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L INKE L ISTE .

SDS - D UISBURG /E SSEN

T UNI X A USGABE 1 / ERSTES H ALBJAHR 2008

Que vadis studentisches Alltagsleben? • Sonderbeilage

Von Oliver Opitz nicht mit der


freien Zeit zu Wahlprogramm
Der an Marx erinnernde Begriff
verwechseln.
der disponiblen Zeit ist die Zeit,
Die Freizeit ist
welche dem Menschen zur freien
nur die Zeit die
Verfügung steht. Dies ist die Zeit
der Mensch be-
in der das Individuum seine Per-
nötigt um wie-
sönlichkeit frei entfalten kann. Das
der zu funktio-
Bedürfnis nach freier Zeit wird in
nieren und sei- S CHWERPUNKT
unserer Gesellschaft verkehrt in
ne Arbeitskraft DER A USGABE :
die Form der Freizeit. Gewerk-
mit neuer Le-
schaften und reformorientierte S TUDIENGEBÜHREN
bensenergie
Parteien kämpfen auch nicht um
aufzutanken,
die disponible Zeit, sondern um
um weiter ver- A LLTAG 1
mehr Freizeit, dass jedenfalls ist
wertbar zu sein.
einer der Hauptforderungen einer
jeden Tarifverhandlung. Dabei ist A USLÄNDISCH 1
aber die Freizeit ganz und gar (Weiter S.2) S TUDIERENDE

H OCSCHUL 5
ENTWICK-
A USLÄNDISCHE S TUDIERENDE LUNGSPLAN

Von Fatma Karacakurtoglu und dierenden an K APITAL 7


Sonja Schacht vielen Hoch-
schulen von D EMO 9
Die Situation der ausländischen den Studienbei-
Studierenden an unserer Hoch- trägen
schule ist grausam. S TUDIEN 10
GEBÜHREN

(Fortsetzung Seite 4)
Während die ausländischen Stu-
S EITE 2 T UNIX
Die Freizeit ist also reine Zeit der einen Teil der Ausbildung und
Werterhaltung von menschlicher Wertbildung. Der unsichtbare Teil
Arbeitskraft. Neben der Reproduk- steckt in der Zeit des Lernens am
tion von Arbeitskraft ist die Freizeit einsamen Tisch zu Hause oder in
zur Langeweile verkommen. Eine der Bibliothek. Bei der Fülle des
Anhäufung von Banalitäten, in der Stoffs gibt es streng genommen, nie
all das überflüssige konsumiert Freizeit, weil es immer noch was zu
wird, was vorher erarbeitet wurde. lernen gibt, was man nicht weiß.
Der Student antizipiert, dass nicht
nur das Bestehen der Prüfung von
Beim Studenten und der Studentin Relevanz ist, sondern sieht sich
kommt noch hinzu, dass selbst die schon im Studium als Konkurrent
Freizeit als solche kaum noch iden- im Kampf um die nach der Studien-
tifizierbar ist. Konnte beim Diplom zeit limitierten Arbeitsfelder. Das
oder Magister noch von einem Zeit- steigert die Not, auch noch in der
regime gesprochen werden, dass vorlesungsfreien Zeit von der dis-
der disponiblen Zeit zuzuschlagen poniblen Zeit soviel wie möglich in
war, weil durch die individuelle die eigene Wertsteigerung zu ste-
Zeiteinteilung noch eine freie Ent- cken. Das Diktum vom lebenslan-
faltung der Persönlichkeit möglich gen Lernen erfährt hier seine erste
war, so bröckelt diese kleine Chan- Zuspitzung.
ce mit der Einführung der Bachelor
-Lehrgänge des Bologna-Prozesses
völlig weg. Die Zeit des Studenten Wenn dann doch noch Zeit bleibt
wird in kleinsten Einheiten vorge- für bildungsferne Bereiche, so wird
geben, kontrolliert und bestimmt. meistens der Körper an die Kultur-
Produkt ist nicht mehr der univer- industrie angeschlossen und der
sell gebildete Humboldtsche Stu- Geist auf Null gestellt. Die Freizeit
dent, der sich Wissen aneignet, son- spielt sich hauptsächlich nur in den
dern ein auf die Verwertung hin vom Kapital produzierten Berei-
zugerichtetes Subjekt. Flache Spezi- chen ab. Die Freizeit wird in der
alisten ohne Horizont. Der Student Nichtlernzeit vom bloßen Spektakel
ist noch im Prozess der Ausbil- okkupiert, der den Studenten in
dung, das heißt, er bildet seinen einer Zeit der Passivität hält. Die
eigenen Wert im Fortgang seines Zeit der Freizeit die immer mehr
Studiums. Die Vorlesungen und durch Banalitäten und Langeweile
Seminare, mit den Prüfungen als geprägt ist, ist aufgrund ihrer Passi-
Erfolgskontrollen bilden nur den vität ein Moment antiemanzipatori-
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scher Praxis einer rationalisierten das Rektorat, den Kontrollrat und


Welt. Die Begierden des Menschen die Regierung nach einem strikten
werden so vernichtet und in den Zeitregime (Credit-Points und dem
Hintergrund gerückt. zu kurzen Intervallen der Klausu-
ren artikuliert mit der Notwendig-
keit Zeit für den ganz konkreten
Jenseits einer Klassenkampfrhetorik auf das hier und jetzt gerichteten
bricht sich in der Langeweile etwas Lebensunterhalt zu verknüpfen) ist
bahn. Die Unterdrückung der dispo- der Konflikt und die Sollbruchstel-
niblen Zeit erzwingt ein murren und le, an der der Student seinen Pro-
knurren. Das Stöhnen des Studenten test als Widerstand sichtbar und
über das strikte Zeitregime, über das fühlbar machen kann. Mit der
er nicht mehr bestimmen kann, son- Schaffung von immer mehr Begier-
dern das sein Tagesrhythmus dik- den nach disponibler Zeit zur frei-
tiert wird durch den Mangel an Geld en Persönlichkeitsentfaltung wird
zu einem Widerspruch. Studienge- das Kampffeld eröffnet, auf dem
bühren verschärfen den Wider- der Student anschlussfähig wird
spruch für die, die von ihrer dispo- und auch außerhalb des universi-
niblen Zeit oder Freizeit noch was tären Feldes mit der Gesamtgesell-
abzwacken müssen, die dazu ge- schaft in Berührung kommt. Doch
nutzt werden muss, der Bedingung Vorsicht ist geboten. Der Aufruf
der Möglichkeit von Wertschöpfung nach Entwicklung der Persönlich-
des eigenen Selbst zu bedienen. Auf keit kann nicht in den gleichen
dieser Ebene findet auch die Selekti- Bahnen geschehen, wie dies in den
on von gut betuchten Studenten und 60er Jahren der Fall war. Nur allzu
solchen statt die für ihre Wertschöp- schnell wurden Persönlichkeitsent-
fung Startkapital einbringen müssen. wicklungen vom System aufgeso-
Dabei spielt der soziale und kulturel- gen, kanalisiert und in einer erwei-
le Background nur eine sekundäre terten unterdrückten Form wieder
Rolle. Nur wer sich nicht schon ei- auf den Markt zurück geworfen.
nem total vertechnisierten Leben
verschrieben hat, kann sich vom Ele-
mentarbedürfnis der disponiblen [Der Autor studiert in Duisburg—
Zeit freimachen. Für alle anderen Essen Soziologie, Philosphie und Py-
und das dürfte die große Mehrheit schologie und beschäftigt sich mit Fou-
sein, ist dieses Bedürfnis als nicht caults Macht-Wissen-Komplex und
negierbar zu betrachten. Die hoch- der Situationistischen Internationale]
schulpolitschen Forderungen durch
S EITE 4 T UNIX

A USLÄNDISCHE S TUDIERENDE
(Fortsetzung von Seite 1) Gründe dafür, auch weiterhin von
endgültig befreit wurden, ver- ausländischen Studierenden keine
sucht unsere Universität diese Gebühren zu nehmen, gibt es viele.
zur Kasse zu bitten. Dies unter Zum einen muß jeder ausländische
anderem mit der Begründung, Studierende dem Ausländeramt ei-
der Universität würden ansons- nen Nachweis erbringen, dass ihm
ten Gelder in immenser Höhe im Monat 585,-€ zur Verfügung ste-
verloren gehen. Da blickt uns die hen. Schon mal eine gute Hürde,
neoliberale Rechnungsweise wie- denn von deutschen Studierenden
der eiskalt an: da bislang von wird so etwas nicht verlangt.
ausländischen Studierenden kei-
ne Gebühren verlangt wurden, Dazu kommt, dass ausländische
ist die Rechnung nicht haltbar. Studierende nur 90 Tage im Jahr ar-
Denn was man noch nie hatte, beiten dürfen. Das ist so wenig, dass
kann nicht als Verlust gerechnet eine Finanzierung des täglichen Le-
werden. bens unmöglich gemacht wird. Es
wird also verlangt einen bestimmten
Gebührenbefreiung ausländi-
Geldbetrag zu haben, aber nicht er-
scher Studierender?
möglicht, sich diesen zu verdienen.
Wer damit die Nutznießer dieses
Systems sind, ist klar: wie immer
und üblich ohnehin schon privile-
gierte Menschen, denen Bildung
A NSPRECHPARTNER IST
DIE VOM S TUPA
schon zur Verfügung steht. Denn
EINGERICHTETE dass Bildung mit dem Kontostand
H ÄRTEFALL zu tun hat, ist ein alter Hut. So also
KOMMISSION IN DER DIE werden die bahnbrechenden Er-
LINKE L ISTE .SDS kenntnisse der Politik und Hilfsor-
VERTETEN IST . ganisationen in die Schublade ge-
schoben und einfach so weiter ge-
B EI R ÜCKFRAGEN KÖNNT macht wie bisher: in unserem Sys-
IHR EUCH GERN AN tem hilft nur Bildung, um aus pre-
F ATMA kären Verhältnissen heraus zu kom-
KARACAKURTOGLU men, diese wird aber nicht denen,
WENDEN die sie brauchen zur Verfügung ge-
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stellt, bzw. wie immer nur über den den SDS Duisburg—Essen
Faktor Geld. Diesen Teufelskreis Fatma ist besonders im Bereich
wird dann wohl hoffentlich jeder Soziales der Universität Duisburg
Leser erkennen. Essen tätig—Sonja Schacht ist
Rechtsanwältin und hat sich auf
In diesem Teufelskreis auch noch den Bereich Sozialrecht speziali-
Gebühren aufzubringen ist schlech- siert. ]
terdings unmöglich.
Das führt zwangsläufig zur Exmatri-
kulation und dem Ende des Studi- DIE LEHRE VERSCHACHERN?
ums, dahin ist das Recht auf Bil-
dung, dem Mammon zum Opfer ge-
fallen. Von Benjamin Manigk

Ausländische Studierende werden Der Hochschulentwicklungs-


nicht über ihre Rechte aufgeklärt plan für die Universität Duis-
und werden oft genug zur Kasse ge- burg-Essen
beten, obwohl sie eigentlich einem
Ausnahmetatbestand unterfallen Deutschland in 2008: Die Stu-
und damit von jeder Zahlung befreit
diengebühren sind Realität und
sind.
werden so schnell nicht ver-
Als Behörde ist die Universität dazu schwinden. 68 Prozent aller
verpflichtet, über alle Möglichkeiten Studenten müssen neben der
aufzuklären und Hilfestellung zu Uni Geld verdienen, um sich
geben. Dieser Verpflichtung wird das Studium leisten zu können.
jedoch nicht nachgekommen. Wir Statt für jeden zugänglich zu
fordern die Universität Duisburg sein, wird höhere Bildung im-
Essen dazu auf, ihren Auftrag zu
mer mehr zu einem Gut, wel-
erfüllen und Menschen, die ihr Recht
ches teuer erkauft werden
auf Bildung wahrnehmen, zu unter-
stützen. muss. Umso wichtiger ist es da,
dieses Gut aufzuwerten und
Es muß Schluß sein mit den Gren- die Qualität in den Vorlesungs-
zen durch Nation und Geld!
sälen zu steigern, oder?

[Die Autorinnen Fatma Karacakur-


toglu und Sonja Schacht arbeiten für
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de die personellen Ressourcen
Dem gegenüber zielt der aktuelle würden durch das Vorhaben
Hochschulentwicklungsplan der des Rektorats, Professuren ab-
UDE, den das Rektorat gänzlich zubauen, noch verstärkt wer-
ohne Mithilfe der Studentenschaft den. Dass die Fachbereiche am
entworfen hat, eher in eine ande- Ende der Studieneingangsphase
re Richtung: Mehr Geld. Mehr durch Prüfungen als
Geld für wirtschaftlich ausgerich- „Selektionsmechanismen“ die
tete Studiengänge, mehr Geld für fähigsten Kandidaten auswäh-
besondere Forschungsschwer- len sollen, macht da misstrau-
punkte, die wiederum viel Geld isch: Sollen möglichst viele Stu-
einbringen. Dies auf Kosten der denten an die UDE gelockt wer-
Lehre und der Leistungen, die den, die Studiengebühren be-
eine gute Universität ihren Stu- zahlen und der Universität zu
denten geben muss. einer hohen Kopfpauschale für
Studienanfänger verhelfen, wel-
Das Vorhaben des Rektorats, che Teil des Hochschulpakts
durch eine Änderung der Zu- 2020 ist? Die Kosten für so eine
gangsvoraussetzungen - die Ab- Strategie wäre klar: Eine in der
schaffung des Numerus Clausus Anfangszeit durch Überfüllung
und eine geänderte Studienein- und mangelnde Betreuung ge-
gangsphase - die Zahl der neuen kennzeichnete Lehre für die Stu-
Studenten zu erhöhen, führt nur dierenden.
vordergründig zu einer höheren
Chancengerechtigkeit. Die man- In der Forschung bekennt sich
gelnden Kapazitäten, räumlich der Hochschulentwicklungs-
wie personell, würden kaum aus- plan zu einer offen wirtschaftli-
reichen, um die zu erwartende chen Ausrichtung: Die bereits
Zahl an Studenten adäquat unter- eingeführten Forschungs-
richten und unterbringen zu kön- schwerpunkte - Nanowissen-
nen: Prall gefüllte Vorlesungssäle, schaften, Biotechnologie, Empi-
ein Mangel an Übungsplätzen in rische Bildungsforschung und
der Bibliothek und überforderte Urbane Systeme - sollen weiter
Dozenten wären die Folge. Gera- ausgebaut und durch eine höhe-
re Einwerbung von Drittmitteln
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finanziert werden. Statt nach der arbeit mit den Studierenden er-
Qualität der Forschung zu fragen, stellt werden soll.
soll das Potenzial eines Projekts,
Drittmittel einbringen zu können, Der Autor studiert Ingeneurswis-
entscheidend sein. Im Mittel- senschaften und hat aktiv an der
punkt steht dabei speziell die „ Kritik am Hochschulentwicklungs-
Programmförderung der Deut- plan mitgearbeitet.
schen Forschungsgemeinschaft“.
Im Gegenzug sollen Forschungs-
schwerpunkte, die
Kapitalismuskritik in und an der Hochschule
nicht in „absehbarer
Zeit“ diesem Ziel
Rechnung tragen, wieder abge- Von Julian Schulz
schafft werden. Dies führt in der
Konsequenz zu einer Ausrich-
Kritik (ursprünglich kritiké
tung nach dem wirtschaftlichen
[téchne]) ist zunächst einmal „die
Nutzen eines Projekts. Kunst der Beurteilung“ oder die
„Infragestellung“. Betrachtet man
Dies sind nur die größten die heutige Situation an Hochschu-
Beispiele für die Pläne, die das len, die sich durch Studiengebüh-
augenblickliche Rektorat für die ren, Einführung von kurzen Bache-
UDE hat. Im März dieses Jahres lor-Studiengängen, verschulten
hat das derzeitige Studierenden- Studienordnungen und privatisier-
Parlament als höchste ten Eliten charakterisiert, wird
Repräsentanz der Studierenden deutlich, dass die Bildungsinstitu-
eine klare Stellungnahme zum tion Universität einen Wandel voll-
zogen hat.
augenblicklichen
Hochschulentwicklungsplan
vorgelegt. Doch es hängt von den
Als kritische Studenten der Hoch-
Studierenden und ihrem Engage- schulgruppe DieLinke.SDS Duis-
ment ab, ob diese Vorhaben eine burg/Essen beobachten wir diesen
Zukunft haben oder einem neuen Wandel, und versuchen ihn zu a-
Plan weichen - der in Zusammen- nalysieren.

Errungenschaften der Nachkriegs-


S EITE 8 T UNIX
zeit wie die Hochschulreform von diengänge und Studienordnungen,
1977, die durch die Studentenbewe- die dem Studenten seinen Studien-
gung(68er) erkämpft wurde, sollten weg strikt vorschreiben, verdeutli-
die Hochschule demokratisieren chen diese Entwicklung.
und Chancengleichheit im Bil-
dungssystem schaffen. 40 Jahre
nach der Emanzipation der Studen- Wir sehen die Hochschule als ei-
ten und gut 30 Jahre nach der Re- nen Teil der Gesellschaft an und
form setzen sich Bund wie Länder für uns wird deutlich, dass die Ent-
über den Artikel 13.2.c des UN- wicklungen in der Gesellschaft mit
Sozialpaktes hinweg und nehmen denen in den Hochschulen unab-
uns Studenten das Recht auf Un- dingbar miteinander verbunden
entgeltlichkeit des Studiums und sind. Erscheinungen wie Erwerbs-
verstoßen somit gegen das Verbot losigkeit, Kinderarmut, Kriege, Fa-
der Einführung von Studiengebüh- schismus und Umweltverschmut-
ren. zung sind nicht zufällig, sondern
entstehen durch die kapitalistische
Gesellschaft. Der Bildungsabbau,
(Der Internationale Pakt über wirt- so wie die oben angezeigten Tatsa-
schaftliche, soziale und kulturelle chen sind nicht durch eine Kultur
Rechte, den auch Deutschland un- oder Gene der Menschen definiert,
terzeichnet hat, fordert dass „der sondern durch die Ökonomie.
Hochschulunterricht auf jede geeignete Während in Entwicklungsländern
Weise, insbesondere durch allmähliche und zunehmend auch in Industrie-
Einführung der Unentgeltlichkeit, je- ländern der Begriff „Armut“ zur
dermann gleichermaßen entsprechend Tagesordnung wird und die Bevöl-
seinen Fähigkeiten zugänglich gemacht kerung nach politischen Alternati-
werden muß“ (Artikel 13.2.c). Damit ven sucht, bereichert sich ein klei-
soll das kulturelle Menschenrecht ner Teil der Gesellschaft stetig und
auf Bildung gewährleistet werden.) lebt in vollkommenen Überfluss.

Die Einführung der Studiengebüh- Die Linke.SDS Duisburg/Essen


ren zeigt somit wie Bildung im versucht im Wintersemester 08/09
21.Jahrhundert angesehen wird, diese Widersprüche aufzuzeigen,
nämlich als Dienstleistung oder In- und sie anhand von Lektüre zu
vestition in das eigene erklären. Dazu bieten wir einen
„Humankapital“. Verschulte Stu- „Kapital-Lesekreis“ an, zu dem
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jeder herzlich eingeladen ist. In der Fehlende Studienplätze, unsoziale


bundesweiten Lesebewegung wird Studiengebühren, Bachelorabsol-
anhand Karl Marx „Das Kapital“ ventInnen ohne Perspektive…
der Stoffwechsel zwischen Mensch
und Natur von der Urgesellschaft Diese untragbaren Zustände sind
bis zum „Tod des Kapitalismus“ das Resultat der schwarz-gelben
erläutert. Bildungspolitik. An fast allen
Als kritische Studenten sehen wir Hochschulen des Landes sind die
uns außerdem dazu verpflichtet die Studierenden mittlerweile ge-
Theorie mit der Praxis zu verbin- zwungen 500 € pro Semester an
den. Pragmatische Forderungen an die Hochschule abzudrücken. Mit
der Hochschule und in der Gesell- jedem Semester steigt dadurch der
schaft könnt ihr unserem Wahlpro- Schuldenberg weiter an. Trotz
gramm entnehmen. steigender SchulabsolventInnen-
zahlen studieren immer weniger
„Die Philosophen haben die Welt nur ver-
Menschen in NRW. Das Studium
schieden interpretiert, es kommt aber darauf
wird immer mehr zu einem Privi-
an, sie zu verändern.“ Karl Marx
leg, das sich nur noch wenige leis-
ten können.

Demoaufruf vom FZS


Die bildungspolitische Misere
Dienstag, 17.06.2008, ab 11:00 Uhr wird durch die überhastete und
nicht durchdachte Umstellung auf
in Düsseldorf: Bachelor/Master-Studiengänge
noch zusätzlich verstärkt. Unstu-
Landesweite Demo dierbare Studiengänge und feh-
lende Vergleichbarkeit selbst im
eigenen Bundesland sind die Fol-
Jetzt reichts! Bildungsnotstand in ge. Ein großer Teil der Bachelor-
NRW!
AbsolventInnen wird keinen Mas-
ter-Platz erhalten. Viele werden
Landesweite Demo gegen Studien- die Hochschule ohne berufsquali-
gebühren und für einen Master für fizierenden Abschluss verlassen
alle! müssen.
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Wir fordern deshalb:


Das alles akzeptieren wir nicht
länger. Studiengebühren müssen • Gebührenfreies Studium vom Ba-
schnellst möglich abgeschafft wer- chelor bis zur Promotion.
den. Gleichzeitig muss allen Ba- • Einen Masterstudienplatz für alle.
chelor-AbsolventInnen ein Master- • Abbau aller Bildungshürden.
studienplatz zur Verfügung ge- • Studierbare Studiengänge
stellt werden. Dass die linke Mehr-
heit im hessischen Landtag Anträ- Um unseren Forderungen Nach-
ge zur Abschaffung der dortigen druck zu verleihen, werden wir am
Studiengebühren eingebracht ha- 17. Juni auf die Straße gehen. Gera-
ben, ist vor allem ein Verdienst der de jetzt, wo Studiengebühren zu
studentischen Proteste. Fall gebracht werden können, treten
Darüber hinaus ist die juristische wir mehr denn je für ein gebühren-
Zulässigkeit der Gebühren mehr freies Studium ein.
als fraglich. Am 13. März diesen
Jahres beschloss das Bundesver-
waltungsgericht (BVerwG), die
Revision der Musterklage des AS-
tA der Uni Paderborn zuzulassen.
Mit dieser Entscheidung des
BVerwG wird nun unsere Wiedervorlage:
Rechtsauffassung bestätigt. Der Studiengebühren
UN-Sozialpakt ist Bundesrecht. In
der Konsequenz bedeutet dies, Hochschulpolitischer Kommentar von
dass Studiengebühren von den Klemens Kimpele
RichterInnen, die im Herbst über
Rückdrängen der Gebühren…
die Klage beraten werden, als
rechtswidrig erklärt werden müs-
sen. Nach der Landtagswahl gibt es
in Hessen eine Mehrheit gegen
Bildung ist Menschenrecht und Studiengebühren. Durch das
muss für alle frei zugänglich sein. bundesweite Erstarken der Lin-
Die Hochschulen müssen für Stu- ken sieht sich auch die SPD wie-
dierende egal welcher sozialen der an ihr Nein zu Studienge-
Herkunft geöffnet werden. bühren erinnert – spannend
bleibt, ob das auch ein Nein ge-
K ONSEQUENT LINKE P OLITIK S EITE 11

gen die eigenen Studienkonten Damit ist noch nicht klar, wie
impliziert – und so werden die das Gericht entscheiden wird.
Gebühren in Hessen vermutlich Allerdings besteht die Chance,
abgeschafft. Diese Abschaffung dass dem Sozialpakt zur Gel-
sollte den Studierenden auch in tung verholfen wird – mit weit-
anderen Ländern Auftrieb geben reichenden Konsequenzen auch
und mit der Forderung einer ge- für andere Bundesländer.
nerell zu stärkenden Durchlässig-
keit des Bildungssystems ver- …und das Umfallen der Grü-
knüpft werden. nen

Von der Öffentlichkeit weitge- Die Nachrichten sind also er-


hend unbemerkt ist auch in NRW freulich – und dennoch ist nicht
etwas Wichtiges passiert. Das entschieden, wie es mit den Ge-
OVG Münster hatte seinerzeit die bühren in Deutschland weiter-
Studiengebühren in NRW für zu- geht. Die Freude des bürgerli-
lässig erklärt. Das OVG war der chen Lagers über eine weitere
Meinung: Das Studienbeitrags- bürgerliche Koalitionsoption in
und Hochschulabgabengesetz be- Hamburg hat die Berichterstat-
rechtige die Universität zur Erhe- tung über die Inhalte überla-
bung von Studienbeiträgen. Hö- gert. Die Grünen haben sich mit
herrangiges Recht stehe dieser der CDU auf ein Modell nach-
Regelung nicht entgegen. Das gel- gelagerter Studiengebühren ge-
te namentlich für den Internatio- einigt. Damit machen die Grü-
nalen Pakt über wirtschaftliche, nen deutlich: Sie halten das Stu-
soziale und kulturelle Rechte dium für eine Investition in das
(UN-Sozialpakt). Damit wurde eigene Humankapital – und ei-
die Rechtbindung des Sozialpak- ne solche muss sich rechnen. Es
tes, der Gebühren im Bildungs- hilft hierbei wenig, wenn die
system abzuschaffen zum Ziel Grünen ihr Gewissen mit ver-
hat, negiert. Eine Revision wurde gleichbar geringen Gebühren in
nicht zugelassen. Dem Wider- Höhe von 375 Euro und ver-
sprach nun das Bundesverwal- gleichsweise hohen Einkom-
tungsgericht: Es hat nun per Be- mensgrenzen, aber denen zu-
schluss die Revision zugelassen. rückbezahlt werden muss, be-
L INKE L ISTE .SDS - Kurzinfo—Wahlen
D UISBURG /E SSEN

Wahlen zum StuPa und zum Senat sowie


über das Semesterticket finden in der Wo-
che vom 9.-13 Juni 08 statt.
Telefon: 01775891848
E-Mail: die-linke-sds@gmx.de Mit der Erststimme wählt ihr die Linke
Impressum Liste.SDS und mit der Zweitstimme eine/
V.i.S.d.P. Oliver Opitz n KandidatIn. Für den Senat habt ihr eine
Stimme.
Vorsicht: Entscheidet ihr euch beim Se-
mesterticket für keine der beiden Optio-
INTERNET nen, kann auch das Ticket als ganzes weg-
WWW. LILI-DUE.DE fallen.

Selbst die Tatsche, dass die im Koa- aktuellen Broschüre zu nachlau-


litionsvertrag festgeschriebenen fenden Gebühren herausgearbei-
Gebühren geringer sind als heute tet. Die Argument sollte sich jede/
kann nicht darüber hinwegtäu- r zu Gemüte führen – nachgelager-
schen, dass in Hamburg ein Damm- te Gebühren werden die Ausei-
bruch droht. Viele Gebührengegner nandersetzung in der Gebühren-
scheinen das „weichere“ Modell frage sein, und hier müssen Stu-
nachlaufender Gebühren zu akzep- dierendenverbände – allen voran
tieren. Damit werden Gebühren die Linken – aktiv gegenarbeiten.
durch die Grünen auch in Schichten Die Losung muss sein: Die Ab-
attraktiv, die bisher strikt gegen schaffung der Gebühren in Hessen
Gebühren waren. Das historische aktiv betreiben, danach kurz feiern
Verdienst der Grünen wird also
HIER STEHT IHR FIRMENSLOGAN.
und dann den Dammbruch in
nicht die Abschaffung der Beust- Hamburg bekämpfen.
Gebühren sein, sondern die Ver-
breiterung der Akzeptanz von Ge-
bühren. Dass es dafür keinen [Der Autor ist beim SDS aktiv und arbeitet
Grund gibt hat das ABS in einer bei der AG Hochschulpolitik mit.]