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Die Entwicklung des Streichbogens und dessen Fertigung

© Christian Wanka Bogenmachermeister 2002

Einleitung
Die Herstellung eines Bogens für ein Streichinstrument hat sich in den vergangenen
Jahrhunderten zu einem speziellen Kunsthandwerk entwickelt.

Die beständige

Verbesserung und Weiterentwicklung, verursacht durch die zunehmende Virtuosität
des Streichinstrumentenspiels, ließen die Fertigung eines guten Bogens zur
Präzisionsarbeit reifen. Neben der entsprechenden Materialkenntnis wird deshalb
vom Erbauer eines Bogens auch das Verständnis der Aufgabe, die ein Bogen zu
erfüllen hat, verlangt. Als unverzichtbares „Werkzeug“ zur Tonerzeugung gibt er dem
Spieler die Möglichkeit, alle Klangreserven seines Instrumentes voll auszuschöpfen.
Mit dem Bogen werden vom Künstler eine Vielzahl verschiedener Stricharten
ausgeführt. Neben seiner Eigenschaft als Werkzeug des Musikers stellt der Bogen
aber auch ein wertbeständiges, kunsthandwerkliches Produkt dar, das sich dem
Kenner in verschiedenen Stil- und Geschmacksrichtungen zeigt. Im folgenden
möchte ich einen kurzen Abriss über die geschichtliche Entwicklung des Bogens von
der Frühzeit zu seiner aktuellen Form geben, sowie eine Beschreibung der
handwerklichen Fertigung eines Violinbogens, wie Sie in unsere Werkstatt
durchgeführt wird.

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Der Legende nach erfand ein König von Siam.Die Entwicklung des Streichbogens und dessen Fertigung © Christian Wanka Bogenmachermeister 2002 Entwicklung des Geigenbogens Es gibt keine Überlieferungen aus der griechischen und römischen Zeit die auf den Gebrauch von Bogen hindeuten. Wissenschaftlich erwiesen liegt der Ursprung des Bogens in der arabisch-byzantinischen Welt. Jh. Seite 2 . Als frühestes gestrichenes Saiteninstrument wird die Ravanastron aus dem Jahre 3000 v. Chr. erreichte der Bogen Europa. Die Ravanastron wird heute noch von buddhistischen Mönchen beim betteln um Almosen gespielt. n. Eine Menge von Informationen über frühe Instrumente und Bögen sind nicht gesichert. dass verschiedene Bogenarten im Mittelalter und in der Renaissance in Gebrauch waren. Chr. Harfe und Lyra. Chr. Einige Bilder weisen schon Kennzeichen auf. die einen Bogen verwenden. dessen konvexe Krümmung einen Halbkreis ähnelt. dieses Instrument. Belege hierfür finden sich auf Darstellungen aus dieser Zeit in Spanien . genannt Ravana. • stark konvex gekrümmte • weniger stark gekrümmte • unterschiedlich konvex gekrümmte mit geraden Griffende Man kann jedoch keine Bogenart einem bestimmten Instrumententyp zuschreiben. die auf die Erfindung des Frosches hindeuten. Deren einzige Saite wird über einen Kokosnusskorpus gespannt und mit Harz eingeschmierten Rosshaar gespielt. welches eine Apokalypse zeigt.. Im Mittelalter finden sich in der Hauptsache 3 Bogentypen. Hier sind ein paar Spieler von Saiteninstrumenten abgebildet. Ihre Instrumente. Im 11. wurden gezupft. Man kann aber davon ausgehen. da sie die Zeiten nicht überdauerten. Als erste gemalte Darstellung eines musikalischen Bogens existiert ein arabisches Manuskript aus dem Jahr 950 n. genannt.

legte Mersenne in seiner Abhandlung „Harmonie Universelle“ (1636) dar. Jh. Der Einsatz eines Schraubmechanismus setzte Erfindung einer Drehbank natürlich die voraus. Der Frosch ist in einer primitiven Form existent. Jh. leichten europäischen Holz gebaut stand er erst am Anfang seiner Evolution die ihn in den folgenden 150 Jahren grundlegend verändern sollte. Viola da Gamba Bratsche/Geige Bogen wird von unten gegriffen Instrument wird im Schoß gestützt Bogen wird von oben gegriffen Instrument wird auf Schulter gestützt Im 16. Die Kerben an der Oberseite der Stange machen es möglich.oder entspannt werden. Auf diese Weise können die Haare ge. findet sich ein Bogen mit Beinchen und Schraube. Der Bogen war um diese Zeit noch ziemlich unvollkommen. England. galt die Violine schon als völlig entwickelt. was sich auch auf die Spieltechnik auswirkte. Im 17. Zum Ende dieses Jahrhunderts. wobei ein gezahnter Mechanismus gemeint ist. Gegen Ende der Renaissance ist die Bogenstange geringfügig konvex. Eine klare Unterscheidung der Instrumente Viola da Gamba und der Geige/Bratsche hatte sich herausgebildet. Bertolotti bekannt als Gasparo da Saló in Brescia und Andrea Amati in Cremona fertigten die ersten Violinen in der heutigen Form. beweglich. den Frosch an seinem Platz zu verankern. sowie eine kostengünstige Produktion der Schrauben und Muttern. dass der Kopf des Bogens zugespitzt und der Frosch sehr hoch ist. Dies früheste datierbare Exemplar ist aus dem Jahre 1694 und befindet sich jetzt im Ashmolean Museum in Oxford. wurde der bis jetzt feste Frosch. Erst gegen Ende des 17. Jh. aus weichem.Die Entwicklung des Streichbogens und dessen Fertigung © Christian Wanka Bogenmachermeister 2002 Im Mittelalter und der Renaissance entwickelte sich der Bogen vergleichsweise langsamer als die Geige. Seite 3 .

dessen Erfindung auf den Markneukirchner Bogenmacher Christian Wilhelm Knopf (1767-1837) zurückgeht. Jh. so wird berichtet. etwas länger als der von Corelli und noch immer mit dem hechtförmigen Kopf. Da das Schraubgewinde bis an die äußerste Spitze der Schraube reichte nutzte sich die Bohrung schnell ab. Frankreich arbeitete. kam der italienische Geiger und Komponist Viotti nach Paris. Dieser behob auch später den Mangel am Schraubmechanismus. Um 1770 befürwortete der deutsche Geiger Wilhelm Cramer einen hohen. eckigen Kopf und einen Frosch mit hohlen Seite. die gefunden wurde von einem gewissen Duchaine der zwischen 1750 und 1760 in der Stadt Mirecourt. in der der hechtförmige Kopf erstmals erscheint. hat den Bogenmachern die Kannelierung der Stange und die Verwendung leichterer Hölzer als Eisen.und Schlangenholz vorgeschlagen. da er bis dato über keine Metallbahn verfügte leicht Beschädigungen ausgesetzt. Die Biegung wechselte von konvex zu konkav und der Froschring wurde erfunden. Der Geiger und Komponist Locatelli. Der Frosch verlor seinen festen Sitz und war. Es gibt unterschiedliche Varianten je nach Region. nähert sich die Violine Ihrer Perfektion. Seite 4 . Dies ist die Zeit von Corelli. wo er einige Jahre wirkte und ein Freund der Familie Tourte wurde. In den 80er Jahren des 18. Möglicherweise war ein Ergebnis der Experimente und der künstlerischen Zusammenarbeit. Es ist die goldenen Periode von Stradivari (1648-1737). So stammt die älteste signierte Bogenstange. Der Tartini-Bogen. An späteren Modellen findet sich am Frosch schon eine Gleitschiene aus Metall. dass der kannelierte Bogen mit dem Hechtkopf aufgegeben wurde. Das Ergebnis war ein zu kopflastiger Bogen der sog. Weiterhin verfügte dieser Bogen schon über den Schraubmechanismus. findet sich erst um 1740. Art der gespielten Musik und Auffassung des Musikers sowie des Erbauers. Knopf beseitigte das Übel indem er die Spitze der Schraube ungefähr 1 cm lang abfeilte und eine kleinere Bohrung im inneren der Bogenstange anbrachte. einige Jahre nach dem Tod von Stradivari. Auch am Ende des Barocks existiert noch keine Normung bezüglich der Dimensionen der Bögen. eine begradigt leicht konkave Stangenform sowie eine Kopfplatte.Die Entwicklung des Streichbogens und dessen Fertigung © Christian Wanka Bogenmachermeister 2002 Mit Beginn des 18. Cramer oder Übergansbogen. Über den Berufsstand des Bogenmachers finden sich erste Belege. Jh.

Südamerika von den Portugiesen kolonisierten wurde. So stand paradoxer Weise nicht das Land Pate für den Holznamen. mit der er den Bogen verbessert hatte. Im Folgenden wird die Fertigung eines Violinbogens nach einem Modell unsere Werkstatt beschrieben . das bis heute noch immer in Gebrauch ist. sonder genau gegenteiliges war der Fall. Im modernen Bogenbau kommt für die Stange hauptsächlich Fernambukholz zum Einsatz. von denen aber nur ein Bruchteil im Bogenbau Verwendung findet. Tourtes großer Verdienst liegt aber nicht nur in der Präzisionsarbeit. Mit seiner Geschicklichkeit und Intelligenz entwickelte er das Modell des Bogens.Die Entwicklung des Streichbogens und dessen Fertigung © Christian Wanka Bogenmachermeister 2002 Es war François Xavier Tourte (1750-1735) der sich generell für die Verwendung von Fernambuk entschied. sowie die von ihm neu eingeführte Biegung der Stange. Die erlesensten Exemplare dieser Spezies wachsen in der brasilianischen Provinz Pernambuco. Für die Region Nordostbrasiliens stellte es damals Seite 5 . da es als Farbholz sehr geschätzt war. Unter der botanischen Bezeichnung Caesalpina echinata. Jh. Die zur Bogenfertigung bevorzugte Art ist Guilandina Echinata. welche die besten Gebrauchseigenschaften mit sich bringen. fanden diese dort ein ähnliches Farbholz in so großen Mengen (Fernambuk). 125 Arten. Als im 16. Das Wort Brasil beschreibt die Farbe glühender Kohlen. Der Handel mit Fernambuk war nun einige hundert Jahre königliches Monopol. Seit dem Mittelalter dient es als Sammelnamen für jene roten Farbhölzer. dass sie den neuen Land dementsprechend den Namen Brasilien gaben. sondern in der Genialität ihm die Proportionen gegeben zu haben. die seit den Reisen Marco Polos in den südostasiatischen Raum immer wieder sporadisch nach Europa gelangten und in der Textilfärberei eingesetzt wurden. Als Sammelname für alle Arten dieser botanischen Familie hat sich der Begriff Brasilholz eingeführt. Er war gewiss der Stradivari des Bogenbaus. gibt es ca. Materialauswahl Die Fertigung beginnt mit der Materialauswahl. Weitere ausschlaggebende Komponenten sind die Gewichtsverteilung und der Schwerpunkt.

Brettern oder vorgesägter Stangen zu erwerben. experimentierte er dabei auch mit dem Holz brasilianischer Zuckerfässer. sein Material in Form von Bohlen. Wie sich geschichtlich überliefert hat. Ausschlaggebend dafür ist die jeweilige Betrachtung von Materialfehlern. Wegen der hervorragenden Kombination der spezifischen Eigenschaften. ideales Gewicht. Wichtig ist die Lagerzeit des Holzes. Bei der Wahl des Holzes ließ sich Tourte von der Überlegung leiten. Auf diese Weise gelangte er zu Fernambukholz. dessen Endverarbeitung frühestens 6-10 Jahre nach dem Fällen des Baumes erfolgen kann. Jh. oder Verwachsungen. als die ersten Geigen in heutiger Form Ende des 16. Dies ist wohl auch der Grund dafür. Als Bogenmacher hat man heute die Möglichkeit. dass sich die Köpfe gegenüber liegen. galt es bald als der ideale Werkstoff für den Bogenbau. Er hat deshalb alle ihm erreichbaren Holzarten auf ihre Qualität bezüglich Biegsamkeit und Spannkraft bei gleichzeitiger dauerhafter Formbeständigkeit untersucht und probeweise verarbeitet. in Brescia gebaut wurden. In jedem Fall Seite 6 . oder so. dass es schon eine Seltenheit war und es fortan mehr und mehr an wirtschaftlicher Bedeutung verlor. Je nach vorliegendem Brett ist es vorteilhafter die ein oder andere Methode anzuwenden. Fernambuk war demnach mit Sicherheit schon auf dem Europäischen Markt bekannt. dass ein zum virtuosen Spiel brauchbarer Bogen Federkraft besitzen muss. wie die Stangen aus dem Brett gesägt werden können. Jh. schon derart dezimierte waren. Entweder werden die Stangen nacheinander Kopf an Kopf geschnitten.Die Entwicklung des Streichbogens und dessen Fertigung © Christian Wanka Bogenmachermeister 2002 deren wichtigstes Exportprodukt dar. Wuchs. dass seine Bestände zum Zeitpunkt der Einführung von synthetischen Farben Mitte des 19. Einer der ersten Bogenmacher der Fernambukholz zum Bau seiner Bögen benutzte war François Xavier Tourte (1750-1835). gute und saubere Bearbeitbarkeit. Es gibt zwei Möglichkeiten. extreme Flexibilität und hohe Festigkeit.

Schwarze Ebenhölzer: • Afrikanisches Ebenholz Diospyros crassiflora (Tropisches Westafrika. Die Bogenstange wird konisch gearbeitet. die der späteren mechanischen Belastung durch den Roshaarbezug standhält. Bearbeitung der Stange Nach sorgfältiger Auswahl der Materialien wird mit dem Aushobeln der Stange begonnen. Danach werden die Kopfseiten mit dem Bogenmacherhobel winklig abgerichtet und die Kopfoberseite rundgehobelt. Ghana bis Gabun) • Cylon Ebenholz Diospyros ebenum (Sri Lanka. wobei für die Verjüngung hinter dem Kopf eine Raspel verwendet wird. Woodlark Islands) Die schönste und beste Qualität für diesen Zweck liefern Sorten von den Inseln Madagaskar und Mauritius. Bei der Auswahl der Holzsorten wird auf eine tiefschwarze Farbe und Porenfreiheit wertgelegt. seltene vorkommen auf Sri Lanka) • Madagaskar Ebenholz Diospyros perrieri (Madagaskar) • Papua Ebenholz Diospyros insularis (SÖ Papua Neuguinea. Nun wird die Kopfunterseite mit einer Raspel und Feile leicht gewölbt ausgearbeitet und ebenfalls mit einer Schablone auf Ihre Formgenauigkeit Seite 7 und . Anschließend wird mit einer Schablone der Kopfumriss aufgezeichnet und mit einer Bügelsäge grob ausgesägt. verwendet. Auch bezüglich der Biegsamkeit und Spannkraft ist der parallele Faserverlauf unbedingt einzuhalten. Für den Frosch und das Beinchen wird in der Regel Ebenholz Diospyros spp. Süd Indien) • Indisches Ebenholz Diospyros melanoxylon (Süd Indien.Die Entwicklung des Streichbogens und dessen Fertigung © Christian Wanka Bogenmachermeister 2002 muss der Sägeschnitt parallel zum Faserverlauf erfolgen um eine Stange zu erhalten. Mit dem nächsten Arbeitsgang beginnt die Bearbeitung des Kopfes.

wodurch es verformbar wird. Neben der gleichmäßigen Ausführung der Schweifung muss die Stange in Längsrichtung einen geradlinigen Verlauf zeigen. Zur Überprüfung der Biegung wird der Bogen mit einem Musterfrosch auf eine Ebene gestellt. Bis zur Abbindung des Leims wird nun mit der Bearbeitung des Frosches begonnen. Unter Druck erhält der Bogen so seine konkave Biegung.8 mm Violinbogen) abgesägt. Das Ergebnis wird mit einer Schablone überprüft. Mit einer Krätzerfeile werden die Fläche dann plangeschabt. wird die Elfenbeinplatte und Fiberunterlage am Kopf mit aufgeleimt. Die hintere Kopffläche wird mit einem Schnitzmesser und einer kleinen Feile nachgearbeitet. Im Anschluss wird die Stange auf Ihre entgültige Länge (72. Der Biegevorgang ist einer der elementarsten Arbeitsgänge und hat neben dem Hobeln und der Qualität des verwendeten Materials den größten Einfluss auf die spieltechnischen Eigenschaften des fertigen Bogens. vom Stangenende gemessen bei einem Violinbogen. sollte die Durchbiegung die Ebene leicht berühren. Im nächsten Schritt wird das vorher zurechtgeschnittene Silber. welche ausgehend vom Kopf Ihre stärkste Ausprägung hat und zum Stangenend hin abnimmt. Durch stellenweises erhitzen der Bogenstange wird die Stützstruktur des Holzes „aufgeweicht“. wird noch der Stangenhals ausgefeilt. Zwischenzeitlich bearbeitet man den vorher zugeschnittene Zwickel mit einer Feile und setzt ihn in die dafür vorgesehene Führung ein wo er mit einem Silberstift befestigt wird. Ist dieser Arbeitsgang abgeschlossen. Ungefähr 45 cm. Violin) gesägten Ebenholz Kantel wird zuerst der Freiraum zwischen Ring und Fuß geschaffen und die Froschbacken grob ausgeschliffen. Die Seiten der Schieberführung werden mit Hilfe eines winklig geschliffenen Krätzers eingearbeitet.Die Entwicklung des Streichbogens und dessen Fertigung © Christian Wanka Bogenmachermeister 2002 richtige Kopfhöhe überprüft. Danach wird der Verlauf der Schieberführung und des Zwickels angerissen und mit einem Stecheisen vorgestochen. Herstellung des Frosches An dem vorher auf die entsprechenden Abmessungen (46 mm x 22 mm x 15 mm. Nach ausreichender Leimzeit wird dann der Schub in gleicher Art und Weise in seine Seite 8 .und Perlmuttplättchen auf eine dünne Ebenholzunterlage aufgeleimt. dann kann mit dem Biegen der vorgehobelten Stange begonnen werde. Nachdem der Kopf angebracht ist. Mittels Umwickeln mit einer Schnur werden diese dann fixiert.

Ist der Frosch in seiner rohen Form fertig macht man sich daran die Froschgusche mit Feile und Schnitzer individuell zu Formen. sowie die weiteren Proportionen des Bogens unter Berücksichtigung der entsprechenden Querschnittsverhältnisse und des entsprechenden Gewichtes.7 mm) zusammengelötet.Die Entwicklung des Streichbogens und dessen Fertigung © Christian Wanka Bogenmachermeister 2002 Führung eingepasst. Vorher muss jedoch mit Hilfe einer Zentrierglocke eine Bohrung am Stangenende angebracht werden um ein Beinchen als Maßhilfe zum hobeln des Achtkants anzubringen. An einem Dorn wird dieser dann in die richtige Form geschmiedet und gefeilt. ist besonders darauf zu achten. damit er fest sitzt. Zur Festlegung der entsprechenden Stangenquerschnitte längs der Bogenstange. kann mit der Anfertigung des Froschrings begonnen werden. Bei diesem Arbeitsgang formt man den hinteren Achtkant des Bogens an dem später der Frosch sitzt. Im Anschluss wird der Zapfen für den Froschring angeschnitzt. Zur Befestigung der Messingmutter am Frosch wird ein Loch durch die Bahn in das Ebenholz gebohrt. wo sie erforderlich sind. Dem folgt nun das erneute Hobeln der Bogenstange. Soweit der Schieber sitzt. Der besseren Haltbarkeit wegen wird die Gleitbahn zusätzlich zum verleimen mit zwei Messingschräubchen befestigt. Es folgt nun das einarbeiten der Bahn. In dessen Anschluss wird Ring und Schub entfernt um das Loch für das Haarlager einzubohren. dann kann mit der weiteren Ausarbeitung der Froschbacken durch eine Vogelzungenfeile begonnen werden. Der Ring soll sehr gut an dem Zapfen passen. Bei dieser Arbeit. von denen das dünnere vorher gebogen wurde. wie überhaupt beim ganzen Frosch. Nun wird noch das Perlmuttauge sowie der Pariser Augenring eingebohrt und geleimt. 0. Dieser wird aus zwei Metallplättchen (1 mm. in welche dann die vorher gestanzte Gleitschiene eingeleimt wird. Weiterbearbeitung der Stange Die jetzt fest sitzende Kopfplatte wird nun mit dem Bogenkopf bündig gefeilt. Dies geschieht mit Hilfe eines Fräsers. dass man die rechten Winkel einhält. Die entgültige Form wird mit einem Stecheisen ausgearbeitet. bedient man sich Seite 9 . die dann mit den Flächen plan verfeilt werden.

Über eine Länge von 110 mm auf der Froschseite ist die Stange absolut zylindrisch.55 mm Differenz der Durchmesser 3.und Bogenmacher Jean Babtiste Vuillaume (1798-1875) festgestellt wurde um den Tourte´schen Abmessungen.Die Entwicklung des Streichbogens und dessen Fertigung © Christian Wanka Bogenmachermeister 2002 einer Gesetzmäßigkeit die von dem französischen Geigen. Für das nachstehende Beispiel sei der : Stangendurchmesser am zylindrischen Teil 8. die ja empirisch von Tourte nach seinen Kenntnissen gefunden worden sind und sich als Ideal erwiesen haben. Die mittlere Stangenlänge eines Violinbogens ohne Kopf beträgt ca. Die Stangendurchmesserabnahme pro Punkt beträgt demzufolge 0.00 mm Diese 3 mm werden auf 10 Punkte der Stangenlänge 700-110= 590 mm aufgeteilt. Vuillaume stellte fest. dass sich der Bogenquerschnitt längs der Stangenachse zu verringern hat.3 mm. möglichst gleichzukommen. sondern verändern sich nach dem Gesetz der geometrischen Reihe. Dazu wird der Bogen in einen Maschinenschraubstock Seite 10 . Die Punktabstände längs der Stangenachse von 590 mm sind aber nicht gleichmäßig. Von diesem Punkt ab verringert sich der Stangenquerschnitt in einer geometrischen Folge. Ist die Stange fertiggehobelt muss noch das Kästchen für die Froschmutter angebracht werden. 700 mm.55 mm Stangendurchmesser am Kopf 5. Aufgrund der angegebenen Überlegung ergeben sich die folgenden Stangenmaße.

Sibirien und Kanada. Zuerst werden mit dem Schnitzmesser die hintern Kopfphasen angeschnitzt. Bevor es jedoch mit dem Stecheisen ausgestochen werden kann müssen erst Kopflatte und Seitenflächen die richtige Form erhalten. Nun werden die Löcher für den Schraubenkanal des Beinchens eingebohrt. wenn nötig. auch eine Feile verwendet. Um den optimalen Sitz und die parallele Stellung des Frosches zum Kopf zu erreichen. Mit dem Zäpfchenschneider wird der Nippel für das Beinchen an die Stange geschnitten.Die Entwicklung des Streichbogens und dessen Fertigung © Christian Wanka Bogenmachermeister 2002 eingespannt und mit einem Fingerfräser das Kästchen angebracht. Die runden Enden werden mit dem Stecheisen eckig gestochen. der Mongolei. dann der Kopf. Chemisch gebleichtes Haar ist für die Verwendung im Bogenbau Seite 11 . Um den Frosch mit der Stange auf ein Niveau zu bringen wird dieser auf die Bogenstange aufgeschraubt und mit ihr plangefeilt. Die Kopfplatte der Bogenstange wird nun gleichmäßig dick gefeilt und ebenfalls poliert. Mit der halbrunden Feile arbeitet man die Form exakt aus. Der Bogenbezug Das Bogenhaar bildet einen wesentlichen Bestandteil des Streichbogens. Dies geschieht durch Anpassen des Bogen Achtkants an die Bahnschiene des Frosches mit dem Hobel. Das Kopfkästchen wird dann vorgebohrt. Die qualitativ besten Haare stammen aus China. anders als bei Stutenhaar. Anschließend schleift und poliert man das Ebenholz sowie die Metallteile. Sie haben eine hellgelbe fast weiße Färbung. Das Haar wächst in kalten Gebieten langsamer und weist somit eine sehr feine Struktur auf. Erfahrungsgemäß liefern Pferde aus kalten Klimazonen mit relativ karger Nahrung die besten Haare für Bogenbezüge. Auf die soweit fertiggestellte Bogenstange wird jetzt der vorher angefertigte Frosch aufgepasst. Jetzt wird mit der feinen Ausarbeitung des Bogenkopfes begonnen. Es stellt den direkten Kontakt zwischen Bogen und Instrument her. da dessen Struktur. Dann zerlegt man ihn in seine Einzelteile um das Kästchen für den Haarbezug einzubohren und es mit dem Stechmeißel weiter auszuarbeiten. wird. nicht vom Urin angegriffen wird. Man bevorzugt Schweifhaare von Hengsten. Japan.

weißes Pferdehaar. Hierbei werden alle fehlerhaften Haare aussortiert um eine brauchbaren Bezug zu erhalten. Deshalb ist es bei hohen Qualitätsanforderungen empfehlenswert . Die erforderliche Menge richtet sich der Bogenmacher durch ziehen aus einem Haarbündel. Zum besseren Halt wird er mit Siegelwachs oder Schellack befestigt und mit dem Kopfkeil aus Birkenholz fixiert. Die Elastizität eines Haares ist unterschiedlich. Das Froschende Seite 12 . am hellen Ende ist es mehr. um den ständigen Druck auf die Saiten standhalten zu können. was mittels einer Waage kontrolliert wird. um so besser die Qualität Die Qualität des Haares vermindert sich zum dunklen Ende hin. Das Ende wird dann abgebrannt und mit Kolophonium verschmolzen. am dunklen Ende weniger elastisch • subjektiv : Oberflächenbeschaffenheit Haare besitzen eine unregelmäßige Oberfläche.5 – 5. bindet man das Ende des Bezuges mit einem Zwirn ab. Ist die benötigte Menge erreicht. Der Bezug kann jetzt in das Kopfkästchen eingesetzt werden. Zur Qualitätsbeurteilung von Bogenhaaren bedient man sich dreier Kriterien. desto leichter nimmt es Kolophonium auf. Ist der Bogenkopf fertig. • objektiv: Elastizität Bogenhaare müssen elastisch sein. Dann durchkämmt man den Bezug um einen parallelen Verlauf der Haare sicherzustellen. • Je länger das Haar.8 gr. Um den Violinbogen zu beziehen benötigt man ca.Die Entwicklung des Streichbogens und dessen Fertigung © Christian Wanka Bogenmachermeister 2002 nicht geeignet. längere Haare zu kaufen und das dunkle Ende zu kürzen. 170 einzelne oder 5. Sibirische und Mongolische Haare zeichnen sich durch die beste Oberflächenbeschaffenheit aus. Es ist spröde und bricht deshalb sehr schnell. Je rauer das Haar. wird das Haar etwas angefeuchtet.

muss noch eine Seite 13 . Zur Neutralisation der Salpetersäure muss die Bogenstange mit Ammoniak Räuchergebeizt werden. Dies geschieht durch bestreichen mit Salpetersäure (HNO3). Damit die Stange an der Stelle. Ausrichten der Stange begonnen werden. das in die Umgebungsluft abgegeben wird. Jetzt wird noch der Breitmachkeil in den Frosch eingesetzt. Hierbei wird erneut die Biegung sowohl die Flucht überprüft und ggf. dann kann mit dem sog. Im Anschluss wird die Stange mit Öl eingelassen und erneut geschliffen. korrigiert.Die Entwicklung des Streichbogens und dessen Fertigung © Christian Wanka Bogenmachermeister 2002 der Haare wird in gleicher Art und Weise eingesetzt. dabei ziehen sich die Haare zusammen und ein gleichmäßiger Bezug entsteht. bis zu 0. Um die unregelmäßigen Längen der einzelnen Haare auszugleichen.und herbewegt.5 mm tief. Nun wird die Stange sorgfältig mit verschiedenen Schleifpapieren abnehmender Körnung geschliffen. Reaktionsgleichung der Neutralisation: NH3 + H2O + HNO3 Î NH4NO3 + H2O Je länger die Stange im Beizkasten ist desto dunkler wird ihr Farbton. Ist der Bogen abgekühlt wird er angespannt und das Ergebnis kontrolliert. und Wasser (H2O). Die noch rohe Stange wird dann gebeizt. Beim Neutralisationsvorgang reagiert der Ammoniak (NH3) aus dem Räucherschälchen mit Wasser (H2O) aus der Umgebungsluft und der Salpetersäure (HNO3) der Beize zu Ammoniumnitrat (HN4NO3). wo sie beim Spielen angefasst wird vor Abnutzung geschützt ist. Dies geschieht mit einem sog. Dies geschieht bei abgespannten Bezug ebenfalls wieder über einer Flamme. was sich ggf. als weißes Salz ablagert und abgewischt werden muss. Beizkasten. Es darf jedoch nicht vergessen werden vorher den Froschring auf den Bezug aufzufädeln. Nach Abschluss dieses Arbeitsganges wird der Bogen noch einmal unter Berücksichtigung des angestrebten Endgewichtes feingehobelt. sowie die Balance des Bogens auszugleichen. Die zum Beizen verwendete Salpetersäure färbt durch Oxidation das Holz der Bogenstange. dunkel ein. wird der Bogen über einem Heißluftgebläse hin. in welchen die Bogenstange mit einem Schälchen Ammoniak (NH3) gegeben wird. Zum Schutz vor äußeren Einflüssen wird der Bogen dann mit einer dünnen Schicht Schellack poliert.

Um sicherzustellen. das sich der Ebenholzkern bei eventuellen Schwinden nicht von den Silberringen löst und zur Vernietung der Schraube werden diese noch zusätzlich mit Silberstiften befestigt.als auch im Querverlauf parallel sind.R. Dann ist der Bogen fertig. nochmals die Ausrichtung der Stange Überprüft und ggf. Mit einer Schublehre wird kontrolliert ob die Durchmesser stimmen. Begonnen wird damit. und dass die Seiten im Längs. wobei das 3-teillige Beinchen. korrigiert. den Beinchenkörper auf eine Metallplatte stützend. die Schraube in die Bohrung eingeklopft. Variationen zulässt. Je nach Gewicht und Modell des Bogens sowie der Auswahl des Froschmaterials entscheidet der Bogenmacher was für einen Beinchentyp er für den Bogen gefertigt wird.Die Entwicklung des Streichbogens und dessen Fertigung © Christian Wanka Bogenmachermeister 2002 Bewicklung aus Silberdraht an der Bogenstange angebracht werden. Danach werden die benötigten Metallringe von einem Silberrohr abgetrennt. Mit einer feinen Feile wird nun der runde Knopf zum Achteck umgearbeitet. die mechanischen Teile auf korrekte Funktion und Passgenauigkeit überprüft. Das Beinchen wird mit der Schraube im Futter der Drehbankspindel gespannt. je nach verwendeten Froschmaterial. Herstellung des Beinchens Als letzte Arbeit steht noch die Anfertigung des Beinchens od. dass in unserem Fall ein Ebenholzkörper an der Drehbank rund abgedreht wird. Mit etwas Leim werden diese noch zusätzlich fixiert. Jetzt wird der Bogen zusammengeschraubt. dass die Metallringe fest an ihm sitzen. Mit Hilfe eines speziell geschliffenen Drehstahls wird dann das Käntchen abgedreht. Mit Hilfe der Drehbank und speziell gefertigter Bohrer wird dann das innere Loch. das Loch für die Perlmutteinlage sowie die Bohrung für die Schraube angebracht. zwischen 3-teilligen und Vollem Beinchen. Seite 14 . Das Anbringen des Käntchens ist eine delikate Angelegenheit. Abschließend wird das Beinchen an einem Filzrad hochglanzpoliert. Knopfes offen. Unterschieden wird i. Im nächsten Arbeitsgang wird der zylindrische Ebenholzkörper so abgedreht. Jetzt wird. Nun kann das Perlmuttauge eingeleimt werden. Über das erste drittel dieser Umwicklung wird zur Verbesserung des Daumensitzes noch ein Leder geleimt.d.

dass Streicher gelegentlich ihr Instrument wechseln. der Ihnen liegt. Stärke und Elastizität unterschiedlichen Exemplaren ausgewählt werden. so benützen sie diesen für gewöhnlich Ihre ganze Laufbahn über. Bögen reagieren äußerst unterschiedlich auf verschiedene Instrumente und bringen häufig die mannigfaltigsten Klangfarben hervor. Die Erfahrung und die Meinung vieler Musiker zeigt. Seite 15 . Man sollte sich nicht von Namen beeinflussen lassen.Die Entwicklung des Streichbogens und dessen Fertigung © Christian Wanka Bogenmachermeister 2002 Schlusswort „Zu einem guten Instrument gehört ein guter Bogen!“ Diese Weisheit ist nicht neu. da der Bogen die entscheidende Verbindung zwischen Instrument und Musiker darstellt und seine Technik wirkungsvoll übertragen muss. in Ihrem Gedanken jedoch permanent gültig. je nachdem. welches Instrument und Spieltechnik benützt wird. Ein Bogen sollte immer aus einer Reihe von Gewicht. Es ist bekannt. aber wenn Sie einen Bogen finden. Die Auswahl eines Bogens ist ein schwieriger Prozess für den Spieler eines Streichinstrumentes. jedoch von großer Wichtigkeit. besonders wenn sie französisch klingen. dass zu verschiedenen Musikstücken auch verschiedene Bögen gehören um sie ihrem Charakter entsprechend aufführen zu können.