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Susima-sutra in der Sarvastivada-Tradition
Susima-sutra in der
Sarvastivada-Tradition

Susima-sutra in der Sarvastivada-Tradition: eine Übersetzung der Lehrrede von der reinen Einsicht von pamokkha

Version 1.0: 24.08.2016 Alle Rechte vorbehalten, © 2016 München

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

4

2. Unterschiede der Susima-Lehrreden

4

3. Anmerkungen zur Übersetzung

5

4. Deutsche Übersetzung des Susima-sutra

7

4.1 Sutra-Einleitung

7

4.2 Susimas Ordination

8

4.3 Fragen zu den Vertiefungen

8

4.4 Widerspruch und der pannavimutto

10

4.5 Buddhas Antwort auf Susimas Widerspruch

11

4.6 Erlangen der Dharmasicht und Buße

12

4.7 Buddhas Gleichnis und Sutra-Ende

13

Literaturverzeichnis

15

1.

EINLEITUNG

Das Susima-sutra, wie es im Samyukta-agama der Mulasarvastivada-Tradition tradiert ist, ist

eine wichtige Lehrrede für die Etablierung des Weges der reinen Einsicht (sukkhavipassaka):

„the Susima Sutta in the Samyukta-agama plays an extremely central role in construct-

ing the doctrine of the ‚complete type of wisdom-liberated one‘ in the Sarvastivada

school“. 1

Die Susima-Lehrrede ist überliefert worden von der Theravada-Tradition im Samyutta-nikaya,

von der Sarvastivada-Tradition im Samyukta-agama und im Mahasamghika-vinaya der Maha-

samghika.

Wen gibt in seiner Studie zur Rolle des sukkhavipassaka im Pali-Buddhismus einen guten

Überblick über die unterschiedlichen Versionen. 2 Eine generelle Bewertung zur Authentizität

der verschiedenen frühbuddhistischen Kanons gibt Bhikkhu Analayo in seinem Buch Perspec-

tives on Satipatthana:

„In general terms, none of the Agamas or Nikayas can be considered to be invariably

historically earlier than others. Each of these collections contains early and late material

and it would be an oversimplification to consider one particular collection as in principle

earlier than the others… Thus material preserved in the Chinese Agamas has in princi-

ple a similar claim to being an authentic record of the teachings of the Buddha and his

disciples as that found in the four Pali Nikayas“. 3

Auf den entscheidenden Unterschied in den Übertragungen gehe ich kurz ein bevor die Über-

setzung folgt.

2. UNTERSCHIEDE DER SUSIMA-LEHRREDEN

In der Pali-Lehrrede der Theravadins bezeugen die erwachten Bhikkhu, dass sie weder die vier

formlosen Vertiefungen (aruppa) noch die höheren Geisteskräfte (abhinna), mit Ausnahme

1 (Wen, 2009, S. 200)

2 (Wen, 2009, S. 207-215)

3 (Analayo, 2013, S. 3-4)

der Triebversiegung, erlangt haben. Gleiches findet sich bei den Mahasanghikas. In der Sar-

vastivada-Version verneinen die Arahant-Mönche aber auch ganz direkt die Erlangung der

körperlichen Vertiefungen, einschließlich des ersten jhana [dhyana].

Dies steht in direkter Übereinstimmung mit der Kommentartradition des Theravada: „the Sar-

vastivada’s version of the Susima Sutta clearly documents the arahants who lack form-sphere

jhanas, and thus it corresponds to the Pali commentarial explanations on the Susima Sutta

given by Buddhaghosa“ 4 . Der klassische Kommentar erläutert:

„Friend, we are without jhana, dry-insighters, liberated simply by wisdom“. 5

3. ANMERKUNGEN ZUR ÜBERSETZUNG

Meine Übersetzung ins Deutsche basiert auf Tzungkuen Wens englischer Übersetzung aus dem

Chinesischen. 6 Alle Hervorhebungen in der Übersetzung sind meine.

Den Palibegriff ‚dhammatthinana‘ übersetze ich, Wen und Bodhi 7 folgend, als ‚Stabilität der

Dhamma‘. Geiger übersetzt mit ‚Gesetzmäßigkeit‘ und erläutert weiter: „Der Begriff ist annä-

hernd synonym mit ‚Wissen von der Kausalität‘. 8 Man könnte ihn vielleicht auch als „‚Wissen

von dem Bestand der empirischen Dinge‘ fassen, weil diese eben nur bedingt entstehen“. 9

Nach dem Saratthappakasini-purana-tika, dem Subkommentar (tika) zum Samyutta-nikaya,

bezieht sich dies auf ein Einsichtswissen, welches sich auf die Standfestigkeit der Phänomene

und ihre intrinsische Natur bezieht. 10 Dies ist ein anderer Ausdruck für die Erfahrung der drei

Daseinsmerkmale (lakkhana), nämlich: Vergänglichkeit (anicca), Leidhaftigkeit (dukkha) und

Nicht-Selbst (anatta). Sowohl der klassische Kommentar (atthakatha) Saratthappakasini 11 als

auch der Patisambhidamagga 12 erklären den Begriff als Wissen über das Wirkprinzip der Be-

dingten Entstehung (paticca-samuppada).

4 (Wen, 2009, S. 200, meine Hervorhebung)

5 (Bodhi, 2000, S. 785)

6 (Wen, 2009, S. 200-206)

7 (Wen, 2009) und (Bodhi, 2000)

8 (Geiger, 1997, S. 172)

9 (Geiger, 1997, S. 172)

10 (Bodhi, 2000, S. 785)

11 (Bodhi, 2000, S. 755)

12 (Nanamoli, 1982, S. I 50-52)

Eben diese drei Daseinsmerkmale erlauben eine fortwährende bedingte Entstehung der Phä- nomene (dhamma) und werden daher Stabilität genannt. Dies ist wohl ähnlich dem deutschen Ausdruck: ’nur der Wandel ist beständig‘.

4. DEUTSCHE ÜBERSETZUNG DES SUSIMA-SUTRA

4.1 Sutra-Einleitung

So habe ich gehört. Einstmals weilte der Buddha in Rajagrha, im Bambushain beim Eichhörn- chenfutterplatz. Verehrt, geachtet und dargeboten von Königen, Ministern, Brahmanen, Haus- hältern, Laien und weiteren weltlichen Personen erhielten der Buddha und sein Orden große

Vorteile, wie Roben, Almosenspeise, Unterkünfte und Medizin. Demgegenüber waren die Sra- mana anderer Schulen nicht verehrt, geachtet und nicht wurden ihnen Roben, Almosenspeise, Unterkünfte und Medizin dargeboten.

Zu dieser Zeit kamen viele Sramana anderer Schulen in der Wundervollen Halle zusammen, wo die folgende Unterhaltung stattfand: „In der Vergangenheit wurden wir immer von den Königen, Ministern, Haushältern, Laien und anderen Personen geehrt, respektiert und beka- men von ihnen Roben, Almosenspeise, Unterkünfte und Medizin dargeboten. Aber, jetzt ist dies alles vorüber. Die Leute respektieren und bieten nur noch dem Asketen Gautama und der

Gemeinschaft seiner Schüler Roben, Almosenspeise, Unterkünfte und Medizin dar. Jetzt, in dieser Versammlung, wer ist begabt mit Weisheit und großer Macht, fähig die Gemeinschaft des Asketen Gautama heimlich zu infiltrieren und dort in die Hauslosigkeit zu ziehen, zu lernen und uns den Dharma zu lehren, damit wir den so gelernten Dharma nutzen können, die Könige, Minister, Haushälter und Laien zu unterrichten und dadurch ihren Glauben und Zufriedenheit zu erlangen für den Erhalt von Opfergaben wie früher?“. Dann sprach eine Person: „Es gibt einen jungen Mann namens Susima, weise und intelligent, fähig Gautamas Dharma zu lernen und uns zu lehren“.

Zu dieser Zeit näherten sich diese Sramana anderer Schulen dem Ort des Susima und spra- chen: Heute sind wir in der Wundervollen Halle zusammengekommen, wo die folgende Un- terhaltung stattfand: Früher wurden wir immer von den Königen, Ministern, Haushältern, Laien und weltlichen Personen geehrt, respektiert und bekamen von ihnen Roben, Almosen- speise, Unterkünfte und Medizin dargeboten. Aber, jetzt ist dies alles vorüber. All diese Könige, Minister, Haushälter, Laien und weltliche Personen respektieren und spenden jetzt nur noch

dem Asketen Gautama und der Gemeinschaft seiner Schüler. Wer in unserer Versammlung ist intelligent und weise, fähig die Gemeinschaft des Asketen Gautama heimlich zu infiltrieren und dort in die Hauslosigkeit zu ziehen, den Dharma zu lernen und zurückzukommen und die Kö- nige, Minister, Haushälter und Laien zu unterrichten und unsere Gemeinschaft dadurch befä- higt, ihren Respekt, Wertschätzung und Opfergaben zurück zu erlangen wie zuvor?‘. Eine Per- son sagte: ‚Nur Susima ist intelligent und weise, fähig, sich heimlich dem Dharma des Gau- tama zu nähern und dort in die Hauslosigkeit zu ziehen, zu lernen und imstande zu sein, den von Gautama gesprochenen Dharma zu lernen und zu erinnern und wieder zu kommen und uns zu predigen‘. Deswegen sind wir gekommen, um dich einzuladen. Du, ehrwürdiger Herr,

solltest es tun!“. Dann stimmte Susima schweigend zu und näherte sich dem Eichhörnchen- futterplatz im Bambushain in Rajagrha.

4.2 Susimas Ordination

Zu dieser Zeit praktizierten viele Bhiksu im Freien vor ihren Räumen Gehmeditation. Dann näherte sich Susima den Bhiksu und sprach: „Ehrwürdige Herren, ich möchte in die Hauslo- sigkeit ziehen und die hohe Ordination erhalten, das heilige Leben in diesem rechten Dharma

führen“. Dann führten diese Bhiksu den Susima zum Gesegneten, huldigten ihm indem sie Buddhas Füße mit ihren Köpfen berührten, setzten sich zu einer Seite nieder und sprachen zum Buddha: ‚Gesegneter, dieser Sramana einer anderen Schule begehrt in die Hauslosigkeit zu ziehen, die hohe Ordination zu erhalten und das heilige Leben in diesem rechten Dharma zu führen‘. Dann, um die Gedanken des Susima, dem Sramana einer anderen Schule, wissend, teilte der Gesegnete diesen Bhiksu mit: „Ihr sollt Susima, den Sramana einer anderen Schule, ordinieren; lasst ihn in die Hauslosigkeit ziehen. So ordinierten die Bhiksu bereitwillig den Susima.

4.3 Fragen zu den Vertiefungen

Nach einem halben Monat nach Susimas Gang in die Hauslosigkeit, sagte ein bestimmter Bhiksu ihm: “Susima, du solltest wissen, dass für uns die Geburt zu Ende gebracht ist, das heilige Leben ist gelebt, es ist getan, was getan werden musste. Wir verstehen aus eigener Erfahrung, dass es keine zukünftigen Geburten mehr für uns gibt“. Dann fragte Susima die

Bhiksu: „Seid ihr, ehrwürdige Herren, befähigt, ganz abgeschieden von Sinnesver- gnügungen, abgeschieden von unheilsamen Geisteszuständen in das erste dhyana einzutreten, das von anfänglicher und anhaltender Hinwendung des Geistes beglei- tet ist, um so die Triebe nicht aufsteigen zu lassen und den Geist umfassend zu be- freien?“. Die Bhiksu antworteten: „Nein, Susima!“.

Dann fragte Susima: “Seid ihr dann mit der Stillung der anfänglichen und anhaltenden Hin- wendung des Geistes in das zweite Dhyana eingetreten, das innere Beruhigung und Einheit des Herzens enthält, ohne anfängliche und anhaltende Hinwendung des Geistes, und verweilt

darin, mit Verzückung und Glückseligkeit, die aus der Konzentration entstehen, um so die Triebe nicht aufsteigen zu lassen und den Geist umfassend zu befreien?“. Die Bhiksu antwor- teten: „Nein, Susima!“.

Dann fragte Susima erneut: “Seid ihr, ehrwürdige Herren, mit dem Verblassen der Verzückung, in Gleichmut verweilend, achtsam und wissensklar, voll körperlich erlebter Glückseligkeit in das dritte Dhyana eingetreten von dem die Edlen sagen: ‚Derjenige, der gleichmütig und acht- sam ist, verweilt glückselig‘, um so die Triebe nicht aufsteigen zu lassen und den Geist um-

fassend zu befreien?“. Die Bhiksu antworteten: „Nein, Susima!“.

Dann fragte Susima erneut: “Seid ihr, ehrwürdige Herren, mit dem Überwinden von Glück und Schmerz und dem schon früheren Verschwinden von Freude und Trauer in das vierte Dhyana eingetreten, das weder schmerzhaft noch angenehm ist und die Reinheit der Achtsamkeit durch Gleichmut hat, um so die Triebe nicht aufsteigen zu lassen und den Geist umfassend zu befreien?“. Die Bhiksu antworteten: „Nein, Susima!“.

Dann fragte Susima erneut: „Habt ihr mit dem Körper Kontakt mit jenen friedvollen Erlösun-

gen aufgenommen, welche Formen transzendieren, diesen formlosen Erreichungszuständen, um so die Triebe nicht aufsteigen zu lassen und den Geist umfassend zu befreien?“. Die Bhiksu antworteten: „Nein, Susima!“.

4.4 Widerspruch und der pannavimutto

Dann fragte Susima erneut: „Warum erscheinen eure Worte, ehrwürdige Herren, so wider- sprüchlich, warum widerspricht das, was vorher gesprochen wurde dem, was später gesagt wurde? Wie ist es möglich, dass ihr [euch selbst als Arahants] bezeugt, wenn ihr nicht die dhyana erlangt habt?“ Der Bhiksu antwortete: „Ich bin ein Wissens-Erlös- ter [pannavimutto]“. So gesprochen erhoben sich die Bhiksu von ihren Sitzen und gingen.

Zu dieser Zeit, wissend, dass diese Bhiksu gegangen waren, dachte Susima: „Die Worte dieser ehrwürdigen Herren erscheinen widersprüchlich, was vorher gesprochen wurde widerspricht dem, was später gesagt wurde. Sie sagten, sie haben die Dhyana nicht erlangt, aber bezeugen dennoch sie wissen und haben die Arahantschaft selbst verwirklicht.“ So denkend näherte er sich dem Buddha, huldigte ihm indem er [Buddhas] Füße mit seinem Kopf berührte, setzte sich zu einer Seite nieder und sprach zum Buddha: „Gesegneter, einige Bhiksu bezeugten mir gegenüber, für uns ist Geburt zu Ende gebracht, das heilige Leben ist gelebt, es ist getan, was getan werden musste. Ich verstehe aus eigener Erfahrung, dass es keine zukünftigen Geburten mehr gibt‘. Also habe ich die ehrwürdigen Herren befragt, ob sie in das erste,

zweite, dritte oder vierte Dhyana eingetreten sind oder ob sie mit dem Körper Kon- takt mit jenen friedvollen Erlösungen aufgenommen haben, welche Formen trans- zendieren, diesen formlosen Erreichungszuständen, um so die Triebe nicht aufstei- gen zu lassen und den Geist umfassend zu befreien‘. Sie antworteten mir indem sie sprachen: ‚Nein, Susima!“. So frug ich gleich nach: ‚[Eure] Worte scheinen widersprüchlich. Was vorher gesprochen wurde widerspricht dem, was später gesagt wurde. [Wie ist es möglich, dass] ihr die [acht] Erreichungszustände nicht erlangt habt, aber bezeugt ihr wisst und habt selbst die Arahantschaft verwirklicht?‘. Sie antworteten mir: ‚Ich bin durch Weisheit befreit‘.

Nachdem sie so sprachen erhob sich jeder von seinem Sitz und ging. Jetzt sollte ich den Gesegneten fragen, warum erscheinen ihre Worte widersprüchlich, warum widerspricht das, was vorher gesprochen wurde dem, was später gesagt wurde? Wie ist es möglich, dass sie die [acht] Erreichungszustände nicht erlangt haben und dennoch bezeugen, sie wüssten und ha- ben die Arahantschaft selbst verwirklicht?“.

4.5 Buddhas Antwort auf Susimas Widerspruch

Der Buddha sprach zu Susima: “Zuerst erkannten sie die Stabilität der Dharma, danach er- kannten sie Nirvana. Allein verweilend, zurückgezogen, tüchtig, unermüdlich und entschlossen, haben diese guten Sippenangehörigen die Ansicht eines ‚Ich‘ aufgegeben und bewirkten so, dass ihre Triebe nicht mehr existieren mit einem Geist wohl-befreit.

Susima antwortete dem Buddha: “Selbst jetzt verstehe ich nicht, wie es ist, dass sie zuerst

die Stabilität der Dharma erkannten und danach Nirvana und allein verweilend, zurückgezogen, tüchtig, unermüdlich und entschlossen, haben diese guten Sippenangehörigen die Ansicht ei- nes ‚Ich‘ aufgegeben und bewirkten so, dass ihre Triebe nicht mehr existieren mit einem Geist wohl-befreit.

Der Buddha sprach zu Susima: “Ob du es verstehst oder nicht, sie erkannten zuerst die Sta- bilität der Dharma, danach Nirvana und allein verweilend, zurückgezogen, tüchtig, unermüd- lich und entschlossen, haben diese guten Sippenangehörigen die Ansicht eines ‚Ich‘ aufgege- ben und bewirkten so, dass ihre Triebe nicht mehr existieren mit einem Geist wohl-befreit.

Susima sprach zum Buddha: “Ich wünschte nur, der Gesegnete würde mir den Dharma so lehren, dass ich befähigt wäre, das Wissen um die Stabilität der Dharma zu erkennen, und das Wissen um die Stabilität der Dharma zu sehen“. Der Buddha sprach zu Susima, „Ich werde dir eine Frage stellen, antworte mir, wie es dir gefällt. Susima, was denkst du, kommt mit Geburt, Altern und Sterben zum Entstehen? Kann ohne Geburt Altern und Sterben entstehen?“. Susima antwortete, „Ja, Gesegneter, mit Geburt entsteht Altern und Sterben, ohne Geburt kann Altern und Sterben nicht entstehen“.

Genauso wie Geburt, so sind Existenz, Anhaften, Begehren, Gefühl, Kontakt, sechs Sinnes- grundlagen, Name-und-Form, Bewusstsein, Gestaltungen und Unwissenheit.

Mittels Unwissenheit entstehen Gestaltungen? Ohne Unwissenheit können keine Gestaltungen entstehen?“. Susima antwortete dem Buddha, „Ja, Gesegneter, mittels Unwissenheit entste- hen Gestaltungen. Ohne Unwissenheit entstehen keine Gestaltungen“.

Der Buddha sprach zu Susima: “Gibt es ohne Geburt kein Altern und Sterben? Kann es ohne Beendigung von Geburt eine Beendigung von Altern und Sterben geben?“. Susima antwortete dem Buddha, „Ja, Gesegneter, ohne Geburt gibt es kein Altern und Sterben. Ohne die Been- digung von Geburt kann es keine Beendigung von Altern und Sterben geben… (bis zu) …“. „Gibt es ohne Unwissenheit keine Gestaltungen? Kann es ohne Beendigung von Unwissenheit eine Beendigung der Gestaltungen geben?“. Susima antwortete dem Buddha, „Ja, Gesegneter, ohne Unwissenheit gibt es keine Gestaltungen. Ohne die Beendigung von Unwissenheit kann es keine Beendigung der Gestaltungen geben“.

Der Buddha sprach zu Susima: “So erkennend und so sehend, tritt jemand abge- schieden von Sinnesvergnügungen, abgeschieden von unheilsamen Geisteszustän- den [in das erste Dhyana ein, das von anfänglicher und anhaltender Hinwendung des Geistes begleitet ist] … (bis zu) … verweilt [in jenen friedvollen Erlösungen, welche Formen transzendieren, diesen formlosen Erreichungszuständen], die er mit dem Körper berührt?“ Susima antwortete dem Buddha, „Nein, Gesegneter!“. Der Buddha antwortete dem Susima, „dies ist der Weg, wie sie zuerst die Stabilität der Dharma erkannten und danach Nirvana, und wie allein verweilend, zurückgezogen, tüchtig, unermüd-

lich und entschlossen, diese guten Sippenangehörigen die Ansicht eines ‚Ich‘ aufgaben und so bewirkten, dass ihre Triebe nicht mehr existieren mit einem Geist wohl-befreit“.

4.6 Erlangen der Dharmasicht und Buße

Nachdem der Buddha dieses Sutra hielt, wurde der ehrwürdige Susima staubfrei, unbefleckt und erlangte die gereinigte Dharmasicht. Zu dieser Gelegenheit sah Susima den Dharma, er- langte den Dharma, erkannte den Dharma, hatte Vertrauen unabhängig von anderen, kreuzte

unabhängig von anderen und gewann Furchtlosigkeit im richtigen Dharma. Nachdem er ihm huldigte, indem er [Buddhas] Füße mit seinem Kopf berührte, sprach er zum Buddha, „Ge- segneter, ich tue jetzt Buße für meine Vergehen. Ich ging fort in diesem Dharma, um Geheim- nisse zu stehlen. Daher tue ich jetzt Buße“.

Der Buddha sprach zu Susima: “Warum bist du in diesem Dharma fortgegangen, um Geheim- nisse zu stehlen?“ Susima antwortete dem Buddha, „Gesegneter, einige Sramana anderer

Schulen kamen zu mir und sagten ‚Susima, du solltest dies wissen: in der Vergangenheit wurden wir immer von den Königen, Ministern, Haushältern, Laien und anderen weltlichen Personen geehrt und bekamen [Opfergaben]. Aber, jetzt ist dies alles vorüber. Die Leute bie- ten nur noch dem Asketen Gautama und der Gemeinschaft seiner Schüler [Opfergaben] dar. Du solltest dich heimlich nähern, in die Hauslosigkeit ziehen und den Dharma unter dem As- keten Gautama und seinen Schülern lernen. Sobald du den Dharma erlangt hast komme zu- rück und lehre uns, so dass wir die Welt mit dem so gehörten Dharma erziehen können, damit sie wieder uns ehren und Opfergaben spenden. Aus diesem Grund, Gesegneter, bin ich im rechten Dharma und Vinaya fortgegangen, um Geheimnisse zu stehlen. Jetzt büße ich. Möge

der Gesegnete aus Mitgefühl meine Buße annehmen“. Der Buddha sprach zu Susima: „Ich akzeptiere deine Buße. Du solltest dies nachsprechen, ‚Ich war töricht, unfähig, unweise, dass ich des Stehlens von Geheimnissen wegen im rechten Dharma und Vinaya in die Hauslosigkeit gegangen bin. Jetzt büße ich‘“. [Susima antwortete] „Wenn man seine eigenen Übertretungen sieht, seine eigenen Übertretungen kennt, gibt es eine Erfüllung zukünftiger Zurückhaltung und Wachstum von Verdienst, nicht Rückgang. Warum ist dies so? Für jeden der seine eigenen Übertretungen sieht, seine eigenen Übertretungen kennt und sie bereut, für den wird es Er- füllung zukünftiger Zurückhaltung geben und Wachstum von Verdienst, nicht Rückgang“.

4.7 Buddhas Gleichnis und Sutra-Ende

Der Buddha sprach zu Susima: “Lass mich dir ein Gleichnis geben. Die Weisen verstehen anhand von Gleichnissen. Nimm an, die Streife würde einen Banditen festnehmen, ihn gefes- selt zum König bringen und sagen: ‚Herr, dieser Mann ist ein Räuber. Möge der König ihn für seine Verbrechen bestrafen‘. Der König würde zu ihnen sagen: „Bindet die Arme des Verbre- chers hinter seinem Rücken und führt ihn im Land herum und verkündet laut [seine Verbre-

chen]. Bringt ihn dann zur Hinrichtungsstätte für Verbrecher außerhalb der Stadt und durch- bohrt ihn mit 300 Lanzen an seinem Körper und den vier Gliedern‘. Der Henker, die Anweisung des Königs erhaltend, bindet dem Verbrecher die Arme hinter seinem Rücken zusammen, führt ihn im Land herum und verkündet laut [seine Verbrechen]. Dann bringt er ihn außerhalb der Stadt zur Hinrichtungsstätte für Verbrecher und durchbohrt in mit 100 Lanzen an seinem Kör- per und den vier Gliedern. Zur Mittagszeit würde der König fragen: ‚ist der Verbrecher noch

am Leben?‘ Ein Hofbeamter könnte antworten ‚Am Leben‘. Der König würde erneut dem Hof- beamten die Anweisung geben: „Durchbohrt ihn wieder mit 100 Lanzen. Zur Abendzeit durch- bohrt ihn wieder mit 100 Lanzen‘. Aber, immer noch wäre er nicht tot. Der Buddha sprach zu Susima: „Der König gibt die Bestrafung. Mit 300 Lanzen durchbohrt, wird es so noch einen Teil des Körpers des Verbrechers geben von der Größe einer Handfläche, der noch unbeschä- digt ist?“ Susima antwortete dem Buddha, „Nein, Gesegneter“. [Der Gesegnete] frug Susima weiter: „Wenn der Verbrecher so mit 300 Lanzen durchbohrt ist, leidet er extreme und durch- dringende Schmerzen?“ Susima sprach zum Buddha, „[er erleidet] extreme Schmerzen, Ge- segneter“. Selbst wenn er von einer Lanze durchbohrt wird erleidet er unerträglich Schmerzen,

wie kann man ertragen von 300 Lanzen durchbohrt zu sein?“ Der Buddha sprach zu Susima:

„Dies ist noch erträglich. Falls jemand im rechten Dharma in die Hauslosigkeit zieht, um Ge- heimnisse zu stehlen, den Dharma zu stehlen und anderen zu lehren, der wird Schmerzen erleiden und viele Male mehr leiden als der Verbrecher“. Während der Buddha diesen Dharma lehrte, vernichtete Susima, der Sramana einer anderen Schule, seine Triebe und sein Geist wurde befreit. Nachdem dieses Sutra vom Buddha gelehrt wurde, fühlte sich Susima entzückt und erfreute sich an dem, was der Buddha sagte.

Ende der Lehrrede

LITERATURVERZEICHNIS

Analayo, B. (2013). Perspectives on Satipatthana. Cambridge: Windhorse Publications.

Bodhi, B. (2000). The Connected Discourses of the Buddha: a new Translation of the Saṃyutta Nikāya. Boston: Wisdom Publications.

Geiger, W. (1997). Nidana-Vagga: Buch der bedingten Entstehung. In W. Geiger, H. Hecker, & B. Nyanaponika, Die Reden des Buddha: Gruppierte Sammlung Samyutta-Nikaya (pp. 1-294). Stammbach: Beyerlein & Steinschulte.

Nanamoli, B. (1982). The Path of Discrimination: Patisambhidamagga. London: Pali Text Society.

Wen, T. (2009). A Study of Sukkhavipassaka in Pali Buddhism. Queensland: University of Queensland.