht hatte. Und dort leben Stjepan Jus, der von dem insbesondere über “Oidoxie” sprechen, teilten die
ehemaligen Sauerländer und heute in den Niederlanden le- Schlapphüte Mitte März diversen AntifaschistInnen an
benden Neonazi Michael Krick einst in einem niederlän- deren Haustüren mit. Mindestens 15 Mal betätigte der VS
dischen Internetforum als Sänger der Band geoutet wurde, NRW einer Pressemitteilung antifaschistischer Gruppen
sowie Stefan Kavlak. Letzterer dürfte mindestens dem aus NRW zufolge(2) Mitte März die Türklingeln von
nahen Umfeld der “Weissen Wölfe”, wenn nicht der Band AntifaschistInnen im Ruhrgebiet. Vergeblich jedoch, da
selbst angehören oder angehört haben, tritt aber Szene- das “Gesprächsangebot” allerorts abgelehnt wurde. Ob es
Kennern zufolge in letzter Zeit bei Konzerten mit einem sich bei diesen VS-Reisen tatsächlich um einen “großan-
neuen Projekt, der Band “Weaponed Hate”, in Erschei- gelegten Durchleuchtungs- und Anwerbeversuch” sowie
nung. Alle drei Bands teilen ihre Vorliebe für den terrori- “massiven Einschüchterungsversuch” handelt, wie von
stischen Arm von “Blood & Honour”, also für “Combat den antifaschistischen Gruppen aus NRW eingeschätzt,
18” (“Kampf Adolf Hitler”, siehe Artikel auf Seite 13). oder eher um einen noch hektisch anberaumten Aktuali-
Und sie machen auch keinen Hehl aus dieser Vorliebe: sierungsversuch für den exakt zwei Wochen später von
Marko Gottschalk trägt eine “Combat 18”-Tätowierung Landesinnenminister Dr. Fritz Behrens vorgestellten Ver-
auf der Brust und Carsten Jährling schon mal gerne in An- fassungsschutzbericht NRW über das Jahr 2002, wird
spielung auf die C18-Paketbombenanschläge ein T-Shirt wohl das Geheimnis der Schlapphüte bleiben. Immerhin
mit einem dem Logo des Paketdienstes UPS nachempfun- ist in dem seit 31.3.2003 in Internet abrufbaren Jahresbe-
denen Motiv mit der Aufschrift “C18-Parcel Service” (sie- richt neben “Oidoxie” (“eine der bedeutendsten Bands aus
he Abbildung). Und so verwundert es auch nicht, wenn in NRW”), auch die CD “Weisse Wut” der “Weissen Wölfe”
einem der Lieder der “Weissen Wölfe” C18 gehuldigt erwähnt: “Zum Ende des Jahres 2002 wurde die CD der
wird. “Hail C18! You know what I mean. Hail, hail, hail Skinhead-Band ‚Weisse Wölfe’ mit dem Titel ‚Weisse
the terrormachine. Hail, hail, hail – Com- Wut’ bekannt.” Merkwürdig mutet hier aber an, wieso
bat 18. The end is coming now. For the dem VS die genannte CD erst “Ende des Jahres 2002”
traitors of our race. Scum you should bekannt wurde, obwohl sie doch schon im August 2002 zu
better run. If you see the hate in our beziehen war und in der neonazistischen Szene in NRW
face”. spätestens seit Anfang September im Umlauf war. Etwas
Gutes hat diese Verzögerung ja: Wenn selbst dem VS das
Staatsschutz und Verfassungs- Erscheinen der CD erst so spät bekannt wurde, dürfte der
schutz “auf Ballhöhe”? durchsichtige Versuch der Band, mittels der Rückdatie-
rung des Erscheinungstermins der CD um mehr als fünf
Inzwischen ermittelt auch der Dort- Jahre auf den 20.4.1997 (dem 108. Geburtstag des “Füh-
munder Staatsschutz gegen “Oidoxie” rers”) strafrechtliche Inhalte als verjährt erscheinen zu las-
und “Weisse Wölfe”, muss sich aber sen, nicht wirklich funktionieren. Diesen “Trick” scheinen
selbst von der örtlichen Presse sagen las- nicht einmal alle Bandmitglieder verstanden zu haben. So
sen, in Sachen Neonazismus “nicht auf antwortete ein Mitglied der “Weissen Wölfe” in einem
Ballhöhe” zu sein. Nicht nur, dass die Interview in der vierten, 2000 oder 2001 erschienenen
Polizei wochenlang händeringend und Ausgabe des Fanzines “Fegefeuer” auf die Frage, wann
vergeblich auf der Suche nach der neo- die erste CD zu erwarten sei: “Wenn es klappt, werden wir
nazistischen Videoproduktion “Kriegs- dieses Jahr noch unsere Debüt-CD aufnehmen, die jedoch
berichter V” war, auf der “Oidoxie” das nicht in Deutschland erhältlich sein wird.”
”Combat 18 Parcel Service: “Hakenkreuzlied” singt, Staatsschutz-
Handle with care” - C. Jährling leiter Jörg Lukat beweist auch anderwei-
tig, dass er Nachhilfeunterricht nötig hat.
Noch Anfang März ließ er nämlich die
Öffentlichkeit wissen, “man könne der-
zeit für Dortmund nicht erkennen, dass
die rechte Szene die Musik etwa von
Oidoxie benutze, um junge Leute, die
sich eigentlich nur der Musik wegen für
die Band interessieren, für rechtsradikale
Zwecke zu rekrutieren”. Dass Dortmund [1] LOTTA Nr. 11, S. 12, auch unter
wie auch Bochum Schwerpunkte neona- www.free.de/lotta abrufbar
zistischen Handelns in NRW geworden [2] Vgl.: Pressemitteilung antifaschistischer Gruppen aus
sind, mochte der Staatsschützer ebenfalls NRW vom 23.3.2003, www.antifa-nrw.de

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