Kommission will mehr Geld für Integrationsklassen

Zug: Der Kantonsrat diskutiert am Donnerstag die Einführung spezieller Klassen für
Flüchtlingskinder. Mit dem Unterricht wurde derweil schon begonnen.
Seit gestern besuchen in der Stadt Zug Flüchtlingskinder die erste Integrationsklasse im
Kanton. Vorerst fünf Mädchen und Buben im Primarschulalter hatten in den Räumen der
ehemaligen Ludothek an der Baarerstrasse gestern ihren ersten Schultag. Dass in der
Integrationsklasse in der Stadt Zug bereits unterrichtet wird, ist speziell. Denn noch fehlt im
Kanton die gesetzliche Grundlage für das Führen einer solchen Klasse. Erst übermorgen
Donnerstag wird der Kantonsrat über die Integrationsklasse und deren Finanzierung beraten.
Grünes Licht für die Integrationsklasse gibt es nun von der Bildungskommission. Sie stimmt
dem Vorhaben zu, wie aus ihrem Bericht hervorgeht. Sie unterstützt den Vorschlag der
Regierung mit 9 zu 1 Stimme bei einer Enthaltung.
Entlastung für die Regelklassen
Zu diskutieren gaben in der Kommission einzig die Finanzierung und die Kosten. Der
Regierungsrat war von jährlichen Kosten von 180 000 Franken für das Führen einer
Integrationsklasse ausgegangen. Pro Monat sollte demnach die Standortgemeinde
15 000 Franken für die Integrationsklasse erhalten. Einer Mehrheit der Bildungskommission
reicht das nicht. «Die Kommission kommt zum Schluss, dass diese Abgeltung für das Führen
einer Integrationsklasse zu tief angesetzt ist», heisst es im Bericht. Man habe dazu
umfassende Abklärungen sowie Kostenvergleiche mit Regelklassen vorgenommen. Die
Kommission beantragt deshalb eine Erhöhung auf 240 000 Franken jährlich, womit die
Standortgemeinde monatlich 20 000 Franken erhalten soll. Der Kanton selbst beteiligt sich
dabei mit einer Normpauschale von 5332 Franken pro Schüler und Jahr an den Kosten. Jene
Kosten, die darüber hinausgehen, werden von den anderen Gemeinden im Verhältnis zur
Wohnbevölkerung solidarisch getragen. Auch über dieses Finanzierungsmodell wird der
Kantonsrat an seiner Sitzung vom Donnerstag befinden.
Dass der Kanton überhaupt Integrationsklassen einführen will, geht auf ein Postulat der
Kantonsräte Andreas Hostettler (FDP, Baar), Ester Haas (ALG, Cham), Peter Letter (FDP,
Oberägeri), Beat Untemäherer (FDP, Hünenberg), Beat Iten (SP, Unterägeri), ZariDzaferi
(SP, Baar), Pirmin Andermatt (CVP, Baar) und alt Kantonsrätin Karin Helbling zurück. Sie
forderten die Regierung darin auf, für schulpflichtige Kinder im Asylbereich ebensolche
kantonalen Integrationsklassen auf der Primarstufe zu schaffen. Ein solches Angebot sei
nötig, da die Kinder aus dem Asylbereich oft sehr grosse Unterschiede in Bezug auf ihre
bisherige schulische Erfahrung aufweisen würden. Durch eine Integrationsklasse sollen
diese Unterschiede aufgefangen und die Regelklassen entlastet werden. Ziel der
Integrationsklasse sei in erster Linie, die Selbstkompetenzen der Schülerinnen und Schüler
zu stärken. Im Wesentlichen wird er in die beiden Bereiche «Leben in der neuen Umgebung»
und «schulfachbezogene Kompetenzen» unterteilt. Ersterer hat zum Ziel, dass die Kinder
etwas lernen über das Busfahren, die Einkaufsmöglichkeiten sowie die Regeln des
Zusammenlebens. Der zweite Bereich hat zum Ziel, dass die Mädchen und Buben in
Deutsch und anderen Fächern ein bestimmtes Niveau erreichen.

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