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Zum
Thema
:
Identity
im
Web
2.

0

1


Das
ICH

zwischen
analoger
und
digitaler
Realität


Dass
Menschen
Informationen
teilen

und
sich
Online
in
einem
guten
Licht
präsentieren

wollen
,überrascht
nicht,
dass
sie
es
massenhaft

können
und
tun,
wird
zu
einem

Phänomen.


Menschen
üben
in
diesen
Netzwerken
das
Spiel
mit
Identitäten,
sie
lernen
die

Stärke
so
genannter
schwacher
Bindungen.


Aber
:
das
Gros
der
Nutzer
begreift
überhaupt
nichts
:
weder
dass
die

persönlichen
Daten
zum
Zahlungsmittel
werden
noch

dass
sie
dafür

verantwortlich
sind
und
lebenslänglich
bleiben.




Es
überwiegt
einerseits
die
Wahrnehmung
:





Internet
ist
ein
Fortschritt

in
der
alltägliche
Kommunikation
durch

E‐Mail,

Twitter
und
Facebook,
YouTube
und
Twikis.


Begründete
Kritik
und
diffuse
Ressentiment
sind
andererseits
fundiert,
aber

machtlos
gegen
den
unaufhaltsamen
Aufstieg
der
weltweiten
Vernetzung
und

Überwachungssyteme,
die
den
realen
MachtINhabern

der
Welt
profitieren.


Sind
die
Netzkonzerne

sinistre
Mächte,
kritiker
und
Nutzer
dagegen
die
Guten
?


• Facebook
Nutzer
könnten
in
den
Unterhaltungen
anderer
Facebook
Nutzer

mitlesen.

• Daten
sollen
von
Facebook
an
Werbekunden
und
Kooperationspartner

weitergegeben
worden
sein,

• Facebook
soll
auch
von
Menschen,
die
auf
der
Plattform
nicht
registriert
sind,

nicht
auffindbare,
aber
dauerhaft
gespeicherte
Pfoile
anlegen.

• Facebook
soll
jede
einzelne
Aktion
eines
Nutzers
speichern,
auch
solche
die
zu

keinem
relevanten
Ergebnis
führen.


Bei
den

Forderung
nach
einer
Ethik
für
die
digitale
Welt…

Sind
die
Nutzer
ebenso
gefordert
wie
die
Anbieter,

denn



• die
Masse
der
Menschen
bewegt
sich
darin
unachtsam
und
ist

nicht

kompetenter
als
beim
Fernsehen.
Die
Medienkompetenz
der

Zeitgenossen

ist
kläglich

und
selbstverschuldet:



Schulen
und
Eltern

sollten

vorsorgen,
sind
aber
oft

von
den
Medien
und
den
Digital

Natives
überfordert.

Deren
intuitive
Intelligenz

schafft
ihnen
zwar
direkten
Zugang
zu

allen
Tools,
aber
nicht
den
Überblick.
Von
der
Archimedes‐Perespektive
ganz
zu

schweigen.


Die
Netzkonzerne

könnten
hundertprozentige
Transparenz
im
Umgang
mit

Nutzerdaten
beweisen.
Warum
nicht
eine
kleine
Schaltfäche
im
Facebook
oder

Googleprofil
mit
der
Bezeichnung
«
Gespeicherte
Daten
»
:
ein
Klick
,
und
das

Unernehmen
müsste
alles
offenbaren.

Bloc
notes
:
Quelle
SZ
05.06.2010
:

Der
Mensch
als
Ware.
1





I
.

Das
(réale)ICH
ALS
(digitale)WARE






Aufprallen
von
analogen
Denken
und
digitaler
Welt


Welches
sind
die
Gründe
für
die
virtuelle
Dartellung
ausserhalb
des
Webs
?


Internet
wird

allzu
oft
als

Ursache
(
und
nicht
Werkzeug)
für
gesellschaftliche

Fehlentwicklungen
dargestellt.
Es
ist
aber
nur
der
Katalysator
,
für
die
virtueller

Darstellung
,
nicht
die
Ursache.



Individuelle
Präsentation
im
Internet
entsteht
aus



der
Notwendigkeit
der



• Selbstvermarktung
(Die
Marke‐ICH)
und
der


• narzistisch
veranlagte
«
Sucht
zur
Selbstdarstellung
»


• dem

Stachelschweinkomplex
(Schopenhauer)


bilden
den
Stoff
aus
dem
der

«
virtuelle
Exhibitisnismus


besteht.



Im
realen
Leben
stört
sich
niemand
daran
:



Ich­AG,
jeder
ist
ein
Unternehmer,
jeder
mus
sich
vermarkten
und
sich
als

Marke
mit
den
anderen
messen
:
Ich‐AG‐

Selbstvermarkten

wird
immer
mehr

zu
einer
Überlebensfrage.


Offline
ist
es
gut,
sich
immer
in
einem
guten
Licht
zu
präsentieren
;
warum
sollte
man
es

nicht
auch
Online
tun
?


Die
sich
verflüssigende
Grenze
zwischen
dem,
was
früher
als
privat
und
beruflich

unterschieden
wurde,


• Das
selbstverständliche
Arbeiten
im
Bereich
der
Privatsphäre
(am
Abend,

zuhause,)


• die
Verpflichtung
zum
lebenslangen
Lernen
und
Weiterbilden


All
das
stammt
nicht
aus
den
Start­up
Garagen
,
aber
dort
weiss
man
damit

umzugehen.



Man
greift
zu
kurz,
wenn
man
die
Kritik
an
den
digitalen
Jahrmärkten
der
Eitelkeiten

nur
auf
das
Eitle
und
das
Digitale
beschränkt.





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II.
Das
neue
Profil
des
Menschen
:




A.
Kommerzielle

und
Wissenschaftliche
Erkenntnis


Im Internet hat sich die Definition des ICH verändert. Wir sind nicht mehr nur
Personen mit ein paar personlichen Daten.

Das Ich ist zu einem wertvollen Datenensatz geworden, vermarktet von
Firmen wie Facebook und Google.

1. Nicht der Einzelne ist interessant, sondern die möglichst grosse Masse.
2. Die Masse an sich ist nicht wertig, sondern nur die Bewegungen,
Artikulationen, Intressen und Kommunikationen der Einzelnen in dieser
Masse.

Das ist ein Paradoxon für die analoge Welt :

für die Welt der Körper, der realen Menschen, der Personalausweise,
unveränderlichen Kennzeichen und konkreten Identitäten.

Das ist nicht das Geschäftsprinzip der Welt der Netzkonzerne, sondern sie wollen
alles von allen wissen,

um mit grösstmöglicher Wahrscheinlichkeit Aussagen über den Einzelnen zu machen


und Prognosen zu stellen.

Die Aggressivität der Netzkonzerne wie Google hat ein Ziel :

möglichst viel von möglichst vieln erfassen und speichern zu müssen.

« 400 Millionen Nutzer sind nett, aber wir wollen die ganze Welt vernetzen.
Facebook und Google wollen die Masse, sie wollen dqs Rauschen.
Je grösser und disparater, je lieber « .

Der Sound von Hybris wurde zum Geschäftsmodell.

B. Digitale und analoge Erfassung

Die anloge Wahrnehmung und Erfassung der Phänomene

In der analogen Welt musste eine Person erkannt und identifiziert werden, um
sie aufzuspüren und ergreifen zu können,
Das Dickicht der Anonymität musste durchkämmt werden : die sog.
Rasterfahndung

Bloc
notes
:
Quelle
SZ
05.06.2010
:

Der
Mensch
als
Ware.
3


Identifizierung analog war der Filter, durch den Massen geleitet wurden,um
nur wenige, die Betreffenden oder auch nur Einzelne , ausfindig zu machen.

Überschaubarkeit war das Ziel

Man erstellte belastbare Theorien und Vorannahmen, die als Modelle für die
IDentifizierung fungierten.

Die Masse störte, weil sie die Wahrnehmung des Einzelnen behinderte

Die digitale Wahrnehmung und Erfassung

Google und Facebook … funktionieren aber anders. Sie kehren die Verfahren der
Identifizierung und ihr Interesse daran gerade um :

Die Masse ist wichtig, je grösser, je disparater, je lieber !

Das ist aber nur sinnvoll, weil es auswertbart ist :

Computer, Rechenplantagen mit dem Stromverbrauch von Kleinstädten in


Tausenderpotenzen können schneller durch gigantische Datensätze wühlen als
Menschen , weil sie unbeaufsichtigt, unangeleitet und ungelenkt lernen können.

« Unsupervised Learning » = neue MEthoden des Profiling.

Während die alten deduktiven Profiling-Methoden immer nur so schlau waren wie
die Hypothesen, die ihnen zugrunde gelegt waren, überlassen die neuen ,
induktiven Verfahren des Data-Mining die einlaufenden Datensätze völlig den
Computern.

Die Verfahren des maschinellen Profiling finden Zusammenhänge, die


jenseits unserer Vorstellungskraft liegen.

Gesucht wird nichts, gefunden wird aber immer ewas !

Es werden ungeahnte Korrelationen sichtbar .

Menschen, die X ihre Lieblingspeise nennen, den Sport Y niemals betrieben haben
und nichts gegen weisse Socken hqben == wählen Z.

Die geschürften Ergebnisse werden jetzt als Hypothesen für Prognosen verwandt,
wieder zurückgespeist, um sie nach klassischen Profiling Verfahren zu validieren
oder zu verwerfen.



Frage
:

Was
passiert,
wenn
die
Überwachungssysteme,
die
wir
unfreiwillig
mit

unseren
Daten
speichern,
die
gleiche
Algorithmenpower
anwenden
wie
Google
?





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III.
Das
digitale
Wissensmanagement


Analoges
Denken
vs.
digitales
Vorgehen



Aus
all
diesen
Daten
kann
man
ein
erstaunlich
detailliertes
Psychogramm
einzelner

Personen
basteln.


– in der Zwischenzeit sind ja auch immer neue Terabyte an Daten ( bereitwilling


eingepflegt von Millionen Nutzern) hinzugekommen, welche von Maschinen induktiv
gewonnen und synthetische Hypothesen stützen oder Kippen können.

Diese Verfahren gebiert völlig neue Formen des Wissens und der Erkenntnis.

Ihm liegt nicht mehr eine menschengemachte Hypothese zugrunde, gewonnen aus
Kennntis, Kausalannahmen, Absicht und Erfahrung, die dann einer PRüfung
standhalten müssen

Dank Google und Facebook entsteht das digitale Wissensmanagement : Sein


Erfolg stützt sich auf die Macht des Algorithmus, mit dem disparate Daten analysiert
werden, im Nebel der grossen Zahl stochernden Statistik.

Stochastige Verfahren des maschinellen Profiling finden gerade


Zusammenhänge, die man nicht erwartet oder zu finden gehofft hat,
an die man nicht einmal denken konnte.

Doch : nie in der Geschichte des Wissens wurde danach so exakt gewusst :
Jason Lanier : « Bewusstseinsmaschinen »

Chris Anderson, Chefredakteur von WIRED :

« in der ungeheure Menge von Daten und angewandte Mathematik können sie jedes
andere Werkzeug menschlicher Hypothesenbildung ersetzen.

Das bedeutet das Ende der Soziologie und Linguistik und jeder Théorie des
menschlichen Verhaltens. Taxonomi, Ontologie und Psychologie sind von den
angewandten MAthematik und der Algorithmenmacht überholt.

Wer weiss schon, warum Menschen Dinge tun? Auch Freud hatte darauf nur
spekulative Antworten.

Der Punkt ist nur, dass sie sie tun und dass wir sie erfassen und messen können –
mit einer nie da gewesenen Akkuratesse und Unwiderlegbarkeit

Bloc
notes
:
Quelle
SZ
05.06.2010
:

Der
Mensch
als
Ware.
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Ist die Datenmenge nur gross genug, dann sprechen die Zahlen für sich selber.

Statistiker George Box hat Ende des 20.Jahrhundert erklärt :


« Alle unsere Modelle sind falsch, aber einige davon sind ganz nützlich. »

Google (Peter Norvik, Direktor der Forschungsabteilung) hat diese Maxime schon
umformuliert :

• « Alle unsere Modelle sind falsch, aber wir haben sowieso immer mehr
Erfolg damit, ganz ohne sie auszukommen.

• Im digitalen Wissensmanagement werden Korrelationen hergestellt, aber


keine Kausalzusammenhänge.

• Es werden lediglich Muster verfeinert, aber keine Bedeutungen


ermessen. »

Beispiel :

Computer wissen dass ein Mann von 50 Jahren, der


• Mit Rauchen aufhören will,
• Niemals Jeans einer bestimmten Marke und boxershorts trägt,
• Immer noch BobDylan und Bowie hört,
• selten zum Frisör geht,
• Alte Autos fährt,
• Computer liebt und Fahrräder ohne Gangschaltung,
• Häufig friert und sowieso Fussballfan ist und gerne Tatort anschaut….

Aber was lässt sich daraus ableiteten, progostizieren, verallgemeinern ?


Welche Zielgruppe entsteht daraus – und wie kann es markt- und machtwertig
gemacht werden ?

für den Verkauf von Haarshampoos, Vermarktung von IT-Produkten, PR-


Wahlkampagnen ?

Das Paradox der Google-Facebook Welt besagt zwar, dass nicht ich für sie
bedeutend bin oder irgendein anderes Ich bedeutend wÄre, obwohl sie alles von
uns erfahren wollen.

Bedeutend ist immer nur die « ganze Welt », die grosse Zahl der Ichs, von denen
sie alles wissen müssen, damit ihre Rechner Muster erkenen können. Und Profile
von uns erstellen, die nicht einmal wir selber kennen

Diesseits dieser Welt aber muss ich die Bedeutung, meine Bedeutung behaupten
und verteidigen.Andernfqlls wid das Ich zur bewusstlosen Ware.

Fazit


Jede einzelne Information über einen Menschen ist vermarktbar, damit die
Computer uns wirlich kennenlernen, brauchen sie deswegen so viele wie möglich.
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Unsere Identitätsbestandteile und die Elementarpartikel unseres Daseins bilden den
Stoff , mit denen die Algorithmen arbeiten.

Bleibt die Problematik zwischen freiweilliger und erzwungener Datenabgabe des


ICHs, zwischen selbstverschuldeter Überwachung (ich streue meine Daten ins
Internet) und unverschuldeter Überwachung aufgrund meiner Identität und meines
Daseins ( Kameras, Kontrollsysteme, Vorratsdatenspeicherung).







Bloc
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Quelle
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05.06.2010
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