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Negation im klassischen Chinesisch:

die vielen Wege ‚nein‘ zu sagen


Negation im klassischen Chinesisch: die vielen Wege ‚nein‘ zu sagen
von pamokkha (pamokkhala@gmail.com)

Version 2.0: 22.12.2018, Erstveröffentlichung am 26.08.2016


Alle Rechte vorbehalten, © 2016 München

Schlüsselbegriffe: Chinesisch

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INHALTSVERZEICHNIS
1. Einleitung......................................................................................... 4

2. Verneinungen im klassischen Chinesisch .............................................. 4

2.1 不 bu-Negation ............................................................................. 4

2.2 未 wei-Negation ............................................................................ 5

2.3 無 wu-Negation ............................................................................. 5

2.4 非 fei-Negation ............................................................................. 5

2.5 弗 fu-Negation und 勿 wu-Negation ................................................. 5

2.6 莫 mo-Negation ............................................................................ 6

3. 無 wu-Negation im Wumenguan .......................................................... 6

Anhang................................................................................................ 7

Literaturverzeichnis ............................................................................... 8

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1. EINLEITUNG
Es gibt viele Wege, ‚nein‘ zu sagen. So beginnt Fuller1 sein Kapitel über Nega-
tivsätze im klassischen Chinesisch. Jedoch sind die verschiedenen Arten nicht
beliebig austauschbar, sondern haben jeweils eine spezielle Funktion und der
Satz erhält verschiedene Bedeutungen: „Each of the many different negatives
in literary Chinese has a discrete meaning… The sense of each of these char-
acters is distinct, and the particular usage of each must be taken into ac-
count“.2

2. VERNEINUNGEN IM KLASSISCHEN CHINESISCH

2.1 不 bu-Negation

Um Verben zu modifizieren und zu verneinen, verwendet man die 不 bu-Nega-

tion. Ein Nomen, welches 不 bu folgt, wird zu einem Verb. Es zeigt an, dass die

Handlung nicht stattfindet bzw. ein Zustand nicht zutrifft. Adjektive im Deut-
schen fungieren im klassischen Chinesisch als (Zustands)verben, „Adjectives
must be classed as verbs in Classical [Chinese]”3, und werden daher auch mit
不 bu verneint. Die 否 fou-Negation wurde ursprünglich geschrieben wie 不 bu

und wurde verwendet, wenn das verneinte Verb weggelassen wurde und die
Negationspartikel alleine stand. Im Menzius ist 否 fou die verneinende Antwort

auf eine Frage, also schlicht ‚nein‘.

1
(Fuller, 1999, S. 71)
2
(Fuller, 1999, S. 71-72)
3
(Pulleyblank, 1995, S. 24)
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2.2 未 wei-Negation

Die 未 wei-Negation verneint das Auftreten von Handlungen und verneint Ver-

ben. Die gebräuchlichste Übersetzung ist ‚noch nicht‘. Was implizieren kann,
dass die Handlung zukünftig jedoch stattfinden wird bzw. ein Zustand zukünf-
tig eintritt.

2.3 無 wu-Negation

Die Negation von Existenz bzw. Abwesenheit von etwas wird durch die 無 wu-

Negation ausgedrückt. Es ist das Gegenstück zu 有 you (haben, es gibt). Da 無

wu ein Verb ist, verneint es Nomen und sollte ihm ein Verb folgen, dann wird
es zum Nomen. In manchen klassischen Texten, wie z.B. Menzius, wird es wie
die 勿/毋 wu-Negation als verneinender Imperativ verwendet.

2.4 非 fei-Negation

Die 非 fei-Negation verneint die Identität von etwas: ‚ist nicht‘. Es ist eine

Negativkopula. 非 fei modifiziert ein Nomen, im späteren Gebrauch wird es

manchmal auch direkt als Verb behandelt, und 非 fei nachfolgende Verben

werden zu Nomen.

2.5 弗 fu-Negation und 勿 wu-Negation

Die Verbindung von 不 bu + 之 zhi formt die 弗 fu-Negation und ist im (späteren)

Gebrauch gleich mit 不 bu, „which has been traditionally regarded as just a

less common variant of 不 bu“4. 弗 fu wird verwendet, um Verben zu verneinen.

4
(Pulleyblank, 1995, S. 104)
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Ebenfalls eine Verbindung ist die 勿 wu-Negation aus 毋 wu + 之 zhi. Es hat die

Funktion eines verneinenden Imperativs: ‚(etwas) nicht tun‘. Es wird in Ver-


boten, Ermahnungen, Warnungen etc. verwendet.

2.6 莫 mo-Negation

Die 莫 mo-Negation hat die Bedeutung von ‚keinesfalls, auf keinen Fall‘ und

‚niemand, nichts‘. Fungiert manchmal ebenfalls als verneinender Imperativ.

Ausführliche Darstellungen findet man bei Pulleyblank (1995, S. 103-111) und


Fuller (1999, 71-78).5

3. 無 WU-NEGATION IM WUMENGUAN
Einer der großen chinesischen Zen-Meister ist 趙州從諗 Zhaozhou Congshen

(778-897) von dem ein sehr berühmtes Koan im (禅宗)無門關 Wumenguan/Mu-

monkan übermittelt ist, welches die 無 wu-Negation verwendet:

趙州和尚、因僧問、狗子還有佛性也無。州云、無。

(Der Mönch Zhaozhou wurde von einem Mönch gefragt: Ein Hund hat noch
Buddhanatur, oder nicht? Zhou sagte: hat nicht.)

Zhaozhou konnte, bedingt durch die Restriktionen der Grammatik, (wohl) gar
nicht anders antworten als mit 無 wu, wenn er eine verneinende Antwort geben

wollte. Wenn er eine Nicht-Antwort geben wollte, dann könnte man Zhaozhous
無 auch verstehen mit 空 (kong). Dann wäre seine Antwort auf die Frage: Leere

bzw. Leerheit.

5
(Pulleyblank, 1995, S. 103-111) und (Fuller, 1999, S. 71-78)
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ANHANG

趙州和尚因僧問狗子還有佛性也無州云無

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LITERATURVERZEICHNIS
Fuller, M. A. (1999). An Introduction to Literary Chinese. Cambridge: Harvard
University Press.

Pulleyblank, E. G. (1995). Outline of Classical Chinese Grammar. Vancouver:


UBC Press.

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