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Dienstag, 1. Juni 2010 / Nr.

124 Neue Luzerner Zeitung Neue Urner Zeitung Neue Schwyzer Zeitung Neue Obwaldner Zeitung Neue Nidwaldner Zeitung Neue Zuger Zeitung SCHWEIZ 5

NACHRICHTEN Klimaschutz

Hinterziehung ist
nicht gleich Betrug
Bern – Schwere Steuerhinter-
ziehung soll in der Schweiz
Nur Autos werden verschont
weiterhin nicht gleich behan-
delt werden wie Steuerbetrug.
Der Ständerat hat sich am Mon-
tag mit 23 zu 10 Stimmen gegen
eine Motion von Anita Fetz (SP,
BS) ausgesprochen. Der Rat
stimmt hingegen zu, das Bank-
geheimnis gegenüber fünf wei-
teren Staaten zu lockern. Gegen
den erweiterten Informations-
austausch gemäss OECD-Stan-
dard mit Österreich, Norwegen,
Finnland, Luxemburg und Ka-
tar gab es keine Gegenstimme.
(sda)

WG-Kollegen sollen
Auskunft geben
Zürich – Um Missbräuche auf-
zudecken, soll das Sozialhilfe-
gesetz im Kanton Zürich massiv
verschärft werden. Der Kan-
tonsrat hat es gestern in erster
Lesung durchberaten. Gemäss
neuem Gesetz sollen die Behör-
den beispielsweise auch WG-
Mitbewohner, die Eltern oder
einen allfälligen Arbeitgeber
nach den Lebensumständen
der Fürsorgeempfänger befra-
gen dürfen. (sda)

Entschädigung
wegen Vulkanasche
Zürich – Firmen am Zürcher
Flughafen, die ihren Betrieb im
April wegen der Vulkanasche aus
Island für einige Tage einstellen
mussten, können mit Kurzar- Der CO2-Ausstoss von Neuwagen wird in der Schweiz ab 2015 weniger stark begrenzt als in der EU. ARCHIVBILD NEUE LZ
beitsentschädigung rechnen.
Das Zürcher Amt für Wirtschaft
und Arbeit hat die meisten Ge- Der Nationalrat will die Die Revision greife den internationalen um mindestens 20 Prozent unter das EXPRESS
suche bewilligt. Betroffen sind Vereinbarungen vor und sei zu extrem. Niveau von 1990 senken. Der Bundesrat
Treibhausgase im Inland Für Eintreten – und damit für klimapo- hatte ebenfalls eine Reduktion um 20 Der Nationalrat stimmt mit
9500 Mitarbeitende. (sda)
stärker begrenzen als der litisches Handeln – setzte sich neben der Prozent beantragt. Sein Gesetzestext er- 102 zu 80 Stimmen der Re-
Bundesrat. Aber er schont Kommissionsmehrheit auch Umweltmi- laubte aber, die Hälfte dieser Reduktion vision des CO2-Gesetzes zu.
nister Moritz Leuenberger ein: «Nicht- durch den Kauf von Emissionszertifika-
Finanzausgleich die Autobranche. ten im Ausland wegzurechnen. Die Treibhausgase müssen bis
Zusätzlich gibt die Mehrheit des Natio- 2020 um 20 Prozent unter
Zug und Schwyz VON HANSPETER GUGGENBÜHL, BERN
schweiz@neue-lz.ch
«Nichteintreten wäre
ein Schildbürger-
nalrats dem Bundesrat die Kompetenz,
das Reduktionsziel «in Einklang mit in-
das 1990-Niveau sinken.
müssen zahlen Mit der Revision des CO2-Gesetzes
streich.» ternationalen Vereinbarungen» bis auf
maximal 40 Prozent zu erhöhen. In
mm. Die Geberkantone im Neuen stellt die Schweiz die Weichen für ihre B U N D E S R AT diesem Fall müsste die zusätzliche Re- nämlich auf 150 statt auf 130 Gramm
Finanzausgleich werden nicht entlas- Klimapolitik bis 2020. Der Nationalrat MORITZ LEUENBERGER duktion der Treibhausgase zu einem CO2 pro Kilometer Fahrt. Damit erlaubt
tet: Der Ständerat hat gestern eine hat gestern mit der Beratung dieser Viertel im Inland und dürfte zu drei die Schweiz weiterhin einen Verbrauch
Motion des Schwyzer SVP-Parlamen- umfangreichen Vorlage begonnen. Die eintreten wäre ein Schildbürgerstreich», Vierteln im Ausland erfolgen. Eine wei- von 6,5 Liter (EU 5,6 Liter) Benzin und
tariers Alex Kuprecht, der dies verlangt Revision ist höchst umstritten. Davon warnte er. Denn damit blockiere man tergehende Vermeidung von klimawirk- 5,7 Liter Diesel (EU 5,0 Liter) pro 100
hatte, mit 27 zu 14 Stimmen abge- zeugen über hundert Anträge. nicht nur die künftige Klimapolitik, son- samen Gasen, wie sie SP und Grüne Kilometer Fahrt. Der Bundesrat hinge-
lehnt. Kuprecht forderte, der Bundes- Mit 102 gegen 80 Stimmen entschied dern würge auch bisherige Massnahmen forderten, wurde deutlich abgelehnt. gen hatte beantragt, die EU-Vorschriften
rat solle ein Moratorium verfügen und er, auf die Vorlage einzutreten. «Nicht- im CO2-Gesetz ab. Mit noch knapperer unverändert zu übernehmen. Es sei un-
die Höhe der Ausgleichszahlungen eintreten» hatte eine starke Minderheit Mehrheit von 90 gegen 87 Stimmen bei Autos weniger stark begrenzt glaubwürdig, so kritisierte Umweltminis-
kleiner Kantone wie Zug oder Schwyz der Umweltkommission (Urek) bean- drei Enthaltungen verschärfte der Natio- Nach einer Kaskade von Abstimmun- ter Leuenberger, einerseits das Klimaziel
einfrieren. Knapp 2 Milliarden Fran- tragt. Unterstützt wurde diese von der nalrat das klimapolitische Ziel. Demnach gen entschied der Nationalrat: Der CO2- zu verschärfen, andererseits aber eine
ken müssen die ressourcenstarken geschlossenen SVP- sowie der Mehrheit muss die Schweiz ihre Treibhausgase Ausstoss von Neuwagen wird ab 2015 der wichtigsten Massnahmen abzu-
Kantone dieses Jahr zahlen. der FDP-Fraktion. Ihre Begründungen: (CO2, Methan) bis 2020 allein im Inland weniger stark begrenzt als in der EU, schwächen.

Asylgesetzrevision

Sind Widmer-Schlumpfs Vorschläge zu lasch?


Die Schweiz soll für «Die Probleme Philipp Müller*
Nationalrat FDP
«Auf Kosten
Asylsuchende weniger sind nicht lösbar» der Flüchtlinge» CONTRA
attraktiv werden: Das
E D
inmal mehr soll das Asylgesetz ie Schweizerische Flüchtlingshilfe Adrian
überarbeitet werden. Einmal mehr PRO (SFH) kritisiert die vorgestellten Hauser*,
ist das Ziel der Asyl- wird es den Vollzug von rechtskräftig Vorschläge zur Asylgesetzrevision. Ins- Schweizerische
Flüchtlingshilfe
abgelehnten Asylgesuchen kaum ver- besondere die verkürzte Beschwerde-
gesetzrevision von bessern. Und gerade hier liegt das Pro- frist im Asylverfahren schränkt den
blem. Alles Schräubeln am Gesetz hilft Flüchtlingsschutz in unzulässiger Weise
Bundesrätin Eveline wenig, wenn nach einem Verfahren richt lässt sich kaum von Verfahrens-
fristen beeinflussen.
ein. die eigentlichen Probleme im Vollzug
liegen.
durch alle Instanzen die Ausweisung
Widmer-Schlumpf. nicht möglich ist, weil die Betroffenen
Anstelle der bisherigen Hilfswerksver-
Die SFH lehnt die Kürzung der Be-
schwerdefrist im materiellen Verfahren Die SFH fordert seit Jahren, dass der
jegliche Kooperation verweigern, ihre
Experten streiten, ob Identität verschweigen und keine Pa- tretung bei den Anhörungen soll neu ei-
ne «Verfahrens- und Chancenberatung»
von 30 auf 15 Tage vehement ab. Dies,
weil sie mit rechtsstaatlichen Grundsät-
Bund seine Verpflichtungen im Bereich
des Rechtsschutzes der Asylsuchenden
piere vorlegen.
die Massnahmen zu für Asylsuchende eingerichtet werden.
Dabei sollen ausgerechnet Hilfswerke
zen nicht zu vereinbaren ist und das
Recht auf eine effektive Beschwerde ver-
besser wahrnehmen muss. Angesichts
der extremen Verkürzung der Be-
weit gehen oder zu Auch die jüngste von Bundesrätin
Widmer-Schlumpf vorgelegte Teilrevi-
die Asylsuchenden von aussichtslosen
Beschwerden abhalten. Ein Interessen-
letzt. Im Asylverfahren geht es um Leib
und Leben. Die Fragestellungen sind
schwerdefrist ist der staatlich gewähr-
leistete rechtsgleiche Zugang zum
lasch sind. sion wird daran kaum etwas ändern.
Im Gegenteil, mit der massiven Re-
konflikt ist absehbar, geht es doch den
meisten Asylsuchenden vor allem da-
komplex, brauchen Zeit, und den Betrof-
fenen fehlen darüber hinaus oft die nöti-
Rechtsschutz für alle Asylsuchenden
umso wichtiger und unerlässlich. Die
duktion der Nichteintretensgründe rum, ihre Wegweisung möglichst zu ver- gen Sprach- und Rechtskenntnisse. Ausgestaltung der Verfahrens- und
wird das Verschweigen der Identität, zögern oder zu verhindern. Ein Mittel Chancenberatung lässt das vom Bun-
das Verweigern der Papierherausgabe dazu ist die Ausschöpfung aller Rechts- Es ist höchst bedauerlich, dass der desrat vorgelegte Gesetz jedoch völlig
gar noch gefördert. Die im Gegenzug mittel, in der Regel beraten von den Bund das Verfahren nun einzig auf offen. Es ist für die Betroffenen aber
vorgesehene Kürzung der Verfahrens- Hilfswerken. Die Vorlage hat sicher auch Kosten der Flüchtlinge beschleunigen von existenzieller Bedeutung, dass da-
fristen ist eine Massnahme «für die einige gute Aspekte, kommt aber viel zu will. Die Fristen zur Bearbeitung der raus ein taugliches Instrument für ei-
Galerie». Spätestens bei der letzt- spät. Die Vollzugsprobleme sind mit Gesuche bleiben für die Behörden hin- nen wirksamen Rechtsschutz entsteht.
instanzlichen Gerichtsinstanz für Asyl- simplen Gesetzesrevisionen nicht lösbar. gegen weiterhin unverbindlich. Schon
verfahren, dem Bundesverwaltungsge- heute ist absehbar, dass diese «Verfah- HINWEIS
richt, wird diese «Beschleunigung» zu- HINWEIS rensbeschleunigung» ihre Wirkung ver- * Adrian Hauser ist Leiter Kommunikation
nichte gemacht werden. Dieses Ge- * Philipp Müller, Nationalrat FDP, Reinach AG. fehlen wird. Es ist kein Geheimnis, dass Schweizerische Flüchtlingshilfe.