Moviemento & City-Kino

April 2016
Nr. 327 – Programmzeitung für Moviemento & City-Kino
www.moviemento.at

Vorspann

KLASSIK
IM KINO

Inhalt

Neue Filme im April
A War.............................................................9
Bauernopfer – Spiel der Könige........8
Das Leben ist keine Generalprobe....3
Der Schamane und die Schlange.......8
Die Geliebte des Teufels.......................11
Die Kommune..............................................3
Eddie the Eagle.........................................6
Ein Hologramm für den König............6
Ein Mann namens Ove............................. 7
Familie zu vermieten...............................6
Freeheld.................................................... 10
Future Baby.............................................. 10
GrüSSe aus Fukushima9��������������������������9
Hannas schlafende Hunde..................5
Monsieur Chocolat................................ 7
Nomaden des Himmels...........................11
Projekt A................................................... 12
Unter dem Sand........................................9
Winwin.........................................................11

SAISON

15/16

MI 6. APRIL, 20.15, CITY-KINO

GISELLE
Live Ballett
aus dem Royal Opera House, London

DI 26. APRIL, 19.30, CITY-KINO

RIGOLETTO
Live Oper
aus der Opéra de Paris

Thema des Monats...................................... 5
ÖGB – Film & Diskussion...........................12
Südwind......................................................12
Babykino.....................................................12
AK-Kultur....................................................12
Berlinale 2016.............................................14

Preise:
Programmheft-Jahresabo: EUR 19,–
Kinometerbank: 10 Karten +
Programmheftabo: EUR 70,–
MovieMember: 1 Jahr ermäßigter Eintritt +
Abo: EUR 30,–,
Einzelexemplar-Programmzeitung: EUR 1,50
Bankverbindung: Hypobank, Linz Landstraße,
IBAN: AT955400000000761858 / BIC: OBLAAT2L
lautend auf »Moviemento Programmkino gemeinnützige GmbH«
Satz- und Druckfehler vorbehalten.
Hinweis für Kinometerbank Käufer_innen
Per Überweisung bezahlte Kinometerbanken und
MovieMember-Cards liegen an der Moviemento
Kino-Kassa auf und können dort gegen Vorlage der
Zahlungsquittung (=Auftragsbestätigung) zwischen
ca. 17.00 und 21.00 Uhr abgeholt werden. Aus organisatorischen Gründen ist die Abholung im City-Kino
nicht möglich.
Wegen immer häufiger aufretender Zustellprobleme unserer Programmzeitung durch die Post
möchten wir uns entschuldigen. Diese liegen nicht
in unserem Bereich. Gegebenenfalls bekommen
Sie das Programm gerne an der Kassa.

Impressum
Medieninhaber: Verein zur Förderung kommunikativer
Kinokultur, OK Platz 1, 4020 Linz, Tel: 0732/784090.
Obmann: Wilhelm Schwind. DVR: 0562831/180189.
F. d. I. v.: Wolfgang Steininger.
Gestaltung Heft 327: Stefanie Pachlatko, Stefan Messner.
Mitarbeit: Rüdiger Ratzenböck.
Druck: Haider Schönau, Niederndorf 32, 4274 Schönau, Tel: 07261/7232. Gedruckt auf chlorfrei gebleichtem Papier. Mit der Unterstützung von BMUKK,
LAND OÖ, STADT LINZ und zahlreichen Mitgliedern,
Förder_innen.
Offenlegung gem. Mediengesetz § 25(2): Verein zur
Förderung kommunikativer Kinokultur, Unternehmensgegenstand: Präsentation von Filmkunst.
§ 25(4): Vermittlung von Informationen über Film,
Kino-Kultur und Zeitkultur.

2

CITY-KINO Graben 30 | 4020 Linz | Tel. 0732 776081
www.moviemento.at

FilmBrunch

Sonntags im Moviemento & Gelben Krokodil

Neu beim FILMBRUNCH: PLATZKARTEN IM KINO
#1 TISCH & KINOTICKET RESERVIEREN im Gelben Krokodil und Moviemento / #2 BEZAHLEN IM GELBEN
KROKODIL Sie erhalten einen Bon / #3 MIT DEM BON IHRE PLATZKARTE ABHOLEN an der MoviementoKassa den Bon gegen das Kinoticket tauschen

So 3. April

So 17. April

Hannas schlafende Hunde
11.30 Ich bin dann mal weg
11.30 Birnenkuchen mit Lavendel
13.15 Raum
13.30 Eddie the Eagle
13.30 Der Schamane und die Schlange

11.15

So 10. April

Mi 20. – Mo 25. April

Maikäfer flieg
11.15 Ein Mann namens Ove
11.30 Das Leben ist keine Generalprobe
13.15 Freeheld
13.30 Das brandneue Testament
13.30 Hannas schlafende Hunde

Crossing Europe

11.15

11.15

Das Leben ist keine Generalprobe

11.30 Ich bin dann mal weg
11.30 Future Baby
13.15

The Danish Girl

13.30 Familie zu vermieten
13.30 Die Geliebte des Teufels

FilmLUNCH

Sonntags im City-Kino & Café Stern

So 3. April

So 17. April

11.00 Spotlight

11.00 Familie zu vermieten

11.15

Raum

11.15

GrüSSe aus Fukushima

So 10. April

Mi 20. – Mo 25. April

11.00 The Revenant

Crossing Europe

11.15

Lolo

Das Leben ist keine Generalprobe

Das Leben ist keine
Generalprobe
AT 2016, 90 min, OdF,
R/B/K: Nicole Scherg,
S: Christoph Loidl, Karin Hammer
Premiere: Mittwoch, 6. April, 18.30,
Moviemento – in Anwesenheit von
Nicole Scherg und Heini Staudinger
Schuhe und Schlagzeilen, Ruhe und Rebellion – die Welt des Heini Staudinger.
»Mich interessiert das Kapital wenig und
das Leben sehr«, sagt Heinrich »Heini«
Staudinger. Mit diesem Grundsatz ist der
Oberösterreicher aus dem Waldviertel zu
einer der schillerndsten UnternehmerPersönlichkeiten Österreichs geworden. In
seinen GEA-Läden verkauft er hochwertige
Möbel, Taschen und Textilien – und Schuhe
der Marke »Waldviertler«, die er in einer großen Halle in Schrems mit 250 Mitarbeitern
selbst erzeugt.
Mit dieser Fabrik geriet er freilich in die
Schlagzeilen. Wegen seiner Ansichten zum
Thema Kapital. Weil ihm die Bank benötigte Kredite nicht gewähren wollte, sammelte
er bei Kunden und Freunden drei Millionen
Euro ein. Eine Art Crowdfunding also, die
ihm jedoch eine Klage der Finanzmarktaufsicht (FMA) eintrug. Denn die FMA fand,
diese Form der Finanzierung sei ein Bankgeschäft. Und dafür brauche Staudinger
eine Konzession. Vor Gericht bekam die
FMA Recht. Doch Staudinger weigerte sich,
die verhängte Strafe zu zahlen: »Wir dulden
die Bevormundung durch die FMA und die
Republik nicht.«
Dieser Satz fällt in DAS LEBEN IST KEINE
GENERALPROBE, der neuen Dokumentation über Heini Staudinger und seine Welt.
Die Filmemacherin Nicole Scherg wurde
für die Produktion zu Staudingers ständiger Begleiterin. Der Film porträtiert den
alternativen Schuhfabrikanten und seine
Co-Geschäftsführerin Sylvia Kislinger. Aber
auch das Waldviertler/GEA-Team sowie der
Denker und Wortschmied Moreau, der als
Chefredakteur der GEA-Gazette »brennstoff« das Unternehmensmodell mit vielen
schillernden Zitaten kommentiert, kommen
ausführlich ins Bild.
DAS LEBEN IST KEINE GENERALPROBE
ist ein ruhiger und zugleich fesselnder Film,
der das Bild einer kleinen Wirtschaftswelt
jenseits des Mainstreams zeichnet, in der
Aktienkurse und Profiterwartungen keine

Die Kommune

Bedeutung haben. Qualität sowie die Zufriedenheit von Mitarbeitern und Kunden sind
hingegen ein hohes Gut. Die Regisseurin
Nicole Scherg geht der Frage nach: Wie lassen sich die Visionen einer gerechten Welt,
die den Firmeninhaber Heinrich Staudinger
antreiben, in den wirtschaftlichen Entwicklungen der Gegenwart verwirklichen?

Meine University of Economics war die
Greisslerei meiner Eltern. – Heini Staudinger

Die Kommune
Kollektivet
DK/SE/NL 2016, 111 min, Dänisch OmU,
R: Thomas Vinterberg, B: Tobias Lindholm,
Thomas Vinterberg, K: Jesper Tøffner,
S: Janus Billeskov Jansen, Anne Østerud,
D: Trine Dyrholm, Ulrich Thomsen, Helene
Reingaard Neumann, Fares Fares, Martha
Sofie Wallstrøm Hansen, Lars Ranthe

Ab Dienstag, 26. April
Vinterbergs Verfilmung seines eigenen
Theaterstückes über das Chaos in einer
vermeintlichen Muster-WG.
Für Erik und Anna beginnt alles wie ein
Traum. Als Erik eine großzügige Villa in
einem Kopenhagener Nobelviertel erbt,
beschließt das Paar, sein konventionelles
Familienleben hinter sich zu lassen, und
gründet mit Freunden und Bekannten eine
Kommune. Der Alltag der kunterbunten
Hausgemeinschaft aus Paaren, Singles und
Kindern ist geprägt von Freundschaft, Liebe
und fröhlich-entspanntem Laissez-faire. Regelmäßige Partys, gemeinsame Essen und
Hausversammlungen an der großen Tafel
stärken das Gemeinschaftsgefühl, und bis
auf kleinere Fehlbeträge in der Bierkasse
scheint alles zu stimmen. Doch als Erik sich
in die hübsche Studentin Emma verliebt
und sie ins Haus aufnimmt, droht die von
lässigem Miteinander geprägte Stimmung
zu kippen. Der Konflikt zwischen privaten
Bedürfnissen und großen Idealen wird zu
einer Zerreißprobe für die verlassene Anna
und die gesamte Kommune. Die Zeit der Liebe geht zu Ende, die Zeit der Abschiede hat
begonnen. Und schließlich wird Anna in ein
neues Leben aufbrechen …
Nach seinem Oscar-nominierten Erfolg DIE
JAGD machte Thomas Vinterberg mit AM
GRÜNEN RAND DER WELT einen Ausflug

Hannas schlafende Hunde

nach Hollywood, nun besinnt er sich wieder
auf seine Wurzeln. In DIE KOMMUNE lässt
der international gefeierte Regisseur – einst
selbst in einer bunten Wohngemeinschaft
aufgewachsen – auf heitere und anrührende Weise die experimentierfreudigen,
optimistischen 1970er Jahre in Dänemark
wieder aufleben. Er liefert das ebenso schonungslose wie humorvolle Porträt einer Generation, die aus Idealismus antrat, kollektive Wohnformen zu erproben, und dabei an
Problemen scheiterte, die bis heute nichts
von ihrer Aktualität verloren haben. Ein fröhliches, emotional intensives Filmvergnügen,
das uns das Leben in seiner ganzen Widersprüchlichkeit präsentiert.
REGIESTATEMENT
Im Alter von sieben bis neunzehn Jahren
lebte ich in einer Kommune. Das war eine
verrückte, herzliche, tolle Zeit für mich inmitten von Nackten, Bier, hochgestochenen Diskussionen, Liebe und persönlichen
Tragödien. Für mich als Kind war jeder Tag
dort wie ein Märchen. Allein nur den eigenen
privaten Raum zu verlassen und sich in die
Gemeinschaftsbereiche zu begeben, konnte bedeuten, dass man eine Fülle von überraschenden Szenen erlebte, denn die anderen Bewohner hatten recht exzentrische
Angewohnheiten. Im Rückblick ist diese Zeit
voller goldener Erinnerungen und absurder
Momente. Die Frauen hatten damals einen
bestimmenden Einfluss im Haus, und weil
ihre Zyklen irgendwann alle irgendwie zeitlich zusammenfielen, wurde es im ganzen
Haus jeden Monat mindestens fünf Tage
lang dunkel wie die Hölle. Jeden Donnerstag bis Sonntag fanden gemeinsame Essen statt, die regelmäßig zu riesigen und
manchmal katastrophal endenden Partys
ausuferten. Die »Hausversammlungen« –
demokratisch organisierte Treffen mit allen
Hausbewohnern – waren die allerhöchste
Instanz. Dort schütteten alle einander ihr
Herz aus, und jeder konnte ein Thema zur
Diskussion stellen, das ihm wichtig war.
Ich erinnere mich an eine dieser Versammlungen, bei der entschieden wurde, dass
jedes Mitglied der Kommune eine seinem
Einkommen gemäße Miete zahlen sollte.
Der Vorschlag kam ausgerechnet von dem
Mann, der am meisten von allen verdiente,
und das Ergebnis war, dass sich seine Miete mehr als verdoppelte. Auch wenn die
Kommune aus lauter gebildeten Menschen
bestand, erscheint mir das damalige Leben
heute als extrem naiv und idealistisch – es
war voller Hoffnung auf die Zukunft …
3

Thema des Monats
Schlafen die Hunde noch...?
von Peter Willnauer

Peter Willnauer im Gespräch mit
Dem Regisseur Andreas Gruber über
seinen neuesten Film
»HANNAS SCHLAFENDE HUNDE«
Während ich den Film sah, fielen mir ständig zwei Sätze von Bertolt Brecht ein:
Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem
dies kroch… und
Die Vergangenheit ist nicht tot, sie ist nicht
einmal vergangen…
Unsere Geschichte braucht Geschichten,
um sie weiter zu erzählen, und es gibt Geschichten, die noch verborgen sind, und
die erzählt werden wollen, nein, die erzählt
werden müssen, und mein Film erzählt so
eine Geschichte. Die große Historikerin Erika Weinzierl hat mich nach der Premiere
der Hasenjagd sehr ermuntert, ich solle unbedingt einen Film über die 50er und
60er Jahre machen über die unverschämte
Bruchlosigkeit in den politischen Haltungen
vieler Österreicher, was ich leider noch Anfang der 1990er Jahre, während der Auseinandersetzung um die »braunen Flecken« in
Wels erfahren habe.
Soweit ich dein Werk überblicke, ist das der
erste Film nach einer literarischen Vorlage,
und er ist extrem auf einen ganz konkreten
Ort bezogen, der auch benannt wird.
Hat das Böse Name und Adresse – immer
noch?
Ich habe oft an die Anregung und Bitte Erika Weinzierls gedacht, doch mir fehlte die
richtige Geschichte dazu, bis ich Elisabeth
Eschers Roman »Hannas schlafende Hunde« gelesen habe. Ich habe einen sehr persönlichen Bezug zu dieser Geschichte. Ich
kenne die Romanautorin Elisabeth Escher
seit über 40 Jahren. Wir sind in derselben
Kleinstadt aufgewachsen und haben in unserer Jugend – zwischen 14 und 18 – in einer
Clique viel Zeit miteinander verbracht. Wir
haben damals viel geredet, und ich hatte
doch keine Ahnung. Erst nach der Lektüre
des Romans wusste ich mehr: Elisabeth E.
war und ist Johanna!
Ich kenne bzw. kannte viele der im Roman/
Drehbuch beschriebenen Personen. Ich
kenne jeden Schauplatz der Erzählung. Vor
allem aber kenne ich das Milieu und die Atmosphäre zu dieser Zeit und an diesem Ort
aus eigener Erfahrung.
Insofern muss und will ich – auch in der
Inszenierung – nicht groß etwas erfinden
oder mir etwas ausdenken. Ich konnte beim
Inszenieren auf meine Erinnerungen und
Erfahrungen zurückgreifen. Ich bin immer
4

mehr davon überzeugt, dass die Qualität
einer (Film-)Erzählung wesentlich auch damit zusammenhängt , dass der Autor und
Regisseur einen persönlichen Bezug zu seiner Geschichte hat und die Personen, die
Ereignisse, das Milieu und die Schauplätze,
von denen er erzählt, aus eigener Erfahrung
sehr gut kennt.

rer Mutter, diesen Schritt zu wagen.
Johanna hat instinktiv verstanden, dass sie
die Befreiung aus der Opferrolle auch stellvertretend für ihre Mutter zu vollziehen hat.
Das Einzige, was wirklich befreit, ist, die Opferrolle zu opfern. »Hannas schlafende Hunde« ist eine Geschichte über die Befreiung
aus der Opferrolle.

Der Stoff unseres Films hat außerdem eine
besondere gesellschaftlich-politische Relevanz für die Zweite Republik und das Nachkriegsösterreich. Die Geschichte ist ein – so
noch nicht gezeigtes – politisches Sittenbild aus der Perspektive unerwünschter und
angefeindeter Überlebender.
»Hanna« ist eine Opfergeschichte über
drei Generationen in einem hermetischen,
scheinbar katholischen Umfeld, wo die Erfahrungen der Opfer, politischer und rassistisch verfolgter, sich zu vermischen beginnen mit dem katholischen Mythos und
Opferbegriff der Passionsgeschichte.
Andererseits mutet die Haltung der ehemaligen Täter geradezu absurd an. Sie werden
in ihrer Selbstwahrnehmung selber zu Opfern, die nur ihre Pflicht getan haben, und
eignen sich gewissermaßen eine Schweigepflicht an, welche sie üblicherweise wie eine
verschworene Gemeinschaft einhalten, nur
hin und wieder blitzt da etwas auf. Die ungeheure Selbstverständlichkeit, mit der dann
aber die honorigen Bürger – wenn sie sich
vermeintlich unter sich fühlen – ihre Nazisprüche absondern, ist atemberaubend.
Sie haben nichts zu bereuen, auch ihre Haltung nicht zu ändern, aber man müsse sich
heute wegen der amerikanisch-jüdischen
Indoktrination und Gehirnwäsche verschweigen, dürfe nicht aussprechen, was
man denke, wegen der herrschenden Unterdrückung. Originalzitat einer Englischprofessorin zu meiner Schulzeit: »Ich wüsste schon, wen ich wähle, aber wir dürfen ja
nicht kandidieren.«

Der Film wird fast ausschließlich aus der
Perspektive von Johanna erzählt. Wie hast
du diese wunderbare Hauptdarstellerin
Nike Seitz gefunden?
Ja, die Nike war ein ganz besonderer Glückfall. Ich hatte schon mit 20 Mädchen Probeaufnahmen gemacht, als ich noch einen Anmeldungsbogen bekam mit einem Foto. Ich
zeigte das Bild meiner Frau, und wir riefen
wie aus einem Mund: DAS IST SIE!

In jeder Geschichte sind universelle und
für jeden Menschen existenzielle Botschaften verborgen.
Die entscheidende Frage bei diesem Stoff
ist (so sagt es auch Ruth Klüger in »weiterleben«) ist, ob Opfer ewig Opfer und Täter
ewig Täter bleiben müssen/wollen oder ob
es einen Ausweg aus diesem Teufelskreis
gibt. Ruth Klüger benennt diesen Ausweg
so: die Alternative zum Opfersein heißt,
eben nicht Täter zu werden, sondern frei zu
sein. Hanna hat gelernt, sich aus der Opferrolle zu befreien, und ermöglicht so auch ih-

Nikes Gesicht ist unfassbar ausdrucksstark
und wandelbar. Sie arbeitete mit ganz großer Ernsthaftigkeit und bewundernswerter
Einfühlung. Sie benötigte keine künstlichen
Tränen, als sie am Sterbebett der Großmutter und bei deren Begräbnis weinte!
Die Aufttrittsbedingungen für Kinder sind
vor allem in Deutschland äußerst streng
und die Drehzeiten genauestens reglementiert. Viele Produktionen helfen sich damit,
dass sie für Kinderrollen Zwillinge engagieren, um diese Auflagen umgehen zu können.
Das kam aber für mich überhaupt nicht in
Frage, so schrieb ich den Drehplan um und
konstruierte ihn sozusagen um Nike herum,
sodass sie zwischen ihren Auftritten immer
genügend Pausen hatte.
Nach den Dreharbeiten wurde sie, weil das
Team so begeistert war von ihrer Performance, gefragt, ob sie nicht gleich weitere Filme drehen möchte. Sie zuckte mit
den Schultern und wehrte ab. Aber beim
Abschied sagte ich zu ihr: »Nike, wenn du
einmal ein Star bist, möchte ich schon ein
Autogramm von dir!«
Was ist dir im Leben wichtig?
Und im Kino?
Es geht im Leben nicht nur um Emotionen,
es geht um Erkenntnis. Und im Kino kann
man als Gestalter und als Zuschauer sehr
viel vom und für das Leben lernen.

Andreas Gruber, 1954 in Wels geboren, ist
Drehbuchautor, Film- und Fernsehregisseur.
Er unterrichtet Regie, Dramaturgie und Produktion an der Hochschule für Fernsehen
und Film in München.

Hannas
schlafende Hunde
AT/DE 2015, 124 min, OdF,
R: Andreas Gruber, B: Andreas Gruber,
basierend auf dem gleichn. Roman von
Elisabeth Escher, K: Martin Gressmann,
S: Julia Drack, M: Gert Wilden,
D: Hannelore Elsner, Franziska Weisz,
Nike Seitz, Rainer Egger, Elfriede Irrall,
Christian Wolff, Johannes Silberschneider,
Michaela Rosen
Ab Freitag, 1. April
Die Zeichen sind da. Man muss sie nur sehen (wollen). Der Hausmeister vergast mit
einem an den Auspuff des Puch-Mopeds
angeschlossenen Schlauch die Maulwürfe.
Die Güterzüge rattern bedrohlich vorbei,
auch an dem Gleis mit dem toten Ende, wo
die Eisenbahner-Schrebergärten sind. Der
Kriminalbeamte mit dem Gummimantel
und dem schwarzen Hut sieht wie ein Gestapo-Mann aus. Die Großmutter trägt die
gelbe Blinden-Armbinde, früher war es ein
anderes Zeichen auf gelbem Grund, das sie
aus der Gesellschaft aussortiert hat.
Unter dem Asphalt liegt die Vergangenheit
in den 1960er Jahren nicht sehr tief vergraben: Der Bagger bringt beim Leitungsverlegen nicht nur alte Schuhe ans Licht,
sondern stößt auch auf eine Fliegerbombe.
Die umliegenden Siedlungshäuser müssen evakuiert werden. In der Schule wird
schwarze Religionspädagogik betrieben.
Viele haben alte Rechnungen offen, die sie
totschweigen aus verschiedenen Motiven.
Kleinstadt-Realität in den 1960er Jahren,
und noch immer ist »Kein schöner Land in
dieser Zeit« ein Ohrwurm für die Kameradschaftsbündler, die sich dabei etwas ganz
anderes vorstellen als die kleine Hanna, die
das Lied bei einer Feierstunde auf Geheiß
der Religionslehrerin singen muss.
Andreas Gruber hat in Elisabeth Eschers
Roman »Hannas schlafende Hunde« genau
jenen Stoff gefunden, der ihm die Möglichkeit bot, seinem immens wichtigen Film Vor
lauter Feigheit gibt es kein Erbarmen (1994) über die sogenannte Mühlviertler Hasenjagd von 1945 eine zeitgeschichtliche Fortschreibung folgen zu lassen.
Atmosphärisch stimmig bis in kleinste Details rekonstruiert Gruber das KleinstadtBiotop, in dem das Mädchen Johanna (Nike
Seitz) sich von der katholischen Bigotterie
des Vaters (Rainer Egger), der Schroff-

heit ihrer in Sprachlosigkeit versteinerten
Mutter (Franziska Weisz) und der für sie
rätselhaften Feindseligkeit oder betont
schleimigen Freundlichkeit der Nachbarschaft freikämpft. Einzig in der Großmutter
(Hannelore Elsner) findet Hanna eine Verbündete, die darauf drängt, die schlafenden
Hunde doch endlich zu wecken. Heißt, die
Verletzungen und Verbrechen der Vergangenheit nicht länger schweigend zu dulden.
Zentral stehen die Frauen dreier Generationen in einer Welt der bedingungslosen
Wahrung des äußerlich ruhigen bürgerlichen Scheins: Großmutter Ruth wird von
Hannelore Elsner mit jener inneren Stärke
ausgestattet, mit der sie zwar nicht ihrer
Tochter Katharina, aber ihrer Enkelin aus
der Opferrolle heraushelfen kann. Die junge
Nike Seitz bringt in die Rolle des Mädchens
Johanna alle Facetten zwischen Angst,
Verletzlichkeit und jugendlicher Zuversicht
ein, die der Entwicklung der Figur größtmögliche Glaubwürdigkeit und Intensität
geben. Franziska Weisz steht dazwischen
als Johannas schwer traumatisierte Mutter,
die erst durch die schwere Krise des Kindes ihre eigene auflösen kann. Die Männer
zimmern den Rahmen, aus dem auszubrechen so schwer ist: der undurchschaubare
ehemalige Bankdirektor (Christian Wolff) in
seiner aufdringlichen, anbiedernden Höflichkeit, der brutal-verschlagene Hausmeister (Christian Hoening), der duckmauserische Vater (Rainer Egger), der salbadernde
Pfarrer (Johannes Silberschneider). Dazu
ein äußerer Ring von Frauen, auch sie Opfer
(wie die von häuslicher Gewalt betroffene
Tante), hilflose Zuschauerin (Elfriede Irrall
als Nachbarin) oder zwischen Opfer und Täterin changierend wie die Religionslehrerin
(Michaela Rosen).
Hannas schlafende Hunde kommt in
Andreas Grubers Filmographie die Rolle einer wichtigen Zwischensumme zu. Es floss
ein großes Maß an persönlicher Affinität
zum Stoff ein, in der Wahl seiner filmischen
Mittel hat er inzwischen große Reife und
Stilsicherheit entwickelt. Er bedient sich
nicht einer weitgehend üblich gewordenen
glatten Fernsehoptik. Er setzt starke bildliche Metaphern wie die immer wiederkehrenden Fenster- und Spiegelungsmotive
ein, gibt Entwicklungen der Figuren Raum,
verzichtet auf zu plakatives Moralisieren
und führt das insgesamt hervorragende Ensemble zu einer homogenen Leistung.
Einen kongenialen Verbündeten in der
Umsetzung dieses Stoffes fand Andreas
Gruber im Kameramann und Dokumenta-

risten Martin Gressmann. In dessen letzter
Arbeit vor Hanna, der Dokumentation Das
Gelände (Preis der Deutschen Filmkritik
2015), geht es ebenfalls um das Verschütten und Überlagern von Geschichte, beziehungsweise deren Freilegung. Im konkreten
Fall um ein Brachgelände neben dem Berliner Martin-Gropius-Bau angrenzend zur
Mauer, das einst in der »Topografie des Terrors« eine Rolle spielte.
Ulrike Steiner

Andreas Gruber ZUM ZEITgESCHICHTLICHEN HINTERGRUND
»Hannas schlafende Hunde« ist eine noch
unerzählte Geschichte aus den frühen
Jahren der Zweiten Republik und zeichnet
– als Hintergrund zur Familiengeschichte – ein politisches Sittenbild im Nachkriegsösterreich der 1960er Jahre. Auch
wenn die Geschichte klar in der kleinstädtischen und kleinbürgerlichen Welt
der Provinz verortet ist, so ist der aufgezeigte alltägliche Antisemitismus und
das bruchlose öffentliche Auftreten der
Altnazis als Beschreibung von Österreich
in diesen Jahren insgesamt gültig und von
gesellschaftspolitischer Relevanz.
Ganz bewusst wählt die Filmerzählung
die Perspektive eines Kindes angefeindeter und unerwünschter Überlebender des
Naziterrors, die Tür an Tür mit jenen wohnen, die sie damals beinahe in den Tod
getrieben hatten und jetzt im alltäglichen
Leben ihre unverhohlene Feindseligkeit
spüren lassen.
Es ist – wie es auch die Historikerin Erika
Weinzierl immer betont hat – ein selbst
geschaffener Mythos, dass die alten Nazis in den 1960er und 1970er Jahren besonders vorsichtig und zurückhaltend
gewesen seien und ausschließlich über
ihre Vergangenheit geschwiegen hätten,
weil man sie in ihrer freien Meinungsäußerung unterdrückt hätte. Das Gegenteil
war der Fall. Sich selbst zum Opfer stilisierend, gab es bei vielen (ehemaligen)
Nazis eine unverschämte Bruchlosigkeit
in ihren politischen Haltungen, wesentlich
geprägt von dumpfem Antisemitismus.
Genau dies will der Film präzise und ungeschminkt darstellen.
Es gibt eine Menge größerer und kleinerer
authentischer und genau dokumentierter
Fälle aus dieser Zeit, die dieses angesprochene politische Sittenbild der Zeit besonders anschaulich bestätigen.

5

Ein Hologramm für den König

Ein Hologramm
für den König
DE/GB 2016, 93 min, Englisch OmU,
R: Tom Tykwer, B: Tom Tykwer, nach der
Buchvorlage von Dave Eggers,
K: Frank Griebe, S: Alexander Berner,
D: Tom Hanks, Alexander Black,
Sarita Choudhury, Sidse Babett Knudsen,
Tom Skerritt, David Menkin
Ab Freitag, 29. April
Verfilmung von Dave Eggers' Bestseller
über einen privat und beruflich angeschlagenen US-Geschäftsmann, der mit einer
Präsentation in Saudi-Arabien um seine
letzte Chance ringt.
Alan Clay, Alter 54, Opfer der Bankenkrise,
hat eine letzte Chance. Er soll innovative
Hologramm-Kommunikationstechnologie
an den Mann, besser gesagt an den König
bringen: König Abdullah von Saudi-Arabien
lässt in der arabischen Wüste eine strahlende Wirtschaftsmetropole errichten. Doch
der König kommt nicht. Nicht am ersten
Tag, nicht am zweiten – und auch nicht in
den Tagen danach. In diesen Tagen der Unverbindlichkeit und des Wartens wird der
junge Fahrer Yousef Alans Gefährte. Durch
ihn erlebt er die Widersprüchlichkeiten eines Landes zwischen Aufbruch und Stillstand, zwischen Tradition und Moderne.
Und er lernt die schöne Ärztin Zahra kennen. Anhand dieser Begegnungen und der
neuen kulturellen Eindrücke entwickelt sich
Alan Clay vom zielstrebigen und erfolgsgetriebenen Salesman zu einer Person, die
sich selbst Perspektiven sucht und für sich
einen neuen Platz im Leben findet. So gerät
für Alan immer mehr zur Nebensache, ob
der König nun kommt oder nicht.
EIN HOLOGRAMM FÜR DEN KÖNIG führt
nach CLOUD ATLAS die erfolgreiche Zusammenarbeit von Tom Hanks und Tom
Tykwer fort. Ein Film, der spannend, emotional und humorvoll in die Welt einer fremden
Kultur entführt und uns damit völlig neue
Perspektiven auf das eigene Leben eröffnet.
AUS EINEM INTERVIEW MIT DEM
REGISSEUR Tom Tykwer
Was hat Sie an der Adaption gereizt?
EIN HOLOGRAMM FÜR DEN KÖNIG ist ein
Buch, das sich sehr weit von einem vorwärtstreibenden Plot entfernt und sehr
konkret von Stillstand erzählt. Ein Mann
strebt nach vorne, getrieben von Hoffnung
6

Familie zu vermieten

und Sehnsucht, nimmt sein Schicksal in die
Hand, um es in eine neue Richtung zu wenden, und rennt dabei vor eine Wand. Irgendwann gibt er es auf, gegen diese Wand anzurennen, und findet dann zu etwas anderem,
aber erst dann. Erst im Stillstand kommt er
auf neue Ideen, und dieser Stillstand wird im
Buch ausführlich erzählt. Genau das reizte
mich: den Stillstand ins Zentrum zu rücken.
Ich habe vor allem in diesem Momentum,
das so ungewöhnlich für ein Buch und erst
recht für einen Film ist, eine ganz große
Chance für sehr eigensinnigen Humor gesehen. Kurz: In Daves Buch sah ich eine
Komödie versteckt, die ich deutlicher hervorheben wollte. Auch deshalb schien mir
Tom Hanks der richtige Schauspieler für die
Verfilmung zu sein.
Filmografie // Tom Tykwer (Auswahl):
1993 DIE TÖDLICHE MARIA
1997 WINTERSCHLÄFER
1998 LOLA RENNT
2000 DER KRIEGER UND DIE KAISERIN
2002 HEAVEN
2006 DAS PARFUM
2008 THE INTERNATIONAL
2010 DREI
2012 CLOUD ATLAS
2016 EIN HOLOGRAMM FÜR DEN KÖNIG

Eddie the Eagle

Familie – als Test, ob er dem Trubel gewachsen ist...
Jean-Pierre Améris, Mastermind der bezaubernden Liebeskomödie DIE ANONYMEN
ROMANTIKER, beweist erneut mit leichter
Hand sein Faible für die Neurosen der Liebe.
Die beiden belgischen Kinostars Benoît Poelvoorde (DAS BRANDNEUE TESTAMENT)
und Virginie Efira (BIRNENKUCHEN MIT
LAVENDEL) begeistern als gegensätzliches
Paar in dieser charmant-turbulenten Familienkomödie.

Ob das nun glaubhaft ist oder nicht, darüber zu debattieren mag müßig sein. Améris
jedenfalls ist eine spritzige, leichte Komödie
mit einer erfrischenden Geschichte, gelungenen Pointen, guten Darstellern und übers
Eck gedacht auch sozialpolitischen Anmerkungen gelungen. Es sind vor allem die Gegensätze, aus denen dieser charmante Film
Kapital schlägt. – programmkino.de
Filmografie // Jean-Pierre Améris
2010 DIE ANONYMEN ROMANTIKER
2014 DIE SPRACHE DES HERZENS
2015 FAMILIE ZU VERMIETEN

Eddie the Eagle
Familie zu
vermieten
Une famille à louer
FR/BE 2015, 96 min, Französisch OmU,
R: Jean-Pierre Améris,
B: Murielle Magellan, Jean-Pierre Améris,
K: Virginie Saint-Martin, S: Anne Souriau,
D: Benoît Poelvoorde, Virginie Efira,
François Morel, Philippe Rebbot,
Pauline Serieys, Calixte Broisin-Doutaz
Ab Freitag, 15. April
Französische Komödie um einen reichen,
einsamen Mann, der mit einer alleinerziehenden Mutter mit Geldsorgen einen Vertrag schließt.
Paul-André ist ein wohlhabender, schüchterner Single Mitte vierzig. Und er will endlich eine Familie. Die gleich alte Violette ist
voller Leben, hat aber als alleinerziehende
Mutter zweier Kinder Geldprobleme. Also
bietet ihr Paul-André einen Deal an: Er bezahlt ihre Schulden und mietet dafür ihre

GB/US 2016, 106 min, Englisch OmU,
R: Dexter Fletcher, B: Sean Macaulay,
Simon Kelton, K: George Richmond,
S: Martin Walsh, D: Taron Egerton,
Hugh Jackman, Christopher Walken,
Keith Allen, Jim Broadbent, Tim McInnerny

Ab Freitag, 1. April
Komödie und Wohlfühlfilm um den als
»Eddie the Eagle« bekannt gewordenen
britischen Skispringer und seinen fiktiven
Trainer.
1973 übt Klein-Eddie in der Badewanne, wie
lange er unter Wasser bleiben kann. Olympionike will er werden – egal in welcher
Sportart. Als Hürdenläufer stolpert er, als
Speerwerfer zerstört er Fensterscheiben,
als Skifahrer schafft er es nicht ins Nationalteam. Schließlich versucht es das Stehaufmännchen mit Skispringen und findet im
kettenrauchenden, mit einem Flachmann
bewehrten US-Ex-Überflieger Bronson Peary einen Trainer, der ihn bis zu den Olympischen Spielen 1988 bringt, wo Eddie zum
Publikumsliebling wird.

Ein mann namens Ove

Die Aufsteigergeschichte eines Underdogs
erzählt Dexter Fletcher in diesem Wohlfühlfilm mit verschmitztem Humor und Gefühl
nach der wahren Geschichte des liebevoll
»Eddie the Eagle« genannten englischen
Skispringers. Taron Egerton, der als großes
Nachwuchstalent des britischen Kinos gilt
und in KINGSMAN: THE SECRET SERVICE
die Hauptrolle spielte, gibt den Titelhelden,
Hugh Jackman seinen Trainer, der sich
ebenso wie sein Protegé gegen das SportEstablishment durchsetzen muss.

EDDIE THE EAGLE macht aus einem
langlebigen Witz des britischen Sports eine
massentaugliche Geschichte über Inspiration. Ein solider Gold-Gewinner. – Empire UK
Ein klassisches Feel-good-Movie über
einen chancenlosen Außenseiter, der sich
auf dem Weg zum Ziel durch nichts beirren
lässt. – cinema.de

Ein Mann
namens Ove
En man som heter Ove
SE 2015, 116 min, Schwedisch OmU,
R: Hannes Holm, B: Hannes Holm,
nach dem Roman von Fredrik Backman,
K: Göran Hallberg, S: Fredrik Morheden,
D: Rolf Lassgård, Bahar Pars, Filip Berg,
Ida Engvoll, Tobias Almborg, Klas Wiljergård
Ab Freitag, 8. April
Schwarze Komödie über einen unbeliebten

die Kommune

Frührentner, der seinem Leben ein Ende
setzen will und ständig dabei gestört wird.
So einen kennt jeder! Diese Sorte des
schlecht gelaunten, grantigen, in die Jahre
gekommenen Nachbarn, der jeden Morgen
seine Kontrollrunde in der Reihenhaussiedlung macht, Falschparker aufschreibt, Fahrräder an ihren Platz räumt und Mülltonnen
auf korrekte Mülltrennung überprüft. Genau so einer ist Ove. Dabei will er eigentlich
Schluss mit allem machen. Nachdem er vor
einigen Wochen seine geliebte Frau verloren
hat, versucht er nun immer wieder, sich auf
diverse Arten das Leben zu nehmen. Erfolglos – irgendetwas kommt einfach jedes Mal
dazwischen. Auch beim neuesten Versuch
wird Ove gestört. Und zwar, als die neuen
Nachbarn mittendrin seinen Briefkasten
über den Haufen fahren. Von diesem Augenblick an steht Oves Leben auf dem Kopf.
Denn hinter der grimmigen Fassade verbirgt
sich eigentlich ein großes Herz. Und manchmal braucht es eben nur eine streunende
Katze, das richtige Werkzeug und eine unerwartete Freundschaft, um alte Wunden zu
heilen…
Basierend auf dem Bestseller von Fredrik
Backman realisierte Hannes Holm (FAMILIENCHAOS, SALTO FÜR ANFÄNGER) eine
schwarze Komödie, wie man sie sich eigentlich nur aus Skandinavien vorstellen kann.
Mit Wallander-Darsteller Rolf Lassgård
(NACH DER HOCHZEIT) in der Titelrolle
perfekt und prominent besetzt, schoss dieser Publikumsfilm der etwas anderen Art in
Schweden auf Anhieb auf Platz eins der Kinocharts. Auch hierzulande kann man sich
gut vorstellen, dass der Mix aus einfühlsamem Charakterporträt und groteskem Humor gut funktioniert.

Monsieur Chocolat

Dass Hannes Holm eine gute Balance zwischen tragischen und komischen Momenten findet und dabei – aller Dramatik zum
Trotz – nie in seichten Kitsch rutscht, lässt
Ein Mann namens Ove runder wirken als
ähnlich angelegte Tragikomödien mit alten,
zeternden Männern, die sukzessive neues
Lebensglück finden. – programmkino.de

Monsieur
Chocolat
Chocolat
FR 2016, 110 min, Französisch OmU,
R: Roschdy Zem, B: Cyril Gely,
K: Thomas Letellier, S: Monica Coleman,
D: Omar Sy, James Thierrée, Clotilde
Hesme, Olivier Gourmet, Frédéric Pierrot,
Noémie Lvovsky
Ab Freitag, 29. April
Drama über Clown Rafael Padilha, genannt
Chocolat, der als erster schwarzer Künstler in Frankreich auf der Bühne stand.
Frankreich, kurz vor Beginn des 20. Jahrhunderts: Auf der Suche nach einem neuen
Talent entdeckt der Clown George Footit
den aus der Sklaverei entflohenen Chocolat,
der mit einem kleinen Wanderzirkus durchs
Land reist. Die beiden Außenseiter freunden
sich an und entwickeln eine gemeinsame
Bühnenshow, die schnell zu einem großen
Zuschauermagneten wird. Auftritte in den
größten Zirkushäusern von Paris machen
Footit und Chocolat schließlich landesweit
bekannt. Doch der große Ruhm treibt nicht

filmfestival linz // 20.– 25. april 2016
www.crossingEurope.at
vergünstigter vorverkauf 7. bis 19. april von 17-22 Uhr /
im moviemento / tel. 0680 506 1 506

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Hannas schlafende Hunde

nur einen Keil in die Freundschaft der beiden,
sondern zieht auch die Aufmerksamkeit der
Polizei auf sich. Chocolat muss feststellen,
dass er viele Feinde hat, die den Erfolg eines
schwarzen Künstlers nicht dulden wollen.
In den Hauptrollen brillieren Omar Sy
(ZIEMLICH BESTE FREUNDE) als Chocolat
sowie Charlie-Chaplin-Enkel James Thiérée
(ADIEU, SCHÖNER, SCHWARZER VOGEL).
Mit imposanten Bildern erweckt Regisseur
Roschdy Zem das Paris der Belle Époque
auf der großen Leinwand wieder zum Leben.
AUS EINEM INTERVIEW MIT REGISSEUR
ROSCHDY ZEM
Es ist Ihr erster historischer Film. Wie haben Sie die Dreharbeiten vorbereitet?
Die Postenchefs – Erster Assistent, Kameramann, Szenenbildner, Kostümbildnerin –
waren alle bereits sechs Monate vor den ersten Aufnahmen verfügbar. Dadurch konnten
wir sehr früh mit den Vorbereitungen beginnen. Wir haben intensiv an der Dokumentation gearbeitet. Aber bei einem historischen
Film liegt die eigentliche Schwierigkeit in der
Logistik. Wir hatten uns dafür entschieden,
in Paris zu drehen und nicht in einem Studio in Prag oder anderswo. Wenn man nun
aber im Freien eine Geschichte verfilmt, die
ein Jahrhundert zuvor spielt, kann man sich
noch so sehr mit der passenden Dekoration
abmühen, es wird immer einen Kran geben,
der irgendwo in der Ferne aufragt. Für diese
Szenen haben wir schon im Aufnahmeplan
die Achsen festgelegt und ein Storyboard
für die Spezialeffekte erstellt.
Was möchten Sie dem Publikum letztlich
mit diesem Film erzählen?
Die Geschichte eines Paares, das sich begegnet, zusammen etwas erschafft und vom
Leben getrennt wird. Aber auch die Emanzipation eines Mannes – Chocolat –, der
das Leben entdeckt, zu einem überlegten,
weniger arglosen und daher weniger fügsamen Erwachsenen heranwächst. Mit dieser
Geschichte erzählen wir auch etwas über
Frankreich. Ohne Schuld und Beschuldigungen. Chocolat hat seine Epoche geprägt und
wurde vergessen. Da war er nicht der Einzige. Darüber zu sprechen, hilft, die eigene
Vergangenheit besser kennenzulernen. Und
ich fand schon immer, dass das sehr wichtig
ist, um die Gegenwart besser zu leben.

Einfache Antworten gibt Chocolat keine. Dafür erwartet den Zuschauer ein exzellentes, vielschichtiges Drama, das zum
Nachdenken anregt. – outnow.ch
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Der Schamane und die Schlange

Bauernopfer – Spiel der Könige

Der Schamane
und die Schlange

Bauernopfer –
Spiel der Könige

El abrazo de la serpiente

Pawn Sacrifice

CO/VE/AR 2015, 125 min, diverse OmU,
R: Ciro Guerra,
B: Ciro Guerra, Jacques Toulemonde Vidal,
K: David Gallego, S: Etienne Boussac,
Cristina Gallego, D: Nilbio Torres,
Jan Bijvoet, Antonio Bolivar, Brionne Davis,
Yauenkü Miguee, Nicolás Cancino

US 2014, 115 min, Englisch OmU,
R: Edward Zwick, B: Steven Knight,
K: Bradford Young, S: Steven Rosenblum,
D: Tobey Maguire, Liev Schreiber,
Michael Stuhlbarg, Peter Sarsgaard,
Edward Zinoviev, Alexandre Gorchkow

Ab Freitag, 1. April
Amazonas-Abenteuer um einen Schamanen und letzten Überlebenden seines
Stammes, der zwei westliche Forscher auf
der Suche nach einer Heilpflanze begleitet.
Zwei Forscher dringen ins Innerste des Amazonas vor, der deutsche Ethnologe Theodor
Koch-Grünberg im Jahr 1909, der amerikanische Botaniker und Abenteurer Evan Schultes im Jahr 1940. Begleitet werden beide
Männer vom selben Schamanen, dem Überlebenden eines ausgelöschten Stammes,
der sie zum Ziel ihrer Wünsche führen soll:
eine im Urwald verborgene Wunderpflanze.
»Apocalypse Now« am Amazonas: Der Kolumbianer Ciro Guerra hat schon in früheren
Filmen sein erzählerisches Talent bewiesen;
in diesem mutigen Epos setzt er einen Maßstab im Umgang mit der Erzählung aus dem
Amazonas. Zusehends wandeln sich in DER
SCHAMANE UND DIE SCHLANGE die beiden realen historischen Handlungen zum
zeitüberschreitenden spirituellen Abenteuer, zum bildgewaltigen psychedelischen
Trip, wie man ihn seit APOCALYPSE NOW
von Francis Ford Coppola nicht mehr in dieser Intensität gesehen hat.
Ciro Guerra wurde für diese faszinierende
Reflexion über Mensch und Natur neben
zahlreichen anderen Preisen mit einer Oscar-Nominierung für den besten nicht-englischsprachigen Film belohnt.

Bildgewaltig. [...] eine anspruchsvolle
und filmsprachlich wunderschöne Auseinandersetzung mit der Entwicklung des
Landes, wenn nicht gar des Kontinentes. –
kino-zeit.de
DER SCHAMANE UND DIE SCHLANGE
ist ganz einfach ein Kunstwerk und eine der
einzigartigsten Kinoerfahrungen, die man
sich erhoffen kann – in Cannes oder anderswo. Es ist ein faszinierender, geradezu
aufregender Trip. – indiewire.com

Ab Freitag, 29. April
Drama über den exzentrischen USSchach-Weltmeister Bobby Fischer und
sein legendäres Match mit dem Russen
Boris Spassky.
1972 – Amerika verfällt dem Schachfieber,
als sein jüngster Schach-Großmeister der
Geschichte, Bobby Fischer, auf seinen russischen Rivalen Boris Spassky in einem spektakulären Spiel um die Weltmeisterschaft
trifft. Die amerikanisch-russische Konfrontation auf dem Schachbrett mitten in den
Wogen des Kalten Krieges löst einen wahren
Medienzirkus aus, und Fischer findet sich
plötzlich als Spielball der Interessen zweier
Weltmächte wieder, während er gleichzeitig
mit seinen ganz eigenen Dämonen zu kämpfen hat. Bobby Fischer glaubt, vom KGB
verfolgt zu werden, und auch seine engsten
Berater verfolgen eine eigene Agenda. Aber
ist jeder Schachzug wirklich perfide vorausgeplant, oder das Ergebnis von Fischers
wachsender Paranoia? Bricht er am Ende
zusammen – oder sein Gegner...?
Oscar Preisträger Edward Zwick (BLOOD
DIAMOND, TRAFFIC) lässt in seinem hintergründigen Thriller Hollywood-Größe Tobey
Maguire (DER GROSSE GATSBY) als fragiles Genie und Rockstar des Schachs, Bobby
Fischer, gegen den Superstar Liev Schreiber (SPOTLIGHT) als russischen SchachAltmeister Boris Spassky antreten. Nichts
passiert ohne Grund in diesem Kampf der
Nationen, denn vor dem Hintergrund der
Schachweltmeisterschaft ist jeder Spieler
eine Figur in einem größeren Spiel und jeder Schachzug bereits berechnet. In weiteren Rollen brillieren Peter Sarsgaard (BLUE
JASMINE) und Lily Rabe (ALL BEAUTY
MUST DIE).

Biopics sind Dutzendware, doch Tobey Maguire vollzieht in BAUERNOPFER eine derart
einnehmende Wandlung hin zum Schach-Ass
Bobby Fischer, dass man nicht anders kann,
als gefesselt zu sein.– Rolling Stone

GrüSSe aus Fukushima

A War

Unter dem Sand

GrüSSe aus
Fukushima

deshalb funktionieren selbst die leichten, potentiell berührenden Momente in Grüße aus
Fukushima, die ihre einzigartige Filmsprache
auszeichnen. – programmkino.de

Tobias Lindholm liefert ein fesselndes,
makellos sensibles Kriegsdrama über
Afghanistan, mit erstklassigen Schauspielerleistungen. – Variety

DE 2016, 108 min, diverse OmU,
R/B: Doris Dörrie, K: Hanno Lentz,
S: Frank Müller, D: Rosalie Thomass,
Kaori Momoi, Nami Kamata, Moshe Cohen,
Aya Irizuki

Mit diesem glänzend gespielten und
formal überzeugenden Kammerspiel über
Hysterie und Radioaktivität erfindet Doris
Dörrie sich neu. – epdFilm

Unter dem Sand
Under sandet

Ab Freitag, 1. April
Eindringliches Drama über eine junge
Deutsche, die nach Fukushima reist, um
dort hilfsbedürftigen Menschen zu helfen.
Die junge Deutsche Marie ist eine, die auszieht, das Fürchten zu lernen. Auf der Flucht
vor ihren zerplatzten Lebensträumen und
dem Verlust ihrer großen Liebe reist sie für
die Organisation Clowns4Help in die Präfektur Fukushima. Zusammen mit dem Clown
Moshe will sie den überlebenden Opfern
der Dreifachkatastrophe von 2011, die auch
Jahre später immer noch in Notunterkünften leben, ein wenig Freude bringen. Schweres leichter machen. Eine Aufgabe, für die
Marie, das muss sie sich schon bald eingestehen, überhaupt nicht geeignet ist.
Doch bevor sie erneut davonläuft, beschließt Marie, ausgerechnet bei der störrischen alten Satomi zu bleiben, der letzten
Geisha Fukushimas, die auf eigene Faust
in ihr zerstörtes Haus in der Sperrzone zurückziehen will. Zwei Frauen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, die aber beide – jede auf ihre Art – in der Vergangenheit
gefangen sind und lernen müssen, sich von
ihren Schuldgefühlen und der Last ihrer Erinnerungen zu befreien.
Mit GRÜSSE AUS FUKUSHIMA hat das
Team des Sensationserfolgs KIRSCHBLÜTEN – HANAMI (2008) erstmals wieder zusammengefunden: Autorin und Regisseurin
Doris Dörrie, die Produzenten Harry Kügler
und Molly von Fürstenberg und der Verleiher
Benjamin Herrmann. Mit ihrem neuen Kinofilm ist es der Ausnahmeregisseurin und
-autorin Doris Dörrie einmal mehr gelungen,
eine universell-poetische Geschichte vom
Leben und Loslassen zu erzählen. Erstmals
entstand einer ihrer Spielfilme komplett
in Japan und komplett in eindrucksvollem
Schwarzweiß.

Dörrie begeht auch diesmal nicht den Fehler, nach Schuld und Opfern zu fragen, sondern beobachtet über die individuellen Verstrickungen zurückhaltend präzise, warum
ihre Figuren sind, wie sie sind. Nicht zuletzt

A War
Krigen
DK 2015, 115 min, Dänisch OmU,
R/B: Tobias Lindholm,
K: Magnus Nordenhof Jønck,
S: Adam Nielsen,
D: Pilou Asbæk, Tuva Novotny, Dar Salim,
Søren Malling, Charlotte Munck,
Dulfi Al-Jabouri

Ab Dienstag, 26. April
Intensives Gerichtssaal- und Antikriegsdrama um einen Afghanistan-Einsatz dänischer Soldaten.
Bei einem Einsatz in Afghanistan gerät die
dänische Einheit des Kommandanten Claus
Pedersen unter Beschuss der Taliban. Um
das Leben seiner Männer zu schützen, gibt
Pedersen den Befehl, einen Gebäudekomplex, in dem er eine feindliche Stellung vermutet, aus der Luft zu bombardieren. Dieser Befehl hat jedoch ein Nachspiel in der
Heimat. Denn weil bei dieser Aktion Zivilisten getötet wurden, muss sich Pedersen vor
Gericht verantworten, was den dreifachen
Familienvater vor ein kaum lösbares moralisches Dilemma stellt.
Neben Thomas Vinterberg gehört Tobias
Lindholm, der zuletzt das Drehbuch zu DIE
KOMMUNE verfasste, zu den wichtigsten
dänischen Regisseuren der Gegenwart.
Nach dem Knastdrama R und dem Politthriller KAPRINGEN zeigt er in seiner dritten Regiearbeit erneut Menschen in Extremsituationen. Dabei macht er mit dem
Gerichtssaaldrama A WAR, 2016 für den
Auslands-Oscar nominiert, einmal mehr die
Sinnlosigkeit eines jeden Krieges und das
moralische Dilemma, in das seine Protagonisten dadurch geraten, deutlich.

A WAR ist der perfekte Film über eine
Situation, die fürchterlich schiefgelaufen ist.
– L.A. Times

DK/DE 2015, 100 min, Dänisch OmU,
R/B: Martin Zandvliet,
K: Camilla Hjelm Knudsen,
S: Per Sandholt, Molly Stensgård,
D: Roland Møller, Mikkel Boe Følsgaard,
Louis Hofmann, Joel Basman,
Oskar Böckelmann, Emil Belton

Ab Freitag, 8. April
Drama um jugendliche deutsche Kriegsgefangene, die im Sommer 1945 Minen an
dänischen Stränden räumen.
Mai 1945. Der Zweite Weltkrieg ist zu Ende,
nicht jedoch für ein knappes Dutzend junger Soldaten aus Deutschland. Kurz zuvor
waren sie für Hitlers letztes Aufgebot eingezogen worden, den Volkssturm. Sie sind
noch fast Kinder, doch nun Kriegsgefangene in Dänemark und für ein Himmelfahrtskommando eingeteilt: die Säuberung eines
Nordseestrandes von 45.000 Nazi-Tretminen. Weder ausgebildet noch ausgerüstet
und völlig ohne technische Hilfsgeräte,
müssen sie sich Stück für Stück durch den
Sand quälen. Wo die nächste Mine liegt, wo
diese explodieren wird, ist ungewiss. Es beginnt eine schier unlösbare Aufgabe, jeder
Schritt im Sand könnte der letzte sein. Das
Einzige, was ihren Lebenswillen erhält, ist
die Hoffnung auf Freiheit. Diese hat ihnen ihr
dänischer Kommandant Carl versprochen.
UNTER DEM SAND erzählt von einem der
dunklen Kapitel der deutsch-dänischen
Kriegsgeschichte: Weil Hitler und sein Führungsstab damit rechneten, dass die Alliierten ihren Gegenangriff über Dänemark
einleiten würden, ließen sie die dänische
Westküste nahezu komplett verminen.
Insgesamt 2,2 Millionen Sprengsätze hatten die deutschen Besatzungstruppen am
Nordseestrand vergraben, deren todbringende Gefahr nach Ende des Zweiten Weltkriegs noch immer unter dem Sand lag.
Jetzt waren es deutsche Kriegsgefangene,
viele von ihnen minderjährige Buben ohne
Erfahrung, die zur Räumung der Strände
eingesetzt wurden, zum Teil mit bloßen
9

Future Baby

Händen. Dabei verloren Hunderte ihr Leben.
Der dänische Regisseur Martin Zandvliet
hat aus diesem teils vergessenen Kapitel
der Nachkriegsgeschichte ein bewegendes
Drama inszeniert, in dem er die Grenzen
zwischen Wiedergutmachung und Rache
untersucht.

Ein wirklich wundervoller Film, so sorgsam umgesetzt, voll von Menschlichkeit und
sehr spannend. – NY Observer
Zandvliet ist ein bildgewaltiger, nervenzerreißender Film mit einem fabelhaften Ensemble gelungen, der im Spannungsbogen
an Klassiker wie LOHN DER ANGST und an
Steven Spielbergs DER WEIßE HAI erinnert.
– ndr.de

Future Baby
AT 2016, 91 min, diverse OmU,
R/B: Maria Arlamovsky,
K: Sebastian Arlamovsky,
S: Natalie Schwager

Ab Freitag, 15. April
FUTURE BABY ist ein Film über die Zukunft
der menschlichen Fortpflanzung, mitten in
der Gegenwart.
FUTURE BABY beleuchtet das komplexe
Feld medizinisch-technisierter Geburtenkontrolle aus unterschiedlichen Perspektiven. Rund um den Globus besucht Maria
Arlamovsky MedizinerInnen, WissenschafterInnen und TechnikerInnen in Kliniken und
sterilen Laboratorien, begleitet Paare mit
Kinderwunsch, Eizellenspenderinnen und
Leihmütter zu Untersuchungen und Eingriffen. Sie lässt BefürworterInnen und SkeptikerInnen zu Wort kommen und spricht mit
der ersten Generation künstlich gezeugter
Kinder. In diesem polyphonen Mosaik entfaltet sich die Ambivalenz der revolutionären Technologien und Verfahren, deren
Konsequenzen wie auch ethische und juristische Grenzen (noch) nicht eindeutig sind
und heftig debattiert werden: Wie weit soll
und darf die Natur manipuliert werden?
Ohne diese Frage explizit zu beantworten,
zeichnet der Dokumentarfilm ein besorgniserregendes Szenario: Untersuchungen,
Tests, Eingriffe, Korrekturen. Was ursprünglich damit begann, den Kinderwunsch unfruchtbarer Paare zu erfüllen, aber auch
10

Familie zu vermieten

Embryonen aufgrund bestimmter genetischer Dispositionen zu selektieren, hat
sich zu einem lukrativen Wirtschaftssektor
entwickelt. Als solcher bedient dieser nicht
nur das Bedürfnis nach »Risikoprävention«,
sondern verleiht dem Kind, einem »Produkt
der Liebe«, Warencharakter. Das Wunschbaby aus der Fabrik: Biologische Uhren
werden zurückgedreht, menschliche »Brutkästen« eingekauft, Körper gezielt »verbessert«, unerwünschte Merkmale aussortiert.
Kontrollphantasien, die unterschiedliche
Diskurse berühren, Weiblichkeit und Elternschaft neu definieren – vor allem aber die
dringliche Frage aufwerfen, was mit unseren Vorstellungen von einem lebensfähigen,
»gesunden« Körper geschieht.
Darf ein Individuum existieren, das die propagierten Schönheits- und Gesundheitsideale nicht erfüllt? Was bedeutet es für unsere
zukünftige Gesellschaft, wenn sich biologische Grenzen auflösen und sich Technik
in den Ursprung des Lebens – das »Wunder der Natur« – einschreibt? Eine ebenso
unheimliche wie informative – und nicht
zuletzt bildgewaltige – Bestandsaufnahme
der Gegenwart unserer Zukunft.
REGIESTATEMENT
Kinder sind für mich ein wichtiger Teil meines Lebens, ein Teil, den ich – trotz aller
Anstrengung – nicht missen möchte. Ich
verstehe Menschen, die Kinder bekommen
und großziehen wollen, und als Hetero- oder
Homo-Paar oder auch Single als Familie leben wollen.
Die Möglichkeit, ein zuerst mal fremdes
Kind zu adoptieren oder als Pflegekind
aufzunehmen, sich Ämtern stellen und begründen zu müssen, warum man unbedingt
ein Kind will, nachzuweisen, ob man ausreichend Ressourcen für dieses Unterfangen
hat, nehmen viele als schwierig wahr – und
steht auch (noch) nicht allen offen.
Planbarer und verbunden mit dem Wunsch,
etwas biologisch »Eigenes« im zukünftigen
Kind wiederzufinden, erscheint der Weg,
erst mal Hormone zu spritzen, um mehr Eizellen zu produzieren, ins Gläschen zu ejakulieren und darauf zu hoffen, dass sich der
nicht unbeträchtliche finanzielle Aufwand
auch gelohnt hat.
Inzwischen sollen seit 1978, so schätzt man,
fünf Millionen Kinder geboren worden sein,
die ohne Sex, aber dank Wissenschaft,
Pharmazeutika und ärztlichem Können das
Licht der Welt erblickt haben. Kinder, die –
in den meisten Fällen – froh sind zu leben,
die nicht schief angeschaut werden wollen

Freeheld

als Retortenbaby oder Versuchskaninchen.
Wunschkinder eben, von Eltern, die sich
sehr dringend ein Kind gewünscht haben.
FUTURE BABY gibt keine Antworten, aber
FUTURE BABY will Bilder zusammenführen,
die sonst gerne voneinander getrennt werden. Junge Eizellenspenderinnen, die des
Geldes wegen ihre Keimzellen gerne und
freiwillig anbieten, Leihmütter, die mit dem
Austragen fremder Embryonen ihren eigenen Kindern eine bessere Zukunft bieten
möchten, und Menschen, die durch Zellen
Dritter erzeugt wurden, treffen auf jene, die
all das gerne ausblenden auf dem Weg hin
zum Kind.

Freeheld
US 2015, 114 min, Englisch OmU,
R: Peter Sollett, B: Ron Nyswaner,
K: Maryse Alberti, S: Andrew Mondshein,
D: Julianne Moore, Ellen Page,
Michael Shannon, Steve Carell,
Josh Charles, Luke Grimes

Ab Freitag, 8. April
Bewegendes Drama um eine todkranke
Polizistin, die darum kämpft, dass ihre Lebenspartnerin von ihrer Pension profitiert.
Laurel Hester lebt seit über 20 Jahren für
ihren Job als Polizeikommissarin, ein Privatleben findet bei ihr nicht statt. Dies ändert
sich schlagartig, als sie die junge Mechanikerin Stacie Andree kennenlernt. Die beiden
verlieben sich aller Unterschiede zum Trotz
ineinander und bauen sich eine gemeinsame Zukunft auf. Dazu gehören das eigene
Haus mit Garten und Hund und schließlich
sogar die eingetragene Lebenspartnerschaft. Doch ihr Glück währt nicht lang.
Laurel erhält die erschütternde Diagnose,
dass sie an Lungenkrebs im Endstadium erkrankt ist und ihr nicht mehr viel Zeit bleibt.
Ihr letzter Wunsch ist, dass Stacie in ihrem
Haus wohnen bleiben kann. Das kann sie
aber nur, wenn ihr Laurels Pensionsansprüche übertragen werden. Die zuständigen
Behörden lehnen ihr Gesuch wiederholt
ab. Auch innerhalb der Polizei erfährt Laurel, der es immer schlechter geht, keinen
Rückhalt. Nur ihr Kollege Dane Wells und
der exzentrische Aktivist Steve Goldstein
halten zu Laurel und Stacie in ihrem Kampf
um Gerechtigkeit, bis sie unerwartete Unterstützung erhalten…

Nomaden des Himmels

FREEHELD ist die bewegende Geschichte einer großen Liebe und eines Kampfes
für Gerechtigkeit gegen alle Widerstände.
Basierend auf einer wahren Begebenheit,
erinnert der Film daran, dass es nicht selten einzelne Schicksale sind, die eine ganze Gesellschaft verändern können. In den
Hauptrollen überzeugen Oscar-Gewinnerin
Julianne Moore (STILL ALICE) und die für
den Oscar nominierte Ellen Page (JUNO),
die FREEHELD auch koproduzierte.

Nomaden
des Himmels
Sutak

Die Geliebte des teufels

denlebens, nimmt uns Regisseur Mirlan
Abdykalykov mit auf eine Zeitreise in das
so leicht verwundbare Herz einer Familie. In
weit ausgreifenden Bildern von großer Sinnlichkeit verwebt der Film eine Welt der gelebten Traditionen mit dem leisen Anbruch
einer neuen Zeit.

Mit ihrem Drama über eine Pferde-hütende Familie in Kirgisistan liefert Mirlan
Abdykalykov ein visuell majestätisches Debüt.– Variety

WinWIn

Kreisen des Reichs. Ohne Goebbels’ Unterstützung darf Lída jedoch weder Filme
drehen, noch das Reich verlassen. Nach
dem Ende des Krieges stehen ihr noch
härtere Zeiten bevor: Sie wird als Nazi-Kollaborateurin inhaftiert. 1948 flieht sie noch
vor dem kommunistischen Putsch aus der
Tschechoslowakei, und als begnadete Opportunistin gelingt es ihr sogar, eine neue
Karriere in Salzburg zu starten.

Winwin
Die Geliebte
des Teufels

KG 2015, 81 min, Kirgisisch OmU,
R/B: Mirlan Abdykalykov,
K: Talant Akynbekov, S: Murat Ajiev,
Eldiar Madakim, D: Taalaikan Abazova,
Tabyldy Aktanov, Jibek Baktybekova,
Jenish Kangeldiev, Anar Nazarkulova,
Myrza Subanbekov

Lída Baarová

Ab Freitag, 15. April
Drama über eine kirgisische Nomadenfamilie.
Eine Nomadenfamilie lebt zurückgezogen
mit ihren Pferden in der berauschenden,
von Bergschluchten geprägten Landschaft
Kirgistans: ein alter Hirte und seine Frau,
ihre Schwiegertochter Shaiyr und ihre kleine Enkelin Umsunai. Shaiyrs Ehemann ist
vor vielen Jahren in einem Fluss ertrunken.
Umsunai vermisst ihren Papa und glaubt
fest daran, dass er – wie es in einer der
schönsten Legenden der Nomaden erzählt
wird – in einen Steinkauz verwandelt wurde, der seine Kreise über den Gipfeln zieht.
Shaiyr entschied sich, bei der Familie ihres
Mannes zu bleiben, denn sie liebt das wunderschöne Land.
Doch dann taucht der Meteorologe Ermek
auf, der seine Mess-Station direkt neben
Shaiyrs Zuhause aufbaut. Die beiden verlieben sich und das alte Hirtenpaar ahnt, dass
Shaiyr mit dem Gedanken spielt, ein neues
Leben in der Stadt zu beginnen. Als Shaiyrs
Sohn, der in der Stadt studiert, die Familie in
der Bergschlucht besucht, bestürmt er die
Nomaden mit Geschichten aus dem modernen Leben. Und schließlich tauchen in der
Nähe die ersten Baumaschinen auf, die ein
anderes Zeitalter ankündigen.
Erzählt im sanften Rhythmus des Noma-

Ab Freitag, 15. April
Drama über die Beziehung zwischen der
legendären tschechischen Schauspielerin
Lída Baarová und dem Propagandaminister Joseph Goebbels.
Berlin, 1934. Jeder, der im Filmgeschäft tätig ist, träumt davon: eines Tages in »Europas Hollywood«, den Babelsberger Studios
bei Berlin, engagiert zu werden. Die in ihrer
Heimat Tschechoslowakei bereits berühmte, ehrgeizige junge Schauspielerin Lída
Baarová hat gerade ihre erste Rolle in einem
großen Spielfilm bekommen. Sie weiß, dass
sie nur im Reich groß herauskommen kann.
Was sie aber nicht weiß, ist, wie hoch der
Preis dafür sein wird.
Lída nimmt sich kein Blatt vor den Mund, genießt das süße Leben und lebt bald mit dem
deutschen Star Gustav Fröhlich zusammen.
Die Beziehung mit einem anderen Mann soll
jedoch bald im Mittelpunkt ihres Lebens
stehen: Hitlers Reichspropagandaminister
Joseph Goebbels, der eine brennende Leidenschaft für die tschechische Schönheit
hegt. Ihrer Affäre nimmt jedoch ein jähes
Ende, als Goebbels’ Frau Magda Hitler persönlich um Hilfe bittet. Dieser Bitte kommt
der Führer, der ebenfalls in Lída vernarrt ist,
nur allzu gerne nach.
Obwohl Lída stets behauptet, unpolitisch zu
sein, verkehrt sie doch gern in den obersten

CZ 2016, 106 min, DF,
R: Filip Renc, B: Ivan Hubac,
K: Petr Hojda, S: Ludek Hudec,
D: Tatiana Pauhofová, Karl Markovics,
Gedeon Burkhard, Zdenka ProcházkováHartmann, Martin Huba, Simona Stašová

AT 2016, 84 min, OmU, R/B: Daniel Hoesl,
K: Gerald Kerkletz, D: Christoph Dostal,
Stephanie Cumming, Jeff Ricketts,
Nahoko Fort-Nishigami

Premiere: Freitag, 8. April, 20.00,
Moviemento – In Anwesenheit von
Regisseur Daniel Hoesl
Ein Film die Macht des Geldes.
Politiker, Gewerkschafter, Richter und die
Polizei, Unternehmer, Magnaten und Großindustrielle: Alle lieben Investoren. Von ihren
Off-Shore-Privatinseln reisen die weißen
Ritter und Retter in ihren Privatjets an, wo
ihr Schluckauf den Dow Jones, den Hang
Seng oder den DAX ins Wanken bringen
kann. Sie bringen die Hoffnung alles und alle
zu retten: die Arbeiter, die Kinder, also die
Zukunft im Allgemeinen, und sie bringen unendliches Wachstum und Wohlstand. Unsere Welt der Kulturen wurde zu einer von den
Weltwirtschaften kultuvierten Gesellschaft.
Eine Plutokratie wo die reichen Klassen regieren und die Gesellschaft dominieren. In
dieser Parallelwelt der Macht ist es warm
und gemütlich, fein sonnig, lustig wonnig:
Alles ist möglich!
Das Unberechenbare der Autopoiesis, das
normalerweise durch das Drehbuch auszuschalten versucht wird, wird bei unserem
Arbeiten ohne Drehbuch zum Potenzial. Die
Unfertigkeit zu Beginn ist notwendig, um im
Laufe des Gestaltungsprozesses von Funden, Gegebenheiten, Personen und Ergebnissen der kollektiven Gespräche, sowie der
Improvisation der DarstellerInnen schöpfen
zu können. Vorgegeben sind bloß vage Bögen, ein Anfang, eine Mitte und ein Ende der
Geschichte. Und der finanzielle Engpass.
WINWIN fand seinen Ausgangspunkt in der
Variation autobiographischer Geschichten
der HauptdarstellerInnen, wie sie bei Beset11

Projekt A

zungsgesprächen zu Tage traten. Die Fiktion
dringt in den dokumentarischen Raum von
Lebenserfahrung und Originalschauplätzen
ein – ästhetisch gefiltert in Bildern, die nicht
dokumentarisch werden, sondern streng stilisiert einer Wahrheit auf den Grund gehen.

Protagonisten von PROJEKT A stellen die
Grundprinzipien der kapitalistischen Weltordnung in Frage.

WINWIN ist eine Farce, aber nicht zum
Zurücklehnen, sondern zum Mitdenken, ein
eigenwilliger, im Rätselhaften bleibender
Kommentar auf die Verhältnisse. – ORF.at

Texta In & Out

WINWIN punktet mit konzentriertem
Stilwillen, pointierten Einstellungen und bissigem Humor. – Die Presse

Projekt A
DE/ES/GR/CH 2015, 88 min, Diverse OmU,
R/B: Moritz Springer, Marcel Seehuber,
K: Marcel Seehuber,
S: Frank Johannes Müller

Südwind: Di 19. April, 18.00,
Moviemento – mit Regisseur
Marcel Seehuber
Der Dokumentarfilm besucht europaweit
Menschen und Gruppierungen, die sich an
einem neuen Gesellschaftsbild versuchen
und Alternativen zu unseren modernen Lebenswelten anbieten.
Projekt A eröffnet viel mehr den Blick auf
eine Bewegung, die das Unmögliche fordert,
an den Grundfesten unserer Gesellschaft
rüttelt und gerade deshalb das Augenmerk
auf zentrale ungelöste Fragen unserer Zeit
lenkt. Der Film handelt von einer politischen
Bewegung, ihrer Theorie und den Menschen,
die sich für deren Verwirklichung einsetzen.
Hanna, Mariano, Didac, Margarita und Makis sind Anarchisten. Sie träumen von einer
freien Gesellschaft. Sie entwerfen konkrete
Visionen einer anderen Welt und versuchen
diese in ihrem Leben umzusetzen. Sie glauben daran, dass Menschen herrschaftsfrei
leben können, ohne Staat, ohne Polizei,
ohne Gesetze und Justiz – aus heutiger
Sicht eine absurde Vorstellung.
Ihr Leben ist ein Ringen mit Obrigkeiten,
Konventionen und Vorurteilen. Egal ob in
Spanien, Griechenland oder Deutschland,
überall treten sie für ihre Ideale ein und
bleiben trotz aller Rückschläge und auch
Repressionen durch den Staat kämpferisch.
Anarchie ist ein radikaler Ansatz und die
12

Texta in & Out

ÖGB
Film & Diskussion: Von der Kunst
kann man nicht leben – prekäre
Arbeitsbedingungen selbständiger
Kulturschaffender
Di 19. April, 19.00, Moviemento
Eintritt: für ÖGB-Mitglieder gratis (Mitgliedsnummer beim Eintritt bereithalten)
Regisseur Dieter Strauch drehte ein lebendiges Porträt eines Künstlerkollektivs, das seit
zwei Jahrzehnten gemeinsam Musik macht.
Wie ticken die einzelnen Protagonisten, wo
liegen verborgene Ideen und Ideale, Konflikte und Wunden? Ein höchst amüsanter Film,
den sich vor allem Nicht-TEXTA-Fans ansehen können, weil die Musik der Band nicht
zentral ist, sondern ihre Texte und Inhalte
der Songs. TEXTA beweisen sich als genaue
Chronisten unserer Gesellschaft, die auch
vor politischen und sozialen Inhalten nicht
zurückschrecken. Der Film versucht seine
eigene visuelle Interpretation von HipHopKultur zu finden, um die vorgefertigte mediale Wahrnehmung dieser Musik zu hinterfragen. Nicht zuletzt wirft Strauchs Film ein
Schlaglicht auf die prekäre finanzielle und
strukturelle Situation österreichischer Musikschaffender. Dass man hierzulande von
Musik abseits des Mainstreams nicht nur
kaum reich wird, sondern auch schwer leben
kann, zeigt der Film auf eindrucksvolle Weise.
Nach dem Film stehen der Regisseur Dieter
Strauch und Mitglieder der Gruppe TEXTA
für ein Publikumsgespräch zur Verfügung.
Moderation: Sepp Wall-Strasser, ÖGB OÖ

Südwind
PROJEKT A
Di 19. April, 18.00, Moviemento
Der Dokumentarfilm PROJEKT A nimmt die
Welt der AnarchistInnen genauer unter die
Lupe und bricht mit gängigen Klischees über
»Steinewerfer und Chaoten«. Er zeigt eine
Bewegung, die das scheinbar Unmögliche
fordert, an den Grundfesten der Gesellschaft
rüttelt und damit das Augenmerk auf zentra-

Ein Hologramm für den König

le ungelöste Fragen der heutigen Zeit lenkt.
PROJEKT A dokumentiert eine politische Bewegung, ihre Theorie und die Menschen, die
sich weltweit für ihre Verwirklichung einsetzen. Ob Anarchismus wirklich eine Lösung
ist, um an den Grundprinzipien der kapitalistischen Weltordnung zu rütteln, darüber
kann im Anschluss an den Film mit Filmemacher Marcel Seehuber diskutiert werden.
Mehr über das entwicklungspolitische
Engagement von Südwind unter:
www.suedwind-agentur.at/ooe

babykino

jeden ersten Mittwoch im Monat – City-Kino
Am Mi 6. April zeigen wir
Hannas Schlafende Hunde (9.30)
Mustang (10.00)
Ein Kinoangebot speziell für Eltern mit Babys und Kleinkindern. Sehen Sie aktuelle
Filmhighlights bei freiem Eintritt in speziellen Vorführungen, bei denen Sie Ihr Kleinkind getrost in den Kinosaal mitnehmen
können. Eintritt frei – für Eltern mit Babys!

AK-Kultur
Mustang
Fr 8. April, 21.00, Moviemento
AK-Kultur & Moviemento haben für Filmfreund_innen eine Kooperation vereinbart.
Inhalt dieser Zusammenarbeit ist, dass einmal monatlich gemeinsam ein Film vorgeschlagen wird, für den AK-Mitglieder mit der
Leistungskarte oder der AK-plus-Card einen
ermäßigten Eintrittspreis von 6 Euro zahlen.
Für die jeweiligen Filme mit sozialem oder
politischem Hintergrund werden Einführungsreferate angeboten.
Das Einführungsreferat für den April-Film
MUSTANG hält der Linzer Filmwissenschafter Markus Vorauer, am Freitag, 8. April,
21.00, Moviemento.

Berlinale 2016
von Wolfgang Steininger

DoN'T sTAY
AT hoMe

iT's ApriL,
you FooL

Fr 01.04.

Die Jury um Meryl Streep folgte also auch dem politischen
Fokus des Festivals und zeigte dem guten, konventionellen
Erzählkino die kalte Schulter (Midnight Special, Genius).
Durchwegs positive Resonanz gab es auch für Anne Z.
Berracheds 24 Wochen mit einer großartigen Julia
Jentsch in der Hauptrolle.
Österreicher fanden sich nicht im Hauptbewerb. Ruth Beckermanns Die Geträumten, Händel Klaus‘ Kater und
Siegfried Fruhauf mit seinem Kurzfilm Vintage Print
wurden jedoch äußerst positiv aufgenommen.
Beckermann erzählt von der Beziehung Ingeborg Bachmanns und Paul Celans, beide bedeutende Vertreter der
deutschsprachigen Lyrik nach 1945, anhand ihres fast 20
Jahre währenden Briefwechsels (1948–1967).
Händl Klaus wurde gar mit dem Teddy für den besten QueerFilm ausgezeichnet! Kater erzählt die Geschichte von Andreas (Philipp Hochmair) und Stefan (Lukas Turtur), deren
Beziehung nach einem unerwarteten Gewaltausbruch nicht
mehr so ist wie zuvor. Nach Ansicht der Jury »ein packender und verwirrender Film, der zum Nachdenken anregt und
das Publikum auch lange nach Verlassen des Kinos nicht
loslässt«.
Fazit: Die außergewöhnlichen Werke suchte man zwar vergeblich, aber das Gesamtprogramm war grundsolide und
wirklich gut.
Wolfgang Steininger

a p r i L

Dass Fuocoammare von Gianfranco Rosi, der vor drei
Jahren mit Sacro GRA – Das andere Rom bereits in Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet worden war,
den Goldenen Bären als bester Film erhielt, unterstreicht
einmal mehr, dass die Berlinale als das politischste unter
den wichtigen Festivals gilt. Rosi erlaubt uns einen Einblick
auf die Insel Lampedusa, seine Einwohner und den ständigen Flüchtlingsstrom auf dem Weg von Afrika nach Europa
mit der Zwischenstation auf dieser kleinen Insel. Der Film
zeichnet sich durch eine tiefe Menschlichkeit aus, die auch
künstlerischer Poesie Platz lässt. Auch Smrt u Sarajevu
– Tod in Sarajevo, Inhebbek Hedi und A Lullaby
to the Sorrowful Mystery werden zum Panorama
ihrer jeweiligen Gesellschaft. Wobei Letzterer vom Philippinen Lav Diaz es auf Grund seiner Länge von acht Stunden
schwer haben wird, in unsere Kinos zu kommen. Der AlfredBauer-Preis, mit dem neue Perspektiven der Filmkunst gekürt werden sollen, ist für einen Ausnahmefilm wie diesen
wie geschaffen. Vertretbar ist sicher auch der »Große Preis
der Jury« für Danis Tanovics Tod in Sarajevo. Nach 2013
für An Episode in the Life of an Iron Picker kann der
Bosnier diesen Preis wieder mit nach Hause nehmen. Er
wurde auch mit dem Kritiker-Preis (Fipresci) ausgezeichnet.
Der Regiepreis für die junge Französin Mia Hansen-Løve
(L'Avenir) ist absolut gerechtfertigt und auch eine Würdigung weiblicher Filmemacher. Isabelle Huppert glänzt dabei
in der Hauptrolle als kühle Philosophin, der das Leben wegzuschwimmen droht.

g n e r so lo
D a v id Weia genem Anbau
Lieder au

s

disco, house

FeLiX dA houserAT (eLecTro-NiX, WieN)
MehMeT AcuMA (cLiché ‘81)

sA 02.04.

TechNo, deephouse, MiNiMAL

do 07.04.

eLecTroNic, pop, disco

BjörN BüchNer & KLAus rezNiceK

Do, 31. März 2016 20:00 Uhr
Fr, 08. April 2016 20:00 Uhr
Fr, 29. April 2016 20:00 Uhr
Black Box Lounge

crossiNg europe progrAMM-reLeAse-pArTy dj ecLeK Tric

Fr 08.04.

house, disco

sA 09.04.

dArK-Acid-disco

here To sTAy! FriTz pLöcKiNger (dAs MArKeT)
perrez (cArAMeLo records) s. hoeLLerMANN (BALANce)

Fr 15.04.

BAss, TechNo

LosT iN LiNz odd (KLuB sir3Ne, WieN)
disco deMoNs & AK A TeLL (BAcKLAB)

sA 16.04.

deephouse, Techhouse

e N T r Y

curLey sue & Lee sTeveNs AK A NeoN AMish
(Luv shAcK records / sprecheN)

Musiktheater Am Volksgarten 1, 4020 Linz
Karten: 0800 218 000 oder www.landestheater-linz.at
Voraufführung:

Mi, 30. März 2016 19:30 Uhr
Kunstverein NH10
Schererstraße 18, 4020 Linz
Karten: www.enhazehn.at

Mi 20. – so 24.04.

crossiNg europe NighTLiNe AM MedieNdecK

Mo 25.04.

hip hop

crossiNg europe FesTivAL-chiLLouT chiLL-iLL

F r E e

pATricK TesTor (Brise rec., vieNNA) BeTTiNA sTriegL

do 28.04.

posTscripTuM poeTrysLAM

Fr 29.04

iNdie, eLecTro, puNK

MiXTApes! By The LAMiNg hips

sA 30.04.

hip hop

dj Buzz (WA XoLuTioNisTs) & preddy TeNdergrAss
(persoNAL rec.)

www.alles-wagner.at

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TERMINE BIS:

24.4.2016

TERMINE BIS:

17.4.2016

Karten-Infos: 0732 666 500 | www.theater-phoenix.at

e
is
e
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r
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d
n
a
h
t
na
ing
Ephraim Less
von Gotthold
usik
M
it
m
g
un
ss
gekürzte Fa

noch bis 27.

tribünelinz Theater am Südbahnhofmarkt
Eisenhandstraße 43 | 4020 Linz
TERMINE & INFOS & KARTEN
0699 11 399 844 | karten@tribuene-linz.at
www.tribuene-linz.at
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April 2016

BANDS &
PARTYS

Jeden Freitag

Nachrichten.

auch in den OÖ

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deiner Region auf wasistlos.at
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Moviemento & City-Kino
April 2016

die Spielzeiten und - orte entnehmen Sie bitte
unserem Wochenprogramm, unserer homepage sowie der tagespresse

Filmstarts

FilmBrunch

Sonntags im Moviemento &
Gelben Krokodil

Ab Fr 1. April

Ab Fr 15. April

Der sCHamaNe
UND DIe sCHLaNGe omu

NomaDeN Des HImmeLs omu

El abrazo de la serpiente
co/ve/Ar 2015, 125 min, r: ciro guerra
laufzeit: mindestens 3 Wochen

eDDIe tHe eaGLe

omu

gB/uS 2016, 106 min, r: dexter fletcher
laufzeit: mindestens 4 Wochen

Grüsse aUs FUkUsHIma omu
de 2016, 108 min, r: doris dörrie
laufzeit: mindestens 3 Wochen

HaNNas
sCHLaFeNDe HUNDe odf

At/de 2015, 124 min, r: Andreas gruber
laufzeit: mindestens 3 Wochen

Ab Fr 8. April

Das LeBeN Ist
keINe GeNeraLproBe odf

At 2016, 90 min, r: nicole Scherg
laufzeit: mindestens 3 Wochen

eIN maNN NameNs ove omu

En man som heter Ove
Se 2015, 116 min, omu, r: hannes holm
laufzeit: mindestens 4 Wochen

FreeHeLD omu

uS 2015, 114 min, r: peter Sollett
laufzeit: mindestens 3 Wochen

UNter Dem saND omu

Sutak
Kg 2015, 81 min, r: mirlan Abdykalykov
laufzeit: mindestens 2 Wochen

Von Fr 20. biS Mo 25. April

CrossING eUrope
FILmFestIvaL 2016
Ab Di 26. April

a War omu

Krigen
dK 2015, 115 min, r: tobias lindholm
laufzeit: mindestens 3 Wochen

DIe kommUNe omu

Kollektivet
dK/Se/nl 2016, 111 min, r: thomas vinterberg
laufzeit: mindestens 3 Wochen

Ab Fr 29. April

BaUerNopFer –
spIeL Der köNIGe omu

Pawn Sacrific
uS 2014, 115 min, r: edward zwick gorchkow
laufzeit: mindestens 3 Wochen

moNsIeUr CHoCoLat omu
Chocolat
fr 2016, 110 min, r: roschdy zem
laufzeit: mindestens 3 Wochen

eIN HoLoGram
Für DeN köNIG omu

de/gB 2016, 93 min, r: tom tykwer
laufzeit: mindestens 4 Wochen

WINWIN omu

premieren

Ab Fr 15. April

DIe GeLIeBte Des teUFeLs df

Lída Baarová
cz 2016, 106 min, r: filip renc
laufzeit: mindestens 3 Wochen

FamILIe zU vermIeteN omu

Une famille à louer
fr/Be 2015, 96 min, r: jean-pierre Améris
laufzeit: mindestens 4 Wochen

FUtUre BaBy omu

At 2016, 91 min, r: maria Arlamovsky
laufzeit: mindestens 3 Wochen

So 10. April
11.15
maikäFer FLieG
11.15
ein mann namens ove
11.30
Das Leben ist keine
GeneraLprobe
13.15
FreeheLD
13.30
Das branDneue testament
13.30
hannas schLaFenDe hunDe
So 17. April
11.15
Das Leben ist keine
GeneraLprobe
11.30
ich bin Dann maL weG
11.30
Future baby
13.15
the Danish GirL
13.30
FamiLie zu vermieten
13.30
Die GeLiebte Des teuFeLs
tischreservierung im gelben Krokodil
dringend empfohlen: 0732/784182

FilmLUNCH

Sonntags im City-Kino & Café Stern

So 3. April
11.00
spotLiGht
11.15
raum

Under sandet
dK/de 2015, 100 min, r: martin zandvliet
laufzeit: mindestens 3 Wochen

At 2016, 84 min, r: daniel hoesl
laufzeit: mindestens 2 Wochen

So 3. April
11.15
hannas schLaFenDe hunDe
11.30
ich bin Dann maL weG
11.30
birnenkuchen mit LavenDeL
13.15
raum
13.30
eDDie the eaGLe
13.30
Der schamane
unD Die schLanGe

Mi 6. April, 18.30, MoVieMenTo
Das Leben ist keine GeneraLprobe
in Anwesenheit der regisseurin nicole Scherg
und heini Staudinger

Fr 8. April, 20.00, MoVieMenTo
winwin

So 10. April
11.00
the revenant
11.15
LoLo
So 17. April
11.00
FamiLie zu vermieten
11.15
Grüsse aus Fukushima
essen inkl. Kuchen & Kaffee nach dem film,
tischreservierung bei der city-Kino-Kassa
dringend empfohlen.

Filmgespräche
mit Markus vorauer

in Anwesenheit des regisseurs daniel hoesl

Fr 1. April, 21.00, MoVieMenTo
son oF sauL
mit der volkshochschule

Babykino

Fr 8. April, 21.00, MoVieMenTo
mustanG

im City-Kino

mit der Arbeiterkammer

Mi 3. April
9.30 brookLyn
10.00 the Danish GirL

Moviemento OK Platz 1, 4020 Linz, 0732/78 40 90
City-Kino Graben 30, 4020 Linz, 0732/77 60 81

www.moviemento.at

Österreichische Post AG/Sponsoring.Post - Verlagspostamt: 4020 Linz, Donau - GZ 02Z031032 S

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