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DAS ENDE DER

BESCHEIDENHEIT
Das linke Netzwerk ACT! ruft gemeinsam duktivität hat sich in den letzten 15 Jah- ner Missmut über Hartz IV lassen den
mit anderen Gruppen zu einem „Das-Ende- ren verdoppelt und 2003 wurde der deut- über Jahrzehnte aufrecht erhaltenen
der-Bescheidenheit-Block“ für die Demo schen Exportindustrie gar der Titel des sozialpolitischen Konsens bröckeln. Zwar
am 2. Oktober 2004 in Berlin auf. Treff- Exportweltmeisters verliehen. Dass dem gehen inzwischen (noch) nicht die Mas-
punkt: 13 Uhr am Alex. größten Teil der Bevölkerung die immen- sen auf die Straße, aber es sind doch so
sen wirtschaftlichen Erfolge nicht zugute einige, die sich mit den extremsten
MEHR_HARTZ_FÜR_ALLE Die Hartz- kommen, ist kaum verwunderlich. In der Zumutungen des Kapitalismus nicht mehr
Gesetze stehen vor der Umsetzung: Von freien Marktwirtschaft geht es schließlich zufrieden geben wollen. Wie so viele
überall tönt es uns entgegen, ob in der nicht darum, gesellschaftlichen Reichtum Montagsdemonstrationen in den letzten
Boulevard-Presse, in Talk-Runden oder gerecht zu verteilen. Vielmehr muss Kapi- Wochen ist auch die Großdemonstration
von den Rednerpulten der Politiker, dass tal vermehrt werden und dieser Doktrin am 2.10. in Berlin zunächst ein Zeichen
es endlich an der Zeit wäre, den Gürtel haben sich alle menschlichen Bedürfnisse allgemeinen Unmutes über die soziale
enger zu schnallen, damit es dem Wirt- unterzuordnen. Lage in der Bundesrepublik. Es ist nun an
schaftsstandort Deutschland und, so wird der Zeit, dass die offensichtliche Wut und
suggeriert, letztlich uns allen besser gin- NIX_FÜR_ALLE Derzeit erleben wir in Empörung ihren praktischen Ausdruck
ge. Da ist von der „Mitnahme-Mentalität“ Deutschland den größten Angriff auf findet und zum organisierten Widerstand
der Deutschen die Rede, die staatliche soziale Rechte seit dem Bestehen der wird – einem linken emanzipatorischen
Leistungen abgreifen, wo es nur ginge, BRD. Es wird gekürzt, was der Rotstift Widerstand, der sich nicht in Appellen an
Sozialhilfeempfänger werden als „Sozial- hergibt. Sozialstaatliche Leistungen wer- den Staat erschöpft, sondern in einen
schmarotzer“ denunziert, die sich nur auf den mit dem Argument der „Standorter- Kampf ums Ganze mündet.
ihrer Stütze ausruhten, und soziale Hän- haltung“ abgebaut. Errungenschaften im
gematten halluziniert, die sich auf die Bildungs-, Gesundheits-, Renten- und Kapitalismus abschaffen!
Dauer kein „Sozialstaat“ leisten könne. Sozialbereich, die dem Kapital erst in 2.10.04 – Berlin – 13 Uhr Alex
Doch zum Glück gibt es für jedes Problem harten Kämpfen abgerungen werden
AUFRUFERiNNEN ACT! [FelS – Für eine linke Strö-
eine Lösung und so verkünden Unterneh- mussten, können nun, nach dem Wegfall
mung, ¡Si!, Autopool, Antifaschistische Linke Berlin
merverbände, Politiker und Medienvertre- der Systemkonkurrenz zum ehemaligen - ALB], Antifa Weißensee (AW), Antifaschistisches
ter unisono, wie der angeblichen „Aus- Ostblock, als überflüssiger, profitmin- Bündnis Marzahn/Hellersdorf (ABM), Antikapitali-
stische Aktion Berlin (AKAB), ['solid]36 – Sozialisti-
beutung des Sozialstaates“ Herr zu wer- dernder Ballast über Bord geworfen wer- sche Jugend Kreuzberg (Stand 27.9.04)
den sei: Ärmel hochkrempeln, tüchtig den. Der Kapitalismus präsentiert sich als
anpacken, Ansprüche zurückschrauben, scheinbar alternativloses Modell, das alle
was übersetzt nichts anderes heißt, als Lebensbereiche durchdrungen hat und
jeden noch so beschissenen Job anneh- sich weltweit auf öko-
men, zur Not auch zwei oder drei, arbei- nomischer, politischer
ten bis zum Umfallen und sich mit Nie- und technischer Ebene
drigstlöhnen gefälligst zufrieden geben. ausgebreitet hat.
Überall auf dem Glo-
ALLE_GEGEN_ALLE Wer nun nicht gleich bus hängt die Existenz
Lust bekommen hat, sich in das Getüm- der Menschen vom
mel absoluter Arbeitshörigkeit zustürzen, Urteil des Kapitals ab,
tut dies mit gutem Grund. So kalt einen ob sich ein lohnendes
V.i.S.d.P.: Michael Schmidt · Karl-Marx-Str. 103 · 12045 Berlin

das Befinden des heimischen Wirt- Geschäft mit ihnen machen lässt
schaftsstandortes auch lassen sollte, oder nicht.
deutschen Unternehmen geht es alles
andere als schlecht: die BILD-Zeitung ALLES_FÜR_ALLE Doch gleichzeitig wird
darf sich freuen, dass Deutschland nach das entfesselte kapitalistische System
China und den USA drittgrößte Wirt- inzwischen mit seinen hausgemachten
schaftsmacht ist; Großunternehmen wer- Widersprüchen konfrontiert. Massenar-
den für dieses Jahr von allen Seiten beitslosigkeit und daraus folgendende
Rekordgewinne prognostiziert, die Pro- mangelnde Konsumtion sowie allgemei-