Sie sind auf Seite 1von 12
Architektur von Zen- Tempeln in Japan
Architektur von Zen-
Tempeln in Japan

Architektur von Zen-Tempeln in Japan von pamokkha

Version 1.0: 08.10.2016 Alle Rechte vorbehalten, © 2016 München

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

4

2. Shichido Garan eines Zendera

5

3. Beschreibung der Zendera-Gebäude

7

3.1 Im Eingangsbereich

7

3.2 Die Shichido Garan

8

3.3 Andere Gebäude

9

Literaturverzeichnis

12

Abbildungsverzeichnis

12

1. EINLEITUNG

Sowohl die Architektur als auch der Grundriss eines Zendera (禅寺) oder Zen-Tempels in Japan unterscheidet sich recht markant von Tem- peln anderer buddhistischen Schulen Japans. 1 Die buddhistischen Schu- len Tendai (天台宗) und Shingon (真言宗) sind bereits während der Heian-Zeit (平安時代), 794 bis 1192, nach Japan gekommen.

Die Schule des Zens fasste erst mit Eisai Myōan (明菴栄西) und Dōgen Zenji (道元禅師) zu Beginn des 13. Jahrhunderts Fuß in Japan. Frühere Versuche in Nara (奈良市) durch Dosho, 629 bis 700, Zen als eigen- ständige buddhistische Schule zu etablieren schlugen fehl. 2

Als das chinesische Zen nach Japan kam, da brachte es die Architektur Song-Chinas mit. Die Zen-Tempel Kyotos und Kamakuras sind architek- tonischen Stilen nachempfunden, die zur Zeit der Song-Dynastie, 960 bis 1279, in China weit verbreitet waren. 3

Für die Obaku-Schule (黄檗宗) des Zens, die erst 1660 durch den chinesischen Priester Yinyuan Longqi (隱元隆琦, jap. Ingen Ryuki)

1 (Einarsen, 2004, S. 22)

2 (Einarsen, 2004, S. 12-13) und (Dumoulin, 2005, S. 5)

3 (Einarsen, 2004, S. 22)

nach Japan gebracht wurde gilt, dass sich ihre Tempel, wie zum Bei- spiel Mampuku-ji (萬福寺) in Uji, an die Architektur von Ming (明 朝)- und Qing (清朝)-China anlehnen.

2. SHICHIDO GARAN EINES ZENDERA

Ein typischer Zen-Tempel hat sieben architektonische Merkmale (七堂 伽藍 shichido garan):

1. Sanmon (三門) oder (山門), Tor

2. Butsuden (仏殿), Buddha-Halle

3. Hattō (法堂), Dharma-Halle

4. Tōsu (東司), Latrine

5. Yokushitsu (浴室), Bad

6. Kuri (庫裏), Küche

7. Zendō (禅堂) bzw. Sōdō (僧堂), Meditations-Halle.

Die Gebäude sind entlang einer Nord-Süd-Achse ausgelegt, die dem menschlichen Körper nachempfunden ist mit dem Butsuden als Herz. Die Gebäude eines Zendera wurden üblicherweise unbemalt gelassen. Außer- dem war es gebräuchlich, Teile von Burgen, Palastgebäuden etc. für den Bau wieder zu verwenden.

Abbildung 1: Skizze eines Zendera in Japan (Einarsen, 2004, S. 25)

Abbildung 1: Skizze eines Zendera in Japan (Einarsen, 2004, S. 25)

Die Nummern auf Abbildung 1 entsprechenden den folgenden Gebäuden:

(1) sōmon (総門), (2) chokushimon (勅使門), (3) hanchi (畔池), (4) tōsu (東司), (5) yokushitsu (浴室), (6) sanmon (三門) oder (山門), (7) butsuden (仏殿), (8) shōrō (鐘楼), (9) zendō (禅堂) bzw. sōdō (僧堂), (10) hattō (法堂), (11) kyōzō (経蔵), (12) hōjō (方丈), (13) kuri (庫裏), (14) kaisandō (開山堂), (15) nantei (南庭), (16) Fried- hof (墓地), (17) jinja (神社) (shintoistischer Schrein), (18) tachū (塔頭), (19) sōan.

3. BESCHREIBUNG DER ZENDERA-GEBÄUDE

3.1 Im Eingangsbereich

1. Sōmon (総門): Das äußere Tor und weit kleiner als das sanmon. Manchmal begleitet von einem äußerst eleganten Tor, dem cho- kushimon (勅使門). Dieser Tor wird nur vom Kaiser und den kai- serlichen Gesandten verwendet.

2. Hanchi (畔池): Ein quadratischer Teich, der in der Mitte durch eine steinerne Brücke in zwei Hälften aufgeteilt wird. Der Teich fungiert als Trennlinie zwischen der säkularen Welt und dem Tempelbereich. Der hanchi wurde jedoch auch ganz praktisch als erste Verteidigungslinie gegen Feuer verwendet.

3.2 Die Shichido Garan

1. Sanmon (三門, 山門): Das „Erleuchtungs-Tor“ ist ein großes Bauwerk mit einer nur noch symbolischen Funktion. Es folgt di- rekt nach dem Teich und ist damit das erste Gebäude nach der säkularen Welt. Für das sanmon gibt es zwei verschiedene Schreibweisen. 山門 bedeutet wörtlich „Berg-Tor“. Dies bezieht sich darauf, dass viele Tempel sowohl in China als auch in Japan in den Bergen gebaut wurden. Die zweite Schreibweise ist 三門 und bedeutet „Drei Tore“. Die Struktur des sanmon bietet dem Besucher des Tempelgeländes drei Durchgänge und ist so der Na- mensgeber für diese Schreibweise. Die drei Tore repräsentieren:

Tor der Leerheit (空門), Tor der Formlosigkeit (無相門) und Tor der Absichtslosigkeit (無願門).

2. Butsuden (仏殿): Dieses Gebäude ist normalerweise das zweit- größte Gebäude und ist der Dharma-Halle auf der Nord-Süd-Achse vorgelagert. Diese Halle ist ausdrücklich für die Einschreinung einer Buddha-Statue vorgesehen. Hier, vor dem Buddha werden Zeremonien, spezielle Riten und die Verehrung vorgenommen.

3. Hattō (法堂): Die Dharma-Halle, Halle der Lehre, ist das größte Gebäude eines Zen-Tempels. Hier werden die Lehrreden des Abtes gehalten und den Mönchen die Lehre des Buddha nahegebracht. Die Dharma-Halle ist der Ort, wo die wertvollsten Buddha-Statuen des Tempels aufbewahrt werden. Ebenfalls finden sich hier die

Abbildungen früherer Äbte des Tempels. Die Decke des Hattō ist in der Regel mit einem großen Drachen bemalt. Der Glaube ist, dass der Drache alle Aktivitäten unter sich unter seinen Schutz stellt. Ferner sollte der Drache als ein Wasser-Wesen auch vor Feuer schützen. Als diese Gebäude gebaut wurden, da waren sie die größten Gebäude in der ganzen Stadt.

4. Zendō (禅堂) bzw. Sōdō (僧堂): Die Meditationshalle befindet sich üblicherweise links von der Dharma-Halle. Dies ist der Ort der Praxis. Im Rinzai-zen (臨済宗) meditieren die Mönche mit dem Blick Richtung Raummitte, die Mönche im Soto-zen (曹洞宗) hingegen blicken, wie einst Bodhidharma, Richtung Wand.

5. Kuri (庫裏): Die Küche eines Zendera liegt normalerweise neben den Räumen des Abtes. Hier werden die Speisen zubereitet und verzehrt. Viele Tempel haben ihren eigenen Gemüsegarten, der sich hinter der Küche befindet.

6. Tōsu (東司): Die Lantrine und

7. Yokushitsu (浴室): Das Bad befinden sich traditionell südlich des sanmon und links und rechts vom Teich. Damit liegen sie außerhalb des reinen Tempelbereichs in der profanen Welt.

3.3 Andere Gebäude

1. Hōjō (方丈): Dies ist die Unterkunft des Abtes. Ursprünglich war dies eher eine kleine und unscheinbare Hütte. Aber, als Zen

mehr und mehr institutionalisiert wurde, und entsprechend von der Elite unterstützt wurde, wuchs das hōjō zu einem größeren Gebäude heran. Der südlichen Veranda vorgelagert befindet sich ein offener weiter Vorplatz, nantei (南庭) genannt. Dieser Ort wurde später vielfach in einen Zengarten (枯山水) umgewandelt. Die beiden chinesischen Schriftzeichen 山水 bedeuten wörtlich ‚Berg‘ und ‚Wasser‘ und bedeuten daher im übertragenem Sinne ‚Landschaft‘ bzw. ‚Natur‘. 枯 bedeutet ‚trocken‘. Im Deut- schen wird auch vom japanischen Steingarten und Trockengarten gesprochen. Der Begriff ‚Zengarten‘ ist also so im Japanischen nicht bekannt. Diese Zengärten bestehen lediglich aus Kies, Steinen und Felsen. Moos ist die einzige Pflanze, die für einen Zengarten verwendet wird. Hinter dem hōjō befindet sich ein Friedhof (墓地), für Mönche und Patrone.

2. Shōrō (鐘楼): Dies ist der Glockenturm und beherbergt die größte Glocke () des Zen-Tempels. Es ist üblich, sie zu Sonnenaufgang und -untergang zu schlagen. Ebenfalls wird sie zum Neujahrsabend 108 Mal geläutet.

3. Kyōzō (経蔵): Dies ist das Gebäude in dem die heiligen Schriften, Sutras, und auch Tempelchroniken etc. aufbewahrt werden.

4. Kaisandō (開山堂): Die Gründerhalle ist der Ort für die Vereh- rung des Gründerabtes. Am Todestag des Gründerabtes wird hier ein „Gedenkgottesdienst“ gefeiert.

5. Tachū (塔頭): Bezeichnet einen Nebentempel auf dem Gelände des Haupttempels. Vielfach wurden diese Nebentempel für frühere Äbte des Klosters gebaut.

6. Shintō Schrein (神社): Die meisten Zentempel haben Shintō Schreine auf ihrem Gelände. Die Schreine sind entweder extrem alt und sind einer lokalen Gottheit () gewidmet oder sie wurden nach der Meiji Restauration erbaut. Nach der Meiji Res- tauration (明治維新) 1868 wurde Shintō zur Staatsreligion er- hoben und der Buddhismus fiel in Missgunst. Um der Verfolgung zu entkommen, haben viele buddhistische Tempel Schreine errich- tet, um so die staatlichen Autoritäten zu beschwichtigen.

LITERATURVERZEICHNIS

Dumoulin, H. (2005). Zen Buddhism: a History Volume 2 Japan. Bloomington: World Wisdom. Einarsen, J. (2004). Zen and Kyoto. Kyoto: Uniplan.

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Abbildung 1: Skizze eines Zendera in Japan (Einarsen, 2004, S. 25)

6