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Wiesendahl - Parteien in Perspektive

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Kontingenztheoretische Analyse von Parteien erklärt Formen der Organisation (Partei)
aus Umstände und Gegebenheiten

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Kontingenzanalyse betrachtet Organisationen von ihrer Umwelt / Kontext. Die Struktur
von Parteien wird unmittelbar durch die Umweltbedingungen geprägt

„The party has no life or existence apart from the phenomena and influence of the
broader political system“ (Sorauf 1968: 418)

Parteien seien hauptsächlich „dependent object or result of external, independent


forces“ (Sorauf u. Beck 1988: 498)

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Parteien sind so, weil die Gesellschaft so ist. Parteien sind also einerseits Produkt ihere
Umwelt, andererseits entsprechen sie auch organisationsstrukturellen Anforderungen.

Es wird davon ausgegangen organisationsstrukturell als systemgerecht / -konform


betrachten lassen, die erwünschte Strukturen der Gesellschaft mikroskopisch
duplizieren

<--! Damit bringt die kontingenztheoretische Parteienforschung favorisierte


Gesellschaftsbilder in die Analyse von Parteien ein. Sie macht es sich sehr einfach !-->

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Parteien müssen sich strukturell an die pluralistische Gesellschaft anpassen und
werden ihrerseits pluralistisch

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Funktionalismus versteht Parteien als Subsysteme, deren Eigenschaften sich aus ihrer
Funktion im politischen Systemzusammenhang ergibt

Parteien sollen im Funktionalismus zu Intermediären, die Wünsche und Erwartungen


aufgreifen, umwandeln und an das politische System weitergeben (vgl. Cotty 1972)

Alternativ auch: Parteien sind Interessenvermittler


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Der systemtheoretische Funktionalismus der Moderne erklärt die Funktion von Parteien
aus derjenigen des übergreifenden politischen Systems

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Tendenzen Parteien als willen- u. identitätslose Reflexe auf Umweltbegebenheiten zu
begreifen ist im Funktionalismus noch stärker ausgeprägt als in der Kontingenztherie.
Parteien werden als black box behandelt.

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Parteien werden folglich Funktionen zugeschrieben, ohne dass darauf geachtet wird ob
sie diese Funktionen auch erfüllen

Antworten, wie sich innerparteiliche Prozesse abspielen bleibt die Theorie schuldig

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Sieht Paradigmenwechsel in Organisationsperspektive zeitgenössischer
Parteienforschung

Parteien heute: offen, durchlässig, pluralistisch, heterogen, polyzentrisch, polyarchisch

Parteien werden als klientele Servicedienstleister , Makler bzw. Vermittlungsinstanzen


wahrgenommen, die Wünsche und Anliegen in administrative Entscheidungsinstanzen
weiterleiten.

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Handeln von Parteien wird in funktionalistischer u. kontingenztheoretischer
Organisationsperspektive als sehr umweltgeprägt angesehen. Fähigkeit
Umwelteinflüsse zu verarbeiten wird stark unterschätzt. (Gibson und Scarrow (1993:
259))

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Parteien haben jedoch durchaus Handlungs- und Entscheidungsfreiheiten auf deren
Grundlage sie selektiv Umwelteinflüsse auswählen. (Panebianco 1988: 184)

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Struktur und Verhalten politischer Parteien werden einseitig aus einem
gesellschaftlichen / politischen Entwicklungszusammenhang ehrgeleitet
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Moderne Parteientheorie Panebiancos sieht wiederum klassische Gedanken nach
denen sich eine Partei zwar dem Umweltkontext öffnet, deren Struktur sich aber nicht
einseitig daraus erklären lässt

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Sieht in Parteienforschung der Moderne (Kontingenztheorie) einen Fortschritt, da sie die
Enge des Theoriedenkens verlässt

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Er unterstellt jedoch auch, dass beide Ansätze der komplexen Organisationswirklichkeit
nicht gerecht werden und sie nur höchst eingeschränkt wahrnehmen.

Klassische, funktionalistische Theorie stellt den Zweck in den Vordergrund, während


kontingenztheoretische Ansätze die Umwelt in den Vordergrund stellen. Beides reicht
nicht aus.

Es fehlt eine Kombination der Ansätze.

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Klassische Parteienforschung rückt komplexe Parteienrealität in so komplexes Bild,
dass Spannungen, Ungereimtheiten, Widersprüche überzeichnet werden.