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Folter

und

Strafe

in

Iran

vom

13.

bis

18.

Jahrhundert

Von

DJAFAR

Shafiei-Nasab,

 

Kirchheim-Bolanden

 

Während

das

Phänomen

 

der

Folter

in

Europa

schon

seit

langer

Zeit

Gegenstand

der

öffendichen

Diskussion

 

ist

-

man

denke

nur

an

die

krid¬

schen

Sdmmen

Friedrich

von

Specs'

und

Chrisdan

Thomasius'2

im

17.

Jh.

zu

den

Hexenprozessen,

 

dann

an

die

Aufklärer

des

18.

Jh.s,

ihnen

allen

voran

der

Franzose

Voltaire

 

-

hat

in

anderen

Teilen

der

Welt

trotz

einer

weit

zurückreichenden

geschichdichen

 

Überlieferung

so

gut

wie

keine

Auseinandersetzung

mit

diesem

Thema

 

stattgefunden.

Dennoch

wird

hierzulande

 

häufig

die

Idee

geäußert,

daß

der

Orient

nicht

nur

die

"Wiege

der

Zivilisation",

 

sondem

auch

die

"Geburtsstätte

der

Fol¬

ter"

sei.3

Zweifellos

ist

die

Folter

nach

unserem

Verständnis

 

ein

Produkt

der

menschlichen

Zivilisation.

In

dem

Maße,

wie

diese

sich

entwickelt

hat,

üitt

jene

in

immer

subtileren

Formen

auf,

dies

nicht

zuletzt

aufgmnd

des

tech¬

nischen

Fortschritts.

Dennoch

können

 

wir

der

These

vom

Urspmng

der

Folter

nicht

ohne

weiteres

zustimmen,

da

sie

zum

einen

historisch

nicht

belegt

ist,

zum

anderen

eine

wissenschafdiche

Erforschung

des

Urspmngs

der

Folter

auf

der

Gmndlage

 

der

Mythologie

und

der

Entstehung

der

Reli¬

gionen

noch

aussteht.

Auch

Organisationsformen

der

menschhchen

Zivih¬

sation

wie

Jagd

und

Armee

sind

in

diesem

Zusammenhang

 

zu

untersuchen,

um

theoretische

und

technische

Erkenntnisse

über

die

Herkunft

der

Folter

zu

gewinnen.

Darüber

hinaus

ist

die

politische

Machtstmktur

 

zu

berück¬

sichtigen,

die

-

unter

anderem

in

Iran

-

die

unbegrenzte

 

Macht

der

Könige

darstellt

und

eine

Rolle

bei

der

Entstehung

und

Entwicklung

der

Folter

ge¬

spielt

haben

könnte.

Auch

in

Iran

haUe

die

Folter

ihren

festen

Platz

im

Räderwerk

des

jeweihgen

Machtapparates.

 

In

dieser

Studie

wollen

wir

einige

Besonderheiten

 

des

Phänomens

Fol¬

ter

in

Iran

aufzeigen.

 

Herauszustellen

ist

hier

die

geopolitische

Lage

des

Iran,

die

das

Eindrin¬

gen

fremder

Mächte

arabischer

bzw.

 

türkischer

Herkunft

begünstigt

hat.

Diese

Invasionen,

die

mit

grausamstem

Tcrtor

einhergingen,

haben

die

Kultur

von

Folter

und

Strafe

in

Iran

entscheidend

beeinfußt.

Vor

diesem

1

Friedrich

von

Spee:

Cautio

Criminalis.

 

[Zit.

nach

Edition

DTV,

München

1987].

2

Christian

Thomasins:

Über

die

Folter.

In:

Untersuchimgen

zur

Geschichle

der

Fol¬

ter.

Hrsgg.

von

ROLFLIEBERWIRTH.

Weimar

I960.

3

BAUER-HELBIG:D/e7"or<«r.

 

Berlin

1926,

S.9.

 

Cornelia

Wunsch

(Hrsg.):

XXV.

Deutscher

Orientalistentag,

 
 

Vorträge,

München

8.-13.4.1991

(ZDMG-Suppl.

10).

-

©

1994

Franz

Steiner

Veriag

Stuttgart

 

254

DJAFAR

SHAFIEI-NASAB

 

Hintergrund

 

ist

die

Bedeutung

der

hier

zu

untersuchenden

 

Epoche

zu

verstehen.

 
 

Unsere

Untersuchung

 

setzt

mit

dem

Anfang

des

13.

Jh.s

ein,

das

durch

den

Niedergang

des

Landes

nach

der

Eroberung

durch

die

Mongolen

ge¬

kennzeichnet

 

war.

Der

dabei

ausgeübte

mongolische

 

Terror

bildete

von

nun

an

eine

der

Hauptquellen

für

die

Entwicklung

 

von

Folter

und

Strafe

in

Iran.

 

Die

Epoche

der

Ilkhaniden

mit

der

Stabilisierung

 

der

Mongolenherr¬

 

schaft

auf

der

Grundlage

von

Dschingis

Khans

"Yäsä"

hat

das

soziale

und

ix)lidsche

System

des

Iran

nachhaltig

geprägt.

Das

Gericht

"Yärgu",

das

in

Übereinsdmmung

 

mit

der

"Yäsä"

eingesetzt

wurde,

hat

eine

neue

Ära

in

der

rechtspolitischen

Organisation

des

Landes

eingeleitet

Die

Inva¬

sion

Timurs

hat

die

Bedeutung

des

"Yärgu"

nicht

geschmälert,

obwohl

Timur

die

Rehgion

als

Werkzeug

seiner

blutigen

Herrschaft

benutzt

hat'*

Ungeachtet

dessen

war

Timur

der

Hüter

des

gesamten

kulturellen

und

poli¬

tischen

Erbes

der

Mongolen.

 

Die

drei

blutigen

 

Invasionen

durch

Dschingis

Khan,

Holagu

und

Timur

haben

das

psycho-soziale

Klima

des

Iran

verändert.

Es

war

in

der

Tat

die

psychologische

 

Schwäche

des

Volkes,

welche

den

Boden

für

die

Unter¬

jochung

unter

den

Despotismus

der

Dynastien

bereitet

hat.

Der

Terror

der

Eroberer

hatte

zur

Folge,

daß

das

Repertoire

cm

Folter-

und

Straf

methoden,

 

zum

Teil

unter

Weiterentwicklung

 

klassischer

Prak¬

tiken,

erweitert

wurde.

Ein

Beispiel

dafür

ist

die

Verwendung

 

menschlicher

 

Schädel

beim

Bau

von

Denkmälem.

 

Die

historischen

Quellen

machen

die

enge

Verbindung

zwischen

Folter

und

Strafe

deudich.

Folter

wurde

nicht

in

erster

Linie

als

ein

Mittel

be¬

trachtet,

die

Strafe

zu

verschärfen.

Dieses

Phänomen

findet

sich

bereits

in

vorislamischer

Zeit

zum

Beispiel

unter

des

Sassaniden.

Zu

erwähnen

ist

hier

die

Verfolgung

und

Bestrafung

von

Christen

und

Häretikern

(Mul¬

hid).

Während

des

von

uns

untersuchten

Zeitraumes

tritt

diese

zweite

Funktion

der

Folter

in

verstärktem

Maße

auf.

In

der

persischen

Sprache

finden

sich

entsprechend

der

historischen

 

Situation

die

verschiedensten

 

Bezeichnungen

 

für

"Folter".

Mehrfache

Er¬

obemngen

des

Landes

blieben

auch

im

13.

Jh.

nicht

ohne

Einfluß

auf

die

persische

Sprache

und

Literatur.

Die

Tatsache,

daß

zwischen

 

Folter

und

Strafe

nicht

unterschieden

wurde,

hat

zu

einer

Erweitemng

im

lexikalischen

Bereich

geführt.

Vgl.

Timurs

Äußerungen

zur

Religion

in:

Instituts

politiques

et

militaires

de

Ta¬

merlan

(TazuJcät

Timur).

Paris

1787,

Teil

1.

S.

15-26.

 

Folter

und

Strafe

in

Iran

vom

13.

bis

18.

Jahrhmidert

255

 

Uns

sind

folgende

Wörter

bekannt,

welche

gleichzeidg

"Folter"

und

"Strafe"

 

bedeuten:

äzär

-

Idä'

-

rang

-

'uqübät

 

-

t'azib

-

siyäsat

-

kistär

-

'iqäb

-

yäsä.

 

Die

Verwendung

verschiedener

Begriffe

in

einem

Text

mag

stilisdsche

Gründe

 

haben.

Sie

unterstreicht

aber

auch

die

Bedeutung

der

Folter

als

historischer

 

Faktor

in

der

Zeit

der

großen

Invasionen.

 

Das

Wort

Sikanga

ist

persischen

Ursprungs.

Eine

Ableitung

davon

ist

Sikang.

 

Wir

kennen

auch

die

Begriffe

iSkung

und

Sikung

mit

der

Bedeu¬

tung

"einem

Körperteil

Schmerzen

zufügen",

bzw.

"zwicken".

Die

ur¬

sprünghche

 

Bedeutung

von

Sikastan

und

piCldan

ist

"zerbrechen"

bzw.

"zwirbeln".

Der

Begriff

Sikanga

wird

ebenfalls

im

Sinne

von

fiSär

dädan,

d.h.

"pressen",

benutzt,

wie

man

z.B.

ein

Buch

bei

der

Herstellung

preßt^

Der

gemeinsame

Nenner

all

dieser

Begriffe

ist

das

Zufügen

von

Schmer¬

zen.

Leider

ist

die

Erforschung

der

Etymologie

des

Begriffes

"Folter"

im

Persischen

 

noch

sehr

unzureichend,

nicht

zuletzt

auch

deshalb,

weil

Folter

im

Iran

noch

nie

Gegenstand

 

einer

wissenschafdichen

Untersuchung

war.

Es

gibt

zu

diesem

Thema

keine

Dokumentation.

Folter

und

Strafe

als

historische

 

Reahtät

sind

zwar

in

zahlreichen

historischen

Quellen

erwähnt,

auf

genaue

Definidonen

oder

kridsche

Reflexion

wird

jedoch

meist

ver¬

zichtet.

 

Ganz

im

Gegensatz

dazu

stellt

sich

die

Quellenlage

zum

Thema

Folter

im

europäischen

 

Raum

dar.

Dies

mag

damit

zusammenhängen,

daß

sich

in

Iran

die

Historiographie

als

offizielle

Institudon

 

des

Hofes

nicht

um

das

Schicksal

der

Betroffenen

kümmerte.

Sicher

spielte

auch

die

Selbst¬

zensur

 

eine

Rolle.

So

bleiben

dem

Historiker

insbesondere

Reiseberichte

als

Informadonsquelle,

 

wie

beispielsweise

der

Bericht

Chardins,

der

sich

unter

anderem

für

das

Rechtswesen

und

insbesondere

 

für

das

Straf

recht

interessierte.

 
 

Auch

die

Dichtung

kann

uns

wertvolle

Hinweise

liefem.

Zu

nennen

ist

hier

die

habsiya-Poesie^

 

-

das

Wort

habs

bedeutet

 

"Gefangenschaft"

-,

welche

die

bedrückende

 

Atmosphäre

des

Gefängnisses

und

die

psychische

Verfassung

der

Inhafderten

eindringlich

wiedergibt.

Schon

der

Name

spricht

für

sich.

^

GERHARD

EXDERFER:

 

Türkische

und

mongolische

Elemente

im

Neupersischen.

 

Wiesbaden

 

1963,

Bd.

1,

S.

357;

siehe

auch

'ALI

AKBAR

DIHUDÄ:

Lx>gatnama.

Bibliographische

Angaben

unter

dem

Suchwort

Sikanga.S.

520;

siehe

auch

I.A.

VULLERS:

 

Lexicon

Persico-Latinum.

Bd.

2,

Bonn

1864

[Graz

1962],

unter

dem

Stich¬

wort

Sikanga

S.

451

ff

^

Zum

Thema

"habsiya"

 

erschien

vor

kurzem

eine

Studie,

die

als

Fortschritt

gegenüber

 

der

traditionellen

Dichterbiographie

zu

betrachten

ist:

W.

^FARI:

Habsiya

daradab-i

Färj/.

Teheran:

Amirkabir

1364/1985.

256

DJAFAR

SHAFIEI-NASAB

 
 

Viele

wertvolle

Texte

und

Dokumente

stehen

uns

heute

nicht

mehr

zur

Verfügung,

 

sie

sind

entweder

organisierten

Bücherverbrennungen

zum

Opfer

gefallen

oder

anderweitig

vernichtet

worden,

nachdem

man

sie

als

"entartet"

eingestuft

 

hatte.

 

Interessante

Ergebnisse

erbringt

auch

der

Vergleich

von

historischen

Texten

und

 

Miniaturen.

Obwohl

das

Interesse

der

Miniaturen

nicht

in

er¬

ster

Linie

im

sozialen

und

politischen

Bereich

zu

suchen

ist,

ist

ihnen

-

unter

angemessener

 

Berücksichtigung

klassischer

Topoi

-

ein

gewisser

Realitätsgehalt

 

nicht

abzusprechen.

So

finden

sich

im

"indischen

Stil"^

realistische

Züge.

Gleiches

gilt

für

die

Literatur.

Einen

solchen

methodi¬

schen

Ansatz

halten

wir

für

durchaus

aufschlußreich

hinsichtlich

der

Erforschung

von

Folter

und

Strafe

in

Iran.

 

Die

Folter

im

eigentiichen

Sinne,

d.h.

als

Methode,

um

Geständnisse

zu

erzwingen,

 

ist

bei

Chardin

erwähnt,

welcher

erklärt:

"Les

Persans

ont

la

torture

en

usage"^

 

Wenn

er

jedoch

fortfährt,

daß

die

Perser

sich

dieses

Mittels

sehr

 

selten

bedienten,

so

sehen

wir

darin

ein

Indiz,

daß

die

Folter

nicht

offiziell

praktiziert

wurde.

Die

massiven

Repressionen

gegen

Häreti¬

ker

wie

die

Hurüfiya,

 

die

damals

an

der

Tagesordnung

waren,

schienen

der

Öffentiichkeit

 

also

nicht

bekannt

gewesen

zu

sein.

 

In

den

Reiseberichten

werden

zwei

Arten

von

Folter

genannt,

eine

"ge¬

wöhnliche"

 

und

eine

"außergewöhnliche"

Art^,

wobei

erstere

die

"Ba¬

stonade"

ist.io.

Deni

Gefangenen

wurden

dabei

in

aller

Öffenüichkeit

Schläge

auf

 

die

nackten

Fußsohlen

verabreicht,

bis

die

Fußnägel

herausfie-

lenM

Diese

Methode

war

seit

alters

her

bekannt

und

wurde

auch

in

spä¬

terer

Zeit

angewendet.

 

Bei

der

"außergewöhnlichen"

Methode

schnitt

man

vor

dem

Schlagen

die

Fußsohlen

ein

und

streute

Salz

in

die

Wunde.i^

Auch

das

Ausreißen

von

Fußnägeln

wurde

praktiziert.gine

andere

Tor-

'

Für

genauere

Infomiationen

s.

Akten

des

VII.

Internationalen

Kongresses

fiir

Iranische

Kunst

und

Archäologie,

München

7.-10.

September

1976.

Berlin

1979,

S.

438-448.

 

*

Chardin:

Voyage

du

Chevalier

Chardin

en

Perse

et

autres

Lieux

de

l'Orient.

Bd.

3,

Neue

Ausgabe,

 

Amsterdam

1735,

S. 421.

^

Choix

des

Lettres

Edifiantes,

äcrites

des

missions

itrangäres,

tome

quatriime,

Missions

du

Levant.

Paris

1825,

S.

288;

s.

auch

Sanson:

Safarnäma.

Pers.

Übers,

von

T.

TAF?ULI.

Teheran

1346/1967

(Original:

Sanson:

Missionaire

apostolique.

Estalprä¬

sente

du

royaume

de

Perse.

Paris

1696).

 

10

/fcjU.S.

210-211.

11

Chardin:

op.

cit.

(Anm.

8),

S.

421.

Bei

der

Beschreibung

der

Bastonade

weist

Chardin

auf

die

Existenz

von

Regeln

hin,

S.

420.

 

Sanson:

12 cU.

op.

(Anm.

10).

S.

210-211.

 

Ibid.;

13 s.

auch

Lettres

Edifiantes.

 

(vgl.

Anm.

9),

S.

288.

 

Folter

und

Strafe

in

Iran

vom

13.

bis

18.

Jahrhundert

257

tur

bestand

darin,

den

Gefangenen

an

Händen

und

Füßen

festzubinden

und

mit

glühenden

Eisen

zu

verbrennen.''*

 

Es

wird

weiterhin

von

glühenden

Kneifzangen

berichtet

sowie

von

einer

Presse,

mit

deren

Hilfe

der

Bauch

des

Opfers

zusammengedrückt

 

wurde.

 

Die

Methoden

variierten

je

nach¬

dem,

wer

die

polidsche

Macht

ausübte.

 

Neben

den

Schlägen

auf

die

Fußsohlen

 

exisderte

auch

das

öüb

zadan,

die

Prügelstrafe.

Im

Yärgu

fand

dies,

so

Rasld

ad-din,

vor

den

Khan

statt.

1^

Später

unter

den

Safawiden

 

wurde

 

das

äüb

zadan

auch

bei

ge¬

wöhnlichen

Verbrechen

auf

offiziellen

Hätzen

durchgeführt.'^

 
 

Die

politische

Folter

hatte

in

Iran

eine

besondere

Dimension.

Es

wurden

die

verschiedensten

Methoden

angewendet.

Das

Studium

von

Dokumenten

 

aus

der

von

uns

behandelten

 

Epoche

zeigt,

daß

es

eine

Organisation

von

geheimen

Agenten

gab,

welche

die

Aufgabe

hatten,

 

Dissidenten

aufzuspü¬

ren.

 

Unter

den

Ilkhaniden

war

das

Erdrosseln

sehr

verbreitet,

eine

Hin¬

richtungsart,

der

unter

 

anderem

die

Mitglieder

der

königlichen

 

Famile

zum

Opfer

fielen,

deren

Blut

gemäß

den

Vorschriften

der

Yäsä

nicht

vergossen

werden

durfte,

i'

Dies

muß

als

Gnadenakt

betrachtet

werden

im

Vergleich

zu

einer

anderen

Methode,

bei

der

der

Delinquent

in

zwei

Teile

geschnitten

und

dann

aufgehängt

wurde.'^

 

Von

Holagu

ist

überliefert,

daß

er

Malik

Sälih

in

der

Zitadelle

Mossul

auf

folgende

Weise

töten

ließ:

Sein

Körper

wurde

mit

Fett

begossen,

und

er

wurde

gefesselt

in

die

glühende

Sonne

gelegt.

Nach

einer

Woche,

so

ein

Chronist,

begann

ihn

ein

entsetzlicher

 

Juckreiz

zu

quälen,

nach

einem

Monat

starb

er.'^

Seine

ganze

Familie

wurde

mit

ihm

vemichtet,

sein

drei¬

jähriger

Sohn

wurde

in

zwei

Teile

geschnitten

und

dann

aufgehängt,

bis

die

verwesten

Überreste

zu

Boden

fielen.

 

Unter

der

Herrschaft

des

Yärgu

sind

auch

Fälle

von

Kannibalismus

zu

verzeichnen.

Man

kann

hier

von

einer

nachhaltigen

Bereicherung

der

Folterkultur

sprechen,

wenn

man

bedenkt,

daß

sehr

viel

später,

unter

den

14 Chardin:op.

c/i.

(Anm.

8),

S.

421.

15 Fazlullah:(5ämi'

Raäid

ad-dln

at-Tawärift.

Teheran:

Eqbäl

o.

J.,

S.

824.

16 Tavernier:

Jean

Baptiste

Safarnäma.

Pers.

Übers,

von

ABÜTURÄBNÜRl

Teheran:

Sanäi.S.

539.

 

"

SPULER

zeigt

in

seinem

Buch

einige

Delikte

und

Strafen

auf:

Die

Mongolen

in

Iran.

Beriin:Akadeniie-Veriag

1955,

S. 376-381.

 

18

RaäIdad-din:op.

ci7.

(Anm.

15),S.

932.

19

/Wd S.73I.

258

DJAFAR

SHAFIEI-NASAB

 

Safawiden,

eine

Gruppe

namens

öigin

"Menschenfresser",

 

nicht

davor

zu¬

rückschreckte,

die

Dissidenten

der

murSid-i

 

kämil

aufzuessen.^o

 

Ra§id

ad-din

berichtet,

daß

Malik

Kämil,

nachdem

man

ihm

auf

Geheiß

Holagus

Fleischstücke

aus

dem

Körper

geschnitten

hatte,

 

diese

aufessen

mußte.2i

Aus

der

Mongolenzeit

sind

uns

weitere

 

Beispiele

bekannt.

Guwayni

beschreibt

den

Tod

seines

Gegners

wie

folgt:

Nach

seiner

Vemrteilung

im

Yargu

fiel

Magd

ad-daula

den

Mongolen

und

Mushmen

in

die

Hände,

die

unter

Anrufung

Gottes

seine

Gliedmaßen

über

dem

Feuer

brieten

und

aßen.

Einzelne

Körperteile

wurden

in

alle

Welt

verschickt.22

 

Dies

sollte

der

Abschreckung

dienen

und

wurde

politisch

auch

in

diesem

Sinne

aus¬

genutzt.

RaSld

ad-dins

Behauptung,

daß

die

Mongolen

Menschenfleisch

aßen23,

erscheint

somit

gerechtfertigt.

So

entiud

sich

der

Volkszom

gegen

Magd

ad-daula

in

einer

Aktion,

die

ihren

Ursprung

in

der

 

eigenen

Kultur

hatte,

selbst

wenn

in

ähnhchen

Fällen

versucht

wurde,

den

Einfluß

der

antiken

Mythologie

nachzuweisen.^^

Aus

derselben

Zeit

 

ist

uns

auch

das

Abziehen

der

Haut

als

Foltermethode

 

bekannt.

 

^5

Eine

genaue

Beschrei¬

 

bung

können

 

wir

einem

Bericht

Tavemiers

 

über

das

ottomanische

 

Reich

entnehmen.26

^.us

der

Safawidenzeit

 

ist

überiiefert,

 

daß

man

Rebellen

 

die

Haut

"wie

Schafen"

abgezogen

 

habe.^'

 

Die