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2001,

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IV

SLAVICA

MYTHOLOGICA

STUDIA

Gab es bei den Südslawen Widerstand gegen die Christianisierung?

Andrej Pleterski

There are different reasons for the fact that there had been no serious effort to withstand the Christianization of southern Slavs. One of them was the fact that in the period of their meeting both ideological systems were relatively compatible, and a division of interest was still possible. Both Christianity and paganism relatively quickly found a way to co-exist among southern Slavs, and have remained intertwined to this day.

Die Frage ist im Hinblick auf den grossen Aufstand der Elbslawen im Jahre 983 be- rechtigt. Dennoch ist mir ein echter heidnischer Widerstand der Südslawen gegen das Chri- stentum nicht bekannt. Aus der Geschichte des Ostalpenraumes kennen wir zwar zwei Beispiele, die zu dieser Kategorie gehören könnten, in beiden Fällen ist jedoch auch eine andere Interpretation möglich. Beim ersten Beispiel geht es um drei Aufstände in Karantanien zwischen 763 und 772, die der anonyme Autor der »Conversio Carantanorum et Bagoariorum« (Lošek 1997,

106 ff) als »carmula« bezeichnete. In diesem Zusammenhang wurde berichtet, dass einige

Jahre keine Priester im Land anwesend waren (et orta seditione aliquot annis nullus presbyter

ibi erat). Ist diese kurze Nachricht tatsächlich als Nachweis eines heidnischen Aufstands zu verstehen? Da damals in Karantanien die Christianisierung immer noch im Gang war, waren die Priester dort nicht ständig anwesend. Sie kamen jährlich aus Salzburg. Auch heu- te meiden Menschen Bürgerkriegsgebiete. Die Bereitschaft, unschuldig als Märtyrer zu sterben, dürfte auch zu jener Zeit bei einem normalen Geistlichen nicht besonders hoch gewesen sein. Üblicherweise wird der Brief eines »Clemens peregrinus«, in dem er den bajuwari- schen Fürsten Tassilo und seine Untertanen zum Kampf gegen ein heidnisches Volk anfeu- ern wollte, mit diesen Ereignissen in Verbindung gebracht (Bischoff 1973, 19 ff; Kos 1902,

279 f). Ob mit dem heidnischen Volk tatsächlich die Karantanen gemeint waren, geht dar-

aus nicht hervor. Nach Clemens handelte es sich um die pagani atque gentiles, die adorant idula. Der Brief ist sehr phrasenreich und kann auch als eine politische Beschuldigung ge- wertet. Politische Kämpfe um Macht werden immer wieder hinter ideologischen Vorhän- gen verschleiert. Ähnlich verhält es sich mit dem Leiter der damaligen Salzburger Mission im Ostal- penraum, Chorbischoff Modestus, über dessen Todesart die erwähnte Conversio nichts überliefert. Hans-Dietrich Kahl vermutet, dass Modestus zwischen 763 und 772 in St.And- rä/Štandraž im Lavanttal/Labotska dolina (Kärnten, Österreich) einer heidnischen Reak- tion zum Opfer fiel, und zwar. Dort wurden jedenfalls 1223 die Gebeine eines gleichnamigen »Märtyrers« erhoben (Kahl 1993, 73). Dass der St. Andrä-Modestus mit

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dem Conversio-Modestus identisch ist, kann nicht mit Bestimmtheit gesagt werden, noch wissen wir, ob er wirklich als Märtyrer starb. Er könnte auch nur zwischen zwei kämpfende Seiten geraten und dabei zu Tode gekommen sein. Daher ist eine spätere politische Rein- terpretation seines Ablebens in Betracht zu ziehen. Wir müssen davon ausgehen, dass die Beobachter, die damals Geschichte schrieben, christliche Priester waren und die Ereignisse aus ihrer Sicht als religiösen Konflikt interpretierten. In diesem Zweifel ist für mich das sehr seltene Wort carmula von entscheidender Be- deutung, das in der bajuwarischen Lex den Aufstand gegen den Fürsten bedeutet – Si quis seditionem excitaverit contra ducem suum, quod Bauuarii carmulum dicunt (vergl.: Punt- schart 1931, 9). Aus der sprachlichen Analyse der altslawischen Rechtsterminologie, die Radoslav Katičić durchgefürt hat, geht hervor, dass die Slawen zu jener Zeit kein Wort für den Aufstand gegen einen Fürsten kannten. Die höchste Suverenität lag nämlich bei der Volksversammlung veča und nicht beim Fürsten. Im Falle eines Konfliktes war eigentlich der Fürst derjenige, der die Macht usurpierte. Die veča bestand lediglich auf ihren alten Rechten, und das kann man schwerlich als Aufstand bezeichnen (vergl.: Katičić 1993, 178 ff). Das erklärt, warum der Autor der Conversio die Bezeichnung seditio als nicht besonders zutreffend empfand und versuchte, dem Sachverhalt mit dem alternativen Wort carmula näher zu kommen. Für den Aufstieg eines Fürstes, der seine Herrschaft auf einem Territo- rium behaupten wollte, war die frühmittelalterliche, christliche Ideologie mit der Lehre von der Gottgewolltheit der sozialen Gliederung in bellatores, oratores et laboratores sei (Duby 1985) von großem Nutzen. Praktisch bedeutete dies, dass die Herrschaftsmacht von Gott stammt und nicht von einer Volksversammlung herrührt. Im Ostalpenraum war das friedliche Zusammenleben von Heiden und Christen da- mals durchaus möglich, wie das Beispiel des Gräberfeldes Micheldorf-Mitterdorf (Ober- österreich) zeigt (Abb. 2). Daher glaube ich eher, dass es sich bei den erwähnten Konflikten nicht um grundsätzlich heidnisch-christliche Auseinandersetzungen handelte, obwohl die christliche Ideologie das Macht des Herrschers unterstützte. Ich meine, die An- hänger des alten Stammesreschts hatten im Prinzip nichts gegen das Christentum als Reli- gion einzuwenden. Sie opponierten nur gegen seine konkrete Anwendung, weil sie in erster Linie gegen die Vergrößerung der Fürstenmacht kämpften. Mit anderen Worten, die Aus- einandersetzungen waren hauptsächlich ein politischer Streit und nur indirekt ein religiö- ser.

Das zweite Beispiel führt uns zu den impii Sclavi, die 820 die salzburgische Maximi- lianszelle im heutigen Bischofshofen (Salzburg, Österreich) zerstörten (Bischoff 1973, 28). Ein Zusammenhang mit dem großen Ljudevit-Aufstand scheint gegenwärtig außer Zweifel zu stehen. Hans-Dietrich Kahl meint jedoch, dass der Ausdruck impii auf Getaufte hinwei- sen könnte, die mit dem Angriff auf eine geistliche Institution gegen ihr Taufgelübde frevel- ten (Kahl 1998, 220, Fussnote 140). Obwohl ich vor Jahren hier eine interessante Parallele zum großen Slawenaufstand des Jahres 983 vermutete, sehe ich heute die Sache anders. Ljudevit suchte überall Verbündete und erhielt sogar vom Patriarch in Grado/Gradež Un- terstützung (Kos 1906, 60 f; Ann. reg. Franc. ad a. 821). Die Religion war hier sicher nicht die Ursache des Aufstandes. Dafür gab Constantinus Porphyrogenetus die Grausamkeit der Franken an, die sogar Kinder den Hunden vorgeworfen haben sollen (Kos 1906, 67 f; De admin. imp. c. 30). Auch Ljudevit hatte sich schon 818 über die Grausamkeit Kado- lachs beschwert (Kos 1906, 52; Ann. reg. Franc. ad a. 818). Das spricht dafür, dass es sich grundsätzlich um einen Aufstand gegen die Franken handelte und die Religionsfragen da-

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bei ganz unbedeutend waren. Dass Christen im Krieg auch Kirchen zerstörten, zeigen un- zählige Beispielen aus Vergangenheit und Gegenwart. In einem Krieg ging es eigentlich auch um Beute und die beste Gelegenheit dazu bot sich in den Gotteshäusern. Und wenn es um Geld geht, kennen die Menschen keinen Gott mehr. So stehe ich nun vor der Aufgabe zu erklären, warum die Südslawen verhältnismässig reibungslos das Christentum übernahmen. Im Folgenden werde ich versuchen, einige Gründe dafür darzulegen. Obwohl die Südslawen nur ein geographischer Begriff sind und keinesfalls eine historische Einheit bilden, haben sie im Hinblick auf ihr Verhältnis zum Christen- und Heidentum einige Gemeinsamkeiten. Südslawen leben südlich der Donau. Diese Gebiete waren schon vor ihrer Ankunft im Verlauf der Spätantike christianisiert wor- den. Das stellt eine Gegebenheit dar, die andere Slawen bei ihrer Ansiedlung nicht vorfan- den. Abgesehen von der hohen Theologie, die die einfachen Leute weder kannten noch verstanden, müssen wir uns die Frage nach der praktischen Ausübung des Christentums in jener frühen Zeit stellen. Vorerst ist zu beachten, dass sogar im 6. Jahrhundert noch beträchtliche Gruppen von Heiden existierten. So rügte z. B. der berühmte Papst Gregor der Große 594 sogar den sardinischen Metropolit Januarius, weil er Heiden auf den Besitzungen seiner Kirche dul- dete und nichts zu ihrer Bekehrung unternahm (Lukman 1980, 190; Liber IV, Epistola 26). In das 5. oder 6. Jahrhundert können wir ein kleines heidnisches Kultobjekt in Tinje (Ost- slowenien) datieren (vergl.: Ciglenečki 2000, 39 ff und 149 f). Andererseits hatte sich das Christentum bis dahin entsprechend paganisiert. Fast al- les Äusserliche, aber auch viel Innhaltliches, das wir heute als christlich begreifen, ist heid- nischen Ursprungs: Musik, Singen, Kerzen, Glocken, Prozessionen, Reliquien, Festtage, Heilige, Heiligenverehrung, Bilder, Skulpturen, Kultorte, Engel usw. (Macmullen 1997, 103 ff). Besonders die Entstehung der Heiligenverehrung war für die Annehmbarkeit des Chri- stentums von höchster Bedeutung. Aus theologischer Sicht stehen die christlichen Heiligen im Rang weit unter der Dreifaltigkeit; sie können nicht selbst helfen, sondern nur Fürbitte leisten. In der Praxis jedoch verehrten die Menschen die Heiligen in der Nachfolge ihrer alten Götter, glaubten an deren Macht und Leistungen und brachten ihnen Opfer dar. Heid- nische Götter haben also in den christlichen Heiligen weitergelebt. Sie mussten nur die neu- en Namen tragen. Aber was war ein zusätzlicher Name für eine Gottheit, die ohnehin unter zahlreichen Bezeichnungen verehrt wurde? Er bot nur noch eine zusätzliche Möglichkeit, sie anzurufen. Das war der Preis, den das Christentum bezahlen musste, um allgemeine Verbreitung zu erlangen. Der Heilige Augustinus fühlte sich dabei etwas unangenehm, mus- ste aber feststehlen, dass nach dem Ende der Christenverfolgungen Massen von Heiden christlich werden wollten, die aber gewohnt waren die Festtage der alten Gottheiten zu fei- ern. Die damalige christliche Priesterschaft dachte daher, es wäre gut, den Massen zum Tausch das Feiern der Festtage der heiligen Märtyrer anzubieten (Macmullen 1997, 114 f; Patrologiae cursus completus, series Latina, 32.1342, De moribus eccl. cath. 1.34.75 – Zitat nach Macmullen). Für einen Heiden, der Christ werden wollte, bedeutete das in der Praxis, dass er nur noch die Heilige Dreifaltigkeit in seines persönliches Pantheon aufnehmen musste. Das aber stellte für die Menschen, die an den Wettbewerb der Gottheiten gewohnt waren, kein Problem dar. Dem Synkretismus stellten sich daher kaum religiöse Hindernisse in den Weg. Was wirkliche Schwierigkeiten bei der Christianisierung verursachte, waren die Ab- gaben, die der christliche Klerus im Namen seines Gottes verlangte. Denn hier gab es sehr

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wenig Gnade, wie das sogenannte Sendrecht der Main- und Rednitzwenden zeigt. Die Kir- che bestand auf ihrem Zehent (Dove 1864, 160 ss). Aber wer sich taufen ließ und die Ab- gabe leistete, konnte praktisch glauben und verehren, was er wollte. Daher darf uns die spätantike hundsköpfige Darstellung des Christopherus auf einer Tonikone aus Viničko kale in Ostmazedonien nicht überraschen. Auch der hl. Georg und der hl. Theodor als Drachentöter, der hl. Daniel zwischen Löwen, der hl. Michael mit Flügeln waren dort alte Darstellungen ( 1988), die sich das Christentum schon eingeeignet hatte. Die christliche Kirche hatte sich bis zum Ende des 6. Jahrhunderts schon so sehr den weltlichen Strukturen angepasst, dass sie selbst einen Staat im Staate bildete. Das brachte ihr einerseits Macht und Geld, bedeutete andererseits aber auch eine hohe Stufe der Institutionalisierung. Beim Zerfall der staatlichen, politischen und wirtschaftlichen Struk- turen wurde die institutionalisierte Kirche schutzlos und konnte in vielen Bereichen ihre Aufgaben nicht mehr erfüllen. Slawische und awarische Einfälle in den Ostalpenraum und auf die Balkanhalbinsel haben solche strukturelle Veränderungen verursacht. Hier ist das Küstenland vom Binnenraum getrennt zu betrachten. In den Küstenstädten, in denen der byzantinische Staat seine politische Oberhoheit aufrecht erhalten konnte, lebten die kirch- lichen Strukturen ungebrochen weiter. Das ermöglichte z. B. in Poreč (Istrien, Kroatien)

Das ermöglichte z. B. in Poreč (Istrien, Kroatien) A bb. 1. Gorenji Mokronog. Gräber und Pfostenlöcher

Abb. 1. Gorenji Mokronog. Gräber und Pfostenlöcher einer Gebäude.

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die Bewahrung eines kompletten Bischofpalastes des 6. Jahrhunderts bis in unsere Tage (Matejčić 1995). Ganz anders gestaltete sich die Situation im Binnenland, wo die alten staatlichen Strukturen weitgehend vernichtet wurden. Ab und zu kann man einige hohe Kircheninstitutionen bis in die zweite Hälfte des 7. Jahrhunderts verfolgen. Darauf weist das Beispiel des Bischofs Andreas im Bistum Celeia (Celje, Ostslowenien) hin, der noch 680 unter der politischen Oberhoheit der Slawen wirkte, wie auch die Existenz des Bistums in Stobi (Mazedonien) 692 und eines weiteren in Serdica (Bulgarien) vermeintlich sogar noch im Jahre 809 (Bratož 1996, 211 ff). Aber diese instituzionalisierte Form von Restchri- stentum konnte sich nicht halten. Die christliche Seelsorge wurde selbstausgebildeten, nicht kanonisch geweihten »Priestern« überlassen. Die Akten der Synode »ad ripas Danu- bii« aus dem Jahre 796 sprechen über clerici inlitterati, die nach den Awarenkriegen in der Awaria angetroffen wurden (Bratož 1999, 99). Ein archäologischer Beleg dieser Situation könnte ein merkwürdiges Gebäude am Rande des Gräberfeldes der alteingesessenen Rest- bevölkerung in Gorenji Mokronog (Südostslowenien) aus dem 7. Jahrhundert sein. Dabei handelt sich um Pfostenlöcher, die eine kleine planierte Fläche auf dem höchsten Punkt der Fundstelle umgeben (Abb. 1). Die Volksüberlieferung kennt dort eine hölzerne Kirche der ersten Christen (Bavec 1999). Falls die »Gebäude« und Gräber zeitgleich wären, hätten wir es hier mit einer Art »Pseudokirche« zu tun. Die Leute scheinen offensichtlich mit den geringen, ihnen zur Verfügung stehenden Kenntnissen und Mitteln versucht zu haben, ei- nen Kirchenfriedhof nachzuahmen. Ein derartiges Christentum konnte von der institutionellen Kirche im besten Fall nur als Häresie verstanden werden. Aber theologische Aspekte berücksichtige ich hier absicht- lich nicht, weil ich glaube, dass diese Leute sich als Christen empfanden. Zudem war dieses Christentum eine ausreichend unauffälige Form, die gut innerhalb einer heidnischen Um- gebung überleben konnte. Unter diesem Aspekt ist auch die Verehrung des Nonnosus, ei- nes Ortsheiligen in Molzbichl (Kärnten, Österreich) vom 6. bis in die zweite Hälfte des 8. Jahrhunderts zu sehen, die dort zur ersten Klostergründung bei den Slawen führte (vergl.:

Karpf 1989; Glaser 1989, 117 f; Pleterski 1996). Interessante Verflechtungen zeigt das Gräberfeld Micheldorf-Mitterdorf (Ober- österreich) aus dem 8. bis in den Anfang des 9. Jahrhunderts (vergl.: Tovornik 1985). Der Plan zeigt mehrere Gräbergruppen in jeweils zweierlei Ausrichtungen: West – Ost und Nord-Nordwest – Süd-Südost (Abb. 2). Die ungewöhnliche zweite Orientierung erklärt uns der Umstand, dass wir damit eine Linie bekommen, die diese Gräber mit der frühchristli- chen Kirche auf dem benachbarten Georgenberg verbindet. Damit erweisen sich die auf diese Weise Bestatteten als Christen, die West-Ost Bestatteten hingegen als Heiden. Ein ge- meinsames Gräberfeld spricht für ein friedliches Nebeneinander von beiden. Die Absorptionsfähigkeiten des slawischen Heidentums zeigen auch einige Steins- kulpturen antiken Ursprungs. So könnten wir ein römisches Grabdenkmal aus Ptuj (Nord- ostslowenien) mit jenem lapis Triglaw identifizieren, der 1322 erwähnt wurde (Blaznik 1988, 436). Der dreiköpfige obere Teil (Abb. 3) entspricht dem Namen. Neben dem Stein entstand schon im 10. Jahrhundert die St. Georgs-Kirche (vergl.: Tomanič-Jevremov 1998). Weiters wurde die römische Darstellung des Silvanus mit dem Stab in der Hand aus Plomin (Istrien, Kroatien) in die dortige St. Georgs-Kirche eingemauert und bekam im 11. Jh. eine glagolitische Inschrift (Fučić 1997, 264) mit dem Buchstaben G (Nartnik 1989, 198) – sehr glaublich für Georg. Ähnliches passierte dem römischen Grabdenkmal mit den Figu- ren der Thetis und des Achilles aus Rogatec (Ostslowenien), wo später Thetis in eine Dar-

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bei den Südslawen Widerstand gegen die Christianisierung? Abb. 2. Micheldorf-Mitterdorf. Gräber. stellung der

Abb. 2. Micheldorf-Mitterdorf. Gräber.

stellung der Muttergottes umgestaltet wurde (vergl.: Modrijan, Weber 1979/1981, 47 f). Die Christianisierung dieser zwei Römersteine wäre ohne eine heidnische Zwischenstufe un- verständlich. Auch bei den Südslawen verlief die offizielle Bekehrung von oben nach unten, zuerst bekehrte sich die Oberschicht und dann folgten die Massen. Das bedeutet, dass die Slawen erst sozial und politisch ausreichend entwickelt werden mussten, um das Bedürfnis nach Christentum zu spüren. Die alte heidnische Religion erklärte die Natur und ermöglichte

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das Überleben der Menschen als deren Bestandteil. Sie befaßte sich jedoch nicht mit ge- sellschaftlichen Verhältnissen. Die christliche Ideologie war dagegen in der Lage, schon klar ersichtliche soziale Unterschiede aufzuzeigen und darzustellen. Aus diesem Grunde wurde sie auch für die untere Schicht der laboratores annehmbar. Eine weitere Erleich- terung für die Verbreitung des neuen-alten christlichen Glaubens im Ostalpenraum und Pannonien stellte die Entscheidung der Synode »ad ripas Danubii« für die Bekehrung ohne physischen Zwang dar, bei der wohl auch das schlechte Vorbild der Christianisierung der Sachsen eine Rolle spielte. Auch die Empfehlung Alkuins, einen geringeren Kirchenzehent zu verlangen, wurde verwirklicht. Daher existierte ein besonderer Slawenzehent bis in die zweite Hälfte des 11. Jahrhunderts (Bratož 1999, besonders 96 und 107).

des 11. Jahrhunderts (Bratož 1999, besonders 96 und 107). A bb. 3. Ptuj. S.g. Orpheus-Denkmal. (Photo:

Abb. 3. Ptuj. S.g. Orpheus-Denkmal. (Photo: Slavko Ciglenečki)

3. Ptuj. S.g. Orpheus-Denkmal. (Photo: Slavko Ciglenečki) Abb. 4. Svete gore. S.g. Georgsplatte. 28-33 X 40-44

Abb. 4. Svete gore. S.g. Georgsplatte. 28-33 X 40-44 cm. (Photo: ZRC SAZU)

Wie fliessend die Bekehrung verlief, zeigt auch die Weiterverwendung der Götzen- figuren. Einige mit römischen Wurzeln habe ich schon erwähnt. Hier möchte ich noch zwei Stücke frühmittelalterlichen Ursprungs nennen. Es handelt sich um die s.g. Jurijeva plošča (=Georgsplatte) aus der Wand der Georgskirche auf Svete gore (=Heilige Berge) in Ostslo- wenien (Abb. 4). Dargestellt ist der Herrscher des Mondes mit dem Stab (vergl.: Nartnik 1988, 59 f) und einem gelähmten Fuss, was ihn als Veles ausweisen. Als er später in die Wand der vorromanischen Kirche (vergl.: Korošec 1979-1971) eingemauert wurde, muss er aber als Hl. Georg verstanden worden sein. Die neueste Entdeckung eines Reliefs aus St.Martin am Silberberg (Kärnten, Österreich) zeigt einen Gott mit mindestens drei Ge- sichtern (Abb. 5). Auf der Rückseite wurde später ein Kreutz eingehauen (Glaser 1996). Die Figur ist offensichtlich zur Hl. Dreifaltigkeit geworden. Es war sehr schwierig, den Menschen drei Personen in einem zu zeigen. Die slawischen Übersetzer benutzten für das

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den Südslawen Widerstand gegen die Christianisierung? 40 Abb. 5. St. Martin am Silberberg. Links: Ansicht von

Abb. 5. St. Martin am Silberberg. Links: Ansicht von vorne, rechts: Ansicht von hinten. 21 X 32 cm. (Photos: LM Kärnten)

Wort persona verschiedene Begriffe, unter anderen auch lice und obraz, während die alt- hochdeutsche Übersetzung dafür namo verwendete (Wiehl 1974, 50 ff). Lice bedeutet das Gesicht, die Wange, die Person (vergl.: Snoj 1982, 139 f), obraz das Gesicht, die Person, die Statue (Bezlaj 1982, 236). Das Gesicht, die Wange, die Person, die Statue, drei in ei- nem, alles das verkörpert das Relief aus St.Martin. Damit steht es im idealen Einklang mit den abstrakten Vorstellungen der alten Slawen. Das zeigt, dass es gelegentlich zu verschiedenen Formen und Stufen des Synkre- tismus kam. Eine Erzählung aus dem 12. Jahrhundert spricht von einer den Dämonen ge- widmete Kirche – ecclesia demonibus addicta in Millstatt (Kärnten, Österreich), deren Götzen der unkanonische Heilige Domician ins Wasser warf und damit die Kirche reinigte. Nach der Entdeckung einer Grabinschrift, sehr glaubhaft aus dem 9. Jahrhundert, erweist sich Domician als historische Person; nämlich als örtlicher Machthaber, bzw. slawischer Neutäufling (Kahl 1999). Bei der erwähnten ecclesia könnte es sich möglicherweise einfach nur um ein steinernes Gebäude gehandelt haben. Die Durchdringung des Lebens mit dem Christentum war auch von der wirtschaft- lichen Umwelt abhängig. Das Heidentum war die Religion einer direkt von der Natur ab- hängigen Gesellschaft. In den Städten fehlten ihm die Abwehrkräfte, weil es auf nichtagrare Strukturen weniger anwendbar war. Ganz anders verhielt es sich auf dem Land, wo schon der hohe Stand wirtschaftlicher Autarkie den alten Strukturen half. Aber auch umgekehrt. Die landwirtschaftliche Produktion mit ihren strengdefinierten Tätigkeiten und genau bestimmten Zeitpunkten war am engsten mit den alten religiösen Sitten und

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Gebräuchen verbunden, die es zu beachten galt, um eine gute Ernte, viel Vieh und eine ge- sunde Familie zu haben ( 1995, 95). Das alles konnten die Leute, ohne ihre Exi- stenz zu bedrohen, nicht so einfach aufgeben. Und das wussten auch die christlichen Priester und verhinderten daher nur die grössten Exzesse des alten Glaubens. Sehr lehrreich ist eine wenig bekannte Geschichte aus dem Leben des hl. Georg Ha- giorit. Er wirkte im 11. Jahrhundert. Sein Kloster besass auf dem Nordteil der Halbinsel Chalkidike (Nordgriechenland) auch das slawisches Dorf Livadija, in dem die Leute eine römische Skulptur als ihre Göttin verehrten. Der Heilige zerstörte mit eigenen Händen die Statue, wofür ihn der Erzähler als mutigen Kämpfer bewunderte ( 1960, 558). Diese Geschichte beweisst, dass sogar im heiligsten Lande des orthodoxen Christentums ein heidnisches Dorf noch im 11. Jahrhundert nichts besonderes war. Für die Erkenntnis des innerkirchlichen Heidentums ist jedoch die Hervorhebung des Mutes des Heiligen wichtiger. Er wurde nämlich von den Dorfbewohnern überhaupt nicht bedroht, sondern fürchtete der Erzähler viel mehr wegen der Strafe der heidnischen Göttin für diesen Frevel um sein Leben. Diese Gefahr schien nicht nur den Beobachter glaubhaft, sondern vielleicht sogar dem Hl. Georg Hagiorit selbst. Mit anderen Worten, sogar jene, die den alten Glau- ben bekämpfen sollten, glaubten an die Kräfte der Götzen. Es ist nicht verwunderlich, dass ein solcher Boden gute Nahrung für verschiedene Häresien bot, wie etwa die der Bogomilen oder Manichäer. Die sozialen Veränderungen konnten sich dann im Rahmen des Christentums auf verschiedene ideologische Grund- lagen stützen und brauchten dafür den alten Glauben nicht mehr. Der verblieb im täglichen Dorfleben und wurde nie ausgerottet. Noch 1607 beschwerte sich der Ljubljaner Bischoff Hren über die Verehrung der alten Götter Krains (Slowenien), Lada, Plejn und Poberin (Mal 1940, 3), durch seine Gläubigen. In Mazedonien schlachtet man noch heute am Süd- hang des Berges Peren (=Perun) jedes Jahr am Ilinden (2. August, Nationalfesttag) beim heiligen Brunnen einen schwarzen Widder ( 1994, 428 ff). Und die Faschings- maske Kurent, die am Ende des Winters künftige Fruchtbarkeit verspricht, ist mittlerweile fast ein slowenisches Nationalsymbol. Wenn man am Ende dieses Beitrags die Titelfrage negativ beantworten muss, so des- halb, weil Heidentum und Christentum eine Koeksistenz gefunden haben, die heute nicht mehr klar erkennen läßt, was christlich und was heidnisch ist.

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Andrej Pleterski

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* Ich bedanke mich Herrn A.o.Univ.Prof. Dr. Franz Glaser für die Photos vom Silberberger Relief und Frau Dr. Therese Meyer für die sprachlichen Verbesserungen.

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Gab es bei den Südslawen Widerstand gegen die Christianisierung?

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Ali je prišlo pri južnih Slovanih do uporov proti pokristjanjevanju?

Andrej Pleterski

V zgodovini vzhodnoalpskih Slovanov sta dva dogodka, ki bi ju bilo morda mogoče razumeti za poganski odpor pokristjanjevanju. Prvi so nemiri v času od 763 do 772 v Karanta- niji, ko po besedah stoletje mlajšega opisa v deželi nekaj let ni bilo nobenih duhovnikov. Gre za potujoče misijonarje, ki si očitno niso upali v neurejene razmere. Ali se prav na te dogodke in kraje navezuje pismo nekega Clemensa, ki spodbuja bajuvarskega kneza Tasila k boju s pogani, lahko zgolj ugibamo. Enako je z domnevno mučeniško smrtjo pokrajinskega škofa Modesta. Kako in kje je umrl, njemu sodobni viri ne poročajo. Ali je istoveten z relikvijami »mučenca« Modesta, ki so jih odkrili 1223 v Štandražu v Labotski dolini, ne vemo. V tej negotovosti je po- memben izraz »carmula«, ki ga je uporabil pisec za opis vrste nemirov. Gre za upor proti knezu, za odpor plemenske demokracije proti naraščajoči vladarski moči kneza, ki jo je najverjetneje krepil tudi s pomočjo krščanske ideologije in njenega nauka, da mu je bila oblast dana naravnost od Boga. Hkrati grobišče Micheldorf-Mitterdorf (slika 2) kaže, da so v 8. st. kristjani in pogani v vzhodnih Alpah mirno živeli skupno in bili tako tudi pokopani, prvi usmerjeno proti bližnji cerkvi, drugi proti vzhodu. Tudi ta okolnost nakazuje sklep, da obravnavanim dogodkom niso bile vzrok religiozne, ampak predvsem družbeno-politične spremembe in da so ljudje kvečjemu nasprotovali načinu zlorabe krščanstva, ne pa tej veri kot taki. Drugi dogodek je požig samostana v Bischofshofnu leta 820, ki so ga zagrešili impii Sclavi. Časovno in prostorsko dejanje sovpada z uporom pod vodstvom Ljudevita Posav- skega, ki je imel izrazito socialno in politično ozadje. Dodatno Hans-Dietrich Kahl opo- zarja, da izraz impii pomeni že krščene, ki pa so se pregrešili proti krstni zaobljubi. Vzrok za požig je bil torej najverjetneje plen, ne pa borba proti krščanstvu. S tem se pokaže, da resnega poganskega odpora pokristjanjevanju pri južnih Slovanih ni bilo. Vzroki za to so različni. Po eni strani je bilo krščanstvo dotlej že močno poganizirano, ko je, da bi postalo množična religija, prevzelo poganstvu večino oblik verskega življenja in predstav: od procesij do angelov in relikvij. S tem je omogočilo poganu, da je še naprej častil svoje stare bogove, zanje je moral uporabljati še eno novo ime. Postali so svetniki. Nadalje je krščanska hierarhija na ozemlju, ki so ga naselili južno od Donave Slovani, razpadla. Kristjani so obstajali naprej, toda z lesenimi kolibami namesto cerkva (slika 1) in nepismenimi duhovniki. S tem so bili na organizacijski ravni verskega življenja zelo izenačeni s Slovani. Vpojno moč slovanskega poganstva dokazujejo tudi antični spomeniki, ki so jim Slo- vani dali nov religiozni pomen, kot npr. reliefom na Ptuju (slika 3), v Plominu in Rogatcu. Ko je postala slovanska družba notranje dovolj razslojena, si je za premagovanje notranjih nasprotij pomagala s krščansko vero. Poganstvo kot naravna religija pa se je vseskozi ob- držalo na podeželju, saj je s svojimi obredi zagotavljalo uspešen pridelek. Zvezni prehod med poganstvom in krščanstvom kažejo skulpture, ki jih je mogoče razumeti tako s pogan- skega kot krščanskega vidika (sliki 4, 5). Ob vsem tem je treba upoštevati tudi precejšnjo vero v moč poganskih bogov, ki je bila prisotna celo med krščanskimi svečeniki in jo dokazuje zgodba o sv. Georgiju Hagioritu, ki je na Halkidiki tamkajšnjim Slovanom uničil češčeno boginjo, kljub kazni, ki bi mu jo lahko dodelila. Krščanstvo in poganstvo sta pri južnih Slovanih razmeroma hitro našla način sobi- vanja in njun preplet se je ohranil do danes.