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GA 97, S.

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Lehren und Lehren. - Lehren kann heien, eine Lehre vortra gen, ein vermeintlich
bindendes System von Wahrheiten aussagen und die Zustimmung dafur verlangen durch
die Art der Beweis fuhrung.
Lehren kann aber auch bedeuten: lernen lassen, namlich das Denken als das Seinlassen
des Seins. Eher noch: lernen las sen das Lernen - das Horenkonnen, das sinnende, und
dieses ist das Wesentliche in der Aneignung alles gesagten Denkens: im Lesen<<, das
sich sammelt auf das Zu-Denkende.
Lehren: lernen lassen das Lesen.
Wie aber, wenn die Diktatur der Offentlichkeit durch die Herrschaft der Zeitung das Lesen
unmoglich macht unter dem Schein, Leser zu bilden?
GA 97, S. 191
Die Gelegenheit, durch einen Denker lernen zu durfen, ist ein Glucksfall. Und selbst dieser ist in
sich eingeschrankt, weil hier lehren und lernen aus der Langmut zum Einfachen stammen und
allem Abrichten abhold bleiben. Wo sich der Glucksfall ereignet, kann der Lernende noch blind
werden fur das, was ihm begegnet ist. Er weicht vorzeitig aus in das Besserwissen. Die Langmut
zur Sache wohnt nicht in seinem Gemut. Wer nur Schuler ist, beweist noch nicht, da er gelernt
hat und uberhaupt lernen kann.
Das Denkenlernen durch einen Denker verlangt die Nachbar schaft in der Nahe des Seyns. Aber sie
bemit sich nicht nach der Menge des Mitgeteilten. Aus der Schweigsamkeit des Lehrenden ist
mehr zu lernen als aus offentlichen Mitteilungen. Aber die Schweigsamkeit 1 lat sich nur aus der
Nahe erfahren. Darum 126 ist das Volk der Griechen, das in der Ortschaft der Nahe wohnen durfte,
das erste und einzige Volk, das durch Denker und nicht nur von Denkern lernen durfte.
43.GA 97, S. 408
Ein Lehrer des Denkens ist ein ganz anderer als der Schulmeister des Wissens. Durfen wir zu aller
ubrigen Verwirrung auch noch die Jugend dieser Verwechslung preisgeben?
Zu versuchen, inmitten der Wissenschaften und ihres Lehrbe triebs, das Denken lehren zu wollen,
hiee, sich anschicken, im luftleeren Raum zu atmen.