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Braunzone Zwischen Lokalgeschichte und der extremen Rechten

Von Kevin Londer

Zwischen Lokalgeschichte
und der extremen Rechten
Der Herner Stadtarchivar Dr. Olaf Rose

Für die Aufarbeitung der Geschichte der Zwangsarbei- der Militärelite der BRD, als auch solche mit Kontakten
ter habe er sehr wichtige Unterlagen gefunden, gab der zur Braunzone und zum weiter rechts dieses zwischen
Historiker und beim Stadtarchiv Herne beschäftigte Dr. Konservatismus und Neofaschismus stehenden politi-
Olaf Rose bei einem Arbeitstreffen des Arbeitskreises schen Spektrums vertreten sind. Auch an dem Buch “Carl
Zwangsarbeit bekannt. Interessant und schockierend dürf- von Clausewitz, Theoretiker des Krieges”, welches in die-
te für seine am Arbeitskreis teilnehmendem Historiker- sen Tagen erscheinen soll, ist Rose beteiligt. Das Buch
kollegen, die sich der Aufarbeitung der Zwangsarbeits- erscheint in der “Edition Antaios”, dem Hausverlag des
verbrechen des Nationalsozialismus widmen, der Um- zur “Neuen Rechten” gehörenden “Institut für Staats-
stand sein, dass der als “unauffällig” beschriebene Kolle- politik”. Ebenfalls an diesem Buch mitgearbeitet haben
ge nicht immer so “unauffällig” ist und diverse seiner Götz Kubitschek und Karlheiz Weißmann, die beide
Tätigkeiten im direkten Gegensatz zu seinem Arbeitsauf- zum Stammpersonal der “Neuen Rechten” zählen. Außer
trag stehen dürften. Rose hat sich nämlich auch im Spek- von Clausewitz scheint Rose auch von dem Freikorps-
trum der extremen Rechten einen Namen gemacht. soldaten und späteren Literaten Ernst von Salomon (vgl.
Rose ist Autor des extrem rechten Magazins “Opposi- S.32 f.) fasziniert zu sein. Am 23. November 2002 refe-
tion” und gehört zum Redaktionsbeirat der ebenfalls zur rierte er zu diesem Thema in Bielefeld bei der neonazisti-
extremen Rechten zählenden Zeitschrift “Deutsche Ge- schen “Initiative Wahrheit und Gerechtigkeit” (IWG). Die
schichte”. Beide Publikationen erscheinen in der “Verlags- IWG trat erstmals 2001 im Vorfeld der in Bielefeld präsen-
gesellschaft Berg”, die von Gerd Sudholt geleitet wird, tierten Ausstellung über die Verbrechen der Wehrmacht an
der 1993 wegen des Abdruckes eines Auschwitz leugnen- die Öffentlichkeit. Angekündigt war diese Veranstaltung
den Beitrages zu einer sechsmonatigen Haftstrafe vom in der ältesten noch existierenden extrem rechten Zeit-
obersten bayerischen Landgericht verurteilt wurde1. So schrift in der BRD, “Nation & Europa”, die 1951 u.a. von
verwundert es auch nicht, dass Rose am 20./21. Oktober dem ehemaligen SS-Strumbannführer und ”Chef der Ban-
2001 auf einer von Sudholt organisierten Tagung zum denbekämpfung im Führerhauptquartier”, Arthur Ehr-
Thema “Ostfeldzug bis zum Eintreten der US-Amerikaner hardt, gegründet wurde. Dass auch diese Veranstaltung für
in den 2. Weltkrieg” referierte. Die Verbindung zum The- den Historiker Rose kein Ausrutscher gewesen sein dürf-
ma wird angesichts des Schwerpunkts ‚Osteuropa‘, den te, zeigt eine weitere Veranstaltung am 21. Februar 2003
Rose im Rahmen seines Studiums wählte, verständlich. in Achim bei Bremen, für die in der Parteizeitung der
Auch der Zugang zu einem weiteren Lieblings- NPD, der “Deutsche Stimme”, geworben wurde.
[1] Jens Mecklen-
burg(Hg.):
thema Roses ist hiermit verbunden: Er schrieb Ob der Stadt Herne die Umtriebe des Dr. Olaf Rose be-
Handbuch ein Buch über die Wirkungsgeschichte von kannt sind, ist ungewiss. Falls ja, so stellt sich hier natür-
deutscher Carl von Clausewitz in Russland und der lich die Frage, ob das Problem nicht noch weitaus größer
Rechtsextre- Sowjetunion zwischen 1836 und 1991. Er ist ist, als es sich auf den ersten Blick offenbart.
mismus,
Berlin 1996,
zudem Mitglied der “Clausewitz Gesellschaft”,
S. 535 einer Organisation, in der sowohl Personen aus

34  Lotta Nr.12 | Frühjahr 2003 