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Razzia bei ”Oidoxie” und ”Weisse Wölfe” RechtsRock

Von Jan Spreuk

Razzia bei ”Oidoxie”


und ”Weisse Wölfe”
Im Frühjahr konnte man „Oidoxie“ auf einem neuen RechtsRock-Musiker ins Portmonee greifen. An ihren
Sampler hören, mit dem das Neonazi-Zentrum „Club 88“ Schwierigkeiten seien sie schließlich selber schuld, mein-
in Neumünster unterstützt werden soll: „Staatsschutz“ te ein Autor im Forum des RechtsRock-Magazins „Rock-
heißt das Stück, das die Dortmunder RechtsRocker bei- nord“: „Wenn jemand absichtlich in einen Scheißhaufen
steuerten. Inzwischen sind sie selbst auf Unterstützung tritt, darf er sich nicht wundern, wenn die Schuhe stinken.“
angewiesen: Der von ihnen besungene Staatsschutz war, Ein User im „Hatecore“-Musikforum schrieb: „was für
nach Veröffentlichungen u.a. in LOTTA und einer Strafan- einen Zweck hat es denn für die szene in diesem blöden
zeige der „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – kriegsberichter mitzuarbeiten oder solche ultra-NS-kacke
Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten“ (vgl. aufzunehmen?“ Zur Antwort erhielt er ein Plädoyer pro
LOTTA 12), zur Hausdurchsuchung bei ihnen angerückt – „Oidoxie“: „gerade OIDOXIE sollte man heutzutage
und gleich auch bei Mitgliedern der mit „Oidoxie“ eng unterstützen, da sie sich wirklich gemacht haben. vonner
verbandelten Arnsberger Gruppe „Weisse Wölfe“. ,rechtsrock-spaßkapelle’ zu ´ner ,aktiv-Band’. Oidoxie tun
auch was für die szene + die bewegung vor ort und im all-
Am 6. Mai filzten Polizeibeamte acht Wohnungen von gemeinen (allen voran ihr frontmann).“
mutmaßlichen Mitgliedern beider Bands. „Sie stehen im Für die, die nicht direkt auf das Konto spenden wollten,
Verdacht, CDs und Videos, u.a. mit volksverhetzendem boten sich andere Möglichkeiten: Im „Auktionshaus“ -
Charakter und nationalsozialistischem Inhalt, hergestellt sozusagen dem ebay für Neonazis - lief z.B. eine Verstei-
und verbreitet zu haben“, erklärten Polizei und Staatsan- gerung von „Skrewdriver“- und „Brutal-Attack“-EPs und
waltschaft. Durchsucht wurden Wohnungen „an unter- -Singles zugunsten der Bands. Und auch ein Konzertbe-
schiedlichen Orten, darunter je eine Wohnung in Dort- such konnte rechte Solidarität ausdrücken: Jens Brucher-
mund und Arnsberg“ – wobei es sich um die von „Oido- seifer von der RechtsRock-Gruppe „Sturmwehr“ gab eige-
xie“-Kopf Marko Gottschalk und „Weisse Wölfe“-Sän- nen Angaben zufolge am 8. Juni in Gelsenkirchen-Horst
ger Stjepan Jus gehandelt haben dürfte. einen Balladenabend, dessen Erlös für „Oidoxie“
bestimmt war.
Habt ihr mal ‘nen Oiro?
Derzeitige Aktivitäten
Zwei Tage später schlug der Neonaziversand „tonträger
& textilien vertrieb“ (TTV) Alarm. Gegen „alle Mitglieder Trotz aller Probleme fanden die RechtsRock-Musiker
von Oidoxie“ laufe „ein großes Ermittlungsverfahren, was noch Zeit, selbst Konzerte zu geben. Am 20. April bei-
natürlich sehr hohe Anwaltskosten verursacht“, ließ der spielsweise stand „Oidoxie“ in Belgien auf der Bühne.
Versand die braunen Musikfreunde wissen. Nicht fehlen Wer wollte, konnte sich dort auch mit dem „Kriegsberich-
durfte der Hinweis auf ein Spendenkonto, das auf den ter“-Video eindecken. Fünf Wochen später spielte die
Namen „Bender“ bei der Volksbank Dortmund eingerich- Gruppe in Villingen-Schwenningen. Am 21. Juni folgte
tet wurde. „Jeder sollte bedenken, was die Bands für die ein Konzert im fränkischen Mömlingen. In Arnheim
Szene riskieren, und gerade diejenigen, die bisher viele schließlich spielte „Oidoxie“ am 5. Juli vor – nach eigenen
CDs nur gebrannt oder als MP3 besitzen, können nun end- Angaben - etwa 200 RechtsRock-Fans. Ob es dabei
lich mal Solidarität zeigen“, appellierten die TTV-Hinter- gelang, die seit Wochen geplante Live-CD aufzunehmen,
männer. Betrieben wird eine der TTV-Internetseiten von ist noch offen. Auch mit ihr will „Oidoxie“ für das laufen-
Lars Georgi. Er zeichnet als Domaininhaber auch für eine de Verfahren Geld in die Kasse
Homepage von „Oidoxie“ verantwortlich. Auch dort wird bringen. Dabei muss die
die Spendentrommel gerührt - für „Oidoxie“ und „Weisse Dortmunder Band
Wölfe“ gleichermaßen. Die Musiker würden „angeklagt“, freilich aufpassen,
so heißt es dort, „bei der Herstellung und dem Vertrieb der dass es ihr nicht
CD ,W***** W**’, von den Weissen Wöflen, beteiligt so ergeht wie den
gewesen zu sein. Ebenfalls wird Ihnen vorgeworfen, als „Weissen Wölfen“.
Mitglieder der Musikgruppe ,Oidoxie’ in Kenntnis der Deren CD „Weisse
späteren Verbreitung, unter anderem in der Bundesrepu- Wut“ wurde Ende
blik Deutschland an der Herstellung des Videos Juni von der „Bun-
,K*********** Vol. 5’, beteiligt gewesen zu sein“. Mit desprüfstelle für ju-
„enormen Kosten“ müssten die Bandmitglieder rechnen. gendgefährdende Me-
Aber längst nicht alle Neonazis wollen zugunsten der dien“ indiziert.

 Lotta Nr.13 | Sommer 2003


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