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zwar im Vorhinein thematisiert – am Tag sel- hen des Neonazi-Großaufmarsches.

hen des Neonazi-Großaufmarsches. Nie waren sich mehr Menschen aus dem gesamten
ber aber nicht einmal ansatzweise versucht. Bundesgebiet der Problematik bewusst und wollten sich dieser annehmen. Nie war die
Darin liegt eine gravierende Schwäche in die- Zahl derer, die sich aktiv dagegen stellen wollten, größer.
sem Jahr, aber auch eine Chance für die
Zukunft. Wie in Köln 2008 muss es in Dres-
den künftig gelingen, dass Antifas und zivilge-
Besonders begrüßen wir, dass sich in der inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem Neo-
nazi-Großevent ein Wandel vollzogen hat und die Gegenaktivitäten nun auch von bewe-
gungsorientierten linksradikalen Gruppen unterstützt werden. Gleichwohl sind 2009
DRESDEN 2010
sellschaftliche Kräfte zusammen oder in gegen- nicht annähernd alle Vorstellungen umgesetzt worden – der Neonazi-Aufmarsch konn-
seitiger Bezugnahme den Neonazi-Aufmarsch
blockieren wollen und am entsprechende Tag alles
Mögliche tun, um dies in die Tat umzusetzen.
te weder be- noch verhindert werden.
Um dies zu erreichen, muss in Dresden Einiges geschehen. Eine antifaschistische und
radikale Linke, die sich politisch ernst nimmt, muss 2010 enorme Anstrengungen ver-
CALLING!
Um die Parole „Europas größten Nazi-Aufmarsch wenden, um den Neonazi-Aufmarsch in Dresden zu blockieren und zu verhindern. Die
stoppen“ ernst nehmen zu können, muss dazu Auseinandersetzung mit dem Geschichtsrevisionismus der extremen Rechten und der Auswertung der Antifaschistischen
ein Sinneswandel beim „Geh Denken!“-Bünd- bundesrepublikanischen Öffentlichkeit muss hierbei inhaltliche Grundlage sein.
nis stattfinden. Blockade und Verhinderung des Neonazi-Aufmarschs müssen von Antifa und Zivilgesell- Linken Berlin [ALB] zu den Aktivitäten
Noch ist nicht allerdings absehbar, ob sich in schaft klar und offen als gemeinsames Ziel formuliert werden. Entsprechend muss an
diesem heterogenen Bündnis diejenigen durch- dem Tag und im Vorfeld zusammen agiert werden. Die Grundlagen hierfür sind dieses gegen den Neonazi-Großaufmarsch in
setzen werden, die CDU, FDP und die Stadt Jahr gelegt worden. 2010 müssen sowohl die antifaschistische als auch die zivilgesell-
Dresden mit ins Boot holen und weiter auf Sym- schaftliche Mobilisierung größer und entschlossener werden – und in gegenseitiger Bezug- Dresden am 14. Februar 2009.
bolpolitik setzen wollen, oder ob es den Freun- nahme und Akzeptanz vorgehen. Die Relevanz des Neonazi-Aufmarsches und die Ein-
dInnen des praktischen Antifaschismus im Bünd- bettung in die speziellen gesellschaftlichen Gegebenheiten in Sachsen und vor allem in
nis gelingen wird, im Sinne einer tatsächlichen Dresden dürften 2009 durch die mediale Aufmerksamkeit noch mehr Menschen deut- Times are changing
Verhinderung des Neonazi-Aufmarschs zu agie- lich geworden sein. Daran gilt es in den nächsten Jahren anzuknüpfen. Die Gegenaktivitäten zum Neonazi-Aufmarsch in Dresden im Jahr 2009 stellen einen
ren. Nicht unwesentlich wird dabei sein, wie Unsere Aufgabe ist es, jetzt direkt weiter zu machen und neue Ausgangslagen für näch- Perspektivenwechsel dar. Nie zuvor kamen mehr Menschen aus der gesamten BRD
sich die Partei DIE LINKE im Lauf des näch- stes Jahr zu schaffen. Wir müssen Neonazi-GegnerInnen vernetzen und die Zusammen- nach Dresden und brachten ihren Protest auf die Straße: Etwa 5.000 Menschen nah-
sten Jahres positioniert, welche Rolle sie ein- arbeit zwischen Antifa und Zivilgesellschaft stärken, um gemeinsame Aktionen im Jahr men an der Demonstration des neu gegründeten, bundesweiten Antifa-
nehmen will und wie sie ihre Aufgabe defi- 2010 vorzubereiten und dann auch umzusetzen. Bündnis „No Pasarán!“ teil. 8.000 Menschen
niert. In diesem Jahr hat die Partei alle drei beteiligten sich an den Aktionen des zivilgesell-
Bündnisse vor Ort unterstützt, direkt mobili- Für die Antifaschistische Linke Berlin wird es auf jeden Fall auch im Februar 2010 schaftlichen „Geh Denken!“-Bündnis und meh-
siert wurde von ihren führenden VertreterInnen allerdings nur für die Akti- wieder heißen: rere Hundert an den Protesten des antideutschen
vitäten von „Geh Denken!“. Für das kommende Jahr erwarten wir eine klare und ★ No Pasaràn! Kein Ort für die Verdrehung der Geschichte „venceremos“-Bündnis am Vortag. Unbestritten
öffentliche Positionierung für eine Blockade der Neonazis – auch innerhalb des Geh ★ Den Neonazi-Großaufmarsch in Dresden verhindern! ist die unterschiedliche inhaltliche und aktionisti-
Denken-Bündnisses. sche Ausrichtung der Gegenproteste. Nichtsdesto-

V.i.S.d.P. Nadja Schmidt, Rigaer Str. 200, 10247 Berlin


Antifaschistische Linke Berlin [ALB] – Juni 2009 trotz stellt allein die Masse an Menschen, die den

Fotos: Björn Kiezmann, P. M. Cheung, iGuerilla


Don’t look back in anger – Dresden 2010 Neonazi-Aufmarsch in Dresden als bundes-, ja euro-
Zusammenfassend halten wir fest: Dresden 2009 war mit 7.000 Neonazis der größ- paweites Problem begreifen, einen eindeutigen
te und erfolgreichste Aufmarsch der letzten Jahre in Deutschland und Europa. Trotz- Februar 2010 – Alle nach Dresden! Wandel dar. Unsere politische Bewertung der Vor-
dem war es auch mit Abstand die erfolgreichste Antifa-Mobilisierung seit dem Beste- bereitungen der Gegenproteste, des Verlaufes des
Infos unter www.antifa.de 14. Februar 2009 und die Konsequenzen, die
wir daraus für 2010 ziehen, sind Gegenstand
dieses Textes.

Hingehen, wo was geht: mit ALB


und IL nach Dresden
Im Nachlauf der 2007 im Antifaschistischen
Info Blatt (AIB) begonnenen Debatte um Ziele
und Perspektiven antifaschistischer Politik fand
im März 2008 in Marburg eine Podiumsdis-
kussion zwischen VertreterInnen der [ALB],
Avanti, der Antifaschistischen Linken International Göttingen [ALI] und der Antifa und linksradikalen Bewegung zu mobilisieren und in gegenseitiger Bezugnahme auch mit se schwer verletzten DemonstrantInnen. Autonomer Antifaschismus heißt auch
KOK Düsseldorf statt. Als Folge der Diskussion entwickelte sich innerhalb des bun- bürgerlichen Neonazi-GegnerInnen zusammenzuarbeiten. Primäres Ziel war es im Gegen- Unversöhnlichkeit mit den bestehenden Verhältnissen und nicht das schweigende
desweiten, bewegungsorientierten Zusammenschlusses Interventionistische Linke satz zu der Antifa-Mobilisierung der letzten Jahre, sich nicht an den BürgerInnen abzuar- Hinnehmen von staatlicher Gewalt.
(IL) die Ansicht, dass der jedes Jahr in Dresden stattfindende Neonazi-Aufmarsch ein beiten, sondern den größten Neonazi-Aufmarsch in Europa zu verhindern.
gemeinsames Thema für eine breit angelegte Antifa-Mobilisierung sein muss. In diesem „No Pasaràn!“-Bündnis sahen wir als Antifaschistische Linke Berlin [ALB] und Kann Dresden Köln?
Gründe dafür waren und sind die Relevanz des Aufmarschs für die extreme Rechte, Teil der Interventionistischen Linken (IL) unseren lokalen Referenzpunkt für eine Inter- Die bürgerlichen Gegenproteste des „Geh Denken!“-Bündnis, dem neben Gewerk-
der dort vertretene Geschichtsrevisionismus und dessen thematische Anschlussfä- vention. Mit einer bundesweiten antifaschistischen Großmobilisierung betraten wir 2009 schaften und zivilgesellschaftliche Gruppen vor allem demokratische Parteien links
higkeit an die bürgerliche Mitte in der BRD, in Sachsen und insbesondere in Dres- absolutes Neuland in Dresden. von CDU und FDP angehörten, mobilisierten ebenfalls bundesweit gegen den Neo-
den. Dort ist ein Neonazi-Aufmarsch von einer Dimension entstanden, der in der nazi-Aufmarsch und schafften es immerhin ca. 8.000 Menschen auf die Straße zu
BRD aktuell ohnegleichen ist. Um es verkürzt, aber eindeutig zu sagen: In Dresden Berlin fährt Zug bringen. Dies ist selbstverständlich zu begrüßen.
sind die politischen Koordinaten der vermeintlichen Mitte der Gesellschaft weit nach Die An- und Abreise von AntifaschistInnen aus Berlin wurde 2009 bewusst per Bahn orga- Vergessen werden darf aber nicht, dass diese Anstrengungen zum Auftakt des Super-
rechts verschoben. Der gesellschaftliche Diskurs zum Thema Bombardierung und nisiert. Hintergrund dessen war, dass schon auf der Anreise als „kritische Masse“ agiert wahljahres 2009 von statten gingen, in dem sich alle Parteien als der wirksamste
einhergehender Täter-Opfer-Umkehrung bewegt sich so weit rechts, dass ein gemein- werden sollte, die ein erfolgreiches gemeinsames Handeln in Dresden begünstigen könn- Akteur im Kampf gegen Rechts präsentieren wollen.
samer Trauermarsch von Neonazis und BürgerInnen möglich war. Hinzu kommt die te. Zudem gab es in den Jahren davor regelmäßig Angriffe von Neonazis im Zug. Durch Ein großes Problem in Dresden stellen die vollkommen unterschiedlichen zivilge-
Tatsache, dass am bürgerlichen Trauern auf dem Heidefriedhof um die deutschen die gemeinsame Fahrt konnte dies 2009 – zumindest für AntifaschistInnen aus Berlin – sellschaftlichen Strukturen und Rahmenbedingungen im Vergleich zu Köln oder
Opfer der Bombardierung jedes Jahr wieder unwidersprochen Neonazis teilnehmen verhindert und den Neonazis etwas Platz in den öffentlichen Verkehrsmitteln streitig anderen Städten in den westlichen Bundesländern dar. Die meisten TeilnehmerIn-
konnten. gemacht werden. nen der Gegenproteste kamen über die bundesweite Mobilisierung von außerhalb.
Für uns als linksradikale Antifas ist hier der Anlass für eine massenhafte, bundeswei- Allerdings kam es bereits am Treffpunkt in Berlin zu grundlosen Übergriffen der Polizei, In Dresden selbst ist es den fortschrittlichen Teilen der Zivilgesellschaft bisher nicht
te Intervention gegeben. die Verletzte und Anzeigen nach sich zogen. Den wenigen Neonazis im Zug wurde genau gelungen, in die Offensive zu kommen. Das bereits erwähnte gesellschaftliche Kli-
so viel Platz wie den rund 400 AntifaschistInnen zugesprochen und die Abfahrt des Zuges ma und die insbesondere von der CDU vorangetriebene „Extremismus-Theorie“
Wir werden siegen? massiv verzögert. Beim Umsteigen auf der Strecke nach Dresden gewährleistete die Poli- münden vor Ort regelmäßig in einer Gleichsetzung von Links und Rechts sowie in
Die antifaschistische Gegenmobilisierung der letzten Jahre wurde vor allem durch zei schließlich, dass in den Anschlusszug vor allem Neonazis einsteigen durften. Viele Ber- der Forderung nach einem stillen Gedenken an die Opfer der Bombardierung. Pro-
antideutsche Antifa-Gruppen im Rahmen des so genannten „venceremos“-Bündnis- liner AntifaschistInnen kamen dadurch erst mit einiger Verspätung in Dresden an. test gegen Neonazis ist darin nicht vorgesehen. Von Seiten der Stadt Dresden wur-
ses betrieben. Zugute halten muss man ihnen den Versuch, den Neonazi-Aufmarsch Ein derartiges polizeiliches Vorgehen ist unserer Einschätzung nach weder spontan noch de noch nicht einmal versucht, den Aufmarsch zu untersagen. Im Gegenteil: Ord-
und seine Besonderheit, nämlich die Anschlussfähigkeit an bürgerliche Diskurse, zufällig. Es lässt sich allerdings auch durch eine gemeinsame Fahrt im Buskonvoi nicht nungsamt und Gerichte haben den Nazi-Aufmarsch explizit gleichberechtigt mit
immer wieder in den Mittelpunkt antifaschistischer Debatten zu rücken. Das Verhar- ausschließen. Dies zeigen nicht zuletzt die Erfahrungen bei vorhergegangenen Großmo- den anderen Demonstrationen behandelt.
ren auf einer theoretisch-philosophischen Ideologiekritik beschränkt antideutsche bilisierungen wie beispielsweise nach Köln gegen den Anti-Islamisierungs-Kongress im Diese Situation macht es für 2010 noch wichtiger, den Aufmarsch als bundeswei-
Antifa-Gruppen allerdings in ihrer praktischen Handlungsfähigkeit und führt in die September 2008. tes Problem zu begreifen, politischen Druck von Außen zu erzeugen und breit nach
politische Isolation. Ihr entkontextualisiertes Verwenden von Nationalfahnen, das für Dresden zu mobilisieren. Gleichzeitig muss sich in Dresden aber auch die Erkennt-
AntimilitaristInnen unerträgliche Abfeiern von Krieg und Kriegsmaterial in Layout Zum Tag selber: Bilder, die weltweit zu verstehen sind nis durchsetzen, dass Symbolpolitik fernab der Neonazis nichts bringt – wirkungs-
und Texten, die undifferenzierte Gleichsetzung von BürgerInnen und Neonazis sowie In Dresden fand mit 4.000 TeilnehmerInnen die bisher größte Antifa-Demo statt. Grund- voller Protest kann nur heißen, den Aufmarsch der Neonazis direkt zu blockieren.
das Diffamieren von zivilgesellschaftlichen Versuchen, den Neonazi-Aufmarsch zu lage dafür war die bundesweite Mobilisierung durch bewegungsorientierte Antifa-Struk- In diesem Zusammenhang kritisieren wir insbesondere die Symbolpolitik des „Geh
stoppen, machten es bewegungsorientierten Antifas unmöglich, sich an den Bündnis- turen und IL, die auf eine Blockade des Neonazi-Aufmarsches zielte. Hier bleibt festzu- Denken!“-Bündnisses. Im Vorfeld des 14. Februar mobilisierten Teile dieses Bünd-
bestrebungen von „venceremos“ zu beteiligen. halten: Der Neonazi-Aufmarsch konnte in keiner Weise behindert oder gar verhindert nisses unter anderem mit der Parole „Dresden kann Köln!“ und spielten damit auf
Mit dieser Ausgangslage gründete sich Anfang 2008 in Dresden das „No Pasaràn!“- werden. Das muss im nächsten Jahr anders werden. die massenhafte Blockade des Anti-Islamisierungs-Kongress im September 2008 an.
Bündnis. Es hat sich zur Aufgabe gemacht, mehr Gruppen aus der antifaschistischen Für den Verlauf des 14. Februar 2009 bedeutsam war insbesondere das skandalöse und Am Tag selber war von solcher Entschlossenheit wenig zu spüren: Fernab der Neo-
eindeutig gegen links gerichtete Polizeikonzept: Die „No Pasaràn!“-Demo durfte nicht die nazis wurden Bühnen aufgebaut, Reden gehalten, Bratwürste gegessen und Demos
vorgesehene Route gehen, wurde mehrmals von teilweise schwerbewaffneten Polizeiein- durchgeführt. Eine Blockade des Neonazi-Aufmarsches wurde von „Geh Denken!“
heiten angegriffen, musste mit nahezu komplettem Spalier laufen und wurde am Ende
gekesselt. Währenddessen marschierten nahezu 7.000 Neonazis aus ganz Deutschland
und dem europäischen Ausland unbehelligt und frei von direkten Protesten durch Dres-
den. In unmittelbarer Nähe des Aufmarsches war kaum Polizei eingesetzt. Dies hatte zur
Folge, dass die Neonazis die behördlichen Auflagen durchaus frei auslegten, teilweise ver-
mummt und bewaffnet marschierten und JournalistInnen am Rande angriffen.
Im Anschluss an die Antifa-Demo kam es zu verschiedenen militanten Aktionen gegen
die Polizei und deren Fahrzeuge. Diese Aktionen sind absolut nachvollziehbar vor dem
Hintergrund der durch die Stadt Dresden und die Polizei provozierten Eskalation im Vor-
feld und während der Demo, der weiträumig abgeschirmten Neonazis und vielen teilwei-