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AZ 5000 Aarau | Nr. 207 | 9. Jahrgang | Ausgabe 30 | Redaktion 058 200 53 10 | E-Mail redaktion@schweizamsonntag.ch | Abo 058 200 55 00 | Anzeigen 058 200 53 53 | Fr. 3.50

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PATRIZIA LAERI & CO.

MARK ZUCKERBERG

Facebook probt die Zukunft: Internet soll begehbar werden.

Seite 11

probt die Zukunft: Internet soll begehbar werden. Seite 11 Bevorzugt das Schweizer Fern- sehen junge Moderatorinnen?

Bevorzugt das Schweizer Fern- sehen junge Moderatorinnen?

Seite 20

Schweiz am Sonntag

31. Juli 2016 | Nationale Ausgabe | www.schweizamsonntag.ch

Die unheimliche Macht des Silicon Valley
Die unheimliche Macht
des Silicon Valley

MachbarkeitsglaubeundGrössenwahn: DerApple-KonzernbautinCupertino (Kalifornien) einengigantischenneuenCampus.

Reuters/NoahBerger

VONPATRIKMÜLLER

Nichts hat unseren Alltag, unsere Ar- beit und unsere Gesellschaft so tief- greifend verändert wie das Internet und das Smartphone. Genau 25 Jahre ist es her, seit die erste Website online ging – es war der Urknall der digitalen Revolution. Aus diesem Anlass ist ein Redaktionsteam der «Schweiz am Sonntag» ins Silicon Valley gereist. In jenes Tal an der US-Westküste südlich von San Francisco, aus dem fast all die bahnbrechenden Erfindungen kom- men, die «disruptiven Innovationen», welche ganze Branchen umpflügen. Apple, Google, Facebook, Tesla und der Fahrdienst Uber sind nur einige der bekanntesten Firmen, die hier, zwölf

Flugstunden von Zürich, beheimatet sind – und die Revolution in immer schnellerem Tempo vorantreiben. Für unsere Schwerpunktausgabe haben wir führende Persönlichkeiten aus dem Valley getroffen, so den legendären Präsidenten der Elite-Universität Stan- ford John Hennessy, dessen bekanntes- te Schüler die Gründer von Google wa- ren. Wir sprachen mit dem Baselbieter Urs Hölzle, der seit den Anfängen bei Google ist, mit dem Rheintaler Daniel Graf, der mit Uber, dem am schnellsten wachsenden Unternehmen der Ge- schichte, Grosses vorhat, und mit dem Zürcher Super-Investor Toni Schneider, der in über 200 Start-ups investiert ist. Das Bild, das sich aus den Gesprä- chen ergab, ist klar: Die Revolution ist

aus den Gesprä- chen ergab, ist klar: Die Revolution ist erst gerade losgegangen. In unserer heutigen

erst gerade losgegangen. In unserer heutigen Ausgabe lesen Sie, welches die nächsten grossen Dinge sind, an denen die Valley-Pioniere arbeiten. Virtuelle Realität beispielsweise gehört dazu (siehe «morgen»-Bund). Wir zeigen, warum Schweizer Mana- ger in Scharen nach Kalifornien pil- gern und wieso hier immer mehr Fir- men, von Swisscom bis Nestlé, eigene Niederlassungen gründen (siehe Wirt- schaftsteil). Und wir fragen: Worin lie- gen die Chancen des Wirtschafts- und Bildungsstandorts Schweiz? Zudem be-

leuchten wir die fragwürdigen Seiten der Internet-Pioniere: Ihr Machbar- keitsglaube und die Besessenheit, alle Probleme der Menschheit durch Tech- nik zu lösen, offenbaren einen Grös- senwahn, der gefährlich ist und die Demokratie untergraben kann. Sinn- bildlich dafür steht der neue, giganti- sche Campus von Apple in Cupertino, der gerade im Bau ist (siehe Foto) und vom Konzern «Spaceship», also Raum- schiff, genannt wird. Das Silicon Valley hebt ab – ob das gut kommt?

Reportagen, Analysen, Porträts, Reisetipps, Interviews – die Beiträge aus Kalifornien finden Sie in allen Zeitungsbünden.

Brasilien, wir kommen!

Alles über die Olympischen Spiele in Rio.

Seite 36/37

Alles über die Olympischen Spiele in Rio. Seite 36/37 Brisanter Rat von Experten Bundesanwalt und -strafrichter

Brisanter Rat von Experten

Bundesanwalt und -strafrichter abschaffen.

Seite 10

Filmfestival

Locarno

Hollywoodstar Bill Pullman im Interview.

Seite 43

Kochen mit Holz, Moos und Rinde

Neuer Trend:

Der Wald zieht in die Küche.

Seite 48

Kommentar

«In der Schweiz gleicht Trump am ehesten Lega- Gründer Giuliano Bignasca.»

OTHMARVONMATT

Seite 19

CH_So

48 Kommentar «In der Schweiz gleicht Trump am ehesten Lega- Gründer Giuliano Bignasca.» OTHMARVONMATT Seite 19

Silicon Valley

Silicon Valley Epizentrum der digitalen Revolu Im Silicon Valley ist man besessen davon, jedes erdenkliche Problem

Epizentrum der digitalen Revolu

Im Silicon Valley ist man besessen davon, jedes erdenkliche Problem der Menschheit zu lösen. Auch Schweizer zieht es in Scharen hierhin. Was ist die Erfolgsformel des mächtigsten Tals der Welt?

VONPATRIKMÜLLER, ANDREASMAURER (TEXT) UNDPATRICKZÜST (FOTO)

Der dunkelgraue Kapuzenpulli wäre nichts Spezielles ohne die sechs weiss aufgedruckten Buchstaben. Google. Dieser Schriftzug macht das Klei- dungsstück wertvoll, 55.99 Dollar kos- tet es. Daneben hängt ein Rucksack, schwarz, mit denselben sechs Buch- staben, für 99.99 Dollar. Wir sind im Google-Shop in Mountain View (Kali- fornien), am Hauptsitz des Internet- konzerns. Es gibt hier von Baby-So- cken bis zur Lippenpomade unzählige Werbeartikel. Die Leute reissen sich darum, und sie zahlen dafür. Sie ma- chen Selfies vor dem Google-Auto und posieren stolz vor dem Firmenlogo. Sie wollen beweisen können: Ich war hier, in der Machtzentrale der digita- len Welt, bei den Revolutionären des 21. Jahrhunderts. Google, Facebook, der Fahrdienst Uber, der Online-Händler Amazon und natürlich Apple mit seinen Kult- produkten iPhone und iPad: Sie sind daran, unseren Alltag, unsere Bezie- hungen und unsere Arbeit komplett zu verändern. Die Menschen rund um den Globus machen bei dieser Revolu- tion mit. Und die Revolutionäre schaf- fen es gar, Fanartikel zu verkaufen. «Don’t be evil», sei nicht böse, lautet das Motto von Google. Apple-Gründer Steve Jobs prägte den Satz: «Make the world a better place», mach aus der Welt einen besseren Ort. Die Revoluti- onäre sagen alle, sie hätten nur Gutes im Sinn. Das gilt auch für Elon Musk, den Gründer des Elektroautos Tesla, der diese Woche in den USA eine «Gi- gafabrik» (O-Ton Musk) eröffnet hat, in dem er Batterien herstellen will, die nichts weniger als «das Energieprob- lem lösen» sollen.

Ein Hort des Optimismus

Das Silicon Valley, in dem die meisten dieser Firmen beheimatet sind, sei ein «Hort des Optimismus und des Glau- bens, dass sich Probleme lösen las- sen», sagt John Hennessy, der Präsi-

dent der Elite-Universität Stanford. Wir treffen ihn in seinem Büro, inmit- ten von Kartonschachteln. Der legen- däre Professor, dessen berühmteste Schüler die Google-Gründer Sergey Brin und Larry Page waren, wird bald pensioniert und hat schon die ersten Kisten gepackt. Hennessy glaubt dar- an, dass an seiner Wirkungsstätte und im Valley noch viele grosse Probleme der Menschheit gelöst werden. Was man in Europa bisweilen als Grössen- wahnsieht, wird in Kalifornien wenig hinterfragt. «Wir sind Problem-Sol- vers», lautet das Selbstverständnis. Egal ob man mit Professoren, Start- up-Gründern oder Investoren spricht:

Immer dringen ein unbändiger Opti- mismus und ein Machbarkeitsglaube durch, verbunden mit Risikolust. Das ist insofern bemerkenswert, als nur 1 bis 2 Prozent der Start-up-Unterneh- mer im Silicon Valley wirklich eine Fi- nanzierung finden, und von diesen wiederum wird nur ein kleiner Bruch- teil ein wirklicher Erfolg. Das Silicon Valley ist in Wahrheit ein Tal der Ver- lierer. Aber scheitern gehört hier zum Konzept, das gilt auch für die Gross- konzerne: Die Wunderbrille «Google Glass» war ein spektakulärer Flop. Schwamm drüber – stattdessen tüftelt Google nun halt am selbstfahrenden Auto und anderen Dingen.

Zauberwort Disruption

Wahrgenommen werden nicht die Flops, sondern die disruptiven Inno- vationen: Erfindungen, die die Welt verändern und ganze Wirtschaftszwei- ge umpflügen. Deswegen wallfahren auch Schweizer Unternehmer und Manager ins Silicon Valley, um von den supererfolgreichen Internetkon- zernen zu lernen. Sie sind nicht nur von Lernbegierde getrieben, sondern auch von Angst: Wird vielleicht bald ihr eigenes Unternehmen «disrum- piert», von einem Start-up infrage ge- stellt? Was ist das nächste grosse Ding, das hier entsteht? Der Business-Tourismus boomt. Swiss bietet seit 2010 Direktflüge von

boomt. Swiss bietet seit 2010 Direktflüge von Google - ShopamKonzernsitzinMountainView :

Google-ShopamKonzernsitzinMountainView: DieRevolutionäreverspre-

cheneinebessereWelt dieKonsumentenkaufenesihnenab.

PatrickZüst

Zürich nach San Francisco an. Vor ei- nem Jahr wurde das Angebot im Som- mer auf zwei tägliche Verbindungen verdoppelt, und der nächste Ausbau steht bevor: Ab April 2017 setzt Swiss auf der Strecke ausschliesslich das neue Flaggschiff ein, die Boeing 777 mit 121 zusätzlichen Sitzplätzen. Mittlerweile haben die Pilgerströme Dimensionen erreicht, die selbst spezi- alisierten Tourenanbietern nicht mehr geheuer sind. Einige von ihnen, die Ausflüge von San Francisco ins Silicon Valley verkaufen, betonen auf ihren Websites neuerdings nicht mehr, was man alles erleben wird, sondern was man nicht sehen wird. Wer keine Be- ziehungen hat, wird die Zentralen von Google oder Facebook nicht von in- nen besichtigen können. Auf den teuren Touren werden die Tech-Touristen dann vor allem mer- ken, dass das Silicon Valley spektaku-

lär unspektakulär ist. Ein paar staubi- ge Kleinstädte entlang der Autobahn, deren Ausfahrten man leicht verpasst. Es bleibt nicht beim Reisen. Viele Unternehmen haben Niederlassungen in der Gegend, Multis wie Nestlé eben- so wie die bundesnahen Betriebe Post und Swisscom. Vermehrt ziehen auch kleinere Unternehmen hierher, etwa der Uhrenhersteller TAG Heuer mit Sitz in La Chaux-de-Fonds, der ab No- vember in Santa Clara ein Dutzend In- genieure einstellen wird. Sie alle wol- len in dieser fast magischen Gegend präsent sein und hier die Erfolgsfor- mel der Zukunft finden. Auch die offizielle Schweiz ist da: An bester Lage, am Pier von San Francis- co, ist Swissnex domiziliert, eine In- itiative des Wirtschaftsdepartements des Bundes. Swissnex will Brücken schlagen zwischen den USA und der Schweiz und vereinigt Start-ups,

Hochschulen, aber auch Kunst. Fast jede Woche finden am Pier Veranstal- tungen mit Schweiz-Bezug statt.

Die Defizite Europas

Warum finden helvetische Unterneh- men ein derartiges Gründer-Biotop of- fenbar nur im Silicon Valley vor, ei- nem Tal, das in Wahrheit gar kein Tal, sondern ein Canyon ist? In einer Ge- gend, die bis in die 1950er-Jahre eine Obstplantage war, bevor sie die Ingeni- eure und die Chip-Produzenten ent- deckten, welche dem «Tal» den Na- men gaben (Silicium dient zur Herstel- lung von Halbleitern)? In der Kantine der Stanford Busi- nessschool begegnen wir zufällig dem britischen Star-Historiker Timothy Garton Ash. Wir fragen ihn, warum die Kapitale der Innovation nicht in Europa liege. Ohne lange nachzuden- ken, nennt er drei Gründe: «Erstens

Windows 95, iPodundGoogle-Auto: MeilensteineseitdemStartdesInternets

1991

Der britische Physiker Tim Berners-Lee schaltet am Cern in Genf die erste Website der Welt frei – die Seite, die unter der Adresse info.cern.ch abrufbar ist, besteht aus 165 Wörtern.

1995

Microsoft-Gründer Bill Gates stellt das Betriebs- system Windows 95 vor, das die Computerwelt verändern sollte.

Windows 95 vor, das die Computerwelt verändern sollte. BillGates , derErfindervon Windows . 1996 Die

BillGates, derErfindervon Windows.

1996

Die Stanford-Absolventen und späteren Google-Grün- der Sergey Brin und Larry Page entwickeln den Page- Rank-Algorithmus (benannt nach Larry Page), der heute 3½Milliarden Suchanfragen pro Tag bearbeitet – und mitentscheidet, was relevant ist.

1999

Mit dem Blackberry kommt das erste Handy auf den Markt, mit dem man gleich- zeitig telefonieren, texten und E-Mails verschicken kann. Heute ist Blackberry

zu einem unbedeutenden Unternehmen ge- schrumpft.

Blackberry zu einem unbedeutenden Unternehmen ge- schrumpft. 1999 Napster ist die erste On- line-Musiktauschbörse.

1999

Napster ist die erste On- line-Musiktauschbörse. Erstmals lassen sich MP3- Musikdateien über das In- ternet teilen. Revolutionär

ist der sogenannte Peer- to-Peer-Ansatz (P2P).

2000

Die uneingeschränkte Frei- gabe der Satellitendaten des Global Positioning Sys- tem (GPS) durch das US- Militär sorgt dafür, dass die Technik präziser und die Geräte erschwinglicher werden. Damit wird der Weg für den Siegeszug der Navis im Auto bereitet.

2001

Apples iPod revolutioniert die Musikindustrie. Statt CDs im Laden zu kaufen,

die Musikindustrie. Statt CDs im Laden zu kaufen, SteveJobslandetmitdem iPodeinenHit . Fotos: Reuters,

SteveJobslandetmitdem

iPodeinenHit.

Fotos: Reuters, Keystone, Ho
Fotos: Reuters, Keystone, Ho

MarkZuckerberg, dererste NutzervonFacebook.

tion

tion fehlt es in Europa an Schulen und Uni- versitäten, die wie Stanford konse- quent auf

fehlt es in Europa an Schulen und Uni- versitäten, die wie Stanford konse- quent auf Innovation und Gründer- tum setzen und die besten Talente der Welt anziehen. Zweitens fehlt es in Eu- ropa an Kapital und Risikobereit- schaft, wie es hier fast im Übermass vorhanden ist. Drittens fehlt es in Eu- ropa an einem grossen, einheitlichen Markt mit einer Sprache, die alle ver- stehen, um Produkten zum Durch- bruch zu verhelfen.» Städte rund um den Globus versu- chen, eine Innovations- und Start-up- Kultur zu etablieren, um im digitalen Zeitalter zu bestehen. New York strebt auf, auch Tel Aviv, in Europa verfügen insbesondere London, Berlin, Stock- holm und auch Zürich über eine leb- hafte Start-up-Szene. In Zürich haben namhafte Unter- nehmen die Initiative «Digital Zurich 2025» gegründet und wollen den

Standort zu einem der bedeutendsten in Europa machen. Der Initiant, Rin- gier-Chef Marc Walder, der wiederholt ins Valley reiste, vergleicht den Wett- bewerb mit einem Fussballspiel: «Die erste Halbzeit hat Europa gegen die USA verloren. Und zwar haushoch. Nun läuft die zweite Halbzeit. Und die Uhr tickt gegen Europa.» Zürich habe jedoch gute Chancen, die Stadt sei weltweit top in Innova- tion, Investitionen in digitale Weiter- entwicklungen, Bandbreite für Inter- netdaten und Lebensqualität. Das rei- che aber nicht: «Die Besteuerung des Vermögens von jungen Firmen ist ein zentrales Thema, auch die Besteue- rung von Mitarbeiterbeteiligungen. Hier muss der Standort Zürich attrak- tiver werden für Start-ups», fordert Walder.

Für den Durchbruch in die USA

Schweizer Investoren im Silicon Valley sind für ihre alte Heimat erstaunlich zuversichtlich. Super-Investor Toni Schneider ist 1989 nach Kalifornien ausgewandert und hat mit seinen Ge- sellschaften über eine Milliarde Fran- ken in 200 Start-ups investiert. In Zü- rich sei es viel einfacher geworden, ein Start-up zu gründen: «Das ist eine super Entwicklung.» Er plant auch sel- ber, in Schweizer Jungfirmen zu inves- tieren. Schneider glaubt, die Schweiz sei ideal für Gründungen – doch wenn ein Start-up dann wachse und den glo- balen Durchbruch suche, müsse es ir- gendwann in die USA kommen. «Der Markt in der Schweiz ist einfach zu klein, und es ist zu wenig Kapital vor- handen», analysiert Schneider. Diejenigen, die es wirklich schaffen, bleiben dann meist für immer. Schnei- ders drei Kinder wachsen in Kaliforni- en auf, Uber-Topmanager Daniel Graf hat sich eine riesige Farm gekauft, und für Urs Hölzle, der zu Google stiess, als die Firma noch weniger als zehn Mitarbeiter beschäftigte, sind die USA längst zur Heimat geworden. Nur die analoge Armbanduhr erinnert an sei- ne Herkunft: Hölzle trägt ein Modell der SBB-Bahnhofsuhr am Handgelenk, roter Sekundenzeiger inklusive.

Das Web kam in Genf zur Welt

Am 6. August 1991 ging die erste Website online. Ein Besuch bei zwei Geburtshelfern.

 

VONCHRISTOPHBERNET

 

Die dunklen Korridore mit Li- noleumböden atmen noch den Geist des vordigitalen Zeital- ters. Nichts deutet darauf hin, dass hier, auf dem Boden der Genfer Vorortsgemeinde Mey- rin, direkt an der französi- schen Grenze, die Wiege der digitalen Revolution liegt. «Ir- gendwo hier hat Tim Berners- Lee das World Wide Web er- schaffen», sagt Ben Segal, wäh- rend er durch ein in die Jahre gekommenes Bürogebäude auf dem Gelände des Cern schrei- tet. In welchem der kleinen, spartanisch eingerichteten Bü- ros Berners-Lee damals gear- beitet habe, wisse niemand mehr so genau, sagt Segal. Am 6. August 1991 ging hier die erste Website der Welt on- line – der Server befand sich in Berners-Lees Büro in einem Untergeschoss. Der britische Informatiker Ben Segal war ei- ner der Mentoren von Ber- ners-Lee. Er unterstützte ihn dabei, seine Vision eines welt- weiten Informationsnetzes zu verwirklichen. Von 1971 bis zu seiner Pensionierung 2002 war Segal am Cern tätig. Heute ist der 79-Jährige Ehrenmitglied der Informatikabteilung. Zielstrebig steuert Segal auf eine unspektakuläre Messing- platte zu: «Where the Web was born» steht dort in schwarzen Lettern. Es ist die einzige Reve- renz an die wohl revolutionärs- te Entwicklung, die im Cern ih- ren Anfang nahm.

«Vage, aber aufregend»

Tim Berners-Lee arbeitete ab 1984 in der Informatikabtei- lung des Cern und befasste sich mit Standards zur elektro- nischen Datenübermittlung. Sein regulärer Job habe ihn nicht besonders in Anspruch genommen, weshalb er Zeit hatte, seine Vision des World Wide Web voranzutreiben, sagt Segal. 1989 legte Berners-Lee seinem Vorgesetzten Mike Sendall ein 14-seitiges Konzept vor. Der nüchterne Titel: «In- formation Management: A Pro- posal». Sendall war angetan von der Idee seines brillanten Mitarbeiters: «Vage, aber aufre- gend», lautete sein Fazit. «Als ich Tims Vorschlag zum ersten Mal gelesen habe, habe

ich das meiste nicht verstan- den», gesteht Segal. Viele For- scher hätten sich damals mit Fragen des Informationsaus- tausches zwischen verschiede- nen Computernetzwerken aus- einandergesetzt. Im Gegensatz zu den anderen habe Berners- Lee eine Vision gehabt und die- se umgesetzt. Er sei jung genug gewesen, um an seinen Traum zu glauben. Von Hindernissen für seine Idee eines weltweiten Netzes habe er sich nicht ent- mutigen lassen. «Tim sagte mir immer: Ben, wir müssen uns nur auf ein paar simple Sachen einigen.»

«Ein grossartiger Kerl»

«Tims netzartige Struktur war revolutionär und ihre Geniali- tät wurde vom Cern zunächst nicht erkannt», sagt Maria Di- mou. Die 56-jährige Informati- kerin ist seit 1988 am Cern tä- tig. In der experimentellen Physik, der Königsdisziplin des Cern, seien hierarchische In- formationsstrukturen domi- nant gewesen, sagt Dimou. «Tims Ideen trafen am Cern deshalb auf Widerstand.» Weil Berners-Lee keine Finanzie- rung für die Weiterentwicklung des Webs erhielt, wechselte er 1994 ans Massachusetts Institu- te of Technology in den USA. Weder Segal noch Dimou hätten sich in der Anfangspha- se des WWW vorstellen kön- nen, welche fundamentalen Veränderungen es für sämtli- che Lebensbereiche bringen würden: «Auch Tim hatte keine Ahnung», glaubt Segal. Beide halten das Internet weiterhin für eine positive Errungen- schaft. Gewisse Entwicklungen bereiten Ben Segal aber Mühe – etwa das Darknet, die Flut an Spam-Mails oder die sozialen Auswirkungen: «Als Internetpi- oniere wollten wir die Welt ver- binden.» Das sei zwar gelun- gen: «Doch wir haben die Men- ge an Mist unterschätzt, die wir damit ebenfalls verbinden.» Zum Glück sei Berners-Lee ein herzensguter Mensch und Humanist, der sich bis heute für die Vision eines freien In- ternets im Dienste der ganzen Menschheit einsetze: «Dass es ein so grossartiger Kerl wie Tim war, der das Web erfun- den hat, ist letztendlich ein Zu- fall – aber ein glücklicher.»

können Fans ihre Lieder nun im iTunes-Store herun- terladen. Steve Jobs landet einen Hit und rettet Apple vor der Pleite.

2004

Start des sozialen Netzwerks Facebook. Erster Nutzer ist Gründer Mark Zuckerberg. Heute hat Facebook 1,6 Mil- liarden Mitglieder.

2005

Auf Youtube wird das erste Video eingestellt. Es zeigt Mitbegründer Jawed Karim im Zoo von San Diego vor einem Elefantengehege.

2005

Google Maps geht online. Es macht schnell herkömmli- che Landkarten überflüssig und gehört heute zu den Pflicht-Apps auf jedem Smartphone.

2007

Steve Jobs präsentiert in San Francisco das erste iPhone und verspricht eine Revolution: «Wir werden das Telefon neu erfinden.» Seitdem wurden 700 Mil- lionen iPhones weltweit verkauft. Apple stieg zum wertvollsten Konzern der Welt auf.

verkauft. Apple stieg zum wertvollsten Konzern der Welt auf. 2008 In einem White Paper zur Kryptowährung

2008

In einem White Paper zur Kryptowährung Bitcoin wird erstmals das Konzept der Blockchain beschrieben, eine Art digitales Kassen- buch, mit dem Transaktio- nen ohne Zwischenschal- tung von Banken abgewi- ckelt werden können.

2008

Durchbruch für die App:

Apple lanciert seinen App Store, eine Plattform für Computerprogramme.

2010

Erneuter Coup von Apple. Es bringt mit dem iPad sein erstes Tablet auf den Markt. Es ist auch für Verlage inte- ressant, Springer-Chef Mathias Döpfner sieht darin die Rettung seiner Branche.

2014

Google stellt sein autono- mes Fahrzeug vor, das ohne

2014 Google stellt sein autono- mes Fahrzeug vor, das ohne DasautonomeFahrzeugvon Google . die Hilfe eines

DasautonomeFahrzeugvon

Google.

die Hilfe eines Menschen navigieren kann.

2016

Der indische Hersteller Ringing Bells beginnt mit der Auslieferung seines Bil- lig-Smartphones Freedom 251, das gerade einmal 4 Dollar kostet.

Schweiz am Sonntag 31. Juli 2016

3

einmal 4 Dollar kostet. Schweiz am Sonntag 31. Juli 2016 3 Editorial Worauf es ankommt PATRIKMÜLLER

Editorial

Worauf es ankommt

PATRIKMÜLLER, Chefredaktor

In dieser Woche gab es in den US-Medien nur ein Thema: die Präsidentschaftswah- len. Hillary oder Trump? Um nichts ande- res ging es auf CNN und auf den Frontsei- ten der Zeitungen und in Gesprächen mit Taxifahrern. Man bekam den Eindruck, die USA und die Welt würden sich kom- plett anders entwickeln, wenn der eine oder die andere gewinnen würde. Ge- wiss, es sind zwei Persönlichkeiten, die unterschiedlicher nicht sein könnten, mit Programmen, die sich diametral zuwider- laufen. Doch ist es wirklich diese Wahl, ja ist es überhaupt die Politik, die darüber entscheidet, wie wir in den nächsten Jah- ren leben, arbeiten, uns bewegen und miteinander umgehen?

Unser Redaktionsteam verbrachte diese Woche an jenen Orten, die noch grössere Veränderungskraft haben als die US-Prä- sidentschaftswahl und andere politische Weichenstellungen. Im kalifornischen Si- licon Valley entscheidet sich in Garagen, in Konzernzentralen und in Vorlesungs- sälen, wohin sich die Welt bewegt. Ein Blick auf die wichtigsten Innovationen seit der Entstehung des Internets (siehe unten) genügt, um festzustellen, wie ge- waltig der Einfluss der Tech-Pioniere auf unseren Alltag ist. «Wir überschätzen, was in einem Jahr geschieht, und wir un- terschätzen, was in zehn Jahren gesche- hen kann», sagte einst Microsoft-Gründer Bill Gates. Wie wahr. Nichts deutet darauf hin, dass das Tempo der Veränderungen in Zukunft abnimmt.

Müssen wir uns fürchten? Angst ist ein schlechter Ratgeber. Im Silicon Valley spielen sich viele fragwürdige Dinge ab, gewisse Pioniere führen sich wie Gott auf und haben Allmachtsfantasien. Das brau- chen wir nicht. Aber vom Silicon Valley lernen sollten wir schon. Vor allem: Opti- mismus. Der strahlte uns an allen Ecken und Enden entgegen, als wir die Zentra- len von Google, Facebook und Uber und auch kleinere Firmen besuchten. Wer Er- folg hat, wird bewundert und nicht be- neidet. Wer scheitert, muss sich nicht verkriechen, sondern packt die nächste Chance. Ist das bei uns auch so? Denken wir darüber nach, zum Beispiel morgen, an unserem Nationalfeiertag.

Den Präsidenten der Universität Stanford haben wir gefragt, wie wir unsere Kinder am besten auf die Welt von morgen vor- bereiten können. John Hennessy antwor- tete: «Das Wichtigste, was Sie Ihren Kin- dern vermitteln können, ist die Freude am Lernen.» Die Freude, nicht der Inhalt sei entscheidend. Sagt der Pate des Sili- con Valley. Irgendwie ermutigend.

patrik.mueller@schweizamsonntag.ch

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Hillary

Clinton

Donald

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41%oder Donald Trump wählen? Hillary Clinton Donald Trump 59% Ergebnisvom 30.07.2016, Teilnehmer 1747 Frage der Woche

Ergebnisvom 30.07.2016, Teilnehmer 1747

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Schweiz am Sonntag 31. Juli 2016

Schweiz am Sonntag 31. Juli 2016 nachrichten 5
Schweiz am Sonntag 31. Juli 2016 nachrichten 5

nachrichten

5

Schweiz am Sonntag 31. Juli 2016 nachrichten 5 StephanieNägeli InnovationsmanagerinNestlé Auch der

StephanieNägeli

InnovationsmanagerinNestlé

Auch der Nahrungsmittel-Riese Nestlé hat Appetit auf digitale Inno- vationen. Im Gebäude der Schwei- zer Netzwerkorganisation Swissnex beim Pier 17 lanciert der Konzern aus Vevey VD mithilfe von Innova- tionsmanagerin Stephanie Nägeli das Projekt «Henri@Nestlé». In die- sem Rahmen können Start-ups Nest- lé ihre Ideen schmackhaft machen. Es geht um Themen wie virtuelle Re- alität, künstliche Intelligenz und dar- um, eine 150-jährige Firma up to date zu halten. Vor Ort sind 14 Ange- stellte. Schon heute arbeitet Nestlé mit Start-ups wie zum Beispiel Insta- cart, Feastly und SpoonRocket. (BWE)

Insta- cart, Feastly und SpoonRocket. ( B W E ) ToniSchneider FirmengründerundInvestor Bereits mit 19

ToniSchneider

FirmengründerundInvestor

Bereits mit 19 Jahren wanderte Toni Schneider nach Kalifornien aus. Doch seine Herkunft ist ihm nach wie vor wichtig. «A Swiss guy in San Francisco» heisst sein Blog. Er grün- dete mit Partnern verschiedene Start-ups – unter anderem den E-Mail-Dienst Oddpost, den Yahoo für 30 Millionen Dollar kaufte. Da- nach entwickelte Schneider den Bloghosting-Dienst WordPress.com, an dem er noch heute beteiligt ist. Als Investor fördert er aber auch Start-ups. So hat er beispielsweise früh in die Fitness-Tracking-Firma Fitbit investiert, die heute über eine Milliarde Dollar wert ist. (RAS)

DanielGraf

LeiterMarketplacebeiUber

Das Problem von Daniel Graf (41) war, dass er bei seinem Karrierestart der Zeit voraus war. Der Rheintaler beteiligte sich nach seinem Studium in Buchs sowie in den USA an der Gründung von drei Firmen. Diese entwickelten die erste MP3-Jukebox, das erste Internetradio und -TV so- wie den ersten Video-Live-Strea- ming-Dienst. Grafs Start-ups erreg- ten Aufsehen, doch der durchschla- gende Erfolg blieb aus. Erst nach- dem ihn Marissa Mayer 2011 zu Google geholt hatte, war er zur rich- tigen Zeit am richtigen Ort: Er brach- te Google Maps auf den Markt. Nach dem Welterfolg fällte er einen Fehlentscheid. Er wurde Pro- duktchef bei Twitter. Nach einem halben Jahr, der vertraglich kürzest- möglichen Zeit, kündigte er und nahm eine Auszeit. Graf heiratete und kaufte sich eine Farm mit einem Quadratkilometer Land. Dort nimmt er sich auch ab und zu eine Auszeit, seit er Marketplace-Chef beim On- line-Fahrdienst Uber ist. Treu bleibt er sich bei der Kleiderwahl. Nicht einmal zu seiner Hochzeit trug er eine Krawatte. (MAU)

zu seiner Hochzeit trug er eine Krawatte. ( M A U ) Die Schweiz liegt in

Die Schweiz liegt in Kalifornien

Diese Unternehmer und Start-up-Gründerinnen sind ins Silicon Valley ausgewandert und haben sich durchgesetzt.

Fotos: PatrickZuest, DrewAltizer, Keystone,LeaHepp, HO
Fotos: PatrickZuest, DrewAltizer, Keystone,LeaHepp, HO

LeavonBidderGründerinvonAva

In den vergangenen sieben Jahren ist Lea von Bidder neun Mal umgezo- gen. Weil sie ihren Master im Global Entrepreneurship Program an drei Hochschulen auf drei verschiedenen Kontinenten absolvierte, weil sie da- nach eine Fabrik für Edelschokolade in Indien gründete und – ganz aktu- ell – weil sie im Silicon Valley ihre neue Firma vorantreiben will. Beim Frühstück mit der 26-Jähri- gen aus dem Kanton Zürich merkt man nicht, dass man der Gründerin eines der vielversprechendsten Schweizer Start-ups gegenübersitzt. Ihre Firma «Ava» hat in der ersten Finanzierungsrunde 2,6 Millionen Dollar erhalten und wurde am ver- gangenen Dienstag in den USA lan- ciert. Es handelt sich dabei um ei- nen Fertility-Tracker, ein Sensorarm- band, das Frauen ihre fruchtbaren Tage verrät. Im Gegensatz zu den vielen Konkurrenzprodukten be-

rücksichtigen von Bidder und ihr Team dabei nicht nur die veränderte Körpertemperatur der Frau, son- dern dazu noch eine Vielzahl an zu- sätzlichen Messwerten. Das Produkt wurde von Schwei- zern entwickelt, es wurde in der Schweiz getestet, und es wird gröss- tenteils von Schweizer Firmen finanziert (Swisscom und Zürcher Kantonalbank). Trotzdem lebt von Bidder seit über einem halben Jahr in San Francisco und hat dort den Launch von «Ava» vorbereitet. «Das Ganze wäre schon auch in der Schweiz möglich gewesen», sagt sie. «Aber der Weg wäre um einiges härter geworden.» Da- nach muss sie zu ihrem nächsten Termin, sie trifft sich noch mit einem potenziellen Investor. Lea von Bidder und ihr Start-up «Ava» sind im Valley angekommen.

(ZUS)

ClaudeZellweger

Design-ChefHTC

Ins Silicon Valley kam er über Um- wege. Und dennoch sei es unaus- weichlich gewesen, dass er einmal hier arbeite und wohne, sagt Claude Zellweger. Nach der Kantonsschule studierte er in Montreux Design, bildete sich in San Francisco weiter und tat dann das, was hier so viele tun: Er gründete eine Firma, eine Beratungsfirma für Design. Nach sechs Jahren wurde die Firma vom taiwanesischen Elektronikkonzern HTC aufgekauft und Zellweger zum Design-Chef befördert. Seither gibt der Schweizer den Smartphones von HTC in San Francisco ihre Form. Um sich im Tech-Hotspot durch- zusetzen, hätten ihm sein Hinter- grund als Schweizer und die Offen- heit gegenüber Kalifornien geholfen, sagt Zellweger. «Schweizer schauen Dinge kritisch an und geben sich nicht mit der erstbesten Lösung zu frieden. Kalifornier hingegen sind sehr euphorisch, probieren alles aus. Die Kombination von beidem ergibt eine gute Mischung.» Seine siebenjährigen Kinder hält er erst mal fern von Technik. «Zu Hause leben wir so technologie- agnostisch wie möglich», sagt der 44-jährige Familienvater. In den ersten Jahren seien das Entdecken der Natur und der Kontakt mit Men- schen das Wichtigste. Technik wäre da nur hinderlich, findet er. Und auch Zellweger selbst lässt sich für das Design seiner Geräte gerne von der Natur inspirieren. (RAS)

Geräte gerne von der Natur inspirieren. ( R A S ) DanielBorel Logitech - Gründer Schon
Geräte gerne von der Natur inspirieren. ( R A S ) DanielBorel Logitech - Gründer Schon

DanielBorel

Logitech-Gründer

Schon früh zog es den Neuenburger Daniel Borel (64) nach Kalifornien. Nach absolviertem Physik-Studium an der ETH Lausanne hängte er an der Stanford University einen Master an. 1981 gründete er zusammen mit zwei Italienern die Logitech SA, die mit Computermäusen weltbekannt wurde. Borel gab 1998 die operatio- nelle Leitung des Konzerns und zehn Jahre später das Verwaltungs- ratspräsidium ab. 1992 verlieh ihm die ETH Lausanne den Ehrendok- tor-Titel. Seine Erfinder-DNA hat Borel an seine Kinder weitergege- ben. Ein Sohn und eine Tochter sind heute erfolgreiche Start-up-Unter- nehmer im Silicon Valley. (RIK)

UrsHölzleSeniorVicePresidentGoogle

Urs Hölzle interessiert sich nicht für Geld. Google könnte die erste Firma mit einer Börsenkapitalisierung von über 1000 Milliarden Dollar sein? Dazu kann er nichts sagen. Es ist nicht seine Welt, er kümmert sich nicht um Aktienkurse. Hölzle ist In- formatiker. Man könnte ihn auch als einen der grössten Exporterfolge der Schweiz bezeichnen. 1988 siedelte der Liestaler mit einem ETH-Master- abschluss in der Tasche an die Elite- Uni Stanford über, wo er doktorier- te. Danach lehrte er für einige Jahre an der University of California in Santa Barbara, bevor er in den Kon- takt mit einem interessanten Start- up kam: Google. Auch der Liebe wegen – seine Frau studierte noch in Stanford – nahm er einen Job bei der

studierte noch in Stanford – nahm er einen Job bei der damaligen Garagen-Firma an. Hölzle war

damaligen Garagen-Firma an. Hölzle war der achte Angestellte von Google, heute ist er der drittälteste Mitarbeiter. Sein Schweizerdeutsch ist nur wenig eingerostet. 25 Jahre lang lebte Hölzle nicht mehr im Land, aber er war oft zu Besuch:

Der 52-Jährige war die treibende Kraft hinter dem Google-Standort in Zürich. Der ist mit derzeit 1800 Mit- arbeitern das grösste Google-Zen- trum ausserhalb der USA und wird weiter ausgebaut. Hölzle ist für die technische Infrastruktur des Kon- zerns verantwortlich. Neben Effizi- enz-, Sicherheits- und Umweltfragen – Google will alle Rechenzentren mit erneuerbarer Energie speisen – ist ihm das grösste Wachstumsfeld des Silicon-Valley-Riesen unterstellt: das Cloud Computing. Darunter wird die Auslagerung von Daten, Anwen- dungen und Analysen in leistungsfä- hige Rechenzentren verstanden. Das garantiert Aufallsicherheit und Zu- griff von überall her. Bis 2020 will Hölzle mehr Umsatz mit Cloud Com- puting machen als mit dem heute dominierenden Anzeigengeschäft. Nach exakt einer Stunde ist die Zeit des Senior Vice President um. Hölzle hat nach wie vor einen engen Zeit- plan. Google hat noch viel vor. (EHS)

engen Zeit- plan. Google hat noch viel vor. ( E H S ) DavidMarcus Facebook -

DavidMarcus

Facebook-Messenger-Chef

Als ihn Mark Zuckerberg 2014 zum Essen einlud, glaubte David Marcus (43) erst an eine Kooperation mit dem Social-Media-Giganten. Statt- dessen warb ihn Zuckerberg ab. Marcus verliess seinen Posten als Chef des Online-Bezahlsystems Pay- pal und wurde neuer Leiter des Facebook-Messengers. Damit hat sich Marcus in der obersten Liga des Valley etabliert. Seine Ambitionen sind gross: Der Ausbau des Face- book-Nachrichtendienstes soll es un- nötig machen, die Seite zu verlas- sen. Medienunternehmen müssten ihre Nachrichten direkt in den Feed stellen, sodass man gar keine News- Seiten mehr besuchen muss.

sodass man gar keine News- Seiten mehr besuchen muss. RogerHuldi Direktor « WHotel » Er hat

RogerHuldi Direktor «WHotel»

Er hat schon Silicon-Valley-Berühmt- heiten, den Rapper Snoop Dogg und sogar den US-Präsidenten empfan- gen: Roger Huldi (im Bild mit Barack Obama) führt in San Francisco eines der besten Hotels, das «W», gleich neben dem Museum of Modern Art und unweit der Einkaufsmeilen gele- gen (404 Zimmer, 9 Suiten). Huldi, aufgewachsen in Zürich und Vater zweier Kinder (18 und 19), kam via Australien und Hawaii nach Kalifor- nien. Er setzt auf Ökologie: Den Ho- nig für die Gäste gibts von Bienen auf dem Hoteldach. Eben erhielt Huldis Haus vom US-Hotelverband den Award «Property of the year».

Haus vom US-Hotelverband den Award «Property of the year». MargritMondavi WeindameundKulturförderin Es gleicht einer

MargritMondavi

WeindameundKulturförderin

Es gleicht einer Bestseller-Romanze, wie die Schweizerin Margrit Kellen- berger (geboren im Appenzell, auf- gewachsen im Tessin) zum Top-Na- men in der Weinwelt kam und zur Grande Dame der wichtigsten Wein- region der USA, dem Napa Valley, wurde. In den 60er-Jahren kommt sie mit Mann und Kindern nach Na- pa und arbeitet für den Mondavi- Weinpionier-Familienbetrieb. Sie verliebt sich in Robert Mondavi, 1980 heiraten die beiden. Sie wird zur Kunst- und Kulturförderin der Region. Robert verstarb 2008, doch die 90-jährige Margrit ist in Napa im- mer noch eine Grande Dame. (ALF)

Schweiz am Sonntag 31. Juli 2016

Schweiz am Sonntag 31. Juli 2016 nachrichten 7
Schweiz am Sonntag 31. Juli 2016 nachrichten 7

nachrichten

7

Schweiz am Sonntag 31. Juli 2016 nachrichten 7 « Everywherearoundtheworldthey ’ recomingtoStanford »: DieElite -

«EverywherearoundtheworldtheyrecomingtoStanford»: DieElite-UniisteinTalente-MagnetundBrutstättedesValleys.

Reuters/BeckDiefenbach

Die heimliche Weltmacht

Stanford, Ort der Innovation, produziert Talente wie kaum eine andere Hochschule. Was die Schweiz von ihr lernen kann – und was nicht.

 

VONYANNICKNOCK

 

Nur 13 Buchstaben veränderten die Welt. 1998 besuchten die Studenten Larry Page und Sergey Brin ihren Informatikprofessor John Hennessy und zeigten ihm ein Pro- gramm, das sie geschrieben hatten – eine Suchmaschine. Hennessy tippte 13 Buchsta- ben ein: Gerhard Casper, den Namen seines Universitätspräsidenten. Dann geschah, was sonst nie passiert. Yahoo und Altavista ver- wechselten den Namen stets mit Casper, dem freundlichen Geist. Doch die neue Maschine spuckte tatsächlich das richtige Ergebnis aus. John Hennessy sitzt in seinem Büro und lacht, als er die Geschichte erzählt. Mittler- weile ist er selbst Präsident von Stanford. «Als ich das Resultat sah, wusste ich: Hier ge- schieht gerade etwas Grosses.» Es war die Ge- burtsstunde von Google. Heute, 18 Jahre später, führen die beiden Studenten eine der wertvollsten Marken des Planeten. Und Stanford gehört nicht nur zu den Top-3-Universitäten weltweit, sie ist zu einer heimlichen Weltmacht geworden. Sie produziert Spitzenkräfte am Fliessband. Oh- ne die Hochschule würde das Silicon Valley nicht existieren, sie ist Talentschmiede, Inno- vationsantrieb und Gründungspate in einem. US-Präsident Barack Obama nennt die Uni- versität «das Herz des Silicon Valley».

Dutzende brechen ihr Studium ab

Studenten aus allen Kontinenten tummeln sich auf dem riesigen Campus, selbst in den Semesterferien. Nur sind die Gesichter dann jünger. Aspiranten mit glänzenden Augen hetzen über das Gelände, alle mit demselben Traum: nach Stanford. Ein Start-up gründen. Die Welt verändern. Doch längst nicht alle sehen die Innova- tionskraft Stanfords als die Zukunft der Uni- versitäten. Gelehrte wie Studenten kritisie- ren die Hochschule für ihren Unternehmer- Geist. Am besten brachte es der «New Yor- ker» 2013 auf den Punkt: «Ist Stanford noch eine Universität?», fragte das Magazin, weil

jährlich Dutzende Studenten ihr Studium ab- brechen, um für ein Hightech-Start-up zu arbeiten. Der «Alles ist möglich wir verän- dern die Welt»-Geist steht oft konträr zum wichtigen, aber im Vergleich langweiligen Hochschulabschluss. John Etchemendy, Rektor von Stanford, weiss um das Dilemma. Er ist das Gegenteil von Präsident Hennessy. Der Rektor ist ruhig, spricht leise und ringt manchmal um die richtigen Worte. «Ich empfehle eigentlich al- len Studenten, die mich um Rat fragen, ihren Abschluss zu machen», sagt er. Die eine, gros- se Idee, die Googles und Facebooks dieser Welt, seien absolute Ausnahmen, mache er seinen Studenten klar. Den Träumen im Weg stehen will er aber nicht. Nicht nur der ungeheure Unternehmer- drang der Studenten unterscheidet Stanford von den Schweizer Universitäten. Private Geldgeber heben die Universität auf Spitzen- niveau. Proteste wie 2013 an der Universität Zürich, als die UBS ein Forschungszentrum mit 100 Millionen Franken sponserte, gibt es hier nicht. Geisteswissenschafter Etchemen- dy kann die Kritik nachvollziehen, für falsch hält er solche Gelder aber nicht. Wie könnte er auch? Stanford stellt in Sachen Drittmittel alles in den Schatten. Mit Spenden-Mara- thons wie «The Stanford Challenge» holt sich die Universität Rekordsummen. Die über fünf Jahre angelegte Aktion spülte 6,2 Milliarden Dollar in die Kasse – Summen, von denen

ZweiSpitzenunisimVergleich

Stanford ETH

Zürich

Gründungsjahr

1891

1855

Trägerschaft

Privat

Bund

Studenten

15700

19200

Professoren

1930

500

Mitarbeiter

12600

9000

Betreuungsverhältnis 1 zu 1,08 1 zu 2

Studiengebühren

40000

1200

proJahr

Jahresetat

5,5 Mrd

1,7 Mrd

Nobelpreisträger

30

21

Rankingweltweit

3

9

«Vielleicht kommt das nächste gros- se Ding aus der Schweiz.»

PATRICKAEBISCHER

PRÄSIDENTDERETH

LAUSANNE (EPFL)

Schweizer Universitäten nicht mal zu träu- men wagen. Für Patrick Aebischer, Präsident der ETH Lausanne (EPFL) und erfolgreichster Sponso- renjäger der Schweiz, ist Stanford ein Vor- bild. «Sie haben Google, und sie haben No- belpreisträger», sagt er. Präsident Hennessy erhielt gar einen Ehrendoktor der EPFL. Der Universität gelinge es, herausragende Basis- forschung und erfolgreiche Spin-offs zu kom- binieren, sagt Aebischer. Die Bewunderung ist gegenseitig. Stan- ford-Rektor Etchemendy hebt die ETH Zü- rich und die EPFL hervor. Ihm imponiert, dass vom Bund finanzierte Universitäten in den weltweiten Rankings Topplätze beset- zen, allen voran die ETH Zürich, die es in die Top 10 schafft.

Zu Beginn keine Fächerwahl

Kritik äussert Etchemendy hingegen am Ba- chelor-System, wo es vielen Studenten nur noch darum gehe, möglichst schnell mög- lichst viele Punkte zu sammeln. «Studierende sollten die Zeit haben zu reflektieren und herauszufinden, worin sie wirklich gut sind», sagt er. In Stanford beginnt ein Student typi- scherweise mit einem Grundstudium, das ihm noch keine Fächerwahl abverlangt. Das kommt erst nach zwei Jahren. Ein Modell, an dem sich auch die Schweiz orientieren will. Die Universitäten planen unter dem Begriff «Bologna 2020», die erste Phase des Studi- ums – den Bachelor – neu auszurichten. Künf- tig sollen Studenten nach dem Bachelor als Grundstudium mehrere Master zur Auswahl haben, nicht nur ein paar wenige. «Bevor sie nicht ein Jahr auf dem Campus und in den Vorlesungen verbracht haben, wissen junge Studierende doch gar nicht, was ihnen wirk- lich zusagt», sagt Etchemendy. Doch könnte die Schweiz überhaupt mit dem Silicon Valley konkurrieren? «Den reinen IT-Kampf haben wir verloren», sagt Aebischer. In einem Bereich habe die Schweiz aber einen grossen Vorteil: in der Gesundheit. «Mit No- vartis, Roche und Nestlé stehen globale Player vor der Haustür, das nötige Ökosystem ist also vorhanden.» Aebischer träumt von einem Health Valley in der Schweiz. Unmöglich sei das nicht. «Die wahre Kraft des Silicon Valley liegt darin, dass alle an Wachstum und an den Erfolg glauben», sagt Aebischer. «Wenn wir das auch tun, kommt das nächste grosse Ding vielleicht aus der Schweiz.»

Ausland-News

Erdogan weist Kritik an Repressionen zurück

ANKARA Der türkische Staatspräsi- dent Recep Tayyip Erdogan weist die Kritik des Westens an seinem Vorgehen zurück. «Kümmert euch um eure eigenen Angelegenheiten», sagte er laut «Spiegel Online» am Freitagabend an die Adresse der EU und der USA. Erdogan beklagte sich über die mangelnde Solidarität der westlichen Politiker mit der türki- schen Regierung nach dem geschei- terten Putschversuch vom 15. Juli. Den USA warf er vor, mit der Beher- bergung des Predigers Fethullah Gü-

len Partei für die Verschwörer gegen den türkischen Staat zu ergreifen. Der Präsident bezeichnet Gülen als Drahtzieher des Putschversuchs. Für eine Auslieferung verlangen die USA stichhaltige Beweise dazu. Seit dem gescheiterten Militärputsch vor zwei Wochen führen Erdogan und seine AKP-Regierung eine grosse Säuberungsaktion in Militär, Justiz und Verwaltung durch. Repressio- nen gewärtigen auch Medienschaf- fende und Wissenschafter. Gemäss dem türkischen Innenministerium sind über 18 000 mutmassliche Gü- len-Anhänger verhaftet und fast

50 000 türkische Reisepässe für un-

gültig erklärt worden. (FB)

Neuer Anlauf für Unab- hängigkeit Schottlands

GLASGOW In Schottland beginnt sich eine neue Unabhängigkeitsbe- wegung zu formieren. Gestern de- monstrierten in der Innenstadt von Glasgow bis zu 4000 Personen und schwenkten die schottische Natio- nalflagge. Sie verlangen laut «BBC News» ein neues Referendum über die Unabhängigkeit von Grossbritan- nien. Die Schotten hatten sich 2014 für den Verbleib im Vereinigten Kö- nigreich ausgesprochen. Doch bei der Brexit-Abstimmung vom 23. Juni dieses Jahres stimmten 62 Prozent der schottischen Wähler für den Verbleib in der EU. Deshalb hält auch die schottische Regierung eine weitere Abstimmung für nötig. (FB)

16 Tote nach Absturz von Heissluftballon

LOCKHART Ein Heissluftballon mit

16 Personen an Bord ist gestern im

Flug in der Nähe von Lockhart in Te- xas (USA) in Flammen aufgegangen und in der Folge abgestürzt. Wie «NBC News» unter Berufung auf die lokalen Behörden schreibt, sind nach ersten Erkenntnissen alle Pas- sagiere zu Tode gekommen. Warum des Flugobjekt Feuer fing, ist noch nicht bekannt. Lockhart liegt in Zen- tral-Texas, rund 50 Kilometer süd- lich der Stadt Austin. (FB)

Gewinnzahlen

SchweizerZahlenlottovom

30.7.2016

 

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Glückszahl

 

4

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DieGewinne

 

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Jackpot 6,4 Mio. Franken

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EuroMillionsvom 29.7.2016

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nachrichten

8 nachrichten Schweiz am Sonntag 31. Juli 2016
8 nachrichten Schweiz am Sonntag 31. Juli 2016

Schweiz am Sonntag 31. Juli 2016

Das neue Leben in der Uber-City

In San Francisco hat der App-Fahrdienst eine andere Ausgangslage als in der Schweiz.

 

VONANDREASMAURER

 

In San Francisco gibt es ein Zeitalter vor und nach Uber. Eine vierzigjährige Geschäftsfrau aus dem Westen der Stadt erzählt, wie es früher war. Für Ta- xifahrer sei eine Leerfahrt an den Stadtrand zu wenig lukrativ gewesen. «Sogar wenn ich ein Flughafentaxi Tage im Voraus reserviert hatte, kam es vor, dass es nie vorfuhr.» Manche Taxifah- rer kehrten auf dem Hinweg um, wenn ihnen am Strassenrand ein anderer Kunde zuwinkte. Der öffentliche Ver- kehr komme für eine Fahrt ins Stadt- zentrum nicht infrage. Die Busse ver- kehren unzuverlässig. Manche haben nicht einmal einen Fahrplan. «Uber ist das Beste, was San Francis- co passieren konnte», sagt die Frau. Der günstigere Preis spielt für sie keine

Rolle. Sie bestellt täglich via App ein Auto des Fahrdienstes, weil der Service besser ist. Ein Uber-Fahrer kann sich keine schlechte Laune leisten. Sonst verpassen ihm die Kunden mit einem Klick eine schlechte Bewertung.

Der Untergang des Taxikartells

Die Taxifahrer von San Francisco konn- ten mit ihrem schlechten Ruf gut leben. Die Stadt sorgte mit hohen Gebühren und einer Limitierung der Lizenzen für ein Unterangebot. Für Chauffeure, die eine Taxilizenz ergattern konnten, herrschten paradiesische Zustände. Ein Taxifahrer berichtet: «Früher fuhr ich durch die Strassen von San Francisco, und überall winkten mir die Leute zu und riefen ‹Taxi!›.» Heute steht er am Strassenrand neben seinem leeren Wa- gen und ruft den Leuten «Taxi!» zu. Um

seinem leeren Wa- gen und ruft den Leuten «Taxi!» zu. Um

ImAlltagvonSanFranciscozähltUberzudenwichtigstenVerkehrsmitteln.

auf den gleichen Lohn wie früher zu kommen, arbeite er zwölf statt sieben Stunden pro Tag. Um am Flughafen ei- nen Kunden zu finden, warte er drei Stunden statt dreissig Minuten. Disruption, das Zauberwort des Sili- con Valley, bedeutet für Uber: Die neue Technologie hat die Mobilität in San Francisco revolutioniert, weil sie viel besser ist als das bestehende Angebot und einiges günstiger. Wie andere Techfirmen hat Uber den Lebensalltag in San Francisco verändert. Im Unter- schied zu Google oder Facebook ist Uber weltweit aber nicht nur virtuell, sondern auch physisch präsent. In San Francisco ist Uber mehr als ei- ne Alternative zu Taxis. Der Taximarkt der Stadt wurde bei der Gründung von Uber vor sieben Jahren auf 140 Millio- nen Dollar geschätzt. Uber soll mittler-

weile das Fünffache erreicht haben. Die Hälfte aller Uber-Fahrten in San Fran- cisco wird über den neusten Uber- Dienst «Carpool» abgewickelt. Die Fahr- zeuge werden mit mehreren Kunden gefüllt, die leichte Umwege in Kauf neh- men. Auch Pendler werden zu Chauf- feuren: Sie nehmen auf dem Arbeits- weg Uber-Kunden mit. So verdienen sie Geld und können die für Carpools re- servierte Spur auf der Autobahn benüt- zen. Das Angebot soll auch in der Schweiz lanciert werden.

Das nächste Uber-Zeitalter

Der Markt hat in San Francisco ein Staatsversagen gelöst. In Zürich oder Basel wächst Uber nicht nur wegen ju- ristischer Probleme langsamer als in San Francisco. In der Schweiz ist das Potenzial kleiner, weil die Konkurrenz

Keystone/MontageMTA

besser ist. Der öV funktioniert, und die Taxis kommen zur vereinbarten Zeit. Spätestens mit den nächsten Entwick- lungsschritten wird Uber auch den All- tag in der Schweiz stärker prägen. Paris und London sind die ersten europäi- schen Städte, in denen Uber auch Es- senslieferungen anbietet. Weitere Transportangebote von Blumen bis zu Paketen sind in Vorbereitung. In der Uber-Zentrale in San Francisco werden noch viel grössere Pläne ge- schmiedet. Sobald selbstfahrende Au- tos im Verkehr sind, will Uber in diesen Markt einsteigen. Privatpersonen und Firmen sollen selbstfahrende Autos für Uber als rollende Geldmaschinen durch die Städte kurven lassen. Im Sili- con Valley ist man optimistisch: Schon in fünf Jahren soll der Schritt in das nächste Uber-Zeitalter erfolgen.

INSERAT

con Valley ist man optimistisch: Schon in fünf Jahren soll der Schritt in das nächste Uber-Zeitalter

Schweiz am Sonntag 31. Juli 2016

Schweiz am Sonntag 31. Juli 2016 ausland 9
Schweiz am Sonntag 31. Juli 2016 ausland 9

ausland

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Ausgegrenzt in der «linksten Stadt der Welt»

San Franciscos Republikaner fürchten die Ächtung. Und das Silicon Valley fürchtet Trump.

die Ächtung. Und das Silicon Valley fürchtet Trump. RepublikanerDonaldTrump : KeineChanceinSanFrancisco . K e

RepublikanerDonaldTrump: KeineChanceinSanFrancisco.

Key

: KeineChanceinSanFrancisco . K e y DemokratinHillaryClinton : VieleseheninihreinÜbel –

DemokratinHillaryClinton: VieleseheninihreinÜbel abereinkleineres.

Key

 

VONOTHMARVONMATT

 

Er stellt die US-Fahne mitten in den Raum. Dann fordert Jason P. Clark, der Vorsitzende der Republikaner San Franciscos, zum Treuegelöbnis gegen- über der US-Fahne auf. 17 Männer erhe- ben sich, legen ihre rechte Hand aufs Herz: «Ich schwöre Treue auf die Fahne der Vereinigten Staaten von Amerika und die Republik, für die sie steht, eine Nation unter Gott, unteilbar, mit Frei- heit und Gerechtigkeit für jeden.» Unteilbar? Mit Freiheit und Gerech- tigkeit für jeden? So unverbrüchlich wie einst scheint das nicht mehr zu sein im Amerika von heute. Die unge- wöhnliche Runde, die sich in einem Hinterzimmer der «Sausage Factory» in der Castro Street versammelt hat, wirkt ein wenig wie eine klandestine Tagung. Es sind lauter homosexuelle Republika- ner aus San Francisco, die sich für ihr monatliches Log Cabin Meeting treffen. Es nennt sich so in Erinnerung an Abra- ham Lincoln, den ersten republikani- schen US-Präsidenten der Geschichte. Er war in einer Log Cabin, einer Block- hütte, zur Welt gekommen. Der konspirative Charakter ist kein Zufall. Republikaner, vor allem Wähler von Donald Trump, müssen ihre Gesin- nung im San Francisco von heute ver- heimlichen. Ein Outing hätte unabseh- bare gesellschaftliche und berufliche Folgen. Die Republikaner fürchten ihre Ächtung. Politisch sind die Republikaner hier seit Jahrzehnten marginalisiert. Bei den Präsidentschaftswahlen von 2012 ka- men sie auf nur 47 076 Stimmen oder 13 Prozent Wähleranteil. Das ist nichts gegen die 301 723 Stimmen oder 83,4 Prozent Anteil der Demokraten. Sechsmal konnten die Republikaner seit 1904 die Präsidentschaftswahlen in San Francisco gewinnen, letztmals vor 60 Jahren. Und 1964, kurz vor der 68er-Bewegung, stellten sie den letzten Stadtpräsidenten. Inzwischen sind sie in die Bedeutungslosigkeit abgesunken. «San Francisco ist die linkste Stadt der

abgesunken. «San Francisco ist die linkste Stadt der DieRepublikanervonSanFranciscoinder « SausageFactory ».

DieRepublikanervonSanFranciscoinder «SausageFactory».

ATT

Welt», sagt Fred Schein, 73. Er war bis vor kurzem Präsident der Log Cabin San Francisco. Es ist die lokale Gruppe, welche die grösste republikanische Or- ganisation für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgen- dern (LGBT) begründet hat. «Ich kenne keine linkere Stadt und kein linkeres Land auf der Welt. Schweden, Däne- mark und Norwegen sind konservativer als San Francisco.»

«Volksrepublik San Francisco»

Ähnlich sieht das Gene Epstein, 41, Se- nior Marketing Manager im Silicon Val- ley, der in San Francisco wohnt. «Mei- ne Freunde sprechen nur noch von der ‹Volksrepublik San Francisco›», sagt er. «Weil es hier nur noch eine Partei gibt, die Demokraten. Das ist wie einst in der DDR.» Epstein muss es wissen. Er wuchs in der Sowjetunion auf, wander- te in die USA aus und verenglischte da- für seinen Namen. Inzwischen hat er nicht nur den Na- men an die örtlichen Verhältnisse ange- passt. Er gibt sich auch politisch höchst zurückhaltend. Er hütet sich davor, sich in San Francisco als Republikaner zu outen. Das sei zu heikel, es drohe

ihm Ausgrenzung. «Dass ich homosexu- ell bin, kann ich an der Arbeit offen de- klarieren», sagt er. «Dass ich Republika- ner bin, würde ich hingegen nie einge- stehen.» Selbst Bekannte wissen davon nichts. «Ich weihe nur langjährige Freunde ein.» Er sei zu «100 Prozent» einverstanden damit, was die Trans- gender-Aktivistin Caitlyn Jenner wäh- rend des Konvents der Republikaner vor eineinhalb Wochen gesagt hatte:

«Es ist viel einfacher, ein Coming-out als Transgender zu machen denn als Republikaner.» Jenner war Goldmedail- len-Gewinner der Olympischen Spiele von 1976 im Zehnkampf. 2015 outete sie sich als Transfrau. Epstein ist nicht der einzige Republi- kaner aus San Francisco, der seine poli- tische Gesinnung aus Angst vor Repres- sionen verheimlicht. Viele gehen ge- nauso vor. Wie der renommierte Wirt- schaftsjournalist Ralph* aus San Fran- cisco. Er will anonym bleiben. Ralph bezeichnet sich selbst als «liberalen Re- publikaner». Im Gegensatz zu Epstein ist für ihn klar, dass er Trump wählt. Er glaubt an dessen Verhandlungsfähigkei- ten. Im Büro spreche er aber nicht über seine politische Gesinnung, sagt er.

Und schon gar nicht, dass er Trump wählen möchte. «Das käme nicht gut an in einer Stadt wie San Francisco.» Für Gene Epstein zeigt das, dass die Po- larisierung ein ungesundes Mass ange- nommen hat. Er gibt den Medien die Schuld am Hassklima. «Sie stellen uns Republikaner seit Jahrzehnten als Ras- sisten und Fremdenfeinde dar», sagt er. Sie zeichneten mit System das Bild der «bösen Partei der Reichen». In San Francisco, vor allem im Sili- con Valley, wächst die Sorge über einen allfälligen US-Präsidenten Trump. Um- so mehr, als diese Woche eine CNN- Wählerumfrage Trump erstmals vor Hillary Clinton sah. Die Voten über Trump fallen nicht sehr wohlwollend aus. Der hohe Manager eines Tech-Kon- zerns sagt lakonisch: «Donald Trump? Ich weiss nicht, wie man den Namen schreibt.» Und ein Stanford-Professor hält fest: «Donald Trump wäre eine Ka- tastrophe. Eine Katastrophe für die ganze Welt.» Im Silicon Valley nennt man Trump inzwischen in einem Atem- zug wie den Brexit in Grossbritannien. Man hört den Vergleich mit Boris John- son. Und sogar mit Marine Le Pen. 145 Manager aus dem Silicon Valley sprachen sich in einem offenen Brief gegen Trump aus. Er stehe für «Zorn, Fanatismus und Angst vor neuen Ideen und Leuten und die grundsätzliche Idee, dass die USA schwach und auf dem absteigenden Ast» seien. Ganz anders sieht das eine andere Grösse des Silicon Valley. Paypal-Grün- der und Facebook-Verwaltungsrat Peter Thiel unterstützt Trump. Er war es, dem es als erstem Redner an einem re- publikanischen Parteitag überhaupt vorbehalten war, offen über seine Ho- mosexualität zu reden. «Ich bin stolz, schwul zu sein. Ich bin stolz, Republi- kaner zu sein», rief Thiel ins Rund – und erntete Standing Ovations. Thiel war für die gebeutelten Repu- blikaner von San Francisco ein kleiner Lichtblick in eher düsteren Zeiten.

* NamederRedaktionbekannt

DRUCK AUF MERKEL WEGEN TERROR

Schaffenskrise einer Kanzlerin

Im politischen Berlin wurden diese Woche so einige Wetten abgeschlos- sen. Wie lange würde es wohl dau- ern, bis die deutsche Bundeskanzle- rin und CDU-Vorsitzende Angela Merkel wieder Druck von der klei- nen Schwesterpartei CSU bekommt? Nach 24 Stunden war es so weit. «Mich persönlich hat das nicht über- zeugt», verkündete Bayerns Finanz- minister Markus Söder (CSU) und fügte gleich noch hinzu, dass sich seine Meinung «ziemlich» mit der des bayerischen Ministerpräsiden- ten und CSU-Chefs Horst Seehofer decke. Mit «das» meinte Söder den gros- sen Auftritt der Kanzlerin in Berlin. Jedes Jahr in den Sommermonaten stellt sie sich einmal ausführlich der Presse. Eigentlich war der diesjähri- ge Termin Ende August angesetzt. Doch dann passierten die ersten isla- mistischen Anschläge in Deutsch- land: In Würzburg attackierte ein 17- Jähriger aus Afghanistan oder Pakis- tan Passagiere in einem Zug, in Ans- bach (Bayern) verletzte ein Syrer bei einem Selbstmordattentat 15 Men- schen. Beide waren als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen. Ein paar Tage später unterbrach Merkel ihren Urlaub in Brandenburg und gab früher als geplant in Berlin ihre grosse Pressekonferenz. Und da kam auch jene Frage, die zu erwarten gewesen war, weil sie das ausdrückt, was viele Menschen in Deutschland nun denken. «Was

«Das war ein fundamentaler Fehler.»

BAYERNSFINANZMINISTERMARKUSSÖDER (CSU) ÜBERMERKELSFLÜCHTLINGSPOLITIK

sagen Sie», fragte eine niederländi- sche Journalistin Merkel, «wenn Ih- nen jemand auf der Strasse vorwirft, die Willkommenskultur sei an den Anschlägen von Würzburg und Ans- bach schuld?» Merkels Antwort war knapp: «Das Verweigern der Huma- nität» hätte womöglich noch gravie- rendere Folgen gehabt. Sie sprach auch erneut jenen Satz, den sie schon vor einem Jahr gesagt hatte und der in die Geschichtsbü- cher eingegangen ist: «Wir schaffen das.» Doch die Zweifel daran wer- den immer lauter. Merkels Willkom- menskultur, die mehr als eine Milli- on Flüchtlinge nach Deutschland brachte, stand bereits zu Jahresan- fang auf dem Prüfstand. Viele, die den Kurs der Kanzlerin zunächst mitgetragen hatten, waren von den sexuellen Übergriffen auf Frauen durch Flüchtlinge in der Silvester- nacht in Köln so schockiert, dass sie sich von Merkel abwandten. Doch Merkel konnte dem Sturm trotzen, weil die Zahl der Neuankommenden durch die Schliessung der Balkan- route rapide zu sinken begann. Nun aber geht es um eine neue Dimensi- on der Angriffe und der Druck auf Merkel wächst täglich. Es sei ein «fundamentaler Fehler» gewesen, die Flüchtlinge zum Teil unkontrolliert ins Land gelassen zu haben, kritisiert Söder. Natürlich werde man Menschen in Not weiter- hin helfen. «Aber bei dem Thema ist Blauäugigkeit wirklich das falsche Konzept, sondern der erste Ansatz heisst Sicherheit.» Nicht nur die Al- ternative für Deutschland (AfD), son- dern auch Rechtspopulisten aus ganz Europa wie Geert Wilders (Nie- derlande) und Heinz-Christian Stra- che (Österreich) fallen über Merkel her. Auch in CDU-Kreisen ist man höchst alarmiert, gleichzeitig aber hilflos. Und so hegt man zwischen Kanzleramt, Bundestag und Partei- zentralen nicht nur einen menschli- chen, sondern auch einen politi- schen Wunsch: Dass in Deutschland nicht auch noch ein wirklich grosser islamistischer Terrorangriff ge- schieht, so wie in Paris oder Nizza, wo es Dutzende Tote gegeben hat.

BIRGITBAUMANN, BERLIN

10

nachrichten

Schweiz am Sonntag 31. Juli 2016

10 nachrichten Schweiz am Sonntag 31. Juli 2016 SynagogeinZürich :

SynagogeinZürich: TrotzgestiegenerSicherheitskostenderjüdischenGemeindenlassensichdieBehördenZeitmitechterHilfe.

Keystone/AlessandroDellaBella

Schwarzpeterspiel um die Sicherheit für Schweizer Juden

Jüdische Gemeinden sind besonders terrorgefährdet. Doch konkrete Massnahmen fehlen.

 

VONCHRISTOPHBERNET

 

Sicherheitsfragen rücken wegen der sich häufenden Terroranschläge in Europa zuoberst auf die Prioritätenliste der Politik. Immer wieder stehen jüdi- sche Ziele im Fokus der dschihadisti- schen Attentäter. So etwa beim Angriff auf das jüdische Museum in Brüssel 2014 und einen koscheren Supermarkt in Paris im Januar 2015. Der Nachrich- tendienst des Bundes (NDB) schreibt in seiner aktuellen Analyse, dass es zwar weiterhin keine konkreten Hinweise auf eine direkte Bedrohung der Schweiz gebe. Die Bedrohungslage für die Schweiz sei aber erhöht, und die Möglichkeit eines Anschlags könne nicht ausgeschlossen werden: «Jüdi- sche Interessen auf Schweizer Territori- um sind besonders bedroht.» Im Dezember vergangenen Jahres kündigte der damalige Verteidigungs- minister Ueli Maurer eine Arbeitsgrup-

pe an, die aufzeigen sollte, wie der Schutz jüdischer Einrichtungen kon- kret verbessert werden könnte. Recher- chen der «Schweiz am Sonntag» zeigen, dass in dieser Hinsicht seither wenig passiert ist – das Thema wird wie eine heisse Kartoffel zwischen den födera- len Ebenen hin- und hergereicht. Der- weil sind die Sicherheitskosten für die jüdischen Gemeinden in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen.

«Wichtigkeit des Austausches»

Das Fedpol, das auf Bundesebene die Federführung beim Thema übernom- men hat, verweist darauf, dass für die Wahrung der öffentlichen Sicherheit und den Schutz von privaten Einrich- tungen – rechtlich gesehen sind jüdi- sche Gemeinden private Vereine – die Kantone auf ihrem Gebiet souverän sei- en. Bei der Konferenz der kantonalen Polizeikommandanten (KKPKS) heisst es lediglich, dass der Schutz jüdischer

Einrichtungen vor dem Hintergrund der Ereignisse in Nachbarländern the- matisiert worden sei. Dabei sei insbe- sondere die Wichtigkeit des Austau- sches zwischen den Behörden und In- stitutionen festgehalten worden.

Nachholbedarf in der Schweiz

Konkrete Ergebnisse von Ueli Maurers Ankündigung sind keine auszumachen. Das Fedpol verweist auf mehrere Tref- fen zwischen den Sicherheitsbehörden von Bund und Kantonen und Vertre- tern der jüdischen Organisationen. An diesen Treffen habe das Fedpol die ver- fassungsrechtlichen Zuständigkeiten im Sicherheitsbereich und die eigenen Handlungsmöglichkeiten dargelegt. «Die jüdische Gemeinschaft hätte sich kreativere Lösungsvorschläge von Behördenseite gewünscht», sagt Jona- than Kreutner, Generalsekretär des Schweizerischen Israelitischen Gemein- debundes (SIG), Teilnehmer an besag-

tem Treffen. Der SIG begrüsse die Ein- ladung zu einem Erfahrungsaustausch. Man stehe am Anfang eines Prozesses, bei dem es um komplexe Fragen gehe, die noch nicht alle geklärt seien. Der Bund anerkenne zwar das Sicherheits- bedürfnis der jüdischen Gemeinden. Doch im Vergleich zum europäischen Ausland täten die hiesigen Behörden weniger. Nach wie vor gelte: «Wir for- dern mehr Unterstützung von staat- licher Seite.» FDP-Nationalrätin Corina Eichenber- ger wünscht sich eine grundsätzliche Analyse der derzeitigen Situation. Diese müssten die betroffenen Kantone zu- sammen mit den jüdischen Gemeinden angehen, unter Einbezug von Fedpol und KKPKS: «Dabei muss auch eine fi- nanzielle Beteiligung an den Sicher- heitsmassnahmen der jüdischen Ge- meinden geprüft werden.» Hier sei auch ein finanzielles Engagement des Bundes denkbar.

Kantone sollen Laubers Job machen

Ex-Bundesanwalt Beyeler möchte das Bundesstraf- gericht streichen. Behring- Anwalt Walder auch noch die Bundesanwaltschaft.

 

VONHENRYHABEGGER