Olaf Breidbach

Geschichte
der Naturwissenschaften
I:Die Antike

Geschichte der Naturwissenschaften

In vier Bänden wird die Geschichte der Wissenschaften von der Antike (Bd. 1) über das
Mittelalter (Bd. 2), die Neuzeit (Bd. 3) bis hin in das 19. & 20. Jahrhundert (Bd. 4) nachgespürt und nacherzählt. Das Gefüge der uns heute leitenden, uns ausrichtenden und auch
der von uns verdrängten Konzeptionen wird in seinen wesentlichen historischen Schritten so erkennbar gemacht. Die Stufen der Problembearbeitung und des Problemverstehens
werden in ihren jeweils eigenen Horizonten beschrieben und in den daraus folgenden Anregungen und den dabei immer wieder neu eingestellten Rahmenbedingungen dargestellt.

Olaf Breidbach

Geschichte der
Naturwissenschaften
I: Die Antike

Olaf Breidbach
Biologisch-Pharmazeutische Fakultät,
Institut für Geschichte der Medizin,
Naturwissenschaft und Technik,
„Ernst-Haeckel-Haus“
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Jena, Deutschland

ISBN 978-3-642-41845-7
DOI 10.1007/978-3-642-41846-4

ISBN 978-3-642-41846-4 (eBook)

Mathematics Subject Classification (2010): 01-00
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Vorwort

Das vorliegende Buchprojekt entstand aus der Einsicht in die Fragilität des Unternehmens
Wissenschaft, eine Ansicht, die uns heute bei der Allgegenwart des Wissenschaftlichen im
Alltag – angefangen von der uns selbstverständlich erscheinenden Versorgung mit Elektrizität bis hin zu den globalen Ortungssystemen, die sich nunmehr in fast allen neueren Automobilen eingebaut finden – vielleicht zunächst alles andere als einsichtig scheint. Unser
Lebensraum in Mitteleuropa wird als Kulturraum definiert, in dem ganz selbstverständlich
die Wissenschaften und damit ein rational geleitetes Umgehen mit der Natur ihren zentralen Platz haben. So sind denn auch unsere Medien, angefangen von speziellen, über auf ein
breiteres Publikum ausgerichteten Zeitschriften bis hin zu Radio und Fernsehen, seit Jahrzehnten voll von Berichten und Bildern, die von Wissenschaften und deren Ergebnissen
handeln. Derart sind uns mittlerweile die Bilder von Hirnmodellen ebenso gegenwärtig
wie die Schlote der Tiefseevulkane und die Sternenwolken des Kosmos. Darüber hinaus ist
aber auch unser Lebensraum selbst, die Standardisierungen unseres Erlebens, angefangen
von den durch elektrisches Licht vermittelten Farbwerten, unserer qua Telekommunikation bestimmten Verortung in einem Netz sozialer Gefüge über die Normierungen einer
bildschirmgeleiteten Wahrnehmung bis auf die Anschauungsformen, mit denen wir auf die
Welt blicken, durch die Entwicklung der Wissenschaften bestimmt. Doch ist diese dichte
Vermittlung eines wissenschaftlichen Kulturraumes eingeschränkt auf einen vergleichsweise kleinen Raum unserer Welt; und auch dort ist sie vergleichsweise jung. So sind es ja
auch nur wenige Jahrzehnte, die das seinerzeit selbstverständliche Bild eines rheinischen
Kleinbauern mit fünf Stück Vieh und Handmelkung von dem allein noch lebensfähigen
Agrargroßbetrieb von heute trennen. Hier verändern sich nicht nur Produktionsformen;
es ändert sich die Infrastruktur, in die die Produktion eingebunden ist, der Umgang mit
Produkten, das Wissen um und die Steuerung von Produktionen. Auch hinter diesen Entwicklungen stehen Wissenschaften. Sie geben Handlungsmöglichkeiten vor, erlauben es
einer Gesellschaft, ihre Ressourcen neu zu definieren und damit neue Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen. Dabei sind diese Wissenschaften nunmehr disziplinär organisiert. Das
heißt, dass sie die von ihnen initiierten oder auch nur begleiteten Entwicklungen jeweils
mit einem in sich abgestimmten Set von Methoden aus einer bestimmten Perspektive betrachten. Das ist fruchtbar, da es erlaubt, auch im Einzelnen in die Tiefe zu gehen. Es ist aber
auch bedenklich, und zwar genau dann, wenn die Fachsicht an die Grenzen des ihr EinsichV

VI

Vorwort

tigen stößt. Es wäre also geraten, Übersicht zu gewinnen. Dies geht heute aber nicht mehr
aus einer umfassenden Sicht von einem, der alles weiß. Das gab es einmal. Und dies war
in einer auf Gott verweisenden Bewertung unseres Wissens auch zu rechtfertigen. Denn
in dieser Konzeption des Wissens gab es den absoluten Maßstab, von dem aus dann die
Vielfalt der Einzelheiten in einer einheitlichen Perspektivierung zu betrachten war.1 Doch
wäre heute die Idee, das Prädikat „der Weltweisweit Doktor“ zu verleihen und somit die
Idee aufrechtzuerhalten, die Vielfalt der Erfahrungen nach einem System bewerten zu können,2 wie dies noch um 1800 geschah, schlicht obsolet. Es sind die Fachwissenschaften, die
unser Denken bestimmen. Die Maßstäbe, nach denen wir unser Wissen bemessen, sind
die disziplinär skalierten Bemessungen unseres Denkens. Was aber auch heute angeht, ist,
die Entwicklung des wissenschaftlichen Denkens zu begleiten, zu fragen, wie sich Perspektiven entwickelt haben, was in ihnen gesucht und was in ihnen bisher gefunden wurde. In
der Geschichte kann sich dann die eine Disziplin auch auf die andere beziehen, sie kann
erfassen, wo sie schon bisher über sich ausgriff, wo sie Anleihen nahm, die sie nicht weiter befragte, u.s.f. Derart gewinnt sich zumindest Umsicht, und in dieser auch ein erster
Überblick.
Wir leben in einer wissensbasierten Gesellschaft. Unseren wissenschaftlichen Standard
halten wir nur, wenn wir immer wieder neue Innovationen auf den Markt bringen. Unsere Prosperität ist nur durch unsere fortschrittliche Technologie gesichert. Dabei stehen
wir immerfort in einer internationalen Konkurrenz. Technologien der Qualität, die in ihrer Umsetzung unserer Gesellschaft den von ihr mittlerweile für selbstverständlich erachteten aufwendigen Lebensstil erlauben, sind nicht mehr zu improvisieren. Sie verlangen
hoch entwickelte Spezialfertigkeiten. Diese zu garantieren und auch solch hoch entwickelte Verfahren noch weiter zu optimieren, ist mittelfristig nur in einem übergreifend
organisierten Zugriff möglich. Dieser erfordert nicht nur den technologisch versierten Spezialisten, sondern grundsätzliche Fertigkeiten im Umgang mit Wissen, und damit eine
breite Entwicklung eines wissenschaftlichen Denkens. Dieses wissenschaftlich vermittelte
und wissenschaftlich geleitete Wissen ist für uns heute demnach unverzichtbar. Es ist kein
Ornament, sondern die Basis unserer Kultur. Was ist das aber für ein Wissen, wie ist es abgegrenzt; was bedeutet es, wenn darin Technologien mit Wissenschaften verbunden werden;
und was heißt es, wenn behauptet wird, dass es in einer hochtechnologisch organisierten
Kultur eben nicht zureicht, die Ingenieurausbildung zu optimieren, um Innovationen zu
generieren. Hier wird demgegenüber behauptet, dass gerade die hoch entwickelten Technologien es erfordern, dass eben auch Poesie, alte Geschichte oder die Struktur von Sprachen
begriffen und wissenschaftlich untersucht werden. Schließlich darf sich eine innovative
Technologie nicht nur im Bereich des ihr momentan Machbaren bewegen. Bildung ist eben
1

Vgl. hierzu etwa P. Findlen, Hg., Athanasius Kircher. The Last Man Who Knew Everything. New York,
London 2004.
2
So zeichnet etwa der deutsche Philosoph G. W. F. Hegel auf dem Titelblatt seiner sogenannten „Differenzschrift“ mit genau jenem Titel; G. W. F. Hegel, Differenz des Fichte’schen und Schelling’schen
Systems der Philosophie in Beziehung auf Reinhold’s Beyträge zur leichtern Übersicht des Zustands der
Philosophie zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts. 1stes Heft. Jena 1801.

Vorwort

VII

mehr als Ausbildung. Sie umgreift die Einsicht in die Grenzen des uns mit bestimmten
Dingen Machbaren. Der Gebildete vermag seine Ausbildung und deren Nutzen und Nutzbarkeit zu reflektieren. Und nur der, der seine Position bestimmen kann, weiß, wann er sich
wie von dieser Position wegbewegt und wegbewegen sollte. Die Ausbildung bleibt beim
Alten, das sie verbessert, aber nie revolutioniert. Neue Ansichten des Bekannten gewinnen
sich aber nur in einem Positionswechsel. Und so kann eben nur der, der gebildet ist, sein
Wissen in neue Formen bringen. Benötigt werden Phantasie und die Disziplin, Ideen auf
das dann doch Machbare herunterzubrechen. Dies gelingt nicht aus einer Spezialperspektive, sondern nur im Überblick über die Vielfalt des uns verfügbaren Wissens und der damit
verbundenen Denkansätze und Lösungsstrategien.
Vergegenwärtigt sich unsere Kultur ihr Wissen, so hat dies entsprechend auch in der
Breite ihrer Wissens- und damit eben auch Wissenschaftszusammenhänge zu geschehen.
Folglich ist die Systematik von Wissenszusammenhängen zu erschließen. Dies gelingt nicht
dadurch, dass eine vorgegebene Systematik abgearbeitet wird. Dies gelingt nur dann, wenn
die Geschichte deutlich gemacht wird, in der unsere heutige Denksystematik und die damit
verbundenen Wissensordnungen erwachsen sind. So ist die Geschichte zu verfolgen, in der
sich unser Wissen organisierte. Geschieht dies, sind die Spezifitäten unserer Wissenskultur,
ihre Vernetzungen und die in diesen Vernetzungen erwachsenen Bestimmungen zu verstehen und dann auch zu wirklich neuen Horizonten weiterzuführen. Dabei findet sich unsere
Kultur (das ist die Wissensordnung der mitteleuropäischen Welt) durch Berichte, Reisen,
Handelsbeziehungen zumindest in ihrer Eigenwahrnehmung in eine weiter vernetzte Welt
eingebunden. Jedoch bewerten wir dieses andere zunächst nach den uns eigenen Maßstäben. Diese sind nun nicht aus einem Reich des absoluten Wissens an uns herangetragen
worden, sie sind vielmehr historisch erwachsen. Und so kann sie eine geschichtliche Betrachtung, d. h. eine Darstellung, die diesen Prozess nachstellt, Positionen und Grenzen der
so gewordenen Kultur, wie sie sich in diesem Prozess verfestigten, kenntlich machen.
Unsere zusehends disziplinär geleitete Sicht ist zudem aber auch kleinteilig. Wir wissen
sehr viel von sehr kleinen Bereichen. Diese einzelnen Teile können wir nun aber nicht einfach aufaddieren, um in ihnen dann ein Ganzes zu greifen. Die erfahren wir derzeit in der
Diskussion um die möglichen Veränderungen des Weltklimas und dessen mögliche Regulierung. Die Einzelperspektiven erlauben es uns nicht, die Zusammenhänge zu begreifen.
Entsprechend reagieren wir in der Organisation unseres Wissens, indem wir verschiedene
Disziplinen wieder zusammenführen. Wir stehen hier aber auch in einer Diskussion mit
anderen Kulturen, die Beziehungen und Wirkgefüge ggf. anders bewerten, Handlungen anders begreifen und vielleicht auch in anderer Form, als wir es gewohnt sind, zu begründen
suchen.
In der aufkommenden Diskussion um eine eventuelle gemeinsame Ausrichtung unseres
Handelns, in der dann vielleicht auch international verbindliche Verhaltensnormen für den
Umgang mit dem, was wir wissen, geregelt sind, ist nun nicht einfach eine von uns erarbeitete Vorstellung zum verbindlichen Maßstab zu erklären. Dies mag zwar eine erste Strategie
darstellen, uns in einer Vielfalt von Wertsystemen und Handlungsausrichtungen zu orientieren, kann aber so von uns nicht einfach auch für andere festgelegt werden. Um hier

VIII Vorwort weiterzukommen. und wähnen uns nur deshalb. Unsere Gesellschaft ist sich erst seit wenigen Jahrzehnten bewusst. immer nur vorläufig erscheinenden Lösungsansätze der Wissenschaften nunmehr in ganz neuer Weise gründet? Oder verlieren wir in der Vielfalt des uns neu Erreichenden schlicht den Überblick. in der Großforschungsanlage Jülich. Hierzu war es einzelnen Forschern möglich. Das. deren Anwendungsmöglichkeiten und deren Rückwirkungen auf die Wissenschaften somit in eine neue Geschichtsdimension gesetzt. um zu verstehen. die mit solch einer umfassenden Technisierung unserer Kultur und unserer Produktionsbedingungen einhergehen. was die Effekte sind. auf dem ich diesen Text formuliere. in denen Denkoperationen bewertbar sind. So wird unter Umständen eine weitere Einsicht in das mit diesen Technologien überhaupt Mögliche durch das Beharren auf dem bisher Erreichten und dem mit diesem Möglichen unterbunden. dann wurden die ersten Kleincomputer marktfähig. weil wir diesen verloren haben. in einer grenzenlos erscheinenden Bestimmtheit unseres momentanen Wissensbestandes? Oder sind die hier eingangs beschriebenen Rückversicherungen in einer Tradition des Wissens und in Systemen. in der sie in der schieren Massierung von Befundungen die vormaligen. eine Rechenkapazität. Dabei ist unsere bis in den Alltag hinein durch Technologien geführte Existenz in Mitteleuropa erst seit ein. aufwendige Berechnungsverfahren in vergleichsweise kurzen Zeitspannen umzusetzen. zwei oder drei Generationen selbstverständlich. hinfällig? Doch werden in solch einer Bewertung die Wissenschaft und deren Entwicklungspotenzial nur aus der gegenwärtig greifbaren Anwendungsperspektive bewertet. mit diesem Gerät in einer ganzen Reihe von Wissenschaften neue. Und nun hat das Notebook. Zunächst aber müssen wir unseren Umgang mit Wissen und unsere Entwicklung der Wissenschaften kennen. Die Innovationen im Bereich der Technik und das Wissen vom Umgang mit dieser erlaubten es. Fragen der wissenschaftlichen Entwicklung und deren technologische Umsetzung sind nun. die sie dann allgemein verbindlich regeln will. die in den 1980er Jahren aus der Kernforschungsanlage Jülich entstand. Wie aber verortet sich darin eine Wissenschaftstradition. wurde ein Großcomputer aufgebaut. Meine erste Dissertation habe ich noch mit einer klassischen Schreibmaschine getippt. in einer zusehends akzelerierten Entwicklungsfolge. Gerade diese technologische Entwicklung gewinnt – etwa im Zusammenhang mit dem World Wide Web – zusehends globale Bedeutung und wird auch nur noch in einer globalen Perspektive bewertbar. die der des vormaligen. durch ein ganzes Team betreuten Großrechners entspricht. wissensbasierte Kultur Europas hat ihre eigene Geschichte. müssen wir um die anderen Wissens. vom Bereich der Gentechnik bis hin zur Diskussion über . wie es heute heißt. in er schon das Gestern Geschichte ist und so das Vorgestern kaum noch interessiert. was uns so sicher scheint. diese. die in Blick auf diese Entwicklung der neuen Computergeneration auf die Mathematik verweist. die diese Entwicklungen überhaupt erst möglich machte? Ist die klassische Naturforschung mit der Steigerung der Entwicklungsgeschwindigkeiten von Technologien. wie unsere Kultur mit den Dingen umgeht. und diese lässt sich für die Naturwissenschaften in ihrer sich zunehmend steigenden Dynamik gerade auch für die letzten Jahrzehnte deutlich machen.und Wissensbewertungssysteme wissen. für ihre Projekte Rechenzeit auf diesem Großrechner zu beantragen.

die für sie auch im Neuen handhabbar bleibt. So wird sie etwa Bewegungsgleichungen in einer Mathematik schreiben. In genau dieser Situation. Vielleicht geschieht dies. und sie muss damit in einer Weise umgehen. So kann sie im Bekannten Neues finden und damit Bekanntes auch neu verstehen. Natürlich sind dies zunächst nur modische Bemerkungen. was der Hintergrund von dem ist. Wir werden in der Sichtung der Geschichte dieser Wissenschaften noch sehen. die Ausbildungsstandards zu verlieren. sie eröffnet aber auch Möglichkeiten. Selbst das völlig Neue verweist derart auf die Geschichte des bisherigen Tuns der jeweiligen Wissenschaftsdisziplin zurück. sind wir nun dabei. findet in der jetzigen Ausbildung nur noch verhaltenen Niederschlag und wird im Niveau auf der höheren Schule kontinuierlich gesenkt. aber sie variiert diese. Hier finden sich vielmehr die Probleme gestellt. nicht mehr nur Meldungen für das Feuilleton. nur die alten Ausbildungsinhalte tradiert haben. und in denen sich dann auch neue Konzepte finden und etablieren konnten. Energiemanagement und Nahrungsressourcen. Sie wird also auch dieses Neue immer ein wenig wie Bekanntes behandeln. Dann. wir haben auch Praktiken und Strukturen zu identifizieren. über Wissen und Wissenschaften auch innergesellschaftlich zu diskutieren: Das vormals gepriesene Ideal einer mathematischen Wissenschaft. Sie wird einen neuen chemischen Stoff in einem Laboratorium synthetisieren. was da in einem Wissenschaftsbereich wirklich neu entwickelt wurde. Dabei operiert die Wissenschaft zwar nach Rezepten. was wir da tun – und was alles wir demnach mit diesem Hintergrund sonst noch machen könnten. im Übrigen in beiden vormaligen politischen Systemen. Wir werden dabei auch begreifen müssen. nachhaltig gefördert wurde. auch Strukturen zusammenzuführen sind. wie verschiedene Praktiken. Wir haben nicht nur Ideen. Objekten und Experimenten etwas sieht. Dann muss sie aber das Neue. Anwendungen und deren Grenzen zu beschreiben haben.Vorwort IX Klimawandel. die es erlauben werden. zu verstehen. ohne Phantasie. wenn ich diese kenne. für sich und für andere verständlich machen. . Die Geschichte zeigt dabei Grenzen für das für uns Machbare. die allen zumindest im Prinzip verständlich ist. weil wir zu lange. sondern dass wir Verfahren kennenlernen müssen. in der die Wissenschaften – und das zeigt schon ein kurzer Blick in die großen Zeitungen in Deutschland oder auch in Fernsehprogramme – derart an Bedeutung gewinnen. deren Bildern. Neues im Bekannten zu entdecken. vielleicht aber auch. uns schon in der Jugend mit immer mehr mit Verfahren und deren Beherrschung herumzuschlagen haben und uns so immer weniger einsichtig machen. das mit seinen Methoden allgemein akzeptierten Standards entspricht. wie es mit dieser Nachhaltigkeit und der Sicherung des Faktischen bestellt war und ist. fällt es mir leichter. der angesichts solcher Überlegungen auf die Macht des Faktischen setzt und gerade in den Naturwissenschaften. Lehrbuchwissen aufzuhäufen. das in der schulischen Ausbildung gerade im deutschen Sprachraum. das uns unmittelbar und nachhaltig verfügbar ist. in denen mit Konzepten umgegangen wird. da wir uns in den Wahrnehmungen des Allerneuesten überschlagen. Ideen und ggf. Sie kann aber auch die Rezepturen verlieren oder verwerfen. die aber jeden nachdenklich machen sollten. dass es nicht zureicht. was sie dann meint finden zu können. um zu erfassen. die ein verantwortliches politisches Handeln mittelfristig bestimmen.

Die hier nachzuzeichnende Geschichte ist nun keineswegs ungebrochen. um zu verdeutlichen. über Jahrhunderte die Mittelmeer-Welt zu bestimmen. Die Entwicklungen.und Westeuropa okkupierte. Das heutige Ideal der Antike verweist – wie schon zu Zeiten der Römer selbst – zurück auf die Griechen. Deutlich wird damit aber auch. sehr praktischen Einstellung. um zu verstehen. gelinde gesagt. worauf das Heute aufbaut. was für uns heute besonders und gültig ist. dass selbst die Großstädter des 19. ist es wichtig. was die Traditionen sind. wie gering in dieser römischen Kultur die Wissenschaft angesehen war. dem Kolosseum. worauf es basiert. Sie vermittelten eine neue internationale Sprache. deren Militär fast ganz Süd. obwohl und vielleicht auch weil die Techniken so hoch entwickelt waren. wie wir mit unserem Wissen um Wissen umzugehen haben. Sie wird uns so aufweisen. Skizzieren wir vorab einige dieser Grundlinien unserer hier im Weiteren detailliert zu betrachtenden Geschichte. die – wie Köln – als Städte oder – wie das Bistum Trier oder gar Spanien – als Regionen bis heute Bestand haben. die bei aller Perfektion von Bautechnik und Logistik auf einfachen landwirtschaftlichen Produktionsverfahren gründete und deren durch Sklaven getragene Wirtschaft nur durch kontinuierliche Expansion und darauf folgende Ausbeutung der eroberten Provinzen zu konsolidieren war. schufen Straßen. Mit dieser. und lebten doch bei all dem hierzu notwendigen Wissen kulturell weitgehend von den Griechen. Dieser sehr praktisch organisierte Staat formte den von ihm beherrschten Raum um. die auch nur funktionierte. wie es strukturiert und wie angewandt wurde. gaben die Verwaltungseinheiten vor. die in ihrer Hauptvergnügungsstätte. vergisst dabei dann aber auch zu rasch. Dabei müssen wir uns dann etwa darüber klar werden. um sich daran zu ergötzen. da dessen sich auf Sklavenarbeit gründende Ökonomie sich immer wieder neu auszudehnen vermochte. Sie zeigen uns Brüche und erlauben uns so besser zu verstehen. über 400 Jahre Zehntausende von Menschen niedermetzeln ließ. schuf Verwaltungseinheiten und Infrastrukturen. dass Aristoteles der Lehrer . wie unser Wissen entstanden ist. importierten Tiere und Pflanzen. die in ihren Grundzügen und den in ihnen vermittelten Ideen in Europa bis heute Bestand haben. Jahrhunderts von den Römern noch lernen konnten. um die hier zunächst verdeckten Differenzen in den so verfügbar gemachten Traditionen zu wissen. wenn verschiedene dieser Traditionen zusammengehen und in diesem Zusammengehen jeweils ausgehend von einem unterschiedlichen Hintergrund argumentiert wird.X Vorwort Besonders dann. Diese römische Kultur war allerdings auch die Kultur. wie man eine urbane Infrastruktur aufbaut. Hier markiert sich also in mehrfacher Hinsicht ein Bruch in einer sonst nur zu gradlinigen Bewertung. Dennoch gab uns dieser Staat unsere Idee von Recht. Es wird noch erstaunen zu erfahren. dass eine der zentralen Perioden unserer europäischen Kulturgeschichte von einem Militärstaat bestimmt war. der Wissen nur im Sinne seiner Verwertbarkeit schätzte. war dieser Staat in der Lage. dass wir Entwicklungen unseres Wissens und der Wissenszusammenhänge in einem breiten kulturellen Rahmen verfolgen müssen. Die Römer. und wer dies wie getragen hat und trägt. sie wird uns zeigen. die wir zurückzuverfolgen haben. zeigen uns auch in unserer Kultur das Fremde. Es war zugleich eine Kultur. Da wird uns die Geschichte nicht nur nachdenklich machen. mit denen wir heute in den einzelnen – derart tradierten Bereichen – wie selbstverständlich umgehen.

Die hieraus neu entstehende. sondern die Hoffnung. In deren immer feiner ausdifferenzierten Darstellung schien sich denn auch unsere Darstellung der Welt immer feiner aufzufächern. Dieses Jahrhundert endete mit einer sich neu formierenden Physik.Vorwort XI von Alexander dem Großen war. Es entstehen neue Einrichtungen. verteidigten in der endenden römischen Kaiserzeit einen schon ins Wanken gekommenen Staat. Jahrhundert erwachsene. Priester. Hier konsolidiert sich im Denken eines ganz bewusst auf die klassische Phase der römischen Antike zurückverweisenden Autors das Bildungsprogramm eines ganzen zukünftigen Zeitalters. Das ausgehende 19. Zugleich aber entwirft die mit dieser Wissenschaft einhergehende Technik Kanonen und Kriegsschiffe. Hier entstehen die Vorgaben. Es gab Fotografien. Es war die Natur an sich. prägte. Die Vorstellung eines von Karitas und Kontemplation geleiteten Lebens sind christliche Rückprojektionen. Wissen und Wissenschaft bekommt in diesem Rückverweis auf eine nur mehr in Eckdaten begriffene Antike einen ganz neuen Klang. dass die hohe Entwicklung der griechischen Wissenschaften dann auch nicht mehr in der attischen Demokratie. sich um 1900 universell ausrichtende Wissenschaftsdenken. in den entdeckten Gesetzmäßigkeiten der Natur den Menschen und sein Verhalten nach letzten unverrückbaren Maßstäben begrei- . Figuren wie Marc Aurel. der als Stoiker auch in die Philosophiegeschichte eingegangen ist. tradierten Einschränkungen und kulturell übermittelten Autoritäten. die in dieser neu formierten Wissenschaft zur Geltung zu kommen schien. Immer wieder sollten wir derart über die Rahmenbedingungen der hier zu verfolgenden Geschichte nachdenken. sich axiomatisch fassende Naturforschung kannte nicht mehr solche. kulturellen Bindungen. in der das Unsichtbare in Formeln gefasst eine neue Realität zu definieren schien. das erst Boethius in der Spätantike in seinem Versuch. das meinte. die ein Bild aufnehmen. in denen zwar immer noch eine Elite. Jahrhundert setzt gegenüber all diesen Wissens. Die neue. aber nicht einfach eine politische Nomenklatura.und Wissenschaftskulturen – zumindest in seinem Eigenverständnis neu an. wie vorab diskutierte. dass die unter ihm aufkommende Naturgeschichte der Griechen auf die neuen Berichte aus dem Osten reagierte. Es wird zudem oft nur am Rande zur Kenntnis genommen. Und auch er formulierte wesentliche Teile dieser Utopie nach seinem Fall als Politiker in den Kerkern von Ravenna. Christentum und römische Bildungstradition zu fusionieren. Schulen und Universitäten entstehen. in denen Wissen – wenn auch in reduziertem Bestand – erstmals flächendeckend über Europa vermittelt wird. Und so ist das im 19. die ihn in den andauernden Grenzsicherungskriegen begleitete. nach denen ein Restbestand des antiken Wissens in einer Zeit umfassender Wirrnisse erhalten wurde. sondern Administratoren. sondern in den kleineren und größeren Monarchien des kleinasiatischen und ägyptischen Raumes erfolgte. womit wir immer tiefer in den Weltenraum und in immer kleinere Dimensionen unseres Mikrokosmos hineingeführt wurden. Klöster und Bibliotheken. Es gab Messungen. in denen sie selbst den Stift zu führen schien. in denen sich die Natur selbst nachzeichnen sollte. Missionare und später auch Humanisten ausgebildet werden. sich selbst theologisch begreifende Kultur fundiert sich damit auf dem Bildungskanon eines römischen Rhetors. Marc Aurels Ideal einer ethisch bestimmten Existenz war für ihn schon nicht mehr Lebensrealität. In diesem Jahrhundert kamen die Wissenschaften auf die Sache selbst.

Wir müssen also – das zeigen diese Streiflichter – vorsichtig sein mit der Idee einer Objektivierung des Wissens. das in einer Epoche gewonnen wurde. Sicher sind Teilbestände dieser Kulturen zumindest sekundär europäisiert – nicht zuletzt als Folge eines zum Teil mit brachialer Gewalt betriebenen Kolonialismus. Doch sind weite Bereiche unserer menschlichen Kultur eben nicht europäisch bestimmt. Nur wenige Jahre später aber formiert sich für die Physik eine neue Kosmologie. Darzustellen sind Stufungen in einem keineswegs . auch nur zu bald gescheitert. Unsere arabischen Zahlen entstammen der mathematischen Tradition Indiens. wie wir sie erfassen können und wo wir sie eigentlich finden. Nun war schon in diesen Eingangssätzen nur von einem sehr kleinen Ausschnitt unserer Kultur die Rede. ist doch schon der Versuch. kein klar abgegrenztes Gefüge einer originär europäischen Sicht. So ist es denn eine Aufgabe einer Geschichte der Wissenschaften. Universalien zu definieren. wo wir doch Traditionen und deren Brüche zu registrieren haben. Dazu fühle ich mich aber noch nicht einmal im Ansatz in der Lage. diese europäische Sicht auch als eine Sicht unter anderen zu beschreiben. Schon der Beginn unserer Geschichte weist nach Asien. Im militärisch besiegten Deutschland erwächst das Mekka einer konsequent international ausgerichteten mathematisch geleiteten Naturwissenschaft. in der sich eine Vielfalt von Kulturen vernetzt. festzuschreiben. Juden und Perser vermittelt. Um hier wirklich weiterzukommen. Die Materie wird neu definiert und auch wieder international diskutiert. eine europäisch bestimmte Geschichte der Wissenschaften als ein Ein-Autorenwerk zu schreiben. der sich auf Europa und vielleicht sogar noch auf Mitteleuropa einschränkt.XII Vorwort fen zu können. Im Zeitalter der Globalisierung scheint ein Blick. Bomben und Bomber. Die vormaligen Grenzen nationaler Wissenschaftstraditionen scheinen in einer neuen Sprache und der mit dieser neu formulierten Weltsicht gerade auch nach den Erfahrungen des ersten Weltkrieges definitiv aufgehoben. zunächst einmal suspekt. mit dem sich Massenvernichtungspläne begründen und die Liquidation von Millionen von Menschen optimieren ließen. Noch Rom blickt nach Ägypten. Wir leben in einer globalen Welt. und unser Bild der Antike ist uns in wesentlichen Teilen über Aramäer. Und doch verkommt diese Naturwissenschaft in nur wenigen Jahren in eben diesem Deutschland zu einem Instrument. wie dort dies Andere wahrgenommen wurde. was es mit diesen Wissenschaften auf sich hat. Wir müssen uns hüten. Deren Resultat ist eben kein monolithischer Block. Wir müssen erfahren. ein Bild. das eine Vielfalt von Wissenschaftstraditionen in ihrer eigenen Geschichte verfügbar macht. Nach 1914 arbeiten auf den verschiedenen Seiten der Kriegsparteien die vormals international organisiert erscheinenden Wissenschaftler gegeneinander und entwickeln Giftgas. B) in unserer Geschichte selbst aufzuweisen. und – nicht zuletzt – auf welchen Fundamenten so die eigene Geschichte gründet. müssen wir etwas von unserer Geschichte wissen. Der andere Weg ist. die Griechen lebten aus ihrer Auseinandersetzung mit dieser Tradition. die sich mit der Natur auseinandersetzen. Das kann in zweierlei Hinsicht geschehen: A) in einem Nebeneinander. werden für uns aber nur durch europäisch geformte Institutionen in den Begriffen unserer Sprache und nach den Anschauungen unserer Kultur verfügbar. Zu beschreiben ist das aus diesen Vermittlungen und der eigenen Bewegung gewachsene Konglomerat. nahe der (wissenschaftlichen) Hybris. wo sich Bezüge zu dem Anderen ergeben.

In dieser Geschichte öffnet sich so immer wieder. von der ausgehend dann solch weiterführende Routen verfolgt werden können. und die dann zeigen. Gewonnen ist eine Skizze. Wenn Mozart in seinen Kompositionen Triangel und Becken nutzt. Das vorliegende Buch will zu solchen Exkursionen Mut machen und eine Grundlinie vermitteln. davon ist in einem anderen Buch die Rede. alles andere als ein einfaches Unterfangen. wo dieser Text nur Weniges andeutet. er verlässt sich immer wieder auf Andere. Frankfurt 2011. Zu betrachten ist so zumindest. Dabei hoffe ich zumindest den einen oder anderen Leser zu motivieren. Können wir diese Anleihen und das Umgehen mit diesen aufzeigen. ohne dass die dort aufzuzeigende Topographie in mehr als flüchtigen Konturen gezeichnet. Besprochen wird hier denn auch nicht die Theorie der Geschichte einer Wissenschaft. Es offeriert dabei nicht mehr als eine erste Orientierung. So wird im Vergleich eines sich geschichtlich wandelnden Umgehens mit diesem Anderen etwas von dem zu zeigen sein. wie wir in Europa das Andere wahrgenommen haben und was wir dann von diesem Andern integrierten. die wir aber heute meinen als ganz uns zu eigen interpretieren zu dürfen. zeigt schon der Instrumentalbestand eines klassischen Orchesters. um auf das Andere zuzugehen. in der zumindest eine grobe Karte des zu durchmessenden Raumes aufgeblättert ist. Wie eng geführt dies für uns oft erscheinen mag. die auf Wahrnehmungen des Anderen verweisen. zu einem ersten Verständnis zu kommen. Zur Einführung. das aber vielleicht trotz seiner nur groben Konturen hilft. ein wirklicher Einblick zu finden ist. so dass die für diese Darstellungen notwendigen Verkürzungen dann in einer eingehenden Sicht wieder aufgelöst werden können. ein Raster. Meine Mitarbeiter haben in Seminaren immer wieder einzelne Aspekte vertieft und dabei Verstellungen meiner kurzen Geschichten korrigiert. so dass auch dort. den enormen Faktenbestand dieser Geschichte zu konzentrieren und in eine Erzählung zu binden. deren erster Band hier vorliegt. So erwuchs diese Darstellung. weiterzulesen. Radikale Historisierung – Kulturelle Selbstversicherung im Post-Darwinismus.3 3 O. siehe aber auch: H. es sei denn. Breidbach. Rheinberger. zumindest für einen Moment. Diesen Weg sucht das vorliegende Buch zu verfolgen.Vorwort XIII gradlinig und erst recht nicht kontinuierlich nach oben führenden Weg. Es sucht eine Geschichte zu erzählen. und dabei dann auch nur punktuell koloriert ist. der Blick auf Anderes.-J. die ein Einzelner gar nicht erzählen kann. Immer wieder haben hier Studenten Variationen meines Versuchs aushalten müssen. so öffnet sich ein Ansatz. die ich schon seit vielen Semestern im Rahmen der Ausbildung zum Wissenschaftshistoriker anbiete. sucht deren Geschichten dann seinerseits nachzuerzählen. Dabei ist der Text das Kondensat einer Vorlesung. zu kondensieren und in eine Gesamtsicht zu integrieren. Historische Epistemologie. und so zumindest in dieser Hinsicht das Europäische auch in einem globalen Sinne zu positionieren. was dieses Andere zumindest für uns war und ist. . So ist dann auch die Klaviermusik alla Turca eine Anleihe an einer anderen Kultur. Hamburg 2007. dass er damit die Instrumente der Janitscharen einsetzt. in dem immer wieder Einschübe gesetzt sind. Natürlich ist diese Darstellung einer europäisch eingegrenzten Wissenschaftsgeschichte. wird ihm noch bewusst gewesen sein. was in unsere Kultur übersetzt wurde.

im Mai 2013 Olaf Breidbach . die durch ihre Anmerkungen die Kapitel des Buches haben lesbar werden lassen. sichtbar. das erst im Zusammenhang auch von dessen eigener Verortung in einer Geschichte. Jena. in diesem Buch zunächst überhaupt einmal eine Geschichte zu erzählen. Es ist ihr Gegenstand und das Faszinierende an einer Disziplin. vor allem aber meine Frau Carlies Maria Raddatz-Breidbach. Namentlich danke ich Frau Rita Schwertner. ist das Eine. Im vorliegenden Band gewinnt denn auch die Naturgeschichte eine breitere Berücksichtigung als in vergleichbaren Arbeiten. und des Laboratorium Aufklärung. Solch eine Geschichte der Wissenschaften ist nicht nur das Material einer Wissenschaftsgeschichte. nicht einfach nur den Wissensbestand einer Disziplin. eine Erzählung. ist das Andere. sondern deren Werden im Gesamtzusammenhang des Wissensbestandes einer Kultur zu beschreiben. dass zu diskutieren ist. Wichtig erschien es mir aber. verständlich ist. die diese Geschichte im Weiteren zu behandeln sucht. Zu danken ist meinen Studenten und meinen Mitarbeitern für kontinuierliche Diskussion und Unterstützung. den Kollegen. die etwas von dem Faktenbestand dieser Geschichte vermittelt. was Wissenschaft eigentlich ist und wo wir von Wissenschaft in unserem Sinne überhaupt reden können – sowohl was die methodische Differenzierung eines Fachbereichs als auch den Raum dieser Differenzierung anbelangt – auch der Gegenstand der Natur wird jeweils unterschiedlich betrachtet werden können.XIV Vorwort Dargestellt wird eine Geschichte. Thomas Bach und Christian Forstner. Solch einen Überblick sucht der vorliegende Band zu offerieren. dass sich aber auch in dieser Akzentuierung eine Gesamtgeschichte verfolgen lässt. ist eines der Themen. Ihren immerwährenden Anmerkungen und Hinweisen verdanke ich viel. Die hier zu erzählende Geschichte wird immer aus einer Perspektive beleuchtet. die im Lehrprogramm der deutschen Universitäten erst Ende des 18. die bis in die Antike zurückreicht. die eben auch vom Wissenschaftsverständnis des Autors getragen ist. Nicht nur. Dabei wird hier zunächst in einem sehr weiten Sinne Wissen als Wissen von der Natur beschrieben. Jahrhunderts genutzt wird. Nur geht es eben auch um die Entstehung einer solchen Einsicht. die aus der Feder eher mathematisch physikalisch oder philosophisch ausgerichteter Autoren stammen. es ist deren Substanz. Dass daraus dann ein eingegrenzter Begriff von Naturforschung erwächst. die sich erfrecht. Insofern bleiben hier Spuren der fachwissenschaftlichen Heimat des Autors. insbesondere aus dem Forschungsverbünden des vormaligen Sonderforschungsbereichs 482. Dass diese in ihrer Auswahl bewertet und in ihren Akzenten durch Vorlieben bestimmt ist. eines Biologen. Naturwissenschaft im strengen Sinne ist eine sehr neue Kategorie. Ereignis Weimar-Jena Kultur um 1800. in denen sich immer wieder übergreifende Perspektiven diskutieren ließen.

. . . . . . . . . 98 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3. . . Weiterführende Literatur . . . . . . . 4. . .1. . . . . . . . 4.1. . . . .1. . . . . 1 13 2 Früh. . . .1 Wissensrepräsentation und Wissensordnungen vor Erfindung der Schrift 2. . . .2. . 4. . . . . . . . 3.1. . .1. . . . 3. .1. . .und Vorgeschichte . . . .1. . . . 118 . . . . . . .1 Die Anfänge analytischen Denkens . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .1.2 Die frühen Schriftkulturen . . . . . . . 4.2. . . . . . . . . . . . . . . .2 Pythagoras von Samos . . . . .3 Medizin im alten Ägypten . . . . . . XV . . . . . . . . . . . .1. . . . . . 85 . 29 34 34 34 53 56 57 57 64 78 80 83 4 Die griechisch-römische Antike . . . . . . . . Weiterführende Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .1. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .2 Die ägyptische Hochkultur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15 15 22 27 3 Die asiatischen und afrikanischen Hochkulturen . . . . . . 3. . . . . . . . . . . . . . . . . . .2. . . . . . . . . . . . .2. . . . . . . . . . . . . . .1 Der Beginn der griechischen Antike . . 3. . . . . . .2 Babylonische Kosmologie . . . . . .2 Ionische u. . . .1. . . . . . . . . . . . . . . .1 Mathematik in Ägypten . . . . .2 Ägyptische Astronomie . . . . . . . . . . . . . . . . .1 Hochkulturen in Mesopotamien . . . . 3.2. . . . . .1. . . . . . 4. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .1. . .1. . . . . . . . . . . . . . . 86 .2. . 108 . . . . . . . .1 Thales von Milet . . . . Weiterführende Literatur . . . . . . . . . . . . . . .1 Die homerische Zeit . .3 Babylonische Medizin . . . . . . . . . . 112 . . 3. . . . . . 3. .1 Die griechische Antike . . . . . . . . . . . . . . . .2 Die Schule von Milet .1. . . . . . . . . . . . .4 Weiterführende Literatur .2. . . . . . . . . . . . .Inhaltsverzeichnis 1 Einleitung . . . . .1. . . .1. . . 98 . . 85 . . . . .1. . . . . .2.1.1 Der Beginn der ionischen Naturlehre 4. . . . . . . .1. . . . . . . . . . . . .1. . . . . . . . . . . . . . . .1. .1. . . . . . . . . . 3. . . . . . . .1. . . 85 . . . . . . .1. . . . .1. . . . . 2. . . . . . . . . . . italische Philosophie . . . 98 . . .3 Die Schule von Elea . . . . . . . . . . . . .1. 4. . . . . . . . . . . . . 4. . . . .1. . . . . . . . . . . .1. . . . . . . .1 Mesopotamische (Babylonische) Mathematik 3. .1. . . . . 4. . . .

. . . .1. . . . . . . . Astronomie und Geographie der griechischen und römischen Antike .2 Zahlen und Größen .1.1. . . . . . . . . . . . . . .3. .2 Die Aristotelische Naturlehre . .1. .1.1 Platon . 4. . . 4.4 Die Zweckbestimmtheit der Natur . . . .3. . . . .2. . . . . . . . . . .1. . . .1 Aristoteles . . . . 4. . . . .5 Das mathematische Denken der Schule von Alexandria 4. . . . . . . . . . . . . . . . .1. . . . .1. . . . 4. . . . . . . . . . . .2. . . . . . . . .3. . . . . .4.2. . . .1. . . 4.1. . .1. . . . . . . .7 Das Gnomon – Messung und Weltabbildung 4. . . . . . .4. . . . . . .1. . . . . 4. . 4. . . . . . . .2. . . . . . .5 Die Schule des Aristoteles . . . . . . 4. . . . .3 Kosmologie nach Eudoxos . . .1. . . .1. . 4. . . . .1. . .3 Hellenismus . . . .2. . . .3 Das ptolemäische Weltbild . . . . . . . . . . . . . .1. . . . . . . . . . . . . 4. . . 4. . . . . . 182 186 195 197 212 . .1 Eudoxos von Knidos und die Geburt des modernen arithmetischen Denkens .3. . .1 Das Höhlengleichnis . . . . . . . . .1. . . . . . . . . . .4. .1. . . . . . . . . . . . . 4.2. . . . .2 Strukturen der Wissensvermittlung im Hellenismus und deren Nachwirkung . . .3. .1. 4. . . . . . . . . . . . . . .2. . . .2. . . .2. . . . . . . . .2. . . . . . . . . 4. . . .1. . .1 Aristoteles und die Entwicklung der abendländischen Rationalität . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .1. .1. . . . .1. . . . . . .3 Weiterführende Literatur . . . . . . . . .1. . . . .4 Archimedes . . . .2 Das kosmologische Modell des Eudoxos . .2 Mathesis universalis . . . . .2. .4 Weiterführende Literatur . . . . . . . . . . . . . . .3 Die Elemente des Euklid . . . . . . . .1. . . . . . . . . . 4. . . . 166 171 173 173 176 180 181 182 . . . . . . . . . . . .1. . . . . . .2.1. . . 4. . . . . . . . . . . . . . . . .2 Die Kosmologie des Aristoteles . . . .4 Griechische Mathematik . . . . . . . . . . . .1. .3.1. . 4. . .2. . . . . Die Atomisten . . . . . . . . . . . . . . . . 4. 125 . 128 . . . .5 4. . . .1. . . . 4. . . . . .1 Kallippos von Kyzikos . .4. . . 4. . . . . . .6 Weiterführende Literatur .3. . .1. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .2 Nachsokratische Naturlehre . . . . . . 4. .2 Eudoxos . . . . . . . . . .1. 4. . . . . . .1. .2. 4. .1. . . . . .1. . . . . . . . .1. . . . Die Endphase der ionischen und italischen Naturlehre . . . . . . . . . . . . . 4. . . .2 Der kleinasiatische Raum II .6 4. . .2. . . . . . . . . . . . . . . .4. .XVI Inhaltsverzeichnis 4. . . .2. . 213 222 223 223 229 234 246 262 269 270 270 280 285 292 .4 Astrologie . . .3 Weiterführende Literatur .1.2. . . .3. . . 4. . . . . . 4. . . . . .2. . . . . .1. . . . . . . . . 132 135 139 142 145 151 155 157 166 . . . . . . . . .3. . . . . . . . 4. . . . 4. .1. .2. . . . .2. . . . . . . . . .3. . . . . . . .3 Das neue System des Wissens . . .2 Messtechniken und Modelle: Das Räderwerk von Antikythera . . . . . .1 Griechische Kosmologie . . . . .8 Der Tunnel des Eupalinos auf Samos .1. . .1.1. . 4. . . . . . 4. . . . . .4 4. 4. . . 4.1 Mathematik als Konstruktion . .1.4. . . . . . . . . . . . . . . .1. . .2.1.1.

. . . . . . . . . . 4. 4. . Weiterführende Literatur . . . . .1 Das mathematisch-technische Denken der Spätantike . .5 Praxis und Praktiken . . 4.3.2 Die Medizin im 5. .6. . . . . 4. . . . . . . . . . . . . . .3.3. . . . . . . . . . . . . . . . . .3. 4. 4. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4. . .3. 4. . . . . . . . . . . . . .3 Die pythagoreische Schule zu Kroton . .6. . . . . . . . .5 Die sizilische Schule . 4. .3. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .3. . . . .1. . . . . 4. . . . . . . . . . . . . . . .9 Hippokrates und das corpus hippocraticum . . . 4. .4 Die knidische Schule . . . . . .2 Zum Wissensstand der römischen Ingenieure . .1. . . . . . . . . . 4. . . . . . . 4. . . XVII 295 301 302 307 307 308 310 311 312 314 315 315 317 324 328 329 329 334 335 346 354 355 355 358 362 365 366 366 369 372 373 377 378 380 384 385 386 388 390 Personenverzeichnis . . . . . . . .5 Wissenschaftliche Geographie . . . . . . . . . . . . . . .2. . . . .2. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 393 . . . . . 4. . . . . .11 Weiterführende Literatur . . . . . . . . . .Inhaltsverzeichnis 4. . . . . . . . . . . . . . . .1. . . . .3.4. . . . . .4. . . . . . . . .1. . . .5. . . . . . . 4. . . . .2. . . .1 Die römische Republik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .3.5. . . . . . .8 Die koische Schule . . . . . . . .2 Medizin in Rom . . . . 4. . . . . . . .5. . . . . .3. .3 Spätantike . .2 Die Kaiserzeit . . . . .10 Das dritte Jahrhundert . . . . . . . . . . . .2 Fortschreibungen der Antike im Weströmischen Reich . . . . . . . . 4. . . . . . . . . . . . . . . .1. . . . . . . . . . . . . . . . . . . .1 Die neuen christlichen Ordnungsmuster – Fallbeispiel Augustinus 4. . . . . . . .3 Medizin in der griechisch-römischen Antike . . . . .3. . .7 Die aiginetische Schule . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .3 Weiterführende Literatur . . . . . . . . .1. . .3. . . . . . . . . . .3.1. .4. .2. . . . . . . . . . . .1. . . . . . . . . . . . . . . . . . .6 Völkerwanderungszeit . . . . . . . . . . .4 Römische Naturgeschichte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .2. . 4.4. . . .1 Straßenbau und Aquädukte . Jahrhundert . . .1 Weiterführende Literatur . . . . . .1 Martianus Capella . . . . . . . 4. . . . . . .2 Bautechniken .3.3. . . . . . . . . . . . . . . . .3 Galen . . 4. . . .6. . . . . . . 4. . . . . . . . 4. . . . . . 4. . . . . Byzanz und die Völkerwanderungszeit . . . . . . . . . . . . . .1 Medizin in der griechischen Kultur . . . . . . . . . .2. . . . . . . . . . . . . . . . . 4. . . . . . . . . . . .1. . . . . . . . . . . .2. . .1. 4. . . . . . . . . . . . . . .2. . . . . . . . . . . . . 4. . . . . 4.5. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4. . . 4. . . . . . . . . . 4. . . 4. . .3. . 4. .5. . . . . . . . . .2. . . . . .1 Die römische Republik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .1 Weiterführende Literatur .2. . . . .6. . . . . . . . . . . . . . . . und 4. . . . . . . . .3. . . .3. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .3 Cassiodor . . . . . . . . 4. .2 Römische Kaiserzeit . .2 Boëthius . . . . . .1 Das homerische Zeitalter . .4 Spätantike. . . . . . . . . . .6. . . . . . . . . . . . . . . . . . .1. . . . . . . . .2. . . . . . .2. . . .6 Die athenische Schule . . . . . . . . . . . .2. . . . . . 4. . . .5. 4. . . . . .3. . . .5 Weiterführende Literatur . .

an Handlungen. die insbesondere auch den Umbau der personengebundenen Wissenschaftskommunikation zu den neuen Formen des wissenschaftlichen O. Dabei sind insbesondere im Kontext der Diskussion um die Bedeutung des Labors als Ort der Wissensgenese und der dort erwachsenen. Die Wissenschaftsgeschichte zeigt die Wissenschaften vielmehr eingebunden in ihre jeweilige Kultur und macht so diese Wissenschaften für ihre Kultur und diese Wissenschaften in ihrer Kultur verständlich. erschließen sich allein in der historischen Analyse. in der die kulturellen Einflüsse auf die Begriffsbildung der Wissenschaften. Aussagen fixieren vielmehr nur Momente einer Tradition.1007/978-3-642-41846-4_1. die Situation der Moderne als Resultat einer historisch gewachsenen und nicht einfach systematisch vorgegebenen Perspektivierung zu beschreiben. sondern sucht eine historische Abfolge in ihren meist eben weder gradlinigen noch in den heutigen Vokabularien zu beschreibenden Dynamiken zu erfassen. DOI 10. Sie erlaubt es damit.1 Einleitung Die Wissenschaftsgeschichte rekonstruiert die Genese eines Wissens. Neue Ansätze einer Geschichte des Wissens gehen denn auch zusehends auf nicht. Strukturgeschichtliche Ansätze. © Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2015 1 . Es gibt keinen der Historie vorgeordneten Blueprint der möglichen Wissenschaftsentwicklungen. in dem die Aussagenfolgen in einen Analysezusammenhang gestellt werden. Geschichte der Naturwissenschaften. und in ihrer jeweiligen Interaktion darstellbar sind. Wissen ist dabei nicht reduzierbar auf eine begrifflich dokumentierte Aussagenfolge. die Tradierungen von Handlungspraktiken und Verfahrenstechniken beschrieben. Diese Gegebenheiten des Wissens. Sie geht dabei nicht von den rezenten Systematisierungsmustern aus. in den durch diese Praxis etablierten Strukturen und in der Deutungsgeschichte der in ihr produzierten Aussagenfolgen implizite Wissenszusammenhänge fixiert. Wissenschaftsgeschichte ist demnach nicht typisierend. die strukturellen Dispositionen wissenschaftlicher Arbeit.und Wissenschaftsgefüges. die in ihrer Praxis. nicht in den eigentlichen rationalen Diskurs der Wissenschaften einfließenden Labortraditionen neue Forschungsperspektiven erwachsen. die allein erst eine Sicherung des Wissensbestandes ermöglichen.deklaratives. Anschauungen und Techniken gebundenes Wissen ein. die mittlerweile auch in der wissenschaftsphilosophischen Diskussion aufgenommen wurden. Breidbach. Geschichte der Naturwissenschaften.

Geräteensembles.. deren Archivierung schon kontinuierliche Datenbetreuung und Datenerneuerung fordert. welche massiven Umschichtungen sich über das 20. Dabei gewinnen diese Formen der Erhebung. Jahrhundert. deren historisch gewachsene Methoden sich ja ausdrücklich unterscheiden. Jahrhunderts in disziplinär ausgerichteten Detailstudien behandelt. Imagery in the 21st Century. ergeben haben. die in klassisch-systematischen Darstellungen gewonnen wurden. geleitet von den Methoden einer empirischen Sozialwissenschaft. noch problematischer. Wissenschafts. Die medialen Bedingungen von Wissenskommunikation und -archivierung werden derzeit vor allem unter der Überschrift des pictural turns behandelt. Verfahren. man beschränkt sich darauf. etwa im Rahmen des World Wide Web.1 Innerhalb der eigentlichen Wissenschaftsgeschichte wird unter dem Konzept einer geography of knowledge ein Wissenschaftsraum in seiner Verzahnung von Topographien. und neuere auf statistischen Erhebungen basierende Approximationen zu vergleichen? Hier ergeben sich schon innerhalb einzelner Fachdisziplinen Probleme einer vergleichenden Bewertung von Wissenschaftszugängen. Grau. Die Fragen der Wissensordnungen in einer Gesellschaft. Hg. was insbesondere im Kontext der Kunstgeschichte und der dortigen Genese einer sich methodisch neu konturierenden Bildwissenschaft zu Neuansätzen führte.2 1 Einleitung Gedankenaustausches unter den Bedingungen von Großforschungseinrichtungen und industrieller Forschung berücksichtigen und dabei auch einbeziehen. in denen Wissen heute angewandt wird. Es sei denn. Wobei im digitalen Zeitalter Information aus einer statischen zu einer dynamischen Größe wird. Fragen wie die Auswirkungen einer Neuorganisation in der Kommunikation. so dass tradierte Konzeptionen der Wissensarchivierung schon in technischer Hinsicht hinfällig werden. Auch die Mediengeschichte beginnt erst mit einer Aufarbeitung der Wissenschaftskommunikationen und den damit verbundenen Fragen nach den medialen Bedingungen der Wissensvermittlung und Wissensarchivierung. sind wissenschaftshistorisch bisher nur in Ansätzen erarbeitet. andererseits sich als lokale Gemeinschaft zusehends internationalisiert. Bewertung und des Umgehens mit Wissen auch im Bereich der Humanwissenschaften immer größere Bedeutung.und Wissensräume in 1 O. das Bild der Soziologie in den letzten Jahrzehnten auch im deutschen Sprachraum umfassend geändert. Wie wird nun aber mit den neuen Wissensformen umgegangen? Wie sind Aussagen. die den Wahrnehmungsraum der Wissenschaften in das Wahrnehmungsgefüge ihrer jeweiligen Kultur zu integrieren suchen. Praktiken und Prozeduren verstanden. Deren Methodenrepertoire erlaubt es. Zwischen einzelnen Disziplinen. ist ein ins Detail gehender Vergleich ggf. Nun werden hier allerdings auch die Fragen nach den Formen relevant. die die einzelnen Disziplinen darstellen. in denen deutlich wird. oder die Frage. die jeweiligen Segmente des Wissens. wie Verwaltungen und Behörden mit Wissen und Wissenschaften umgehen. & London 2011. Ma. . Cambridge. finden hierbei ebenso Interesse wie die Problematik einer zusehends apparativ bestimmten Organisation von Datenerhebungen. nicht nur in Verbindung mit den beiden Weltkriegen. die die Folgen der Umschichtungen in den Kommunikationsräumen speziell des 20. die sich einerseits als hoch technologisiert versteht. dann auch unvermittelt nebeneinanderzustellen. So hat sich etwa. sind wissenschaftshistorisch bisher nicht dokumentiert.

Demnach ist Wissenschaft dann auch nicht einfach als „Wissen schaffen“ zu definieren. die ihre Rationalität nicht mehr in einem übergeordneten Wissenssystem verankert. Schließlich sind die Ordnungszusammenhänge. Eine Phänomenologie der Wissenschaften wird insoweit sozial und konzeptionell organisiert. Auch die Abgrenzung vom 2 D. In: O. was Wissen – vor und abgesetzt zur Mythologie. 3 O. So sind die verschiedenen Formen der Systematisierung unseres Wissens um die Dinge und um uns selbst nicht einfach nebeneinanderzustellen erlaubt. Breidbach. Wissenschaftliche Wissenssystematiken stehen am Ende einer Entwicklung.und Präzisionsgrad gewinnen. gibt es dort zunächst nicht.und nicht als eine Konzepteinheit begriffen. durchaus einen solchen Detaillierungs. Solch eine Ansicht scheint sich zwar im Rückblick anzubieten. In der Antike war dies anders – Wissenschaft. Dabei ist auch schon nicht ganz klar. London 2003. Andererseits sind der Schamane und später der Priester nun aber nicht einfach Wissenschaftler in Rohform. auf das sie sich bezieht und in das sie integriert ist. Rosa. Chicago. wird Wissenschaft nur als eine Struktur. das einfach nur an Techniken der Handlungsoptimierung oder auch der Ordnung und Bewertung von Wissenszusammenhängen interessiert ist. sondern vielmehr in den jeweiligen Methodologien der Einzelsichtweisen ihre Sicherheit findet. dass wir sie ohne Weiteres in einen im engeren Sinne wissenschaftlichen Erfahrungszusammenhang hineinzustellen vermögen. Dabei sind solche Denk. All die Mitarbeiter pharmazeutischer Firmen. Breidbach. das wird noch zu zeigen sein. München 2010. nicht einfach von einem Wissen abzusetzen. ordnet aber die Strukturen. in denen sich Wissen organisierte und organisiert auf unser heutiges Verständnis hin aus. um das Repertoire an pharmazeutisch interessanten Naturstoffen auszuweiten. Dabei können die einzelnen Beobachtungen des Magiers. die über Jahre in den verschiedenen Regenwäldern die dortigen Pflanzenkundigen befragt haben. N. wie sie im Mythos oder im magischen Weltbild erwachsen.1 Einleitung 3 ihren strukturellen Bestimmtheiten aufzuzeigen und die spezifischen disziplinären Eigenheiten einer Wissenschaftsentwicklung im Vergleich zueinander und bezogen auf etwaige spezielle Standortbedingungen mit ihren strukturellen und inhaltlichen Abhängigkeiten aufzuweisen. verarbeitet und abgrenzt. 113–132.2 In einer disziplinär gebrochenen Wissensgemeinschaft. zum Glauben oder zu komplexen Handlungs. in dem er für den Magier Bedeutung hat. herausgenommen. wie selbst für ein heutiges Wissenschafts. jeweils andere. was von speziell ausgewiesenen Experten der Wissenschaften ausgeübt wird. H.. in denen die Erfahrungsbestände bemessen werden. kann schon der magischen Wissensordnung widersprechen.und Wissenssystem solche Erfahrungsbestände direkt nutzbar gemacht werden können. Livingstone. Hg. .und Handlungsformen. Putting Science in its Place. Laboratorium Aufklärung. solch ein detailliert beschriebenes Moment des Wissens als Befund zu isolieren. ja selbst die Idee. Multiple Rationalität. S. Wissenschaft ist demnach als Gewerbe definiert. Nur wird damit der Einzelbefund aus dem Denkmuster.und Beschwörungsräumen – bedeutet. wie wir sie kennen. die eine Vielfalt verschiedener Denkströmungen integriert. Geographies of Scientific Knowledge.3 Wissenschaft ist dann das. zeigen.

es gilt für die Jagd.4 Im magischen Weltbild ist der Gesamtbestand der Existenzen in ein Wirkgefüge eingewoben.4 1 Einleitung Alltag und dem. der die etwaigen Ausreißer aus dieser Norm wieder einbindet. In Konsequenz ritualisiert sich das Handlungsgeschehen in diesem Dorf. abgehobene Sphäre gesetzt sind. Die Handlungsfolgen sind also zunächst gar nicht an sich. Zeigt doch genau dies. die der Schamane vorgibt. Frankfurt. wenn dieses Ritual 4 Vgl. Es wird dabei auch nie getestet werden. Leenhardt. müssen sich alle nach den Regeln verhalten. 223–250. in der sich ein sozialer Verband menschlicher Wesen in dieser Welt etabliert. S. ein anderes als das eines reflektierten Wissenszusammenhanges heutiger europäischer Prägung. Welt ist ein Wirkzusammenhang von Wechselgefügen. Berlin. 5 . sondern in Bezug auf den Ordnungszusammenhang. Ist doch das magische Weltbild. die aus der Erfahrung abgeleitet werden. Eliade. Die Person und der Mythos in der melanesischen Welt. in denen jede Entität ihren Platz hat. mag sich ggf. Regeln. dass die Riten wertvoll und förderlich sind. Lévi-Strauss. eben nach diesen Verhaltensweisen und auf diese hin stabilisiert wird. zu erhalten. allein dadurch. in dem ein Schamane arbeitet. gilt es nun. So wird jeder Eingriff der Dorfgemeinschaft in das Umfeld vom Schamanen begleitet. Das Leben wird nunmehr nach solch einem Regelwerk bestimmt. sogar fundamental widersprechen. Es ist in dieser Sicht dann aber auch nicht möglich. Frankfurt 1986. Für den sozialen Verband. Wien 1984. C.5 Das gilt für Verfahren. der gegen freigewordene Kräfte steuert und so über eigene Riten die durch Fehlverhalten. für den Umgang mit Dingen und demnach auch für das Wissen. vom Nahrungserwerb bis hin zu Heirat. in denen sich solch eine Ordnung stabilisieren lässt. Das wilde Denken. dies gilt für das Anpflanzen der Feldfrucht und das damit verbundene Verletzen der Erde. der sich in ihnen stabilisiert. Krankheit oder Eindringlinge verletzte Ordnung der Kräfte wieder herstellt. was als Wissensbestand für einen Schamanen. Diese Riten werden derart tradiert. Diese Regeln steuern nun nicht einfach ein Verhalten. stabilisiert. unter und in der sie existenzfähig ist. M. Lévi-Strauss. das gilt aber auch für Geburt und Tod und all die anderen Abläufe in diesem Dorf. sowie auch M. ist jede Detailhandlung immer nur als Teil dieses Ganzen zu sehen. aus dem überhaupt erst diese Teilhandlungen Sinn machen. in denen so die Naturkräfte gebunden und damit die Dorfgemeinschaft selbst stabilisiert wird6 . Kosmos und Geschichte. in dem sich der Einzelne verhalten kann. etwa eine Dorfgemeinschaft. jedes mit jedem in Wechselwirkung steht und jedes das Andere bestimmt. in dem nunmehr auch Gottheiten oder auch die Wirkkräfte der Verstorbenen nicht einfach in eine höhere. Der Mythos der ewigen Wiederkehr. verdichten sich. Geburt und Krieg. diese Ordnung. Da nun in dieser Sicht das gesamte Handlungsgefüge ritualisiert wird. Sind die Wirkungszusammenhänge stabilisiert. die so immer nach den Regeln vollzogen werden. interessant. Der Schamane ist der. Das sind dann zunächst Traditionen. so ist das momentane Ordnungsgefüge und damit die Art und Weise. sie garantieren – nach Erfahrung – dass der Raum. einen Priester oder Wissenschaftler exklusiv ist. was passiert. 6 C. Frankfurt 1973. Da alle Bewohner der Siedlung Teile dieses Wirkgefüges sind. einen einzelnen Handlungsbereich aus diesem Ganzen herauszubrechen und für sich zu verändern. dass sie über eine Folge von Generationen praktiziert werden. Das wilde Denken. Frankfurt 1973.

ist solchem Denken fremd. Köln 1986. die Sonne aufgeht. Das Buch der Hopi. Wissen im Sinne einer Darstellung von Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen. immer wieder neu zu definieren hat. Im Reservat leben sie in den für sie typischen terrassierten Pueblobauten aus Stein und Lehmziegeln. und sie wissen so aus ihrer Erfahrung. die der Schamane mit seinem Tun gerade zu verhindern sucht. S. dass immer dann. zerstörten ihre Kultstätten. auf das die Natur insgesamt in ihren Fugen bleibt. Die Weltanschauung der indischen Denker. wie auch der hier eingebundene Mensch sich zuerst und vor allem als Teil in diesem Ganzen erfährt und bewertet. würde nun aber die Katastrophe heraufbeschwören. Waters.8 Der ganze Volksstamm ist in diesen Lebensritus eingebunden. Sie sprechen einen Dialekt der uto-aztekischen Sprachfamilie. Schließlich würde dieser Test ja genau die Katastrophe heraufbeschwören. Diese derart in der magischen Sicht befangene Person stellt sich nicht gegen die Natur. In diesem gilt es. In diesem Gefüge gibt es keine zu isolierenden Ursache-Wirkungs-Folgen. und dabei seine Identität immer wieder neu aus der Gruppe heraus bestimmt. Hopi Die im nordöstlichen Arizona. sie schwimmt mit und in ihr und gewinnt so aus dieser Natur und für diese ihre Stärke. F. dass sie etwa nicht aufgeht. So findet sich etwa bei den Hopi der Jahreskreis in eine Folge von neun großen Zeremonien eingebunden. Die Spanier unterwarfen die Hopi.1 Einleitung 5 verletzt würde. In ihrem kargen Landstrich blieben sie denn auch 7 8 Diese Anekdote erzählt A. inmitten des Reservates der Navajo lebenden Hopi sind die westliche Gruppe der Pueblo-Indianer von derzeit insgesamt etwa 10. Als im Jahre 1540 Francisco de Coronado vom Süden her einmarschierte. Zu dieser Zeit gab es neun Dörfer. in Abhängigkeit von seinem Alter und seiner sozialen Stellung. in denen sich dann etwa ein Ich als individuell agierendes Wesen begreift. . die sie mit ihrem Tun seit Jahrhunderten verhindern. Schweitzer. wie auch die angrenzenden Stämme. die die Funktion des Kosmos sicherstellen sollen. Und so beten die Brahmanen dann jeden Morgen im ersten Dämmerlicht die Sonne an. 134–250.000 Personen. in der er zu einer Zeit eine bestimmte Rolle erfüllt. wenn sie diese anbeten. Schließlich ist jede Person zunächst Element in diesem Naturgefüge und hat hier wie der Bär. die sich fortan jedem weiteren Missionsversuch widersetzen. Die Dorfgemeinschaft oder der Stamm haben so ihrerseits wieder als Teil des übergeordneten Naturganzen ihre Funktionen in diesem All. den gestellten rituellen Aufgaben gerecht zu werden. der Baum oder die Feldfrucht seinen Platz in der Folge der Naturgenerationen. München 1982.7 Diese Anbetung zu unterlassen. lebten die Hopi schon seit Jahrhunderten in dem auch heute besiedelten Gebiet. Diese Unterdrückungen führten 1680 zum Pueblo-Aufstand. um zu verhindern. an dem auch die Hopi teilnehmen. verboten ihnen ihre Zeremonien und versklavten sie. in dem die Natur als Ganzes zu bewegen ist. Wobei er seine Position in diesem Gesamtreaktionsgefüge.

in den von ihnen nun bewohnten kargen Landstrich. Auch in der nun entstehenden zweiten Welt wurden die Menschen jedoch wieder böse. Der Schöpfer der Welt. Das darauf erwachende Interesse an den in diesem Landstrich verborgenen Bodenschätzen führte bis ins 20. in der der Hüter der Welt lebte. Dieser erlaubte ihnen zu bleiben. Abhängigkeiten auszuweisen und so im Falle der Hopi die eigenen Reaktionen mit dem Lebenszyklus des kosmischen Geschehens abzustimmen. vernichtete er die erste Welt durch Feuer. bestimmte diejenigen Geister. Hier haben nun die Hopi als Erben dieser ersten guten Menschen auf dieser vierten Welt die Verwaltung und den Schutz der Mutter Erde übernommen. Daher stellt sich nun der Gehilfe des Zweihornführers [einer der Zelebranten] in einigem Abstand westlich des Feuerkreises auf und beobachtet den Himmel durch die Dachöffnung der Kiva [Kulthütte]. Es gilt schließlich. Jahrhundert zu zuletzt aber nur mehr gerichtlichen Auseinandersetzungen. Nur diejenigen. Wir – so formuliert es ein Hopi-Ältester. haben stets die Himmelsbilder vor Augen. und wieder wurde diese Welt vernichtet. Diese Aufgabe erfüllen im Stamm Geheimbünde. die religiösen Führer. die die Weisungen des Schöpfers missachteten. die über religiöse Zeremonien das irdische und geistliche Wohlergehen aller Menschen zu sichern suchen indem durch diese die guten Beziehungen zur Umwelt und den Geistern erhalten und so die Welt in ihrem Gleichgewicht gehalten wird. warnte sie aber vor den zu erwartenden Schwierigkeiten. mit der Durchführung der Rituale zu beginnen. Am wichtigsten ist die Sonne. Der Gehilfe stellt sich nun bei der Mitte des Feuerkreises auf und beobachtet sorgfältig den Himmel. Dennoch aber gewinnt in solch magischem Denken die einzelne Beobachtung ihren Wert. und der mittlere Stern sich genau über der Feueröffnung befindet. doch entzweiten sie sich letztlich auch hier. Hieraufhin wollten einige gute Menschen in einer anderen Welt Zuflucht suchen. In der darauf entstehenden dritten Welt lebten die Menschen zunächst zufrieden. Sie fanden schließlich unsere heutige Welt. bis es in der Mitte der Dachöffnung steht. Das Erscheinen Hotomkams [erster und höchster Stern des Oriongürtels] ist das Zeichen dafür. die sich an seine Gebote gehalten hatten überlebten. Es ist nun Mitternacht und in diesem Augenblick beginnen wir unser . Langsam wandert das Sternbild nach Westen.6 1 Einleitung über die nächsten Generationen weitgehend unberührt bis die Amerikaner auf ihrem Zug nach Westen auch die Ordnung in dieser Region störten. Das Land war so unfruchtbar. diesmal mit Eis und Schnee. die unsere Rituale leiten und beherrschen. Es dauert nur kurze Zeit bis die drei Sterne des Orion in einer Linie in der KivaÖffnung stehen und zwar in ihrer Längsrichtung. leiten wir unsere Zeremonien nach den Sternen der Nacht. und wenn die Sonne untergegangen ist. die auf der neu erschaffenen Welt menschliche Gestalt annehmen und ein irdische Leben beginnen sollten. dass nur Gebete ihnen Regen und damit Nahrung bringen konnte. das Gefüge des Ganzen zu erkennen. Der Überlieferung der Hopi zufolge lebten vor der Erschaffung der Welt Geister in einem grenzenlosen Raum. Da sich nun schon bald viele schlechte Menschen entwickelten.

wohl weil klimabedingt der Pflanzenanbau zurückging. in denen wir in unserer Kultur eine von uns losgelöst erfahrene Natur zu denken beginnen. S. Peñasco Blanco und Pueblo Bonito) die ersten mehrstöckigen Konstruktionen. Vielleicht wird hieran deutlich. in der sich eine Kultur aus diesem Zeremoniell herauslöst: Der Mythos ist selbst Objekt einer Reflexion. Das deutet darauf hin. Daneben finden sich Arbeitsbereiche. einschließlich von Zisternen in den Siedlungen. im Gebiet des Chaco Canyon zu einer stärkeren Zunahme der Bevölkerung kommt. dagegen werden Stech. und so beginnen auch wir. dass es hier in den Jahren zwischen 700 bis 900 nach Chr. einer Pueblo-Kultur im Bereich des Chaco Canyon. die sogenannten Kivas. Waters. In: F. dann die die großen Pueblos. Das Leben begann mit dem Feuer. In dieser Phase ändert sich die Ernährungssituation dieser Pueblokultur. wie sich das magische Wissen so dann doch immer wieder in einen Ritus bindet. Nach 1050 wird dieses Areal dann allerdings aufgegeben. Köln 1986.und Schneidgeräte häufiger gefunden. dass der Jagd zunehmend größere Bedeutung zukam. . Das Buch der Hopi. Zeus. Zeremonienund Versammlungsräume. das sind Einzelgebäude mit einer größeren Anzahl von Räumen. Die Keramik umfasst Gebrauchskeramik mit umlaufenden Bändern und später einer über die gesamte Fläche aufgerauten Oberfläche. Aus den kleinen Ansiedlungen entwickeln sich ab 1000 nach Chr. Im Mythos löst sich dieser Ritus dann langsam auf. 159. er selbst kann auf seine Plausibilität hin befragt werden. ab 900. Im Mythos wird eine Geschichte erzählt. Weiße-Wolke-über-dem-Horizont. Einzelbeobachtungen lösen sich nicht aus diesem Kontext heraus. Funde an Mahlsteinen nehmen ab. Alle diese Siedlungen sind mehr oder weniger strikt nach einem allgemeinen Grundmuster geplant. sondern sind Element eines letztlich rituellen Umgehens in und mit der Natur. In der nächsten Phase. Er offeriert die ersten Linien. eines großen Trockentals. Die archäologischen Befunde zeigen. das zum Einzugsgebiet des oberen San Juan Rivers im Bundesstaat New Mexiko gehört. Festzustellen ist ein Ausbau der Bewässerungsanlagen. Dennoch aber offeriert der Mythos Denkmuster und Vorordnungen eines Begreifens. Mehrstöckige Konstruktionen treten nun in einer großen Zahl von Fundorten auf. der am Anfang auf diesem Planeten Erde niedergelegt worden ist.1 Einleitung 7 wichtigstes Ritual. Häufig finden sich auch schwarze Bemalung auf einem weißen Überzug oder andere Kombinationen wie schwarz auf rot oder orange. mit ihm kann umgegangen. Andererseits nimmt allerdings die Bevölkerung im Canyon nach 1025 massiv zu. sind Figurationen von 9 Aussage des Führers des Zweihornbundes der Hopi. es entstehen kleinere Siedlungen. Poseidon oder die Titanen. gemäß dem Plan.9 Chaco Canyon Kultur Die Chaco Canyon Kultur ist eine lokale Ausprägung der Anasazi-Kultur. finden sich im Chaco Canyon an drei Fundorten (Una Vida.

Nietzsche. löst den Einzelnen aber eben nicht im Mythologischen auf. in denen das neue Wissen um die Natur verwahrt. Nietzsche. der dann wie Prometheus an einen Fels gekettet unsäglich leidet. Wien. aber auch mit uns umgeht.10 Er hat sich in seinem Unglück selbst gefunden. In: F. Es braucht seine Zeit. Berlin. das mit der Natur. Frankfurt. Die Philosophie. Bd. In diesem Zeitraum aber fallen die wesentlichen Entscheidungen für die Konturierung eines euro10 F. Zu diesen Figurationen können wir uns verhalten. Schon Nietzsche beschrieb diese Chance des neuen Menschen. Wir verfallen dann vielleicht deren Rache. Werke. mit diesen Figurationen um unser Recht streiten. Die Geburt der Tragödie. Derart für sich stehend. 1980. . Wir können. erfährt der Mythos dann in der griechischen Kultur auch nur zu bald Kritik.8 1 Einleitung Karte 1. gepflegt und gelehrt wird. Dennoch bleibt aber auch dieses Denken der Natur von Spuren des Mythologischen durchsetzt. 1. bis sich Institutionen bilden. das Denken über die Natur.1 Siedlungen der Chaco Canyon Kultur etwas. Der Mythos setzt den Einzelnen in Differenz zu dem erzählten Geschehen. S. wie dies Odysseus tat. aber in all seinem Leiden doch gegenüber dem Magischen obsiegt. ersetzt den Mythos. 59 f. Der Mythos geht mit dem Einzelnen um. bis sich neue Formen des Umgehens mit Natur etabliert haben. uns selbst zu finden. und so bleibt sein Anblick bei all dem von ihm selbst auszuhaltenden Schmerz immer auch Qual für die Götter. aber wir haben bei all dem dann auf uns hereinbrechenden Unglück zumindest die Chance. Es dauert.

die sich mit Naturdingen befassen. die sich dort. die sich im Weiteren vertiefen. So wurden die Menschen bestraft. an dem Prometheus ohne Speise. Hier taucht er erstmalig in den Vorlesungsverzeichnissen der deutschsprachigen Universitäten auf und bezeichnet die verschiedenen Wissenschaften. die unter den Göttern seine Freundin war. Wobei aber auch die weiteren Entwicklungen immer wieder auf die Begriffe und Anweisungen zurückschauen. Die Abgrenzung ist dabei zunächst noch nicht eindeutig. Doch steht diese Terminologie am Ende einer langen Entwicklung der Be- . Also ging er auf die Erde und formte dort aus Ton die Gestalt der Menschen. Wo setzt dann aber eine Wissenschaftsgeschichte der Naturwissenschaften an? Streng genommen gibt es den Begriff der Naturwissenschaften als Ordnungskategorie erst seit dem Ende des 18. und dem 3. Da sie der Bruder von Prometheus trotz vorheriger Warnung annahm und öffnete. Athene. Prometheus selbst ließ Zeus fangen und an einen Felsen ketten. die aber zu Ungunsten der Menschen ausschlug.1 Einleitung 9 päischen Bildes von der Natur. Dem Mythos zufolge wollte Prometheus die Menschen aus der Erde erwecken. in denen dieses Wissen behandelt wird. dass er den Menschen das Feuer nicht mehr nehmen konnte. Da verfiel Prometheus auf eine List. Jeden Tag kam zudem ein Adler und fraß von der Leber des Prometheus. denn Zeus versagte den Sterblichen zur Strafe für solch ein Verhalten das Feuer. der griechischen Mythologie zufolge. bis er von Herakles erlöst wurde. Die Götter wurden auf die Menschen aufmerksam und verlangten von ihnen Opfer und Anbetung. Nur die Hoffnung blieb in der rasch wieder geschlossenen Büchse zurück. wird doch Naturgeschichte einmal als Teil der Naturwissenschaften aufgeführt. sann er auf Rache. schwebte alles Übel aus dieser hinaus. Da die so geschaffenen Gestalten noch leblos waren. nach Hesiod gilt er als der Bruder des Atlas. Als Zeus den Raub sah und erkannte. Er überreichte durch Pandora dem Bruder des Prometheus eine Büchse. ein Titan. in einem anderen Fall aber als eigenständige Ordnungskategorie beibehalten. Prometheus Prometheus ist. Jahrhunderts. So wurden die Menschen lebendig. etablierten. So wurde Prometheus durch fortdauernde Qualen bestraft. entzündete Prometheus am funkensprühenden Sonnenwagen des Helios eine Fackel. Trank und Schlaf ausharren musste. im griechischen Sprachraum. gab er diesen Menschengestalten von verschiedenen Tieren je eine Eigenschaft. In Blick gerät da schon eine Differenzierung zwischen analytischen und eher deskriptiv ausgerichteten Fachgebieten. Es formt sich ein Begriff von Wissen und es etablieren sich Umgangsformen. Um dies für die Menschen wiederzuerlangen. die sich zu dessen Qual aber immer wieder erneuerte. zwischen dem 6. in die jeder der Göttlichen eine unheilbringende Gabe eingeschlossen hatte. und Prometheus war ihr Lehrmeister. die die Menschen schützen sollte. eilte mit ihr zur Erde und setzte einen Holzstoß in Flammen. Jahrhundert vor Chr. gab diesen Wesen dann Verstand und Vernunft.

denn sie entscheiden bei fast allen öffentlichen und privaten Streitigkeiten. um das zu wissen ist. Das ist auch systematisch so falsch nicht. Die Druiden ziehen gewöhnlich nicht in den Krieg und zahlen auch keine Abgaben wie die übrigen Gallier. unter denen ich Zusammenhänge registriere. wenn unsere Sprache uns in die Lage versetzt. Fügt sich ein Einzelner oder ein Volksstamm ihren Entscheidungen nicht. Bei ihnen finden sich Männer in großer Zahl zur Unterweisung ein. in denen sich auch das Wissen um die Natur fängt. Erst dann. VI. Dabei kann man mit gutem Recht Naturwissen genau dann ansetzen. 11 J. ja in einem ersten Schritt überhaupt darum. Es geht um Wissensordnungen. Naturwissenschaft wird denn hier auch in einem sehr offenen Sinne verstanden. Die Sprache ordnet uns eine Erfahrung vor. Erbschafts. . Sie sprechen das Urteil. von uns zu Behandelndes und zugleich als ein in sich stehendes Ganzes beschrieben werden kann. erinnere und weitervermittle. 13/14. Natürlich ist dieses erste Wissen. Ordnungen und damit Wissen zu tradieren und unabhängig von dem einzelnen Erzähler einer Kultur verfügbar zu halten. die Darstellung von Sachzusammenhängen zu Archivierungen. Druiden Noch zur Zeit Cäsars bildeten die Druiden die Priesterklasse der Kelten und standen neben dem Adel an der Spitze der Gesellschaft. so schließen sie die Betroffenen vom Götterdienst aus. wenn ein Verbrechen begangen wurde. Dies stellt bei den Galliern offenbar die härteste Strafe dar. . in denen diese Natur beschrieben ist. . Es geht um ein Wissen um die Natur. Dabei ist für uns die Geschichte des Wissens um die Natur erst dann sinnvoll zu schreiben. so sicherten sie ihre Exklusivität und banden die keltische Kultur an den Fortbestand ihrer Klasse. Schließlich erlaubt es die Schrift. ja überhaupt die Natur als etwas. sie gibt damit die Muster. dass Natur als etwas Eigenes. Darstellung findet. In der Sprache werden die Kategorien formuliert. in der das Wissen um die Natur in jeweils unterschiedlichen Ordnungen eingefangen und erinnert wurde. wenn wir in einer Kultur eine Schrift finden. ist uns ein Wissenschaftszusammenhang zu rekonstruieren. Caesar.10 1 Einleitung schäftigung mit der Natur. von dem aus wir dann alles Weitere bedenken. Sie sind vom Waffendienst befreit und haben keine anderen Verpflichtungen. sie setzen Belohnungen oder Strafen fest.“11 Ihr Wissen vermittelten sie durch mündliche Tradierung. besorgen die öffentlichen und privaten Opfer und legen die Religionssatzungen aus. . über Natur zu reden. und sie genießen hohe Verehrung. Dies ist eine neue Qualität der Wissensordnung gegenüber einem nur verbal tradierten Wissen. für uns nur in Näherungen zu rekonstruieren. ein Mord geschah. das sich in unserer Geschichte in jeweils unterschiedlichen Arten sicherte und systematisierte. wenn wir Berichte und Darstellungen finden. De bello gallico. Eine schriftliche Fixierung ihrer Lehrinhalte war ausdrücklich verboten. Nach Gaius Julius Cäsar versehen sie „den Götterdienst.oder Grenzstreitigkeiten ausbrechen. in denen Natur beschrieben.

in denen das. In der wissenschaftsgeschichtlichen Analyse sind wir nun darauf angewiesen. wovon wir in der Edda einen Nachhall erfahren können. die sich vielmehr auf die Primärquellen beschränkt und somit die Art und Weise des Umgehens mit solch tradiertem Wissen in engen Bahnen festschreibt. Es geht auch nicht einfach um eine Chronologie der Entdeckungen und Erfindungen. Kommentierungen oder Paraphrasierungen würden den Text verfälschen. Es geht uns dabei nicht einfach nur darum. was gesprochen und behandelt wurde. was nur über Tradition und nicht im unmittelbaren Erleben verfügbar war. In der Erzählung wurde das Erzählte mit einer eigenen Erfahrung zumindest einer Stimmung und ggf. ist zu perfekt. erstmals bedacht wurde. sich zu großen Teilen daran bindet. der Wissen vermittelt.1 Einleitung 11 Sicher hatten die Druiden. eine Geschichte verfügbar zu halten. wann das. in denen wir dann eine sukzessive Akkumulation des uns möglichen Wissens nachzeichnen würden. Allerdings hat die verbale Übermittlung den Nachteil. die sie auch gar nicht öffnen kann. zu finden. den der Erinnerungskünstler zu tradieren hat. was von ihr behandelt und wie die Erfahrung der Natur und unsere Handlungen in und mit der Natur ihrerseits begriffen wurde. die meint davon ausgehen zu müssen. Weihe und damit herausgehobene Bedeutung. so dass die Geschichten atmosphärisch in besonderer Weise verdichtetet wurden. Unsere Geschichte führt uns vielmehr immer wieder neu in uns zunächst fremde Denkräume. wie Natur in verschiedenen Zeiten gedacht. als die Erdzeitalter auf Jahrzehnte und Jahrhunderte von Millionen von Jahren geschätzt sind. Dabei rückte die Erzählung die Erinnerung wieder in ein eigenes Erlebnisformat. Das wird erst anders. Entwicklungen in der Natur kaum als einen frei laufenden Entwicklungsprozess denken. um in solch einer kurzen Zeit zufallsgeleitet entstehen zu können. sondern auch eine bestimmte Atmosphäre. ein Ritus. Das was als Resultat einer Entwicklung zu denken wäre. dass die Erde nur knapp 6000 Jahre alt ist. . In den Rezitationen dieser Erinnerungskünstler wurde denn so auch eine Kultur in einer sehr eigenen Weise lebendig. Sie sind zumindest nicht Teil der verbalen Tradition. Eigene Gedanken. dass die Energie dessen. darstellbar wird. was wir heute denken. präsent und gab so zugleich auch immer wieder dem. Damit blieb nicht nur einfach das Wissen um eine Kultur. und so über Generationen geschätzt und verfügbar blieben. Fehlläufe und Proben sind in diesem Zeitraum von wenigen Jahrtausenden nicht denkbar. So kann eine Zeit. wie auch bestimmte Brahmanen in ihrer Kultur das Wissen über die Dinge verfügbar gehalten. die schon aus Gründen der Sicherung ihrer Kaste ihr Wissen nur verbal tradierten und so die gesamte keltische Kultur in ihrem Gedächtnis präsent hatten. Wir wollen erfassen. der mit diesem Wissen verbunden war. Folglich stehen Interpretation und Kommentierung zurück. Spuren zu identifizieren. ohne diese Wissenszusammenhänge schriftlich zu übermitteln. ohne ihr Erinnern durch die je neuen Interpretationen zu verfälschen. Da aber stehen wir auch schon in der Mitte des 19. Es fehlt für diese Freiheit schlicht die Zeit. Jahrhunderts. mit einem Ritus verbunden.

Raum für eine sich nach eigenen Prinzipien strukturierende Natur war in diesen Zeitvorgaben nicht zu finden. in Verbindung mit den dynamischen Bewegungen der Eroberfläche. wie sich unser Naturwissen und damit das Bild von der Natur und mit diesem auch das Bild. die das Erdalter in einen weit größeren Zeitrahmen einbanden. eine erste umfassende Chronik der Weltgeschichte. und der Sintflut zur Zeit Noahs. Es geht also immer wieder um die Frage. Wobei Julius Africanus der Erste war. Auch der englischen King James Bibel zufolge. kam er auf folgende Annahmen: Zu bestimmen war für ihn zunächst der Zeitraum nach der Erschaffung Adams. Seine Altersschätzung basierte auf der Idee. Charles Lyell schließlich systematisierte diesen Gedanken Huttons und kam so Mitte des 19. dass die Form der Erdoberfläche das Resultat eines enorm langsamen Erosionsprozesses sei. die weiteren Phasen bis zur Geburt Christi benennt er mit 585 sowie mit 651 Jahren. die christliche (auf Abraham rückgebundene) Zeitrechnung und die Perioden der Olympiaden aufeinander abstimmte. die durch die starke Hitze im Erdinneren verursacht waren. im Wesentlichen fortgeschrieben. die die römische. Und auch die Buffon’sche Erweiterung des Erdalters auf 75.12 1 Einleitung Erdalter Eusebius von Caesarea schuf gegen Ende des 3.000 Jahre ließ für eine graduelle Entstehung von Naturformen schlicht keine Zeit. die im 17. Im Jahre 382 verfertigte Hieronymus auf Anweisung des Papstes Damasus I. des Stammvaters der Israeliten. Jahrhunderts nach Chr. Eusebius fußte seinerseits auf der hebräischen Bibel sowie den Darstellungen des Flavius Josephus und des Julius Africanus. und so beginnt die Ära nach der Sintflut 2262 Jahre nach Erschaffung der Welt. Jahrhunderts auf eine Zeitdauer von Hunderten von Millionen von Jahren. Oktober 4004 vor Chr. Jahrhundert erschien. die ägyptische. der nun auch explizit das Alter der Erde zu bestimmen suchte. die umfassenden Einfluss erlangte. gibt er mit 1015 Jahren an. Da er hierzu auch die hebräische Bibel zu Rate zog. Erst James Hutton legte in einer Schrift von 1788 Beweise vor. setzt er 430 Jahre an. Demnach setzt er die Geburt Christi für das Jahr 5500 nach Schöpfung der Welt an Diese Zeitmaße wurden über Thomas von Aquin und Luther bis hin zu James Usher. Er nahm nun die Generationslisten der Bibel und die dortigen Angaben der Lebenszeiten zur Grundlage seiner Schätzung und errechnete so für diesen Zeitraum eine Dauer von 2261 Jahren. datierte. für die er noch andere Quellen heranzieht. Einer dort zu findenden Radnotiz zufolge datierte die Schöpfung auf den 23. Die Flut dauerte ihm zufolge 12 Monate. Den Zeitraum vom Verlassen der Arche durch Noah bis zum Beginn der Wanderung Abrahams. das wir von uns selbst gewinnen. 5 Tage nach dem Beginn der Schöpfung. ver- . datierte das Erdalter auf etwa 6000 Jahre. der im Jahre 1650 die Schöpfung der Welt auf 4004 vor Chr. eine Übersetzung dieser Chronik des Eusebius ins Lateinische. Somit ergab sich ein Weltalter von etwa 6000 Jahren. Für die Phase der Ankunft im gelobten Land bis zur Verkündig der 10 Gebote.

Fleck. Chicago 1961. Heering. Geschichte der religiösen Ideen. Spaces of Science. vertiefende Literatur.. Breidbach. Bilder des Wissens. die sich durch eine umfassende Kommentierung auszeichnet.. D. zuletzt Harry Deutsch Verlag. 1993 L. 600 BC to A. Experimentelle Wissenschaftsgeschichte. Eliade. Lévi-Strauss. Gillispie. die zum Teil auch Randbereiche des eigentlichen Themas behandeln. Althoff. Zusammenhänge sind aufzuweisen. Breidbach. Hagner. Ausdrücklich nicht verwiesen wurde auf die Primärliteratur. strukturellen Festlegungen zu fragen haben. M. Ansichten der Wissenschaftsgeschichte. Hg. Dabei sind jeweils nur wenige Titel benannt. Breidbach. Hg. Frankfurt 1983 M. M. Von der Steinzeit bis zu den Mysterien von Eleusis. New York 1970–1990. Weiterführende Literatur12 O. Das wilde Denken. die aber über die entsprechenden biographischen Einträge leicht zu ermitteln ist. 12 Diese Aufstellung verweist – wie auch zu Ende der anderen Hauptabschnitte dieses Buches – auf weitere. Dictionary of Scientific Biography. Chicago 1999. Wiedergeburtsmagie in der Altsteinzeit. Hamburg 2007 G.Weiterführende Literatur13 13 ändert hat. Frankfurt 2011 O. dass wir nicht einfach Wissensbestände aufzuaddieren haben. 18 Bde. Freiburg. Zur Einführung. Kullmann. Frankfurt 1978 H. M. Hg. und dann ist zu fragen. C. Radikale Historisierung – Kulturelle Selbstversicherung im Post-Darwinismus. auch in einem neuen Zugang und einem neuen Naturbild zumindest mit bestimmt. Gattungen wissenschaftlicher Literatur in der Antike. Die zitierte Literatur erschließt die weitere Forschung und führt im Detail die hier nur grob umrissene Darstellung aus. J. N. Dabei erlaubt ihre ggf. Asper.. 1. Verwiesen sei hier für den deutschen Sprachraum summarisch nur auf: Ostwalds Klassiker der exakten Wissenschaften. Historische Epistemologie. Handlungsausrichtungen. Aus dem vorab Geschriebenen ist damit schon klar. The Origins of Scientific Thought: From Anaximander to Proclus. Lévi-Strauss. Tübingen 1998. Masked Gods: Navaho & Pueblo Ceremonialism. Paris 1998. Frankfurt 1973. und die ab 2013 bei Springer erscheinende Reihe Klassische Texte der Wissenschaften. variierenden Wichtung von Entwicklungslinien das hier gezeichnete Bild weiter zu differenzieren. C. Raphael. Müller. Erfahrung und Tatsache. Basel Wien. Waters. sondern immer wieder neu nach Interpretationen. M. Athens 1987. was von diesen Zusammenhängen in einzelnen an uns heute vermittelten Wissensfragmenten noch wirksam ist und uns so ggf. Zu den Biographien bedeutender Wissenschaftler vgl. 500. F.-J. Do Kamo: la personne et me mythe dans le monde melanesien. die mir aber für ein Gesamtverständnis bedeutsam erscheinen. insgesamt: C.. de Santilla. Weber. Mythologica I–IV. Frankfurt 1971-1975. München 2006 O. H. Bd. München 2010 M. C. Livingstone. in denen sich unsere Kultur ihr Bild der Natur und ihr Bild des Wissens von der Natur formte. Rheinberger. P. Frankfurt 2001 W. Hg.D. Leenhardt. .

das sie aber immer im Sinne ihrer Weltsicht interpretieren und ggf. was wir aus vergleichenden anthropologischen Studien wissen. auf die Darstellungen der Vorzeit unserer Geschichte. die hier ihre Spuren hinterlassen haben. wir werden erfahren. Und doch beginnt unser Naturwissen mit solchen Schamanen. die aber auch vorsichtig machen sollten in unserer Beschreibung einer Geschichte des Wissens. verweisen. als wir heute meinen Wissensbestände systematisieren zu können. das er neben die Natur setzen kann. Zauberer. auf Wissenszusammenhänge. was er weiß. die in einem religiös beschwörenden Sinne zu verstehen sind. operiert anders. etwas mit dem er über das.und Vorgeschichte 2. Der Schamane sieht das anders. deren erste Quellen vor die Schriftkulturen. Breidbach. dass er sich in das Gefüge der von ihm beschworenen Welt mit einbindet und hier gleichsam von innen heraus agiert. Naturwissenschaft als Darstellung eines Wissens um und über die Natur führt aber in eine lange Tradition zurück. wo sich bis in die Zahlenreihen und die Harmonik der Musik ein NachO. das er an sich ins Gedächtnis nehmen kann. Für ihn ist Wissen etwas. das er in Bücher oder Bilder entlagert. Wir werden noch sehen. DOI 10. So sind diese Naturerfahrungen gegebenenfalls in ganz anderer Weise gewusst.1007/978-3-642-41846-4_2. etwas. das er gerade dadurch beherrscht. diese Natur zu verändern vermag. Der reflektierende Europäer. Jahrhunderts in den Vorlesungsverzeichnissen der Universitäten. wie sich die Anfänge der griechischen Naturphilosophie und dieses Schamanentum verzahnen. sein Wissen ist selbst Teil dieser Natur. die bis in die beginnende griechische Kultur eben auch unser Umgehen mit und unseren Begriff von Natur bestimmen.1 Wissensrepräsentation und Wissensordnungen vor Erfindung der Schrift Der Begriff der Naturwissenschaften findet sich im deutschen Sprachraum erst gegen Ende des 18. die zeigen. © Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2015 15 . Es sind Schamanen. die über ein immenses Erfahrungswissen verfügen.2 Früh. sogar praktisch zu nutzen suchen. In der Weltsicht des Schamanen bindet dieser sich selbst in ein Weltgeschehen ein. wie detailliert schon der Mensch der Steinzeit zu beobachten vermochte. Führen uns doch die archäologischen Funde und das. der sich neben die Natur stellt und sich zu dieser Natur in einer von ihm reflektierten Weise verhält. Geschichte der Naturwissenschaften. Geschichte der Naturwissenschaften.

Irland Gründung von Troja. die uns in unserer Kulturgeschichte verfügbar ist.000 v. eine komplette Geschichte dieser Kunst der Eiszeit aufzuzeigen. Ackerbau und Viehzucht Bronze in Ur/hydraulische Konstruktionen Hügelgrab Newgrange. wie in einem rituellen Kontext Weltordnungen und Naturdinge systematisiert werden konnten. das Gilgamesch-Epos aus Akkad. d. und es beobachtet nicht nur die Sterne..000 9000 7. Und dies können wir in den Höhlenmalereien und den Ritzzeichnungen der Eiszeit. dingfest machen. China erstes Zeugnis für einen Sonne-Mond-Kalender – Troja Ägypten 365-tägiger Kalender Gilgamesch-Epos Cheops-Pyramide Erste mesopotamische mathematische Texte Reich von Akkad. Chr.000 15. zumal die Deutung der einzelnen Szenen immer noch schwierig ist: Deutlich zu machen ist aber zumindest. 30. Karthago Minoische Kultur Einigung Ägyptens frühe Formen der Hieroglyphen Alte Dynastien in Mesopotamien klassische Sumerische Kultur Stonehenge Erste bekannte Karte (von Ägypten) Systematische Himmelsbeobachtungen in Mesopotamien. Eine der ersten Erzählungen.16 2 Früh. Pflug. die wir heute noch in den Berichten über die Sitten der nordamerikanischen Indianer. Jahrtausend 6. sondern auch das engere Umfeld und vor allem die Natur.000–20. in Darstellungen der Kulturen der Hopi oder der Polynesier erfahren können. beginnend mit der Zeit 30. .000–20. Jahrtausend Vor 3500 3500 3200 3100 2900 2900–1700 2900 2900 2850 2770 Um 2700 2600 2500 2300 1600 erste Höhlenmalereien Höhlenmalereien im malerischen Stil Domestikation des Schafes in Irak und in Palästina Getreidezucht – Weizen. Hirse Ausbreitung der Töpferei im Nahen Osten Tonwaren Gründung von Uruk Prädynastische Periode im Niltal – Verwendung von Hacke. Es geht hier nun nicht darum. in der Altsteinzeit. Ägypten. Schon die ersten Zeugnisse eines erwachenden menschlichen Selbstverständnisses zeigen eben dies. Indien.und Vorgeschichte hall dieser frühen Traditionen findet. h. Geste. Herrschaft von Sargon Himmelsscheibe von Nebra Schon das magische Denken beobachtet. zeigt auf.

die uns immer wieder zeigt. Zu Ende des Neolithikums können wir dann auch Bilder entdecken. In diesen Bildern finden wir dann auch Signaturen von Menschen. wie sie sich in Skandinavien. wie auch in Kultzusammenhängen präzise und verlässliche Einzelbeobachtungen zu registrieren und zu dokumentieren waren. dem Mesolithikum. Chr. Uns muss hier nur interessieren.1). Dabei zeigt sich eine Stilabfolge von einfachen Umrisszeichnungen hin zu dem sogenannten malerischen Stil des mittleren Magdalénien. dass sich der Mensch sukzessive auch der Details und damit der Möglichkeiten seiner Tätigkeiten und seines Tuns bewusst wurde.und Funktionsstile aufweisen. Alleine in Europa wurden bisher um die 140 Höhlen mit mehr als 4000 Höhlenbildern entdeckt. Menschen in Tierverkleidung. Höhlenmalerei der Eiszeit. Zu finden sind Darstellungen. S. Sie waren eingebunden in Jagdzauber und andere Beschwörungen. stärker zu schematisieren (Abb. etwa mit den Abdrücken ihrer Hände. aber auch am Nordrand der Sahara immer wieder auf offenem Fels finden lassen. in denen nun auch das Beschwören selbst seine Darstellung fand. die sich so. von Menschen im Tanz und von Menschen bei kultischen Handlungen. H. Kühn. Quantitativ arbeitende Archäologen können an den Artefakten Verfertigungsregeln entdecken. mit in das Bildgeschehen einbanden. dass sie während der mit ihnen vollzogenen Zeremonien etwa mit Speeren und Steinen beworfen wurden.1 Wissensrepräsentation und Wissensordnungen vor Erfindung der Schrift 17 dass diese in ihren Detaillierungen erstaunlich lebendigen und eine sehr exakte Beobachtungsgabe dokumentierenden Abbildungen Illustrationen waren. es sind Illustrationen. Wir stoßen hier also auf Relikte bedeutender Praktiken und nicht auf vereinzelte und so dann isoliert zu betrachtende Darstellungen der Kultur dieser frühen Phase unserer Geschichte. Dies ist schon daran abzulesen. die nicht mehr derart beschwörenden Charakter haben. teilweise tief in Höhlen versteckt. Dennoch sind es nicht einfach Illustrationen von Einzelbeobachtungen.000 v. um sich dann in der mittleren Steinzeit. dass diese Zeichnungen.1 Parallel können wir in der Entwicklung der Waffen und Instrumente eine sich sukzessive entfaltende Technologie der Steinbearbeitung ablesen. Strategien in der Optimierung der Steinbearbeitung feststellen und schließlich auch Dekorations. die zeigen. Vor ihnen finden sich ferner Spuren von Tänzen. dass zumindest einzelne dieser Bilder Beschädigungen aufweisen. Malereien und Ritzzeichnungen höchst realistisch waren. Instrumente und weitere Relikte vormaliger Zeremonien. Sie geben Szenen der Tiere in der Umwelt unserer Vorfahren wieder. die in einem magischen Kontext entstanden. Darge- 1 Kühn spricht von dreißig Höhlen mit entsprechenden Darstellungen.2.). dazu kommen dann noch Plastiken und Ritzzeichnungen und – im Neolithikum – Felszeichnungen im offenen Gelände. wie er sich etwa in Altamira findet (um 15. in denen diese Abbilder des Wirklichen an unzugänglichen Stellen. München 1975. die in einem anderen unmittelbar bedeutsamen funktionellen Kontext standen. gezeichnet oder geschnitzt wurde. die zeigen. Wir finden auch immer wieder Darstellungen von Schamanen. 2. in denen uns die Menschen des Neolithikums einen Eindruck von ihrer Lebenswelt übermitteln wollten: es ist nicht einfach eine Fauna der Eiszeit. ihre Darstellung fanden. 15. erreichen in ihren Darstellungen eine hohe atmosphärische Intensität. . die hier gemalt.

Im nacheiszeitlichen Mitteleuropa dauert die daran anschließende Phase der Mittelsteinzeit bis etwa 5500 v. was da im Prinzip zu sehen war.6 Millionen Jahren (in Afrika) und endete.und Neolithikum Kennzeichen der Steinzeit ist der Gebrauch steinerner Werkzeuge. Man unterscheidet das Paläolithikum (Altsteinzeit). das Mesolithikum (Mittelsteinzeit) und das Neolithikum (Jungsteinzeit). Chr. Chr. in Mitteleuropa aber erst später.000 Jahren. Paläo-.18 2 Früh.1 Million Jahren (so in der Sierra de Atapuerca. Meso. Spanien). In Südeuropa begann die Altsteinzeit mit dem ersten Auftreten des Menschen vor etwa 1. 2. Dabei ergeben sich in den Zeiträumen lokal zum Teil erhebliche Unterscheide. Die Zeit ist durch das Zurückweichen des Eises der letzten Eiszeit und die damit verbundene Klimaerwärmung mit ihren Effekten auf Flora und Fauna gekennzeich- . vor etwa 600.und Vorgeschichte Abb. Diese Periode beginnt etwa vor 2. quasi in verkürzter Bildschrift notieren. Sie endet dort etwa um 8000 v.1 Höhlenmalereien aus Lascaux. im sogenannten malerischen Stil stellt sind hier die Jäger: Wobei diese Bilder Mensch wie Tier schemenhaft vereinfachen. Metalle zu verwenden. als die Menschen lernten.

Kennzeichnend ist für diese Übergangsperiode die sogenannte Bandkeramik (5600–4900). 2. Chr. Niederbayerischen Archäologentages. die auch die Bestimmung der Sommersonnenwende erlaubte. Rahden/Westf.2 2 F. die in die Metallzeit überleitet. 2004 wurde eine weitere Visiereinrichtung im Palisadenzaun gefunden. Bertemes. Chr. Merseburg-Querfurt und bei Quedlinburg.000 v. S. sie sind kennzeichnend für die sogenannte Lengyelkultur und finden sich in Mitteldeutschland von der Südslowakei über Böhmen elbabwärts bis hin nach Brandenburg. Diese während vor etwa 6900 Jahren errichtete Anlage wird der Kultur der Strichbandkeramik zugeordnet.. In: K. Anzeichen für erste Tierhaltungen und erste Keramiken. Chr.2) wurde 1991 entdeckt und zwischen 2002 und 2004 im vollständig ausgegraben. . 56 und 49 m Durchmesser) mit gleich ausgerichteten. Mansfelder Land. Kötschlitz. die als Teil komplexerer Werkzeuge (wie Sägen oder auf Pfeile) verwendet wurden. Es lassen sich nun verschiedene lokale und aufeinander folgende Kulturen unterscheiden. Schmotz. Die beiden Zugangswege mit ihren Toren sind vom Mittelpunkt der Anlage aus gesehen mit einer Genauigkeit von drei bis vier Tagen auf den Sonnenaufgang und -untergang zur Wintersonnenwende um 4800 vor. finden sich im näheren Umfeld bei Quensted. Northe. Dieser Übergang erfolgte in Mesopotamien um 11. Charakteristisch für diese Epoche sind Kleingeräte aus Feuerstein (Mikrolithe). zum Zentrum hin schmaler werdenden Toren.1 Wissensrepräsentation und Wissensordnungen vor Erfindung der Schrift 19 net. Um diesen Graben war ein flacher Erdwall aufgehäuft nachgewiesen worden. Eine weitere Bebauung der Innenfläche war nicht festzustellen. die nach Norden. die aber weit weniger gut erhalten sind. Sie ist damit gut 2000 Jahre älter als Stonehenge. Anhand der Keramik lässt sich eine differenzierte Kulturentwicklung nachvollziehen. 2007. Hg. Die Kreisgrabenanlage liegt auf einem Plateau oberhalb des Saaletals und besteht aus einem deutlich erkennbaren. Es gibt drei von Graben gesäumte Zugangswege. Südwesten und Südosten ausgerichtet sind. in Mitteleuropa aber erst um 5500 v. Die Jungsteinzeit beginnt mit dem Übergang von der aneignenden (jagen und sammeln) zur produzierenden Wirtschaftsweise (Viehzucht und Ackerbau). Kreisgrabenanlage von Goseck Die Kreisgrabenanlage von Goseck (Abb. Im Inneren befinden sich Spuren zweier konzentrischer Palisaden (ca. Ein Beitrag zum Verständnis früher Monumentaler Kultbauten Mitteleuropas. A. Der Kreisgraben von Goseck.2. Ldkr. im Ldkr. ausgerichtet. Vorträge des 25. 137–168. Gegen Ende dieser Epoche finden sich ein erster Anbau von Pflanzen. annähernd kreisrunden Ringgraben von etwa 71 m Durchmesser. Weitere derartige Sonnenobservatorien.

So ist etwa das Megalithgrab in Newgrange in Irland (um 3200 v. in das 3. Es sind riesige Anlagen.2 Die rekonstruierte Kreisgrabenanlage von Goseck. die ihrerseits in ihren Baueigentümlichkeiten nun auch nichts anderes reflektiert als die im Kosmos gefundene Welt-Ordnung. dass die dortigen Steinsetzungen die Bewegungen des Sternenhimmels abbilden. Chr.20 2 Früh. verweist. Chr. der zu einem Beobachtungspunkt für den Mittsommer-Sonnenaufgang führte. bei Naumburg. Später wurde die Anlage kontinuierlich erweitert und einzelne Steine errichtet. dessen Entstehung aber in noch jüngere Zeit. Eine der von den Ausmaßen her größten solcher Anlagen entstammt dem frühen Neolithikum und entstand in Carnac im südöstlichen Bereich der heutigen Bretagne. Jahrtausend v. Sachsen-Anhalt Eine ganz andere Art der Darstellung finden wir im endenden Mesolithikum in den Megalithischen Grabanlagen und Steinsetzungen. Daraus abzulesen ist dabei indirekt. ganz entsprechend dem vorab zitierten Hopi-Ältesten. die Sternpositionen markierten und so die Himmelsbeobachtungen der Priester erleichterten. Dabei war Stonehenge über vielleicht ein Jahrtausend Kultstätte des es errichtenden Volkes. Was auch immer über die Bedeutung und Funktion dieser riesigen Anlage noch offen ist. sicher ist.) derart ausgerichtet. dass vor allem die .. 2.und Vorgeschichte Abb. dass die Sonne an den Tagen um die Wintersonnenwende durch einen schmalen Gang genau auf die daran anschließende Grabkammer fällt. die in ihrer Ausrichtung nach den Sternen und dem Sonnenlauf zeigen. Um etwa 2950 war Stonehenge noch eine einfache Kreisgrabenanlage mit einem Eingang. Stonehenge. ist wohl das berühmteste dieser nach den Ordnungen des Kosmos aufgerichteten Bauwerke. die Bewegungen des Sternenhimmels eingebunden wurden in eine Architektur. wobei hier.

2.3) zeigt die weltweit älteste konkrete Darstellung astronomischer Phänomene. zu datierende Himmelsscheibe (Abb. 2. dem Kultusministerium und dem Landesamt für Archäologie Sachsen-Anhalt den Fund sicher. 2. den Sondengänger im Sommer 1999 auf dem Mittelberg in Wangen bei Nebra im südlichen Sachsen-Anhalt gefunden hatten. die astronomische Objekte darstellen. datiert wird. die auf etwa 1600 v.1 Wissensrepräsentation und Wissensordnungen vor Erfindung der Schrift 21 Abb. Besonders interessant sind die am Scheibenrand zu findenden goldenen Horizontbögen. Chr. neben denen auch eine Sonnenbarke dargestellt ist. Die Originale gehören seitdem zur Schatzkammer des Landesmuseums für Vorgeschichte in Halle. Chr. Himmelsscheibe von Nebra Die auf etwa 1600 v. Der Fund wurde verkauft und gelangte in den folgenden Jahren in die Hände verschiedener Hehler und Händler. zeigt der Fund der Himmelsscheibe von Nebra in Sachsen-Anhalt. Sie gehört zu einem Bronzeschatz. Dass unsere Vorfahren ihr Interesse in der Tat auf diese beiden Himmelskörper konzentrierten.3 Himmelsscheibe von Nebra Positionen von Sonne und Mond für die entsprechenden Riten von Bedeutung waren. Im Februar 2002 stellte die Basler Polizei in enger Zusammenarbeit mit dem Landeskriminalamt. die sich über . Dabei führten die bisherigen Untersuchungen der Himmelsscheibe von Nebra noch zu keiner umfassenden und im Detail sicheren Interpretation. Diese Bronzescheibe mit einem Durchmesser von 32 Zentimetern ist mit Goldapplikationen geschmückt. Einfach zu identifizieren sind Sonne und Mond.

die die Sonne in Mitteldeutschland zwischen Sommer. Natürlich gibt es ältere Abbildungen des Sternenhimmels.und Vorgeschichte jeweils 82 Kreisgrade erstrecken: Dieses Ausmaß entspricht genau der Strecke. Im Fortgang des Jahres erscheinen diese morgens in Abständen von jeweils 10 Tagen vor der Sonne. wie der Cheopspyramide. bestimmend. nach dem diese Gliederung des Jahres bei den Ägyptern bestimmt wurde. sondern die Himmelsscheibe ließe sich als Darstellung der realen Konfigurationen des nördlichen Sternenhimmels deuten. Daher leitet sich auch deren Name. der Sirius. Dabei macht schon das Material dieser Himmelsscheibe deutlich – die seinerzeit wertvolle Bronze und der Belag von Gold –. Nur war hier für die Organisation des Jahres ein Stern. ab. Weiter finden sich einzelne Darstellungen von Sternen. Auch in Ägypten war der Jahreslauf auf den Sternenhimmel bezogen. zeigt sich an den dortigen Kult-Bauten.22 2 Früh. oder ob es sich etwa um eine Abbildung des Polarsterns handelt. Wenn für einen Beobachter in Ägypten dieser hellste Stern des Morgenhimmels kurz vor der Sonne aufgeht. Chr. doch ist in Nebra zu erkennen. Wie nun aber auch immer eine detaillierte Interpretation die Darstellung auflöst: Bei der Himmelsscheibe handelt es sich um ein Kultobjekt. 2. dass sich der Himmel gegenüber der Erde bewegt und sich dabei die Konstellationen der Sterne zum Horizont über das Jahr verändern. Dekasterne. ob dieser siebenteilige Sternhaufen eine Darstellung der Plejaden ist. welche Bedeutung diesen Naturphänomenen und deren Darstellung zugemessen wurde. So ist die Cheopspyramide. dass auch im magischen Weltbild differenzierte Himmelsbeobachtungen notiert wurden. das bestimmte wichtige Sternkonstellationen festhält und somit aufweist. die in gleichen Abständen über den Himmel verteilt waren. dass diese nach den Himmelskörpern orientiert sind. Unklar ist nun. Dessen alljährliche Überflutungen mit dem dadurch über die Felder gebrachten Schlamm garantierten den Reichtum des Landes. zum Beispiel im alten Reich Ägyptens. dann wären nicht einfach nur bedeutsame Himmelsobjekte nebeneinandergestellt. wobei eine Gruppe von 7 enger aufeinander bezogenen Sternpunkten besonders auffällt.und Wintersonnenwende durchläuft. aber eher ornamental ausgerichtete Sternbilder bekannt sind. analog dem Grab in Newgrange oder der Anlage von Stonehenge. wird der Nil über seine Ufer treten. und sich so auch hier die rituelle Organisation des Jahres nach den sich ändernden Konstellationen des Sternenhimmels richtete. die Bewegungen von Sonne und Mond sowie bestimmte Sternkonstellationen auch im mitteldeutschen Raum um 1600 v.2 Die frühen Schriftkulturen Auch in Ägypten. Neben dem Sirius wurden hierzu weitere 35 Sterne herausgegriffen. Wäre Letzteres der Fall. Doch . Die Ägypter wussten. Entsprechend differenziert war denn auch die Beobachtung des Sternenhimmels. Für die Einteilung des Jahreslaufs nutzten die Ägypter die Sternkonstellationen. banden dieses Land jedoch in eine strikte Jahresrhythmik ein. lange vor Entdeckung des Kompasses. Insoweit war dann mittels dieser Sterne die Zeit des Jahres zu bestimmen. exakt nach der Achse Nord-Süd ausgerichtet. Entsprechend konnten die sich verändernden Positionen der 35 Sterne als eine Art astronomischer Jahresuhr genutzt werden. dass. genau beobachtet wurden. aus dem wesentlich ältere.

. die dann um etwa 2800 v.und Jahresablauf strukturieren. ja aus diesem heraus interpretiert wurden.und Tageszeit bestimmte. Chr. ist das Zweite. als Literatur-. So war die Nacht in ihrem Ablauf durch die Kulthandlungen gegliedert. Wissenschafts. Dem entsprachen die 12 im Laufe der Nacht zu beobachtenden aufgehenden Dekasterne: Die Priester des Sonnengottes erleichterten ihrem Gott nun die Passage der 12 Tore jeweils durch ein rechtzeitiges Opfer. Die Sumerer siedelten am Euphrat. 1800 v.2 Die frühen Schriftkulturen 23 war mittels dieser Sterne zugleich auch die Nachtzeit zu bestimmen. Chr. insbesondere auch als Kultstätte. in dieser Phase entstanden die ersten Zikkurate (Abb. Da in der Morgen. Ihre Dörfer entwickelten sich zu Städten. was letztlich unsere Darstellung von Nacht. Akkadisch wurde Verwaltungssprache. nach dem für den Sonnengott ein Opfer zu bringen war. Nach 2400 wurden die Sumerer unter dem Akkader Sargon zu einer Dynastie vereint. Chr. Womit sich noch einmal ausweist. wie schon in der magisch-mythischen Weltsicht Natur beobachtet wurde. ergab sich aus der Beobachtung der Dekasterne. Entsprechend konnte mit jedem Beginn einer neuen Vigilie für den Durchgang eines neuen Tores geopfert werden. auf dem er 12 Tore zu durchschreiten hatte. Das Zeitmaß. Die sumerische Keilschrift ist die bis heute älteste bekannte Schrift. reduzierte sich die im Dunkeln registrierbare Zahl dieser Sterne auf 12. Chr. erhalten. Jahrhundert v.2). Die Geschichte Sumers beginnt mit der so genannten Uruk-Zeit. 3. Sumerer-Akkad Die Sumerer lebten südlich von Akkad in Mesopotamien an den beiden großen Flüssen Euphrat und Tigris in Meeresnähe. Der ägyptischen Vorstellung des Alten und des Mittleren Reiches zufolge legte nun der Sonnengott von Sonnenuntergang zu Sonnenaufgang durch die den Blicken verborgenen Teile des Himmels einen Weg zurück. dass sich in dem Ritus Ordnungsmuster unserer Kultur fixierten. Da sich die Sterne während der Nacht über der Erde zu bewegen scheinen. Sie entstand etwa um 3500 v. Dass sich damit die Nachtwache in 12 Abschnitte gliederte. Chr.2. deren bedeutendste war Uruk. nach denen wir bis heute unseren Tages. Chr.und Abenddämmerung diese Sterne kaum zu sehen waren. ab etwa 4000 bis 3000 v. und sich zugleich auch zeigt. Chr. das Altsumerische Reich unter wechselnden Stadtherrschern bildeten. Jahrtausend v. Die Städte entwickelten sich weiter zu Stadtstaaten. Sumerisch wurde in Südmesopotamien bis gegen 1700 v.und Sakralsprache erhalten. Chr. gesprochen. Im Laufe des 4. Deren Aufgehen teilte die Nachtzeit in zwölf Vigilien. Das darauf entstehende Neusumerische Reich (2112–2004) stand unter der Herrschaft Urs. und konnte ihre Vormachtstellung bis ca. blieb aber bis ins 1. ist das Eine. dass sich die astronomischen Beobachtungen auch hier in einen rituellen Kontext einbanden. Dieses Akkadische Reich endete mit der Eroberung durch die Gutäer 2191 v. war ihre Entwicklung entscheidend für den Aufbau einer mesopotamischen Hochkultur. so gehen dann auch die Dekasterne über die Nacht in regelmäßiger Folge auf.

die sich nicht zuletzt im Kampf um das Wasser von Euphrat und Tigris wechselseitig befehdeten und zugleich gegen die semitischen Akkader im Norden des Landes kämpften. Sie waren in Stadtstaaten organisiert. erst durch Abschriften um 1700 v. den größten Teil Babyloniens. Gilgamesch Das Gilgamesch-Epos ist die älteste uns überlieferte literarische Darstellung. die sich bei Ištar. die allerdings nur in Fragmenten vorliegt. und 23. ist zu zwei Dritteln Gott und zu einem Drittel Mensch und herrscht als König in Uruk. Der magische Wirkungskreis ist nun aber in Funktionen zergliedert. Chr. erschafft die Muttergöttin gemäß der Anordnung des Himmelsgottes. Jahrhundert lebenden Sargon von Akkad – in Sagen übersetzt worden sein. Enkidu (Abb.und Vorgeschichte Gilgamesch. aus Lehm ein wildes. In dieser Zeit beherrschten die Sumerer. In diesen Kontext ist Gilgamesch einzuordnen. isolierte Handlungen haben jeweils messbare Effekte. Gilgamesch. menschenähnliches Wesen. die allerdings.24 2 Früh. wie die hier neu entstehende Kultur aus dem Magischen ausbricht. der als vergöttlichte Gestalt im gleichnamigen Epos zum Helden wurde. dem Mondgott. der Länderherr. seine Bauprojekte führen zu bedrückenden Lasten. hat wahrscheinlich wirklich gelebt. mit Sin. überliefert sind. der Held der Geschichte. Der mit der Natur . des Vaters der Ištar. Schon früh muss seine Geschichte – ähnlich wie bei dem im 24. Nur ist uns aus dieser Phase kaum etwas an Schrifturkunden überliefert.4). Der Mythos erzählt nun die Geschichte. Dem gegenüber steht Enlil. Die im Epos beschriebene Erbauung der Stadtmauer des südbabylonischen Uruk datiert auf die Zeit zwischen 2750 und 2600 v. Der magische Kreis einer sich nur in sich sichernden Natur ist hier durchbrochen. der Gott des Süßwassers. Die bislang vollständigste Version des Epos hat sich auf 12 Tontafeln aus der Bibliothek des Assyrischen Königs Ashurbanipal erhalten. der sich den Widernissen seiner Zeit auch gegen den etwaigen Beschluss der Götter entgegenstellt und hier letztlich auch obsiegt und so selbst vergöttlicht wird. und Schamasch. des Krieges und der Prostitution beschweren. zugeordnet sind. der über dem Einzelnen steht. Deutlich wird uns in diesem Epos. der Göttin der Liebe. und das gilt auch für das Gilgamesch-Epos. in der sich Gilgamesch seiner selbst versichert. dem Sonnengott. Dabei besitzt der altbabylonische Götterhimmel einen Himmelsgott – Anu – dem der Wettergott Adad. Dabei setzt der Mythos diesen gegen sein Schicksal kämpfenden Einzelnen doch in einen Kontext. und damit zu Unruhen vor allem der Frauen in Uruk. Um Gilgamesch zu bändigen. Gilgamesch erhält mittels zweier Träume Kenntnis von Enkidu und erwartet ungeduldig dessen Ankunft. Sein Regierungsstil ist despotisch. Das zeigt schon die Gestalt des Gilgamesch. Chr. aus der wohl die Mehrzahl der sumerischen Mythendichtungen stammt. Vor 2000 setzte dann in einer Phase auch ökonomischer Prosperität in der sumerischen Kultur eine Art von Renaissance ein. die im Bereich des Göttlichen personalisiert werden und hier dann als Personen durchaus auch gegeneinander stehen können. Auch einzelne. Die ältesten erhaltenen Fragmente stammen aus der Zeit um 1800. die Venusgöttin Ischtar und Ea. die schon eine eigene Schrift entwickelt hatten. 2.

die die Geschichte einer Flutkatastrophe erzählt. nach Uruk zu gehen und Gilgamesch um die Entsendung einer Dirne zu bitten. Als Gilgamesch an einem Brunnen rastet. Darin bricht der überlieferte Text ab und setzt erst mit der Tafel an. Dies gelingt ihnen. sinken die beiden Helden nieder und schließen Freundschaft. In das Boot lässt Ziusudra nun die Tiere der Steppe. Am Schluss erscheint Enkidus Geist und beschwört Gilgamesch. der nach anderen Quellen rekonstruierten Fassung zufolge sucht Gilgamesch seinen Urahnen Uta-Napištim auf. In Uruk angelangt. ein Schiff zu bauen. die alles Leben vernichten wird. Der sich anschließende Kampf endet unentschieden. Beschrieben wird nun die Fahrt zur Insel der Seligen. sich dem irdischen Los zu unterwerfen. auf der Uta-Napištim mit seiner Frau lebt. ehe er die Substanz der Pflanze an sich selbst erprobt. Eine vollständig erhaltene Fassung der Tafel ist nicht vorhanden. Dieser Erzählung zufolge hatte der Gott Enki den Menschen Ziusudra vor einer Flut gewarnt. Ermüdet von der Auseinandersetzung. Gilgamesch und Enkidu nehmen sich nun vor. tötet der Stier Hunderte von Uruks Männern. Auf ausdrückliche Weisung Enkis verrät er den anderen Menschen nichts von dem drohenden Untergang. und zwar. Gilgamesch kann das Gewächs finden und macht sich auf den Weg zurück in die Heimat. an der Enkidu stirbt. um das Geheimnis des Lebens zu finden. der ihn über das Wasser des Todes zur Insel der Seligen bringen soll. die Wildtiere.2. Für diese Tat werden die beiden von den Göttern bestraft. Darauf begibt sich nun Gilgamesch auf eine lange Wanderschaft. in Ištars Wald Zedern zu fällen. So waren alle Mühen umsonst und er kehrt er unverrichteter Dinge mit dem Schiffer Ur-šanabi nach Uruk zurück. 25 . wo er die Wirkung der Pflanze zunächst an einem Greis testen will. sagt Uta-Napištim ihm schließlich. seine Frau und seine Sippe einsteigen. Er findet den Weg zum Fährmann Ur-šanabi. Dabei lernt Enkidu in einem Hirtenlager nahe Uruk die menschliche Nahrung und das Bier kennen und wandelt sich endgültig zu einem Menschen. lässt sie den Himmels-Stier aussenden. und eine Schlange kann ihm die Pflanze des Lebens stehlen. die Enkidu durch sexuelle Verführungen von den Wildtieren entfremden soll. Erbost darüber. In Uruk treffen Enkidu und Gilgamesch aufeinander. Doch Gilgamesch weist sie zurück. indem sie eine Krankheit schicken. wird aber von Enkidu und Gilgamesch erschlagen. Dessen Vater rät ihm. Ištar verliebt sich dennoch in den Helden Gilgamesch. und ihm geraten. die das ewige Leben bewirkt. um Gilgamesch zu töten. Dies geschieht. darauf fliehen ihn. ist er jedoch unvorsichtig. wie der Vater des Fallenstellers vorhersagte. wo er die geheimnisvolle Pflanze finden kann. Enkidu erliegt den Verführungskünsten der Dirne. mit ihr nach Uruk zu gehen.2 Die frühen Schriftkulturen und den Tieren verbundene Enkidu schützt die Wildtiere vor den Nachstellungen eines Fallenstellers. Die Dirne kann nun Enkidu überzeugen. der ihm die Geschichte von der Flut erzählt. Nachdem er am siebten Tag aufgewacht ist. wo er diesem seine herrlich gebaute Stadt zeigt. gemeinsam eine Heldentat zu vollbringen. Nach dem Anhören der Geschichte schläft Gilgamesch sechs Tage und sechs Nächte lang.

Gebar sie heimlich von einem Niemandssohn [Mann unedler Abkunft]. Herangewachsen. Gilgamesch nannte er es mit Namen. Gewann es lieb und er zog es auf. Nahm das Kind eh es zu Boden schlug. Stuttgart 1974. 15. So hat sich an ihm die Bestimmung erfüllt.3 3 Das Gilgamesch-Epos. Der Gärtner entdeckte das schöne Knäblein. ca. und damit’s nicht geschehe Schloß er die Jungfrau in einen Turm. In der Übersetzung von Albert Schott. die nicht zu ändern. Dem hatten die Wahrsagepriester verkündet: Wen deine Tochter gebären wird. S. aus Furcht vor des Königs Zorn. Furcht befiel den König. aufs genaueste ließ er sie dicht bewachen. Chr. Der wird des Königtums dich berauben. 2500 v. ein Herrscher in Uruk-Gart. Zu einem Palmengarten trug er’s und setzte Daselbst es behutsam nieder. das Königtum. Doch nach der Götter Bestimmung. zum Manne geworden Entriß Gilgamesch Enmerkar. Warfen den Knaben vom Turm hinab.4 Enkidu – Alabasterfigur. 2. Enmerkar mit Namen.26 2 Früh. die genau dieses noch einmal beleuchtet: Es war in uralten Zeiten ein König. Museum des Irak) Der Text beginnt mit einer Vorrede. . dem Vater seiner Mutter. (Bagdad.und Vorgeschichte Abb. Das erspähte ein Adler mit scharfen Augen. Die Wächter. auf den Rücken.

Cierny: Sterne und Steine. In dieser Geschichte tritt für uns eine Person aus dem Bannkreis des bloß Magischen. W. Berlin 2008. gegen dieses Schicksal zu obsiegen. Mithen. H. Harmondsworth 1951. November 2006 im Museum für Vor. Insoll. Heidel. 94–126. Tomasello.und Frühgeschichte. Goody. Frankfurt 1993. How Natives Think. Die Sonne. Eine praktische Astronomie der Vorzeit. Cambridge 1977. Oxford 2011. Darmstadt 1996 M. D. Stuttgart et al. zunächst noch zögerlich. The Prehistory of the Mind: A Search for the Origins of Art. S. Trance und Magie in der Höhlenkunst der Steinzeit. Language Evolution: The States of the Art. Kühn. Religion. Künzl. H. Mainz 2003. Die Sonne und ihre Bedeutung im religiös-mythologischen Kontext der Urgeschichte Mitteleuropas. Hg. 4 Vgl. . bis 11. Frankfort. L. J. W.Weiterführende Literatur 27 Und dieser Gilgamesch kämpft nun selbst gegen das Schicksal des Todes. erzählt sich hier doch eine Geschichte. Brennpunkt der Kulturen der Welt. Chicago 1963 T. London 1926. Seinerseits wieder gehüllt in einen Mythos. Darmstadt 2005. Bärnreuther. Übersetzt und kommentiert von Dieter Kurth. das sich selbst zu reflektieren vermag. Before Philosophy: The Intellectual Adventure of Ancient Man. The Domestication of the Savage Mind. Lewis-Williams. D. Christiansen. in der begonnen wird. Die Ursprünge der menschlichen Kommunikation. Dabei wird in der Frage nach Gründen und in der Suche nach Antworten gegen die vermeintlichen Notwendigkeiten vorgegebener Ordnungszusammenhänge Natur selbst neu verfügbar gemacht. Schamanen.. S. Acta Praehistorica et Archaeologica 40. Die Cambridge Enzyklopädie der Sprache. The Babylonian Genesis: The Story of Creation. Wilson. Thorkild Jacobsen. J. Doch muss auch er letztlich scheitern. das zunächst seinen Freund ereilte. Frankfort. London 1996. Eine altägyptische Erzählung. und beginnt so. A. Bertemes. Internationales Kolloquium vom 9. So formiert sich ein Wissen. and Science. A. Oxford 2003. Frankfurt 2009. H. H. Levi-Bruhl. Astronomie und Astrologie in Vorzeit und Altertum. Astronomische Orientierung und Kalender in der Vorgeschichte. selbstbestimmt zu handeln. hierzu etwa aus der Literatur des mittleren Reiches: Der Oasenmann. Crystal. Dieses wird so langsam auch aus den Verfestigungen des Mythos herausgenommen.. M. Himmelsgloben und Sternkarten. sich selbst in Frage zu stellen und sich damit dann auch gegenüber der Natur zu positionieren. Menghin. und es gelingt ihm für einen Moment. Clottes. Hg. 1971 E. In: A. Berlin 2009. Aufl. 2. John A. S. Schlosser. Die Felsbilder Europas. Kirby.4 Weiterführende Literatur F. J. The Oxford Handbook of the Archaeology of Ritual and Religion. Sigmaringen 1997.

der Gilgamesch zur Revolte gegen sein Schicksal bringt. und es ist dessen Tod. Geschichte der Naturwissenschaften. Jahrhundert Um 700 Erste mathematische Texte in Mesopotamien Medizinische Texte in Ur Medizinische und erste mathematische Texte in Ägypten Schrift in China Mathematische Texte und Aufgabensammlungen in Mesopotamien Medizinische Texte des Neuen Reiches Tragbare Sonnenuhr des Thutmosis III.1007/978-3-642-41846-4_3. Im Epos ist diese Auseinandersetzung personalisiert. erfährt sich dabei die Person. ihr aber noch nicht gänzlich fremd gegenübersteht. der sich gefangen durch die Götter langsam in die Kultur der Stadt von Gilgamesch einfügt. zu dem wir uns als Personen verhalten. Gilgamesch wird der enge Freund dieses Enkidus. © Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2015 29 . zumindest in den sagenumwobenen Führergestalten dieser Dichtung. Breidbach. O. eine mächtige Gestalt.3 Die asiatischen und afrikanischen Hochkulturen 2500 Um 2000 1850 1750 1700 Um 1500 1450 1300 1200 Um 1090 Um 850 Im 8. Dabei sieht er den Tod aber nicht als natürlichen Prozess. selbst ungebärdig wie ein Tier. aufgewachsen unter den wilden Tieren. als eigenständig agierendes Wesen. Für die Natur steht Enkidu. Geschichte der Naturwissenschaften. wird im Mythos doch ein Geschehen erzählt. findet sich im Erleben des Todes vielmehr der Willkür der Gottheiten ausgeliefert. DOI 10. Wie das Gilgamesch-Epos zeigt. das uns einen Zusammenhang darlegt. die die Natur überformt hat. Hethitische und mittelassyrische medizinische Texte Magisches Quadrat in China Verwendung des Gnomons Homer Aufzeichnungen über Astronomie und Kalender in China Daidalos erfand dem Mythos zufolge zahlreiche Werkzeuge Der Schritt vom magischen Weltbild zum Mythos ist eine wesentliche Etappe auch in der Entwicklung unseres Naturverständnisses. Gilgamesch agiert aus einer Kultur.

Zudem ist dieses Gedächtnis in Form der Schrift auch neuer Weise zu vervielfältigen. sondern eine Landmarke und darüber hinaus auch sehr realen Schutz bietet. Diese Städte sind eingebunden in eine reiche Agrarkulturlandschaft. als dies im Gedächtnis der Einzelnen möglich wäre. Die Phänomene der Natur und darin dann auch der Mensch mit seinen Krankheiten gewinnen für eine sich nach diesen Möglichkeiten richtende und auf diese Möglichkeiten achtende Kultur eingehendes Interesse. Damit ist nicht nur eine umfassendere Sicherung kultureller Traditionen möglich. da im Corpus der Schriften mehr an Einzelheiten. Diese Stadtstaaten waren Priesterkönigtümer. die allerdings nur bei intensiver Bewirtschaftung und vor allem Bewässerung genügend Frucht bringt. zu übertragen ist. immer größere Bedeutung.1 Orte der früheren Hochkulturen an Nil. und diese dann auch in detaillierter Form. die miteinander um das im Sommer nur beschränkt verfügbare Wasser streiten. Die Einsicht in das derart in der Natur Mögliche erlangt für diese Staaten. Die Schrift erlaubt die wechselseitige Kontrolle der Abschriften und gibt alleine schon damit ein neues Maß zur Bewertung der Präzision tradierter Wissensbestände. So wird mit der Schrift Wissen in mehrerer Hinsicht in neu- . Die einzelnen Städte sind eng gedrängt um einen Tempel angelegt. der nicht nur spirituelle Orientierung.30 3 Die asiatischen und afrikanischen Hochkulturen Karte 3. Womit dann Begebenheiten. Beobachtungen festzuhalten und in Dokumenten zu fixieren. Die Erfindung der Schrift erlaubte es in diesen Staaten. Regeln und Vorschriften in sehr detaillierter Form festzuschreiben waren und einerseits in einem Zeitraum kommuniziert oder andererseits über eine Generationsfolge tradiert werden konnten. Euphrat und Tigris Kau SC H WAR ZES MEER kasu s Hethiter Hurriter Ugarit SY Lybios Mâri EN Kassiter AKKAD Sippar Kisch Lagasch N Bubastis Memphis Lib Saqqara Fayuni RI rat IE Jerusalem Buto Assur ph ON Tyr Sidon Eu Ninive L BY B ATigris M IT T E LM E E R Til Barsip Babylon Uruk Ur ys U NT E R ÄGY ÄG Y P T E N ch Bani Hasan e Nil W üs te Hatnup Abydos Nekheb Elephantine A ra b i sc h e Ha l b i n s e Theben l erster Nilkatarakt OBERÄGYPTEN ROTES MEER Es waren die kleinen Stadtstaaten der sumerischen Kultur. in denen sich der Schritt von der magisch beschworenen Zuordnung von Natur und Mensch hin zur Ansicht einer nun als gegenüber dem Menschen abgesetzt erfahrenen Natur vollzieht.

Anweisungen können einen Transport begleiten und erlauben so dem. Die derart in einem sich ausweitenden Handlungs.und Handelsbezug stehenden Staaten prosperieren. . Die Handlungsräume werden größer. 3. Mit dieser Art des Sicherns und Festschreibens von Informationen erlaubt sich damit dann auch eine neue Form von Handel. die zudem auch Zeichen für Zahlen kennt. sogar über einen längeren Zeitraum. in denen reagiert werden muss. die Zeitfenster.3 Die asiatischen und afrikanischen Hochkulturen 31 Abb. Die Keilschrift. überrennen einzelne der kleineren Staaten und destabilisieren die kleinräumige Herrschaftsstruktur dieses Bereiches. auch ohne Ansehen der Person und ggf.1 Entwicklung der mesopotamischen Keilschriftzeichen. Die sich hier im dritten Jahrtausend entwickelnde Schrift. dann unter der Herrschaft des Akkaders Saron und schließlich in der ersten babylonischen Dynastie. und werden so nun aber auch für angrenzende Völker interessant. dass die sumerische Kultur für alle in deren Kulturraum neu ansetzenden Völkerschaften interessant blieb. wachsen sich aus. 3. Festhalten müssen wir aber. zunächst in der Hochphase der sumerischen Kultur. Immer wieder brechen Völkerschaften in diesen Raum ein. Hier können Absprachen über eine einzelne Handlung hinweg fixiert werden. nach den in den Schriften fixierten Absprachen zu agieren. die Keilschrift. Hier soll nun die komplizierte Geschichte dieses Raumes selbst nicht weiter interessieren. die es erlaubt. So übernehmen diese Fremdvölker mit dem Raum. erlaubt es nicht nur. Die Keilschrift entwickelte sich aus Piktogrammen. So schließen sich größere Areale zusammen. der mit ihnen umgeht. Wissen zu fixieren. deren Entwicklung von gegenständlichen Zeichnungen hin zu immer abstrakteren Formen sich an dem reichlich vorhandenen Tonmaterial verfolgen lässt er Form vermittelbar. Silbenfolgen – Konsonanzen – in abstrakten Zeichen zu notieren. auch die sumerische Schrift und damit das sumerische Wissen.1). den sie adaptieren. wird somit denn auch zur ersten internationalen Schrift in der Antike (Abb.

dass sie die Sätze. die in solchen Tafeln gebrannt archiviert werden. Sie zwingt. und die dann auch von denen genutzt werden. für sich stehenden Form verdinglicht. der sie formuliert hat. Briefe und damit auch der Austausch komplexer Nachrichten werden möglich. Es 1 Vgl. denen der etwaige Schreiber der Tafel selbst unbekannt ist. die mittels der Kopien eines Textes auch vervielfältigt werden können. Umgekehrt ist es nun aber auch möglich. die auf solche Schriftquellen zurückgreift. C. Schließlich ist die Schrift. wird hiermit doch über diese neue Technologie der Tradierung Wissen in einer neuen.1 Die Schift objektiviert die in ihr fixierten Aussagen schon allein dadurch. Dabei wird dann in der Schrift die Beschreibung eines Sachverhaltes nach den verfügbaren sprachlichen Mitteln standardisiert. . an folgende Generationen oder in ferne Gebiete der zeitgleichen Kultur übermittelt. Das ist anders als bei den Knotenschnüren der Inkas. Die entstandene Schrifttafel ist nach der Notiz nur zu brennen und bleibt dann ggf. solche Standardisierungen als Regeln aufzuschreiben und verbindlich zu machen. Es steht für sich. die auch unabhängig von einer zusätzlichen Erläuterung einen Sachverhalt klarstellt. eine schriftlich notierte Beobachtung. die dieses im Rahmen ihrer je eigenen Fähigkeiten weiter trägt und dann auch persönlich vermittelt. in der es formuliert ist. Es bildet sich eine Administration. Damit wird das Wissen dieser Kultur insgesamt objektiviert. Vor einer etwaigen Interpretation steht so ggf. und zugleich sind Notizen und Rezepturen archivierbar. Die fixierten Standards. Es wird in Segmente zergliedert. die in sich geschlossene Erzählung über die Welt findet sich in diesen Wissensteilen nur mehr in Fragmenten wieder. Die in der Schift fixierten Aussagen stehen für sich und sind nur als solche vermittelt. die dann als Tafeln archiviert werden. Diese Form der Schrift zwingt zu einer Darstellung. und das ist auch anders als bei den Erinnerungssteinen australischer Kulturen. was man weiß. unabhängig von demjenigen. was wie. Repräsentative in Stein gemeißelte Urkunden dienen der Dokumentation von Herrschaftsansprüchen oder können. I. darzustellen wäre. über Jahrhunderte verfügbar. klarzumachen. in der mittels eines Holzgriffels feine Keile in unterschiedlichen Lagen und Größen in weichen Ton eingeritzt werden. und ist somit – wie benannt – eben nicht durch Erzählungen immer wieder neu einzukleiden. Zur Natur und Kulturgeschichte bildlicher Kommunikation. 31–33. die für die Darstellung von Beobachtungszusammenhängen Bedeutung haben. verbindliche Verhaltensstandards langfristig kodifizieren. Schließlich ist das durch sie vermittelte Wissen für jeden Schriftkundigen einsichtig zu halten. Sütterlin. sind einfach zu verbreiten. Der einheitliche Mythos. die als Erinnerungshilfe eine Erzählung strukturierten. Wien 2007. So werden in den verschiedensten Bereichen Vorgehensweisen vereinheitlicht. Eibl-Eibesfeld. einen Gesang zu reformulieren. Wissen kondensiert sich derart in Informationen. Weltsprache Kunst. S. wie die berühmte Gesetzestafel des Hammurapi. Für die Entwicklung eines Wissenssystems kann dieser Schritt nicht hoch genug eingeschätzt werden. die dabei halfen. von dem. ein einfaches und vergleichsweise rasch zu nutzendes Kommunikationsmittel. So wird mit der Schrift ein Wissensbestand objektiviert. ist nicht mehr gebunden an eine Person. Es wird in der Form fixiert und archiviert. die in ihr eingeschrieben sind.32 3 Die asiatischen und afrikanischen Hochkulturen sie erlaubt auch eine neue Form von Korrespondenz.

die ein Verfahren dann als gut ansieht. die das eigene Verfahren gegenüber der anderen Tradition positiv bewerten lassen. ein in sich und für sich bestehendes Wissen. die mit diesen neuen Wissensdokumentationen umgehen können. die tradiert werden. wenn es tradiert ist. Wir werden sehen. Demnach ist man . Dies sind zunächst Schreiber. sind die Art und Weise des Umgangs mit und die Fixierung von Information denn auch verschieden. wie diese Kultur dieses Wissen versteht und begründet. formuliert sind. Parallel entsteht in Ägypten eine Hochkultur. Gar nicht zu reden von dem fernen China. die unter vergleichbaren Prämissen. die. zeigen dann. sondern auch in der Art und Weise. bildet sich doch in der im Weiteren nachzuzeichnenden Entwicklung bis hin zur Entstehung des Perserreiches das politische Hin und Her dieses Raumes in den von uns erfassten Wissenszusammenhängen nicht ab. was im Zweistromland entstand. dann aber auch Verwaltungsspezialisten. Sie sind in eine Folge gesetzt. bilden ein für alle verfügbares Archiv des Wissensbestandes. an Grenzen gerät. in dem sich dieses Wissen nicht nur in der Form. allerdings weniger durch Feinde von außen bedroht. werden ggf. auch die Berechnungsverfahren. So entsteht unmerklich etwas Eigenes. Ferner aber waren sie auch Handelspartner. In dieser stehen die Tafeln für sich. sind nicht so ohne Weiteres mit dem kompatibel. in Keilschrift notiert. Die in beiden Regionen entstehenden Reiche sind über Jahrhunderte zum einen direkte Konkurrenten – die etwa in Palästina eine gemeinsame Grenzregion besetzten. Dabei ist zu zeigen. Verfahren. dass in dieser Zuordnung die einfache Bewertung. wie die so neu entstehenden Bibliotheken und Archive zu nutzen waren. Dabei sind diese Entwicklungen nicht singulär. Aufgabentexte. Dabei wird auch vermittelt. Nicht nur. und die diese Verfahren auch weiterentwickeln. die sich der jeweilige Leser jeweils für sich zu erschließen hat. ihren Handel nach zwei unterschiedlichen Berechnungsverfahren abstimmen zu müssen. Unabhängig entstanden. Dabei blieben Ägypten und Mesopotamien in der Antike voneinander nicht isoliert. bestimmte Umgangsformen der Ökonomie oder Berechnungen oder die Vorhersagen der Priester dokumentieren. das etwas zeitversetzt ebenfalls eine eigene. die so schon bald vor dem Problem standen. sukzessive verselbstständigt. dass sich im Anschluss an diese Phase der mesopotamischen Kultur ein Prozess nachzeichnen lässt. wie dieses Wissen gelehrt und erlernt wurde. Das wird schon in einer eher flüchtigen Beobachtung deutlich. Die Tafeln werden in Archiven oder Bibliotheken zusammengefasst und so dann auch wieder in einen neuen Ordnungszusammenhang gesetzt. Zugleich bildet sich in dem Gefüge dieser Gesellschaften eine Gruppe derjenigen aus. muss es Argumente geben. die Archäologen insbesondere für das Training der komplizierten Berechnungsverfahren dieser Kultur entdeckten. die sich in Ägypten entwickelten. analoge Kulturtechniken entwickelte. die auf diesen Tafeln. wie dies gelang. Dabei reiht er einzelne Komponenten einer ja als Ganzes immer nur in Tafeln verfügbaren Erzählung aneinander. der auch unter wechselnden politischen Konfigurationen erhalten blieb. dass die ägyptische Schrift anders aufgebaut ist als die der Babylonier. auch nur in Teilen kopiert und weitergereicht. Wenn es andere Traditionen gibt.3 Die asiatischen und afrikanischen Hochkulturen 33 sind Einzelheiten. die neu entwickelte Verfahren des Umgehens mit Wissen nutzen. Es muss interessieren. und noch einmal separat interessierende Kultur entwickelte.

1. die man bisher im Verweis auf das Anciennitätsprinzip nie in Zweifel stellte.1 Mesopotamische (Babylonische) Mathematik 3000–2700 2700–2000 2350–2295 2000–1900 1900–1600 1782–1686 1600–1250 Sumerische Stadtstaaten – Entstehung der Keilschrift Herrschaft der Akkader Sargon von Akkad Sumerische „Renaissance“ Altbabylonisches Reich Hammurapi von Babylon Einfälle der Hethither und Kassiten in Babylon .2 Mesopotamien in der Antike SCHWARZES MEER Hethiter um 2000 KASPISCHES MEER Van-See Urmia-See S U B A RT RTU Ninive A S S YR YRIEN Assur Mari Damaskus ph rat Tigris Eu AMURRU AK KK KAD ELAM Akkad Semiten Babylon nach 3000 „Weltreich“ Sargons von Akkad (2350–2295 v. Chr.) Nippur M SU ER Lagasch Uruk Ur Susa Sumerer um 3200 Eridu PERSISCHER GOLF dann gezwungen.1. Chr.) Altassyrisches Reich Schamschiadads I. Chr. und so langsam konturiert sich etwas heraus. neu zu bewerten. die benutzten Methoden aus sich heraus zu verstehen. (1749–1717 v. 3.) Neubabylonisches Reich (625–539 v.1. Der Bezug auf eine Tradition reicht als Argument nicht mehr aus.) Reich Hammurapis von Babylon (1728–1686 v.1 Hochkulturen in Mesopotamien 3. das wir für unsere modernen Wissenssysteme als Basis jeder Aussagensicherung ansehen: der Beweis. Chr. So entstehen Versuche.1 Die Anfänge analytischen Denkens 3.34 3 Die asiatischen und afrikanischen Hochkulturen Karte 3. wenn es mehrere gibt. über die eigene Methode.

das Zweistromland. Der fruchtbare Bereich zwischen Euphrat und Tigris. lag über Jahrtausende im Interessenfokus einer ganzen Reihe von Völkern. 3. Nicht zuletzt auch über die Bibel verweben zudem sich eine ganze Reihe von Geschichten dieses Raumes hinein in die Anschauungs. Und so ist dann auch unser Teufel mit Bockshorn und Huf nichts anderes als der Fruchtbarkeitsgott des alten Mesopotamiens.1 Die Anfänge analytischen Denkens 35 Abb.2 Skizze des Zikkurat von Ur 1200 883–612 625–539 597 550 539 500 330 Beginn des Aufstiegs von Assyrien Neuassyrisches Reich mit Residenzen in Nimrud und Ninive Neubabylonisches Reich Eroberung von Judäa – Beginn der babylonischen Gefangenschaft der Juden Erhebung der Perser Nach Eroberung von Babylon durch Kyros den Großen. nicht zuletzt auch.3.und Vorstellungsmuster unserer heutigen Kultur. die schon die 11. Tafel des Gilgamesch-Epos beschreibt. Beginn der persischen Herrschaft Aufstand der ionischen Städte Alexander der Große erobert Babylon Die Geschichte Mesopotamiens ist kompliziert. in dem nicht wenige Forscher meinten den Hintergrund der biblischen Geschichte vom Paradies ansetzen zu müssen. da die zunächst nicht zu großen Stadtstaaten der Sumerer auch auf Grund ihres Reichtums und ihrer Kultur für andere weiniger prosperierende Völker besonders verlockend erschienen. . zeigt sich doch sogar die Geschichte der Sintflut als ein Reflex einer Erinnerung.

Diese finden sich auf Listen. Schon aus Uruk – um 2900 – sind uns Tafeln mit sumerischen Zahlzeichen überliefert. 3. in denen die Anzahl bestimmter Nutztiere vermerkt ist. dass das Zehnersystem das ursprünglichere System darstellte.4). so haben wir 4 × 3 = 12 Glieder. 60 (601 ) und 3600 (60 ). wie sich hier ein neues. ein sozialökonomisches Zusammenleben regelt. Die Gesetzestafeln des Hammurapi zeigen. Belegen wir nun die vier Finger der linken Hand jeweils mit dem Wert 12. die einen Warenaustausch dokumentieren sollten. Als Zahlzeichen finden sich Symbole für 1.3 Darstellung der Zahl 13: 1 × 12 plus 1 In den entstehenden komplexen politischen und sozialen Strukturen werden die rituellreligiösen Deutungsgefüge dort selbst zusehends durch pragmatische Bestimmungen des menschlichen Zusammenlebens aufgelöst. Das Abzählen an den zehn Fingern wird aber problematisch. Die Gesetze Hammurabis in Umschrift und Übersetzung. 3 × 12 oder 4 × 12 anzeigen.und Sechsersystem. 2 Vgl. 3. kodifiziertes Regelwerk entwickelt. wenn es sich um höhere Zahlen handelt. wobei es Anzeichen gibt. Leipzig 1904. H. Dazu addieren wir den der Fingerglieder der rechten Hand und können so bis zum Wert 60 alle Zahlen abbilden (Abb. Winckler. . Dieses System ist ein gemischtes Zehner. sondern in einem Sexagesimalsystem.3 und 3.36 3 Die asiatischen und afrikanischen Hochkulturen Abb. 2 × 12. das am Ende bis ins Detail qua Gesetz. das heißt nach einer durch Autorität verordneten Verhaltensbestimmung. die sich in diesem Kulturkreis entwickelten. da als Basis der einfachen Rechnungen schlicht die zehn Finger zur Rechnung benutzt werden können. Wahrscheinlich handelt es sich um Dokumente. Was auch nicht weiter verwundert.2 Hier interessieren uns im Weiteren aber allein die Entwicklung der Mathematik und die – vergleichsweise – spärlichen Überlieferungen zu den kosmologischen und medizinischen Vorstellungen. Notiert wurde also nicht in unserem Dezimalsystem. 10. so können wir mit dem Daumen als Zeiger jeweils 1 × 12. Belegen wir nun aber die Glieder der Finger der rechten Hand jeweils als einen eigenen Wert.

. . X . L .160. Bis zur Sechzig (sumerisch: gesch) waren die entsprechenden Zahlenwerte entsprechend dem Verfahren. . ) – dann in ihrem Wert addiert. Dies wurde dann wieder 10mal gesteigert bis 2. die sich dann noch einmal in den Zahlzeichen über 600. wie sich in einer Fortschreibung einer entsprechenden Berechnungspraxis ein bis ins Unermessliche . für die es ein eigenes Zeichen gab.960. Die 3600. Insgesamt wird damit deutlich. Über 600 notierten die Sumerer nunmehr in 600er Schritten bis zu 6 × 600. . C .1 Die Anfänge analytischen Denkens 37 Abb. Diese kann dann. V . 3 × 60 bis 10 × 60 weiter × 2. Im Sinne eines Dezimalsystems zählten die Sumerer dann auf Basis der 60.000 wurden dann 6 mal gezählt – bis zu 216. . . auf der Basis der einmal gefundenen Kalkulationsform des Handrechners. Hundertfache usw. in dem die Position einer Ziffer das Ein-. notiert. .3. Die dazwischen liegenden Zahlen waren dann durch Addition der entsprechenden Wertzeichen darzustellen. . .000 (schàrgal-u). Vielmehr wurden die verschiedenen Zahlzeichen nebeneinander gestellt und – wie bei den späteren römischen Zahlen (I. . . III. Sehr deutlich wird hier die Mischform eines Zehner und Sechser Systems. des Zahlenwertes zu 1 angibt (also ist 212 gleich 2 × 100 × 1 plus 1 × 10 × 1 plus 2 × 1). mit dem Wert 60 . Dies wurde dann wieder in 6er-Schritten bis zu 12. wurde dann 10 × bis auf 36. dass dieses Verfahren größenordnungsunabhängig verwandt werden kann.4 Darstellung der Zahl 40: 3 × 12 plus 4 Diese Kombination von Zahlenwerten. das als das große 36. und 36. Zehn-.000 gesteigert. 2 × 60. so dass die eingeübte Rechenpraxis nun mit höheren Werten fortgeschrieben werden kann. wurden nun noch nicht im Sinne unseres Stellenwertsystems verwandt. die 36.000 ( schàr-gal). M .000 (schàr-u. Zugleich zeigt sich aber auch. dass dieses Zahlensystem eine Berechnungspraxis abbildet.000 geschrieben als 10 × 60 darstellen lassen. das wir uns an dem skizzierten Handrechner verdeutlicht hatten. nun um neue Einheiten erweitert werden. wobei dieser Wert wieder einen eigenen Namen besaß. . das heißt 10 × schàr) gesteigert. das schlicht die eingangs skizzierte Rechenpraxis abbildet. also 3600 (schàr).000. geschrieben als 10 × 60. II. bezeichnet wurde. Es zeigt. IV. . . 3.

Null bedeutete das nichtvorhanden sein einer Zahl und wurde mit einem Leerzeichen dargestellt. Babylonische Zahlen von 1–593 Die Null war in diesem System keine Zahl. ein senkrecht stehender Keil für 1 ( ) und eine quer stehende Kerbe für 10. 15 . wobei es wichtig ist. 16 und 20 . Damit gewinnt schon die sumerische Zahlterminologie einen sehr hohen Abstraktionsgrad.2013>.38 3 Die asiatischen und afrikanischen Hochkulturen führender Zahlenraum abbilden lässt. zeigt zudem. dass diese auch als Funktionen eines Berechnungsvorganges verstanden wurden. Von daher ist – das zeigt allein schon die Benennung – schon den Sumerern einsichtig. dass diese großen Zahlenwerte benannt werden.wikimedia. die sich etwa die Werte 3 entsprechenden Zeichenkombinationen jeweils als eine Ziffer zu behandeln. also als 3 × 60 + 15. die Babylonier bildeten das Zahlennotationssystem zu einem Stellenwertsystem um. . dass Zahlen als operative Größen bestimmt sind.4. So finden . der bei einer konsequenten Vereinheitlichung des Berechnungssystem von den Babyloniern dann noch einmal vereinfacht werden konnte. wenn auch auf Grundlage der 6. So ist 61 als zu notieren. wie wir es kennen. Die Tatsache. 195 wäre demnach als 3 https://commons. die insoweit einfach nur vollzogene Operationen des Berechnungsverfahrens darstellen.svg <8. 4 . Die Art der Benennung der entsprechend erhaltenen Zahlen macht dabei deutlich. Höhere Werte ordnen sich dann entsprechend unserem Stellenwertsystem: zu schreiben. diese Zeichen konnten für 1–59 additiv den entsprechenden Zahlenwert bestimmen. Dabei kennen die Babylonier in ihrem nunmehrigen Stellenwertsystem zwei Individualzeichen. dass man mit ihnen umgehen konnte. was 1 × 60 + 1 bedeutet. 5 .org/wiki/File:Babylonian_numerals.

in 10er Schritten gestuft wurde und auch im Alltag Dezimalzahlen viel in Gebrauch waren. Erst die Inder ordneten diesem Leerzeichen dann aber auch einen mathematischen Wert Null zu. war nicht immer sicher abzulesen. die diese Reziproken darstellten. B. wie bei den Sumerern aufgeführt. Die Babylonier dividierten eine Zahl x durch eine Zahl y. So ist plus dann . B. 1. von denen man die zu berechnenden Werte ablesen konnte: Jede Zeile einer Multiplikationstabelle begann mit der gleichen Kopfzahl. Deutlich wird hier schon. indem sie x mit dem Kehrwert von y multiplizierten: d. Mit einer entsprechenden Abwandlung dieser Methode ließ sich dann auch eine Quadratwurzel ziehen. die nun aber nach den bearbeiteten Multiplikationstabellen keinen Kehrwert besaßen. so setzten die Babylonier ein Näherungsverfahren ein. B. der mit y multipliziert eine Potenz von 60 darstellte. Da im Sexagesimalsystem 60. 21. Ab dem 6. Näherungswerte verwandt. ob hiermit 20 × 3600 (entdoch aus einem Zeichen wie sprechend den Stellung in der Notation für 60 × 60) plus 20 oder 20 × 60 plus 20 gemeint war.: x : y ist gleich x mal 1/y. .1 Die Anfänge analytischen Denkens 39 Additionen und Subtraktionen funktionieren dann analog den Operationen in unserem Dezimalsystem. und schließlich das Ergebnis.40) Multiplikationstabellen angelegt. Diese Kehrwerte natürlicher Zahlen stellte man wieder in eigenen Tabellen. Insofern war dann der Multiplikator n der gesuchte Kehrwert. Ist der Wert aber ein zusammengesetzter mit 60x plus y. die sich ggf. Jahrhundert kam dann ein eigenes Leerzeichen mit dem Wert Null auf. etwa die Maßzahl zur Berechnung des Kreisumfangs. Den Kehrwert einer Zahl y konnte man in einer Multiplikationstabelle mit der Kopfzahl y finden. so z. Dabei ist die Notation in einem entsprechenden System nicht unproblematisch. hier z. Deutlicher wird dies noch bei der Division. Dann war einfach das Ergebnis y mal n gleich 60x . Für diese Zahlen wurden.3. zusammen. Die Werte. Analog kann man in diesem System subtrahieren: minus ist gleich . auch in Tabellen aufgewiesen fanden. wurden auch zu Kopfzahlen wie 100 (im Sexagesimalsystem geschrieben als 1. So wurde später bei einer fehlenden Stelle eine Lücke gelassen. wird doch einfach die Potenz um 1 reduziert. Die Wurzel aus 60x plus y ist dann 60x−1 plus y / 60x . z. wurden in diesen Tabellen mit einem „ist nicht“ markiert. also war dann n/60x gleich 1/y. 21. Das Verfahren für eine Potenz von 60 ist einfach. also 5 × 60 plus 20 minus 4 × 60 plus 15 ist gleich 1 × 60 plus 5. aber erst durch die Nutzung von Tabellen als schnelles und praktikables schriftliches Berechnungsverfahren zu etablieren war. h. Auch bei der Multiplikation wurde analog unserem aus dem Dezimalsystem bekannten Verfahren vorgegangen. wie auch für andere Zahlen.40) und 1000 (geschrieben als 16. Auch diese entsprechenden Werte finden sich dann in Tabellen eingetragen. dass das Rechnen mit großen Zahlenwerten mit den entsprechenden Kalkulationsverfahren zwar vereinfacht ist. also 1 × 60 plus 1 summiert mit 3 × 60 plus 15 ist gleich 4 × 60 plus 16. sofern es einen Wert n gab. es folgte der Ausdruck für „nehme mal“ und darauf der Multiplikator. Zur Erleichterung der Berechnung wurden dabei Multiplikationstabellen verwendet.

zu Zahlen. Dabei ist die schriftliche Fixierung etwaiger Berechnungsverfahren selbst schon ein wesentlicher Schritt der Entwicklung. Wir müssen aus diesen sehr sparsamen Funden eine Entwicklung rekonstruieren. die nun. benannt sind. so reicht es nunmehr zu. In der Fixierung im Medium Schrift löst sich das Berechnen zusehends von den Beschränkungen einer nur abzählenden Mathematik. dass verbunden mit der Darstellung der Zahlen auch Verfahren fixiert sind. das Abzählbare in einem eigenen Zahlenraum fasst. wird berechenbar. das uns nur punktuell. durch die zufälligen für uns verfügbaren archäologischen Funde deutlich gemacht ist. Deutlich wurde das schon am Zahlsystem der Sumerer. die derart zu beschreiben sind und in denen damit auch unvorstellbar große Werte. Damit wird viel mehr an Regularitäten darstellbar. wird zu einer Größe. Lösungen für etwaige Probleme zu notieren und an andere zu vermitteln sowie detaillierte Anweisungen auszuarbeiten und als Standard für die weitere Unterrichtung an verschiedenen Orten und über längere Zeiträume explizit festzuschreiben. wie oben demonstriert. datieren können. Dabei aber – und deswegen sind diese Notation und die mit ihr verbundenen schriftlichen Berechnungsverfahren hier breiter dargestellt – bildet sich in dieser Notation zunächst eine Praxis ab. Die Schrift erlaubt es zudem. Positionsdaten zu notieren. Dadurch. schon an unseren Händen ablesbar waren. Wenn in Stonehenge Steine aufgerichtet wurden. Und vor allem sind über die Schrift festgehaltene Notationen auch an andere Orte zu vermitteln. wird der Zahlenraum merklich erweitert. So werden Werte. Das was zunächst nur als Mehr oder Weniger zu bezeichnen war. nach denen ihr Wert zu berechnen ist. wie mit diesen Zahlen umzugehen ist. die. ein ganzer Bereich von Größen verfügbar. da nunmehr nach der Notation Normierungen einwandfrei fixiert werden können. die Objekten zugeordnet sind. von deren konkreten Bestimmung abzusehen ist. Die Notationsverfahren werden dann kontinuierlich weiterentwickelt. sind nun aber mit den Regeln zu beschreiben. wird damit doch die Anwendung des Zählens deutlich erweitert und sind so dann auch etwaige langfristige Entwicklungen beschreibbar. verlangt nun nach eigenen Regeln. die nach diesem Verfahren aufeinander zu beziehen sind. Chr. . in dem diese Zahlen geordnet sind. in einer neuen Form weiterentwickelt werden kann. den wir etwa um 3000 v. All das. Und der Raum. Das Abzählen von Größen an der Hand wird so zu einem Exempel. sind das Resultat einer Entwicklung. was in dem Notationsverfahren darstellbar ist. Es sind dies die Potenzen von 60. Zudem sind mit dem schriftlichen Verfahren auch nicht direkt überschaubare Summen darstellbar. Auch diese unvorstellbar großen Werte. die gleichsam in einer skaleninvarianten Darstellung der ursprünglichen Notationen von 1–10 und 1–60. Dabei wird in der Fortschreibung der Darstellungstechnik. schriftlich fixiert. Ferner wird in der Schrift auch das Umgehen mit nicht unmittelbar einsichtigen Größen in neuer Weise handhabbar. die auch für die Zahlen im Anschauungsraum verfügbar sind. um Regelmäßigkeiten in der Bahn der Himmelskörper erfahrbar zu machen. Zum einen bedeutet er eine Vereinfachung des ursprünglichen Verfahrens. Doch schon dieser erste Schritt hat entscheidende Konsequenzen.40 3 Die asiatischen und afrikanischen Hochkulturen Diese Verfahren. in der nun die 60er Reihe wie die vormaligen ersten zehn Zahlen behandelt wird. Das ist ein sehr wesentlicher Schritt. die hier in vereinfachter Form vorgestellt werden. nach dem überhaupt Zahlen zu behandeln sind.

welchen Wert diese Brüche im Zahlensystem haben. was an diesen und wofür diese zu nutzen sind. Dabei ist es erlaubt. wie zu entsprechenden Brüchen zu gelangen ist. Dies sind zunächst die Zeichen und die damit beschriebene Zahlenreihe. es sind aber schon erste Funktionen. wie er seine Berechnung mit solchen etwaigen gebrochenen Zahlen weiter- . in der qua Konstruktion etwa Diagonalen durch Quadrate zu ziehen sind. Es gibt demnach also schon für die Sumerer unterschiedliche Gruppen von Zahlen. die im Weiteren ggf. wissen. Schließlich muss der Schreiber. Dabei erlaubt es dann die Tradition und deren schriftliche Fixierung. Die wichtigsten dieser Regeln sind Verfahrensregeln. Zahlen sind also schon im Zweistromland der Antike nicht gleich Zahlen. Dabei geben sie dann auch Alternativwege für die Fälle an. die zeigen. Die derart etablierten Verfahren werden tradiert. Die Mathematik. für die in den vorhandenen Darstellungspraktiken keine Lösungen formulierbar sind.3. dass die entstehende Mathematik an bestimmte vorgegebene Standards gebunden ist. sind demnach in jeweils unterschiedlichen Verfahren zu berechnen. erlauben es so. und die angeben. das. die sich wiederum in einer Zehnerserie fortschreiben. Wie dies etwa in den Regeln formuliert ist. wie damit umzugehen ist.1 Die Anfänge analytischen Denkens 41 Die hier erarbeiteten Verfahrensregeln werden so zu Vorschriften. in denen diese Regularien zu fassen sind. die beschreiben. sie haben unterschiedliche Eigenschaften. denn auch in Form der verfügbaren mathematischen Regeln berechnen zu lassen. auch Zahlenwerte zu benennen. folgt Regeln und arbeitet mit Regelbüchern. derart als Regeln formuliert. unsere Vorstellung aus dem Raum der direkt verfügbaren Anschauungen hinaus auf die Ebene rational zu rekonstruierender Regularitäten zu transformieren. in denen die Nutzung der Tabellen nicht weiterführt. Es sind dies ferner die Verfahrensregeln vom Umgang mit diesen Zahlen. ist. die eine bestimmte Ausdehnung haben. der mit entsprechenden Brüchen arbeitet. wie dann in einer Berechnung die vorhandenen Hilfsmittel in der rechten Weise einzusetzen sind. So werden die nach diesen Regeln gewonnenen Größen der zweiten 60er-Potenz wieder in Sechserreihen dargestellt. dass auch dies Größen sind. Sie erweitern sich und werden nun über die etablierten Verfahren von Subtraktion und Addition hinaus fortgeschrieben. die sich hier abbilden. wie etwa die negativen Zahlen. die im Raum real abzählbarer Zahlen nur bedingt eine Entsprechung haben. und mit denen zumindest implizit operiert wird. Worauf dann in einer erneuten Sechserstufung eine fast schon unvorstellbar große Zahl erreicht ist. Die Praktiken. Die entstehende Mathematik ist demnach ein kompliziertes Gefüge von Anweisungen und Anwendungen. deren Länge nicht mehr als abzählbare Vielfache der Seitenlinien solch eines Quadrates darstellbar sind. diese Verfahren festzuhalten und fortzuschreiben. nach denen auch außerhalb des Anschauungsraumes mit Zahlen umzugehen ist. oder auch Berechnungen von Zahlenwerten. dann auch kombiniert werden und es derart mehr und mehr erlauben. Es sind dies noch keine Formeln. und doch zeigt sich in einer geometrischen Darstellung. die sich aber – nach dem gewonnenen Verfahren – berechnen lässt. Sie schreiben demnach die Nutzung von Tabellen vor. was zu bemessen ist. und für die so alle an den einfachen berechenbaren Größen probierten Verfahren ebenfalls Gültigkeit haben. Was sich damit zeigt. die derart praktiziert wird.

Nun wissen wir nicht. kann mit ihnen gerechnet werden. So ließ sich. Vorgegeben sind hier verbindliche Regeln. in dem diese Tabellen verbindlich sind. sind nach diesem Verfahren dann Werte wohl schlicht abgemessen worden. ein . Sind die Bestimmungen hier eindeutig. das Handeln auf das Basis von Vermögenswerten. Dabei leitet ihn die Tabelle. sie ist vielmehr der formale Apparat. in der ein einzelner Fall beschrieben und für den einzelnen Fall eine Bewertung angegeben ist. ggf. in denen nicht nur der Warentransfer. ggf. Zahlenwerte bestimmt. dass es sich im Bereich der Mathematik in der Tat nicht einfach nur um die isolierte Entwicklung eines Formalismus. räumlich ausgedehnten Staatengebilde der späteren Entwicklungsphasen Mesopotamiens realisierbar. und so verbreitet sich mit diesen Tabellen eine bestimmte Form der Berechnung. Zum anderen. Berechnung und Rechtsprechung nutzen hier analoge Verfahren. nach denen Handlungen beschrieben und deren Effekte und Regulierung jeweils im Einzelnen ausgewiesen wurden. die bestimmten Warenwerten zugeordnet werden. Das zeigt. sind demnach Berechnungsverfahren etabliert und Umrechnungen. die sich ja. sondern auch die Sicherung von Finanzierungen. die sich in ihrer jeweilig analogen Gestaltung auseinander entwickeln lassen und sich so dann in eine Reihe einbinden lassen. in dem und mit dem sich das Denken vollzieht. ebenso wie die Regulierung des öffentlichen Umgehens der Mitglieder solch einer Gemeinschaft nicht mehr nur persönlich verhandelt werden musste. Extrapolationen und Wertzuordnungen standardisiert. das Verleihen und der Transfer von Kapital möglich. Schlüssig ist aber. die diese Art der Operation weiter vereinfacht. Formuliert sind Tabellen. Hier scheinen sich die Denkformen im Bereich des Mathematischen und in der Rechtsschrift zu entsprechen. Funktionen in Operationsfolgen handhabbar macht und die Resultate.42 3 Die asiatischen und afrikanischen Hochkulturen führen kann. auch für den Umgang mit gebrochenen Zahlen gelten. Dargestellt ist in diesen Tafeln eine Kasuistik rechtlicher Regelungen. Für den Bereich. sondern um einen Schritt in der Entwicklung von Denkformen insgesamt handelt. wie demonstriert.und kontrollierbar blieb. die auch nach dem Einsatz komplexerer Funktionen zu erwarten sind. Vielmehr sind es Reihungen von Verfahrensschritten. sondern in denen über große Distanzen. über die Hammurapi die Rechtsprechung in seinem Herrschaftsbereich standardisiert. Dort. für etwaige Näherungswerte. Damit wäre dann auch der spätere Zahlenraum der Babylonier analog den Zahlzeichen der Sumerer verstanden. vorgibt. die wir heute als bloße Tabelle verstehen. Damit wird auch ein großräumiger Handel ohne direkten Warenaustausch. wie diese Tabellen entstanden sind und wie sich Näherungswerte etablierten. wird er – auch bei Nutzung von Näherungswerten – immer reproduzierbare Ergebnisse und damit Verbindlichkeit erreichen. Derart sind dann für Babylon Multiplikationen nicht einfach nur das Resultat einer bestimmten Kombination von Variablen. Damit sind denn auch überhaupt erst die komplexen. und das mag für Maßzahlen. ebenfalls als Fortschreibung einer einfachen Kombinationsregel beschreiben lassen. wo diese Tabellen vorliegen. sogar über längere Zeiträume bewert. Die Berechnungstabelle ist demnach nicht einfach nur Hilfsmittel einer ansonsten schon analytisch durchdrungenen Mathematik. zum einen die einfache Umsetzung eines bestimmten Zählmechanismus zu vermuten. Diese Art einer Regulierung von Einzelhandlungen finden wir auch in dem Gesetzeswerk von Hammurapi.

Das Gebiet Babylons erstreckte sich demnach gegen Ende seiner Regierung vom Persischen Golf und dem Zagros-Gebirge bis zum Euphratbogen. Es ist allerdings auch nicht geklärt. Die entsprechende daraus zu folgernde Bemaßung ist durch die Notation etabliert und wird in verschiedenen Kulturbereichen angewandt. für den zuzuordnende Zahlwerte registriert waren. die neben einem Prolog 282 Gesetzesparagraphen und einen Epilog umfasst. 1902 wurde eine Dioritstele mit diesem Gesetzestext in Susa gefunden. nach denen sich die Zahlenwerte entwickeln und nach denen diese sich kombinieren lassen. die von dort wahrscheinlich von einem Eroberer aus einer babylonischen Stadt verschleppt worden war. ggf. Diese beiden Werke sind aber nur in Fragmenten erhalten. wie mit jedem anderen Wert. an andere Traditionen gebundenen Kulturraum. die 300 bzw. Und in der Tat ergaben sich hier in der Konfrontation der mesopotamischen und der ägyptischen Mathematik Schwierigkeiten. Codex des Hammurapi Hammurapi wurde 1792 der sechste Herrscher von Babylon. Damit war die altbabylonische Epoche Mesopotamiens beendet. Schon während der Regierungszeit seines Sohnes kam es allerdings zu Unruhen in Südmesopotamien. Im Prolog des Codex Hammurapi werden denn auch Assur und Ninive als dem Herrschaftsbereich Hammurapis eingegliederte Städte genannt. Demnach ist diese Art des Berechnens dann auch sehr bald über die Tradition begründet. wobei er Larsa in seinen Herrschaftsbereich integrierte und auch gegen Assur siegreich blieb. Entsprechend waren die jeweiligen Maßzahlen als Elemente eines Korpus möglicher Berechnungsteilfunktionen erfasst. welchen Verbindlichkeitsgrad der Codex Hammurapi zu seiner Zeit besaß. Bekannt sind zwei ältere ähnlich lautende Gesetzestafeln.1 Die Anfänge analytischen Denkens 43 Hohlmaß mit bekannten Seitenlängen und bekannter Grundfläche ausmessen. so dass sich alle entsprechenden Operationen im kultischen. Erhalten blieb mit dem Codex Hammurapi die älteste vollständig erhaltene Rechtssammlung. 150 Jahre vor Hammurapis Zusammenstellung verfasst wurden. Unter seiner Herrschaft dehnte sich der Herrschaftsbereich Babylons nach Norden aus. ökonomischen und sozialen Bereich zusehends auf diese Standards hin ausrichten. mit denen dann allerdings – wie wir sehen werden – innerhalb der jeweiligen Kulturen schlicht pragmatisch umgegangen wurde. Mari und Assyrien war. dass die . Insoweit benötigt diese Art des Berechnens keine Axiome und auch keine Beweisverfahren. die neu erscheinenden Kassiten drangen zeitgleich mit den Hethitern gegen Babylon vor und konnten schließlich die Hammurapi-Dynastie ablösen. Deutlich ist aber. konnte mit diesen Maßverhältnissen in der gleichen Art umgegangen werden. Einmal gefunden. Es ist schlicht ein Korpus von Regeln aufgestellt. Diese Form des Mathematischen ist demnach Teil einer Kultur. das zu Beginn seiner Herrschaft ein Staat neben einer Reihe anderer mesopotamischer Stadtstaaten wie Larsa. zu vermitteln sein.3. und sie wird als solche Kulturtechnik dann auch nur bedingt in einen anderen. Der erhaltene Wert lässt sich in die Tabelle möglicher mathematischer Einzelaussagen einschreiben.

Leipzig 1904. . Nunmehr: 1. so soll er Ochsen für Ochsen dem Eigentümer ersetzen. 9. 246. so soll sein Bezichtiger sein Haus in Besitz nehmen.. 4 Nach: Die Gesetze Hammurabis in Umschrift und Übersetzung von Hugo Winckler. 69 f. derjenige. 248. S. die in einer Liste aufgereiht jeweils konkrete Urteilsorientierungen an die Hand geben. die Aussage die er gemacht hat. Wenn jemand einen anderen bezichtigt und die Bezichtigung gegen ihn (vor Gericht) aussagt. getötet werden. wenn der Fluß jenen für unschuldig erweist. Wenn jemand einen Ochsen mietet und bricht ihm ein Bein oder zerschmettert ihm das Nackenband. er oben schwimmt. Interessant in unserem Kontext ist vor allem aber die kasuistische Darstellung einzelner Rechtssituationen. Ausschnitte des Codex Hammurapi . das Haus seines Bezichtigers in Besitz nehmen. so soll der Mieter bei Gott schwören und schuldlos sein. S. S. der in den Fluß gesprungen ist. dem Zauberei vorgeworfen wird. so soll dieser Mensch getötet werden. so soll der der ihm Zauberei vorgeworfen hat. so soll er Silber 1/4 seines Preises zahlen. mich entsandte. Wenn jemand einen Ochsen mietet und ihm ein Auge ausschlägt. Wenn jemand in einem Prozesse zu belastendem Zeugnis auftritt. 245. . so soll er Ochsen für Ochsen dem Eigentümer ersetzen 247. Wenn jemand einen Ochsen mietet und Gott (ein Zufall) ihn schlägt. . habe ich Recht und Gerechtigkeit in den Mund des Landes gelegt.. aber ihn nicht überführt. Wenn jemand einen Ochsen mietet und ihm ein Horn abbricht. so soll derjenige. . so soll er die Hälfte seines Preises dem Eigentümer geben. zum Flusse gehen und in den Fluß springen – wenn der Fluß ihn ergreift. den Schwanz abschneidet oder die Maulteile (Nüstern) beschädigt.44 3 Die asiatischen und afrikanischen Hochkulturen hier formulierten Strafen gegenüber den bekannten früheren Fragmenten deutlich moderater sind. dem Lande Recht zu verkünden. nicht beweist: wenn jener Prozeß ein „Prozeß ums Leben“ Ist. er stirbt. das Wohlbefinden der Einwohner geschaffen. 2. 249. Wenn jemand gegen einen andern Zauberei (vor Gericht) aussagt. 3. ihn aber nicht überführt. Als Marduk zu regieren die Menschen. Wenn jemand einen Ochsen mietet und ihn durch Vernachlässigung oder Schläge tötet. 67. so soll sein Bezichtiger getötet werden.

Betrügereien macht. Wenn im Stalle ein Schlag von Gott sich ereignet. so soll der Hirt den Fehler des Schadens. . Wenn der Hirte nachlässig ist. Damit gewinnt diese Mathematik. in denen nachzuschauen wäre. nicht nur einfach kulturelle Bedeutung. der seinen Lohn wie festgesetzt erhalten hat und befriedigt worden ist. Dies vermittelt auch die Hintergründe einer Praxis. und ihrem Eigentümer geben. Dabei haben wir diese erste Astrologie nun nicht einfach nur als . 266. die sich in einer bestimmten Hinsicht zueinander verhalten und die dann auch über die Operationen. Sie zeigt. die schon in der bloßen Zusammenführung von Reihen etwas Eigenes sieht. was er gestohlen hat an Rindern und Kleinvieh. und wie sie zu kombinieren sind. ihrem Eigentümer ersetzen.oder auch unterschreitet. erlaubt es nun. Wenn er das Rind oder ein Schaf. Schaf für Schaf ihrem Eigentümer ersetzen. und hier Bedeutungen aufzufinden sucht. dass es gesicherte Regelwerke sind. Wir nennen diesen Bereich später Astrologie. den natürlichen Zuwachs fälscht oder für Geld verkauft.. dass mit diesen Regeln auch im Nichtvorstellbaren Strukturen zu finden sind. oder ein Löwe würgt.1 Die Anfänge analytischen Denkens 45 250. Deutlich wird damit zugleich. das Rindvieh oder das Kleinvieh vermindert. wenn ein Ochse beim Gehen auf der Straße (Markt) jemand stößt und tötet. wie mit solchen Größen umzugehen. dass diese nach Regeln funktionierende Mathematik nicht einfach nur abzählt. Entsprechend sind nun auch in der Astronomie Größenordnungen behandelbar. soll er nach dem Wortlaute seiner Abmachung Zuwachs und Ertrag liefern. Das gilt auch dann. die mit ihnen vollzogen werden. soll er Rind für Rind. Die Tatsache. mit den so erhaltenen Standards in den verschiedenen Bereichen dieser Kultur zu rechnen. 267. zu beschreiben sind. Sie kennt Maße. dem Rindvieh oder Kleinvieh zum weiden übergeben worden ist. so soll der Hirte vor Gott sich reinigen und das im Stalle Umgekommene dessen Eigentümer ihm (wieder) stellen. so soll diese Rechtsfrage keinen Anspruch bieten. so soll man ihn überführen und 10-fach soll er. 264. 263. die schon in ihrer schieren Größe in eine neue Dimension führen. an Rindern oder Kleinvieh herstellen (ersetzen). wenn ihre Größe den Vorstellungsraum über. den er im Stalle verursacht hat. die in der Tat auch numerisch in kosmische Dimensionen hinein. im Stalle einen Schaden macht.. zugrunde richtet. Wenn ein Hirt. Wenn ein Hirt. 265. den Zuwachs (durch Geburten) kleiner macht. die ihm gegeben worden sind. Das erklärt die Bedeutung einer Suche nach Konstellationen. insbesondere in der Darstellung von Zeitperioden.3.und demnach aus der einsichtigen Welt hinausführen. dem Rinder und Kleinvieh zum Weiden übergeben worden sind.

in dem einzelne Veränderungen der Welt als Resultat von einsehbaren Wirkzusammenhängen beschrieben werden können. Es ist eine tradierte Praxis. entsprechend ist dann Y YY >> << YY also (3 × 602 = 10. den Bemessungen und Periodisierungen wird der derart neu begriffene Kosmos auch über den Jahresrhythmus hinaus beschreibbar. wird demnach also. Derart gewinnt sich denn auch ein Weltbild. die in der Geometrie demonstrierbare Teilung eines Quadrates in zwei Dreiecke mit Strecken verbunden. abzählbaren Größen darstellen.46 3 Die asiatischen und afrikanischen Hochkulturen die Fortführung magischer Traditionen zu beschreiben. das Zeichen . aber es ist ein in neuer Form strukturierter Kosmos. 4 × 10. aber zumindest weit über die Lebensspanne des Einzelnen hinausführenden Reihe mögliche Konstellationen binden. die sich in Zahlen auszudrücken vermag. Die Diagonale durch ein Quadrat mit der Seitenlänge „eins“ lässt sich nicht mehr in einfachen. 5 × 1. der hier beschworen wird. 60. möglich. bedeuten dazu gibt es dann noch ein „<“ als Zeichen für10.822. sowie ein Zeichen „>>“ für den Wert Null in einer bestimmten Potenz. Damit ist die Vielfalt als Variation einer Grundregel zu fassen. das analytisch begriffen ist. die in den hier möglichen Fortschreibungen beobachteter Zusammenhänge. in Babylon ist nun nicht die 10. sondern die 60 die Grundzahl. wie wir noch sehen werden. Womit sich dann auch das. Das mesopotamische Sexagesimalsystem Im Zehnersystem schreiben wir 845 = 8 × 100. in einer nahezu ins Unendliche. Die einzelnen Beobachtungen. Es ist noch keine rational strukturierte Welt. zusehends stärker reflektierende Weltsicht. die nicht mehr einfach auszumessen sind. je nach Position. Sind doch in den so gewonnen Maßzahlen. Diese Art der Darstellung von Zuordnungsfolgen folgt nicht einfach nur vorgegebenen Regeln. Dieser Schritt. 1. Er löst sich in die in diesen darzustellenden Funktionen auf. 603 . das Viele auf die Zahl und mit der Zahl in Regeln zu bringen. das macht insgesamt – in unserer Notation: 10. 602 . die Volumina einer Pyramide . in denen sich Einzelheiten als Besonderungen von Wirkzusammenhängen verstehen lassen. was derart zu bemessen ist. das es nun aber dennoch zu bemessen gilt. in der eine Vielfalt von Zuordnungen in einfachen Funktionen darzustellen ist. über die dann die entsprechenden Beziehungen dann in Zahlenwerte umgesetzt werden. die nur mehr als Funktionen auszudrücken sind. Vielmehr macht diese Art der beschreibung. der es erlaubt. in neuer Weise darstellt. Dabei ist dann auch die Zahl nicht etwas. Hier konturiert sich vielmehr in der neuen Art der auf Permutationen und Reihungen bauenden Berechnung von Perioden in den Abläufen des Kosmischen eine sich. die hier aufscheint.800) plus (0 × 60 = 0) plus (2 × 10 = 20) plus (2 × 1 = 2). Es ist damit aber etwas konstruiert. sondern in einer Folge von Konstellationen beschrieben. Dieser wird dann auch nicht einfach als Ganzes erfahren. Schließlich ist auch schon das Anschauliche. gewinnen eine eigene Bedeutung. in dem sich nunmehr in neuer Form messen lässt. ein eingeübtes Umgehen mit den Verfahren. wird durch das mathematische Denken befördert. Texturen wahrzunehmen. In den Zahlenreihen. Darauf kommen wir noch zurück.

mit der die Diagonale darzustellen ist. Allerdings wissen wir um die Verfahren der heutigen Schamanen und wir kennen Lehrtexte aus dem alten Babylon. die die Anwendung dieser Regeln festlegen. und bleibt für andere ohne genaue Werte.1 Die Anfänge analytischen Denkens 47 ebenso darzustellen wie die Dimensionen eines Bewässerungsgrabens. b. mit der die einfache Länge als Bezugsgröße auf die umgebenden. mit denen in solch einem Falle zu rechnen wäre. etwa als Hohlmaß. Was wir beschreiben können. dass diese altbabylonische Mathematik denn auch wie dargestellt. ist dabei wir folgt angesetzt: Der Umfang eines Kreises entspricht dem Produkt aus dem Durchmesser mal dem Faktor 3. Wir müssen also eine Operation formulieren. wie die Schreiber in ihrer Ausbildung an die Mathematik herangeführt wurden. keine Formeln. die als Texte geschrieben sind. eine rein operativ strukturierte Mathematik war. sondern eben auch im Versuch.3. Für diese aber gibt die Tabelle Näherungswerte an. Es erlaubt nur bestimmte Kombinationen von Größen. fixiert werden. Schon die Diagonale in einem Quadrat lässt sich nicht einfach in natürlichen Zahlen darstellen. dieser wird in einem Näherungsverfahren bestimmt. sondern in Form von Regelwerken. Wie wird nun das Volumen eines Körpers. in dem es für jede dieser hier möglichen numerisch bemessbaren Beziehungen die Umrechnungsformel gibt. d ist die Transversale x – in unserer Notation – als Wurzel des Produktes von (a + b ) durch 2 anzusetzen. Ähnliches gilt für den Umfang eines Kreises. in denen die Werte eingetragen wurden. Die Formel. die uns an diese Zeit wirklich heranführen. die dann auch für alle in diesem Kulturkreis Tätigen verbindlich sind. sind Aufgabentexte. die selbst im Bereich des Anschaulichen nicht zu bemessen sind. Und genau dies vermag das Regelwerk der Altbabylonier. Nun lässt sich all dies hier leicht formulieren. Von daher ist offenkundig. Mit diesen Verfahren sind Flächen auszuweisen. All dies sind Standardisierungen die nicht in Formeln. die in einer nicht abzählbaren Bestimmung zueinander im Verhältnis stehen. Dabei fehlen uns in den Darstellungen der Verfahrensregeln des alten Babylon Beweise. Das gilt nicht nur im Großen. die zeigen. wenn für eine etwaige hier anzusetzende Rechnung Tabellen vorzuweisen sind. sie bestimmenden Größen bezogen und aus den für sie bekannten Maßen abgeleitet wird. Dies geschah in eben der hier skizzierten Weise. das Anschauliche im Kleinen auf die Zahl zu bringen. der Umfang wird zum Quadrat erhoben und dann mit dem Wert 0 . die solche Verfahren beschreiben. da wir kaum Quellen haben. In einem Viereck mit den Seiten a. 6 (in babylonischer Notation) malgenommen. Zunächst wird der Umfang eines Körpers berechnet. Demnach können sich hierin auch alle auf die vorgegebenen Näherungen in der gleichen Weise beziehen und entsprechend von etwaig erhaltenen Werten auch auf die Ausgangswerte rückrechnen. Das babylonische Verfahren ist dabei in der Herleitung der Berechnung kompliziert. Dabei erlauben es die in diesen Regeln fixierten Operationen so – wie dargestellt – eben auch mit Werten umzugehen. Die Tabelle und die in ihr formulierten Regeln machen auch das nicht mehr Anschauliche bemessbar. Schließlich finden sich in den babylonischen Texten. Der auch analytische Umgang mit dem derart Unbestimmten wird nun für diese Kultur dann unproblematisch. . sind allenfalls Regeln. Was wir finden. die zur Berechnung gewonnen wird. c. berechnet? Hierzu gibt es in Babylon das folgende Verfahren.

yale. 6 . wo wir heute eine Formel ansetzen. wie mit numerischen Werten umzugehen ist..48 3 Die asiatischen und afrikanischen Hochkulturen Diese erläutern im Aufbau ihrer Sätze eine Handlungspraxis und beschreiben. M. um einen Wert bei vorgegebenen Faktoren zu berechnen. ggf.24 m) Beschreiben wir nun einmal eine altbabylonische Rechenaufgabe:7 Vorgegeben ist ein Rauminhalt. etwa: <http://nelc. Jedem seine Wahrheit: Die Mathematik in Ägypten und Mesopotamien. vgl. damit ist das Volumen umgerechnet auf: Nidan mal Nidan mal Elle. Hg. Dargestellt wird also. Auch hierfür ist zu multiplizieren.24 m und ist unterteilt in 12 Ellen. dieser entspricht dem Rauminhalt eines Zylinders mit einer bekannten Höhe. Hierzu hat man in einer bestimmten Weise vorzugehen. die Werte sind dabei ebenso verbindlich wie die Verfahren. Elemente einer Geschichte der Wissenschaften. Das heißt. Frankfurt 1994. Nun ist dieser Wert in das für das Getreide gängige Hohlmaß zu übersetzen. dass und wie man einen Wert nach einem bestimmten Verfahren berechnet. Wie komme ich nun an den Wert vom Umfang dieses Zylinders? Vorgegeben ist ein Volumen d und eine Tiefe x. in sehr kurzer Form. die Erhebung des Umfanges zum Quadrat (in Nidan) und dann die Multiplikation dieses Ergebnisses mit 0 . Bei der Berechnung von speziellen Werten explizieren sie dann keinen Algorithmus. 5 (das entspricht 5/60 also 1/12). 5 Zu entsprechenden Abb. die absolute Größe ist allerdings variabel. muss ich das Verfahren der Volumenberechnung umkehren. 7 Angelehnt an J. nach denen diese zu nutzen sind. Dort. S. 5) eines Nidan.5 Babylonische Maße • Gewichtsmaße6 – 1 gú – Talent – 60 ma-na – 1 ma-na – Mine – 60 gin (etwa 1 Pfund) – 1 gin – Schekel – 1 ma-na-tur – kleine Mine – etwa 1/3 gin – 1 gin-tur – 1/60 gin – 1 ^Se – Gerstenkorn – 1/180 gin • Längenmaße – 1 U^S – 60 Nidan – 1 Nidan – 12 ellen (etwa 6. Ritter. Serres. auch die Verfügbarkeit von Tabellen grenzt die Verfahren ein. sondern verweisen auf Tabellen. Entsprechend wird das Berechnungsverfahren in Form einer Gebrauchsanweisung für die richtige Anwendung der verschiedenen zur Verfügung stehenden Tabellen formuliert. findet sich in der babylonischen Tafel der Hinweis: Nutze hier Tabelle x und sieh für die zu berechnenden Faktoren den qua Tabelle ermittelten Wert nach. dies entspricht etwa 6. sie läuft über die Darstellung des Umfanges. Nun ist im babylonischen Kalkül die Grundflächenberechnung nicht direkt möglich. entsprechend hat also eine Elle den Wert von 1/12 (notiert als 0 . in.edu/babylonian-collection>. Wir sind im Sechsersystem. Um die Aufgabe zu lösen. 73–107. Dieses geht wie folgt: Die Babylonier rechnen mit dem Längenmaß Nidan. Hierbei liegen die Größen der Maße zueinander fest.

dass die Aufgabe in Unterschritte geteilt ist. Wobei hier in den babylonischen Texten. Multipliziere 2 mit 1 sila. etwa 8 Ebd. Damit erhält man das Maß der Grundfläche. Rechne 1 6 40 um.3. dann erhalte ich dem Umfang. Berechne seine Wurzel. Dann ist durch die Höhe (in Ellen) zu teilen. . Multipliziere 2 mit 4 30. dem (Inhalt in) Getreide. Multipliziere 10 mit 12. 97–98. erfordert also eine strukturelle Vorgabe und ist mit dieser verknüpft. Nimm ein Drittel von 3. 12 ergibt es. So ist das Verfahren. Finde das Reziproke von 13 20. James Ritter publizierte zu dieser hier skizzierten Aufgabe folgende Übersetzung:8 Wenn sein sila der (Inhalt des Hohlmasses in) Getreide ist und 1 6 40 meine Tiefe. Die einzelnen Schritte sind dabei derart beschrieben. Nun ist dies Verfahren der Ermittlung von Durchmesser und Umfang eines Hohlmasses bei gegebenem Volumen und gegebener Höhe nicht einfach die Umkehrung des Verfahrens zur Volumenberechnung. und nutzt bei der Umrechnung zudem auch Konstanten. Es lässt sich nicht einfach variieren. die Darstellung ist kasuistisch. Wobei die Berechnung der Werte immer exemplarisch angegeben wird. auf 9 beläuft es sich. Aufgeschrieben werden in den Texten allerdings die vorgegebenen Größen und die jeweils erhaltenen Zahlenwerte. 10 ergibt es. Insoweit nutzte man in diesem komplizierten Verfahren einerseits die für die jeweilige Aufgabenstellung gegebenen Größen. 13 20 ergibt es. mit denen man weiterarbeitet. Behalte es.1 Die Anfänge analytischen Denkens 49 Damit ist dann das Volumen berechnet. der sich in dieser Weise darstellen lässt. auf 4 30 beläuft es sich. 3 ist der Umfang des Maßes. die verfügbaren Tabellen zu nutzen. die vorhandenen Verfahren in standardisierter Form anzuwenden. indem etwa neu angelegte Tabellen verfügbar gemacht werden. Im umgekehrten Verfahren muss ich also mehrfach teilen und einmal die Quadratwurzel ziehen. 3 ergibt sie. wird dieser gedrittelt. 2 ergibt es. Drehe ich das Verfahren um. die es jeweils erlauben. Gelehrt wird hier eine Kulturtechnik. Es ist aber eingegrenzt auf den Zahlenraum. für deren Kehrwerte nur Näherungswerte zu finden sind. Finde das Reziproke von 5 (der Umrechnungskonstante für den) Kreis. 2 ergibt es. Das heißt. Das wird dann für die Zahlen. ein Regelwerk. es lässt sich allerdings erweitern. ist doch für die Division nach babylonischer Rechenvorschrift der zu teilende Wert mit dem Kehrwert des Teilers zu multiplizieren. Das Verfahren ist kompliziert. 1 als Durchmesser kommt heraus. nicht aber Formeln formuliert sind. ist nach babylonischen Vorgaben auch der Durchmesser bestimmt. das es erlaubt. für die Konstanten keine Zahlen aufgeschrieben sind. erhält dann jeweils errechnete Größen.. Damit ist dieses Verfahren konservativ. sondern vielmehr die anzuwendenden Verfahren ausgewiesen sind. Dabei ist das Verfahren zugleich auch an den übermittelten Korpus von Tabellen gebunden. Hier ist nun die Quadratwurzel zu ziehen. S. wie viel sind sein Durchmesser und sein Umfang. Finde das Reziproke von 6 (der Umrechnungskonstante des) Getreidemaß. erst ist für einen Teiler der Kehrwert festzustellen (respektive der entsprechende tabellarisch vorgegebene Näherungswert einzusetzen). damit ist der Wert für den Umfang ermittelt. die solche Aufgabe formulieren. darauf ist der entsprechende Kehrwert mit dem Quotienten zu multiplizieren. so ist zunächst das Getreidemaß wieder auf das Volumenmaß Nidan mal Nidan mal Elle zurückzurechnen.

Tabellen. dass er sich zu einem zweiten Wert. Die mathematischen Verfahren sind an diese Festlegungen gebunden. als dies die Babylonier tun. wo es notwendig ist.5. die Differenz zu anderen Zahlen nach verschiedenen Verfahren abzubilden. Es gibt in Ägypten allgemeine Regeln zum Umgang mit Brüchen. auch über beide Verfahren berechnet werden konnte. wenn dieses gedacht werden kann. 9 Das Problem sind nun unterschiedliche Notationen. und der demnach in sich als Zahl zu bestimmen ist. wenn solches in den Blick kommt. . Schließlich entwickelten sich hier parallel zueinander Verfahren. Das ist ein wenig abstrakt.50 3 Die asiatischen und afrikanischen Hochkulturen für Primzahlen oder – wir sind im Sexagesimalsystem – für die Potenzen von 7 problematisch. So gibt es in Ägypten – erwachsen aus einer eigenen Tradition.html%20?page=9 <30. Auch die Ägypter nutzen Tabellen. verschiedene Verfahren abzugleichen. für verschiedene Verfahren stehen.org/babylon/index. so etwa in der Berechnung von Brüchen. In dem Moment. für ein etwaiges 1/7 einer vorgegebenen Zahl sind aber nur Näherungswerte möglich. die wir noch kurz betrachten werden – eigene. über die sich die Berechnungen auch verschiedener Personen standardisieren. und dieser Wert so in verschiedenen Tabellen auftritt und nach unterschiedlich ausgerichteten Tabellen berechnet wird. vgl. so verhält. sondern die schlicht mit anderen Zahlenwerten und anderen Zahlenreihen arbeiten. Die verwandten Verfahren und die darauf aufbauend erstellten Tabellen sind aber anders organisiert als die entsprechenden Tabellen in Mesopotamien. Schließlich sind Divisionen nur nach dem Reziprokenverfahren möglich.2013>. Über ihn werden dann auch unterschiedliche Verfahren aufeinander bezogen. die ihre Berechnungen in unterschiedlicher Weise vornahmen und nun im Handelsaustausch miteinander vermittelt werden mussten. Allerdings benötigt man in Babylon für beides. bedeutet das. 3. Für die Kehrwerte der entsprechenden Zahlen werden dann Näherungswerte eingeführt. Demnach finden sich Lücken im berechenbaren Zahlenraum. http://museumofmoney. der ggf. in denen ich bestimmte Operationen vollziehe. wird der Wert. Die Verfahren werden entsprechend mit dem tabellarischen Apparat tradiert und nicht bewiesen. Jahrtausend in der Konfrontation des ägyptischen und des babylonischen Berechnungsverfahrens. wird die Kulturtechnik mathematischer Verfahren in der Tat zur Mathematik. Unschön dabei ist zudem. der erhalten wird. dass der Zahlenraum des Reziprokenverfahrens mit dem Zahlenraum des Multiplikationsverfahrens nicht einfach in Deckung zu bringen ist: Mit dem Siebenfachen einer Zahl lässt sich in Babylon arbeiten. wenn dies so ist. der nunmehr ggf. Kubikzahltabellen und Kubikwurzeltabellen (Abb.7). auch erlaubt. Quadratzahl-Tabellen. 3. aber dann. Dies ist aber nicht für alle Zahlen anwendbar. Dann.4. um zu rechnen. die sich nicht einfach nur von den babylonischen Verfahren im Umgang mit Brüchen unterscheiden. Es finden sich hier also in Ägypten und Babylon je speziel9 Zu Abb. Rechenoperationen vollziehen sich nach den Tabellen und entsprechend gibt es in Babylon: Multiplikations-Tabellen. dann ist aus dem abzulesenden Wert einer Zahl ein Funktionswert gewonnen. Dann. Dies passiert in der Antike im 2. Multiplikation wie die Bildung der Reziproken. dass er die nach beiden Verfahren möglichen Differenzen in einer dennoch eindeutigen Relation abbildet. von den hier vorgestellten unterschiedene Aufgabenstellungen und eigene Lösungseingrenzungen.

. Bestimmte Relationen. entsprechend den verwandten Kulturtechniken.5 Altbabylonische Quadartwurzeltafel. die es erlauben.1 Die Anfänge analytischen Denkens 51 Abb. die jeweils vorhandenen Tabellen zu nutzen: Sucht man nach Zahlen. dass die jeweils eigenen. nur bedingt ineinander abbildbar. so sind diese Zahlen in den beiden Kulturen. etwa weil die Ägypter nur in engen Grenzen mit gebrochenen Zahlen operieren können. So wird in Ex. Pragmatisch lässt sich dieses Problem durch Aushandeln von Umrechnungstabellen lösen. tradierten Kulturtechniken keineswegs automatisch allgemeine Gültigkeit reklamieren können. von denen das Produkt und die Summe (oder Differenz) gegeben ist. zu erkennen. Für die jeweilige Kultur bleibt jedoch der Schock.und Importen zwischen diesen Bereichen nicht nur in den verschiedenen Maßsystemen. sondern auch nach verschiedenen Berechnungssystemen berechnet. 3. HilprechtSammlung Jena le Verfahrensregeln. um die Differenz zweier Termini zu berechnen. Für verschiedene Werte finden sich in den beiden Berechnungssystemen keine Entsprechungen. die in einem System abzubilden waren. Und dies gilt auch umgekehrt. lassen sich nicht in das andere System übertragen.3.

. Der gerechte Nanibgal. (die Göttin) Nisaba haben mir großzügig Weisheit und Verstand gegeben . so dass jeweils eine der Berechnungen als Probe für die 10 Ebd. Ebd. Unter den Jungen verstand es keiner so gut wie ich eine Tafel zu schreiben . . Viereck. 6 mit der Spitze herabgerutscht. die die Umrechnung von Flächen in verschiedene Maße beschreiben. lernte ich auf den Tafeln von Sumer und Akkad die Kunst des Schreibens.11 Erleichtert wird solch ein exemplifizierendes Denken durch die Anlage sogenannter Serientexte. Ich kann perfekt subtrahieren und addieren. nutzen diesen Satz zur Problemlösung: Ein Balken(?) von der Länge 0 .. Sie zeigen neben der hochentwickelten Rechentechnik auch geometrische Verfahren. . Um 2000 vor Chr. in denen Volumenberechnungen von Bauwerken dargestellt sind. das ist das Verfahren. stehen neben Texten mit einer algebraischen Aufgabenstellung. demnach der Winkel am Kreis über einem Durchmesser ein rechter ist. 10 Hier ist in der Tat die Mathematik noch unbestritten eine königliche Wissenschaft. 135. der zeigt. . Bd. steht] ist um 0 . Besonders interessant aber ist ein 1936 in Susa aufgefundener altbabylonischer Keilschrifttext. S. dass der Satz des Thales. 12 H. sind uns dann Aufgabentexte des oben besprochenen Typs verfügbar. sondern immer wieder nur Aufgaben.52 3 Die asiatischen und afrikanischen Hochkulturen Dabei war Mathematik im Zweistromland keineswegs eine untergeordnete Tätigkeit. 98. Der Wert für π wird mit 3. teilweise aber auch mit 3 1/8 als Näherungswert angegeben. 77.. S. dass bestimmte Verhältnisbeziehungen der Seiten am Dreieck und Einsicht in die Beziehung zwischen Winkel und der Höhe des Dreiecks erkannt waren. Berlin. Aufgaben. dass nach diesem Modell dann auch andere Zahlen eingesetzt werden können – So schließt eine entsprechende Darstellung mit der Floskel: . Allerdings finden wir keine explizite Darstellung dieses oder ähnlicher Sätze. In einzelnen Fällen scheinen dabei aber auch Berechnungen solch einer Aufgabenstellung direkt einander zugeordnet zu sein. 30 [der gegen eine Mauer oder ähnl. ein König der dritten Dynastie von Ur: Als ich ein Kind war und zur Schule ging. Dabei zeigen altbabylonische Texte zur Geometrie in ihren Konstruktionen. bei einigen regelmäßigen Polygonen und beim Kreis. Schon aus der Zeit um 2500 vor Chr. dass die Größenbeziehungen. S. schreibt Sulgi. wobei auch hier die exemplarische Darstellung charakteristisch ist. 1. in denen einzelne Problemstellungen mit variierenden Faktoren durchgespielt werden. . kennen wir Tontafeln. Aufgaben wie sie der altbabylonische Text BM 85 196 formuliert. schon in Babylon bekannt war. die aber in ihrem Lösungsversuch die Kenntnis der benannten Sätze voraussetzen. . Heidelberg 2009. Wussing. 6000 Jahre Mathematik. die der Satz des Pythagoras ausweist. Um 1800 vor Chr. auch schon in Mesopotamien bekannt waren. wobei die Texte so formuliert sind. Wie weit hat sich das untere Ende von der Wand entfernt?12 Dabei wird auch deutlich. Nun beschränkt sich Mathematik in Babylon aber nicht einfach auf Berechnungsverfahren. Vorgestellt werden dabei Verfahren anhand einer konkreten numerischen Lösung. Dabei beherrschten die Babylonier die grundlegenden Maßbeziehungen bei Dreieck. 11 . bin darin geübt zu rechnen und Berechnungen auszuführen.

die dann der eingebundene Text wieder auf konkrete Größenordnungen zurückbezieht (Abb. Die damit gewonnene Abstraktion kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. dass weit hinaus über das. von der bloß tabellarisch geleiteten. Aussagen. sondern hier – in der Darstellung geometrischer Größen – von der konkreten numerischen Situation abstrahiert wird und die Verfahren sich zugleich in Form der Zahl auch wieder von der konkreten Einzelerfahrung etwa im Gelände oder am Beispiel des verrutschenden Stockes lösen lassen. auch den konkret zugänglichen Erfahrungsraum derart in seinen Verhältnisbestimmungen neu zu vermessen. Hier ist in der Tat zu sehen. die der Thaleskreis ausdrückt. Sie nutzen vielmehr die Einsicht in einen prinzipiellen Zusammenhang. Bedeutet dies doch. S.1. Im altbabylonischen Reich treten arithmetische. 3. die sämtliche Glieder und vier reelle positive Lösungen besitzt: Gleichungssysteme werden gelöst..1 Die Anfänge analytischen Denkens 53 andere Berechnung angelegt zu sein scheint. Darstellung finden damit aber jeweils nur mehr Exempel prinzipieller Verhältnisbestimmungen von Körpern und Größen. Einmal tritt sogar der Fall einer Gleichung vierten Grades auf. Schon in der altbabylonischen Zeit findet sich das Bemühen. die sich an einem einmal entwickelten Zahlenraum entlangtasten. in denen etwa die Einsicht in Zuordnungsbeziehungen. Lineare. dass sich das mathematische Denken nach 1800 vor Chr. tradierten Berechnungstechnik löst. rekonstruieren ja nicht einfach nur einzelne Erfahrungsurteile. formuliert wird. nunmehr ein Verfahren gefunden ist. in der Seleukidenzeit (endliche) geometrische Reihen auf. Das ist der erste Schritt auf einen mathematischen Beweis hin. 140.3. ohne dass diese Einsicht dann wieder durch eine Einzelerfahrung abgesichert werden muss. Insgesamt wird hier einsichtig. Darauf deuten nicht zuletzt die immer wieder gefundenen Illustrationen. Es geraten prinzipielle Beziehungen einzelner Naturgrößen in den Blick.1. Dazu kommt. quadratische. kubische und biquadratische Gleichungen werden in verschiedenartigsten Formen behandelt. . was in der der bloßen Magie des Berechnens einer über die eigene Anschauung hinausführenden Zahl möglich war. wie Wußing schreibt: Der Höhe der abstrakt-algebraischen Denkweise entsprechen auch die in der mesopotamischen Mathematik bewältigten Probleme.2 Babylonische Kosmologie Aus der Periode nach 1500 vor Chr. um mathematische Größen zu konstruieren und damit mögliche Zuordnungsbeziehungen einsichtig zu machen. die am Beispiel einer geometrischen Figur die Lageverhältnisse und die Beziehungen mathematischer Größen anschaulich machen. bis zu 10 Gleichungen mit 10 Unbekannten.6). finden sich kaum noch mathematische Texte. Greifbar wird die Entwicklung der mesopotamischen Mathematik dann wieder in spätbabylonischer und persischer Zeit.13 3. Hier wird in der Darstellung einzelner numerisch qualifizierter Gegebenheiten von der konkreten singulären Erfahrungssituation abgesehen. dass sich Berechnungsverfahren nicht mehr einfach nur im Rahmen von operativen Strategien entwickelten. die insbesondere auch durch die dann erfolgende Adaption der 13 Ebda. für quadratische Gleichungen das Problem auf Normalform zurückzuführen.

54 3 Die asiatischen und afrikanischen Hochkulturen Abb. 3.6 Mathematischer Text aus Tell Harmal bei Bagdad zur Darstellung von Flächengrößen und Streckenverhältnissen in einem rechtwinkeligen Dreieck .

und Wandelsternen führen zu einer genauen Festlegung des Tierkreises und der Identifikation der noch für uns gültigen 12 Tierkreiszeichen mit einem Abstand von jeweils 30 Grad. die Verschiebung des Mondmonat von 29 1/2 und des aus der Sonnenbahn berechneten Jahreszyklus war bekannt und führte dazu. Die so gewonnenen Darstellungen von Fix. Das Jahr wurde hier in 12 Monate eingeteilt. auf denen jedem Monat ein Sternbild zugeordnet ist. Venusbeobachtungen sind aus der Zeit kurz vor 1500 bekannt. dass etwa alle drei Jahre ein Monat doppelt gezählt wurde. stammen allerdings erst aus der Zeit um 450 v.und der Sonnenphase auszugleichen. Chr. Damit verbunden sind Vorstellungen vom Lauf des Mondes und den Veränderungen der Position von Sonne und Wandelsternen zueinander. Bis heute setzen wir in unserer Zeitmessung und in der Darstellung der Raumkoordinaten auf das in Mesopotamien entwickelte Hexagesimalsystem.1 Die Anfänge analytischen Denkens 55 Abb. die dies zweifelsfrei aufweisen.3. Keilschrifttext YBC 7289 aus der Babylonischen Sammlung Yale. 3. Weitere spärliche Nachrichten haben wir dann aus der Zeit um 1300. Bekannt sind aber die eng mit der Entwicklung des Mathematischen verknüpften astronomischen Vorstellungen und Berechnungen aus dem mesopotamischen Kulturraum. mit der Übertragung nach Resnikoff (b) und der Übertragung in arabische Zahlen im Sexagesimalsystem (c) mesopotamischen Tradition im Mittelmeerraum für uns eine besondere Bedeutung gewinnt. dass diese Vorstellungen schon vor 2000 in ihren wesentlichen Zügen fixiert waren. . Hier sind Tafeln bekannt. hier herrschten schon zumindest ungefähre Vorstellungen über die relative Verschiebung der Periodik der Venus zur Sonnenbahn. Jedoch zeigen neuere Befunde zur Astronomie der Sumerer.7 Tontafeln √ zur Berechnung von . Die ältesten Texte. Schon die Sumerer registrierten umfassende periodische Veränderungen von Himmelserscheinungen. um die Verschiebung zwischen der Mond.

Jahrhundert vor Chr. aber unterstützt durch entsprechende malerische Darstellungen. dann wieder ab 600 vor Chr. Demnach erscheint die Erde als eine runde. Wissen um naturgeschichtliche Zusammenhänge auch in diesem Kulturkreis gesammelt wurde.3 Babylonische Medizin Aus Mari bekannt sind Tonmodelle von Organen von Opfertieren. wie wir dies auch in der kurzen Bewertung des Naturwissens der Schamanen beschreiben konnten. nach der dann etwa auch die für Mesopotamien allerdings kaum rekonstruierbaren medizinischen Kenntnisse . und schwimmt dann seinerseits in einem Urozean (Abb.1. Das Ganze ist überwölbt von einem Sternenhimmel mit Fixsternen. Das hier skizzierte Bild entspricht damit den Fehlvorstellungen. gefunden wurde. Diese Naturdarstellungen zeigen. 3. wie sie etwa ein Hieronymos Bosch hinterlassen hat – vom mittelalterlichen Weltbild meinten formulieren zu können. 3. die entsprechende Beobachtungen dokumentieren. dass.56 Abb. die ausweisen. was an Besonderheiten bei der Tierbeschau zu registrieren war.1. bekannt. Die aus den gewonnenen Aufzeichnungen und den Mythen ermittelten Vorstellungen lassen sich – insbesondere auch nachdem eine Tontafel aus dem 7. Sonne.8 Skizze des Babylonischen Weltbildes 3 Die asiatischen und afrikanischen Hochkulturen Himmelsozean Säulen des Himmels Säulen des Himmels Firmament mit Gestirnen Erde Urozean Unterwelt Säulen der Erde Aus Babylon sind Tafeln. Mond und den Wandelsternen. von einem Weltmeer umschlossene Scheibe mit Babylon im Mittelpunkt der Erdscheibe. die eine entsprechende Vorstellung in Form einer Weltkarte fixiert hat – zumindest grob umreißen. 3.8). die wir bis vor kurzem – wieder besseres Wissen. Sie stellen demnach eine Art von Datenbank für die entsprechend operierenden Auguren oder Priester dar. Wie auch die Darstellungen der periodischen Erscheinungen des Himmels stehen diese Beobachtungen aber in einem religiösen Zusammenhang und zeigen noch einmal die problematische Situation auf.

B. Kaplan. die bei bestimmten Symptomen Heilung versprechen.2 Die ägyptische Hochkultur Um 5000 3000–2900 2900 2770 um 2540 2134–2040 Beginn des Neolithikums Vereinigung von Ober. Anfänge der Medizin. H. Universalgeschichte der Schrift. Aboe. L. So werden über 250 Heilpflanzen. History of Science 8 (1969). Die Geschichte der Null. Illustrierte Geschichte der Medizin. Biggs. Leyden 1974.. verbunden mit Blüte der ägyptischen Literatur. S. zugleich aber Provinzialisierung der bildenden Künste . Thurston. Serres. Insgesamt bleibt aber die hier greifbare medizinische Praxis in einem magisch-religiösen Weltverständnis verankert. Berlin. Berlin.1. Gericke. H.-H. Wußing. van der Waerden. Leven. Frankfurt 1994. 6000 Jahre Mathematik. dass ein ganzes Spektrum wirksamer Substanzen zur Krankheitsbekämpfung genutzt wurde. H. Babylonian and Greek Mathematics. K. H. Frankfurt am Main. Science Awakening II: The Birth of Astronomy.3. Im Wesentlichen kennen wir hier kasuistische Beschreibungen von Symptomen und etwaigen Heilmitteln.1 Die Anfänge analytischen Denkens 57 dieser frühen Zeit zu bewerten sind. Darüber hinaus gibt es aber Verhaltensbeschreibungen. Science Awakening: Egyptian. die etwa einzelne Heilmittel oder bestimmte Heilpraktiken. Ein eigenes Konzept von Krankheit und damit einhergehend eine umfassendere Bestimmung des Pathologischen fehlen. 3.1. Bd.. Sigerist. In: M. New York 1990. 1. New York 1994 K. Mathematik in Antike und Orient.1. Centaurus 5 (1958). Therapien stehen in der Zeit vor 1500 in einem magisch-religiösen Kontext. Haarmann. Hg. 1: Vorgeschichte und Ägypten. New York 1963. Huber. 1 Von den Anfängen bis Leibniz und Newton. Frankfurt/M. J. Die Medizin in Mesopotamien. Ein Lexikon. L. 94–105. Antike Medizin. S. Erlangen 1992. Dabei wird deutlich. Jedem seine Wahrheit. Eine kulturgeschichtliche Zeitreise. Medicine in Ancient Mesopotamia.4 Weiterführende Literatur A. E. On Babylonian Planetary Theories. 91–108 3. R. Zaragoza. B. Elemente einer Geschichte der Wissenschaften. H. Ritter. Paderborn 1958. P.und Unterägypten erster bekannter Kalender Kalender mit 365 Tagen pro Jahr Pyramiden von Gisa erste Zwischenzeit: Zerbrechen des alten Reiches. Bd. S. aufzählen. Heidelberg 2008. 120 Mineralien und über 100 tierische Produkte als Heilmittel erwähnt. Early Astronomy. Von der primitiven und archaischen Medizin bis zum Goldenen Zeitalter in Griechenland. Toellner. In: R. 2000. Vorgriechische Mathematik. van der Waerden. 73–108. München 2005. Zürich 1963. J. Die Mathematiken in Ägypten und Mesopotamien. Europa Verlag. Hg. Vogel. Heidelberg 1984. 209–277 R. R. Beck.

Chr. Syrien und Palästina umfassenden Raum beherrschen 1560 Aufstand gegen die Fremdherrschaft 1551 unter Ahmose. Gründung von Alexandria als neuer Residenz.3 Unteres und oberes Ägypten MITTELMEER Sais UNTERÄGYPTEN Sakkara Bast Memphis Tarkhan OBERÄGYPTEN Abydos Nagada Copotos This R OT E S MEER Hierakonpolis Aswan um 2040 um 1650 erneute Einigung des Reiches: Mittleres Reich nach Rückzug Ägyptens aus Nubien Einfall der Hyksos. dort nach Tod des Alexander bis 30 v. Herodot bereist Ägypten 404–343 erneute Unabhängigkeit Ägyptens 343 Erneute Unterwerfung Ägyptens durch die Perser 332 Eroberung durch Alexander den Großen. die bis 1560 einen Unterägypten.58 3 Die asiatischen und afrikanischen Hochkulturen Karte 3. Begründung eines Neuen Reiches 1364–1347 Echnaton 1347–1333 Tutanchamun nach 800 Zerfall des Reiches 525–404 Ägypten ist Provinz (Satrapie) des persischen Reiches 449 Mehrfache Aufstände gegen die persische Herrschaft mit griechischer Unterstützung. Herrschaft der Diadochendynastie der Ptolemäer .

sondern für die gesamte westliche Kulturgeschichte. erstreckte. dem Fluss Nil folgend die Welt erschließen zu können. zur wirtschaftlichen Grundlage eines sich kulturell nun hellenistisch verstehenden . so dass sich das Reich von Ägypten über die Grenze zwischen beiden alten Verbänden bei Memphis bis hin zu Assuan über den 1. Entsprechend war Ägypten an diesem Fluss entlang entwickelt. Katarakt. dessen Wasser die Feldfrüchte nährte. So versteht sich denn auch die spätere Verlagerung der Residenz von Memphis nach dem neu gegründeten Alexandria direkt am Mittelmeer.und Luxusgüter transportiert wurden. Diese Verlagerung der Residenz markiert eine von Alexander gewollte. Jahrtausend vor Chr. letztlich bedingt durch die Fremdherrschaft der Hyksos. Wobei sich die blühende Agrikulturlandschaft Ägyptens – wie auch heute – im Wesentlichen nur in einem schmalen Korridor entlang des Flussbettes entfaltete. Zugleich verschwindet mit dieser Verlagerung aber auch des die Idee des Alten Reiches. Dieser enorm wasserreiche Fluss. die die Begehrlichkeiten der jeweiligen Herrscher reizten.und Forschungsinstitution der Antike. Nilfall. bestimmte von Anfang an die Lebensfähigkeit dieses Landes. Katarakt hinaus nach Nubien hinein ausdehnte. Auch hier aber lagerte sich der neu erschlossene Herrschaftsraum an den Flusslauf an. Nach den Wirren im endenden 3. den Einflüssen der vorderasiatischen Kulturen. sondern über den auch die Handels. in der sich das neu erwachsene sogenannte Mittlere Reich nun auch über den 1. zu einer umfassenden Einigung dieser beiden großen Bereiche. auf die sich entlang seiner Lebensader aufreihenden Territorien verwiesen. das mit seinen mobilen Streitwagen das ägyptische Heer bezwungen hatte. Nur im Nil-Delta und im Bereich der Oase Falyum dehnte sich dieses Reich auch in der Fläche aus. umfassende Bedeutung nicht nur für Ägypten. Hier waren denn auch die Waren der Schiffe Ägyptens auf vor dem Katarakt verkehrende Boote umzulagern. den von Delta kommend gezählten 1. und formte hier seine Kultur. Dieses neue Alexandria war Teil der hellenistischen Kultur und erschloss dieser die reichen Traditionen Ägyptens.1 Die Anfänge analytischen Denkens 59 Ägypten ist das Land des Nils. die größte Wissenschafts. Das Mittelmeer aber blieb für dieses derart in sich verwiesene Reich weiterhin von nur marginalem Interesse. Nach der Vereinigung der verschiedenen kleineren Herrschaftsbereiche in den beiden Großräumen des oberen und unteren Nils kam es Anfang des 3. der mit seinen jährlichen Überschwemmungen das Umland und insbesondere das Nildelta jedes Jahr frisch mit nährstoffreichen Erden düngte. der in Folge der alexandrinischen Eroberung installierten Diadochen-Dynastie. Schließlich war es der Nil. Und damit erlangte Alexandria unter den Ptolemäern. Jahrtausend in denen das Alte Reich Ägypten unterging. Das reiche Hinterland Alexandriens wurde zur Kornkammer. kam es dann zu einer erneuten politischen Stabilisierung. nicht einfach nur als eine politische Demonstration neuer Herrschaftsstrukturen. die Alexander der Große verfügte. umfassende Umschichtung der kulturellen Orientierung Ägyptens. der nicht nur mit seinen jährlichen Überschwemmungen die enorme Fruchtbarkeit des Landes garantierte. getragen von der Wirtschaftskraft dieses Landes.3. eines semitischen Volkes. Und so öffnete sich dieses Land denn auch erst vergleichsweise spät. Ägypten zeigt sich so dabei auch in seiner Kultur und den sich formierenden Verbindungen zu angrenzenden Gesellschaften bis in die Mitte des zweiten Jahrtausends vor Chr. Dieser Plan wurde trotz des frühen Todes von Alexander erfüllt. Zugleich etablierte es.

um die Kultur eines anderen. die die Vielfalt des Existenten nur mehr als Gleichnisse des Göttlichen verstehen lässt. Chr. die spätere Alchemie. Alexandria selbst wird zu einer Handelsstadt in einer abhängigen Provinz degradiert. wie Wissensbestände zu ordnen und zu begründen waren. des hellenistischen Raumes hier zu ihrer höchsten Ausprägung auszuformen. das inzwischen allerdings auch schon arg gebeutelte Alexandria endgültig zerstörten. Euklid lehrte und lebte in Alexandria. Die Völkerschaften des alten Ägyptens. was für uns Wissenschaft ist. Als die muslimischen Eroberer nach 600 n. der Wissenschaften bis in die Neuzeit hinein bestimmten. Dieses Lehrbuch der Mathematik wurde seit dem endenden 3. gründet sich auf ägyptischen Traditionen. In dieser Tradition entsteht auch eine merkwürdige Zoologie. Doch war es ein weiter Weg von dem Beginnen eines sich entlang des Nil etablierenden Kulturvolkes bis hin zu jenem Alexandria. So besteht mit Alexandria einerseits eine die Kultur Ägyptens forttragende Gründung. wird Ägypten zur Provinz Roms. Wobei die überlieferten Leistungen das spätere Europa immer wieder in Staunen versetzten. in klarster Form abzeichnet. immer wieder neu aufgelegt. und beliefert nun dies mit seinem Getreide. dem so genannten Physiologus zusammengefasst wurde. die sich im endenden vierten Jahrtausend in einem ersten umfassend organisierten. 30 vor Chr. ist ägyptisch gedacht und bestimmt doch bis ins Mittelalter hinein eben auch das europäische Denken. Die unter den Ptolemäern dem Mittelmeer zugeordnete ägyptische Kultur offeriert aber immer noch Mythen und Mythologien. hatten hier schon mit der Domestikation des Viehs und der Zucht von Getreide einen großen Schritt hin zu einer neuen Stufe kultureller . Die Mythologie des Physiologus. wie wir noch sehen werden. in dem sich zusehends destabilisierenden römischen Reich und in den zusehends christlich bestimmten Diskursen um Orientierung und Gewissheit erneut weitergreifende Bedeutung erlangen. die dann um 200 nach Chr. Die hermetische Kunst. Jahrhundert v. hatte diese Stadt in ihrer Funktion als Kristallisationspunkt und Gedächtnis der hellenistischen Kultur die wesentlichen Konturen des antiken Wissens für das nächste Jahrtausend gesichert. In dieses Wissen fließt im alexandrinischen Ägypten so immer wieder etwas von der alten magischen Kultur Ägyptens ein. und bis heute formulieren sich die Aufgaben unserer Schullehrbücher der Mathematik nach dem Text und der Argumentationsfolge dieses Buches.60 3 Die asiatischen und afrikanischen Hochkulturen Reiches. in denen wir bis heute Wissen und Wissenschaft denken. Ober. Sein Buch wurde hier kopiert. Wobei allerdings auch schon diese bloß in Bruchstücken verfügbaren Konturen der antiken Kultur des Wissens und. sind die sogenannte Elemente des Euklid. das den Reichtum dieses Landes nutzte. andererseits wird an diesem Ort dann aber auch das Wissen der griechisch geprägten Antike gebündelt und weitergetragen. vielleicht das Lehrbuch.und Unterägypten zusammenfassenden Kulturraum zusammenfanden. Chr. dieses Bild des Wissens neu konfigurieren. kommentiert und erweitert. an dem sich das. und so im Ameisenlöwe wie im Einhorn die Eigenschaften Christi entdeckt. Das Textbuch der europäischen Wissenschaft überhaupt. in einem Band. Die Verdrängung der auf Alexander zurückverweisenden Dynastie der Ptolemäer durch Rom verstärkt diese Einbindung Ägyptens in den Mittelmeerraum. die dann im dritten Jahrhundert nach Chr. In Ägypten formierten sich – das zeigt allein schon das Werk dieses Autors – die Strukturen.

1 Die Anfänge analytischen Denkens 61 Entwicklung vollzogen. Und so ist die Kultur Ägyptens denn auch von vornherein auf den Nil hin ausgerichtet. Die Hieroglyphen. die notwendigen Bewässerungen und die damit notwendigen Dienste in Ordnung zu halten. bei der der Fluss dem ansonsten ausgelaugten Land immer wieder neu die benötigten Nährstoffe zuliefert. der mit Michelangelo die Anatomie des neu gefundenen Mathematischen offenkundig machte. Der dann aber auch alljährlich dieses enge Territorium um sein Flussbett überschwemmt. denen auch bis heute gerade in der Monumentalität ihrer Präsentation ein eigener Zauber zukommt. rundet sich auch hier erst durch die Installation des alten Ägyptens in der Rotunde dieses neuen Geistes wirklich ab. Der Petersdom in seiner Monumentalität. Und so spannt sich denn auch nur über wenige Kilometer weg von den Wassern dieses Flusses. auf 14 Hiervon zeugt nicht zuletzt der Obelisk vor dem Petersdom in Rom. in dem sie sich entwickelt. jedoch zugleich aber auch immer wieder dessen Bewohner zwingt. Die regelmäßig zur gleichen Zeit des Jahres wiederkehrende Überschwemmung des Nils gibt dieser Kultur den Zeittakt vor. wie die vormalige verlorene göttliche Schrift des Alten Testamentes nunmehr in einer von Rom aus geleiteten Analytik moderneren Verstandes genau diesen Bogen zum Göttlichen zurückschlagen konnte. der hieratischen Schrift. die in ihrer bezeichnenden Form auch nach Etablierung einer für die Notizen der Schreiber geeigneteren Notationsform. sondern auch der Lebensordnungen. nach 660 vor Chr. Diese bringen das Nilwasser auf die Felder und arbeiten so der verdunstenden Kraft der Sonne entgegen. der Garant des Ertragsreichtums dieses Landes. Später. der für die endende Renaissance denn auch zeigen sollte. immer wieder neu abzustecken. kam dann die sogenannte demiotische Schrift in Gebrauch Und mit dem Zusammenbruch des Kultus unter der persischen Besatzung Ägyptens ging die Kenntnis der altägyptischen Schrift verloren. die es ihnen zugleich aber überhaupt erst ermöglichte. das sie für ihren Lebensunterhalt zu bearbeiten haben. zu registrieren und abzurechnen. im Bereich von Kult und Religion erhalten blieb. war in Ägypten eine erste Schrift. Wie denn auch Autorität gefordert ist. in Folge dieser Überschwemmungen ihn Land. Zugleich ist aber diese Überschwemmung. in diesem heißen. hinter denen die trockenen Sande der Wüste das Bild bestimmen. Jahrhundert suchte der Jesuit Athanasius Kircher in ihnen die Symbolik der prä-adamitischen. das Gefüge der Bewässerungsgräben. die Sahara durchstoßenden Raum ihre Kultur zu etablieren: den Nil. In ihrer konkreten Existenz in dieser nord-östlichen Region Afrikas waren sie vor allem durch eine Macht bestimmt.3. Schon um 3000 vor Chr. die Hieroglyphen. entwickelt. So forciert der Fluss auch indirekt die Bildung politischer Ordnung und gibt die Anforderungen vor. so zwar den nötigen Dünger auf die Felder bringt. Damit ist die Bewirtschaftung dieses Landes auf jenen Fluss verwiesen. nach denen solche Ordnung zu finden ist. in denen dieses Land bewirtschaftet wurde. .14 waren denn auch schon im alten Reich bewusst als eine derart beschwörende und eben nicht nur notierende Form entwickelt worden. Und noch im 17. Sie fordert Ordnungsmacht für die immer wieder neu erfolgenden Zuordnungen von Arbeitsbereichen und Eigentum. Die nach der Überschwemmung immer wieder neu erfolgende Reorganisation des Landes bedingt eine besondere Fertigkeit und besondere Techniken der Ordnung nicht nur des Landes und des Besitzstandes. In diesen alten Zeichen schien sich damit schon für die Griechen der Geist der Vorzeit widerzuspiegeln.

die das Eroberungsheer von Napoleon begleitete. griechischer und hieroglyphischer Schrift bei der Stadt ar-Rashid (in Englisch Rosetta). Napoleon selbst konnte den dann per Schiffsfracht zum Louvre gesandten Stein aber nicht . die in ihren militärischen Zielstellungen scheiterte. Erst mit der Expedition. der versuchte in Ägypten England zurückzudrängen. Das wohl bedeutendste Ergebnis dieser Expedition. 3.62 3 Die asiatischen und afrikanischen Hochkulturen Abb.9 Stein von Rosette Gott führenden Sprache zu entschlüsseln. änderte sich dies. war die Entdeckung eines Steins mit Einschriften in demiotischer.

Jahrtausend vor Chr. so etwa nutzte man das Zeichen für Vogel als Kennzeichnung für all das. Es entsteht das Demotische.sondern eine Lautschrift.9) dann im Britischen Museum seine Heimat fand. eine Cyperngras-Sorte. Jahrhundert vor Chr. wird diese Umgangsschrift noch einmal verkürzt. dem echten Papyrus (Cyperus papyrus). die zu einem Wort hinzugefügt werden. Über Griechenland fand er später auch im Römischen Reich weitgehende Verbreitung. die zu einen eine Bildbedeutung tragen können. Zwei einander kreuzweise überlagernde Schichten dieser Streifen werden zu einem festen Blatt gepresst und geklopft.1 Die Anfänge analytischen Denkens 63 mehr in Augenschein nehmen. die leicht überlappend aneinandergelegt werden. Gewonnen wird der Papyrus aus der gleichnamigen Staudenpflanze.10). nachweisen. die in großen Beständen im unteren Nilbereich wächst. was fliegt. In dieser Schrift wurden Alltagskommunikationen fixiert. Wobei sich die Wiedergabe der Phoneme aber auf die Niederschrift von Konsonanten beschränkte. wohingegen der Schriftverkehr im Bereich der öffentlichen Kommunikation sich dieser vereinfachten demotischen Schrift bediente.3. h. Ab dem 6. Zugleich wurde die Schrift durch Determinative erweitert. für Silben oder – etwa in Form von Zahlzeichen – für übertragene Bedeutungsinhalte stehen können. Plinius der Ältere in seiner Naturgeschichte. Chr. Dieses wird aber um 6 demotische Zeichen erweitert. Chr. So war die ägyptische Schrift von vorneherein nicht einfach eine Bilder. Neben diese insbesondere im kultischen und repräsentativen Raum genutzte Schrift trat mit dem Hieratischen schon vom 3. Im Weiteren wurde diese Schrift dann in der Schreibung konventionalisiert. 3. Ägyptische Schriften Hieroglyphen bezeichnen Schriftzeichen in Bildform. wissenschaftliche und literarische Texte geschrieben. wurde das entsprechende Schiff doch von seinen englischen Gegnern aufgebracht und samt Fracht nach London überführt. Das Mark der Pflanzenstängel wird in bis zu 4 cm breite Streifen geschnitten. 3. Diesem Determinativ entspricht demnach auch kein Sprachlaut. die Nutzung solcher Zeichen für Silben nachzuweisen. 1822 konnte dann aber JeanFrancois Champollion durch den Vergleich der drei Texte dieses Steines die Hieroglyphen dechiffrieren und damit die Jahrtausende alte Kultur Ägyptens neu verfügbar machen. um seine Begriffsklasse zu bezeichnen. Wörter mit gleichen Konsonanten wurden durch Schriftgewohnheiten differenziert. das . d. Im Weiteren wurden dann nur noch religiöse Texte hieratisch geschrieben. Jahrtausend an eine Kursivform der Hieroglyphen. Mit der Einführung des Christentums wurden all diese Schriftformen zugunsten des griechischen Alphabetes verdrängt. wo der Stein von Rosette (Abb. Die Herstellung des zu beschriftenden Papyrus beschreibt im 1. Papyrus Der Schreibstoff Papyrus lässt sich in Ägypten seit dem 3. Es entsteht die koptische Schrift (Abb. dies sind Zeichen. die deren Bildcharakter verlor. zum anderen aber auch für Laute. Neben den Bezeichnungen für in standardisiert Form zeichenbare Dinge ist dabei schon vor 3000 v. aber auch religiöse. Jahrhundert n.

3. bis 450 n.2.10 Schriftformen des alten Ägyptens: a Hieroglyphen.1 Mathematik in Ägypten Zahlzeichen . Die Breite der Rollen. 3.64 3 Die asiatischen und afrikanischen Hochkulturen Abb. Chr. Danach kann man den Papyrus bemalen oder beschreiben. Chr. Dann wird die „Platte“ getrocknet..1. b Hieratisch bis 700 n. von der Klebekraft des stärkehaltigen Pflanzensafts zusammengehalten wird. Mit einem Spezialleim. beträgt durchschnittlich 20–25 cm. werden die Blätter abgesättigt und in einheitlicher Faserrichtung zu Rollen verklebt. c Demotisch ca. Chr. 660 v. die für griechische und lateinische literarische Texte verwendet wurden. dessen Rezeptur Plinius überliefert.

wie sich in Ägypten eine Vielfalt von monumentalen Baumaßnahmen realisieren ließ. in ihrer kultischen Funktion und der sehr früh erreichten Standardisierung ihres ornamentalen Charakters zur frühen Ausbildung eines für diese Kultur insgesamt kennzeichnenden Spektrums von grafischen Grundformen und damit eines in dieser Kultur beheimateten gemeinsamen Schatzes an ästhetischen Formen führte. Diese Vereinheitlichung funktionierte über eine Codifizierung entsprechender Standards. die dann ggf. die es überhaupt ermöglichte. war nun wiederum eine nahezu militärische Organisation des Kunstschaffens möglich. auf jeweils andere Produktionsschwerpunkte ausgerichteten Regionen verbindet. die eine derart umfassende Struktur aufbaute.und Dekorationsbetriebes von Ägypten. die. eindeutig ausgerichteten.oder zumindest langfristig zu überfordern.3. die gewaltigen Baumaßnahmen. Nur so ließen sich die umfassenden Baumaßnahmen dieses Reiches in Angriff nehmen. dass eine Reihe von kulturellen Entwicklungen angestoßen wurde. die in enger Verzahnung miteinander dann eben auch sehr früh eine Vielfalt von Kulturtechniken etablierten. . Dies wurde erreicht durch Vorschriften. Hierzu wird schon sehr früh ein umfassendes Regelwerk fixiert. Sicher war durch die alle die verschiedenen Teilbereiche kennzeichnende Lebensader des Nils. nicht hoch genug einzuschätzen. das über Jahrhunderte stabilisiert blieb.1 Die Anfänge analytischen Denkens 65 Im Gegensatz zu den Stadtstaaten Mesopotamiens entwickelte Ägypten sehr früh ein umfassendes Staatsgebilde. ohne doch die Wirtschaftskraft dieses Landes mittel. das nach der Vereinigung von Unter. Dieser Versuch einer umfassenden Integration manifestiert sich in einer Schrift. Die Ausdehnung dieses frühen Großstaates macht bei den großen zu überwindenden Distanzen und der Vielfalt zu integrierender lokaler Kulturen einheitliche Verfahrensweisen und die überregionale Abstimmungen von Handlungen nötig. Da derart die Ausdrucksformen kodifiziert waren und demnach die einzelnen Bauteile. Ägypten war damit die erste Hochkultur. schriftlich zu fixieren waren. die zugleich auch einen gemeinsamen. kennzeichnend für die gesamte Kunst Ägyptens. Diese ist kennzeichnend für die Organisation des Bau. die schon mit der Gründung der neuen Residenz Memphis verbunden waren – wir sind in den Jahren um 3000 v. Dabei ist diese Standardisierung von bildnerischen Ausdrucksformen. zum anderen. Zugleich wird eine umfassende Infrastruktur aufgebaut. die die verschiedenen. die in den Schriftzeichen deutlich wird. Das beginnt beim Aufbau einer in ihren Strukturen und ihren Produktionsformen abgestimmten Landwirtschaft.und Oberägypten und der Gründung einer neuen Residenz in Memphis für fast ein Jahrtausend Bestand hatte. Das hat dann auch zur Folge. zum einen. strikten Normen unterworfen waren. natürlichen Transportweg bildete. eine entsprechende Abstimmung erleichtert. Dies schließlich erklärt. Chr. die derart für eine Darstellung dieser Kultur genutzt wurden. so dass diesen dann auch über längere Zeitperioden entsprochen werden konnte. Doch ist diese umfassende kulturelle Integrationsleistung in der Bildung eines vereinigten altägyptischen Reiches. (!) – voranzutreiben. dem Ausbau einer Infrastruktur. In ihrer umfassenden Ausrichtung an vorgegebenen Normen zur Gestaltung und zum Dekor von öffentlichen Bauten wurde sehr rasch eine mögliche Vielfalt lokaler Kulturausprägungen vereinheitlicht. eine Vielfalt lokaler Sprachen sehr rasch vereinheitlichte und.

die Materialien für den Bau und die benötigten Nahrungsmittel jeweils über einen langen Zeitraum bereitzustellen. So ist denn auch ein Gutteil schon dieser frühen Kultur in Organisationsleistungen abgebildet. sie durch das Bauen zusammenschmelzende Identität. sich etwa nacheinander am Bau einer Pyramide betätigten. beginnend mit der Rekrutierung der Arbeitskräfte bis hin zur Organisation derartiger Arbeitseinsätze und der Versorgung der Arbeitskräfte. Jan Assmann sieht in diesen Bauten im Übrigen nun auch nicht einfach nur Monumente zur Verherrlichung der herrschenden Pharaonen. Es war zugleich auch Dokumentation dieser neu gefundenen kulturellen Identität. München 2002. seinerzeit eben auch verlangt. wie umfassend hier eine Bauplanung realisiert wurde. Schließlich waren bei der Masse von hier einzusetzenden Arbeitskräften umfassende Abstimmungsarbeiten. bzw. . Dadurch. der als Gottkönig für die ägyptische Kultur insgesamt eine zentrale Bedeutung hatte. in ihrem Zusammenwirken diesen Staatsverbund Ägypten auch unmittelbar und nachhaltig erlebbar machten. gewannen sie – ihm zufolge – sehr augenfällig eine neue. dass hier sehr viele Menschen aus den verschiedenen Bereichen Ägyptens interagierten. Deutlich wird damit aber auch. S. Das kulturelle Gedächtnis. in das sich dann 15 J. die direkt – durch die Arbeit an der Pyramide – oder indirekt – durch die Vorsorgung der an den Pyramiden Arbeitenden – in dieses Werk eingebunden waren. Assmann. dass er in den entsprechenden Berechnungsverfahren zuhause ist. dass durch dieses gemeinsame Tun im Bau dieser zudem religiös motivierten Monumentalarchitekturen große Bevölkerungsteile. Das dann errichtete Bauwerk war so dann nicht einfach nur Demonstration der Macht und Bedeutung des Pharaos. auch zur Bemessung einzelner Handlungen notwendig sind. das Vorstellungsgefüge des alten Ägyptens. Im Gegenteil. notwendig. die notwendigen Investitionen langfristig abzusichern. So beschreibt Jan Assmann. 146f. die sich von Djoser an als Großleistungen ägyptischer Baukunst erhalten haben. Demnach ist denn auch schon früh ein praktisches konzeptionelles Denken entwickelt und – wie zu zeigen sein wird – sind auch schon früh Berechnungen als Grundlage der Integration. Standardisierung und Abstimmung einzelner Handlungsfolgen zu finden. Zugleich galt es. die die verschiedenen Herrschaftsbereiche Ägyptens in ihrer Organisation sehr direkt miteinander verbanden und so gemeinsame Wertsetzungen und Handlungsziele. aber ebenso auch die Formen der Organisation und Lenkung sozialer und wirtschaftlicher Prozesse nachhaltig aufeinander abstimmten. Und so wurde von einem Kulturträger Ägyptens. Damit ist diese Kultur nun aber nicht einfach als eine analytisch ausgerichtete Kultur zu verstehen.66 3 Die asiatischen und afrikanischen Hochkulturen Dabei sind die großen Pyramiden. Damit wird dann diese Form der Berechnung und mit ihr das Mathematische zu einem integralen Bestandteil der ägyptischen Kultur. dass für die Organisation dieser Kultur somit umfassende und klare Regeln und zur Bewertung und ggf. die in diesem gemeinsam errichteten Bauwerk ja ihren direkten Niederschlag fand. Ihm zufolge sind dies nicht einfach nur Monumente zur Demonstration der Macht dieser Herrschergruppe.15 Dabei funktioniert dieses Zusammenwirken nach Regeln. deren Versorgung abzusichern. denen schon im gemeinsamen Bauen Bedeutung zukam. vielmehr waren dies Inszenierungen. ein Zeichen dafür. einem Schreiber.

Ihnen kommt in ihren Bezeichnungen in ihrem Charakter als eigenständige. aufeinander abzustimmen. Die Natur. die nach den Regeln funktioniert. noch ein Naturbegriff des Magischen. die Sphäre des Göttlichen.3. Deutlich wird dies denn auch am ambivalenten Charakter der Hieroglyphen. Dabei ist die Vielfalt der Menschen mit ihren Spannungen und Handlungen wie auch die Vielfalt der Naturkräfte jeweils in ihrem eigenen Bereich in einer Balance zu halten. Diese zentrale Vermittlung leistet der Pharao. das Andere in sich bindenden Zeichen zugleich auch immer etwas Beschwörendes zu. Ziel all dieser Beschwörungen. Sie verzahnen sich und müssen in dieser Verzahnung begriffen werden. der als Inkarnation des Göttlichen in seiner Kultur als Mittler zwischen dem Göttlichen und dem Menschlichen die Ordnungsmacht repräsentiert. Dieser Pharaonenkult ist demnach nicht einfach Staatsreligion. in dem sich seine Präsenz überhöhen lässt. Sie formieren eine eigene Realität. indem sich diese Bereiche aufeinander beziehen und aufeinander abstimmen. der sich in Mythen abbilden und nach den in diesen Mythen erzählten Geschichten strukturieren lässt. der Naturbegriff der alten Ägypter. in den durch sie getragenen Handlungen auf die Natur rückwirkt. abgebildet. und die Sphäre des Menschlichen. ist aus einem magischen Verständnis der Organisation der Natur erwachsen. Damit sind die vielfältigen Reaktionen der Natur in der Kultur abzubilden. Dies kann erreicht werden. seien sie als Geschichte aufgeschrieben oder in Monumentalarchitekturen abgebildet. Natur und Kultur greifen insoweit ineinander. auch weiter einbindet. in der sie die Natur in ihrer Welt nachstellten und so aus ihrer Kultur heraus zu stabilisieren meinten. die mit ihrer Kultivierung die Natur in einer neuen Weise eingebunden hat und ggf. die eine Handlungsfolge entwickelten. in dem der Mensch sich in seiner Kultur einbindet. ja gegebenenfalls durch gezielte Eingriffe wieder in ihre Balance zu bringen. auch gegeneinander agierenden Strömungen im Bereich jeweils der Natur und der Kultur selbst aufeinander abgestimmt werden. in der sich das Natürliche organisiert. Diese Abstimmung ist in der Gestalt möglich. und so ist bei aller Diversifizierung der verschiedenen hier nur summarisch angesprochenen kulturellen Praktiken. Dies geschieht auch im alten Ägypten. das wir eingangs für die Hopi charakterisierten. Ist diese Wechselwirkung in der rechten Weise geartet. die als Gott die Natur bestimmt und die als Mensch die Kultur in ihren Regeln hält. in diesem Sinne. so kann in diesem Gefüge die Vielfalt der an sich turbulenten und ggf. eine Balance zwischen den Bereichen der von den Göttern getragenen Natur und den vom Menschen geprägten Strukturierungen. die das in ihnen Bezeichnete nun ihrerseits beeinflussen und über die ihn ihnen gefundenen Bezeichnungen dann auch verändern kann. ist ja zugleich auch der Raum. Dies würde ja . wie denn auch die Kultur in ihren Riten. ist es. die sinnigerweise ja immer auch beschrieben sind.1 Die Anfänge analytischen Denkens 67 auch die mathematischen Verfahren einbinden. Das ist genau das Verständnis von Natur. die nicht einfach nur einen sprachlichen Zusammenhang repräsentieren und demzufolge etwas abbilden. in denen die Götter mit ihr und in ihr umgehen. Als ausgleichende Macht lebt er demnach im Ritus und ist in diesem Rituellen durch den Kult. Es geht nun darum. mit denen er ja auch in die Natur eingreift – indem er etwa Feldfrüchte anbaut oder einen Kanal anlegt – zu erhalten. wie etwa den Produktionen in Architektur und Schrift. mit der das Gefüge der Welt und die Strukturen des Menschen zusammenzubinden waren.

Das finden wir dann auch wieder im Umgang mit und in der Darstellung von Wissen. die der Pharao als Mittler zwischen den Sphären setzt. sich in seiner Welt so zu verhalten. für den im Kult ja noch Weiter. Demnach muss sich dann der Einzelne in seinen Handlungen nach dem Vorbild und nach den Regeln. Es ist hier nicht der Ort und der Raum. und sich demnach als Staat dann auch in der Personifizierung des Kultischen. Er bleibt damit noch im Raum des Mythos. Auch bleibt zu bedenken. im Pharao. Das ist dann nicht mehr ein magisches Verständnis.68 3 Die asiatischen und afrikanischen Hochkulturen eine Zwecksetzung und damit ein Auseinanderlegen von Staat als der Organisationsform eines sozialen Miteinanders und dem Kult zur Voraussetzung haben. dass dieser nun selbst eine dann ebenfalls aus den Begrenzungen des bloß Irdischen herausführende Existenz gewinnen kann. wohingegen im ägyptischen Verständnis der Staat nur im Kult ist. Resultat ist ein kultisches Gefüge des Abmessens und des Ausgleichens. Allerdings sind Wissen und Mythos auch hier nicht so einfach zu trennen. Doch ist zu beachten. in dem nun aber der Einzelne keineswegs verschwindet. Auch in diesem neuen Staat bleibt der Pharao der Mittler zwischen den Welten des Göttlichen und des Menschlichen. Damit ist diese Gottheit dann auch nach ihrem irdischen Tod im Kult weiter präsent und wirksam. orientieren. so wie sich im Pharao ja in seinem Auftreten und seinen Handlungen das Prinzip des Göttlichen auf dieser Erde fand. als Mausoleum. Sie erwächst vielmehr nach der Konsolidierung dieses Staatsgefüges erneut. dass in dieser Gesellschaft zumindest ab dem Mittleren Reich der Einzelne und auch der einzelne Pharao sich in Verpflichtungen fanden. Dadurch dass er sich zusehends als agierendes Element in diesem Gefüge erfährt. wird er sich zusehends seiner Funktionen bewusst wird so auch langsam als Person – in unserem Verstande – verfügbar. Er gleicht in seinen Handlungen und durch sein dem Ritus folgendes Tun die Versetzungen in der Welt aus und eröffnet so auch dem anderen sich in seinem Herrschaftsbereich befindlichen Einzelnen. die ein Gutteil ihrer Produktivität und ihrer Organisationskraft in den Kultus umsetzt – das zeigen die Pyramiden – Naturwissen aus dem in diesem Kultus abgebildeten Mythos nicht einfach auslöst. der ihn in seinem Handeln bestimmt. die diese ganz persönlich in ihrem Handeln forderten. Er selbst war hier als Einzelner bei . dass sich derart im Gefüge der Gesellschaft der Kosmos selbst abbildet. So wird dann eine Pyramide. Ist doch der einzelne Pharao im Kult in eine Folge gesetzt. in dem der Einzelne letztlich im Ganzen absorbiert wird und sich nur aus diesem Ganzen definiert.und Fortwirkenden sinnvoll. Die Idee ist. eingehender darzustellen. Hier ist der Einzelne für sich. dass in einer Gesellschaft. in der er als Einzelner lebendig bleibt. sondern durch den Ritus nur mehr geführt. Nach dem Zusammenbruch der Ordnungsstrukturen des Alten Reiches wird diese Grundidee eines sich im Kult definierenden Staates denn auch keineswegs aufgegeben. was in einem solchen Verständnis der Organisation des Staates formiert wird. und sucht so in einer neuen Weise nach Begründungen und Sicherungen für sein Tun. Er hat sich in diesem Mythos aber dann doch auch selbst als Person gefunden und sucht so dann im Mythos auch sein persönliches Heil. abbilden lässt. in sich bestimmt und so im Ritus nicht einfach abgebildet. Wie denn das Mittlere Reich das vormalige Alte Reich in all seinen Strukturierungen wiederbelebt und dabei das Herrschaftsgebiet dieser neu erwachsenen Kultur noch erweitert. sehr grob gesehen. Er tritt als sich selbst reflektierender Handelnder auf.

Hierin lag schließlich denn auch die Funktion des Pharaos. was sich hier wie ereignete und wie hier etwaigem Unbill gegenüber zu reagieren war. und was sein Kollege wohl eben nicht beherrschte. Dies war die Gruppe der Schreiber. dass die regelmäßigen Überschwemmungen des Nils schon früh zu einer differenzierten Darstellung des Jahreskalenders führten. über die solch eine Ordnung herzustellen war. So war dann Ziel dieser Gesellschaft eine integre Person. vgl. Maß zu finden und Maß zu halten war. In dieser Kultur war demnach die Berechnung von vornherein ein integraler Bestandteil der Organisation und Abstimmung des Alltagslebens.16 Zu diesen zu fordernden Fertigkeiten gehört dann etwa die Rechnung. die für den Transport eines Obelisken benötigt werden. . auch neu zu ordnen waren. ausgebildet war. Auch die Organisation der Landwirtschaft in den regelmäßig überschwemmten Gebieten. Natürlich ist in solch einer umfassend organisierten. Erman. die gebraucht werden. das es erlaubte. In der weiteren Organisation der Landarbeit. in der dann nach der Überschwemmung die zu bearbeitenden Areale und die Besitzstände neu zu vermessen und – bei Verlagerungen des Flusses – ggf. Leipzig 1923. Es mißt 20 Ellen. Über die Aufgaben solch eines Schreibers im Neuen Reich berichtet uns ein Brief. das man aus dem roten Berge gebracht hat. erforderte ein differenziertes Berechnungsverfahren.1 Die Anfänge analytischen Denkens 69 etwaigen Verfehlungen Schuld an seinem Unheil und setzte mit dieser Schuld dann aber auch seine Gesellschaft insgesamt ins Unrecht. Berechnen muss er dann auch den Proviantbedarf eines Heeres. in dem so auch vom Einzelnen selbst. Und so entwickelten sich auch schon im alten Ägypten umfassende Regeln für den Umgang mit den Maßen und Zahlen.3. ein weises. I. um ein Denkmal innerhalb von 6 Stunden aufzustellen. wenn es auf dem 16 Papyrus Anastasi . in ein Gleichgewicht zu führen und in diesem lebendig zu halten hatte. Hierin wirft ein Schreiber einem Kollegen Unwissenheit vor und führt aus. die für solche administrativen Tätigkeiten. was ein Schreiber denn nun auch wirklich können müsste. Hierzu findet sich in diesem Brief folgende Formulierung: Man sagt zu Dir: Leere den Kasten aus. Die Literatur der Ägypter. oder die Anzahl der Leute. der in seiner Person und mit seiner Administration die Ordnung seiner Gesellschaft in ihrer instantanen Organisation und mit dieser aber zugleich auch die Organisation des Weltganzen. die sich in dieser sozialen Organisation widerspiegelte. ausgerichtet an seiner Einsicht in das Ganze. der Ausrichtung komplexerer Arbeiten und der Bemessung von Warenfluss und Abgaben zwischen den verschiedenen Gebieten dieses Reiches waren ebenfalls schon sehr früh entsprechende Verfahren darzustellen und über einen größeren Kulturraum verbindlich zu machen. nach der der Bedarf an Ziegeln für eine Rampe von vorgeschriebener Form und Größe zu ermitteln ist. sich über einen großen Raum erstreckenden Kultur zu bemessen. zu denen dann auch der Umgang mit Zahlen gehörte aus. A. der mit Sand geladen ist unter dem Denkmal deines Herrn. Dabei formierte sich schon früh eine eigene Berufsgruppe. der etwa um 1250 geschrieben wurde. Nicht nur. hier Verbindlichkeiten zu formulieren. sich in seinen Handlungen am Ordnungsgefüge des Kosmos ausrichtendes Tun. denen durch ihre Beherrschung der Schrift und als Administratoren in dem Großstaat Ägypten auch eine hohe soziale Stellung zukam. Ferner muss der Schreiber die Anzahl der Arbeiter berechnen.

damit ist (3 + 8) × 12 = 11 × 12 errechnet. Dann wurde der Sand so unter der Statue entfernt. Nun darf aber nur solange verdoppelt werden. Insoweit ist die erste Teilphase der Berechnung dann auch abgeschlossen. ist zunächst eine Tabelle anzulegen Der Multiplikand ist die Zahl 12. dass die technologischen und architektonischen Leistungen der Ägypter auf einer wohldurchdachten Organisation beruhten.000 und 1. 17 Zit. 1000. Der Schreiber muss nun berechnen. Ein Beispiel für eine derartige Berechnung findet sich in einem Papyrus aus der Zeit um 1600 vor Chr. Zu berechnen ist hiernach etwa 11 × 12. So wurde die Multiplikation als eine Reihung von Verdoppelungen beschrieben und so war umgekehrt die Division als eine Reihung von Halbierungen verstanden. 50. Um die Lösung zu finden. 4 × 12 = 48. zu den benötigten Materialien. 10. Der nächste Schritt wäre nun die Verdopplung der 8. 1 mal. Demnach ist dieser nächste Schritt also nicht möglich. der Multiplikator die Zahl 11. wie folgt aus: Die Statue wurde auf einen Kasten gelegt. verdopple anschließend (3) die 2 × 12. die Rekrutierung von Arbeitern und deren Ernährung mit umfasste. Nun ist der Multiplikand (12) so lange zu verdoppeln. um die entsprechende Statue in einem bestimmten Zeitraum aufzurichten. die umfassende Planungen zur Infrastruktur. 10. und 20 Ellen in der Breite17 . Wenn nun der Schreiber berechnen soll. . dass diese zum Stehen kam und dann im Untergrund befestigt werden konnte.000.000.000. S. bis die Anzahl der Verdopplungen nicht größer als der Multiplikator ist. 100. Sie zeigt auch. dem hiermit – auch das ist zu sehen – keineswegs eine untergeordnete Position zukam. Die hier aufgeführte Liste zeigt damit nicht nur das Anforderungsprofil an einen Schreiber. ausgerichtet wurde. das ist gleich 24. Heidelberg 1984. auch dies verdoppele wieder. (6) du erhältst 8 × 12. sondern auf mathematischer Berechnung. wie der Multiplikator (in diesem Falle 11) nicht überschritten wird. (5) dies verdoppele dann wieder. Gericke. Grundlage aller Berechnungsverfahren waren Addition und Subtraktion. nach H. Diese Zeichen wurden – wie bei den Römern – additiv notiert. Und entsprechend diesen Verfahren waren dann auch Multiplikation und die Division in dieser Kultur verständlich. der mit Sand gefüllt war und der an dem Ort. Mathematik in Antike und Orient. so umfasst die Aufgabenstellung die Kalkulation der benötigten Sandmasse. sondern in viel umfassenderem Sinne eben auch in dem Wissensmanagement dieser Kultur abzulesen. Die Organisation beruhte – das zeigt dieser Text – nicht einfach auf Erfahrungswerten. Dabei sah das Verfahren. nach dem die Statue aufgerichtet wurde. Nun sind in dieser zweiten Berechnungsphase nunmehr nur (7) 1 + 1 + 1 × 12 zu 8 × 12 zu addieren. 2 × 8 wäre also 16. wie viele Männer er benötigt. hat er doch die entsprechenden Verfahren zu planen und ihre Ausführung zu überwachen. (2) dann 2 mal. 100. Daraus folgt dann die Anweisung: (1) verdopple zunächst die 12.70 3 Die asiatischen und afrikanischen Hochkulturen Boden ausgestreckt liegt. Das Mathematische ist also nicht etwa nur in der Proportionslehre der entstehenden Bauten. Die Berechnungsverfahren kombinierten dann bei der Multiplikation Verdopplungen und Additionen. der erforderlichen Arbeitsleistung und eine präzise Vorstellung zur Organisation der Arbeiten. Berlin. wie viele Männer für eine entsprechende Tätigkeit nötig sind. an dem diese Statue aufzustellen war. Das Zahlensystem der Ägypter ist ein Dezimalsystem mit Zeichen für 1.

Das dann anzuwendende Verfahren ist derart gewählt.1 Die Anfänge analytischen Denkens 71 Abb. Das heißt.11 Ausschnitt des Papyrus Rhind – Problem 48 Die Division führten die Ägypter auf die einfachen Operationen des Halbierens zurück. Die Zerlegung in einer Folge von Halbierungen geschieht dann derart. . bei Zerlegungen von ungeraden Zahlen oder auch solchen Stammbrüchen erwachsen ggf. dass bei weiterer Zerlegung die nicht einfach zu halbierenden Werte in einer Folge von Stammbrüchen angegeben werden. dass die Ägypter nur Stammbrüche kannten. Problematisch hieran war nur. Schwierigkeiten. 3.3.

Ferner findet sich eine Aufgabe. die den Umgang mit Quadratwurzeln. Hier finden sich unter anderem Aufgaben. Da die Hälfte von 8 größer ist als drei. dann wird der zur ungeraden Zahl (oder der Stammbruchfolge) fehlende Restbestand aufgewiesen. Die Ägypter rechnen also so. Der Papyrus Rhind (Abb. Um diesen Rest auszuschöpfen wird 8 nun mehrmals halbiert. ausführen. Dadurch haben sie den Haufen x in sieben Teilhaufen zerlegt. Dynastie verfertigt. Also lässt sich y als 2 1/4 1/8 darstellen. der nun seinerseits in Stammbrüche zu zerlegen ist. in der dann etwa eine Gleichung zu lösen ist. das – in unserer Schreibweise – über die Gleichung x + x / 7 = 19 zu bestimmen wäre. die ein Schreiber konsultieren muss. ist 5.44 m lang und 8 cm breit. wie oft 8 in 19 enthalten ist. das ist 1. Dieser Wert ist nun noch mit 7 zu multiplizieren. Erforderlich ist für das beschriebene Berechnungsverfahren. 3. wie bei vorgegebener Höhe und vorgegebenen Seitenlängen der oberen und unteren Be- . die zeigt. Wobei in den Berechnungsverfahren der Ägypter diese Tabelle die einzige ist.11) gibt das hier zu verwendende Verfahren genauer an: Bei ungeraden Zahlen ist die Zerlegung von 2:n in Stammbrüche derart vorzunehmen. Dazu wird dann 8 so oft wie möglich verdoppelt. Um zu berechnen wie groß x ist. welchen Wert x hat. Er wurde von einem Schreiber der 13. das 8 × 2 in 19 enthalten ist plus 1/4 mit einem Rest von 1. allerdings mit einfachen Radikanden. Papyrus Moskau. die mit dem neuen Faktor y multipliziert 19 ergeben. ob die Rechnung stimmt. Der Papyrus Moskau. als hätten sie eine neue Unbekannte y über y = 7 x eingeführt. Mit ihrer Hilfe kann er die verschiedenen Verdoppelungs. wäre also festzuhalten. Auch dies geschieht in einer schrittweisen Verdoppelung. Das bedeutet nun.72 3 Die asiatischen und afrikanischen Hochkulturen dass zunächst eine gerade Zahl geteilt wird. dass hierzu eine schon erstellte Tabelle zu konsultieren ist. sind die dann erhaltenen Werte auch unschwer zu addieren. teile man den Haufen x in sieben Teilhaufen. dass die Seitenlänge eines Rechtecks aus der Bestimmung der Fläche eines Rechtecks und dem Verhältnis der Seiten zueinander ermittelt wird. die sich meist mit Problemstellungen des Alltages beschäftigen. wie folgt aus: In der Aufgabe 24 des Papyrus Rhind ist zu berechnen. Da beim Halbieren nur Potenzen von 1/2 auftreten.und Halbierungsreihen. Konkret sieht die Problembearbeitung. erfordern. benannt nach seinem Aufbewahrungsort. Also ist nachzusehen. Das für den ägyptischen Schreiber angegebene Vorgehen funktioniert nun wie folgt: Ein Haufen (nämlich x) und ein 7tel dieses Haufens (x / 7) sind 19. Also muss zu der Hälfte der Hälfte von acht noch einmal die Hälfte der Hälfte der Hälfte von 8 zugezählt werden. Er enthält 25 ohne deutlichen Ordnungsbezug aufgelistete mathematische Aufgaben. Darauf wird dann der Wert eingesetzt und kontrolliert. über die er multipliziert oder dividiert. Dynastie nach einer Vorlage aus der Zeit der 12. Papyrus Rhind Diese beiden vielleicht wichtigsten mathematischen Papyri entstammen der Zeit um 1600 vor Chr. die Hälfte von der Hälfte von 8 aber 2 ist und damit kleiner als drei ist. dass es insgesamt 8 Teilhaufen gibt. Solch eine Tabelle gibt der Papyrus Rhind auch selbst an. es bleibt dann nach 2 mal 8 ein Rest von drei.

der in dem gegebenen Bruch enthalten ist. um mit den so gewonnenen Zahlwerten noch rechnen zu können. die nach unserem Verständnis „gekürzt“ 18 Zit.und Unterägypten Ne-ma’et-Re (Amenemhet III). Gericke. das hier Anwendung findet. Der etwas jüngere Papyrus Rhind ist 5. Der Schreiber A’h-mosé hat die Abschrift angefertigt.3. Dieses Buch wurde geschrieben im Jahr 33. Da dieses Ergebnis ein Stammbruch ist. S. mit denen dann weiterzurechnen ist. (2) Bilde die Differenz dieser beiden Brüche. nach H. Die Lösung lautet also: 521/1050 = 1/3 + 1/7 + 1/50. Er beginnt mit den Worten: Genaues Rechnen. in denen die Ägypter mit Stammbrüchen umgingen: Sie schreiben solch einen komplexeren Bruch nach folgendem Verfahren als Reihe von Stammbrüchen um: (1) Finde den größten Stammbruch.18 Der weitere Text des Papyrus Rhind schließt mit Divisionsaufgaben und Aufgaben zur Bruchrechnung an. Der größte Stammbruch für 171/1050 ist 1/7. ist die Zerlegung solch eines Bruches in Stammbrüche. nach welcher die zuzuordnenden Stammbruchreihen für die Brüche im Bereich von 2/3 bis 2/101 angegeben wurden. Das Verfahren. ergibt sich aber das Problem. 51. Die Differenz lautet: 171/1050 − 1/7 = 1/50. Heidelberg 1984.1 Die Anfänge analytischen Denkens 73 grenzungsflächen das Volumen eines quadratischen Pyramidenstumpfes berechnet werden kann. . Mathematik in Antike und Orient.und Unterägypten A-user-Re. mit Leben versehen in Anlehnung an eine alte Schrift aus der Zeit des Königs von Ober. wie mit Brüchen mit dem Zähler 2 umzugehen ist. (3) Für die Differenz wiederhole die Schritte (1) und (2). Wenden wir diese Methode nun zum Beispiel auf den exemplarischen Bruch 521/1050 an: • • • • • • Der größte Stammbruch für 521/1050 ist 1/3. im vierten Monat der Überschwemmungsjahreszeit unter seiner Majestät dem König von Ober. Dabei waren in dieser Tabelle allerdings keine Brüche – wie 2/4 oder 2/6 – aufgeschlüsselt. Wenn derart mit Stammbrüchen gerechnet wird. Und so ergeben sich dann auch allgemein die Regeln. Wie aber gehen nun aber die Ägypter mit Brüchen um. Die Differenz lautet: 521/1050 − 1/3 = 171/1050. Solche Brüche können im Verdoppelungsverfahren berechnet werden. Er enthält eine Liste der Divisionen 2 : n und 84 Aufgaben in einer lehrbuchartigen Anordnung. Einführung in die Kenntnis aller existierenden Gegenstände und aller dunklen Geheimnisse. die nicht mehr die 1. Berlin. ist die Aufgabe damit gelöst. Im Papyrus Rhind wurde hierzu die sogenannte 2/n Tabelle genutzt. sondern eine größere Zahl im Zähler haben.34 m lang und 33 cm breit. bis der Rest ein Stammbruch wird.

Zudem offerieren sie für bestimmte Lösungsverfahren Tabellen. Dies bedeutet etwa für i = 3 (wobei man 3 × i rechnen muss) folgendes Verfahren: Der Bruch. in dem dann 2/4 als 1/2 und 2/6 als 1/3 bestimmt sind. Beschrieben sind Verfahren zur Addition von geometrischen Größen. Für alle Brüche mit Nenner auf der Basis 11 gilt entsprechend: 2/11i = 1/6i + 1/66i. skizziert das vorgenannte Verfahren wie folgt: Hier lässt sich der Bruch folgendermaßen aufspalten: 2/15 = 1/10 + 1/30 Für alle Brüche mit Nenner auf der Basis 3 gilt. die eine Primzahl (= Zahlen die nur durch sich selbst oder 1 teilbar sind – etwa 3. Weitere Primzahlen und deren Zuordnungen werden im Papyrus Rhind nicht aufgewiesen.74 3 Die asiatischen und afrikanischen Hochkulturen werden können. Und 2/3 bestimmt sich als die Summe von 1/3 + 1/4 + 1/12. bekannt war. 2/35. Um mit diesen Zahlen rechnen zu können. bekannt war. Diese. nach denen nun auch diese Zahlen zu halbieren waren. insoweit aus dem Mittleren Reich übermittelten Berechnungsverfahren. um die für diesen Berechnungsschritt maßgeblichen Werte einsetzen zu können. wie in einer entsprechenden Problemstellung mit den dann jeweils einzusetzenden Zahlwerten umzugehen ist. lautet 2/9 (da 3 × 3 = 9). In der 2/n Tabelle ist nun zudem auch auszulesen. Ferner werden dann auch komplexe Brüche in Stammbrüche aufgelöst: So schreibt sich dann 3/4 als 1/2 + 1/4. Brüche. Zusammengefasst bedeutet dies: 2/9 = 1/6 + 1/18. was wir schon für die Mathematik in Mesopotamien aufweisen konnten. wie wir gesehen haben: 2/3i = 1/2i + 1/6i. wie die einzelnen Berechnungsschritte anzulegen sind. dass die Ägypter einen erstaunlich genauen Wert von π besaßen. die nicht weiter teilbar ist. den ich darstellen will. Ein weiteres Beispiel. entwickelten die Ägypter Näherungswerte. Er lässt sich errechnen durch 1/6 (da 2 × 3 = 6) + 1/18 (da 6 × 3 = 18). Darstellungen des Verhältnisses der Größen von Längen und der Ausdehnung der zugehörigen Flächen sowie Aussagen über die Berechnung des Inhaltes von Dreiecken und rechtwinklig begrenzten Flächenstücken mittels Zerlegung. dass dieses Verfahren. Sie demonstrieren. Die Tabelle endet denn auch bei 101. in dem nun i = 5 gesetzt ist. Diese Darstellungen erläutern eine Handlungsfolge. zeichnen also analog dem. Für alle Brüche mit Nenner auf der Basis 5 gilt nunmehr aber 2/5i = 1/3i + 1/15i Für alle Brüche mit Nenner auf der Basis 7 gilt dann: 2/7i = 1/4i + 1/28i. dass mit den die Primzahlen eine Zahlengruppe. dass hier algebraische Lösungen gesucht und nach zum Teil vorgegebenen Verfahren gefunden wurden. die zeigen. 2/91 und 2/95 noch auf eine andere Art und Weise bestimmt. Das lässt darauf schließen. die zeigen. Die Musteraufgabe 50 des Papyrus Rhind lässt denn auch erkennen. Zusätzlich werden die Brüche 2/55. wurden wie folgt zerlegt (das „i“ steht für eine beliebige Zahl): So gilt zum Beispiel: 2/3i = 1/2i + 1/6i. Darüber hinaus lassen sich im Papyrus Rhind auch Darstellungen geometrischer Probleme aufweisen. in denen den Anweisungen entsprechend nachzuschauen ist. hierzu liegen demnach eigene Lösungen vor. . Fallbeispiele nach. In diesen Fallbeispielen sind Regeln dargelegt. 17 oder 43) als erste Zahl im Nenner hatten.

Was geschieht für die Marschierenden. Weh ihm. das sie belebt. . 3. die Gruben zu sehen.16. den Aufbau und die Kalkulation von Aufwendungen oder auch die Optimierung von Infrastrukturen Wie in Mesopotamien folgt die Berechnung vorgegebenen Traditionen.19 Nach diesem Verfahren also subtrahiert man in diesem Fall 1/9 vom Durchmesser d und quadriert. der kein Wasser hat. für die Berechnung des Baus von Pyramiden. In gleicher Weise ist dann auch der Inhalt eines Korbes oder einer Vase zu berechnen. Es wurden Steinarbeiter beordert. . den er liebt.) in seinem Tempel im Wadi Mia Jahr 9. Der Rest ist 8. h. machen. machte er Rast am Wege. . . Chr. Die Aufgaben betreffen ferner die Organisation. weg. Tempeln oder Bewässerungsanlagen sowie für die Abrechnungen von Lohn.1 Die Anfänge analytischen Denkens 75 Die Aufgabe lautet: Beispiel der Berechnung eines runden Feldes vom (Durchmesser) 9 ht (ein Längenmaß). die kommen werden. Nachdem seine Majestät viele Meilen hinaufgezogen war. Wie kann ich für sie sorgen und ihnen etwas. Gericke. Die behandelten Fragen betreffen praktische Probleme. dass es den Brand ihrer Kehlen löscht? Wer stillt ihren Durst? Das Land ist fern. 55. Sohn des Re Seti-Merenptah. mich wegen meiner Tüchtigkeit zu rühmen. sondern nur Verfahren angegeben. Was ist der Betrag seiner Fläche? Nimm 1/9 von ihm. eine Wasserstation anzulegen. keine Formeln. Sein Herz hatte gewünscht. (dem Durchmesser). aus denen Gold geliefert wird. Die Fläche ist dann (d − d/9)2 . dass künftige Mannschaften kommen. demnach hätte hier π den ungefähren Wert von 56/81. Gott auf meinen Namen preisen. Material und Abgaben notwendig sind. Mathematik in Antike und Orient. Dabei werden für diese keine Berechnungen. mit seinem Herzen Rat zu halten. um die Bitte dessen. einer der sich um Grenzwachen kümmert. . Für die einzelnen Maßkombinationen sind dann aber bezogen auf eine bestimmte Form Zahlenwerte ermit19 Zitiert nach H. dem Leben geschenkt ist ewiglich. die in der Landvermessung. weil ich umsichtig war. Er sprach: wie schwierig ist ein Weg. dem Mann. Tag 20 unter der Majestät des Horus . die Primzahlen. Behandelt werden mathematische Verfahren. So finden sich etwa für die Berechnung von Volumen Tabellen. zog er in der Wüste umher und suchte einen Platz. der durch Sommerhitze gebrannt wird. Berlin. Nachdem seine Majestät diese Worte zu seinem eigenen Herzen gesprochen hatte. einen Brunnen in den Bergen zu graben. Heidelberg 1984. Inschrift Sethos I (1304–1290 v. d. Multipliziere 8 mal 8. so dass sie nach Jahren. Seine Majestät durchzog die Wüste bis zu den Bergen. in denen bei vorgegebenen Werten zu Fläche und Umfang das Volumen von Halbzylinder und Halbkugel auszulesen ist.3. An diesem Tage. . . S. Monat 3 der Sommerzeit. die Wüste weit. damit es den ermatteten aufrichte und das Herz dessen kühle. Gott aber leitete ihn. der in der Einöde dürstet. zu gewähren. Es wird 64.

Natürliche Zahlen werden durch Zeichen für Zehnerpotenzen additiv im Dezimalsystem dargestellt. oder ob die Darstellung der Werte für diese Formeln schlicht das Resultat einer experimentellen Ermittlung darstellt. nach denen dann solche Volumina bemessen oder Flächen berechnet wurden. . Wobei dann die entsprechenden Brüche 2/n in der Tabelle als Summen von Stammbrüchen dargestellt sind. die nun auch nicht einfach ineinander abbildbar waren. nicht ineinander abbildbar. dass die Hohlkörper mit Sand oder Wasser gefüllt werden. Wohl aber findet sich eine Gegenprobe. und die entsprechenden Regeln nicht durch Beweis abgesichert sind. Schließlich wären solche Näherungswerte auch dadurch zu ermitteln. Demnach kann in einer Multiplikationsreihe dann auch eine Folge von Stammbrüchen immer wieder in eine Folge von Stammbrüchen aufgelöst werden. Die beiden erwachsenen Kulturpraktiken bleiben nebeneinander stehen. Für die nach diesen Verfahren notwendige Summierung von Stammbrüchen existiert eine Tabelle mit Darstellung der Brüche 2/n mit ungeradem Nenner für die Werte zwischen 5 und 101. . Brüche sind mit wenigen Ausnahmen (etwa 2/3) als Stammbrüche resp. Wohl gibt es Verfahren zur Umrechnung der Maße der einen Kultur in die der anderen. bleiben sie nebeneinander stehen. dass eine Vorschrift im Allgemeinen zu einem richtigen Ergebnis führt. Nur sind die Verfahren. So ist 1/15 × 2 ein Wert 2/15. Der Zahlenraum erwächst in einer anderen Tradition als in Mesopotamien. Zudem werden diese Verfahrenweisen durch Konventionen ergänzt. einer analytischen Darstellung geometrischer Formverhältnisse entsprechen. Beide Kulturen arbeiteten nach tradierten Regeln. mit denen dann wieder jeweils einzeln nach der Tabelle umzugehen ist. Beide umfassen Zahlenräume. Dabei ist es unklar. nach denen etwa geometrische Größen wie der Umfang eines Kreises oder die Volumina von Körpern bestimmt werden konnten. 1/n′ . ob diese Rechenanweisungen. sondern unterschiedliche Berechnungsverfahren gegenüber. als Summe von Stammbrüchen dargestellt. in dem sie erwachsen sind. die für die einzelnen Werte Lösungen angeben. doch fehlen eben Beweisverfahren. Multipliziert wird durch sukzessive Verdoppelung. ob die je errechneten Werte in der Tat den Lösungen für die vorgegebenen Aufgaben entsprechen. und so dann das jeweilige Volumen einfach ausgemessen wurde. Wir finden denn auch in all diesen Beschreibungen keine Begründungen. die sich aus den tradierten Verfahren bemessen und in ihrer Struktur erklären lassen. die angegeben sind und so für die weitere Berechnung übernommen werden können. jeweils in unterschiedlichen Traditionen erwachsen. nach denen mit ihnen umgegangen wird. . Da die einzelnen Verfahren nur auf eine innere Konsistenz in dem jeweiligen Aussagesystem achten. aufgelöst werden kann. Auch diese Konventionen stehen nebeneinander und lassen sich nur über die Umrechnungstabellen vom Maß der einen in das Maß der anderen Kultur übersetzen. die darstellt. Diese Zahlenräume sind aber wie die Regeln.76 3 Die asiatischen und afrikanischen Hochkulturen telt. So finden sich für die Stammbruchtafeln Ägyptens in Babylon keine Entsprechungen. der dann in eine Folge von Stammbrüchen 1/n. die zeigen. Insoweit stehen sich dann in Mesopotamien und Ägypten nicht nur zwei unterschiedliche Zahlensysteme.

12 Darstellung des Echnaton 77 . 3.3.8 Liter – 1 kahr (sack) = 20 hekat = 2/3 Kubikellen Abb.1 Die Anfänge analytischen Denkens Ägyptische Maße • Längenmaße – 1 Elle = 7 Handbreiten = 28 Finger entspricht etwa 52 cm – 1 khet = 100 Ellen • Flächenmaß – 1 setat = (1 khet)2 entspricht etwa einem Morgen • Volumenmaß – 1 hekat (Scheffel) = 4.

Der erste in der Morgendämmerung erfolgende Aufgang des Sirius im Osten. zum alleinigen Gott. genannt Aton. die dem Mond zugeordnet waren und die Mondphasen verkörpern. an.1. kündigt die Nilschwelle. Diese Konzentration auf die Innenpolitik lässt die ägyptische Autorität in Asien schwinden. war der jüngere Sohn Amenhoteps III. der spätere Echnaton. Direkt nach dem Tode des Echnaton werden denn auch seine Neuerungen rückgängig gemacht. deren Aufgang über dem Horizont jeweils zehn Tage auseinander lag. Diese wurden als sogenannte Dekane aufgelistet. Echnaton Pharao Amenhotep IV. proklamierte dieser König den Sonnengott.78 3 Die asiatischen und afrikanischen Hochkulturen 3. seine Position ist damit geschwächt. des Senenmut. Diese werden erst während der Ptolemäerzeit aus Babylon übernommen und dann jeweils aber durch drei Dekane unterteilt. Da dieses Jahr mit seinen 365 Tagen zu kurz war. über Details der astronomischen Kenntnisse Ägyptens unterrichtet. Im sechsten Regierungsjahr verlegte er die Hauptstadt von Theben in den Norden in das Wüstenfeld Tell el-Amarna. die Macht entzogen. Das Jahr wurde dann mit 12 × 30 Tagen plus fünf Zusatztagen bemessen. mit seiner regelmäßig im Sommer erfolgenden Überschwemmung der landwirtschaftlichen Nutzflächen. entstanden.. Dabei ist diese im Jahreszyklus wiederkehrende Überschwemmung in den Veränderungen des Sternenhimmels abgebildet. noch nicht aufzufinden.12). das steigende Nilwasser. die gegen 1470 vor Chr. Ältere Darstellungen finden sich in dem Grab eines Günstlings der Hatschepsut. um den 17.2. wo die neu gegründete Stadt Achetaton (Lichtort des Aton) entstand. und der Pharaonin Teje (Abb. Seine Schwiegersöhne (einer davon war Tutenchamun) werden durch einen revoltierenden General von der Herrschaft verdrängt. er ließ alle vier Jahr einen zusätzlichen sechsten Schalttag einbinden. Auch hier sind die 12 Tierkreiszeichen. Besondere Bedeutung gewannen – wie schon eingangs beschrieben – Sterne. Juli. der Priesterschaft des Amun-Re und der anderen Gottheiten. um dann nach 1461 Jahren wieder am Beginn zu stehen. Fortan nannte er sich Echnaton und arbeitete in den darauf folgenden Jahren an einer umfassenden religiös-kulturellen Umstrukturierung Ägyptens. der Regierungssitz wird nach Theben zurückverlegt. der auf Grund seiner militärischen Erfolge die . in seiner sichtbaren Gestalt als Sonnenscheibe. Diese 1491 bildeten die sogenannte Sothis-Periode. Erst seit dem Mittleren Reich sind wir nun aber durch eingehende Darstellungen. An anderer Stelle erscheinen im selben Grab Gottheiten. wie etwa die Deckenmalereien im Grab des Pharaos Sethos I (um 1290). Mit seinem Namen verbindet sich der erste monotheistische Aufbruch in der Religionsgeschichte der Menschheit. die wir aus Babylon kennen. 3. verschob sich so der Jahresbeginn alle vier Jahre um einen Tag. Er ersetzte damit den Kult um Amun Damit war zugleich der alten Führungselite. Im ägyptischen Kalender galt denn auch der Aufgang des Sirius (Sothis) als Beginn des Kalenderjahres.2 Ägyptische Astronomie Zentral für die Organisation und Ökonomie Ägyptens war der Nil. Erst unter Kaiser Augustus wurde diese Zählung verändert. Um 1350 vor Chr.

Höber-Kamel Wissenschaft im alten Ägypten. worauf er gewartet hat. . der mit dem Totengott Seth identifiziert wurde. zit. worin dann nun die Aufgaben des Himmelsdeuters bestanden: Erbprinz [. Lelonx. Abbildungen in den Särgen des Mittleren Reiches und der Spätzeit. die die Zukunft voraussagen. was er gesehen hat. sachkundig in allem. der in den heiligen Schriften gelehrt ist. Saturn als Horus.3. um sie am Morgen erneut zu gebären. und der den heliakischen Aufgang von Sothis voraussagt. alles. Zentral sind hierfür die erwähnten Dekansterne. er kennt die Kulminationszeiten der Sonne. Sternbilder des Nordhimmels und Sternbilder des Südhimmels (Abb. . und so die Handlungen der Priester und die Handlungen des Pharaos mit dem Naturgeschehen ab20 Quelle: Neugebauer/Parker.1 Die Anfänge analytischen Denkens 79 Reaktion gegen Echnaton stabilisiert und die vollständige religiöse und kulturelle Restauration abschließt. . Stier des Himmels. aufzulisten: Zentral ist das Das Bild der Himmelsgöttin Nut. der die beiden Länder begrenzt. nach der Übersetzung von D. Astronomy. die Zeit und die Zeitabfolgen des Jahres. der Mondphasen und der Nacht festzustellen. deren Abbildung es dem Verstorbenen erlauben sollte sich auch im Jenseits zurechtzufinden. ]. Auf der Statue des Har-Chebi. S. ] verfolgt. was sie vorausgesagt hat. ist ausgewiesen. . wofür er sich selbst reinigte an ihren Tagen. was sie täglich tut. geschickt in Bezug auf ihre Konjunktionen und ihre regulären Bewegungen. er. sowie in den Totentempeln und Grabkammern des Neuen Reichs erlauben es nun. verschwiegen in allem. der den heliakischen Aufgang jedes [.13). Weather and Calenders. 3. . Seit der Ptolemäerzeit wurden auch die 12 Figuren des Tierkreises (Zodiak) innerhalb der Himmelsbilder dargestellt. Mars als Horus sowie Merkur. Identifiziert sind weiter die fünf Planeten. . . er gibt kund. [. was am Himmel zu sehen ist. . . Die Sterne gaben nun eine Orientierung über die Zeit und den Himmelsraum. die im Kult des Echnaton dann auch als die direkte Inkarnation des Re verehrt wurde. .20 Himmelsbeobachtungen erfolgen demnach im Kontext des Kultus. Cambridge 2007. eines Astronomen des alten Ägypten. verkündet alle ihre Wunder und legt die Zeit dafür fest. der die Kulmination jedes Sternes am Himmel beobachtet. den Zeitpunkt der Aufund Niedergänge mit Hilfe der Götter. die wichtigsten astronomischen Elemente. Kemet 4 2000. sie erlauben es. wann sie stattgefunden haben [. . ist in seiner Obhut. beim heliakischen Aufgang von Ach [ein Dekan] neben Benu [Venus] und er stellte das Land mit seinen Aussagen zufrieden. In der theologischen Vorstellung verschluckte Nut am Abend die Sonne. Die Ägypter kennen dann Jupiter als Horus. n. sowie schließlich die Venus in ihren beiden Bedeutungen als Himmelsüberquerer und Gott des Morgens. ohne bei den Nachtstunden fehlzugehen [. er. die die ägyptischen Astronomen beobachteten. ] in einem guten Jahr kennt. Dabei ist das zentrale Gestirn die Sonne. an deren Leib die Sterne leuchten. der all das Bemerkenswerte im Himmel und auf der Erde beobachtet – klaren Auges ohne sich zu irren. 102f. ]. Er beobachtet sie [Sothis] am Tage ihres Erstrahlens. ]. genau wiedergibt. der überhaupt nichts bezüglich der Beurteilung seines Berichts preisgibt. der die Stunden in die beiden Zeiten [Tag und Nacht] einteilt.

Somit war der Kult in seinen Abläufen auf die Konstellationen des Kosmos hin abzustimmen. über den Monat und in dem Verlauf von Tag und Nacht.80 Abb.13 Namen der Planeten 3 Die asiatischen und afrikanischen Hochkulturen Planet Umschrift Jupiter Hr-t3S-t3wj Saturn Hr-K3-pt Mars Hr-3xtj Merkur sbgw Venus 1) d3j Hieroglyphen 2) ntr-dw3j zustimmen. 3.1.3 Medizin im alten Ägypten Auch die Medizin des alten Ägyptens steht in einem mythologischen Kontext. mit denen Sterne avisiert und ihre relative Position in Bezug auf Horizonthöhe und Himmelsrichtung festgehalten werden konnte. Beschrieben sind einfache Instrumentarien. Tradierte Wissensbestände gewannen in diesem Denken eine besonders hohe Bedeutung. dass sie zumeist Kopien sehr alter Darstellungen sind. die insbesondere auf die Nilüberschwemmung bezogen werden konnten. Ausgewiesen finden wir damit dann Konstellationen und Zyklen von Ereignisfolgen. Dabei erfuhren diese Zyklen. Dabei konnten dann in der Feststellung möglicher kritischer Konstellationen und im Ausweis von sich überlagernden Zyklen bedeutsame Phasen im Naturgeschehen beschrieben und vorhergesehen werden. im Jahr. Dabei .2. Und so ist auch für die medizinischen Abhandlungen aus dem Neuen Reich kennzeichnend (zwischen 1650 und 1070). Das Bild des Sternenhimmels selbst ist dabei komplett in den Mythos eingebunden. eine mythologische Deutung. 3.

So findet sich eine Darstellung zu den Grundlagen des ärztlichen Geheimnisses. sollst du am ersten Tag frisches Fleisch auf diese lege. Das Wissen über die Bewegung des Herzens und die Kenntnis des Herzens selbst. um jemand zu pflegen.21 Der Berliner Papyrus Brugsch. von Verrenkungen. Grundlagen der Arzneimittel. Aber entsprechend der seinerzeitigen Mathematik finden sich in den Papyri jeweils meist nur Handlungsanweisungen: Wenn du einen Mann untersuchst. der ein Magenleiden hat. nachdem sein Baumeister Uash-Path erkrankt war. Weiter zählt er Mittel gegen die Erkrankung der weiblichen Brust.1 Die Anfänge analytischen Denkens 81 wissen wir aus einer Inschrift der 5. Erlangen 1992. nicht jedoch komplexere Vorstellungen zur Physiologie oder zu einer Krankheitslehre in unserem Sinne zur 21 Zitiert nach A. neben kosmetischen Rezepten und einer Beschwörungsformel gegen eine Epidemie vor allem Auskünfte über den Stand der ägyptischen Wundheilkunde. Wobei hier im Wesentlichen Verfahrensvorschriften zusammengestellt sind. Beschrieben ist die Behandlung von Verletzungen im weichen Gewebe. Dynastie. dann musst du diese Wunde abtasten. der etwa zeitgleich mit dem Papyrus Ebers entstand. Leca. den der gleichnamige Ägyptologe 1872 für die Stadt Leipzig erwerben konnte. Frakturen im Schädel. So findet sich etwa: Nachdem du nun seine Wunde genäht hast. der eine offene Kopfwunde aufweist. Sein Hals schmerzt und ist steif . du wirst ihn unfähig finden. Insgesamt bildet sich in diesen und weiteren Papyri ein breiter Wissensbestand ab. datiert. ist beachtlich. Chr. eine Truhe mit (medizinischen) Büchern zu bringen. die bis zum Knochen vorgedrungen ist und die Schädeldecke durchbrochen hat. In: Richard Toellner. Bd. seine beiden Schultern und seine Brust zu betrachten. Anweisungen. Du musst ihn täglich mit Schmalz.und Halsbereich und im Bereich des Oberarms und der Halswirbel. die zumeist Werke aus dem Alten Reich – vor 2160 – kopieren. nur selten steht im Text dieses ist eine Krankheit bei der man nichts machen kann. die hier abgebildet sind. der auf Einzelerfahrungen basiert. Verankere den Patienten an seinem Ankerplatz. Hieran schließt sich dann eine Diagnose an. und enthält auf gut 20 Metern Textbahn 180 Spalten mit Rezepturen und anderen kurzen Texten. Er datiert aus der Phase um 1600 v. Diese lautet etwa: Diese Krankheit ist zu behandeln. Dabei werden in dem ansonsten nicht durchstrukturierten Text einzelne Passagen unter Überschriften zusammengebunden. beschreibt weiter Behandlungsmethoden gegen Darmparasiten. Zentrale Quelle für unseren Wissensstand zur ägyptischen Medizin ist der sogenannte Papyrus Ebers. Honig und Scharpie behandeln. die dann auch eine Prognose zulässt. Der Kenntnisstand an Einzelbefunden. dass schon zu dieser Zeit Papyri mit medizinischem Inhalt vorlagen. gegen Husten und Mittel zur Schwangerschaftsverhütung auf. 1. An diese globale Bewertung schließt sich dann die Beschreibung therapeutischer Maßnahmen an. 112. Illustrierte Geschichte der Medizin. Chr. . Die Medizin im Alten Ägypten. In schweren Fällen findet sich dann die Aussage dieses ist eine Krankheit mit der ich kämpfen werde.-P. Gesichts. Daneben gibt der Papyrus Edwin Smith. Dieser Quelle zufolge befahl der Pharao Neferirkare. der Phase zwischen 2470 und 2320. der zwischen 1300 und 1180 v. S. die man für Frauen zubereiten soll. Du darfst sie nicht verbinden.3. die über Jahrhunderte registriert wurden.

auf die beiden Beine oder an irgendeine andere Stelle legen. was sich mit der Hand erkennen läßt. wusste alles. die wiederum hierarchisch organisiert waren. denn dessen Gefäße reichen bis in alle Körperteile. in der das Medizinische aber eng mit religiösen Vorstellungen und Praktiken verzahnt bleibt. Stirn und Wangen differenziert sind.22 Deutlich wird hier auch. Gesichtsfläche. Dabei umfasste diese im weiteren Sinne medizinische Tätigkeit nicht nur die Therapie der Kranken. Zudem gab es Hofärzte. . aber eben keine eigentlichen funktionsmorphologischen oder gar physiologischen Vorstellungen von der Organisation der Lebensvorgänge kennt. sondern auch die Versorgung der Toten. Insgesamt lässt sich demnach auch in sozialer Hinsicht für den Bereich der Medizin eine hoch entwickelte Praxis aufweisen. worum es sich handelte. Hirnhaut und Hirnflüssigkeit (Cerebrospinalflüssigkeit) unterschieden. Aufseher der Ärzte. Für den Schädel findet sich zwar eine differenzierte Terminologie. in der Hinterhaupt. auf die Hände. deswegen kann jeder Arzt.82 3 Die asiatischen und afrikanischen Hochkulturen Konsequenz hat. Ich habe den Kranken die Hand aufgelegt und wusste.23 Demnach haben dann auch die Stoffe. S. Der Ärztestand war in Ägypten bedeutsam. und der Ausgleich von aufgenommenen und abgegebenen Stoffen große Bedeutung für die Therapie. gebunden an eine im Letzten dann doch immer wieder kasuistisch organisierte Wissensordnung. das im Papyrus Ebers zu finden ist. wie ein Text aus dem Mittleren Reich bezeugt: Ich war ein Priester der Sekhmet. Vorsteher der Ärzte und Anführer der Ärzte zu unterscheiden. dass ein Zusammenhang zwischen Pulsschlagfrequenz und dem Herzschlag besteht: Im Menschen sind Gefäße die in jedes Körperteil gehen. einflussreich und kundig in meinem Beruf. Doch gibt es keine weiterführende Überlegung zur funktionellen Abstimmung solcher Teile. So sind Oberärzte. verband sich dies allerdings nicht mit Vorstellungen zur funktionellen Organisation des menschlichen Körpers. Bekannt war den Ägyptern. auf die beiden Arme. Doch bleibt die entsprechende Darstellung der Formdifferenzierung summarisch. an die Stelle des Herzens. jeder Priester der Sekhmet und jeder Zauberer seine Finger auf den Kopf. Ebd. Ärzte waren Priester der Göttin Sekhmet. Den Ärzten oblag auch die Bereitung von Arzneimitteln. von dem aus dann auch die Krankheiten interpretiert werden. Obwohl die Verfahren der Mumifizierung hoch entwickelt waren und entsprechend auch eine umfassende Terminologie zur Beschreibung einzelner Skelettelemente und verschiedener innerer Organe vorlag. die im Körper abgelagert werden. das zeigt das Kapitel zu den Bewegungen des Herzens und zum Herzen selbst. 22 23 Ebd. Es gab ein ganzes Gefüge von Ärzten in einer streng hierarchisch aufgebauten Organisation. an das Genick. 120. S. 123. er wird etwas vom Herzen spüren. Aus diesem Grunde spricht man auch von den Gefäßen jedes einzelnen Gliedes. Vielmehr stehen die entsprechenden Beschreibungen von Krankheiten und die sich auf diese beziehenden Therapien explizit in einem magisch/religiösen Kontext. Entsprechend differenziert war er organisiert. Bezogen auf die innere Organisation des Schädels werden Hirn. speziell die Mumifizierung. Oberkiefer. dass die diagnostische Praxis von einem umfassenden Erfahrungswissen geleitet ist.

Nachträge. Claggett. Ebbell. Grapow. Krauss. München 2006. . ist die Diagnose und die sich anschließende Therapie hoch differenziert. Band VI: Wörterbuch der Ägyptischen Drogennamen. Halioua. A. dann wenn sie sich im Körper verteilen. von Deines.. S. Ancient Egyptian Science: A Source Book. Grundriß der Medizin der alten Ägypter. Westendorf. Grundriss der Medizin der alten Ägypter. Clocks and Astronomy. M.. Die Medizin im Alten Ägypten. I. So wird beschrieben. Studien zur astronomischen und technischen Chronologie Altägyptens. Wiesbaden 2003 R. Middle Egyptian. II Calendars. So werden allein im Papyrus Ebers hundert Rezepturen zur Behandlung von Augenkrankheiten beschrieben. Lexikon der Pharaonen. Entsprechende Bedeutung gewinnt dann auch die Therapie der Krankheiten des Afters. H. Kopenhagen 1937. Sothis. Bd.und Monddaten. Leca. H. H. Philadelphia 1995 H. Gericke. J. Westendorf. Band IX: Ergänzungen: Drogenquanten. Paris 2002. Die therapeutische Praxis bleibt jedoch insgesamt kasuistisch und findet ihren Erklärungszusammenhang im mythisch-religiösen Kontext. 112–137. Weiterführende Literatur J. 8 Bde. H. Band VII (1+2): Wörterbuch der Medizinischen Texte. Harris. Generalregister. Ägyptische Algorithmen: Eine Untersuchung zu den mittelägyptischen mathematischen Aufgabentexten. dass die von der Fäkalmasse ausgehenden Stoffe. The Papyrus Ebers. Imhausen. Krankheiten und Arzt. Cambridge 2000. Sachgruppen. P. Berlin 1958–1973. Berlin. Gerechtigkeit und Unsterblichkeit im alten Ägypten. M. R. Illustrierte Geschichte der Meidzin. Philadelphia 1989. das deutet sich hier an. 1954–1962. Krankheiten zur Folge haben. W. die Einrichtung von Brüchen. v. In: Richard Toellner. Hg. Grapow. 1971. In: J. Schneider. Band IV (1+2): Übersetzung der medizinischen Texte. Deines. H. Hg. J. B. The Legacy of Egypt. Allen. Medicine. Erlangen 1992 T. In Teilbereichen. A Source book. eine differenzierte Geburtskunde und umfassende Kenntnis der Arten und der Wirkung der im Bereich des Nils verfügbaren Kräuter. Band III: Kranker. Assmann. A. Bibliographie. Mathematik in Antike und Orient. Ancient Egyptian Science. Nachgewiesen ist schon im Alten Reich die Behandlung von Kopfwunden durch Trepanation. Heidelberg 1984. An Introduction to the Language and Culture of Hieroglyphs.-P. 1. Band II: Von den Medizinischen Texten. B. Bd. La médecine au temps des Pharaons. Harris. W. Husten deutet auf eine Erkrankung der Lunge hin. Düsseldorf 2002. Oxford. Ma’at. Die Luft – so die Vorstellung der ägyptischen Ärzte – wird durch die Nase und den Mund aufgenommen und über die Luftröhre und die Bronchien an die Lungen abgegeben. Berlin. Band VIII: Grammatik der Medizinischen Texte. Band I: Anatomie und Physiologie. Band I– IX. Clagett. Bd.Weiterführende Literatur 83 Schließlich werden Störungen in diesem Stofffluss als bedeutende Krankheitsursache angesehen. Hildesheim 1985.

S. Boston. G.84 3 Die asiatischen und afrikanischen Hochkulturen W. Westendorf. Survey and assessment. 321–373. Historia Mathematica 36 (2009). Leiden. . 2 Bde. Diagrams in ancient Egyptian geometry. De Young. Köln 1998. Handbuch der altägyptischen Medizin.

Geschichte der Naturwissenschaften.1 Karte der antiken griechischen Siedlungsraums im Mittelmeer O.1 Der Beginn der griechischen Antike 776 Erste Olympiade 753 Gründung Roms Schule von Milet ~627–~547 Thales ~610–~545 Anaximander ~585–~526 Anaximenes I TA L I E N MAZEDONIEN Apollonia Abdera Lampsakos Ilion Methone Sybaris ÄG Ä I S C H E S Kerkiria Thurioi Ambrakia Kroton Segesta SIZILIEN Akragas Rhegion Naxos Katane Lokroi ION I SC H ES MEER Chalkis Elis Korinth Megalopolis Syrakus Megara Chios Phokaia Smyrna Sardis Kolophon Samos Athen Argos Delos Sparta Kamarina 0 KLE I N A S I E N Mytilene MEER HELLAS Leotinoi Gela Kalchedon Kyzikos Stageira Taras Elea Zankie Byzantion I L LYR I E N Kyme Himera S C HWAR ZES MEER TH R AK I E N Epidayros Ephesos Milet Halikamassos Kos Knidos Kameiros 200km Rhodos Lindos Karte 4.4 Die griechisch-römische Antike 4. Geschichte der Naturwissenschaften. DOI 10.1007/978-3-642-41846-4_4.1. Breidbach. © Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2015 85 .1 Die griechische Antike 4.

Die Herrschaftsgebiete im Zweistromland wurden hierdurch massiv geschwächt. Sieg bei Marathon Beginn des zweiten Perserkrieges Anaxagoras Empedokles Sophokles Herodot Alkibiades Demokritos Hippokrates von Kos Entdeckung des Quadrat-x Peloponnesischer Krieg Sturz der athenischen Demokratie – Rat der dreißig Tyrannen Sokrates 4. das im 13. Das zeitlich parallel auf Kreta entstandene mykenische Reich erlangte nie eine vergleichbare Bedeutung. Die neu gewonnene Ordnung wurde durch den Einbruch der Skythen. das im 12. Jahrhundert schichteten sich die politischen Verhältnisse im kleinasiatischen Raum dann noch einmal umfassend um. dem Hellespont und dem Sinai aus. Jahrhundert das neu entstehende Perserreich noch einmal einen Herrschaftsgroßraum aufbaut. eines Reitervolkes aus Südrussland. so dass sich neben Assur neue Machtzentren etablieren. wieder destabilisiert. Jahrhunderts. dehnt sich dieses Reich bis nach Baktrien. nachdem seine Infrastruktur durch eine Naturkatastrophe zumindest entscheidend geschwächt war. bis im 6.1.1 Die homerische Zeit Schon in der Mitte des zweiten Jahrtausends hatte sich im Bereich Anatoliens ein drittes der kleinasiatisch/nordafrikanischen Machtzentren ausgebildet. h. d. Jahrhundert das Machtsystem in diesem Raum neu definierte.1. Jahrhundert unterging. In Folge entsteht im Kleinasiatischen Raum ab 800 eine Reihe von meist nur über Jahrzehnte stabilen Herrschaftsstrukturen. das Hethiterreich.86 4 Die griechisch-römische Antike Schule von Kroton ~560–~480 ~550–~ 546 522 Pythagoras 480Heraklit von Ephesos Ionien unterwirft sich dem Perserkönig Kyros II Tunnel des Eupalinos auf der Insel Samos Schule von Elea ~544–~450 ~490–~425 490 480 ~500–~428 ~490–435 496–406 484–425 450–404 460–~370 460–~370 ~450 431–404 404 469–399 Parmenides Zenon Beginn des ersten Perserkrieges. weitere . Unter Kyros. bildete jedoch als Inselstaat ein neues Handelszentrum im Mittelmeer. Mitte des 6. Im endenden 8.

In dieser Phase der Konsolidierung revoltierten die kleinasiatischen Griechen (500– 494 v. wie etwa die Staaten von Athen und Eretria. verleibte er auch Babylonien seinem Reich ein. Chr. der ab 560 v. Dies war der Beginn . Chr. die den Aufstand der kleinasiatischen Griechen unterstützt hatten. Jahrhundert Ägypten. Chr. die sich unter anderem gegen die richteten. die Dareios I.. Aufstände in den Randprovinzen zeigen allerdings. Perserreich Der Gründer des persischen Großreichs der Achämeniden war Kyros II. Chr. dass dieses Reich auch im 4. Er baute auch die Residenzen in Susa und Persepolis auf.2 Perserreich um 500 v. Jahrhundert aber noch nicht wirklich stabilisiert ist. Er organisierte die Verwaltung des Großreiches in sogenannten Satrapien. für sich entschied. Kappadokien. abschüttelte und mit der anschließenden Eroberung des Mederreiches die Grundlagen für den Aufbau eines persischen Großreiches schuf. die er aber um 550 v. die westliche Schwarzmeerküste und Ionien in das Persische Reich. Nach dem Tod seines Nachfolgers und Sohnes. 539 v. kam es zu einer Nachfolgekrise. Chr Eroberungen integrieren im 5. Die Perser reagierten mit Unternehmungen im Ägäisraum. der Ägypten dem Reich eingegliedert hatte. stärkte die Wirtschaft und gliederte Teile Indiens und Thrakiens seinem Reich an. zunächst als König unter der Oberhoheit der Meder herrschte.4.).1 Die griechische Antike 87 SAKEN jenseits des Meeres KA ARMENIEN KAPPADOKIEN SYRIEN Sagardien MEDIEN ME ER BABYLONIEN Ekbatana Behistun Opis Sippar Susa Babylon ELAM Anschan JUDA Memphis LYBIEN S MITTELMEER SPITZHELMIGE SAKEN HE LYDIEN I SC SCHWARZES MEER Sadis Milet HAUMASCHWELMER SAKEN SP THRAKIEN ÄGYPTEN SOGDIEN CHORASMIEN PARTHIEN PARSA Pasargadae Persepolis Schiraz BAKTRIEN GANDHARA CHINA SATTAGYDIEN ARACHOSIEN DRANGIAM INDUS RO ARABIEN MAKA TE S ME NUBIEN ER ARABISCHES MEER INDIEN Karte 4.

an Rom. Allerdings zerfällt die Einheit des Reichs Alexanders unter seinen Nachfolgern in vier sogenannte Diadochenreiche. In dieser Phase. dem heutigen Raum Palästina. doch konnte Sparta die endgültige Abtretung Kleinasiens und Zyperns nicht verhindern. Gegen 449 v. der sich am Rande der bisher betrachteten großen Kulturzentren etablierte. die die Organisation. akzeptierte das Perserreich den Status quo in Kleinasien. Er geriet allein für die Perser in den Blick. Für diesen Raum wurde es schon auf Grund seiner enormen ökonomischen Potenz. Chr. den Zusammenhalt und die Ökonomie des persischen Reiches zusehends schwächten. Wenn auch Ägypten etwa mit dem Hethiterreich um die südlichen Anrainerstaaten des Mittelmeeres. die Grundstrukturen der politischen Organisation des asiatischen und nordafrikanischen Raumes bestimmen. Chr. Wir betreten damit einen Raum. Doch bewegen wir uns zunächst fort von diesem kleinasiatisch/nordafrikanischen Raum hin an die Peripherie der vormaligen Großkulturen zum westlichen Küstengebiet Kleinasiens. Chr. Chr.88 4 Die griechisch-römische Antike der so genannten Perserkriege. die bis in das letzte Jahrhundert vor Chr. aber eben nicht zuletzt auch auf Grund seines schon in der Antike überwältigend erscheinenden kulturellen Erbes. Die Bibel erzählt von der babylonischen Gefangenschaft des Volkes Israel und zeigt dabei in ihren Geschichten die politisch destabile Situation dieser Region zwischen den seinerzeitigen Großmächten auf. Ihm gelingt es in nur wenigen Jahren. konkurrierte und auch die Assyrer im Konflikt mit Ägypten diesen Raum immer wieder neu besetzten.und Verwaltungseinheiten kann später Rom übernehmen. finden sich weitere Aufstände. worauf der 481 v.) wiederum in das Geschehen auf der griechischen Halbinsel ein: Dareios II. Gegen dieses Reich macht dann Ende des 4. Chr. Chr. das im Gegenzug versprach. Ab 304 hatte sich dieses unter der neuen Dynastie der Ptolemäer von 304–30 v. Nach Spartas Sieg kam es darüber zum Konflikt. Als letztes der Diadochenreiche fällt Ägypten 30 vor Chr. Alexander der Große mobil. die durch innenpolitische Destabilisierung des Perserreiches gekennzeichnet ist. Diese in ihren Grundfunktionen aus der Perserzeit übermittelten Kultur. und speziell den durch die griechische Kultur bestimmten Raum des östlichen Mittelmeeres ausgerichtet. nunmehr ökonomisch und kulturell auf das Mittelmeer. band sich dann aber im Peloponnesischen Krieg (431–404 v. die sich für die dortigen Kulturen alles andere als fruchtbar auswirkte. und der Schlacht von Plataea im Jahr darauf besiegt. für die . bedeutsam. Kleinasien den Persern zu übergeben. Jahrhunderts v. unterstützte Sparta. Allerdings wurden sie in der Schlacht von Salamis 480 v. etwa in Ägypten. den persischen Großkönig zu schlagen und sich nun selbst an dessen Stelle zu setzen. Demgegenüber blieb der Küstenbereich im nordöstlichen Mittelmeer am Rande der politischen Spannungsgebiete. Hier suchten die Perser die griechischen Halbinsel zu erobern. Auch nach Alexanders frühem Tod bleiben die von ihm übernommenen Verwaltungsstrukturen stabil. gegründete Hellenenbund zum Gegenangriff überging und in Kleinasien zunächst erfolgreich war.

Die hier gegründeten Handelsniederlassungen entwickelten sich rasch zu eigenen Kolonien. und in der Folge spielten sich nun dort die Grenzkonflikte zwischen Ägypten und diesem mesopotamischen Staat ab. Jahrhundert Siedlungen entstanden. Mit der neuen Einigung des persischen Reiches erschlossen sich nun speziell die Handelniederlassungen an der Westküste Kleinasiens ein reiches Hinterland und so konnten diese Städte in ihrer Position als Vermittler zwischen ihrem Mutterland . die allen gemeinsamen religiösen Zentren und eine vereinheitlichende Mythologie eine kulturelle Identität. hinter deren seinerzeit mächtigen Palisaden das Zinn der englischen Inseln zusammengetragen und dann von den Phönikischen Händlern über den Atlantik durch die Meerenge von Gibraltar ins Mittelmeer verbracht wurde. Megara und Argos waren hier im 9. von wo sie etwa das Zinn importierten. Noch heute ist in Südengland in Maiden Castle (Abb. das für einen Großteil der kleinasiatischen Bronzeproduktion eines der wichtigen Ausgangsmaterialien lieferte. Athen. sich – entsprechend dem Vorbild ihrer Mutterstädte – als Polis organisierten. Interessant waren diese Staaten wegen des Fernhandels.4. gewannen sie durch die gemeinsame schriftliche Tradition.1 Die griechische Antike 89 diese einzelnen Stadtstaaten aber nicht als Konkurrenz.1) die seinerzeitige neolithische Schutzburg zu besichtigen. Die Handelsgroßrouten hatten Anfang des 10. Hier war nördlich von den Expansionszentren der Phöniker und außerhalb der Haupthandelsrouten Karthagos eine eigene Kultur entstanden. Obwohl als Stadtstaaten organisiert. Die außerhalb dieser zentralen Spannungsbereiche zu findende kleinasiatische Küste lag so gleichsam im Schatten der großen Kulturen. Diese kleinen politisch für Persien bedeutungslosen Staaten funktionierten für dieses Großreich als eine Art ökonomischer Puffer zwischen dem persischen Kernland und den über das Mittelmeer zu erschließenden Handlungspartnern. Sie führen aber auch darüber hinaus nach England. die die politischen Konkurrenzen überdeckte. politisch ohne wirkliches Gewicht. die sich zunächst. Jahrhunderts die Phöniker erschlossen. Weitere Handelsliederlassungen auf der italienischen Halbinsel und der heutigen Südküste Frankreichs erschlossen Handelsrouten in den keltischen Raum und zu alten Handelsstraßen bis hin zur Ostsee. Ihre Handelsrouten umfassten das gesamte Mittelmeer und damit die Endstationen sehr alter Handelsstraßen. Assur hatte die Stadtstaaten Phönikiens unterjocht. Doch hatten die Städte dieser Region in kaufmännischem Kontakt zu diesen Großmächten im Bereich der Ägäis einen eigenen Handelsraum aufgebaut. Im Gegensatz zu den im Raum Palästina angesiedelten Phönikern waren die hier angesiedelten Griechen. 4. das dann im Weiteren – nicht zuletzt auf Grund der politischen Destabilisierungen in Palästina – die Funktion seiner dortigen Mutterstädte übernahm. Dabei übernahmen diese sich nun neben den Phönikern etablierenden Handelsstädte von den Phönikern die Schrift und entwickelten hieraus ein eigenes – auch die Vokale nachzeichnendes Alphabet. sondern höchstens als mögliche Beute von Interesse waren. Wobei die griechischen Siedler. 814 gründet dieses Handelsvolk Karthago. die vor allem in Süditalien und Sizilien zu mächtigen. eigenen politischen Strukturen heranreiften. Ausgehend von den Mutterkolonien in Griechenland wie Korinth. zusehends nach Westen ausbreitete. die sich in kleinräumigen Stadtstaaten organisiert hatten. die derart die Westküste Kleinasiens und die dieser Küste vorgelagerten Inseln besiedelten. noch im Schatten Karthagos.

4. kennzeichnende Synkretismus zeichnet sich so generell durch einen breiten Zweifel an überkommenen religiösen Vorstellungen und Mythen aus. Die Konfrontation mit immer neuen Kulturen – die Öffnung gegenüber dem ägyptischen und babylonischen Raum. Luftaufname von 1935 (Griechenland) und der neuen Großmacht sehr rasch prosperieren.90 4 Die griechisch-römische Antike Abb. . Es sind dies Jahre eines merkantilen Erfolges. der Anlandeplatz für Zinn in Südengland. Der diese Periode. in der die überkommenen an lokale Traditionen gebundenen Denkmuster zusehends zerbrechen. In dieser Phase werden die Handelsbeziehungen in den Westen des Mittelmeeres nach der italienischen Halbinsel. die allein schon durch die immer engeren Handelsbeziehungen Kenntnis von anderen Kulturen mit deren je eigenen Mythen mit sich brachte – führte zu Übernahmen und zu Assimilationen. den sogenannten Hellenismus. nach Sizilien und zur südfranzösischen Küste weiter ausgebaut. der von den Phönikern angefahren wurde.1 Maiden Castle. der Ausdehnung der ökonomischen und kulturellen Einflusssphäre.

Artemis. ist der Gott des Meeres. Poseidon und Demeter sodann die göttlichen Kinder des Zeus Ares. Artemis ist die . die Göttin der Jugend. Zeus ist der Göttervater. die dem Mythos zufolge auf dem Olymp residieren. KUPFER . Hephaistos.. die Schwester von Hebe und Ares. der Trauben. Haupt-Handelsprodukte 0 300km Karte 4. Zu den Olympiern gehören zunächst der Gottvater Zeus mit seinen Geschwistern Hera. Demnach gehört der Gott der Unterwelt – Hades.4. des Lichtes.3 Handelsrouten der Phöniker und Griechen Griechischer Götterhimmel Die Hauptgötter der griechischen Mythologie sind die sogenannten olympischen Götter. die erst später in den Olymp aufgenommen wurden. ist zugleich die Gemahlin und Schwester des Zeus. Hera. der Fruchtbarkeit und der Ekstase – Dionysos – meist nicht zu den Olympiern gezählt. Demeter ist die Erd. Hestia. der Bruder des Zeus – mit seiner Gemahlin Persephone nicht zu den Olympiern. Herrscher über Himmel..1 Die griechische Antike 91 ZINN B R ITA N N I E N Tanais Olbia WE I Z E N EISEN HOL Z IBERISCHE HALB I N S E L EISEN Cadiz ZINN Marseille Emporiae Chersonesus KUPFER Rom Malaca Epidayros Kyme S I LB E R Panormus Himera Katane Utica Karthago Phokaia KL E I N AS I E N GOL D Z I N N Korinth Syrakus Sinope Byzantion GRIECHENLAND ÖL WE I N Athen Ibiza Tanger Odessus SILBER Rhodos Byblos Thera KUPFER AFRIKA Sidon Tyra P H ÖN I Z I E N Cyrene vorwiegend phönizische Siedlungen/Kolonien vorwiegend griechische Siedlungen WE I Z E N Naucratis G OL D ÄG Y P T E N Handelsrouten WEIZEN. Auch Hebe. Blitz und Donner. werden ebenso wie der Held Herakles und der junge Gott des Weines. der ältere Bruder des Zeus. Athene und Hermes. der Erdbeben und der Pferde. der Pest und der Prophetie. sowie die Göttin der Geburt Eileithyia. der Freude. die Familiengöttin. Apollo.und Fruchtbarkeitsgöttin. Apollon ist Gott der Poesie. selbst Sohn des Titanen Kronos und der Rhea. Poseidon. Die beiden Letzteren sind Kinder des Zeus von sterblichen Frauen.

des Handels und der Reisenden und zudem der Götterbote. 4. einsetzte. überlebt aber den Zusammenbruch des Hetitherreiches. Chr. wobei hier insbesondere seine Purpurfärberei Bedeutung erlangte. gerät sie anscheinend dauerhaft unter hethitische Kontrolle. an wurde Milet zum bedeutendsten Umschlaghafen für den Handel mit dem Orient und entwickelte ein eigene Produktion etwa für Öl. wurde die Stadt zerstört. Jahrtausend v. und Dionysos. Chr. insbesondere die großen Handelszentren an der kleinasiatischen Küste – allen voran Milet – nie gekannte ökonomische Macht. kam es zu Konflikten der griechischen Städte an der Westküste Kleinasiens. Hestia. Milet Milet (Abb. Die dem Haupt des Zeus entsprungene Athene ist die Göttin der Weisheit. Neben den alten mit Demeter. der Städte.92 4 Die griechisch-römische Antike Göttin der Jagd und des Mondes. Im 6. Der Kult der Isis. dass diese Stadt in ihrer strategisch guten Lage auf einer Halbinsel immer wieder umkämpft war. Zugleich und parallel hierzu gewinnt der Kult um Tyche. deren Besiedlung im 3. Vom 8. Milet stieg zu einem der bedeutendsten griechischen Stadtstaaten auf. des Baal und der Kybele gewinnen Verbreitung. die Göttin des blind waltenden grausamen Zufalls. Aphrodite ist Göttin der Liebe und Schönheit. sondern als neue Verkörperungen schon bekannter griechischer Gottheiten Verehrung finden. Gegen 1100 v. so an der Propontis. Chr. Jahrhundert v.2) war eine antike Stadt an der Westküste Kleinasiens. wobei diese nun aber nicht als neue Gottheiten mit in das Pantheon der griechischen Gottheiten integriert werden. Hephaistos ist der Gott der Vulkane. Chr. rund um das Schwarze Meer sowie in Ägypten. Im 7. Chr. Wolle und Textilien. Chr. dem späteren Bacchus des römischen Reiches. der Künste und Wissenschaften. Ihre Bedeutung bestand dabei in ihrer Funktion Bindeglied im Metallhandels zwischen Kreta und Inneranatolien. Chr. dann aber 1053 v. Ares ist der Gott des Krieges und der Schlachten. wurde die Stadt erst vom Lyderkönig Kroisos. und zugleich gewinnen diese Stadtstaaten. der Schmiedekunst und der Architektur. ist die jungfräuliche Göttin des Herdfeuers und der Familieneintracht. unterworfen. des Feuers. großen Zulauf. Jahrhundert v. Die alten Mythen und auch die alten Ordnungen zerbröseln. Schutzherrin der Helden. mit den Reichen der Lyder und später der Perser. dann von den Persern unter Kyros II. verbundenen Mysterienkulten tauchen nunmehr auch aus Ägypten und Babylon übernommene Rituale auf. Jahrhundert v. des weiblichen Handwerks. des Ackerbaus. des Krieges und des Friedens. die dann bald unter kretischen Einfluss gelang. die älteste Schwester des Zeus. durch ionische Kolonisten neu gegründet. der Erntegöttin. Hermes ist der Gott der Diebe. übte zeitweise die Seeherrschaft über die Ägäis aus und gründete über 80 Kolonien. Nach 1315 v. Fortlaufende Zerstörungen zeigen. Ein von .

der Troas. besonders gut bekannt: Troja mit seiner Umgebung. Chr. Milet wurde 494 v.und Windverhältnissen der Dardanellen. Im Peloponnesischen Krieg fiel Milet 412 v. Chr. erobert und zerstört. erklärt sich aus den speziellen Strömungs.1 Die griechische Antike 93 Abb. Jahrhundert aber erneut unter persischer Oberherrschaft.1 Dass dieser Ort für eine Stadtgründung gewählt wurde. kurz vor der Einfahrt in die Dardanellen gelegen.2 Markttor von Milet Milet ausgehender Aufstand der ionischen Griechen gegen das Perserreich scheiterte.4. von Athen ab und wurde Operationsbasis der spartanischen Flotte. stand dann im 4. Troja Durch umfassende Grabungen ist eine kleinere Stadt und deren Umfeld an dieser Mittelmeerküste. 4. die für die seinerzeitigen Küstensegler nur bei bestimmten Winden eine Passage . wieder aufgebaut und dann Mitglied des Delisch-Attischen Seebundes.

94 Karte 4.4 Stadtplan von Milet 4 Die griechisch-römische Antike .

P. die jüngste der neuen Städte. Dies initiierte einen ökonomischen Niedergang. Es sind kleine. fiel auch der Bereich Troas an die Sieger. Auf militärische Aktivitäten der Griechen reagierten die Perser mit kleineren. Achilleion und Achaion. und zuletzt die Dorier im Großraum um Troja. später Ionier aus Attika und Euböa. . wie die ökonomischen und politischen Strukturen der kleinasiatischen Koloniegründungen der Griechen sich ausgestalteten und bis über die Perserkriege hinaus entwickelten. die zwischen dem alten. Chr. Troia wie es wirklich aussah. und 8. in diesem schmalen Areal zwischen Perserreich und Mittelmeer eine eigene Existenz zu finden. Im 9. Für die Bevölkerungsstruktur dieses Bereiches blieb dies jedoch zunächst ohne Bedeutung. Schickert. der Troas. H. rief die alte Ruine erneut zur Stadt aus und befahl. da im Hinterland die Lyder und Phrygier ihre Reiche etabliert hatten und nunmehr auch schrittweise eine Oberhoheit über die neugegründeten Küstenstädte erlangten. zwischen 1700 und 1000 vor unserer Zeitrechnung. Die Hochphase der Trojanischen Kultur lag demnach vor der Griechischen Besiedlung. nunmehr unbewohnten Troja und der Ägäis auf einem Höhenrücken lag. die nach den Stämmen getrennt dann in verschiedenen Bündnissen organisiert waren. diesen Raum belastenden Offensiven. Das alte Troja selbst blieb unbewohnt und diente als Steinbruch für die Neugründungen. Als dann der Perserkönig Xerxes 480 die Dardanellen überquerte. München.4. Äolier aus Mytilene auf Lesbos Neandria. der dann während des Krieges der Perser mit Griechenland zusehends beschleunigt wurde. Troja war damit als Anker und Umschlagplatz bei den seinerzeitigen Möglichkeiten der Küstenseefahrt ein begünstigter Ort. Besiedlungsphasen lassen sich hier denn auch schon ab 3000 v. Allerdings lässt sich aufweisen. Athener schließlich gründeten um 600 Sigeion. Die damit einhergehende längere Einquartierung der persischen Soldaten scheint die Ökonomie der Siedlungen in diesem Bereich nachhaltig geschädigt zu haben. die in einer direkten Verbindung mit ihrem Mutterland versuchen. rastete er in Troja und opferte in der Tempelanlage in dem eben schon in der Antike sagenhaften Troja für den Erfolg seines Feldzuges.1 Die griechische Antike 95 zum Schwarzen Meer hin erlaubten. Hier in dieser nach 600 politisch unbedeutenden. dass die Bautätigkeit in diesen Städten nunmehr zunahm und auch die Qualität der Kunstwerke sich verbesserte. Die neu angelegten Siedlungen in der Troas bleiben auf den Küstenbereich beschränkt. Tenedos. ökonomisch in einer Randlage befindlichen Landschaft lässt sich nacherleben. Brandau. ausmachen. So zerrieb sich die Ökonomie dieses Areals. Jahrhundert siedelten dann Griechen aus Thessalien und Böotien. obwohl seine literarisch/kulturelle Bedeutung bekannt war. Was dann auch zur Gründung einer Tempelanlage auf den Ruinen des alten Troja führte. Jablonka. Erst 334 wendet sich in der Troas das Blatt. Insgesamt konnten die Archäologen 10 Haupthorizonte mit zum Teil noch deutlicher Untergliederung dingfest machen. 1 B. So gründeten Ionier aus Milet die Städte Abydos und Skepsis. Alexander opferte vor der Fortsetzung seines Feldzugs in Kleinasien in Troja. Als die Perser 547 das Lyderreich zerstörten. voneinander unabhängige Bereiche. sie mit Bauwerken herzurichten und ihr Autonomie und Steuerfreiheit zu gewähren. Zürich 2004. Diese Neuankömmlinge gründeten mehrere Städte.

Dieser verdammt ihn auf seinem Heimweg. Vielmehr zeichnet Homer Schicksale. Beschrieben wird dieser Kampf als Ringen zwischen Achill und Agamemnon um die Ehre und die Macht im Lager der Belagernden.000 Hexametern beschreibt es die Geschichte um den Beginn und das Ende des Trojanischen Krieges. . das es zu sein lohnt. zu verteidigen. Ehre. nur behandelt diese Geschichte. und dank seiner ihm eigenen Zähheit gelangt er dennoch zurück in sein Reich. Jahrhundert v. die sich während seiner Abwesenheit in seinem vormaligen Herrschaftsbereich eingerichtet hatten. Sie zeigen dabei – insbesondere in der Odyssee – nicht einfach nur Geschichten um die besungenen Helden. des Meeresgottes. Gerade darin bleiben sie – bei aller Fernheit und Gleichgültigkeit gegenüber dem Leid der Vielen – mit den Geschicken der Menschen verflochten und gewinnen so auch für den sie anrufenden Menschen ein ihm verständliches Gesicht. blickt auf und in die Personen. Die Legenden. Die Ilias steht als ältestes. sind bescheidener. Sein Grab soll auf Ios liegen. Dabei zeigen sich die Geschicke der Menschen mit denen der Götter verwoben. In rund 16. Seiner List verdanken die Belagerer die Einnahme Trojas und dieser List verdankt er dann auch den Hass des Poseidon. unter den persönlichen Eitelkeiten und nach Verpflichtungen handeln. dabei konzentriert sich das Epos auf die letzten 51 Tage des 10-jährigen Ringens um Troja. (aus dem 8. Chr. sie möchten nur sich selbst finden und dieses Selbst als Wert gesetzt und geschätzt finden. und in all dem Streit um seine Ehre letztlich doch nur auf der Suche nach etwas ist. es ist ein Held. der persönlich bis zur Verletzung Anderer selbstgefällig ist und bleibt. Leid und Trauer. Schon Achill ist keine mythische Person. Es geht um Eifersucht. war der Überlieferung nach der Verfasser der beiden Großepen der Ilias und der Odyssee. die aber selbst ihrerseits wie die Menschen. selbst ein Achill. reichen bis ins 7. Jahrhundert). zurück. Odysseus schließt damit an Gilgamesch an. in denen sich für ihn und seine Hörer das Geschehen bündelt. die – wie Odysseus – sich gegen einen Gott setzen und mit einer Göttin hadern können. In diesen Dichtungen werden die Mythen der Griechen literarisiert. vollständig erhaltenes Großepos am Anfang der europäischen Literatur. nur mehr über die Meere zu irren. die sich um Homer ranken. Die Helden Homers. ihrem Leiden und ihren Emotionen. in der Homer zugleich auch einen Roman über die Handelswege der Phöniker zu schreiben scheint. der Göttin der Weisheit. Dort angelangt. Sein eigentliches Wirkungsfeld scheint Chios gewesen zu sein. Die Odyssee schildert den Irrweg und das Irren des Odysseus von dem eingenommenen Troja zurück zu seiner Heimat. All diese Helden sind Personen. hat er dieses nun gegen all die. mehr und zugleich weniger als den Kampf eines Gottkönigs um den Sinn seiner Existenz.96 4 Die griechisch-römische Antike Homer Homer. Homer zeichnet Personen. mit ihren Höhen und Tiefen. die sie in ihrem Geschick lenken. Durch Fürsprache der Athene.

Odysseus hatte Poseidon beleidigt und dieser verwehrte ihm so seine Heimreise. sich auf die Suche nach seinem Vater zu begeben. den bereits seit sieben Jahren von Nymphe Calypso festgehaltenen Odysseus zu seiner Gattin Penelope und seinem Sohn Telemachos zurückkehren zu lassen. bei der sich die Göttin Athene dafür ausspricht. um Odysseus freizubitten. wird der Götterbote Hermes zu Calypso gesandt. Im zweiten Teil des Epos wird nun die Heimkehr des Odysseus . der seine Identität bislang nicht preisgegeben hatte.5 Die Irrfahrten des Odysseus Odyssee Das aus 12200 Hexameterversen bestehende homerische Epos erzählt in 24 Gesängen von der Heimfahrt des zum griechischen Heer gehörenden Trojakämpfers Odysseus. indem er sein Schiff über die Meere irren ließ. Die Handlung wird zunächst in zwei Strängen geführt: Während Athene sich nach Ithaka begibt und Telemachos dazu bewegt. Am Hof des Königs trägt bei einem festlichen Gastmahl ein Sänger Lieder über den durch die berühmten Krieger Achilleus und Odysseus herbeigeführten Untergang Trojas vor.1 Die griechische Antike 97 S PAN I E N I TA L I E N KO R S I K A Bonifacio Ismaros Circeo KLE BAL EA R E N SAR D I N I E N M I T T E L M E E R T Y R R H E N ISC H E S MEER Stromboli Favignana Ustica ION I SC H ES MEER G R I EC H E N LAND ÄG ÄISC H E S MEER INASIEN nach der Straß e von Gibra ltar Troja Korfu Ithaka S I Z I LI E N NOR DAF R I K A Malta K R E TA 0 400 km Dscherba Karte 4. Odysseus begibt sich daraufhin mit einem Floß auf den Heimweg. Die Erzählung setzt mit einer Sitzung der olympischen Götter ein. des König von Ithaka. wird durch die Erinnerung an seine Geschichte gerührt und beginnt zu weinen. Auf Wunsch des Königs der Phaiaken erzählt er nun seine Geschichte und unterrichtet so auch den Leser von den Abenteuern. die er vor seinem Aufenthalt bei Calypso bestanden hatte.4. wie etwa die Blendung des Polyphem und die Fahrt durch die Enge von Skylla und Charybdis. erleidet aber bei einem vom Meeresgott Poseidon geschickten Unwetter Schiffbruch und erreicht mit letzter Kraft das rettende Ufer im Land der Phaiaken. Odysseus.

hinterließ aber. Jh. Diese Gestalt ist Thales. die sich in den Titanen gegen sie stellt und doch von diesen bezwungen wird.1. einer der sieben Weisen. italische Philosophie 4. n. dem dann Gott und Mensch unterworfen ist.1. Chr. das blind gegenüber den Hoffungen des Einzelnen dessen Lebensfaden verspinnt oder zerschneidet. nichts Schriftliches. und auch sie unterliegen dem Schicksal. Er ist ein Bezugspunkt. Hamburg 2008. des Wagens Sternchen hat er auch entdeckt. Es ist die Erde. die fernab der Welt und weit weg vom Himmel der Götter die Fäden des Schicksals spinnen. S. Leben und Meinungen berühmter Philosophen. Kallimachos aber kennt ihn als Entdecker des kleinen Bärengestirns.2. sie ist Untertan dessen. 4. als er dort in Begleitung des aus Phönizien verbannten Neileos eintraf – schrieb Diogenes Laertius in seinem Werk Leben und Meinungen berühmter Philosophen – doch behaupten die meisten. Zitiert nach: Diogenes Laertius. die der Athener Archont Damasias um 582 vor Chr.2 Ionische u.1.1. wie einige sagen. der schließlich die Erde zu tragen hat. Odysseus kommt verkleidet in sein eigenes Haus.1 Der Beginn der ionischen Naturlehre Am Anfang der Naturlehren der Griechen stehen die Mythen. . Atlas. die diesen Titanen im Kampf gegen die Götter immer wieder Kraft gibt und es ist ein Titan. Die Führer auf der See für die Phönizier. in der sie sich darstellen. sondern sie gewinnt eine historische Gestalt.1 Thales von Milet Die eigentliche Naturlehre der Griechen beginnt dann im Bewusstsein dieser Kultur nicht im Mythos. In diesen Geschichten sind Natur und Gottheit schon nicht mehr eines. er sei geborener Milesier aus vornehmem Hause gewesen.1. wo unzählige Freier um die Hand seiner Frau Penelope anhalten und bei Gelagen seine Reichtümer verprassen. in denen die Gottheiten eine Natur behandeln. den Königspalast. auflistete: In die Bürgerliste von Milet wurde er eingetragen. In einem Wettkampf tötet er gemeinsam mit dem nach Hause zurückgekehrten Telemachos alle Bewerber.1. in dessen Herrschaftsbereich sie geraten ist.2 Schon hier wird deutlich. In den Geschichten der Griechen personalisiert sich dies Blinde in den Gestalten der Parzen. So bleiben dann diese Götter im Kampf mit der Erde. ein Vermittler verschiedener Kulturen. dass sich in dieser historisch verorteten Person mehrere Traditionslinien verdichten. und dabei sind die Götter eben nicht mehr die Natur. Die Natur wird benutzt. Zunächst politisch tätig. wandte er sich dann der Naturbetrachtung zu.2. Denn die ihm zugeschriebene Sternkunde für Seefahrer soll ein Werk des Samiers Phokossein. 12 f. Das gilt für Poseidon ebenso wie für Hephaistos. 2 Entstanden Ende des 2.98 4 Die griechisch-römische Antike geschildert. 4.1. worauf er mit folgenden Jamben hinweist: Man sagt.

er übernimmt etwas – und das anscheinend auch aus zweiter Hand. Deutlich wird dabei allerdings auch. Und so ist es Milet und nicht die Stadt Athenes. womit dann ein Avisieren eines Sterns unter einem bestimmten Winkel mir auch sagen kann. Und so werden wir sehen. nicht einfach in einer direkten Verknüpfung mit dem babylonischen Raum fand. in denen die Inhalte übermittelt wurden. nach denen sich anscheinend schon die phönikischen Seefahrer auf ihren Seereisen richten. wird dies dann auch in diesem Nutzungszusammenhang ausgeweitet und auf diesen Nutzen hin optimiert. dass vieles. wenn von einem derart navigierenden Seemann der Mythos nicht mit übernommen wurde. das sich in dieser Entwicklung weiter aus der inneren Logik des Mythos oder den Zwängen einer kultischen Praxis bestimmt weiß. in der das neue Wissen um eine Natur.1 Die griechische Antike 99 die nicht aus dem Nichts heraus die Ecksteine eines neuen Wissens fundierten. Athen. Mathematiker und Astronom und damit als der erste Vertreter der sogenannten ionischen Naturphilosophie. die er aufnimmt und anscheinend. wohin ich mich orientiere und inwieweit ich meine Position auf der Erde zu diesem Stern über eine Folge von Beobachtungen verändert habe. gilt denn auch als der erste griechische Philosoph. uns schon aus dem babylonischen oder ägyptischen Kontext bekannt ist. sondern diese kleinasiatischen Städte selbst. Nur ist derart dieser Stern Teil eines Kalküls und nicht mehr einfach nur Moment einer Mythologie.4. als Vermittler die wohl wichtigsten und eben zunächst auch mächtigeren Handelspartner der Küstengriechen. sondern allein die Technik der Beobachtung gelernt hat. es wird als in sich zu bewahrendes Wissen verfügbar. er nicht an Baal oder Osiris glaubt. Dies zumal. Thales von Milet. das unsere europäische Naturwissenschaft begründet. nach denen der Ritus mit den Geschehnissen des erdumspannenden Reiches der Götter in Bezug gesetzt wird.. profane Richtungsweiser. So sind es die Tierkreiszeichen und die von den Babyloniern beschriebenen Sterne. die er nun in einen neuen Kontext einsetzt. Chr. Schließlich geben die Sterne dem Seefahrer das Richtmaß für seine Orientierung auf dem Meer. sondern hier. das deutet sich hier schon an. Schon bei den Phönikern sind dabei die Sterne in einen neuen funktionalen Kontext gestellt. die Phöniker. den Himmel zu nutzen. zu betrachten sind. Damit wird zwar auch hierin das kosmische Geschehen auf die Erde projiziert (wie auch der ägyptische Priester seine Handlungen nach dem Zeitmaß der Sterne ordnet). Es ist demnach ein freies Wissen. dass Milet die entsprechenden kulturellen Kontakte. in einen neuen Zusammenhang einbindet. die es erlauben. Er steht dabei in der Geschichte dieser Philosophie nicht als Einzel- . sondern der eingebunden ist in die Kulturen des kleinasiatischen Raumes. Thales entdeckt hier nichts. was wir von Thales wissen. nichts. So wird dieses im Mythos erarbeitete Wissen Moment eines nautischen Verfahrens. seine erste Form findet. Es sind diese Zeichen Orientierungen für menschliches Handeln. Ort dieser ersten Vermittlung in den so erwachsenen griechischen Kulturraum sind dann auch nicht die Mutterstaaten der Städtegründungen in Kleinasien. um 624–546 v. die hier in neuer Weise verfügbar gemacht werden. Und somit sind dann die Richtungen und Schichtungen des Sternenhimmels gleich Koordinaten auf die Erde rückbezogen. Ggf. um uns selbst auf der Erde zu orientieren. zumindest zunächst. Es sind hier nicht mehr bloß die Himmelszeichen.

Damit ist dann eine Ursache angegeben. Die Geschichte sei hier kurz skizziert: Der Vater von Oedipus setzte seinen Sohn aus. aus dem sie ausgelöst wurden. das zeigen uns die Griechen im Mythos von Oedipus. dass ihn einst sein Sohn töten würde und sich dann auf seinen Thron setzen werde. Kam dann in die Stadt seines Vaters. das wir nicht begründen können. tötete Oedipus einen anmaßenden Fremden. und die Witwe. und der dann auch an sich Begründungen liefert. ist dann der Zorn der Gottheit gegen das Menschliche überhaupt. Es war dieser blinde Zufall. ist es Effekt von etwas. die dortige Königswitwe. So erwächst die Erkenntnis. dem Wertmaßstab der Zeit zufolge gerechterweise. Damit war er der beiden bösesten Verbrechen schuldig. die Frau dieses Mannes. die die sittlich-religiöse Ordnung seiner Zeit kannte. ohne dass er es wusste. Das bedeutet. den er. mit denen wir die Welt beschreiben. Ist etwas von einer Gottheit bewirkt. die er geehelicht hatte. Dabei wird nach der Konsistenz der Aussagen gefragt. auf damit verbundene Mythen und Traditionen zu finden. So wuchs Oedipus in der Ferne auf – hier deckt sich die Geschichte mit der Geschichte des Kindes Moses. kritisch reflektierten Kontext gebunden. dass solch eine einzelne Aussage in einen einsehbaren Zusammenhang von Aussagebeziehungen eingebettet sein muss. der an sich verständlich zu machen ist. auf Bitten des Volkes. Auf einer Fahrt. Einzelheiten herauszunehmen sind. diese war aber nicht im Rückverweis auf solche Geschichte. der Schule von Milet. seine Mutter. der in dieser Geschichte einen Menschen zerbricht. das zudem auch noch zwischen verschiedenen Kulturen steht.100 4 Die griechisch-römische Antike kämpfer. Dieser Zusammenhang ist explizit zu machen. mit denen im Weiteren umzugehen ist. war. der wir die ersten Syntheseversuche eines sich aus dem Mythologisch/Religiösen lösenden Wissens verdanken. und so sehen musste. die ihn. in sein Vaterland brachte. Und so sind die hier gefundenen und im Weiteren auch diskutierten Begründungen eben nicht mehr einfach religiöse Bewertungen. da ihm geweissagt war. die wir nicht bestimmen können und die uns dann auch im besten Fall auf das Schicksal und damit auf die Wirkung des schon benannten blinden Zufalls verweist. wie sich deren Mythen zwar vielleicht in Grundzügen entsprachen. Hier werden dabei nicht einfach neue Beobachtungen zusammengebunden. aber auch nicht einfach für sich ge- . doch in all den in den verschiedenen Kulturen so wichtigen rituellen Details eben nicht in Deckung zu bringen waren. sein Vater war. bemühen zu müssen. Nicht der Bezug auf Autoritäten. Das. Es galt eine diese Ungereimtheiten klarstellenden Instanz zu finden. Es geht hier um einen Wissenskontext. was dann als Steuerung hinter diesem Zufall stehen mag. die nach dem Tod des Königs in Wirren geriet. hier heiratet er dann. und erfährt nun im Glück seines Erfolges. dass aus dem Ganzen der Erzählungen. sondern es wird bekanntes Wissen in einen neuen. sondern Einsicht begründet einen Wissenszusammenhang. ohne doch immer wieder das Ganze. Gegen solche Vorstellungen eines weder zu durchdringenden noch wirklich zu verantwortenden Geschicks lehnt sich der Geist jenes Handelsvolkes am Mittelmeer auf. getötet hatte. sondern als Begründer einer Schule. stellt die Ordnung im Land wieder her. gerät aber dann in ganz andere Bahnen. dass der Anmaßende. so können diese Aussagen. in denen diese Kulturen ihr Wissen tradieren. und war so – nach den Gesetzen der Götter – verbannt aus dem Raum des wirklich Menschlichen. dem der Einzelne gänzlich ohnmächtig gegenübersteht. Sind diese Aussagen aber mehr als bloß verlorene Einzelheiten.

über die sich sukzessive ein neues Bild des Wissens ausbildet. dass plötzlich die Idee einer Welt erscheint. Und hier werden Beweis und Begründung für die Ordnung von Wissenszusammenhängen verbindlich gemacht. und das. das sich in diesen Verschiedenheiten realisiert. und sind so für uns zum Teil überhaupt erst aus der Präsentation des Ordnungszusammenhanges der neuen Wissensformen zu erschließen. ein Raster. Sie haben so in ihren Geschichten in den Diskussionsnetzen Wege herauspräpariert. womit man dort handelt. Es sind die Prozesse abzubilden. eher als Schamanen. in dem sie eine neue Ordnung der Welt formulieren können. dem Innerweltlichen und dem Wirklichen überhaupt erst zu entdecken. Dieses Bild soll diese Welt zeigen. Und hier bemühen sich nun die ersten Generationen derjenigen.und Wirkungs-Beziehungen strukturiert ist. als Geheimnisbewahrer. Die einzelnen derart entstehenden Aussagenzusammenhänge sind gegeneinander abzuwägen. nennen wir sie Philosophen.4. Beweis und Begründung zu kennen. auch diese Einsicht selbst zum Thema zu machen. darstellen. Um hier Zuordnungen treffen zu können und Abgrenzungen zu bewältigen. die sich aus oder mit den Dingen ergeben.1 Die griechische Antike 101 nommen werden. Dabei bleiben diese Philosophen in ihren ersten Ansichten und Darstellungen in Vielem noch in tradierten Bildern. Natur. Dieser Schritt wird denn auch erst viel später beschritten. sind sie auch gegenüber einer Weltsicht. Sie haben Vertreter dieser frühen Diskurse um Wissen und die Ordnung des zu Wissenden in Schulen gebündelt. die aus dem Mythos heraustreten. Hier entsteht der Anspruch an ein Denken. zu verteidigen. Effekte. beschreiben. um in all den Einzelheiten zu erkennen. was diese Welt ist. wie sie ist. sind doch die Begriffe von Welt. Solche Grundeinsichten werden in den Diskussionen zum Teil aber auch einfach vorausgesetzt. die nach Ursache. Es soll das. so darzustellen. Dabei werden allerdings auch umgekehrt in verschiedenen Einzelheiten Gemeinsamkeiten entdeckt. Diese werden in einer neuen Form auf Prinzipien hin ausgerichtet. das Göttliche als außerweltlichen Faktor abgrenzt und nunmehr nach innerweltlichen Begründungszusammenhängen sucht. das zeigt etwa der noch zu besprechende Pythagoras. Das erste Tasten um eine neue Form des Wissens. mit denen man im Alltag umzugehen hat. Doch sind es eben viele kleine Schritte. Es werden erste Zuordnungen von Einzelaussagen getroffen. in dem man agiert. wird mit Plausibilitäten argumentiert. Sie müssen darstellen. denn als diskutierende Philosophen agieren. zu neuen Begriffen und so in der Folge der oft verworrenen Denklinien zu einer neuen Einsicht führt. um ein Bild. Die Welt ist also für diese. Es soll sich zeigen. dem Göttlichen. Insoweit finden wir dann auch oft nur Thesen formuliert. die die Wirklichkeit in den Vernetzungen der mythisch zu beschreibenden Bestimmungen unserer Existenz sieht. Wobei aber jeder dieser kleinen Schritte immer wieder in neue Ordnungszusammenhänge. wie sie denn auch. ist sehr viel differenzierter zu umzeichnen. ob im Einzelnen Grundsätzliches zu erkennen ist. denen zu folgen ist. wie sie ihnen einsichtig ist. Schon die Historiker des alten Griechenlands haben dies gesehen und so immer wieder Linien erstellt. die allein den ersten Schritt einen neuen Ordnungs- . Es ist dabei nicht so. wie hier aus der ersten Anlage eines neuen Frageansatzes nicht nur einfach eine Philosophie. Hat man sie. die dann ein Prinzip erkennen lassen. das wir hier nachzeichnen. sondern eine prinzipiell neue Form des Wissens und der Wissensbegründung erwuchs. Es ist dann noch ein zweiter Schritt.

ein Anthologe aus dem 5. was lebendig ist.. Chr. Diese finden sich als Zitate bei späteren antiken Autoren. dass es derart auch jeweils für sich eine Welt ist. Chr. ob dieses Thesenhafte. auch in allen Darstellungen von Welt wiederzufinden wäre. n. zumal zu berücksichtigen ist. Plutarch. so ist eben alles. So ist in allen Lebens- . Es gelingt aber. über die wir nun unser Wissen um die ionische und italische Naturphilosophie vermittelt bekamen. Und so zeigt dann alles. sie sind nicht einfach von einer Gottheit vermittelt. n. Daneben gibt es Paraphrasen und Stellungnahmen antiker Autoren. Jhr. Allerdings ist es unklar. sich Begriffe in ihrer Bedeutung verschieben und die Auswahl der Zitate natürlich durch entsprechende Interessen geleitet ist.. Chr. Jhr. Wenn also die Welt in Bewegung ist. für dieses Denken in dieser Art auch kennzeichnend ist. so dass auch das Alter eines Zitates nicht dessen Verlässlichkeit verbürgt. dass Zitate zum Teil mit Paraphrasen vermischt sind. Chr. Jhr. anscheinend um eine möglichst genaue Wiedergabe der zitierten Texte bemüht. in denen diese Welt als etwas zu denken war. v. Arzt und Philosoph des 2. Diogenes Laertius. Überlieferungslage der ionischen und italischen Naturphilosophie Die Schriften der ionischen und italischen Naturphilosophie sind nur als Fragmente erhalten. dass etwas. Philosoph und Historiker des 2. Gegenüber Platon ist etwa der Neuplatoniker Simplikios. in Bewegung. nachchristlichen Jahrhunderts. Es bleibt schwierig. Hippolytos. Natürlich ergibt sich hier die Schwierigkeit. ein römischer Theologe des 3. was in der Welt ist. die Benennung eines neuen Begründungszusammenhanges. Chr.. dann auch augenfällig zu machen. das wir nicht zuletzt auch der Überlieferungslage verdanken. Jhr. der allerdings meist paraphrasiert. n. das da grundlegend ist. Hälfte des 2. Dabei ist der erste Ansatz. Um diese Prinzipien wird gerungen. Konturen von Weltbildern zu rekonstruieren. Sextus Empirikus. sowie Johannes Stobaeus. Jhr. Bedeutende Textquellen für die Übernahme wörtlicher Zitate sind neben den benannten Autoren und Aristoteles. Oder es ist gar das Resultat einer ersten Deutung durch die ersten Historiker dieses Wissens. sondern es wird um sie diskutiert. bis hin zu Simplikios im 6. in diesem Denken schon konsequente Beweisführungen zu entdecken. n. teilweise sogar auch bei späteren byzantinischen Schriftstellern. n. Klemens von Alexandrien. nachchristlichen Jahrhundert entstandenes Leben berühmter Philosophen eine wichtige Quelle darstellt. Jhr. dessen im 3. Entsprechend problematisch bleibt die Rekonstruktion der uns überlieferten Positionen. Es kann auch das Resultat einer eben nur holzschnittartigen Übermittlung dieses ersten Denkens darstellen. das nach Prinzipien strukturiert war. nachvollziehen lassen. dass uns auch diese antiken Quellen wiederum nur in Abschriften späterer Schreibstuben verfügbar sind. Dies trifft schon für Platon zu. der auch längere Passagen der von ihm behandelten Autoren zitiert. angefangen bei Platon im 4.102 4 Die griechisch-römische Antike bestimmung. der Leiter einer Katechetenschule aus der 2. Chr.

das wir noch nicht kennen. aus dem etwas entsteht. die wir bis heute für unsere Idee von Wissenschaft und Wissenschaftlichkeit als grundlegend ansehen. einen Zusammenhang von Aussagen als sinnvoll anzusetzen.4. Was sind die Formen. dass wir auch über Dinge reden. was sind die Regeln. Natur überhaupt als etwas zu erfassen. die in die verschiedenen Interpretationsansätze einzubinden sind. ob diese zureicht. in Richtung der einen oder in Richtung der anderen Grundannahme ausgedeutet. wie dann das. die sich in sich bestimmen können. in Blick zu nehmen. kann man ganz pragmatisch für bestimmte Zwecke einen Begründungszusammenhang erarbeiten und diesen dann vielleicht sogar vor dem Hintergrund verschiedener Prinzipienlehren verstehen und absichern. das sich an ihnen fassen lässt. So ist ein Wandelstern. als ein in sich bestimmbarer Aspekt unseres Umgehens mit Wirklichkeit erfahren ist. Die Antwort auf diese Frage führt die griechischen Philosophen dazu. Es ist die Frage. dass die Welt auch als Ganzes lebendig ist. Der Schritt. eben unverrückbar ist wie ein Fels. bei Thales. was da pragmatisch. zu verstehen. der in seiner Darstellung des Denkvermögens die Kriterien aufweist. Und wenn dies geschehen ist. Damit dies geschieht. sondern nur eine Facette seiner im Letzten doch unveränderlichen Bestimmung. Sie sind als solche Eigenheiten aber immer nur in Blick auf das Ganze. dass es auch Teilbereiche des Wissens gibt. Erst langsam erwächst in diesen Diskussionen die Idee. sonst taugt es eben nicht und muss aufgegeben werden. mit der wir dann auch in anderen Handlungsräumen umgehen können. wenn wir diese Fragen zu beantworten suchen? Und was an diesen Regeln können wir begründen. ist eine Alternative zu formulieren. die jede Bewegung nur mehr als Variation des in sich Bestimmten kennt. dass Erfahrungen dann. begründet werden kann. vergeht. wo man ihn erwartet.1 Die griechische Antike 103 formen die Welt selbst in Bewegung. nach denen wir arbeiten. Wobei dieses Vergehen in einer höheren Ordnung zu sehen ist. Damit sind wir dann auch schon bald bei Platon. von denen wir keine direkten Anschauungen haben? So sind denn unsere Ideen von Geltung und Geltungssicherheit an sich zu betrachten. Einzelne Bewertungen und einzelne Beobachtungen. was da ist. werden dann. Umgekehrt kann aber auch die Erfahrung zeigen. Und derart sind ausgehend von der Betrachtung der Instrumentarien unseres Erkennens Aussagen zu finden. weist schließlich über das Tun der ionischen Naturphilosophie hinaus. je nach der Position. und so ist mit diesen Lebensformen bewiesen. wie wir überhaupt argumentieren. die Dinge der Welt nach diesem neuen Prinzip in einen in sich stimmigen Verständnishorizont zu bringen. Dabei ist das Ringen um die Geltung der einen oder der anderen Auffassung jeweils immer an einem Totalitätsanspruch gebunden. die es uns erlauben. der sich über den Himmel bewegt. dass alles. das zu . sahen wir die ersten Versuche. und alles das. in denen wir Fragen stellen. wenn sie in ihrem Bezug aufeinander abgestimmt sind und damit als Beschreibung anzusehen. wo an ihnen Halt dafür finden. der darauf folgt. sondern sich nur in einer letztlich immer wieder nur zirkulären Bewegung zeigt. Vorab. so dass seine Bewegung im Eigentlichen nichts Lebendiges ist. die so gar nicht dynamisch ist. Wie uns denn auch die Sonne Tag für Tag aufs Neue die ehernen Gesetze der sich verändernden Welt darstellt. und in seinem Dasein beständig ist. Sinnvoll sind sie dann. kein Werden. Ein Prinzip muss alles erklären. für diese Teilbereiche Deutungen aufzuweisen erlauben. doch immer wieder nur an den Orten zu finden. was beweglich ist. und nun ist zu sehen. wenn sie nur detailliert genug formuliert sind.

die aber zeigen. dem Urstoff des Feuchten. Auch bei Thales schwimmt die Erde als Scheibe auf dem Wasser. nach Ägypten. Dabei wirken in diesen Konzepten die Weltentstehungsmythen der ägyptischen Kultur.104 4 Die griechisch-römische Antike bewerten und über das zu urteilen war. sondern nur auf das Jahr genau vorhergesagt haben. bringt diese Ideen auf den Begriff und löst sie so aus dem Mythos heraus. Er wäre demnach in dieser Einzelaussage keineswegs besser als die seinerzeitigen mesopotamischen Astronomen. wie hier im Einzelnen eine Grundposition vertreten ist. Dies kennen wir als den Satz des Thales. allerdings – den Quellen zufolge – eben nicht auf den Tag. als etwas. Erzählt wird auch. Er benennt dies Feuchte als Prinzip. Und so ist denn für Thales die Natur lebendig. ja überhaupt der Definition der mathematischen Körper. was aus einem Urstoff entstanden ist und demnach nach den Eigenschaften dieses Urstoffes funktioniert. Thales ist so auch im Kontext einer Geschichte des mathematischen Denkens bedeutsam. dass sich hier schon sehr früh Naturwissen und die Aussagen über prinzipielle Formbeziehungen eng aufeinander ausrichten. die er damit vertritt. Dabei geht es nicht . Schließlich war in den Beziehungen der mathematischen Körper. Nach späterer hellenistischer Überlieferung unternahm Thales ausgedehnte Reisen. Dieser Urstoff ist das Feuchte. die im Hinterland von Milet zu finden sind. entstanden. der erahnen lässt. Insoweit ist diese Welt denn auch etwas. u. dass im Mineral eine anziehungsfähige Seele vorhanden sei. Wir sehen dabei. dass er Magneteisensteine. wenn seine Vorstellung von der Gestalt der Erde genau das Bild aufnimmt. gegen die Natur zu Stellendes. das Grundmuster von Erfahrungszusammenhängen zu erfahren. in dem er versucht.. Und derart ist dann nach Thales alles aus dem Wasser. Daraus folgerte er. das der Urstoff der Zeugung ist und als Blut den Körper belebt. klassifizieren wir heute als Hylozoismus. Thales soll die Sonnenfinsternis vom 28. Allerdings erklärt er aus dieser Idee der Anlage der Welt die Entstehung und die Wirkung von Erdbeben. und so sind dann auch die Lebensformen etwas von der Natur Beseeltes und nichts Eigenes. Mai 585 v. Damit beginnt Philosophie. sein Weltbild zu rationalisieren. die vielleicht auch aus der Synthese solcher Einzelbeobachtungen überhaupt erst erwachsen war. Das sind nun alles nur spärliche Nachrichten. Er umkleidet seine Idee nicht mehr mit einem Mythos. Und so beschwört Thales das Feuchte. das in Erfahrungsgrößen zu bestimmen ist. Danach heißt dann auch der Halbkreis über der Hypotenuse eines rechtwinkligen Dreiecks der Thaleskreis. von dort soll er die Erkenntnis mitgebracht und erstmals streng formuliert haben. ebenso wie das Wissen der Schamanen um Blut und Zeugungsstoff nach. Als Politiker empfahl Thales den ionischen Städten. sich durch einen Städtebund gegen die aufkommende persische Macht zu vereinigen. denn er stellte sich diesen Urstoff belebt vor. dass der Umfangswinkel im Halbkreis ein rechter Winkel ist. greifbar. wie sich im Feuchten die Welt und mit ihr das Leben bildet. aber er formuliert es neu. die das Leben ja immer wieder als eine Geburt aus den Überschwemmungen des Nils erleben lassen. Thales formuliert so nicht Neues. gesammelt und anscheinend auch in ihren Effekten auf eisenhaltige Materialien beobachtet hat. die durch das Schaukeln des Schiffes Erde auf diesem Wasser entstünden. Und so bindet er selbst diesen Mythos wieder in einen Erklärungskontext. auch dann. Die Welt wird hier als Wirklichkeit. a. Die Lehre. Chr. was uns aus Babylon übermittelt wurde.

in direkter Folge und im direkten oder indirekten Bezug auf die Entwicklungen insbesondere des mesopotamischen Bereichs zu sehen ist. So in etwa muss man sich vorstellen. War dieses „in der rechten Weise“ zu begründen. die Thales zugeschrieben werden.4. was sich im Weiteren in Milet ereignet. wenn die Konstruktionsregeln in der rechten Weise verwandt wurden. in dem die verschiedenen beschreibenden Aussagen in der Darstellung geometrischer Körper in einen Zusammenhang gesetzt werden. wenn sie zunächst für einen Einzelfall dargelegt wurde. Die Scheitelwinkel zweier sich schneidender Geraden sind gleich. stimmen in allen Stücken überein. sondern um die Darstellung von Relationen – den Ausweis von Beziehungen. und wurde dieses „in der rechten Weise“ dann zur Begründung des Aufbaus einer Konstruktion genutzt. auch dann. Greifbar wird im Denken dieses Naturphilosophen ein Argumentationsgang. die uns aus babylonischer Zeit übermittelt sind. Die Aussagen. die vielleicht auch nur indirekt einsichtig sind. aber nicht im Zusammenhang eines expliziten Versuchs. wie das mathematische Denken von der Berechnung zum Beweis findet. eine allgemeine Idee mathematischer Körper und eines Umgehens mit diesen zu formulieren. als Innovation des Thales zu beschreiben wäre.1 Die griechische Antike 105 um das bloße Ermessen. deren Scheitel auf einem Halbkreis liegen und deren Schenkel durch die Endpunkte eines Kreisdurchmessers gehen. wie aber auch immer dies nun im Einzelnen zu bewerten ist. – Der Peripheriewinkel im Halbkreis ist ein rechter.3). Die Basiswinkel im gleichschenkligen Dreieck sind gleich. durch Drehungen oder das Verziehen eines Umfanges ausprobiert werden konnten und dann als Konstruktion zu erfahren waren. die Grundoperationen mit geometrischen Körpern aufweisen und. in einen Gesamtzusammenhang möglicher Aussagen über mathematische Körper und ein sinnvolles Umgehen mit diesen eingebunden war. Dann konnte etwas als gelungene Konstruktion genau dann beschrieben werden. passende Konstruktionsverfahren festzustellen. im oben genannten Sinne. Diese Konstruktion konnte beschrieben werden. sind rechte Winkel (Abb. Nur finden wir sie hier als Illustrationen eingebunden in jeweils konkrete Aufgabenstellungen. – Alle Winkel. . Dabei kennen wir solche Aussagen allerdings auch schon – wie beschrieben – von den wenigen mathematischen Tontafeln. als sinnvolle Formen der Konstruktion mathematischer Aussagen formulieren. sind dabei: • • • • Der Kreis wird durch jeden seiner Durchmesser halbiert. dass die jeweils gefundene Lösung. Das ist die durch Thales begründete Tradition. Die Abgrenzung dieser Leistungen von dem. dass das. dabei waren Regeln für hier ggf. in dem nunmehr auch die grundsätzlichen Operationen und die aus diesen abzuleitenden Größen der Geometrie bestimmt sind. 4. so war bewiesen. der so auch als der Begründer der sogenannten elementargeometrischen Schule benannt ist. ist nicht einfach. die aber durch eine Überformung des einen Elementes einer geometrischen Darstellung in ein anderes. durch Verlagerung von Strecken. die in einer Seite und in den anliegenden Winkeln übereinstimmen. Hier finden sich Aussagen. Am Startpunkt dieser Entwicklung steht Thales. Deutlich wird auf alle Fälle. Zwei Dreiecke. was dann ggf.

dann sind auch die übrigen Seiten und der übrige Winkel gleich: Eudemos führt in seiner Geschichte der Geometrie diesen Lehrsatz auf Thales zurück: Denn bei der Art und Weise. In ähnlicher Weise hatten wir allerdings auch schon die Verfahren der Babylonier. Ist sie nicht gleich.3 Darstellung des Thaleskreises Finden wir damit nur eine einfache Liste der Aussagen. Auch hier war einsichtig zu machen. Der Grund für die Halbierung liegt aber darin. Denn da sie durch die Mitte geht und in allen ihren Teilen immer die gleiche Bewegungsrichtung einhält. um ihre Berechnungen vollziehen zu können. 4.106 4 Die griechisch-römische Antike Abb. auf die er die Entfernung eines Schiffes auf See erklärt haben soll. die dann später in einen Begründungszusammenhang gesetzt wurden. Ging Thales über diesen Ansatz der mesopotamischen Mathematik hinaus? Proklos berichtet weiter: Dass der Kreis durch den Durchmesser halbiert wird. oder sucht auch schon Thales nach einer innermathematischen Begründung seiner einzelnen Aussagen. Proklos etwa formuliert – allerdings sehr viel später: Wenn zwei Dreiecke zwei Winkel und eine Seite gleich haben. Denn alle Strecken vom Mittelpunkt zur Peripherie sind gleich. erklärt Eudemos die Heranziehung desselben für unerlässlich. „so denke Dir einen Durchmesser gezogen und die eine Kreishälfte auf die andere gelegt. dass die kürzere Strecke der längeren gleich ist. Es wird nun . soll zuerst Thales bewiesen haben. so wird sie entweder innerhalb oder außerhalb zu liegen kommen. dass die Gerade ohne jede Ablenkung durch den Mittelpunkt geht. ohne nach der einen oder anderen Seite auszubiegen. wie sie in den mathematischen Tafeln des neubabylonischen Reiches erhalten blieben. schneidet sie zur Kreisperipherie hin beiderseits das Gleiche ab. beschrieben. In beiden Fällen wird sich die Folgerung ergeben. Wenn man dies auf mathematischem Wege beweisen will. dass die Babylonier die entsprechenden Sätze nutzten.

Interessant dabei ist schon der Versuch. und 6. Es sind nur mehr die Verfahrensmuster und die Formen. Weitere Sätze lauten: „Nichts zu sehr“ (Solon). Chr. wird eine Gerade durch den Mittelpunkt gezogen. Jahrhundert und die schulische Ausbildung bis heute prägte. Das heißt Thales operiert in seinem Verfahren mit einem Plausibilitätsbeweis.. denn schließlich schneidet die Gerade zur Kreisperipherie hin beiderseits das Gleiche ab. in dem Durchmesser und Kreisfläche in einen Bezug zu setzen sind. das Lehrbuch entstand. sind die beiden durch den Durchmesser abgetrennten Hälften gleich groß. demzufolge halbiert sie ihn. die durch die Schnittpunkte des Kreises mit der so durch den Kreis gezogenen Geraden bestimmt ist. was wir dann heute Mathematik nennen. Im Kontext der aus diesen Anfängen erwachsenden ionischen Naturphilosophie gewinnt sich damit ein neues Verständnis des Mathematischen. Chr. Jahrhunderts v. Nun wird in dem besprochenen Verfahren. wie bestimmte Größenbeziehungen sich zueinander verhalten.4. dass der Kreis durch einen Durchmesser halbiert wird. dass mit Thales eben . Nach Proklos ist dies nun das Verfahren. wobei in dieser Tradition dann schon um 200 v. „Halte Maß“ (Thales). Damit kann er dann zeigen. und alle diese Strecken. Häufig werden auch Kleobulos von Lindos. Benannt sind demnach vor allem politische Denker und Staatsmänner des 7.1 Die griechische Antike 107 die zu einem äußeren Punkte gehende Strecke der zu einem inneren Punkt gehenden gleich sein. Alle Schnittpunkte des Durchmessers mit dem Kreis haben die gleiche Distanz r zum Mittelpunkt. eine solche abstrakte Begründung zu finden. die selbst zum Studienobjekt werden. „Erkenne dich selbst“ (Chilon). die Konstruktion der verschiedenen geometrischen Größen beschrieben. die in verschiedener Weise aber mit der gleichen Konstruktionsanweisung erstellt wurden. in denen sich diese Darstellungen veranschaulichen lassen. Der Durchmesser ist dann die Strecke. die die mathematischen Größen Durchmesser und Kreis in einen direkten Bezug bringt. das unser mathematischen Denken bis in das 19. so ist von Kleobulos die Aussage „Maßhalten ist das Beste“ überliefert. Chilon aus Sparta und Periandros aus Korinth genannt. Solon und Pittakos von Mytilene zu den sieben Weisen. Er macht einsichtig. Dies ist dann in der Tat ein wesentlicher Schritt hinaus über die aufgewiesenen Einzelfalldarstellungen der Babylonier. Festgehalten wurden von ihren Weisheiten meist markante Merksätze. Die Linie geht also durch die Mitte des Kreises. „Gewinn ist unersättlich“ (Pittakos) oder „Die meisten Menschen sind schlecht“. die Bestimmungen der mathematisch möglichen Konstruktionen zu erforschen. Und da alle Punkte des Kreises die gleiche Distanz r zum Mittelpunkt haben. Damit löst sich das Mathematische von den konkreten Aufgaben des Alltages und erlaubt nunmehr. Diese Strecke kann nun in verschiedener Weise durch den Kreis gelegt werden. Demnach wäre dann der Satz bewiesen. die sich durch praktische Lebensweisheit und staatsmännische Klugheit auszeichneten. Neben Thales zählt die Tradition Bias von Priene. haben nun Gemeinsamkeiten. Dabei ist es für diese hier neu entstehende Kultur kennzeichnend. Um den Durchmesser eines Kreises zu zeichnen. das weit über die Idee einer Normierung und Optimierung von Berechnungsverfahren hinauswies. das ist aber unmöglich. mit dem Thales in seinem Beweis vorgegangen ist. Im Endresultat entsteht daraus das. die als Richtlinien auch für das private Leben genommen werden konnten.

Es ist nicht einfach das Flüssige. erhalten. die walzenförmige Erde. Das Flüssige ist für dies über alle Bestimmtheit Hinausgehende ein Bild. wie „die Rinden an einem Baum. das als Grenzenloses und Unbestimmtes zu fassen ist. erwächst. Dieses Apeiron ist nun der Urstoff und damit das Urelement der Welt. das unveränderlich. Auch er lebte in Milet. Um die Erde lagern sich Schichten dieser Luft und dieses Feuers. Eudemos von Rhodos. Durch Aussonderung gehen aus dem Apeiron zunächst das Kalte und Warme. Das Wissen und damit im Weiteren auch die Wissenschaften haben in dieser Kultur von vornherein zentrale Bedeutung. unzerstörbar. das sich nun aber nicht einfach in sich ablagert. Eine Wirbelbewegung sondert sie nach der Schwere. dem Grenzenlosen und Unbestimmten. und so dann etwa das Erdbeben erklärte. aber in dieser Masse ins Unermessliche gewachsen ist. seien . und aus dem die einzelnen Erscheinungen hervorgehen und in das sie zurückkehren. frei schwebend. und das nun in der Erläuterung dessen. In dieser Schrift beschreibt er die Natur als eine dynamische Größe. etwas. der Urstoff der Welt. Jahrhundert vor Chr. Überliefert von ihm ist eine Schrift über die Natur. All diese Autoren zitieren ihn. eines Schülers des Aristoteles. etwas. ständig bewegt und durchgängig belebt sei. ist es dieser periodischer Wechsel von Weltbildung und Zerstörung. den Thales in Bezug auf die babylonische Idee einer Weltordnung als real nahm. Als diese Kugel geplatzt war und in bestimmte Kreise eingeschlossen wurde. in seinen substanziellen Eigenheiten eben wegzudenken ist. Es hat denn auch Theophrast.108 4 Die griechisch-römische Antike der Begründer der Philosophie und der Wissenschaften zu diesen zentralen persönlichen Fixgrößen zu zählen ist. bei aller Distanz vom Mythos. sondern das als dieses Unbestimmte sich fortwährend formiert und dann wieder zerfällt. doch mythisierende Wendungen nicht gescheut hat und einzelne Phänomene denn auch direkt in expliziter Anlehnung an homerische Bilder erläutert. wo er wahrscheinlich der handeltreibenden Aristokratie entstammte. Dieser Stoff. Das Flüssige meint für Anaximander etwas. blieb bis ins 2. dann das Flüssige und Feste und schließlich die einzelnen Erscheinungen hervor. über die sich die Kultur in ihrer intellektuellen Substanz verortete. die aus dem Apeiron.2. Sein Unbegrenztes ist der Ursprung aller Dinge. das ohne Kontur und doch voll Kraft. dann die Luft und das Feuer folge. Es ist nun nicht mehr einfach das Wasser.1. zufolge. das die Eigenschaften dieses Apeiron verdeutlicht. 4. unvergänglich. Der Überlieferung des Theophrast. in dem Anaximander sich die Natur dachte.1. die Physis. dass Anaximander. Eratosthenes und Apollodor von Athen noch direkt vorgelegen. Es ist das Unendliche oder Unbegrenzte. so dass im Zentrum. Dabei zeigen diese Zitate. das in seiner Masse präsent. wird bei Anaximander zu einem Bild.1.2 Die Schule von Milet Anaximander von Milet (etwa 611–546) ist der bedeutendste Schüler des Thales. so dass nur mehr die an ihm erläuterten Bestimmungen des Unbestimmten und Grenzenlosen zu greifen sind. darüber das – teilweise bereits aufgesogene – Wasser. Sein Buch. Aus diesem sich in dauernder Bewegung Befindlichen trennen sich das Warme und das Kalte als Feuer oder Luft ab. die Physis. was mit Apeiron gemeint ist.

So macht es dann auch Sinn.4 Die von ihm beschriebenen Prozesse laufen fort und lassen dabei auch immer wieder Neues entstehen. Texte und Kommentare. wird aber eingefangen in einer neuen. Ob Anaximander selbst so gedacht hat. und konsequent entstehen in diesem Prozess dann eine Folge von Welten und auch Vielfalt von solchen Welten nebeneinander. lassen sich in Form eines gigantischen Billardspiels beschreiben: wobei dann in diesem Bild zumindest Momente von dem verständlich zu machen sind. wenn wir etwa mit dem vorstellungsfernen Raum der subatomaren Wechselwirkungen umzugehen haben. nicht ungern von Teilchen sprechen. die 3 Ps. Aus dem Meerschlamm haben sich die ersten Tiere und aus diesen schließlich die Menschen entwickelt. so dass Eratosthenes ihn später als den Schöpfer der wissenschaftlichen Geographie bezeichnen konnte: Anaximander aus Milet. was er in Begriffen zu umzeichnen sucht. der Mond und die Sterne entstanden“.-Plutarch. suchenden Form von Wissensbegründung. was ist.4). E. . was für den Theoretiker sonst nur in seinen Formeln einzufangen ist. Dabei entsteht und vergeht in diesem Prozess nach Theophrasts Deutung des Anaximander die Welt selbst. Und so wird auch Anaximander zugeschrieben. S. Den Wandel von Tag und Nacht umschreibt Anaximander wie folgt: Tag und Nacht vergehen „nach der Schuldigkeit. um das. ist aber zu bezweifeln. bildhaft und sehr allgemein gehalten.3 Dabei sind Sterne nichts als Löcher in den Luftschichten. 4. S. 4 Auch heute werden wir. sondern nach einem Maß entwickelt. die wir aus dem Mythos kennen. Mond und Fixsternen zur Erde (Abb. Hier strahlt seinerseits noch die mythische Auffassung von Tag und Nacht. insoweit wird auch in der Welt alles. der dann eben auch von Anaximander genutzt wird. so wie die Lebewesen in der Folge von Individuen doch immer wieder eine Art entstehen lassen und die Wandelsterne in ihren Bewegungen doch immer wieder über dieselben Bahnen geführt werden. das rituelle Umgehen mit der Zeit. Schofield. Kirk. Stuttgart 2001.4. dass er als Erster eine Weltkarte und einen Himmelsglobus konstruiert habe. Schließlich ist seiner Auffassung zufolge die Welt in ihrer Form.1 Die griechische Antike 109 die Sonne. 143. verständlich werden zu lassen. Die in dieser Darstellung gezeichneten Dinge kleiden sich dann in Begriffe und Formen ein. Einführung. ein Schüler des Thales. Die verschiedenen Formen. hat als erster gewagt. in ihren Konfigurationen nicht zufällig entstanden zu denken. nach: G. das wir für das alte Ägypten beschrieben hatten. dieses Maß rekonstruiert Anaximander etwa an der Bemessung der Erde und im Aufweis der jeweiligen Abständen von Sonne. Die Vorsokratiker. diese Ordnung aufzuschreiben. in diesem Auf und Ab der Bewegung in seiner Funktion bleiben. denn sie zahlen einander gerechte Strafe und Buße für ihre Ungerechtigkeit nach der Anordnung der Zeit“. J. in denen energetische Beziehungen in ihren Wechselwirkungen zu denken sind. M. Raven. Dabei sind die aus dieser Sicht gefundenen Erklärungen selbst in Vielem noch offen. durch die das diese Luft umlagernde Feuer hindurchstrahlt. durch. Im Sinne des späteren Atomismus ist diese Entwicklungsmechanik einer auf Grund von elementaren Prozessen im Auf und Ab von Formierung zur Zerstörung organisierten Welt plausibel. die in den Dingen selbst liegen. nach Ursachen.

sind mit der Konzeption Anaximanders die Vorstellungsgefüge eines mythischen Weltbildes verlassen. Das. Sein Verfahren ist das der Deduktion. J. Kirk. Er nutzt die Bilder Homers und die Darstellungsformen des Mythischen.4 Schema des Weltbildes des Anaximander bewohnte Welt auf einer Karte zu zeichnen. . nach: G. Diese Welt ist somit etwas Anderes. was und wie sich ihm dann die Welt in ihren Einzelheiten vorstellen lässt.110 4 Die griechisch-römische Antike Ring der Sonne s nde Mo s e gd Rin Erd e Abb. was in einem Begriff gemeint ist. S. in der Welt zu verorten. um das. sondern in die komplexe Ordnung der unendlichen Reihe von Welten führt. S. um mich dann ggf. ein weit gereister Mann. um so dieses Auf und Ab einer in sich aber doch gleichförmigen Bestimmung zu verdeutlichen. M. Er erschließt damit. Die Vorsokratiker. die in aller Dynamik ja nicht ins Chaos. so dass das Werk bewundert wurde. Nach ihm machte Hekataios aus Milet. wenn Anaximander den immerwährenden Zyklus am Drehen eines Rades verdeutlicht. was Hegel später als die Arbeit am Begriff kennzeichnen wird. Texte und Kommentare. Der Mythos ist damit definitiv verlassen. Das Vorgehen ist. dass ein Prinzip benannt wird. 113. Das wird deutlich. was daraus für Konsequenzen zu folgern sind. Insoweit beginnt hier das. in denen er seine neuen Vorstellungen expliziert. 5 Agathemerus. Einführung. um dann in der Darstellung dessen. 4. Stuttgart 2001. Raven. ist eben zu denken möglich und damit Teil einer möglichen Bestimmung der Welt. was dann derart denkbar ist. zu explizieren. was für ihn in der Konzeption des Apeiron greifbar wird. zu dem ich mich verhalte und das ich bestimme. E. Schofield. die Karte genauer.5 Trotz seiner sprachlichen Anleihen. zu konturieren.

uns beherrschend zusammenhält. d. die von allem Lebenden aufgenommen wird. das so etwas wie das materielle Kondensat einer belebenden Weltkraft darstellt. Dessen Idee er aufnimmt. des Eurystratos Sohn aus Milet. Dies findet er in der Luft oder besser 6 Diogenes Laertius. Er erklärt für den Anfang der Dinge die Luft und diese für das Grenzenlose (Apeiron).1 Die griechische Antike 111 OZ EA N Karte 4. sondern (seitwärts) um die Erde herum. aber seinerseits wandelt. S. Das bedeutet. Erde und Steine entstünden. ihr Korrelat hat. Wasser. Leben und Meinungen berühmter Philosophen. einfach und ungekünstelt. so doch immer nach dem gleichen vorab entschlüsselten Grundmuster abläuft. die nach Analogien gedacht ist. die ich in einem Bereich finde. Hamburg 2008. so umgreift auch den ganzen Kosmos Hauch (pneuma) und Luft (aer). Sein Unbegrenztes ist nicht einfach ein Prinzip. Die Luft ist dabei zugleich aber als ein Prinzip gefasst. die in der Luft. Er schrieb in ionischer Mundart. Wolken. war Schüler des Anaximander. sagte er. das nach einem Bild in seiner ihm möglichen Qualität zu beschreiben ist. h. Es greift sich so eine Welt. ein Bild für einen anderen Prozess liefern. dass die Formationsprinzipien. der ja wenn auch unter anderen Konfigurationsbedingungen.4. 68. Die qualitativen Unterschiede dieser abgeleiteten Substanzen werden von ihm dabei auf quantitative Veränderungen. durch Verdichtung Winde. Sein Urprinzip hat ein direktes Korrelat. auf ein Mehr oder Weniger der Konzentration der Ursubstanz zurückgeführt. Es gibt damit so etwas wie eine Weltseele. aus der durch Ausdehnung und Verdünnung Feuer. Dabei verlässt Anaximenes mit seiner Konzeption doch den abstrakteren Raum der Naturlehre von Anaximander und greift in neuer Form auf Thales zurück.6 Das Urprinzip und damit die Ursubstanz (Arche) der Welt sah er in der Luft. Wie die Seele (psyche) die Luft ist. 1. . bewegen sich nicht unter der Erde. Die Sterne. Einige wollen ihn auch zum Schüler des Paramenides machen.6 Weltkarte des Anaximander EUROPA zes Schwar e M er Mittelmeer ASIEN EA OZ Nil N LIBYIEN Anaximenes von Milet (um 585–525) war nun seinerseits ein Schüler des Anaximander. dann wenn sie als grundsätzlich verstanden sind. Diogenes Laertius schreibt: Anaximenes. Bd.

und so generiert sich der Weltprozess. Feuer. sondern ein Konkretum darstellt. Deutlich wird darin aber auch.1. jeder Struktur enthoben erscheinenden materiellen Prinzip nicht nur die Welt hervor. Das ist aber nicht zuletzt auch seiner Art der Organisation seiner Schule zuzuschreiben. dem Archegeten der italischen Philosophie. die in der Sekte geforderte Askese und die Konzentration auf die Darstellung der inneren und äußeren Harmonie suchten die einzelnen Mitglieder sittlich und religiös auszurichten.112 4 Die griechisch-römische Antike in dem Prinzip. 4. Der Verzicht auf Besitz. dass für Anaxinemes Luft als Prinzip nicht einfach die Luft der Atmosphäre meint. sie entstehen aus Luft.2. fällt schwer. sondern in dieses Prinzip kehrt sie auch zurück. sondern dass er das Licht von der Sonne auf die Erde zurückwirft. die eher als eine Sekte geführt war. In unserer Terminologie könnten wir hier an so etwas wie einen Äther denken.2 Pythagoras von Samos Von Pythagoras von Samos (um 560–480). sind Verdichtungen der Weltseele. sondern auch hier so etwas wie ein der Luft unterliegendes Prinzip existiert. Dabei geht aus diesem unbestimmten. Insofern sind es denn auch „Fixsterne“. in der man. So entsteht aus der Mischung von Luft. und das heißt nach dem von Pythagoras aufgestellten Regelwerk. Die Verdichtung dieses Stoffes – hier griff Anaximenes auf Vorstellungen von Anaximander zurück – bildet dann in Folge Wasser und Erde. Nach Eudemos erkannte dabei Anaximenes als Erster. und so wird dieses Prinzip in seinen Wirkungen beschrieben. In dieser Vorstellung greift dann Anaximenes auf das Weltmodell von Thales zurück. das er nun aber in seinem Sinne variiert. Pythagoras figurierte als eine Art von Guru dieser Sekte. der Himmel ist ein halbkugelförmiges Kristallgewölbe. sich nach Metapont und Tarent ausbreitete und so zumindest über einige Zeit auch politisch für den Bereich Süditaliens. die im Himmel fixiert sind. das sich in der ersten Hülle um die Erde in Luft verdichtete. Wasser und Erde die Vielfalt der Naturalien. in dem die Welt immer wieder von Neuem in ihre Formationen findet. sondern ist Resultat eines qualitativ differenziert zu beschreibenden Prozesses. durch Verdünnung entsteht aus ihm das Feuer. wie auch die Psyche sich durch die Aufnahme der Weltseele formiert. Die Welt entsteht für ihn also nicht einfach in einem Verdichtungsprozess. Die Erde schwimmt als Scheibe auf dem Luftmeer. in denen seine Persönlichkeit und seine Leistungen sich in Legenden verschleiern. Götter entstehen für Anaximenes. mit dem Eintritt. ein eben auch die atmosphärische Luft unterlagerndes materielles Prinzip. Diese Elemente kombinieren sich nun dann aber in verschiedenen Mischungsverhältnissen. seinem persönlichen Besitz entsagte und nun nach den Regeln dieser Schule. sind nur wenige Fragmente erhalten. lebte. Die in dieser Schule erwachsene Gemeinschaft der Pythagoräer blieb auch nach dem Tod des Pythagoras lebensfähig und wurde noch von Platon mit Achtung beschrieben. dass der Mond kein eigenes Licht besitzt. Dies in den vorhandenen Begriffen zu konturieren. von nicht zu unterschätzender Bedeutung war.1. . die schon kurz nach ihrer Gründung in Kroton in Süditalien großen Zuspruch erhielt. das dabei aber im Denken des Anaximenes nicht einfach zu einem abstrakten Begriff wird. das in den verschiedenen Formen des Flüchtigen darzulegen ist. an dem die Sterne wie Nägel befestigt sind.

In dieser ging es – wie beschrieben – nicht einfach um die Diskussion und/oder Sicherung von Wissenszusammenhängen. . Zwischen 530 und 525 wanderte er dann aber auf Grund von Schwierigkeiten mit dem Herrscher (Tyrann) Polykrates in Samos nach Unteritalien aus. 600a–b. die zu ihm große Zuneigung entwickelt haben. Chr. bis Mitte des 5. Dort gründete er in Kroton seine Schule. – wurden Tyrannen zur Stabilisierung der Verhältnisse auch von außen eingesetzt. Jahrhunderts) erklärt sich aus den nach Ende des Königtums entstandenen. die im 7. Mit dem Beitritt zu dieser Schule verzichtete der Anhänger auf persönlichen Besitz und unterwarf sich den von Pythagoras vorgegeben Lebensregeln. Chr. mit der Formel „Autos epha“ – er hat gesagt – wurden seine Aussagen als verbindliche Normen tradiert. Pythagoras selbst wurde von seinen Anhängern schon zu Lebzeiten fast wie ein Gott verehrt. sagt man von Homer dann wenigstens. Jahrhundert v. Der Staat. Chr. dass unter seiner Leitung ein öffentliches Werk vollbracht worden wäre. sowie die Jüngere Tyrannis. Platon schreibt über ihn:7 Aber wenn nicht bekannt ist. dass er zu seinen Lebzeiten für einzelne Leute im Bereich der persönlichen Ausbildung zum Führer geworden ist? Gibt es Leute.4. vorchristlichen Jahrhundert fast durchweg negativ besetzt. aufkam und spätestens 461 v. endete. Es galt das Verbot des Fleischgenusses. die bis in Details seine Lebensführung regelten. nicht nach den Gesetzen ausgeübte eigennützige Herrschaft beschrieben. Die mit der Machtsicherung des etablierten Tyrannen verbundene antiaristokratische Politik schuf dann ihrerseits die Voraussetzungen einer weiteren Demokratisierung. Während der Begriff tyrannos ursprünglich wertneutral einen Alleinherrscher bezeichnet haben dürfte. die gegen Ende des 5./7. Bd. mit ihm zusammenzuleben. 10. bis zum 3. war er spätestens ab dem 5. In der antiken Philosophie wurde die Tyrannis als eine illegitim errichtete. die nun als Glaubenswahrheiten in seiner Schule weitergetragen wurden. durch das Aufkommen neuer Wirtschaftsformen mit bedingten politisch-sozialen Auseinandersetzungen. Man unterscheidet eine Ältere (oder Archaische) Tyrannis. aufkam und vor allem außerhalb des griechischen Mutterlandes (so in Sizilien) verbreitet war. so in Kleinasien durch die Perser. Von Pythagoras wird berichtet. dass er in seiner Jugend noch selbst Thales und Anaximander gehört habe. Jahrhundert v. Chr. Im Gegensatz zur Basileia (dem Königtum) bezeichnete die Tyrannis eine illegitime Form der Alleinherrschaft über eine Polis. in der eine monarchische Staatsform eigentlich nicht vorgesehen und mit den Gesetzen schwer oder gar nicht vereinbar war. Die Entstehung der älteren Tyrannis (6. Jahrhunderts v. unter Tabu stand aber etwa auch das Essen von Bohnen. und 7 Platon.1 Die griechische Antike 113 Tyrannis Die Tyrannis ist eine Herrschaftsform der griechischen Antike. weil sie es schön fanden. In einer späteren Phase – Ende des 5.

Und so wäre ihr Wesen in einer Darstellung dieses Abstimmungsverhältnisses zu erkennen.8 Hier konturiert sich das Bild einer Gottheit. In dieser rückt das Berechnen vordergründig zwar wieder an einen mythologischen Kontext heran. er sei beim Durchqueren des Flusses Kosa von diesem begrüßt worden und habe dann im Weiteren mit ihm auch gesprochen. die dann auch in der Welt selbst zum Klingen kommt. bei allen Leuten besonderes Ansehen zu genießen scheinen? Nach seinem Tode entstanden über Pythagoras eine Reihe kennzeichnender Legenden. alles sei Zahl. Entsprechend wird dann das Maß und mit ihm das das Maß Bemessende. in der sich die Welt formiert. Die Zahl kommt in der Harmonie zum Ausdruck. in denen sich die Dinge zueinander verhalten. Dieses Verhältnis der Dinge zueinander bestimmt nun aber auch deren Wesen. in diesem bestimmen sich Harmonien. in dem sich dann auch die Dynamik der Welt begreifen lässt. Die Vorsokratiker. in der Metall bearbeitet wurde. verwies er auf das Gewicht der Hämmer. Dabei erschien Pythagoras und seinen Schülern das Hämmern der Schmiede harmonisch. der zufolge Pythagoras mit Schülern über Land ging und dabei an einer Schmiede vorbei ging. zu verstehen. Zudem wird ihm zugeschrieben. Raven. S. S. die Zahl. und in diesen Harmonien ist die Welt und damit die Organisation des Kosmos zu begreifen. E. der der Welt eigenen Harmonie. Texte und Kommentare. dass er goldene Schenkel besäße.114 4 Die griechisch-römische Antike die den Nachkommen eine homerische Lebensweise übermittelt haben. in dem die Dinge sich zueinander verhalten und in dem insoweit die Welt organisiert ist. Und so ist dann seine Aussage. Berichtet wird auch. J. wenn nicht in eben diesem Sich-insVerhältnis-Setzen. Für Pythagoras war die Welt in einer inneren Abstimmung zusammengehalten. Damit gewinnt das Mathematische in der Vorstellungswelt der Pythagoräer eine besondere Bedeutung. zur Wesensstruktur der Dinge. ist aber gerade dar8 G. so wie Pythagoras vor allem aus diesem Grunde geschätzt wurde und seine Nachfolger auch heute noch wegen dieser Lebensweise. und beschrieb dann. Das ist: Maß zu halten und das zu haltende Maß zu bestimmen. Stuttgart 2001. Entsprechend ist dann bei solchen Maßverhältnissen der Hämmer der Klang des Schmiedewerkes harmonisch. und leitete daraus eine Reihe von Verhaltensmaßnahmen für die Mitglieder seiner Sekte ab. Bedeutsam in unserem Kontext ist der Grundansatz. erwächst aus dieser Vorstellung. Die Kraft. Einführung. – Worin liegt nun die Ordnung der Bewegungen der Welt begründet. werden durch die Maßzahlen bestimmt. Aristoteles berichtet. 252. Bekannt ist die Geschichte. wie dies zu verstehen sei. die sie pythagoreisch nennen. M. liegt nach Pythagoras in diesem Ins-Verhältnis-Setzen. Die Relationen. Demnach rücken Maßzahl und Musik eng zueinander. In ihr ist damit das Verhältnis bestimmt. Erkennen ist ein Ermessen dieser Maßbeziehungen. Schofield. Pythagoras vertrat die Vorstellung von einer Seelenwanderung. Die Zahl drückt ein Maßverhältnis aus. . Kirk. – Die Idee der Sphärenharmonik. er sei bei einem Besuch der Olympischen Spiele im Theater aufgestanden und habe gezeigt. dass diese Hämmer im Verhältnis ihres Gewichtes schwingen (den Amboss betrachtete er als unbewegte Größe). an mehren Orten zugleich gewesen zu sein. Befragt. in dem seine Lehren formuliert sind.

dass Maßbestimmungen als solche benannt sind.4. Die Zahl und damit das Maß steht nicht für etwas Anderes. führt – in der Nutzung der Musik – dann auch wieder heran an die Praktiken der Schamanen und wird viel später – im Kontext der Kabbala – dann auch wieder genutzt. mit denen er dann umgeht. es hat aber etwas Beschwörendes. Das erscheinende Regelwerk der Maßbestimmungen ist kein Mythos. aber es hat etwas Beschwörendes. etwas Magisches. Beschwörungen zu vollziehen. mit seinen Aktionen Gleichgewichtszustände zu erhalten oder wieder zu erreichen sucht. in die er eingebunden ist. das sich in ihr ausdrückt. in dem der Schamane in den Ordnungsbeziehungen der Welt. und in diesem Sinne wird es denn auch von den Pythagoräern genutzt. wirkt weiter in der abendländischen Tradition und wird dabei auch immer wieder in direktem Rückverweis auf die Pythagoräer . Doch ist dieses Beschwören nicht das des Mythos. die dann in der Idee der Harmonie und der Darstellung der Musik in Maßzahlverhältnissen ihren Ausdruck findet.5 Holzschnitt aus Franchinus Gaffurius. So ist es nicht Mythos. berechnet die Verfahren. Pythagoras überprüft die Tonhöhe verschiedner mit Flüssigkeit gefüllter Gläser durch Vergleich mit der Tonhöhe nummerierter Glocken in. 4. das Maß steht für sich. Theorica musica von 1492. aus dem Mythos selbst ausgebrochen.1 Die griechische Antike 115 Abb. Der Pythagoräer bestimmt das Maß. Diese Doppelbödigkeit von Maß und Zahl.

4. lebte dieses Konzept . Zuschreibungen wie der Satz des Pythagoras („Im rechtwinkligen Dreieck ist die Summe der Kathetenquadrate gleich dem Hypotenusenquadrat. der dann in seiner Schule fortgetragen wird.5). verweisen selbst auf eine viel ältere Tradition. Um 450. Askese und Gütergemeinschaft kennzeichnen diese Lebensform. nachdem in Unteritalien die Demokraten die Oberhand gewonnen hatten.“. 4. Diese Gemeinschaft fand in ganz Unteritalien und Sizilien Verbreitung.6). Auch hierin ist Pythagoras also nicht originär. Dabei ist es schwer. Abb. Nach 100 v. Denn genau diese Art des Ins-Verhältnis-Setzens ist schon für die Babylonische Mathematik bekannt. 4. in denen die Maßverhältnisse des Auszuzählenden bestimmt werden. In der pythagoreischen Schule entwickeln sich denn auch die Zahlenreihen. die eigentlichen Leistungen des Pythagoras von den Leistungen seiner Schüler abzugrenzen. Jahrhundert. Dort verfolgte sie eine explizit antidemokratische und aristokratische Politik. wurde der Bund der antidemokratisch agitierenden Pythagoräer blutig verfolgt.116 4 Die griechisch-römische Antike Abb. Chr. zu der anscheinend auch Frauen zugelassen waren. Konjunkturen von Zyklen und demnach die Verhältnisbestimmungen von Größen genutzt um Vorhersagen zu treffen. von der her gerade dieser Satz überliefert ist.6 Satz des Pythagoras a2 b2 b a c c2 = a2 + b2 bestimmt (Abb. überdauerte diese Verfolgung jedoch und hielten sich bis ins beginnende 4. die exemplarisch solche Verhältnisbestimmungen ausdrücken. nur bindet er diese Aussagen in einen neuen Kontext ein. Auch in Babylon wurden Zuordnungen von Zahlenreihen. Ihre Mitglieder hoben sich durch strenge Sitten und Lebensgewohnheiten von der Bevölkerung ab. Die Astrologie des altbabylonischen aber auch die des altägyptischen Reiches ist bestimmt von solchen Darstellungen von Maßverhältnissen. die aber zunächst vor allem als eine ethisch-religiöse Gemeinschaft zu verstehen ist. Sicher bestimmte Pythagoras mit seiner Idee des „Alles ist Zahl“ und der Zuordnung von Maß und Harmonie die Denkrichtung seiner damit initiierten Schule.

Dabei kannten die Pythagoäer neben den rationalen. als Faktoren. 4. Sie wurden vielmehr als Funktionen. sondern als Wesen und Kern der realen Dinge. zu bestimmen sind.7). Die Pythagoreer beschrieben die Erde als Kugel. Die ungeraden Zahlen wurden zugleich als begrenzt und damit als Ausdruck des Besseren. Dabei ist nur der Begriff.1 Die griechische Antike 117 einer aristokratischen. dass sich der größere Abschnitt AP zum kleineren PB verhält wie die ganze Strecke AB zum größeren Abschnitt AP. Die pythagoräische Schule versuchte die Zahl als Maßfunktion zu denken. beschrieben. ob die Zahlen als Urstoff oder als das Ding selbst oder als Maß. Demnach konnten sie darlegen. Dabei schrieben die Pythagoräer der Musik magische Funktionen zu. in dem sich die Dinge überhaupt zueinander ins Verhältnis setzen und so dann auch realisieren. die geraden als unbegrenzt und Ausdruck des Schlechten angesehen. um derentwillen die Pythagoräer die Welt als einen in sich bestehenden und aus sich funktionierenden Kosmos bezeichneten. ist ihnen sowohl in der Bewegung der Gestirne. die Seele von den Leidenschaften zu reinigen und in die ihr wesentliche innere Harmonie zu setzen. Dabei gilt der Pythagoreer Alkmaion von Kroton als der bedeutendste Vorgänger des Hippokrates.4. eine Strecke AB durch einen Punkt P so zu teilen. Das Konzept und das Verfahren sind pythagoreisch. entsprechend wurde sie von ihnen bei Kulthandlungen eingesetzt und zwar mit dem Ziel. Und entwickelte hieraus dann Grundelemente einer Zahlentheorie. geometrische Körper in idealer Weise in ihr Verhältnis zu setzen. Diese sogenannten irrationalen Zahlen wurden im Gegensatz zu dem approximierenden Umgehen der Ägypter und der Babylonier nicht einfach nur in bestimmten Rechenverfahren umschrieben. Für die Wissenschaftsgeschichte bedeutsam ist die Grundidee des Maßes und der mit Maßzahlen verbundenen Beschäftigung mit der Zahl. mit der dann auch ein Pentagramm darzustellen war. So verdankt sich ihr die Darstellung der Inkommensurabilität. Die Lösung kennt schon die pythagoreische Schule. die es erlaubten. Sie praktizierten die Heilkunst. Es gilt. nicht aber die Idee und die für diese verfügbare Lösung Produkt der Renaissance. Die Harmonie. von den Aussagen des Pythagoras geleiteten Ausrichtung der Lebensgewohnheiten im sogenannten Neupythagorismus wieder auf. als auch in der Musik sinnfällig geworden. In diesem Kontext erwuchs dann auch die Idee. Die Zahl galt dabei eben nicht einfach als Ausdruck. . Diese Verfahren wurden bei den Pythagoreern weiterentwickelt zu einer Konstruktionsbeschreibung. Eine solche Verhältnisbestimmung kennen wir aus der Renaissance unter dem Begriff des Goldenen Schnittes (Abb. Dabei ist nicht eindeutig zu bestimmen. Sie entdeckten. abzählbaren Zahlen auch Maßfunktionen. die jedoch infolge ihrer ununterbrochenen Wirkung für uns nicht wahrnehmbar sind. die in bestimmten Tonintervallen ihren Ausdruck findet. dass bei Saiteninstrumenten die Höhe des Tons von der Länge der Saiten abhängig ist. die nur als Funktionen zu beschreiben sind. bestimmte geometrische Größen in ihr Verhältnis zu setzen. dass mathematisch darzustellende Verhältnisse der musikalischen Harmonie zugrunde liegen. In beiden Fällen ist diese in Zahlenverhältnissen auszudrücken.

der mit seinen Naturerfahrungen und Naturvor9 Diogenes Laertius. Kirk. aus seiner Heimatstadt verbannt.7 Darstellung des goldenen Schnittes 4 Die griechisch-römische Antike A P x B a–x a 4. Schofield. Als junger Mann wurde er des Landes verwiesen und führte danach ein Wanderleben. Raven. ). die ich erkläre. Er positioniert sich dabei nicht einfach gegen ein mythisches Weltbild. S. in höchstem Maße Vollkommenes zu sagen. und es wird auch keinen geben. Einführung. scheint sich dabei aber im Wesentlichen auf Sizilien aufgehalten zu haben. J. Bd. Und. .3 Die Schule von Elea Xenophanes von Kolophon (etwa 570–475) wurde in Ionien geboren und wuchs dort auch auf. Mit ihm ist der Mythos Geschichte. Denn selbst wenn es jemandem gelänge.1. was an solchen Vorstellungen als Material für weitergehende Schlüsse zu nutzen ist und was nicht. Hamburg 2008. der es gesehen hat. von Elegien und Jamben. was klar ist. Nach einigen ist er niemandes Schüler gewesen (. 2. Leben und Meinungen berühmter Philosophen.1. gerichtet gegen Hesiod und Homer. S. deren Äußerungen über die Götter er hart mitnimmt. Texte und Kommentare. Er ist demnach also auch nicht mehr in seiner Sprache und seinen Bildern an die Sprache und die Bilder des Homer und des Hesiod gebunden. S. wie Sotion berichtet. Xenophanes ist so denn auch skeptisch gegenüber der Einsichtsfähigkeit des Menschen und formuliert entsprechend vorsichtig: Und wirklich – so schreibt er nach dem Fragment 34 des Sexus – kein Mensch hat hinsichtlich der Götter und hinsichtlich all der Dinge. 157. G. das gesehen.10 Hier hat sich demnach das Denken zumindest in allerersten Ansätzen selbst gefunden. dass Regeln verfügbar sind. lebte er zu Anaximanders Zeiten. 10 . Die Vorsokratiker. auch den Epimenides getadelt haben:9 Xenophanes nahm also explizit gegen den Volksglauben Stellung und verurteilte zugleich die exzessive Ausdeutung von Weissagungen und Vorhersagen. Er trug seine Gedichte auch selbst als Rhapsode öffentlich vor. M. 195. . es macht sich nicht einfach zum Maß und – ganz im Gegensatz zu Pythagoras – zur verabsolutierenden Leitlinie desjenigen. wäre er sich dessen trotzdem nicht bewusst. den Alltagseinsichten zu vertrauen und einfach auf den dort gefundenen Ideen und den aus diesen Ideen abgeleiteten Prinzipien aufzubauen. 4. Er arbeitet am Begriff. sondern hat dies schon so weit verlassen. dass er Homer wörtlich nimmt und ihn dann hinsichtlich der Inkonsistenzen seiner Aussagen verurteilt. Bei allen gibt es nur Mutmaßung. Er soll den Ansichten des Thales und des Pythagoras entgegengetreten sein. hielt er sich in Zankle in Sizilien auf und in Katane.118 Abb. Er ist Verfasser von Gedichten in epischem Versmaß. Demnach hat er dann aber auch sicherzustellen. über die solch eine Arbeit mit und am Begriff gesichert werden kann.2. Es reicht eben nicht. Stuttgart 2001. E. Es muss gesichert werden.

zit. Dabei sind dann aber – wie er dies vorführt – in einer kritischen Diskussion mit den bisher vorliegenden Mutmaßungen einzelne vielleicht weiterführende Momente der vormaligen Einsichten zu entdecken und vielleicht auch darzustellen. Damit gewinnt spätestens mit Xenophanes dieses Nachdenken über die Natur auch in einer neuen Weise Historizität. wenn die Erde ins Meer geschwemmt und dort zu Schlamm werde. Die Vorsokratiker. Die Menschen würden jedes Mal allesamt umkommen. würden in den Steinbrüchen Abdrücke eines Fischs und von Meerestang gefunden. Hier. E. und in Syrakus. verweist dabei auf Fossilfunde und kommt so zu der These. die allerdings in ihren überlieferten Fragmenten zum Teil nur wenig klar gehalten sind. und die Erde werde im Laufe der Zeit vom Feuchten aufgelöst. die Beobachtungen sammelt und diese Beobachtungen im Zusammenhang seiner Vorstellungen deutet. Kirk. Auch bei ihm finden sich darüber hinaus aber auch konkrete naturphilosophische Feststellungen. Xenophanes konturiert die ersten Umrisse einer sich empi11 Fragment nach Hippolytos. S. J.11 Bemerkenswert ist die Form der Argumentation. nicht einfach anzunehmen. und diese Gründung finde für alle Welten statt. sondern auch ein neuer reflektierter Umgang mit der Erfahrung. dass die Erde eines Tages wieder zum Meer würde. meteorologische Erscheinungen und Aussagen über die Struktur und Genese der Erde. Texte und Kommentare. dabei aber die Beobachtungen nutzt. die hier in der Geschichte von Thales zu Xenophanes aufzuzeigen ist. Fehldeutungen und argumentativen Abgrenzungen. in der sich die Mutmaßungen eines Naturdenkens fangen und die dann auch als solche kenntlich zu machen sind. und der Abdruck sei im Schlamm durch Trocknung fest geworden. entstanden als vor langer Zeit alles verschlammt gewesen sei. S. sondern eben alle Darstellung Mutmaßung. verweist. Wobei ihm zufolge diese Erde aber eben zunächst auch aus dem Meer hervorgegangen war.1 Die griechische Antike 119 stellungen umzugehen sucht. Insoweit ist dann für ihn nicht nur die vormalige. auf Paros tief im Gestein der Abdruck von Lorbeer und auf Malta flache Formen von jeder Art Lebewesen. Stuttgart 2001. bei Xenophanes. den er dann auch mit Verweisen auf zyklische Ereignisse wie den alle 17 Jahre erfolgenden Ausbruch des Stromboli untermauert: Xenophanes behauptet. nach: G. was wir heute Wissenschaft nennen. sich eben auch der ihm eigenen Grenzen bewusst. M. 193. Einführung. wie er sagt. sagt er. Hier beginnt also nicht nur ein kritisches Umgehen mit dem spekulativ ausgreifenden Denken. sie steht in Frage. Die unmittelbare Einsicht in die Dinge. was dann ja nur in zaghaften Schritten auf das. Xenophanes nimmt hier anscheinend einen zyklischen Prozess an. es ist die Geschichte von Problemlösungsversuchen. ist dieses Denken. Er formuliert Vorstellungen über die Himmelskörper. die begriffliche Klarheit einer diese Einsicht umschreibenden Sprache ist für ihn. es finde eine Mischung der Erde mit dem Meer statt. Diese Dinge sind. Raven. der mit seinen Vorgängern kritisch abrechnet. weil es sich selbst vor Augen steht. . Es ist nicht einfach der Reifungsprozess einer zu sich selbst findenden Gewissheit. dann fange sie aber wieder an zu entstehen. um seine Ideen zu konturieren. Dafür erklärt er die folgenden Beweise zu haben: Im Landesinnern und im Gebirge findet man Muscheln. Schofield. Dabei fragte auch er nach etwaigen Veränderungen der Erde in ihrem Verhältnis zum Meer.4.

h. wird von Parmenides in zwei Teilen präsentiert. dieser ist für Parmenides der Dualismus zwischen Erscheinung und Wirklichkeit. von dem der größte Teil erhalten ist. dass es etwas Nichtseiendes gibt. da Parmenides auch energisch verneint. in Wirklichkeit eins sind. und so das. ein unveränderliches. da es nichts gibt. Der erste ist ein Abschnitt aletheia (d. was ihrem jeweiligen Vermögen entspricht. verstellt. eine umfassende Wirkung. was die Welt wirklich ist. erhalten. diesen und jenen Einzelgegenständen beigelegt worden ist. h. Der Dualismus zwischen Nacht und Tag ist hier nur ein Beispiel. falsch ist. Parmenides von Elea (etwa 515–445) gilt als Schüler des Xenophanes und erreichte mit seinen Gedanken schon zu seiner Zeit. sie ist nun aber auch nichts Eigenes. insgesamt sind dies 150 Zeilen. die alltägliche Wahrnehmung der Welt. einem einführenden Gedicht. da sie beide. die Zyklen der Welt. und das nicht nur über seine Schüler wie Melissos und Zenon. Wahrheit). in dieser Darstellung der Wirklichkeit auftretende Dualismus offenkundig wird. dass die Nacht etwas dem Licht Entgegengesetztes sei. unzerstörbares Ganzes. So sei die Nacht ja nicht etwa einfach nur die Negation des Tages. Platon nennt ihn „unseren Vater Parmenides“ und lässt ihn in seinem Parmenides Dialog auftreten. von dem wir nur wenige Reste kennen. ist alles zugleich von Licht und unsichtbarer Nacht (die beide gleich sind). Die wirkliche Welt ist. Es heißt von ihm. Mit ihm werden also in zweierlei Hinsicht neue Konturen greifbar. Licht und Nacht. ableiten lässt. Also weist dann die Göttin Parmenides darauf hin. der Begründung und der Ordnung ihrer Erfahrungen findet. was eigentlich Sein ist. Folglich muss dann die Einsicht in die Wirklichkeit von den Grenzen unseres Verständnisses absehen und die alltäglichen Ansichten in der Darstellung der Wirklichkeit des Seins dieser Welt korrigieren und damit das Wirkliche in seinem ihm eigenen Sein darstellen: Aber nachdem alles als Licht und Nacht benannt worden und das. das zu keinem von beiden gehören würde. die ihn dann schließlich zu einer ungenannten Göttin führen. Es ist also unser beschränkter Verstand. dass die Ansicht der Menschen. Das ursprüngliche Werk bestand aus drei Teilen. die noch auf den Mythos zurückverweisenden Perioden – in denen sich . er habe nur ein einziges Werk verfasst. ein so in sich bestimmtes Sein. wie sie in „doxa“ beschrieben ist. Deren Darstellung. Es ist die Nacht so dann auch nicht der Gegensatz des Lichtes. wie rasant – zumindest im ionischen Raum – die aus dem Mythos erwachsene Theorie der Natur zu einer neuen Form der Sicherung von Wissensinhalten. die zugleich auch zeigen. Das heißt also. ein Lehrgedicht. der die Gegensätze in die Welt bringt. das die Reisen des Erzählers jenseits der ausgetretenen Pfade der Alltagswirklichkeit darstellt. Andererseits ist sie nun aber auch nicht einfach Nichts. als eine Schein-Wahrheit aufzudecken.120 4 Die griechisch-römische Antike risch versichernden Naturlehre. Meinung). Es geht dabei darum. die sich aus einer deduktiven Bestimmung von dem. unseren alltäglichen Ansichten und der Wahrheit. an dem der eigentliche.12 Die beobachteten Phänomene der Bewegung und Veränderung sind für ihn eben nur Erscheinungsformen einer in Wahrheit unveränderlichen Wirklichkeit. wo er sich direkt mit Sokrates auseinandersetzt. und darauf folgt ein Abschnitt doxa (d. und das erläutert die Göttin in aletheia. ungeschaffenes. die ihn über die Natur der Wirklichkeit aufklärt. Von diesem haben sich nun allerdings nur wenige bei Simplikios überlieferte Fragmente. das unter dem Titel Über das Sein bekannt geworden ist. neben dem Licht für sich Existentes.

So ist dieses Vorläufige eben nicht die Wirklichkeit selbst. wobei dieses Bewegte an sich ohne Substanz bleibt. das in keiner Weise qualifizierbar sei. Im letzteren Fall ist diese Auffassung dann als vordergründig aufzugeben. in denen sich die Welt als die diesen Zyklus ermöglichende Wirklichkeit zeigt. dass nur das Sein ist und das Nichtsein. Eingeführt hat er dabei die indirekte Beweisführung. Die Erzeugung der Menschen habe sich zuerst von der Sonne aus vollzogen. aus denen alles bestehe. S. nach: G. Bd. Sein hiergegen gesetztes Verfahren ist das einer begriffsanalytisch und logisch argumentierenden Auseinandersetzung mit entsprechenden Auffassungen. E. Die Vorsokratiker. ob der Gebrauch der Begriffe und die daraus erwachsene Vorstellung mit den grundsätzlich erarbeiteten Begriffsbestimmungen in Deckung zu bringen ist. über sie selbst aber rage hinaus das Warme und Kalte. Zu fragen ist nun. Die eigentliche Wirklichkeit ist das diesem Werden und Vergehen unterliegende Sein. Texte und Kommentare. Das eigentliche Sein dieser Welt wird demnach weder neu entstehen noch jeweils neu zerfallen. Raven. Einführung. So erklärt denn auch Platon in seinem Dialog Theaitetos.4. oder ob hier Widersprüche auftreten. 12 Fragment nach Simplikios. So sei denn auch das Werden und Vergehen nichts Wesentliches. eben nicht ist und demnach keine Wirklichkeit hat. es ist vielmehr die Größe. Zwei Elemente gibt es nach ihm: Feuer und Erde. Diese ist damit an sich beständig. Letzteres Vielheit und Bewegung. die Inkommensurabilität von Vorstellungen aufzuweisen. Stuttgart 2001. das erstere gilt ihm als Werkmeister. Eine zu diskutierende Auffassung wird nun ihrerseits in den ihr zugrunde liegenden Bestimmungen der in ihr verwandten Begriffe dargestellt. S. .1 Die griechische Antike 121 das Existente bildet und zerfällt – sind nur Spielformen des Seins. zit. wo er die Lehrmeinungen fast aller Philosophen vorführt. der geleugnet habe. 193. Wie auch Theophrast in der Physik sagt. Hamburg 2008. dass alles Bewegung und Veränderung sei. Er war es – so Diogenes Laertius. J. noch weiter verfeinert. Zentraler Punkt seiner Naturphilosophie ist dabei. Schofield. 13 Diogenes Laertius. Wie bei Xenophanes ist seine Haltung gegenüber der einfachen alltäglichen Einsicht. Er geht aus von seiner deduktiv gewonnenen Bestimmung von dem. Sein Grundgedanke variiert dabei die parmenidische Bestimmung des Verhältnisses von Sein und Nichtsein. Parmenides sei unter allen Weisen der Einzige gewesen. 2. kritisch.13 Jenseits dieser Bekanntes variierenden Detailvorstellungen liegt die Bedeutung von Parmenides in der Form seiner kritischen Beweisführung. S. M. Dieses entsprechende Verfahren einer begriffsanalytischen Darstellung wird nun von seinem Schüler Zenon. der zuerst die Lehre von der Kugelgestalt der Erde und von ihrer Lage in der Mitte des Weltalls aufstellte. Kirk. dem Eleaten (490–430). womit sich ein etwaiges Auf und Ab ihrer im Alltäglichen zu erfahrenden vorläufigen Bestimmtheiten überhaupt erst ermöglicht. 159. in der sich diese Dynamik abspielt. Ersteres ist für ihn Einheit und Ruhe. Seele und Vernunft seien einerlei. So spricht dann auch Aristoteles von ihm als dem Erfinder der Dialektik. die letztere als Stoff. Leben und Meinungen berühmter Philosophen. was Sein ist und was Sein bedeutet. die sich auf Erfahrung und tradierte Denkmuster beruft. die er dann in seinen Darstellungen der Paradoxa dazu nutzte.

auch wenn er sich noch so sehr anstrengt. doch immer in Ruhe. eine Schildkröte. Also gilt. wie lange er hier ruht. Schließlich ist der Pfeil in jedem Punkt seiner Bahn jeweils an einem Ort. doch – so Zenon – bleibt immer eine Differenz xn+1 zwischen Achill und der Schildkröte. Wird nun Achill diese Strecke x′ zurücklegen. . sonst wäre er ja nicht an diesem Ort. dass Dynamiken für uns nicht denkbar sind.8). Zeno zufolge. wonach in der wirklichen Welt Achill. nie überholen kann. womit ihnen also keine eigentliche Realität zukommt. Demzufolge ruht der Pfeil also auch dann. bedeutet dies. wenn Achill sich der Schildkröte nähert. Entsprechend konstruiert Zenon auch sein Beispiel. wenn er uns als Bewegung erscheint. 4. wenn er in Bewegung scheint. Schließlich wird dann. die immer wieder zeigen. So ist ein Pfeil.122 4 Die griechisch-römische Antike 100 m 100 m 0m 10 m 100 m 110 m 1m 110 m 111 m Abb. Zwar wird die Distanz zwischen Achill und der Schildkröte sich zusehends verringern. dass er an diesem Ort auch ruht. an dem er sich befindet. 4. die vor ihm herläuft.8 Zenons Paradox Bekannt sind seine Aussagen. was nach den für Zenon geltenden Regeln der Physik (und sollte die Distanz zwischen Achill und der Schildkröte auch noch so klein sein) dazu führt. das Letztere nie von ihm eingeholt werden kann (Abb. der Pfeil ruht an jedem Ort. Wenn er an einem Ort ist. so hat die Schildkröte ihrerseits wieder eine Strecke x′′ zurückgelegt usf. wobei es unbedeutend ist. diese im gleichen Zeitraum ebenfalls eine Strecke x′ zurückgelegt haben. er also eine Strecke x zurücklegt.

was ist. Wäre jetzt die Summe der unendlichen Lagen der Ruhe identisch mit Bewegung? Wäre jetzt das Ruhen. ist der des Unendlichen. ungeworden. das Unendliche zu beendigen. also sein eigner Gegensatz? Das Unendliche wird hier als Scheidewasser der Wirklichkeit benutzt. Zuletzt ist der Pfeil selbst nur eine Täuschung: denn er stammt aus der Vielheit. wenn also das Unendliche nie vollendet sein kann. zeitlos. Ein andres populäres Ausdrucksmittel dieser Lehre ist der fliegende und doch ruhende Pfeil. Wenn er tatsächlich die Schildkröte einholt. müsste er bereits zahllose. dass das Umgehen mit diesen Beschreibungen sich in den Vorstellungsgefügen verfangen kann. so ist der Pfeil in Wahrheit gar nicht geflogen: er kam gar nicht von der Stelle und aus der Ruhe. Wenn aber die Begriffe fest. im Wettlauf nicht einholen. so wäre eine Unendlichkeit vollendet gegeben: dies ist aber eine Unmöglichkeit. Zeno bediente sich besonders der indirekten Beweismethode: er sagte zum Beispiel „Es kann keine Bewegung von einem Orte zum andern geben: denn wenn es eine solche gäbe. in dem er ihm dann auch widerspricht. a) dass eine Behauptung etwa der Physik in ihrer Konsequenz für eine Betrachtung dessen. tradierter Beschreibungsansätze. also keine Lage für den Pfeil. dann wäre er unbeweglich. Er zeigt auch. in dieser Lage ruht er. zu erreichen. in einem Raum ist. ewig und seiend sind – und Sein und Denken fällt für Parmenides zusammen –. Lüge.4. also keinen Raum – eine unmögliche Vorstellung! Angenommen. kein Zeitmoment ist vergangen. so bedeutet sie ihrem Wesen nach einen Widerspruch gegen das Logische und somit auch gegen das Reale und ist Täuschung. keine Realität. Phantasma. Bewegung. so gäbe es keine Ruhe. dann das Achtel. also jedenfalls keine Wahrheit. an ihm löst sie sich auf.1 Die griechische Antike 123 In dieser Weise in seinem Denken ausgerichtet kann Zenon dann auch fragen: Wenn alles. In jedem Augenblicke seines Fluges hat er eine Lage. unendlich viele Räume durchlaufen haben. Da nun unsre Wirklichkeit. wenngleich noch nicht so geschickt verwendet wie von seinem Schüler Zeno. dann das Viertel. die Bewegung wäre wahrhaft real. Bewiesen wird so ex negatio. von dem die Schildkröte aus läuft. nicht einfach für bare Münze zu nehmen ist und b) auch der deduktiv gewonnenen Bestimmung des Anschaulichen Vorsicht entgegenzubringen ist.“ Achill kann die Schildkröte. Nur erweist sich die Deduktion im Paradox selbst als in sich unbestimmt. von größerem Gehalte als der des Seienden und gleichfalls bereits von Parmenides erfunden. aus der durch die Sinne erzeugten Phantasmagorie des Nicht-Einen. der Pfeil hätte ein Sein. die diese abzubilden suchen. Natürlich kann vordergründig damit der bloße Anschein des Angeschauten gegenüber den Notwendigkeiten eines deduktiv verschlossenen Begriffsgebrauchs erschlossen werden. Er demonstriert in diesen Beweisen zugleich und vielleicht vor allem die Grenzen unserer Vorstellung und die Engführungen vermeintlich klarer. kein wahres Sein. Angenommen. unendlich wiederholt. Oder anders ausgedrückt: es gibt in dieser sogenannten. so ist dies ein unlogisches Phänomen. so könnte . So schreibt Nietzsche Folgendes über Zenon: Der andre Begriff. denn um nur den Punkt. Es kann nichts Unendliches existieren: denn bei einer solchen Annahme würde sich der widerspruchsvolle Begriff einer vollendeten Unendlichkeit ergeben. Denn nie ist es möglich. dass die Zeit real sei. nämlich zuerst die Hälfte jenes Raumes. doch nur angeblichen Wirklichkeit weder Zeit noch Raum noch Bewegung. wenn Ruhe nie Bewegung werden kann. sondern nur eine Täuschung. starr und ewig – eine unmögliche Vorstellung! Angenommen. unsre vorhandene Welt überall den Charakter jener vollendeten Unendlichkeit trägt. was damit beschrieben werden kann. dann das Sechzehntel und so weiter in infinitum. die einen kleinen Vorsprung hat. worin ist dann der Raum? Zenon führt damit das Verfahren des Parmenides nicht einfach nur ins Detail.

durch und durch tot-massive und starr-unbewegliche Sein müssen. S. realisiert in dieser Zeit – wie noch zu zeigen ist – die Mathematik. F. sondern sollen im Gegenteil die Wirklichkeit messen und richten. so gibt es keinen Raum: gibt es absoluten Raum. wie sie doch aus ihr tatsächlich abgeleitet sind. Kurz nachdem in der Schule von Elea das Denken sich selbst an die Hand genommen hat. aber er war notwendig. welche Bedeutung Zenon. wie es Xenophanes nannte. Hier zeigt sich dann das im Anschaulich-Begrifflichen zunächst kritisch wirkende Verfahren als eine Möglichkeit. wo es das nicht tut. der Einfall war völlig unvorstellbar. so gibt es keine Bewegung. besitzen: jene Begriffe sollen sich nicht an der Wirklichkeit bewähren und korrigieren. das heißt über die objektive Realität und ihr Gegenteil. wie sich das Denken selbst an die Hand nimmt – und scheitert – für unsere Wissenskultur insgesamt gewinnt. Mutmaßung. kein Gleichnis konnte hier zu Hilfe kommen. Wien 1981. gibt es ein absolutes Sein. in eins zusammenfallen und ganz und gar dasselbe sein. oder. 1098–1100 ((III) 391–393). das mit diesen Bestimmungen zu erschließen ist. die Zeit. jeder dieser Momente müsste ein Atomon sein – eine unmögliche Vorstellung! Alle unsre Vorstellungen. Nietzsche. So war der überverwegene Einfall notwendig geworden. und. Berlin. daß sie nicht von den Sinnen entlehnt ist. da es keine Zweiheit des Seins geben durfte. im Falle eines Widerspruchs mit dem Logischen. In. müsste aus einer begrenzten Anzahl von Zeitmomenten bestehen. so gibt es keine Einheit. nach dem parmenideischen Imperativ. so gibt es keine Vielheit.124 4 Die griechisch-römische Antike sie nicht unendlich teilbar sein. musste Parmenides ihnen dasselbe Sein zuschreiben. Auch das Denken muss sich nach ihm einsichtigen Regeln entwickeln. bleibt es Schein. keine Form der Anschaulichkeit. der nun zeigt. aus dieser anschaulichen Welt geschöpfter Inhalt als veritas aeterna genommen wird. 3. Werke Bd. ja unwahrscheinlichen Voraussetzung aus. Frankfurt. Denken und Sein für identisch zu erklären. das sich in seinen Aussagen selbst zu begründen vermag. ja er feierte in dem Mangel an jeder Versinnlichungs-Möglichkeit den höchsten Triumph über die Welt und die Forderungen der Sinne. 14 F. Sie gehen bei allen ihren Beweisen von der gänzlich unbeweisbaren.14 Schon dieser Kommentar zeigt. . führt es sich in seinen begrifflichen Bestimmungen an die Grenzen dessen. sobald ihr empirisch gegebner. die der Pfeil brauchte. Mag diese Identität den Sinnen widersprechen! Gerade dies ist die Bürgschaft. sogar verdammen. Das Denken und jenes knollig-kugelrunde. als eine Objektivation des Unlogischen und Widerspruchsvollen verwerfen. und zeigt zugleich. Um ihnen diese richterlichen Befugnisse einräumen zu können. Die implizite Forderung. Gibt es absolute Bewegung. dass der naiven Erfahrung nicht zu trauen ist. wie wenig wir mit solchen Begriffen das Herz der Dinge berühren oder den Knoten der Realität aufknüpfen: während Parmenides und Zeno umgekehrt an der Wahrheit und Allgültigkeit der Begriffe festhalten und die anschauliche Welt als das Gegenstück der wahren und allgültigen Begriff. nunmehr die Begriffe in einem Verfahren in Geltung zu setzen. das er überhaupt allein als Sein gelten ließ: Denken und jener eine ungewordene vollkommne Ball des Seienden waren jetzt nicht mehr als zwei verschiedene Arten des Seins zu fassen. Da sollte einem doch klar werden. Nietzsche. Gibt es eine absolute Vielheit. auch das anschaulich zu Machende in Geltung zu setzen. daß wir in jenem Begriffsvermögen das entscheidende höchste Kriterium über Sein und Nichtsein. Die Philosophie im tragischen Zeitalter der Griechen. führen auf Widersprüche. kein Symbol. zum Schrecken aller Phantasie.

Hier markiert er die Distanz.4 Der kleinasiatische Raum II Heraklit von Ephesos (etwa 544–482) war schon in der Antike. das aus der Entdeckung erwächst. Dabei wird dann auch der Mensch in seinem Verhalten und in seiner Organisation in der gleichen Weise vom Logos regiert wie die äußere Welt. an sich noch ungeformten Feuer. Es gilt also. in sich bestimmte und unendliche Sein ist Melissos zufolge auch nicht in Prinzipien aufzuspalten. Das unveränderliche. Bei Melissos ist das derart an abstrakte Prinzipien anknüpfende Denken sich seiner selbst aber noch sicher. die doch nur Variationen dieses einfachen.1. was dann auch Platon in seiner Formulierung. Ihm zufolge kommt dieser Vielfalt nun eben eine gemeinsame Konstitution zu. diesen Logos zu erfassen 15 So besteht die Sinnenwelt in einem ununterbrochenen Fluss dynamischer Interaktionen. Melissos führt dessen Argumentation fort und positioniert sich dabei insbesondere gegen die Atomisten. der Grundannahme des Parmenides – der Nichtexistenz von Nichts – entgegentraten. Zugleich wetterte er gegen Homer und Hesiod.15 Das ist das Neue an Heraklit. Heraklit setzt gegen den Mythos den Logos. So beschreibt er die Welt als einen andauernden dynamischen Zustand. bleibt in seiner Argumentation ansonsten aber an die Positionen des Parmenides gebunden. Pythagoras und die älteren sich noch in mythischen Begriffen bewegenden Naturphilosophen. indem er Zeitlichkeit mit in den Bestimmungen des Seins denkt. Zu seinem Stil gehörte die offene Verachtung des im Alltag gefangenen Menschen. aus denen sich ihnen zufolge die Welt aufbaut. die mit ihrer Lehre von einem leeren Raum zwischen den unteilbaren Grundelementen. dass alles fließt (παυτα ρει) aufnimmt. Hälfte des 5. 4. Und so formuliert er Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen. wobei er sich nicht mit den Detailbestimmungen einer Physis abmüht.2. Die Natur erwächst in diesem Logos aus einem ursprünglichen. nicht zuletzt auf Grund seiner bewusst unsystematisch und aphoristisch vorgetragenen Lehre. wirklich Existenten sind. fällt aber in ihrer sich in Gegensätzen fangenden Formierung immer wieder in dieses Feuer zurück. und dass die Ursache dieses Gleichgewichtes das Feuer ist – Letzteres meint für ihn eine an sich noch nicht strukturierte Materie. nur schwer einzuordnen.4. Dies bezeugt schon seine Beiname. Jahrhundert).1 Die griechische Antike 125 Ein weiterer Schüler des Parmenides war Melissos von Samos (1. . in dem alle Aspekte der Welt nach einem Prinzip erklärt werden. Er konturiert die abstrakten parmenidischen Bestimmungen zwar in einer veränderten Weise. der während des Aufstandes von Samos gegen Athen als Stratege siegreich blieb und in seiner Naturlehre die Auffassung seines Lehrers zu verteidigen suchte. die das philosophische Denken mittlerweile – und dies sind nur wenig mehr als 100 Jahre – zu diesen noch in tradierten Vorstellungsbildern tastenden Anfängen ihrer eigenen Entwicklung gefunden hat. dass natürliche Veränderungen aller Art regelmäßig und ausbalanciert sind. dem er einfältigen Aberglauben. die er Logos nennt. für die uns Zenon in seinen Paradoxien zur Vorsicht mahnt. Insoweit sind für ihn dann alle Aspekte der Welt systematisch zu erklären. Lüsternheit und Unverständnis für die Wahrheit vorwirft.1. der Dunkle.

der aber auf Grund seiner Wortgewalt noch von Aristoteles als Erfinder der Rhetorik gepriesen wurde. Heraklit zufolge ernähren sich so dann die Gestirne. denn Gleiches werde stets durch . dass solch eine Geschichte die reale Problematik unserer Kulturentwicklung nur sträflich begradigen würde. Jahrhundert wird er Legende. Von den Lebewesen seien in dieser Entwicklung zuerst die Pflanzen aus der Erde hervorgekeimt. in der gleichsam nach der Art der Darstellung einer terminalen Evolution die Genese der Wissenschaften aus dem Kontext der ionischen Philosophie bis heute erzählt werden könnte. die zu den Gestirnen über Meere und Flüsse. Aus einem Urzustand der absoluten Mischung. so eine gradlinige Geschichte erzählen zu können. dass er sich – wie noch zu zeigen ist – in den Details seiner Naturlehre weit über die bisherigen vergleichsweise abstrakten Bestimmungen hinaus zu einer ins Detail führenden Konkretion bewegte. Dynamik. und zwar Köpfe ohne Hals und Rumpf. Philosoph und Wundertäter und wurde wie Pythagoras von seinen Anhängern als Gott verehrt. Wobei es ja gerade an Pythagoras deutlich wird. praktizierte als Arzt. nicht wegen seiner enormen wissenschaftlichen Leistungen.126 4 Die griechisch-römische Antike und damit die wahre Verfassung der Dinge zu begreifen. Verbindung und Trennung von letztlich unveränderlichen Elementen. aus dem dann wieder ein Zustand der Mischung hervorgeht. die in ihrer Interaktion diese Entwicklung der Natur bestimmen. die bis in die Moderne wirksam geblieben sind. sondern weil er die rationalen Überlegungen seiner Vorgänger in einer neuen Form verbildlicht. dass trotz aller Pracht und rhetorischen Brillanz. entwickelte sich ihm zufolge dabei allmählich ein Zustand der absoluten Trennung der Elemente. Natürlich wäre es nur zu schön. und so führt in einer kontinuierlichen Entfaltung der Möglichkeiten des Naturalen die Ausformung der Natur immer weiter. Schon Pythagoras weist auf. Allerdings schrieb er sich selbst magische Kräfte zu. Die bewirkenden Kräfte dieser Entwicklung nennt er Liebe und Hass. diese Teilwesen vereinigten sich. dass es Entstehen und Vergehen im eigentlichen Sinne nicht gibt – sondern nur Mischung und Entmischung. sondern Resultate eines lebendigen liebenden Grundvermögens. Luft. Anziehung und Abstoßung. denen die Schultern fehlten. die eines Angesichts entbehrten. danach tierische Wesen. Das schließt nicht aus. aber eben auch die Seelen der Menschen. Augen. sondern – im Gegenteil – Denklinien dingfest machen können. dass wir hier eine regelrechten Kulturwende beschreiben können. Daraus entstanden die uns bekannten Tiere. Dieser allein erkenne das ihm seinsmäßig Nahestehende. dass wir mit etwaigen ganz anders gelagerten Entwicklungen nicht etwa nur in die Seitenwege verloren gedachter Gedankengebäude eintauchen. Schon im 4. Werden und Vergehen sind ihm nicht einfach diagnostisch zu registrierende Naturprozesse. Arme. Wasser und Erde. Damit wäre die Welt in ihren verschiedenen Differenzierungsebenen jeweils analog strukturiert. von denen er vier aufzählt: Feuer. die wir bei diesem Denker finden können. zu der Seele aber jeweils aus dem Strom des Blutes aufsteigen. in dem keine Einzeldinge existieren. Freundschaft und Zwist. Im Anschluss an die orphische Mystik lehrt er. Und so zeigt auch Empedokles von Akragas (in der Nähe von Agrigent) (etwa 495–435) auf. durch Ausdünstungen. die Abwendung von dem Mythisch-Religiösen doch nicht so umfassend war. Wieder finden wir hier einen Guru. wobei aber nur die Tauglichen überlebten und sich fortpflanzten. und schließlich auch der Mensch ist so entstanden.

das daraus in unserem Körper entstehende Gewebe angelegt. einen das Sein erkennenden Geist. So ist schon im Brot. und deren Auflösung – das heißt der Entmischung der sie aufbauenden Elemente. Was uns als Veränderung. Dieser Nous hat die grenzenlose Masse des zunächst ungeformten und unbestimmten Seins als solche erkannt und in Bewegung gesetzt. Der Scheidung der Stoffe wirkt jedoch das Streben des Gleichen nach dem Gleichen entgegen. ein Schüler des Hermontimus in Klazomenai in Ionien nahe bei dem heutigen Izmir in der Türkei geboren. . wo er gegen 428 starb. dass Anaxagoras freigesprochen wurde. als Nous. Diese Urmischung des Stofflichen wird durch den Nous in Wirbelbewegung versetzt. Dennoch wurde er dort auf Grund seiner Lehren wegen Gottlosigkeit zum Tode verurteilt. Der Anklagepunkt bestand darin. Insoweit bleibt diese Welt dann in einer Spannung zwischen Durchmischung – und damit der Entstehung und dem Wachstum von Naturformen. ist in Wahrheit nichts anderes als Umschichtung. Auch Anaxagoras kennt so etwas wie einen Logos. Wachstum und Verfall. wie denn auch die Sonne nur durch ein sonnenhaftes Auge betrachtet werden könne.4. ihrem Wesen nach unendlich verschiedenen Grundteilchen. Durch eine immer mehr um sich greifende Sonderung entsteht nun in diesem Gefüge von ineinander wirbelnden Samen die Welt mit ihren zahlreichen Dingen und Lebewesen. die sich nun in verschiedener Mischung zueinander verdichten und ausdünnen. Selbst der Einsatz seines Freundes Perikles reichte nicht zu. Dabei verändern sich die Teilchen in dieser Bewegung selbst aber nicht. Etwa um 500 wird Anaxagoras von Klazomenai. Diese Idee finden wir wesentlich später noch einmal bei Johann Wolfgang von Goethe ausgeführt. der nicht nur im Geist des Menschen. also im strengen Sinne unveränderlich. dass er behauptet hatte. Dabei haben die einzelnen Seinspartikel schon die Möglichkeiten alles Seins an sich. in einem ungesonderten. Ab etwa 480 lebte er für fast 30 Jahre in Athen und wurde Freund und Mentor des Perikles. Jedes Naturding ist demnach ein Komposit verschiedener Spermata. wobei deren Charakter durch das Übergewicht einer Form der sie aufbauenden Grundelemente (der ersten Verdichtungsform der Seinspartikel) bestimmt ist. und damit verweist er auf Parmenides. die Sonne bestehe aus glühendem Gestein. der Zersetzung. chaotischen Zustand. die es in unendlicher Vielfalt gibt und die als einzelne qualitativ unveränderlich sind. sondern eben auch im Weltganzen. Im Spiel dieser gegenläufigen Bewegung von Vermischung. erscheint. Perikles konnte nur erreichen. als ein dies von vornherein begleitendes. Diese seinerzeit in der ionischen Naturphilosophie schon in verschiedenen Variationen bekannte Aussage wurde demnach in Athen immer noch als Gotteslästerung verstanden. das wir essen. Wachstum und Zersetzung bildet sich der Kosmos. Ursprünglich und von Ewigkeit her befinden sich diese sogenannten Samen. Was existiert. So verließ Anaxagoras Athen und lebte noch einige Jahre in Lampsakos auf dem Hellespont. ist seiend. Verbindung und Trennung unzerstörbarer Seinspartikel. so Anaxagoras. Schließlich. dass die drohende Todesstrafe in die Verurteilung zur Verbannung umgewandelt wurde.1 Die griechische Antike 127 Gleiches erkannt. Spermata. Seine Lehre versucht eine Synthese der ionischen Naturphilosophie und der Seinslehre des Parmenides. Insoweit besteht also der Kosmos aus untrennbaren. angelegt ist. strukturierendes Prinzip. Dessen Entstehungsprozess entspricht also einem Durchmischen und Trennen von Teilchen.

eben geometrische Eigenschaften. In dieser Leere schließlich bewegen. eine eigene philosophische Schule. die er allerdings in allen Bereichen wesentlich ausbaute. Wobei er dabei auch in der Tradition atomistischer Vorstellungen des Leukippos stand.1.1. sondern alles ist von Seinspartikeln durchsetzt. verbinden und trennen sich die Atome. Nach Anaxagoras existiert kein leerer Raum. so stellen diese Elemente nach Demokrit Körper dar. die eine enzyklopädische Gelehrsamkeit ausweisen. einer seinerzeit reichen und kultivierten Handelsstadt. Die Form der Erde gilt ihm als flach. die allein durch ihre schnelle Bewegung zum Glühen gekommen seien. Demokritos aus Abdera (etwa 460–370) gilt als der Hauptvertreter der antiken Atomistik. Eine Sonnenfinsternis tritt hingegen auf. dass die Atome vereinzelt existieren. Die Grundeigenschaften der Atome waren für ihn dabei Gestalt. weil sie von der Luft getragen wird. die von der Bewegung des Himmels herumgerissen werden. Die Atome sind demnach Körper. . Insoweit ist der Kosmos denn auch begrenzt. die bestimmte Eigenschaften besitzen und aus den ihnen eigenen Eigenschaften die Art und Weise bestimmen. sind nur Fragmente erhalten. da das. Lage im Raum und relative Lage zueinander. die er dann in einer direkten Zuschreibung bestimmter geometrischer Formen zu einzelnen Atomen darstellen kann. Dieses Anlagern. Ein eigenständiges formierendes Prinzip ist demnach nicht mehr notwendig. Und schließlich wird auch nichts aus nichts entstehen. Sonne und Sterne sind glühende Gesteinsmassen.2.5 Die Atomisten Wenn nach Anaxagoras die Seinspartikel in sich die Anlage zu jeder der Natur möglichen Form tragen. die ganz bestimmte geometrische Eigenschaften haben und nach diesen Eigenschaften einander anlagern. 4. die auf Grund ihrer Eigenschaften aber immer nur bestimmte Lagen zueinander einnehmen können. Meteoriten – so Anaxagoras – seien Steinklumpen. was ist. in denen sie sich zusammenlagern. Schließlich gäbe es ohne die Leere keine Zwischenräume und demnach keine Abgrenzungen. Berichtet sind eine Reihe von zum Teil weiten Reisen. der insoweit als Urheber und Gestalter unseres Kosmos zu verstehen ist. wenn die Erde zwischen Mond und Sonne tritt. sich immer nur neu durchmischt und sich eben nicht einfach aus und ins Nichts erweitert. was und wie sich die Naturdinge zusammensetzen. Dabei verharre sie in schwebender Lage. dem Vakuum. die Atome. bestimmen in ihren Eigenschaften selbst. Eine Mondfinsternis entsteht. Von der Fülle ihm zugeschriebener philosophischer und naturkundlicher Schriften.128 4 Die griechisch-römische Antike entsteht und vergeht wahres Sein ja nicht. diese Bewegung der Atome zueinander und deren Abgrenzungen gegeneinander sind Ursache und Grund der qualitativ vielfältigen und bewegten Erscheinungswelt. Das für uns Menschen sichtbare Licht des Mondes sei das reflektierte Sonnenlicht. diese kleinsten Teile. Dabei formt sich das Sein so nach dem Logos – er spricht von Nous – aus. das überhaupt die Voraussetzung dafür ist. wenn der Mond zwischen Sonne und Erde tritt. Nach Demokrit besteht die Welt aus den Atomen und dem ebenso real existierenden Leeren. Er begründete in Abdera. sie also als ungeformte Materie durch den Nous in jeder Weise strukturierbar sind.

Geschmack. die besonders beweglich sind. dass alle höhere. dass bei den härteren Stoffen die Atome ineinander verhakt sind. Masse. worauf wiederum in komplizierten Überlegungen Rückschlüsse auf die innere Struktur der diese Emanationen auslösenden Gegenstände. respektive der diese Gegenstände konstituierenden Atome. Demokrit unterscheidet Eigenschaften. führt er darauf zurück. die die Seele bilden. gleich denen des Feuers. das allein in der Lage ist. Dennoch gilt für Demokrit. und solche. Die Erscheinungswelt wird durch die sinnliche Wahrnehmung erfasst. Helligkeit. Härte. die durch die Sinne – und die in ihnen umgelagerten gröberen Elemente – angestoßen und so zur Reaktion gebracht werden. die Eidola („Bildchen“). gezogen werden können. der süße durch glatte und runde Atome hervorgerufen. die eben zu jener proportional sei. Dabei sind dann aber nicht nur die Lebensprozesse. leichter gegeneinander zu verschieben wären.1 Die griechische Antike 129 Dazu kommt die Größe. Die so entstehenden Wahrnehmungen der Erscheinungswelt bilden den Ausgangspunkt für das Denken. im einzelnen Falle aber nie auszuschließen sei. dass diese Rotempfindung erst durch die in unserem Körper befindlichen Atome hervorgerufen sei. Er nennt hier Farben. aber. was sich ereignet. wohingegen bei schwereren Stoffen die Atome dichter gedrängt liegen. auf die Sinnesorgane und über diese schließlich auf die Feueratome der Seele ein. letztlich notwendig. Alles geschieht demnach in einem mechanisch nachzuzeichnenden Prozess. Dabei kann sie von der konkreten Einzelerfahrung abstrahieren und so die Prinzipien verschiedener Erfahrungen und über diese die Grundorganisation des Seins begreifen. glatten und runden Atomen. Dabei war Demokrit der Meinung. sollten sie weicher sein. Auch das Denken ist nichts anderes als eine Veränderung der Seelenatome. Töne. Dabei besteht die Seele aus feinen.4. Dabei wirken die Dinge durch Ausflüsse. Dabei erlauben diese Sinnesempfindungen allerdings Rückschlüsse auf die Gestalt der sie verursachenden Atome. denn es ist jeweils ein Effekt der auf Grund der Eigenheiten der Ato- . Bewegung. rationale Erkenntnis auf der Erfahrung aufbaut. Alle Atome beeinflussen einander durch Druck und Stoß. So werden ja auch im Traum die Empfindungen durch körpereigene Atomanregungen angestoßen. Schließlich ist von der Darstellung der Emanation eines Dinges bis hin zur Empfindung einer ganzen Kaskade von Wechselwirkungsprozessen der verschiedenen in diesem Wahrnehmungsprozess beteiligten Atome anzusetzen. wobei er die Schwere der Atome als Funktion der Größe beschreibt. So können sie den ganzen menschlichen Körper durchdringen und so auch die Lebensprozesse bewirken. zur Erkenntnis der atomaren Struktur der Welt vorzudringen. die den aus der Zusammenlagerung der Atome erwachsenen Dingen an sich zukommen. Gestalt. aber wie in einem Sieb größere Abstände voneinander haben. die sich aus deren Wechselwirkungen mit unseren Sinnesorganen ergeben. Geruch. sondern auch die geistigen Prozesse letztlich nichts anderes als ein Zusammengehen und Auseinanderdriften der Atome. Der saure Geschmack etwa wird durch spitze. Demnach ist alles das. Dass härtere Gegenstände leichter als weiche sein können. dass man zwar grundsätzlich die Struktur der von uns etwa als rot empfundenen Gegenstände erschließen könne. dazu gehören Größe. Farbempfindungen entstehen aus einer Kombination von Gestalt und Bewegungszustand der von den Dingen ausstrahlenden und ins Auge gelangenden Emanationen.

sondern nur aus der sanften. Die Reaktion und Zusammenlagerung dieser Grundelemente schafft Körper und Seele. Er beschreibt eine Zerlegung der entsprechenden Körper in Schichten und eine Überlagerung dieser Schichten zur Darstellung des Gesamtrauminhaltes. ohne Logos oder Gott – nach ihren Eigenschaften organisieren. dachte sich die Welt aus unteilbaren (a-tomos) Teilen zusammengesetzt. ihr Anstoßen zueinander erklärt Bewegungen und das Seelenleben. Demokrit hat sich allerdings auch mit den Schlussformen und der Sicherung der Denkund Wissensordnungen beschäftigt. in denen sich die Natur bewegt. Diese Atome selbst sind in ihrer Ausdehnung begrenzt. Von diesen Schriften ist nur ein Fragment erhalten geblieben. In diesen Wirbeln stoßen sich nun wieder Substrukturen an. . die in sich – ohne ein Formierungsprinzip. Kunst war für Demokrit Nachahmung der Natur. deren Eigenschaften die Qualitäten und Reaktionen der Welt vom Seelenleben bis hin zur Strukturierung von Mond und Sternen entstehen ließen. in der keine Gottheit als in sich stehende Existenz ihren Platz hat. Es sind modulare Bausteine der Wirklichkeit. Er schrieb Arbeiten zur Methode der Induktion. Schließlich entstehen eben auch die Welten durch ein Aufeinanderstoßen der unterschiedlich schnell fallenden Atome im leeren Raum und der daraus resultierenden Wirbelbewegungen. kann jedoch nicht aus äußeren Gütern und sinnlicher Befriedigung erwachsen. leichten Bewegung der Feueratome. dass er in seinen diesbezüglichen Untersuchungen auf Demokrit aufbaue. An sich kam diesen Gottheiten so keine Bedeutung zu. Derart galt ihm Zeus als ein Bild der Sonne und Athene als eine Personifizierung des menschlichen Verstehens. als der Hauptvertreter des sogenannten Atomismus. Wie auch die Reaktionen der Körper zueinander erklären sich die Seelenvorgänge aus der mechanischen Interaktion dieser Atome. 4.130 4 Die griechisch-römische Antike me in einer bestimmten Weise kanalisierten Wechselwirkung der mechanischen Prozesse. Seine Auffassungen zur Ethik sind eng mit seiner atomistischen Grundhaltung verbunden: Wie die Wahrnehmung entstammt auch die Lust der Sinneserregung. die Zweck und Maß des Menschenlebens sein soll. und so entsteht in diesen Welten eine Vielzahl von Wesen. die Eudämonie. Nach antiker Überlieferung hat Demokrit auch eine Fülle von Arbeiten zur Mathematik geschrieben. um ein Verfahren anzugeben. mit dem der Rauminhalt von Pyramide und Kegel anzugeben ist.9). So verweist Aristoteles ausdrücklich darauf. der Analogie und der Hypothese. Demokrit. Dabei besteht die Seele zwar aus besonders feinen Atomen. sie liegen im leeren Raum (Abb. abgelöst werden. so über die mathematische Musiktheorie und über Perspektive. in dem Demokrit seine atomistische Auffassung nutzt. Von der Erkenntnis eines Gegenstandes bis hin zur Entstehung der Welt ist demnach das Sein auf einen Grundmechanismus zurückgeführt. Dabei waren für ihn die Götter nur Verkörperung von Naturerscheinungen oder die Personifizierungen menschlicher Eigenschaften. welche die rechte Einsicht gestattet. Auch Demokrit trat wie Xenophanes und Parmenides gegen die mythischen Denkmuster der Volksreligion auf. Damit gibt er allerdings nur ein Verfahren und noch keinen wirklichen Beweis an. und eine Philosophie musste entsprechend diesen vordergründigen Bildern durch die Konzeption einer Naturmechanik. Das wahre Glück.

Dabei zeigen gerade die Pythagoreer. in der Reaktion der in ihr zu charakterisierenden Elemente begreift und weder Geist noch Gott noch auch nur einen Restbestand des Mythos in sich erhält. die sich eben nicht einfach auf eine etwaige Grundkonzeptionen reduzieren lässt.4. Die verschiedenen Denker bleiben in der Vielfalt der hier nachgezeichneten Traditionen nicht nur im griechischen Denken präsent. Wobei sich dieses in den verschiedenen Zeiten. und bestimmt zum Teil bis heute Denkansätze und Darstellungsformen.9 Skizze der atomaren Interaktion nach Demokrit Insgesamt ist damit eine einheitliche Naturlehre formuliert. sondern ganze Traditionen aus dem kleinasiatischen Raum übernommenen und – mit allen mythisch-spekulativen Momenten – auch weiterhin tradiert. die zum einen nichts als Naturvorgänge kennt und zum anderen diese Natur aus sich. die auch als politische Bewegung im unteritalienischen Raum Bedeutung gewannen. Naturphilosophie ist hier Naturlehre. wie in nur 200 Jahren eine umfassende Neubestimmung von Naturwissen und zugleich auch ein völlig neues Fragen nach Geltung und Sicherung von Wissenszusammenhängen erwächst. Teil des kulturellen Erbe des Abendlandes. 4.1 Die griechische Antike 131 Abb. in denen es auf jenen Anfang seiner Entwicklung zurückblickt. Mit dieser Vielfalt wird die griechische Philosophie. Damit zeichnet sich nun in Demokrit das Ende eines Entwicklungsbogens. auch immer wieder der Vielfalt der hier offerierten Traditionen bedient: So bleibt die pythagoreische Konzeption in ihrer Harmonielehre leitend für die Kultur des Mittelalters. Natürlich stehen diese Lehren nicht in einer Folge und natürlich sind – wie etwa im Denken der Pythagoreer nicht nur Spuren. in dem sich über die verschiedenen Schritte der hier in eine Reihe gestellten Hauptvertreter des ionischen und italischen Denkens aufweist. dass die hier in dieser Darstellung vollzogene Reihung nicht eine eindeutige historische Abfolge beschreibt. .

Pluralität. den alten Mythos zu beenden und einen neuen dagegenzustellen. das man dann aber auch als einzelnes begründen und so dann ggf. die auf den nunmehr abgelösten Mythos verweisen könnten. Sie geben Orientierungen in einer an sich einheitlichen Kultur. ä. sondern seine – interessanterweise nach dem alten Mythos begründete – Autorität nutzt. ist diesem Denken fremd. Das ist so neu. Auch dieser wird dann wieder abgelöst. bleibt in einer im Letzten einheitlich ausgerichteten Kultur.2. 4. aber aus dem Rückblick aus hier erwachsenen Traditionen.6 Die Endphase der ionischen und italischen Naturlehre Das Nebeneinander der Positionen. Dies gilt nicht von Beginn an. woher diese Sätze kommen und in welchem Kontext sie formuliert wurden. der inhaltlich mit Sicherheit aus dem vorderasiatischen Kulturbereich übernommen wurde. etwas. in der er an ein Reglement. nicht Diskussionspartner. Wobei dann das Löschen der Traditionen dieses abgelösten Mythos bis in die Bildwelten der Hieroglyphen hinein zu erkennen ist. Aus dem babylonischen und ägyptischen Raum kennen wir Selbstzeugnisse einzelner Schreiber. Beschreibungen des Tuns hochgestellter Personen u. das führt zu einer neuen Form der Historisierung. Thales und Pythagoras sind dabei eher noch Heilslehrer. nunmehr materialiter ausgelöscht. der von der Natur lernt und über die Natur lehrt. und die dann auch in dieser Vielfalt übermittelt werden. der kritische Bezug auf den Anderen oder auch die Adaptation und Variation der Positionen des Anderen kennzeichnen aber die Endphase der ionischen und italischen Naturlehre. Dieser Satz wird nun nicht mehr einfach tradiert. die so in dem Gefüge der verschiedenen Personen mit ihren Zuschreibungen und Abgrenzungen auch als solche kenntlich sind. und so fügen sich die Beobachtungen und Erkenntnisse in ein neues Wissensgefüge ein. er ist in einem bestimmten historisch fassbaren Moment als Einzelheit begriffen und wurde dann als solch eine – bewiesene – Entdeckung in den Gesamtkontext des Wissens integriert. Per- . Selbst der altägyptische Oasenmann. eine Vielfalt möglicher Darstellungen von Wissenszusammenhängen. So hatte auch Echnaton seine neue Gottesvorstellung und seinen daraus neu organisierten Kultus eben nicht neben die alte Religion setzte. auch beweisen muss. von den Schriftstelen abgeschlagen werden.1. h. mit dem man umgehen kann. Doch geht deren Tun und auch deren Wissen im Ganzen eines mythisch vermittelten mythischen Wissens auf. Hier ist er eine Einzelheit.1. Vaterfiguren. Sie sind damit aber nur Vorbilder. Damit ist dieser Satz nicht einfach Teil einer im Ganzen übermittelten Kultur. Das gilt dann auch für Zuschreibungen wie den Satz des Thales. Man schreibt die Geschichte dieser Positionen nieder.132 4 Die griechisch-römische Antike Dabei werden mit solchen Denkmustern der ionischen und italischen Naturlehren nicht einfach nur Ideen und Konzeptionen vermittelt. sondern Personen. Sie bleiben wie Gilgamesch in dem beschriebenen Epos als Muster des Umgehens mit den Mythen und dem in diesem vermittelten Wissens präsent. d. Zudem ändert sich auch die soziale Position dessen. wo die Symbole. benennt Kernsätze und weist auf. der sich aus der Position eines einfachen Mannes mit den Forderungen des Mythos und der Rituale auseinandersetzt. In dieser gibt es kein Nebeneinander der Positionen. an bestimmte Kulturpraktiken gebunden ist und somit als Teil eines Gesamtzusammenhanges bestimmt wurde. etwas. er gilt als eine Entdeckung. Diese Personen stehen für Positionen.

der lehrt. Malerei. der sich dann auch weit über ihn hinaus erhalten hat. er schreibt ein Lesebuch wissenswerter Dinge. Hesiod und Homer angelegt hat. Seine Lehrvorträge umfassen nun aber keineswegs ein einfaches Potpourri der Dinge. weist Inkonsistenzen von Argumentationen auf und führt so das Denken auf bestimmte Schlüsse. Später – noch in der römischen Antike – ist für einen Rhetor eine Grundausbildung in Arithmetik. Hippias publiziert und wird mit seinen Darstellungen einer Vielfalt von Wissengebieten bekannt. ein Sophist. die es zu erläutern gilt. von dem wir wissen. das sogenannte Quadrivium. der sich explizit als ein Weiser darstellt. Daneben findet sich aber auch ein Katalog der Völkernamen oder eine Liste der Olympiasieger. sondern die Notwendigkeiten des Schließens leiten sein Denken. wie man in Diskussionen um die verschiedensten Themen seine Position zu vertreten hat. der als ein vielgelehrter das Wissen der Zeit beherrscht. Hier grenzt er im Gespräch und in einer direkten Auseinandersetzung mit Anderen Sachzusammenhänge oder Probleme ein. die er in der Form einer Mahnrede publiziert. Wissen und Wissensbeherrschung als Lebensform akzeptabel zu machen. Nicht die These. Sokrates war gegen die Naturphilosophen. Hippias von Elis ist damit ein enzyklopädisch ausgerichteter Vielgelehrter. Für ihn waren dies verschleiernde Schematismen. Seine Lehre wird von ihm nicht in Vorlesungen oder Abhandlungen vorgetragen. Zumindest die Grundmuster dieses Philosophierens im Gespräch sind in den frühen Dialogen Platons. Dies ist noch kein Wissenschaftler in unserem Sinne. er lehrt in einem Rahmen. Musaios. und der so eine neue soziale Position definiert und diese dann auch sehr bewusst pflegt. Astronomie und Harmonik verpflichtend. um sich als Rhetor und – bezahlter – Lehrer in seinem Sozialsystem zu etablieren. dass man in einem Disput obsiegen kann. Bildhauerei und der Urgeschichte Griechenlands. er entstammt also einfachen Verhältnissen. Darüber hinaus beschäftigte er sich mit Grammatik. der seine Weisheit nun allerdings auch gegen Bezahlung an Schüler vermittelt. Ciceros . Hippias von Elis ist der erste. wobei es zu seiner Zeit diesen Begriff selbst allerdings noch nicht gab. Hippias von Elis ist ein Gelehrter. Jahrhundert ist dies ganz anders. und wie man Argumente so anlegt. dass er seine Lehrvorträge im Rahmen eines solchen Quadriviums ansetzte.4. Jahrhundert). Charakteristisch für ihn ist eine dialogische Form der Darstellung und Bewertung von Wissenszusammenhängen. wenn auch in stilisierter Form. die in und aus der Verehrung durch ihren Umkreis Wirksamkeit erfahren. dies nutzt. Als Gesandter seiner Heimatstadt Elis unternahm er ausgedehnte Reisen in den gesamten griechischen Raum. das er – wie er ausführt – in Bezug auf Orpheus. Hier finden wir eine Person wie Hippias von Elis (Spätes 5. Sokrates Sokrates von Athen (470–399) war der Sohn eines Steinmetzen und einer Hebamme. erhalten. So gibt es von ihm eine ethische Unterweisung. Geometrie. dies ist aber eine neue Art. die nicht erklärten und das Denken auf Fehlwege führten. Im späten 5.1 Die griechische Antike 133 sonen. die Prinzipien postulierten und nach diesen die Naturdinge in einen Erklärungszusammenhang zu bringen suchten.

Dabei ist für Sokrates dann auch nicht einfach das richtig. was er zu wissen sucht. Das ist ein neues Ideal eines Schaffens von Wissen. selbst wenn es uns möglich wäre. Es ist die Position des Fragenden. was richtig ist. dass Sokrates als erster die Philosophie vom Himmel herab und ins Leben des Menschen hineingeholt habe. in der Unterhaltung aus dem Denken der mit ihm Diskutierenden zu entwickeln sucht. die Dinge über der Erde zu erforschen. vielleicht zunächst etwas gänzlich Unscheinbares sein. dass es nutzlos sei. Vielmehr kann dieses. der dieses aus Traditionen zu ermitteln und über Autoritäten zu versichern sucht. in der er das Wissen – ganz im Gegensatz zu der Position eines Hippias. in der sich dieses Wissen verfestigt. muss seine Seele erzogen werden. kennzeichnet die Grundintention des Philosophierens von Sokrates. Es muss aber etwas sein. die Götter des Staatskulte nicht anzuerkennen. wirklich wertvolles und begründetes Wissen darstellt oder eben nicht. uns doch nicht besser machen könne. 399 wird Sokrates in seiner Heimatstadt zum Tode durch den Giftbecher verurteilt auf Grund der Anklage. an die Hand. die sogenannte Mäeutik. und an dem man sich zu orientieren hätte. ob das. Sokrates lehrt und lebt die Bescheidenheit des Weisen. und es ist eben nicht einfach die Antwort. der sich selbst ebenfalls als Lehrer sieht. Sokrates diskutierte im öffentlichen Raum. Für Sokrates bedeutet dies. der im Nachdenken vom Denken der Anderen lernt und somit als Lehrer nicht einfach eine Autorität mit festen Positionen. sich sozial aber explizit als Handwerker zu beschreiben sucht und damit schon von seiner äußeren Zuweisung der Lebensform und dem sozialen Anspruch eines Sophisten wie Hippias entgegentritt. er begleitet ihn auf seinem Weg zur Erkenntnis und findet hier immer neu das. ist solch eine Position aufzugeben. steht in direktem Gegensatz zu dem Gelehrtentum eines Sophisten. was überliefert ist oder generellen Beifall in einer Gesellschaft findet. da ein mögliches Wissen hierüber. Dieses sich aus dem Mythos entwunden habende Denken. neue Gottheiten eingeführt zu haben und die Jugend zu verführen. Seinen Lebensunterhalt schaffte er sich mit seiner Hände Arbeit. für das dann auch der Einzelne mit seiner Einsicht einstehen kann. Und dies ist auch ein neuer Typ von Wissen. Dieses muss er dann aber auch tun. in dem sich dieses Wissen bestimmt. dass sie sich in allen Dingen prüfen und prüfen lassen muss. Dazu habe er dann auch erklärt. was sie zu wissen meint. In diese Kultur einer von solchen gelehrten getragenen Wissensvermittlung tritt dann in der Mitte das fünften Jahrhunderts Sokrates (470–399). seine Gespräche waren auch in diesem Sinne öffentlich. Seine Lehrform. Ist Letzteres der Fall. der hier vermittelt wird. das nunmehr in der Vielfalt der verschiedenen Positionen zum Wissen um die Natur eine eigene neue Tradition des Wis- . der schon geht. Damit ihm dies möglich ist. sondern eine Position des Fragen-Könnens entwickelt. So beginnt mit Sokrates ein neuer Schritt in der Geschichte des Denkens. Er nimmt als Lehrer den. In dieser macht er sich als Lehrer zum Schüler. Seine Lehre vertritt er kompromisslos und mit Konsequenz und schafft sich hiermit Gegner unter den politischen Führern Athens.134 4 Die griechisch-römische Antike Formel.

Wissen ist hier nicht nur für die Entscheidung der Spezialisten. durch Verdichtung Winde. Es ist vielmehr ein Lehrer. sondern auch in seiner durch den Sonnenlauf insgesamt bestimmten . in die Sonne gestellt. dem Grenzenlosen und Unbestimmten erwächst Das Urprinzip und damit die Ursubstanz der Welt ist die Luft.1. aus der durch Ausdehnung und Verdünnung Feuer. um das Jahr nicht nur in seiner Tagesfolge.1 Die griechische Antike 135 sens gegen die Fortschreibungen des Mythos gesetzt hat. Übersicht Thales * ~624 Anaximander * ~611 Anaximenes * ~585 Xenophanes * ~570 Pythagoras * ~560 Heraklit * ~544 Parmenides * ~515 Anaxagoras * ~500 Empedokles * ~495 Zeno * ~490 Demokrit * ~460 Alles ist aus Wasser entstanden. kommt in Sokrates nun auch auf sich zurück. Harmonielehre Die Welt ist in ihrem Wechsel.7 Das Gnomon – Messung und Weltabbildung Das Gnomon ist nichts als ein einfacher Stab. Schüler des Parmenides Die Welt besteht aus den Atomen. der.2. die sich zu den Dingen zusammensetzen und dem die Atome umgebenden leeren Raum 4. Und so spricht man von den Naturphilosophen vor Sokrates denn auch von den Vorsokratikern. Wolken. um das öffentlich gerungen ist.4. Erde und Steine entstehen Bekämpfung der anthropomorphen Gottesvorstellungen. Nichtseiendes ist nicht Was existiert ist seiend und damit unveränderlich. wie sich über die Tage hinweg die Position der Sonne über dem Horizont verändert. Deutlicher ist die hier festzustellende Zäsur unserer Kulturentwicklung kaum zu benennen. Wasser. Beschränkungen des menschlichen Verstandes Seelenwanderung. einen Schatten wirft. der sich wie Sokrates auch im Alltag seiner Kultur öffnet. Die Erde schwimmt wie ein Schiff auf dem Urmeer Die Natur ist eine dynamische Größe.und Wissenschaftsverständnisses des Abendlandes. Der neue Typ des Lehrers muss sich nicht mehr gegenüber dem Priester behaupten. Wachstum und Verfall sind Umschichtung. sondern Resultate eines lebendigen liebenden Grundvermögens Paradoxien. Verbindung und Trennung unzerstörbarer Seinspartikel Werden und Vergehen sind ihm nicht einfach diagnostisch zu registrierende Naturprozesse. niemand. etabliert. So wird Sokrates denn auch zur Gründungsfigur des neuen Wissens. Er ist kein Sektierer. um die Tageszeit zu bestimmen und darüber hinaus an der Länge des Schattens zu bemessen.1. Man steigt nicht zweimal in denselben Fluss Das Sein ist eines und unveränderlich. Schon die alten Ägypter hatten diesen Schattenwurf genutzt. der eine Gruppe von Schülern aus dem Kontext seiner Kultur absondert. die aus dem Apeiron. Veränderung. alles sei Zahl. sondern als etwas.

Es ist so nicht einfach nur ein Instrument. Es werden nicht einfach nur Daten nebeneinander gesetzt. So ist im Zeitpunkt der Sommersonnenwende der Stand der Sonne über dem Horizont am höchsten und derart kann in der Bemessung der relativen Veränderung des Schattens nicht nur die Wanderung der Sonne über den Tageshimmel. ändert sich die Art des Beobachtens. Ab dem Moment. Dann. sondern auf die Analyse von möglichen kausalen Beziehungen zwischen diesen Ereignissen zielt. 4. ein neues Modell des Kosmos zu entwerfen. die nun nicht einfach nur an sich registriert. Diese Körper zeichnen mit dem Schatten des Gnomons ihre Bahn in den Dimensionen nach. sondern in ihrem wechselseitigen Bezug zueinander zu beschreiben sind. Es wird so zu einem Instrument. Im Weiteren sind sie in ein Modell zu bringen. sondern auch die variierende Höhe des Sonnenstandes über dem Horizont und damit der Verlauf des Jahres auf den Tag genau bemessen werden. 4. sondern die Veränderungen des Himmels als geometrisch zu beschreibende Bewegungen der Himmelskörper begriff. die der Mensch bemessen kann. in dem sich diese Veränderungen als Beziehungen von Verhältnissen dieser Welt beschreiben lassen. in dem die Beschreibung der Dinge nicht einfach nur mehr auf Konjunkturen verschiedener Ereignisse. das die realen Bewegungen der Himmelskörper zueinander widerspiegelt. die eben mit Hilfe dieses Gnomons zu notieren waren. Bei ihnen wurde aus dieser Apparatur aber mehr als ein Zeitmesser. an dem sich Zeitmaße und Zeitperioden ablesen lassen. diese Daten sind aufeinander zu beziehen und demnach nach einem Maßstab zu registrieren. sofern man ein solch einfaches Ding einen Apparat nennen kann.136 4 Die griechisch-römische Antike Abb. Das Gnomon (Abb. Es ist nun eine Geome- . an dem sich verschiedenen Elemente des Kosmos darstellen lassen. es wurde zu einer Apparatur der indirekten Beobachtung des Sonnenstandes und damit zum Ansatzpunkt. Die Griechen übernahmen dieser Apparatur. ändert sich das Notat des Gnomons.10 Skizze einer Sonnenuhr – eines Gnomons Abend Mittag Stab Morgen Position der Sonne am Himmel 9 h 30 12 h 30 Süden 16 h 30 Periodisierung erfassen und mit ihrem Ritus begleiten zu können. das nicht nur qualitative Aussagen über den Himmel zu formulieren erlaubte. wenn eine relativ skalierende Geometrie Form und Größenbeziehungen beschreibt und aus der Darstellung der Zuordnung geometrischer Körper Sätze über deren Verhältnis zueinander ableitet.10) wird zu diesem Maßstab.

Hier werden dann aus den abstrakten Beschreibungen von Verdichtungen. Dieses Verfahren kannten schon die alten Ägypter. sie werden zu einem Exempel. Sie macht eine mathematische Konstruktion anschaulich. Es ist in diesem Schatten durch die Natur so schon am Anfang aller analytischen Naturbetrachtung der von Fox Talbot beschriebene Pinsel genutzt. sie ist ein Abbild. sondern als reale Bewegungen. die sich so als die Darstellung zeichnen lässt. Gepeilt über ein Gnomon. dass über die Geometrie. und die so in diesem alten Verfahren das vorher nur Bemessene zum Bild einer realen in ihren Bewegungen zu verfolgenden Natur gerinnen lässt. Im Gnomon bemisst sich die Welt. Das Andere. etwas.1 Die griechische Antike 137 trie der Himmelskörper die sich hier zeichnen lässt und nicht einfach nur die Notationen eines Zeitmesser. Es ist so eine neue Geometrie. die mit den alten Verfahren darzustellen ist. In der durch den Schattenriss geführten Linie zeichnen die Himmelskörper selbst ihre Bahnen nach. um Verhältnisse dieser Natur mit eben ihren Mitteln darzustellen. bestimmen lässt. über das die Pyramide zu bemessen sind. Im Gnomon zeigt sich die Welt nun als mathematisierbares Objekt. das selbst für Sokrates so Ferne gewinnt seine Darstellung. sondern die generell bestimmt sind. das sich in seiner relativen Größe zu all dem anderen. dass ihre Bahnen in genau der Mathematik zu beschreiben sind. Größen wie der Schattenriss einer Pyramide und der Schatten eines Gnomons. das über das gleiche Gerät betrachtet wird. Bewegungen und Bahnen von Naturkörpern. in denen sich die Welt des Göttlichen spiegelt. Die Schattenbahn wird zum Reflex der Bahn eines Himmelskörpers. Es bemessen sich Größen und Größenverhältnisse. nicht einfach nur als Koinzidenzen. sie ist nicht einfach nur eine Entsprechung. Sie konturieren damit eine Geometrie von Form und Größenverhältnissen. die bemisst und mit deren Bemessungen dann zu rechnen ist. Die Sternwelten werden im Gnomon in die Geometrie eingebunden. Assoziationen und Dissoziationen postulierte Grundelemente. Es tut dies nicht im Rahmen einer abstrakten Theorie. An der Astronomie kann die Mathematik so zeigen. Das Gnomon zeigt. werden so die Bewegungen des Kosmos aufeinander beziehbar. die so Höhen und Entfernungen auszumessen vermochten. in denen grundsätzliche Maßverhältnisse darzustellen sind. die die Körper des Himmels selbst einzeichnen. Das Gnonom registriert dabei nicht nur Lageveränderungen.4. die eben nicht mehr nur von Fall zu Fall. die so verfügbar sind. sondern auch relative Größenbeziehungen. werden schon lange aufeinander bezogen. in dem sich zeigt. erweitert sich durch diese Bemessung die Sicht aus dem Bekannten hin in kosmische Dimensionen. Wenn diese Figurationen nun aber als prinzipielle Größen beschrieben sind. . dass sie auch im Unermesslichen Realia in Bezug zueinander zu setzen vermag. die Analyse der Prinzipien von Form und Formierungsprinzipien die Welt in ihren Elementen und die Elemente der Welt in ihrer aufeinander zu beziehenden Dynamik zu beschreiben sind. sondern in einer Apparatur. Die Himmelskörper erhalten Bahnen. die uns auch hier und jetzt die Formen und deren Größenbeziehungen regelt. sie sind nicht einfach nur nach Mythen zu beschreibende ferne Größen. die sich dann auch schon sehr bald zu einem neuen Modell des Kosmologischen verdichten. in der die Naturverhältnisse sich selbst zueinander in Beziehung setzen. Über den Schattenriss des Gnomons wird die Veränderung der Welt als eine Kombination geometrisch zu beschreibender Bewegungen darstellbar.

Nur wenige Jahrzehnte nach Sokrates können wir so dann etwa in den Darstellungen des Eudoxos ein Modell des Himmels aufweisen. Beobachterhorizont. erlaubt dann auch eine neue Art der Bemessung von Welt (Abb. in denen sich die Bewegung des Himmels zur Erde beschreiben lässt. Die Bemessung des Himmels. . Schon bei Thales finden wir Angaben über die Äquinoktien (die Zeitpunkte an denen Tag und Nacht exakt gleiche Länge haben) und die Schätzung der Tiefe der Ekliptik (der scheinbaren Bahn der Sonne um die Erde).11 Darstellung der astronomischen Vermessungen mit Hilfe des Gnomons Das Unermessliche gewinnt damit eine Dimension. Sie sind die Bezugsgrößen. die derart erlaubt. und demnach die relativen Bewegungen auch der wandelnden Sterne über diesen sich gegen die Erde verändernden Himmel zu beschreiben sind. die Natur wird in ihren Dingen in einer neuen Form beschreibbar. in denen sich dann auch die Bewegungen des Himmels in geometrisch zu rekonstruierenden Beziehungen zeichnen lassen. Sommer und Wintersonnenwendekreis gewinnen in dieser Darstellung ebenso wie der Himmelsäquator eine neue Bedeutung. Und in der nunmehr parallel zu der begrifflichen Bestimmung der Dimensionen des Kosmos erwachsenen Mathematik finden sich Modelle. die geometrisch zu registrieren sind. dessen Veränderungen in Gesetzmäßigkeiten zu fassen. das diese Beziehungen nunmehr auch zu einer quantifizierenden Darstellung von Positionsverschiebungen nutzt. 4.11).4 äu ß 138 ere er n ixsterne mit F gel u k ls me Him Die griechisch-römische Antike Polarachse Sommersonnenwendekreis Äquinoktiumsonnenkreis = Himmelsäquator Beobachterhorizont Länge des Mittagschattens Norden e nd we en nn uin so Äq er int W So m m er so nn en Wintersonnenwendekreis ok we tiu nd m e Süden Abb. 4.

1. andererseits aber auch Aussagen über die angewandten Berechnungs. zu rekonstruieren. 2. Eines der in diesem Sinne spektakulärsten Bauwerke ist der Tunnel des Eupalinos auf der Insel Samos. hierin kann er sich dann verorten und gewinnt so die Raumkoordinaten für eine exakte Bestimmung seiner Position auf der Erde. ob er richtig gezeichnet hat. 4. ja auch gegenüber dem Autor gewachsenen Verständnis der behandelten Probleme. eben nicht nur den Text. schreibt Herodot. S. Was aber geschieht.16 weil die Samier die gewaltigsten Bauwerke geschaffen haben.8 Der Tunnel des Eupalinos auf Samos Die derart zu bemessende Welt.1 Die griechische Antike 139 Derjenige.4. die ggf. als wir aus dieser frühen Phase unserer Kultur eben auch kaum Texte besitzen. sondern die Umzeichnungen der Schreiber. Ich habe so ausführlich über Samos berichtet. da er dann nicht versteht zu kontrollieren. die Verfahren. die wir aus den späteren Lehrbüchern rekonstruieren können. der seinen Horizont auf die Sternenwelt ausrichtet. ggf. der auf Geheiß des Tyrannen Polykrates im 6. nur haben wir damit zugleich aber auch das Original und damit den direkten Zugang zu den Anschauungsformen dieser frühen Zeit verloren. eben auch die Konstruktion und die Anschauung zentrale Bedeutung hatte. Noch problematischer ist. 60. Gelingt dies.und Konstruktionsverfahren gewinnen lassen. welche mathematischen Verfahren zur Anwendung kamen. Dies ist umso bedeutender. sondern auch solche Illustrationen zu reproduzieren hatten. die mathematische Verfahren beschreiben. Musae Bd. wie sich die meist auf hoher Abstraktionsebene bewegende spekulativ ansetzende Naturforschung nun auch in Praxi umsetzte. So geben diese Bauwerke einen Eindruck davon. was Rückschlüsse auf den Stand des mathematischen Wissens erlaubt. die es zum Teil eben auch erlauben. dass in einer sich stark geometrisch ausrichtenden Mathematik. Oder aber er verändert die Illustration entsprechend seinem. die sich in ganz Hellas finden. Was wir nun aber haben. Jahrhundert in mehr als 10jähriger Arbeit erstellt wurde. mit denen gearbeitet wurde. sind archäologische Funde. Wohl aber kennen wir Bauwerke. . Damit ist dann der Text für einen dritten Leser vielleicht auch besser verständlich. nicht einfach nur mehr in eine Richtung. wir aber auch in späteren Texten kaum Illustrationen finden: Und selbst wenn wir solche finden. Herodoti. das illustriert wird. er fährt in einem für ihn abzumessenden Raum. in Blick auf die Anwendung und die sich in der Anwendung zeigenden Denkmuster fehlen uns diese. sind dies ja nicht die Originale. fährt derjenige. nicht komplett versteht? Den Text kann er wörtlich abschreiben. wenn sie ihm nicht verständlich ist. die Illustration ist für ihn aber. bestimmt damit zugleich auch seine Position unter diesem Himmel.2. 117 ff. in denen sich einerseits die Delikatesse der Steinbearbeitung und das planerische wie auch logistische Können der Baumeister. Historien III. schnell aus der Form geraten. Erstens haben sie durch 16 Herodot. und damit zu erschließen. die sich in geometrischen Verfahren darstellende Fassung von Raum und die damit verbundenen Einsichten sind nun aber selbst kaum Teil der aus der Zeit der Vorsokratiker übermittelten Texte.1. Leipzig 1857. vgl. Hinsichtlich eventueller praktischer Verfahren. der sich nach den Sternen richtet. wenn der Schreiber das mathematische Verfahren.

Durch diesen Letzteren wird aus einer großen Quelle das Wasser in Röhren in die Stadt geleitet. Jahrh. Es gilt also a) genau zu erfassen. über das die Vortriebe von den beiden Seiten ba) in dem richtigen Neigungswinkel anzulegen waren und bb) in einer Weise ausgerichtet wurden. dass der Vortrieb der mehr als 1000 m langen Röhre gleichzeitig von zwei entgegengesetzten Enden her erfolgte. zwanzig Ellen tiefer und drei Fuß breiter Tunnel gegraben. So kennen wir in Tempelanlagen in den Tempelstufen eingeschlagene Rinnen. die garantierte. Seile zur Abstandsmessung und Visierwaagen. wie dies die hier dargestellte einfache Dioptra zeigt (s.12 Einfaches Nivellierinstrument. die in 6. aber Mangels irgendwelcher Vorbilder und für diesen Fall erprobter Vermessungstechniken hatte sich Eupalinos für dieses Projekt eine Methode auszudenken.12). Unter diesem Tunnel ist in seiner ganzen Länge noch ein zweiter. Naustrophos’ Sohn aus Megara Das ist das eine Werk . u. Dieser Tunnel ist sieben Stadien lang und acht Fuß hoch und breit. 4. . . in die Rinne wird Wasser gefüllt. dass bei dem von zwei Seiten erfolgenden Vortrieb das Niveau der Sohlen sich nicht versetzte und dabei auch in einem Neigungswinkel lag. 4. die Visierlinie ist durch die Bügel vorgegeben einen einhundertfünfzig Klafter hohen Berg einen Tunnel gebohrt. einen bestimmten Winkel zwischen zwei avisierten Gegenständen anzutragen. . ist. in denen dann direkt am Bauwerk ein etwaiger Niveauunterschied zu bemessen und dann in einem zweiten Schritt zu korrigieren war. war auch sicherzustellen. Diese Wasserleitungsanlage wurde gebaut von Eupalinos. Was diesen Bau dabei für uns interessant macht. . der am Fuße des Berges beginnt und nach beiden Seiten Mündungen hat. in denen durch Einschlagen einer Rinne und nachfolgendes Eingießen von Wasser das Nivellierniveau einzustellen war (Abb. dass die sich von zwei Seiten in den Berg arbeitenden Bauleute in der Mitte auch aufeinandertrafen. etwa aus Holz.). der das notwendige Gefälle für das später zuzuleitende Wasser einstellte. Ferner gab es Stangen zur Markierung von Abständen. Dies waren einerseits Visierelemente. die sicherstellte. Dies erforderte eine präzise Vermessung in einem bergigen Gelände. auf welcher Höhe die beiden Tunnelvortriebe anzusetzen waren. Und dieses in die Zeit von Thales zurückführende Bauwerk erlaubt uns einen Blick auf die Entwicklung des praktischen Naturwissens. die es erlaubten. für die Vermessung zur Verfügung standen. Damit wurde zwar Zeit gespart. Nun kennen wir die einfachen Gerätschaften.140 4 Die griechisch-römische Antike Abb. und b) war ein Verfahren zu beschreiben. dass sich die beiden Arbeitsgruppen dann auch in der Mitte des Berges trafen. Da dieser Tunnel zudem als Wasserleitungssystem benutzt werden sollte.

die beiden Bautrupps aneinander vorbei arbeiten zu lassen. Der südlich arbeitende Bautrupp schwenkt nach einem kurzen Gegensteuern in seiner Arbeit zur gleichen Seite hin ab (Abb. Diese Stelle wurde markiert. dass Eupalinos nun keineswegs einfach auf die Qualität seiner Messungen vertraute. Schließlich wäre auch nur ein leichter Versatz um wenig mehr als ein Grad zureichend. dass Eupalinos hier gut orientiert war. die über eine Reihe von Messlatten markiert war.13). So ließ sich an ihnen direkt der jeweilige Stand . die beim Abmessen hüben wie drüben auch über die Ansatzstelle für den Tunnel hinausgeführt wurden. Hierzu war schlicht und einfach die Höhendifferenz zwischen den Stäben vom Tunneleingang an der der Stadt abgewandten Seite bis zur Spitze des Berges anzutragen und nun beim Abstieg entsprechend wieder abzutragen. zu denen die Suchbewegung der Vortriebe einsetzte. die entsprechende vorgearbeitete Distanz im Berg abzutragen und auf die Messstangen außen auf dem Berg zu übertragen. dies zu rekonstruieren. dass die beiden Trupps aneinander vorbeiarbeiten konnten. Dadurch. Zur Kontrolle konnte dann aus dem Tunnelinneren zurück die Orientierung überprüft und dann entsprechend der so gewonnenen und abgesicherten Peilung nach vorne gearbeitet werden. Es war schließlich möglich. dass er beide nicht geradeaus. löst er dieses Problem und sichert so dass sich der Vortrieb von beiden Seiten dann auch im Berg trifft. um dann nach knapp 100 Metern der Strecke wieder nach links zu führen. konnten sie nun auch die Richtung des Tunnelvortriebs bestimmen. Und zwar schwenkt der nördliche Trupp zunächst nach rechts von der Ideallinie des Tunnelvortriebes weg. sondern schräg aufeinander zu führt. im andern Fall nach etwa 500 Metern von der geraden Streckenführung aus. Dies alleine ist schon eine beachtliche Planungsleistung. wie weit sich die beiden Bautrupps jeweils in den Berg vorgearbeitet hatten. so dass über diese in den Tunnelansatz hineinzupeilen war. Die Streckenführung beider Bautrupps schert nämlich in einem Fall nach 300 Metern. dass Eupalinos darüber orientiert war. Das setzt allerdings 1) eine exakte Nivellierung voraus. zeigen. zeigt doch die akkurate Ausführung. Nun galt es die Höhe des Tunnelaustrittes zu bestimmen.4. Der entscheidenden Punkt in dem entsprechenden Planungsverfahren war nun aber die weitere Organisation des Vortriebes. die im immer gleichen Abstand über den Berg hinüberführten. Damit dieses Verfahren sinnvoll angewandt wird. 4. Zunächst konnte er über ein Nivellierinstrument die notwendige Höhe des Tunneleinstieges auf der der Stadt abgewandten Bergseite ermitteln. und damit der Ort des Starts für den zweiten Tunnelvortrieb festgelegt. Diese ist Eupalinos mit seinen Mitarbeitern gelungen. So war die Richtung der Austrittsstelle des Tunnels auf der anderen Seite des Berges festzumachen. Die unterschiedlichen Distanzen. Wie wurde nun aber der Vortrieb organisiert? Die Arbeiter konnten von beiden Seiten eine Tunnelöffnung anlegen. So war die Höhe der Austrittsöffnung auf der anderen Seite. sondern von vornherein etwaige Messfehler einkalkulierte. dass Eupalinos das Problem erkannte. Die Streckenführung zeigt damit. Und hier nun zeigt die eingehende Untersuchung der Streckenführung. dass diese alles andere als einfachen Messungen in zureichender Weise unternommen werden konnten. setzt es aber 2) auch voraus. Über die Visierstangen.1 Die griechische Antike 141 Wie ging nun Eupalinos vor? Die archäologischen Grabungen auf Samos erlauben es. Nun wurde von hier aus eine Gerade gezogen.

zeigt der Streckenverlauf. wie gering die Differenz im Niveau der beiden Vortriebe ausfiel (Abb. 4. Bailey.3 Weiterführende Literatur C. The Formation of the Atomic Theory and its Eldest Critics. der auch ausweist. Einerseits zeigt dies die Qualität der ingenieurtechnischen Arbeiten. Oxford 1928. The Greek Atomists and Epicurus. 1. Die Geschichte der Stadt. E. Und hier zeigt sich noch einmal die Genialität des Bauleiters: Er lässt auch hier. 4. J. . Cambridge 1987.142 4 Die griechisch-römische Antike Abb.1.14). der andere Trupp arbeitet sich zunächst mit einer leichten Neigung zur Gegenseite vor und schwenkt dann nach 10 m zurück und hält im Weiteren dann die nun eingeschlagene Linie. der Vortrieb erfolgte von beiden Seiten des Vortriebes bestimmen.1. zeigt die Endphase in der Überführung der beiden Vortriebe zueinander. M. Dreyer. Fränkel. konnte Eupalinos dann aber jeweils im rechten Moment sein Sicherungsverfahren ansetzen.und Berechnungsverfahren. sondern in einem Winkel versetzt aufeinander hin bewegen. Furey. in einer Phase. L. Wie exakt dies funktionierte. The Greek Cosmologists. History of Astronomy from Thales to Kepler. B. New York 1953 (reprint). die so in den Textdokumenten dieser Zeit nicht dokumentiert ist. 4. Wege und Formen frühgriechischen Denkens. Bd. New York 1965. H. den einen Trupp zur Seite abbiegen. Finley. Cech. The World of Odysseus. L. München 1955. D. Unsicher war nur die genaue Ausrichtung des Vortriebes im Berg. Wie exakt die Planung realisiert wurde. andererseits zeigt dies aber auch die Qualität der angesetzten Bemessungs. I. Um dies zu kompensieren.13 Skizze des Vortriebs im Stollen des Eupalinos. Technik in der Antike. so dass sich auch hier in der Endphase die Stollen nicht direkt aufeinander zu. Stuttgart 2010. Benevolo. in der die Bautrupps nur mehr 50 m voneinander entfernt sind. Frankfurt 1983.

wobei der Gegenvortrieb erst auf den letzten Metern zur Seite geführt wird .14 Skizze des Gesamtvortriebes der Stollen von A über B – der ersten Suchlinie – mit Rückführung über D auf E.4.1 Die griechische Antike 143 Abb. 4.

144 4 Die griechisch-römische Antike Abb. Griffin. Loyd. Gigon. Cambridge 2001. Studies in the Claims and Practice of Ancient Greek Science. 46–55. Stuttgart 2001. Berlin 1924. Von Thales bis zu den Sophisten. Schadewaldt. Magic. Bonn 1995. T. München 1990. Kirk. London 1959. Raven. U. Griechische Städteanlagen. Serres. London 1970. Oxford 1980. Serres. Stuttgart 1968. Reason and Experiences: Studies in the Origin and Development of Greek Science. M. Loyd. R. S. Toulmin. Schofield. G. Die vorsokratische Philosophie. Hölscher. Text für Details A. M. Stuttgart 2001. Physics of the Stoics. In. M. J. Der Ursprung der griechischen Philosophie. E. Die Odyssee. J. S. H. Darmstadt 1992. Handbuch frühe griechische Philosophie. S. R. E. Geschichte der griechischen Literatur. Homer. (1965). Frankfurt 1994. Die Anfänge der Philosophie bei den Griechen. Goodfield. Die Anfänge der Geometrie in Griechenland.. S. R. 4. M. Einführung in die antike Technikgeschichte. E. 1. Von Hesiod bis Parmenides. Loyd. Kienast. Cambridge 1979. vgl. Elemente einer Geschichte der Wissenschaften. A.15 Vortrieb der beiden Stollen auf den letzten Metern der sich treffenden Vortriebe. Paulsen. Die Wasserleitung des Eupalinos auf Samos. G. Basel. J. Texte und Kommentare. H. Einführung. J. Long. E. Stuttgart 2004. How Was the Tunnel of Eupalinus Aligned? Isis 56. J. 109–175. Sambursky. Berkeley & Los Angeles 1987. A. . Hg. The Revolutions of Wisdom. G. Schneider. G. Frankfurt 1978. von Gerkan. T. W. Epos zwischen Märchen und Roman. Early Greek Science: Thales to Aristotle. Untersuchungen zum Städtebau im Altertum. Die Vorsokratiker und ihre Voraussetzungen. O. S. Lewis: Surveying Instruments of Greece and Rome.

1. von Philipp V. Chr. Besitz der Ptolemäer bis um 200 v. römische Erwerbungen bis 201 v. Chr. Makedonischen Krieg Karte 4. Chr. Einflussbereich Kibyrias nach 188 v. Chr. Seleukidenreich um 200 v.4. nach 188 v. Ätolischer Bund um 200 v. Chr. Chr.7 Karte der Ägis um 200 v. verbündete Stadt Roms im 2. Pergamonisches Reich um 200 v. Chr. nach 197 v. Chr 4.2 Nachsokratische Naturlehre 399 387 ~428–347 ~408–355 384–322 371–287 336–323 335 306–283 310–230 290 287–212 282–180 Verurteilung des Sokrates Gründung der Akademie von Athen Platon Eudoxos von Knidos Aristoteles Theophrast Herrschaft Alexander des Großen Gründung des Lykeions – peripatetische Schule Euklid Aristach von Samos Gründung des Museum in Alexandria Archimedes Apollonius von Perge . Chr. Chr. Chr.1 Die griechische Antike 145 Byzantion MAKEDONIEN Pella Ainos Lysimacheia Thasos Apollonia Pydna Sestos 168 EPIRUS Imbros Ambrakia (133 römisch) 197 Lesbos Pergamon 191 ÄTOLISCHER BUND Magnesia 199 Chalkis Eritria Kephalienia PERGAMON Demetrias Kynoskephalai Thermopylen Leukas Nikomedia Kios BITHYN IEN Kyzikos Abydos Lemnos THESSALIEN Chalkedon Perinthos Maronea (148 römisch) REICH DER SELEUKIDEN Chios Apameia ACHÄISCHER BUND (146 aufgelöst) Akrokorinth Zakynthos Athen Kynthos Samos Myos Delos 168 Freihafen Kibyra Stratonikeia Iasos Bargytia Sparta Nisyros Rhodos LYKIA makedonische Festung Makedonisches Reich um 200 v. überfallene Stadt Verluste nach 197 v.

wie die Dinge zu strukturieren wären. dass etwas funktioniert. wie denn auch ein entsprechendes Philosophieren nicht einfach mehr die Geltung von Prinzipien demonstrierte. Wenn dies so der Fall ist. mit der Einsicht in eine mögliche Ordnung der Dinge. aus diesem Aspekt auch sinnvoll auf das Ganze der Natur schließen zu können. Vielmehr ist gerade dieses Ordnen selbst. wie man sich überhaupt einer Position sicher sein kann. Wird der für uns verfügbare Aspekt von Welt erweitert oder auch nur verlagert. Dieser Rahmen kann nun aber jeweils nur einen Aspekt dessen. dass diese Art des Nachhalls der eigenen Vorgaben Ordnung in ein Gefüge von Daten hereinbringt. Diese einfache Passung einer Annahme. Sind demnach die etwaig zu findenden Aussagen. Nun galt es nicht einfach zu begründen. Vielmehr stand diese eigene Überzeugung selbst auf dem Prüfstand. zu demonstrieren. Aller- . Sie etabliert einen Zirkel. ändern sich die Bezugnahmen auf das Ganze. was wir für wahr halten. die Möglichkeit. Ziel seines Philosophierens war nunmehr – wie schon angedeutet – abzusichern. die uns einen Datenraum in optimaler Weise strukturieren. So verändert sich dann auch die Art und Weise Wissen zu systematisieren. Es geht also nicht einfach darum. Dabei bin ich mir in solch einem Vorgehen allerdings sicher. nach der ich die Dinge der Natur registriere. nach der dann auch die so wahrgenommenen Dinge in einen Ordnungszusammenhang gesetzt erscheinen. dass das. sondern danach fragte. Wenn dann in einer entsprechenden Perspektive eine Annahme zu den bisher erhobenen Daten passt. zunächst nur eine Feststellung. eine Meinung. etwas anzuwenden. Die Hypothese ist zu variieren. durchzusetzen. von der man selbst überzeugt war. dass ein System anwendbar war. in dem ich eine Sichtweise vorschreibe. nie zu absoluten Geltungen kommen zu können. um dann – sinnigerweise – in dieser Sichtweise die Ordnung zu finden. die in dem Rahmen bleibt. Es ging nicht mehr einfach nur darum. die ja immer nur auf der Kenntnis von Teilaspekten des Ganzen aufbauen. sich in der öffentlichen Diskussion zu behaupten. sollte der in Blick genommene Aspekt aber zumindest wesentlich sein. was Welt ist. immer nur einen Aspekt von Welt erkennen zu können: Wie kann ich mir dann aber sicher sein. in den Blick nehmen. was wir damit zu erkennen glauben. mit der vorab gewonnene Hypothese zu vergleichen sind. sagt das noch nicht notwendig. wie wir es unter der zunächst gewonnenen Teilperspektive meinten feststellen zu können: Ist es nun aber überhaupt möglich. greift viel zu kurz. sich dann auch im Gesamtkontext des Naturalen so verhält. ob das. oder sind wir nicht schon auf Grund der Einschränkungen unserer Sinnesorgane verurteilt. zu begründen: Schließlich ist die Feststellung. bestenfalls doch nur Hypothesen. der für uns einsehbar ist. denn auch wirklich wahr ist. Es stand nicht mehr die spekulative Beschreibung von Prinzipien und die daraus folgende Systematisierung eines möglichen Wissenszusammenhanges im Mittelpunkt des Interesses. dieses Ganze selbst in den Blick zu nehmen.146 280 276–195 264–241 282–180 ~190–127 4 Die griechisch-römische Antike Leuchtturm von Pharos bei Alexandria Eratosthenes von Kyrene Erster punischer Krieg Apollonius von Perge Hipparchos von Nikaia Mit Sokrates gewann die Philosophie eine neue Qualität.

Dort war die Strategie nun aber nicht nur. Er behandelte das. die Sokrates so über die ihn umgebende Welt gewinnen konnte. die die Vielfalt möglicher Denkfäden zu einem Ganzen verknüpfte. Wie überhaupt können wir. nach denen wir uns Vielfalt denken. ohne derart wirkliche. mit unserer beschränkten Einsicht. Notwendigkeiten als solche zu erkennen und uns so von diesen frei zu machen? Gelingt dies. sondern seinerseits einen Gegenentwurf vorzulegen. mit denen wir die uns eigenen Positionen bestimmen. was und inwieweit er wissen konnte. oder die Struktureigenheiten der betrachteten Dinge selbst. die wir kaum mehr überblicken können. Regeln. die wir austesten. sondern um die Möglichkeit solcher Positionen. oder ist es uns möglich. Die Aussagen. Allerdings benennt er Methoden dazu. Sokrates ging es entsprechend nicht um mögliche Positionen. gegen einen möglichen weiteren Alternativentwurf gesicherte Einsicht gewinnen zu können. wo wir uns der Art und Weise. für Sokrates genau diese Art von Vorgaben. was uns direkt umgibt: Folgen wir Notwendigkeiten und begeben uns so blind in Zwänge. eingehender beschreiben. sondern auch darum wissen. und so nicht nur um Dinge wissen. zumindest in sich abgestimmt sind. in denen derart zu fassen war. Sie gründete nicht in einem vorgegebenen und im Nachhinein plausibel gemachten Prinzip. blieben so offen. wenn wir um den Status der uns möglichen Aussagen wissen. nach denen die Welt zu begreifen wäre. wie eine Wissenschaft zu solchen Prinzipien kommt. Ihn interessierte letztlich nicht solch ein sich in Plausibilitäten absicherndes Argumentieren. Geltungssicherheit gewann sich hier im Bezug auf die Absicherung des Argumentierens. wie wir argumentieren. Sind es Abstraktionen der Erfahrungszusammenhänge. Werkzeuge verfügbar haben. waren die verlässlichen Aussagen darüber. die so formulierten Alternativen abzuwägen. in der Tradition eines skeptischen Umgangs mit Ideen. wie wir unsere Weise. die ich in meiner Teilsicht gewonnen habe. Hier gab es – wie die beschriebene Geschichte zeigt – immer wieder einen Gegenentwurf. nach denen die Weltsichten zu systematisieren waren. die auf Grundprinzipien verwiesen. unserem doch sehr eingegrenzten Erfahrungsraum über das hinaussehen. und so eine neue offene Form zur Systematisierung von Wissenszusammenhängen gewinnen. mit denen wir so umgehen? Damit stellt solch ein vorgegebenes Prinzip. Heute sprechen wir von Hypothesen. sondern in ihrer Systematik auch immer wieder neu zur .1 Die griechische Antike 147 dings kann ich mir der Stringenz der mir möglichen Aussagen sicher sein: Sokrates suchte nach Prinzipien. die wir einnehmen. wie aufgewiesen. die er fand.4. was wir über Dinge überhaupt und auch über unsere Art des Umgehens mit und des Bewertens von diesen Dingen wissen. von dem aus zu argumentieren wäre. Demgegenüber fand Sokrates die Prinzipien seines Argumentierens nicht in einer solch zündenden Idee. Diese Art des wissenschaftlichen Denkens. sicher sein können. Nötig war immer aufs Neue. die ein System von Aussagen nicht einfach dogmatisch festschreibt. Dieses skeptische Denken vermittelte schon die dritte Generation der vorsokratischen Naturphilosophen. abzusichern. Formuliert wurden so Ideen von Weltordnungen. können wir etwaige Positionen. der zumindest plausibler erschien. diese diskutieren. Schlüsse zu ziehen. Dies ist uns aber nur möglich. Die Wahrheiten. absichern und was wir mit dieser Art des Urteilens über Dinge dann auch begründen können. das bedeutet hier. vorgegebene Argumentationsmuster zu kritisieren. wenn er über die Dinge redete. Solch ein Prinzip kennt Sokrates nicht. ob die Aussagen. und hier steht Sokrates.

dass sie Sachzusammenhänge nicht einfach nur für uns plausibel erscheinen lassen. Er sucht nach dem Wissen um das Wissen. was uns zu wissen möglich ist – eine umfassende Systematik des zu Wissenden. galt es also. und dann – aufbauend auf den so gewonnenen Bestimmungen dessen. Er setzt dagegen den Anspruch einer Philosophie. dass sie möglichst viel widerspruchsfrei erklärten. Gelöst werden die hier dann auftauchenden Irritationen allerdings nicht mit einem Schnitt durch die Argumentationsgefüge der ionischen Naturphilosophie. Dieser Weg führt zunächst einmal weg von den Dingen. beginnt in Athen mit Platon und Aristoteles. stringente Darstellung zu geben. Und so finden wir nun nach Sokrates in schneller Folge bei seinem Schüler Platon und dessen Schüler Aristoteles eine Vergewisserung über dieses Wissen. die ja nicht im Alltag so einfach zu erfahren waren. dass die Bedingungen. erkennen. Chr. Entsprechend wären solche Prinzipien zunächst daraufhin abzuklopfen. um sich Klarheit über das zu verschaffen.148 4 Die griechisch-römische Antike Disposition stellt. Diese Selbstversicherung eines spekulativ ansetzenden Denkens können wir schon im 5. oder Einschränkungen der mit diesen zu gewinnenden Schlussfolgerungen. Prinzipien so aufzustellen. was dafür spricht. eine schlüssige. nach denen sich dieses Denken selbst bestimmte. sondern ihrerseits immer schon durch Vorgaben wie Vorstellungen und Denkausrichtungen bestimmt waren. Da diese Voraussetzungen eben Bestimmungen unseres Denkens waren. Und Sokrates zeigt dies denn auch. sondern dass ihnen auch an sich Geltung zukam. nach den Gesetzmäßigkeiten Ausschau zu halten. die naturphilosophischen Entwürfe der griechischen Denker neu zu bündeln oder gar abschließend zu bewerten. Nur langsam wurde erkannt. Das ist in der Tat in dieser Konsequenz neu. wenn er – zumindest nach der Überlieferung – seine Missachtung einer Naturlehre gegenüber aussprach. die über Dinge redete. indem solche Prinzipien immer wieder neu variiert wurden. dass es klar wurde. und mit der so den vormaligen Weltanschauungen durch eine Systematisierung möglicher Wissenszusammenhänge entgegengetreten werden konnte. Wissen über die Dinge war also nicht einfach zu erreichen. sondern unser Nachdenken bemühte. Diesen ging es nicht einfach darum. Jahrhunderts nicht nur zentrale Bedeutung besaß. sondern durch Variationen der jeweils vorgegebenen Prinzipien. dass ein mögliches System von Begriffen zwar plausibel sein konnte. Die mittelalterliche Philosophie et- . der Wissenssystematik und der Wissenssystematisierungen formuliert. war für uns einsichtig erschien. die als Alternative zu mythisch/magischen Naturdarstellungen durchzusetzen war. Damit würde ja nur benannt. unter denen solche Prinzipien – wie die Grundsätze Anaximanders oder die Vorstellungen eines Demokrit – eben nicht einfach durch unmittelbare Einsicht zu sichern waren. Hinter diesem Philosophieren stand nicht mehr die Idee. nicht aber unbedingt. Schließlich war dann mit dem Werk des Aristoteles ein Kanon der Denkbestimmungen. wenn um diese Voraussetzungen selbst Klarheit bestand. Jahrhundert v. sondern bis in den Begriffsgebrauch hinein die Wissensordnung und die Bestimmung von Wissenszusammenhängen unserer Kultur ausrichtete. der bis in das Ende des 17. was denn den Dingen selbst als ihnen wesentliche Eigenheit zukomme. Im Zuge der Entwicklung dieses spekulativen Denkens hatte sich vielmehr das Wissen um die Dinge soweit von den alten Denklinien freigeschwommen. sondern vor allem dann. aber dennoch falsch. was eben nicht direkt einsichtig war. Es reichte eben nicht zu. sich selbst in ihren Voraussetzungen abzufragen.

sondern mit diesen Denkern ganz unterschiedliche Positionen benannt sind. In diesem Erfahrungsraum kann ich nun Systematiken austesten und damit Wissenszusammenhänge bestimmen. nach schon vorgegebenen Prinzipien feststellt. als die Folge Sokrates. Sind hier erste Ordnungskriterien bestimmt. sondern diese Erfahrungen in einem Erfahrungsraum ordnen. Damit formiert sich in dieser kurzen Phase des antiken Denkens die Grundlage der europäischen Wissenschaft. Weiß ich. Ordnung und Abstimmung von Wissensformen und den in diesen Formen zu fassenden Inhalten vorgelegt bekommen. und wir werden sehen. die nun ebenfalls nicht einfach organisch aufeinander abgestimmt sind. die eben nicht einfach das sind. dies zumal. die in den Entwürfen von Platon und Aristoteles dann auch eine explizite Systematik der möglichen Wissensbeziehungen und Aussagen vorlegten. Schließlich ist nichts wirklich so. Wir werden sehen. denen zu folgen ist. der diese Erfahrungen nicht einfach vorherbestimmt. das heißt. Sokrates war – bezogen auf die Entwicklung dieses Denkens – der Stimulator. Platon leitete hieraus eine enorme Skepsis gegenüber der Erfahrung ab. um hier Ordnung zu gewinnen. das es uns erlaubt. dass wir zumindest verstehen. wie ich Grundbegriffe anzusetzen habe. Damit sind die hier zu behandelnden Philosophien auch und gerade in ihrer wissenschaftsgeschichtlichen Bedeutung detaillierter nachzuzeichnen. wie er dabei in seiner Zeit das Ideal einer mathematischen Wissenschaft als einer sich dem Aufbau ihres Argumentationsganges sicheren Wissens bestimmte. Demgegenüber sieht Aristoteles Regeln. wie schon Platon die Grundbestimmungen unserer bis heute wirkenden Vorstellung von Wissenschaft formulierte. ob ein uns möglich erscheinender Schluss zumindest von der Art und Weise. seine Auslegungen bleiben in ihrer kritischen Funktion auf die Frage der Bewertung von Zielstellung und Perspektivierungen eines Wissens über die Dinge ausgerichtet. was unserer so eingeschränkten Erfahrung verfügbar scheint. die Einschränkungen unserer Sinne und die Beschränktheit unseres Verstandes. sondern vielmehr auch gänzliche . Demnach ist unser Verständnis der Dinge immer nur unvollkommen. um die Erörterung eines komplexen Zusammenhanges doch so zu gestalten. sondern gleichsam das Instrumentarium zur Systematisierung. Es sind die Konventionen einer Kultur. der uns eine Vielfalt immer nur in Folge ihrer Explikation. Aussagen darüber zu treffen.1 Die griechische Antike 149 wa kann über weite Strecken als ein Ringen um eine adäquate Ausdeutung des Aristoteles beschrieben werden.4. so sind aufbauend auf diesen zumindest prinzipielle Systematisierungen möglich. und wie die prinzipielle Schichtung eines solchen von uns erfahrenen Zusammenhanges aufgebaut ist. wie es uns erscheint. dass. Wir werden in der Darstellung der Entwicklung der Mathematik noch sehen. sondern differente Pole in der Bewertung von Wissen über Wissen und dem Wissen über Dinge aufzeigen. Er sieht aber wohl. Es greift gleichsam nur die Schatten der wirklichen Dinge. Erfahrungen sind demnach Teil eines geordneten Aussagezusammenhanges. mit denen ich die Natur beschreibe. Aristoteles nicht einfach eine Linie nachzeichnet. Platon. das Instrumentarium zu schärfen ist. so kann ich an Hand der Regeln weitere Schlüsse ziehen und mich so nicht einfach nur einzelner Erfahrungen versichern. nie aber an sich in der Totalität ihrer Bestimmtheit vor Augen setzt. wie wir in direkter Folge bei Aristoteles nicht nur die Details einer Bestimmung des zu Wissenden. zu rechtfertigen ist. wie wir dabei mit unserem Wissen und der uns möglichen Erfahrung umgehen. worum es geht.

was wir im engeren Sinne Wissenschaft nennen können. Trifft doch hier in der neuen Hauptstadt Alexandriens der alte Orient unvermittelt auf das neue Griechenland und wird durch den Impetus einer sich rasant entwickelnden Kultur der Analysis und der kritisch gesicherten Erfahrung zunächst an die Wand gespielt. Jahrhundert n. damit auch der kulturelle Schwerpunkt der Antike wieder zurück aus den Kernbereichen des griechischen Festlandes an die östliche Mittelmeerküste. . der Gedankenraum des Orients. bisher nur indirekt vermittelten Denksystemen einer eben doch ganz anderen Kultur direkt gegenübersteht. setzt sie zueinander in Bezug und gewinnt Systematiken. Zwar zerbricht mit dem Tod Alexanders das nur lose gefügte großmazedonische Reich. Chr. Aristoteles und Platon sind die Figuren. Zugleich aber verlagert sich im 3. Alexandrien mit seinem sogenannten Museum wird über Jahrhunderte der Wissenschaftsstandort des antiken Denkens. die ihm Erfahrungsbereiche neu erschließen. auf die hin und von der ausgehend die Kultur der Wissenschaften begriffen und als Fanal den Denkern seiner Zeit vor Augen geführt wird. Doch haben wir mit dieser Perspektive weit über den hier zunächst zu betrachtenden Zeitraum hinausgegriffen. die in dem Bestreben geeint sind. Wobei dieser in seiner Bedeutung eben auch für unsere weitere Geschichte allerdings nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Und so fängt in diesem Athen das an. Denker. sondern sehr direkt in den neu gefundenen Pflanzen und Tieren. Es ist die Schule von Athen. Dabei lebt er am Ende des vierten Jahrhunderts in einer Phase. Erst im Untergang der von einer enorm differenzierten Kultur getragenen analytischen Wissenschaften der Antike – und hier können wir diesen Term erstmals mit vollem Recht verwenden – gewinnt die Mystik des Orients wieder Bedeutung. ein vorgegebenes System variiert. in der der bisher gültige Erfahrungsraum der griechischen Kultur vollends aufreißt und. die den hier gezeichneten Denkraum durchschreiten.150 4 Die griechisch-römische Antike Neues mit in einen vorgegebenen Erfahrungszusammenhang einbindet und dabei sogar ggf. Und schließlich wird mit der Gründung der Ptolemäerdynastie in Ägypten – eines dieser Diadochenreiche – diese neue politische Ordnung auch direkt wissenschaftsgeschichtlich bedeutsam. So beschreibt Aristoteles in seiner Tierkunde die Geschichte von Lebensprozessen. doch halten sich in den sogenannten Diadochenreichen noch über Jahrzehnte die größeren Verwaltungseinheiten und sind als solche auch weiter im engeren griechischen Kulturraum präsent. Raffaels Gemälde der Schule von Athen hat dies gleichsam emblematisch verdichtet. amalgamiert sich mit den Restbeständen der hier zunächst in ihren Anfängen zu betrachtenden Wissenschaftskultur des Hellenismus und wirkt mit diesem Amalgam dann insbesondere in Teilbereichen des Naturwissens – Astrologie und Chemie und der Medizin – fort. auf die hin und von denen her sich die Vielfalt der Gedanken ordnet und – so die Botschaft des Gemäldes – auch weiter zu ordnen hat. Welt zu begreifen. den neuen Krankheiten und den neu erfahrenen. Es sind nunmehr erstmals Wissenschaftler gezeichnet. Persiens und Indiens nicht einfach nur in den übernommenen Mythen weiterlebt. mit den Eroberungen von Alexander dem Großen.

4. indem er in seinen Dialogen Sokrates als die Diskussion führende Figur benennt. die verschiedenen Teile der Landschaft Attika zu einer Polis vereinigt zu haben.16 Darstellung der Athener Akropolis.4. Chr.1 Platon Von Sokrates selbst besitzen wir keine authentischen Niederschriften. 4. Chr. Innerhalb dieser Burg wohnten die alten Könige dieses Teils von Attika. und 4. nur von Westen her zugänglichen Felshügels. 86 v. der später als Burg (Akropolis) (Abb. die mit neun hintereinander angeordneten Toren gesichert wurde. Royal Ontario Museum Toronto Athen Die Geschichte der Stadt Athen reicht bis in die Jungsteinzeit zurück. die die Argumente vorlegt . Die älteste Stadtanlage beschränkte sich auf die obere Fläche eines steilen.1 Die griechische Antike 151 Abb. Dem sagenhaften König Theseus wird zugeschrieben. Athen war fortan der Fläche nach der größte griechische Stadtstaat. Jahrhunderts v. Die Fläche wurde bereits sehr frühzeitig eingeebnet und mit einer starken Mauer umgeben. wurde dann auf der Akropolis ein mykenischer Palast errichtet. der in seinen Schriften dem Lehrer ein Denkmal setzte. Modell. Es war dessen Schüler Platon.2. 4. Jahrhundert n. Die Stadt behielt aber ihren Status als intellektuelles Zentrum und erreichte den Höhepunkt ihrer urbanen Entwicklung im 2. Den Höhepunkt seines politischen und kulturellen Einflusses erreichte Athen als attische Demokratie und Führungsmacht im attischen Seebund während des 5.1. Chr. wurde Athen dem Römischen Reich einverleibt.16) den militärischen und religiösen Mittelpunkt Athens bildete. Chr. Um 1300 v.

dass er das. dass er diesen Kontext eben auch in seiner . die vielfältigen Erfahrungen zusammen zu denken. Wie verhält sich nun das. in denen ich mich der Dinge versichere? Und wie kommt es in der Darstellung der Vielen zu der Idee. einfügt und – so reflektiert – dann zu einem Wissen über die Welt und unserer Art über die Welt zu wissen abbildet. In den späteren Dialogen wird Platon systematischer. wenn sie die Welt unter ganz anderen Voraussetzungen betrachten? Ist also das. unter denen bestimmte Positionen denkbar werden. So entsteht ein System von Aussagezusammenhängen. Tun sie das dann aber nicht auch. wie er zu betrachten gewöhnt ist.152 4 Die griechisch-römische Antike und die Anlage kritisiert. sondern dadurch. dass er einen Zusammenhang erstellt – das tat schon Anaximander – zu überzeugen sucht. was er vorstellt. Platons Texte erscheinen als Dialoge. Diese frühen Dialoge zeichnen in diesen Passagen. Wie kann er absichern. Seine frühen Dialoge replizieren dabei noch in sehr offener Form den sokratischen Versuch einer Hebammenkunst der Gedankenlehre. die die Dinge in anderer Weise angehen und so auch ganz andere Aspekte beschreiben. was wir in den Dingen meinen festmachen zu können. Der Wissenschaftler weiß. nicht unsererseits ein Konstrukt? Was sind dann die Formen. dass ein Effekt oder ein Phänomen einfach vorgestellt wird. Im Letztern wurden – auch im Kontext der Naturlehren – Positionen expliziert und dann in ihrer Möglichkeit dargelegt. Platon entwickelt ein Konzept ausgehend von der Darstellung dessen. sie geben eine Diskussion wieder und entsprechen in dieser Form der Darstellung dem methodischen Ansatz des Sokrates. ist Teil einer Strategie. Platon setzt in seinen ersten eigenen Arbeiten hier an. das ich Welt nenne. in der ein anderer seine Thesen vorlegt. in denen derart das Denken beschrieben und die Sicherung einer Diskussion in der Darstellung der für diese notwendigen Voraussetzungen erfolgt. Im Endeffekt kann man dann ggf. schließt er nach den von ihm darlegten Verfahren weiter und entwickelt Folgerungen. und in dem ich einen Reaktionskomplex beschreibe? Auch diese Art. was wir zu wissen meinen. auch für die verständlich und nachvollziehbar wird. Die offene Anlage eines sich kritisch positionierenden Philosophierens ist damit aufgegeben. Es ist nicht so. die er dann gegenüber möglichen Einwänden sichert. zwei Wissenschaftler reden über ganz verschiedene Dinge. und zwar einen solchen. in dem sich mehr und mehr von dem. in der er im Gespräch neue Ideen ans Licht kommen lässt. nach der wir die Natur in Blick nehmen. meinen. der sich in der öffentlichen Diskussion mit den verschiedenen Themenfeldern beschäftigte. dass seine Art und Weise. in einer bestimmten Perspektive in Blick genommen und beschrieben hat. viel von dem nach. etwas. was Sokrates lehrte. in diesen ein Ganzes zu sehen. und die Art und Weise. setzt das Denkbare in einen Zusammenhang und erlaubt Rückschlüsse auf die Bedingungen. Platon offeriert einen Theoriekomplex. Sackgassen der Argumentation als solche deutlich machte und so im Gespräch ein Argument konturierte. Und dies nun ist der Unterschied des nachsokratischen und des vorsokratischen Denkens. was die Anschauungen. Dieses Diskutieren eines Sachzusammenhanges ist für unsere wissenschaftliche Kultur bis heute leitend. So stellt er uns einen neuen Typ von Wissenssystem vor. Sind entsprechende Positionen benannt und gesichert. entwickelt im Gespräch aber zusehends eigene Konzeptionen. seinen Mitdiskutanten den Wege wies. entwickelt Positionen. in denen ich über die Dinge rede. was für uns denkbar ist. Dinge zu tun. was er beschreibt. der nicht einfach dadurch. Er gibt die Gesprächssituation nicht auf.

Dabei – auch dies ist noch darzustellen – gewinnt das Mathematische für Platon auch in seiner Art und Weise. die auch die Geschlechtspartner nach vorgegebenen Prinzipien einander zuordnet. Inwieweit diese Vorstellung des idealen Staates dann in der Tat – wie es Popper formulierte – die Urform eines Totalitäten Herrschaftssystems darstellt. eine erkenntnisleitende Funktion. zu einer vorgeahnten Moderne. sie kennt Euthanasie und das Diktat einer über jede Individual(ein)sicht hinwegsehende Vernunft. Erfahrungen einzubringen und zu bewerten sind. in der bis in die Renaissance hinein auch die unverstandenen Technologien der Antike als eine Art von Phantasmagorie erscheinen konnten.1 Die griechische Antike 153 Systematik selbst begründet. So entwickelt Platon die Idee eines idealen Staates. Damit wird – und das muss uns im Zusammenhang der Entwicklung des mathematischen Denkens in Griechenland noch eingehender beschäftigen – auch die Art und Weise.. In dieser wirkt Platon – auch für die Naturforschung – bis in das letzte Jahrhundert v. Auch der Oligarch steht in dieser Notwendigkeit. Das Wissen ist so auf den Begriff gebracht. Dinge und Zusammenhänge darzustellen. die man denn auch immer wieder zu verorten sucht. zentrales Moment dieses Philosophierens. nicht im Sinne der Explikation von Prinzipien. Atlantis wird zu einer realen Größe. sondern ihn nach einer – von Platon ja schon explizierten – Einsicht leitet. wie Zusammenhänge erfahrbar gemacht und in ihrer Systematik zu begreifen sind. wie er auch Leib und Seele in ein hierarchisches Verhältnis setzt. sondern in der systematischen Analyse des Systematisierens selbst. in der nun auch von vornherein die verschiedenen Arten. Gewonnen wird also nicht einfach eine Aussagenfolge oder ein plausibel gemachter Satz. Chr. und im Naturwissen ist dieser Begriff zu guten Teilen ein mathematischer.4. das der Freiheit des Einzelnen verschwindet dabei unter dem Diktat der Freiheit einer Vernunft. muss uns hier nicht eingehender interessieren. sondern eine Wissenssystematik.und Freizeitwesens. Er denkt Gesellschaft als Kultur. in Bezug gesetzt sind. Diese Gesellschaft braucht Regeln. oder ob Platon hier unter der Tyrannis der Vernunft einen Staat einfach ebenso aufbaut. die ihm keinen Handlungsspielraum gibt. Jedes Detail scheint nach festen Prinzipien organisiert. an Hand der Platon expliziert. die Natur in Blick zu nehmen. Dieser ideale Staat formuliert sich als Utopie: Atlantis. Dabei ist Platon ein genuin politischer Denker. Diese organisiert die Gesellschaft über die Auswahl der Geschlechtspartner. So kennt die Platonische Gesellschaft eine gezielte Kanalisation der Fortpflanzung. in der Gedanken anzulegen. in der im Kontext dieser Wissenschaft eine Erfahrung interpretiert und genutzt wird. die sich eben nur ihrer Einsicht beugt. von der her dann der Komplex von Einzelaussagen als Beschreibungen von Welt zu interpretieren ist. . Kinder und Jugendlichen bis hin zur Organisation des Arbeits. In Platons Idee eines Staates wird die Vernunft wie eine Oligarchie der Weisen repräsentiert. So erarbeitet Platon einen neuen Typ von Wissenssystematik. der geleitet nach Vernunftprinzipien eine Gesellschaft dann auch ganz nach den von Platon einsichtig gemachten Prinzipien aufbaut. die Kultur aber als Resultat einer sich ihrer intellektuellen Grundlage versichernden Gesellschaft. die Art. die – zentral gesteuerte – Erziehung der Kleinkinder. Nicht sehr viel später wird dieses Atlantis in der Vorstellung zu einem realen Kontinent mit realem Wesen und einer realen Geographie. Es ist die Art und Weise des mathematischen Argumentierens. damit sie sich entsprechend kultivieren kann. heute würden wir von Eugenik sprechen.

dem Schwager des Tyrannen Dionysios des Älteren. wo er durch Archytas von Tarent und Timaios aus Lokri den Pythagoreismus in dessen theoretisch-praktischer Gestalt kennen lernte. betätigte sich in jungen Jahren mit der Dichtung von Dramen und wurde dann durch Kratylos mit den Lehren Heraklits bekannt gemacht. Nach dem Tode des Sokrates hielt er sich einige Zeit bei Eukleides in Megara auf und unternahm dann größere Reisen bis nach Unteritalien. Die Verschiebungen in den daraus resultierenden Konzeptionen eines realen und eine idealen Staates formulieren damit dann aber auch eine Kritik des in der Zeit Platons selbst zu Erfahrenden. wie sich in einer nach Machtprinzipien strukturierten Tyrannis die mögliche Ordnung einer idealen Gesellschaft pervertiert.154 4 Die griechisch-römische Antike Um 1900 entsteht dann sogar die Idee eines Gegenatlantis. in denen Macht die Vernunft ersetzte. Wobei gerade aus unserer Perspektive überraschen muss. Er erhielt – ganz seiner sozialen Position entsprechend – Unterricht in Grammatik. Wobei uns generell interessieren muss. beziehen. begründete Platon in einem nach dem Heros . Dieser soll Platon auf Grund seiner Lehren gefangen genommen haben. Etwa in seinem zwanzigsten Lebensjahre lernte er Sokrates kennen und wurde über lange Jahre dessen Schüler. was auch nur im Ansatz in diesen Alleinherrschaften von Einzelnen oder Wenigen zu dieser Zeit versucht wurde. Schließlich besuchte er Sizilien und befreundete sich in Syrakus mit Dion. Um 387 v. Platons Konzept geht weit über das hinaus. Er entstammte aus einer Familie. sondern im Pazifik zu verorten sei. Musik und Gymnastik. das so im Endeffekt in seiner idealen Form Selbstzweck wurde. welche Bedeutung der staatlich gelenkten Zuchtwahl und der staatlich gelenkten Erziehung in diesem Staatswesen zukam. Lemuria genannte Kontinent wird dann über Jahrzehnte zu einem Spekulationsobjekt derjenigen. insbesondere da. Natürlich müssen wir die konkrete Staatslehre Platons in einer historischen Sicht auf die Wahrnehmung der verschiedenen Diktaturen. die Platon selbst erlebte. auf die Idee der Tyrannis. wird dann in den entsprechenden Argumentationen und Handlungen zur Sicherung der so zu gewinnenden oder zu verfestigenden Ordnung deutlich. um ihn als Kriegsgefangenen zu verkaufen. dass schon im Beginn des abendländischen systematischen Philosophierens eine Utopie formuliert wird. In dieser derart nach der Vernunft strukturierten Gesellschaft war dann der Einzelne – auch der Herrscher – nur als Funktionsträger zu verorten. das nicht in der westlichen Hemisphäre. Mit dieser Utopie offeriert Platon somit zugleich auch eine Kritik der realen Herrschaften. das der Realität als Ideal entgegengehalten ist. die sich die Evolution und die Verbreitung der frühen Menschenarten verständlich machen wollen. deren Vorfahren mit Solon verwandt waren und gehörte damit – im Gegensatz zu Sokrates – zur sozialen Elite Athens. Annikeris soll ihn losgekauft haben. Chr. immer wieder neu vereinnahmt. wie sie etwa in den Staatstaaten Zentralgriechenlands oder in Sizilien in immer wieder unterschiedlichen Formen etabliert war. Platon wurde 428 oder 427 als Sohn des Ariston aus dem Geschlechte des Kodros und der Periktione in Athen geboren. wo Gesellschaftsordnungen oder auch Werte biologisch begründet wurden. Und doch. Und dennoch wurde Platons Staatsutopie in den unterschiedlichsten ideologischen Kontexten. gerade da wo Platon zwischen Machtstaat und Vernunftstaat nur leichte Verschiebungen aufweisen kann. Und dieser imaginäre. Dargestellt wird ein Entwurf des zu denken Möglichen.

4.1 Die griechische Antike

155

Akademos genannten Garten eine philosophische Schule, in welcher er viele Jahre lehrte.
Trotz seiner Erfahrungen mit Dionysios reiste er dann noch zweimal (367 und 361 v. Chr.)
nach Syrakus, 367, um den jüngeren Dionysios zur Einführung einer nach seiner Staatslehre ausgerichteten Verfassung zu bewegen, was ihm nicht gelang. 361 suchte er seinen
Freund Dion mit Dionysios dem Jüngeren auszusöhnen. Platon blieb unverheiratet. Er
starb 348 oder 347 v. Chr. in Athen.
Zentral im Werk des späten Platon ist sein Buch über den Staat, „Politeia“. Hier finden
sich in den mittleren Kapiteln einige der berühmtesten Lehrstücke der platonischen Philosophie, politisch ist dies die Forderung, die Herrschaft den Philosophen zu überlassen. Der
resultierende Vernunftstaat, das zeigen schon die oben stehenden Anmerkungen, ist nun in
unseren Augen alles andere als ideal, demonstriert aber auch, dass Denken und Vernunft
hier eben auch real nicht als ein Individualvermögen, sondern als ein Erbe und eine Äußerungsform einer ganzen Kulturgesellschaft gedacht ist, der sich der Einzelne dann auch
konsequenterweise unterzuordnen hat. Dass die Diktionen, das Denken und die Vernunft,
die philosophischen Texte dann etwa über Hegel bis in die Moderne bestimmt haben, zeigt
die implizite Folgerung dieses Ansatzes, der in dieser Form auch unmittelbar für die Wissenschaftsgeschichte bedeutsam ist. Heißt dies doch nichts anderes, als dass jede Aussage
innerhalb eines Wissenssystems nach der Vernunft, das heißt nach allgemein gültigen Prinzipien, zu formulieren ist, die für jeden in dieser Gesellschaft einsichtig und verpflichtend
sind. Das die Wissenschaft des Abendlandes fundierende Ethos einer umfassenden überindividuellen Rationalität ist schon hier auf den Begriff gebracht.
Platon unterscheidet zwischen der Meinung, einer bloß vom Individuum aufgenommenen Auffassung und dem Wissen, einer reflektierten Aussage über etwas, das sich im
System der möglichen Aussagen über die Dinge verortet und insoweit als Teil eines Systems
der uns einsichtigen oder zumindest einsehbaren Aussagen verpflichtend ist. Schließlich
findet sich hier in Form des sogenannten Höhlengleichnisses seine Auffassung von Wissenszusammenhängen und Einsicht im Horizont einer als vernünftig begriffenen Kultur
des uns möglichen Wissens dargestellt. Daran schließt die Darstellung eines „mathematischen“ Wissenschaftssystems an, das in der Darlegung der „Dialektik“ als Höhepunkt
und Grundlage seines System von Wissenschaft im Sinne eines reflektierenden Erwerbens
und Sicherns von Wissen schließt. Wobei Platon mehrfach darauf hinweist, dass alle seine
vorbereitenden und gleichnishaften Darlegungen das Ziel haben, auf dieses Wissenschaftssystem hinzuführen.
4.1.2.1.1 Das Höhlengleichnis
Im Beginn des 7. Buchs seines Dialogs Der Staat erzählt Platon das sogenannte Höhlengleichnis. Der Dialog beginnt mit einer Erörterung der Frage Was ist Gerechtigkeit? und
leitet dann zur Frage nach dem idealen Staat über. Und schließlich findet sich eine Erörterung über das, was wir wissen, und speziell das, was wir aus der Erfahrung wissen.
Dem Gleichnis zufolge sitzt eine Gruppe von Menschen in einer Höhle, die nicht vom Sonnenlicht beschienen ist. Im Hintergrund der Höhle befindet sich eine Mauer, hinter dieser
Mauer brennt ein Feuer. Dies ist das einzige Licht, das in die Höhle fällt. Die Mauer selbst

156

4

Die griechisch-römische Antike

Abb. 4.17 Skizze der Anlage im Höhlengleichnis von Platon

ist für die Bewohner der Höhle unüberwindbar, Hinter der Mauer nun können andere Wesen hin und her gehen und auf Ihrem Kopf Gegenstände balancieren. Diese Gegenstände
werden vom Licht des Feuers beschienen, so dass sich ein Schatten von ihnen an die innere Wand der Höhle wirft, den die Menschen in der Höhle sehen können (Abb. 4.17).
Ansonsten sehen sie nichts. Sie hören vielleicht diese Wesen reden, sehen von ihnen aber
nur die Schatten der Gefäße, die über die Mauer an die Wand reflektiert werden. Es ist
gleichsam die Höhle ein sozialer Schädel, in den nun über die Sinnesorgane dieser Höhlengesellschaft der Schattenwurf der Dinge, die in diese Höhle hineinspiegeln, abgebildet
wird. Diese Schatten werden dann von uns – denn wir sind nach Platon die Bewohner
solch einer Höhle, die wir unsere Erfahrungswelt nennen – als Bild der Außenwelt festgehalten. Die Bilder, die wir so erhalten, sind fragmentarisch und nur in Äußerlichkeiten der
Wirklichkeit der Dinge entsprechend. So wie die Schatten der Gefäße auf den Höhlenhintergrund fallen – so Platon – so erfahren wir durch die Sinne die Dinge der Welt, die uns
demnach nicht in ihrer eigentlichen Qualität, sondern nur in einem einfachen und vereinfachenden Reflex verfügbar sind. Es kommt also nicht darauf an, die Äußerlichkeiten
der Formen zu klassifizieren, die Bilder der Schatten nach ihren zufälligen Entsprechungen zu orten, sondern die Dinge der Welt in ihrer eigentlichen Substanz, in ihrem Wesen
anzuschauen. Dies stellt sich aber nicht im indirekten Reflex dar, zumal auch das Feuer,
das hier das Licht bietet, flackert und schwach nur die groben äußeren Konturen der Dinge
vermittelt.

4.1 Die griechische Antike

157

Führt nun ein Wohlmeinender einen der Insassen der Höhle ans Sonnenlicht, so wird
dieser vor der neuen Qualität dieses „wahren“ Lichtes fast erblinden. Er sieht zunächst
gar nichts mehr und muss sich dann mühsam an ersten Orientierungsschritten versuchen.
Schafft er es dann, die vormaligen Schattenbilder mit den Realia dieser Welt in Verbindung
zu bringen, wird er sehr schnell merken, wie oberflächlich und äußerlich seine Erfahrungen waren. Nur im wahren Licht – im Licht der Einsicht durch die Vernunft – sind denn
auch die Dinge in ihrem Bezug zueinander einsehbar und so auf ihren Begriff zu bringen.
Dieser Begriff fasst sich nicht in den Attributen, die die sinnliche Erfahrung den Dingen
zuschreibt, sondern in der Struktur, an der und in der diese Attribute verhaftet sind. Es
geht also um die Idee, das Wesentliche, die Qualifizierung des Objektes in seinem Bezug
zu den realen Existenzen einer Welt zu erfahren, die für uns so aber nicht direkt erfahrbar sind, weil wir im Licht der reinen Vernunft unsere Sinne verlieren. Also müssen wir
die Strukturen erschließen, die Ideen begreifen, nach denen und in denen die Dinge konfiguriert sind. Es geht demnach also nicht um die sensorisch fassbaren Qualifizierungen,
sondern um die Verhältnisbestimmungen zwischen den Dingen, wie sie unabhängig von
den Skalierungen und Qualifizierungen in Erfahrungswerten festzustellen sind. Diese Art
der Verhältnisdarstellung kann also nur eine Wissenschaft leisten, die Maßfunktionen nicht
etwa nur zwischen einzelnen Dingen, sondern in prinzipieller Hinsicht erschließt und sie
dann ggf. am einzelnen Ding präsentiert. Diese Wissenschaft wäre dann eine solche, die die
Relationen, in denen sich die Verschiedenheiten des uns Denkbaren in Bezug zueinander
setzen, darstellt. Dies ist die Wissenschaft von Größen und Größenbeziehungen, und dies
ist nach Platon die Mathematik.
4.1.2.1.2 Mathesis universalis
Platon entwirft in den Büchern V–VII seiner „Politeia“ ein System einer in diesem Sinne
mathematisch fundierten Wissenschaft. Gegenstand dieser Wissenschaften ist ein „koinón
mathema“, ein „gemeinsames Wissen“, das überhaupt den Anspruch auf Wissenschaftlichkeit begründet. Dieses gemeinsame Wissen leitet sich nach Platon daraus ab, dass jeder
Gegenstand des Wissens Einheit und Bestimmtheit aufweisen muss. Die Mathematik ist
nun die Lehre, in der derart Größen und Größenverhältnisse bestimmt werden, sie erlaubt
es, Größen wie Mannigfaltigkeiten unabhängig von ihrer jeweiligen sinnlich erfahrbaren
Realisierung zu erfassen und in einen Bezug zueinander zu setzen, der eben von der sinnlichen Konkretionsebene absieht und umgekehrt diese in der Erfahrung ja nur zufällig
zuzuordnenden Bestimmungen überhaupt erst begründet. Da sie die Bedingungen darstellt, unter denen sich Zuordnungen ergeben, zeigt sie, wie sich die Dinge grundsätzlich
zueinander verhalten. Damit ist dann eine Wissenschaft, im Sinne einer Darstellung eines
reflektierten Wissenszusammenhanges, möglich. Und von den unterschiedlichen, rein begrifflichen Synthesebedingungen, wie „Mannigfaltiges“ auf diskrete oder kontinuierliche
Weise zu einer Einheit verbunden werden kann, erfüllt für ihn auf reine und exakte Weise
dieses Axiom die Rationalität. Wissenschaft bestimmt sich damit in den zwei Momenten:
1. der Reflexion des Denkens auf sich selbst und 2. dadurch, dass sich hieraus eine methodische Grundlage für jede Art der Sicherung von Wissenszusammenhängen bestimmen lässt.

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4

Die griechisch-römische Antike

Damit hat dieser Platonische Text eine umfassende Wirkungsgeschichte. Seit der antiken
Renaissance des Platonismus etwa um 200 n. Chr. wurde diese Konzeption von Wissenssystematisierung, im Kontext der Ausbildung zu den Sieben freien Künsten – der antiken
Grundausbildung eines Rhetors, „communis mathematica scientia“, grundlegend. So wurde sie zur Grundlage des Ausbildungskonzepts des Philosophieunterrichts der Spätantike.
Im „studium generale“ wurde sie über den Zusammenbruch des Römischen Reiches hinweg für alle weiteren Darstellungen von Wissenszusammenhängen vom arabischen Osten
bis in den lateinischen Westen grundlegend. Hier ist die Basis des abendländischen Wissenschaftsverständnisses gelegt.
Nur wenige wissen, wie Platon sagt, worin eigentlich das Rationale des rationalen Handelns besteht. Sie können diese Kriterien daher nicht methodisch anwenden, sondern nur
in zufälliger Intuition gebrauchen (Politeia 522c–523a). Dies zu wissen, ist aber notwendig,
soll sich die Vernunft über ihre eigenen Akte Aufklärung geben. Dieses insoweit für jedes Wissen grundlegende Wissen nennt Platon „koinón máthema“, ein allen gemeinsames
Wissen. Die Disziplin, die dieses Wissen vermittelt, ist die „koiné mathematiké epistéme“,
eine, wie die Lateiner übersetzt haben, „communis mathematica scientia“ oder eine „mathesis universalis“. „Mathematiké“ heißt denn auch auf Griechisch „zum Wissen gehörig“,
und nicht nur „mathematisch“ im modernen – auf Berechnung und Formalisierung zielenden Verständnis. So war für Platon die Grundwissenschaft, in der sich das System des
Wissens begründen ließ, die mathematische Wissenschaft. Über dem Eingang der Akademie soll deshalb gestanden haben: Keiner, der nicht mathematisch gebildet ist, soll hier
eintreten.
Durch die Reflexion auf die Bedingungen, die es erlaubte, die Differenzierungen, die
sich im Denken der Welt ergaben, nicht einfach nur aus der Erfahrung aufzunehmen,
sondern prinzipiell zu begründen, war es möglich, das Wissen zu systematisieren. Die
Variationen des Erfahrungswissens waren nur so als solche in ein in sich bestimmtes System von Aussagezusammenhängen einzulesen. Der neu entstehende Typ einer sich reflexiv
sichernden Wissenssystematik unterscheidet sich so prinzipiell von den Entwürfen der vorsokratischen Philosophie: Einheit, Identität, Verschiedenheit, Ganzheit, Teil, Gleichheit,
Ähnlichkeit, Diskretheit, Kontinuität, Anfang, Mitte, Ende sind die Kriterien, nach denen
sich die Vielfalt des Erscheinenden ordnen lässt und somit vor jeder Erfahrung die Grundbestimmungen des in der Erfahrung Möglichen darzulegen sind: Wer einen Ton hören
will, muss bemerken, wodurch er ein Ton ist, d. h. er muss ihn in seiner Identität gegen
von ihm verschiedene Töne abgrenzen, muss darauf achten, wann er anfängt, wie lange er
gleichbleibt, wann er aufhört. In dieser Art der Bestimmung eines Elementes in Bezug auf
die anderen möglichen Elemente einer Erfahrung nutzt er die Begriffe, die die Mathematik geschärft hat. Schließlich formuliert diese die Bestimmungen von dem was Identität,
Gleichheit, Ähnlichkeit etc. sind unabhängig von der konkreten Erfahrung als grundsätzliche Operationen, die derart dann auch begrifflich zu bestimmen sind.
Bin ich mir so der Formen sicher, in denen sich die Erfahrungen denken lassen, so kann
ich im Denken die (äußere) Wirklichkeit repräsentieren. Derart kann sich nun, geleitet
durch das prinzipielle Verständnis von Differenzierung und Zuordnung, entsprechend den

4.1 Die griechische Antike

159

immer neu aufgenommenen Erfahrungen das Wissen zusehends differenzieren. Es löst in
dieser Differenzierung dabei die grundsätzlich erschlossene Ordnung nicht auf, sondern
gliedert sie immer kleinteiliger und ist damit fortlaufend differenzierter. So sind dann mit
Platon auch die Ausdifferenzierung und die Spezialisierung von Wissenschaften beschreibbar.
In seiner Zeit muss Platon diese neue Sicht noch verteidigen. So richtet sich sein Dialog
„Theaitetos“ gegen die Skepsis der Sophisten, insbesondere des Protagoras, der einwirft,
dass Vorstellungen eben nicht auf Grund einer höheren Einsicht, sondern letztlich doch
auf Wahrnehmungen basieren, die insoweit dann auch das Erkennen als ein Abbilden von
Weltverhältnissen im Denken des Einzelnen beschreiben lassen. Stimmt dies, dann wäre
die Idee einer mathematischen Wissenschaft im Sinne des Platon unnötiger Ballast, denn
schließlich wären dann auch die Vorstellungen, mit denen im mathematischen Sinne gearbeitet wird, nichts als Wahrnehmungen. Platon führt dagegen aus, daß die Wahrnehmungen erst aus der Vorstellung von einem Gegenstand heraus in ihrem Wert zu bestimmen
(Theaitetos 151e ff.) seien: Denn mit der Vorstellung bezieht man sich auf den ganzen, der
Wahrnehmung gegebenen Gegenstand. Die Richtigkeit der Erkenntnis scheint dann von
der möglichst vollständigen und unverfälschten Repräsentation des äußeren Gegenstands
in der inneren Welt der Vorstellung abzuhängen. Die um 300 v. Chr. sich entwickelnde
Philosophenschule der Stoa vertrat genau dieses Erkenntnisideal: Ein Gegenstand galt ihr
dann als objektiv erkannt, wenn er in der Vorstellung genauso, wie er real existiert, klar
und deutlich wiedergegeben war. Die Widersprüche und Ausweglosigkeiten, in die man
mit dieser Position gerät, hat die beinahe zugleich mit der Stoa entstehende Skepsis an einer Unzahl von Beispielen demonstriert und die alte Position des Protagoras erneuert: Wir
stellen uns die Welt nicht vor, wie sie ist, sondern auch mit den klarsten und deutlichsten
Vorstellungen nur so, wie sie uns – unter bestimmten Umständen, in bestimmter subjektiver Verfassung, usw. – erscheint. Dabei ist diese Position der Stoa aber nicht die Position
des Platon, der eben nicht eine einfache uns zugängliche Erfahrungswelt voraussetzte, sondern – wie sein Höhlengleichnis zeigt – die Vorstellungen weder als eine Art von Synthese
der verschiedenen Wahrnehmungen begriff, noch als eine Art der Perspektivierung unter
der dann Wahrnehmungen in einen Kontext zu stellen sind, von dem her sie verständlich werden. Die platonische Sicht der Ideen ist um einiges radikaler. Ideen sind für Platon
keine Abstraktionen, die er aus einer Serie von Wahrnehmungen heraus destilliert. Für ihn
sind Ideen zunächst nicht die Beschreibung von Sachverhalten, sondern Strukturen der begrifflichen Operationen unseres Denkens. Mit diesen können wir dann Wahrnehmungen
beschreiben, fassen diese aber immer so, wie wir dies mit unseren Begriffen können. Was
wir damit können und wie wir dies anstellen, erläutert uns eine Mathesis universalis, die
uns eben darstellt, wie wir unsere Begriffe zueinander stellen können, was sich in diesen
wie abbilden lässt. Dann kann diese universale Wissenschaft uns mit dem so gewonnenen
Rüstzeug frei lassen, mit dem wir derart dann die uns verfügbaren Beschreibungen von
Welt ordnen, sie uns in der so gefundenen Systematik bewusst und damit zum Teil des uns
verfügbaren Wissens zu machen: Das, was ich verstehe, kann ich schließlich denken. Das
was ich verstanden habe, kann ich dann in der Außenwelt entdecken. In den Wahrneh-

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4

Die griechisch-römische Antike

mungen finde ich derart die Entsprechungen von Darstellungsmöglichkeiten, wie sie sich
mir nun realisieren lassen. Dadurch, dass ich das, was mir prinzipiell zu denken möglich
ist, nunmehr in den Erfahrungen konkretisiere, werden mir die Einzelheiten dann überhaupt erst als solche verständlich. Sie sind Einzelheiten immer in Bezug auf eine Weltsicht,
die ich mir in der inneren Abstimmung des mir zu denken Möglichen begründe. Damit
kann ich mir darstellen, was es bedeutet, wenn ich etwas beschreiben kann. Das, was ich
beschrieben habe, kann ich nun in Bezug zu anderen Erfahrungen setzen, in der sich dann
aufzeigenden Differenz Neues entdecken und so die Dinge und mit ihnen die Welt fortlaufend konturieren. Dies genau ist dann im Konkreten der Prozess, mit dem zunächst auch
das Potenzial der Wissenschaften beschrieben wurde. Kenntnisse sind nunmehr nicht einfach nur anzuhäufen. In diesen fortlaufenden Ausweitungen des Bekannten werden damit
dann eben auch die Raster der wissenschaftlichen Sicht zusehends feiner. So lassen sie immer mehr von dem begreifen, was die Welt für uns darstellt.

Stoa

Die Schule der Stoa wurde von Zenon von Kition im 3. Jahrhundert v. Chr. initiiert. Seine Schüler versammelte er in einer Säulenhalle in Athen, der Stoa poikilie,
daher entstand ihr Name. Nach der Stoa waren Gott und Natur eins, der Mensch
war eingebunden in diese Gott-Natur und hatte sich entsprechend nach den Gesetzmäßigkeiten dieses Wirkgefüges auszurichten. Sittliches Handeln ist nach der Stoa
letztlich denn auch nichts anderes als Selbsterhaltung und Selbstbehauptung, die aber
eben nur dann effektiv wird, wenn sie in der rechten Weise geschieht. Unsittlichkeit
und jedes Fehlverhalten sind für die Stoa schlicht Selbstzerstörungen. Diese führen
zum Verlust der eigentlichen Natur des Menschen, da es sich nicht nach seiner Natur
verhält. Entsprechend ist das Ziel der Stoa eine sittliche Existenz in Abstimmung mit
der Natur und der Gesellschaft. Demnach bedeutet für die Stoa die Förderung des
einzelnen Ichs aber immer auch die Förderung des allgemeinen Wohls. So forderte
Kleanthes, dass der Mensch, der im Gott-Kosmos lebt und sich in ihm formt, seine
Existenz auch nach diesen Formnotwendigkeiten auszurichten hat. Hierin zitiert ihn
später selbst noch der Apostel Paulus. Weitere Vertreter der Stoa sind Chrysippos, Panaitios und Poseidonios, sowie später – in der römischen Zeit – Seneca, Epiktet und
der Kaiser Marc Aurel. Seneca wurde im Mittelalter ein Briefwechsel mit dem Apostel Paulus zugesprochen, so dass dessen Lehre auch im christlichen Kontext wirksam
blieb.
Nach der Naturphilosophie der Stoa ist die Wirklichkeit nach einem Prinzip, als
stofflich strukturierte Welt zu erfassen. Auch Kräfte sind nicht abstrakte Wirkprinzipien, sondern Substanzen. Strukturiert wird die Welt durch eine alles durchdringende Gottheit, die Weltseele, die sich so in den Strukturen der Wirklichkeit ausdrückt
und nur in diesen zu fassen ist. Die Konfigurationen der Welt sind nur die Modifikationen dieser Weltseele, wie sie sich in der Stofflichkeit ausdrückt und derart die

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161

Welt in ihrer Dynamik als Ausdruck des ihr eigenen Lebens erfahren lässt. So formiert sich die Welt in der Notwendigkeit der ihr eigenen Prinzipierung und expliziert
so in der sich derart darstellenden Notwendigkeit immer auch schon an sich ihren
Zweck. Dabei spricht die Stoa dem sich in dieser Natur entfaltenden Menschen eine Willensfreiheit zu. Entsprechend erwächst die ethische Forderung, in bewusster
Übereinstimmung mit der Natur zu leben.

Werden Merkmale zu einer Beschreibung umrissen, kann ich diese Merkmale dann
auch in anderen Sachverhalten wiederentdecken. Damit kann ich Verschiedenes in immer
differenzierterer Weise aufeinander beziehen. Ich erhalte ein Raster von Beschreibungen,
das sich zusehends enger zieht, dabei immer detailliertere Differenzierungen aufzuweisen vermag und in seinen Abstimmungen so immer feiner wird: Dadurch, dass sich
das, was ich wissen kann, immer klarer darstellt, kann ich nun neben dem Bekannten
auch Neues entdecken. Voraussetzung dafür, dass ich mir in diesem Tun sicher sein
kann, dass ich mir also auch das Neue – das mir ja eigentlich fremd ist – verfügbar
machen kann, ist die Sicherheit meines Urteils. Diese gewinnt sich darin, dass mir die
Strukturen des Urteilens, die Bedingungen der begrifflichen Bestimmungen einsichtig
werden.
Damit bin ich nun aber weit weg von der Stoa. Der spätantike Neuplatonismus sucht
dann auch nicht etwa für die Darstellung von Wahrnehmungsinhalten, sondern für die
Begründung dieser inneren Schau der Möglichkeit einer Ordnung von Wahrnehmungen
Argumente. Diese findet er in der Idee, die Welt als Schöpfung und damit nach einem Plan
erarbeitet zu sehen, der uns ja zumindest prinzipiell einsichtig ist. Mit dieser höheren Einsicht kann ich dann begründen, wie ich was sehe und in welcher Ordnung ich das, was
ich weiß, zu setzen vermag. In dieser Idee einer gottbestimmten Darstellung dessen, was
für uns zu wissen ist, wendet der Neuplatonismus später um 200 n. Chr. die bei Platon
noch analytisch zu verstehende Ideenlehre spekulativ um. Ist sie bei Platon noch Kritik an
unserem Erfahrungswissen und einer sich unmittelbar darauf beziehenden spekulativen
Naturphilosophie, findet dieser Neuplatonismus in Gott die Sicherheiten, mit denen wir
unsere Urteile auch außerhalb der Zufälligkeiten einer sinnlichen Vergewisserung fundieren können. So greift diese Philosophie bei ihrem Begründer Plotin spekulativ aus und
findet die Sicherheiten ihres Denkens in einem letztlich theologischen Rahmen. In dieser Interpretation wird Platon dann in der mittelalterlichen Philosophie erneut zu einer
zentralen Referenz, die ihn aber nun als einen Systemdenker begreift, der eine Ideenwelt
(re-)konstruiert, in der dann auch die flüchtigen Erfahrungen zu sichern und zu begründen sind. Doch ist dies nicht Platon. Der historische Platon suchte nach den Kriterien,
begriffliche Bestimmungen in sich, und nicht etwa in Blick auf Anderes, ggf. Höheres, zu
begründen. Platon zog damit die Konsequenz aus der kritischen Haltung des Sokrates, der
die spekulative Naturphilosophie verdammte, die über Dinge redet, die ihr nicht einsichtig
waren und dabei Einsicht mit Plausibilität verwechselt. Platon setzte dieser Kritik nun nicht

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Die griechisch-römische Antike

einfach ein neues System von Weltinterpretationen entgegen. Vielmehr formulierte er das
Programm eines kritischen Umgangs mit dem, was wir zu wissen meinen, und formulierte
dabei die Grundlagen dessen, was wir bis heute als wissenschaftlich beschreiben.

Neuplatonismus

Der spätere, nur bedingt an Platon anschließende Neuplatonismus entstand in der
Phase von der Mitte des 3. bis zum 6. Jahrhundert n. Chr. In ihm verschmolzen
Elemente der platonischen Ideenlehre mit aristotelischen, stoischen und pythagoreischen Lehren sowie mit Aspekten Momente der orientalischen Mystik und der
christlichen Religion. Begründet in seiner systematischen Form durch Plotin wird
hier die strikt analytisch, rational vorgehende Philosophie des Platon zu einer sich
mit Momenten des Mythisch Intuitiven vermischende Lehre, die versucht auch über
das Höchste, der Vernunft selbst nicht mehr Einsichtige Anschauungen zu gewinnen.
So ist denn auch Ziel dieser Entwürfe, wie sie im Weiteren vor allem Jambilchos, Porphyrios und Proklos vertreten, den Menschen zu einer reinen Geistigkeit zu führen.
Wobei wir den letztgenannten Philosophen eine Reihe historischer Angaben verdanken, über die die vormaligen von ihnen amalgamierten Traditionen gerade auch des
Bereichs der Wissenschaften auf uns überliefert wurden. Der Neuplatomismus selbst
zielt auf eine Einsicht, die nicht nur über das Verständige, sondern auch über das
Vernünftige hinauszuführen sucht. Die Idee einer mathesis universalis wird hier aufgegebenen zugunsten eines Versuchs, die Selbsterfahrung des Menschen gänzlich aus
seiner sinnlichen Beschränkung und der diskursiven Verengung seiner doch immer
nur endlichen Einsichtnahme qua Vernunft hinauszuführen, und das so zu erlebende
Geistige in der reinen Anschauung seiner selbst auch über das uns direkt Intelligible
hinaus erfahrbar zu machen.

Was war nun die Mathematik, auf die sich Platon in seinen Schriften beziehen konnte. Explizit erwähnt er Theaitetos von Athen: Theaitetos lebte etwa von 410–368 v. Chr.
und war selbst Schüler Platons, der von ihm in einem nach diesem dann auch benannten
Dialog berichtete. Dieser Theaitetos war ein Mathematiker, der nun beschrieb, was in den
Formeln des Mathematikers zu denken ist. Dabei benennt der Mathematiker Operationen,

wie etwa a, für die nun aber für den Fall der 2 keine ganzzahligen Lösungen zu finden
sind. Dennoch kann ich aber mit diesen Einheiten umgehen, ich kann diese kombinieren und mit ihnen rechnen. Für bestimmte Berechnungen ist diese Art der Kombination
von Werten,
an sich nicht einsichtig sind, sogar notwendig. So kann ich beschreiben,
√ die√
wie mit (a + b) umzugehen ist, wann solch ein Wert, wie in einen Zusammenhang
mit anderen Aussagen zu bringen ist, um etwa über ihn Größenbeziehungen darzustellen.
Theaitetos arbeitet also mit abstrakten Größen, die nicht einfach anschaulich zu machen
sind. Allerdings kann ich die Bezüge dieser Größen demonstrieren und so in einer Ope√
ration zeigen, dass solche eine Größe wie a nicht nur Sinn macht, sondern mit ihr auch

ob er Sokrates’ Ansprüchen genügen kann. unter denen solche Verhältniszuordnungen sinnvoll zu denken sind. Wie sind nun die beiden Positionen für die Ausgangsfrage fruchtbar zu . zu beobachten. die sich so in ihrem exakt zu bemessenden Bezug zueinander einstellen lassen. geführt hat. so helfe auch Sokrates jemandem. Daraufhin beschreibt Sokrates seine philosophische Tätigkeit durch den berühmten Vergleich mit derjenigen seiner Mutter. diesen Gedanken zur Welt zu bringen. der mit einem Gedanken schwanger gehe. Theaitetos Der Dialog Theaitetos ist eines der mittleren bis späteren Werke des Philosophen Platon. Diesen Vorschlag greift Sokrates auf und bringt ihn mit der These des Philosophen Protagoras in Verbindung. die Gedankengeburten darauf zu prüfen. sich dem von Sokrates anberaumten Dialog zu stellen.4. dass sie sind. ob sie wirklich etwas taugen oder bloße Scheingeburten sind. im Anschluss an die Untersuchungen des Theodoros von Kyrene über das Irrationale. dass nichts sei. dass die bloße Anschaulichkeit nicht zureicht. Er schlägt dann auch eine erste Definition des Wissens vor: Wissen sei Wahrnehmung. Und genau hierin entspricht Theaitetos in seiner mathematischen Problemstellung dem Denken Platons. das Sokrates mit dem jungen Theaitetos und Theodoros. Regeln festzumachen. die Hebamme war (nach dem griechischen Wort für die Hebammenkunst wird Sokrates’ Methode auch Maieutik genannt). Nun muss es darum gehen. Um hier nun weiterzukommen. Sokrates möchte jedoch auf eine allgemeine Definition hinaus. Theätet ist diese Art von Allgemeinheit aus der Mathematik zwar schon bekannt. Seine Hauptaufgabe sei jedoch. Damit zeigt sich zugleich. dass der Mensch das Maß aller Dinge sei. zeigt aber auf.1 Die griechische Antike 163 √ √ schlüssig zu operieren ist. die mir diese Art des Operierens sichern. das in a und b über ihre Quadrate in einem Verhältnis steht. was in diesen Zuordnungen einsichtig werden kann und was nicht. Diese Ergebnisse sind eingegangen in die Bücher X und XIII der Elemente des Euklid. Theätet ist daraufhin bereit. Von daher kann dargestellt werden. der Seienden. Gleich zu Beginn stellt Sokrates die Leitfrage des gesamten Gesprächs: Was ist Wissen? Theätet antwortet zunächst mit einer Aufzählung verschiedener Wissensarten. kann ich im Satz des Pythagoras beschreiben. zu bestimmen. Die so beschriebenen Körper stehen damit nun in einem rationalen Verhältnis. hilft es also nicht. aber er ist unsicher. der Nichtseienden. das jedoch durch nicht einsichtige (irrationalen) Werte bestimmt ist. sondern alles werde. dass über solch ein Verhältnis die Beschreibung bestimmter geometrisch darzustellender Körper möglich ist. Zudem habe Heraklit nun aber gesagt. zusammengesetzte Irrationalitäten der Gestalt und deren Zusammenhang mit den regelmäßigen Körpern. dessen Mathematiklehrer. Wie eine Hebamme den Frauen bei der Geburt durch die Steuerung des Geburtsprozesses helfen könne. Das scheint paradox. Und so studiert er. Der Hauptteil des Dialogs schildert ein fiktives Gespräch. der sagt. vielmehr sind die Beziehungen. Dass das Verhältnis von x mal a. mathematische Größen und ihre Beziehungen darzustellen. dass sie nicht sind.

dass es nicht zureicht. begründen. auf der die Mittelpunkte sämtlicher Flächen des Körpers liegen. Damit sind dann die verschiedenen Platonischen Körper auch in ihrer Vielfalt direkt in Bezug zueinander zu setzen und sind dann als eine aufsteigende Reihe mathematisch/geometrischer Grundfigurationen zu beschreiben. Sokrates prüft die Positionen und verwirft sie. und es reicht eben nicht zu zeigen. Auch von daher sind die Körper in eine Beziehung zu setzen. an denen sich zumindest implizit aufweisen lässt. Hier zeigen sich Grundformen von Verhältnisbestimmungen. das heißt. wie sie sich Platon als ideale Vorstellung von Figurationen in der Welt vorstellte. Demzufolge wäre also zu begründen. die mit einer Erklärung (Logos) versehen wäre. zu erfassen. Zudem lässt sich zu jedem Platonischen Körper eine eingeschriebene Innenkugel. jeweils in sich abgestimmt. und eine umschreibende Außenkugel. Regelmäßige Dualitäten entstehen immer dann. Schließlich sind diese Körper nach Platon aufeinander zu beziehen und so in einen direkten Bezug zu setzen: Wenn man einen Körper in einen anderen einschreiben kann. Hier zeigt nun Sokrates. dann sind diese Körper dual zueinander. Anzahl und Verteilung von Eckpunkten. keine Reflexion auf den Gegenstand. Schließlich kann sich in einem physiologischen Prozess ja kein Urteil. umschreibenden Platonischen Körpers in der Mitte berührt. Im Dialog Timaios beschreibt Platon fünf geometrische Körper. um als Wissen zu gelten. dann ist damit nicht Wissen zu begründen. wenn jede Ecke des einbeschriebenen Platonischen Körpers jede Fläche des äußeren. symmetrische Konfigurationen. Winkeln. Bei ihnen sind demnach die Relationen. Diese nach Platon dann Platonische Körper genannten Objekte sind aus regelmäßigen. schließlich könne man auch auf zufällige Weise zu wahren Meinungen kommen. der hier wahrgenommen wird. . dass es möglich ist. Nun folgen beide einer erweiterten Definition. gleichseitigen n-Ecken zusammengesetzte. dass nämlich Wissen eine wahre Meinung sei. Wahrnehmung eingehender zu erfassen. bestimmt dabei dann aber die Wahrnehmung als einen physiologischen Prozess. Mittelpunkten der Flächen – und der relativen Zuordnung all dieser Bemessungen Verhältnisbeziehungen aufzuweisen. dass ich die Wahrnehmung als solch einen Prozess zu beschreiben habe. was Logos sei. Er kann nun darlegen. und versucht nun erneut. auf der sämtliche Körperecken liegen. dass man sie besäße. Daraufhin folgt Sokrates mit Theaitetos einem zweiten Definitionsvorschlag: Wissen sei wahre Meinung.164 4 Die griechisch-römische Antike machen. finden. Woraus sich nun nach Ablehnung auch dieser Definition dieses Gespräch darauf richtet. warum die Meinung wahr sei. die in ihrer Symmetrie und organischen Harmonie die Figuration von Ideen verkörpern. mit diesen Körpern und deren Attributen – Längen der die Kanten bestimmenden Strecken. wie sie ein Mathematiker beschreiben kann. was mathematische Strukturen für Platon bedeuten. Wenn dies nun aber der Fall ist. dass eine Meinung wahr ist.

Es besteht aus zwei regelmäßigen Pyramiden zu je vier regelmäßigen. Das Hexaeder ist der Erde zugeschrieben. Wasser. kongruenten Fünfecken. die die Form einer Pyramide bilden. Diese Darstellung der Grundkörper und die ihnen inneliegenden Lage. Das Ikosaeder besteht aus 20 (ikosa) regelmäßigen. Das Oktaeder hat acht (octa) Flächen. d. man kann den je anderen Körper (z. B. kongruenten Dreiecken. kongruente Dreiecke. sechs Kanten und einen Flächenwinkel von ca. Platon hat die Platonischen Körper den Elementen Feuer. Die Platonischen Körper zeigen in ihrer Zuordnung und allmählichen Komplexitätssteigerung. der Würfel oder Kubus. Das Dodekaeder und das Ikosaeder sind dual zueinander. Das Hexaeder.18). Ikosaeder-Dodekaeder. wie sich nach Platon die Darstellung von Figurationen mathematisch geometrisch fassen ließ (Abb. An einer Raumecke stoßen fünf Flächen aneinander. Es besitzt zwölf Ecken und 30 Kanten. der mit ihnen die Bahnverhältnisse der Planeten zueinander beschrieb Der einfachste Körper ist das Tetraeder. 4. Das Isokaeder entspricht nach Platon dem Wasser.1 Die griechische Antike 165 Abb. besteht aus sechs (hexa) regelmäßigen. Es hat vier Ecken. 70°. h. Dies sind vier regelmäßige. kongruenten Quadraten mit 12 gleichen Kanten und 8 Ecken. 4. Erde und dem Weltganzen zugeordnet. Das Dodekaeder besteht aus zwölf (dodeka) regelmäßigen.4. das vier (tetra) Flächen besitzt. . kongruenten Dreiecken und einem Quadrat als Grundfläche. Das Oktaeder steht für Luft. Es besitzt 20 Ecken. sechs Ecken und zwölf Kanten. welche sich paarweise parallel gegenüber liegen. Dodekaeder-Ikosaeder) einschreiben. Luft.18 Darstellung der Platonischen Körper durch Kepler.und Größenzuordnungen werden dann in der Diskussion der Mathematik nach Platon auch selbst bedeutsam.

Zehnern und Hundertern die Zahlen 1 bis 999 schreiben. während die beiden anderen jeweils von der Reihenfolge der Buchstaben im Alphabet ausgingen. wurde das alte San oder Tzade.2. Chr. beispielsweise τι = 310. also 8 = η (Eta). Jhr. denen dann entweder nach dem milesischen Prinzip dekadisch gestufte Zahlwerte oder aber nach dem Thesis-Prinzip unmittelbar aus deren Stellung im Alphabet abgeleitete Zahlwerte zugeordnet wurden. Letzteres fand aber. • 900 = Sampi – Sampi oder Tsampi entspricht dem phönizischen Sade (San). • 6 = Digamma – Es entspricht dem lateinischen F. als Tsampi.1. wieder eingegliedert. setzte bei den Anfangsbuchstaben der Zahlwörter an. Seit antiker Zeit sind drei verschiedene Darstellungsarten zu unterscheiden. Im 4. 88 = πη (Pi + Eta = 80 + 8).2. 4. Um die hierfür benötigte Gesamtzahl von 3 × 9 = 27 Zeichen zur Verfügung zu haben.1 Eudoxos von Knidos und die Geburt des modernen arithmetischen Denkens Die griechischen Zahlzeichen Die griechischen Zahlen werden durch Buchstaben als Ziffern dargestellt. indem man etwa 200 = σ (Sigma).2 Eudoxos 4.19). Um die Zahlen im Schriftbild von Wörtern zu unterscheiden. bei den Mathematikern keine Verwendung. 202 = σ β (Sigma + Beta = 200 + 2). das akrophone Prinzip. da es auf nur 24 Werte beschränkt ist. durch die Buchstaben ihres eigenen Alphabets. v. also das lateinische Q. Seither spricht man vom „alphabetischen Zahlensystem“ (Abb. der Zehner und der Hunderter. auf den letzten Platz gesetzt. ersetzten die Griechen die ersten drei. Es teilt das Alphabet in drei Gruppen von je neun Zeichen für die Darstellung der Einer.2. wurden zum Zweck der Zahlendarstellung drei alte Buchstaben. Auch die hieratischen Zahlen zwischen 1000 und . Die ersten Zahlzeichen basierten auf der hieratischen Notation der Ägypter. Während F und Q ihren ursprünglichen Platz im Alphabet einnehmen.1.166 4 Die griechisch-römische Antike 4. wurden Erstere in den Handschriften meist mit einem Strich überschrieben. sowie dem hebräischen Tzade. Mit diesen 27 Zeichen und den ihnen fest zugeordneten Zahlwerten ließen sich durch additive Verbindung von Einern. der aus jeweils neun Ziffern bestehenden hieratisch-demotischen Zahlenreihen. • 90 = Koppa – Das ist das alte Qoph. 318 = τιη (Tau + Iota + Eta = 300 + 10 + 8). Die älteste. die in der griechischen Schrift bereits ausgeschieden waren. das eigentlich zwischen P und Q steht. 220 = σ κ (Sigma + Kappa = 200 + 20) schrieb. Ein Zeichen für die Null gab es nicht und war für die Zwecke der Zahlschreibung auch nicht erforderlich.

demnach er zeigte. Von ihm sind zwar keine eigenen Werke überliefert. der zugleich auch als Astronom.19 Die griechischen Zahlzeichen . Damit sind dann etwa die Größen der Platonischen Körper bestimmbar und diese in ihren Maßfunktionen direkt ineinander überführbar. Zudem entwickelte er das Verfahren des indirekten Beweises. um zumindest sein mathematisches Denken in seinen Grundlinien zu umreißen. Chr. wie sich eben bestimmte Verhältnisbestimmungen nicht denken ließen. engen Kontakt mit Platon stand. Das Verfahren erfordert die klare Darstellung der Ausgangssituation. um 355 v.).4. einer der wohl bedeutendsten antiken Mathematiker. Überliefert sind zudem einige Beiträge des Eudoxos zur Diskussion innerhalb der von Platon gegründeten Akademie – so eine von Eudoxos formulierte Variation der Ideenlehre sowie Überlegungen zur Ethik. Mittels dieses Verfahrens leitete Eudoxos die Sätze über Rauminhaltsbestimmungen nicht ebenflächig begrenzter Körper ab. genügend Material. Abb. Seine Hauptleistungen bewegen sich aber im Bereich der Mathematik. um 408. Er entwickelte eine mathematische Größenlehre. gest. das die formal möglichen mathematischen Kombinationen benennt.1 Die griechische Antike 167 9999 können als alphabetische Zahlen dargestellt werden. Etwa zeitgleich mit Platon lebte Eudoxos von Knidos. doch geben die Verweise in den Texten der folgenden griechischen Mathematiker. geb. 4. den Aufweis aller Denkmöglichkeiten und ein strenges Auswahlverfahren. Chr. ausschließt. die zu keinen sinnvollen Schlüssen führen. Dazu wurde der erste Zahlbuchstabe durch Hinzufügung eines diakritischen Zeichens mit Tausend multipliziert. Damit ist also eine umfassende Einsicht in den Aufbau eines mathematischen Aussagegefüges und eine strenge Bewertung der Konsistenz mathematischer Aussagen und mathematischer Operationen Voraussetzung solch eines indirekten Beweisverfahrens. sie in ihrer Konsequenz aufzeigt und dann diejenigen. um so in einem umfassenden Ausschlussverfahren schließlich die Geltung einer mathematischen Aussage beweisen zu können. vor allem die Angaben bei Euklid (dem Autor des ältesten uns überlieferten umfassenden Lehrbuches der beweisenden Mathematik aus der Zeit um das Jahr 300 v. Geograph und Arzt wirkte und in direktem. Die Ergebnisse von Eudoxos finden sich eingearbeitet in die Bücher V und XII der Elemente des Euklid. die auch die irrationalen Zahlen mit umfasste..

auch aus dem babylonischen oder ägyptischen Raum übernommenen geometrischen Konstruktionsverfahren bewerten und ggf. die Euklid von Eudoxos übernahm. Wenn dies möglich ist. So gilt etwa für die Berechnung des Flächeninhaltes eines Kreises. das heißt umgesetzt in ein Berechnungsverfahren. Ferner findet sich schon bei Eudoxos eine Lehre von den Kegelschnitten. Sind also unabhängig von den verwandten Notationsverfahren Proportionsverhältnisse darstellbar. Wird ein Quadrat unter Beibehaltung des Umfangs in ein Rechteck verwandelt. ohne hierzu einen eigenen Begriff zu bilden. Wie wäre dies nun zu beschreiben. über die mathematische Größen – im Sinne des Eudoxos – aufeinander zu beziehen sind. schlicht als mathematische Größen. mit der der Umfang und der Radius eines Kreises in Bezug zueinander zu setzen sind. Zentrale Passagen. Nur waren diese Verfahren analytisch. Er fasste die Begriffe der Zahl (arithmos) – worunter er auch die Eins rechnete – der Länge (gramma). gar beweisen. mit denen sich Zuordnungen von Körpern beschreiben ließen. die später so genannte Exhaustionsmethode.168 4 Die griechisch-römische Antike Eudoxos’ mathematische Neuerungen bedeuteten den wohl tiefsten Einschnitt in der Geschichte der griechischen Mathematik. Die damit in ihren Grundzügen konturierte Lehre von den (mathematischen) Größen nahm Aristoteles auf. ob es über die Traditionen hinaus zu beweisende Regeln gibt. und die jeweiligen damit einhergehenden Veränderungen der Maße dieses Kreises wie Radius und Umfang sind auch analytisch darstellbar. so ergibt sich die Schwierigkeit. nach denen geometrische Größen zu behandeln sind. zu großen Teilen nur in Näherungen zu beschreiben. die auf √ irrationalen Verhältnissen beruhen – wie etwa der Zahl  oder von Maßzahlen wie der Größe. ein mathematisches Verfahren zur Bestimmung des Goldenen Schnittes – also eine direkte Anwendung seiner Proportionenlehre – sowie neben der schon benannten Herleitung der Sätze über Rauminhaltsbestimmungen nicht ebenflächig begrenzter Körper. analytisch zu bestimmen? . Soll also entschieden werden. mit denen Geometer in der Praxis umgehen. so verändern sich auch die Beziehungen zwischen den Längen der Seiten dieser beiden Vierecke und der jeweiligen Diagonalen zueinander. der räumlichen und der zeitlichen Ausdehnung (sterea und chronos) zusammen und beschrieb sie. Dabei sind die Verfahren in Ägypten und Babylon auch nicht deckungsgleich. kann ein Kreis vergrößert werden. dass für eine arithmetische Fassung solch eines Beweises schlicht die Mittel fehlen. in der auch Größenbeziehungen beschrieben sind. wie es Euklid im Buch XII der Elemente darstellt. Er bestimmte mit den so gewonnenen Instrumentarien die Volumina von Pyramide und Kegel. Das Problem der antiken Mathematik vor Eudoxos – darauf werden wir noch einmal detaillierter in einer umfassenderen Analyse der verschiedenen Entwicklungsschritte des mathematischen Denkens in Griechenland eingehen – bestand darin. Will ich nun die ggf. betreffen das sogenannte archimedische Axiom und eine allgemeine Proportionenlehre. so ist zu fragen. Dessen Schüler Aristoxenos nutzte dann diese Größenlehre für die mathematische Musiktheorie und beschrieb mit ihrer Hilfe Harmoniebeziehungen. dass hierzu mit einer irrationalen Zahl. zu operieren ist. der Zahl π. dass Konstruktionsverfahren etabliert waren. um Umformungen und Praktiken. die sich in der Antike nur in einer Näherungsfunktion ausdrücken ließ. wie im Weiteren zu verfahren ist.

die sich nicht mit den Mitteln der (antiken) Arithmetik beschreiben ließen. als eine Verhältnisbestimmung aufzufassen. in denen die Größen zueinander stehen. 3. wie also eine Strecke n zu finden ist. So kann ich das Quadrat teilen. wenn bei beliebiger Vervielfältigung die Gleichvielfachen der ersten und dritten den Gleichvielfachen der zweiten und vierten gegenüber. wie ich etwas abzählen kann. Eudoxos sucht nun derartige Größenverhältnisse (Proportionen) auch für solche Fälle noch beschreibbar zu machen. Darmstadt 1991. Will ich es teilen. in der Verfahren angewendet wurden. Wenn diese Art des Ins-Verhältnis-Setzens nun a und 17 Def.17 Damit erweitert Eudoxos die Proportionenlehre. er bezieht sich auf Abzählbarkeiten. Demnach konnten dann – wie benannt – in der Geometrie Größenverhältnisse auftreten. es √ entspricht . dass schon die einfachen geometrischen Körper in ihren Verhältnisbestimmungen nicht einfach arithmetisch aufzulösen sind. hießen inkommensurabel. die sich aber nicht in den bisherigen Begriffen der antiken Mathematik darstellen ließen. ist die einfachste Art. diese Verfahren selbst ernst zu nehmen und die Zuordnungsverhältnisse der verschiedenen Größen. nur ist diese Zahl eben nicht rational aufzulösen. sondern vielmehr die Größenordnungen. die erlangten Dreiecke neu zusammensetzen. 2. mit denen er in diesen Verfahren umgeht. die sich über die angewandten Konstruktionsverfahren direkt aufeinander beziehen lassen. Strecken. . es ist keine Bruchzahl. bedeutet dies: Es gibt keine Bruchzahl. nicht mehr in abzählbaren Einheiten zu bestimmen und so als Maßoperationen nachzurechnen. b derart bestimmt. durch deren Vervielfachung man sowohl die beiden Seiten wie auch die Diagonale erzeugen kann. die in abzählbaren oder eben nicht abzählbaren Maßrelationen auszudrücken ist. die das Verhältnis Länge der Diagonalen: Länge der Seite wiedergibt. S. die erste zur zweiten wie die dritte zur vierten. dass sich in den unterschiedlichen so zu gewinnenden Figuren die Grundfläche der entsprechenden zweidimensionalen Körper nicht ändert. Dabei waren in der antiken Mathematik nur natürliche Zahlen (1. Es resultiert ein Dreieck mit einer Grundlänge. entweder zugleich größer oder zugleich gleich oder zugleich kleiner sind. Dies ist aber unbefriedigend. Die Elemente. Allerdings gibt es keine Strecke. die in einem Verhältnis x zu den Längen der beiden Seiten steht. 5. Der Schritt des Eudoxos ist nun. indem er nicht bei der Darstellung abzählbarer Größenbestimmungen verbleibt. . Euklid beschreibt nun im Buch V der Elemente den Lösungsansatz von Eudoxos: Man sagt. ) und Bruchzahlen bekannt. Es geht ihm nicht mehr darum. Euklid. wäre man doch so auf eine Praxis verwiesen. die die Strecken a. paarweise entsprechend genommen. Die Geometrie arbeitet aber mit Größen. Der hier verwandte Zahlbegriff ist zu eng. Betrachten wir etwa ein Quadrat. 91. daß Größen in demselben Verhältnis stehen.4. Zwar ist das Verhältnis mit modernen Mitteln ganz einfach anzugeben. . so dass a und b über eine Maßzahl ineinander überführbar sind. deren Größenverhältnis nicht durch die antike Arithmetik beschreibbar war. In die Sprache der Arithmetik übersetzt. dass deren jeweilige Ausdehnung über a mal n und b mal n zu zeichnen ist. eine Diagonale durch zwei schräg gegenüber liegende Eckpunkte dieses Quadrates zu ziehen. .1 Die griechische Antike 169 Dabei besteht das Problem. und ich weiß aus dem Konstruktionsverfahren. dies zu tun. die so zwar praktikabel und von der Konstruktion her einsichtig sind.

Die Arithmetik gewinnt damit bei Eudoxos eine völlig neue Dimension. jeweils zu einem Widerspruch führt (Abb. Denke ich dieses sich Ins-Verhältnis-Setzen – modern gesprochen – als eine Funktion. Auch wenn es für dieses „Wieviel“ keinen abzählbaren Wert gibt. wie die Behauptung. Ausgehend von der Annahme. die bei der Behandlung von geometrischen Problemen angewendet wurde. indem ich die Säulen immer kleiner werden lasse. das Volumen der Ausgangsfigur durch Addition der entsprechenden Werte der Teilfiguren. Kegeln und Kugeln und bezieht sich hierin explizit auf Eudoxos. ein Maß gegeben. so könnte ich die Idee der abzählbaren Zahl durch diese Idee einer funktionalen Beziehung. Zusätzlich zu diesem Ausschöpfverfahren kann nun die entsprechende gekrümmte Fläche so bestimmt werden. Die Grundidee besteht darin. dass das Volumen eines Kegels kleiner ist. ersetzen. dass sie größer ist. Damit wird die durch eine Zahl angegebene Beziehung mathematischer Größen schon bei Eudoxos zu so etwas Ähnlichem wie einem Funktionswert. Der Beweis wird in Form eines indirekten Beweises ausgeführt. dann wäre doch umgekehrt dieses Ins-Verhältnis-Setzen vielmehr selbst der Maßstab. Entsprechend kann in der weiteren Konsequenz die Idee der Zahl. Entsprechende Beschreibungen kennen wir – wie benannt – zwar schon aus babylonischen Quellen. Die Exhaustionsmethode ist eine Beweistechnik. Darüber hinaus ist Eudoxos der Erfinder der für die Mathematik so überaus wichtigen Exhaustionsmethode. So kann ich die Fläche unter einer gekrümmten Strecke in eine Folge von Säulen zerlegen und nun die Säulen sehr schmal werden lassen. Dem kann ich begegnen. wird gezeigt. respektive den dann in einer arithmetischen Formel auszudrückenden Funktionswert. Prismen. Natürlich bleibt dann ein Rest von Bogenfläche über den Säulen stehen. um so die Zuordnung der mathematischen Größen zu bestimmen. als Darstellung eines Abzählungsverhältnisses aufgegeben werden. dass das Volumen eines Kegels stets 1/3 des Volumens des umschreibenden Zylinders ist. Wenn er aber die Verhältnisbestimmung selbst zum Ansatz nimmt. Geringeres und Größeres zu beschreiben sucht. Größen in Bezug zu setzen. So weit geht Eudoxos noch nicht. so ist dann doch über die Tatsache. Ich kann dann die Folge der Säulen bemessen und die Fläche qua Addition ermitteln. über den die verschiedenen Größen aufeinander zu beziehen sind. das Volumen einer gegebenen Figur durch Ausschöpfung (Exhaustion) bestimmt.170 4 Die griechisch-römische Antike b in Bezug zueinander bringt. Zylindern. Dessen in der Antike besonders gewürdigte Leistung war die Darstellung des Volumens eines Kegels: Eudoxos zufolge entspricht das Volumen eines Kegels einem Drittel des Volumens des umschreibenden Zylinders. Im Buch XII der Elemente beschäftigt sich Euklid mit Pyramiden. Folglich muss das Volumen genau gleich 1/3 des umschreibenden Zylinders sein. also gleich Großes. 4.) wird eine entsprechende Vermutung zugeschrieben. . dass sowohl die Behauptung. Dazu zerlegt man im einfachsten Fall eine gegebene Figur in endlich viele Teilfiguren und ermittelt dann die Fläche bzw. und auch Demokrit von Abdera (460–370 vor Chr. Eudoxos aber bewies diesen Satz: In Euklids Elementen wird der Satz zum Kegelvolumen als Satz 10 von Buch XII vorgestellt. dann fragt sich in einer anderen Weise nach dem „Wieviel“ der Zuordnung. dass sich so allein in der Zuordnung dieser Größen in Bezug zueinander deren relative Größenordnungen beschreiben lassen. dass man die Fläche bzw.20). Sie ist dann als eine Maßzahl zur Verhältnisbestimmung darzustellen.

4. die durch die dicht stehenden Säulen. die unter der Begrenzungslinie der Fläche verbleiben.20 Der von einem Zylinder umschriebene Kegel hat 1/3 des Volumens des Zylinders dass Säulen gebildet werden. so gewinne ich einen Näherungswert für die Fläche oberhalb der Untersumme.2 Das kosmologische Modell des Eudoxos Als Astronom begriff Eudoxos den Kosmos nicht mehr einfach als eine undifferenzierte Einheit. 4. Demnach habe ich eine Unter. 4.4.2.1 Die griechische Antike 171 Abb.und eine Obersumme zu der gekrümmten Fläche. sondern als ein nach regulären mathematisch darstellbaren Beziehungen organisiertes Gefüge von Körpern. 4. so ist insgesamt ein Näherungswert für die zu bemessenden gekrümmte Fläche gewonnen (Abb. die sich nach bestimmten Maßzahlen zueinander in Bezug Untersumme Abb. dass immer noch ein Eckpunkt der Säule auf der Umhüllenden der Fläche liegt. Diese entspricht der Hälfte der Differenz von Ober.und Untersummen. nicht abgedeckt ist. Wird dieser Wert der Untersumme hinzugezählt.21). Ziehe ich dann die beiden Flächen der kleineren und der größeren Säule voneinander ab.1.2.21 Exhaustionsmethode Obersumme . die über diese so hinausführen.

da Aristoteles in Kapitel 8 des XII. Um diese bewegen sich nun der Fixsternhimmel und 7 astronomische Objekte: Sonne. Darin beschreibt er die Bewegung der einzelnen 7 astronomischen Objekte relativ zu dem Fixsternhimmel. Dabei soll er als Geograph auch den Umfang der kugelförmig gedachten Erde näherungsweise berechnet haben. Die Erde – wie auch alle anderen Himmelskörper – begriff er als Kugeln. versuchte Eudoxos die Bewegung der Himmelskörper durch ein System von rotierenden Sphären darzustellen (Abb.22 Querschnitt durch die homozentrischen Kugeln des Modells von Eudoxos (schematische Skizze) 4 Die griechisch-römische Antike nördlicher Himmelspol Erde setzten und entsprechend dann auch nach diesem Maß zueinander bewegt sind. Venus.172 Abb. Dieses Modell hat im Weiteren dann Aristoteles mit einigen Modifikationen von ihm übernommen. Mond und die fünf Wandelsterne Merkur. Er nimmt also die Beobachtungen der Astronomen auf. Vorausgesetzt wird die Kugelgestalt der Erde. die Eudoxos in den Mittelpunkt des Kosmos setzt. Die Erde führt ihm zufolge keine eigenen Bewegungen aus. 4. Mars. Für jedes dieser astronomischen Objekte hat Eudoxos je ein eigenes Modell entwickelt.22). 4. Jupiter und Saturn. Sie bestehen jeweils aus der äußeren . Buches der Metaphysik wie auch der spätantike Aristoteles-Kommentator Simplikios (Simplicius) ausführlich auf die Vorstellungen des Eudoxos eingehen. Er soll zudem auch die Grundsätze für die Bestimmung des geographischen Ortes aufgestellt haben. die die Bewegungen der verschiedenen Planeten in Bezug auf den Fixsternhimmel registrieren. Ferner wird ihm auch eine Sternenkarte zugeschrieben. Um nun die Bewegung der Himmelskörper zueinander zu verstehen. Trotz des Verlustes seiner Werke ist eine Rekonstruktion dieses Modells möglich.

noch weitere Bewegungssphären hinzuzuden- . Dieses Modell ist somit zunächst ein mathematisches. Für die Wandelsterne Merkur. hat dessen Modell – zusammen mit Aristoteles – nun noch weiter verfeinert. Die innerste Sphäre trägt dabei jeweils das astronomische Objekt. Dabei stehen auch hier die einzelnen Modelle nebeneinander. Deren zu registrierende Bewegung ist nun die Resultierende der beiden jeweils zu addierenden einfachen Bewegungen der zwei Sphären. Dabei war Kallippos nicht nur ein Theoretiker. die Bewegung der Himmelskörper durch die Kopplung mehrerer gleichförmiger Kreisbewegungen. Die Fixsternsphäre dreht sich einmal pro Tag um 360°.3 Kosmologie nach Eudoxos 4.3.1 Kallippos von Kyzikos Kallippos von Kyzikos (ca. deren sehr viel komplexere Bewegung relativ zum Fixsternhimmel wird demnach als das Resultat von drei sich überlagernden Teilbewegungen dargestellt.2. Für Platon kamen nämlich nur gleich. Er zerlegt also in seinem Modell den Kosmos in einzelne Figurationen.). Jupiter und Saturn setzt Eudoxos drei innere Sphären ein. So hat er u. 370–325 v. Venus. sondern auch ein beobachtender Astronom. Für die Darstellung der Bewegung der Sonne und des Mondes benutzt Eudoxos jeweils zwei solche innere Sphären. 4. An der Fixsternsphäre ist die erste innere Sphäre über eine Drehachse befestigt.2. das Modell der gekoppelten Kreisbewegungen noch weiter auszubauen und für die Darstellung des komplexen Bewegungsablaufes.4. So wird die erste innere Sphäre einerseits mit der Fixsternsphäre mitgeführt. Damit kann Eudoxos die komplizierte Gesamtbewegung als Komposit von jeweils zwei perfekten Kreisbewegungen beschreiben. Chr.1. so dass sich die Bewegungen der beiden Sphären dann insgesamt aufaddieren. obwohl ihn seine Beobachtungen dazu zwangen. die Länge des astronomischen Jahres auf 365¼ Tage bestimmt. Damit verbindet Eudoxos in seinen sieben Modellen das Streben nach genauer Modellierung der Naturphänomene mit den philosophisch-ästhetischen Grundsätzen aus Platons Überlegungen zur Himmelsmechanik. Ganz analog ist die zweite innere Sphäre an der ersten inneren Sphäre befestigt.1. Auf der zweiten inneren Sphäre ist denn auch jeweils der Mond oder die Sonne zu denken. damit weicht er vom heutigen Messwert nur um einige wenige Minuten ab. ein Schüler des Eudoxos. a. Mit jedem der 7 Modelle kann nur die Bahn eines einzigen der 7 Himmelskörper modelliert werden. Mars. in dem nun die Bewegungen der Himmelskörper durch Überlagerung perfekt kreisförmiger Bewegungen nachgeahmt werden. die miteinander verknüpft sind. die er zwar zusammen denkt. andererseits dreht sie sich aber auch relativ zur Fixsternsphäre. sodass Eudoxos jeweils für einen Wandelstern dessen Bewegung gegenüber dem Fixsternhimmel darstellen kann.wie kreisförmige Bewegungen als Grundlage der Himmelsmechanik in Betracht. In seiner Modellausweitung hat Kallippos die Grundidee des Eudoxos. für seine Berechnung aber als jeweils unabhängige Größen beschreibt.1 Die griechische Antike 173 Fixsternsphäre und 2 oder 3 inneren Sphären. beibehalten. speziell der Wandelsterne.

Bedeutung. dann gegen dessen Laufbahn. so habe ich zusätzliche Hilfssphären einzubauen. Deutlich ist damit zum einen. bezogen auf die Bahn des äußeren Planeten. Tragen wir diese Bewegung nunmehr als eine einfache Bewegung des Planeten relativ zum Fixsternhimmel an. in anderen Geschwindigkeiten sich vollziehende Bewegungen deutbar.174 4 Die griechisch-römische Antike ken. Insoweit gewinnt denn auch der Hinweis. oder auch auf einer genaueren Darstellung des Winkels. Wie problematisch eine befriedeigene Modellierung der Planetenbahnen ist. auch das ist festzuhalten. Halten wir die Erde nun aber fest. in dem bestimmte Fixsterne zu einer bestimmten Zeit darzustellen sind. dass die Erde feststeht. Will ich dann die Größe der Schleife und die relative Zeit der Bewegung messen. zugleich dreht sich die Erde um sich selbst. sind die Bewegungen der verschiedenen Planeten sehr viel einfacher als parallele. nun nicht einfach die Bewegungslinien der Planeten gegenüber dem Firmament aufzunehmen. Diese Ausführungen zeigen.23). so habe ich die einfache Kreisbewegung des Planeten mit einer Gegenbewegung zu koppeln. und wenn sie nun ihren Kreis um die Sonne schließt. sind präzise Daten und eben auch eine all die Veränderungen des Fixsternhimmels im Jahresverlauf darstellende Ster- . Halte ich nun die Erde fest und beschreibe ich die Veränderungen des Fixsternhimmels im Jahreslauf. Dann ist die Eigenbewegung des Fixsternhimmels von den erarbeiteten Positionsdaten gleichsam abzuziehen. Bedenken wir zudem noch. so bedeutet dies. so vollzieht dieser äußere Planet in seiner Bewegung um die Erde scheinbar eine Schleife. Will ich diese unter der Voraussetzung verstehen. Schließlich sind all diese Unregelmäßigkeiten aus den Positionsdaten zu erschließen. Nun liegt die Erdachse allerdings schräg zur Bewegungsachse der Erde um die Sonne. die in Winkelgeschwindigkeit und Ausdehnung aufeinander abgestimmt sind. bewegt sich die Erde. Wenn wir heute die Erde um die Sonne kreisen lassen. 4. zum relativen Sonnenstand – bezogen auf die jeweilige Jahreszeit. So kann ich denn in einer entsprechend komplexen Addition einfacher Kreisbewegungen. Als Daten sind mir. läuft sie seinen Bewegungen vor. da wir sie als das Zentrum der Planetenbewegungen ansehen. dass er die Berechnungsverfahren für die Darstellung der Position auf der Erde dargestellt hat. ggf. so wird die Problematik der Interpretation der erhaltenen Beobachtungsdaten zumindest in groben Zügen deutlich. Wenn die Erde sich etwa schneller um die Sonne dreht als ein äußerer Planet. dass schon für Eudoxos ein umfassender und präziser Bestand an astronomischen Daten vorliegen musste. dass die real von uns gemessenen Bahnen keine Kreisbahnen sind und dass Bewegungsgeschwindigkeiten der Planeten in verschiedenen Phasen ihrer Bewegung um das Zentrum des Planetensystems unregelmäßig sind. ggf. auch diese komplizierte Bewegung darstellen. mag ein kurzer Blick auf unsere modernen Befunde zur Bewegung der Himmelskörper verdeutlichen. kann ich die relative Bewegung des Planeten zum Fixsternhimmel darstellen (Abb. wie kompliziert diese astronomischen Berechnungen sind. so habe ich wiederum zwei Bewegungen zu koppeln. Ist das geschehen. dass die relativen Bewegungen der Planeten gegenüber der Erde nicht gleichförmig verlaufen. Schließlich basiert solch eine Darstellung der Position auf der Erde auf astronomischen Daten. Vielmehr sind über das Jahr die verschiedenen Positionen eines Planeten gegenüber dem Fixsternhimmel zu notieren. Soll hierbei eine einigermaßen verlässliche Positionsbestimmung ermöglicht werden.

wie schon in dieser Phase die Methodik einer mathematischen Wissenschaft umgesetzt wurde. Die so gewonnenen Daten waren. 4. macht deutlich. sondern aus den Positionsdaten der Astronomen berechnet. Diese verbesserten Daten haben dann wieder Korrekturen am Modell des Eudoxos zur Folge. Das zeigt Kallippos selbst. Dass Kallippos das System dann verbesserte. wobei diese Kreisbewegungen als Kopplung von zwei oder mehreren miteinander verkop- . Diese Bewegungen wurden dann in eine Folge von Kreisbewegungen übersetzt. dann als Bewegungen vor dem Fixsternhimmel zu interpretieren. Dabei ist der Bezug nicht einseitig. wie dargestellt. Wir sehen also hier einen durchaus modernen „Wissenschaftsbetrieb“. zwingt zur Präzision der Datenerhebung. da man die Bahnen der Planeten nicht wirklich beobachten kann. wie sich schon in dieser frühen Phase Modellbildung und Beobachtung verzahnen.23 Scheinbare Bewegung des Planeten Mars vor dem dem Fixsternhimmel nenkarte notwendig. Insoweit erlaubt dieses Modell auch Rückschlüsse auf den umfassenden Kenntnisstandes der griechischen Astronomie. der zudem die Idee einer Mathematisierung im Sinne Platons sehr ernst nimmt und damit schon in einem ersten Schritt eine umfassende Kosmologie erarbeiten kann. wenn er die Dauer eines Jahres genauer bestimmt. Das Modell wirkt auch wieder auf die Beobachtung zurück. dass Eudoxos sein Himmelsmodell erstellen kann.4. Hierzu musste er aus Tabellenwerten die relative Position eines Wandelsterns über das Jahr ermitteln. Dies sind zugleich auch die Voraussetzungen dafür. Die Variationen. Das Vertrauen in die Berechnungsmöglichkeiten und die daraus folgende Ableitung zeigt. die Kallippos in Eudoxos Modell einbrachte. Dabei ist das gewonnene Modell ein mathematisches Konstrukt.1 Die griechische Antike 175 Abb. erarbeitete er aus seinen genaueren Berechnungen zu seinen Darstellungen der relativen Bewegungen dieser Himmelskörper in Bezug auf den Fixsternhimmel. um besser die gewonnenen Beobachtungsdaten einbinden zu können.

1074a).1. Kapitel 8. müssten noch je zwei hinzugefügt werden. Jede einzelne dieser Schalen bewegt sich gleichmäßig. Buch XII. die die beobachtete Bahn eines Himmelskörpers gegenüber dem Fixsternhimmel zumindest in etwa zu modellieren erlaubt. doch der Sonne und dem Mond.5 Kallippos Mond 3 5 Merkur 4 5 Venus 4 5 Mars 4 5 Jupiter 4 4 Saturn 4 4 Summe 26 33 Auf der Grundlage des durch Kallippos bearbeiteten Modells des Eudoxos formulierte dann Aristoteles sein Modell des Kosmos. In der Überlagerung dieser einfachen Bewegungen resultiert dann eine komplexe Bewegung. Buch XII. sind demnach als Resultierende der Kombination verschiedener Kreisbewegungen zu verstehen. begründet sich nun allerdings nicht einfach nur aus den Notwendigkeiten einer mathematischen Konstruktion. die man beobachten kann. h. d. meinte er. Metaphysik. der Ordnung ihrer Abstände mit Eudoxos überein. Aristoteles hält an der Kreisbahn als der alleinigen Bewegungsweise der astronomischen Objekte fest. sucht er ein einziges Sphärenmodell zur Beschreibung des gesamten Kosmos vorzustellen. ob nicht auch schon Eudoxos in seinem Modell versuchte. nach dem solch eine Kosmologie als Ganzes in Funktion zu setzen wäre. wenn man die wirklichen Erscheinungen darstellen wolle. Die resultierenden komplexeren Bewegungen der Himmelskörper. auch schrieb er dem Jupiter und dem Saturn dieselbe Anzahl von Sphären zu wie jener. die komplizierteren Bewegungen der Himmelskörper als Resultat der Kombination einer Fülle von einzelnen Kreisbewegungen zu verstehen. Sind die Darstellungen von Eudoxos und Kallippos zunächst ein Modell zur Berechnung der Bahnen der einzelnen Planeten. Diese Idee.2.2 Die Kosmologie des Aristoteles Wie Aristoteles in 8 Kapitel seines Buches.3. sondern ein funktionsfähiges Modell vorzustellen. aufgefasst wurden. Sicher sind wir in dieser Bewertung aber erst bei Aristoteles. und jedem anderen der übrigen Planeten noch eine (Aristoteles. wie er es im Buch XII seiner Metaphysik darstellt. 1073b).176 4 Die griechisch-römische Antike pelten Schalen. Für Anzahl der verwandten Sphären ergibt sich damit folgendes Bild: Modell Sonne Eudoxos 3 Eudoxos. Hierin nimmt Aristoteles vielmehr ausdrücklich die . Allerdings ist es für uns heute schwer zu erfassen. Denn Beitrag des Kallippos zur Weiterentwicklung des Himmelsmodells des Eudoxos fasst Aristoteles in seiner Metaphysik wie folgt zusammen: Kallippos stimmte in Betreff der Lage der Sphären. also mehr als ein optimiertes Modell zur Berechnung der einzelnen Planeten vorzulegen. reale kosmologischen Bezüge der Himmelskörper zueinander zu beschreiben. so versucht Aristoteles diese Bahndarstellungen nicht einfach nur zusammenzudenken. Kapitel 8. 4. Aristoteles geht also gegenüber seinen Vorgängern noch einen Schritt weiter. dessen Schriften hier eindeutige Rückschüsse erlauben. im Anschluss an die Darstellung der Leistungen des Eudoxos und des Kallippos schreibt (Metaphysik.

da Aristoteles die Eigenbewegungen der verschiedenen Wandelsterne auf die Fixsternsphäre abstimmen muss. wie die Bewegungsdaten der Planeten in einem mathematischen Modell darzustellen. Das kann er aber nicht in einer simplen Addition der Einzeldarstellungen machen. Für ihn ist dann. dass er dieses Modell nicht einfach nur als eine Darstellung begreift. dass er in diesen Zwischensphären dann auch die jeweiligen Bewegungen des anliegenden Planeten rückkoppeln muss. die er berechnet. Die zunächst als mathematische Konstruktionen vorgestellten Sphären. Im Resultat bewegt sich die innerste der neu eingefügten Zwischen-Sphären damit dann synchron zur äußersten Sphäre. Damit aber wären die Bewegungen der einzelnen Planeten selbst gekoppelt und das System liefe so sehr schnell aus dem Ruder. Dazu aber muss ein Gesamtmodell der kosmologischen Bewegungen vorliegen. die diese Versetzungen kompensieren. Denn diese Zwischensphären bewegen sich synchron mit der Fixsternsphäre. dass es die Himmelsmechanik direkt umsetzt. indem er zu jeder Bewegungssphäre. zu einem umfassenden Modell. Mond und den Wandelsternen darstellten. dass sich mit ihnen die Bewegungen der Himmelskörper schlüssig darstellen lassen. so dass sich jeder Wandelstern jeweils für sich auf die Bewegung der Fixsternsphäre ausrichten kann. schiebt Aristoteles nun zusätzlich Zwischensphären ein. die ja jeweils die Bewegung von Sonne. Um dies zu verhindern. gewinnen für ihn derart eine physische Realität. wenn solch ein mathematisches Modell so formuliert ist. Wenn so nun im Gesamtmodell die Bewegungssphären der Planeten ineinandergreifen. Mittels dieser Zwischensphären gelingt es ihm. zu denken sind. So erlaubt ihm sein Modell nicht nur Konstellationen zu berechnen. Das geschieht.1 Die griechische Antike 177 Vorstellung von Platon auf. in denen sich die einzelnen Kreisbewegungen der Himmelskörper darstellen lassen. Aristoteles hat sich also so für jeden seiner Plane- . Schließlich sind hier ja Bewegungen aufeinander abzustimmen. dass im Kosmos nur ideale Bewegungen. was in der Natur aufgebaut ist. kombiniert Aristoteles nun die verschiedenen Modelle des Eudoxos. eine bewegungskompensierende Sphäre einschaltet. nichts. Die Tatsache. und damit Kreisbewegungen. Um dies zu erreichen. Hierfür ändert Aristoteles an den Berechnungsverfahren und den Einzellösungen des Eudoxos.4. Die mathematisch idealiter beschriebene Zuordnung der Dinge zueinander wird so im idealen Raum des Kosmischen zu einer naturphilosophischen Realität. was sich im Kosmos faktisch ereignet. Aristoteles sucht mehr als ein Kalkulationsprogramm für astronomische Bahndaten. Da er das Modell dabei in seinen Teilbereichen nicht entkoppeln kann. dieses Modell ein direktes Abbild dessen. respektive dessen Optimierung durch Kallippos. in seinem Modell die verschiedenen Sphären des Eudoxos gleichsam voneinander zu entkoppeln. so verschiebt dort jede Bewegung eines Planeten zu einem anderen dessen Position. die er zur Modellierung einer Planetenbewegung benötigt. sondern es wird zu der Repräsentation dessen. ist ihm Beleg dafür. Dabei wird in den Aussagen von Aristoteles explizit. und demnach auch jeweils zu berechnen sind. in der wir uns anschaulich machen. Dies bedeutet nun aber. Die Himmelsbahnen. dass solche Bahnen in der uns eben nur über solche Bahndaten einsichtigen Wirklichkeit der Kosmologie existieren. Er setzt deren Einzelmodelle einfach ineinander. der Fixsternsphäre. werden so bei Aristoteles zu einer kosmologischen Realität. muss er in ihm so alle Versetzungen der Einzelbewegungen der astronomischen Objekte zueinander kompensieren.

24).178 4 Abb. Dabei sind diese kompensierenden Sphären jeweils immer nur in Kreisbewegungen zu denken. Entsprechend muss also zur Kompensation einer komplexen Bewegung wieder ein komplexes Gefüge von gegenläufigen Sphären eingebracht werden. aufgehängt. 4. so dass für den jeweils unterliegenden Planeten. kompensiert. 4. ten. An dieser „zweiten“ Fixsternsphäre werden dann jeweils jetzt die inneren Sphären des Eudoxos-Kallippos-Modells. für den nächsten Wandelstern.24 Kosmologische Modellvorstellung nach Aristoteles Die griechisch-römische Antike nördlicher Himmelspol Wandelstern Erde Achsen in gleicher Farbe bewegen sich gegenläufig. oder den Mond oder die Sonne. die durch die Bewegung der anderen Wandelsterne entstehen. die Fixsternsphäre wieder in ihren Sollzustand gebracht ist (Abb. Sphären in gleicher Farbe bewegen sich synchron. für den Mond und die Sonne jeweils eine Art von zweiter Fixsternsphäre geschaffen: Er hat über diese Zwischensphären die Verschiebungen. So benötigt Aristoteles • • • • • • 1 Fixsternsphäre 3 innere Sphären für Saturn + 3 zurückführende Sphären 3 innere Sphären für Jupiter + 3 zurückführende Sphären 4 innere Sphären für Mars + 4 zurückführende Sphären 4 innere Sphären für die Sonne + 4 zurückführende Sphären 4 innere Sphären für Venus + 4 zurückführende Sphären . Die benötigten Sphären vervielfältigen sich derart.

Zentral für den Ansatz des Aristoteles ist der Nachweis. sich in einer bestimmten Weise um die Erde zu bewegen. auch in ihrer materiellen Zusammensetzung. die auch ohne unmittelbare Einwirkung von außen Bestand haben. und die Sphäre unterhalb des Mondes. ist das Universum identisch mit dem ewigen. Die Bewegung der Himmelskörper ist insoweit eine Eigenbewegung. und diese geht immer in Richtung des „natürlichen“ Ortes. auf den ein Objekt hinstrebt. dass ein Körper auf der Erde immer Richtung Erdmittelpunkt fällt. und dies ist für Aristoteles im sublunaren Bereich der Mittelpunkt der Welt. wie sie besonders in seiner Physik und in seinem Buch Über den Himmel dargestellt sind. die ohne unmittelbare Einwirkung von außen möglich ist.1 Die griechische Antike 179 • 4 innere Sphären für Merkur + 4 zurückführende Sphären • 4 innere Sphären für den Mond Das bedeutet. In dieser Form bildet es vielmehr die Gesamtbewegungen des Kosmos ab. und zwar gleichförmige Kreisbewegungen. der von einer Fixsternsphäre begrenzt ist. die in einer ewigen idealen Bewegung bestimmt sind. Sie ist eine Eigenschaft der entsprechenden Körper: Zum Wesen des Jupiter gehört auch die Eigenschaft. In der himmlischen Welt finden wir demgegenüber nur mehr ideale Bewegungen. jenseits deren keine Körper und deshalb auch weder Raum noch Zeit oder Bewegung sind. So erklärt er denn. Unveränderlichen und Unvergänglichen ab. 1074a). Nach den naturphilosophischen Anschauungen des Aristoteles. Somit wird dieses Modell nicht nur als eine Darstellung von einzelnen Bewegungskomponenten eines Wandelsternes interpretiert. in der unsere irdische Physik Geltung hat. Für ihn sind diese mathematisch darstellbaren Kreiskomponenten der komplexen Bewegungen der Wandelsterne real existent. Kapitel 8. des Ortes. in summa sind es nunmehr 49 Sphären. die fünf Planeten. der die verschiedenen Sphären in Gang gesetzt habe. Während unter dem Mond die Welt aus vier Elementen zusammengesetzt ist: Feuer. soweit sie für Aristoteles zu registrieren sind. Insgesamt ergeben sich damit 55 Sphären (Aristoteles: Metaphysik. kann sich dort eine Kreisbewegung auf ewig fortsetzen. Dabei unterscheiden sich – wie oben angedeutet – die Sphären.4. in denen sich die Fixsternsphäre. dass sich derart die Sphären des Eudoxos in ein einziges Modell integrieren lassen. Zur Erklärung des Beginns der Bewegungen in der Himmelsmechanik postuliert Aristoteles einen unbewegten Beweger. Die unterste (die uns nächste Sphäre) trägt ihm zufolge den Mond und trennt damit die sublunare (unter dem Mond liegende) Welt des Veränderlichen und Vergänglichen von den über dem Mond liegenden (supralunaren) Himmelsphären des Ewigen. Sonne und Mond im Aristotelischen Modell um die Erde bewegen. Dieser Beginn der Himmelsbewegungen liege aber unendliche Zeit zurück. Was- . Insofern könnte den zunächst im Modell postulierten und dann in der mathematischen Konstruktion umgesetzten Sphären im Kosmos denn auch eine Realität entsprechen. Buch XII. Und genau derart denkt Aristoteles. Sublunar gibt es für unbelebte Körper nur eine Art von natürlicher Bewegung. aber endlichen Raum des Planetensystems. womit weitere Zwischensphären einzubauen sind. Einmal erzeugt. Nun ist aber auch wieder dieser Bewegungskomplex gegen die Erde abzustimmen.

Klein. 4. Hg. Sambursky. S. Dabei gibt es dann in der irdischen Natur eine Hierarchie unterschiedlich vollkommener Ausformungen der Natur. In dieser Abstufung der Ausformung einer Natur sind die höheren Stufen von den niederen abhängig. The Platonic Cosmology.4 Weiterführende Literatur M. Leiden 1985. D. H. L. Zürich & Stuttgart 1965. T. Herzhoff. Heilen. So entwickelt sich über die Darstellung einer Himmelsmechanik eine ganze Naturwissenschaft. in denen sich die Natur aus sich entfaltet. Stuttgart 1994. 55–73. Baron. 3–4 (1998). Greek Mathematics. A History of Ancient Mathematical Astronomy. Early Greek Astronomy to Aristotle. S. Untersuchungen zur Kosmologie. Das physikalische Weltbild der Antike. R.180 4 Die griechisch-römische Antike ser. Maidenhead 1974 D. die vom Anorganischen zum Menschen führen. Die Theorie der Zahl im Platonismus. The Latin tradition.. . Wöhrle. Zugleich aber setzten sie in solcher Assimilation diese einfacheren Dinge in eine höhere Organisation um. The Stoic Tradition from Antiquity to the Early Middle Ages 2 Bde. Callippus and their Curves: Hippopedes and Callippopedes. S. Centaurus 40. Tübingen/Basel 2003. S. J. F. Stuttgart 2000. Heglmeier. Dickes. Leiden 1985. So assimilieren die höhern Formen die niedrigeren und binden sie in ein höheres Formprinzip ein. Greek Mathematics. Bd 2: Geographie und verwandte Wissenschaften. In K. die wir im Weiteren nunmehr eingehender zu betrachten haben. London 1970. Gericke. L. Physics of the Stoics. Stuttgart 2000. E. Geschichte der Mathematik und der Naturwissenschaften in der Antike. Gregory. Hg. Karfik. B.. F. Bde Notre Dame 1986. Seelenlehre und Theologie in Platons Phaidon und Timaios. Mathematik im Abendland. Massachusetts 1968. Ein neuer Ansatz zu den Sphärenmodellen des Eudoxos und des Kallippos. Neugebauer. Mendell. 2. S. Reflections on Eudoxus. R. München 2004. Colish. O. Sambursky. Greek Mathematical Thought and the Origin of Algebra. Böhme. Middle Platonism and Neoplatonism. Platons theoretische Philosophie. London 2000. Cambridge. Heath. Dabei sind diese Formprinzipien nicht etwa in einer Naturgeschichte entstanden. Döring. Platon. In: W. Radke. Mohr. 51–71. Springer 1975. A. Eudoxos von Knidos und Pytheas von Massalia. Mathematik in Antike und Orient. 6 (1996). G. Wiesbaden 2005. London 1959. kommt über dem Mond zu diesen Elementen noch ein fünftes Element hinzu (die Quintessenz). Mineola 1963. Gersh. Plato’s Philosophy of Science. sondern sie sind die konstitutiven Größen.1. G. H. Die Beseelung des Kosmos. Hübner. M. S. 177–275. Ein systematisches Lehrbuch. Antike Naturwissenschaft und ihre Rezeption Bd. S. G. die Akademie und die zeitgenössische Politik.2. Trampedach. Die griechische Astronomie zur Zeit des Aristoteles. Luft und Erde. Insoweit hat denn auch jede Form in der Natur ihren unveränderlichen Ort. sie gründen auf ihnen – so wie wir uns von Tieren und Pflanzen ernähren und die Luft zum Atmen benötigen. K.

69–93. Yavetz. Yavetz. A New Role for the Hippopede of Eudoxus. scheitert 281 Schlacht von Kurupedion. Ende des Seleukidenreichs 30 Ägypten wird römische Provinz .-J.4.000 Römern und Italikern in Kleinasien 86 Der römische Feldherr Sulla plündert Athen 64 Der römische General Pompeius erobert Syrien und richtet die Provinz Syria ein. I. 327–325 Alexander unternimmt einen Feldzug nach Indien 323 Tod Alexanders des Großen 320 Konferenz von Triparadeisos und Neuordnung unter den verbliebenen Diadochen 304 Begründung der Dynastie der Ptolemäer in Ägypten. Ptolemäus I Soter wird Pharao von Ägypten 301 Schlacht von Ipsos. die Reichseinheit zu bewahren.3 Hellenismus 334 332 331 Beginn des Feldzugs Alexanders des Großen gegen das Perserreich Gründung des ägyptischen Alexandria Entscheidungsschlacht von Gaugamela. Von Eudoxos zu Aristoteles. Archive für History of Exact Sciences 56 (2002) S. den Römern 168 Die Römer zerschlagen Makedonien 146 Die Römer zerstören Karthago und Korinth 141 Die Parther nehmen Mesopotamien in Besitz 133 Attalos III. die Parther beginnen ihre Eroberungszüge 216 Die Schlacht bei Cannae 192–188 Antiochos III. von Makedonien. 221–278. Waschkies. Ende der Diadochenzeit 280 Gründung des Museions in Alexandrien 250 Das Gräko-baktrische Reich wird gegründet. Das Fortwirken der Eudoxischen Proportionentheorie in der Aristotelischen Lehre vom Kontinuum. Archive für History of Exact Sciences 52 (1998) S. 4. Der letzte Versuch. I. wie schon 197 Philipp V.1 Die griechische Antike 181 H. unterliegt.1. Flucht des Perserkönigs Dareios. Amsterdam 1977. vermacht Pergamon testamentarisch den Römern 88 Vesper von Ephesos: Ermordung von etwa 80. On the Homocentric Spheres of Eudoxus. der 330 ermordet wird.

Die Akademie Platons und das Lyceum des Aristoteles verbleiben in Athen und sind weiter die führenden Bildungseinrichtungen des griechischsprachigen Raumes. ausgehend von seiner Darstellung.1. Karthago.und Bildungseinrichtung der Antike. ohne dass diesen nun im Westen des neuen Roms etwas Gleichartiges entgegengesetzt wird. Rom war durch die italischen Kolonien der griechischen Stadtstaaten schon lange in Kontakt mit dem griechischen Raum. ohne hier doch viel mehr als einen Absatzmarkt für die griechischen Produkte zu bieten. was .1 Aristoteles 4. Natur zu denken. Am Ende dieser Periode hat sich dann auch das machtpolitische Zentrum der Welt nach Rom ins westliche Mittelmeer verlagert.3. Platon forderte mehr. dass mit Platon Wissen nicht mehr auf einem Einfall und einzelnen Beobachtungen basiert. Chr. und damit einen Zeitraum. So wurde denn bei der Expansion dieser neuen Macht nach Osten von dieser das dort vorgefundene Kulturgut weitgehend ungefiltert angeeignet.1 Aristoteles und die Entwicklung der abendländischen Rationalität Mit Platons Philosophie ist das Wissenschaftskonzept des Abendlandes entwickelt. Die griechische Kultur dauert so ins römische Reich fort. in dem die Entwicklungen im Bereich des kulturellen und des politischen Raumes nur schwer in Deckung zu bringen sind. Die Wissenschaft spricht weiterhin Griechisch. Dennoch stellten sich mit dem politischen Aufbruch Roms die Rahmenbedingungen für eine weitere kulturelle Entwicklung der Antike um. Wissenschaftliche Aussagen gründen sich ihm zufolge nun nicht mehr einfach auf Plausibilität.1. das Erbe der Phöniker im westlichen Mittelmeerraum.1. die nach diesem Einfall zu strukturieren sind. vielmehr sind sie in einen Zusammenhang zu stellen. So sahen die ersten Versuche der Vorsokratiker aus. Das bedeutet. dessen weitausgreifende Handelsrouten werden nur in Teilen übernommen.182 4 Die griechisch-römische Antike Hellenismus Zeitlich gesehen umspannt die Periode des Hellenismus die Spanne vom Tod Alexander des Großen bis zum Ende eines eigenständigen ägyptischen Reiches 30 v. Vollzieht sich doch in dieser Periode der Aufstieg Roms und damit das Einbrechen einer bisher im Gefüge des griechisch-kleinasiatischen Raumes kaum relevanten Kultur. wird zerschlagen. die vormaligen Eroberungen des Alexander sind nicht mehr im Horizont der neuen Politik. nur fehlen ihr im Weiteren zusehends Impulse. Rom richtet den Handel und die Politik der Antike neu aus. wie eingegrenzt das ist.3. Das neue römische Reich fokussiert seine Interessen zunächst auf die direkten Anrainer des Mittelmeerraumes. der dann auch in der zugrunde liegenden Systematik des Bezugsnehmens auf das in ihm einander zugeordnete Einzelne einsichtig gemacht werden muss. in der er zeigte. 4. ohne dass damit aber eine nachhaltige kulturelle Umlagerung verbunden ist: Alexandria mit seinem Museum und seiner Bibliothek beherbergt weiter die zentrale Forschungs.

wenn er dies tut. was das bedeuten kann. Es geht nicht nur um die Einsicht in ein sich in Zahlen ausdrückendes Verhältnis zweier Größen. derjenige der sich ein Wissen erarbeiten will. Er zeigt einen Weg auf. in der Kombination der Verfahrensregeln Ordnungsbestimmungen zu erarbeiten. in denen Größen verschiedener Qualitäten in ein Verhältnis zueinander gesetzt werden können. Dann. unter denen er seine Einsichten findet. der eine nur eingegrenzte Perspektive und eine beschränkte Einsicht hat. In Blick auf die Konsistenz dieser mathematischen. unter denen er seine Einsichten findet. Die Konstruktion selbst gibt demnach das Maß. Damit ist für den Naturforscher festzuhalten: Der mathematische Satz erlaubt es. er ist immer bezogen auf das. was an den Grundaussagen ggf. bleibt er nun nicht bloß bei der Kritik. Dies gilt für Maßbestimmungen im Haushalt wie auch für die Zuordnung von astronomischen Größen. Dabei bleibt dieser Zusammenhang offen. In dieser mathematischen Ordnung ist demnach das Prinzip der Maßbestimmung und damit der Ordnung von Welt abzulesen. ist auf Grund der inneren Konsistenz der Aussagen das daraus gezogene Gebäude von Schlüssen gesichert. er muss Regeln aufweisen. so bleibt denn doch das System der Aussagezusammenhänge erhalten. Bis in das 18. was wir denken können. Kommen diese Voraussetzungen ins Wanken. Damit sind die einzelnen Aussagen als Teil eines Wissenszusammenhanges ausgewiesen. nicht möglich ist. Er muss die Randbedingungen notieren. noch variierbar ist. wenn eine direkte Erfahrung. Und so sind denn auch die Regeln des mathematischen Denkens auf Axiome. Diese Mathematik legt somit prinzipielle Ordnungsbestimmungen dar. Jahrhundert hinein scheinen diese unverrückbar. Damit war die mathematische Einsicht schon in ihrem Beginnen etwas anderes als die einfache Einsicht in einen mathematisch darstellbaren Zusammenhang der Natur. er muss Kriterien an der Hand haben. dass in der Kombination der von uns anwendbaren Regeln solcher Verhältnisbestimmungen Einsicht auch dann zu gewinnen ist. sondern aus unserem eigenen Tun erwachsene Vorstellungen über das. einsichtig gemacht. Gelten diese. wird ein System von Aussagen gewonnen. Dann. was wir dann derart verfertigt hatten. kann der Bezug der einzelnen Aussagen zueinander rekonstruiert werden. dass die Rationalität ihrer Argumentation einsichtig bleibt. in dem sich die verschiedenen Einzelaussagen aufeinander beziehen lassen. nach denen er von einzelnen Befunden auf Zusammenhänge zurückschließt. Kurz. muss sich genauestens über die Bedingungen orientieren. an dem die Zuordnung von Größen zu bemessen ist. Dennoch erlaubt es die . Vielmehr werden in der Konstruktion solcher Verhältnisbestimmungen Prinzipien deutlich. ohne das gesamte Gebäude der Schlussfolgerungen zusammenstürzen zu lassen. auch für einen. was er meint einsichtig gemacht zu haben. Sie funktioniert dadurch. die Anschauung der verursachenden Momente. wie dieser zu verfahren hat. In der Mathematik formuliert Euklid knapp hundert Jahre nach Platon in seinem Lehrbuch eine Reihe solcher Axiome des mathematischen Denkens. wenn er dies ausführt. auf Grundvoraussetzungen bezogen. und das mathematische Wissen erschien derart dann auch festgefügt. Zugleich zeigt sich. Es kann dann gefragt werden.1 Die griechische Antike 183 wir einzusehen vermögen. die ihm ausweisen. um sich ein Wissen zu sichern.4. aus dem geometrischen Konstruieren und damit aus einem von uns vollzogenen und so eben auch einsichtigen Tun erwachsenen Grunddarstellungen waren demnach die Erfahrungen des Mathematischen von vornherein nicht einfach nur Einsichten in ein Naturgeschehen.

aber das. was wir können. Sein Höhlengleichnis zeigt. nämlich ein Gefüge von in sich bestimmten Zuordnungen und Klassifikationen zu bilden. Der. Zu fragen ist also nicht mehr nur einfach nach den Dingen. einen Raum möglicher Erfahrungen ausweist und somit auch Erfahrungshorizonte benennt. Diese Natur findet sich also in der Konstruktion. wie sie wirklich ist. zu folgern. Vielmehr wird dieses Ordnen nun selbst thematisch. So wird ein Erfahrungszusammenhang methodisch gesichert. kann nun auch auf all das andere. in dem wir Urteile über diesen etwaigen Gegenstand bewerten können. bezogen werden. Und so begründet dann auch Platon seine Wissenschaft als ein in sich bezogenes System von Aussagen. was die Natur ist. Das ist nicht das Ganze der Natur. dass es nicht zureicht. formiert sich nach unseren Einsichten in die Natur. Wenn wir derart das Umgehen mit den Dingen. zum Maßstab wissenschaftlichen Wissens. Erst in ihrem Zusammenhang wird eine Einzelerfahrung als Teil eines Ganzen erfasst und demnach dann auch interpretierbar. Skizziert ist so das Bild einer Wissenschaft im Sinne unseres. Platon offeriert den Rahmen. Formverhältnisse zu beurteilen. Es reicht nicht zu. Die Einzelheiten stellen sich so in einen Kontext. die dann nach einem vorgegebenen Schema in einen Ordnungszusammenhang gestellt werden. um die Dinge zu beschreiben. Wissen ist mit Platon also nicht einfach eine Sammlung von Befundungen. was es bedeutet. in dem wir zu einem derartigen Wissen gelangen können. was wir heute ein System nennen. so können wir uns dieses Wissens auch dann. Dieses meint die Idee der Mathesis universalis. für die neuzeitliche Kultur Europas leitenden Verständnisses von Wissensordnung. das nach diesen Regeln begriffen ist. unsere Sätze und Bewertungen transparent halten – uns in ihnen nicht einfach nur auf die Dinge. der derart systematisiert sein Erkenntnisvermögen einsetzt. allgemeine Regeln aufzustellen und sie in der Konsistenz der Aussagen und der möglichen Referenz auf eingelesene Beobachtungen abzusichern.184 4 Die griechisch-römische Antike Mathematik. So ist dann Wissenschaft für Platon Mathesis universalis. Um diesen aufrechterhalten zu können. etwas zu behaupten und dann aus der bloßen Tatsache. sondern zunächst auf das. sondern ein Interpretationszusammenhang. die Vielfalt . was derart von einem Einzelnen erfasst wird. als eine Konstruktion nach Regeln. das uns über die Welt. was für uns denkbar ist. als die in sich abgesicherte Darstellung der Möglichkeiten. seinen geordneten und damit rekonstruierbaren Niederschlag findet. in dem dann auch der Begründungszusammenhang zu finden ist. dass diese Behauptungen etwas einsichtig machen. das nach den gleichen Regeln beschrieben wird. wenn es nur etwas von dem abbildet. mit denen er umgeht. die Platon konzipiert. Das. unser Urteilen. Er zeigt am Beispiel der Mathematik. entdeckt die Natur in den Formen seiner Darstellungen. was von der Natur abzubilden ist. konsistente und kohärente Begründungszusammenhänge zu erstellen. Und dies gibt uns das erste konsistente Bild einer Wissensystematik. Das. So funktioniert nach Platon dann ein organisiertes Wissen. orientiert. Derart ist es möglich zu generalisieren. die sich methodisch reflektiert. und macht so das Mathematische. bedarf es einer Abstimmung über das. deren Natur zu strukturieren. in denen das. meint den wechselseitigen Bezug von Aussagen und Regeln. was sich so repräsentiert. nach denen diese Aussagen zusammengestellt und bewertet werden. sicher sein. dass mit diesen Behauptungen auch etwas formuliert ist.

Solche Ordnungsmuster müssen vielmehr hinsichtlich ihres Geltungsanspruches reflektiert werden. Jahrhundert bezeugtes Gymnasium. Nach dem Tod Platons verlässt Aristoteles Athen und hält sich bis 345 beim Fürsten Hermeias von Atarneus auf. wenn wir uns nicht einfach nur darüber orientieren. die nach dem Ort der öffentlichen Vorträge Lykeion benannt wird. Nach dem Tod des Philippos kehrt Aristoteles dann wieder nach Athen zurück und gründet dort 355 eine eigene Schule. Diese Methode wird in seiner Schule der Akademie gelehrt. wo er schon bald erkrankt und dann 322 stirbt. bestimmt wurde. Überprüfung der grundsätzlichen formalen Stimmungen. und über die acht Jahre. Dabei ging es um Ableitungen von Aussagen. mit diesem Verfahren einsichtig zu machen. Platons Darstellung der verständigen Argumentation gibt die Methode an die Hand. Wegen seiner Wandelhallen wurde es auch Peripatos genannt. die am makedonischen Königshof tätig war. der 20 Jahre in dieser Akademie lernte und wirkte. was in dieser Gesellschaft formierbar ist. sondern zugleich auch absichern. wenn der Zusammenhang. Wobei wir über die Eckdaten hinaus über die 20 Jahre. ohne schon vorab ein Wissenssystem festzuschreiben. was in den so erhaltenen Bildern Reflex unserer Möglichkeiten und was Darstellung der wirklichen Verhältnisse ist. Mit 17 Jahren trat er in die platonische Akademie ein und blieb bis zum Tod von Platon Mitglied dieser Schule. Chr. Das Lykeion war ein nach dem benachbarten Tempel des Apollon Lykeion benanntes. was zu wissen war. Dies kann nur geschehen.) stammt aus einer Arztfamilie. aufbaute. kaum Näheres wissen. Für ihn war das. die Aristoteles an der Platonischen Akademie. der Heimatinsel seines Lieblingsschülers Theophrastus. das Operable nach den so zu gewinnenden Einsichten zu bestimmen. in dem dieses Wissen einsichtig war. Darauf folgt ein Aufenthalt auf Lesbos. Er flüchtet sich nach Chalkis auf Euböa. die er am Hof des Philippos verbrachte. die Stadt zu verlassen. schon ab dem 5. der Heimat seiner mütterlichen Familie. was für uns denkbar ist. Aristoteles und die Entwicklung der abendländischen Rationalität Aristoteles (384–322 v. . um dessen Sohn Alexander zu unterrichten. Nach dem Tod des Alexander (323) zwingt ihn dann die drohende Haltung der antimakedonisch gesinnten Athener. Dabei ist kennzeichnend für die Darstellungsweise des Aristoteles. das – durchaus verständig. dass er ein ganzes Gesellschaftskonzept auf dieser Idee. wie wir die Dinge sehen. der nun aber im Weiteren die Lehre Platons nicht einfach aufnahm. erst dann. aber zugleich auch totalitär – alles bestimmt. war Aristoteles. 343 wird er dann vom König Philipp dem II. um so die Konsistenz einer Aussagenfolge zu überprüfen.1 Die griechische Antike 185 des uns Erfahrbaren zu klassifizieren. Seine Idee des Staates formuliert dann auch ein Regelwerk. sondern in einer neuen Weise systematisierte. von Mazedonien an dessen Hof berufen. Einer seiner Schüler. mit der Konsistenz und Kontingenz von Aussagen zu überprüfen sind.4. Platon selbst ist so überzeugt von der Idee.

Griechenland kann sich glücklich schätzen. Die Vielfalt des Neuen zerstört nicht die Form des Systematisierens. nach der die gesammelten Erfahrungen bewertet und in einen dann auch gültigen Bezug gesetzt werden können – explizit macht. dass dieser junge Eroberer. sondern vielmehr nur eine erste Stufe auf dem Weg in eine ganze Folge von Kultur. Nur 100 Jahre vorher wäre der griechische Geist an diesem unermesslichen Raum des Anderen wohl zerschellt. in einen völlig neuen Horizont stellt. nach denen sie die Vielfalt der Welt als einen einheitlich erwachsenen Raum bestimmen konnten. Aristoteles bleibt damit nicht beim kritischen Ausweis des uns möglichen Instrumentariums einer Wissenschaft. demnach nicht die Dinge. Es sind ja nicht nur die in den Augen der mazedonischen Krieger unermesslichen Reichtümer. und erst mit Platon vermochte die griechische Kultur all dies zu integrieren. der für wenige Jahre eine griechisch mazedonische Weltmacht bildet.1. wie unter der platonischen Forderung einer umfassenden Selbstvergewisserung des Denkens von Erfahrungen ein System des Wissens anzulegen ist. das nach diesen Ordnungsvorgaben systematisiert wird. die schon der einfache Soldat auf diesem Kriegszug erbeutete.3. und es dann in den Formen.und Naturräumen betreten ist. 4. was nun mit den Eroberungen von Alexander im Orient erfahren wird. Das platonische Konzept. dass auch das Andere nach den eigenen Prinzipien zu denken ist. Das Faktische. gänzlich Neues mit in ein zunächst aus sich selbst bestimmtes Denken hineinzunehmen. unsere Wissensordnung bestimmen. sondern offeriert die Durchführung dieses Programms. einzubinden. in denen Alexander der Große. Er gelangt zu diesem Schritt dabei in den Jahren. gibt Platon recht. die für diese Art des Zuordnens gesichert sind. Und schon eine Generation später – zur Zeit des Aristoteles – ist die Sicherheit des vormaligen Erfahrungsraumes zerbrochen.186 4 Die griechisch-römische Antike dass er die nunmehr im Entwurfs Platons angelegte Doppelstrategie einer Wissenschaft – Erfahrungen zu sammeln und eine Methodik aufzubauen. die so vieles Neues mit in den Erfahrungskontext zu setzen hat. kann nur bedingt in die vormaligen Geschichten der griechischen Kultur eingeordnet werden. der am Hindukusch ebenso wie am Beginn der Seidenstraße. im Gegenteil. Es ist die Erfahrung eines in überwältigender Fülle angelegten Kulturraumes.1. derart auch intellektuell gerüstet ist für eine Auseinandersetzung. für die griechische Kultur eine neue Welt entdeckt und somit die vorhandenen Erfahrungsgrenzen. Sie standen mit ihren Vorstellungen in Konkurrenz zur Mystik Babylons und der Tradition Ägyptens. Sie grenzten sich ab. sowohl was das Wissen über die Welt also auch in der Dimension des Ästhetisch-Kulturellen. zugleich auch zeigt. der damals schon seit Jahrhunderten bestehenden Verbindung nach China. Vorsokratiker wie Anaximenes hatten Struktureigenheiten gesucht. dessen Erziehung er über acht Jahre übernommen hatte. Da mag es noch so viel sein. noch ehe er sich formiert hatte. in der wir sie denken. und so halten sich die Sagen vom fernen Indien. die Erfahrung. erlaubt es auch. sondern die Struktur.2 Die Aristotelische Naturlehre Aristoteles zeigt. dass mit dem Perserreiche die Alte Welt nicht schon durchmessen war. von den Menschenrassen des Ostens und den Wesen von Wüste und Urwald und den sagenhaften Schätzen des Orients noch über mehr als ein .

336 antrat. trotz einiger Verwicklungen. so kehrt sich doch mit Alexander die Welt um. betritt einen Raum. der Große (356–323). Wobei dieser die von ihm durchmessene Welt durch die seine Armee begleitenden sogenannten Schrittzähler (Bematisten) verblüffend exakt bemessen lies. Und wenn dann in der Nachfolge Alexanders die Verwaltungsstrukturen dieses griechischen Reiches sukzessive zerbrechen und etwa in Ägypten das griechisch-hellenische Denken in einer neuen Dynastie von Pharaonen fortlebt. Es ist der Rand der Welt. seine Schritte auf die andere Kultur zu signalisieren zumindest deren Mitgliedern eine neue.und Oberägypten vereinte. eingesetzt. der ihm unbekannt ist. dessen Nachfolge er. von Mazedonien. Der Lehrer des Alexander am Hof von Philipp 18 So in der Hartmann Schedel’schen Weltchronik. der Schüler des Aristoteles. von denen allerdings erst bei Plinius und Strabo Beschreibungen überliefert sind. mathematisch gesicherte Wissensideal wird durch diese Vielfalt neuer Erfahrungen aber eben nicht erdrückt. anscheinend wurden hier schon einfache mechanische Geräte (Hodometer). In Mazedonien und Griechenland trifft diese Haltung auf Ablehnung. den seine Kultur aber mit dem neu gewonnenen Maß eines sich rational leitenden Wissens bemessen kann. die dieses Ägypten dem Mittelmeer öffnet. hatte mit seinen Eroberungen das mazedonische Reich über Thrakien und Thessalien ausgedehnt und demnach für sein Königreich die führende Stellung im Bereich der griechischen Halbinsel erlangt. im Wesentlichen beibehalten. Ägypten wird und bleibt Teil der Mittelmeerkulturen. die Stadt. Die Machtzentren haben sich verlagert. Mit seinem Tod zerbricht die in seiner Person zu greifende Klammer.18 Das skizzierte. die Unter. die die Vielfalt der Strömungen und Interessen zu bündeln vermochte. sein neues Zentrum ist nicht mehr Theben. Alexander der Große Alexander der Dritte. die sie aufgebaut hatten. nach denen auch diese neue Vielfalt zu ordnen ist. um ihre Eroberungen zu sichern. 19 . von dem her das Perserreich bezwungen wird. Dieses Griechenland stand nun nicht mehr am Rande der Welt.19 Faktisch bedeutete der Eroberungsfeldzug von Alexander für die griechische Kultur allerdings einen mehr als massiven Einbruch. so hat sich doch der Schwerpunkt der kulturellen Aufmerksamkeit verändert. Wenn es auch nur Jahrzehnte dauert.1 Die griechische Antike 187 Jahrtausend. war der Sohn Philipps des II. Nürnberg 1493. Alexander. Dabei erleben viele Völker Alexander zunächst als Befreier.4. bis dieses labile Machtgebilde griechisch-mazedonischer Vorherrschaft zusammenbricht. von den Persern her unbekannte Offenheit. Es bewährt sich und gibt die Formen vor. Es hatte gezeigt dass es diese Welt zu erobern vermochte. sondern Alexandria. Er setzt nur mehr seine Leute an die Spitze dieser vorgegebenen Organisation und setzt damit griechischen Geist in die vorgegebenen Formen. Blatt XIII. Philipp der II. die Stadt. die nur solange unterdrückt bleibt. Der Beginn dieser kurzen Geschichte der Generation nach Platon ist allerdings ein anderer. Alexander kann dabei die auch von den Persern ja erst seit kurzem geschaffenen politischen Strukturen. wie Alexander die Herrschaft dieser neuen Welt als mazedonischer König führt.

sein rasanter und in seiner Dimension wahrhaft gigantischer Eroberungsfeldzug realisierte somit nur für einen Moment die Idee eines griechisch/mazedonisch geprägten Großreiches. Nach der Niederwerfung des griechischen Aufstandes teilt er seine Armee. Das Heer erkannte ihn sofort als König an und auch die Griechen bestätigten ihn als Oberbefehlshaber der mazedonisch/griechischen Streitkräfte. Die schwachen persischen Streitkräfte in diesem Bereich werden von ihm rasch bezwungen. fällt aber dann 327 in Indien ein. waren weitestgehend von den Persern übernommen. Politisch scheiterte Alexander. Der Antritt der Nachfolge seines Vaters verlief – trotz der dramatischen Umstände – reibungslos. um den Krieg seines Vaters gegen die Perser nun auf deren Territorium fortzuführen. unterdrückt dann aber eine griechische Erhebung und schleift hierbei 335 die Stadt Theben. Sein Vormarsch weiter zum Ganges wird jedoch von einer Meuterei seines Heeres gestoppt.und Westgrenze seines Reiches erfolgreich. Als solcher ist er dann auch sofort an der Nord. unterwirft Susiane. ihm die westliche Hälfte des Perserreiches zu überlassen. übernimmt 332/331 kampflos Ägypten. Die darauf folgenden Unruhen beschäftigen ihn bis zu seinem frühen Tod 323. schlägt Alexander aus und erhebt stattdessen Anspruch auf den Thron des Reiches. Nach dem auf Grund der Entbehrungen äußerst verlustreichen Rückmarsch des Heeres nach Persien. war über 8 Jahre der Philosoph Aristoteles. war die . mit der zweiten Hälfte setzt er nach Kleinasien über. nahm den persischen Königstitel an und erklärt nun auch den griechischen Kriegszug gegen den Erbfeind Persien für beendet. Was Alexander aber ermöglichte. War doch solch ein Riesenreich nicht durch eine griechisch/mazedonische Besatzungstruppe zu regieren. 331 stößt er dann über den Euphrat und Tigris weiter ins persische Kernland vor und besiegt dann bei Gaugamela das letzte persische Heer. Ein darauf folgendes Angebot von Dareios. Die administrativen Vorgaben. Der fliehende Dareaios wird im Sommer 330 von seiner Begleitung ermordet. Im Pandschab huldigen ihm die Fürsten. reorganisiert er die dortige Verwaltung und das Militärwesen und sucht ebenfalls in Mazedonien und bei seinen Streitkräften ein strikt hierarchisches Führungssystem durchzusetzen. Über die nächsten Jahre befriedet er den Bereich des heutigen Nordostiran. Persis und Medien.188 4 Die griechisch-römische Antike dem II. Hierbei erbeutete er die Reichsschätze. Er besetzt Syrien und Phönizien. Deren eine Hälfte belässt er mit einem von ihm eingesetzten Statthalter in Europa. in denen sich Alexander der Große bewegte. und dann schlägt er 333 die persische Reichsarmee unter Dareios. Sein Versuch einer Integration persischer und griechisch/mazedonischer Kultur und Herrschaftsstrukturen kam kaum über erste Anfänge hinaus und war wohl im Wesentlichen auch durch strategische und verwaltungstechnische Zwecke bestimmt. Die ersten Schritte einer Variation dieser Verwaltungsstrukturen ist Alexander noch gegangen. In Babylon setzt Alexander nun einen persischen Satrapen ein. wo er sich zum Pharao krönen lässt und als neue Hauptstadt Alexandria gründet. doch dann verstrickt sich seine Politik in den Widersprüchen und Engführungen eines derart raschen Eroberungsfeldzuges.

ordnet. von dem berichtet wird. die den längsten Bestand.4. sondern der systematisch und in einem umfassenden Ansatz all das Neue. von Alexander geschaffenen und zusammengehaltenen Weltreiches. und zugleich war gerade durch die Eroberungen im Osten das Gewicht des antiken Weltbildes nunmehr an das Mittelmeer verschoben. bezeugt dies. Dabei zielt er nicht auf einen Katalog der Wissensbestände.1 Die griechische Antike 189 Öffnung des Wahrnehmungsraumes seiner Kultur. Hierin ARALSEE HES Gordion Alexandria R Baktrien Issos Nikala Gaugamela 331 333 Alexandropolis 330 Ekbatana 330 Damaskus 332 Tyros Alexandria Gaza Ammonion Memphis 332 A F G H A N I S TA N Persepolis 324 Alexandria (Lus Bela) Alexandria RS 325 I R OT SC HE ES ME ER abhängige Gebiete Erobererungszüge (334–323) Karte 4. Aristoteles. wie die Vielfalt der neuen Erfahrungen in diese Systematik einzubinden ist. Dabei zeigt er zugleich. nach denen dieses Wissen geordnet ist. Die Landkarte der Ideen war neu besetzt. Er zielt auf eine Systematisierung der Problemstellungen und der Methoden. Dieses Neue ordnet er dabei im Geist des Platon. Dabei akzeptiert Aristoteles die Vielfalt der Erfahrungen. der aus erster oder zweiter Hand von den Wundern des Orients erfährt und der nun nicht etwa seinem so erfolgreichen Schüler hinterhereilt. die dieses Land dem Mittelmeer öffnete. und vielleicht auch die nachhaltigste Bedeutung gewann. es war Alexandria.8 Eroberungszüge Alexander des Großen Alexandria (Herat) Alexandria 324 makedonisches Kerngebiet Alexanderreich 326 330 Susa 331 PE ARABIEN ÄGYPTEN MEDIEN IRAN Babylon 331 323 329 T U R K E S TA N MEE Sardes Ephesos Milet Halikarnassos 334 R ISC 334 Troja MEE SP Pella KA SC H WA R Z E S R G OLF 325 AR ABISCHES MEER . Und in diesem Sinne wird das aristotelische Wissenschaftsprogramm für die europäische Kultur insgesamt bis in die Moderne leitend. Am äußeren Rand dieses neuen. Resultat ist eine Enzyklopädie der Wissensmöglichkeiten. Die griechische Kultur war nun in ganz andere Zusammenhänge eingebunden. die von ihm geschaffene neue Hauptstadt Ägyptens. sitzt ein Philosoph. eine Art umfassenden Handbuchs der Praktiken. Die Gründung Alexanders. Ordnungen und Bewertungsmaßstäbe des rationalen Wissens.

dann in den verschiedenen Erfahrungsbereichen darstellt. nach denen die Vielfalt der neuen Eindrücke. So sind auch all die anderen Einzeldarstellungen des Aristoteles kein Lexikon des Detailwissens. Seine Tierkunde ist ein Versuch. eine Meteorologie nunmehr als spezielle Disziplinen einer Naturforschung begreift und ihn ihnen jeweils spezifische Fragestellungen verfolgt. Wir werden noch sehen. popularisierende Darstellungen des . Er formuliert so eine erste Summe des uns zu denken Möglichen. der nach bestimmten methodischen Prinzipien eines Umgehens mit verschiedenen Erfahrungen jeweils in einer bestimmten Hinsicht zu betrachten ist. was Leben ist. was diese Natur ist. sondern begründet ein Fach. zu strukturieren. die nun ausgehend von den in systematischer Hinsicht strukturierten Erfahrungsbereichen die Grundlagen darstellt. aufbauend auf einem bestimmten Typ von Erfahrungen. Dabei wird dann diesen einzelnen Zuordnungen eine Wissenschaft gegenübergestellt. die unser Wissen von der Natur in einer bestimmten Hinsicht. wie er auch die Geographie und die Himmelskunde als Bereiche kennt. habe ich begriffen. So stellt denn auch seine Tierkunde. Es sind in der Natur – eben wie auch für unser Denken über die Natur – Regeln zu finden. wie sich das. Dabei ist nur ein Teil seiner Arbeiten überliefert. um zu erfassen. Morphologie und Physiologie führende Tierkunde ist – wie angedeutet – eben nicht ein bloß umfassendes Brevier all des Neuen. was Natur ist. Allerdings ist für ihn die Erfahrung nach Anwendung der Kriterien und der Zielstellungen. wie auch jede andere uns zukommende Erfahrung strukturiert und systematisiert werden kann. und kann damit dann auch beschreiben. Auch das Mathematische wird dabei zu einem Bereich innerhalb der Naturkunde. Neben den uns bekannten wissenschaftlichsystematischen Büchern schrieb er auch erläuternde. die er uns überliefert. keine Flora und Fauna des Mittelmeeres und des Perserreiche dar. das etwa die Soldaten des Alexander im fernen Osten sahen. darzustellen. Es ist mir damit möglich. die Organisation eines lebendigen Organismus zu verstehen. was unter Lebendig-Sein zu begreifen ist. So formuliert Aristoteles eine Lehre vom Sein. Habe ich diese erkannt. dann wenn ich diese Vielfalt aufnehme. das nach für uns einsichtigen Prinzipien strukturiert ist. sondern eine an den Details entlang gearbeitete Darstellung dessen. er formiert das Wissen nach den Bereichen der uns möglichen Erfahrungen. und in ihr demonstriere. Aristoteles grenzt also ab. Doch bleibt Aristoteles nicht dabei.190 4 Die griechisch-römische Antike tritt er aus dem Denken Platons heraus. sein großes deskriptives Werk. was Leben ist. die Wissenschaft von den (in diesem Falle) tierischen Lebensformen. in dem wir dann Erfahrungen jeweils in einer bestimmten Hinsicht sammeln. in dieser Art die Prinzipien einer Naturlehre darzustellen – wobei er dann eine Physik. So kann dieser Philosoph schon in der ersten Generation nach Platon die Regeln darstellen. dass dies keine Enzyklopädie der Detaillierungen ist. In der Vielfalt sind die Grundfunktionen des Lebensprozesses in ihren Facetten abgebildet. Lebensformen etwa sind nicht einfach zu katalogisieren: Ihre Vielfalt ist vielmehr zu nutzen. wie sich diese vielfältigen Dinge als Teil einer Natur beschreiben und interpretieren lassen. Entsprechend umfassend ist das uns überlieferte Werk des Aristoteles aufgebaut. in der die Natur als etwas begriffen ist. nach denen jede Erfahrung beschrieben und der Erfahrungsraum insgesamt dargestellt wird. Selbst seine in die Details von Anatomie. Welt wird so zu einem Erfahrungsraum. begründen. nach denen wir die Vielfalt der Welt begreifen.

Seine Physik etwa wird bis in das beginnende 19. Es sind seine begrifflichen Systematisierungen. Er geht damit über das zunächst normative Denken des Plato hinaus und zieht die unmittelbare Konsequenz dieser Wissenschaftslehre. berufen. der – wie schon beschrieben – dann in wenigen Jahren das Perserreich regelrecht aufrollt und damit die Einflusssphäre der griechischen Kultur bis nach Nordindien und nach Ägypten trägt. Damit deutet sich schon an. Nur wissen wir nichts über das persönliche Verhältnis von Lehrer und Schüler. strukturiert. Über wenige Jahrzehnte entsteht so ein großes. schreibt er eben auch über die Physik hinaus eine Darstellung der Grundlegung jeder Naturlehre. Darüber hinaus sucht er nach Kriterien und Begründungen für Normen und Werte. Es sind die aristotelischen Kategorien. nach denen im Weiteren das Abendland sein Wissen gewinnt. die Metaphysik. So muss er sich schon Wochen nach Bekanntwerden des Todes von Alexander nach Euböa absetzen. Aristoteles ist nicht selbst bei der Heerfahrt dabei. Der Tod Alexanders bedeutet in seiner Zeit zunächst aber auch für Aristoteles das Ende. Aristoteles schrieb die grundlegenden Handbücher. Er wird – als Vertreter der neuen Platonischen Schule – nach dem Tod des Platon an den Hof des mazedonischen Königs Philipp des II. Er wird damit in nur wenigen Jahren mit einer umfassenden Fülle von neuen Befunden neuer Kulturen und neuer Naturformen konfrontiert. zumindest in die Führungseliten durch den griechischen Geist geprägtes politisches System. mit seiner Schule in Athen wieder Fuß zu fassen.und Wissenschaftssystem. des mazedonischen Königshauses. der nach acht Jahren am Hof des Philippus versucht. das die weitere Entwicklung der abendländischen Wissenschaften festschreibt. erschien in seiner Zeit aber zumindest als Teil des politischen Establishments. Doch ist auch der „Restbestand“ der auf uns überkommenen Schriften in seiner Dimension letztlich atemberaubend. Hier stirbt Aristoteles nach wenigen Monaten. aber er bekommt die Informationen über dieses neue erschlossene Land seines Königs. in dem Erfahrenen Prinzipien dingfest macht. er schafft eine Wissensordnung. Es sind die Berichte . Er systematisiert das Wissen. das Mittelalter und die Neuzeit denken. die uns aber nicht überliefert sind. Dabei umfassen seine Schriften den Bereich der Sicherung von Gedankenführungen: Er schreibt eine Logik und orientiert über die Grundlagen begrifflicher Systematisierungen. worin die nachhaltige Bedeutung des Aristoteles liegt. Jahrhundert Lehrstoff europäischer Universitäten bleiben. ist ohne königliche Protektion für die Vertreter der seinerzeit bestimmenden antimakedonischen Strömung in Zentralgriechenland ein Außenseiter. Aristoteles. Hier wird er der Erzieher Alexander des Großen. Da er über das Erfahrbare hinausgeht. das zumindest in Fragmenten auch über den Tod des Alexander hinaus Bestand hat. sichert und reflektiert. in denen die weitere Antike.4. das zeigt die Reaktion der Athener.1 Die griechische Antike 191 in der Zeit Zu-wissen-Möglichen. Aristoteles ist dabei zumindest über zwei Dekaden ein höchst einflussreicher Mann. Über ein/zwei Jahrzehnte allerdings verband sich so eine philosophische Großmacht mit dem damaligen Herrscher der Welt. Er. in denen wir denken. Er schreibt zur Naturlehre und zu den Bedingungen der Möglichkeit einer Naturlehre. Seine Nikomachische Ethik wird denn auch grundlegend für eine weitere Systematisierung dieses Bereiches. die sich nun wieder in einer Systematisierung des uns zu denken Möglichen darstellen lassen. Das Resultat ist ein Wissens.

die in der Ausbildung eines Gebildeten verfügbar zu machen sind. dass seine Werke über Jahre in einem Skriptorium abgeschrieben wurden. Er will eine neue Übersetzung des Aristoteles. benennt als zentrale Referenz die Abhandlungen des Aristoteles zur Logik. Dies zeigt uns auch. auf Argumenten basierendes System des Denkens offerieren zu können. Jahrhundert kanonisierte Scholastiker. Diese Sicherungsaktion seiner Schriften war erfolgreich. Dass hierbei unterschiedliche Handschriften zum Teil unterschiedliche Versionen der einzelnen Texte des Aristoteles verfügbar machten. Um dies zu begründen. bedingt dann schon in der Antike die Notwendigkeit einer textkritischen Edition. Das zeigt zugleich auch. in denen das Abendland im Weiteren sein Wissen findet und sichert. um den Dogmatikern seiner Zeit ein neues. Dass diese Wissenschaften dann in deren Bearbei- . Jahrhunderts vor Chr. Seine Systematisierung ist dabei aber eben nicht dogmatisch. spricht in seinen Schriften von Aristoteles immer als „dem Philosoph“. verweist Thomas immer wieder auf „den Philosophen“. wo in den Skriptorien des Museums eine entsprechend leistungsfähige Gruppe von Kopisten versammelt war. Der heilige Thomas von Aquin. Boëthius. auf den Index der Inquisition zu geraten. auch nach der Reedition in Alexandria. Jahrhunderts liegt ein umfassendes Verzeichnis seiner Schriften vor. in denen wir bis heute denken. Bis in die Moderne übermittelte sich dieser Corpus der aristotelischen Werke. wohl wissend. während er versucht. Insoweit gibt Aristoteles in der Tat die Strukturen vor. der schon im 13. werden seine systematischwissenschaftlichen Werke noch einmal neu ediert. die ihn erreichen. das dann auch über knapp 2 Jahrtausende die Leitlinie und das Maß des europäischen Denkens bestimmte.192 4 Die griechisch-römische Antike dieser neuen Welt. dass für diesen die Welt seit Ewigkeit existierte und ins Unendliche fortdauern würde. Schon Ende des 3. weiterhin schon in der Antike große Verbreitung gefunden hatten. Anfang des 1. Topik und zum Syllogismus und dessen Ethik. sondern von mühsam zu erarbeitenden Handschriften. das Bekannte zu systematisieren. So wurden die Arbeiten des Aristoteles gleichsam kanonisch für das neue Wissen. die aber schon in der Antike erkannt wurde. die die Wissenschaft über die nächsten anderthalb Jahrtausende beschäftigten. In der Phase des Hochmittelalters wie in der Frührenaissance wird jeweils ein neuer Aristoteles entdeckt. der in der Spätantike den Kanon der Grundschriften benennt. und wo zum anderen in der dortigen Bibliothek die Arbeiten des Aristoteles in Abschriften direkt verfügbar waren. Er erarbeitet dabei ein offenes System von Wissen und Wissenszusammenhängen. Eine umfassende Neuedition der Schriften eines Autors bedeutete unter diesen Bedingungen. dass mit Aristoteles in der Tat die Formen gegeben sind. der nur durch eine geschickt lancierte Heiligsprechung davor bewahrt blieb. Dabei reden wir hier ja nicht von einem Satz für einen Buchdruck. Er benennt damit zugleich auch die Probleme. die nur in einer großen Kopieranstalt ein Werk wirklich umfassend – und dann auch in mehreren jeweils auch untereinander und bezogen auf das Original kontrollierten Exemplaren sichern konnten. So können später dann auch immer wieder Wissenschaftler und Philosophen mit Aristoteles gegen Aristoteles argumentieren. Hier geschah dies in Alexandria. dass die aristotelischen Schriften. um mit ihm gegen das tradierte Bild einer – sich selbst aber wieder aristotelisch meinenden – Weltlehre anzukämpfen. Dies ist nur ein Beispiel der nachhaltigen Bedeutung des Aristoteles.

in der wir dann die Bahngesetzmäßigkeiten der Planeten bestimmt wissen. was in der Wirklichkeit zur Ordnung kommt. ist dann nur konsequent. wann solch ein Himmelskörper ggf. was wie in der Welt ist. Aristoteles zu folgen oder ihn abzulehnen. So sind dann für Aristoteles Physik und Metaphysik auch nicht zwei prinzipiell zu trennende Dinge. was die Natur. Die Ordnung. Schließlich ist die Form. was dann in seinem Wie zu begründen ist. in der sie schon existiert. Wenn dies geschieht. in denen solch eine Ordnung erwächst und sich erhält. die wir vorfinden. was Natur ist.1 Die griechische Antike 193 tung zunächst seinen Regeln und seinen Ansichten folgen. denn wäre die Natur nicht statisch. bleibt bis in das 18. in unendlicher Weise differenziert. will ich wissen. ein Wechselgefüge von interagierenden Momenten unserer Welt zu beschreiben. nach den Elementen. So ist seine Autorität bis in die Neuzeit enorm. Es geht darum. in der sich die Welt findet. Darzustellen ist in ihr das Gefüge. Hiermit unterscheidet sich Aristoteles auch von seinem Lehrer Platon. Derart sind die Naturformen als Ordnungsformen zu beschreiben. aus denen sich die Welt in ihrer Ordnung bestimmen lässt. schon seit unendlicher Zeit in der Weise gegeben. Dazu ist deren Ordnung zu bestimmen und dann als solche Ordnung zu begründen. mit wem kollidieren könnte. ersetzt aber nicht diese Physik. Aristoteles zu interpretieren oder auf Aristoteles zu verweisen. diese Ordnung erfassen. wie es ist. können Vorhersagen erarbeiten. nicht einfach als solche zu akzeptieren. sondern ein zentraler Aspekt des wissenschaftlichen Argumentierens in Europa. warum etwas ist. Damit ist sie als solche Ordnung für die Natur konstitutiv. Wir werden mit Newton eine Himmelsmechanik darstellen. Dabei wird nun aber nicht einfach der Corpus des von ihm formulierten Wissens verbindlich – das geschieht selbst nicht im hierzu oft bescholtenen Mittelalter. Allerdings unterscheidet sich Aristoteles in Einem fundamental von unserem heutigen Verständnis von Naturwissen: Er ist in seiner Suche nach Begründungen sehr viel radikaler. wie wir sie heute erfahren. voraus. wie etwas funktioniert. Vielmehr sind die Notwendigkeiten zu beschreiben. sondern schon in der Darstellung dessen. Aristoteles fragt nicht einfach nach dem Wie. wir wollen wissen. er fragt nach dem Warum einer Welt und deren Spezifizierungen. So gehört dann auch die Metaphysik zur Physik. Für ihn ist die Ordnung. in der sich die Natur darstellt. die uns umgebende Physis ist. um zu sehen. Als Naturwissenschaftler fragen wir heute nach dem Wie einer Natur. Jahrhundert nicht bloß ein Ritual. wo vielmehr Aristoteles immer wieder herhalten muss. Entsprechend muss ich denn auch. Diese . Entsprechend fragten wir Aristoteles zufolge dann auch nicht erst in der Theologie. so hätte sie sich in der unendlichen Folge der Zeiten. ist jedoch überschaubar. und sind so in der Lage. was Natur ist. Gelingt dies. nach den letzten Dingen. die die Diskussion um das Naturwissen nachhaltig bestimmen. als wir dies heute sind. Wir können dann selbst so irreguläre Bahnen wie die eines Kometen beschreiben.4. Aristoteles zufolge ist schließlich die Ordnung der Welt inhärent und so in der Welt zu entdecken. Für Aristoteles wäre dies völlig unzureichend gewesen. in dem sich die Natur konstituiert. so ist verstanden. um an ihm eine eigene Weltsicht interpretieren zu können – jedoch gibt Aristoteles die Denkmuster und Denkansprüche vor. ist verstanden. die Dinge nicht einfach nur zu erfassen. Sie kann sich also nicht entwickelt haben. um zu begreifen. Demnach ist dann aber zu fragen. sondern setzt die Physik als die Bestandsaufnahme dessen.

auf die wir uns zu beziehen haben. Erkennen und Physik. oder der Bewegungen oder gar eine Meteorologie zu schreiben. begriffen. die aber von Aristoteles selbst nicht beschrieben wurden. Die Dinge der Welt sind für uns nicht prinzipiell verstellt. Politik. nach denen diese Welt strukturiert ist. die fast in gleicher Breite wie die seines Lehrers die Themen der Ordnungen solch frühen Wissens beschrieben. zwischen denen über die nächsten Jahrtausende das europäische Naturwissen oszilliert: Platon ist Idealist. Diese Ideen offenbaren sich uns im Verhältnis ihrer Maßbestimmungen. Sie sind uns in unserem Denken einsehbar. nach dem diese Welt funktioniert. sondern auch in ihrer Ordnung und den für diese Ordnung grundlegenden Regularien einsichtig.194 4 Die griechisch-römische Antike beiden benennen in ihren Arbeiten die beiden Grundpositionen. in denen wir diese Bestimmungen erfassen. in denen Aristoteles die Physis unbehandelt ließ. nach denen die Dinge strukturiert sind. was uns die Sinne vor Augen führen. Die Darstellungsformen. . nur wenige Jahrzehnte nach der politisch motivierten Verfolgung des Autors. Wie sicher sich dieses Denken dabei geworden ist. haben wir eine Chance zu erfassen. bezogen auf Moral. bleiben noch Lücken. Die Welt scheint somit nicht nur in ihren Prinzipien. Nachdem sein Lehrer das Denken in seinen Äußerungsformen. beschrieben hat und selbst eine Tierkunde und eine Schrift über die tierischen Bewegungen vorlegte. Insoweit gilt es Aristoteles denn auch die Zuordnung der Erfahrungen zu beschreiben und in ihren Notwendigkeiten zu erfassen. Begriffe und Denkmuster reflektierende Philosophie. der Schüler des Aristoteles. Für ihn sind die Dinge. sondern den Grund und damit das Wesen der verschiedenen Erscheinungen. Und so verfasste Theophrast zum einen in seinen umfassenden Darstellungen. die einem systematisierenden Zugriff noch offen liegen. sie systematisieren und dann in dem so erfassten System des Wissens Begründungszusammenhänge und Ordnungsmuster dieser Welt erkennen. wenn wir dies tun. In einer Folge von nur drei Generationen hat sich so – ausgehend von Sokrates – eine Wissenssystematik entwickelt. eine Darstellung der Physik. Diese begründet uns die Prinzipien. Und so wird auch. aber er ist Realist. Und so verdanken wir Theophrast eine erste Botanik und eine erste Gesteinskunde. Nicht dass wir naiv das annehmen müssen. um dann in dem zu erfahrenden Einzelnen die Prinzipien zu erkennen. das Werk des Aristoteles kanonisch. Das zeigt zudem. Momente. was die Welt im Eigentlichen ist. Aristoteles zufolge können wir der Erfahrung trauen. nach denen wir Ordnungen setzen und macht uns damit diese Ordnung selbst erfahrbar. die Dinge der Welt erfassen. Es sind die Dinge der Welt. wie – trotz der Verfolgung der Person des Aristoteles durch die Athener nach dem Tod des Alexander – diese neue Form von Wissenschaft und deren Systematik wirksam bleibt. verkörpert die Mathematik. bloß Schatten ihrer eigentlichen Erscheinungen: Platon zufolge haben wir die Ideen zu beschreiben. Aristoteles ist kein naiver Sensualist. Nur kann der Einzelne. zeigt schon – ganz äußerlich – Theophrast. Systematiken. Nur dann. ist deren Ordnung einsichtig und das Regelwerk. Dann erfassen wir nicht einfach nur einen uns erscheinenden Schatten. eine Tierkunde. und in den Bereichen. Kritiken. die wir erfahren. Entsprechend macht es dann auch Sinn. Dann wenn derart die letzten Ursachen der Funktion der Welt begriffen sind. kritisch geleitet durch eine Schlussform.

muss ich erfassen. Wie ist nun diese Zweckbestimmtheit zu beschreiben. Dies geschieht in einer Form. aus dem heraus diese ihre Bedeutung findet. nach denen sich die Dinge formieren.3 Das neue System des Wissens Die Vielfalt der Wissenschaften entspricht nach Aristoteles den Gattungen des Seins. in denen die Physik denkbar ist.1. unter denen die verschiedenen Ordnungszustände der Welt zu begreifen sind. auszuprägen. was sich in diesen wechselnden Formationen der von uns erfahrenen Wirklichkeit abbildet. Es lassen 20 Die Metaphysik des Aristoteles ist eine Ontologie.1 Die griechische Antike 195 4. Schließlich ist das. die wir als ein Wirkungsgefüge begreifen müssen. in denen diese Physis beschrieben wird. Für Aristoteles ist die Welt im Unendlichen entstanden.4. Will ich also begreifen. in eine Gestalt (morphe. nach der sich dieses Mögliche eben formiert. Dieser in solcher Wechselwirkung konsolidierte Ordnungszusammenhang ist die Zielursache eines Dinges. Ist diese Ursachenreihe aufzuweisen. der in seiner Lebensgeschichte immer wieder die gleiche Form ausbildet. wie wir uns heute die Naturgeschichte denken. eidos) bringt. in dem Sinne. Es sind die Kategorien dargestellt. was vorhanden ist. Dessen Zweck (telos) findet sich in der Einstimmung in dieses von ihm dann auch getragene Gefüge einer so aus den zweckbestimmten Dingen konstituierten Welt. was überhaupt als Welt angelegt ist. erst in der weiteren Entwicklung der Philosophie werden die Begriffe Ontologie und Metaphysik in jeweils unterschiedlicher Bedeutung gebraucht. und die Prinzipien. Diese ist dabei in ihrem Aufbau selbst zu thematisieren. hierarchisch geordnet. in der sich Möglichkeiten (dynamis) bestimmen lassen. in dieser metaphysischen Wissenschaft20 – sind damit die Prinzipien formuliert. Wie denken wir nach Aristoteles unsere Welt? Für ihn ist Welt eine Ordnung. die das. wobei er aber dessen Ideenlehre in ein neues realistisches Konzept umgedeutet hat. was überhaupt da ist. Das „Sein als solches“ ist Gegenstand der Ersten Philosophie oder Ontologie. Wobei diese Ursachen dann eben keine abstrakten Größen. Aristoteles unterscheidet hier vier Stufen von Ursachen. . die nach gleichbleibenden ehernen Gesetzen strukturiert werden. die ein einzelnes Ding im Zusammenhang der zweckmäßigen Organisation dieser Welt beschreiben lassen. was die Welt ist.3. zunächst einmal die Ausprägung dessen.1. Hier trifft sich nun Aristoteles mit Platon. so kann die Verwirklichung (Aktualisierung) der im Stoff potenziell angelegten Form beschrieben werden. Die Wirklichkeit ist strukturiert. Wobei diese so gefundene Formation nicht jeweils für sich steht. sondern jeweils konkrete Wirkreihen sind. der in dieser Form in jeweils gleicher Weise zu reagieren vermag: die individuellen Lebensumstände mögen noch so unterschiedlich sein. den vorhandenen Stoff (hyle). eine Lehre vom Sein. Sie verändert sich nur in den Formationen ihrer äußeren Erscheinung. die. Seine Ursachen entsprechen den Grundlagen. in denen sich die Form und aus dieser dann die Zweckbestimmtheit eines Dinges begreifen lässt. was für uns wirklich ist. Dabei beschreibt Aristoteles keine Genese. sondern in ein Ganzes eingebunden bleibt. die organisch-funktionelle Einheit der Welt bilden. Diese zweckmäßige Organisation zeigt sich dann etwa am einzelnen Organismus. und in dieser Wirkung eingebunden bleibt. und wir können diese Struktur erschließen. Es ist diese Vorbedingung dessen. in dem sie wirken kann.

beherrschen musste. Es gibt also so etwas wie eine Norm. Jahrhundert für das europäische Denken verbindlich. die die Regeln darstellt. in dem sich die Regeln finden lassen. nach denen und in denen wir die Begriffe in ihre Ordnung setzen. und dieser Zweck ist in der Organisation einer Natur ablesbar. nach denen ein Tier zu halten ist. Eine – in zwei Teile gegliederte Analytik. Demnach finden wir in dieser Welt die Einheiten: 1. Diese Organisation ist nun systematisch zu erschließen. mathematisch zu beschreibenden Bahnen bewegen. im Sinne der Substanz. in denen wir die Qualitäten der Welt beschreiben. So hat Aristoteles die platonische Idee eines immateriellen Formprinzips der Dinge in die Dinge selbst verlegt. der Quantität. die zweckmäßige Organisiertheit und Angepasstheit der Lebewesen nicht erklären. 8. des Tun und des Leidens bestimmt. Diese Art der Formierung bezweckt demnach – so denkt Aristoteles – etwas. die sich ja immer wieder nur in Variation der in ihr angelegten Formierungsbedingungen in die Wirklichkeit setzt. die die logischen Grundoperationen unseres Denkens zu bestimmen sucht. des Ortes. In ihr war demnach auch die Ordnung der Welt beschrieben. auf die hin die verschiedenen Ursachen ausgelegt sind. Aristoteles zufolge gibt es wenige Grundformen oder Kategorien. Schließlich entstehen diese nicht zufällig. 7. Diese Form hat also eine Bedeutung. der Qualität. Jedoch können die Atomwirbel. Sie bilden das Grundkorpus der Schriften. Die Welt – so Aristoteles – ist also eine in sich zweckbestimmte Organisation. die etwa Demokrit beschreibt. eine Denkmöglichkeit. der mit Wissensformen umging. der Zeit. Damit überwindet er den gegenüber der Erfahrung der Wirklichkeit blinden Idealismus seines Lehrers ebenso wie den mechanistischen Materialismus der Atomisten. 4. Diese Tafel der Grundqualifizierungen blieb bis ins endende 18. Dies sind demnach die Grundformen. was wir wie zu denken vermochten. Wie denn auch die Himmelskörper sich nicht frei im Chaos der Möglichkeiten. nach denen sich derartige Denkbestimmungen ergeben. 3. nach denen wir die Welt strukturieren. 2. Später werden diese entsprechenden Schriften als „Organon“ zusammengefasst. nach denen es zu ernähren und nach denen dessen Krankheiten zu therapieren sind. die schon in der römischen Antike jeder. Entspre- . nach der die Organisation materieller Strukturen beschrieben werden kann. Dazu gehört eine Schrift über die Kategorien. und eine „Topik“. die Größe. Diese zeigen nur eine in sich leerlaufende Mechanik. Hierzu formuliert Aristoteles das intellektuelle Rüstzeug.196 4 Die griechisch-römische Antike sich Regeln finden. sondern in wohlgeordneten. nach denen wir die Wirklichkeit denken. In dieser bildete sich demnach ab. der Relation. sondern in der Form fester Arten. 6. 5.

Aristoteles war der Erste.1 Die griechische Antike 197 chend dieser Grundformen war denn auch eine Grammatik unseres Denkens auszurichten. Die Mimesis. besteht seine Eudämonie in deren Aktivität.und Katharsislehre bestimmt die Kunsttheorie bis in die Neuzeit. was dann auch sein Schüler Theophrast schon selbst in dessen Darstellung über das Feuer kritisierte: Schließlich. reinigt sie die Seele von den Affekten (katharsis). hier ist nicht nur generell. Damit zeigt sich zugleich aber auch eine neue Öffnung zu einer Erfahrung hin. und entsprechend sei denn auch diese Darstellung der Grundelemente fragwürdig. das „zwingend gewisse“ Beweisverfahren. Mittels der Erfahrung werden nun nicht mehr nur einfach Prinzipien demonstriert. Wie sich derart dann die Denkformen entwickeln ließen. Diesem folgend. Seine Darstellung der Ästhetik selbst ist für uns nur für den Bereich der Dichtkunst.3. ein Schritt in ein neues Wissenschaftsverständnis hinein zu finden. die am Einzelnen den allgemeinen Typus und das Wesen deutlich macht. bis in die Detaillierung hineinführenden Gestaltung. Natürlich startet dabei auch Aristoteles nicht von Grund auf neu. Konkret führt er an. haben eine eigene Tradition. die in der Verwirklichung der seinem Wesen bzw. ist dies doch nichts anderes als die Darstellung der vier Elemente. Sie ist die erste.4 Die Zweckbestimmtheit der Natur Vorbemerkungen Natürlich sind mit den neuen Formen des Wissens neue Begründungsgefüge gewonnen. Seine Ethik kennt als letzten Zweck und Orientierung allen menschlichen Handelns die Glückseligkeit (eudaimonia). also gar kein Grundstoff sein könne. im Denken und Erkennen. Die Erfahrungsinhalte aber. so Theophrast. Formprinzip gemäßen Zweckbestimmung besteht. der derart systematisch Formen des deduktiven Schließens untersuchte und die logischen Grundgesetze der Identität. Demnach lässt sich mit Aristoteles die ethische Notwendigkeit der Bildung begründen. des Widerspruchs und des ausgeschlossenen Dritten formuliert hat.1.1. die hier in einen neuen Kontext gestellt werden. uns überhaupt verfügbare literaturtheoretische Untersuchung. Da das Wesen des Menschen die Seele ist. untersuchte Aristoteles in seiner Schlusslehre. d. Auch im Bereich des Naturwissens findet mit Aristoteles die Naturlehre zu einer neuen. vielmehr kann man nunmehr aus der Beobachtung selbst Schlüsse ziehen und so in einem ganz neuen Sinne aus der Erfahrung lernen. also Erkenntnis stiftet: Indem sie dies tut und offenlegt. deren Kernstück der Syllogismus ist. 4. Schon seine Elementelehre zeigt dies. seien dies Naturformen und keine Prinzipien. h.4. Zu erschließen sind aber einige Grundannahmen zur Ästhetik: Für Aristoteles sind die Funktionen der Kunst so vielfältig wie ihre Ausdrucksformen. Wissenschaft und Kunst sind als Teil dieser Wesensbestimmtheit zentral für eine Kultur und sind entsprechend zu pflegen. können dann in einer nach Prinzipien strukturierten Wissenschaft (wie der Mathematik) von der – für sie unmittelbar einsichtigen (evidenten) Axiomen her – alle Einzelaussagen erschlossen werden. dass das Feuer ja seinerseits Material verzehre. im Sinne einer nunmehr in sich begründeten Metatheorie. wie er sie in seiner „Poetik“ vorlegt. Sie ist Nachahmung (mimesis). . die er von der ionischen Naturphilosophie übernommen hat. erhalten.

die überkommen sind. Natürlich sind es hier nur Fragmente. Wir hatten einen derart an Maßrelationen interessierten Ansatz der pythagoreischen Philosophie skizziert. Überliefert ist eine Prinzipienlehre.198 4 Die griechisch-römische Antike Vorsokratische Naturlehren Das ist so neu. in das. Diese sogenannte Enkephalo-myelogene Samenlehre wird im 5. und doch beschreiben schon diese Fragmente ein eigenes Vorgehen und eine eigene Art der Einsichtnahme. sondern eine Grundeigenschaft der Natur. die bis in die Details einer Naturbetrachtung hinein gebrochen erscheint. so kann nach diesem Befund die interne Organisation und die Abstimmung der Organisation der Natur und der in ihr getragenen Wesen begriffen werden. nach denen die Konstruktion des Wesens und die ihm mögliche Art der Reaktion abzulesen sei. Hier zeigt sich nun. . Aus der zentralen Stellung des Gehirnes im menschlichen Körper leitet er nun ab. Schließlich könne man „die Natur der Zahl und ihre Kraft nicht bloß in den dämonischen göttlichen Dingen wirksam sehen. die Verhältnisbestimmungen der Himmelskörper. Jahrhundert vor Chr. So seien denn auch im Kosmos. sondern auch überall in allen menschlichen Werken und Worten“ – sowie auch in allen technischen Verrichtungen und eben in der Musik. Sie werden nun aber nicht einfach summarisch übernommen. Diese Maßverhältnisse zu erkennen. Samen finden sich ihm zufolge in beiden Geschlechtern. die Maßverhältnisse abzunehmen. Die Eigenschaften der Nachkommen sind jeweils nach dem Bild von Vater oder Mutter im Samen angelegt. im dort greifbaren Ebenmaß. sondern auch die konkrete Analyse der Naturgeschichte erarbeitet werden sollte. Bei den Fossilien sei aber nun das Wasser unter dem hellen Sonnenlicht verdunstet. Die pythagoräische Naturlehre des Alkmaion von Kriton konnte in einem derartigen Verständnis von Ordnungsbeziehungen in der Natur das kosmologische Geschehen und die Reaktionen eines Menschlebens in Bezug setzen. aus sich ins Leben zu finden. was die Natur darstellt. Diese Ansicht vertritt Xenophanes von Kolophon und sie wird bis hin auf Anaximander vertreten. auch Lebensformen jeweils neu entstehen lassen kann. in günstigen Konstellationen ihrer Wirkkräfte. sind sie begriffen. die also nur Schlaglichter und kein Gesamtkonzept vermitteln. dass sich in diesem Organ dann auch der Ursprung der Samen fände. die. der die Samen dann allerdings im Fortsatz des Hirnes. in dem diese jeweils ein Maximum ihrer jeweiligen Eigenschaften an den Nachkommen zu vermitteln suchen. dass damit eben nicht nur abstrakte Kriterien. Leben ist nun nach Auffassung all dieser Philosophen keine spezifische Eigenschaft der Organismen. dann auch bei Hippon von Rhegium vertreten. Dabei spricht nun Alkmaion von Kriton das Gehirn als Zentralorgan des Verstandeswissens und der Sinneswahrnehmung an. Vielmehr sind die im neu entstehenden Menschen angelegten und gegebenenfalls verschiedene Züge beider Eltern weitertragenden Eigenschaften als Resultat eines Kampfes zwischen den männlichen und den weiblichen Samen zusammengestellt worden. Schließlich können – ihm zufolge – aus Erde und Wasser unter dem Einfluss des Sonnenlichtes neue Lebensformen entstehen. ist demnach das Ziel einer Naturforschung. und so ganz anders sind uns die Befunde und Bemerkungen der vorsokratischen Philosophen übermittelt. so dass diese entstehenden Organismen ohne das Wasser eben nicht in ihr wirkliches Leben gelangen konnten. im Rückenmark. entstehen lässt. Fossilien sind nach Anaximander so die direkten Zeugen dieser Potenz der Natur.

und so entstehen denn auch bei einer schwangeren Frau im rechten Uterusabschnitt die Söhne mit ihrer starken Seele. deutet sie aber in seinem Schematismus um: Ihm zufolge entstehen die Söhne aus dem rechten Hoden des Vaters und die Töchter aus dem linken Teil des männlichen Geschlechtsorganes. nach denen alle Dinge der Natur geformt sind. die linke aber die Schwächere. Dieser Same gibt in allen Details vor. die aber nur dann ein vollkommenes Wesen entstehen lassen. Nach dem in Athen wirkenden Anaxagoras von Klazomenai sind nun im Samen aber nicht bloß die Prinzipien für die Formierung eines neuen Individuums angelegt. So wie die Welt sei aber nun auch der Mensch als eine in sich duale Einheit angelegt. aus dem dann der spätere Organismus erwächst. wenn sie in sich abgestimmt sind. Nach der Überlieferung soll Demokrit Tiersektionen durchgeführt haben. wie das entstehende Lebewesen aussehen wird: Der Same präformiert die Form des entstehenden Organismus. vielmehr sind im Samen schon alle Körperteile vorgebildet. Wobei die Lebewesen aus Erde erwachsen. die in jeweils unterschiedlichen Zusammensetzungen dann die Vielfalt der Naturalien entstehen lassen. kommt es zu Missgeburten. Dabei sei die rechte Körperhälfte die stärkere. übermittelt sind uns hiervon nur einzelne Scherben umfassenderer Konzepte. Ordnungszusammenhänge Vorgestellt ist hier eine Rhapsodie von Fragmenten. So entstehen Mischwesen. aus denen in differenter Zusammensatzung jeweils die verschiedenen Dinge der Natur erwachsen. Vielmehr kann es nur einen Samen geben. Dies sind für ihn die Urprinzipien. So erwachsen aus diesem Bereich des Uterus dann auch nur Töchter. den dann die Frau über ihre Schwangerschaft ernährt und somit dem in ihm Angelegten zur Ausprägung verhilft. die eingebunden in Liebe und Hass beseelt werde. Auch nach Empedokles sind es die vier Elemente.1 Die griechische Antike 199 Nach Paramenides hatten wir die Welt in ihrer Dynamik durch den Gegensatz von Hell und Dunkel bestimmt gefunden. wohingegen im linken Uterusabschnitt nur schwache Seelen entstehen können. Dies zeige sich in den Entsprechungen und Differenzierungen der rechten und der linken Körperhälfte. Die Anlage des Samen ist also im Weiteren bloß auszubauen. Nach dieser Präformationslehre produziert dann auch nur der Mann Samen. Damit aber können sich auch nicht mehr zwei Samen in ihren Eigenschaften vermischen. aus denen in einem fortlaufenden Differenzierungsprozess auch die höher organisierten Lebewesen erwuchsen.4. Gelingt diese Abstimmung nicht. Die Organismen entstanden dabei nach Demokrit ursprünglich im Schlamm unter Einwirkung von Hitze. die letztlich nicht wirklich lebensfähig sind. die allerdings er- . Wie entstehen nun aber Töchter und Söhne aus den Samen eines Mannes? Um dies zu erklären adaptiert Anaxagoras die Idee der Rechtslinks-Asymmetrien des Paramenides. Zenon von Elea kennt wie auch Aristoteles vier primäre Qualitäten. Bei dem atomistischen Demokrit entsprechen die Samen Atomzusammensetzungen. Hier formten sich dann kleine blasenartige Gebilde. die verschiedne Teilqualitäten besitzen. Nur solche harmonisch in sich abgestimmte Formen überleben. diese sind damit initiierend für die weitere Agglutination der sich an diesen Samen anlagernden Atome und formen so die Gestalt des wachsenden Organismus.

dass in der Tat die Plausibilität. um so auch differenzierter darzustellen. und von denen her dann auch das Einzelne zu interpretieren ist. Diese finden sich bei ihm in einer einfachen Hierarchisierung von . Es ist eine Form der Natur. die unmittelbar einsichtige Schlüssigkeit einer Idee. was der Mensch ist. Entsprechend gilt es denn auch. wie mit Erfahrungen insgesamt umzugehen ist und wie sich eben eine Naturkunde als Erfahrungswissenschaft konstituieren lässt. Insoweit ist Sokrates damit als ein Einzelwesen bestimmt. die Natur der Dinge und nicht bloß deren Idee zu erfassen. Dabei interessiert ihn vordringlich nicht die Vielfalt und deren mögliche Systematik. diese Idee werde dann nun aber im Individuum selbst als der eigentlichen in sich bestehenden Substanz überhaupt erst realisiert. die schon im Einzelnen und letztlich dann auch in der sich in der Folge der Generationen erhaltenden Art ihren Zweck in sich selbst setzt. Im Einzelnen bildet sich so das System des Wissens ab. er systematisiert sie nicht in Blick auf eine möglichst vollständige Liste der Lebensformen. Insoweit zeigt sich hier. Nur sind es nicht einfach die Ideen. von ihr bewertet und auf diese bezogen werden. Von dem aus war dann zumindest in ersten Schemen so etwas wie ein Bild der Natur zu zeichnen. lässt sich doch hier zeigen. So ist nach Platon Sokrates als Individuum Träger seiner Eigenschaften. Erfahren werden ja nach Aristoteles nicht einfach Phänomene. in einem Individuum fundiert. So wird dann aber in der Abbildung dieses Wissenssystems auch evaluiert. Hier steht Aristoteles in der Spur Platons. Es sind Individuationen von Wirkungszusammenhängen. Bei Platon ergab sich nur aus dieser Darstellung des zur Erscheinung Findens einer Idee schon eine Stufung des Urteilens. die bezogen auf die vorliegende Wissenssystematik interpretiert. Dieser interessiert ihn – und zwar auch dies nicht einfach im Selbstzweck einer Zoologie. das die Idee dessen. die sinnvolle Verstandesoperationen begründen. ob und inwieweit es den Besonderheiten einer Einzelerfahrung auch Rechnung trägt. Damit denkt er Erfahrung neu. solche Naturforschung leitete. Und gegen diese Konstruktionen setzt sich Aristoteles in seiner Tierkunde ab.200 4 Die griechisch-römische Antike kennen lassen. neue Befunde einzubinden. Er beschreibt die Möglichkeit einer Klassifikation. die sich im Einzelnen realisieren. wie sich die Natur im Einzelnen realisiert. die ihm aber als Mensch und dabei als einem spezifischen Menschen zukommen. die sich in ihm realisiert. die hier erfahren werden. wie sich in den verschiedenen Formen Lebensprozesse organisieren. Gefunden sind damit zunächst Konstruktionen. sondern er systematisiert diese Beobachtungen jeweils nach thematischen Aspekten. sondern ihn interessiert die in der Vielfalt sichtbare Variation des Lebensprozesses. Vielmehr ist der tierische Organismus für Aristoteles ein ganz besonderes Naturding. als Einzelwesen ist es substanziell zunächst die Idee des Menschen. Entsprechend gewinnt das Tier für Aristoteles dann eben auch ein philosophisches Interesse. Das heißt nach Platon. Wie sind diese Zusammenhänge nun prinzipiell in eine Ordnung zu bringen? Dies löst Platon in seiner Darstellung von Schlussbestimmungen auf. Es ging denn auch nicht darum. Die Wirkung selbst liegt in der Natur. Erfahren werden Zusammenhänge eines Wissens. grenzt Gruppen ab. sondern eine Vielfalt von bekannten Phänomenen in einen Ordnungszusammenhang zu bringen. die dann in ihrer Summe ein neues Feld von Zusammenhängen erschließen.

4. alle Eier legenden Schildschuppen. und danach die Zuordnungen der Begriffe einstellt. Wobei durch Gegenüberstellung zweier Gegensätze bez. da er diese strikte Ausgrenzung von jeweils zwei Unterbegriffen als zu formalistisch ablehnt. Nur umgekehrt sind alle behaarten Tiere auch lebend gebärend. teils Eier legende. wenn die empirische Erfassung zur Grundlage einer entsprechenden Systematisierung genommen wird. aber teils lebend gebärende. usf. der Trennung eines Oberbegriffs in zwei Unterbegriffe bis auf die Ebene des dann begrifflich nicht mehr Teilbaren herabgestiegen wird. die einen ähnlichen Platz einnehmen. nur die Vipern bringen lebende Junge zur Welt. Tierkunde. In: Aristoteles. Lehrschriften Bd. Schnabeltier und Ameisenigel bewohnen den australische Kontinentalbereich. dass eine streng dichotome Aufteilung von Merkmalsgruppen künstliche Einheiten bilden würden. Von Natur ohne Füße ist unter den Bluttieren die Gattung der Schlangen. die in den verschiedenen Ebenen jeweils Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den begrifflichen Bestimmungen benennt. und insofern eine differenziertere Aufteilung der Merkmalsverteilung anzusetzen ist. Nicht alle lebend gebärenden haben nämlich Haare. auch diese hat Schildschuppen. Aristoteles fasst diese Regeln formal. Er ersetzt dies durch die Vorstellung einer mehrfachen Diärese (Trennung). die dann auch in einer strikten Abfolge aufzuweisen sind: Es gibt einen allgemeinen Begriff. Diese Methodik erläutert Platon in seinem Dialog Timaios.1 Die griechische Antike 201 Ordnungsbestimmungen. und zwar haben alle lebend gebärenden Haare. Resultat ist eine Begriffspyramide. S. da auch manche Fische lebende Junge werfen. der zu spezifizieren ist. waren also in der Antike unbekannt.und Unterbegriffen in absteigender Stufenfolge. dessen Spezifikation kann nun noch weiter differenziert werden. bestreitet aber ihre allgemeine Geltung. 21 Aristoteles. die mit dem Allgemeinsten beginnt.21 Hier zeigt sich schon. Und die anderen Schlangen legen alle Eier. . Paderborn 1957. behält aber das Prinzip einer hierarchischen Gliederung bei: Die ungeflügelten Vierfüßer – so schreibt Aristoteles – sind alle Bluttiere. das wilde Tier ist entweder 2-füßig oder 4-füßig. Nach Platon differenzieren wir: Alles Entstehende in beseelt oder unbeseelt letzteres ist entweder zahm (Herdentier) oder wild (Einzeltier). So erhält Platon ein System von Ober. das zweifüßige Tier ist entweder gefiedert (Vogel) oder ungefiedert (Mensch) Aristoteles erweitert diesen Schematismus. wie die Fischschuppen. 58. So ergeben sich für die Darstellung der Lebensformen zwei verschiedene Schematismen. 13. das Herdentier ist entweder Landherdentier oder Schwimmherdentier.

Jena. Von ihm stammt der in der Wissenschaft bis heute benutzte Begriff der Malacostraca (Weichschaler). Käfer Leuchtkäfer Weichtiere Kalmare Tintenfisch bei den Bluttieren gibt es Vierfüßer – Fußlose – Vögel – Fische – Seeungeheuer – Schlangen I I diese sind etwa diese sind etwa lebendgebärend lebendgebärend eierlegend u. Wobei hier auch deutlich wird. I. Allerdings werden hierin etwa 500 Tierarten nach Gestalt. unter welchen Begriff er die wirbellosen Tiere fasst. behaart und beschuppt und beschuppt Löwe Viper sonstige Hirsch Schlangen Hund etc. der Nachfolger Platons in der Leitung der Akademie (408–339). Auch unterscheidet er zwischen Bluttieren und blutlosen Tieren. Jahn. Wie differenziert diese Wertschätzung des Erfahrens zu bewerten ist.202 4 Die griechisch-römische Antike So unterscheidet Aristoteles dann22 : Blutlose Tiere Bluttiere bei den blutlosen Tieren gibt es Vielfüßer Schaltiere – Krustentiere – Kerbtiere – Muscheln Langusten geflügelt – ungeflügelt Schnecken Krabben Biene Ameise Hummer Wespe Tausendfüssler. hatten wir schon besprochen. Arbeiten. Theoretische Prinzipien werden auch bei Aristoteles aus tradierten Anschauungen deduziert. dass er sich mit Morphologie und Systematik von Tieren und Pflanzen beschäftigte. publizierten Arbeiten. Dabei zeigen die späteren in der Akademie. dass dieser neue Schematismus dann auch zu einer direkten Umsetzung im Sinne einer in unserem Sinne zu verstehenden zoologischen oder auch botanischen Systematik führte. Letztere fundieren aber eben auf Beobachtungen – die zwar selbst in einem Wissenszusammenhang begründet sind. So publizierte Speusippos. die Aristoteles selbst noch nicht vorlegte. der von Platon gegründeten Lehranstalt. welchen hohen Wert Aristoteles der Beobachtung einräumte: Man muss – schreibt er – der Beobachtung mehr Glauben schenken als dem Logos. äußerer und inne22 Vgl. aber eben doch die Einzelerfahrung zu ihrer eigentlichen Grundlage haben. die schon von ihrem Titel her zeigen. Im Lykeion. der von Aristoteles gegründeten Bildungsanstalt. . Insoweit ist der enzyklopädische Charakter der Tierkunde des Aristoteles nur vordergründig. finden wir dann unter Theophrast noch weitergehende Versuche einer umfassenden Systematisierung der Naturdinge. Grundzüge der Biologiegeschichte. 66–69. mit dem er die Krebse bezeichnete. S.

der eine liegt an der Nase. heißt unter allen Geschöpfen nur beim Menschen Gesicht. die interessieren. Lehrschriften Bd. Und genau diesen Negativbefund diskutiert Aristoteles: Dieser [Aal] bringt aus sich nichts hervor. Unterhalb der Stirn liegen die beiden Augenbrauen. so zeigen sie eine weichmütige Gesinnung an. In den Augenwinkeln stoßen oberes und unteres Lid zusammen. wenn sie nicht auf der Stelle angeben können.4. bedeuten sie herbes. haben sie wie die Kammmuschel am Grund bei der Nase eine Fleischmasse. Nur hat dies zur Folge. Die Hintergründe dieser im Laufe der Evolution stabilisierten Wanderung interessieren hier nicht. Die Aallarven werden dann mit dem Golfstrom zurück an die Europäischen Küsten verfrachtet und steigen dann die Flüsse hinauf.1 Die griechische Antike 203 rer Organisation. dass in Europa selbst Aaleier oder Aallarven nicht zu beobachten sind. die Reaktionstypen herauszuarbeiten und dann am Lebewesen zu zeigen. .23 Erfahrungswissen Zugleich wird deutlich. 60 f.und Wirkungsbeziehungen in der Natur organisieren. Dabei gilt es in der Vielfalt die grundsätzlichen Gemeinsamkeiten zu erkennen. Physiognomik Inwieweit seine Darstellung dann ihrerseits durch kulturelle Vorgaben bestimmt wird. um sich zu geschlechtsreifen Tieren zu entwickeln. den beiden Armen und den beiden Beinen: Was unterhalb der Hirnschale sitzt. Vom Gesicht eines Fisches oder Rindes spricht man ja nicht . wer vielmehr behauptet. Wobei diese Arbeit aber eben nicht auf eine Systematik der Tiere abzielt. die im Rahmen der Tierkunde eben auch die Körperteile des Menschen behandelt und hierbei nun die Strukturen der menschlichen Gestalt vor einem kulturell vermittelten Erfahrungshintergrund begreift. . was sie nicht gesehen haben. Lebensraum und Verhaltensweise beschrieben. um festzustellen. Sind diese gerade. der dann über die Autorität des Aristoteles im Weiteren Verbindlichkeit erhält: So beschreibt er den Körper mit Kopf. es würden welche gesehen. 13. Denn kein Tier dieser Art bringt lebende Junge hervor. Lebens. Diese zeigen eine schlechte Gesinnung an. und wie sich demnach Leben beschreiben lässt. in welcher Differenziertheit sich Ursache. mit Eiern jedoch ist ein 23 Aristoteles. dass Aristoteles eigene Erfahrungen bemüht. reden daher. wo sie jene haben. Tierkunde. Hals und Rumpf. einen Wissenszusammenhang aufzubauen. sind sie zur Nase hin geschwungen. . Dabei geht es im Speziellen um die Frage einer Ordnung der Merkmale und Erscheinungen des Organischen.und Vermehrungsweise. wenn sie lang gezogen sind. in der „die Kenntnis des Einzelnen die Grundlage dazu bildet“. zeigt seine Physiognomik. aus dem dann auch die Erklärung der Einzelheiten abzuleiten ist. ohne erst Eier entwickelt zu haben. . sondern die Methode des erfahrungsgeleiteten Aufbaus von Wissenszusammenhängen expliziert. um Zusammenhänge deutlich zu machen. Wir wissen heute. Hier werden die Eier ins Wasser abgegeben und befruchtet. dass geschlechtsreife Aale sich zur Fortpflanzung auf in die SaragossaSee im Atlantik südöstlich von Florida begeben. verdrießliches Wesen. Paderborn 1957. . S. In: Aristoteles. . die haarfeine grünliche Eingeweidewürmer an sich hätten. der andere an den Schläfen. was ist ein Organismus. Dies zeigt sich etwa in seiner Behandlung des Aals. so deuten sie auf Schlechtigkeit.

die er aus der Darstellung der Mechanik übernimmt. in der er explizit vergleichend physiologische und anatomische Befunde zusammenstellt. . dass die – parasitischen – Eingeweidewürmer die Larven der Aale darstellen würden. Die rhythmisch kontrahierende Struktur ist damit der springende Punkt der frühen Wirbeltierorganisation. wird diese Bedeutung der Erfahrung nicht weiter verfestigt. Ursache der Bewegung ist aber nun nicht einfach diese physikalisch nachzuzeichnende Gesetzmäßigkeit. als Realisation der Seele. Funktionen In seiner vergleichenden Anatomie beschreibt er nun die Organe der Organismen und ordnet sie nach ihren funktionellen Entsprechungen: So sind dann Differenzierungen von Flügeln bei verschiedenen Tieren als Variation einer funktionellen Lösung und damit als Variation einer bestimmten Organisationsform des Lebendigen deutbar. Ursache ist die Konstruktion als Materialbedingung. in dem er als erste erkennbare Differenzierung das sich rhythmisch bewegende Herz erkennt.. Darauf kommen wir im Kontext der Darstellung der Physik noch einmal zurück. da würden sie nur verdaut. das angeborene Pneuma. In seiner Schrift Über die Teile der Tiere. und sind erst recht nicht im Magen zu finden (wie die Eingeweidewürmer). Hier begreift er entsprechend der Auffassung der Physik seiner Zeit die Gliedmaßen eines Wirbeltieres als Hebel oder – wie er es schreibt – als Mastbaum. In seinen Schriften über die Fortbewegung der Tiere (de incessu animalium) und Über die Bewegung der Tiere (de motum animalium) beschreibt er dann auch die Mechanik der Fortbewegungsorgane und deutet ihre Form dabei als Realisation eines physikalischen Prinzips. das punctum saliens. Hier beschreibt er das Herz als Zentralorgan. und zwar .24 Hier diskutiert Aristoteles die Auffassung. das die Quelle der Lebenswärme darstellt und als die erste erkennbare Struktur im sich entwickelnden Embryo den Sitz der Seele darstellt. dessen Beschreibung zeigt. 187. Die Ursache der Bewegung nutzt vielmehr die physikalischen Gegebenheiten. . dass Aristoteles entweder selbst seziert hat oder sehr genau von einer entsprechenden Sektion unterrichtet wurde. Aristoteles argumentiert zum einen systematisch – für diese Organisationsform der Tiere sind keine lebendgebärenden Formen bekannt. . um diese Bewegung auch umzusetzen. Die Embryonen von lebendgebärenden Formen flottieren nicht frei durch den Körper. wo sie – wie Aristoteles schreibt – verdaut würden. und zum zweiten funktionsmorphologisch. die erste wahrnehmbare strukturelle Differenzierung. sondern entwickeln sich im Uterus. die nun entweder in einem hö24 Ebd. die sich durch das einströmende Blut bei der Extension des embryonalen Herzmuskels schon in einem sehr frühen Stadium im embryonalen Gewebe abhebt und so vor jedweder anderen strukturell sichtbaren Differenzierung des Vogelembryos zu erkennen ist.204 4 Die griechisch-römische Antike Aal noch nirgendwo gesehen worden und die lebend Gebärenden tragen die Jungen in sich. Entsprechend kann er dann die Einsichten in die Funktion des Hebels nutzen um die funktionellen Differenzierungen der Bewegungsorgane zu deuten. Er beschreibt die Sektion eines bebrüteten Hühnereis. an einer Gebärmutter festgewachsen. und nicht lose im Bauch. das dann die hinreichende Bedingung für die Übertragung einer letzten Verursachung darstellt. S.

dass sich Aale – die wie wir wissen nachts. ausgeprägt haben.25 Er kennt die Fortpflanzung durch Knospung. In der Schrift über die Entstehung der Lebewesen (De generatione animalium) finden wir wiederum eine Fülle von Einzelbeobachtungen aufgezeigt. sondern zusehends auch die Resultate gezielt angesetzter Experimente – wie etwa die Sektion einzelner Tiere – in den Zusammenhang einer Lebenswissenschaft eingebunden werden.26 Dabei zeigt gerade seine Darstellung – die in Form eines negativen Schlussverfahrens zur Annahme der generatio spontanea bei Aalen kommt – dass er hier auf Beobachtungen verweist. S. In: Aristoteles. 26 Aristoteles. .4. Dafür gibt es einen Beweis. Auch der Befund. . Bei Trockenheit dagegen und in ständigen Seen entstehen sie nicht. Läuse. Schließlich wird ggf. 13. Tierkunde. wie nicht nur Einzelbeobachtungen. Nein. . die zum Teil neu sind.Paderborn 1957. die durch Urzeugung sich im Lehm und feuchter Erde entwickeln.1 Die griechische Antike 205 heren Zweck in Form einer unwillkürlichen Bewegung zu etwas dient. 187. Dabei vermengen sich solche Befunde. diese ganze Bluttiergattung entsteht nicht aus Begattung oder aus Eiern. deren Wasser ganz ausgeschöpft ist und deren Lehm zusammenbackt. auf den hin sich die Konstruktion des Bewegungsorgans und die Steuerungsvorgänge. dass diese Formen im Restbestand des schlammigen Wassers unter Sonneneinwirkung spontan entstanden seien. über die der Bewegungsapparat in Gang gesetzt wird. so dass die Vorstellung nicht unplausibel erscheinen mag. . unterstützt dies. vielmehr bilden sie sich aus den sogenannten Erddärmen (Regenwürmern). Mücken und Aale. da sie vom Regenwasser leben und sich nähren . erst bei Trockenfallen solcher Gewässer dieser Aalbesatz offensichtlich. oder als willkürliche Bewegung auf etwa hin ausgerichtet wird. 25 Nach der einmaligen Paarung vor Gründung des Bienenstaates legen die Bienenköniginnen über Jahre – ohne erkennbare erneute Befruchtung Eier. kennt aber auch die hermaphroditische Erzeugung von Nachkommen (Parthenogenesis). Über Letztere schreibt er: Die Aale bilden sich weder aus Paarung noch legen sie Eier . In versumpften Teichen. dass Haie wie der Glatthai lebendgebärend sein können. Solch eine Generatio spontanea vermutet er für Würmer. bei feuchtem Wetter über hunderte von Metern über Land zu einer Wasserstelle kriechen können – auch in Wassertümpeln ohne jede Verbindung zu einem Fluss finden lassen. Flöhe. oder die Beschreibung der Allantois der Vögel oder die Darstellung früher Stadien der Embyrogenese dieser Tiergruppe mit deduktiv erschlossenen Bemerkungen. Die letzte Ursache der Bewegung ist deren Zweck. Entwicklung So beschreibt Aristoteles eine zweigeschlechtliche Zeugung. wie etwa die Entdeckung. wie sie sich bei niederen Tieren wie etwa der Hydra beobachten lässt und nimmt für einige Formen eine spontane Lebensentstehung (Generatio spontanea) an. . Lehrschriften Bd. diese beschreibt er für Pflanzen und Bienen sowie für einige Fischarten. bilden sie sich wieder sobald Regenwasser hineinkommt. und damit – wie etwa die Entdeckung der Plazenta des Glatthais – eine vereinfachte dichotome Klassifikation der Tiermerkmale in Frage stellen (wie die in genau diesem Sinne auch in der Tierkunde angeführt wurde) – und die zudem auch noch einmal demonstrieren.

sondern folgt einer übergreifenden Abstimmung. Insgesamt ist damit dann aber auch zu erklären. Das bedeutet aber auch. Je weniger diese (mütterliche) Materie diese Formanlagen gehemmt hat. Zweckbestimmungen In der Keimesentwicklung werden nun die Organe sukzessive aus ungeformtem Stoff ausgeformt. der Materie angelegte Möglichkeit ausgeformt. die zum Stillstand kommt. Die Entelechie ist als das Konstruktionsprinzip des Organismus so zugleich Ursache – als das die Dynamis lenkende Prinzip – und Ziel – als die in sich angestrebte Organisation.206 4 Die griechisch-römische Antike Der Regelfall ist nach Aristoteles aber eine zweigeschlechtliche Fortpflanzung. in den Augen des Aristoteles einfachen. hemmende materielle Prinzip der Mutter entgegensteht. die Entelechie. Entsprechend ist dann eine Artkonstanz zu denken. vom Vater stammt. Aber auch diese Formen bilden damit ja nur die Entelechie der Natur in den bestimmten Materiekonstellationen ab. Dabei entsteht Aristoteles zufolge der Same selbst als ein Umwandlungsprodukt des Blutes. diesen Prozess nennt er Epigenese. die für sich an sich Zweck sind. sondern entwickeln eine bestimmte. um in dieser Abstimmung der in sich bestimmten Wesen die Natur . in Form einer Urzeugung. Dabei stehen die einzelnen Organisationen. in der sie sich im Ganzen der Natur abstimmen. In dieser wird die im Stoff. Dieser Wandlungsprozess der Materie wird durch eine diese Materie formende und damit diese Epigenese bewirkende Kraft bedingt (Dynamis). dass das Formprinzip. dem nun das passive. wenn das Ziel erreicht. h. Derart sind die verschiedenen Lebensformen denn auch zueinander zu gruppieren. das Material zur Verfügung stellt. d. die Form wird aus ihrer durch den Samen eingebrachten Anlage heraus entwickelt (Entelechie). die als Bedingung dieser Urzeugung aufzuweisen ist. die sich als eine Stufenfolge der Organisation vom Einfachen zum Komplexen darstellen lässt. wie es zu einer Konstanz der Arten mit leichter Variation ihrer phänomenologischen Ausprägung – etwa in Größen. während der weibliche Same. Floh bis hin zu dem komplex organisierten Menschen – nun aber nicht in einem einfachen Nebeneinander. Vererbung erklärt Aristoteles nun mittels seiner Samenlehre: Das aus dem (durch das Herz beseelten) Blut entstandene Sperma des Vaters formt die im Menstrualblut der Mutter abgegebene Materie. Wobei Aristoteles eine hämatogene Samenlehre vertritt. Der zufolge bildet der männliche Same das Prinzip der Bewegung und trägt die Formkraft. desto mehr ähnelt der Nachkomme dann auch dem Erzeuger. Dem entgegen steht dann nur eine kleinere Gruppe von Formen. die dieses männliche Formprinzip hemmt. Dabei zeigt sich die einzelne Lebensform – in der Spannweite von dem spontan entstandenen.und Färbungsunterscheiden – kommt. die durch spontane Lebensentstehung. diese Anlage wird in der Entwicklung so gleichsam zur Erscheinung gebracht. der Entelechie der Naturanlagen folgende Form. Demnach entstammt die körperliche Substanz eines Kindes von der Mutter und dessen Seele vom Vater. der fertige Organismus entstanden ist. das dann durch die Befruchtung in seine angemessene Form gebracht wird. noch einmal in einer höheren Zweckbestimmtheit. setzen also die Formvielfalt des Organischen nicht ins Chaotische. entstehen. Wird doch über den Samen das Formprinzip über die Generationen weitergegeben. Die Entwicklung vollzieht sich also zielbezogen. das Ei.

in dem ihnen zufolge eine bestimmte Zuordnung von physikalischen Grundelementen zu beschreiben ist. zureichend.4. Schließlich ist etwa ein Geruchsstoff etwas. Wie ist dann aber die Autonomie einer Lebensform zu begreifen? Wie ist in Kenntnis der physiologischen Grundanlage der Lebensprozess einer Lebensform anders nach diesem atomistischen Muster zu beschreiben? Hierzu sucht Aristoteles in seiner Schrift über die Seele (de anima) eine Antwort. Demnach aber sind dann auch die verschiedenen Stufen Ausprägungen eines natürlichen Prinzips. Demnach kann mir die Analyse der Funktionalität eines Organismus dann auch dessen Zweckbestimmtheit und somit dessen Wesen erklären. Das bedeutet dann auch. Insoweit ist er dann auch zweckmäßig organisiert. um die Reaktionen eines Wesens eben als Effekte der entsprechend induzierten Interaktionen zu deuten: Sinnesorgane. die diese Realisierung des Gesamtzusammenhanges ermöglichen.1 Die griechische Antike 207 in der Diversität ihrer Formen. die nun auch nach diesem Zweck reagiert und demnach als eine integre. dass der Unterschied in den Ausprägungen der verschiedenen Stufungen natürlicher Organisation ein gradueller ist. als Seele. aufrecht zu erhalten. Diese Formationsbedingung wird also nicht durch die Materie vorgegeben. den Organismus als eine nach einem Zweck aufgebaute Form zu beschreiben. sondern umgekehrt ist die Form als in sich bestimmte Entität. nur ist dieser Zwecke nicht an ihn angelegt. Dabei sind alles Leben und damit alle Lebensformen in solch einer Zweckbestimmtheit zu beschreiben. Die Organe eines Organismus sind demnach Werkzeuge. sondern vielmehr wird diese jeweils nach diesen Bedingungen strukturiert. Wie nun aber sind in einem physikalischen Raum die Wirkungen zu beschreiben. Dabei geht es darum. als Vielfalt an sich konstanter Arten. die auf physikalische Veränderungen in der Umgebung reagieren. sondern aus ihm selbst erwachsen. So bestimmt sie ihr Umfeld als eine mit dieser Ausrichtung von ihrer durchmessene Landschaft. dasjenige was die Funktions- . sind zunächst im Sinne dieser Atomisten zu beschreiben. der sich in sich selbst bestimmt und nach dieser Selbstbestimmung die ihm möglichen Reaktionen festlegt. das durch seine Präsenz in der Nase etwas bewirkt. das als Effekt seiner Präsenz zu beschreiben ist. in sich bestimmte Einheit zu beschreiben ist: Solch eine in sich bestimmte Einheit lässt dann eine Referenz auf ein Außen eben nur nach Maßgabe ihrer Zweckbestimmung zu. in der sie die ihr möglichen Reaktionen vollzieht. Demnach bestimmt nicht die Materie die Form (wie bei den Atomisten). Bestimmt sind sie dabei aus der Entelechie des Organismus. auf die und über die eine Lebensform reagiert? Der Auffassung der Atomisten zufolge. wie sie etwa Demokrit formulierte. Diese sind auf ein Außen hin insoweit abgestimmt. in der sich die Materie jeweils nach den Maßgaben der einzelnen Zweckbestimmungen formiert. als sich der Organismus nach seiner Zweckbestimmtheit in dieser Umwelt zu etablieren vermag. und so auch zwischen dem Lebendigen und dem nicht Lebendigen die Differenz eben nur graduell und nicht prinzipiell ist. war das Prinzip von actio und reactio. Daraus sind sie konzipiert und insofern eben auch zweckmäßig angelegt. So löst sich dann in der vergleichenden Analyse die Funktionalität der Lebensformen des einzelnen Organismus eben nicht in den Abstimmungen einzelner atomistisch zu beschreibender Reaktionen auf. Diese werden von ihm vielmehr in den Gesamtzusammenhang seiner Organisation integriert und daraus in ihrer Funktionalität bestimmt.

so wie der Bildhauer eine Statue schafft. in denen er sich dann als Lebensform ausbildet. Empfindungen. Und schließlich gibt es die Zweckursache. Dieser Zweckbezug entschlüsselt sich in der Darstellung der Wirkreihen. Dabei erkennt Aristoteles in der unterschiedlichen Organisationshöhe der Lebensprozesse eine Differenzierung des entsprechenden Seelenlebens: So kommt dann den Pflanzen. indirekt. Hamburg 1995. Buch II. eine Differenzierung der Formationsprinzipien und über diese eine differenzielle Seelenlehre zu entwickeln. das Ziel. 31 f. 2. Das.208 4 Die griechisch-römische Antike möglichkeiten und die Anlage solcher Funktionalität bestimmt. Die Wirkung gerade dieser Schrift des Aristoteles war enorm. Philosophische Schriften. in Abhängigkeit von der Realisierungsstufe des an sie angelegten Zweckes. ist an diese materiale Voraussetzung gebunden und durch die Reaktionsbreite. die causa efficientes. in sich bewegte und aus sich bestimmte Qualität begriffen. in sich bestimmt und so als ein lebendiges Ganzes von Lebensformen zu beschreiben. . 27 Aristoteles. die Formierung des Lebendigen zu begreifen und dabei dann aber auch die Natur insgesamt als eine derart in sich bestimmte und insoweit auch insgesamt zweckmäßig organisierte Größe zu beschreiben. Im Vergleich der Formierungen ist so. wobei er derjenige ist. in ihrer Struktur abgestimmt und als eine ewige. Diese zeigt sich im Organismus in der Abstimmung der Reaktionen. die nur Stoffe aufnehmen und sich nicht bewegen. Die Tiere. Derart ist die Natur denn auch als eine aus ihrem Zweckbezug zu begreifende Struktur darzustellen. 4. Die materielle Ursache. besitzen zudem eine Empfindungsseele. in denen sich das Natürliche bestimmt. Allen gemein ist dabei. dass sie jeweils in sich bestimmt – und damit eben auch lebendig – bleiben. also etwa der Aufbau eines Kristalls. Hierbei unterscheidet Aristoteles:27 1. auf das hin etwas zur Ausprägung kommt. So sind sie dann in ihren Formen auch jeweils als in sich zweckbestimmte Größen zu beschreiben. die in der Gestalt eines Dinges sichtbar wird. der die von ihm bearbeitete Materie in ihre Form bringt. die causa formales. die causa materialis. die causa finalis. Aristoteles. Naturobjekte waren so in ihrer Natur zu beschreiben. Als Seele ist sie dann auch in diesem ihrem Effekt zu beschreiben. Daneben gibt es die sogenannte Wirkursache. die dieses Material zulässt. Physik. woraus etwas entsteht. eingeschränkt. Hier war den Atomisten nicht nur Paroli geboten. in der sich die Materie findet. in dem sich die dies formenden Atome nach den (ladungsbedingten) Formierungseigenheiten ausprägen. Formprinzipien oder die Formursache. Hierbei handelt es sich um die Form. Die hieraus erwachsene Natur war so in sich zu begreifen. 3. Bd. Kap. Beim Menschen erweitert sich diese um eine Vernunftseele. sinnliche Erfahrungen und Lebensprozesse beschrieben werden können. zunächst nur eine Ernährungsseele zu. 6. das ist dasjenige. Lebensformen in unterschiedlicher Organisationshöhe. der Ansatz des Aristoteles erlaubte es auch. S. in der dann auch Denken. 3. was entsteht. das die Formierung eines Materials bewirkt. die auch Empfinden und so nach diesen Empfindungen reagieren. In diesen Formierungen entstehen nun.

. . ob es eine ewige Bewegung gibt oder nicht . zuerst einmal in den Lebewesen selbst. muß ein anderer im Zustand der Ruhe sein. ) resp.28 In dieser Vielfalt der Realisationen wird dann deutlich. . was Bewegung ist und in welchen Realisationen sie zu beschreiben wäre: Daß nun der Ursprung der anderen Bewegungen das ist. Wasser . bewegt sich ein Punkt in dem Gelenk. Denn wenn sich einer ihrer Teile bewegt. was sich selbst bewegt. wenn sich nichts im Zustand der Ruhe befindet. . in dem sich das Gelenk befindet. . Denn sie gebrauchen die Gelenke wie einen Mittelpunkt. teils durch Gehen . und der ganze Teil. . . .1 Die griechische Antike 209 Wobei dieser Organismus dann seinerseits in einer neuen Hinsicht aber auch wieder als Material angenommen werden kann (causa materialis). stellt sowohl einen Teil als auch zwei Teile dar. In dieser Betrachtung wird dann nach Aristoteles auch verständlich. . S. . welcher Art sie auch immer sei. da er sich potentiell oder aktualiter mit Hilfe des Gelenks verändern kann. . mit deren Hilfe wir auch die allgemeinen Theorien aufstellen . Schließlich wird hier in den Funktionen der Lebewesen unmittelbar ein Zweckbezug deutlich. . 9. ist früher festgelegt worden ((als wir auch darüber sprachen)). die Physik von der Zoologie her aufzurollen. Insgesamt wird damit eine Welt als eine teleologische. Dieses Problem darf man aber nicht nur allgemein theoretisch fassen. Über die Bewegung der Lebewesen. Zoologische Schriften II. Wobei dies durch sogenannte abiotische Faktoren (Klima. So schreibt denn auch Aristoteles in seiner Darstellung Über die Bewegung der Lebewesen: Jetzt dagegen soll eine allgemeine Untersuchung über die gemeinsame Ursache der Bewegung.4. ist sowohl gerade als auch gebeugt. das sich in einem Ökosystem in einem Formzusammenhang einfindet (causa formalis). In: Aristoteles. als solch eine unter Zweckbezug stehende Einheit bestimmbar und so in ihrer Organisation zu verstehen. 29 28 Aristoteles. . in den sich die Funktionalität der Physiologie und in diese hinwiederum dann auch die Physik einbindet. statthaben. eine Umschichtung in diesen bestimmt ist (causa efficiens) und dabei letztlich eine funktionsfähige Bioszönose zum Resultat hat. Insofern macht es dann auch Sinn. teils durch Schwimmen. daß Bewegung unmöglich ist. . für dies aber das Unbewegte und daß der erste Beweger unbewegt sein muss. Landschaftsform. So ist dann die Einzelheit in Bezug auf diesen Gesamtzusammenhang organisiert. Wenn er sich beugt und bewegt. . denn die Lebewesen bewegen sich teils durch Fliegen. auf eine Endursache hin strukturierte Vielfalt von Formdiversifizierungen verstanden. Berlin 1985. . Und deswegen gibt es bei den Tieren Gelenke. wobei er dann auch auf diesen Gesamtzusammenhang hin abgestimmt ist (causa finalis). Punkt B aber bewegt würde und die Linie AC entstünde . von den mathematischen Gegenständen bewegt sich nämlich keiner . sondern man muß es auch an den einzelnen Erscheinungen und den sinnlich wahrnehmbaren Gegebenheiten untersuchen. und der andere bleibt unbewegt. wie wenn von einem Durchmesser Punkt A und D an ihrem Platz bleiben. Denn es wird auch bei diesen Dingen deutlich. . warum etwas in einer bestimmten Ausprägung existiert. 29 Ebd. .

So machen es ja auch die Kinder: Anfangs reden sie jeden Mann mit „Vater“ an und mit „Mutter“ jede Frau. in: Aristoteles. dann einen jeden Gegenstand zu erkennen. Also muss ich nach Aristoteles das Segel höher setzen. ist nicht dasselbe. Und zugleich wird hier auch der Sinn einer vergleichenden Betrachtung darstellbar. „Kreis“. um so die Windkraft optimal zu nutzen. daraus entsteht. Aristoteles arbeitet 30 Aristoteles Physik. daß man eben diese kennen lernt – denn wir sind überzeugt. Ganzheit bedeutet aber doch so ein Ganzes. wenn man es auseinandernimmt. Die über den Hebelarm auf das Schiff wirkende Kraft des Windes drückt dies nach vorne. Denn nach der Sinneswahrnehmung ist immer das Ganze bekannter. später unterscheiden sie hier ein jedes genauer. Verlängere ich die Distanz zwischen Ansatzpunkt der Kraft und dem Drehpunkt wird die angelegte Kraft größere Wirkung entfalten. damit die Funktion des Gelenkes erklärt und nun Konstruktionsprinzipien beschreibt. Physik So beginnt Aristoteles seine Physik denn auch mit einem methodischen Ausblick: Da Wissen und Verstehen bei allen Sachgebieten. Fasse ich den Mast als einen Hebel auf. . 1. was der Natur nach klarer und bekannter ist. – Deshalb muß also auf diese Weise vorgegangen werden: Von dem der Natur nach Undeutlicheren uns aber Klareren hin zu dem. z. weshalb jemand das Schiff von außen mit Leichtigkeit bewegt. zunächst über die Grundsätze Bestimmungen zu treffen.210 4 Die griechisch-römische Antike Insoweit wird nun in der Tat in der Bewegung der Lebewesen die Bewegung insgesamt beschreibbar. Um diese Wirkung zu erhöhen und das Schiff schneller zu machen. 6. so wird dann – nach Aristoteles – der Wind auf diesen Hebelarm. in denen es Grund-Sätze oder Ursachen oder Grundbausteine gibt. an dem ein Segel angebracht ist. Hamburg 1995. Dies untersetzt er durch ein lebensweltliches Beispiel: Ein Beweis hierfür ist aber das Problem. B.30 Wie er dieses Programm umsetzt. die er – wie schon angedeutet – als Hebelbewegung beschreibt. die Kraftwirkung vergrößert werden. um den Wind einzufangen. wenn er den Mast oder irgendeinen anderen Teil bewegt. So sind dann auch differente Skelettkonstruktionen zu beschreiben. – Ganz ähnlich geht es ja auch den Wörtern im Vergleich zur Begriffserklärung: Sie sagen unbestimmt ein Ganzes aus. Deswegen muß der Weg von den Ganzheiten zu den Einzelheiten führen. Uns ist aber zuallererst klar und durchsichtig das mehr Vermengte. zeigt seine Darstellung der tierischen Bewegungen. die Bestimmung des Kreises nimmt ihn dann in seine einzelnen Bestandsstücke auseinander. deshalb ist klar: Auch bei der Wissenschaft von der Natur muß der Versuch gemacht werden. Philosophische Schriften. wenn wir seine ersten Ursachen zur Kenntnis gebracht haben und seine ersten Anfänge und (seinen Bestand) bis hin zu den Grundbausteinen –. Später erst werden aus diesem bekannt die Grundbausteine und die Grund-Sätze. denn die allgemeine Ganzheit umfaßt viele Einzelmomente als ihre Teile. – Denn was uns bekannter ist und was an sich. S. Bd. reicht es – nach Aristoteles – den Mast zu verlängern: Der Wind drückt gegen den Mast und bewegt damit für Aristoteles das im Drehpunkt des Mastes gelagerte Schiff nach vorne. Es ergibt sich damit der Weg von dem uns Bekannteren und Klareren zu dem in Wirklichkeit Klareren und Bekannteren. Dabei kann dann für ihn durch einfache Verlängerung des Hebelarmes bei ansonsten gleichen Bedingungen.

4.1 Die griechische Antike

211

hier also in einem Modell, das er an eine Erfahrungswirklichkeit anlegt, mit ihm einen bestimmten Zusammenhang demonstriert und entsprechend daraus eine Erklärung ableitet.
Hinsichtlich der Konstruktionsform eines Gelenkes und des anliegenden Knochens kann
er damit einen Funktionszusammenhang plausibel machen und somit die causa formalis
bestimmen, die dann nach Klärung des Materials, der causa efficiens und nach Darstellung
des Zweckbezuges der Konstruktion erklärt, warum etwas in einer bestimmten Weise ist.
Unter Bewegung (kín¯esis) versteht Aristoteles jegliche Art von Veränderung. Alles das,
was sich verändert, wird in seiner Physik beschrieben. Es ist, wie er in Buch schreibt: Das
endliche Zur-Wirklichkeit-Kommen eines bloß der Möglichkeit nach Vorhandenen, insofern
es eben ein solches ist.31 Demnach muss also jede Veränderung bereits in den Möglichkeiten des sich verändernden Dings angelegt sein. Wird diese Anlage realisiert, dann ist dies
eine Veränderung: Wenn etwas, das gebaut werden kann, insofern wir eben diese Eigenschaft
von ihm aussagen, zu seiner endlichen Verwirklichung kommt, dann wird es eben gebaut und
dies ist dann „Bauen“.32 Als zufällig ist etwas dann zu beschreiben, wenn im Bereich der Geschehnisse, die im strengen Sinn wegen etwas eintreten und deren Ursache außer ihnen liegt,
etwas geschieht, das mit dem Ergebnis nicht in eine Deswegen-Beziehung zu bringen ist.33
Dazu gibt er folgendes Beispiel: Ein Pferd, das aus dem Stall herauskommt, entgeht einem
Unglück, dem es im Stall ausgeliefert gewesen wäre. Es ist aber nicht herausgekommen,
weil es dem Unglück entgehen wollte (schließlich „wusste“ es nichts von diesem möglichen Unglück). Hier würde man dann sagen, dass das Pferd zufällig herausgekommen sei.
Aristoteles zufolge ist das, was in sich selbst einen Anfang von Veränderung und Bestand
hat Natur.34 Dieser Natur gegenüber stehen die die vom Menschen durch Kunst (téchn¯e)
erschaffenen und erhaltenen Dinge.
Der Ort ist für ihn die unmittelbare, unbewegliche Grenze des Umfassenden.35 Dies ist
ein Bereich, in dem sich etwas finden lässt, der insoweit unabhängig von seiner konkreten
Füllung als Bereich ausgewiesen ist. Faktisch ist dieser Bereich nie leer, aber definiert ist
er als eine mathematische Größe: als Bestimmung des Bereiches, in dem sich Bewegungen
ereignen, der aber eben nicht selbst in Bewegung ist.
Zeit ist für ihn die Meßzahl der Bewegung hinsichtlich des „davor“ und „danach“.36 Demnach ist Zeit eine teilbare Größe So können wir dann Veränderungen als Veränderungen
in dieser Zeit bemessen und damit auch die Zeit vermessen. Grundlegend für ihn ist dabei der Begriff der Veränderung, der sich nun aber in einer Bewegung konkretisiert, in der
dann die Zeit als eine physikalische Größe zu bestimmen ist. Dabei ist ihm die Welt als eine
unendliche in sich bestimmte Größe zu beschreiben, die sich zwar in der Zeit bewegt und
sich so in ihren Konstellationen variiert, ohne dabei aber doch sich selbst in ihrer Substanz
31

Ebd, S. 51.
Ebd.
33
Ebd., S. 40.
34
Ebd., S 25.
35
Ebd. S. 85.
36
Ebd., S. 106.
32

212

4

Die griechisch-römische Antike

zu verändern: Die Welt und in ihr die Natur ist eine konstante dynamisch sich in sich entfaltende Größe, die an sich der Zweck all ihrer Existenzen ist, die sich so aus ihr als dem
Zweck aller Bestimmungen begreifen lässt.
4.1.3.1.5 Die Schule des Aristoteles
Theophrast von Eresos, 371–287, war ab 322 Leiter des von Aristoteles gegründeten Lykeions. Er baute auf den Arbeiten seines Lehrers Aristoteles auf, denen er allerdings nicht
unkritisch gegenüberstand, die für ihn aber dennoch immer die Referenz boten, zu der er
sich positionierte und über die er mit seinen Diskussionsvorschlägen letztlich auch nicht
wesentlich hinauswies. Allerdings hat er eine formale Schlusslehre ausgearbeitet, in der
er die aristotelische Lehre vom Möglichkeitsurteil umgestaltete und so die Lehre des hypothetischen Schließens begründete. Vorgelegt wurden von ihm eine Analytik und eine
Topik. Er erarbeitete im Bereich der Metaphysik eine Diskussion der Lehre eines unbewegten ersten Bewegers. Er diskutiert die aristotelische Auffassung einer teleologischen
Interpretation der Welt, da eine finale Ursache eben nur schwer eindeutig zu bestimmen
sei. Vorgelegt wurde von ihm ferner eine Physik, in der – ganz dem Aristoteles folgend – eine allgemeine Bewegungslehre, eine Lehre der Himmelsbewegungen und eine Seelenlehre
dargestellt wurden. Zudem ergänzte er die systematische Naturkunde des Aristoteles – um
die Bereiche der Steinkunde und der Botanik. Hierbei legte er – ganz im aristotelischen
Sinne – eine erste Schrift über die Ursachen im Pflanzenreich – de causis planetaris – vor,
an die sich eine zweite Arbeit über die Naturgeschichte der Pflanzen anschloss, in der etwa
550 Pflanzenarten beschrieben sind. Dabei geht er – ganz im Sinne des Aristoteles – von einer Analyse der Funktionsmorphologie des Pflanzenkörpers aus. Er beschrieb die Teile der
Pflanzen, unterschied zwischen ungleichartigen (Organen) und gleichartigen (Säfte, Fasern
etc.). Allerdings hält er dabei fest, dass die Pflanzen – im Gegensatz zu den Tieren – gar
keine Organe von einer bestimmten, auf einen definitiven Endzustand hin laufenden Gestalt besitzen, da sie kontinuierlich wachsen. Von daher wird für ihn dann auch ein direkter
Vergleich der Organisation von Tier und Pflanze problematisch: Denn was zur Vergleichung
nicht angetan ist, damit soll man sich durchaus nicht abmühen, um nicht den der Sache angemessenen Gesichtspunkt zu verlassen. So seien etwa die Wurzeln nicht einfach der Mund
der Pflanzen, sondern eher Verdauungsorgane. Insofern wären die vereinfachenden Zuordnungen des Aristoteles, der schlicht eine Formreihe in einer Abstufung der Funktionen
von der pflanzlichen zur tierischen Organisation aufstellte, problematisch.
Seine Systematik erarbeitete er nun auf Grund von Baueigentümlichkeiten des Pflanzenkörpers. Dabei erwachsen gleichartige Ursprungsteile aus den vier Elementen, die insofern
auch das Prinzip des Flüssigen, Festen, Warmen und Kalten auf einer höheren Ebene repräsentieren. Insoweit entsprechen dann diesen vier Grundelementen der Physis der Saft, die
Fibern, die Adern, und das Fleisch der Pflanzen. Aus diesen erwachsen dann die sogenannten gleichartigen Teile: Rinde, Mark, Holz, die bei den verschiedenen Pflanzen zu finden
sind. Aus diesen gleichartigen Teilen setzen sich dann – hinwiederum – die sogenannten
ungleichartigen Teile zusammen. Diese können nun nach ihrer Funktion unterschieden

4.1 Die griechische Antike

213

werden. So bilden sich dann die Hauptteile: Wurzel, Stängel oder Stamm, Zweig und Reis
sowie die temporären Teile der Pflanze. Zu den Letzteren zählt Theophrast die Blüte, das
Kätzchen, das Blatt, die Frucht und auch den Keim der Pflanze.
Eine Systematik erstellt er nun auf Grund der Beschreibung der Existenz oder Nichtexistenz dieser Teile. Eine weitere Feinrasterung ergibt sich dann infolge der Darstellung von
Unähnlichkeiten nach Gestalt, Farbe, Größe und Menge und – in einer dritten Ebene –
auf Grund einer Bestimmung der Stellung der pflanzlichen Organe, wie etwa der Blätter
und Zweige bei einem ansonsten ähnlich erscheinenden Habitus pflanzlicher Gestalt. Allerdings wird von Theophrast die somit vorgelegte vergleichende Gestaltlehre dennoch nicht
zu einem Pflanzensystem in unserem Sinne, mit der Abgrenzung von einzelnen Gruppen
und einer Darstellung von deren relativen Verwandtschaftsverhältnissen ausgebaut. Ihm
zufolge dient diese Beschreibung zunächst zur Darstellung und zur Abgrenzung des einzelnen Pflanzentypus. Diesen beschreibt er etwa wie folgt:
Der Papyros wächst gar nicht so tief, sondern etwa zwey Ellen, an manchen Orten noch
weniger tief. Die Wurzel ist so dick wie die Handwurzeln eines starken Mannes; die Länge ist
über zehn Ellen. Sie tritt selbst über die Erde hervor und schickt seitlich dünne und gedrängte
Wurzeln in den Schlamm, aufwärts aber treibt sie dreyseitige Halme, die man Papyroi nennt;
diese wachsen vier Ellen hoch und haben einen unbrauchbaren schlaffen Schopf; Früchte hat
sie gar nicht. Die Wurzel treibt in alle Richtungen eine Menge solcher Halme. Der Wurzel bedient man sich statt des Holzes, nicht bloß zum Brennen, sondern man macht auch allerley
Geräthe daraus; denn sie haben viel und schönes Holz. Die Halme aber sind zu sehr vielen
Dingen nützlich; denn selbst Fahrzeuge fertigt man daraus; aus dem Baste (Biblos) flechten
sie Segel und Matten, eigene Gewänder, Teppiche und Seile und viele andere Dinge. Den Auswärtigen ist besonders das Papier bekannt. Doch ist vorzüglich der bedeutendste Nutzen in
der Nahrung zu suchen, die man aus der Staude zieht. Denn es kauen alle Einwohner den
Papyrus, sei es roh, gekocht oder geröstet. Den Saft verschlucken sie, das Gekauete werfen
sie aus. So ist der Papyrus beschaffen, und solchen Nutzen hat er.37 Und insoweit zeigt sich
bei Theophrast die empirische Ausrichtung der durch Aristoteles initiierten Naturlehre des
Lykeions.

4.1.3.2 Strukturen der Wissensvermittlung im Hellenismus
und deren Nachwirkung
Nach der Auflösung des Alexanderreiches hatte sich die Macht im Osten neu verteilt. Die
Stadtstaaten der griechischen Halbinsel waren weiterhin von Mazedonien dominiert. Das
Ptolemäerreich hatte sich auch auf die Küstenstädte Kleinasiens ausgeweitet und war damit ökonomisch und zusehends auch kulturell dominierend. Bis hin zur Auflösung eines
eigenständigen Pharaonenreiches durch die Römer war es die führende Macht im östlichen Mittelmeerbereich und behielt seine kulturell dominierende Stellung auch noch bis
in das zweite Jahrhundert nach Chr.. Mit dem zunehmenden Interesse Roms am Osten und
den zunehmenden Anforderungen des neunen politischen Systems, für das das tradierte
37

Theophrat’s Naturgeschichte der Gewächse. 1. Theil. Übers. v. K. Sprengel. Altona 1822, S. 158.

214

4

Die griechisch-römische Antike

griechische Kulturerbe zunächst nur eine Marginalie darstellte, baute sich die kulturelle Bedeutung Alexandriens zunehmend ab. 30 v. Chr. wird es zur Hauptstadt einer römischen
Provinz. Seine lokale Dominanz bleibt unangefochten, nur ist es jetzt Teil eines übergeordneten Gefüges und nicht mehr selbst das Zentrum einer sich neu versichernden Kultur.

Alexandria

Im Zentrum des antiken Alexandria lagen die königlichen Paläste, in deren unmittelbarem Umfeld fanden sich auch das Museion und die alexandrinische Bibliothek. Bei
den königlichen Palästen lag ferner die Begräbnisstätte Alexander des Großen und
der ptolemäischen Pharaonen. Neben dem Wohnbezirk der Ägypter gab es einen
Wohnbereich der Griechen, die sich so nicht integrierten, sondern ihrer sozialen
Stellung entsprechend separierten. Zudem gab es ein eigenes Areal, das von einer
vergleichbar großen Jüdischen Kolonie bewohnt wurde. Bedeutsam war der Hafen
dieser Stadt, über den Alexandria den Reichtum Ägyptens, der diese Stadt über den
Nil erreichte, mit Gewinn in den Mittelmeerraum exportieren konnte. Auf der Vorinsel Pharus befand sich der berühmte 279 vor Chr. vollendete Leuchtturm der Stadt.

Dennoch blieb Alexandria zunächst zumindest die zweitgrößte Stadt des Römischen
Reiches (nach Rom) und gewann ab dem 2. Jahrhundert nach Chr. dann auch erneut an
Bedeutung. Diese neue Bedeutung verdankte sich aber nicht einem Aufleben der alten hellenistischen Traditionen. Zwischen dem dritten und fünften nachchristlichen Jahrhundert
war Alexandria vielmehr ein Zentrum des neu erstarkenden Christentums. Geprägt wurde
diese Phase durch die Patriarchen Athanasios, Kyrillos und Klemens. Diese führten etwa
100 Bischöfe und aktivierten eine eigene, auf die mystischen Traditionen Ägyptens zurückgreifende Tradition des Umgehens und der Betrachtung von Natur. Alexandria, das vormalige Zentrum analytischer Naturforschung, die Stätte an der sich eine umfassende, auch
philologische Expertise aufbaute, und in der das Ideal einer mathematische fundierten Naturwissenschaft, wie es Platon formuliert hatte, seine nachhaltige Realisierung erfuhr, wirkt
im dritten Jahrhundert n. Chr. in einer theosophischen Interpretation der Tierwelt, die in
den Formen der Natur die Bilder und Gleichnisse des Göttlichen entdeckt. Das Museion ist
als Bildungsinstitution noch greifbar, wir finden hier noch immer eine angewandt ausgerichtete Mathematik. Auch die Bibliothek von Alexandria ist im 3. Jahrhundert noch nicht
zerstört, aber doch ihrer Hauptmäzene, der ptolemeischen Pharaonen, beraubt.
Im Weiteren kam es dann aber bedingt durch die Hinwendung des alexandrinischen
Patriarchats zum Monophysitismus, das heißt einer im Weiteren als Irrlehre gebrandmarkten theologischen Auffassung, zu Spannungen innerhalb der Kirche, die Alexandria dann
nach 500 n. Chr. auch in der christlichen Kultur marginalisierten, Allerdings war es in
dieser Phase auch schon längst durch das neue Zentrum des östlichen Mittelmeeres, die
Stadt Konstantinopel, in eine zweite Linie zurückgedrängt worden. So verlor Alexandria
schon im dritten. Jahrhundert drastisch an Bedeutung. Schon in dieser Phase wurde die

4.1 Die griechische Antike

215

Bibliothek wiederholt durch Brände geschädigt, ohne dass die Schäden dann wirklich nachhaltig verbessert wurden. So trat Alexandria dann sukzessive selbst gegenüber kleinasiatischen Städten wie Pergamon oder Ephesus, die vor 30 v. Chr. noch direkt unter ihrer
Herrschaft standen, in seiner Bedeutung zurück. Immerhin hatte das auf Grund des blühenden Hinterlandes wirtschaftlich dennoch prosperierende Alexandrien 642 n. Chr. noch
gegen 300.000 Einwohner. In diesem Jahr wurde es aber von den Arabern erobert, die das
Museion und die Reste der Bibliothek zerstörten und damit die Restbestände dieses antiken
Kulturzentrums definitiv vernichteten.
658 vor Chr. war im Bereich des späteren Konstantinopel eine griechische Kolonie –
Byzantion – gegründet worden, die durch den Schwarzmeerhandel. insbesondere den Handel mit gepökeltem Fleisch und Getreide, das etwa Athen aus der Krim importierte, schon
sehr bald wirtschaftlich prosperierte, 196 v. Chr. von den Römern erobert und zerstört,
wurde es dann auf Wunsch Caracalls wieder aufgebaut. Dieses Byzantium blieb zunächst
eine Kaufmannsstadt. Die Erweiterungen Roms im Osten, die Verwaltung der neuen kleinasiatischen Provinzen und die militärische Sicherung der nordöstlichen Grenzen Roms
machten eine stärkere Präsenz Roms im Osten des Mittelmeeres erforderlich. Byzantion mit seiner Lage am Rande des europäischen Kontinents, an der Nahtstelle zwischen
Mittelmeer und dem Schwarzen Meer und nahe bei einer Fülle bedeutender Handlungsrouten, gewann hier eine Schlüsselstellung. So verwundert es letztlich nicht, dass Kaiser
Konstantin 330 n. Chr. dann diese Stadt unter seinem Namen – Konstantinopel – zum
neuen Rom ausrief. Struktur, Aufteilung Privilegien und Verfassungseinrichtungen dieser neuen Hauptstadt wurden dann bis ins Detail nach dem römischen Vorbild kopiert.
Entsprechend intensiv wurde in die Stadt investiert. 413–439, unter Theodosus dem II.,
wurde die Metropole durch eine starke Mauer gesichert. Unter der Herrschaft Justinians
(527–565) erlebte sie ihre Glanzzeit und zählte da dann auch etwa 500.000 Einwohner. Ab
dem 7. Jahrhundert geriet die Stadt immer wieder in politische Wirren und verlor zusehends auch an wirtschaftlicher Kraft, so dass dort im 15. Jahrhundert, kurz vor der Eroberung durch die Türken auch nur mehr knapp 50. 000 Einwohner zu zählen waren. Nichtsdestotrotz bewahrte diese Stadt trotz der Verwüstungen von 1203 und 1204 durch das Heer
des 4. Kreuzzuges, das der Venezianische Doge statt gegen das arabisch besetzte Jerusalem
gegen das christlich beherrschte, aber dem venezianischen Handel hinderliche Konstantinopel führte, ihre Kultur. Und so erhielten sich hier bis in den Beginn der Neuzeit Tradition
und Selbstgefühl der spätrömischen Antike. Diese direkte strukturelle Konstanz, die nach
der Erhebung des christlichen Glaubens zur Staatsreligion in der Spätantike ja auch hinsichtlich der Tradierung des antiken Bildungsgutes ungebrochen blieb, ist gerade auch in
der Darstellung der Geschichte des europäischen Naturwissens immer wieder mit zu bedenken.
Es war nicht das hellenistische Alexandria, sondern das christianisierte Konstantinopel,
das derart die Kontinuität der Antike wahrte und das – aber dies wird uns erst sehr viel
später noch einmal eingehender interessieren – durch seine Politik dann auch die arabische Rezeption und Tradierung der antiken Autoren und des antiken Denkens bestimmte.
In der Phase des erstarkenden Konstantinopel war Alexandria auf eine zweite oder gar

216

4

Die griechisch-römische Antike

drittklassige Bedeutung zurückgefallen. Diese Brüche in der kulturellen Entwicklung des
oströmischen Bereiches wurden nun aber auch nicht durch Entwicklungen im Westen oder
eine Verlagerung der Bildungsbereiche aus dem Orient in den Okzident abgefangen. Zwar
finden wir in der weiteren Wissenschaftsgeschichte auch Pergamon benannt, und wir haben noch im achten Jahrhundert über byzantinische Ärzte zu berichten, die die antike
Tradition nicht einfach nur kennen, sondern aus ihr und in ihr arbeiten. Im Westen – das
werden wir noch sehen – sind es dann allerdings die Trainingslager der Gladiatoren, die
die Ausbildungs- und Profilierungsbereiche für die römische Ärzteschaft bilden.
Wir können also die griechisch-römische Antike zumindest strukturell nicht einfach als
einen einheitlichen Raum beschreiben. Wir werden uns auch noch einmal eingehend mit
dem römischen Profil der Naturwissenschaften auseinanderzusetzen haben. Wissen, das
zeigen solche Bauten wie das Pantheon oder etwa die Straßen Roms, ist nicht einfach nur
übernommen, es wird weiterentwickelt und zeigt sich bis hinein in die Organisation von Infrastrukturmaßnahmen als erfolgreich, innovativ und staatstragend. Wissen um die Natur
ist konstitutiv für die Existenz des Riesenreiches Rom. Im Gegensatz zu den kurzfristigen
Eroberungen Alexanders gewinnt und hält Rom ab dem zweiten Jahrhundert v. Chr. einen
Raum weit um die eigentlichen Anrainer des Mittelmeeres hinaus, den es bis in das sechste
Jahrhundert n. Chr. stabil zu halten vermag. Wissen auch im Sinne eines Wissens um die
Natur der Dinge ist ein unverzichtbarer Bestandteil dieser Kultur und zeigt sich, suchen wir
nicht in den Büchern der Römer, sondern in deren Produkten, in einer enormen Entwicklung. Nur – wir kennen weder originelle Autoren noch Schulen oder auch nur den Ansatz
eigenständiger weitergreifender Schriften, in denen ein Fortwirken der alexandrinischen
Kultur eben nicht nur als Reminiszenz, sondern in eigenen Produktionen eines mathematisch analytischen Geistes dokumentiert ist. Dies fehlt in Rom. Wir werden statt origineller
Befunde zu Physiologie, Flora und Fauna Kompilate griechischer Autoren beschreiben,
die in Rom referiert und tradiert werden. Wir werden uns mit sozial deklassierten Naturforschern beschäftigen müssen und Naturwissen dann im Kontext einer Ausbildung zum
Rhetor verankert finden. Wir werden in Cicero einen Redner kennen lernen, der uns verdeutlicht, was mit Sprache zu erreichen ist, der in seinen Konzepten aber ebenfalls auf die
griechische Antike verweist, deren Aussagen er nurmehr in neuen Formen fasst. Dabei zielt
sein Ausbildungsprogramm auf die rhetorische Praxis. Wie überhaupt das Wissen in dieser Kultur nicht akademisch, sondern praktisch ausgerichtet ist. Die römische Bildung ist
gleichsam marktorientiert, und sie zielt auf Produktion und Explikation, auf Umsetzung in
einer Praxis.
Natürlich gibt es auch in diesem praxisorientierten Rom Repräsentationsbauten, in denen diese Kultur aufzeigte, was sie an Wissen besaß. Es sind dies etwa die Bibliotheksbauten
eines Hadrians. Natürlich hat auch Rom eine umfassende Ausbildung für seine Bürger
vorgesehen, insbesondere für diejenigen, die Rom und dessen Recht und Ökonomie zu repräsentieren und zu organisieren haben. Nur ist diese Ausbildung, wie wir sehen werden,
dann auch an dieser Praxis, der sie dienen soll, orientiert. Rom ist zudem ein Militärstaat.
Es bedarf des Heeres, um seine Herrschaft zu sichern; und das Heer, als eine staatlich gelenkte Arbeitsmaschinerie erlaubte es Rom dann auch, seine Infrastruktur aufzubauen und

4.1 Die griechische Antike

217

zu erhalten. Es ist diese andere Ökonomie, diese andere Organisation, die nicht mehr den
Stadtstaat, sondern ein Weltreich zu tragen sucht, die die römische Kultur schon im Ansatz signifikant von dem griechischen Kulturbereich unterscheidet. Ägypten – unter den
Ptolemäern ist – im Sinne unserer Betrachtung der strukturellen Bedingungen der Wissenschaftsentwicklung – hier in einer hybriden Situation. Es findet sich hier eine griechische
Herrscherschicht, die mit griechischer Kultur eine ägyptische Ökonomie beherrscht. Sie
tut dies mit Grandezza. Alexandria ist eine Metropole. Und in dieser führt sich dann auch
das, was im griechischen Kernland zunächst bescheiden in Form von Schulen, die sich um
einzelne Philosophen bildeten, angelegt ist, nunmehr im großen Stil weiter.
Die großen Bildungseinrichtungen des hellenistischen Griechenlandes sind zunächst
die platonische Akademie und das aristotelische Lykeion. Beide finden sich in Athen, beides sind private Stiftungen, und beide leben so von der Unterstützung durch ihre Mitglieder
und durch persönliches Mäzenatentum. Beides sind Bildungs- und Lehrinstitutionen und
beide formieren die Traditionen des Lernens und der Lehre, die für Europa im Weiteren
verbindlich werden sollten. Noch heute kennen wir die Forschungseinrichtungen der Akademien, die insoweit auf Platon zurückverweisen. Wie denn auch das Lyceum, das erst die
Politik der letzten Jahrzehnte zur Auflösung brachte, unmittelbar auf Aristoteles zurückverweist. Schon 529 erklärte allerdings Justinian, per kaiserlichem Dekret, die platonische
Akademie für geschlossen. Ganz bewusst beschließt er damit die strukturelle Tradition
der griechisch-heidnischen Antike und setzt dagegen die neue Staatsreligion, das Christentum. Dieses Datum markiert insofern zwar eine politische, nicht aber eine wirklich
tiefgehende kulturelle Zäsur. Und dennoch ist es ein Signal, zumal die Akademie nicht
eine bloße Einzelinstitution markierte. Sie stand an der Spitze einer breiteren Bildungsund Lehrtradition, die sich architektonisch in den sogenannten Gymnasien greifen lässt.
Es sind dies Multifunktionsbauten, in denen Sport getrieben wurde – insbesondere dem
Ringen galt große Aufmerksamkeit –, in denen aber ein breiterer Lehr- und Unterrichtsbetrieb aufrechterhalten wurde. Es gab einen Raum für Vorlesungen und Konzerte, ein
Archiv, mit Urkunden zur Geschichte der jeweiligen Stadt und einzelner Bürger, sowie – zumindest teilweise – auch eine Bibliothek. Die Ausgrabungen in Pergamon zeigten, welches
Ausmaß entsprechende Sport- und Lehranstalten in einer hellenistischen Stadt gewinnen
konnten.38 Diesen Bildungseinrichtungen standen nunmehr klerikale Organisationsformen gegenüber, die als Alternative zu diesen heidnischen Ausbildungsstätten Förderung
gewannen, so dass sich mit der Akademie letztlich ein ganzes Bildungsprogramm vor die
Tür des oströmischen Reiches gesetzt sah.
480, nachdem Athen seine führende Rolle im Aufstand gegen die Perser mit der Zerstörung der Stadt bezahlt hatte, wurde diese durch Themistokles neu befestigt, und 460
entstand die lange Mauer, die Athen mit ihrem Hafen Piräeus verband. politisch positioniert und wirtschaftlich als eine der führenden Seehandelsmächte im Aufschwung spielte
Athen dann eine führende Rolle in der Gründung des attisch-delischen Seebundes, über
den es seine Vormachtstellung noch auszubauen suchte. Ende des fünften Jahrhunderts
38

W. Radt, Pergamon. Geschichte und Bauten einer antiken Metropole. Darmstadt 2011, S. 113–146.

218

4

Die griechisch-römische Antike

beherrschte Athen den Seeverkehr von Südosteuropa und dem Schwarzen Meer zu den
Küstenländern des Mittelmeeres bis an den karthagische Herrschaftsbereich. Nachdem der
Seebund in den langen Jahrzehnten des peloponnesischen Krieges von 431–404 v. Chr., in
dem Athen und Sparta um die Vormacht in Griechenland rangen, Bedeutung verlor, verlor
auch Athen sukzessive an Macht und musste sich endlich der Landmacht Sparta beugen.
Im mazedonischen Krieg gegen Philipp V. schlug sich Athen auf die Seite Roms, scherte
dann sehr viel später aus der Koalition mit Rom aus und wurde dann 86 v. Chr. von Sulla
erstürmt. Auf Grund seiner wirtschaftlichen Potenz behielt Athen aber eine herausgehobene Stellung. Diese besaß Athen bis in die römische Kaiserzeit. Nachdem Alexandria und die
erstarkenden Städte in Kleinasien ebenso wie später das zusehends wachsende Byzanz die
wirtschaftliche Vormacht Athens sukzessive eingeschränkt hatten, bewahrte es zunächst
aber noch seine herausgehobene Stellung als Kulturmittelpunkt und Bildungsstätte. Nach
dem politisch für Athen desaströsen Ende des peloponnesischen Krieges war um 400 das
Gymnasium im Bereich der Agora gegründet worden, hier bildeten sich die ersten Philosophenschulen.
Die hier mögliche Ausbildung und das hieran wachsende Interesse markiert den Hintergrund für die eigenen Gründungen Platons und später Aristoteles’, die so auf existierenden Traditionen aufbauen konnten und an eine derart schon vorstrukturierte eine Kultur
der philosophisch wissenschaftlicher Diskussion anschließen konnten. Diese Institutionen
begründeten den Ruf Athens, der sich trotz sukzessivem Abbau der politischen und wirtschaftlichen Potenz dieser Stadt bis in das römische Kaiserreich hielt. Das markiert nicht
zuletzt der Bibliotheksbau in dem Kaiserforum des Hadrian, der diesen Ort, Athen und
nicht Alexandria, für eine Demonstration kultureller Kontinuierung wählte. Hier konnte Athen dann wieder gegen Alexandria punkten, das nach der Deklassierung Ägyptens
zu einer römischen Kolonie eben auch seine kulturelle Autonomie verloren hatte und politisch integriert in das Weltreich Roms eben auch seine kulturelle Zentralstellung eingebüßt
hatte. Doch blieb das freie Athen der vorhellenistischen Zeit auch unter diesen Bedingungen eben nur Erinnerung. Wirtschaftlich von lokaler Bedeutung, war es schon in der Zeit
des Hellenismus in eine Randlage gelangt: Zunächst Alexandria und später Konstantinopel setzten Athen wirtschaftlich und kulturell in die zweite Reihe zurück. Nichtsdestotrotz
hielt es – selbst nach Schließung der Akademie durch Justinian – seinen Ruf als Kulturstadt,
wenn es im 6. Jahrhundert wirtschaftlich dann doch sehr rasch auf den Rahmen einer Provinzstadt zurückfiel und so selbst hinter Korinth und Theben zurückstand. Die Besiedlung
der Stadt grenzte sich in dieser Zeit auf den Nord- und Osthang der Akropolis ein.
Platons Akademie befand sich im Nordwesten vor den Mauern Athens nahe bei einem Heiligtum des attischen Heros Akademos. Gegründet wurde sie zwischen 387 und
361 v. Chr. und sofort nach einem strikten Reglement organisiert. Ihrer rechtlichen Form
nach war sie ein privater Kultverein zu Ehren der Musen. Schulvorsteher war zunächst
Platon. Als solcher war er dem Staat Athen für die Schule verantwortlich. Er bestimmte
dann allerdings auch die die Richtlinien für die Lehre und den Lebensstil der Schulangehörigen. Ihm unterlag die Entscheidung über die Aufnahme und den etwaigen Verweis von

Im 1. 87 v. Allerdings waren die Grundlagen ihrer Philosophie entsprechend der Konzeption des Aristoteles variiert und bezogen insbesondere auch die empirische Forschung in einer der Akademie unbekannten Weise mit ein. wurde die Akademie während der Belagerung Athens durch Sulla schwer beschädigt. Mit Straton von Lampsatos erreichte das Lykeion in der hellenistischen Epoche noch einmal große Bedeutung. Später folgten weitere Stiftungen und stattliche Zuwendungen. Organisation und Reglement des Museions war am Vorbild der platonischen Akademie angelehnt. ihr Leben der philosophischen Arbeit und Lehre im Sinne der Akademie zu widmen. Das Museion in Alexandria war eine Gründung der Ptolemäer. Das Lykeion wurde um 355 v. als dessen Sachwalter sich das Lyzeum verstand – eine große Ausstrahlung. Naturforscher. In der römischen Kaiserzeit kommt es dann zu einer kritischen Ausgabe der Aristotelischen Werke. entfaltete jedoch – nicht zuletzt auf Grund der umfassenden und raschen Rezeption der Werke des Aristoteles. Rhodos. Die materielle Grundlage der Schule gab zunächst Platons Grundbesitz. Bibliothek und Wohnungen für den Schulleiter und derjenigen Schüler. Die Schule kennzeichnete sich zwar durch eine große Freiheit in der Diskussion und der Kritik an der Lehre auch des Schulvorstandes aus. Neben der Forschung und Diskussion in der Schule konnten sich Schulangehörige mit Erlaubnis des Schulleiters auch staatlichen Missionen wie Gesandtschaften zur Verfügung stellen. dessen Nachfolger wurde dann durch die Schulangehörigen gewählt. Dabei wuchs die Tendenz.1 Die griechische Antike 219 Schülern. von Aristoteles gegründet. Bedeutung erlangte hier insbesondere Andronikos v. Räumen für die Diskussion. Chr. und 2. Platon selbst hatte seinen Nachfolger in der Schulleitung noch testamentarisch bestimmt. Chr. geriet das Lykeion aber in eine Krise. die insbesondere seine für die Rhetorikausbildung in Rom kanonisierten Arbeiten zur Logik mit Kommentaren und Paraphrasen verfügbar halten. schloss sich aus und wurde wohl auch der Schule verwiesen. sondern auch Forschungsreisende. Jahrhundert v. Schon gegen 300 v.4. wurde das Lehrprogramm des Lykeions dann auf der Grundlage der stoischen Philosophie neu ausgerichtet. Als Mitglieder finden wir im 3. Techniker und Historiker. Der Komplex der Akademie bestand aus Parkanlagen. Ein Mitglied der Schule. Chr. Organisatorisch war es nach der platonischen Akademie aufgebaut. das dieses tat. durch Erlass des Kaiser Justinian geschlossen. die auch als Mäzen diese Einrichtung und die mit ihr verbundene Bibliothek massiv unterstützten. Im 4. Chr. Jahrhundert v. Schulangehörige waren im strengen Sinne nur jene. . Chr. danach aber wieder aufgebaut und erst 529 n. die sich entschlossen. die nicht in Athen selbst eine Wohnung besaßen. Chr. wobei das bedeutende Privatvermögen Platons zunächst als Finanzierungsgrundlage ausgereicht haben dürfte. Die ersten Schulleiter waren nach Aristoteles dessen Schüler Theophrast und danach Eudemos von Rhodos. allerdings durften dadurch nicht die Grundsätze des Lehrprogramms in Frage gestellt werden. Jahrhundert erlischt diese Schule dann allerdings. Es entstand als eine Abspaltung von der platonischen Akademie. die Differenzen zwischen Akademie und Lykeion nunmehr nur als Variationen einer letztlich doch einheitlich zu interpretierenden Theorie zu deuten. dabei aber nicht nur Philologen und Philosophen.

im Brucheion untergebracht und beherbergte zahlreiche Gelehrte und Künstler aller Gebiete. kam das Museion unter Ptolemaios II. so dass sich sehr rasch eine philologisch-historische Schule bildete. ggf. Die erneute Zerstörung um 389 leitete dann . 280 v. in dieser Phase erfolgte noch ein umfassender Wiederaufbau.25 Rekonstruktion des Gebäudekomplexes des Museion in Alexandria Der Gebäudekomplex in Alexandria war mit den Königspalästen verbunden. Dabei ergänzte sich die Arbeit des Museios dann aber auch um praktische Bereiche. in Alexandrien gegründet. verwüstet. Dabei wurden von Anfang an die Überlieferungen der Texte sicherzustellen gesucht. zum anderen wurden entsprechende Arbeiten aber auch direkt ermuntert. 4. Sie bildeten – analog der Konzeption des Platon – einen religiösen Verein unter Leitung eines vom Pharao benannten Priesters und durften sich dann im Alltag in Freiheit ihrer Forschung widmen. Bei den Unruhen zur Zeit des Caracalla wurden Museion und Bibliothek jeweils 269 und 272 nach Chr. belegt sind zumindest Räume für Sektionen und physiologische Experimente. in der die verschiedenen Texte gesammelt. die dort gemeinsam lebten und arbeiteten (Abb. 4.220 4 Die griechisch-römische Antike Abb. Anscheinend gab es Räume für experimentelles Arbeiten.25). kritisch kommentiert und zum Teil auch neu ediert wurden. Von Ptolemaios I. Chr. zu einer ersten Blüte und konnte dann auch nach der Eroberung Ägyptens durch Rom unter Augustus noch einmal prosperieren. Zum einen war durch die beschäftigten Künstler und die Handwerker in Alexandrien direkt auch praktisches Wissen verfügbar.

000 Büchern. Es waren: • • • • • • Zenodontos von Ephesos. Eratosthenes aus Kyrene. Im Gegensatz zur Akademie und zum Lykeion war das Museion nun aber keine Lehr-. die wir noch zu betrachten haben. Appolonios von Alexandrien. Museion.26). die diese Kulturstätten der Antike ganz bewusst in Brand setzten. später dann auch der Schriften des Aristoteles sowie zur Publikation von Lehrbüchern wie den Elementen des Euklid. das entspricht etwa 100. die unabhängig und parallel zu diesen Bildungs. Definitiv beendet wurde die Arbeit des Museions und der Bibliothek 642 n. 4. sondern eine Forschungseinrichtung.000–500. Überliefert sind uns die Leiter dieser Einrichtung bis zur Zeitendwende.und Forschungsstätten entstanden.1 Die griechische Antike 221 Abb. die Nachhaltigkeit der benannten Zentren. Aristophanes aus Byzantion und Aristarchos von Samothrake. bei der Eroberung Alexandriens durch die Araber. Angeschlossen an die Bibliothek etablierte sich im Museion sehr bald auch eine philologische Expertise. Schon früh kam es zu kritischen Textausgaben der Arbeiten von Homer und Hesiod. Lykeion und Akademie waren die zentralen Bildungseinrichtungen der Antike. Appolonios von Rhodos. 4.4. doch fehlte ihnen mit Ausnahme vielleicht der Medizinerschule auf Kos. Natürlich gab es immer wieder Schulbildungen und Tradierungen. dies waren Sammlungen von Pergamentschriften und zu einem großen Teil aber auch Papyrusrollen (Abb. Hier entstand mit der berühmten „Pinakes“ des Dichterbibliothekars Kallimachos auch die erste Bibliographie der griechischen Literatur.26 Rekonstruktion der alexandrischen Bibliothek aber einen weiteren Verfall ein. Chr.000 Buchrollen. Die Bibliothek in Alexandria umfasste in ihrer Blütezeit etwa 400. Zudem waren nur diese drei Einrichtungen in dem .

das Erbe der griechisch-römischen Antike dokumentierte. M. Bedeutung erlangte aber insbesondere die spätere Kaiserliche und Patriarchats-Bibliothek in Konstantinopel..und Lehreinrichtungen. nicht aber in Rom. In Rom wurde der Polyhistor Terentius Varro (116–27 v.39 Auch hier handelte es sich um eine durch das Königshaus. die Palatina. München 1992. Fraser. Biologie im Zeitalter des Hellenismus. Hoepfner. Crowe. Philosophical Issues in Aristotle’s Biology. Die Kultur der Antike verblieb strukturell im oströmischen Reich verhaftet. 3 Bde. Zudem bestand eine Bibliothek in der Residenz der makedonischen Könige in Pella. Alexander the Great and the Logistics of the Macedonian Army. Die Philosophie der Antike Band 3: Ältere Akademie. A. München 1996 39 Antonius verschenkte als Herrscher des Orients diese Bibliothek 41/40 v. Aristoteles. 1: Biologie. O. die Pergamon für Gelehrte und Künstler interessant machte und so an den Königshof band. Vergleichbares fehlte im Westen. die über knapp ein Jahrtausend. Chapel Hill 1982. unter der Herrschaft von Eumenes II. Aristotle and His Philosophy.. Chr. und seinem Beispiel folgten eine Reihe römischer Kaiser. Antike Bibliotheken. W. Chr. die antiken Traditionen weiter. Blanck. Peripatos.000 Buchrollen aufgewiesen haben soll.) massiv ausgebaute Bibliothek. dennoch entwickelte sich hier. Althoff. Theories of the World from Antiquity to the Copernican Revolution. S. auch im Bereich der Elementarausbildung oder eher technisch orientierter Ausbildungsstätten. Princeton 1967. insbesondere in praktischen Bereichen wie der Medizin. Grundriss der Geschichte der Philosophie.3. Gotthelf. Bd. Oxford 1972. Allerdings bestand in hellenistischer Zeit auch eine große Bibliothek in Pergamon. Mainz 2002. Höffe. Hg. Engels. nach dem Ausruf Konstantinopels zum neuen Rom bis zu dessen Eroberung durch die Türken. an Kleopatra. Basel 2004. die zur Zeit des Markus Antonius einen Bestand von etwa 200.3 Weiterführende Literatur J.1.) zum Bibliothekar der ersten öffentlichen Bibliothek Roms berufen. sie hatte damit also knapp 2/5 der Größe der alexandrinischen Bibliothek.222 4 Die griechisch-römische Antike umrissenen breiten Sinne Forschungs. M. Diese Organisation war kennzeichnend für die zentralen Wissenschaftseinrichtungen der Antike. Hg. A. D. Two Studies in the Greek Atomists. Flashar. Cambridge 1987. 155–180. G.und Lehrstelle verbanden. die die Sammlung von Literatur mit einer Forschungs. Chr. Los Angeles 1978 H. Augustus eröffnete 28 v. Stuttgart 1999. eine griechisch lateinische Doppel-Bibliothek.. (Herrschaft von 197–159 v. Allerdings besaßen gebildete Römer zur Zeit Ciceros eine Privat-Bibliothek. Edel. 4. Lennox. . Das Buch in der Antike. J. Ptolemaic Alexandria. Dabei blieben diese Bibliotheken Einrichtungen. Chr. New York 1990. H. Größere Bibliotheksbauten errichtete wie erwähnt noch Hadrian in Athen. Kleinere Bibliotheken gab es zudem an Schulen der verschiedensten Ausrichtungen. J. Wöhrle. In: G. D. P. Geschichte der Mathematik und der Naturwissenschaften in der Antike. W. J. Furley. in denen ein ganzes Wissenschaftsprogramm behandelt wurde. Hg. wurde allerdings von christlichen Strukturen überformt. Aristoteles.

Physics. Meyer. Vinzent. Zeitschrift für antikes Christentum 4.-J. Methoden.4 Griechische Mathematik 4. Peters. Lones. Sedley. oder: Ein Vergleich der Schulen von Athen und Alexandria. Waschkies. Ogden. nach anderen Regeln zu bewerten und die für neue Erfahrungen und auch für Umstellungen im Ordnungsgefüge eines Darstellungszusammenhanges offen waren. The Hellenistic Philosophers. Hg. S. Hg. das sich so dann nur in seinen tradierten Vorstellungen weiterbewegen konnte. Aristotle’ Researches in Natural Sciences. A History of the Near East from Alexander the Great to the Triumph of Christianity. Watts. Pellegrin.1 Mathematik als Konstruktion Innerhalb nur weniger Generationen konnte sich die griechische Naturlehre nicht nur aus den tradierten mythologischen Vorstellungsmustern lösen und damit Vorstellungszusammenhänge als Wissensordnungen darstellen. Cambridge 1987. London 2002. City and School in Late Antique Athens and Alexandria. Wissenschaft und Methode. Biologie/Zoologie. Nussbaum. Stuttgart. New York 1970. Aristotelische Biologie. Kullmann. Ergebnisse. Bad Homburg 1964 M.N. A. Von Eudoxos zu Aristoteles. E. Im Kontext der zwar rechentechnisch avancierten Wissenssysteme Babylons und Ägyptens war gerade dies nicht möglich. K Corcilius.C. W. Hellenistic Science and Culture in the Last Three Centuries B. Stuttgart 1997.4. Berkeley 2006. H. The Harvest of Hellinism.1 Die griechische Antike 223 I. Die griechische Na- . Weimar 2010. Habilitationsschrift Uni. S.4. Rapp. C. Rotty. Aristoteles Handbuch. M. New York 1974.1. 49-82. O. A. New Perspectives. Kullmann. W. aber ohne einen weitergehenden Erklärungsanspruch in ein vorgegebenes Denkgefüge eingruppiert wurden. Aristotle’s Classification of Animals: Biology and the Conceptual Unity of the Aristotelian Corpus. The Hellenistic World. Jena 1990. W. T. Hg. Intentionen. Long. Die Physik des Theophrastos von Eresos. Aristoteles und die Entstehung der biologischen Wissenschaft. „Oxbridge“ in der ausgehenden Spätantike. Das Fortwirken der Eudoxischen Proportionentheorie in der Aristotelischen Lehre vom Kontinuum. womit dort zwar Erfahrungen registriert. Oxford 1998 G. Leben – Werk – Wirkung. Hildesheim 1975. 2000. D. Amsterdam 1977. Koblenz 2012 M. Grundzüge der Biologiegeschichte. Interpretationenen zur Aristotelischen Theorie der Naturwissenschaften. Solch Unpassendes stand damit dann auch außerhalb des Horizonts eines weiterführenden kulturellen Interesses. Nicht Passendes war dort schlicht nicht einsichtig zu machen. Oxford 1992. Essays on Aristotle’s De anima. Steinmetz. Kullmann. 115–136. Ross. P. F. S. Jahn. Berkeley & Los Angeles 1986 F.. D. E.. New York 1987. P. Hg. A. D.1. Science and Philosophy in Aristotle’s Biological Works. Sarton. Aristotle.. A. In: Ch. Berlin.. London 1912. die nach bestimmten Regeln aufzustellen. Föllinger. E. 2 Bde. Preus. 4.

zeigt. es schloss von der Qualität der in ihm erfassten Größen auf die für diese Größen möglichen In-BezugNahmen. Damit war aus der Mathematik dann auch die Erfahrung als dasjenige. und damit die Möglichkeiten. sondern denkt die Folge der Annäherungen als eine Funktion. was die Erfahrung präsentierte. was wir zu wissen meinten. mathematisch erschlossenen Bezuges einzubringen war. Byssos von Herakleis ein Schüler des Eukleides von Megara. die die Mathematik offenzulegen vermochte. Er denkt die Folge der sich immer weiter differenzierenden Polygone. Deren Relationen. Das Mathematische wurde denn auch zum Maßstab alles Denkens. Chr. Mit diesen Aussagen zur Eingrenzung einer Kreisbahn in ein größeres und ein kleineres Polygon ist so zunächst ein Näherungsverfahren gewonnen. was diese Welt ist. sichern konnte. Mathematik war hier nicht einfach mehr die Praxis des Rechnens. nach denen wir das. Einheiten definiert und Stringenz und Schlüssigkeit zum Maßstab wissenschaftlichen Argumentierens genommen wurde. in dem sich unserer Vorstellung nach diese Größen nur annähern. die dann im Weiteren für die abendländische Wissenschaftskultur zur Leitlinie wurde. und nicht deren jeweils wechselnde Erscheinungen zeigten. den Kreis als eine geometrische Größe als eine mit geraden Linien abgegrenzte und damit in Maßzahlen zu berechnende Fläche zu beschreiben. ganz im modernen Sinne. in der er das Große in das Kleine überführt. dazu gibt es auch ein Gleiches. Und in der Tat scheinen die sich annähernden Polygonzüge doch in dem Konstruktionsbefehl „immer kleiner“ & „immer größer“ ineinander . 450–370 v. was in die Systematik eines schon gewissen. Platon ging es nun darum. Das Mathematische war damit ein Verfahren. Byssos geht aber nun noch weiter. gesichert. auf dem aufbauend Forschung und Lehre. in dem sich das Denken über das. Der Kreis. mit denen wir Maß nehmen.. wie zur Zeit Platons Größen und Größenbeziehungen gedacht und dass hier die Berechnungsund Maßverfahren der vorgriechischen Antike weitergeführt wurden. in dem Größen aufeinander bezogen.und Begründungszusammenhang gefunden und systematisiert worden. sieht nun aber nicht den unendlichen Raum. zu organisieren waren. in denen wir die Welt und uns selbst denken. ein – nach Platon – auf einsichtigen Axiomen aufgebautes Aussagensystem. in denen wir an der Welt Maß nehmen und so die den Erscheinungen unterliegenden Verhältnisbestimmungen beschreiben. Maßstab dieses neuen Denkens war die Mathematik. so schreibt Byssos von Herakleis ist größer als jedes eingeschriebene Quadrat und kleiner als jedes ihn umschreibende Polygon. Für Platon war das Gefüge der Welt in diesen Relationen beschrieben. und im Beweis ihrer inneren Abstimmung waren nun auch Kriterien zu finden. Wozu es aber – so fährt er in seinen Überlegungen fort – ein Größeres und Kleineres gibt. Sehr früh war demnach in der Antike ein Darstellungs.224 4 Die griechisch-römische Antike turphilosophie brach aus diesen Schematismen aus. Und somit muss der Kreis auch zu quadrieren sein. Es gibt nun größere und kleinere Polygone zum Kreis. So waren sie zu sichern. Und schon mit Platon und Aristoteles waren die Grundlagen einer Wissensordnung formuliert. also gibt es auch ein ihm gleiches. dann auch zu bemessen vermochten. für diese Mathematik die Regeln. Damit wurde das mathematische Denken abstrakt. zu bestimmen. sondern eine Darstellung der systematischen Beziehungen.

Vielmehr beschreiben sie Größen und setzen diese im Maß zueinander in Bezug. Maße sind demnach nicht mehr nur einfach das Resultat einer Messung. Das bedeutet dann aber auch. der sich so – in Folge der Überlegung von Byssos – als eine eigenständige Größe auflöst. So denkt denn Byssos auch nicht die unendliche Annäherung zweier Figuren – des oberen Polygonzuges an den Kreis. kann ich nunmehr aber auch weiter folgern. Entsprechend sind dann auch Flächen unter gekrümmten Graden nach einem solchen Verfahren zumindest näherungsweise zu beschreiben. gewinnt. Wie noch wir in unserer Mathematikausbildung geometrisch darzustellende Beziehungen mittels Lineal und Zirkel konstruieren. da sich irgendwann einmal ja die beiden. So aber wäre. Genauso wie ich den ganzen Kreis in zwei Polygonzügen umfangen und letztlich in diese überschreiben kann. der zunächst ein Näherungsverfahren formuliert. Es sind vielmehr Figuren. Nur wäre damit eine unendliche Größe zur Bemessung einer bisher unbestimmten Figur bestimmt. der größere und der kleinere Polygonzug ineinander überführen lassen. in einem Denken. ineinander zu überführen oder eben nur in Bezug auf ihre Größe zueinander zu bestimmen sind. unabhängig von ihrer anschaulichen Differenz. die mittels einer Konstruktionsbeschreibung ineinander überführt werden. Denken wir diese Säulen als unendlich kleine Größen. auch für einen Teilkreis Geltung hat. Größen sind hier als Anschauungsgrößen bestimmt. dass mit der Methode der Größenbestimmung auch die Qualität dessen. dass die griechische Mathematik ihre Regeln aus der Darstellung der Konstruktion. oder als eine Folge von Teilkreisen bestimmen. respektive des unteren Polygonzuges an den Kreis. über das Verfahren zu definieren ist. die sich ineinander überführen lassen. Es sind noch keine bloßen Maßrelationen. dass das. So entdeckt eine Maß nehmende Mathematik Verfahren. was hier in Relation gesetzt wurde. dass in dieser Reihe irgendwann einmal die Grenze zwischen dem größeren und dem kleineren Polygonzug fällt. ein Endliches im Unendlichen zu bemessen. das Maß so doch zunächst verloren. Er nimmt also das Verfahren selbst als Maß – das Aneinander-Maß-Nehmen der Figuren überführt sie seiner Auffassung nach ineinander. Diese Grenze markiert der Kreis. dass hier der Satz: wovon es ein Größeres und ein Kleineres gibt. was da als Größe bestimmt ist. wie sich Größen derart unter ein gemeinsames Maß finden und so. Das Verfahren. Eine Fläche unter einer gekrümmten Geraden kann ich als solch einen Teilkreis. in denen die Größen der Fläche von Kreis. Das ist der Hintergrund seiner Behauptung. erwiesen zu haben. gibt die Art und Weise an. anzuwenden ist. mit dem Verweis. Denn so wäre in Konsequenz die Fläche unter einer Geraden ja nur die Folge von Säulen. Dieses Verfahren fanden wir bei Eudoxos formuliert. in dem dies geschieht.4. kann ich dies auch für einen Teilkreis tun. das Maß zu nehmen sucht. um von daher in der Konstruktion zu beweisen.1 Die griechische Antike 225 überführbar zu sein. Vielmehr denkt er in dem Verfahren solch eines In-Bezug-Setzens die Identität dessen. dafür gibt es ein Gleiches. aus diesem Verfahren aber noch nicht ableitet. in denen Größen aufeinander bezogen und damit zwischen ihnen Maß genommen werden kann. Hier zeigt sich. so würden wir heute damit auch umgehen können. was für einen Kreis gilt. Hier ist Byssos noch weniger differenziert als Eudoxos. Gilt dies. Polygonzug a und Polygonzug b nebeneinandergestellt und in ihrer relativen Dimension als Größe bemessen werden. wie sich verschiedene die- . mit der sie in der Geometrie operiert.

D. Selbst wenn es also nicht möglich ist. Dieser beschreibt ja nun nicht einfach den Fall. Das bedeutet. Er zeigt. Aristoteles nun aber fragt prinzipiell nach den Bedingungen. Und hier sieht er eben in der Folgerung des Byssos einen Fehler. dass diese Stetigkeit notwendige Bedingung für die Funktion des Beweises hat. Betrachten wir hierzu die Beweisführung des Byssos. Dies – das Abrücken von dem abzählbar Berechenbaren. dies – die Darstellung prinzipieller funktionaler Charakteristika mathematischer Operationen.h. dass es eine Folge von Polygonen gibt. nun. in den Blick. dazu gibt es auch ein Gleiches. h. was mir als Verfahren denkbar ist. dass sie ineinander überführbar sind. so grenzen sich in ihnen Konstruktionsprinzipien ein. nutze. dies ist die enorme Leistung der griechischen Mathematik. die. dass es eine lückenlose Folge entsprechender geometrischer Körper gibt und entsprechend dann auch eine lückenlose Folge der diese Körper beschreibenden Maße. Das bedeutet nun aber. er zeigte. Werden diese erfasst. gilt. indem er abzirkelte. sondern als Darstellung dessen. also. wie sich in der Konstruktion Größen ineinander überführen lassen und so in den Relationen der Größenbeziehungen Maßzahlen zu bestimmen sind. und nunmehr als eine erweiterte Kenngröße mathematischer Verfahren zu beschreiben sind. Das heißt dann – und das gilt etwa für Eudoxos – es ist jeweils zu fragen. dass es zu diesen Polygonen immer noch kleinteiligere gibt. Diese Konstruktionsprinzipien benennen insoweit. D. sind so doch Bedingungen formulierbar. in der die Differenz zwischen dem Kleineren und dem Größeren immer geringer wird. Es wird also davon ausgegangen. dann wenn ich sie nicht nur von Fall zu Fall. Linien und Flächen verschob und in ihren Komponenten verlagerte. Schließlich gilt der Satz wozu es ein Größeres und ein . dass sie nicht nur demonstriert. so operiert auch die griechische Mathematik. So gewinnen die Bedingungen der Konstruktion Interesse. an diesen sind die Konstruktionsprinzipien zu identifizieren. welche Konstruktionsverfahren anzuwenden sind und was damit an Schlüssen gewonnen ist. Es gibt also keine Diskontinuitäten in der Darstellung der den Kreis nach unten oder oben begrenzenden Polygone. unter denen und für die eine entsprechende Konstruktion erlaubt ist. von denen her dann die mathematischen Größen und damit auch die Zahlen verstanden werden. ihrerseits auf den Begriff gebracht werden können. dass wir eine stetige Veränderung der Größen zu denken haben. wenn sie als solche erkannt sind. Dieses „immer kleiner“ impliziert eine Kontinuität in der Abfolge von derartigen Größenbestimmungen. dass sich ein größeres und ein kleines Polygon um einen Kreis zeichnen lassen. unter welchen Bedingungen der Satz. wozu es ein Größeres und ein Kleineres gibt. die sich enger an den Kreis anlagern. die sie als Größe beschreiben lassen. Eudoxos beantwortete dies über die Konstruktion derartiger Größen. Es wird erfasst. dass in diesem konkreten Beispiel zur Darstellung des Exhaustionsverfahrens danach zu fragen ist. Damit ist das Prinzip der Stetigkeit als eine Funktion beschrieben und derart aus der Konstruktion in das mathematische Denken eingeführt. Wie war das in diesem Falle umzusetzen? Die Geometrie lässt Näherungskonstruktionen zu. unter welchen Bedingungen eine entsprechende Konstruktion ansetzbar ist. diese Maße numerisch auszudrücken.226 4 Die griechisch-römische Antike ser Größen aufeinander beziehen lassen. Die Form der Konstruktion selbst tritt damit.

4.1 Die griechische Antike

227

Kleineres gibt, dazu gibt es auch ein Gleiches nicht, wenn damit zwei verschiedene mathematische Größen in einen Bezug gebracht werden. Kurven, die über Winkel zu beschreiben
sind, und Geraden, die in einer ganz anderen Weise dargestellt werden, sind für ihn derart
unterschiedene Größen. Wenn diese Größen prinzipiell unterschiedlich sind, dann können sie aber nicht ineinander überführt werden. Entsprechend sind die Vorschriften für
eine Konstruktion zu präzisieren. Es gilt nach den Kriterien zu fragen, in denen Größen
als gleichartige, d. h. ineinander überführbare Einheiten zu betrachten sind. Für Eudoxos
wäre das klar. Immer dann, wenn ein entsprechendes Verfahren zur Anwendung kommen
kann, sind – im Rahmen des Verfahrens – die Größen ineinander überführt. Nun wäre
aber nach Aristoteles eine Gerade eben nicht in einen Winkel zu überführen, da sie prinzipiell anders konstruiert ist und mit ihr in einer sie nutzenden Konstruktion dann eben
auch anders umzugehen ist, als mit einem Winkel. Können diese Differenzen benannt werden, gibt es Kriterien dafür zu bestimmen, was als eine Größe in eine andere zu überführen
ist. Sicher ist dies dann gegeben, wenn ich Maße habe, die ich aufeinander beziehen kann.
Wenn nun diese Maße ineinander abbildbar sind, dann heißt dies zumindest, dass es ein
kleinstes gemeinsames Vielfaches gibt, in dem die Größe eins mit der Größe zwei in einen
direkt zu bemessenden Bezug tritt. Genau dann, wenn dies geht, habe ich zwei ineinander
überführbare Größen bestimmt. Das bedeutet zugleich auch, dass ich von den in der Konstruktion einsichtigen Zuordnungen auf die Relationsbeziehungen schließe, in denen ich
geometrische Größen bestimme.
Die zu bemessende Zuordnungsbeziehung drücke ich in einer Zahl aus. Sie bemisst die
Zuordnung zweier Größen und zeigt sich so als die Formation, in der anschaulich Differentes aufeinander zu beziehen ist. Die Zahl bekommt damit eine neue Bedeutung. Es ist
nicht mehr einfach die Skala, das Abzählbare, das in ihr benannt ist. Die Zahl wird vielmehr zur Funktion, über die sich zwei Größen in Bezug zueinander setzen lassen. Das
heißt, die Zahl wird selbst zu einer Größe und zwar zu einer solchen, in der sich Größen ineinander abbilden lassen. Das Exhaustionsverfahren war ein Näherungsverfahren;
die Idee der Quadratur des Kreises umschreibt die Zielstellung des Näherungsverfahrens
und kann ggf. auch Kriterien an die Hand geben, dieses Näherungsverfahren nun selbst zu
optimieren. Dabei überführt die Zahl die in ihr bemessenen mathematischen Größen nun
nicht einfach ineinander. Bemessungsrelationen beschreiben nicht einfach eine wechselseitige Transformation mathematischer Grundelemente. Soweit der Stand der aristotelischen
Überlegungen.
In der Platonischen Geometrie wurde die Existenz von Gerade und Kreis durch Postulate festgelegt, alle übrigen Figuren wurden durch Konstruktion in ihrer Existenz nachgewiesen. Damit sind nun Größenrelationen durch Konstruktion darzustellen, und da diese
Konstruktion das Verhältnis geometrischer Konstellationen und nicht nur bestimmte Maßverhältnisse darstellt, sind über die Konstruktion nur grundsätzlichen Maßbeziehungen
dargestellt und demnach – in dem Aufweis der Möglichkeit ihres Vollzuges – bewiesen.
So ist die Dreiteilung eines Winkels in einem solch einfachen Konstruktionsverfahren
darzustellen. Dazu kann man ein Quadrat konstruieren, in das man einen Kreis einschreibt.
Das Quadrat kann ich nun nutzen, den Kreis durch Antragen einer Linie, die die Seiten des

228

4

Die griechisch-römische Antike

Abb. 4.27 Darstellung einer
Quadratrix, vgl. Text für Details

Quadrates halbiert, zu teilen. Entsprechend kann ich nun in dem geteilten Kreis den Halbwinkel dadurch teilen, dass ich auf dem erhaltenen Rechteck nunmehr die lange Strecke
in drei Einheiten teile und jeweils nun vom Mittelpunkt des Durchmessers eine Linie auf
die Enden der Teilstücke ziehe. Damit ist der Winkel in drei Teile geteilt. Entsprechend
kann man den Teilbogen eines Kreises in ein Rechteck einzeichnen und nun die dem Mittelpunkt des Teilkreises gegenüberliegende Seite des Rechteckes in drei Teile einteilen und
derart vom Mittelpunkt des Teilkreises die entsprechenden Linien auf die Enden respektive Anfänge der drei Teilstrecken der Seitenlinie des Rechtecks ziehen, und erhalte so einen
dreigeteilten Winkel.
Hippias von Elis geht nun noch einen Schritt weiter. Die Umhüllende des Teilkreises ist
für ihn eine Kurve, die er dadurch konstruiert, dass er zwei Teilbewegungen überlagert.
Ist die Kurve durch ein Quadrat ABCD umgrenzt, bewegt sich zunächst die Gerade DC
mit konstanter Geschwindigkeit nach unten. Gleichzeitig dreht sich der Strahl AD mit
fester Winkelgeschwindigkeit. In jedem Moment der Bewegung bildet sich ein Schnittpunkt dieser beiden Bewegungen. Aus dieser Reihe von Schnittpunkten ist dann die Kurve
zusammengesetzt. Dabei steht dann jede in einem Zeitraum x durchmessene Teilstrecke
demnach in dem gleichen Verhältnis wie diejenige, die zu durchmessen ist, um eine Teilstrecke X der Strecke DC zu durchmessen. Da die Bewegung gleichförmig ist, wird so in
gleicher Weise durch das Segment x auf DC auch das Segment x des Winkels des zuzuordnenden Teilkreises bestimmt. Die Länge X gibt entsprechend auf DC das relative Maß an,
mit dem dann entsprechend auch der Winkel geteilt wird. Insofern ist damit eine Winkelteilmaschine erfunden: Die Quadratrix (Abb. 4.27).
Mit ihrer Hilfe lassen sich nun beliebige Winkelteilungen durchführen. Insofern werden
hier durch die Konstruktionsvorschrift Winkelmaß und Längeneinheit einander zugeordnet. Da hier zwei kontinuierliche Bewegungen erfolgen, die in ihrer Abfolge parallel zueinander laufen und im gleichen Punkt starten, wie sie auch im gleichen Punkt enden. So ist die
durchmessene Strecke der Bewegung auf der Linie DC dem überstrichenen Winkel durch
den Strahl direkt entsprechend und so entsprechen sich die Bewegungen über (die Zeit) t
des Strahls und t der Strecke und der Bewegung über der Strecke, entsprechend ist DC
dem Bereich der in t durchmessenen Strecke direkt proportional der in t überstrichenen
Winkelgeraden. So kann ich dann einen Winkel entsprechend dem Verhältnis der in t über

4.1 Die griechische Antike

229

DC durchmessenen Strecke teilen. Deutlich wird, dass hier Größen über ein Konstruktionsverfahren einander zugeordnet werden. Die Annahme einer gleichförmigen Bewegung
erlaubt es dabei, für die durchlaufenen Größenbestimmungen der relevanten Bereiche der
Konstruktion Stetigkeit anzunehmen, ohne schon den mathematischen Begriff formuliert
zu haben. Damit kann in der Demonstration nicht nur für einen bestimmten Fall, sondern
für alle in dieser Konstruktion abbildbaren Fälle eine bestimmte Zuordnung bewiesen werden.
Gewonnen ist hier eine Mathematik, die nicht einfach nur in der Anschauung operiert,
sondern die sich vielmehr in den Anschauungen ihrer Konstruktionen Regeln bewusst
macht. Es ist zunächst das Tun, die Praxis, das Umgehen mit den Berechnungsgrößen, was
erfasst und beschrieben wird. Der griechische Mathematiker geht mit etwas um, von dem
er noch keinen Begriff hat. Rekonstruiert dann die Konstruktion, indem er sie anschaulich
macht und gewinnt so Regeln des Konstruierens. Sein Tun wird ihm in dieser Regularität
einsichtig. Das macht er anschaulich und operiert denn auch mit dem Beweis der Anschaulichkeit. Zugleich aber bestimmt er in der Reflexion auf das, was ihm anschaulich wird, das
Regelhafte in seinem geregelten Tun. Er abstrahiert damit von der konkreten Veranschaulichung, benennt die Komponenten, in denen seine Veranschaulichung funktioniert und
bringt damit das Regelhafte auf den Begriff. So wird seine Mathematik zusehends abstrakt.
Sie bestimmt sich in der Regularität ihres Findens. Dabei sichert sie diese Regularität in einer wechselseitigen Abstimmung der Regeln, mit denen sie operiert, bringt diese in einen
systematischen Zusammenhang und gewinnt somit ein System ihres Umgehens mit den
Dingen, und im Resultat dann ein System desjenigen, mit dem umzugehen möglich ist.
Dies ist dann ein System des Wissens von einer ganz neuen, in sich zu bestimmenden Qualität.
So werden Regeln und Texturen der Konstruktion sinnfällig. Damit löst sich die Darstellung von dem konkreten Fall, wird eine Vorschrift, die in sich zu begründen ist. Die
Vorschrift wird also bewiesen. Der Beweis ist dabei zunächst, dass anschaulich gemacht
wird, was da vorgenommen wurde. Damit ist die Anschauung auf den Begriff gebracht.
Die Anschauung wird zu einem Fall des Allgemeinen. So sind dann die Methoden der
Quadratrix oder die Exhaustionsmethode des Eudoxos Konstruktionsverfahren, die in ihrer Regelhaftigkeit einsichtig gemacht sind, und mit denen so nach dieser Einsicht auch
etwas beschrieben werden kann, was sich einer direkten Einsicht entzieht. Diese Mathematik ist also nicht einfach praktisch, aber sie begründet sich aus einer Bemessungspraxis,
die sie über die direkte Anwendung hinaus in ihrer Regularität beschreibt und so als Konstruktion zu verstehen vermag.

4.1.4.2 Zahlen und Größen
Ursprung und Ausdeutung dieser Konstruktionsverfahren in der frühen Phase der griechischen Mathematik sind nur aus wenigen Quellen zu rekonstruieren So ist die Geometrie
von Eudoxos, die um 300 v. Chr. entstand, selbst nicht erhalten. Allerdings finden sich
insbesondere in den Schriften von Platon und Aristoteles ausführliche Referate seiner Ansichten, die dann natürlich auch schon durch die Ansichten dieser Philosophen gewichtet

230

4

Die griechisch-römische Antike

und ggf. auch schon interpretiert sind. Platon und Aristoteles führen Definitionen und
Sätze an, die sie auf Eudoxos zurückführen. Sie beschreiben zudem Beweismethoden der
tradierten „alten Mathematik“, geben jedoch kein umfassendes Bild der Denksystematik
der von ihnen zitierten Autoritäten. Der erste vollständig erhaltene mathematische Text
sind die sogenannten Elemente des Euklid. Hier besteht nun das besondere Problem, dass
die älteste direkt erhaltene vollständige Abschrift aber erst aus dem 9. Jahrhundert n. Chr.
vorliegt. Nun gibt Euklid ja nicht nur einen Text, sondern auch geometrische Konstruktionen. Inwieweit dann die in verschiedenen Abschriften tradierten Abbildungen die Originaldarstellungen reflektieren, muss offenbleiben. Die zentrale Quelle zur Geschichte der
griechischen Mathematik ist der Kommentar des Proklos zum 1. Buch des Euklid, das sogenannte Mathematikerverzeichnis des Proklos, der 410 nach Chr. in Byzanz geboren ist.
Zudem finden wir einzelne mathematikhistorische Bemerkungen, so bei Alexander von
Aphrodisias aus der Wende vom 2. zum 3. Jahrhundert n. Chr. sowie die Kommentare des
Simplikios aus dem 6. Jahrhundert n. Chr. und dem etwa zeitgleichen Philipponos. Hieraus
und den wenigen erhaltenen Fragmenten der Vorsokratiker lassen sich aber zumindest Linien einer Mathematikgeschichte bis hin zu Euklid zeichnen.
Wie Proklos schreibt, kam der entscheidende Anstoß zur Entwicklung einer griechischen Mathematik aus dem direkten Kontakt der Seehandelsstaaten des griechischen Kulturraumes mit den Phöniziern und dem Kontakt mit der ägyptischen Kultur.: . . . Wie nun
bei den Phönikern aus Handel und dem Tauschverkehr die genaue Kenntnis der Zahlen ihren
Anfang nahmen, so ist bei den Ägyptern die Geometrie gefunden worden. Thales kam nach
Ägypten und brachte zuerst diese Wissenschaft nach Hellas hinüber. Vielerlei fand er selbst,
zu Vielem legte er auch die Grundlagen, für die, welche nach ihm kamen. Daß der Kreis vom
Durchmesser in zwei gleiche Teile zerlegt wird, soll er zuerst dargelegt haben –; [auch] gesagt
haben, daß von jedem gleichschenkligen Dreieck die Basiswinkel gleich sind, wobei er in einer
mehr altertümlichen Weise die gleichen Winkel vielmehr „formähnlich“ genannt habe. Der
Satz, daß wenn zwei Geraden einander schneiden, die Scheitelwinkel gleich sind, ist von Thales zuerst gefunden. Es heißt er hat den Abstand der Fahrzeuge auf See berechnet . . . . Nach
ihm war es Mamertios, der Bruder des Dichters Stesichoros, der nach der Überlieferung sich
mit dem Studium der Geometrie befaßte, und Hippias von Elis berichtete, daß er wegen der
Geometrie zu Ruhm gelangte; ihm folgte Pythagoras . . . 40
Schon skizziert hatten wir im Zusammenhang der Entwicklung der naturgeschichtlichen Vorstellungen die Bedeutung der Pythagoreer für die Entwicklung des mathematischen Denkens. Diese hatten im Kontext ihrer umgreifenden Harmonielehre eine allgemeine Darstellung von Maßrelationen und darin eine Zahlenlehre formuliert, die von der
bloß bemessend skalierenden Nutzung der Zahl absah und sie vielmehr als Relationsbestimmung zu fassen suchte. Eine wichtige Quelle, in der diese pythagoreische Zahlenlehre
auszulesen ist, ist die Arithmetik des Nikomachos von Gerasa, der die Zahlen nicht mehr
einfach als eine – abzählbare – Reihe von Bemessungsgrößen, sondern als eine Gruppe, der
40

Proklos, zitiert nach W. Kranz. Vorsokratische Denker, Auswahl aus dem Überlieferten. Berlin,
Frankfurt 1949, S. 39.

4.1 Die griechische Antike

231

verschiedene Eigenschaften zuzuschreiben sind, beschrieb: Die erste Einteilung der Zahlen
ist die in gerade und ungerade. Nach Euklid, der auf diese Tradition verweist, ist dabei dann:
Gerade . . . die Zahl, die sich halbieren lässt.41
Am Beispiel des Zenon hatten wir die Anfänge der Logik bei den Eleaten betrachtet.
Einzelne geometrische Verfahren, wie die Darstellung der Flächeninhalte geometrischer
Körper, kannten schon die Babylonier, von denen wir Aufgaben beschrieben hatten, nach
denen die Verwandlung eines Rechtecks in ein Quadrat unternommen werden konnte.
Auch Sätze wie der, dass die Fläche eines Dreieckes halb so groß ist wie die des Rechteckes
mit gleicher Grundfläche und Höhe, der Kongruenzsatz und das Verfahren zur Konstruktion des rechtwinkligen Dreiecks, das wir von Thales her kennen, finden sich, zumindest
als fallspezifische Konstruktionsanweisungen, in der babylonischen Mathematik. Was hier
allerdings fehlt, ist der Versuch zu beweisen. Diese Mathematik scheint noch nicht von der
Situation des Einzelfalles auf Grundbestimmungen von geometrischen Konstruktionen abstrahiert zu haben, in denen dann die einzelne Berechnung als Spezialfall einer bewiesenen
Konstruktion betrachtet werden kann. Erst bei Thales fanden wir den Übergang von Vorschriften zu allgemeinen Sätzen.
Wie sind aber nun deren Voraussetzungen, d. h. die dann geometrisch zu fassenden
Bedingungen einer möglichen Konstruktion zu beschreiben? Hier setzte Platon an, der
aus den Grundformen Kreis und Gerade die möglichen Konstruktionsverfahren, d. h. die
Regeln des Umgehens mit geometrischen Körpern abzuleiten suchte. Ziel seiner Überlegungen war eine auf Prinzipien basierende Konstruktionsvorschrift.
Die Pythagoreer hatten demonstriert, wie Sätze schrittweise aus anderen Sätzen abzuleiten sind, und hatten so ihre Maßrelationen beschrieben. Die notwendigen Ausgangssätze
für entsprechende Verfahren – beschrieb nun Platon – sind dann unmittelbar aus Definitionen abzuleiten. Diese können dann, in der Konstruktion als praktikabel erwiesen, in
sich in ihrem Bezug abgestimmt und demnach in Geltung gesetzt werden. Zahlen sind
demnach nun nicht einfach Bemessungsgrößen. Zahlen, das zeigt die Geometrie schon des
Eudoxos und das beschreibt Platon im Timaios, beschreiben Relationen zwischen Größen.
Also entsprechen Zahlen selbst solchen Größen, und die Transformationen, die mit den
geometrischen Größen unternommen werden können, zeigen, wie sich Zahlen und Zahlenverhältnisse zueinander verhalten.
Was ist dann eine Zahl? Sie ist dann nicht mehr das bloß Abzählbare, sie ist, das zeigt der
Quadratrix des Hippokrates von Kriton, etwas, das aus einer Operation mit geometrischen
Größen bestimmt werden kann, etwas, das in seiner Größe aus dieser Operation erwächst
und durch diese Operation in Bezug zu andern Größen definiert ist. Nur führt diese Operation, das hatten wir im Verdikt des Aristoteles gegen den Versuch der Quadratur des Kreises
mittels eines Approximationsverfahrens gesehen, an Grenzen. Die Darstellung der Operationen setzt voraus, dass deren Elemente aufeinander abgestimmt sind. Die Konstruktion,
die sie nutzt und ineinander überführt, zeigt dies. Da, wo dann aber die Elemente aus der
Konstruktion definiert sind, ist zu fragen, inwieweit damit andere über diese Konstruktion
41

Euklid, Die Elemente. Darmstadt 1991, VII. Buch, Def. 6, S. 141.

232

4

Die griechisch-römische Antike

in ein Verhältnis gesetzte Elemente durch diese Verhältnisbestimmung auch derart definiert sind, wie die Elemente, mit denen in dem ersten Schritt der Konstruktion gearbeitet
wurde: Grundelemente und Grundoperationen, in denen mit diesen Elementen umgegangen wird. Damit sind Voraussetzungen in die Konstruktion eingebracht, die selbst in der
Konstruktion nicht mehr bewiesen werden, sondern die allein aus dem Vollzug der Konstruktion ihre Begründung ableiten können.
Platons Ideenlehre zeigt nun aber, dass die Konstruktion selbst eben nicht in der Anschauung bestimmt werden kann. Sie kann anschaulich werden, ist aber umgekehrt dann
als eine strukturelle Operation zu beweisen, d. h. es ist ein Berechnungsverfahren anzugeben, in dem die Konstruktion beschrieben ist. So gibt es nach Platon bei jedem Ding
drei Momente, durch die die Erkenntnis notwendigerweise zustande kommen muss, das
vierte ist sie selbst, als fünftes ist das zu setzen, was durch die Vernunft erkennbar und das
wahrhaft Seiende ist. Das erste ist der Name, das zweite der Begriff (Logos, die sprachlich
ausgedrückte Begriffsdefinition), das dritte das (mit den Sinnen wahrnehmbare) Bild, das
vierte die Erkenntnis.
Wie sind nun aber die Momente solchen Erkennens darzustellen und dann in ihren
möglichen Kombinationen zu beschreiben? Hierzu, so Platon, sind sie zunächst abzugrenzen und in einer Hierarchie von Bestimmungen zu klassifizieren. Damit erhalten sie ihren
Ort in der Hierarchie begrifflicher Bestimmungen. Und derart kann die Ebene bestimmt
werden, in der sie Geltung tragen, der Bereich benannt werden, für den sie bestimmend
sind, und die übergeordneten Kategorien identifiziert werden, nach und in denen sie sich
bewegen können. In dieser Hierarchie werden so die Ordnungsrelationen zwischen Begriffen bestimmt. Diese sind nach Aristoteles in der Abstufung von Art und Gattung zu
beschreiben. So kann dann dargelegt werden, was an Spezifikationen in der Art des Umgehens mit Relationen gegenüber der prinzipiellen Bestimmbarkeit auf Ebene der Gattung
möglicher Bestimmungsmomente zu beschreiben ist. Regeln sind zu formulieren, in denen
die Ordnung der Bestimmungen aufeinander zu beziehen ist. Schlüsse sind zu begründen,
und so kann die Logik eines Beweisverfahrens und damit dieses selbst einsichtig gemacht
werden.
Das einfache dichotome Schema solchen Klassifizierens gibt der sogenannte Baum des
Porphyrios vor, in dem etwas – wie dies Platon ausführte – in einer strikt dichotomen
Hierarchie von spezifizierenden Bestimmungen definiert wird. Seine Definition ergibt sich
dann, zum Einen in Bezug auf die begriffliche Ebene, in der etwas bestimmt wird, und dann
zum Zweiten in der Darstellung der sogenannten spezifischen Differenz zu der alternativen
Ordnungseinheit auf eben dieser Ebene: Definitio fit per genus proximum et differentiam
specificam. Nach Aristoteles, auch dies hatten wir betrachtet, ist die Größe eine Kategorie, das bedeutet, es ist eine Grundbestimmung unserer Qualifizierung von Realitäten. Die
Zahl als kategoriale Bestimmung wäre damit eine operative Größe unseres Verstandes, die
in einer internen Abstimmung der Regeln, in denen wir sie anwenden, beschrieben und
in Geltung gesetzt wird. Die Zahl ist insoweit etwas, nach dem wir die Dinge bemessen.
Sie ist nicht im pythagoreischen Sinne das Maß des Existenten, sie ist vielmehr eine der

4.1 Die griechische Antike

233

Grundbestimmungen, nach denen wir die Dinge qualifizieren, und in denen wir Welt und
uns überhaupt zu denken vermögen.
Eine Größe – so schreibt Aristoteles – bezeichnet demnach dann auch etwas, was in
Bestandteile zerlegbar ist, von denen jeder seiner Natur nach ein Eines und Dieses ist.
So sind Größen Werte, sie sind in Zahlen, in Figurationen, in geometrischen Elementen
darzustellen, sind aber nicht einfach diese jeweils konkreten Bestimmtheiten. Es sind operative Bestimmungen, die sich in Maßrelationen ausdrücken, und insoweit die formale
Grundbestimmung von Einheiten und Einheitlichkeit des Naturalen ermöglichen. Zusammenhängende Größen sind dabei dann solche, die sich als Teilbereiche eines bestimmten
Gegenstandsbereichs fassen lassen. Dies definiert Aristoteles im fünften Buch seiner Physik
wie folgt: Ich sage . . . , „zusammenhängend“ liege dann vor, wenn die Grenze beider [von zwei
Dingen], da wo sie sich berühren, eine und dieselbe geworden ist.42 Größen stehen demnach
in einem Wertungsgefüge, sie sind in einem Zahlenraum abbildbar, der sich derart in ihnen
strukturieren lässt. Sie erlauben es, in diesem Zahlenraum Teilfunktionen zu definieren, die
eben in bestimmten Zahlreihen oder Maßgruppierungen darzustellen sind. Was der Möglichkeit nach in nicht zusammenhängende Teile zerlegbar ist, heißt – für Aristoteles – eine
Menge. Was in zusammenhängende Teile zerlegbar ist, heißt für ihn Ausdehnung. Er unterscheidet demnach also zwischen Reihungen und Kontinuitäten. Er beschreibt Expansion
und Serie als anschauliche Größen, in denen sich dann aber nun auch wieder bestimmen
lässt, was das ist, eine Größe. Demnach hat der Begriff der Menge bei Aristoteles dann aber
auch sowohl die Bedeutung von Menge und auch die Bedeutung vom Maß einer Menge –
wir sprechen heute von Mächtigkeit.
Euklid, der Lehrbuchautor, dessen Elemente im 3. Jahrhundert vor Chr. formuliert wurden und dann bis in das 19 Jahrhundert das mathematische Denken bestimmt haben,
und dessen Aufgabentexte bis heute das gymnasiale Lehrprogramm der Mathematik bestimmen, steht in seiner Darstellung in direktem Bezug auf die Position, die Aristoteles
vertritt. Sein Lehrbuch basiert auf Axiomen, zeigt, wie sich auf diesen Axiomen basierend,
ein ganzes System von Aussagenzusammenhängen darstellen lässt. Seine Mathematik demonstriert die Grundelemente, die Kombinationsregeln und die Beweisverfahren, nach
denen die Systematik dieser mathematischen Sätze zu formulieren ist. Sie operiert mit den
Zahlen als Größen, die in geometrischen Operationen ins Verhältnis gesetzt werden. Sie
offeriert Regeln und Verfahren, mit denen dieses getan werden kann, und entwickelt so ein
Gebäude von Aussagen, dessen Funktionalität nun auf einer zweiten Ebene beschrieben
werden kann. So sind dann Kombinationsregeln zu formulieren, die in ihrer Konsistenz mit
dem Lehrgebäude schon vorhandener mathematischer Sätze aufgewiesen werden und so
Elemente des Mathematischen definieren, die in Abhängigkeit von schon gefundenen Regeln zusehends kompliziertere Operationen und damit zusehends komplexere Größen und
Größenbestimmungen darzustellen erlauben. Nicht nur, dass so komplizierte geometrische
Operationen wie Kegelschnitte möglich werden. Die Schnitte, die in strikt geführten Operationen definiert sind, erlauben es nun auch, im Resultat neue geometrisch zu fassende
42

Aristoteles, Physik. In: Aristoteles, Philosophische Schriften. Hamburg 1995, S. 127.

234

4

Die griechisch-römische Antike

Körper zu definieren und in ihren Eigenschaften zu bestimmen, die so – wie die Hyperbel – zunächst gar nicht anschaulich waren, nun aber in der geometrischen Konstruktion
Anschaulichkeit gewinnen. So konstruiert die Mathematik Formen auch des Anschauens,
Bestimmungen der Zuordnung von Größen, in denen das System der in sich abgestimmten
Schlüsse von Größenbeziehungen und deren Relationen darstellbar werden.
Das mathematische Denken – das zeigt sich nun in der Systematik des euklidschen Lehrbuches, das dann in der weiteren Entwicklung der Antike auch fortwährend ergänzt wurde
– ist bestimmt durch die Konstruktion, die als solche dann in der Mathematik expliziert
wird, und so in der Abfolge des in der Konstruktion zu Erfahrenden auch sukzessive auszuweiten ist. Die Kombination von Gerade und Kreis führt zu Regeln der Umlagerung und
Transformationen, beschreibt Körper wie Kreis, Kegel oder Pyramide. Die Darstellung einer Fläche in diesen mathematisch konstruierten Körpern schafft Einsicht in komplexe
Formzuordnungen und definiert neue mathematische Körper. Auf der Einsicht in deren
Konfigurationen aufbauend kann nun wieder die Zuordnung komplexer Größen variiert
und erweitert werden. In der analytischen Fassung, die von der konkreten geometrischen
Transformation absieht, sind dann auch die abstrakten Regeln zu formulieren, mit denen
Zuordnungsbeziehungen zu bewerten und zu erarbeiten sind. Das, was dann dort benannt
wird, sind Formeln, in denen sich diese Beziehungen in der Vielfalt ihrer Möglichkeiten
ausdrücken lassen. Das Mathematische gewinnt somit neuen Raum und neue Größen, es
baut aus diesen Elementen ein Gebäude, das in der inneren Sicherung der Aussagen mit
den Mitteln der Logik und der Topik grundsätzliche Sicherheiten zu formulieren erlaubt,
die zum einen die Beschreibung der Dinge in eine neue Dimension setzen und zum anderen auch zeigen, was nunmehr die Formulierungen einer idealen Wissenschaft durch
Platon faktisch bedeuten.

4.1.4.3 Die Elemente des Euklid
Von Euklid, der etwa zwischen 365–300 v. Chr. in Alexandria lebte und wirkte, ist selbst
nur wenig bekannt. Sein Hauptwerk, die Elemente, entstand wahrscheinlich um 325. In
ihren insgesamt 13 Büchern sind die Lehren der griechischen Mathematik seiner Zeit zusammengefasst und, auf Axiomen, Postulaten und Definitionen aufbauend, systematisch
zusammengestellt. Es wird immer wieder diskutiert, inwieweit hier ein bloßes Kompilat
oder eine eigenständige Leistung des Euklid vorliegt, zumal Verweise auf vor Euklid publizierte Lehrbücher Anleihen nahelegen. Allerdings wurden diese anderen Bücher auch
nicht weiter abgeschrieben, und zudem wurde auch nach Euklid kein vergleichbares, eigenständiges Lehrbuch verfasst. Das zeigt uns die Wertschätzung die die Elemente des Euklid
schon in der Antike erlangten. Mit seinem mustergültigen Aufbau, in dem sich nicht nur
die einzelnen Sätze und Beweise klar formuliert finden, sondern die Gesamtdarstellung
des Systems des mathematischen Wissens in eine schlüssige Form gebunden ist, wird ein
in sich abgestimmtes Lehrgebäude übermittelt. In seiner Konsistenz und in der Qualität
der vorgestellten Verfahren wirkte dieses Buch nachhaltig und bestimmt unser mathematisches Denken und damit unser abendländisches Naturwissen bis heute maßgeblich. Dabei
sind es nicht nur die Formeln und die Formen des Mathematischen, es ist selbst unsere

erwähnt den Euklid. so zur mathematischen Astronomie (Phainomena). Sodann finden wir Schriften aus dem Bereich der Angewandten Mathematik. Sein Kommentator Proklos Diadochos (um 450 nach Chr. der nach dem ersten kam. In und nach dieser ordnen wir uns die Welt. 3 : 1 oder 3 : 2. was von Früheren nur oberflächlich dargestellt war. d. Bekannt ist sein Versuch. dass sein Autor hinter diesem Werk gerade auch in dem. die die Elemente ergänzt. Er ist jünger als der Platonische Kreis und älter als Eratosthenes und Archimedes. in Athen wirkte. wie ein Dreieck durch eine Gerade gegebener Richtung in zwei Flächen von gegebenem Verhältnis geteilt werden kann. Fragwürdig ist die Zuschreibung einer Schrift von den Spiegelungen. vieles von Theaitetos Behandelte zum Abschluss brachte und. so sind damit auch andere Teile gegeben. durch unanfechtbare Beweise stützte. S. was wir von ihm als Person wissen. der Katoptrik. einen besonderen Zugang für Könige zur Geometrie gebe es nicht. die wir nach euklidischen Geometrie ausrichten. Hippokrates von Chios Mathematiker aus der zweiten Hälfte des 5. die ggf. erst von Theon von Alexandria verfertigt ist. Proklos Diadochos schreibt weiter: Dieser Mann (Euklid) lebte zur Zeit des ersten Ptolemaios. eine Musiktheorie.4. Die Elemente I–XIII. Nach dieser bestimmen wir zumindest in unserem Alltag noch bis heute die mathematisch zu bemessenden Größen. das Problem der Quadratur des Kreises durch die Quadrierung der sogenannten Möndchen. denn Archimedes. dass Ptolemaios ihn einmal nach einem kürzeren Weg durch die Geometrie als das Elementenwerk gefragt habe. In ihr finden sich Sätze der folgenden Art dargestellt: Sind bei einer Figur gewisse Stücke gegeben. die aufbaut auf der Lehre von mathematischen Verhältnisbestimmungen (sectio canonis).1 Die griechische Antike 235 Anschauung. Nicht erhalten sind Schriften über Fehlschlüsse. nach: Euclides. Jahrhunderts vor Chr. Er habe darauf geantwortet. . zur Optik – diese Schrift beschreibt die scheinbare Größe und Form der Figuren bei verschiedner Lage und Entfernung.) berichtet: Wenig jünger als diese (die Mathematiker der Akademie) ist Euklid der die Elemente schrieb. auch erzählt man. Und so ist es schon kurios.43 Euklids Schriften umfassten zudem mit der Schrift Data eine Arbeit. Bei ihnen stehen die zu den Kreisbögen gehörigen Mittelpunktsverhältnisse im Verhältnis 2 : 1. Die Summe der von den Halbkreisen über den Katheten und der Hypotenuse eines rechtwinkligen Dreiecks gebildeten Möndchen 43 Proklos Diadochos. Hier sind Aufgaben beschrieben. die in arabischer Übersetzung überliefert ist. Frankfurt 2005. Euklids Elemente sind damit das maßgebliche Buch abendländischen Wissens. durch Kreisbogen begrenzte mondsichelförmige geometrische Körper zu lösen. 415. h. Diese Möndchen des Hippokrates sind spezielle aus zwei Sichelbögen gebildete Zweiecke. Unklar ist auch die Autorschaft einer Schrift über die Mechanik. die etwa zeigen. In einer arabischen Abschrift ist zudem ein Werk Über die Teilung von Figuren erhalten. zit. Orte auf Flächen und Kegelschnitte. so völlig zurücktritt. der etwa zwischen 450–430 vor Chr. der dabei vieles aus Eudoxos verwendete..

die sich in dem sogenannten Kodex P finden.28 Die Möndchen des Hippokrates von Chios des Hippokrates ist dem Dreieck selbst flächengleich. Zudem werden ihm Neuerungen in der Konstruktionsanalyse zugeschrieben.236 4 Die griechisch-römische Antike Abb. ob er damit auch das Problem der Kreisquadratur gelöst zu haben glaubte. Die erste gedruckte Ausgabe der Elemente erschien 1482 in Venedig. Er ist der Autor einer nicht überlieferten Schrift zu den Elementen der Geometrie. Das Buch 15 wurde . die um 439 verfertigt wurde. schließlich wäre. Eine weitere umfassende Überarbeitung verdanken wir Theon von Alexandria. sie nimmt auch direkten Bezug auf die früheren Werke des Eudoxos und des Theaitetos. die sogenannten Polyeder. vor Theons Überarbeitung. Christus entstand. zumindest in ihren grundlegenden Veränderungen rekonstruiert werden. Das große mathematische Problem seiner Zeit. der. auch einige der Axiome und Postulate von Heron zumindest umformuliert worden. Beweise darlegt und den Aufbau des mathematischen Denkgebäudes aufzeigt. hat Hippokrates mit Hilfe der Einschiebung zweier mittlerer Proportionalen zu lösen versucht und damit die Lösung des Problems einen wesentlichen Schritt weitergebracht. das diese systematisch in die mathematischen Verfahren einführt. so sind u. als Summe einer Folge von Möndchen. den Flächeninhalt solcher Möndchen sowie auch die Summe eines Möndchens und eines Kreissegmentes zu berechnen (Abb. dass auch jedes beliebige Möndchen zu quadrieren sei. a. einem Mathematiker des 2. Dieses Buch ist eine Spezialuntersuchung über die regelmäßigen Körper.. ist aber dennoch nicht rein kompilatorisch. 4. Jahrhunderts vor Chr. verfasst wurde.28). ohne dass es praktische Anwendungen darstellt. Chr. Wobei das Buch 14 von Hypsikles. von Heron umfassender bearbeitetet. einem Euklid-Kommentar aus dem griechischen Raum. Es ist ein Werk für Studenten. Ins Arabische wurden die Elemente um 900 von an-Nairizi übertragen. Die Elemente untergliedern sich in 15 Bücher. Entsprechend gelang ihm. letztlich auch der Kreis. sie ist etwa in die Zeit um 370 nach Chr. Unklar bleibt. zu datieren. quadriert. Der Text wurde im Museion in Alexandria tradiert und dort spätestens um 60 n. Die Elemente des Euklid weisen auf eine ältere – uns nicht erhaltene – Elementarlehre des Hippokrates von Chios zurück. etwa um 290 n. wenn aus der Möglichkeit der Quadrierung einiger Möndchen zu folgern wäre. kann allerdings mit Hilfe der Angaben. die Verdoppelung des Würfels. 4.

Auch dieses Buch handelt über regelmäßige Körper. auch wenn er von der Geometrie nichts weiß. respektive die Aufgabe nun mit konkreten Werten zu berechnen ist. . Das Buch I beginnt – wie erwähnt – mit den beweislos anzuerkennenden Grundlagen mathematischer Operationen. Ein Axiom ist demgegenüber für Euklid ein allgemein logischer Grundsatz. Die Bücher VII bis IX stellen die Lehre von den Zahlen dar und sind inhaltlich weitgehend pythagoreischen Ursprungs. voneinander ab. wird dargelegt. bestreitet. Sie zielen auf den in ihrer Lösung liegenden Existenzbeweis. Ganz entsprechend dem aristotelischen Wissenschaftsideal sind damit die Grundlagen. unter der nun der Lehrsatz angewandt. beweist. Die Postulate zeigen. Dabei sind nicht alle dieser Axiome schon im Urtext von Euklid formuliert. Axiomen und Postulaten. das speziell Gegebene. In deren Darstellung definiert Euklid die Objekte seiner Wissenschaft. der vorgegebene Lehrsatz oder die vorgegebene Aufgabe. einem Geographen der augustinischen Zeit. Das erste Buch der Elemente beginnt mit Definitionen.4. und in Buch XIII werden Untersuchungen über regelmäßige Körper systematisiert. Dadurch. das mit den in den Definitionen vorgegebenen Elementen konstruiert ist. welche auf Theaitetos zurückgehen. wie mit diesen Elementen umzugehen ist. In Buch X findet sich zudem die Lehre von den Irrationalitäten. Teilweise wurden sie von Heron von Alexandria ergänzt. formuliert. mit denen in der Anschauung operiert wird. der die Möglichkeit einer Konstruktion.und Ausgangsbedingungen mathematischen Denkens gesichert werden. dass diesen Definitionen eine mathematische Realität entspricht. was ein Punkt ist. dass sie in der Konstruktion in ihren Eigenschaften expliziert werden. und damit die Existenz eines Gebildes sichert. Euklid unterscheidet nun zwischen Postulaten und Axiomen. Buch V behandelt die Verhältnislehre und schließt sich an Eudoxos von Knidos an.1 Die griechische Antike 237 wahrscheinlich von einem Schüler des Isodoros. Dass diese Instrumente funktionieren. dass ihr Einsatz sinnvoll ist. zum anderen als Lehrsätze formuliert. Dabei knüpfen die ersten Definitionen an der Definition des Quantitativen des Aristoteles an. Damit gewinnen sie in der Praxis ihre Realität. und gibt so ein klar konturiertes Instrumentarium für mathematische Konstruktionen an die Hand. Und genau so können die Definitionen des Euklid durch Postulate oder aus solchen abgeleiteten Konstruktionen als sinnvolle Start. die Voraussetzung. den kein Vernünftiger. auf denen aufbauend nun ein Wissenssystem zu bearbeiten ist. Dabei sind die wesentlichen Glieder einer Proposition – nach Proklos: 1. Die Bücher X bis XIII enthalten Inhaltsbestimmungen ebener Flächen und von Körpern im Raum (Stereometrie). 2. Propositionen sind zum einen als Aufgaben. wird es aus Euklids Definition nicht lernen – grenzt dann aber durch seine Definitionen die Einheiten. verfasst. Das Buch sechs zeigt nun die geometrische Anwendung des Vorhergehenden mit einer Darstellung der Ähnlichkeitslehre. wenn auch die Grenze zwischen beiden noch fließend ist. Die allgemeine Vorlage. wenn sie etwa die Linie als eine breitenlose Länge beschreiben. Dabei setzt Euklid die Anschauung voraus – wer nicht weiß. Buch VI. Die Bücher I bis IV beschreiben dabei die Geometrie in der Ebene. Dabei ist ein Postulat ein spezieller geometrischer Grundsatz. und verifizieren so in ihrer Praktikabilität den Sinn der entsprechenden Definitionen.

Was fehlt. der Vermessungslehre oder Astronomie gelöst werden. 14. Eine Grenze ist das. Eine Linie breitenlose Länge. Eine Figur ist. in ihrer Anwendbarkeit demonstriert und so gelehrt. welche Art von Problemstellungen sie entwickelt und wie zuletzt in der Konsistenz einer mathematischen Gedankenführung ein eigener Raum des Mathematischen konstruierbar wird. was keine Teile hat. 5. Die Konstruktion. 4. 1–3. . dann ist jeder der beiden gleichen Winkel ein Rechter. heißt der Winkel gradlinig. So folgt nun im ersten Buch Euklids. Die Enden einer Linie sind Punkte. S. 44 Ein Punkt ist. in den §§ 1–26. eine Kongruenzlehre. 10. 7. und schließlich die Lehre von der Flächengleichheit entwickelt:44 Buch I Definitionen 1. Eine ebene Fläche ist eine solche. 5. was von einer oder mehren Grenzen umfaßt wird. die zu den geraden Linien auf ihr gleichmäßig liegt. 9. ..238 4 Die griechisch-römische Antike 3. das speziell Geforderte. dass die aus dem Lehrsatz geschlossene Behauptung richtig und damit der Lehrsatz anwendbar und insoweit korrekt ist. 3. Eine gerade Linie (Strecke) ist eine solche. die ineinander treffen ohne einander gerade fortzusetzen. Entsprechend diesem Schema werden nun die verschiedenen Problemstellungen in Einzelaufgaben behandelt. wie eine konstruierende Mathematik mit ihren Problemstellungen umgeht. die zeigt. Daran schließt sich in den §§ 27–32 eine Parallelentheorie an. die zu den Punkten auf ihr gleichmäßig liegt. Darmstadt 1995. Damit ist die Art des mathematischen Argumentierens bei Euklid dargestellt. 13. Wenn die den Winkel umfassenden Linien gerade sind. 4. sind die Anwendungen. die auf die Vorlage zurückgreifende Schlusszusammenfassung. 6. Die Enden einer Fläche sind Linien. Euklid. 2. einander gleiche Nebenwinkel bildet. wie unter Annahme des Lehrsatzes in der speziellen Bedingung der vorgegebenen Aufgabe nunmehr die Konstruktion belegt. worin etwas endigt.. Lehrsätze werden formuliert. Wenn eine gerade Linie auf eine andere gerade Linie gestellt. 8. Eine Fläche ist. die dann in den §§ 33–48 durch die Hauptsätze über das Parallelogramm ergänzt wird. Beweis. Die Elemente. die Behauptung. Ein ebener Winkel ist die Neigung zweier Linien in einer Ebene gegeneinander. was nur Länge und Breite hat. in denen mit den gewonnenen mathematischen Sätzen dann auch Naturgegebenheiten beschrieben oder Probleme etwa der Physik.

wenn es eine ganze Zahl gibt (n). zeigt etwa das Buch 7. durchbricht also hier seinen klaren Schematismus.1 Die griechische Antike 239 15. 14. die aus mehreren solchen Teilen einer anderen Zahl bestehen. Wenn Gleichem Gleiches hinzugefügt wird. 2. Wenn von Gleichem Gleiches weggenommen wird. 16. nach seinem Text. Was heißt hier nun aber nun „genau messen“? Euklid stellt diese Frage selbst und variiert nun die Definition wie folgt:45 „A ist Teil von b. Das heißt eine Zahl z heißt einige Teile von b. Was demselben gleich ist. a = b/n. in der Definition drei formuliert Euklid: Teil einer Zahl ist eine Zahl. Und daß. Daß alle rechten Winkel einander gleich sind. eine solche Zahl z bezeichnet Euklid als den Plural – Teile von b. wenn sie die Größere genau misst. Allerdings definiert Euklid aber das Produkt erst in Definition 15. Ein Kreis ist eine ebene von einer einzigen Linie umfaßte Figur mit der Eigenschaft. . Daß man eine begrenzte gerade Linie zusammenhängend gerade verlängern kann. Also gilt z = m p × b/n. Anzuwenden ist hier nun aber. dann die zwei geraden Linien bei Verlängerung ins Unendliche sich treffen auf der Seite. Daß man von jedem Punkte nach jedem Punkt die Strecke ziehen kann. Axiome 1. 2.. Daß man mit jedem Mittelpunkt und Abstand den Kreis zeichnen kann..4. das alle von einem innerhalb der Figur gelegenen Punkte bis zur Linie laufenden Strecken einander gleich sind. für die b × n = a“.. Was einander deckt. . ist einander gleich. Das Ganze ist größer als der Teil. ist auch einander gleich. 3. die zueinander kleiner als zwei rechte sind. sind die Ganzen gleich. 5. die folgende Überlegung: Es gibt Zahlen. 45 Ebd. wenn eine gerade Linie beim Schnitt mit zwei geraden Linien bewirkt. . 3. daß innen auf derselben Seite entstehende Winkel zusammen kleiner als zwei rechte werden. Euklid bezeichnet solche Zahlen als Zusammenfassung mehrerer solcher Einheiten. 4. Postulate Gefordert soll sein: 1. wenn z die Zahl b nicht genau misst.. wobei Euklid meint. 8. 7. dass z eine eindeutig bestimmte Menge von Teilen von b sein soll. die kleinere von der größeren. S. so sind die Reste gleich. Und Mittelpunkt des Kresies heißt jener Punkt.. Wie dies geschieht. auf der die Winkel liegen.

werden Größen hier doch ineinander transformiert. wenn zwei Größen gleicher Art sind. 4. wenn sie vervielfältigt sind. ist eine Verhältnisbestimmung. nur in seinen Transformationsbedingungen interessant. vielmehr wird das. 91. Hier ist also die Eingrenzung des Euklid aufzulösen. . die diese Art der In-Bezugnahme aus der Anschauung herausnimmt. zwischen den Zahlen z und b gibt es immer eine Relation der Form z = m × (b/n) mit eindeutig bestimmten Zahlen m und n. Wenn a = m (b/n) und c = m (d/n). Buchs der Elemente. Das heißt. Zahlen sind nicht einfach Skalen. Die Zahl erlaubt die Bestimmung der Größenverhältnisse. einander übertreffen können. Sind nun Brüche damit aber noch Zahlen. Wie aber sind dann zwei Größen dem Verhältnis nach zu vergleichen? Hierzu sind Regeln für Größen vorzulegen. sie sind Relationen. 46 Euklid. ebd. da es Größenbeziehungen sind. c „dem Verhältnis nach gleich sind“. Dies wird nun zum Gegenstand der Theorie des 1.. zeigt dies nun allerdings nicht. sie ist eine Größenbestimmung. diese als Größen einander zuordnen. Nun kann aber der Teil einer Zahl wieder eine Zahl sein. diese ist geometrischer Art. sondern wann zwei Verhältnisse gleich sind.46 Die Zahl. Euklid formuliert dann: Dass sie (die Größen) ein Verhältnis zueinander haben. b oder auch d. denn in der Theorie ist die Zahl mit dem Begriff der Unteilbarkeit verbunden. das war schon in der Darstellung der Platonischen Philosophie deutlich. was transformiert wird. ganz im Sinne Platons eine in Gedanken zerschnittene Einheit. Das was so unterschiedlich anzuschauen ist. was da transformiert wird. S. Demnach folgt denn nun auch für die Theorie der Größenverhältnisse. sagt man von Größen. was sie sind: Teile. dass man Kriterien dafür braucht. Für geometrische Größen ist diese Definition nun aber problematisch. Also kann Euklid Brüche nicht als Zusammenfassung kleinerer Teile erklären. auch in der Beschreibung der Brüche operiert man so mit Verhältnisbestimmungen. kann derart einander zugeordnet werden. wann sie in bestimmten abzählbaren Verhältnissen stehen. sondern wie sie zueinander gleich sind. und es interessiert nicht. So kann ich dann. Damit ist dies eine Darstellung von Zuordnungen. sondern muss die Teile einer Zahl als das behandeln. Im Sinne der benannten Konstruktionsverfahren ist dies sinnvoll. Dabei ist ein Bruch nach Euklid. Was aber sind nun vergleichbare Größen? Größen gleicher Art sind Größen – so Euklid –. Schnitte von Flächen und Brüche. Relationen. Teils des 1. die vielfältig einander übertreffen können. Diese Art der Relationsbestimmung ist Voraussetzung jeder mathematischen Operation. was das Verhältnis zweier Zahlen ist.240 4 Die griechisch-römische Antike Das heißt nun. Wenn Zahlenpaare z. die nun umgekehrt genau in ihren Verhältnissen bestimmt sind. wenn ich Größenverhältnisse von Flächen bestimme. stehen sie in Proportionen zueinander. was das ist. in welchem Verhältnisse diese Größen stehen. die bestimmen. Die weiteren Abschnitte behandeln die Quadratur. 5 Buch. die. Def. Und so definiert später auch Euklid nicht.

zeigen. ABC sei ein rechtwinkliges Dreieck mit dem rechten Winkel BAC. Aus demselben Grund setzt auch BA AH gerade fort. Ferner ist der Winkel DBC = FBA. Ebd. ferner ziehe man durch AAL II BD oder CE und ziehe AD. S. S. BK zieht. BA zwei Seiten FB.] Also ist BL = Quadrat GB. also setzt CA AG gerade fort (I 14). Da hier die Winkel BAC.47 So lassen sich nun Konstruktionen entwickeln. wie er die Konstruktion nutzt. GC [Vom Gleichen die Doppelten sind aber einander gleich (Axiom 5). HC über BA. BL = 2 × Dreieck ABD. also ist das ganze Quadrat BDEC den zwei Quadraten GB + HC gleich (Axiom 2). um Größenrelationen zu bestimmen und damit die Form des Geometrischen selbst zu konturieren. wie sich gleichartige Größen konstruieren. Im zweiten Buch seiner Elemente behandelt Euklid allgemeine Größenbeziehungen mit den Mitteln der geometrischen Algebra. 32. denn sie haben dieselbe Grundlinie BD. BC (überkreuz) entsprechend gleich. AL (I. 41). . also ist Grundlinie AD = Grundlinie FC und das Dreieck ABD = dem Dreieck FBC (I.4. so ist das Rechteck aus den beiden Strecken den Rechtecken aus der ungeteilten Strecke und allen einzelnen Abschnitten zusammen gleich. HC. Ähnlich läßt sich wenn man AE. in denen aufgewiesen wird. denn sie haben wieder dieselbe Grundlinie. dann ist der ganze Winkel DBA dem ganzen FBC gleich (Axiom 2). 4). Damit sind dann Größenrelationen zu bestimmen. AG Nebenwinkel.30). AC die Quadrate GB. Da ferner DB = BC und FB = BA (I. Der § 47 des ersten Buchs von Euklid macht die deutlich:48 Am rechtwinkligen Dreieck ist das Quadrat über der dem rechten Winkel gegenüberliegenden Seite den Quadraten über den den rechten Winkel umfassenden Seiten zusammen gleich. AC zusammen gleich. AC. und der Winkel DBA = dem Winkeln FBC. BAG beide Rechte sind. Also ist das Quadrat über der Seite BC den Quadraten über den Seiten BA.1 Die griechische Antike 241 Daraus formulieren sich dann aufbauend Gesetzmäßigkeiten wie das Distributionsgesetz: Hat man zwei Strecken und teilt die eine von ihnen in beliebig viele Abschnitte. daß auch Pgm.. und liegen zwischen denselben Parallelen FB. daher füge man ABC beiderseits hinzu. auch ist das Quadrat GB = 2 × das Dreieck FBC. so bilden an der geraden Linie BA im Punkte A auf ihr die zwei nicht auf derselben Seite liegenden geraden Linien AC. Er konstruiert dabei geführt 47 48 Ebd. 4. Dabei ist das Quadrat BDEC über BC gezeichnet und GB. Man zeichne nämlich über BC das Quadrat BDEC (I. Def 22) so sind zwei Seiten DB. 46) und über BA. 4. Insoweit wird hier deutlich. die zusammen = zwei Rechte sind. Ich behaupte. nämlich FB. FC. denn beide sind Rechte (Postulat 4). Dabei lässt sich dieser Gedanke in einer Re-Konstruktion der Argumentation Euklids noch einmal vereinfachend darstellen (Abb. daß BC2 = BA2 + AC2 . Fewrner ist Pgm. CL = Quadrat HC. wie Euklid argumentiert. 34..29). beschreibt das Gnomon und die mit ihm zu erhaltenden Darstellungen von Größenrelationen (Abb.

4.242 Abb. a1 . Das dritte Buch der Elemente behandelt die Kreislehre. a2 . der Länge des Schattens von h1 . Die darin behandelten Sätze sind selbst meist vorgriechischen Ursprungs. 4. Buch vier beschreibt. sie stimmen in zwei Seiten und dem dadurch eingeschlossenen Winkel überein. Abb.. um bei Kenntnis der Höhe von h1 . regelmäßige Vielecke. Somit sind sie flächengleich. Sie bleiben also flächengleich bei der Drehung um 90°. wobei die Lösungsvorschläge wiederum pythago- . die Höhe von h2 zu bestimmen h2 h1 Schatten Py a1 a2 durch die Anschauung und fasst dann auch Algebra in genau diesem Sinne als die Konstruktion des In-Relationen-Setzens. und im Buch fünf folgt eine strenge Begründung einer Propositionslehre allgemeiner Größen. Somit sind sie flächengleich.h.29 Beweisführung Euklid’s 4 Die griechisch-römische Antike Euklids Gedanken Hö Hö he Gr Gr un un dl i dl i ni e ni e he Die Dreiecke haben gleiche Grundlinien und gleiche Höhe.30 Darstellung der Nutzung eines Gnomons (h1 ). und des Schattens von h2 . Die Dreiecke sind kongruent nach sws. d. Grundlinie Grundlinie Höhe Höhe Die Dreiecke haben gleiche Grundlinie und gleiche Höhe. auf pythagoreischer Grundlage.

die andere von der vierten. Dabei führten nun allerdings die Versuche. die eine von der zweiten. durch Einführung des Unendlichkleinen als gemeinschaftlichem Maß inkommensurabler Größen die Lücke einer Proportionslehre zu schließen. Er findet diese. 95. §4 Hat eine erste Größe zur zweiten dasselbe Verhältnis wie die dritte zur vierten. so dass ggf. bekannt. wie eine dritte von einer vierten. ist zu dem Vorlauf der in den Büchern sieben bis neun abgehandelten Probleme wenig bekannt. dass er die Zahlen ganz im Sinne des Aristoteles als Mengen fasst. Entsprechend sucht Euklid denn auch nach einer Alternative.4. begründet. die wesentlichen geometrischen Sätze ohne Proportionen herzuleiten – dies gelang Euklid durch den Ausbau der Flächenlehre. indem er geometrische Konstruktionsverfahren nutzt. die er nun in ihrem Verhältnis zueinander beschreiben 49 Eda. .. dasselbe Verhältnis haben. was Euklid in diesen Büchern entwickelt. . allerdings ist die Arithmetik generell weniger gut dokumentiert. Während feststeht.1 Die griechische Antike 243 reischen Ursprungs sind. zu den bekannten Paradoxien. Ziel war demnach. die sich als Verhältnisse ganzer Zahlen fassen lassen. Anscheinend waren hier aber schon um 400 die Grundzüge dessen. Seit Pythagoras behandelten die Griechen geometrische Probleme vornehmlich mit Hilfe von Proportionen. Euklid geht dabei wiederum von Definitionen aus. dass Euklid im Buch zehn Vorarbeiten des Theaitetos (um 380) verwandte. diese wurden zunächst als Übereinstimmung von Verhältnissen. dann müssen über gleiches weg auch die neugebildeten Größen Gleichvielfache der zugehörigen sein. Das Buch sechs zeigt nun die geometrische Anwendung des Vorhergehenden. . Das Buch sieben entwickelt in seiner ersten Hälfte die Grundlegung der Lehre von den Zahlenverhältnissen und behandelt im zweiten Teil das Problem der Teilbarkeit. . Dabei stellte er – in Referenz auf Eudoxos – zugleich auch die Lehre von den Verhältnissen auf eine neue Grundlage. . Die anschließenden Bücher sieben bis neun formulieren eine elementare Zahlentheorie. . und man bildet Gleichvielfache der ersten und dritten. entsprechend genommen. Irrationale Verhältnisse sind ja nun nicht mehr in natürlichen Zahlen auszudrücken. nur der Schluss von Buch IX originär wäre. umfasst die Ähnlichkeitslehre und die allgemeine Flächenanlegung. und schließlich handelt das Buch zehn von den irrationalen Zahlen. Die der Überlieferung zufolge in der Pythagoreischen Schule selbst erfolgte Entdeckung des Irrationalen bildet die Grundlage einer Verallgemeinerung solcher Verhältnisbestimmungen. dann müssen auch bei beliebiger Vervielfältigung Gleichvielfache der ersten und dritten zu Gleichvielfachen der zweiten und vierten. die Zenon etwa im Beispiel des Wettlaufs von Achilles mit einer Schildkröte behandelte. . S. die ansonsten solche nicht mit sich zu vermittelnde Größen hätte stehen lassen müssen. So schreibt er in §§ 3 und 4 des fünften Buches:49 §3 Wenn eine erste Größe von einer zweiten Gleichvielfaches ist. die zeigen.

und die einander vervielfältigenden ihre Seiten. Und ungerade die. Gegeneinander zusammengesetzt sind Zahlen. Einheit ist das. wenn sie die größere genau mißt. wonach jedes Ding eines genannt wird 2. die sich halbieren läßt. So etwa im § 33 des sechsten Buches. Zahl ist die aus Einheiten zusammengesetzte Menge. ist die entstehende eine körperliche Zahl. 12. Und Menge von Teilen. 5. Zusammengesetzt ist eine Zahl. 7. Man sagt daß eine Zahl eine Zahl vervielfältige. wenn sie nicht genau mißt. Gerade mal ungerade ist die. Teil einer Zahl ist eine Zahl. 8. 16. die ihren Teilen zusammen gleich ist. 17. die sich durch irgendeine (andere) Zahl messen läßt. 20. 22. Kubikzahl ist eine Zahl gleichmal gleichmal gleich. . die sich von einer geraden Zahl nach einer geraden Zahl messen läßt. 13. die sich in den Zahlen als Funktionsbeziehungen ausdrücken lassen. Ungerademal ungerade ist die Zahl. die sich nur durch die Einheit als gemeinsames Maß messen läßt. 50 Eda. 6. 15. 3. 4.244 4 Die griechisch-römische Antike kann und in denen er so die Relationen definiert. Wenn zwei Zahlen bei gegenseitiger Vervielfältigung eine Zahl bilden. die sich nur durch die Einheit als gemeinsames Maß messen lassen. Gerade ist die Zahl. oder die von drei gleichen Zahlen umfaßt wird. 10. oder die sich um die Einheit von einer geraden Zahl unterscheidet. Quadratzahl ist eine Zahl gleichmal gleich. die sich nicht halbieren läßt. VII Buch Definitionen50 1. Wenn drei Zahlen bei gegenseitiger Vervielfältigung eine Zahl bilden.. die sich von einer ungeraden Zahl nach einer ungeraden messen läßt. S. die kleinere von der größeren. 14. und so eine Zahl entsteht. und die einander vervielfältigenden Zahlen sind ihre Seiten 18. Ähnliche ebene und körperliche Zahlen sind solche deren Seiten in Proportionen stehen. die sich von einer geraden Zahl nach einer ungeraden Zahl messen läßt. 9. Eine vollkommene Zahl ist eine solche. Gegeneinander prim sind Zahlen. 141 f. die sich durch irgendeine Zahl als gemeinsames Maß messen lassen. wieviel Einheiten jene enthält. Und Vielfaches die größere von der kleineren. 11. wenn die erste von der zweiten Gleichvielfaches oder derselbe Teil oder dieselbe Menge von Teilen ist wie die dritte von der vierten. wenn die zu vervielfälftigende so oft zusammengesetzt wird. 19. gerademal gerade ist die Zahl. wird die entstehende eine ebene Zahl genannt. Primzahl ist eine Zahl. Zahlen stehen in Proportion. oder die von zwei gleichen Zahlen umfaßt wird. 21. wenn sie von der kleineren genau gemessen wird.

dass eine Mathematik auf diesen Voraussetzungen aufbauend weiterentwickelt. das das Handwerkszeug des Mathematikers vermittelte. Damit zeigt sich uns hier zugleich auch. Es wird deutlich. Wie sind dabei dann die hier erscheinenden irrationalen Größenbeziehungen selbst zu fassen? Euklid stellt für diese deren biquadratische Funktionen dar und setzt in deren Konstruktion nun die Verhältnisbeziehungen der Funktionen selbst in Relation zueinander ein. Für Euklid galt es hier. die Wurzel und komplexe Gleichungen vollständig zu behandeln. Es geht dabei darum. Die von Euklid getroffenen Definitionen und Postulate sind dabei verbindlich in dem Sinne. Demnach sind die hier offerierten Denkformen und Darstellungswege verbindlich für die seinerzeitige Community. Auf dieser Basis und im Rahmen der so vorgegebenen Argumentationslinien wird im Weiteren formuliert.4. durch algebraische Darstellungen ersetzt. wie sich unter Voraussetzung der geradlinigen Ausbreitung der Sehstrahlen der Strahlengang in einem Hohlspiegel darstellen lässt. in denen er die Verhältnisbestimmungen des Irrationalen zu plausibilisieren suchte. dass hiermit nicht nur eine Folge von Teildarstellungen. In dieser Form wird die Lehre von den Potenzen. Die Katoptrik entwickelte sich aus dem praktischen Gebrauch von Metallspiegeln und aus einer weiterführenden Beschreibung des schon vor Aristoteles ermittelten Reflexionsgesetzes. sondern die Strategie mathematischer Operationen und eine Darstellung der Sicherung mathematischer Verfahren in kompakter Form vorgelegt wurden. angewandt und kommuniziert wird. auf welch hohem methodischen Standard die dem Platonischen Konzept der Mathesis universalis folgende Naturforschung der griechischen Antike um 300 vor Chr. keine Forschungsliteratur. gefunden. Die Elemente des Euklid sind ein Lehrbuch. der Lehre von den Spiegeln und der Reflexion. Die Elemente präsentieren das mathematische Basiswissen eines griechischen Naturforschers. die insbesondere auch den Strahlengang des Lichtes an einer gekrümmten Fläche betrachten lassen. deren geometrische Deutung ja bei der dritten aufhört. Das Buch zehn mit seiner Behandlung des Irrationalen galt schon in der Tradition als besonders schwierig. Wobei hier dann auch schon die Wirkung von Brennspiegeln beschrieben . Die einfache Zuordnung von Einfalls.und Ausfallswinkel an einer planen Fläche ist aber nur der Ausgangspunkt umfassenderer Überlegungen. So wurden dann auch in der Renaissance die geometrischen Umformungen des Euklid. Eine erste dieser Anwendungen war in der sogenannten Katoptrik. Dabei ist damit umzugehen. gründete.1 Die griechische Antike 245 Hauptgegenstand von Buch acht und des ersten Teils von Buch IX sind geometrische Reihen. die ihm die Operablen seiner Konstruktionsverfahren definieren. die bei der Konstruktion auf Grund der Postulate auftretenden irrationalen Strecken vollständig darzustellen. dass es etwa für die Wurzel aus 2 keine rationale Lösung gibt. traditionell aber Euklid zugesprochenen Schrift über die Lehre von den Spiegeln zu finden. Eine entsprechende Theorie ist in der gegebenenfalls allerdings erst von Theon von Alexandria geschriebenen. Die Bücher 11–13 bringen dann die Stereometrie und die letzten beiden Bücher der Elemente behandeln – wie benannt – die Darstellung regelmäßiger Körper. Auch hier setzt Euklid mit Definitionen an. Hier wird beschrieben. und von den Wurzeln – unter Beschränkung auf rationale – dargelegt.

Auch Archimedes.und Brechungswinkel konnte er jedoch daraus nicht ableiten. zylinderförmigen sowie ebenen zusammengesetzten Spiegeln. ob eine gekaufte Krone wirklich aus reinem Gold war. indem er zeigte. dass er sein Schwert zog und Archimedes tötete. etwa mit Eratosthenes. wird schon in der Antike kanonisch. Heron von Alexandria befasste sich mit konvexen und konkaven. als Leiter der Bibliothek und zugleich als Erzieher des Prinzregenten nach Alexandria berufen worden war. Er lieferte als erster einen Beweis des Reflexionsgesetzes. dass ein Lichtstrahl nur dann den kürzesten Weg zurücklegt. den Goldgehalt der kunstvoll ge- .4. Luft und Glas sowie Wasser und Glas bei Einfallswinkeln von 0° bis 80° genau gemessen. Schon in der Antike rankten sich um seine Person stattdessen aber Anekdoten. der von Ptolemaios III. Zentraler Ort der weiteren Entwicklung des mathematischen Wissens ist nach der Gründung des Museions und der Bibliothek der Ort. wie die römischen Eroberer sich solch einer Persönlichkeit eines Wissenschaftlers und demnach einer in ihrer eigenen Kultur so bisher unbekannten Größe versicherten.1. Dagegen hat Ptolemaios die Brechungswinkel zwischen Luft und Wasser. das zeigen schon die Fortschreibungen der Bücher 14 und 15. der Konstrukteur der für die römischen Angreifer so vernichtenden Kriegsmaschinen. Über sein Leben ist sonst wenig bekannt. So wird über sein Ende berichtet. dass dieser bitte seine Zeichnungen nicht zerstören solle: noli turbare circulos meos (Störe meine Kreise nicht). der wohl originellste der in seinen Schriften überlieferte Mathematiker studierte dort und hielt auch später. kam er ums Leben. nach seinem Rückgang in seine Heimatstadt. Er bat Archimedes. Kontakt mit dieser zentralen Forschungsstelle. Hieron II. Bei der Eroberung der Stadt 212 vor Chr. nach dem Fall der Verteidigungsringe seiner Stadt in ein mathematische Problem vertieft in seinem Studierzimmer saß und dem in seinen Bereich vordringenden Soldaten nur entgegenhielt. wenn der Einfalls. als Sohn des dortigen Hofastronomen Pheidias in Syrakus geboren. Die Refraktion widersprach der Geradlinigkeit der Sehstrahlen. wollte wissen.4 Archimedes Archimedes wurde um 287 vor Chr. Auch seine Entdeckung des Auftriebs wird in einer Anekdote berichtet. so dass diese Beziehungen dann mathematisch auch nicht weiter behandelt wurden. Die gute Reflexion der Metallspiegel führte er auf das Verschmieren der Poren der Oberfläche durch Polieren zurück. Euklid. die aufwiesen. Nach seinen Studien in Alexandria kehrte er in seine Heimatstadt zurück. Ein Brechungsgesetz als funktionale Beziehung zwischen Einfalls.246 4 Die griechisch-römische Antike ist. so dass in dieses Material im Gegensatz zur Situation beim Wasser oder bei Kristallen kein Licht eindringen könne. Im zweiten Punischen Krieg leistete er bei der Verteidigung der Stadt gegen die Römer wesentliche Hilfe durch die Konstruktion von Kriegsmaschinen.gleich dem Ausfallswinkel ist. 4.. wie eindringlich diese Person auf die Zeitgenossen wirkte und wohl vor allem auch zeigten. an dem Euklid schon vorab gearbeitet hatte: Alexandria. dass er. die später Archimedes noch perfektionierte. Was der Soldat damit beantwortete. sie wurde infolgedessen in der Antike nicht geometrisch erklärt. der Tyrann von Syrakus.

Der dritte Punische Krieg führte dann zur völligen Zerstörung Karthagos. Archimedes dachte tagelang über dieses Problem bis. Das Prinzip und dessen Lösung sind von Archimedes in einer Schrift Über schwimmende Körper dargestellt. So geht ein Schiff nicht unter. Deren Argumentationsgang sei im Folgenden etwas eingehender dargestellt. ganz im Sinne der geometrisch konstruktiv verfahrenden Geometrie. die über die Bewertung und Beschreibung von Größenzuordnungen physikalische Funktionen definiert und damit physikalische Größen identifiziert und charakterisiert. Sein Gewicht konnte er bemessen.4. . und so konnte er mit Hilfe solch einer Volumenfeststellung das spezifische Gewicht eines jeden Körpers errechnen. wo Hannibal die entscheidende Schlacht bei Zama verlor. und dabei b) eine quantifizierende Physik konturiert. Ein Körper. die ihm im Resultat die Herrschaft im westlichen Mittelmeer und die ersten überseeischen Besitzungen einbrachten. wird demnach also nach oben getrieben. ihm im Bad plötzlich die Lösung einfiel. ohne sie zu beschädigen. der in eine Flüssigkeit getaucht wird und dessen Dichte geringer als die von Wasser ist. In deren Folge wurde Karthago politisch und wirtschaftlich entmachtet. von Makedonien ein Bündnis eingegangen war. in dem es um den Besitz von Sizilien ging. Punischer Krieg Rom führte insgesamt drei sogenannte Punische Kriege gegen Karthago. der zudem auch mit Philipp dem V. ein Problem der Physik berechnet. So besagt nun auch das Archimedische Prinzip. der das Schiff schwimmen lässt. Als er sich in die Wanne einließ. war Syrakus 263 römischer Bundesgenosse geworden. Nachdem es den Römern gelungen war eine eigene Seestreitmacht aufzubauen. da es leichter ist als die Wassermenge. so entsteht Auftrieb. 264–241. die sein Gesamtvolumen verdrängen würde. er hatte es mit seinem Körpervolumen verdrängt. Dies erkennend – so die Anekdote – sprang Archimedes aus dem Bade und lief – ich hab’s gefunden schreiend – (griechisch: heureka) nackt und nass durch Syrakus. und Rom landeten die Römer in Afrika. Im ersten Punischen Krieg. in der dann auch Syrakus aus dem Bündnis mit Rom ausscherte. dass das Gewicht der verdrängten Flüssigkeit gleich groß wie das Gewicht des schwimmenden Körpers ist. Der zweite Punische Krieg (218–201) führte Rom durch das Feldherrngeschick des karthagischen Führers. Das auslaufende Wasser entsprach – das erkannte er – in seiner Menge seinem Körpervolumen. schwappte das Wasser über. so die Anekdote. fiel Sizilien an Rom und wurde 228/227 als römische Provinz ebenso wie die nach einem Söldneraufstand besetzten Inseln Sardinien und Korsika dem römischen Reich angegliedert. in eine extrem kritische Situation.1 Die griechische Antike 247 arbeiteten Krone zu überprüfen. Nach dem Friedensschluss zwischen Philipp dem V. Und letztlich lässt sich c) zeigen. da sich hier an einem vergleichsweise einfachen Beispiel zeigen lässt wie a) Archimedes.

wie Archimedes von dieser qualitativen Annahme nun in eine geometrische Behandlung überleitet: Wenn eine Fläche die Eigenschaft hat. dessen Mittelpunkt jener Punkt ist.31 Archimedes über schwimmende Körper. Dadurch dass er die Flüssigkeit derart als eine Summe von aufeinander wirkenden Teilen beschreibt. die zeigen. 52 Ebd.52 51 Archimedes.51 Dabei expliziert diese Voraussetzung letztlich schon das Gesamtkonzept einer Hydrodynamik. die in Abhängigkeit ihrer jeweiligen Position in der Flüssigkeit nach Maßgabe der grundsätzlichen Eigenschaften der Bereiche des Flüssigen aufeinander wirken. 4. das Archimedes mit dieser Schrift in seinen Grundlagen erörtert. die dann – ganz im Sinne der Definitionen des Euklid – die mit diesen Voraussetzungen getroffenen Annahmen wieder rechtfertigen. daß von gleich gelegenen und zusammenhängenden Teilen die stärker gedrückten die weniger gedrückten vor sich hertreiben. Die Arbeit beginnt formal ganz im Sinne des aristotelischen Wissenschaftskonzepts. S. das wir in Euklid expliziert fanden: Es sei vorausgesetzt. Nun folgen Zusatzbemerkungen. c Gewichtsmessung 4 Die griechisch-römische Antike a ρK > ρFl b ρK < ρFl ρK = ρFl c wie Archimedes dabei in einer Analyse von Folgen jeweilig von ihm darzustellender Zuordnungsverhältnisse dynamische Phänomene zu erfassen sucht (Abb. In: Archimedes. 4. Über schwimmende Körper. und dass jeder Flüssigkeitsteil von der oberhalb seiner gelegenen Flüssigkeit in lotrechter Richtung gedrückt wird. wenn die Flüssigkeit nicht durch ein Gefäß oder andere Umstände gedrückt wird.31). a Qualitative Beobachtung. so ist die Fläche eine Kugel.248 Abb. daß sie von allen durch einen und denselben Punkt gehenden Ebenen in einem Kreise geschnitten wird. ist nun ein Experimentalansatz eröffnet. der diese Annahmen nutzend zu Ergebnissen kommt. Frankfurt 1996. Abhandlungen. 285. b Volumenmessung. daß die Flüssigkeit einen solchen Charakter hat. . Thun.

S. letztlich dynamischen Vorstellung das Eintauchen eines Körpers in einer Flüssigkeit beschrieben werden. S. daß sie von jeder durch den Mittelpunkt der Erde gehenden Ebene in einem Kreise geschnitten wird.55 Archimedes legt im Weiteren dar.. daß die Oberfläche einer in Ruhe befindlichen Flüssigkeit die Gestalt einer Kugel hat. S.57 Dabei ist der jeweilige Zustand des Körpers als ein dynamischer Zustand zu beschreiben. und natürlich kann nunmehr im Kontext einer derartigen.. in der Richtung der durch ihren Schwerpunkt bezogenen Vertikalen steigen. 55 Ebd. da die Oberfläche ja die Eigenschaft hat. S. die er verdrängt. Es geht vielmehr um eine grundsätzliche Betrachtung des Verhaltens von Flüssigkeiten. er weiß um den Auftrieb und beschreibt ihn als eine Größe. 292.4. welche den gleichen Mittelpunkt hat wie die Erde. die entsprechenden Elemente dann auch in der beschriebenen Weise ausgerichtet. daß ihre Oberfläche nicht aus der Flüssigkeit herausragt. deren spezifisches Gewicht gleich dem der Flüssigkeit ist. deren Mittelpunkt der Mittelpunkt der Erde ist. 58 Ebd.56 Und auch umgekehrt wird ein Körper. Und so gilt: Feste Körper. dessen Mittelpunkt mit dem Mittelpunkt der Erde zusammenfällt. der mit geometrischem Mitteln als eine Relation zwischen Größen zu kennzeichnen ist – es wird vorausgesetzt. 290 f.54 Natürlich sind entsprechend die Ausrichtungen der einzelnen Flüssigkeitselemente zu beschreiben. eine Kugel. 286. 287. werden in die Flüssigkeit so weit eintauchen. beim Absinken um so viel leichter. der spezifisch schwerer ist als die Flüssigkeit. daß Körper. Demnach kann er dann auch bestimmen. sondern auch Ausrichtung und Gleichgewichtszustände der resultierenden aufeinander wirkenden Größen. 57 Ebd. in dem sich die Teile. S.1 Die griechische Antike 249 Natürlich sind in einem System. die nun auch in dieser prinzipiellen Art beschrieben werden. und zwar als das Einbringen einer Größe nach den Bestimmungsverhältnissen der das Verhalten der Flüssigkeit schon in sich ausrichtenden Teilgrößen. und so ist: Die Oberfläche jeder in Ruhe befindlichen Flüssigkeit . So folgert er dann auch: Es ist also klar. wie die von ihm verdrängte Flüssigkeitsmenge wiegt. das hier angewandte Verfahren eben auch zur Beschreibung des Schwerpunktes komplexerer geometrischer Gebilde nutzen. . . wie entsprechend das Verhalten eines Körpers zu und in einer Flüssigkeit zu beschreiben ist.58 Das bedeutet nun auch. da er ein geometrisches Verfahren zur Rekonstruktion dieser dynamischen Wechselwirkungen nutzt. 56 Ebd. dass Archimedes nicht nur grundsätzlich den Auftrieb beschreibt. Archimedes weitete so in einem zweiten Schritt seine Darstellung eines dynamischen Verhältnisses von physikalischen 53 Ebd. Ebd. ordnen und die auf einen natürlichen Ort hin ausgerichtet sind. wie im Vorhinein angegeben.. andererseits werden sie nicht sinken. als solche Maßrelationen beschreiben kann. 54 . die äquivalent dem Gewicht entsprechend der Differenz der Gewichte der verdrängten Flüssigkeitsmenge und des Körpers ist.53 Es geht in dieser Schrift also mitnichten um die bloße Anwendungsdarstellung im oben skizzierten Sinne. die in einer Flüssigkeit aufwärts getrieben werden. dass sich entsprechende Größen so nach ihrem Schwerpunkt hin ausrichten. der Kräfte. 293. Damit kann er.

Die Darstellung des Auftriebs wird so zu einer Funktion. respektive die ihn zeichnenden geometrischen Verhältnisse beschreiben. beschreiben. So kann er dann – ausgehend von der Darstellung der Rauminhaltsverhältnisse eines Körpers und der von ihm verdrängten Flüssigkeitsmasse generelle Angaben zu Wichtungsfunktionen gewinnen: Denn in der Abhandlung über das Gleichgewicht wird bewiesen. die den Mittelpunkt der Grundfläche mit dem Scheitel verbindet . Dadurch dass er dann ein Gleichgewicht zwischen solchen wirkenden Größen beschreibt. 298. Besonders deutlich wird dies an seiner Behandlung des Hebelarms. wie Gewicht und Masse eines Körpers. heben kann. sondern mit dem er dann überhaupt einen Ansatz schafft. wenn sich eine dieser Größen variiert und kann so Kraftwirkungen darlegen. die nunmehr auch zur Bestimmung von Relationen genutzt werden kann. die mathematische Rekonstruktion eines Gleichgewichtszustandes zwischen unterschiedlichen Massen darzustellen vermag. wie ein in einem Drehpunkt verankerter Hebel eine schwere Last mit einer verhältnismäßig geringen Kraft. zeigt auf. als Funktionen zu kennzeichnen und somit geometrische Verfahren weiterzuentwickeln. 59 Diese Verschränkung von Anwendung und Entwicklung eines weiterführenden mathematischen Programms ist typisch für Archimedes. .32). 4. daß der Schwerpunkt eines jeden Paraboloidsegments auf der Geraden liegt. S. was passiert. so gelingt es ihm die Proportionen. Er beschreibt damit den Wirkungsmechanismus des Hebebaumes der zum einen eine Kraft von einem Ort auf den anderen überträgt und der zum anderen als Lastarm einer Waage verschiedene Gewichte in ein Verhältnis zu setzen vermag (Abb.32 Der Hebebaum gegenwirkende Kraft (Hub) Drehpunkt Gewichtskraft der Last Größen zu einer Beschreibung von mathematischen Proportionalverhältnissen aus. 4. mit dem er nicht nur einen Spezialfall. die er in geometrischen Operationen definiert. die an einem Ende des Hebels ansetzt. In seiner Abhandlung zeigt Archimedes. Dieses Verhältnis entspricht den jeweiligen Längendifferenzen der Hebelarme. setzt er sie in Beziehung. Dabei nähert er sich dann auch einer Beschreibung dynamischer Phänomene. Er beschreibt Gleichgewichtszustände als Resultat von Interaktionen geometrisch zu fassender Gebilde. .250 4 Die griechisch-römische Antike Abb. die Kräfte und Zustände. 59 Ebd. . mechanische Wirkungszustände zu beschreiben. die die dynamischen Reaktionen eines Körpers.

4. in denen Archimedes diese Kraftwirkungen ausdrückt. So können über den Hebel auch derartige Körper in Relation zueinander gesetzt werden. In der einfachen Version sind dies zwei unregelmäßige Vierecke. als Größen antragen. die sich als proportionale Größen bestimmen lassen. F3 ) r r r r F F F F Damit lassen sich Massen in Beziehung zueinander setzen. Derart muss im oben genannten Beispiel die Kraft F 2 sich zu F 1 umgekehrt proportional dem Verhältnis von L2 zu L1 verhalten. wie der Lastarm der anderen Seite. Auch der Flaschenzug ist eine direkte Anwendung des Hebelgesetzes. Natürlich sind so aber eben auch geometrische Körper. um mit F 1 in einem Gleichgewicht zu stehen. Diese Massen fasst Archimedes als Resultierende verschiedener Wirkungen auf. können wir letzteren auch mit einer fünfmal so schweren Last wie den Lastarm 1 belegen (Abb. die den Ansatzpunkt der wirkenden Kraft vom Drehpunkt weg verlagert und so eine resultierende höhere Hubkraft ermöglicht. Ein fünfmal so langer Hebebaum erlaubt mir das bewegen einer um den Faktor fünf vergrößerten Kraft.1 Die griechische Antike 251 Abb. . Seine Erfindung wird Archimedes zugeschrieben. die er mit Hilfe des Lastarmes in Bezug zu den ersten Messgrößen setzt: Wenn der Lastarm der einen Seite der Waage zum Beispiel fünfmal so lang ist. F2 . Archimedes nutzt denn auch seine Darstellung des Hebels. 4.33 Verschiedene Gleichgewichtszustände an der Waage. So kann er den Auftrieb eines Körpers im Wasser messen und dazu die verschiedenen wirkenden Kräfte. so werde ich mit einem verlängerten Hebebaum ein entsprechend vergrößertes Gewicht bewegen können. Natürlich ist auf Grund der entsprechenden Verlängerung des Hebebaumes die für die Gewichtsverlagerung zu durchmessende Strecke des Ansatzpunktes der wirkenden Kraft entsprechend verlängert.33). 4. Verdrängung des Wassers und die resultierende Auftriebkraft. die ich am Ende des Hebebaumes aufwende multipliziert sich so mit der Länge des Hebebaumes zu der resultierenden Hubkraft. die Entfernung des Gegengewichts von dem Mittelpunkt der Waage ist direkt proportional zur Verringerung des für den Gleichgewichtszustand notwendigen Gegengewichtes (F 1 . in Bezug zueinander gesetzt. Gewicht des Körpers. um so verschiedene geometrische Körper zueinander zu gewichten. wobei die jeweilige Länge der Lastarme zueinander deren Proportionen ausdrückt. Verkürze ich die Waage auf einen Hebebaum. Den Hebebaum kann ich somit abstrakt als eine Größe fassen. Diese bezieht er nun über die Länge des Lastarmes auf eine andere Größe. Die Kraft.

das das Parabelsegment gleich einem Dritten des Dreiecks ABD ist. die die Extension dieser interessierenden Größe darstellen. der es ihm erlauben würde. um die Gleichheit zwischen zwei geometrisch auszudrückenden Verhältnissen generell in Analogie zum Gleichgewichtszustand eines Hebels zu betrachten.252 4 Die griechisch-römische Antike Und so nutzt nun Archimedes. ein Ausdruck nicht eines naiven physikalischen Verständnisses. Eine spätere. die er in einem Dreieck aufeinander in Bezug setzt. Teilgrößen. und in seiner relativen Distanz die relative Gewichtung zweier geometrischer Körper ausdrückt. in einen Bezug zu setzen. und demnach die verschiedenen Größen in der Figur auf einen Schwerpunkt L hin ausrichtet. Damit ist diese Größe jeweils als eine Funktion zu beschreiben. wie er physikalische Größen als Funktionsgrößen bestimmt. die die verschiedenen resultierenden Wirkungen als aufeinander abgestimmte Teilgrößen bezeichnet. so ist in ihm ein Maßstab gefunden. der diese Verhältnisbestimmungen als Gewichtsbestimmungen darzustellen erlaubt. in dem Funktionswerte – Kraft und Masse – über einen Proportionalwert in einen Bezug zueinander zu setzen sind. auch verschiedene geometrische Figurationen in einen Bezug zueinander zu setzen. 4. womit er dass Parabelsegment über eine Verhältnisbestimmung als Größe bemessen hat. der in eine Flüssigkeit eintaucht. Dazu greift er auf Darstellungen der Verhältnisbestimmungen von Parabeln zurück. Da sich nun bezogen auf L Größen darstellen lassen. Kircher. etwa in der Darstellung des Gewichts eines Körpers. Nimmt man den Hebel als einen abstrakten Maßstab. in der ein Körper derart in ein Verhältnis zu einer bekannten Größe gesetzt ist. die auch zeigen. immer auch zwei geometrische Körper in einen Bezug zueinander gesetzt. Dieser erlaubt eine Beziehung zweier Größen P1 und P2 zueinander. Damit kommt er zu allgemeinen Schlussfolgerungen. Dann konstruiert er einen abstrakten Hebel. ganz in diesem Sinne das Proportionalverfahren.34 A. Turris Babel). mittels eines Hebels die Erde aus ihrer Position zu hieven. Diese unmittelbare „Realisierung“ der anschaulichen Geometrie des Archimedes demonstriert nicht einfach die Naivität der hier anschaulich gemachten Argumentation. Diese sind an sich. als Resultierende verschiedener Wirkungen zu fassen. Der Jesuit Athanasiusus Kircher nutzte dies Verfahren um relative Aussagen über die mögliche Größe des Turmes von Babel zu gewinnen (siehe Abb. der nach einem geometrischen Verfahren konstruiert ist. zwei ggf. kann er nun mittels des abstrakten Hebels berechnen. sondern eines Größenbezuges. Im vorliegenden Fall konstruiert Archimedes hierzu eine Figur. uns in ihrem Anspruch verzeichnend erscheinende Umsetzung solch einer anschaulichen Geometrie findet sich noch im endenden 17. wie er sie analog auch in seiner Darstellung über die schwimmenden Körper nutzte. sofern er gesetzt ist. So ist der berühmte Archimedische Punkt. die insoweit als mathematische Größen charakterisiert sind. in ihnen Funktionen abzubilden und damit Funktionszuordnungen zu berechnen. Folglich sind demnach. in welchem Verhältnis diese Figur zu den Ausgangsgrößen steht. Archimedes nutzt also seine physikalischen Größen dafür. Damit hat er dann das Parabelsegment in ein Verhältnis zu dem berechenbaren Dreieck gesetzt und kann so in diesem Falle ausweisen. und das in jeder Dimension. vergleicht man zwei solche als Funktionen darzustellende Größen. die es erlaubt. sondern zeigt . Die Funktion wird in einer geometrischen Konstruktion dargestellt. Jahrhundert. Nun muss er nur eine geometrische Konstruktion finden.

1 Die griechische Antike Abb.4.34 Athanasius Kircher – Das Konzept des Hebebaums – Illustration aus Turris Babel 253 . 4.

mit denen er dann seine geometrischen Instrumentarien wesentlich erweiterte. sondern die Beschreibung von Funktionszuordnungen. um eine Funktion zu definieren. Dass er so die Gleichgewichtszustände als dynamische Beziehungen deutet. Dabei macht seine Schrift zur Quadratur der Parabel deutlich. den er in abzählbaren Zahlen nicht mehr erfassen konnte. nur bedingt einsichtig ist. der seine mit geometrischen Mitteln formulierte Funktionenanalyse letztlich unverständlich blieb. das das Denken des Archimedes bestimmte noch unklar. die er über ein in eine Parabel eingeschriebenes Polygon setzte. So wurde der anschaulich mathematische Ansatz des Archimedes auf ein angewandt technisches Denken reduziert. ist das Eine. um Modelle für Funktionszuordnungen zu schaffen. um zu demonstrieren.254 4 Die griechisch-römische Antike vor allem auch das Problem der späteren Rezeption des Archimedes. die die einzelne Zahl auch im Unendlichen als eine Größe definieren. die dann auch einen Bezug auszudrücken vermochte. Er nutzte mechanisch-physikalische Überlegungen. dass er nicht bei den Anschauungsbeweisen stehen blieb. der nur der zudem meist sehr komplexen mathematisch geometrischen Konstruktion folgt. darzustellen erlaubte. sondern diese Anschauung auch nutzte. Archimedes beschrieb mittels der Exhaustionsmethode eine unendliche geometrische Reihe. ist ein Zweites. Ganz ähnlich sind ja auch seine Darstellungen der relativen Größen komplizierter Körper nicht einfach Bemessungen von Zuständen. wie die geometrisch beschriebenen Hebel. dass er in der Tat mit unendlichen Funktionsgrößen zu rechnen vermochte. dass Archimedes in seiner Darstellung der physikalischen Größen Funktionswerte in Bezug zueinander setzte. wie dies mit dem euklidischen Werkzeug eines griechischen Mathematikers möglich war. Die von ihm „konstruierten“ Maschinen. die sich so in ihren Funktionswerten bestimmen lasen. Und da sich die verschiedenen Stu- . die allerdings dem. die in Bezug auf andere Elemente dieser Reihe in einem definierten Funktionsbezug steht. Diese konstruierte er in einem iterativen Verfahren. Entsprechend feierte die Tradition den Archimedes der Kriegsmaschinenkonstruktionen und hatte nicht mehr im Blick. Das ist in der Tat eine neue Mathematik. Demnach war auch nach Auffinden der Methodenlehre dieses Verständnis des Maßverhältnisses und damit der Zahl. Dass er somit aber auch die Grenzen des seinerzeitigen analytischen Verständnisses mathematischer Relationen weit überstieg. In seiner Schrift über den Sandrechner wurde dann deutlich aber. das immer kleinere Teilsegmente. nutzte er vor allem. So konnte er eine die Flächeninhaltsbestimmung über den Einsatz einer Darstellung einer infinitesimalen Größe handhaben. Dabei dachte er das Verfahren als eine Funktion. die er dann als solche zu betrachten suchte. Im Gegensatz zu den Überlegungen des Byssos von Herakleis nutzte er die Exhaustionsmethode des Eudoxos nicht zur vereinfachten Zuordnung zweier mathematischen Größen – Byssos hatte das Verfahren der Annäherung der Größen genutzt. Das 1906 wiedergefundene Manuskript der Methodenlehre des Archimedes macht dies direkt einsichtig. um prinzipielle Größenbeziehungen darzulegen und bewies diese dann in einer geometrischen Umschreibung der Proportionalzusammenhänge. Dort beschreibt er Zahlreihen als geometrische Reihen. So kann er diese Zahl in dieser Reihe über die Relation zu den anderen Elementen in dieser Reihe definieren. sondern als Funktionen. Er definiert damit Größen nicht einfach nur mehr über Relationen zueinander. dass sich der Kreis in ein Polygon umschreiben ließ.

8). die unter dem Schutz von Schirmdächern. Propylen Technikgeschichte Bd. der in neuen Formen 60 Zitiert nach D. der derart die mathematischen Operationen als Funktionen zu beschreiben vermag. zeigt die Potenz dieser aus der Anschauung erwachsenen Konstruktion mathematischer Größen. und es erlauben sollte. das die Kette und die daran befestigte Hand hielt. Andere Geräte wiederum richteten sich gegen die Angreifer. die Geräte der Angreifer zu fassen und zu zerstören. . die seine Hebelgesetze umsetzen.60 Natürlich gewinnt Archimedes damit auch praktische Resultate. Schneider. wird so eine Operation mit relativen Größen auch im Unendlichen möglich. die dort standen. plötzlich los. die Geschichte über seine beeindruckende Kriegsmaschinen. der auf eine Stadtmauer gestellt wurde. Tolleno Bei der Belagerung von Rhodos hatte der Techniker Kallias einen Kran entworfen. den Tolleno. wie es ihn zu fassen bekam. Dass ihm dies mit dem mathematischen Handwerkszeug des Euklid gelang. Diese Erinnerungen beschrieben Archimedes als einen genialen Ingenieur. Sie warfen Steine auf das Vorschiff. groß genug. Das bedeutet. 193. Landbau und Handwerk. ergriff. wenn das Schiff aus der Höhe herabstürzte. und in dieser Distanz dann über Funktionen zu beschreiben sind. um gegen die durch die Mauern geschleuderten Geschosse gesichert zu sein. Archimedes ist so der Erste und für lange Zeit Einzige. Und doch ist dieser Archimedes vor allem und zuerst ein Mathematiker. Zahlen sind für ihn damit nicht einfach Platzhalter in einer Reihung. machte darauf den inneren Hebelarm am Boden fest und ließ das Tau. vorgingen. Archimedes kennt damit die Funktionsbeschreibungen der Art. Dadurch fielen einige Schiffe auf die Seite. mit dem er die Römische Flotte dezimierte. das ebenso wie die Berichte über die gigantischen Brennspiegel. in denen ein Element n einer Reihe auf ein anderes Element n′ über n − x oder eine ähnliche Funktion zu beschreiben ist. daß die Kämpfenden. S. so daß die Verwirrung vollständig war. die Flucht ergreifen mussten. Dessen Aktion wird von Polybios wie folgt beschrieben (8.4. H. zeigt. Berlin 1997. hob darauf den Bug in die Höhe und stellte das Schiff senkrecht auf das Heck. unter Wasser und liefen voll. andere kenterten. 1. die in ihrer relativen Distanz zueinander positioniert sind. dass Archimedes im Unendlichen zu rechnen vermag.1 Die griechische Antike 255 fungen dieser Reihe jeweils proportional zueinander verhalten. Hägermann. Dann senkte man den Hebelarm diesseits der Mauer. Dieses Verfahren nutzte er in der Zuordnung komplexer geometrischer Figuren in seiner Schrift über das Gleichgewicht ebener Flächen ebenso wie in seiner Darstellung über schwimmende Körper. die meisten kamen. sondern Funktionswerte. mit der die Bedienung dieses Gerätes den Bug des feindlichen Schiffes. Archimedes verbesserte dieses Hebegerät. zugleich ließ man eine an der Kette befestigte eiserne Hand herab.

4. dass π größer als 3. die sich in quantitativen Verhältnisbestimmungen beschreiben und so auf ihre Grundelemente zurückführen lassen. 4. Wiederum nach Pythagoras gilt für das Sechseck a2 = y2 + (s/2) 2 . dass das Verhältnis zwischen Kreisumfang und Durchmesser eine Konstante ist.133983. der mathematisch zu beschreiben und über diese mathematische Beschreibung in seiner Funktionalität einsichtig zu machen ist. Diese wurde in Ägypten und in Babylon durch einen Näherungswert umschrieben.866022. der anscheinend als ein Erfahrungswert ermessen wurde. Es gilt: y = 1 − x. Analog zu Byssos bestimmte er die Annäherung eines äußeren und eines inneren Polygonzuges und konnte so den Wert dieser Konstanten π eingrenzen.14285 war. Wie leistungsfähig seine Verfahren waren. Physik benennt somit einen Zustand von wechselwirkenden Körpern. Er fand heraus. indem er das bekannte Verfahren der Quadratur des Kreises nutzte Wobei er dabei aber einen Näherungswert beschrieb.35). Schon vor Archimedes war bekannt.1408 und kleiner als 3. zeigt etwa seine Darstellung des Näherungswertes für das Verhältnis von Kreisumfang zu Durchmesser. Für das Sechseck ist x = (3/4) = 0. In unserem Fall ist y = 0. den er auch als solchen.256 4 Die griechisch-römische Antike Abb. als eine Annäherung des Polygonzuges an den Kreisbogen und nicht im Sinne des Byssos als eine Übertragung des Polygons in einen Kreis verstand. Archimedes berechnete diese Konstante. Es gilt nach Pythagoras: s2 = x2 + (s/2)2 .35 Polygonzug s= 1 s/2 1 x a y denkt und genau damit dann auch eine neue Form von Physik zu schreiben ermöglicht: Es ist eine Physik der Kräfteverhältnisse. Sein Verfahren lässt sich wie folgt darstellen (Abb. der Relationen von Wirkursachen.

1 Die griechische Antike 257 Abb. hatte dies alle Vorgänger bei Weitem übertroffen:61 In diesem Punkte müsse man die Erfindung des Archimedes bewundern. S. 22.4. Noch in Alexandria konstruierte Archimedes die nach ihm benannte Archimedische Schraube. H. Die Sichel des Archimedes Der Beweis ist wie folgt aufgebaut. Da die Fläche eines Kreises über das Quadrat des Radius mal π zu berechnen ist. dessen Quadrat malgenommen mit 2 den entsprechenden Verhältnissen der Radien um M1. 4. De republica 1. um die Bewegung der Himmelskörper zu veranschaulichen. daß der Mond der Sonne in ebenso vielen Umläufen auf dem Planetarium folgte. Die Fläche der Sichel des Archimedes (Abb. Hägermann. ein Wasserhebegerät (Abb. weil er ausgedacht habe. 4. muss also ein Radius mit der Länge 1/2 CE gefunden werden. Nach dem Ruhm. Berlin 1997. Als Gallus diese Kugel in Bewegung setzte. Übersetzung zitiert nach D.37) entspricht der Fläche eines Halbkreises mit dem Mittelpunkt M1 minus den Flächen der Halbkreise um M2 und um M3. 207.1058 etc. den diese Maschine in der Antike besaß.36). a = 0. Cicero berichtet zudem von einem astronomischen Modell.26795. M2 und M3 entspricht. 4. geschah es. dessen Fläche so groß ist wie die der Sichel des Archimedes. Also ist ein Kreis um M4 zu finden. das Archimedes gebaut hatte. 1 Landbau und Handwerk.38). . Schneider.51764 π = 6a = 3. Dies lässt sich nun noch fortführen und zwar für das äußere und das innere Polygon und entsprechend erhält Archimedes seine Werte (Abb. 4.36 Sich verengende äußere und innere Polygonzüge also a2 = 0. Propylen Technikgeschichte Bd. wie eine einzige Umdrehung trotz höchst unähnlicher Bewegungen die ungleichmäßigen und verschiedenen Umläufe erhalten bleiben lasse. wie 61 Cicero.

In seiner Sandzahl.000-fache des Durchmessers der Erde.000 Stadien. weshalb auch auf der Kugel eben jene Sonnenfinsternis sich darstellte und der Mond dann auf jenen Grenzpunkt fiel. daß aber der Durchmesser des Kosmos kleiner ist als 10. 355. daß die Fixsterne und die Sonne unbeweglich seien.oder geozentrischen Weltbildes: Du bist darüber unterrichtet.000. der Arbeit. S. . sowie daß der Durchmesser der Sonne kleiner ist als 10.000. Entsprechend bemisst Archimedes dann in Folge auch den Durchmesser des Kosmos: . Die Sandzahl.000. die in der Mitte der Erdbahn liege. er in Tagen am Himmel selbst nachrückte. ist hieraus klar. daß der Kosmos ein Vielfaches der von mir angegebenen Größe sei.62 Dabei setzt er an mit einem Bericht über die Diskussion um die Frage eines helio. daß von den meisten Astronomen als Kosmos die Kugel bezeichnet wird.258 4 Die griechisch-römische Antike C Abb. Es wird nämlich angenommen. Abhandlungen. äußert sich Archimedes dann auch über die Dimensionen der Himmelskörper und deren Bahnen: Aus diesen Voraussetzungen folgt. Da nämlich vorausgesetzt ist. . daß der Durchmesser der Sonne nicht größer ist als der 30-fache Durchmesser des Mondes. Da nämlich vorausgesetzt ist.000 Stadien. daß der Durchmesser der Sonne kleiner ist als das 30-fache der Erddurchmessers. in welchen aus den gemischten Voraussetzungen erschlossen wird.37 Sichel des Archimedes M4 A M2 M1 E M3 B Sichel des Archimedes Die Fläche des blauen Kreises ist so groß wie die Fläche der Sichel (AEBC).000 Stadien. in einem Kreis bewege. so groß sei.000. die sich mit den Dimensionen des Zahlenraumes beschäftigt. 4. Aristarch von Samos gab die Erörterung gewisser Hypothesen heraus. daß der Durchmesser der Sonnenbahn kleiner ist als das 10. so ist klar. deren Zentrum der Mittelpunkt der Erde und deren Radius die Verbindungslinie der Mittelpunkte der Erde und der Sonne ist. welcher den Erdschatten bildet. daß die Peripherie der Erdbahn sich 62 Archimedes. der Durchmesser der Erde aber größer ist als der Durchmesser des Mondes. die Fixsternsphäre aber.000. die Erde sich um die Sonne. . Dies nämlich hast Du aus den Abhandlungen der Astronomen gehört. In: Archimedes. daß der Umfang der Erde nicht größer sei als 3. Frankfurt 1996. deren Mittelpunkt im Mittelpunkt der Sonne liege.

1 Die griechische Antike Abb.4. 4.38 Archimedische Schrauben in einer Wasserkunst von 1725 259 .

65 Ebd. noch die Hände. nun recht schwierig.39 Figur zur Illustration des Verfahrens aus dem sog. wie der Mittelpunkt der Kugel zu ihrer Oberfläche. weil weder die Augen. S. um nunmehr Größenschätzungen vorzunehmen. Er bemisst für sie damit einen Durchmesser mit einem Wert zwischen 0. unter Korrektur der Sehfehler. der nicht größer ist als der Gesichtswinkel der Sonne. einen Winkel zu gewinnen. S. 63 Ebd. 352.63 Für Archimedes ist nun klar. 4.39). dass der Durchmesser der Sonne größer ist als die Seite des regelmäßigen Tausendecks. Text für Details. des Auges erwachsen. die durch das Anvisieren aus einer Fläche. die nicht nur Modelle. 351. man beachte insbesondere die Korrektur.64 So beschreibt er darauf den Aufbau eines eigenen Messinstrumentes. Das Argument führt dann Beobachtungen insbesondere der relativen Größe der Sonne vor dem Tierkreis auf. dies genügende Sicherheit für diese Beobachtung gewährleisten. die den über D ermittelten Wert auf den Mittelpunkt der Erde F rückrechnet sowie die relativen Dimensionen der hier einander zugeordneten Himmelskörper zum Abstand der Fixsterne verhalte. das dem größten Kreise des Kosmos eingeschrieben ist. 64 . S. Es ist dabei aber.65 Diese neue Physik des Archimedes ist also nicht einfach nur angewandte Mathematik. 4. Schließlich sei die hier aufgestellte mathematische Beziehung unsinnig. Darauf korrigiert er das Argument des Aristarch. Damit ist für ihn bewiesen. deren man hierzu bedarf. Ebd. und versucht nun mit einer genau beschriebenen Apparatur. diese Messung genau auszuführen. Sandrechner. die Darstellung verdeutlicht das Messverfahren. vgl.260 4 Die griechisch-römische Antike Abb. dass dies unmöglich ist. argumentiert dann aber gegen dessen Darstellung der Größe. noch die Instrumente. vielmehr werden etwaige zu erwartende Messfehler beschrieben. Die Konstruktion dieser Apparaturen schließt nicht einfach mit deren Realisierung. sondern auch Messapparaturen konstruiert. den Winkel zu bemessen in dem die aufgehende Sonne erscheint.450 und 0.. 349 f. Denn ein dimensionsloser Punkt könne in keiner Beziehung zur der Oberfläche einer Kugel stehen. Es ist vielmehr eine Experimentalwissenschaft. dass es ihm erlaubt. schreibt Archimedes.550 Grad (Abb.

wie behutsam eine Kultur mit einem einmal gewonnenen Gefüge von Einsichten und Methoden umzugehen hat. Fehlt es hier an Ausbildung. das in den Problemstellungen. dass mit dem mathematischen Verfahren das Ganze der Welt – in den Dimensionen des unendlich Kleinen und den Dimensionen des Kosmos – zu erfahren ist. In der einen Schablone wird dabei die Darstellung der relativen Größe hochgefahren. Dass Archimedes dann in seiner Person den Bogen vom Theoretiker über den Experimentator bis hin zu dem erfolgreichen (Militär-)Techniker zu schlagen vermochte. Er verfährt mit dieser Apparatur also analog zu dem Verfahren. die es erlaubt. wie etwa den Kollegen in Alexandria. Hier konturiert sich somit nicht nur seitens der Inhalte. nutzt er auch die analytisch gewonnenen Einsichten in die Konstruktion von Näherungsverfahren für das experimentelle Vorgehen. einen Messwert durch den Ansatz von zwei Visiereinrichtungen einzugrenzen. So zeigt dieser Nachruhm Archimedes auch.1 Die griechische Antike 261 deren bedeutung bewertet und Korrekturverfahren beschrieben. Dabei erfolgt diese Korrektur schon über die Konstruktion. So grenzt Archimedes den zu bemessenden Bereich von zwei Seiten ein. was solch eine nach Prinzipien strukturierte Wissenssystematik vermag. korrespondierte. Die Konstruktion der Apparatur zur Darstellung der relativen Größe der Sonne hat im Wesentlichen zur Aufgabe. um geometrische Konstruktionen zu optimieren. Er bemisst damit die relative subjektive Wahrnehmung des Sonnendruchmessers. Schon in den ersten Schritten dieser neuen Wissenschaft gerät sie zum Staunen der Welt. Was sich letztlich von solchen Tradierungen in Lehrbüchern niederschreibt. Er zeigt. im Vorgehen und in der Organisationsform schon die prinzipiellen Momente der Situation der neuzeitlichen Naturforschung aufweist. Es ist bekannt. mit dem er in seiner mathematischen Konstruktion den Näherungswert für die Konstante π fand.4. Beobachtungsfehler zu korrigieren und von daher die Messung des Durchmessers der Sonnenscheibe zu objektivieren. Aristoteles nimmt hier zwei Schablonen die er auf einer Latte verschiebt. Auch hier grenzte er diesen Wert von zwei Seiten her ein. sondern auch in den Strukturen das Bild einer Naturwissenschaft. dass es zu seiner Zeit eine Fachdiskussion und eine Fachkorrespondenz zu Problemen der Naturforschung gab. Dies zeigt. dass er in seinen Jahren in Syrakus mit einem weiteren Netz von Forschern. wenn auch in einer karikierenden Form. Er zitiert Referenzen – etwa für seine Schätzwerte – und weist somit auch aus. Dabei überbrückt Archimedes in seiner mathesis universalis dann auch die Dimensionen von Makro. Wie Archimedes seine experimentellen Daten nutzt. so dass die Schablone ein wenig mehr darzustellen scheint als den subjektiv zu erfahrenden Sonnendurchmesser. Dabei finden wir ihn in der Abhandlung über die Sandzahl in einer direkten Diskussion mit Positionen von Fachvertretern seiner Zeit. Dagegen wird mit der zweiten Schablone der subjektiv wahrgenommene Sonnendurchmesser soeben unterschritten. ist ein Kondensat.und Mikrokosmos. das nur verfügbar bleibt. Entsprechend weit strahlt der Nachruhm des Archimedes aus. wenn es in der rechten Form interpretiert und umgesetzt wird. dass er seine Physik analytisch und experimentell nach einem methodischen Ansatz angeht. setzt ihn dann schon in den Erinnerung nach wenigen Generationen ins Sagenhafte. Die nach aristotelischem Muster organisierte Wissenschaft zeigt in Archimedes. degeneriert die einmal gewonnene Höhe des Ausdrucks und der begrifflichen .

Hypothesen über die Zuordnung solcher Größen werden in ihr durch Messungen fundiert und in einer mathematischen Bearbeitung dieser Messgrößen gesichert. So geben uns die großen Mühen einer Rekonstruktion des Denkens dieses großen Naturforschers Zeugnis von signifikanten Brüchen der aus der Antike überkommenen wissenschaftlichen Traditionen. Bedeutsam war deren Darstellung. weil sich in den Schnittfiguren von Kegeln mit Ebenen eine Reihe komplexerer geometrischer Körper – Ellipsen. in der die entsprechenden Sätze über eine geometrische Umformung dieser komplexen Objekte ohne Maßzahlen. um den Zusammenhang einer Physis zu verstehen.262 4 Die griechisch-römische Antike Finesse. dass das Lehrbuch des Euklid über die Jahrhunderte bis in die Neuzeit durchgereicht wurde. Hier wurden Größen über Verhältnisbestimmungen charakterisiert und in der Relation dieser Größen die Wirkursachen identifiziert. In seinem acht Bücher zählenden Hauptwerk Konica fasste er die Ergebnisse der antiken Kegelschnittlehre zusammen und schuf dabei eine einheitliche Lehre aller Kegelschnitte. Diese neue Physik beschreibt ihre Welt in Wirkreihen und Wirkungsvernetzungen. seinerzeit Teil des Ptolemäischen Reiches. Die Bücher I–IV sind griechisch. war dann wohl auch über längere Zeit sein Wirkungsbereich. erlaubt es dennoch. Pergamon. . den Inhalt des achten Buches hat man zu rekonstruieren versucht. sicherte nicht die differenzierten Einsichten des Archimedes. wo er mit Eudemos von Rhodos zusammentraf. sie setzt diese über die Darstellung verschiedener Kegelschnittprojektionen in Bezug zueinander.1. das einen Kosmos bemisst.oder geozentrisch organisiert sei. Die Kegelschnittlehre des Apollonios von Perge systematisiert nicht nur die Darstellung der über Kegelschnitte zu identifizierenden geometrischen Objekte. Figuren wie Parabel und Hyperbel geometrisch zu charakterisieren und so mit den in ihren formulierten Funktionen geometrisch umzugehen.) studierte nur wenig später als Archimedes in Alexandria.40). so bleiben die Texte die diese Inhalte tradieren sollen. die sie mittels quantifizierender Verfahren darstellt. die Bücher V–VII (über Irrationalzahlen) sind arabisch erhalten. Mit Archimedes hatte sich die qualifizierende Darstellung von Formgrundverhältnissen zu einer quantifizierenden Forschung gewandelt.4. 4. verstellt .5 Das mathematische Denken der Schule von Alexandria Apollonios von Perge (aus Pamphylien) (etwa 260–190 vor Chr. ob der Kosmos helio. und der methodisch reflektierten Messung vertraut. uns heute in den Koordinatensystemen oder den analytischen Beschreibungen entsprechender Körper zur Verfügung stehen. Die Tatsache. selbst wenn sie illustriert sind. Parabeln und Hyperbeln – beschreiben und ins Maß setzen ließen (Abb. In der Einleitung zum ersten Buch seines Werkes über die Kegelschnitte erwähnt er einen Besuch in Pergamon. Diese Art des Zugehens auf die Phänomene der Natur ist in der römischen Naturgeschichte eines Plinius – wie wir noch sehen werden – nicht einmal mehr näherungsweise präsent. 4. obwohl dieser seine Gedanken in der Sprache des Euklid niedergeschrieben hatte. In dieser Darstellung. Dabei zeigt sich ein Denken. um anhand der in ihr erarbeiteten Darstellung von Größenverhältnissen zu entscheiden.

Die Epizykeltheorie sucht die Himmelsmechanik. in einem alternativen Modell zu beschreiben. der einen Kommentar zu Archimedes geschrieben hatte.40 Kegelschnitte mit Darstellung von Parabel. sich dann nach einer gewissen Zeit in ihrer Bewegungsrichtung wieder umkehren und eine kreisförmige Bewegung fortzusetzen scheinen. der drei gegebene Kreise berühren soll. B C H K Ellipse Es ist AK || ZH. M Z x M ML = u. 4. LN = v ZL = x. die Begründung der sogenannten Epizykeltheorie. Schon in der Darstellung des Modells des Eudoxos war deutlich geworden. Hyperbel und Ellipse Apollonios von Perge erarbeitete zudem ein eigenes System zur Darstellung großer Zahlen.4. Wie sicher sich diese konstruktive Geometrie war. zeigt auch die zweite große Leistung des Apollonios. ab einer bestimmten Position sich dann aber gegenüber dem Fixsternhimmel zurückbewegen. einen Kreis zu konstruieren. die nach dem Modell des Aristoteles in einem Gefüge von ineinandergreifenden und zum Teil gegenläufig rotierenden Kugeln aufgefasst war. noch weiter eingeschränkt haben. die zwar über weite Strecken kreisförmig erscheinen. soll Apollonios von Perge den Näherungswert. Nach Aussage des Eutokios. und verfasste weitere Schriften zu Teilproblemen der Geometrie – in denen dann etwa die Aufgabe beschrieben ist. den Archimedes für π ermittelt hatte.1 Die griechische Antike 263 a A T Z P x M y u b F v L N D A d B c H A C E Parabel Es ist ZT|| BC. dass die astronomische Beobachtung der Planeten nicht einfach Kreisbahnen zeigte. sondern Positionsveränderungen. Insgesamt zeichnet sich so eine Schleifenbewegung in der relativen Positionie- . LP = y P v u L u x P y L v N B N H K C F Hyperbel Es ist AK || FH. Abb.

dass die zur Umlaufbahn der Erde um die Sonne schräg gestellte Achse der Erde eine Pendelbewegung um den Pol der Ekliptik ausführt. Die Präzision gibt eine regelmäßige Verschiebung dieser Tagundnachtgleiche an.) erklärte hiermit dann auch die unterschiedlichen Längen der Jahreszeiten. an dem die Sonne auf ihrer jährlichen scheinbaren Bahn. ungleichförmig. dass die Kreisbahn nicht die Erde im Mittelpunkt hatte. In der Kombination der einzelnen Planetenbahndarstellungen durch Aristoteles gewinnen wir dann ein zwar im Prinzip einsichtiges. wie er von der Erde her erscheint. im Apogäum ist die Bewegung langsamer. Nun nahm Apollonios zum Zweiten aber nicht eine einfache Kreisbahn um die Erde an. Schließlich erscheint unter dieser Annahme die gleichförmige Bewegung der Sonne auf dem Exzenter. die die Astronomen erhoben hatten. Projizieren wir die so erhaltene relative Positionierung der Planeten im Jahreslauf auf den Sternenhimmel so. In seiner Weiterentwicklung des Ansatzes von Apollonios zeigte er dann auch. gegenüber den inneren Planeten bleibt die Erde dann aber zurück. Diese ist im Modell des Eudoxos durch eine entsprechende Verkopplung mehrerer zum Teil gegeneinander laufender Kristallsphären dargestellt. Ganz nach der Vorstellung des Platons waren für die vollkommenen Himmelskörper so also vollkommene Bewegungen. den Himmelsäquator schneidet. von der Erde aus gesehen. schlüssig in den Theoriekontext des Apollonios einzubringen. der Ekliptik. nur waren die Kreisbahnen der Himmelskörper zumindest zum Teil hierzu exzentrisch gelagert. die – wie wir heute wissen – daraus resultiert. Unregelmäßigkeiten der Sonnenbahn ließen sich dabei dann dadurch erklären.264 4 Die griechisch-römische Antike rung der Wandelsterne zur Erde ab. Hierzu war nur die einfache Vorstellung der Kristallsphären aufzugeben. Chr. Apollonios von Perge entwickelte demgegenüber eine Alternative. zeigt seine Entdeckung der Präzession der Tagundnachtgleichen oder Äquinoktien. Das Äquinoktium ist der Zeitpunkt. zu kombinieren. im Sinne einer formalen Behandlung aber eher unhandliches Modell des Planetensystems. Die Erde verblieb dabei im Mittelpunkt des Weltalls.und den Bewegungen der äußeren Planeten vorläuft.und Epizykeltheorie notwendig ist. Kreisbahnen. Hipparchos von Nikaia (etwa 190–120 v. Geschah dies aber. Um diese minimalen Positionsverschiebung . Damit konnte Apollonios konnte so die unterschiedlichen Laufzeiten der Sonne um die Erde erklären. da die Erde in ihrem Lauf um die Sonne – wie wir heute wissen – den Planetenbewegungen der inneren nach. die Aristoteles für sein Modell zugrunde gelegt hatte. vielmehr diese zur einzelnen Kreisbahn exzentrisch gelagert war. Apollonios zufolge bewegten sich die die Planeten auf einem Kreis. Ihm zufolge waren diese Schleifenbewegungen durch die einfache Kombination von zwei im Prinzip einheitlichen Bewegungen darstellbar. dass für eine Beschreibung der die verschiedenen Planetenbahnen jeweils eine Kombination von Exzenter. vielmehr fasste er zumindest die der Sonne als eine exzentrische auf. Nur so waren die Positionsdaten. so ergibt sich daraus die benannte Schleifenbewegung in der Positionierung der Planeten zur Erde. Diese Bewegungsbahn kommt zustande. Im Perigäum bewegt sie sich schneller. war dieses Modell dem aristotelischen überlegen. dessen Mittelpunkt sich dann seinerseits um die Erde bewegte. Daraus resultiert in einer richtigen Abstimmung der beiden Drehbewegungen die entsprechende zu beobachtende Schleifenbahn. Welchen Standard die astronomischen Beobachtungen zur Zeit des Hipparchos erlangt hatten. So wird dann im Jahreslauf der äußere Planet in seiner Position zur Sonne überholt.

um so die vermeintlichen Unregelmäßigleiten als eine Resultierende in der Überlagerung mehrerer gleichförmiger Bewegungen darzustellen: So sind die alten astronomischen Uhren. Das Epizykelmodell entspricht schließlich direkt den Zahnrädern unserer Uhrwerke. indem sich eine einfache Kreisbewegung mit einer zweiten ggf. in denen dann die relative Position der einzelnen Planeten zu einer als ruhend angenommenen Erde dargestellt wird. Chr. die ein geozentrisches Weltbild darstellen. die ihm von seinen „Kollegen“ übermittelt und überliefert wurden. die der Astronom Timocharis knapp 160 Jahre vor ihm angestellt hatte. Deutlich wird darin nicht nur die Präzision des neuen Messens. die nunmehr numerische Beziehungen abbildet und somit in ein geometrisches Modell umsetzt. und 2. vgl: M. Diese Daten zwangen Hipparchos dann dazu. Diese eigentlich unerwartete Erweiterung seiner Vorstellung von der Bewegung der Himmelskörper basiert auf den Datensätzen. Marien zu Rostock. das zudem die genaueren Messdaten. schließlich erlangte er seine Einsichten in die Bahnen der Planeten nur durch Vergleich mit den Messung der Generationen vor seiner Zeit. Dort wird eine Planetenbewegung beschrieben.1 Die griechische Antike 265 bestimmen zu können. Das zeigt uns – wie schon die Messbeschreibung des Archimedes – den hohen Status und den Standardisierungsgrad der Messungen im griechischen Kulturraum des 3. im Prinzip Darstellungen von einfachen Kreisbewegungen mit sich überlagernden Kreisbewegungen. in denen über einen etwas anders gelagerten Mechanismus die Grundidee des Apollonios umgesetzt ist. Marien in Rostock. Jahrhunderts v. Solch ein Vertrauen in die mathematische Darstellungsform leitete auch schon Apollonios von Perge. das dann auch gar nicht mehr als eine reales physikalisch Maschine gedacht ist. dass ein Fixstern (der Stern Spika) dem herbstlichen Tagundnachtgleiche Punkt in diesem Zeitraum um 2° näher gerückt sei und beschrieb so eine derartig leichte Vorwärtsbewegung der Fixsternsphäre. Sein Vertrauen in die Messpräzision – im einfachen Sinne – ist so groß. sondern auch das Vertrauen in die Vermessungsqualitäten des Kollegen. Es vertraut zum anderen damit aber auch der mathematischen Konstruktion. . wie etwa eine exzentrische Positionierung der verschiedenen Bahnmittelpunkte von Sonne und Planeten. sehr viel befriedigenderes Modell als die Hohlkugeln des Aristoteles entwarf. Hipparchos schloss daraus. Die mathematische Beschreibung an sich 66 Ein Beispiel für solch eine Uhr findet sich in St. Noch heute kennen wir eine entsprechende uns selbstverständlich gewordene Konstruktion solch eines kosmologischen Modells. Schukowski. die einfache Bewegung der Himmelskörper um die Erde um einen zusätzliche Bewegungsdimension zu erweitern. Hipparchos baute auf den Messungen der Kollegen auf.66 Seitens der geometrischen Konstruktion ist diese Kombination von sich überlagernden Kreisen dabei wesentlich eleganter als das System von ineinander gesetzten Schalen. mit seinen Daten. um diese Daten in sein Modell einzupassen. mathematisch gesehen. berücksichtigen musste. dass er. dieses um eine zusätzliche Bewegung erweitert. auch dritten und vierten verkoppelt. der mit seinem Epizykelsystem ein. Die Astronomische Uhr in St. Er beschrieb die Präzession – im astronomischen Sinne – eine Art von Schaukelbewegung der Fixsterne um die Erde. Königsstein 1992.4. verglich Hipparchos Beobachtungen.

dass bis über Hipparchos hinaus das Darstellungs.266 4 Die griechisch-römische Antike Abb. mathematisch konsistent. d. dem eine mathematische Realität zukommt. Sie ist in sich. dieses mathematische Denken nicht im abstrakten Bereich einer bloßen Analysis stehen. und sie erlaubt es. Insofern kann dann auch dieses Modell neben einer Vorstellung einer faktischen Positionierung der Planeten auf dann aber eben komplizierter zu denkende Kristallsphären übertragen werden. Die konkrete Mechanik hinter diesem Modell bleibt von dieser Konstruktion. Akzeptanz findet (Abb. sondern zunächst auch weiter ausgebaut wurde. zusammenfassende Darstellung der gekoppelten Kreis – und Epizykelbewegung ist hier zureichend. In seinen zum Teil nur arabisch überlieferten Werken – dem bedeutendsten auf uns . die Messdaten in besserer Weise darzustellen.und Verständnisniveau einer archimedischen Physik im griechischen Kulturraum nicht nur etabliert blieb. h. Heron von Alexandria. 4. 4. Die Epizykeltheorie ist ein mathematisches Modell. die Adaptation des Grundmodells hin auf einen verbesserten Datenbestand. und das damit als Darstellung. Diese Differenzierung ist schon Apollonios möglich und zeigt uns. die sich dann regelrecht als eine praktische Mathematik darstellen lassen. das zeigte ja schon Archimedes. Natürlich blieb. der in der zweiten Hälfte des ersten nachchristlichen Jahrhunderts wirkte.41).41 Schema. Das Modell des Apollonios war als ein Darstellungsverfahren zur Beschreibung der Planetenbahnen und nicht als die Darstellung der natürlichen Bewegungsabläufe verstanden. die die relative Bewegung der Planeten zur Erde abbildet. unberührt. ist solch ein praktischer Mathematiker. sondern setzte sich gerade auch in der Antike in einer ganzen Reihe von Verfahren und Maschinen um. Die Weiterentwicklung des Modells von Apollonios zu Hipparchos zeigt genau dieses. die einen Datenraum in möglichst exakter Weise abbildet. der sich als Mechaniker immer wieder auch direkt auf Archimedes berief.

die mechanischen Bücher beschrieben verschiedene Typen von Maschinen. Fachausdrücke werden ausführlich erklärt und die beschriebenen Geräte in ausführlichen Anleitungen dargestellt. 4. Mechanik – im Sinne der Beschreibung und mathematischen Theorie der einfachen Maschinen: Hebel.1 Die griechische Antike 267 Abb. Dabei verraten uns die Titel einzelner Werke – wie Vermessungskunde. seine Darstellung möglichst praxisnah und von theoretischen Überlegungen möglichst frei zu halten. schiefe Ebene. So ist Heron denn auch bestrebt. wie die des Ktesibios oder des Philon von Byzanz. So werden Beispiele zur Berechnung von Flächen und Körpern gegeben.44). wie wir sie in ersten Bespielen bei Archimedes kennengelernt hatten.und Ableitungspraktiken. und mit diesem dann auch die hierfür notwendigen geometrischen Darstellungs. Das Rüstzeug für den Ingenieur bot er lehrbuchartig mit (erhaltenen) Illustrationen und Rechenbeispielen und gab Anweisungen für den Apparatebau. Sie tragen also den Charakter von Lehrbüchern für Anfänger und Nichtfachleute und sind im Weiteren dann auch als solche genutzt worden. Keil.4. Ansatzpunkt für die Auswahl des Stoffes waren der praktische Nutzen und die Verwendbarkeit einzelner Konstruktionen (Abb. Dabei wurden seine technisch/praktischen Schriften in der Folge der Abschriften bis zum Ausgang der Antike immer wieder mit Erweiterungen und Kommentierung durchsetzt. Daneben gibt es dann auch Spezialstudien. Heron schuf damit – gleichsam als Antipode zu Euklid – die im Weiteren verbindlich werdende Sammlung und lehrbuchartige Verarbeitung des ihm vorliegenden Materials praktischer Umsetzungen der mathematischen Physik. Analog den Elementen des Euklid haben seine Darstellungen seinerzeit schon vorliegende Sammlungen. Dabei umfassten seine Arbeiten den Gesamtbestand des angewandt mathematischen Wissens seiner Zeit. All diese Werke nennt Heron selbst mehrmals Einführungen. Winde und Flaschenzug – die schon benannte Schrift .42 Schematische Darstellung eines Wasserautomaten. wie ein Buch über Wasseruhren. 4. so dass es zum Teil nicht einfach ist. der bei Einwurf einer Münze eine definierte Menge an Wasser abgibt überkommenen Bestand des technischen Schrifttums der Antike – verband er Wissenschaft und Praxis. Geschützkunde. aus den vorliegenden Textbeständen auf die Urschriften des Heron zurückzuschließen. Selbst die entsprechende Sammlung des Archimedes trat in der weiteren Rezeption hinter den Zusammenstellungen Herons zurück.42–4. nahezu gänzlich verdrängt.

268 4 Die griechisch-römische Antike Abb. und die Maschinen zeigen eine vielfältige Anwendung dieser Verfahren im Alltag. ein Buch über Flächenberechnungen und eine Darstellung der Volumenberechnungen. stereometrica. die im Tross des römischen Heeres mitzogen und die neu eroberten Provinzen kartierten. Die Mathematik ist hier in ihrer Anwendung zu einer breit rezipierten Kulturtechnik geworden. Dabei zeigen seine metrica. Das einströmende Wasser verdrängt Luft aus den unter den Vögeln befindlichen luftdichten Kästen. Sätze und Beweise an. 4. auf den Methoden Herons. . die durch den modellierten Vogelkörper führen. So beruhen die Feldmessmethoden der römische Agrimensoren. in der spezielle Luftdruck erzeugende und nutzende Maschinen beschrieben sind. In einzelnen Darstellungen. wie überhaupt in seinen Arbeiten die neuen Methoden zu einer genäherten Berechnung von Wurzeln breiten Raum erhalten. die geometrica. Sie beginnen mit Definitionen. Über Heron und über Euklid bleibt das mathematische Wissen der hellenistischen Periode – zumindest in seiner Lehrbuchfassung – bis in die späte römische Antike verfügbar.43 Darstellung einer der seinerzeit berühmten Zwitschermaschinen des Heron. Sie werden zum Standard auch im römischen Vermessungsund Militärwesen. drei Bücher über die Vermessungslehre. Dabei sind die mathematischen Schriften Herons methodisch ganz im Sinne der euklidschen aufgebaut. die Spannweite dieser angewandten Mathematik. Die Grundlage für die Konstruktion dieser Maschinen ist Gemeingut der antiken Techniker und Konstrukteure. Darstellungen zur Konstruktion von Gewölben und Automaten sowie die pneumatica. etwa in der Formel für den Flächeninhalt eines Dreiecks. Herons Schriften erfuhren denn auch eine umfassende Verbreitung. den hohen Standard solcher Anwendungsverfahren in der Antike. und schließen dann Voraussetzungen. beim Militär und in der Ökonomie. In der Behandlung der Geschützkaliber nutzt er Rechenverfahren mit der dritten Wurzel. und hier mittels Stimmzungen Laute erklingen lassen über Wasseruhren. Die Luft kann nur über die Röhren entweichen. geht er über Euklid auch hinaus.

Boyer. The Cambridge Companion to the Hellenistic World. 4. New York 1959.44 Der automatische Türöffner nach Heron – für den rituellen Gebrauch: das Opferfeuer erhitzt den darunterliegenden Druckbehälter. Elemente einer Geschichte der Wissenschaften.4.6 Weiterführende Literatur M.1 Die griechische Antike 269 Altar Heber Kette Druckbehälter Getriebe Wasserbehälter Abb. 177. Serres. Bugh. Authier.228. wie es Cicero auslobt und das Boëthius auch über den engeren Rahmen der Antike hinaus verbindlich macht.. dieser wird mit zunehmendem Flüssigkeitsvolumen schwerer und setzt dann die Seilrollen in Bewegung. Archimedes: Das Idealbild des Gelehrten. So haben wir hier in dem Korpus dieser wenigen Autoren in etwa auch das umrissen. G. New York 1963. Cambridge 2006. Hg. DeLacy. 4.B. Platon eine über den Neuplatonismus nun auch für das christliche Denken neu verfügbare Autorität.4. die die Tür öffnen Die theoretische Mathematik des Archimedes ist hier schon Sage. Euclid and Geometry. In: M. was sich als Idee einer analytischen Naturforschung auch über die Antike hinaus dem abendländischen Denken tradiert. The History of the Calculus and its Conceptual Development.. Hg. . Frankfurt 1994. Die logischen Schriften des Aristoteles bleiben über das Bildungsprogramm. E. damit drückt dieser bei Erwärmung Wasser in den frei hängenden Eimer. C. A. Cambridge University Press.1. S. präsent.

Stückelberger. Angewandte Mathematik im antiken Griechenland. Oleson. Gow. N. R. Schneider. I.270 4 Die griechisch-römische Antike O. W. Dordrecht 1978. Revealing the Secrets of the World’s Greatest Palimpsest. Lejeune. London 2007. G. Fragments from Archimedes in Heron’s Mechanices. G. R. 91– 145. Knorr. Dijksterhuis. Providence. Cambridge. Philosophy of Mathematics and Deductive Structure in Euclid’s Elements. – Bd. 1957. R. Sherwood. M. G. W. The Evolution of the Euclidean Elements: A Study of the Theory of Incommensurable Magnitudes and Its Significance for Early Greek Geometry. Berlin et al. Gdansk 2008. 1984. Greek Science after Aristotle. M. Lelgemann. A. J. Dilke. Netz. M.1 Griechische Kosmologie Die griechischen Vorstellungen zur Organisation des Kosmos zeichnen sich durch eine geometrische Auffassung der Himmelsbewegungen aus. Wußing. A Roman Miscellany. Darmstadt 1979. J. Louvain 1948 I. Engineering in the Ancient World. Berkeley Heights 2005. R. A.2. Szabó. E. D. Simms. S. D. Birley on his Seventieth Birthday. The Archimedes Codex. Berkeley 2000. So beschreibt Anaximander die Gestirne als Öffnungen in feuergefüllten . Schellenberg. Mathematics in Aristotle. A. G. 1 Von den Anfängen bis Leibniz und Newton. Darmstadt 1988. Oxford 1949. Centaurus 8 (1963). Ingenieur. The Exact Sciences in Antiquity. Archimedes. The Ancient Tradition of Geometric Problems. S. Sarton. W. Die Erfindung der Messkunst. Berlin 2008. Anmerkungen zu Heron von Alexandria und seinem Werk über den Geschützbau. 4. Neugebauer. Mathematik in Antike und Orient. Drachmann. Essays in Honour of Anthony R. E. 45-111. History of Technology 17 (1995). Landels. The Beginnings of Greek Mathematics. I. J. New York & London 1973. H. Heat. Kopenhagen 1956. Eine Kulturgeschichtliche Zeitreise. New York 1998. Hellenistic Science and Culture in the Last Three Centuries B. Maße und Gewichte in der Antike. Noel. In: H. L. Greek and Roman technology: A Sourcebook. T. New York 1987. Naturwissenschaftler und Mathematiker. Knorr. die Sternenbewegungen als physikalische Prozesse darstellen. New York 1986. J. A. Hg. Gericke. Mathematik. Mueller. Schellenberg. Archimedes. W. London. Á. Euclide et Ptolémée: Deux stades de l’optique géométrique grecque. R. O. Lloyd. MA 1981. Archimedes the Engineer.C. Humphrey. 6000 Jahre Mathematik. 92–130. Stuttgart 1991. H. S. Dordrecht 1975. Darmstadt 2010.2 Astronomie und Geographie der griechischen und römischen Antike 4. Schon in der vorsokratischen Periode finden sich dabei erste Vorstellungen. H.. Einführung in die antiken Naturwissenschaften. Archimedes: Mathematical Genius of the Ancient World.

in dem sich die harmonischen Beziehungen alles Seins auszudrücken vermochten.45 Weltmodell des Philolaos mit einem Zentralfeuer. Mond und die fünf Planeten Merkur.45). 4. dass der Mond selbst kein Licht ausstrahlte. die in verschiedenen Abständen um die im Zentrum der Welt schwebende Erde rotieren. eben selbst kein Licht produzierte. dass die Erde eine Kugelgestalt habe. der bei der Mondfinsternis zwischen Sonne und Erde stand. Er blieb von der Erde beschattet. blieb Ziel der pythagoreischen Analyse. woran sich dann die Bahnen von Mond.2 Astronomie und Geographie der griechischen und römischen Antike 271 Abb. Sonne und den fünf Planeten. auf diese folgten dann die Umlaufbahnen von Mond. Anaxagoras hatte beschrieben. seiner Auffassung nach. 4. und das waren für Körper die Kugel und für die Bewegung die Kreisbahn. Dies leitete er daraus ab. Er variierte die Idee eines geozentrischen Weltbildes. sondern sein Licht von der Sonne erhielt. Mars. anzunehmen Diese pythagoreische . Der pythagoreischen Vorstellung zufolge bewegten sich Sonne. So setzte er das Feuer als das vornehmste Element in den Mittelpunkt der Welt. Entsprechend beschrieben die Pythagoreer dann auch die Erde und analog die anderen Himmelskörper als Kugeln. der die pythagoreischen Lehren schriftlich fixiert hat. Die geometrische Konstruktion zeigt sich hier als eine Deduktion der aus Prinzipien gefolgerten Gestalt des Kosmos. dass der bei einer Mondfinsternis von der Erde auf den Mond geworfene Schatten gekrümmt ist. Venus. Pythagoras hatte beobachtet.4. dass der Mond. da der Kosmos. Um dieses so den Weltmittelpunkt markierende Zentralfeuer kreisten für ihn dann Erde und eine von ihm postulierte Gegenerde. gilt als der Erste. Demnach waren für die kosmologischen Gestalten dann auch nur ideale Formen. um das sich Erde und Gegenerde bewegen. Philolaos von Kroton in Unteritalien (etwa 465–385). wobei die Kosmologie dann einem geometrischen Ideal folgend den Aufbau der Welt konstruierte (Abb. Den Kosmos als ein Ideal zu konstruieren. der wegen Unruhen zuerst nach Lukanien und dann nach Theben geflohen sein soll. woraus er ableitete. auf das Edelste der Elemente zu beziehen war. Jupiter und Saturn in gleichförmigen Kreisbewegungen um die Erde. Aus dem Verhältnis der Geschwindigkeiten der sieben sich um die Erde bewegenden Himmelskörper entstünde dann die Sphärenharmonie. Sonne und den Planeten anschließen Sphäre der Fixsterne Saturn Jupiter Mars Venus Merkur Sonne Mond Erde Gegenerde Zentralfeuer Rädern.

8. Sonne Venus. die unregelmäßigen Bewegungen der Planeten nun doch in Kreisbahnen darzustellen. Wobei anzunehmen ist. dass die inneren Planeten Merkur und Venus die Sonne umkreisten. In diesem regelmäßigen Fünfzehneck suchte er nun Sternenpositionen und Bewegungsbahnen in einer geometrisch zu rekonstruierenden Weise anzutragen Die Ekliptik . der die Kombination verschiedener Kreisbewegungen dazu nutzte. sondern als eine physikalische Realität. Theon von Smyrna schreibt. auf denen die Planeten um die Sonne und mit ihr um die Erde kreisten. inwieweit diese scheinbar nicht kreisförmigen Bewegungen dann nicht doch auf die ideale Form der Kreisbahn zurückgeführt werden konnten. dass er den Himmelsglobus auf ein regelmäßiges Fünfzehneck projizierte. Jupiter und Saturn in den Proportionen 1. Zudem soll er die Neigung der Ekliptik bestimmt haben.. während diese selbst um die Erde lief. Lösungsversuche hierzu finden wir zunächst bei Eudoxos. In Olympia soll er einen astronomischen Kalender auf Grund eines 59 Jahre-Zyklus aufgestellt haben. und so standen dann mit Aristoteles die Himmelskörper in der Folge Mond – Merkur – Venus – Sonne – Mars – Jupiter und Saturn über der Erde. Dabei begriff er die Sphären nun nicht mehr einfach als Modellkonstruktionen. aus Äther aufgebaute Objekte am Himmel. deren Achse auf der Oberfläche einer sie einschließenden Kugel befestigt war. Er hatte angenommen. Aristoteles vereinheitlichte die Sphärengeometrie des Eudoxos. Und aus diesen ätherischen Kalotten setzte er nun ein einheitliches geozentrisches System zusammen. dass ein Planet auf dem Äquator einer gleichförmig rotierenden Kugel platziert wäre. Platon stellte nun die Frage. So finden wir einen Hauptkreis. auf dem sich die Sonne bewegte und die Nebenkreise. Hälfte des fünften Jahrhunderts vor Chr. 9 und 27 hintereinander. Aristoteles baute auf der schon beschriebenen Konzeption des Eudoxos auf. Für ihn waren die Sphären reale. ein Mathematiker und Astronom aus der 2. Apollonios von Perge entwickelte im Anschluss an solche Überlegungen die schon beschriebene Epizykeltheorie. Ihm zufolge lagen die Bahnen der Himmelskörper Mond. die ihrerseits nun aber in einer anderen Orientierung selbst wieder gleichförmig rotierte. Dieses Konzept wurde – wie beschrieben – von Kallippos verfeinert. wohingegen sich die Himmelskörper zur Erde eben nicht in einfachen Kreisbahnen zu bewegen schienen.272 4 Die griechisch-römische Antike Idee von der Vollkommenheit der kosmischen Formen wurde von Platon übernommen und – insbesondere in seinem Dialog Timaios – noch weiter ausgeführt. In der hellenistischen Astronomie wurden diese Verhältnisse aber umgestellt. Schon zu Platons Zeiten erkannte man. 4. Merkur Mars. dass Eudemos in seiner Geschichte der Astronomie erzählt. 3. indem er dessen Einzeldarstellungen zu einem Gesamtmodell zusammenfügte. Die Länge des Jahres gab er mit 365 22/59 Tagen an. die er dann allerdings zu einer komplexen Bewegung kombinierte. die dann über Ptolemaios bis in die frühe Neuzeit hinein als das adäquate Modell der Himmelsmechanik begriffen wurde. dass Oinopides von Chios. als Erster den Gürtel des Tierkreises gefunden habe. 2. So konnte dann Aristoteles annehmen. demzufolge die Planeten sich auf homozentrischen Sphären bewegten. dass nur die tägliche Umdrehung des Fixsternhimmels eine gleichförmige Kreisbewegung sei. Schon im vierten Jahrhundert hatte allerdings Herakleides Pontikos ein gänzlich anderes Modell konzipiert.

auf der sich die Sonne um die Erde zu bewegen scheint) konnte er dann als Kreisbogen über der Sehne eines regelmäßigen Fünfzehnecks beschreiben.) war ein Schüler des Straton von Lampsakos. dass Euklid die Konstruktion des regelmäßigen Fünfzehnecks wegen dieser astronomischen Bedeutung in die Darstellung seiner Elemente aufgenommen habe. Damit kann der Winkel zwischen den beiden Kanten und dem Visierpunkt bestimmt werden. Die Idee eines fünften Elementes im Supralunarraum. um mit einem Gerät kleine und große Winkelabstände messen zu können. Emblem des Pilgers waren die Schalen der Pecten. hat aber wohl einen sehr viel älteren Ursprung. Setzt man den Grundstab direkt unter dem Auge an.4. Der Name dieses Gerätes wurde diesem im Mittelalter verliehen. Einfacher ist eine entsprechende Beobachtung mittels des Jakobsstabes auszuführen. Dies ist eine Visiereinrichtung. Dazu kann nun das Querholz so verschoben werden. Nach Kleomedes hat Eratosthenes es zur Messung des Erdumfangs benutzt. der als Nachfolger des Theophrast etwa von 287 bis 269 das Aristotelische Lykeion leitete. Ein entsprechendes Visiergerät ist eine leichte Variation des schon beschriebenen Gnomons. Straton hatte ein eigenes naturphilosophisches System entworfen. Da diese Pilgerreise als Ersatz für eine Pilgerfahrt nach Jerusalem anerkannt war. Winkel zu vermessen. um aus dem Sonnenstand den Breitenunterschied zwischen Alexandria und Syene (s. das über dem Grundstab zu verschieben ist. trägt solch ein Jakobsstab dann auch mehrere Querhölzer. dass seine jeweiligen Kanten beide eben verdecken.47). Proklos berichtet später. Aristarch von Samos (etwa um 310–230 vor Chr. in dem die Natur rein innerweltlich erklärt ist und auch der Geist des Menschen rein biologisch gefasst wird. 4. so kann man über die Konstruktion hinweg zwei Objekte anvisieren (Abb. ähnelte. wird von ihm verworfen. konstruiert. Der Gebrauch eines Jakobsstabes es ist für Hipparchos bezeugt.) zu bestimmen. der nach Santiago de Compostella pilgerte. u. was dann auch die Winkeldistanz der beiden anvisierten Objekte bestimmt. Ggf. Die Gestirne bestanden für ihn einfach aus Feuer. die Aristoteles favorisierte. da es dem mit einem Kreuz geschmückten Stab eines Jakobspilgers. Hierzu wird über einen längeren Grundstab ein nach beiden Seiten exakt gleiches Querholz geführt. Solch ein Gerät – so schreibt sehr viel später Vitruv – habe aber erst Aristarch von Samos nach 300 vor Chr. die es erlaubt. Zudem . der darauf dann so genannten Jakobsmuscheln. und ist auch ähnlich einzusetzen.2 Astronomie und Geographie der griechischen und römischen Antike 273 (die scheinbare Bahn.46–4. Jakobsstab Der Jakobsstab ist ein einfaches Instrument zur Winkelmessung von entfernten Objekten. gewann sie im Mittelalter große Bedeutung. eines Pilgers.

46 Handhabung des Jakobstabes. eine . Aristarch. dann wäre allerdings zu erwarten.47 Darstellung des Gebrauchs des Jakobsstabes gab es – ihm zufolge und in direktem Gegensatz zur Lehre des Aristoteles – einen leeren Raum. dass eine Erdbewegung um die Sonne. Gälte dies. h. sondern immer noch überschaubare Gesamtausdehnung haben müsse. setzte nun auch die Erde aus dem Mittelpunkt des Kosmos in eine Umlaufbahn um die Sonne.274 4 Die griechisch-römische Antike Abb. die Visierline sollte allerdings direkt an das Auge gesetzt werden Abb. 4. da ihm zufolge dieser größte Himmelskörper den Mittelpunkt des Kosmos bilde. 4. dass der Kosmos im Vergleich zu der Erde eine nicht ins Unermessliche führende. d. und genau in dieser Hinsicht argumentierte Archimedes. das diskutierte – wie aufgeführt – auch Archimedes. Gegen diese Vorstellung bestand nun der Einwand.

So kommt er in seiner Darstellung denn auch zu sehr großen Abweichungen. ob ein heliozentrisches Weltbild eine plausible Darstellung der realen kosmischen Verhältnisse sein könne. Für die Frage des heliozentrischen Weltbildes entscheidend ist dann aber die relative Größe dieser Bahnen zu den Dimensionen des Fixsternhimmels. 4. Demnach ist für die Frage. Dazu bemisst er die relativen Positionen von Erde. Er kommt hier gegenüber Archimedes zu einer vergleichsweise kleinen Ausdehnung der Dimensionen dieses Dreiergefüges. Für eine adäquate Vermessung benötigt er dann eine Streckenlänge. könne man solche zwei Größen ja gar nicht in ein Verhältnis setzen. Mond und Sonne wie folgt: Bei Halbmond steht der Mond im rechten Winkel zu Sonne und Erde. . Genau gegen diesen Satz hatte Archimedes polemisiert. die Frage der Dimension des Kosmos entscheidend. 4. er berechnet für die Distanz von Erde und Sonne das 19fache der Distanz Erde und Mond (wir können heute das 370fache annehmen). Dazu hatte er zunächst einmal zwei Winkel zu bestimmen. der schlicht schreibt. Entsprechend ist das Dreieck Erde – Mond – Sonne ein rechtwinkliges. In seinem Buch über die Sandzahl argumentiert Archimedes hierbei aber für ein vergleichsweise kleinräumiges Universum. Aristarch publizierte denn auch eine Schrift Über die Größen und Entfernungen der Sonne und des Mondes. Nun kann er in dieser Position die Sonne anvisieren und findet hierfür einen Winkel zwischen Erde. Im Resultat ist dann die Position der Erde im Mittelpunkt des Alls plausibel.2 Astronomie und Geographie der griechischen und römischen Antike 275 Abb. diese Länge nur über Näherungsverfahren zu erschließen suchen (Abb. Was dann auch der Hintergrund der Aussage des Aristarch sei. Text für Details Mond 87° Sonne Erde Kreisbewegung unter der Fixsternkugel.75fache des Durchmessers der Erde. da ihm diese fehlt. Von Aristarch ist hierzu nichts überliefert. Mond und Sonne von 87°.4. dass der Durchmesser 109mal so groß ist. Nur dann. Wir wissen. wie dies Aristarch schreibt. um die Bewegung der Erde unter dem Fixsternhimmel als eine irgendwie signifikante Größe erfassen zu können. die Erdbahn im Verhältnis zur Fixsternsphäre wie ein Punkt. vgl.48). Dann verhielte sich. Wie er formulierte. In seiner Schrift über die Entfernungen und Größen von Sonne und Mond extrapoliert Aristarch die gängigen Landvermessungsverfahren in die Dimensionen des Alls. Und er schätzt den Sonnendurchmesser auf das 6. unter denen er zwei Himmelsobjekte zu seiner Beobachtungsposition positioniert. Mond und Sonne. wenn die Fixsterne unermesslich weit von der Erdbahn entfernt seien. würde dies anders sein. hier kann er. auch eine Verschiebung der Fixsternpositionen bewirken müsste.48 Zum Abstandsverhältnis von Erde. ab einer bestimmten Größe sind die Relationsunterschiede zu groß.

Aus den Angaben. In den ersten beiden Büchern behandelte Eratosthenes – Strabo zufolge – die Veränderungen der Erdoberfläche. Seinen Chronographien. mit dem der Abstand zwischen zwei nicht näher einzugrenzenden Daten zumindest zu schätzen sei. Als Bibliothekar arbeitete er zur Literaturgeschichte und Grammatik. Entsprechend problematisch war es dann auch für Aristarch. Seine in drei Büchern erschienene Geographika begründete die mathematische Geographie. das Fehlen der zu folgernden Versetzung der Position der Fixsterne über den Verlauf des Jahres zu erklären. letztlich auf Homer zurückführenden Weltbilder und stützte sich demgegenüber auf Anaximandros. die Generation.276 4 Die griechisch-römische Antike Die Dimensionsvorstellungen – das zeigte auch schon die Schrift von Archimedes – bewegen sich so in vergleichsweise kleinräumigen Vorstellungsdimensionen. Darunter verstand er die Vermessung der Erdkugel. von denen alle späteren Zeitrechnungen abhängen. mit dem auch Archimedes im Briefkontakt stand. die er mit 33 1/3 Jahren ansetzte. vor. legte Eratosthenes als Gerüst die Olympiadenfolge zugrunde und schlug als das Maß. über Reichtum und Armut und über die Schmerzlosigkeit – als das höchste zu erlangende Gut. Eratosthenes verwarf dabei die bisherigen. Unter stoischem Einfluss verfasste er in Athen und dann noch in Alexandria Schriften über Güter und Übel. die hauptsächlich literarische und politische Ereignisse notierte. 246 wurde er – wie schon erwähnt – von Ptolemaios III als Erzieher des Thronfolgers und Direktor der Bibliothek nach Alexandria berufen. Nach Archimedes stand dann auch entsprechend die Fixsternsphäre in überschaubarer Distanz zu den sich umeinander bewegenden Himmelskörpern. war einer der vielseitigsten Gelehrten der hellenistischen Epoche. über die er ein Koordinatennetz von Meridianen und Kreisumfängen legte und so die Erdoberfläche in Vierecke einteilte. Von ihm erschienen Dichtungen. Hekataios und die Berichte der Begleiter des Zuges von Alexander dem Großen. Eratosthenes von Kyrene. Dazu kam eine Datierung nach der Blütezeit einer Epoche und durch die Feststellung von Zeitgenossen. Erste Erfahrungen gewann er als Schüler des hellenistischen Dichters Kallimachos. Wobei er in beiden Bereichen die Vielfalt der Erscheinungen in ihrer mathematisch zu erfassenden Gesetzmäßigkeit darzustellen suchte.). In ihr legte er die im Weiteren verbindliche Chronologie der archaischen und klassischen Geschichte Griechenlands vor. Voraussetzung hierfür war es. den Erdumfang zu bestimmen und zumindest für einzelne Orte durch astronomische Beobachtung deren Koordinaten festzulegen. die Strabo über ihn gibt. verbesserte den Gnomon und befasste sich mit der Sehnenrechnung. in die er dann eine Erdkarte einzutragen suchte. Dieser Darstellung war eine Zeittafel beigegeben. dessen Schrift zum heliozentrischen Weltbild uns nur durch die Kritik des Archimedes bekannt ist. beschrieb de Inselwelt des östlichen Mittelmeeres und gab Angaben über Länge und Breite der entsprechenden Orte. Dazu führte Erastosthenes . ist der Aufbau seiner Geographika zu rekonstruieren. die unter Nutzung mythologischer Formen die Rückkehr der Seele in die Himmelssphäre darstellen. Neben diesen Schriften bedeutsam sind vor allem seine historischen und geographischen Arbeiten. Aristarch schrieb zudem über optische Probleme. (282–um 202 vor Chr. Er studierte in Athen bei Zenon von Kition und Ariston von Chios und wurde dann Mitglied der Akademie. Dazu veröffentlichte er ein Verzeichnis der Olympiasieger.

Eratosthenes und die alexandrinische Sterndichtung. In dieses Raster fester Positionen schrieb er nun vorliegende Messungen ein. 4. Bekannt ist auch seine Erfindung eines mechanischen Verfahrens zur Bestimmung zweier geometrischer Mittel. zwei Beobachtungsstationen aus (Abb.690 km für den Umfang der Erde. die Werte zur Verdoppelung eines Würfels direkt am Gerät abzulesen. Diese entsprach 5000 Stadien. Keller. Zürich 1946. Nun konnte er Folgendes beobachten: Wenn die Sonne in der Stadt Syene im Zenit steht.2 Astronomie und Geographie der griechischen und römischen Antike 277 ein Koordinatennetz aus astronomisch und klimatologisch bestimmten Parallelkreisen und Meridianen ein.und Küstenvermessungen. Dabei geht er wie folgt vor. Ausgangspunkt dieser Bestimmung war die Bestimmung des Meridians zweier Orte. die ungefähr auf dem gleichen Meridian liegen. seine Positionsdaten auf einer Weltkarte anzutragen und so eine die Topographie der Erde darzustellen. nunmehr. Die Kartographie betrachtete Eratosthenes als die eigentliche Aufgabe des Geographen. Als Mathematiker soll Eratosthenes die Gleichung a : x = x : y = y : b durch Einschiebung gelöst. Berechnet man mit Plinius den Wert von 40 Stadien. sowie eine Methode zur Aussonderung der Primzahlen aus der Folge der natürlichen Zahlen gefunden haben (das sogenannte Sieb des Eratosthenes).525 m entspräche.4. was 12. in Teilbereichen noch detaillierte Kartographie der Erde gegeben. Hierzu errechnete er aus den vorliegenden Vermessungen die Länge und Breite jedes Landes oder gegebenenfalls auch eines Länderkomplexes. den er anscheinend noch auf 252. Er wählte nun mit Alexandria und Syene. das sind 250. wichtige Punkte bestimmt er mittels seiner auf Parallelkreise und Meridiane bezogenen Positionsdaten.67 Hipparchos von Nikaia. war einer der bedeutendsten Astronomen der Antike. Daraus schloss Eratosthenes. Also berechnet Eratosthenes einen Wert von 50 × 5000. ausgehend von seinen im Koordinatennetz festgelegten Punkten. die es ihm erlaubten. dass der Erdumfang 50 mal so groß ist wie die Entfernung von Syene und Alexandria. der entgegen der bislang vorwiegend theoretisch-spekulativ betriebenen griechischen Astronomie das Schwergewicht auf eine exakte. Diese Daten erlaubten es ihm nun. Chr. Dieses System der sogenannten Sphragiden (Abgemessenes Grundstück) oder Plinthia (Rechteck) erlaubt es ihm. ggf. A. die er kompilierte. Von Eratosthenes sind Gedichte über Sternbilder und Sternsagen (Katasterismen) sowie Epyllien (Hermes. messtechnisch untersetzte Beobachtung legte und dabei viel Material aus Babylon verwendete. Bis auf ein Frühwerk. aus vorhandenen Straßen. Dies erlaubte es. einen 67 G. Erigone) zumindest in Fragmenten erhalten..000 Ellen zu je 0. Anterinys. um 190–125 v. Voraussetzung seiner Koordinatendarstellung war dabei allerdings eine genaue Kenntnis des Erdumfangs.000 Stadien. .000 Stadien korrigiert hat. bilden ihre Strahlen in Alexandria mit der Senkrechten einen Winkel von 1/50 des Kreisumfangs. so gelangen wir damit auf den recht guten Wert von 36. die Konturen der Länder in einfachen geometrischen Formen zu umreißen und sie so in sein Koordinatensystem einzutragen.49). Eratosthenes konnte hierzu einen vergleichsweise genauen Wert berechnen. das sogenannte Mesolab. als ein σ χoινoζ. Damit waren dann die Grundlagen für eine umfassende. die Vermessungen der Landschaften in seine Karte einzutragen. Einzelne.

geographische Standorte mit Hilfe einer Zuordnung von Kreisumfang und Meridian zu bestimmen.278 4 Die griechisch-römische Antike Karte 4.und ungenau die Sonnenentfernung. Wobei er zeigte. Hipparchos verbesserte die Methode des Eratosthenes.und Epizykeltheorie eine befriedigende Darstellung von deren Bahncharakteristik möglich ist. dass für die Planetenbahnen nur durch eine Kombination von Exzenter. Hipparchos stellte außerdem eine Tabelle mit trigonometrischen Sehnen zusammen. und ermittelte so über die Darstellung der Sternenpositionen geographische Breiten und Längen. Ptolemäus und Eratosthenes in einer historischen Darstellung von 1828 Kommentar zu einem astronomischen Lehrgedicht des Aratos von Soloi sind seine Arbeiten selbst alle verloren gegangen. ihm bis- . Er berechnete die sich in der unterschiedlichen Länge der Jahreszeiten zeigende Anomalie der Sonnenbewegung und führte sie auf eine exzentrische Bahn der Sonne um die Erde zurück. so dass seine wichtigsten Arbeiten nur über den Bericht des Ptolemaios verfügbar sind. die die Grundlage für die moderne Trigonometrie bilden. bestimmte mit großer Genauigkeit die Mond. beobachtete er einen neuen.8 Weltkarten nach Homer. der auf den Arbeiten von Hipparchos aufbaute. 134 vor Chr. Hipparchos legte für seine Berechnungen die Epizykeltheorie des Apollonios von Perge zugrunde.

Dies geschah.5 Minuten von modernen Messungen ab. wie etwa des Timocharis. Als einfaches Demonstrationsgerät wurde sie schon in der Akademie des Platon benutzt.4. Also entspricht die Entfernung von Alexandria und Syene 1/50 des Erdumfangs. demnach entspricht der Erdumfang 50 × 5000 her unbekannten Stern. Hierin katalogisierte und berechnete er die Helligkeit von über 800 Sternen und zeichnete sie auf einer Karte ein. einen Sternkatalog anzulegen. Ekliptik. Seine Berechnung der Länge des Jahres wich nur 6. die durch konzentrische. 4. Armillarsphäre Ein astronomisches Gerät zur Darstellung der Haupthimmelskreise der Astronomie – Horizont. der dann auch von Ptolemaios übernommen wurde. Dabei ging Hipparchos mit äußerster Genauigkeit vor. der Boden eines tiefen Brunnens ist beleuchtet.5° Abb. Alexandria und Syene liegen in etwa auf gleichem Meridian. und zum Teil bewegliche Ringe veranschaulicht werden. Der Schattenstab wirft keinen Schatten. der Winkel AS′ entspricht 1/50 des Kreisumfangs. Beim Vergleich seiner eigenen Himmelsstudien mit denen früherer (auch babylonischer) Astronomen. Ptolemaios spricht vom Astrolabium. die Entfernung von Alexandria und Syene = 5000 Stadien.2 Astronomie und Geographie der griechischen und römischen Antike 279 7.5° Alexandria Sonnenstrahlen Wendekreis des Krebses Syene Äquator 7. zur gleichen Zeit wird in Alexandria mit dem Gnomon mit Halbkugelschale die Länge des Schattens gemessen. entdeckte Hipparchos – wie schon beschrieben – die Präzession der Äquinoktien. Äquator.49 Die Darstellung des Erdumfangs durch Eratosthenes. . am Tag der Sommersonnenwende steht die Sonne in Syene mittags im Zenit. Bei Hipparch und Ptolemaios wurde sie zu einem Beobachtungsgerät ausgebaut. Dies veranlasste ihn.

die aus sieben konzentrischen Ringen bestand und in der nun eine Position eines Gestirns. Schon die Illustrationen in den Handschriften sind dabei für eine Rekonstruktion der seinerzeitigen Anschauungen problematisch. Il- . abzulesen war (Abb. dass sie über Jahrhunderte immer wieder neu umgeschrieben wurden und wir nur in seltenen Fällen. Auf dieser war dann die Winkeldifferenz zwischen zwei Messungen abzulesen indem die drehbaren Ringe je mit einem Diopter (Abb. jeweils nach den Vorstellungen über die Himmelsmechanik zusammengesetzt. mit Gradeinteilung versehenen Bronzering. bezogen auf die Grundkoordinaten der Astronomie. Durch Kombination verschiedener dieser Ringe. 4. der entweder nach der Ebene des Himmelsäquators oder der Medianlinie ausgerichtet war. Die eigentliche Dioptra ist die auf der Kreisscheibe aufliegende Visiereinrichtung. 4. eines in der Astronomie und in der Vermessung eingesetzten Instrumentes. Ptolemaios Claudius beschreibt eine Armillarsphäre. Über sie waren dann Sterne anzuvisieren und zu kartieren. diese konnte nun auf der Kreisscheibe verschoben werden. die uns über das Wissen und die Wissenschaftspraktiken der Griechen orientieren.50) und Gradeinteilung versehen wurden.50 Darstellung der Dioptra. 4.51). wie etwa bei dem Wiener Dioskurides-Exemplar. konnte dieses Gerät weiter ausgebaut werden. In der einfachsten Form bestand die Armillarsphäre aus einem fest montierten. So waren dann über dieses Gerät Himmelskörper anzuvisieren und dabei auf eingestellte Positionen der Ekliptik oder des Äquators zu beziehen.2 Messtechniken und Modelle: Das Räderwerk von Antikythera Es sind im Wesentlichen die Schriften. 4. zumindest spätantike Originale besitzen.2.280 4 Die griechisch-römische Antike Abb.

dass wir dabei in Vielem doch an der Oberfläche kratzen und uns somit selbst dort. Jahrhunderts in England zum Patent angemeldet wurde. Das Erstaunliche an dieser Konstruktion ist nun. Einzelne dieser Funde erlauben uns aber zumindest einige Angaben. Danach handelt es sich . dass dieses Gerät ein Differentialgetriebe enthält. der wahrscheinlich ursprünglich von einer Holzummantelung umgeben war. was wir teilweise nur mühsam aus Fragmenten rekonstruieren können. wenn auch diese fragile Einbindung in einen komplizierten Mechanismus so unerwartet war. ausweist. wurden in der Ägäis nahe der Insel Antikythera bronzene Teile aus einem römischen Schiffswrack geborgen. ist nach den über Jahrzehnten erfolgten Rekonstruktionen ein wissenschaftlicher Apparat. die dann ins Athener Nationalmuseum überführt wurden.52). um den Mechanismus darstellen zu können. was hier vorliegt.51 Armillarsphäre – Darstellung in einem römischen Mosaik lustrationen von wissenschaftlichen Geräten oder gar Funde dieser Geräte sind sehr selten. Jahrhunderts wurde das Gerät eingehend untersucht und hierzu auch geröntgt. das heißt die Umsetzung dessen. mit dem die Bewegung der Himmelskörper zu berechnen ist. wie es Cicero von Archimedes beschrieben hat (Abb. wie es Anfang des 19. das. Dort entdeckte der Archäologe Valerios Stais 1902 in einem Klumpen aus korrodiertem Material ein Zahnrad. was an technischen Erfordernissen und Umsetzungen realisiert war. Er identifizierte einen aus Bronze hergestellten Rädermechanismus. In den 70er Jahren des 20. Nun war das Zahnrad als Erfindung bekannt. ein Uhrwerk. Das. das als eine Art von Analogrechner zu verstehen ist. Dieses Räderwerk wäre also ein Planetarium.4. Um 1900.2 Astronomie und Geographie der griechischen und römischen Antike 281 Abb. wo wir ein etwaiges Bild aus den Texten gewinnen. 4. etwa. dass die wissenschaftliche Praxis. Schon in der Analyse des Tunnelbauprojekts des Eupalinos mussten wir erkennen. 4. eine noch viel stärkere Bedeutung des Wissens und der Wissenschaften für die Kultur der Antike ausweist als es die im Letzten doch spärlichen schriftlichen Fragmente darstellen.

4. das teilweise beschriftet ist. Dieses Zifferblatt zeigte offensichtlich die jährliche Bewegung der Sonne im Tierkreis. übereinstimmend mit anderen Buchstaben auf der Kalenderplatte. Die Zifferblätter auf der Rückseite sind komplexer und unleserlicher. Das untere besitzt drei .und Untergänge der hellen Sterne sowie deren Konstellationen über das Jahr hindurch anzeigte. Jede von ihnen ist sorgfältig in Gradzahlen unterteilt. Die Bedeutung einiger Buchstaben der Inschrift auf der Tierkreiszeichenskala.282 4 Die griechisch-römische Antike Abb. Das Frontblatt ist exakt über dem Hauptantriebsrad eingebaut. Es besitzt zwei Skalen.52 Das Räderwerk von Antikythera um ein Räderwerk. welches dem Anschein nach den Zeiger in einer Art exzentrischer Trommel bewegte. dass das Frontblatt zudem die Auf. eine von ihnen ist fest angebracht und gibt den Tierkreis wieder. zeigt. Die andere befindet sich auf einem beweglichen Ring und gibt die Monate des Jahres wieder.

2 Astronomie und Geographie der griechischen und römischen Antike 283 Abb. Jedes hat ein kleines Zusatzzifferblatt. Jedes der großen Blätter ist mit Linien – ca. . das obere vier. An anderer Stelle wieder war die Speiche eines Zahnrades ersetzt worden. Die Untersuchungen ergaben zudem. Der Mechanismus stammte aus dem ersten vorchristlichen Jahrhundert und wäre nach ersten Vermutungen auf der Insel Rhodos vom griechischen Astronomen Poseidonios konstruiert worden. dass diese Skala die Mondphasen und die Zeiten von Mondaufgang und Monduntergang darstellte. die auf den Zahnrädern des Gerätes eingeritzt ist. die repariert worden waren. unter anderem auch tomographisch. So ist etwa ein Zahn ersetzt worden. und zwischen den Linien befinden sich Buchstaben und Ziffern. dass das Gerät auch tatsächlich in Betrieb war. untersucht. Man fand zwei Stellen im Getriebe. Ein wichtiges Ergebnis dieser Untersuchung war die Entdeckung einer geschriebenen Gebrauchsanweisung.4. Nach mehreren Nachuntersuchungen. die dann auch zu mehreren Rekonstruktionen des Gerätes führten – eine davon befindet sich im mathematisch-physikalischen Kabinett in Kassel (Abb. Es scheint. alle 6 Grad – unterteilt. Ferner finden sich Informationen zu den Positionsdaten der den Griechen bekannten Planeten.53 Fotografie des Räderwerks von Antikythera bewegliche Ringe. 4. 4.53) – wurde zwischen 2005 und 2006 der Mechanismus noch einmal genau.

Da alles mit allem verbunden ist. die meteorologischen Erscheinungen entsprechen der Ernährung und dem Verdauen.) ist vor allem als Erneuerer der Stoa bekannt. Er stand unter anderem in Kontakt mit Cicero. Er stammt aus Apameia in Syrien. Der Mond entspricht der Leber des Kosmos. wirken insbesondere Sonne und Mond bis in die Details des physischen und psychischen Habitus des Menschen ein. er steht dabei zwischen dem Logiker Chrysipp und dem spekulativ ausgreifenden Plotin. als dies aus den Textdarstellungen auch eines Heron zu erschließen ist. Pompeius Magnus und Qunitus Hortensius Hortalus. begab sich dann nach Rhodos. Sodann schrieb er ein kosmologisch-geographisches Werk Über den Okeanos und seine Probleme. Hier zeigt sich – und darauf werden wir noch einmal zurückkommen – dass die Texte eines Euklid und eines Heron Lehrbücher. Von seinen zahlreichen Werken ist keines erhalten. auf welchem Niveau die Forschungsfront sich im hier betrachteten Zeitraum befand. über die Seherkunst und die Psychologie. Als erste bekannte komplexe Rechenmaschine ist der hier zu rekonstruierende Mechanismus überraschend kompliziert und. Ab etwa 105 v. Funde wie das Räderwerk von Antikythera lassen nunmehr aber zumindest erahnen. das das Licht und die belebende Wärme spendet. und – den Aussagen der beiden Autoren folgend – eben Elementarlehrbücher gewesen sind. So erhalten Seherkunst und Astrologie ihre naturphilosophische Begründung. Südgallien. Außerdem schrieb er über die Götter. so muss das technische Verständnis und die technologische Umsetzung der mathematischen Verfahren im antiken Griechenland um ein Vielfaches bedeutender gewesen sein. erlebte dort in seiner Jugend den Zerfall des Seleukidenreiches. dessen Herz die Sonne darstellt. mit keinem uns bekannten Gerät des folgenden Jahrtausends vergleichbar. wo er nach der Umsiedlung seines dortigen Lehrers Panaitios nach Athen eine eigene Schule gründete und auch in die Verwaltung der Insel eingebunden wird.284 4 Die griechisch-römische Antike Poseidonios Poseidonios (etwa 135–51 vor Chr. Christus unternahm er – teilweise von Amts wegen – ausgedehnte Reisen nach Spanien. behandelte. . Italien und Sizilien. das die Zeit von etwa 149–79 vor Chr. Seine Schriften zur Meteorologie und Astronomie werden unter anderem von Seneca zitiert. die Flüsse sind die Adern in der Gestalt des Kosmos. Rom hat er mehrmals besucht. was Präzision und Aufbau anbelangt. Legen wir dieses Räderwerk als Maßstab zur Bewertung des technisch-wissenschaftlichen Standards zugrunde. Für ihn ist der Kosmos als geschlossener lebendiger Organismus zu verstehen. Mit den Arbeiten des Apollonius und den Verbesserungen des Hipparchos war die Kosmologie des geozentrischen Weltbildes in ihren wesentlichen Zügen beschrieben. Bekannt ist ein Geschichtswerk.

Dabei sind die Bahnen der Himmelskörper exzentrisch gelagert und zudem bewegen sich die Planeten nicht auf einfachen Kreisbahnen um die Erde. zusammen. die Sonne und die fünf Planeten umkreisen die Erde (Abb.2.3 Das ptolemäische Weltbild Claudius Ptolemaios oder in der deutschen Schreibweise Ptolemäus (etwa 83–161 nach Chr. vielmehr versucht er eine umfassende. die Mathematik. das zeigt sich etwa darin. eben auch physikalische Ausdeutung des von ihm auf Grund seiner Daten entworfenen Systems. Dieses Lehrbuch der Astronomie setzte bis in das beginnende 16. über die ptolemäische Darstellung hinausgehende Neuerung dieses Astronomieentwurfes. darauf hin deutet nicht zuletzt die schon oben angegebene Beobachtungszeit. die Astrologie. Diese Arbeiten fasste er in seiner großen Zusammenstellung (Megale oder Megiste syntaxis). der Mond. Schließlich demonstriere diese Bewegung die gemeinsame.) konnte basierend vor allem auf den Arbeiten des Hipparchos den vorhandenen Datenbestand der griechischen Astronomen aufnehmen und durch eigene über Jahrzehnte dauernde systematische Arbeiten ausbauen. dass der von Ptolemaios im Almagest fortlaufend angeführte Rückverweis auf die Tradition ihn als einen eklektischen Kompilator darstellen lässt. die Fixsternsphäre eben als solche annehmen zu können. Ptolemaios bleibt nun aber nicht bei der bloßen Ausweitung der Beobachtungen stehen. Er übernimmt auch die aristotelische Vorstellung. den er auch ausführlich referiert. Im Almagest finden sich Beobachtungen aus den Jahren 127–141 aufgeführt. wie es von Hipparchos formuliert wurde: Die Erde im Mittelpunkt. auf dem diese um die Sonne bewegt werden. deren Mittelpunkt sich auf einem Kreis befindet. dass sich oberhalb der Mondbahn die Struktur des Kosmos durch . die Astrologie. Seine Schriften behandeln die Astronomie. Im Almagest weitet Ptolemaios die auf ihn überkommenen Befunde der griechischen Astronomie aus.4. Ptolemaios stammt wahrscheinlich aus dem mittelägyptischen Ptolemais und wirkte in Alexandria. Optik und Geographie. einem Muster folgende Rotation der Sterne. der zwar auf dem entsprechenden Katalog des Hipparchos aufbaut. Hier steht er zum einen in der direkten Nachfolge des Aristoteles. die in der arabischen Überlieferung später Almagest genannt wurde. die vorgegebene Theorie systematisieren und erweitern. dass er – ganz im aristotelischen Denken – die Kreisbewegung der Zirkumpolarsterne als ein Argument deutet. Sein Sternkatalog wird dann auch bis in die frühe Neuzeit maßgeblich für die Sternbeobachtung und auch für die Sterndeutung. Vielmehr liegen sie faktisch auf Teilkreisen. 4.2 Astronomie und Geographie der griechischen und römischen Antike 285 4. Das zeigt sich schon an seinem Sternkatalog. diesen aber umfassend ausweitet. Hierbei kann bei einer geeigneten Wahl der Parameter selbst eine Ellipsenbahn rekonstruiert werden. wobei er insbesondere für Hipparchos seine Bewunderung zum Ausdruck bringt. Jahrhundert sowohl in seinem Datenbestand wie auch in seiner theoretischen Behandlung der Kosmologie den im Weiteren verfolgten Maßstab. Jahrhunderts keine wesentliche. Ptolemaios beschreibt das geozentrische Weltsystem.54). Nur wäre es falsch zu vermuten. die den einzigen sicheren Hinweis auf seine Lebenszeit geben. Zu dem Leben von Ptolemaios wissen wir sehr wenig. So kennen wir bis in den Beginn des 16.

eben fehlt. man beachte die Exzenter. dem Supralunarraum. und sich in ihren Gewichtungen selbst um die Erde bewegen. der Äther. beim Merkur ist die Kopplung mehrerer Epizykel erkennbar Einbindung eines fünften Elementes gegenüber der unvollkommenen Erde.54 Schema der Bahnbewegungen der Himmelskörper nach Ptolemaios. dass die Erde im Zentrum des Universums . Interessant ist. perfektere physikalische Realität. eine Deutung. 4. die sehr viel später noch einmal Bedeutung erlangen sollte. eine andere. dass in dieser Deutung das Zentrum des Universums demnach ja keineswegs als der Bereich der perfekten Repräsentation des kosmologisch Möglichen erscheint. der dieses Element. verändert. Im Kapitel fünf des ersten Buches des Almagest beschreibt Ptolemaios im Detail und in Diskussion der möglichen Gegenargumente.286 4 Die griechisch-römische Antike Jupiter Mond Mars Erde Venus Merkur Sonne Saturn Abb. die um die Erde als dem Mittelpunkt des Alls gruppiert sind. So findet sich dann im Raum oberhalb des Mondes.

Hier argumentiert er ganz aus der Physik des Aristoteles heraus. die diese natürliche Bewegung aufhöbe. wird ihre Bewegung denkbar. Und so wiederholt Ptolemaios das Argument des Archimedes.2 Astronomie und Geographie der griechischen und römischen Antike 287 befindlich ist. dass eine eindeutig gerichtete Bewegung der Sphäre um die Erde zu registrieren ist. so würde der Horizont eben nicht die Fixsternsphäre halbieren. wenn die Dimensionen des Kosmos ganz anders bemessen werden und die Erde in ihrer Bahn um die Sonne in diesen Dimensionen gleichsam unendlich klein erscheint. die Hipparchos feststellte. Nur. wie es dann möglich ist. die Entfernung von Erde und Sonne aber immer noch um Dimensionen zu klein ansetzte. Dass diese veränderten Dimensionen dann sehr viel später einem religiös motivierten Denken notwendig wurden. Entsprechend kann nun aber die Erde nicht ihrerseits eine Bewegung annehmen. In dem Falle. in diesem Denken nur schwer anders zu verstehen als unter der Annahme eines geozentrischen Weltbildes. Aber auch hier sind alle den Sternen gemeinsamen Bewegungen zu beschreiben. dass sich diese verschiedenen Bewegungen aufeinander abgestimmt darstellen lassen. gerade weil inzwischen sehr präzise Messungen zu der scheinbaren Bewegung der Fixsterne um die Erde vorlagen. Nun ist die Präzession der Äquinoktien. und zu fragen wäre. die derart um die Erde zu taumeln scheint. Eines der für ihn zentralen Elemente seines Beweises ist dabei das der mathematischen Anschaulichkeit. Und selbst so eine kleine. ein alternatives Konzept zu der Vorstellung einer im Zentrum des Kosmos ruhenden Erde war auf Grund der vorliegenden Daten eben nur bei einer anderen Auffassung von den Dimensionen des Kosmos plausibel. muss uns dann im Weiteren noch eingehend beschäftigen. obwohl so zugleich auch die Ekliptik und die Tierkreiszeichen und damit der Himmelsäquator halbiert werden. Nach den Bahnschätzungen des Hipparchos. als sie für Ptolemaios annehmbar schien. So erklärte Aristoteles die Fallbewegung der Objekte auf der Erde und die Flugbahn eines von der Erdoberfläche weg beschleunigten Körpers. Kapitel diskutiert Ptolemaios dann. Dabei weist er die Auffassung zurück. Erst dann. kann diese jetzt nicht selbst in einer Bewegung sein. Für diesen strebten auf der Erde alle Dinge an ihren natürlichen Ort. der die Mondbahn relativ genau. ob die Erde selbst in Ruhe ist oder sich selbst um sich bewegt. . So ist ja eine Armillarsphäre möglich und in ihr sind all die verschiedenen Bewegungen der Himmelssphäre nach einem Muster darstellbar. war das Universum aber eben nicht unendlich dimensioniert. Im 7. müsste eine Verschiebung in der Position der Fixsterne gegenüber der Erdbewegung dargestellt werden. Da jeder Punkt der Erde auf ihr Zentrum hin bewegt ist.4. langfristig wirkende Bewegung ist so als eine Bewegung der Sphäre um die Erde zu beschreiben. Stünde – so schreibt er – die Erde nicht im Zentrum des Universums. das ist das Zentrum des Universums und demnach der Mittelpunkt der Erde. eine Verschiebung der gesamten Fixsternsphäre. dass sich die Erde selbst unter der Fixsternsphäre bewegen sollte. Die Fixsternsphäre umschloss – wie es schon Archimedes formulierte – ein im Vergleich doch nach dem Maßstab der Entfernung von Erde und Mond zu bemessendes Universum. dass sich die Erde überhaupt in Bewegung befinde. Wir müssten dann also mehrere Bezugsgrößen annehmen. wenn auch in einer sehr langen Periode. So ist die exakt erscheinende Abbildung der Rotation der Fixsternsphäre. Die Rotation der Zirkumpolarsterne macht augenfällig.

und Kosinustabelle und erlaubt. die Bahnbewegungen zu errechnen. wie auch mit der . die Sternenbewegungen dann auch auf sie zu beziehen und damit dem Bezugsrahmen für eine astrologische Interpretation von Sternenbewegungen der Boden entzogen wurde.288 4 Die griechisch-römische Antike Am Ende des ersten Buches findet sich dann eine Tabelle der Sehnen und damit die Darstellung der grundlegenden trigonometrischen Vorstellungen und Instrumente. Dass zudem in einem Kosmos. Die eigene Position auf der Erde war damit unter dem Fixsternhimmel zu berechnen. auf solch einer Erde konnte auch eine Kartierung der eigenen Position. Diese Tabelle der Sehnen entspricht in ihrer Funktion einer modernen Sinus. dass sie von der Erde avisiert werden konnten. beschrieben als eine Darstellung der Bahn vor dem sich bewegenden Fixsternhimmel – in ein mathematisches Modell umzusetzen war. in der die Beobachtungen nun nicht einfach nur in möglichen Regelmäßigkeiten registriert und als Daten verfügbar gemacht wurden. auf die er im seinem weiteren Text zurückgreift. dass sich die Sonne auf einer exzentrischen Kreisbahn um die Erde bewegt. sondern entortete den Menschen. in denen nun eine ggf. sondern die Sonne im Mittelpunkt stünde. mit den geometrischen Mitteln. Auf einem sich in einem kleinen Kosmos bewegenden Planeten Erde war nicht nur die Symmetrie der mathematisch darzustellenden Bewegungsvorstellungen gefährdet. Im Weiteren behandelt Ptolemaios dann – Hipparchos folgend – die Bewegung der Himmelskörper um die Erde. das es erlaubte. der sich unter den Sternen seinen Ort zu bemessen suchte. Positionen zu beschreiben und damit den Sternhimmel auch für eine Bestimmung der eigenen Position auf der Erde verfügbar zu machen. Zumal wir. darzustellen ist. ist dann ebenfalls mit zu bedenken. Hier zeigt sich im Almagest die Höhe der mathematischen Astronomie des griechischen Raumes. das ganze System von Polkoordinaten und deren Darstellung mittels astronomischer Beobachtungen in Frage gestellt werden. komplex gekoppelte Bewegung – der Planeten um die Erde. welche Widerstände gegenüber einem Denken erwachsen mussten. das die Erde aus dem Mittelpunkt des Kosmos in eine Stelle verweisen musste. die Ptolemaios für seine Positionsberechnungen und die Darstellung der Bahncharakteristika der von ihm beschriebenen Himmelskörper benötigt. wobei dieses auch bei Ptolemaios selbst dessen Verständnis der Astronomie untersetzt. eine analytische Darstellung der Winkelberechnungen. ausgehend von Ptolemaios. nicht zuletzt auch auf Grund von dessen im Weiteren breit rezipierten astrologischen Darstellung. Die Sterne zeigten dadurch. die Position des Beobachters auf der Erde selbst. und deren relative Bewegung auf der Erde ja nach den vorliegenden astronomischen Modellen rückrechenbar war. Im dritten Buch des Almagest diskutiert er die Irregularitäten der Sonnenbewegung. Wir hatten dies schon bei Eratosthenes und Hipparchos beschrieben und finden nun bei Ptolemaios im Weiteren in seiner Geographie dann auch diese Umsetzung des mathematisch astronomischen Denkens formuliert. Von hierher wird dann auch noch einmal deutlich. sondern ein Nebeneinander von astrologischen und astronomischen Darstellungen und Einsichten finden. Er zeigt. vielmehr diese Daten als Bahndaten beschrieben wurden. in dem nicht die Erde. dass diese sowohl durch die Vorstellung. Die Himmelskörper erlaubten nicht etwa nur mehr eine fiktive Zuordnung zu einem kosmischen Gesamtgeschehen darzustellen. in der dann diese Sicherheit verloren war. Eine bewegte Erde entthronte nicht Gott. nicht ein Gegen-.

der seinerseits um die Erde kreist. der in der Mitte zwischen beiden Referenzpunkten liegt. denn für den Merkur musste Ptolemaios ein mehrstufiges Epizyklenmodell annehmen und zudem die Bewegungen dieser Teileinheiten gegeneinander setzen.55). Im Buch fünf des Almagest. Die hier zu findende mathematische Konstruktion ist kompliziert. die so wieder ins Zentrum des Universums gesetzt ist. so erhält man den Punkt. wie er mittels der Armillarsphäre die Mondbewegung beschrieben hat. wenn nicht als reine Kreisbewegung. dessen Mittelpunkt sich auf einem Epizykel bewegt. auf einem Epizykel bewegt. Insgesamt ergibt sich so ein hochkomplexes. Entsprechend benötigt er dann auch zwei Epizykel. dass sich unter beiden Annahmen die Bahn der Sonne zufriedenstellend errechnen lässt. wie letztlich mit einem Modell gearbeitet wird. Dabei entspricht deren Abstand der Strecke von dem Erdmittelpunkt zum Mittelpunkt der Drehbewegung der inneren Bahn des Exzenters um die Erde (Abb. sondern ein Punkt auf der Geraden. Dieser Gleichgewichtspunkt ist durch den Mittelpunkt der Erde markiert. des Mondes und der Planeten aufzugeben ist. 4. auf den er sich in seiner Geschwindigkeit ausrichtet. nicht einfach durch eine Kreisbewegung zu beschreiben ist. Er zeigt auf. da hierbei einfacher und damit mathematisch eleganter zu formulieren ist. In Bezug auf die Darstellung der Bewegung des Mondes und der Planeten erweitert Ptolemaios die bisherigen Vorstellungen. Kriterium für die Annahme einer Hypothese ist demnach ihre Übereinstimmung mit den Daten und ihre innertheoretische Geschlossenheit. dass sie sich. Hier wird deutlich. die über der Linie zwischen dem Bewegungszentrum des sich um die Erde bewegenden Epizykel und der Position der Erde aufzuspannen ist. Nur dass diese Strecke gegenläufig von der Erde weg auf dieser Geraden aufzutragen ist: Verlängert man auf dieser Geraden die Linie von der Erde weg um diese Strecke.4. dass diese beiden Hypothesen äquivalent sind. bespricht er zunächst. so doch als Resultierende verschiedener Kreisbewegungen beschreiben zu können.56. wie die Planeten. in dem es um eine dezidierte Fassung der Bewegungen geht. der Mittelpunkt seiner Bewegung. wobei eben nur der platonische Ansatz verfolgt wird. die Bewegung. Er bevorzugt aber die Exzenter-Theorie. Der Epizykel bewegt sich auf einem exzentrischen Kreis. vgl. Für die Planeten reicht dabei eine einfache Konstruktion mit einem Epizykel hin. auf. Wobei eben das Argument einer vereinfachten oder theoretisch ansprechenderen Darstellung ein Argument für die Schlüssigkeit einer theoretischen Darstellung gibt. dem zweiten der drei Bücher. 4. sondern dieser gegenüber sondern zwei Anomalien zeigt. geometrisch in sich allerdings stimmiges Modell. dass die Bewegung des Mondes. Abb. Hier war die Theorie um einiges komplizierter. Das bedeutet. das auch die astronomischen Daten zuverlässig abbildet. Der neue Bezugspunkt formuliert eine Art von Gegenexzenter und wichtet so den Punkt.2 Astronomie und Geographie der griechischen und römischen Antike 289 Annahme. auf den hin sich die Geschwindigkeit der Bewegung des Objektes auf dem Epizykel bestimmt. Er zeigt nun. Zudem führt er noch eine weitere Modifikation ein. ohne dass doch die elegante Theorie der exzentrischen Bahnlagerung der Sonne. aber in Bezug auf die Wichtung der Erde in ihrer exzentrischen Position elegant. . Nur die Bewegung des Planeten Merkur ist nach dieser Theorie differenzierter zu zeichnen. um die Mondbewegung in seinem Modell darzustellen: Der Mond bewegt sich demnach auf einem Epizykel. ist nun aber nun nicht der Mittelpunkt des Epizykel. die sich dem Mond widmen.

um den sich der Epizykel bewegt.55 Illustration zu den Aussagen des Almagest zu den Momenten. Dabei bewegt sich der der Referenzpunkt auf dem inneren Kreis zwar in derselben Geschwindigkeit wie der entsprechende Referenzpunkt auf dem exzentrischen Kreis. dessen Zentrum aber bewegt sich auf einem exzentrischen Kreis. aber er bewegt sich in umgekehrter Richtung . der Planet bewegt sich auf einem Epizykel.56 Darstellung der Bahn des Merkur nach Ptolemaios. dessen Zentrum sich selbst bewegt. in denen sich die Bahnen der die Erde umkreisenden Planeten bezogen auf diese beschreiben lassen Abb.290 Pc 4 Die griechisch-römische Antike Pc N Po Ω R Po Neigu ng de s Exze Exzenter nters O Po Po Ω S Pc Pc Ekliptik Abb. 4. 4.

der als möglicher Konstrukteur des Räderwerks von Antikythera diskutiert wird. Vorstellungen über die Korrelationen von Veränderungen am Sternenhimmel und den Krankheiten des Menschen durchziehen die gesamte Antike. Dargestellt ist ein kosmologisches Modell.) betrachtet. Seine Harmonik. das den Datenbestand der Astronomie in einem sinnvollen. So wird deutlich. eine Darstellung des musiktheoretischen Wissens. Und schließlich beschäftigt er sich in diesem Werk mit Analogien zwischen Musik und Astronomie. das mit den Befunden zu den Positionierungen der Himmelskörper in möglichst präzise Deckung zu bringen war. Dabei folgt Ptolemaios dem pythagoreischen Ansatz einer mathematischen Bestimmung von Harmoniereihen. dennoch gibt Ptolemaios an anderer Stelle eine vergleichsweise sinnvolle Schätzung des Monddurchmessers. und so konnte mit der Skaleneinteilung dieser Sphäre die Geltung der Modellvorhersagen am Modell selbst überprüft werden. dass dessen Abstand zur Erde während eines Umlaufs fast um ein Drittel variiert. Eine Abstimmung dieser Daten fehlt in seiner Theorie allerdings. Von Ptolemaios stammen ferner eine Optik. die in lateinischer Übersetzung erhalten ist. Im Kontext der stoischen Philosophie war die Astrologie eine wichtige Disziplin.und Tonartentheorie. Hier wird die Organisation der Welt als ein Organismus begriffen.4. eine wirkliche Vermittlung dieses Konzeptes mit der Theorie der Epizyklen fehlt allerdings. stellt die umfassendste Zusammenfassung des antiken Musikwissens dar. Dadurch. Wie schon am Weltbild des Poseidonios (etwa 135–50 vor Chr. basiert sein Ansatz zu einer Erneuerung der stoischen Philosophie in einer analogisierenden naturphilosophischen Konzeption. das nun auch die Variationen in den Bewegungsgeschwindigkeiten der einzelnen Himmelskörper abbildet. Tetrachord. die Intervall-. Die von Ptolemaios verwendeten mathematischen Hilfsmittel bestehen in einer durchgearbeiteten Sehnentrigonometrie. in sich konsistenten und in seiner Konstruktion eleganten Modell darstellt. eine Geographie sowie ein im Mittelalter sehr häufig übersetztes und benutztes astrologisches Werk. ein geometrisches Modell zu erarbeiten. und wie auch im Almagest finden wir auch in den Tetrabiblos des Ptolemaios einige seiner Auffassungen reflektiert. Sie behandelt die Akustik und Monochordlehre. war der Sternbestand auf diese Erde bezogen. ist aber gegenüber den konkreten Berechnungen der Pythaogoräer kritisch. der Tetrabiblos. Ptolemaios nimmt zwar das Konzept der Planetensphären von Aristoteles auf. dass die Erde im Mittelpunkt der Welt stand. Schon Hipparchos war wie Ptolemaios ebenfalls an Astrologie interessiert. dass es im Almagest zunächst darum ging. die uns überliefert ist. Dagegen tritt eine in unserem Sinne physikalische Erklärung der Bewegungen zurück. Zugleich wendet er sich gegen eine bloß nach dem Gehör erfolgende Festlegung von Intervallen und Tonarten. Hier findet sich dann auch – wie benannt – eine Sehnentafel. für die Einschätzung der Dimensionen des Kosmos Konsequenzen. wie der Sphärenlehre und den Harmonien in den Abstandsverhältnissen der Planeten. Dieses Modell war dann auch direkt in die Konstruktion einer Armillarsphäre umsetzbar.2 Astronomie und Geographie der griechischen und römischen Antike 291 Dabei hat dieses Modell. sie werden im Almagest entwickelt. werden doch die Bewegungszeiten auf geometrische Größen und damit auf reale Abstandsverhältnisse bezogen. der wie der perfekteste Or- . So ist nach diesem Modell die Bahn des Mondes so gelagert.

die den entsprechenden Elementen zuzuordnen waren. und entsprechend übertrug dann auch Ptolemaios seine Befunde zu den Bewegungsbahnen der Himmelskörper in Tabellen. Bedeutsam waren der Zeitpunkt des Aufscheinens eines Himmelskörpers im Bezug auf die Konstellationen der anderen Himmelserscheinungen und dessen Erlöschen am Sternenhimmel. der des Menschen. und zugleich aber auch. Zentraler Begriff für die Beschreibung dieser Zuordnung ist der Begriff der Sympathie. in denen solche Konstellationen vorhergesagt oder für die Vergangenheit rekonstruiert werden konnten. die zeigten. strukturiert ist. in denen nunmehr entsprechend den Bedeutungen. Diese aus dem babylonischen Kontext erwachsene Tradition blieb so. Sternkonstellationen fanden demnach im einzelnen Organismus ihre Entspre- . 4. im Sinne der mathematischen Astronomie des Almagest. dass diese beiden Traditionen sich schon in der hellenistischen Tradition neu verzahnt hatten. Ptolemaios offeriert die entsprechenden Tabellen der Konjunktionen und Oppositionen. über die Antike hinweg als eigenständiger Wissensbereich existent und verband sich zugleich mit der Medizin und eben auch immer wieder neu mit der mathematischen Astronomie des griechischen Kulturraumes. Deutungen möglich schienen. nach denen nun Vorhersagen über mögliche Reaktionen in der Welt darzustellen waren.4 Astrologie So war neben der Astronomie eben auch eine eigenständige Tradition der Astrologie zu verfolgen. Hier finden sich dann die Daten der sogenannten Ephemeriden. Besonders interessant waren hier die wechselseitigen Positionen des Mondes und der Planeten. Demnach stehen wir in einem Wirkgefüge mit der Natur und müssen uns so dann auch in dieser und auf diese hin ausrichten. jeweils bezogen auf die Konstellationen der anderen Sterne und Planeten. dass dieser Mensch im Mittelpunkt der Welt dann auch zum Maßstab und zum Ziel der Veränderungen der nach seiner Organisation ausgebildeten Umwelt wurde. der Astrologie finden. wann bestimmte Konjunktionen von Planeten aufzuweisen waren und wann bestimmte dieser Himmelskörper in Position zueinander standen oder stehen werden. die erwachsen aus den Traditionen speziell der babylonischen Sternbeobachtungen und Sterndeutungen dann insbesondere mit der Stoa wieder größeren Einfluss gewonnen hatte. und war in der Tradition der babylonischen Sternbeobachtungen von Beginn an in den griechischen Kulturraum übermittelt worden. das muss uns im Weiteren noch kurz interessieren.292 4 Die griechisch-römische Antike ganismus in dieser Welt. zeigt. scheint in solch einem Ansatz plausibel. in den Tetrabiblos. So ergab sich ein Raster von Zuordnungen.2. der Begründer der neuzeitlichen Theorie der Planetenbewegung zugleich noch Hofastrologe des Wallenstein und so zumindest in diesem Sinne einer der letzten Ptolemäer. In dieser Hinsicht ist dann selbst noch Johannes Kepler. Die Stoa sieht – wie dies Poseidonios in seinem Erneuerungsversuch noch einmal forcierte – All und eigene Existenz in einer umfassenden Abstimmung. Entsprechend waren Mondphasen und Sternkonstellationen in diesem Kontext zu deuten. Die Vorstellung. Dass wir damit bei Ptolemaios die für über mehr als ein Jahrtausend hinweg gültige Referenz des antiken Wissens der Astronomie.

die Welt der Ideen. So wird sie denn auch in der einfachsten der so gewonnenen Formen ihrer Darstellung zu einem bloß Materiellen. Dieses negiert zwar schon in seiner bloßen Existenz (an sich) das umfassende Prinzip einer ideell zu begreifenden Wirklichkeit. die sich am Museum in Alexandria etabliert hatte. und so waren – ganz der alten vorgriechischen Tradition entsprechend – Therapien nach Sterndeutungen hin abzustimmen. Diese Astrologen wurden derart bedeutsam. die die Idee der Analogie des Mikro. angewiesen. dass die Astrologen in Rom 139 v. um Heilpraktiken zu optimieren. Die Weltseele selbst nun formiert sich in Einzelseelen. Chr. womit sie in deren Auffächerung zunächst zerrissen erscheint. Plotin Plotin (205–270 n. Dieses All-Eine entlässt aus sich den Welt-Geist.) erfuhr in Alexandria seine Ausbildung. Die Schule des Hippokrates suchte hier die Einzelbeobachtungen der vorgriechischen Medizin für eine phänomenologisch ausgerichtete Medizin nutzbar zu machen. aber völlig unabhängig von der Medizinischen Schule. der in sich die wahre Welt. zu dem es sich derart abgrenzend verhält. Die Kaiser Augustus und Tiberius förderten dann sogar ganz explizit astrologische Studien. Im zweiten Jahrhundert vor Christus erscheinen dann mit dem Nechepso-Petosiris und Teilen des Hermes Trismegistos mythische naturphilosophische Texte. Chr. gegen das es sich absetzt.2 Astronomie und Geographie der griechischen und römischen Antike 293 chung. in der er den Neuplatonismus systematisierte. durch Edikt ausgewiesen wurden. Es galt Mondphasen und Sternkonstellationen zu nutzen. gründete Berossos – ein Bel-Priester aus Babylon – um 270 vor Chr. umgreift.4. was mehr ist als Vernunft oder etwa auch nur Gegenstand der Vernunft hätte sein können. So erfährt sich denn auch in dieser Abstimmung der zunächst gegeneinander abgesetzten Formationen der Weltseele . Selbst in der Folge des noch eingehender darzustellenden Mediziners Hippokrates gewann in der medizinischen Schule in Kos diese Zuordnung von Sterndeutung und Therapie Bedeutung. das das Ur-Gute darstellt. während die sinnlich erfahrbare Welt nur ein trügerisches Abbild dieser eigentlichen Wirklichkeit darstellt. Es gründet sich demnach in dem. gründete dann nach seiner Teilnahme am persischen Feldzug des Kaisers Giordan unter dem Kaiser Gallienus eine eigene Schule in Rom. erweist sich aber als bloßer Gegensatz auf das. In dieser Phase war die hippokratische Schule der Medizin schon längst etabliert und befand sich – wie noch zu berichten sein wird – in Auseinandersetzung mit einer physiologisch-funktionsmorphologisch ausgerichteten Medizin. zumal dann über die Einbindung der Provinz Ägypten Wahrsagerei und kultische Praktiken des Orients in zunehmendem Maße nach Rom einströmten. Die platonische Ideenlehre wurde von ihm gleichsam substanziiert. dann aber auch eine eigene Astrologen-Schule. Plotin zufolge gab es ein All-Eines. Gegen Ende der römischen Republik unter Varro werden sie dann aber wieder mit in der römischen Kultur wirksam. oder zumindest gesellschaftlich derart umfassend rezipiert. Dort auf Kos.und Makrokosmos aus verschiedenen Perspektiven bis in das Detail naturforscherischer Praktiken hin auszuformulieren suchten.

in der auch einzelne Horoskope beschrieben sind. In dieser Zeit erscheint dann auch ein erstes für uns greifbares astrologisches Lehrbuch. Demnach ist die Vielfalt des Wirklichen in der Abstimmung auf das Ganze einer derart in sich bestimmten Welt erfahren. der zufolge alle Natur nur mehr als Gleichnis für die Präsenz Gottes und dessen Attribuierungen zu verstehen sei. So wird in der Vielfalt die Welt als Einheit erfahren und in sich erfasst. kann uns hier interessieren. christlich umgedeutet und dann zu einer neuen Form mythologischer Naturbilder führt. werden dann mit Balbillus. die nun aber. Bekannt ist der um 200 nach Chr. Um 378 nach Chr. Die Astrologie. Poseidonius ist hier neu ein Beispiel. und so eben auch als Wissenspraxis gelehrt und als Wissenschaft formuliert. Weitere Autoren sind der noch in anderen Zusammenhängen zu besprechende Neuplatoniker Plotin und Porphyrios mit seinem Werk Isagoge. und strahlt auch in der Person der Astronomen in deren Überlegungen zur Organisation des Kosmos und zum Verständnis der Himmelsmechanik aus. die zum Teil umfassende Verbreitung erfuhren. Dabei geht diese Entwicklung einher mit einer zunehmenden Ausstrahlung der mythisch-mythologischen Vorstellungswelt Ägyptens. im zweiten Jahrhundert nach Chr. nutzt diese. der eine christologisch eingefärbte Natursicht formulierte. So werden diese als die aus dem Einen entlassenen Formen als Momente des Ganzen verstanden und derart in ihren Bestimmungen wieder auf dieses Prinzip zurückgeführt. Zentrale Referenz auch in der Antike gewannen schließlich die schon kurz besprochenen Tetrabiblos des Ptolemaios. dass das astrologische Lehrgedicht des Dorotheos bis in den indischen Raum hin ausstrahlte. und nur diese und nicht die Details ihrer Aussagen. aus dem heraus diese Wirklichkeit in ihre Einzelheiten finden kann. Spätestens seit Hipparchos bleibt sie mit der mathematischen Astronomie verwoben. Dabei konturiert diese Astrologie auch ein eigenes methodisches Raster und unterscheidet gute und schlechte Verfahren. fern der Entwicklung der Astronomie stehende Praxis. Im zweiten Jahrhundert nach Chr. die Astronomia des Manilius. als bloßes Erscheinen der hinter ihr liegenden Einheitlichkeit und Bestimmtheit beschrieben. verfertigte Physiologus.. Folglich ist denn auch die Dynamik der konkret erfahrenden Wirklichkeit begriffen und in ihrer bloß vordergründige Existenz.294 4 Die griechisch-römische Antike deren eigentliche Wirklichkeit – als ein sich in sich überführendes einendes Prinzip. . So ist bekannt. schließlich erscheint die Einführung in die Astrologie von Paulus Alexandrinus. Sie wird Teil eines Naturwissens und wird auch als solches rezipiert. erscheint dann die Anthologie des Vettius Valens. Noch im ersten Jahrhundert nach Chr. ist also keineswegs eine esoterische. Teukros von Babylon und Dorotheos von Sidon weitere astrologische Autoren greifbar.

In seiner in acht Büchern vorgelegten Einführung in die Geographie (Geographike hyphegesis) steht Ptolemaios ebenso wie in seinem großen astronomisch mathematischem Werk. Kleineberg. Marx. Grasshoff. . Hg. Mittels dieser Positionsdaten erstellte er – gleich Eratosthenes – seine Karte. Darmstadt 2010. Germania und die Insel Thule. 2 Bde. Stückelberger.57). Christus – et68 Vgl. die noch in einer einheitlichen Metrik gehalten waren. E. die sich eben mit Hilfe der nunmehr möglichen exakten Vermessung der eigenen Positionen auf der Erdkugel in einer ganz neuen Weise zu etablieren vermochte. in der noch das antike Wissen über den Osten der Welt einfloss..000 Stadien. Knobloch. G. D. 69 Als Text in neuerer Übersetzung verfügbar ist: A. die gegenüber der stärker verzerrenden Zylinderprojektion seiner Vorgänger eine wesentliche Verbesserung darstellt (Abb. dem heutigen Amasya. wirkte bis in die frühe Neuzeit hinein (Abb. Handbuch der Geographie. Dabei stehen China und Afrika über einen großen unbekannten Erdteil im Süden in Verbindung. die erst mit der beginnenden Renaissance wieder in dieser Dimension verfügbar wurde. In etwa parallel wirkte der aus vornehmer Familie in Amáseia. hierzu: A. Eratosthenes und schließlich Ptolemaios schufen hiervon ausgehend einen ganz neuen Typ einer wissenschaftlichen Geographie. Die Darstellung der Erde erfolgt hiernach in einer Kegelprojektion. Basel 2006. Die Entschlüsselung von Ptolemaios’ „Atlas der Oikumene“. 4. die so auch in ihren Details mittels dieser Daten zu rekonstruieren ist. Klaudios Ptolemaios. so blieben eine allgemeine und 26 Einzelkarten erhalten.5 Wissenschaftliche Geographie Neben einer Darstellung der Zuordnung von Sternen und Sternkonstellationen gewann die mathematische Astronomie aber vor allem auch Bedeutung für die wissenschaftliche Geographie. wie sie Eratosthenes und Ptolemaios vertraten. war nun aber nicht exklusiv für das Verständnis einer naturgeschichtlichen Geographie. Den Erdumfang berechnete Ptolemaios dabei wie Poseidonios und Marinos von Tyros auf 180. Die Karte des Ptolemaios reicht von den Kanarischen Inseln und Island im Westen bis nach Ostasien. stammende griechische Historiker und Geograph Strabon (63 v. in der Tradition des Hipparchos. Seine Kartendarstellung war allerdings eine Innovation: Ptolemaios nutzte erstmals die Kegelprojektion.69 Das Weltbild des Ptolemaios zeigte eine Welt.4. C. der Null-Meridian bei den Kanarischen Inseln. Demnach wird der Indische Ozean seiner Auffassung nach zu einem Binnenmeer. und unterschritt damit den weit besseren Wert des Eratosthenes. Wie dieser und wie Eratosthenes beschreibt er eine mathematische Geographie und gibt hierzu etwa 8000 Ortsbestimmungen nach geographischer Breite und Länge an.2. 4. Erhalten sind aus der Spätantike allerdings auch mehrere seiner Kartendarstellungen.58). Lelgemann. dem Almagest. Diese Vorstellung der Welt. wie bei seinem Vorgänger Marinos von Tyros. Entsprechend sind dann auch seine Positionsangaben und seine Aussagen über die relativen Größen der von ihm beschriebenen Erdteile verschoben.2 Astronomie und Geographie der griechischen und römischen Antike 295 4. und auf Grund der Vermessungen der römischen Ingenieure auch aus dem Westen detaillierte Positionsdaten überlieferte und zudem auf Messungen aufbauen konnte. Der Entwurf einer kartographierenden Geographie.68 Dabei liegt für ihn. Aristarch.

Ägypten. Diese Erfahrungen arbeitete er zu einem umfassenden Reise. wie sie von Lienhart Holle 1482 in Ulm gedruckt wurde wa 26 nach Chr. Aus dieser Darstellung schöpfen wir weitergehende Kenntnisse der antiken Geographie und auch der seinerzeitigen Darstellungspraxis für eine wissenschaftliche Länderkunde. In 17 Büchern behandelt Strabon in diesem Werk die Grundlagen der wissenschaftlichen Geographie und gibt historische. schrieb er dann eine historische Arbeit. Die Möglichkeiten. ans Rote Meer und bis an die Grenze Äthiopiens. die eben weit über die bloß kartographische Erfassung von Topographien hinausging. einer inhaltlichen Bestandsaufnahme.57 Darstellung der Weltkarte des Ptolemaios. in einem politisch gesicherten Bereich große Teile des von Eratosthenes beschriebenen Bereiches der Welt in eigener Anschauung kennenzulernen. 4. die das Weltreich Roms für den Begüterten bot. ethnographische und mythologische Beschreibungen der damals bekannten Länder. seine sogenannten Historischen Kommentare. die herüberweist zu den naturgeschichtlichen Darstellungen. Seine Studienreisen führten ihn nach Armenien. und 7 n. nutzte Strabon. Neben eigenen Beob- .296 4 Die griechisch-römische Antike Abb. die aber uns nur in wenigen Bruchstücken erhalten sind. Dagegen ist seine Darstellung der Geographika zu großen Teilen überliefert. die wir im römischen Bereich selbst erwachsen finden. Chr. Chr. Sein Bild der Geographie ist das einer narrativen Landeskunde.und Kulturführer um.). Syrien. In den Jahren zwischen 27 v.

wenn er sie auch als solche vermerkte. wahrscheinlich aus dem kleinasiatischen Raum. Daran an schließt sich eine Darstellung des Nil mit seinem Einzugsbereich sowie die Beschreibung der Hauptstadt Alexandria und einiger benachbarter Orte. Der erste behandelt Ägypten und beginnt mit einer kurzen Übersicht Ägyptens und Äthiopiens. die allerdings nicht völlig mit dem Katalog des Ptolemaios übereinstimmen. Da sich hier exemplarisch die Art der Darstellung der Welt und die Art und Weise eines antiken Naturberichtes fassen lässt. Dennoch aber listete er auch für ihn zweifelhafte Angaben mit auf. Das Buch schließt mit einer Darstellung der Kriege der Römer in Ägypten und Äthiopien.2 Astronomie und Geographie der griechischen und römischen Antike 297 Abb. Er zeigt 48 Sternbilder. neben dem Atlas Farnese in Neapel (der um Christi Geburt datiert) ist dies der einzige erhaltene Himmelsglobus mit erwähnenswerten Sterndarstellungen aus der Antike. veraltet und von den seinerzeitigen Einstellungen der Berichtenden geprägt seien. bewertet und tradiert wurden. möchte ich hier ohne umfassende Kommentierung eine Passage aus dem 17. Zudem zeigt er die bisher erste Darstellung der Milchstraße. Dieser vergleichsweise kleine Globus zeigt nördliche und südliche Sternbilder. Insoweit ist die relative Genauigkeit der Positionen der Sternbilder besonders bemerkenswert achtungen nutzte er dazu auch ältere geographische Werke und Berichte von Zeitgenossen. Kanälen und wichtigsten Städten. 4. Es folgen Kapitel über die Geschichte der Ptolemäer.. die jetzige Verwaltung Ägyptens. . sowie eine Darstellung der politischen Verhältnisse gegen andere Völker. wie Informationen gehandelt. Dabei ist er keine wissenschaftliche Arbeit. wobei er betonte. mit dem See Möris und den Bereichen des Niltals.58 Rekonstruktion des Mainzer Himmelsglobus – Fund aus dem Zeitraum zwischen 150– 220 nach Chr. Ägypten oberhalb des Delta von Memphis und den Pyramiden bis zu dem Bereich Syene und Philä. Buch des Strabon wiedergeben. und somit auch deutlich wird. Das Buch erschien in drei Abschnitten. das Küstenland und das Delta mit seinen Seen. sondern diente wohl der Bekrönung des Gnomons einer Sonnenuhr.4. dass diese von ihm aufgenommenen Angaben durchaus ungenau.

Ueber der Insel Meroe aber sei noch eine andere Insel. Megabarern. Die Seite Aigyptens längs dem Meere von der Pelosischen Mündung zur Kanobischen hält tausend und dreihundert Stadien. nach diesen durchreisen wir dann Libye. wovon die grössere oder geringere Ergiebigkeit abhängt. am Meere die Troglodyten oder Höhlenbewohner. der andere Astapus. Jene Troglodyten aber seitwärts Meroe’s sind vom Neilos zehn oder zwölf Tagesreisen entfernt. und beim letzten zugleich Einiges von Aigyptos. und andere fünftausend und dreihundert zum Meere. zuerst Vergleichung mit Aethiopien hinsichtlich des Nils. welche die sehr grosse Insel Meroe umschliessen. macht er eine zweite Wendung. und weit in Libye vorgedrungen. von seinen Quellenflüssen in Aethiopien. müssen wir noch die übrigen und diesen Völkern anliegenden Länder. und strömt wieder gegen Norden. zugleich wenig ausbeugend gegen Morgen. ich meine jene um den Neilos. von Meroe anbeginnend bis zu den Umbeugungen. mitgenommen. aber schon den Aigyptiern begrenzt. sie haben eine Frau zur Königin. der Neilos sei vom Arabischen Busen neunhundert oder tausend Stadien gegen Westen entfernt. von Meroe etwa zweitausend und siebenhundert Stadien gegen Norden hinabgeflossen wendet er sich wieder gegen Süden und den winterlichen Untergang auf dreitausend und siebenhundert Stadien. so beinahe gegen die Orte um Meroe gelangt. die Troglodyten und folgenden Länder bis zu des Zimmtlandes Enden umwandert haben. gleichsam Ankömmlinge. den Aithiopen gehorchend. denn der Astapus sei ein anderer. nicht den Aithiopen untergeordnet. der eine. Dem Strombette des Neilos zur Linken wohnen in Libye die Nuben. Diese heissen Sembriten. einige aber nennen ihn Astasobas. Denn. und zwar fünftausend und dreihundert Stadien bis zum grossen Wassersturze. heisst Astaboras. Ausführliche Beschreibung Aegyptens. Siebenhundert Stadien oberhalb der Vereinigung des Astaboras und Neilos liege die der Insel gleichnamige Stadt Meroe. darstellen. gehorchen aber dem Könige in Meroe. . Die Länder beiderseits unterhalb Meroe bewohnen längs dem Neilos gegen das Rothe Meer die Megabarer und Blemmyer. ein grosses Volk. von der Insel und Stadt Meroe und den benachbarten Völkern. den Sembriten. Nachdem wir Arabia durchwandernd auch die dasselbe einschließenden und zur Halbinsel machenden Meerbusen. unserer ganzen Erdbeschreibung letzten Theil. In ihn ergiessen zwei aus einigen Seen von Morgen her strömende Flüsse. welche die von Psammetichos abgefallenen Flüchtlinge der Aegyptier bewohnen. Dieses also berichtet Eratosthenes. des Bodens und der Lebensweise der Menschen. Troglodyten und Nubiern. und gegen die Mündung dem umgekehrt liegenden N (y) ähnlich. Dieser sagt. sondern für sich in mehre Königreiche vertheilt. Aegyptens Verfassung und mehrfache Eintheilung und sorgfältige Vermessung des Landes. Des Eratosthenes Nachrichten vom Laufe des Nils. Auch hier müssen wir des Eratosthenes Angaben voranstellen. und von Aithiopia. welcher aus einigen Seen von Süden strömend fast auf gerader Linie des Neilos Körpermasse bilde. sagt er. auf der östlichen Seite strömende. seine Anschwellung aber bewirken die sommerlichen Regengüsse. dann tausend und zweihundert zum kleineren bei Syene.298 4 Die griechisch-römische Antike Der Paragraph 1 beginnt wie folgt: Übergang auf Ägypten und Libyen. Blemmyern. Natürliche und künstliche Bewässerung durch den Nil. den Persischen und Arabischen.

Denn nachdem sie einen König erwählt. und eben diesen in den Ueberschwemmungen bedeckten Theil bewohnbar zurücklässt. und das Volk dreifach abgeschieden hatten. und als es nur acht füllte. Der Neilos demnach verschafft sowohl diesem als dem zunächst und über ihm folgenden Lande der Aethiopen einige gemeinschaftliche Vortheile. wie das ganze. Wiederum enthielten die Landgaue andere Abschnitte. Denn schon von Natur bringt das Land viele Frucht. dieser aber sind weniger als sechs und dreissig. war die grösste Ergiebigkeit. so dass auch ihre Einrichtungen kundig werden. noch er allein. aber Bemühung ersetzte oft. so dass auch bei geringeren Anschwellungen durch die Kanäle und Eindeichungen eben soviel Land getränkt wird. die kleinsten Teile waren die Felder. Jene hingegen der menschlichen Dinge. Aigyptos hingegen er allein. grössten Theils als Wanderhirten und in Armuth wegen des Landes Unfruchtbarkeit und der ungemässigten Lufthitze und Entlegenheit von uns. noch ein schön bewohntes Land. erfolgte Hungersnoth. Denn sie leben von jeher staatsbürgerlich und gesittet. als Palasthallen im Labyrinthos. und zwar so. von Natur tränkt auch die grössere Anschwellung mehr Land. bemerkte . den Aigyptiern hingegen ist von Allem das Gegentheil geworden. und auch Diese wieder in andere Abschnitte. Die Arbeiten hingegen um den Strom sind so verschieden. weil sie des Landes Trefflichkeit durch weise Eintheilung und Sorgfalt vortheilhaft zu benutzen scheinen. wie die Rechenkunst und Zahlenlehre bei den Phoiniken wegen des Handels. wenn aber auf acht. indem er wegnimmt und zusetzt. und zuvörderst über Aigyptos. wodurch Fremdes vom Eigenen unterschieden wird. und wohnen in bekanntem Lande. so auch jedes Landgaues Volk abgetheilt. dass Einige des Krieges. welche der Neilos während seiner Anschwellungen bewirkt. übernahmen. bis zu den Ergiessungen des Neilos ins Meer. Diese zu Besorgern der heiligen. und in gerader Richtung. wo Aigyptens und Aithiopiens Grenzen sind. als bei grösseren.2 Astronomie und Geographie der griechischen und römischen Antike 299 Aber wir müssen ausführlicher reden. was die Natur versagte. Des Landes erste Eintheilung war jene in Nomen oder Landgaue. vom kleinen Wassersturze über Syene und Elefantine beginnend. Als aber jener das Land verwaltete. und das ganze. von Diesen wurden auch die Einkünfte aufgebracht für den König. zehn das Land im Delta. die Andern zu Feldbauern. Ferner leben die Aithiopen. hingegen alles höhere und beiderseits über das Strombette sich erhebende und eben wegen des Wassermangels wüste und unbewohnte Land nur durchströmt. denn die meisten waren in Ortskreise abgetheilt. Es bedurfte aber dieser genauen und ins Kleine gehenden Abtheilung wegen der beständigen Verwirrung der Grenzen.4. und waren Gesellschafter der Könige. Dreifach aber war. es muss also wieder und wieder gemessen werden. wenigstens jetzt. noch in gerader Richtung. bestimmten sie die Einen zu Kriegern. als die Besiegung der Natur durch Bemühung erfordert. Daher soll dort auch die Messkunst entstanden sein. und des Neilos Maass nur zehn Ellen füllte. und die Gestalten verändert und die übrigen Zeichen vernichtet. weil auch das Land in drei gleiche Theile gesondert war. sechzehn das Zwischenland. getränkt aber mehr. Andere alle Geschäfte des Friedens. sowohl Feld als Künste. indem er Beide tränkt während der Anschwellungen. Die Priester aber übten auch Weltweisheit und Sternkunde. Aber weder das ganze Aithiopia durchströmt der Neilos. wenn der Neilos auf vierzehn Ellen stieg. zu Priestern die Uebrigen. zehn enthielt Thebais. um vom Bekannteren zum Entfernteren fortzuschreiten. So war vor Petronius Zeiten die grösste Ergiebigkeit und Anschwellung. sogar rühmt man sie. nach Einigen aber waren der sämmtlichen Landgaue so viele.

seines Laufs. Es gleicht also. weil sie der erwähnten Gestaltung Anfang ist. und schneller da. So wird durch das Meer und des Stromes beide Arme eine Insel abgeschnitten. welches durch Berge eingefasst einem Bandstreifen gleicht. sowohl beträchtliche Städte als Flecken. denn viele schon von den ersten Theilen ausgehende und durch die ganze Insel vertheilte Nebenarme bildeten viele Flussbetten und Inseln. dass sie versumpft. wie bei dem den Arsinoitischen Landgau und See Moiris machenden Kanale. Dies sind also jene zwei Mündungen des Neilos. man nennt sie auch nebst den gegenüber liegenden Uferflächen des Delta das Niederland. und wegen der Aehnlichkeit ihrer Gestaltung Delta genannt. welche mit solcher Leichtheit befahren werden. Durch die Anschwellungen des Neilos wird sie ganz überdeckt. den einen zur Rechten gegen Pelusion. weil Kanäle aus Kanälen gezogen waren. Auch der dort liegende Flecken heisst Delta. so dass das ganze Delta beschiffbar wurde. den andern zur Linken gegen Kanubon und das nahe so genannte Herakleion. jetzt wollen wir das Uebrige beschreiben. Uebrigens hält die ganze Insel im Umfange ungefähr dreitausend Stadien. welche von fern gesehen Inseln gleichen. Der Neilos nämlich strömt von den Aithiopischen Grenzen auf gerader Linie gegen Norden bis zur so genannten Landschaft Delta. bildet er diese Gegend gleichsam zur Spitze eines Dreiecks. nur das von Aithiopiens Grenzen bis zu des Delta Spitze herabreichende. dem Neilos beiderseits erreichbare. In gleicher Weise wird auch das Land über dem Delta getränkt. mit Ausnahme der stärkeren Ausbeugungen. nimmt es eben so mälig Abzug. deren eine die Pelusische. welche er tränken kann. Zwischen Diesen aber sind fünf andere Ergiessungen. innerhalb sechzig Tagen aber wird das Flachland völlig entblösst und abgetrocknet. §4 Ausführliche Beschreibung des Nils. aber auch mehre schwächere. und seiner Bewässerung des beiderseitigen Flachlandes. Je schneller die Abtrocknung. denn diese sind entweder auf natürlichen Anhöhen oder auf Schutthügeln erbaut. So beschaffen ist Aigyptens Anordnung. ausser den Wohnorten. die andere die Kanobische und Herakleiotische heisst. desto schneller das Pflügen und Säen. es sei denn. wo die Hitze grösser ist. und zwar beträchtliche. dass Einige sich sogar thönerner Fahrzeuge bedienen. Um kurz zu reden. dass hier und dort eine Insel begegne. als es die Anschwellung machte. dann gegen eine Scheitelspitze gespalten. wie Platon sagt. oder hier und dort eine stärkere Ableitung durch einen Kanal zu einem grossen See und einer grossen Landschaft. ausser dass der Strom auf gerader Linie von etwa viertausend Stadien in Einem Bette hinabströmt. einem auf der Länge zunehmenden Gurtbande. zur Grundlinie aber die Küste zwischen Pelusion und dem Herakleion. aber selten in ununterbrochen bewohnlicher Breite dreihundert Stadien haltende Flussland ist Aigyptos. welche ich bezeichne.300 4 Die griechisch-römische Antike Niemand Hungersnoth. seiner Mündungsarme im Delta. unter welchen die den Herakleotischen Landgau umfassende die beträchtlichste ist. und des Landes überhaupt. zu Seiten des Dreiecks aber die gegen beide Seiten gespaltenen zum Meere hinabgehenden Stromarme. Diese Gestalt des Flussthals. aber auch die Gegend an der Spitze ist gleichnamig benannt. Nachdem das Wasser über vierzig Tage im Sommer gestanden hat. und den in die Mareotis einströmenden. bewirken die beiderseits von .

Darmstadt 2010. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Claude Ptolemée. D. . New York 2010 E. R. Stuttgart 2005. Orbis Terrarum 4 (1998). G. R. Chicago 1987. Ptolemy in perspective: use and criticism of his work from antiquity to the nineteenth century. J. astrologue. Oxford 1971 A. Lelgemann. Ptolemaios und Porphyrios über die Musik. Abschnitt. die landeskundlich historisch und politisch untersetzt ist. Wodward. Dreyer. 49–244. R. Heath. E. 63–114. Goldstein. S. Studien über Claudius Ptolemaeus.de/Strabon/ Siebzehntes_Buch_Erster_Abschnitt. teilweise im Verweis auf ältere Autoren. T. Mineola 1953. B. 4. Insoweit zeigt Strabon.. Göteborg 1934.2 Astronomie und Geographie der griechischen und römischen Antike 301 den Orten um Syene bis zum Aigyptischen Meere hinablaufenden Berge. F. Lloyd. Hamel. L. New York London 1973. A History of Astronomy from Thales to Kepler. D. B. Geographica. 70 Dargestellt ist somit eine Landeskunde. The History of Cartography. Hg. Neue Jahrbücher für Philologie und Pädagogik. Hipparchus’ Treatment of Early Greek Astronomy. A. K. Early Greek astronomy to Aristotle. Supplementband 21.1 Weiterführende Literatur G. Astrology and Religion among the Greeks and Romans. Astronome. so weit beschränkt und ergiesst sich auch der Fluss. Die strabonische Kulturgeographie in der Tradition der antiken geographischen Schriften und ihre Bedeutung für die antike Kartographie. L. The history of Ptolemy’s star catalogue. S. New York 1990. F. Ithaca. A History of Greek Astronomy to Aristarchus. Jones. Denn wie weit Diese sich hinabziehen und von einander abstehen. . 1 Cartography in Prehistoric. C. immer aber orientiert an einer geographischen Feingliederung. D. J. In: Proceedings of the American Philosophical Society 135 (1991). Aristarchus of Samos. Die Erfindung der Meßkunst. NY 1985 J. The Ancient Copernicus. Dicks. Graßhoff. Buch. Heath. The Case of Eudoxus and the Length of Daytime. Künzl. zit. 17. Ancient and Medieval Europe and the Mediterranean. Greek Science after Aristotle. London New York 1932. Boll. Bowen. Aujac. Greek Astronomy. Himmelsgloben & Sternenkarten: Astronomie und Astrologie in Vorzeit und Altertum.. New York 1912. S. München 2002. Eratosthenes von Kyrene. Bd. wie sich das kartographische Skelett der Topographie in den Jahren um Christi Geburt auch hinsichtlich der inhaltlichen Groborientierung füllen und in einem Wissenschaftsbereich der Geographie vermitteln ließ. und gestaltet das bewohnbare Land verschiedentlich.2. Paris 1993. T. Harley. Engels. 233–254. Hg.5. . 1. Ein Beitrag zur Geschichte der griechischen Philosophie und Astrologie. 70 Strabo. nach: http://www. I. Geus. Düring. Angewandte Mathematik im Antiken Griechenland. G. Stuttgart 2002 J.html. Jenes aber jenseits der Berge ist auf weithin unbewohnt .2. Leipzig 1894. Aufl. 2.4. Cumont. géographe. E. Geschichte der Astronomie.manfredhiebl.

Stückelberger. für diese Art tradierter Wissensbestände besonders interessant. Neugebauer. Ergänzungsband. Eratosthenes von Kyrene als Mathematiker und Philosoph. Asklepios. in dem Wissen um Verfahren. Praktiken. Handbuch der Geographie. in denen ein Zahlenraum erschlossen und damit Bezüge zwischen Naturgrößen in einer ganz neuen Weise betrachtet wurden. Theile.302 4 Die griechisch-römische Antike O. E. die wir schon in der Darstellung des Magischen skizzierten. Einführung in die historische Geographie der alten Welt. in der die Naturreaktionen als Größen bemessen. systematisiert und weiterentwickelt wurden. P. Handlungen auszurichten und die so am Handlungserfolg zu bemessen waren. in denen es darum ging. sein eigenes Vorgehen systematisiert und als Verfahren reflektiert. Damit wurde nun aber nicht das gesamte Naturwissen auf eine Darstellung solch mathematischer Relationen reduziert. Therapien und Techniken nun ggf. New York 1975. Dabei blieben die Bereiche. E. Zugleich werden damit Berechnungsverfahren als Operationen begriffen. G. Hier zählt der Therapieerfolg. So verliert sich denn auch dieses Wissen nicht in der Mathesis Platons.3 Medizin in der griechisch-römischen Antike Noch einmal führt uns die Geschichte zurück in den Beginn des naturphilosophischen Denkens der griechischen Antike. 3 Bde. in der Befundungen. auch eine Tradition des Erfahrungswissens zu kennzeichnen. Wolfer. nicht die Organisation der tradierten Wissensbestände. Und so können wir in der Naturkunde eine Traditionslinie nachzeichnen. nach denen wir bis heute Naturordnungen kennzeichnen und so dann auch die Größen definieren. Für diesen Bereich einer Sicherung der deskriptiven Wissensbestände steht die Medizin. Diese Systematik gibt aber einen neuen Rahmen. wie sich das naturphilosophische Denken zusehends von den überkommenen Denkmustern der Mythologie ablöst. A history of ancient mathematical astronomy. Wir hatten verfolgt. bei Homer noch ein . derart dann aufeinander bezogen und so in ihren Gesetzmäßigkeiten beschrieben werden. F. Zürich 1954 4. Leipzig 1898. die tradierten Kenntnisse. Allerdings ist der spätere Gott der Heilkunde. Antike Himmelsbilder. in einen neuen Kontext eingebunden wird. Darmstadt 1991. Klaudios Ptolemaios. in der unabhängig von den Bestimmungen neuer Wissenszusammenhänge das aufgehäufte Einzelwissen weitergegeben wurde. Im Resultat gewinnen sich damit die Bestimmungen des Mathematischen. Praktiken und Fertigkeiten vermittelt. er fordert vielmehr – wie wir noch sehen werden – das tradierte Einzelwissen eben nur neu zu ordnen und damit auch neu zu bewerten. Vielmehr bleiben. unabhängig von dieser Entwicklung. Mittenhuber. Dabei weist die Medizin mit dem in ihr tradierten Erfahrungsschatz zurück in die Zeit des Mythos. in denen wir Naturdinge bemessen. So ist dann neben dieser Entwicklung. Basel 2009. Olshausen. erhalten: Der Wissensfundus eines Schamanen kann durch die Darstellung einer möglichen Systematik des etwaig von ihm gesammelten Wissens ja nicht einfach ersetzt werden.

selbst einen Altar für einen noch unbekannten Gott. (Mk 12. Wir streifen hier eine vielfältig angelegte Kultur. Erst dann. fortlaufend neue kulturelle Einflüsse integrierte. durch Raub oder auch durch Kauf und Kopie. zeigt nur. Das Pantheon in Rom gibt ein direktes Zeugnis dieser Art. die aber. blieb aber selbst ohne wirklich eigenständige Entwicklungen. wenn auch zugleich ein trefflicher Arzt.15 ff. die sich mit ihrer Kultur nur durch eine massive ökonomische Präsenz behaupten konnten – und dies gewährte ihnen ihr Handel – steht da in einer Ausnahmestellung. die zum einen in bestimmten Eliten die hier nachzuzeichnende Diskussion um Wissen und Wissenschaften über Jahrhunderte forttrug. ggf. Im Gegensatz zu den Persern. ob dem römischen Kaiser nicht aus religiösen Gründen die Kopfsteuer zu . sind für diese Kulturbereiche politische Umschichtungen weniger bedeutsam. es tolerierte das Andere. als die lokalen Ökonomien sich zunehmend in ein eben auch ökonomisch zentriertes politisches Gefüge zu integrieren hatten. die sich eigenständig neben dem Staatskult behaupten wollten. Das Wort „gebt dem Kaiser was des Kaisers ist“. nach dem Selbstzerfleischen dieser Kultur im peleponnesischen Krieg. Nicht dass damit eine später verlorene weltanschaulich/religiöse Toleranz dingfest zu machen wäre. für die der Küstenbereich des Mittelmeeres eher periphere Bedeutung hatte.4. Dabei definierte sich Rom zumindest ab dem Ende der Republik kulturell als Nachfolger des von ihm politisch gleichgeschalteten Griechenlands. Der schon vorab betrachtete Bereich um die Ägäis. formte aber keine wirkliche Synthesen der übernommenen Kulturen. Dieser Einschnitt kam mit dem Ende der Republiken Griechenlands. ändert sich dies. zum anderen. Zu Homers Zeiten war demnach der Heiler eben kein Schamane mehr. dies zeigt sich auch darin. dass wir vorsichtig sein müssen. Durch den Handel sowieso mit dem gesamten Mittelmeerraum und dem Hinterland in Kleinasien verbunden. die hier gespannten Linien hin zu einer zunehmenden Systematisierung und Rationalisierung der Wissensbestände absolut zu nehmen.) mit dem Christus selbst auf die Frage reagierte. mit seiner zunächst eher lokalen Ausrichtung in der politischen Organisation von Stadtstaaten. Vielmehr entlehnte Rom. Das zeigen nicht nur die Fülle der Kopien von griechischen Plastiken und die Zitate griechischer Architekturen. seine Kulturgüter der griechischen Kultur. Kulturen zu integrieren. Hier fand sich eine Vielfalt von Altären für die verschiedensten Religionen. aber seinerseits in Rom selbst nichts Gleichwertiges und Eigenständiges aufzubauen suchte. Und in dieser Vielfalt gab es. verzahnten sodann die Römer die Städte in auch diesem Bereich nach den Anforderungen ihrer auf Rom ausgerichteten Ökonomie und Logistik. Dieser Altar und überhaupt dieser heilige Raum eines Nebeneinanders tolerierter religiöser Praktiken sind symptomatisch für die Kultur Roms in der beginnenden Kaiserzeit. Rom bestand auf seinem Staatskult. Rom adaptierte und band ein. selbst in verschiedenen politischen Konstellationen teilsweise komplette Machtumschichtungen und damit auch neu gesetzte Schwerpunkte strategischer. solange es sich unterordnete und verfolgte die Weltanschauungen. Dass die Geschichte sich dann im Nachhinein in einen neuen Mythos einband.3 Medizin in der griechisch-römischen Antike 303 bloßer Held. dass Rom zwar die Kultureinrichtungen in Athen und Alexandria erhielt. ökonomischer und religiös weltanschaulicher Ausrichtungen erfahren musste. gleichsam als Sicherung gegenüber den noch nicht einverleibten Territorien.

um eine Befriedung der Grenzen aufrechtzuerhalten. der als Administrator in den Provinzen fungierte. das Machtbereiche abstimmt. Diese war in Rom äußerst heterogen. Der römische Zenturio. dass sich hier Staatlichkeit. Rom war in diesem Sinne auch in 71 Dies galt eben auch nicht für einen etwaigen Diskurs der Eliten. der zum Schluss mit einem Landgut in Gallien belehnt wird. In Rom sieht das später anders aus. dass der Freiraum für Roms Eliten immer geringer wurde. Nicht zuletzt der Tod des Sokrates zeigt auch hier die gerade für die „Intellektuellen“ oftmals sehr schmale Bandbreite von Äußerungs. kennen. Dies umso mehr. im Rahmen der Christenverfolgungen. genügte Rom eben nicht. die sich hier zeigte. dass hier auch die griechische Kultur fern von einem Ideal demokratisch bestimmter Diskussionen (und sei es auch nur der kulturellen Elite) zu beschreiben ist. eine fortwährende Sicherung der Autorität Roms. Rom verkörperte sich in dieser Administration und im Militär. dorthin seinen Sohn zur Erziehung sandte und sich damit in Rom und seinen Repräsentanten wiederfand. Im Rahmen dieser Verfolgungen wehrte sich die Kultur Roms gegen das Andere. Allerdings zeigt etwa Alkibiades für das klassische Athen. Das galt auch. nicht aber den Konsens des Machterhalts des römischen Staates (um nahezu jeden Preis) in Frage stellt. dass es so etwas gab wie eine – beeinflussbare. das sie zu überformen schien. sich in seinen Wurzeln aber immer wieder in Rom zurückband. es wird vielmehr deutlich. Die Sicherung des erhaltenen Status erzwang eine Ausweitung der vorhandenen Ordnungsstrukturen und erlaubte so auch in der Peripherie des Römischen Reiches. Träger solcher Identität war nun aber nicht einfach eine numerisch bescheidene Elite. Die Idee des römischen Bürgers. verkörpert diese römische Identität.304 4 Die griechisch-römische Antike verweigern sei. der ja nun gerade auch Sokrates in einer öffentlichen Präsentation zum Ziel seines Spottes machte. im Sinne eines Macht. Das ist aber zugleich auch ein Zeichen für eine umfassende Änderung der Dimension. Die Dominanz eines Stadtstaates über ein Weltreich war politisch gesehen riskant und nur durch eine strikte Sicherung der ökonomischen und machtpolitischen Dominanz Roms auch nur mittelfristig zu gewährleisten. auf Expansion angelegt war. auch einzelne Personen urteilt. um etwa den notwendigen kontinuierlichen Nachschub an Sklavenarbeitern zu gewährleisten. sondern vergleichsweise breite Bevölkerungsschichten.71 Das ist dann nicht mehr die Atmosphäre der unabhängigen Eliten des vormaligen Griechenlands. der hier ja zumindest einen gewissen Freiheitsgrad einräumen musste. Roms Eliten waren schon mangels Masse in Gänze in diese Sicherungspolitik eingebunden. bedeutete auch. Es war nicht die souveräne Haltung des sich kulturell überlegen Denkenden. . Das galt nicht nur. in der sich eine Kultur in einer Gesellschaft einbindet. in dem die Zentralmacht ja nur in ihren administrativen und militärischen Organisationen greifbar war. Selbst Seneca war in diesem machtpolitischen Gefüge nicht zu tolerieren. band diese römische Kultur in weite Bevölkerungsschichten ein. Dass diese Kopplung von Expansion und Sicherungsbestrebungen wechselseitig eskalierte. die die auf Wachstum eingestellte römische Ökonomie benötigte. damit aber auch in Grenzen entscheidungsleitende – öffentliche Meinung. machtpolitisch und nicht im Diskurs sichert. Das spürten vorab schon die Juden und dies lernten die Christen dann auch nur zu bald. Andererseits zeigen wiederum insbesondere die Komödien des Sophokles. über Strategien und ggf.und Aktionsmöglichkeiten. nicht zuletzt auch aus ökonomischen Gründen.und Deutungsmonopols. als die Struktur des Römischen Reiches. Die Diskussionen im Senat sind die Diskussionen eines politischen Führungsgremiums.

Stil und Hygiene. Wohl aber waren es die Konsequenzen solch einer Physik. mit dem allgemein umzugehen ist. Rom konserviert nicht nur einfach die vormalige griechische Kultur. Das bekannte Wort von „Brot und Spielen“. mit Sklaven. bestimmt. Römischer Bürger zu sein. Schon die griechische Stadtkultur war sozial durch ein hierarchisches System. Erfolge und Moden. die allgemein verfügbar werden. einer Schule oder einem – wie wir es heute nennen würden – akademischen Korrespondenzkreis kultureller Eliten. mit denen diese Familien ihre Klientel bedienten und an sich banden. Die sozialen Unterschiede werden mit wachsender Größe der Staatssysteme zusehends krasser. Raumplanung und Weltsicht sind die Foren. Diese Kultur wird eben nicht mehr nur eingegrenzt. einfachen Bauern und einer Abstufung sozialer Positionen. Sie ist ein überall verfügbares Moment. Sozialer Aufstiegsraum und der Bereich. war in diesem sozialen Gefüge zur Kaiserzeit die Auszeichnung für einen Angehörigen eines unterworfenen oder verbündeten Volkes. verhandelt. Das galt. Natürlich sind es in diesem Gefüge dann Praktiken. nehmen wir dessen Staatsinteresse und die sich an ihm ausrichtende Kultur des Wissens ernst. Die Masse der Lohnarbeiter. die sich in den Konstruktionen der Aquädukte. in dem diese grob skizzierte soziale Hierarchie zumindest in Grenzen zu überbrücken gelingen konnte. der Logistik der römischen Heeresversorgung und den landwirtschaftlichen Produkten Roms zeigten.3 Medizin in der griechisch-römischen Antike 305 seiner Kultur populär. Es war nicht das ausgearbeitete System einer archimedischen Physik. An deren Spitze stand eine vergleichsweise kleine Gruppe miteinander versippter Eliten. In der römischen Zeit war es allein das Heer. Deutlich wird dabei schon in dieser kurzen Skizze der sozialen Bedingungen der antiken Kultur deren Heterogenität und – was die von uns betrachteten Leistungen anbelangt – auch deren Exklusivität. Adoptiert wurden hier bestenfalls Praktiken. Rom wird diese Abstufung später noch ausweiten. schon für das Heer Alexander des Großen. in denen sich diese Kultur äußert. die dabei als Kultur Roms verstanden wurde. in einem Planungsstab. Es setzt sie in einer neuen Form um und macht die Formen des griechischen Denkens so in seinem Staat verbindlich. in der sich diese Kultur bestimmt und auf Grund der erreichten . Damit schreibt sich in Rom. zeigt die Heterogenität einer Kultur. stellte das Volk Roms. war das Militär. in ganz anderen Formen fort. die auf dieser öffentlichen und zugleich politisch enorm bedeutsamen Ebene fern von der kulturellen Differenziertheit der hier nachzuzeichnenden Entwicklung stand. in dem auch ein einfacher Bürger zumindest in Grenzen auf einen sozialen Aufstieg hoffen konnte. Neben den Sklaven finden wir unterworfene Völker mit nur mehr abgestuften Rechten. in der Zuweisung eines Landstriches in einer der Grenzregionen Roms resultierte und der so belohnte Römer seine Familie so fern von der kulturellen Zentrale zu gründen und sozial zu konsolidieren hatte. wenn auch in Grenzen. Der Moselwein – als römisches Exportprodukt – wird so zu einem nachhaltigen Signum römischer Kultur. Dass dieser Aufstieg dann ggf. steht auf einem anderen Blatt.4. dies betrifft im römischen Reich vor allem die Technik und auch Fragen der Organisation und der Infrastruktur. In Rom selbst herrschte dabei eine extreme soziale Hierarchie. und das so für die Masse der Bewohner des Römischen Reiches auch anschaulich wird. die als Klientel für die herrschenden Familien Roms käuflich war. die Wissenschaftsgeschichte. die wir in Athen beginnen ließen.

sondern auf Einsichten in die Organisation der Physis. So hat dann diese Koinzidenz auch nicht zur Folge. Es sind Spitzen einer Entwicklung. dass er in seiner Zeit vor allem als Parteigänger des Alexander bewertet wurde und so nach dessen Fall auch aus Griechenland fliehen musste. die für Jeden Relevanz haben konnte. Wir mussten hier sehen. Die Darstellung des Archimedes schon in der römischen Tradition zeigt. Und wir finden die bedeutenden Ärzte Roms am Hof der römischen Kaiser. Wissenschaft in dem vorab skizzierten Sinne ist hier dann nur mit einer dienenden. der seine oder die Verwundungen seines Mitstreiters pflegte. Doch selbst bei den direkt praktischen Momenten einer Wissenskultur müssen wir beachten. wenn sich hier nicht ein Freund persönlich ins Zeug gelegt hätte. Sie begründen sich nicht auf Annahmen zur Organisation eines Weltganzen. Die römische Wissenschaft war zunächst Ökonomie – wobei in einer letztlich agrarisch getragenen Wirtschaft mit großen Metropolen der Organisation und Sicherung von Handel eine besondere Bedeutung zukam. . Unabhängig von diesen in einen größeren Zweck eingebundenen Praktiken gab es dann aber die Medizin. Dass hier mit Marc Aurel unter den Kaisern selbst ein Intellektueller auftrat. Der Erhalt der Gesundheit. Eine Landwirtschaft benötigt – wird sie im großen Stil betrieben – Kenntnisse über die Organisation und Optimierung von Anbautechniken. Platons wechselvolle Biographie. In den Jahrhunderten nach 600 werden diese Praktiken im Zusammenhang der naturphilosophischen Konzeptionen in einen neuen Deutungszusammenhang gestellt. die wir wahrnehmen. wie hier nachhaltige Aufmerksamkeit erlangt wurde. als eine Praxis. spricht hier genauso für sich wie das spätere Schicksal dieser gesamten Traditionen im römischen Reich. die ihn trotz seiner sozialen Zugehörigkeit zur Elite Athens nicht vor dem Verkauf in die Sklaverei gerettet hätte. ist hier nur ein Beispiel. der Arbeitskraft und der Kampf gegen den Schmerz war schon das Ziel der alten vorwissenschaftlichen Praktiken der Lebensführung und religiös untersetzten Therapien vor dem 6. die für uns – das werden wir im Kontext der römischen Medizin noch sehen – an doch vergleichsweise überraschenden Orten erscheinen und die sich dann in der römischen Phase der Antike auch durch ihre Zuordnung zu den jeweils leitenden politischen Figuren und Institutionen behaupten. für weiterführende Zwecke einzusetzenden Funktion zu betreiben.und Bewirtschaftungsformen. Jahrhundert. ist – für Westrom – eine Ausnahme.306 4 Die griechisch-römische Antike Leistungen für jeden augenfällig von den Leistungen der Barbaren abhebt. so in der Politik im Sinne der Steuerung der römischen Masse und so in einer vor allem durch Auftritt und Rede gekennzeichneten Ausübung von Herrschaft und eben auch und vor allem in der Organisation des Militärwesens. dass sich in Rom ähnlich wie bei den Ptolemäern in Alexandria ein höfisch getragenes Kulturzentrum etablierte. Saat. Der Krieger Homers. So finden wir die Kulturträger der Spätantike am Hof in Ravenna. dass die soziale Schichtung und die geographisch nachzuzeichnende Isolierung der im Nachhinein bedeutenden Kulturträger eben nicht zu einem breiten Bewusstsein um die Bedeutung etwa der philosophischen Entwürfe eines Aristoteles führte. wo zumindest einer von ihnen dann auch im politischen Gestrüpp seiner Tage stolpert.

Das wird an der Figur des Asklepios deutlich. Das hierbei in einer langen Praxis erworbene Wissen wird nun nach 600 in den neuen Deutungsformen jener tradierten Therapien nicht verworfen. durch Kräutertinkturen und kennt aber auch einfache chirurgische Eingriffe.4. Es ist diese Physis vielmehr ein Wirkgefüge. der die tradierte Heilervorstellung personalisiert: Er heilt durch Besprechung.3. um dann eine Therapie auf die entsprechend zu diagnostizierenden Störungen im Stoffwechselgefüge anzusetzen. die auf Grund von tradiertem Erfahrungswissen und der Kenntnis von entsprechenden aus dieser entwickelten Verfahren gelernt werden konnte. Hierauf wird er von Zeus. Wobei Homer aber noch in der Odyssee Beschwörungen als Heilmethoden schildert.1 Medizin in der griechischen Kultur 4. Die Physis des Menschen ist mit den Konzeptionen der Naturphilosophen nun nicht mehr etwas Unbegreifbares. Seine zentrale Kultstätte findet sich in Epidauros auf dem Peloponnes. in die Lehre. Von seinem Vater Apollon wird er dem Kentauren Cheiron zur Erziehung übergeben.3 Medizin in der griechisch-römischen Antike 307 4. bei Homer gilt er noch als heilkundiger Heroe.1 Das homerische Zeitalter Die Heilkunst war vor 600 eine Praxis. Dem Mythos nach war Asklepios der Sohn des Apoll. das nach Regeln und Riten zu therapieren ist. einer Gestalt. So schildert Homer denn auch die Ärzte nicht etwa als Priester und Heiler.3. über die etwaige. es wird in einen neuen Vorstellungskontext eingebracht. der Asklepios vor allem in der Heilkunde unterweist.1. Dies sind auch die Praktiken Cheirons. die als Ärzte wirken. Erst nach Homer gilt er als Sohn des Apollon und der Koronis. um die Ordnung der Natur zu erhalten. dass er Tote zum Leben erweckt. Hier bringt es Asklepios zu solcher Meisterschaft. . In Athen richtete der Dichter Sophokles den Kult des Asklepios ein. ein Stoffwechselsystem. das sich mit der erwachsenden Naturphilosophie aus den Denk. die das tradierte Schamanenwissen personalisiert.und Handlungsschemata des Mythologischen löste. das eben als Materie funktioniert und in dieser Funktion begriffen werden muss. Auf Grund seiner hohen Popularität verdrängte der Asklepioskult den Kult um Apollon als Heilgott. Die Therapie an den Kultstätten basierte auf dem Tempelschlaf und einer anschließenden Traumdeutung. Asklepios Asklepios gilt als Gott der Heilkunde. Dies ist ein direktes Bild der Entwicklung des medizinischen Wissens. dann einzuleitende Therapiemaßnahmen festgelegt wurden. In Rom fand der Gott nach dem Ausbruch einer Seuche 291 unter dem Namen Äskulap Eingang. In der Odyssee und in der Ilias sind es die Krieger und die Heerführer. Die Attribute des Gottes sind der Stab und eine sich um diesen ringelnde Schlange. Apoll gab ihn dann bei dem Heilkundigen Cheiron. Darauf hinwiederum tötet Apollon die Zyklopen. mit einem Blitz erschlagen. die dem Zeus die Blitze schmiedeten.

clarissimos vero ex iis Pythagoram. deren Aetiologie (Ursachenlehre) in den verschiedenen Naturphilosophischen Systemen diskutiert wurde. in der Darstellung des Tunnelbaus des Eupalinos begegnet ist. Im fünften Jahrhundert ist diese Heilkunde als staatlich organisierte Heilpraxis aber auch als Heilkunde. die bis in die römische Zeit erhalten blieb. Dessen Schüler. einem Arzt des 6. dass er nacheinander in Aigina. a studio sapientiae disciplinam hanc separavit . . in der die Behandlung erfolgte. war all diesen. Drogen) lieferten vielfach die gewerbsmäßigen Rhizotomen (Wurzelschneider) und Pharmakopolen (Heilmittelkundige). in Details variierenden Entwürfen die Grundvorstellung gemeinsam. . Diese staatlich bestellten Ärzte hatten eine besondere Klinik. Jahrhundert Schon die frühen Ärzte hatten bei den Griechen hohes Ansehen. Und so berichtet dann auch der römische. .2 Die Medizin im 5. die ihnen nicht selten auch erfolgreich Konkurrenz machten. zur Zeit des Tiberius lebende Enzyklopädist Celsus: So erfahren wir. In der Krankheit ist dieses Gleichgewicht gestört. Hier greifen dann naturphilosophische Konzeptionen und Heilpraxis ineinander. So wissen wir von Demokedes von Kroton. praktizierte. Gesundheit ist getragen von einem Gleichgewicht der wirkenden Kräfte. . verdient an allererster Stelle Erwähnung. Danach verschlug es ihn – so berichtet Herodot – an den Hof des Perserkönig Dareios Hystaspes nach Susa in Mesopotamien. Athen und am Hof des Polykrates von Samos. Ideoque multos ex sapientiae professoribus peritos eius fuisse acciepimus. . . ut quidam crediderunt. 6 ff: . Dabei konnten sie auch frei praktizieren. Strukturiert nach den jeweiligen Vorstellungen über die Organisation des Körpers und seiner Reaktionen. Primoque medendi scientia sapientiae pars habebatur. 72 4. dass ein Arzt für eine bestimmte Zeit eingestellt wurde. Ihr Beruf galt als eine des Freien würdige Beschäftigung. Entsprechend muss die Therapie dieses Gleichgewicht wieder herstellen. dass die Vielfalt der Reaktionen im menschlichen Körper in einem Gleichgewicht zu stehen habe. S. als eine 72 Celsus.308 4 Die griechisch-römische Antike Medizin war insoweit schon im 6. die dazu erforderlichen Medizinalstoffe (Wurzeln. et Democritum. In den griechischen Stadtstaaten scheint er als staatlich besoldeter Arzt angestellt gewesen zu sein. et Empedoclem. und sodann wurde der Unterricht in Körperhygiene und Gymnastik.3. als eine grundsätzliche Einrichtung der griechischen Stadtstaaten bezeugt. Empedokles und Demokrit. die berühmtesten von ihnen waren Pythagoras. Huius autem. dass viele Lehrer der Weisheit sich auf sie [die Medizin] verstanden. De Medicina Prooemium. Er schließlich trennte diese Disziplin von der Philosophie ab .1. und 4. primus ex omnibus memoria dignus. in Athen war dies jeweils ein Jahr. Die Arzneien wurden von ihnen selbst zubereitet. . . Zu ihrer Besoldung wurde seitens der Polis eine eigene Abgabe erhoben. Für die hellenistische Zeit ist diese Einrichtung. Jahrhundert eine Erfahrungswissenschaft.. Säfte. und dann zur unentgeltlichen Hilfeleistung verpflichtet war. Früchte. voll entwickelt. . der wie einige annehmen. Jahrhunderts vor Chr. der uns schon einmal. . Zudem entwickelte sich eine Kriegschirurgie. discipulus Hippocrates Cous. Hippokrates aus Kos war.

dass er begreife und nicht nur wahrnehme. Die sich gerade in dieser Zeit professionalisierende Heilkunde baute dann im Weiteren auf diesem Vorstellungsgrundansatz auf. dem Arzt. Zugleich tradierten sich mit den Vorstellungen dieser Ärzteschule auch die Grundmuster des Selbstverständnisses und des gesellschaftlichen Bildes eines europäischen Arztes. war umfassend.4. Und so lassen sich Ärzteschulen identifizieren. nach der auch die tradierten Heilpraktiken in einen systematischen Kontext gebracht werden konnten. Dieser den Pythagoreern nahestehende Naturphilosoph erarbeitete ein erstes konsequentes Bild der Stellung des Menschen im Kosmos. wenn dieses Gleichgewicht gestört ist. In den verschiedenen Strukturen stehen diese entgegengesetzten Prinzipien im Gleichgewicht. Eid des Hippokrates Ich schwöre bei Apollon. indem sie die widerstrebenden Prinzipien wieder ins Gleichgewicht zueinander bringt. ins Lehrprogramm der Gymnasien integriert. erklärt er als Resultat eines Spiels von gegensätzlichen Prinzipien. Von den Göttern unterscheide sich der Mensch. die die Gestalt des Menschen. Zentrale Bedeutung für die Entwicklung der Heilkunde hatte dabei das naturphilosophische Lehrgebäude des Alkmeon von Kroton (etwa 570–500 v. dieses Gleichgewicht wieder herzustellen. aber auch die. Die Resonanz dieser Lehre. Hygiea und Panakeia und bei allen Göttern und Göttinnen. Jahrhunderts vor Chr. Dabei wird dieser Ansatz dann in unterschiedlicher Weise aufgebaut.). von den Tiere unterscheide er sich dann aber wieder. sondern eben auch in dessen sozialen Positionierung fundamental unterschieden etwa von dem völlig unabhängig von dieser Tradition erwachsenen Vorstellungsgefüges der chinesischen Medizin. Heilkunde wird dann aber auch gelehrt. da er nur vermute und nichts wisse. und in dem zugleich durch die Zuordnung von Mensch und Kosmos ein Verständnis der Wirkung von Substanzen erarbeitet werden konnte. die sich nicht etwa nur in seinem Erfahrungsansatz. nicht im Sinne einer jeweils einheitlichen Lehrauffassung – dazu war der bisher gewonnene Ansatz zum Verständnis physiologischer Zusammenhänge noch zu offen – wohl aber im Sinne einer unmittelbaren Tradierung von Erfahrungszusammenhängen. die die Gestalt des Kosmos bestimmen. Unordnung und damit auch Krankheit entstehe. Die Strukturen.3 Medizin in der griechisch-römischen Antike 309 nach der Heilkunde ausgerichtete Bewegungsschulung. So ist bis heute der sogenannte Eid des Hippokrates für einen europäischen Mediziner verbindlich. die des Hippokrates von Kos. bei Asklepios. Sein Ethos und das daraus erwachsene gesellschaftliche Rollenverständnis des Arztes ist demnach in seinen Grundzügen das eines Angehörigen einer Ärzteschule des 5. indem ich sie zu Zeugen mache. Chr. daß ich entsprechend meiner Kraft und meinem Urteilsvermögen folgenden Eid und folgenden Vertrag erfüllen werde: . Eine Therapie muss also bestrebt sein. Eine dieser Schulen. konnte sich dann mit dem in ihr zusammengestellten Erfahrungswissen über die Jahrhunderte durchsetzen und damit nicht nur die Therapieverfahren und deren Aetiologie bis in die Neuzeit hinein bestimmen.

möge das Gegenteil davon eintreten. die diese Tätigkeit ausüben. ihn an meinem Lebensunterhalt teilhaben zu lassen und ihm an den für ihn erforderlichen Dingen. geachtet bei allen Menschen für alle Zeit. der mich unterrichtet hat. ohne Entgelt und Vertrag.1. sonst aber niemandem. Rein und heilig werde ich mein Leben und meine Kunst bewahren. Vorlesung und an der gesamten übrigen Lehre Anteil zu geben meinen Söhnen und den Söhnen dessen. seine Nachkommenschaft meinen männlichen Geschwistern gleich zu werten. von dem überliefert ist.3. möge es mir zuteil werden. Jahrhundert sechs Ärzteschulen unterscheiden. Anteil zu geben. an Unterweisung. wenn er ihrer bedarf. in der Überzeugung. soweit es niemals nach außen verbreitet werden darf. verschweigen. Diätetische Maßnahmen werde ich zum Nutzen der Kranken entsprechend meiner Kraft und meinem Urteilsvermögen anwenden. frei von jedem absichtlichen Unrecht. 4. wenn ich ihn aber übertrete und meineidig werde.aerzte-pfusch. noch werde ich einen derartigen Rat erteilen.googleusercontent. von sonstigem verderblichen Tun und von sexuellen Handlungen an weiblichen und männlichen Personen. die ich betrete.de/ genfergeloebnis. dass er Platon für ei73 http://webcache. in gleicher Weise werde ich auch keiner Frau ein fruchtabtreibendes Zäpfchen geben. Bekannte Vertreter sind ferner der schon benannte Demokedes. vor Schaden und Unrecht werde ich sie bewahren. den vertraglich gebundenen und durch ärztlichen Brauch eidlich verpflichteten Schülern. Was auch immer ich bei der Behandlung oder auch unabhängig von der Behandlung im Leben der Menschen sehe oder höre. sie diese Kunst zu lehren. Wenn ich nun diesen Eid erfülle und nicht verletze.4. Auch werde ich niemandem auf seine Bitte hin ein tödlich wirkendes Mittel geben. In alle Häuser. werde ich eintreten zum Nutzen der Kranken. der Pythagoreer Philolaos. daß derartige Dinge unaussprechbar sind. .73 Insgesamt lassen sich dabei für das 5.com/search?q=cache:7oieea7PR58J:www. nicht einmal bei Steinleidenden. Das Schneiden werde ich nicht anwenden. gleich zu achten meinen Eltern.3 Die pythagoreische Schule zu Kroton Diese Schule entwickelt sich in direkter Folge der naturphilosophischen Erklärungsansätze des Alkmaion von Kroton. der mich diese Kunst gelehrt hat. sowohl Freien als auch Sklaven.310 4 Die griechisch-römische Antike Denjenigen. werde ich.2011. daß ich mich meines Lebens und meiner Kunst erfreue. dessen Lebensweg aufzeigt was schon in dieser frühen Phase Professionalisierung des Arztes bedeutete. dies werde ich vielmehr den Männern überlassen. wenn sie sie zu lernen wünschen.html 19.

Ausgehend von Beobachtungen zu physiologischen Erscheinungen am Menschen. in der durch sorgsame Wahl der dem Körper zugeführten Nahrung Ungleichgewichte behoben und demnach Krankheiten zu therapieren waren. Demnach – so der Hauptvertreter Euryphon von Knidos muss das entstandene Ungleichgewicht im Körper wieder ausgeglichen werden. dass das Wasser der Ursprung aller Dinge sei. dass alle Krankheiten aus Verdauungsstörungen entstehen. befreien. dessen Lehren er ungewollt selbst erliegt. der schließlich voller Wut das Haus des Sokrates. Pathologie. Seiner Auffassung zufolge war das Gehirn der Ausgangspunkt aller Gefäße. Hier zeigt sich also schon im Rahmen dieser ersten Schule. Hippon lebte etwa von 470–400 v. die Demagogie oder den Gerichtsterror des Kleon. wiederzubeleben. Aristophanes Der Athener Aristophanes war zusammen mit Eupolis und Kratinos der berühmteste Dichter der alten griechischen Komödie. sondern vor allem auch kenntlich macht.4 Die knidische Schule Auch diese Schule setzt an der Lehre des Alkmaion an. anzündet. wie flexibel jeweilige Lehrinhalte gehandhabt wurden. Physiologie. Sein Sohn wendet nun aber die gegen ihn gerichteten rhetorischen Tricks gegen den Vater selbst an. Schleim und Gal- . wie kritisch einzelne solcher Konzeptionen diskutiert wurden. In diesem Stück will ein alter Bauer sich von Schulden. Chr. er thematisiert dann aber auch kulturelle und gesellschaftliche Praktiken. Das wohl von ihm verfasste grundlegende Buch dieser Schule (Kνιδιαι γνωμαι) beschreibt. und Hippon von Rhegion. wie die Bündnispolitik der Athener. 4. Hier finden sich Arbeiten zur Anatomie. Krankheit ist durch einen Ungleichgewichtszustand bedingt. den Sokrates und seine Schüler. dass diese Konzeptionen und damit die Diskussionen innerhalb der Ärzteschaft eine breite gesellschaftliche Resonanz fanden. Dabei sind Hippons Ansichten. was nicht nur zeigt. Das zu solch einem Zustand führende gestörte Gleichgewicht der Prinzipien sei durch eine unausgeglichene Nahrungsaufnahme bedingt.4. der nur mehr versucht. mit dem Ziel. Ausgehend von diesen Arbeiten wird die Diätetik weiterentwickelt. auf Grund seiner Erfahrungen mit der Physiologie des Menschen.1. So schreibt er gegen die reißerische Rhetorik der sophistischen Dialektik und verspottet so auch in einem seiner Stücke. die sein Sohn angehäuft hat. direkt in verfügbare Substanzen und damit in Therapiemaßnahmen umzusetzen. kennzeichnend für diese Schule. Hierzu lässt er sich in der rhetorischen Kunst der Sophisten unterweisen. In seinen Stücken kritisiert er politische Situationen.3. suchte der die Lehre des Thales. Hippon geriet mit dieser Lehre um 430 ins Visier der Athener Komödiendichter Kratinos und Aristophanes.3 Medizin in der griechisch-römischen Antike 311 ne erkleckliche Summe Geldes eine pythagoreische Schrift verkauft hat. Arterien und Venen seien mit Luft und Blut gefüllt und versorgen so den Körper mit Luft und Wärme. für sich die schlechte Sache zur Guten zu machen. Euryphon gilt zudem als bedeutender Anatom und Gynäkologe. Die Wolken. die abstrakten Prinzipien des Alkmaion.

3. Nach seiner Rückkehr veröffentlicht er eine umfangreiche Romandarstellung „Persika“. die das weitere Bild der persischen Geschichte in Griechenland weitgehend bestimmte.5 Die sizilische Schule Die Grundlage dieser Schule bildet die naturphilosophische Konzeption von Empedokles von Akragas (500–430).312 4 Die griechisch-römische Antike le werden durch die Überschüsse der Nahrung erzeugt. auch der noch zu besprechende Hippokrates lernte. Daneben wurden Abführmittel verordnet. Seine gynäkologischen Vorstellungen wirken bis in die hippokratischen Schriften zur Gynäkologie nach. bei dem u. denn er ist zu schwerfällig. Er soll weiche und kühle Nahrung zu sich nehmen. Dies sind Feuer. als wenn er gewürgt worden wäre. Die medizinischen Schriften dieser Schule beschreiben nun aber nicht nur grundsätzliche Aussagen zu Krankheitsursachen. Er unterscheidet vier „Wurzelkräfte aller Dinge“. Seine Lippen gleichen genau denen eines Mannes. Das Weiße der Augen ist sehr trübe. Diese schließt mit einer Prognose: Einem solchen Kranken verabreicht man ein Medikament. Diese Abfallprodukte sind dann auch die Ursachen der Krankheiten. Kälteschauer. wobei 74 Galen. sondern auch Krankheitstypen. Leibschmerzen. a. . Dessen Naturlehre geht davon aus. finden sich auch Prognosen zum weiteren Krankheitsverlauf und zur Wirkung entsprechender Therapien. Zentrales Therapiemittel war eine jeweils speziell ausgerichtete Diät. dass es kein Werden und Vergehen gibt. Außerdem wechselt der Zustand des Kranken häufig. Man veranlasst. 4. das zu einer Entleerung durch den oberen und den unteren Ausgang führt. Besondere Bedeutung hatte die Behandlung mit Milch und Molkepräparaten. Bisweilen ist dieses Symptom weniger stark ausgeprägt. Er gliederte die Gymnastik in die Medizin ein. Nach der Waschung muss er sich in der Sonne wärmen und je nach Jahreszeit Buttermilch oder Eselsmilch trinken. Dabei werden für diese Typen die Krankheitsursachen beschrieben. Wenn die Schmerzen den Kranken einmal ergriffen haben. Für gewöhnlich findet die Krankheit erst mit dem Tod ein Ende. obwohl hier Erfindungen und Gerüchte mit wahren Darstellungen gemischt waren. aber keine scharfen oder gesalzenen Speisen Die Mahlzeiten sollen ausreichend Öl enthalten. Kopfschmerzen. Er hat weit aufgerissene Augen. Er soll sich möglichst wenig mit warmem Wasser waschen. dass er Waschungen vornimmt und reinigt seinen Kopf. Wasser und Erde. Bekannt ist Herodikos von Selymbria. sondern nur mehr Mischung und Trennung vorhandener Grundprinzipien. kann er nichts mehr unterscheiden. darauf folgt eine Darstellung der Symptome sowie ausgearbeitete Therapievorstellungen. der Maulbeeren gegessen hat.1. Ktesias von Knidos war zwischen 405 und 397 Leibarzt des König Artaxerxes am persischen Hof. Sein Leib ist ausgetrocknet und seine Haut an der gesamten Oberfläche fahl. Auf diese Schilderung der Symptome folgt dann eine kurze Darstellung der Therapie. Eine vergleichbare Darstellung mit dem Titel „Indika“ gab – wenn auch aus zweiter Hand erarbeitet – die erste Darstellung Indiens in griechischer Sprache. Ein Beispiel für solch eine Darstellung von Krankheitstypen überlieferte Galen:74 Livide Krankheit: zeitweise auftretendes Fieber. süß und fett sein. Luft. Abschnitt 68 des Buches Über die Krankheiten II. erbrechen von Galle.

Choleriker. Deren Zusammenstellung bestimmt zugleich dann auch die Qualität des Dinges. Wobei er nun. Wird dieses Mischungsverhältnis gestört. die basierend auf diesen einfachen Grundannahmen schon in der Antike selbst angelegt werden und dann in den verschiedenen Traditionen und in verschiedenen Wissensbereichen so bis in die Neuzeit fortwirken. das. begriffen. Dieses Pneuma ist das belebende Prinzip. der Sieg der Liebe zu einer Vereinigung aller Elemente zu einer perfekten Sphäre. später dann auch zugleich als die Manifestation des Göttlichen. Sanguiniker und Phlegmatiker verfolgen können. deren Grundeigenschaften in den benannten vier Elementen dargestellt sind. Im Kontext magischer Praktiken wird dann – insbesondere im Bereich des östlichen Mittelmeeres – das Pneuma ein immaterielles geistiges Wesen. Der Sieg des Streites führt zur Reduktion der Dinge auf die vier Elemente. eine im östlichen Bereich des römischen Reiches verbreitete frühchristliche Lehre – die Menschen.4. Pneuma Das Pneuma ist zunächst so etwas wie ein Lufthauch. die Organe durchströmt und so Leben ermöglicht. einer um 300 v. das je nach dem Mischungsverhältnis Qualitäten in Richtung eines oder mehrerer Elemente besonders prägnant ausbildet. Damit wird es als solch belebendes Prinzip in der Stoa. das die Dinge durchdringt und belebt. das in die Materie herabgestiegen ist und das dann – so die Gnosis. Krankheitsursache ist – entsprechend der Elementelehre – die Störung der Säfte und des Pneuma. Hier zeigt sich schon in dieser groben Skizze die Vielfalt von Entwicklungen. aber in der Materie wirkendes Prinzip. Demnach ist das Herz Zentralorgan des Verstandes und der Blutzirkulation. Wie nun der Kosmos grundsätzlich aus diesen vier Elementen zusammengesetzt ist. das der umgebenden Luft unterliegende belebende Prinzip. Empedokles begründet hiermit die im Weiteren für die Medizin bis in die Neuzeit kanonische Vorstellung von den vier Elementen. So resultiert eine periodische Entwicklung zwischen diesen Extremen. Dabei entstehen dann die Lebewesen aus einer Mischung der vier Elemente in jeweils festen Proportionen. erlösen kann. Diese beiden Wirkkräfte kämpfen im Kosmos gegeneinander. was wir einatmen und ist so ein immaterielles. Der Sitz des Denkens ist für Empedokles das um das Herz wallende Blut. vier Absonderun- . entsprechend den vier Elementen. es ist das. Wahrnehmung vollzieht sich ihm zufolge durch den Kontakt der Elemente in uns mit den Elementen in den Gegenständen. deren Wirkung wir dann bis in die Temperamentenlehre mit ihrer Unterscheidung von Melancholiker. in denen es sich seiner selbst bewusst wird. Dazu treten als bewegende Kräfte Liebe und Streit.3 Medizin in der griechisch-römischen Antike 313 diese Grundkräfte Prinzipien sind. Seit Hippokrates ist es in der Medizin als zentrales Element anerkannt. so ist dieses Lebewesen aus seinem Gleichgewicht geworfen: Es wird krank. aus der Umwelt aufgenommen. so wird auch jedes Ding im Kosmos und damit auch jedes Lebewesen durch eine Zusammenstellung dieser Elemente gebildet. Chr. gegründeten Philosophenschule in Athen.

Um 364 vor Chr. der von den Lehren des Philistos beeinflusst ist. besuchte er die platonische Akademie. dies sind Blut. im Sinne der vorab skizzierten mathesis universalis. wieder herzustellen ist. In der ersten Hälfte des 4. das aus dem Gleichgewicht geraten ist und so die Krankheit verursachte. aufzubauen. Sie basierte auf der skizzierten Vorstellung vom Mischungsverhältnis der vier Säfte und der Vorstellung eines belebenden Pneumas. die zu seiner Zeit prägend für die Medizinausbildung waren. In der ersten Hälfte des 4. die Ovarien sowie der Dick. Beschrieben sind zudem der Gallenblasengang. Hamburg 1959. Er fordert. 268. Insoweit setzt sich Platon mit seiner Forderung von den bloß tradierten Wissensbeständen. Entsprechend der hieraus erwachsenen Viersäftetheorie ist nun eine Krankheit dadurch zu bekämpfen. Es sind allerdings nur noch Fragmente seines Werkes „Über die gesunde Lebensweise“ erhalten. Demnach setzte er die Quelle des Blutes im Herzen an. Damit setzt er sich aber in expliziten Gegensatz zu den seinerzeit dominanten Strömungen einer Medizin.3. Ein Einfluss des Philistos auf Platon lässt sich nachweisen. darauf deutet das Zeugnis des Platon. Das Altbewährte. die athenische Schule. Schließlich habe jede Krankheit und jeder Kranke eine Eigengesetzlichkeit. Schleim. Entsprechend wäre die philosophische Methode der begrifflichen Klärung von Wissenszusammenhängen auch auf die Medizin zu übertragen. Er beschrieb die Aorta und die Gefäßverzweigung. Dieses ist der Diskussionskontext. die nur ein sehr ungefähres Bild seiner medizinischen Konzeption erlauben.314 4 Die griechisch-römische Antike gen des menschlichen Körpers kennt. 24. Bevorzugtes Mittel hierzu ist die Diätetik..6 Die athenische Schule Abhängig von der sizilischen Schule ist die 4. Nur in solch einer auf klaren Begriffen und damit einsichtigen Prinzipien beruhenden Systematisierung des medizinischen Wissens wäre dann auch Ordnung in der Vielfalt der für eine Therapie zu beachtenden Faktoren und ein Verständnis der hier effektiven Wirkzusammenhänge darzustellen. die zur Leber führen. doch muss er zumindest zur Diätetik Werke veröffentlicht haben. Politikos. gelbe und schwarze Galle. Sämtlicher Werke. in Platon. 5. hat er vor allem die Diätetik weiterentwickelt und scheint sich hier auch an Philistos angelehnt zu haben. Von seinen Auffassungen zur Anatomie sind ebenfalls nur Bruchstücke bekannt.75 die Medizin als Wissenschaft. spätestens damit wurden so die Vorstellungen des Empedokles und die hierauf aufbauende Konzeption der sizilischen Schule in Athen eingehender bekannt. S. 75 Platon.und der Dünndarm. ab. Jahrhunderts arbeitete Philistos von Lokri bei Syrakus seine Pathologie auf Grundlage dieser Viersäftelehre aus. dass das ursprüngliche Mischungsverhältnis dieser vier Säfte. . in denen sich die vier Elemente abbilden. so im Politikos. in dem nun auch Platon zur Medizin Stellung nimmt. Bd. Jahrhunderts wirkte in Athen Diokles von Karystos. das in seiner Gesamtheit letztlich nur als Kasuistik überlieferte Wissen will er strukturieren. die ein theoretisches Prinzipienwissen zugunsten einer empirischen Praxis ablehnte. In seiner Krankheitslehre hat ihm zufolge die Einzelfalldarstellung besondere Bedeutung.1. differenzierte aber nicht zwischen Nerven und Gefäßen. Anscheinend. Eigene Werke sind unbekannt. 4.

die diokletische Lehre vom Herzen als Sitz der Seele und Ausgangspunkt der Nerven zum Dogma erhob.4. Den Vertretern dieser Schule zufolge ist das Zwerchfell der Sitz des Verstandes. 4. wurden nun aber zwei Grundstoffe. unter Aufgabe der Lehre der Koer von der Bedeutung des Gehirns. schon der Schüler wich häufig von der Lehre des Meisters ab. des Gesamtbestandes der in Kos kanonisierten Schriften. der das naturphilosophische System des Anaxagoras weiterführte.3.1. Durch die Adern kommuniziere es mit dem ganzen Körper. die auszugleichen waren. Auch hier sind Nahrungsüberschüsse die Krankheitsursache. Demgegenüber beschrieben die Knideer jeweils einzelne Krankheiten. Die Anhänger der koischen Schule gingen davon aus.3. dass das Gehirn das Zentralorgan der Geistestätigkeit sei. zu dem die jeweils individuelle Krankheit je eine individuelle Abwandlung darstellte. So haben dann auch die Stoiker an diesen Lehren angeknüpft. So wirkte die koische Schule über Praxagoras auf den noch zu besprechenden Alexandriner Herophilos: über Chrysippos führt dagegen die knidische Tradition bis hin zu Erasistratos. dann schon relativ bald von der koischen Schule in ihren kanonischen Schriftenbestand mit integriert. dessen Werk und die dann folgende Zuschreibung auf ihn noch eingehender zu betrachten ist. und so muss durch Therapien wie Abfuhr und Diätetik das Gleichgewicht der Körpersäfte wieder neu eingestellt werden. im Wesentlichen in ihrem therapeutischen Ansatz. Initiiert.8 Die koische Schule Die koische Schule nimmt demgegenüber an. das Warme und das Kalte. Dabei unterscheiden sich diese beiden Schulen. Durchströmt werden diese vom Pneuma. Dabei sind dann die Arterien mehr mit Luft. Im Anschluss an den Athener Archelaos (etwa 480–410 v. angenommen. insbesondere auch im Bereich operativ-chirurgischer Eingriffe.und Erfindungsvermögens.3 Medizin in der griechisch-römischen Antike 315 4. Allerdings werden gerade diese Bereiche. Jahrhunderts.1. dass es so etwas wie ein allgemeines Krankheitsbild gab. Chr. in denen Einflüsse der knidischen Schule nachzuweisen sind. die koische und die knidische Ärzteschule. das Haupt dieser Schule in aristotelischer Zeit. Er und seine Schüler beherrschten mit ihren Theorien die zweite Hälfte des 4. Von einer Einheitlichkeit der Lehre innerhalb dieser Schulen ist keine Rede. Dieses sei der Träger des Denk. wo bereits Praxagoras. Das zeigt sich etwa in den gynäkologischen Schriften des so genannten corpus hippocraticum.). Die Pathologie dieser Schule basiert auf der Viersäftetheorie. Entsprechend vielfältiger waren denn auch deren therapeutische Ansätze.7 Die aiginetische Schule Die aiginetische Schule führte die knidische Tradition fort. die sie dann in ihrer jeweiligen Eigenart zu therapieren suchten. die Venen weniger mit Luft gefüllt. nicht aber in Bezug auf die grundlegenden naturphilosophischen Vorstellungen. . Längeren Bestand hatten von diesen Schulen nur die koische und die knidische. einschließlich der Gynäkologie. Besonders klar tritt das in der koischen Schule zu Tage. getragen und in ihren wesentlichen Momenten formiert wurde diese Schule von Hippokrates. Beide Schulen übten dann in hellenistischer Zeit in Alexandria großen Einfluss aus.

als Ungleichgewicht der Körpersäfte interpretiert. d. sondern der seinerzeitigen medizinischen Schulen überhaupt war Hippokrates. Die – nach dem Urteil von Platon und Aristoteles – beeindruckendste Gestalt nicht nur der Schule von Kos. Hippokrates stammte aus dem Geschlecht der Asklepiaden. In der letzten Schrift erschließt sich denn auch die spezifisch hippokratische Betonung der Prognostik. Der Tradition zufolge. Auf ein vereinfachendes generelles Schema eines Krankheitsverlaufes wird dabei bewusst verzichtet. die aber ins Legendenhafte führt. Wobei er dann im Verlauf der Behandlung aber immer wieder einzelne vergleichbare Fälle. Die Krankheitssymptome werden als Reaktionen des Körpers gedeutet. über die dieses Gleichgewicht der Säfte wieder herzustellen sei. Hierzu werden in den nach dem zentralen Autor der koischen Schule hippokratisch genannten Schriften zahllose Behandlungsmaßnahmen begründet. als Resultat des Ungleichgewichtes der vier Körpersäfte (Blut. die systematische Beobachtung aller Anzeichen bei einem Patienten und die daraus gezogenen Schlüsse über das Auftreten und den Verlauf der Krankheit. und die dann auch b) Vergleichsfälle bereithalten. Arzneimittel und operative Eingriffe unterstützen. Hippokrates ist die zentrale Figur der antiken praktischen Heilkunde. . die hier registrierten Phänomene und die damit einhergehende Entwicklung der Krankheitsverläufe zu vergleichen hat. Darin konnte dann der Arzt den Körper durch Umstellung in der Lebensweise. in Larissa. Hierzu gehören dann etwa die bis in die frühe Neuzeit übliche Anwendung von Aderlässen sowie die Nutzung von Schröpfköpfen und Abführmitteln. ganz in diesem Sinne. physiologisch ausgerichteten Ansätzen in der Medizin auseinandersetzen mussten. So erhielt er seine erste medizinische Unterweisung von seinem Vater. Verordnung einer Diät. Es galt für Hippokrates zu vermeiden. rückgreifend auf die Vorstellung des Empedokles. Chr. dass zumindest die Bücher über die Epidemien sowie das Prognostikon im Wesentlichen auf ihn zurückgehen. Offenbar praktizierte er als wandernder Arzt in Griechenland und Kleinasien. kranke Säfte unschädlich zu machen und auszustoßen. Unklar ist auch sein persönlicher Beitrag zu dem umfassenden nach ihm benannten Schriftcorpus der von ihm begründeten Schule von Kos. Dieser therapeutische Ansatz und dessen konsequente Durchführung ist originär hippokratisch. Wobei charakteristisch ist. lernte er aber auch bei dem Philosophen Demokrit von Abdera und dem Gymnasten Herodikos von Selymbria. Sie ist verbunden mit einem hohen Ethos des behandelnden Arztes. Thessalien. dass vereinfachende Verallgemeinerungen aufgestellt wurden. Krankheit wurde derart.316 4 Die griechisch-römische Antike Die koische Schule wendete sich dabei allerdings radikal von den überkommenen magisch-religiösen Vorstellungen ab und erklärte die Krankheiten naturphilosophisch. h. die in ihrem Nebeneinander a) den Blick für das Erkennen von Anzeichen schärfen. deren Anhänger sich allerdings über die gesamte Antike hinweg immer wieder mit stärker analytisch. Hippokrates von Kos wurde um 460 v. dass der jeweilige Einzelfall in all seinen Besonderungen dargestellt wird. Chr. Seine Schriften enthalten denn auch detaillierte Fallstudien. auf der griechischen Ägäisinsel Kos geboren und starb um 375 v. Es lässt sich allerdings erschließen. Schleim gelbe und schwarze Galle). die sich selbst auf den Heilgott Asklepios zurückführten. an denen sich der Mediziner für den Aufbau einer speziellen Therapie in dem ihm vorliegenden Fall orientieren kann. Über sein Leben selbst ist – das zeigen schon diese Einschränkungen – wenig bekannt. der Sohn des Herakleides.

Die chirurgischen Abhandlungen De fracturis und De articulis dürften zur Zeit des Hippokrates entstanden sein.4. Hippokrates: Fünf auserlesene Schriften.3. . Demnach tragen mindestens 60 Schriften seinen Namen. n. Sicher aber entstand sie in seinem näheren Umfeld und sicher ist sie symptomatisch für das naturwissenschaftliche Denken und den Beobachtungsstil der hippokratischen Schule. das als corpus hippocraticum überliefert ist. v. Der Medizinhistoriker Capelle schreibt hierzu: Hippokrates hat es als Arzt und Naturforscher unternommen. III und VII sowie des Prognostikon. findet seinen Ausdruck noch heute in der Formel des hippokratischen Eides. Deren Grundgedanke ist nicht. der Schrift „Über die heilige Krankheit“ sowie des Traktats „Über die Umwelt“. was noch nie jemandem in den Sinn gekommen war.3 Medizin in der griechisch-römischen Antike 317 der sich dann in der Tat in den Dienst der Behandlung seines Patienten stellt und hierzu auch sein eigenes Leben weitgehend nach dem Krankheitsverlauf seines Patienten ausrichtet. Jh. Magie oder religiöse Denkmuster anzuwenden. 4. der dieses Verständnis von Therapie und die entsprechenden Anforderungen an einen Arzt für die europäische Tradition verbindlich gemacht hat. deren Entstehungszeitraum allerdings vom 4. Dabei ist zwar nicht völlig sicher. eine Erklärung der Epilepsie und ihrer Symptome zu geben. sondern physiologische Prozesse als Erklärung für gerade auch diese besonders herausgehobene Krankheit darzulegen. allerdings ist er zum mindesten der Autor der Schriften Epidemien I. sondern geradezu als genial bezeichnet werden. Den Lesern – gedacht war die Schrift eigentlich nur für Ärzte – sollte damit die Möglichkeit gegeben werden. Entstehung und Verlauf epileptischer Anfälle erklären zu wollen. 63.76 76 W. Dieser Gedanke des Hippokrates kann nach seiner Konzeption und nach seiner Ausführung nicht nur als völlig original. Chr. Nur der kleinere Teil dieser Schriften dürfte von Hippokrates verfasst worden sein. Es war ja überhaupt vor ihm noch niemandem eingefallen. Jh. S. In der Schrift Über die heilige Krankheit wird versucht. Chr. Zürich 1955. insbesondere des Klimas. bei ähnlichen Erkrankungen Voraussagen über den Krankheitsverlauf zu machen und etwaige Behandlungsmethoden zu übernehmen. vielleicht aber auch der Autor der Schrift über Epilepsie. das Hippokrates für die Mitglieder seiner Schule explizit machte.1. bis in das 1. Ein besonderes Gewicht liegt dabei in der Berücksichtigung der Umwelteinflüsse. Dieser Ansatz wurde dann in Kos zunächst von seinen Söhne Drakon und Thessalos weitergeführt.9 Hippokrates und das corpus hippocraticum Grundlegend für den Erfolg und die weitreichende Bedeutung der Ärzteschule in Kos ist deren kanonisiertes Schrifttum. entstammen aber sicher nicht seiner Feder. Capelle. Um hier die Art der Argumentation und die Qualität der Beobachtung augenfällig zu machen. die Lehre des Alkmaion vom Primat des Gehirns zur Erklärung von der Entstehung und dem Verlauf der Epilepsie als Grundlage zu nehmen. wird im Weiteren eine längere Passage aus dieser Schrift zitiert. Dieses hohe Ethos. reicht. Die Epidemien (die Schriften über zeitweise örtlich verbreitete Krankheiten) enthalten eine Reihe von sehr detailliert geschilderten Krankengeschichten. ob diese Schrift aus der Feder von Hippokrates selbst stammt.

sondern sie hat den gleichen Ursprung wie die anderen. wollte man über jedes von ihnen reden. die behauptet haben. Doch sind sie noch bleich und angegriffen. was sie anwenden könnten. weil sie in nichts den anderen Krankheiten gleicht. was als . bis sie aufwachen und dann wieder gesund und bei Verstand sind wie vorher. daß andere Krankheiten. Schwarzschwänze. Mir aber scheinen diejenigen. die für kranke Menschen schädlich wären: so von Seetieren keine Barben. sie verbieten aber auch Fleisch von Ziegen. von Turteltauben und Trappen. Wenn sie aber wegen ihrer wunderbaren Natur für göttlich gehalten wird. Doch haben die Menschen infolge ihrer Unwissenheit und ihrer Verwunderung. Und infolge ihrer Ratlosigkeit – weil sie den wahren Sachverhalt nicht erkennen – bleibt ihr (bei den Menschen) der göttliche Charakter gewahrt. wie es auch jetzt Zauberer. Wie ich denn auch weiß. daß diese Krankheit heilig wäre. dagegen geht ihr infolge der Leichtigkeit des Heilungsverfahrens. Sühnepriester. Diese Menschen sind es. die niemand für heilig hält. als wären sie ganz besonders gottesfürchtig und wüßten mehr als die gewöhnlichen Menschen. verordneten. sondern oft vor. ferner all das nicht. die sich den Anschein geben. Schweinen und Hunden – denn diese Fleischarten bringen den Unterleib am stärksten in Aufruhr. Pfriemenfische und Aale – denn der Genuß dieser Fische wäre besonders gefährlich –. Und noch viel andere Dinge aller Art gibt es. würde das ins Endlose führen. Bettler und Schwindler gibt. und von Vogelarten dürfte man nichts essen vom Huhn. welche drei oder vier Tage dauern – über die sie sich weiter gar nicht wundern – nicht weniger heilig zu sein und von einem Gott herzurühren als diese Krankheit. Denn einerseits scheinen mir die Fieber. daß viele Menschen im Schlaf jammern und schreien und daß andere zu ersticken wähnen und andere von ihrem Lager aufspringen und hinauslaufen und von Sinnen sind. Hirschen. Sie haben sich nämlich alle möglichen glaubhaften Gründe ersonnen und so ihre angebliche Heilung für sich selber gefahrlos gemacht. keine Bäder zu nehmen und mancherlei Speisen zu meiden. geglaubt. Wie ich denn zeigen werde. weil sie sie durch Sühnungen und Besprechungen zu heilen versuchen. dann muß es sehr viele heilige Krankheiten und nicht nur diese eine geben. Sie scheint mir um nichts göttlicher oder heiliger zu sein als die anderen Krankheiten. Menschen solcher Art zu sein. um den Menschen zu helfen. damit sie ihrerseits nicht als Menschen entlarvt werden. ihr Wesen und ihre Ursache seien etwas Göttliches. die aus keinem einleuchtenden Grunde wahnsinnig und geistesgestört sind und vielerlei Unsinniges tun. die überhaupt nichts wissen. die jeden Tag und ebenso die. Andererseits sehe ich Menschen. Sie wandten Sühnungen und Besprechungen an. um nichts weniger wunderbar oder rätselhaft sind. dieser Charakter verloren. das die Menschen ihr gegenüber anwenden. Diese nun nehmen die Gottheit zum Vorwande für ihre Ohnmacht.318 4 Die griechisch-römische Antike Quellentext: Hippokrates – Über die Heilige Krankheit Mit der sogenannten heiligen Krankheit hat es folgende Bewandtnis. und dies kommt nicht einmal. die zuerst diese Krankheit für heilig erklärt haben. um etwas zu besitzen.

sondern Machwerk von Menschen. Ich für meine Person meine. sondern die Götter. Denn wer imstande ist.4. als ob sie die Schuldigen wären. Denn sie haben keine Decke des Nachts. wie ich zeigen werde. so daß es scheinen könnte. Und vor allem zielt ihre Rede auf die Einwirkung der Gottheit und der Dämonen. der kann es auch durch andere Praktiken heraufbeschwören. die Krankheit verursachen oder. Daher scheinen mir diejenigen. dann ist nicht die Gottheit die Ursache von irgendeinem Geschehen. kein Kleid und keine Sandalen. Und von Gemüsen verbieten sie Minze. Denn wenn sie behaupten. heilen. kein einziger Mensch gesund wäre. Wenn aber diese Dinge. infolge ihrer Verordnung nicht gegessen. was hindert da. sondern vielmehr über Gotteslästerung. die das Binnenland bewohnen. daß dann ihre Verteidigungen sicher Glauben finden würden und sie einen Grund dafür angeben könnten. wenn der Kranke gesund würde. indem sie ihnen Reinigungen und Entsühnungen vorschreiben. Denn sie hätten ja keine Mittel zu essen oder zu trinken verordnet. als ob sie ein tieferes Wissen besäßen. Denn wenn sie durch solche Sühnemittel und ein solches Verfahren vertrieben wird. wenn man sie anzieht oder ißt. damit. Sie haben auch kein anderes Vieh als Ziegen und Rinder. daß sie auch durch andere Praktiken gleicher Art den Menschen angehext wird und sie anfällt? Dann wäre aber nicht mehr die Gottheit schuld daran.3 Medizin in der griechisch-römischen Antike besonders stark wirkend gilt. Dies alles verordnen sie wegen der Gottheit. Unter dieser Voraussetzung kann von einer göttlichen Einwirkung keine Rede sein. sie könnten den Mond herabziehen. Man dürfe auch keine schwarze Kleidung tragen – denn Schwarz sei die Farbe des Todes – und auch nicht in einem Ziegenfell schlafen oder ein solches tragen und nicht einen Fuß vor den anderen setzen und nicht eine Hand auf die andere legen. Mit solchen Reden und Machenschaften geben sie sich den Anschein. auch keine Bäder empfohlen. Wahrhaftig! Mir wenigstens scheinen sie ihre Reden nicht über Gottesfurcht zu halten. daß sie nicht daran schuld wären. wie sie wähnen. und daß es keine Götter gibt. Dann ist aber die Einwirkung der Gottheit ausgeschlossen. die nicht aus Ziegenfellen gemacht wären. denn all diese Dinge seien Hindernisse. als ob sie mehr als andere Menschen wüßten und andere Gründe hätten. dies ihr Verdienst infolge ihrer Weisheit wäre. die auf solche Weise versuchen. die Sonne verfinstern und Sturm und gutes Wetter machen und Regen und Dürre und Land und Meer mit Unfruchtbarkeit schlagen und Teufelswerke solcher Art vollbringen – 319 . sondern die Speisen sind es. denn Scharfes sei für Kranke nicht zuträglich. und nicht die Entsühnungen nützen irgend etwas. Knoblauch und Zwiebeln. durch Sühnezeremonien oder Zaubermittel ein solches Leiden zu bannen. die heilen oder schaden. und betrügen die Menschen. Denn ihre angebliche Frömmigkeit und ihre Gottesfurcht ist in Wahrheit Gotteslästerung und der Tod aller Religion. daß dann von den Libyern. diese Krankheit zu heilen. wenn er aber stürbe. weil sie in Ziegenfellen schlafen und Ziegenfleisch essen. diese weder für heilig noch für göttlich zu halten.

Und wenn sie solches tun. andere bringen sie auf abgelegene Berge.320 4 Die griechisch-römische Antike sei es. das käme von der Göttermutter. sondern nur Menschenwerk. sondern Menschen. und wenn sie nach der rechten Seite hin fallen. Sie sollten doch diese Dinge vielmehr in die Tempel bringen und der Gottheit weihen. durch geheime Weihen oder vermittels einer anderen Erkenntnis oder Praktik so etwas fertigzubringen –. Ich für meine Person glaube nie und nimmer. h. dann käme das von Apollon Nomios. dann . dann wäre meines Erachtens nichts von diesen Dingen göttlichen Ursprungs. Doch vielleicht ist das alles überhaupt nicht so. indem sie von jeder Erscheinungsform dieser einem Gott die Schuld geben. die nichts zu essen haben. dann heißt es. Wenn der Kranke aber lauter und stärker schreit. wenn die Macht der Gottheit durch Menschenwitz überwältigt und geknechtet wäre. sondern „entsühnen“ nur. behaupten. Aber wenn ein solcher Mensch von anderer Seite befleckt werden oder etwas erleiden sollte. wenn wirklich ein Gott daran schuld wäre. Und die Gegenstände der Entsühnung verbergen sie in der Erde. Denn sie „reinigen“ die von der Krankheit Befallenen mit Blut und anderen ähnlichen Mitteln. Sie aber tun nichts derart. irgendetwas von diesen unheimlichen Dingen zu verhindern. daß sie überhaupt keine Macht haben und daß sie nicht imstande sind. dann sagen sie. dann sagen sie. sondern tausendmal bringen sie solches Zeug vor. die Gottheit zum Ruchlosesten und Gottlosesten. das klänge wie das Wiehern eines Pferdes. das seien Anfälle der Hekate und Anfechtungen von Heroen. anzunehmen. die so etwas betreiben. oder doch. Und da veranstalten sie Entsühnungen und Besprechungen und machen. das wirke „der Gott am Wege“. Denn wenn ein Mensch durch Zauberei und Opfer den Mond herabzöge. andere werfen sie ins Meer. d. das Vergänglichste von dem Allerheiligsten. vor allem aber auf diese Krankheit. wie mich dünkt. sind sie Todfeinde der Götter. wo keiner hinkommt und sie berührt. dann sei Ares daran schuld. als ob diese einen scheußlichen Schandfleck an sich hätten oder fluchbeladene Mörder oder von Menschen gebrandmarkt wären oder irgendeine Greueltat verübt hätten! – Sie sollten doch gerade das Gegenteil von diesen Dingen tun: opfern und beten und den Greuel in die Tempel bringen und die Götter um Gnade anflehen. dann sagen sie. und davon sei Poseidon die Ursache. dann scheinen sie mir Gott zu lästern und überhaupt nicht an Götter zu glauben. Und wenn die Kranken das Meckern einer Ziege nachahmen oder mit den Zähnen knirschen. Wenn aber nachts Schreckbilder vor ihnen stehen und Ängste und Wahnvorstellungen und sie von ihrem Lager aufspringen und in ihrer Todesangst aus dem Hause stürzen. Wenn aber der Fallsüchtige Schaum aus dem Munde schleudert und mit den Füßen um sich schlägt. die Sonne verfinsterte und Sturm und gutes Wetter machte. Wenn aber dem Kranken Kot entfährt – was ja oft bei den von dieser Krankheit Befallenen vorkommt –. daß die Menschen. Denn nicht einmal. hecken alles mögliche aus und verwenden Lügengespinste auf alles mögliche andere. wie bei den Vögeln. daß ein menschlicher Körper von einem Gott befleckt wird. Wenn aber die Exkremente dünner und häufiger sind. wenn es sie gäbe.

ist dieser: die Schleimsüchtigen bekommen sie nämlich von Natur. sie ist es. daß an demselben Leiden. wie auch von den anderen Hauptkrankheiten. die tilgt und entsühnt doch gerade die Gottheit. die uns reinwäscht. die eine von der Leber aus. Er gabelt sich aber nach dem Herzen und dem 321 . damit sie niemand überschreitet. von dem sein Vater oder seine Mutter heimgesucht war. als ob wir irgendwie befleckt wären. aus dem jedes Ding geschieht. dann besprengen wir uns mit geweihtem Wasser. Denn wenn von Schleimsüchtigen ein Schleimsüchtiger und von einem Gallsüchtigen ein Gallsüchtiger und von einem Schwindsüchtigen ein Schwindsüchtiger und von einem Milzsüchtigen ein Milzsüchtiger abstammt. Denn die ärgsten Frevel und ruchlosesten Taten. daß diese Krankheit um nichts göttlicher ist als die anderen. Und die Natur und die Ursache davon ist die Gottheit. Und mit der von der Leber herkommenden steht es so: der eine Teil dieser Ader erstreckt sich nach unten zur Rechten an der Niere und der Lende vorbei in das Innere des Oberschenkels und zieht sich bis in den Fuß und wird Hohlvene genannt. Und die Krankheit ist heilbar. was hindert da. in der Vererbung. Daher hat der Mensch nicht immer an derselben Stelle des Kopfs Schmerzen. viele feine Adern und zwei dicke. daß diese nicht schon durch lange Zeit in solchem Grade eingewurzelt ist. um diesen abzuwaschen. Der andere Teil steigt aufwärts durch das rechte Zwerchfell und die Lunge. Das ist meine Meinung von den Entsühnungen. auch eins ihrer Kinder krankt? Denn der Samen kommt von allen Partien des Körpers her. um nichts weniger als andere Krankheiten. Wir selber setzen ja die Grenzen um die Tempel und die heiligen Bezirke fest. Sie hat aber ihren Ursprung. vielmehr hat sie die gleiche Natur wie die anderen Krankheiten und den gleichen Ursprung. dann müßte diese Krankheit alle gleichermaßen befallen und kein Unterschied zwischen Gallsüchtigen und Schleimsüchtigen sein. wenn er nicht lauter und rein ist. daß sie schon stärker ist als die von Menschen angewendeten Heilmittel. Seine Mitte scheidet eine feine Haut.3 Medizin in der griechisch-römischen Antike müßte er doch eher von dem Gott gereinigt und entsühnt als von diesem befleckt werden. vorausgesetzt. gerade wie auch die anderen Krankheiten. zuweilen aber auch im ganzen Kopfe. die andere von der Milz her. Und wenn wir in ein Heiligtum eintreten. sondern für den Fall. sondern abwechselnd auf der einen und auf der anderen Seite. Auf welche Weise und aus welchem Grunde sie entspringt. Diese Krankheit scheint mir überhaupt um nichts göttlicher zu sein als die anderen. werde ich deutlich erklären. Das Gehirn des Menschen ist zweifach wie auch bei allen anderen Lebewesen. daß wir noch von früher einen Makel an uns haben sollten. dagegen werden die Gallsüchtigen überhaupt nicht von ihr befallen. Und Adern münden in dieses aus dem ganzen Körper. Ein zweiter starker Beweis dafür. von der auch alles andere seinen Ursprung hat. Wenn sie aber göttlicher wäre als die anderen. nicht.4. Doch ist ja überhaupt Ursache dieses Leidens das Gehirn. von den gesunden ein gesunder und von den kranken ein kranker.

werden gewöhnlich von dieser Krankheit nicht ergriffen. durch die wir Luft in uns hineinziehen und in den übrigen Körper durch die feinen Äderchen leiten. Und wenn bei kleinen Kindern Wunden im Kopfe und in den Ohren und im übrigen Körper entstehen. sie bringen Erfrischung und lassen dann die Luft wieder hinaus. deren Körper innerlich rein ist. als ein feines Äderchen. und zwar nach oben und nach unten. daß der Atem nicht durch sie hindurchgehen kann. dann wird der werdende Mensch den gesundesten Kopf haben. Wenn diese Reinigung gut und in dem rechten Maße vor sich geht und weder mehr noch weniger als nötig ist. und wird weder Sonnenschein noch Kälte vertragen können. von dieser Krankheit ergriffen zu werden. Denn es ist unmöglich. Denn gerade wie die anderen Teile wird auch das Gehirn vor der Geburt gereinigt und hat ein Aufblühen. abfließt. am besten. Denn wenn er irgendwo stockt und abgesperrt ist. geht in das rechte Ohr. Wenn aber zuviel von dem ganzen Gehirn abfließt und so ein übermäßiger Abfluß stattfindet. aber nicht die Gallsüchtigen. die weder eine innere Wunde haben noch Nasenschleim noch Speichel aussondern und auch im Mutterleibe keinerlei Reinigung durchgemacht haben. daß der Atem stillsteht.322 4 Die griechisch-römische Antike rechten Oberarm hin. wo er stockt. dann befinden sich diejenigen. Durch diese Adern ziehen wir auch den größten Teil der Luft ein. die dauernd Speichel absondern und Ausfluß aus der Nase haben. so wird jener Teil geschädigt. so daß man ihn sehen kann. z. Wenn aber die Reinigung nicht erfolgt. der andere dagegen. Es zieht sich aber auch von der Milz eine Ader nach der linken Seite. die auf diese Weise die Reinigung erfahren haben. dann muß der Mensch unweigerlich ein Schleimsüchtiger werden. und dort spaltet er sich: der dickste. in welchem Maße der Abfluß stattfindet. So steht es mit den Adern und der übrigen Einrichtung des Körpers. die sind in Gefahr. Wenn aber der Abfluß von einem bestimmten Teile. der schon im Mutterleibe hätte ausgeschieden werden sollen. . Ein Zweig aber geht in das rechte Auge. dann wird der wachsende Mensch einen kranken Kopf haben. der sich noch im Mutterleibe befindet. sich zu bewegen. ein anderer in die Nase. Und Kinder. unfähig. sondern er geht ständig auf und nieder. Aber Kinder. ganz ähnlich wie die von der Leber. wenn sie älter werden. Diese Krankheit befällt die Schleimsüchtigen. B. bis dicht unter die Haut. je nachdem. dann wird jener Teil. größte und hohlste Arm mündet in das Gehirn. erfolgt oder sich eine Ader zusammengezogen hat. Denn diese sind Luftlöcher unseres Körpers. sondern im Gehirn eine Zusammenballung stattfindet. der voll von Geräusch ist. Beim Ohr verschwindet er. dann tritt sofort eine Lähmung ein. Der letztere zieht sich aufwärts durch das Schlüsselbein nach der rechten Seite des Nackens. vom Auge oder Ohr. Denn auf diese Weise wird der Schleim ausgeschieden. Der Beweis hierfür: wenn bei einem Menschen im Sitzen oder im Liegen die Äderchen so zusammengepreßt werden. Sie nimmt ihren Ursprung im Embryo. aber feiner und schwächer. So gehen von der Leber die Adern aus.

Dieser zufolge korrespondierten diesen vier Säften die vier Grundelemente der Naturphilosophie. sol er mit seinen Juengern dergestalt abgewendet haben. andernfalls weniger oft. Denn wenn der kalte Schleim zur Lunge oder zum Herzen herabströmt. Buecher und Schriften von der Natur. 77 Der römische Kompilator Plinius berichtet über Hippokrates wie folgt: Die schreckliche Pestilentz. den er mit dieser Therapie und deren Überwachung ja über den gesamten Krankheitsverlauf begleitete. Über die heilige Krankheit. Und wenn die Zuflüsse von oben häufiger erfolgen. Die Adern aber. 4. dass sich in der Schule von Kos die von Hippokrates übernommene Viersäftelehre fest etablierte (Abb. erkaltet das Blut. Wenn er aber in den Unterleib dringt. Zentrale Therapiemethode war die Diätetik und das Einstellen der Lebensumstände des Patienten. . Epid. zitiert nach: www. So war an der Verteilung und Beschaffenheit der Körpersäfte abzulesen. Besondere Bedeutung gewann hierbei die Urindiagnostik. schlagen gegen die Lunge und das Herz. .de/#hl=de& sclient=psy-ab&q. einige werden sogar buckelig. 5–6. Denn der Kranke empfängt nicht so viel Atem. langsamer.3 Medizin in der griechisch-römischen Antike 323 Wenn aber der Herabfluß seinen Weg zum Herzen nimmt. und seine Brust will zerreißen. wenn der Strom auf die Lunge und das Herz geht. 78 Plinius. wenn aber weniger herabkommt. finden die Anfälle häufiger statt. Von den Medicis. bis der herabströmende Schleim überwältigt und durchwärmt ist und sich dann in die Adern verteilt. III. Es hört aber je nach der Menge des Zuflusses auf. dann ergreift den Kranken Herzklopfen und Atemnot. Ferner ergab sich hieraus auch der Ansatz für eine Diagnose.78 Sicher ist. art und eygenschafft aller Creaturen. wenn zuviel herabströmt. Hierbei war schon für Hippokrates die Farbe und der Geschmack des Urins – etwa ein Test eines möglichen Zuckeranteils – etablierte Diagnosemethode. nach: Plinius Gaius Secundus. Das nun erleidet der Kranke. So konnte doch an den Ausscheidungen des Körpers die Zusammensetzung der Körperflüssigkeiten abgelesen werden. daß er die Waelde allenthalben fuer der Statt ließ abhawen und grosse Feuwer drumb her machen.4. Dann hört das Herzklopfen und die Atemnot auf. . 77 Hippokrates.google. Diese Vorstellung gab den Ansatz für eine einheitliche medikamentöse Therapie. Und das Herz klopft heftig. ob und inwieweit ein Ungleichgewicht in der inneren Zusammensetzung der Elemente des Körpers eingetreten war. wie er möchte. die so stark erkalten. die Disbalancen eines Elementes entsprechend durch Abfuhr oder Zugabe der zuviel vorhandenen oder eben zuwenig angelegten Substanz auszugleichen erlaubte.59). Apoteckern und Wundärzten. erfolgen Diarrhöen. so dass sich die Eigenschaften der Säfte korrespondierend zu den Eigenschaften der Elemente verhielten. 17. schneller. welche zu seiner Zeit zu Athen und Illyria einfiel und von ihm vorhin war angezeigt. . Frankfurt 1584. so daß infolge dieses Zwanges Atemnot und Engbrüstigkeit eintreten. zit. Entsprechend umfassend musste sich dann auch ein Arzt einem einzelnen Patienten widmen.

Muskeln und Sehnen gehen aus dem Knochenmark hervor. 4. Jahrhundert in der Medizin verbindlich. . wobei die Neura. in dem Ereignisse der Zukunft zu erahnen seien. Es bildet das Zentrum und den Motor des Blutsystems. diese umfassen neben den Nerven auch Bänder. Die Leber gilt als Ort des Ahnungsvermögens.1. Sehnen und die Harnleiter. Bei den Letzteren differenziert er auch zwischen Venen und Arterien. Erstere seien mit Blut gefüllt.324 4 Die griechisch-römische Antike (Feuer) GELBE GALLE (Leber) Abb. Das Herz hat nach Praxagoras drei Kammern. das sind die Sehnen und die Nerven.10 Das dritte Jahrhundert Schon bei Praxagoras von Kos. Die reinen derart aus der Nahrung aufgenommenen Stoffe lagern sich dabei in der Milz ab. sondern benennt die Nerven als Unterkategorie der sogenannte Poroi oder Poren. tritt der Tod ein. Die Begierde hingegen ist im Unterleib beheimatet.59 Schema der Grundorganisation der Körpersäfte und der körperlichen Zustände nach Hippokrates heiß trocken (Erde) SCHWARZE GALLE (Milz) (Luft) BLUT (Herz) feucht kalt (Wasser) SCHLEIM (Hirn) Die anatomischen und physiologischen Vorstellungen des corpus hippocraticum zeigen den Einfluss Platons auf die Schule von Kos. womit dann auch wieder das Herz zum Zentralorgan der Vernunft wird. Sie stelle – so die entsprechende Schrift – einen glatt glänzenden Spiegel dar. die bei Fieber anschwillt. in der Schule aktiv war. die vom Herzen ausgehenden Befehle in Bewegung umsetzen. Praxagoras unterscheidet nunmehr zwischen Nerven und Gefäßen. Wenn es zu schlagen aufhört. 4. Letztere transportierten das Pneuma. Knochen. Chr. ins Blut überführt und dann mit diesem im Körper verteilt. der zwischen 340–320 v. Dagegen lokalisiert sich das Empfindungsvermögen in der Brust – hieraus erklärt sich dann die besondere Rolle des Herzens in der weiteren Empfindungslehre. Diese Definition des Todes war bis in das 20. Nahrung wird über den Darm aufgenommen. So lag nach Platon der Sitz der Vernunft im Gehirn. Entsprechend setzt dies auch das corpus hippocraticum an. Praxagoras unterscheidet nun nicht einfach zwischen Nerven und Blutgefäßen.3. Dabei zeigt sich in physiologischen Darstellungen ein direkter Einfluss des Aristoteles. sind die grundlegenden anatomisch-physiologischen Vorstellungen jedoch wesentlich differenzierter.

präsent. seiner Vorstellung zufolge. das praktische Wissen der Medizin analytisch zu unterfüttern. das durch innere Wärme und Pneuma gebildet wird. Mit dieser Sicherung setzt zugleich auch eine intensive Auseinandersetzung mit dem hippokratischen Medizinverständnis ein.4. wo sie sich in Blut verwandelt. an dem sich die nächsten wichtigen Etappen der Entwicklung der griechischen Medizin fortschrieben. v.3 Medizin in der griechisch-römischen Antike 325 Das Gehirn kühlt nun. Erasistratos und Herophilos suchen den Wissensbestand der kasuistisch vorgehenden Hippokratiker nicht einfach auszuweiten. Zugleich blieb über die philologische Tradition Alexandriens und in den Sammlungen der Bibliothek das Wissen der tradierten medizinischen Schulen. Der Ort. In der Ernährung wird nun die durch das Pneuma und die Körperwärme gekochte Nahrung. ist dann auch der Ort. die aus dem Darm aufgenommen wird. vor allem der Traditionen von Kos und Knidos. Funktionell operierend wie ein Blasebalg wird dem Herzen durch diese Bewegungen. das dünne und frische Blut ernährt die Sinnesorgane und die obere Körperregion. Dieses Blut sickert dann getrieben durch das Herz in die Gefäße. um damit die Reaktionen des Körpers besser deuten und so auch die ursache und dan Ablauf von Krankheiten neu verstehen zu können. Jahrhundert vor Chr. die Seele hat allerdings ihren Sitz im Herzen. die aufeinander folgenden Ausweitungen und Kontraktionen. Beide suchen vielmehr durch Forschungen zur Physiologie. Speziell die Schule des Herophilos sucht so die hippokratischen Schriften zu sichern. die sich so in Folge aufblähen und kontrahieren. die vom Herzen aufsteigende Wärme. Jh. Hier arbeiteten Herophilos und Erasistratos und bedienten sich in ihrer Erforschung der physiologischen Grundlagen der menschlichen Organisation wohl zum ersten Mal systematisch der Sektion (und Vivisektion) an Menschen. über Gefäße des Mesenteriums ins Herz transportiert. dort ist denn auch die Quelle des Blutes. vor allem das Museion in Alexandria für die Tradierung und Fortentwicklung des medizinischen Wissens bedeutsam. Analog den Bemühungen um eine Systematisierung des naturwissenschaftlichen Wissens setzt hier dann auch eine Edition und Kommentierung der hippokratischen Schriften ein. Es geht ihnen um ein Verständnis der Funktionen und der Organisation des menschlichen Körpers. Damit ist schon rein organisatorisch das Nebeneinander von mathematisch-analytischer Naturforschung und einer primär praktisch ausgerichteten Medizin aufgehoben. Der Geist als ein Teil der Seele ist nach Praxagoras an kein Organ gebunden. Das dicke Blut dient dabei zur Ernährung des Unterleibs. Der alexandrinische Bibliotheksbestand und das dortige philologische Wissen ermöglichten nicht nur ein eingehendes Studium des medizinischen Schrifttums. Chr. Neben der Schule von Kos wird dann ab dem 3. der für die analytische Naturwissenschaft im Bereich der experimentellen Arbeiten und der Systematisierung vormaliger Wissensbestände zentrale Bedeutung gewann. Im Anschluss an Herophilos entwickelt sich in diesem Denkansatz dann Mitte des 2. zu dessen Erfrischung Luft zugeführt. . Anatomie und experimentellen Pathologie das medizinische Denken neu zu begründen. Und in der Tat lassen sich nun in Alexandria Versuche erkennen. Die mit dieser Ausbreitung des Blutes verteilte innere Wärme des Körpers hat dann unter anderem die Ausweitung der Lungen zur Folge.

die Entwicklung wieder auf den hippokratischen Ansatz einer deskriptiven Sicherung von Therapieverfahren zurück. Damit führt dann. Erkennen lässt sich allerdings sein Ansatz einer funktionsmorphologischen Darstellung von Körperfunktionen.326 4 Die griechisch-römische Antike in Alexandria die sogenannte empirische Schule. Jahrhundert an Tieren unternahmen. die anscheinend auf Sektionen und Vivisektionen basierte. Schließlich ließ er sich in Alexandria nieder. deren Vertretern begegnen wir später in der Nähe von Laodikeia. wie sie Physiologen noch bis in das 19. und entgegen der vorherrschenden Meinung hielt er diese nicht für hohl. im Bereich der Therapie. Chr. Schon in Alexandria konnte sich diese empirische Denkrichtung gegen den theoretisch analytischen Ansatz von Erasistratos und Herophilos durchsetzen Die Schulen der Herophileer und Erasistrateer haben wohl auch schon unter Ptolemaios VIII. Herakleides von Tarent (der um 75 v. doch ist von seinen Schriften selbst für uns nichts erhalten. Therapien zu optimieren. mit Unterscheidung von Groß. Er lieferte auch recht genaue Schilderungen der Anatomie des Gehirns. Erasistratos untersuchte vor allem das Nerven. Die genauen Lebensdaten des Erasistratos (um 305 v. die therapeutische Erfahrung. Die Fallstudie. in Alexandria wirkte) ist einer der letzten großen Vertreter dieser Schule. aber auch seine Differenzierung von sensorischen und motorischen Nerven. ging er nach Kos und setzte dort seine Studien bei Paraxagoras fort. Chr. und nicht der Einblick in die Funktionsmorphologie des menschlichen Organismus. dass alle Nerven letztlich vom Gehirn ausgehen. Physkon (145– 116) Alexandria verlassen müssen. sind das Resultat direkter experimenteller Beobachtungen. Neben seinem Vater und seinem Onkel Medios war auch sein Bruder Kleophantos Arzt. Um 280 v. erhalten. Chr. verbunden mit einer kontinuierlichen Ausweitung des tradierten Erfahrungsschatzes. auch Vivisektionen – an zum Tode verurteilten Verbrechern – soll er ausgeführt haben. die sich beeinflusst durch den philosophischen Skeptizismus von der herophileischen Schule abzweigt. Diese Empiriker stellten nun die analytisch-physiologischen Methoden zurück und suchten das Gesamtgebiet der Medizin als Summe von Therapie-Erfahrungen zu deuten. Und noch Galen hat seinen Kommentar benutzt. Er wurde in Iulis auf der Ägais-Insel Keos (heute Kea) als Sohn des Kleombrotos und der Kretoxene geboren. Dabei erkannte er. Smyrna und Rom.–um 250 v. soll es erlauben. Er unterscheidet zwischen sensiblen und motorischen Nerven.und Kleinhirn und Beschreibungen der Hirnwindungen. Medizin studierte er dann in Athen. sein Lehrer gewesen sein soll. Dabei werden von ihm erstmals systematische Sektionen menschlicher Körper berichtet. Seine Beobachtungen zur Rolle des Kleinhirns für die Bewegungskoordination. unter Vernachlässigung der theoretischen Fächer Anatomie und Physiologie. vor allem in den Verweisen von Galen und Oribasius. Er unterschied das Gefäßsystem für den klei- . in Gegenstellung zu den Versuchen einer theoretischen Begründung der Medizin auf Basis von Physiologie und Anatomie. Chr.und das Kreislaufsystem. wo Metrodoros. wie alle Empiriker. vor allem der Diätetik und Pharmakologie gewirkt. In dieser empirischen Schule wird dann auch die Kommentierung des Hippokrates. Von seinen Schriften sind nur Fragmente. ein Schwiegersohn des Aristoteles. In guter empirischer Tradition wirkte er auch als Hippokrateskommentator. Er hat. gleichsam verbindlich.) sind nicht bekannt.

Ingesamt entstanden in dieser Schule. Auch Herophilos werden wissenschaftliche Obduktionen am Menschen zugeschrieben. Auch Herophilos erhielt seine medizinische Ausbildung bei Praxagoras von Kos. Berichtet ist. Über den Puls. Er differenziert zwischen Nerven und Gefäßen. dass kein körperliches Leiden. Diese Anekdote zeigt. der Sitz des Denkens ist.und Kleinhirn. Bedeutende Arbeiten entstanden aber auch im Bereich der Kräuterkunde. Therapeutik und die Schrift Gegen verbreitete Vorstellungen. Eine Legende erzählt. sind sechs wahrscheinlich echt: Seine Arbeiten über die Anatomie. sondern die Liebe zur unerreichbaren Stiefmutter der Krankheit zugrunde lag. Die Empiriker setzten sich. Als dieser Antiochus untersuchte. Von den Werken. die Luftröhre und die Bachspeicheldrüse. in Fortführung und Ausweitung des corpus hippocraticum sodann Werke zur Diätetik. kennt den Zwölffingerdarm. die Eileiter und die Hirnhaut und beschreibt das Auge mit seinen Membranen wie auch das Zungenbein Er schuf eine Nomenklatur der Organe. die zumindest eine Hippokratische Schrift fortschreibt. Die Anekdote zeigt den Physiologen Erasistratos als Diagnostiker der Kos’schen Schule. unter Philiponos von Kos. betrat die junge Gattin des Königs. schwer erkrankt war und sein Vater. Neben Erasistratos war Herophilos von Chalkedon (um 330 v. Ihm verdanken wir eine Abhandlung über Epilepsie. ihm zufolge. Beschrieben sind detaillierte Sektionen des Hirnes. Erasistratos herbeiholen ließ. Neben den Schriften des Herakleides finden wir hier unter anderem Arbeiten des Apollonios von Kriton. Stratonike I. und Erasistratos erkannte. wie sich in der Tradition dieser neue Ansatz einer analytischen Darstellung der Körperfunktionen und die von Hippokrates übermittelte Tradition von Diagnosemethoden zu einem einheitlichen Medizinbild verdichtete. einem Schüler des Herophilos. Arbeiten über den Puls. die unter anderem zur Entdeckung des vierten Hirnventrikels führten. von dessen Schule ab. die Herophilos zugeschrieben wurden.4. aber auch Kompendien zur Herstellung von Kosmetika und der Präparation von Giften.3 Medizin in der griechisch-römischen Antike 327 nen (Lungen-) von dem des großen (Körper)-Kreislaufes. Dort weitete er die Diagnostik der Hippokratischen Schule aus und systematisierte insbesondere die Pulsdiagnose. der Sohn des syrischen Königs Seleucus I Nicator.. Demgegenüber seien die Leber das Hauptorgan der Ernährung und das Herz der Sitz der erwärmenden Körperkräfte. dass er eine Taschenwasseruhr zur Unterstützung der Pulsmessung konstruierte. In seinen anatomischen Arbeiten unterschied Herophilos Arterien und Venen.–um 255 v. Er beschrieb die Herzklappen. wobei das Hirn. Geburtshilfe. Rückenmark und Hirnnerven. Anschließend zog auch er nach Alexandria. und zur Herstellung von Drogen und deren Wirkung. Opium fand als Schmerzmittel Verwendung. wie erwähnt. Diätetik. die Bauchspeicheldrüse. Seine differenzierte Darstellung von Kleinhirnfunktionen deutet darauf hin. das Gemach. nachdem alle anderen Ärzte keinen Rat wussten. dass er hierzu Vivisektionen unternommen hat. und auch von ihm sind Vivisektionen an Mensch und Tier berichtet. die Nebenhoden und das Duodenum. So berichtet der römische Na- . dass Antiochus. Das Nervengewebe differenziert er in Groß. Chr. aus dem beschleunigten Puls des Patienten. sowie einen bebilderten Kommentar zu der Schrift des Hippokrates Über die Gelenke. die er anatomisch untersuchte. Chr.) der führende Anatom der alexandrinischen Schule. In diesen Hirnventrikeln lokalisierte Herophilos dann auch den Sitz der Seele.

Brunschwig.. Golder. Frede. S. A. 1–23. Chr. In: J. Schofield. auch menschliche Körper zu sezieren. Kerényi. 1982. Science and Speculation: Studies in Hellenistic Theory and Practice. Wir finden ferner aufbauend auf den Schriften des corpus hippocraticum eine sich ausbauende Gynäkologie. der um 100 v. H.11 Weiterführende Literatur L.3. Hippokrates und das Corpus Hippocraticum. The Distinctive Hellenism of Greek Medicine. M. Edelstein. in denen sich erste Ansätze eines eingehenden Funktionsverständnisses abzeichnen. Im Resultat werden die vergleichsweise abstrakten naturphilosophischen Überlegungen zur funktionellen Organisation des Stoffwechsels zusehends durch anatomische und physiologische Einsichten unterfüttert. Würzburg 2007. . Im Endeffekt finden wir damit das Bild der hippokratischen Medizin. New York 1963. So kann sich dieser Ansatz einer verstärkt analytisch-physiologischen Darstellung der Medizin aber nicht durchsetzen und wird schon vor Ende des 2. zugleich aber auch im Kontext naturphilosophischer Spekulationen verbleibt. das wegen seiner Genauigkeit von den Ärzten genutzt wurde. die mit einer Ausweitung eines analytisch-funktionellen Verständnisses der Organisation des menschlichen Körpers einhergeht. Hg. Cambridge. M. Zudem wurde von Kratenas eine materia medica verfasst. Darmstadt 1956. die zusehends die praktischen Erfahrungen der Hebammen integriert. Der göttliche Arzt. M. W. W. Father of Medicine. Das sind natürlich nur ins Anekdotische führende Anmerkungen. wie es für die weitergehende Rezeption über Galen bis in die frühe Neuzeit hinein verbindlich wurde. Hippocratic Medicine: Its Spirit and Method. Womit die eher abstrakten Bestimmungen der Stoffwechselvorgänge beim Menschen und der daraus abgeleiteten Grundvorstellungen über die Ursachen von Krankheiten sukzessive durch ein detailliertes Bild der Funktion des menschlichen Körpers und ein darauf aufbauendes neuartiges Verständnis von Krankheiten ersetzt werden. dass Kratenas. New York 1941. Wir hatten gesehen. Eine Einführung für Philologen und Mediziner. The Method of the so called methodical school of medicine. Es bleibt aber bei Einzelstudien. auch in der alexandrinischen Schule als Leitbild für den Entwurf einer medizinischen Wissenschaft. Insgesamt findet sich in Alexandria eine umfassende Systematisierung des medizinischen Schrifttums. S. Burnyeat. die aber noch ohne direkte Relevanz für die Entwicklung alternativer Therapien bleiben. von dem der aufwachsende Embryo ernährt würde. denen zufolge etwa der Uterus als ein eigenes Lebewesen beschrieben wurde. J. ein mit farbigen Illustrationen ausgestattetes Kräuterbuch verfasst habe. Heidel. 4. Studien über Asklepios und seine Kultstätten. die nun auch nicht die Hauptlinien der hier nach 300 vor Chr.1.328 4 Die griechisch-römische Antike turforscher Plinius. durch die empirische Schule wieder auf das hippokratische Denken rückgebunden. Goldberg. aufzuzeichnenden Entwicklungen charakterisieren. die unter anderem die Bedeutung der Metalle für den menschlichen Körper und die medizinischen Eigenschaften der Pflanzen darstellte. Bulletin of the History of Medicine 40 (1966) 197–255. Barnes. K. einhergeht. am Hof des Mithridates wirkte. Hippocrates. dass die Förderung dieses experimentellen Ansatzes durch die Ptolemäer mit der Erlaubnis. Jahrhunderts vor Chr.

Longrigg. in ein neues politisches System integriert. sein Erfolg hielt allerdings nicht lange an. in die von menschlicher Seite her einzugreifen schlicht nicht schicklich war. Selbst mit der Einführung einer medizinischen Praxis tut sich Rom zur Zeit der römischen Republik schwer. Wie auch schon für das analytische Naturwissen beschrieben. Erst mit den römischen Kaisern. R. Anfänge der Medizin. Phillips. Early Greek Primitive Medicine. Robin. Insgesamt galt bis zum 3. Clio medica 3 (1968) 305–336. Er wanderte um 219 v. London 1973. ja verwerfliche Praxis. seit dem 3. Jahrhundert in engem kulturellen Kontakt mit Griechenland. D. als verweichlicht und wäre damit in seinem Verhalten eines römischen Bürgers unwürdig. E. Kudlien. Schließlich zeige sich der. Riethmüller. Wegen seines großen Geschicks in Behandlungen von Wunden und Geschwüren gab man ihm anerkennungsvoll den Namen vulnerarius.3. Heiligtümer und Kulte. J. Greek Medicine. Zwar war Rom.2. W. Anatomy in Alexandria in the Third Century B. J. und so wurde er dann als carnifex – als Schlächter – aus Rom verwiesen. Longrigg. der solche Medizin nutzte. war Archagathos.C. Chr. Herophilus. Von der primitiven Medizin bis zum Goldenen Zeitalter in Griechenland. aus dem Peloponnes ein.1 Die römische Republik Mit der Eroberung Alexandriens durch die Römer wird – nach der Eroberung Griechenlands um 140 v. Berlin 1990. Hippocratic Lives and Legends. . H. schon mit der Integration der griechischen Kolonien im engeren Bereich der Stadt Rom. von ihrer Bedeutung her vergleichbare Zentren erwachsen. S. – nun auch dieser zentrale Ort der griechischen Kultur und Wissenschaft. Jahrhundert die Gesundheit in Rom denn auch als eine Angelegenheit der Götter. The Art of Medicine in Early Alexandria. verbleiben die traditionellen Orte der Wissensvermittlung im Osten des römischen Reiches.4. 455–488. H. V.3 Medizin in der griechisch-römischen Antike 329 F. Heidelberg 2005. Leiden 1992. mit deren Erfahrungen im Osten und im Zusammenhang eines sich zusehends ausweitenden Militärwesens gewinnt die Medizin auch für das westliche Rom Bedeutung. British Journal for the History of Science 21 (1988). ohne dass hierzu im Westen des römischen Reiches nun neue. Chr. Der erste ernstzunehmende Arzt in Rom. wie schon vorab Athen. E. History of Science 27 (1989). Zürich 1963. Asklepios. Sigerist. 4. Stahl. Cambridge 1989. W. Auch für die Medizin kommt es nun aber nicht zum Aufbau eines neuen Alexandrias in Rom. Wundarzt. J. der diese Bezeichnung auch verdiente. 1–39. S. Presocratic Philosophy and Hippocratic Medicine. doch zeigt sich selbst im Bereich der Medizin eher der Versuch einer Ausgrenzung dieser kulturellen Einflüsse. J. Medical theories in Hippocrates: Early Texts and the „Epidemics“. Langholf.3. Pinault. Medizin galt darum bis in die römische Kaiserzeit hinein als eine unnötige.2 Medizin in Rom 4.

Bei dem ersten bekannten und wirklich fassbaren Mediziner in Rom handelte es sich nicht um einen Lehrer. die sogenannten Origines. Landwirtschaft. eine aus der Praxis erwachsene Anweisung für den in der Stadt lebenden Gutsbesitzer. Porcius Cato Censorius (234–149 v. Cornelius Scipio Africanus. Er versuchte die Rede in Rom zu einem Literaturwerk zu machen. Zwar war er maßvoll in der Behandlung des von Rom besiegten Rhodos. Die griechische Unkultur einer langwierigen Therapie in Begleitung eines Arztes lehnte er als einen der Republik Rom schädlichen Einfluss. genügten Kohl. seine Sentenz: Im Übrigen bin ich der Meinung dass Karthago zerstört werden sollte (ceterium censeo Carthaginem esse delendum) zeugt davon. der zur völligen Vernichtung Karthagos führte. Und noch Cato der Ältere verkündete stolz. Die erste Reaktion des Militärstaates Rom auf diese Situation hin war – und dafür steht Cato – Abwehr. doch war seine Ablehnung alles Griechischen offenkundig. Erhalten ist seine Schrift de agricultura. Chr. 155 wies er eine Gesandtschaft der athenischen Philosophenschulen schlicht aus Rom aus. der im Kontext einer Akademie oder ähnlichem dozierte und uns auf Grund der Berichte über seine Tätigkeit greifbar . Für seine erfolgreiche Kriegführung in Spanien erreichte er 191 einen Triumph. Daraufhin stieg er als römischer Senator rasch auf. Bekannt ist er durch seine unerbittliche Verfolgung des Konkurrenten Karthago. ein römischer Bürger bedürfe keines Arztes. Bohnen und ggf. und wurde schließlich 184 Censor. Wichtig für die Geistesgeschichte Roms ist aber vor allem seine Entwicklung der Rhetorik. Er nahm am Krieg gegen den makedonischen König Antiochus III. den Rom nach der Eroberung Griechenlands erfahren musste. eine Aufgabe. Er sorgte für die Erhöhung der Staatseinnahmen. als Zeichen verweichlichter östlicher Dekadenz rundherum ab. Gesundheit und Kriegswesen. auch das Aufsagen einer Zauberformel. gleich den späteren Barbieren. teil. verbesserte die Hygiene in Rom und unternahm Baumaßnahmen.) entstammte dem ritterlichen Landadel von Tusculum. Ihre Tätigkeit war eine Tätigkeit der Sklaven. die er mit großer Konsequenz wahrnahm. 198 Prätor in Sardinien und 195 zusammen mit Valerius Flaccus Consul. wurde 199 Ädil. Cato der Ältere M. Nun war dieses Rom unmittelbar und direkt in die differenzierte Kultur des östlichen Mittelmeeres eingebunden. als Jahrmarktärzte. Er ist denn auch die treibende Kraft für den dritten Punischen Krieg. zudem schrieb er eine Geschichte Roms. 214 Militärtribun und 204 Quästor des P. wurde mit 17 Soldat. einen Physiologen oder Anatomen. Dabei stand diese Ablehnung im Zusammenhang des Kulturschocks.330 4 Die griechisch-römische Antike Entsprechend praktizierten Ärzte dann in untergeordneter Stellung. Wenn er krank sei. Als Schriftsteller erarbeitete er eine Darstellung des für einen jungen Römer notwendigen Bildungsgutes – die Libri ad Marcum filium. Die verschiedenen Themen. behandelte er dann noch einmal in eigenen Kommentaren.

Verschieden große Urkörperchen bildeten ein Netz von röhrenförmigen Porengängen. Gegen die hippokratischen Lehre und deren Grundsatz. die in Kanälen oder Poren hin und her fließen. Chr. Daraus entwickelt er die Vorstellung. Vielmehr handelt es sich um einen Modearzt. und in Vereinfachung von deren Theorie. Bäder und Duschen. die noch nicht einmal im Ansatz auf die Befunde und Ergebnisse der empirischen Schule Alexandriens Bezug nehmen. Im Anschluss an die Atomisten. Die Luftatome gelangen durch Atmung in den Körper. lebe der Mensch. was die langwierigen und umfassenden Therapiemaßnahmen der hippokratischen Schule bedingte. Der Ruhm des Asklepiades hatte . dass die Natur nun nicht einfach nur nichts nützte. betrat er die Stadt Rom. Durch diese Porengänge strömen dann die Körperatome und auch die Nahrung. Chr. allerdings bezeugt Galen.3 Medizin in der griechisch-römischen Antike 331 wäre. Die Funktionen des Körpers sind nur bei einem kontinuierlichen Bewegungsfluss dieser verschiedenen Atome gewährleistet. Er selbst ließ sich dabei als eine vom Himmel gekommene Gestalt. verordnet er Massagen.4.) für die Erweiterung der Poren sorgen. und so gegen die Krankheit zu arbeiten. Seine Therapien der passiven Bewegung und der Wasserheilkunde begründeten denn auch eine eigene Schule. Bei Schwächezuständen wurde insbesondere Wein eingesetzt. Asklepiades offerierte somit ein in sich kohärentes. getragen werden in einer Sänfte usf.) studierte Rhetorik. Operationen hat er wohl nur sehr wenige durchgeführt. dass er als erster einen Luftröhrenschnitt durchgeführt habe. Hiermit wurde er zum Begründer der Wasserheilkunde. Philosophie und Medizin. Dieser in Prusa in Bithynien geborene Asklepiades (ca. Die aufgenommene Nahrung zerfalle im Verdauungstrakt in ihre kleinsten Bestandteile und werde dann durch die Poren im Körper verteilt. und so ist die Gesundheit von normaler Bewegung in den Poren abhängig. als eine Verkörperung des Heilgottes Äskulap. Krankheit sei auf eine Störung dieser Teilchenbewegungen zurückzuführen. Die Behandlungsmethoden des Asklepiades hatten jedenfalls Erfolg. Zudem solle passive Bewegung (spazieren fahren. vereinfachendes theoretisches Konzept. 120–60 v. feiern. Er war Freund von Cicero und Crassus und beeindruckte unter anderem Lukrez. erklärte Asklepiades. dass die Natur die Heilerin der Krankheit ist. die den Körper erhält. und der Arzt so die positive Natur des Kranken zu unterstützen habe. Seine Behandlungsmethoden suchten dann die entsprechende Entspannung und damit ein einfaches Fließen der Körperatome zu gewährleisten. und schließlich verordnete er Waschungen. Um die Atome anzuregen. bestehe aus Atomen. Er war ein Gegner der beschriebenen griechischen medizinischen Schule. nach der der Leib aus unendlich vielen Urkörperchen zusammengesetzt sei. entwarf er eine physiologische Atomtheorie. dass sich die Funktionen des Körpers in den zwei polaren Zuständen status strictus – Spannung – und status laxus – Entspannung – begreifen lassen. sondern sie vielmehr sogar oft schade. Solange diese Teilchen in Bewegung wären. 91 v. Die Materie. Dabei sind Atome der Seele glatt und rund. so schreibt er. In seiner Schrift peri stoichon – Über die Elemente – beschreibt Asklepiades den Körper als ein rein materielles Gebilde. Entsprechend einfach sind dann auch seine Therapievorstellungen. das jede differenziertere Auseinandersetzung mit der vorab skizzierten Entwicklung des medizinischen Denkens in Griechenland und Ägypten vermied.

in dem er die Geschichte der römischen Beredsamkeit darstellte. studiert. dann auch Konsul. 69 Ädil und 66 Prätor gewesen war. de legibus. suchte aber durch die Erörterung des Für und Wider hinsichtlich einzelner Lösungsansätze ein Höchstmaß an Wahrscheinlichkeit für seine Aussagen zu erreichen. und über die hierzu erforderlichen Gesetze. de re publica. Philon bestritt die Möglichkeit. söhnte er sich mit Caesar aus und wurde dann schließlich 51 Prokonsul in Kilikien. Demnach war dieses Abwägen zentraler . in einer Phase der Erschütterung des alten republikanischen Systems. In seinem nicht erhaltenen Dialog Hortensius formulierte er einen Aufruf zur Philosophie und legte dann in einer ganzen Folge von Dialogen die Hauptrichtungen der hellenistischen Philosophie dar. Nach seinen Lehrjahren in Rom und einer sich anschließenden Bildungsreise nach Griechenland und Kleinasien konnte der dem Ritterstand angehörige Cicero als Senator Karriere machen. 46 schrieb er dann den Dialog Brutus. ein Werk das allerdings unvollendet blieb. Philosophie.. wurde 47 von dem siegreichen Caesar zwar begnadigt. angesichts der Gefahr eines umfassenden Bürgerkrieges zwischen den Parteien. Cicero M. Cicero verfeindete sich aber mit dem in dieser Phase glücklich agierenden Caesar und musste dann ins Exil nach Thessaloniki und Dyrhachion gehen. insbesondere die Niederschlagung des sozialrevolutionären Putschversuchs Catalinas. schlug sich aber nach dessen Ermordung wieder auf Seiten der Verfechter der überkommenen Optimatenrepublik und fiel dann nach Aussöhnung der Rivalen um den Führungsanspruch in Rom einem Mordanschlag zum Opfer. Chr. die beste Staatsform und den in ihr wirkenden Staatsmann. soweit sie für einen römischen Senator in seinen Argumentationen notwendig war. blieb letztlich dann aber auf der Seite des Senates. Nach seiner Rückkehr nach Rom versuchte Cicero. Sein auf politische Wirksamkeit ausgerichteter Bildungskanon umfasste Rhetorik. In seiner Nachfolge erlebte Rom nach 70 v. Nach seiner Rückkehr. Er hatte bei Philon von Larissa. eine wahre Ärzteschwemme. zwischen Caesar und der der führenden Senatoren Roms zu vermitteln. Diese Serie endete im Herbst 44 mit drei Büchern über das richtige Handeln (de officis). Dabei gelang ihm zunächst die Abwehr der fortgesetzten Angriffe gegen das restaurierte System der römischen Optimatenrepublik. Jurisprudenz und die Kenntnis der Geschichte. Ciceros Philosophie war dabei griechisch und setzte eine umfassende Kenntnis der griechischen Kultur voraus. wurde er 63. 57 v. der Meister der klassischen römischen Prosa. wurde 106 in Arpinum geboren und wurde 43 vor Chr. absolute Wahrheiten zu finden. 88 aber nach Rom kam. der als Schüler des Kleitomachos Leiter der platonischen Akademie in Athen wurde.332 4 Die griechisch-römische Antike für Rom umfassende Folgen. Wichtig sind seine Arbeiten über den vollendeten Redner. Nachdem er 75 Quästor. de oratore. bei Caieta ermordet. Tullius Cicero. Chr.

Neben Philon. die Bewertung des Schmerzes. und diese Kunst eines Disputierens lehrte er dann auch in rhetorischen Übungen. Aus seiner umfassenden Kenntnis der hellenistischen Philosophie suchte Cicero nun das griechische Denken möglichst umfassend in die römische Kultur einzubinden. Chr. die Einstellung zu den Affekten und die Frage über das Wesen der Glückseligkeit dar. Über Cicero wird der gesamte lateinische Westen derart mit dem griechischen Denken vertraut. nicht allerdings in Rom. nehmen Griechenland über Cicero wahr. die immer weiter ausufernde Metropole Rom. Antiochos hat Cicero über sechs Monate in Athen gehört. Schließlich hatte nun aber auch das Militär Bedarf an Ärzten. Chr. über den Kenntnisstand der seinerzeitigen Astronomie berichtete. In seiner Rechtslehre rekurriert er auf die hellenistische Naturrechtslehre und vor allem bearbeitet er die Probleme der Ethik und stellt in seinen Tusculanae disputationis die rechte Einstellung zum Tod. Hierzu hat er nicht nur übersetzt. Augustinus und Boëthius.. mit dem er bis zu dessen Tod. den Rhetor zu befähigen. gab dann Julius Caesar der Ärzteschaft das römische Bürgerrecht. den Cicero als seinen eigentlichen Lehrer bezeichnete. . in dauernder Verbindung blieb und Antiochos von Askalon.4. Damit waren die Ärzte aus ihrer deklassierten Stellung als Jahrmarktsheiler in eine sozial anerkannte Position gehoben. Lyon. So sind in seiner Staatslehre platonische. In seiner Schrift Über die Natur der Götter wägt er die Lehren der Stoa und des Epikur gegeneinander ab und wirkt auch hiermit weit über die Antike hinaus. aber auch die politisch abhängigen Großstädte wie Alexandrien erforderten immer umfassendere Anstrengungen im Bereich der Hygiene.und Bildungsbestand in den neu erwachsenden christlichen Gedankenkosmos integrieren. In der distanzierteren Position des Römers erschien dabei das Bild der griechischen Philosophie in klare Linien gebunden und war so als ein Gesamtgefüge verfügbar. Wohl auf Grund der empfangenen Anregungen übersetzte Cicero den platonischen Dialog Timaios und Werke des Stoikers Aratos von Soloi aus der 1. Hieronymus. Hälfte des dritten Jahrhunderts v. Zudem werden Ärzte zur Armenpflege eingestellt. 59 v.3 Medizin in der griechisch-römischen Antike 333 methodischer Zugang seiner Philosophie. wenn auch ungenau und bloß kompilierend. Chr. sondern in seinen Kommentierungen und Erörterungen der von ihm wertgeschätzten Positionen diese Tradition in neuer Form systematisiert. aristotelische und späthellenistische Ansätze mit der römischen Tradition zu einer neuen Einheit verbunden. Laktanz. Um 46 v. Saragossa und Antiochien. Es galt ihm dabei. nennt er als seinen Lehrer den Stoiker Diodotos. der die alte Akademie des Platon zu erneuern suchte und dabei auch das aristotelische und das platonische Denken zu verbinden suchte. und so finden sich zur Zeit Caesars dann auch Schulen zur Medizinerausbildung in Marseille. über jeden von ihm zu erörternden Gegenstand sachkundig zu sprechen. der unter anderem. die in der Spätantike den antiken Wissens..

Neben seinen literarischen Arbeiten unterrichtete er die beiden Großneffen des Kaisers Domitian. die eben nur als Teil einer umfassenden Darstellung des praktischen Wissens konzipiert war. so bleibt doch deutlich. die Landwirtschaft. Fabius Quintilian war nach Cicero der bedeutendste römische Theoretiker der Beredsamkeit. die Jurisprudenz und das Militärwesen behandelte. ob Celsus die Bücher zur Medizin nur aus ihm vorliegenden Büchern kompilierte. So schreibt er über Witz und Humor. markiert eine Schrift. da ihr Autor kein Mediziner. sind uns nur die Bände zur Medizin erhalten. gibt einen konzisen Führer durch die griechische und römische Literaturgeschichte und schließt mit einer Darstellung von Charakterqualität. Cornelius Celsus. Von seiner Enzyklopädie. der Sohn eines Rhetors. Quintilian M. A. am oberen Ebro – in Calagurris – erhielt er. nahm ihn 68 mit nach Rom. Hier wirkte er als Anwalt. und die sich in der Tat durch eine sehr genaue. zur Zeit des Tiberius.2 Die Kaiserzeit Den Stand des medizinischen Wissens nur wenige Jahrzehnte nach Caesar. ist uns kaum mehr als dessen Name bekannt. Chr. Dies ist besonders zu erwähnen.3. und gibt uns damit einen Einblick in das Erziehungsprogramm der römischen Bildungselite. . neben der Medizin. Struktur und Rhythmus von Sprache und Musik. der nachmalige Kaiser Galba. nicht aber als Mediziner anführt. Zielstellung ist eine umfassende Beherrschung des Stoffes in Theorie und Praxis und die Ausbildung einer Urteilsfähigkeit in Kunstdingen und damit eines fundierten Geschmackes. Redner und Lehrer der Rhetorik. Geboren etwa um 35 n. Chr erschien. die Rhetorik. die institutio oratoria. dessen Schrift De medicine als Teil einer umfangreichen Enzyklopädie des praktischen Wissens etwa 30 n. Schon zur Zeit des Tiberius wird diese Darstellung des Celsus dann aber etwa von dem römischen Rhetor Quintilian und auch von dem Naturforscher Plinius zitiert. Der Statthalter der Nordprovinz Spaniens. dass dieses für die weitere Rezeption der römischen Medizin zentrale Werk eine Darstellung aus zweiter Hand ist.2.334 4 Die griechisch-römische Antike 4. philosophischer Bildung und Stilgefühl. die er 20 Jahre lang bekleidete. über künstlerische Komposition. in Rom seine Ausbildung bei dem Grammatiker Remmius Palaemon und dem Redner Domitius Afer und kehrte dann gegen 57 nach Spanien zurück. ins Detail gehende Darstellung medizinischer Therapien und chirurgischer Eingriffe auszeichnet. vermutlich lebte er in der Nähe von Narbonne in Südfrankreich. wobei ihn Letzterer als Schriftsteller. Es behandelt die Erziehung eines Redners von der frühesten Jugend an. ehe er sich mit 90 Jahren vom öffentlichen Leben zurückzog. sondern wohl ein Berufsoffizier war. die in der weiteren Rezeption des medizinischen Denkens kanonisch wurde. die. Von deren Verfasser. baute – in stetem Bezug auf seinen Vorgänger Cicero – auf den griechischen Lehrern der Rhetorik auf. Auch wenn nicht ganz klar ist. Sein Hauptwerk. die Philosophie. Unter Vespasian erhielt er dort dann eine gut bezahlte Lehrstelle für Rhetorik.

Cicero wird hier sein Schüler. die den Gymnasien und Akademien Griechenlands entsprechen – wird die römische Jugend geschult. Die Einführung der Bücher über die Medizin behandelt die Geschichte der Medizin. der Leiter der Platonischen Akademie. Die Autoren der verschiedenen noch zu behandelnden Werke zur Naturkunde sind profilierte Politiker.3. eine Bildungsreise nach Griechenland und nach Kleinasien an. Doch formiert sich dort über das von Cicero weitergetragene Bildungsprofil hinaus eben doch keine auch strukturell fassbare Organisation wissenschaftlicher Forschung. 4. Herakleides. ebenfalls ein Offizier. Geschätzt wurde diese Studie zur Medizin in der Antike vor allem auch auf Grund ihres Stils. Chr. Chr.3 Medizin in der griechisch-römischen Antike 335 Die zentralen Referenzen dieser Arbeit bilden die Schriften des corpus hippocraticum sowie die Autoren Asklepiades. Auf Grund dieser Referenzen wurde schon vermutet. Das Hauptaugenmerk dieser Bände liegt allerdings auf Fragen der Therapie und der Prognose. Insoweit erkennt diese Darstellung denn auch die Bedeutung der Anatomie für eine Fundierung d