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Freitag, 14. Oktober 2016

Sport 37

Aus einem Traumpaar werden Rivalinnen

Volleyball Die Steinhauserinnen Mara Betschart (16) und Céline Baumann (15) sind im Sand die Wiedergängerinnen des Duos Nicole Eiholzer/Nina Betschart. Die kommende Hallensaison fordert sie auf eine besonders emotionale Art.

Raphael Biermayr raphael.biermayr@zugerzeitung.ch

Das linke Handgelenk von Mara Betschart wird von einem pink- farbenen Reif umfasst. «Le Vol- ley j’adore» steht da drauf. Diese drei Worte sind gewissermassen die Kurzfassung dieser Geschich- te. Sie gelten auch für die zweite Hauptfigur darin, Betscharts Freundin Céline Baumann. Die längere Version der Geschichte beginnt so: Die Steinhauserinnen sind ein talentiertes Beachvolley- ballpaar. Vor kurzem feierten sie den Gewinn des Schweizer U-17- Meistertitels. Damit füllen sie ei- nen Teil der grossen Fussstapfen aus, den Mara Betscharts Schwes- ter Nina mit deren Partnerin Ni- cole Eiholzer im Sand hinterlas- sen hat. Die beiden feierten über verschiedene Altersklassen hin- weg sieben Meistertitel in Folge, bevor sie sich auf die abgelaufene Saison hin trennten. Eine Trennung steht auch dem blondhaarigen Traumpaar Mara Betschart und Céline Bau- mann bevor, vorab wenigstens in der Halle. Dort waren sie seit vie- len Jahren Teil verschiedener Teams des VBC Steinhausen, zu- letzt in der 2. Liga. In der am Samstag beginnenden NLB-Spiel- zeit werden sich die beiden erst- mals in ihrem Leben gegenüber- stehen. Betschart tritt weiterhin für Steinhausen an, während Bau- mann sich dem FC Luzern ange- schlossen hat. «Ich wollte in allen Bereichen neue Erfahrungen ma- chen», sagt sie zum Grund für den Wechsel nach neun Jahren in Steinhausen. Alle Bereiche be- deuten: Sport und Ausbildung. Baumann hat eine Vinto-Sportler- lehre begonnen. Sie arbeitet bei der Bossard AG, wo man ihr genü- gend Zeit für Training und Tur- niere einräumt. Mit Matches und verschiedenen Trainings steht sie bis zu neun Mal pro Woche in der Halle oder im Kraftraum.

Ein herber

Verlust

Das gilt auch für Betschart, die während der nächsten dreiein- halb Jahre noch die Sportkanti in Luzern besucht. Die Freund- schaft der beiden entwickelte sich aus dem Volleyball heraus. Zuvor seien sie zwar altershalber im gleichen Schulhaus gewesen, doch dort hätten sie nicht viel miteinander zu tun gehabt. «Es

dort hätten sie nicht viel miteinander zu tun gehabt. «Es «Es ist hart, dass Céline nicht

«Es ist hart, dass Céline nicht mehr für Steinhausen spielt», sagt Mara Betschart (links) über ihre Freundin. Bild: Stefan Kaiser (Steinhausen, 30.9.2016)

ist hart, dass Céline nicht mehr in Steinhausen spielt – für das Team, aber auch für mich als Mensch», sagt Betschart zur bevorstehen- den Situation. Sie hat in der vergangenen Saison bereits NLB-Luft schnup- pern dürfen. Céline Baumann stand kurz vor einer Nomination für die erste Mannschaft, wurde aber von einer Verletzung ge- bremst. Körperliche Hindernisse sind für Volleyballerinnen nichts Aussergewöhnliches. Beim Stich- wort «Schulter» lachen die bei- den in der Selbstverständlichkeit, dass Schmerzen in diesem Kör- perbereich einfach dazugehören. Deshalb das Ziel der Profikar- riere zu hinterfragen, ist für die beiden kein Thema. Baumann er- zählt freimütig, wie sie «zur Schonung» eine Zeitlang auf der Libera-Position spielte, als ihr die Schulterschmerzen nicht mehr erlaubten, im Angriff mitzutun. Dennoch ist den Steinhauserin- nen die Unterstützung für den zeitintensiven und entbehrungs- reichen Sport gewiss. Im Hause Betschart sind neben erwähnter Schwester Nina die Eltern Volley- baller gewesen, im Fall von Céline Baumann ist ihre Schwes- ter Svenja ebenso aktiv wie ihr Freund.

Verband drängt

auf Entscheidung

Auf das Ziel in der bevorstehen- den NLB-Hallensaison angespro- chen, sagt Mara Betschart zum im Umbruch befindenden VBC Steinhausen (siehe Artikel unten): «Wir sind zuversichtlich, den Ligaerhalt zu erreichen, auch wenn wir relativ wenig Spielerin- nen sind.» Sie selbst wolle sich in der höheren Liga behaupten. Gleiches gilt für Céline Baumann beim Ligarivalen FC Luzern. Wie stark das Team einzuschätzen ist, könne sie noch nicht sagen. Wie die Zukunft der beiden im Beachvolleyball aussieht, steht in den Sternen. Der natio- nale Verband Swiss Volley drängt auf eine Entscheidung für die Halle oder den Sand. Die Mög- lichkeit, in den Sichtungskadern für beide Nationalmannschaften zu sein, neige sich dem Ende zu, legt Betschart dar. «Wir haben noch nicht darüber gesprochen, was die nächste Beachsaison an- geht», sagt Baumann. Das wollen oder müssen die beiden wohl bald tun.

Im VBC Steinhausen sind viele neue Gesichter auszumachen

Volleyball Morgen beginnt für die Steinhauserinnen die sechs- te NLB-Saison mit dem Heim- spiel gegen Giubiasco (19.30, Sunnegrund). Auf dem Feld wer- den einige neue Gesichter zu se- hen sein – und auch daneben:

Nachdem Andreas Grasreiner am Ende der vergangenen Sai- son sein Traineramt niederge- legt hatte, übernahm nun Pedro Carolino das Amt des Headcoa- ches. Jener kommt nach seiner Assistentenzeit beim Nationalli- ga-A-Team Neuenburg und hat eine grosse Aufgabe vor sich mit der Neuformation der Mann- schaft. Nach dem Rücktritt von gleich drei Steinhauser Urgestei- nen setzt der Verein nun auf jun-

ge Talente, er kann aber auch auf erfahrene bekannte und noch unbekannte Spielerinnen zurückgreifen. Zu den Erfahrenen, die be- reits seit einigen Jahren dem Team angehören, zählt Laura Breuss. Sie will kommende Sai- son mit ihrer Erfahrung weiter- hin über die Aussenposition punkten und die jungen Spiele- rinnen im Team positiv unter- stützen. Gleiches gilt für Kay- Yasmin Schmid, die letzte Saison noch als Libera agierte. Sie wird nun als Universalspielerin einge- setzt. Abseits des Volleyballfelds kämpft sie um die Gunst von «Bachelor» Janosch Nietlispach. Dem VBC erhalten ist ebenso

Vanessa Gwerder geblieben, die weiterhin in der Mitte für starke Blockaktionen sorgen wird. Den Mittelblock komplettiert Jessica Rügge, die aus Deutschland ge- kommen ist und ebenfalls zu den erfahrenen Spielern zählt.

Jung, aber

nicht unerfahren

Sarah Strübin und Natascha Gantner übernehmen die Ver- antwortung im Pass. Mit ihren erst 17 Jahren verfügt Strübin be- reits über Erfahrungen in der NLB, da sie auch schon vergan- gene Saison zum Team des VBC gehörte. Gantner kommt nach einem Jahr Pause aus der zwei- ten Mannschaft zurück in die

erste Garde. Vom VBC Kanti Ba- den (1. Liga) haben Salina Brem und Melanie Hasler nach Stein- hausen gewechselt. Brem wird die Defensive als Libera organi- sieren, und Hasler wird als Uni-

NLB mitspielen. Die Vorberei- tung wurde genutzt, um sich als neu formiertes Team einzuspie- len, zu wachsen und das Ziel Klassenerhalt ins Auge zu fassen. Der neue Trainer Carolino sagt:

geben, denn Ramona Meili (Mit- telblock) wechselte von Stein- hausen nach Aadorf. Toggen- burg ist Absteiger aus der NLA und wird somit gegen die Zu- gerinnen auch klar zu favorisie-

Jessica Rügge

versalspielerin für spektakuläre Angriffe sorgen. Auch Lisa Adler ist ein neues Gesicht im Team. Sie begann ihre Volleyballkarrie- re beim VBC Einsiedeln und wird nun in Steinhausen auf der Aussenposition agieren. Jüngste im Team ist die 16-jährige Mara Betschart (siehe Artikel oben). Als Steinhauser Eigengewächs ist sie das «Gottemeitli» von Laura Breuss und darf nun – nach ersten Erfahrungen in der ver-

«Die Mannschaft ist sehr jung, aber sie hat grosses Potenzial.» Er ist überzeugt von diesem Potenzial und hofft auf die Um- setzung auf dem Feld, um das Ziel Klassenerhalt zu erreichen. Besonders schwer wird es in der bevorstehenden Saison, gegen Aadorf und Toggenburg einen Sieg heimzufahren. Aadorf verstärkte sich mit Spielerinnen aus der NLA und gilt somit als Favorit. Es wird ein Wiedersehen

ren sein. Das altbekannte Derby gegen Luzern wird es auch wie- der geben, am 6. November um 18 Uhr steigt das erste vor heimi- scher Kulisse. Der Gegner der morgigen Auftaktpartie, die GSGV Giu- biasco, ist trotz seiner Rolle als Aufsteiger nicht zu unterschät- zen, denn die Tessiner Teams gelten generell als stark.

gangenen Spielzeit – selbst in der

mit einer bekannten Spielerin

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