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Berliner Brief

September (2) 2016
Liebe Leserinnen und Leser,
wann standen Sie das letzte Mal im
Stau? Wenn Sie täglich mit dem Auto
auf der A 40 unterwegs sind, dürfte
es sicherlich nicht so lange her gewesen sein. Es ist auch kaum verwunderlich, denn das Ruhrgebiet gehört
zu den am dichtesten besiedelten
Regionen Deutschlands. Viele pendeln von Mülheim an der Ruhr oder
Essen zur Arbeit in die nächstgelegene Stadt. Mit dem Bundesverkehrswegeplan 2030, den wir in dieser
Woche in Erster Lesung beraten haben, werden wir einen wichtigen
Schritt gehen, um die Verkehrssituation in Deutschland zu verbessern.
Dieser sieht Mittel in Höhe von 269,6
Milliarden Euro für Erhalt, Sanierung, Aus– und Neubau von Fernverkehrsstraßen und Wasser– sowie

Schienenwegen vor. Davon wird bis
2030 auch unser Ruhrgebiet profitieren.
Besonders erfreulich ist, dass unter
den benannten Baumaßnahmen der
sechsspurige Ausbau der A 40 zwischen Kaiserberg und EssenFrohnhausen in der Kategorie „vordringlicher Bedarf - Engpassbeseitigung“ (VB-E) vorzufinden ist. Gemeinsam mit meinen Abgeordnetenkollegen Matthias Hauer und Jutta
Eckenbach hatte ich mich dafür eingesetzt, dass ein sechsspuriger Ausbau zwischen Frohnhausen und Essen-Ost gleichermaßen als „VB-E“
eingestuft wird. Im überarbeiteten
Entwurf des Planes wurde dieser Abschnitt immerhin in den „Weiteren
Bedarf mit Planungsrecht“ aufgenommen. Damit besteht nun zumin-

dest eine Chance, dass auch dieses
Projekt realisiert wird. Mit dem Bundesverkehrswegeplan wird der Bund
die Grundlage für eine positive infrastrukturelle Entwicklung in unserem
Land schaffen. Damit die Projekte
auch tatsächlich realisiert werden
können, muss das Land NRW rasch
mit den Planungen beginnen. Eine
funktionstüchtige Infrastruktur ist
für die Wettbewerbsfähigkeit eines
Wirtschaftsstandortes zentral. NRW
hat hier Nachholbedarf. Die Landesregierung sollte daher diese Chance
nicht verpassen.
Über meine ereignisreiche Sitzungswoche informiert Sie wieder mein
aktueller Berliner Brief.
Es grüßt Sie herzlichst, Ihre

Fotos: Kai Horstmann (oben), CDU/CSU-Bundestagsfraktion| Steffen Hollah, Deutscher Bundestag| Anke Jacob, Deutscher Bundestag | JF Müller (unten, v.l.n.r); V.i.S.d.P.: Astrid Timmermann-Fechter

Astrid Timmermann-Fechter, MdB
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Telefon: 030/ 227 - 77915
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Meine Woche im Parlament
Am Dienstag (20.09.) findet die Fraktionssitzung der CDU/CSUBundestagsfraktion statt. Zu Beginn
besprechen wir dort die aktuellen
politischen Themen. Dazu gehören
auch die Ergebnisse der vergangenen
Landtags– und Abgeordnetenhauswahlen in MecklenburgVorpommern und Berlin. Darüber
hinaus stehen die 24 Gesetzesvorhaben auf der Tagesordnung, die in dieser Woche im Plenum debattiert werden. Dazu gehören beispielsweise der
Bundesverkehrswegeplan 2030, das
Gesetz zur Stärkung der Teilhabe und
Selbstbestimmung von Menschen
m i t
B e h i n d e r u n g e n
(Bundesteilhabegesetz), das Dritte
Gesetz zur Stärkung der pflegerischen
Versorgung (Drittes Pflegestärkungsgesetz) sowie das Gesetz zur Änderung des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes.
Der Mittwoch (21.09.) beginnt für
mich mit der Sitzung des Ausschusses für Familie, Senioren, Frauen und
Jugend. Die Parlamentarische Staatssekretärin aus dem Bundesministerium für Familie, Frauen und Jugend,
Elke Ferner, stellt uns die zentralen
Ergebnisse des Deutschen Freiwilligensurveys 2014 vor, welcher in diesem Jahr veröffentlicht wurde. Der
Freiwilligensurvey ist in Deutschland
das wichtigste Forschungsinstrument zur Ermittlung des freiwilligen
Engagements in der Bevölkerung ab
14 Jahren. Die repräsentativen Daten
von knapp 29.000 Befragten zeigen,
dass sich immer mehr Menschen in
Deutschland engagieren. Mit insgesamt ca. 31 Millionen Freiwilligen ist
die Engagementquote in Deutschland
in den letzten 15 Jahren um knapp 10

Prozentpunkte gestiegen.
Danach steht ein Gespräch mit der
Leiterin der Antidiskriminierungsstelle, Frau Christine Lüders, und
Frau Prof. Dr. Christiane Brors über
die Evaluation des Allgemeinen
Gleichbehandlungsgesetzes (AGG)
auf der Tagesordnung. Das Gesetz trat
im Jahr 2006 in Kraft. Es hat zum Ziel,
Benachteiligungen aus Gründen der
Rasse oder wegen der ethnischen
Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu
beseitigen. Schwerpunkt ist der
Schutz vor Diskriminierung in Beschäftigung und Beruf, daneben sind
im AGG aber auch Vorschriften zum
Schutz vor Benachteiligung im Zivilrechtsverkehr verankert. Zehn Jahre
nach Inkrafttreten des AGG spricht
sich die Antidiskriminierungsstelle
des Bundes für eine Reform des Gesetzes aus. Demnach müssten
Schutzlücken geschlossen werden,
damit Menschen wirksamer gegen
Diskriminierung vorgehen können.
Konkret sprechen sich die Expertinnen etwa für eine Ausweitung der
Fristen aus, innerhalb derer Betroffene Ansprüche geltend machen müssen. Auch sollten Verbände die Möglichkeit erhalten, Betroffene vor Gericht zu vertreten.
Am Donnerstag (22.09.) debattieren
wir in Erster Lesung über den Bundesverkehrswegeplan 2030. Im Anschluss finden drei Namentliche Abstimmungen zum CETA-Abkommen
statt. Am Nachmittag besuchen mich
zwei Schulklassen der GustavHeinemann-Schule aus Mülheim an

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der Ruhr im Deutschen Bundestag.
Sie verfolgen die Plenarsitzung direkt
von der Besuchertribüne des Sitzungssaales aus. Anschließend führe
ich mit der Schülergruppe ein Gespräch und beantworte ihnen Fragen
zu meiner Parlamentarischen Arbeit.
Am Freitag (23.09.) diskutieren wir
im Plenum das Dritte Pflegestärkungsgesetz in Erster Lesung. Mit
dem Gesetz wollen wir die Handlungsmöglichkeiten der kommunalen Ebene verbessern und so dafür
sorgen, dass pflegebedürftige Menschen so lange wie möglich zu Hause
in ihrem gewohnten Umfeld verbleiben können. Den Kommunen geben
wir dazu die Möglichkeit, ihre Beratungsleistungen auszuweiten und
aufzuwerten. So sind beispielsweise
Modellvorhaben zur Beratung Pflegebedürftiger und ihrer Angehörigen
durch kommunale Beratungsstellen
in bis zu 60 Kreisen oder kreisfreien
Städten für die Dauer von fünf Jahren
vorgesehen. Pflegebedürftige und
ihre Angehörigen sollen dadurch eine
Beratung aus einer Hand erhalten zu
allen Leistungen, die sie in Anspruch
nehmen können, wie z.B. der Hilfe
zur Pflege, der Eingliederungshilfe
oder der Altenhilfe. Den Ländern geben wir dazu die Möglichkeit, neue
Gremien und Modellprojekte zur Koordination, Kooperation und Steuerung zu schaffen. Gleichzeitig vollziehen wir den neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff auch in der Sozialhilfe
nach, passen Vorgaben zur Bekämpfung von Abrechnungsbetrug an und
erhalten die Hilfe zur Pflege in ihrer
Funktion als ergänzende Leistung.
Am Nachmittag geht es für mich zurück in meinen Wahlkreis.

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Weiteres aus Fraktion und Plenum
In dieser Woche wird über zahlreiche Gesetze beraten oder beschlossen — hier eine Auswahl:

herein festlegen müssen, ob der Arbeitnehmer per Zeitarbeit beschäftigt
wird.

Projekte mit einem Volumen von insgesamt 50,9 Milliarden Euro vorgesehen.

Bericht der Bundesregierung zur
weltweiten Lage der Religions- und
Weltanschauungsfreiheit. Im vergangenen Jahr hatten wir die Bundesregierung zu einem Bericht zur Religions- und Glaubensfreiheit in der Welt
aufgefordert. Der nun vorgelegte Bericht basiert auf einem weiten Verständnis von Religion und Weltanschauung und zeigt, dass unterschiedliche Rechtsverletzungen weltweit und durch alle Rechtssysteme
hindurch stattfinden, auch wenn einzelne Religionsgemeinschaften –
meist als religiöse Minderheiten – in
einigen Staaten ganz besonders unter
Druck stehen. Auch das Spannungsfeld zwischen Religions- und Meinungsfreiheit wird im Bericht beleuchtet.

Gesetz zur Stärkung der Teilhabe
und Selbstbestimmung von Mens c h en m it Be h in d erun g en
(Bundesteilhabegesetz – BTHG). In
erster Lesung diskutieren wir, wie die
gesellschaftliche Teilhabe und Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen im Einklang mit der UN
-Behindertenrechtskonvention weiterentwickelt und gestärkt werden
kann. Dazu planen wir, die Eingliederungshilfe aus der Sozialhilfe in das
neu gefasste SGB IX – Rehabilitation
und Teilhabe behinderter Menschen
zu überführen, das damit zu einem
Leistungsgesetz aufgewertet wird.
Fachleistungen der Eingliederungshilfe werden damit künftig klar von
den Leistungen zum Lebensunterhalt
getrennt und finanziert.

Drittes Gesetz zur Änderung des
Bundesschienenwegeausbaugesetzes. Auch für die Schiene legen wir
im parlamentarischen Verfahren die
Projekte fest, die bis 2030 realisiert
werden sollen. Hier sind Bauvorhaben mit einem Volumen von insgesamt 42,5 Milliarden geplant.

Gesetz zur Änderung des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes und
anderer Gesetze. Mit dem Gesetz,
das wir in erster Lesung beraten, führen wir in der Arbeitnehmerüberlassung eine Höchstüberlassungsdauer
von 18 Monaten sowie eine Gleichstellung hinsichtlich des Arbeitsentgeltes gegenüber den Stammarbeitnehmern nach 9 Monaten ein. Abweichungen hiervon sind unter bestimmten Voraussetzungen durch
Tarifverträge möglich. Darüber hinaus führen wir eine Berücksichtigung
von Zeitarbeitnehmern bei den
Schwellenwerten im Betriebsverfassungsgesetz ein und stellen klar, wie
das Arbeitnehmerverhältnis in Abgrenzung zu einem Werk- oder
Dienstleistungsverhältnis zu definieren ist. Um darüber hinaus den Missbrauch bei Werk- und Dienstvertragskonstellationen vorzubeugen,
soll der Arbeitgeber künftig von vorn-

Bundesverkehrswegeplan 2030. Der
Bundesverkehrswegeplan ist das
zentrale Element der Infrastrukturplanung des Bundes, mit dem wichtige verkehrspolitische Weichen für
den Planungshorizont bis 2030 gestellt werden.
Sechstes Gesetz zur Änderung des
Fernstraßenausbaugesetzes.
In
erster
Lesung
schaffen wir die
rechtliche Grundlage für die Planung und den Ausund Neubau der im
Bundesverkehrswegeplan vorgesehenen Bundesfernstraßen. Bis 2030
haben wir für den
Aus- und Neubau
von Fernstraßen

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Gesetz zum Schutz vor Manipulationen an digitalen Grundaufzeichnungen. In erster Lesung beraten wir
den Einsatz manipulationssicherer
Kassensysteme. Wir wollen auf diese
Weise einen Beitrag zur Sicherung der
Gleichmäßigkeit der Besteuerung und
den rechtsstaatlichen Erfordernissen
des Steuervollzugs leisten. Nutzer
einer Registrierkasse sollen verpflichtet werden, technische Vorkehrungen
zu nutzen, damit digitale Grundaufzeichnungen im Kassensystem nicht
nachträglich manipuliert werden
können und leichter nachzuprüfen
sind. Wir möchten dabei die bürokratischen Belastungen so gering wie
möglich halten. Eine allgemeine Kassenpflicht sowie eine Belegausgabepflicht lehnen wir daher ab.

Reichstagsgebäude am Spreeufer
Foto: Deutscher Bundestag / Simone M.