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Studien bei Brustkrebs

Stand / Letzte Aktualisierung durch Elisabeth Rieping 10.06.2007

Stichworte: Brustkrebsforschung, klinische Forschung, Melatonin, Rolle der Krankenkassen

Studien sind das Mittel der evidenzbasierten Medizin, also einer Medizin, die sich auf
gesicherte Erkenntnisse stützen soll. Das man sich bei der Behandlung auf wissenschaftlich
gewonnene Erkenntnisse stützt, ist an und für sich ein Fortschritt. Leider trifft dieses
gutgemeinte Konzept in der Praxis auf viele Probleme, denn kontrollierte Studien sind am
Menschen nicht so leicht durchzuführen. Gerade kranke Menschen suchen natürlich
Heilung und nicht das Abenteuer eines Experiments. Am gesunden Menschen wiederum
kann man die Wirkung vieler Medikamente nicht beurteilen.

Transparenz
Die Transparenz der Entscheidungsprozesse, die einer Behandlung oder Untersuchung
zugrunde liegen, ist sehr wichtig. Nur wenn man nachvollziehen kann, was warum gemacht
wird, kann man darauf eigene Entscheidungen basieren. Wichtig ist aber auch zu verstehen,
dass viele Studien nicht in einem wissenschaftlichen Freiraum stattfinden, sondern dass sie
auch wirtschaftliche Konsequenzen für Arzneimittelhersteller und Krankenkassen haben
und Einflussnahmen eine Rolle spielen können.
S. dazu Studien und ihre Bewertung

Die Notwendigkeit teuerer Studien verhindert die Zulassung preiswerter Medikamente


Wirksame, aber billige Medikamente werden nicht zugelassen, weil ihre Vermarktung die
hohen Kosten nicht hereinholen kann oder der Markt zu klein ist. Ein seltenes Beispiel für
die Zulassung eines wenig profitablen Medikaments ist die Zulassung der Oxalsäure gegen
die Bienenmilbe.
Oft wird sich um die Zulassung eines Arzneimittels nicht bemüht, weil sich der Vertrieb
angesichts der sehr teuren notwendigen Studien für keine Firma lohnt, beziehungsweise
den Absatz teurerer Medikamente behindert.

Studien bei Brustkrebs von Elisabeth Rieping 1


Bestes Beispiel ist das Melatonin, das weit weniger Nebenwirkungen hat als Mittel zur
Antihormonbehandlung von Brustkrebs hat, aber wenig kostet und deshalb nicht zur
Behandlung zugelassen ist. Obwohl es nicht verboten ist. Der Verkauf von Melatonin
würde sich vermutlich auch sehr ungünstig auf den großen Markt der Aromatasehemmer
auswirken, die bei manchen Frauen sehr starke Nebenwirkungen haben.

Da hatten die Bienen mehr Glück. Zur Bekämpfung der Bienenmilbe haben jetzt Tierärzte
die Zulassung von Oxalsäure beantragt. Nachdem keine Firma gefunden werden konnte,
die die Zulassung beantragen wollte, was man ja auch keiner vorwerfen kann, denn der
kleine Bienenmarkt ist nicht profitabel, fanden sich Tierärzte, die die Beantragung in
Angriff nahmen. So ein wunderbares Beispiel ist mir im Bereich der Humanmedizin leider
noch nicht bekannt. Die Kosten für Studien mit Menschen wären anders als bei Bienen
auch kaum zu schultern.

Erfahrungen der Technikerkrankenkasse


[Nachtrag G.K.05/2010: Die
Besonders interessant war für mich aber eine Nebeninformation, über die Dr. Straub von
Disease Management-
der Technikerkrankenkasse auf der 1. Kölner Ringvorlesung “Gesundheitsökonomie”
Programme zu Brustkrebs
berichtete, auf der besonders die Vertreter der Krankenkassen zu Wort kamen. Die
böten am Rande angemerkt
Technikerkrankenkasse hatte sich wohl vor einiger Zeit entschlossen, die viel teureren
ebenfalls die Möglichkeit,
atypischen Neuroleptika zur Behandlung von Depressionen zuzulassen, weil Studien
Brustkrebstherapien
gezeigt hätten, dass diese teureren Medikamente bewirken sollten, dass Patienten schneller
unabhängig auf ihre
wieder gesund werden und die Arbeitsunfähigkeit durch die Krankheit sänke. In der Praxis
Wirksamkeit nachzuprüfen,
war das aber nicht so. Nach den Zahlen der Technikerkrankenkasse waren gerade die
doch genau das prüfen die
Patienten, die die teureren atypischen Neuroleptika bekamen, nach einiger Zeit schlechter
Kassen mit ihren
dran, so dass sich ein ganz anderes Ergebnis einstellte, als die Studien nahe legten. Es sind
Programmen bisher eben
also nicht nur die Brustkrebsstudien, die man nur mit Vorsicht genießen sollte.
nicht.]

Text im Archiv der Library of Congress: http://web.archive.org/web/*/http://www.erieping.de/studien_bei_brustkrebs.htm

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