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Theorie ist Revolte

Hans-Jürgen Krahl, die Theorieproduktion


und „no satisfaction“

Vortrag von Helmut Reinicke [1999]

Hans-Jürgen Krahl wurde am 20. Februar 1970 in Hannover beerdigt. Er war bei einem Autounfall ums
Leben gekommen. Wenige Wochen darauf löste sich der Sozialistische Deutsche Studentenbund in
Frankfurt auf. Dieses verbandspolitische Ende des SDS hing mit dem Tode Krahls nicht direkt zusammen,
dennoch war mit beiden Ereignissen die Epoche von Studentenbewegung und Revolte, von Theorie und
Revolution zu Ende gegangen, die nachhaltig die zweite Hälfte des Jahrhunderts prägte. Während Rudi
Dutschke als Berliner „Rädelsführer“ auch Jugendlichen noch bekannt ist, so ist Hans-Jürgen Krahl – wohl
auch durch seinen frühen Tod – weniger in der Erinnerung geblieben. Unzweifelhaft war aber Krahl der
große Theoretiker der Revolte. Die Geschliffenheit seiner Sprache verband sich mit einem
außergewöhnlichen Talent der Einheit von Agitationskraft und theoretischer Reflexion. Seine „Angaben zur
Person“, ein frei gehaltener Beitrag vor Gericht wegen Rädelsführerei bei einer Protestaktion gegen die
Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels an den Präsidenten Senghor von Senegal,
gehören zu den großen Reden der Epoche. „Uns wird immer wieder gesagt, ihr seid deshalb nicht legitim,
weil ihr nicht angeben könnt, wie die künftige Gesellschaft aussehen soll. Das sagen immer diejenigen, die
meinen, nun gebt uns erst einmal ein Rezept, und dann entschließen wir uns vielleicht, ob wir mittun wollen.
Das sagen jene Heuchler und Feiglinge, die meistens in den Redaktionen der bürgerlichen Presse sitzen.
Die künftige Gesellschaft kann man nicht vorwegnehmen! Wir können sagen, wie der technische Fortschritt
in hundert Jahren aussehen wird, aber wir können nicht sagen, wie die menschlichen Beziehungen in
hundert Jahren aussehen werden, wenn wir nicht anfangen, sie ad hoc, unter uns, im gesellschaftlichen
Verkehr zu verändern.“ (Hans-Jürgen Krahl, Konstitution und Klassenkampf, Frankfurt/Main, S. 27)

Daß Hans-Jürgen Krahl heute weniger als Dutschke im Bewußtsein lebt, hängt gewiß mit der Art der
Theorieproduktion zusammen, die in jenen Jahren der praktischen Aktionen, der Teach-ins, der
Demonstrationen gegen den Krieg in Vietnam, dem aktiven Streik an den Universitäten betrieben und
namentlich von Krahl repräsentiert wurde. Auf jener Höhe der Texte von Marx und Hegel lassen sich heute
weder Vorlesungen und Reden halten, noch Parolen für soziale Kämpfe pointieren. Dieser Verlust ist ein
Sieg der herrschenden Zustände. „Weder in den Vereinigten Staaten, noch in Italien, noch in Frankreich
findet man Studentenführer, welche die intellektuelle Reife eines Dutschke oder Krahl besitzen.“ (Alain
Touraine, Die postindustrielle Gesellschaft, 1972).

Wie es üblich ist mit Jubiläen, so wurde in diesem Jahr wieder des Jahres ‘68 gedacht, mehr oder
weniger hämisch, vielleicht gar wohlwollend, weil eben alles vorbei ist. Vom Protest, gar von
Revolte, ist in der Tat nicht viel geblieben. Es ist deshalb leicht, die Ereignisse jener ‘60er Jahre
als Jugendbewegung abzustempeln, die dann, quasi biologisch, sich akkomodierte. Das zeigen
die bürgerlichen Parteien, wie die grüne; oder die Jugendkultur selbst, die dem Warencharakter,
gegen den sie einst protestierte, gar nicht mehr entkommen will, vielmehr im Kultus der Ware,
techno-verbrämt, sich wohlfühlt. Der Nachkriegsprotest, beginnend mit der Rockbewegung der
‘50er Jahre, mit Kerouacs „On the Road“ oder Ginsbergs Gedicht „Howl“, mit den Levis-Jeans
von James Dean, – dann die Free-Speech-Bewegung in Berkeley und San Francisco, vor allem
die Civil-Rights-Bewegung, die Arbeit von SNCC (Student Non-violent Coordinating Committee)
in Mississippi, schließlich die weltweiten Manifestationen gegen den US-Krieg in Vietnam hatten
der Jugendbewegung immer wieder neue, schließlich politische Form gegeben, hatten sie dann
‘67 und ‘68 an revolutionäre Bewegungen anknüpfen lassen.

Gerade werden in Europa vier Levis-Fabriken geschlossen. Die Jugendlichen ziehen nachgeäffte
modische Jeans vor. Diese Randnotiz mag nicht weiter auffallen im Tempo von Derivatenhandel
und Investmentkartellierungen. Es hat aber mit dieser Notiz aus der „Time“ und mit diesen Hosen
eine eigene Bewandtnis: Jeans waren Arbeitshosen, die von Goldgräbern oder von
Farmarbeitern getragen wurden. Sie verkörperten – gerade als sie sich die Freizeit eroberten –
immer noch die materielle Welt der Arbeit gegen die bürgerliche der Konsumtion und autoritärer
Mächte. In der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung trugen die „freedom-fighters“ Jeans,
Militärstiefel und US-Feldjacken, – vorab nicht der Uniformierung wegen, sondern weil diese
Klamotten in den US-Army-and-Navy-Surplus-Geschäften billig gekauft werden konnten. Es war
die proletarische Feldausrüstung. Im Niedergang der Jeansfabrikation weist sich somit nicht nur
ein verändertes Modeverhalten aus; vielmehr unterliegt diesem die eingeübte freiwillige
Knechtschaft der Jugend an Ware und Konsum. Protest, Revolte, als Elemente einer
Jugendkultur und -bewegung sind der blinden Anpassung ans Schlecht-Endliche gewichen.

So haben in der Tat die letzten 30 Jahre einen enormen Wandel zu einer Integration sozialer
Gruppen und Klassen hervorgebracht. Im Sommer 1964 studierte ich in St. Francisco; die ersten
Berichte kamen von der Bürgerrechtsbewegung aus Mississippi in den Norden; in schwarzen
Kirchen sangen wir die ersten Bürgerrechtslieder. Die Bewegung organisierte sich, die großen
Demonstrationen begannen gegen Diskriminierung, für Arbeitsplätze; dann die Free-Speech-
Movement; der große Marsch nach Washington. Mit SNCC arbeitete ich dann in Mississippi,
mußte schließlich nach zweimaliger Verhaftung verschwinden und trampte zu Land und zu
Wasser zurück nach Frankfurt. Ich trat umgehend in den SDS ein (Sozialistischer Deutscher
Studentenbund); ein noch überschaubarer Verein mit Mitgliederausweis und Kassenwart. Am
selben Abend, es war im Mai 1965, trat Helmut Richter ein, der heute die SOVA (Sozialistische
Verlagsauslieferung) leitet und Hans-Jürgen Krahl. Die Bewegung aus den USA kam herüber, die
teach-ins begannen, die ersten Raubdrucke erschienen, der Kampf gegen den Vietnamkrieg
setzte ein. Man organisierte und theoretisierte. Die Beschaulichkeit der Adorno-Seminare änderte
sich; Studienräte, Gräfinnen und Assistenten gerieten auf die Hinterbänke. Die Verlage zogen
nach und in Windeseile wurden politisch-ökonomische Texte wieder zugänglich, wie neu
produziert. Im Frankfurter SDS waren alle möglichen Fraktionierungen zuhause, – Links-
Sozialdemokraten, Trotzkisten, DKP, dann Maoisten, usw. Ein Spezifikum unterschied dann doch
die theoretische Produktion von der praktischeren in Berlin oder der eher an der klassischen
Arbeiterbewegung sich orientierenden in Hamburg: Dies war die Hegelaneignung durch die
kritische Theorie der Frankfurter Schule in Verbindung mit den „Pariser Manuskripten“ (Marx) und
dem „Kapital“. Der historische Materialismus wurde als die Theorie sich emanzipierenden
Selbstbewusstseins angeeignet; die Entfremdungsproblematik im Kontext von Verdinglichung,
Wert und Fetisch rezipiert und damit Marx aktualisiert zur Herrschaftsgegenwart des
Spätkapitalismus.

In dieser revolutionstheoretischen Vereinigung von historischem Materialismus und


Ökonomiekritik konnte eine Form des Angriffs gefunden werden; und es ist zumal das große
Verdienst von Hans-Jürgen Krahl, daß dieser theoretische Ansatz sich stets praktisch bestimmte.
Er selbst hat wenig publiziert. Erst nach seinem Tode, im Februar 1970 durch einen Autounfall,
wurden seine Haupttexte in „Konstitution und Klassenkampf“, Verlag Neue Kritik, zugänglich. In
diesem Buch wird immer noch die rhetorische Kraft Krahls lebhaft spürbar, so in jener großen
Rede „Angaben zur Person“, 1969 gelegentlich eines Gerichtsprozesses wegen Rädelsführerei.
„Wir machen solange individuelle und vereinzelte Bildungsprozesse mit allen Entstellungen und
Narben durch, solange wir entweder Mitglieder der herrschenden Klasse oder der
unorganisierten, in sich zerrissenen Arbeiterklasse sind, in der jeder Einzelne gezwungen ist,
seine Haut zu Markt zu tragen; wir machen solange entstellte und verzerrte Bildungsprozesse
durch, solange wir vereinzelt sind und nicht organisiert, solange wir uns den Ideologien der
herrschenden Klasse und des kapitalistischen Maschinenparks unterwerfen müssen. In dem
Augenblick aber wird unser Bildungsprozeß ein kollektiver, nicht im Sinne der Vernichtung von
Individualität, sondern überhaupt erst in der Herstellung von Individualität, so wie er
metaphysisch im Hegels „Phänomenologie des Geistes“, materialistisch in Marxens „Kapital“ und
psychoanalytisch in den Theorien Freuds formuliert ist, indem wir diese Gesellschaft als ein
totales Ausbeutungssystem durchschauen, in dem die produktive Lebensfähigkeit der
Menschennatur verkümmert. Wir machen Bildungsprozesse durch, die überhaupt erst
Individualität wieder herstellen und daß, was Individualität ist, in einem emanzipativen Sinne
rekonstruieren, indem wir uns im praktischen Kampf gegen dieses System zusammenschließen.
(Konstitution und Klassenkampf, S. 28f.)

Die Bildungsprozesse beinhalten den emanzipativen Kampf um herrschaftsfreie Verkehrsformen


wie die ihr zugehörige strategische Reflexion als revolutionäre Theorie des Spätkapitalismus.
Hierfür war maßgebend, daß einmal das Kapitalverhältnis sein Ende gerade „angesichts seiner
praktisch möglichen Abschaffbarkeit“ (S. 252) in die Länge zu ziehen schien; zum Andern, daß
„die Klasse der Lohnabhängigen (noch nie) mehr Klasse an sich (war) als gegenwärtig“. (S. 253)
Natürlich traf diese Perspektive die Aktualität und Nicht-Aktualität der Revolution gleichermaßen,
nachhaltiger noch das heutige Dilemma im Wildwuchs des Derivatenkapitalismus. Deshalb bleibt
die Insistenz der theoretischen Versuche jener Jahre unabdingbares Desiderat: Die Kritik der
politischen Ökonomie weiterzutreiben als erkenntnistheoretische Selbstreflektion daseiender
Abstraktionen der gesellschaftlichen Totalität.

Diese Intention kritisierte zugleich die Frankfurter Schule. Die kritische Theorie – wie sie in den
frühen Aufsätzen Horkheimers, dann mit Adorno in der „Dialektik der Aufklärung“ formuliert war –
über sich hinauszutreiben durch die Resurrektion der Kritik der politischen Ökonomie als
revolutionäre Selbstreflektion des Spätkapitalismus, – diese transzendierende Kritik wird schon
weit vor dem praktischen Protest der Demonstrationen, Uni-Besetzungen, des aktiven Streiks
usw. von ‘68 greifbar. Im Wintersemester 1966/67 bereits hielt Krahl ein Referat im Adorno-
Seminar, „Zur Wesenslogik der Marxschen Warenanalyse“, das als Exempel für diesen Typus
von Theoriebildung, der Einheit von Ökonomiekritik und Formanalyse, gelten kann. Die Theorie
geht dabei – gemäß des Marxschen Selbstverständnisses – den Kategorien der bürgerlichen
Gesellschaft nach, wobei sie „zugleich Darstellung des Systems und durch die Darstellung Kritik
desselben“ (Marx) betreibt. Hierzu verhalf wesentlich die Wiederentdeckung des Marxschen
„Rohentwurfs“, die „Grundrisse der Kritik der Politischen Ökonomie“ von 1856/57. Der Einfluß des
„Rohentwurf“ auf die Theorieproduktion jener Zeit ist gar nicht hoch genug einzuschätzen. Er war
von den kritischen Theoretikern unbeachtet geblieben und obendrein vom Ost-Marxismus, wie
auch die „Pariser Manuskripte“, als toter Hund betrachtet wurden. Schließlich hatte Alfred
Schmidt in seiner Doktorarbeit „Der Naturbegriff in der Lehre von Karl Marx“ die „Grundrisse“
herangezogen und eine Münchener Gruppe, ich glaube es war die „Subversive Aktion“, sich an
die Lektüre gemacht. 1965 standen einige Exemplare in der damaligen Universitätsbuchhandlung
an verschwiegener Stelle für DM 6,80. Bald konnte der Nachfrage durch diese DDR-Ausgabe von
1953 nicht mehr entsprochen werden, und die Europäische Verlagsanstalt druckte nach. Die
außergewöhnliche Bedeutung des „Rohentwurf“ lag darin, daß Marx seine Methode gleichsam
offen praktizierte und die Kategorien, also die „gesellschaftlichen Existenzbestimmungen“, die
Daseinformen der bürgerlichen Gesellschaft, umfassender wiedergab, als dann in den „Kapital“-
Bänden. So werden hier die „Universalität der Bedürfnisse, Fähigkeiten, Genüsse,
Produktivkräfte etc. der Individuen“ (Rohentwurf, S. 387) thematisiert und, was bei Hegel der
„Geist“ vollzieht, der Totalität des Individuums zugeschrieben, das „in der absoluten Bewegung
des Werdens ist“ (Rohentwurf, S. 387). Kurz, durch die Lektüre des „Rohentwurf“ wurden die
philosophischen Dimensionen der Marxschen Theorie vitalisiert sowie ökonomistische
Verkürzungen, die der Lektüre der „Kapital“-Bände in der Dogmengeschichte zugrunde lagen,
kritisiert. Der historische Materialismus als Theorie der bürgerlichen Gesellschaft erhielt durch die
Formanalyse, also die Genealogie der objektiven Daseinsformen wie Arbeit oder Wert, neue
denuziatorische Schärfe. Krahl formulierte damals: „Die Kritik der politischen Ökonomie klärt die
von den individuellen Produzenten selbst eingegangenen Produktionsverhältnisse auf, die die
allgemeine Selbstbewegung des Kapitals verdunkelt.“ Mit der „materialistischen Darstellung der
Warenform des Produkts“ lassen sich idealistische Begriffswelt, also Kant oder Hegel, wie auch
die Existenzbestimmungen des Kapitalismus – gegenwärtige Verdunkelung, neue Ideologie,
Setzungen der „vielen Kapitalien“ (Marx) – ausweisen im Sinne des Verhältnisses „des Werts zu
seinem Tauschwert als das (Verhältnis) von Wesen und Erscheinung“ (Konstitution und
Klassenkampf, S. 44). Formanalytisch kann Krahl zu Kantens Kritik des ontologischen
Gottesbeweises verzeichnen: „Wenn Kant anmerkt, es könne zum „logischen Prädikate alles
dienen, was man will, sogar das Subjekt kann von sich selbst prädiziert werden; denn die Logik
abstrahiert von allem Inhaltlichen“, so vollzieht sich diese formallogische Abstraktion
gesellschaftlich real in der Differenz des Wertes gegen die qualitative Bestimmung der
Gebrauchswerte. Die Prädikation des Subjekts von sich selbst erscheint als die des
gesellschaftlichen Subjekts, der Vergegenständlichung einer von aller Naturbasis gelösten
abstrakten Arbeit in der Geldform der Ware, die den gesellschaftlichen Individuen schließlich als
ihr dinglich außer ihnen existierendes „Gemeinwesen“ erscheint.“ (S. 53)

Mittlerweile ist dieses „Gemeinwesen“ (Marx) nicht nur außerhalb der Menschen existierende
Mystifikation, vielmehr in Produktion und Psychen eingegangen. Das industrielle Kapital – und
diesem als „Spätkapitalismus“ galt die Kritik der ‘60er und ‘70er Jahre – ist mittlerweile unter die
Herrschaft seines verdinglichten Produkts, des Finanzkapitals, gerückt. Dies erfordert erweiterte
Analyse; aber auf dieser Tendenz insistierte bereits Krahls Augenmerk: „Die menschliche
Revolution, die Emanzipation der Gattung, ist nicht mehr möglich über die personalisierende
Enthüllung der herrschenden Klasse, die immer überwuchert wird von den Apparaten, die ihre
Herrschaft aufrecht erhalten; sie ist nur möglich über eine Denunziation der Dinge, des im
Spätkapitalismus produzierten Schunds, in denen die Verhältnisse sich kristallisieren. Wenn
Entfremdung und Verdinglichung heute Kategorien sind, deren Gültigkeit für den Kapitalismus
zweifelhaft wird, so muß das notwendig in einer wesentlichen Veränderung der Warenform
gesucht werden. Deren Elemente, Gebrauchswert und der an dessen Naturalform usurpativ
erscheinende Wert, müssen in eine qualitativ veränderte Konstellation getreten sein. Die
Warenform, in der der Gebrauchswert tendenziell schon stets abstirbt, die zur Allegorie wird, trägt
die Tendenz zur Zersetzung in sich. Ohne diese wäre die immanente Krisentendenz des
kapitalistischen Akkumulationsprozesses, sich selbst zu unterbrechen, nicht möglich gewesen.
Das Stadium der immanenten Selbstzersetzung der Warenform zugunsten des totalitären
Tauschs ist erreicht, nicht nur hat endgültig die Verpackung über das Produkt gesiegt, – der
Gebrauchswert ist zerstört – wir konsumieren Reklame, wir essen und trinken und ernähren uns
doch davon (Nivellation des Marktes). – Wir müssen die Dinge denunzieren, um die Menschen
für deren Genuß zu befreien. Die Dinge aber, die keine sind, sind die Institutionen – objektiver
Ungeist. Auch der Begriff der Charaktermaske wurde ausgelöscht, hinter den Masken stecken
keine Gesichter mehr; dieser Marxsche Begriff des zur Funktion seines produktiven
Privateigentums herabgesetzten Individuums ist polemisch an der Ideologie von dessen
Autonomie, der der privaten Persönlichkeit, orientiert. Die gibt es nicht mehr – ebenso wie
Anpassung zur Mimesis ausgehöhlt wird. Destruktion des Ichs.“ (S. 84)

Die Menschen werden nicht mehr angepaßt; sie produzieren bewußt die Formen ihrer
Anpassung. Dies verdoppelt die Mystifikation, die im klassischen Ideologiebegriff steckt, der vom
notwendig falschen Bewußtsein ausgeht. Im „anything goes“, den multiplen „Modernen“ oder
„Postmodernen“, dem beliebigen Zugriff auf Medienspektakel oder den mystischen Kollisionen
von Weltbanken stecken Ideologien der Ideologielosigkeit, Abstraktionen, deren Basiskategorie
zwar noch der Wert ist, der indessen von verselbständigten Formen des Mehrwerts, von
Finanzkapital und Zins, zur abgeleiteten Qualität gemacht wurde. So hat sich die Genealogie der
Formen weiter abstraktifiziert. Gerade deshalb bleiben jene wesenslogischen Bestimmungen der
„Kapital“-Lektüre Krahls keine zeitverhafteten Diskussionsfragmente eines übertalentierten
Jungphilosophen. Es sind erforderliche Versuche, die rasanter werdenden Subsumtionsprozesse
unter das Kapital zu bestimmen. „Es gibt hinter den unmittelbaren Erscheinungsformen des
Geldes und der Produkte ein Wesen“, so Krahl in: „Bemerkungen zum Verhältnis von Kapital und
Hegelscher Wesenslogik“ (in: Aktualität und Folgen der Philosophie Hegels, Hg. Oskar Negt,
Frankfurt, 1970). „Dieses Wesen ist der Wert, eine existierende Abstraktion. Ich kann den Wert
zwar nirgends sehen, hören, fühlen, schmecken, er hat keine empirische Wahrnehmbarkeit, aber
er subsumiert unter sich die Gebrauchswerte. Der Wert reduziert im gesellschaftlichen Verkehr
die konkreten Dinge auf die bloße Abstraktion des Werts. Wert ist dabei die Abstraktion von den
konkreten Gebrauchswerten, Individuen, Bedürfnissen und Interessen; Wert ist also Repression.“
(S. 142) Aus dem Wertbegriff erschließt sich somit das Kapital-verhältnis als negative Ontologie;
an den weiteren Spezifikationen dieser Ontologie gemäß der Verlaufsform ihrer Produziertheit
müßte sich die Kritik nun exponieren.

Diese Emphase auf Formanalyse hatte eine eigene – mittlerweile kaum noch auffindbare –
kritische Sensibilität geschaffen, die von Georg Lukacs’ Verdinglichungstheorie, der Rettung einer
marxistischen Philosophie bei Karl Korsch oder Ernst Blochs dialektischem System der Utopie
sich zumal durch die Insistenz auf der Fortbestimmung des historischen Materialismus als
Ökonomiekritik unterschied, also der Formanalyse. In der „Negativen Dialektik“ (1966) erwähnte
Adorno am Rande einen damals unbekannten Autor. Zum Prinzip der Transzendentalität bei Kant
fügt er an: „Alfred Sohn-Rethel hat zuerst darauf aufmerksam gemacht, daß in ihm (dem
transzentendalen Prinzip Kantens; H.R.) der allgemeinen und notwendigen Tätigkeit des Geistes
unabdingbar gesellschaftliche Arbeit sich birgt.“ (Theodor W. Adorno, Negative Dialektik,
Frankfurt am Main 1966, S. 176). Sohn-Rethel hatte nur am Rande 1936 mit Adorno
korrespondiert, zudem nur drei kleine Texte nach dem Kriege veröffentlicht; doch verführte der
Kontext der Adornoschen Erwähnung – also die Wertabstraktion – zu einer großen Entdeckung:
1970 wurde „Geistige und Körperliche Arbeit“ veröffentlicht, ein Buch das dem Verhältnis von
Basis und Überbau durch die Formanalyse der Ware ökonomiekritisch Substanz gab. Sohn-
Rethels „geheime Identität von Warenform und Denkform“ (S. 9) fand gut vorbereitete und
kongruierende Aufmerksamkeit. Das nächste Jahrzehnt der Theorieproduktion war zu einem
guten Teil irgendwie der Konjektur von Formanalyse und Ökonomiekritik geschuldet. Ich hatte mit
„Ware und Dialektik“ (1974) – kritisch-loyal – gekontert; Tillman Rexroth verband die
Formanalyse mit der Warenästhetik.

Ein zweiter Zug begleitet diese formanalytische Radikalisierung der Ökonomiekritik, – und dies
war die praktische Kritik der Revolte, zumal am klassischen Organisationstypus. Die Kritik der
politischen Ökonomie zeigt – worauf der West-Marxismus, also Korsch und Lukacs, stets
verwiesen hatten – den Kapitalismus als historisches Phänomen: aus dem Aspekt seiner
revolutionären Aufhebbarkeit. Mit dieser „Kritik“ sind natürlich in keiner Weise die
Konstitutionsbedingungen einer Subjektivität mitgegeben, welche die praktische Negation
allererst wird durchführen können. Der Ökonomismus des „Kapital“ bietet vorerst den naturhaften
Objektivismus der kapitalistischen Verlaufsform der Gesellschaft; Subjektivität, also nur in ihrer
Negativität, als variables Kapital. Deshalb warten die drei „Kapital“-Bände auch mit keiner
utopischen Perspektive auf; es gibt kein Meer aus Limonade, wie bei Fourier. Aus der
Denunziation der orthodoxen Parteien, mit einem Klassenbewußtsein aus der Kommandowarte,
thematisiert sich gleichwohl – Marcuses Schriften belegen dies chronologisch – die
Konstituierung emanzipatorischer Subjektivität. Diese wiederum beleuchtet die Bedeutung auch
Ernst Blochs oder Wilhelm Reichs zur Selbstbestimmung des „antiautoritären Bewußtseins“. So
vehement die konkrete Utopie sich irgendwie politische Lebensform schaffen wollte – Marcuse
sprach von der „neuen Sinnlichkeit“ – so sehr waren auch die Schranken einer
Intellektuellenbewegung mitgedacht, zumal in der Behutsamkeit vor Dogmatisierungen. Krahl hat
auf jener emanzipatorischen Seite der Organisation stets beharrt; aber viel mehr als Tendenzen
lassen sich nicht aufzeigen. Krahl versetzt lediglich: „Je überflüssiger Arbeit wird, umso
herrschaftsfreiere Organisationsstrukturen muß die revolutionäre Bewegung annehmen.“
(Konstitution und Klassenkampf, S. 196 f.)

Genau dies geschah nicht: Der Selbstauflösungsprozeß des SDS sowie der staatliche
Repressionsapparat – sicher auch ein Leerlaufen der Revolte – produzierte

kaderhafte Organisationsformen wie deren clandestine Zuspitzungen. Zugleich bereiteten die


‘70er Jahre ökonomische Veränderungen vor, die den Begriff des Spätkapitalismus vorderhand
obsolet machten.
Man könnte ans Ende dieser Phase der theoretischen und praktischen Kritik am Kapitalverhältnis
wie dem orthodoxen Marxismus mit Krahl zwei – natürlich verbleibende – Markierungen setzten:
Einmal die Insistenz auf sich befreiender Subjektivität. „Wissenschaftlicher Sozialismus, will er
sozialrevolutionäre Phantasie erzeugen und potentielles Klassenbewußtsein produzieren helfen,
muß gerade die Formulierung der konkreten Utopie leisten.“(S. 310) Zum Andern die
Bestimmung von Ökonomiekritik: „Wenn sich nun das Verhältnis des Staates zur Wirtschaft
dadurch verändert hat, daß der Staat selbst ein Produktionsfaktor und ein elementarer Regulator
des ökonomischen Prozesses geworden ist, wenn sich also dieses Verhältnis von Politik und
Ökonomie, in dem sich ja schließlich die Klassen, wie sie an sich selber beschaffen sind,
konstituieren, geändert hat, wie hat sich dann die Klassenlage sowohl der Kapitalisten als auch
der Lohnabhängigen an sich selber verändert?“ (S. 260)

In den gegenwärtigen Zeitläuften, so sei nur kurz hierzu angemerkt, ist die konkrete Utopie je
produziert und vermarktet. Die Formulierung von Utopie müßte gegen sie selber sich explizieren.
Weiter hat in Krahls Argumentation der Staat ökonomisch- kategoriellen Status; dies war dann
Gegenstand der vielen Staatstheorien, die aus dieser Überbewertung erwuchsen. Heute ist der
Staat zurückgedrängt auf Verwaltungsbedürfnisse des Kapitals. Da die Steuern, d.h. seine
Unterhaltung, tendenziell dem variablen Kapital zufallen, fungiert der Staat als Gratisprofitträger
des Kapitals. Schließlich hat sich in der Tat die Klassenlage geändert; indessen nicht zur
umfangslogischen Potenzierung proletarischen Bewußtseins (auch als Unbewußtes!); sondern ist
zum Derivat der Zirkulation geworden; es ist formbestimmt und aufgehoben durch den
Dienstleister.

Dies sind Veränderungen, die gleichwohl die gestellten Fragen in der Theorie fortsetzen. Die
Endpunkte der Marxschen Ökonomiekritik, aktiengesellschaftliche Unternehmensform und
technologisch kapitalfixiertes Maschinensystem, reichen zur Bestimmung der reellen Subsumtion
des Lebens unter das Kapital nicht mehr aus. In „Für Krahl“ (Merve Verlag, Berlin, 1973) hatte ich
auf den Fortgang der Logik des Kapitals verwiesen – und es sei kuriositätenhalber angefügt –
zwei Verlaufsrichtungen der Theorie pointiert: „Die Theorie muß den veränderten Bedingungen
des Kapitalverhältnisses seit der Marxschen Kritik nachgehen, ökonomiekritisch die
Kapitalformen bestimmen und untersuchen, wie sich angesichts der kapitalistischen
Formbestimmungen die Formen proletarischer Subjektivität gewandelt haben; wie sich
Warenformen, Kapitalformen, Klassenkampfformen im entfalteten Kapitalismus je zu ihrem
Begriff in der Marxschen Theorie verhalten. Dies erfordert die revolutionäre Einheit von Denken
und Handeln, die Einheit von Analyse, Aufklärung und Aktion.“ – „Intention auf die
Gebrauchswertseite nach Maßgabe ihrer jeweiligen Formbestimmtheit heißt: Untersuchung der
Momente von Nicht-Identität in der Praxis, dem Alltagsleben des Proletariats, welche das Kapital
mitproduzieren muß, will es sich weiter entfalten: Kooperationsformen, Revoltformen der Ware
Arbeitskraft, deren sie bedarf, um sich als Lohnarbeiter reproduzieren zu können gegen die
Avancen des Kapitals, die Exploitationsschranken anzuheben; Qualitäten wie Glück und Leid, die
sich der Quantifizierung zum Warencharakter, der Taylorisierung nach Arbeitszeitnormen
sperren.“ (S. 68 f.)

Diese programmatischen Stränge müssen sich durch den Verlauf des Kapitalganges zwar nicht
revidieren, aber die Perspektive wird eine andere. Wenn – was ehemals als konkret-utopischer
Inhalt sich in den Poren der Gesellschaft als neue Sinnlichkeit, Freiheit, das Schöne etc. entfalten
wollte – wenn dies zur Konsumtion und die Bedürfnisse lockend produziert wird, dann käme
diesen Räumen zur Konsumtion logisch der Status negativer Utopie zu. Ebenso müßte der
Kapitalstatus von Derivaten und Investmentfonds die Negativität des variablen Kapitals
explizieren, zumal dies hieße, daß heute Kritik nur negativistisch sein kann, um sich selbstbewußt
des Scheins zu entschlagen, als gäbe es noch direkte Stege oder Strickleitern zum Wahren.
Dieses Wahre als das soziale Ganze ist reines Artefakt. Zugespitzt ließe sich ausmachen, daß
die reelle Subsumtion der Arbeit unter das Kapital und die Herrschaft des relativen Mehrwerts mit
den entsprechenden industriellen Pathologien erst mit dem großen Angriff auf das variable
Kapital vollends eintritt, den wir heute mit dem Legitimationsfetisch „Globalisierung“ erleben. Die
tendenzielle Abschaffung des variablen Kapitals, also des Proletariats, koinzidiert allererst mit der
Höhe der Marxschen Analyse. Erst hier entfaltet sich die Dialektik von Aufklärung und
Umnachtung als materielle Vernunftkritik anhand der Selbstbewegung der Kategorien. Die
Umnachtung ist global, Aufklärung ihr nicht-identisches Derivat. Die spezifisch kapitalistische
Form produziert je neue Bedingungen der Herrschaft des Kapitals über die Arbeit, – bis zu deren
tendenzieller Aufhebung. Erst in dieser Epoche des Abweiterlegens entfaltet sich die Klassizität
der Marxschen Analyse.

Mit dieser globalen Strategie geht die Epoche zuende, deren erster großer Zeuge Thomas Morus
war, dessen utopischer Blick diese Negativität ökonomisch bestimmte. Nunmehr vollzieht sich
eine „zweite“ ursprüngliche Akkumulation. In dieser werden die Produktionsmittel des neuen
Reichtums unmittelbar zur Konsumtion der Konsumtion produziert. Der Dienstleister als Resultat
und Mittel der zweiten ursprünglichen Akkumulation ist bereits jener Lurch, den Horkheimer und
Adorno vorausahnen und den beispielsweise Jacques Attali, der Präsident der Europäischen
Bank für „Reconstruction and Development“ in London als „loser in the coming World Order“ in
die Verwertungsbestände der Globalisierung aufnimmt. Die zweite ursprüngliche Akkumulation
produziert diese Losers, denen durch eine Übermacht von Informationen, Lauten und Bildern die
Scheinautonomie des universellen Konsumenten mit der Freiheit globalen Einsatzes als
Reservearmist immer unmerklicher eingebläut wird. Der Kapitalismus selber produziert sich als
nichtkapitalistisches Milieu, wie das variable Kapital als Reservearmee. Sie ist als Werkzeug
eingeplant, ebenso wie die gigantische Sicherheitsindustrie zu ihrem Schutz. Der Fortschritt
produziert seinen eigenen Vorkapitalismus; die Menschen werden in den freiwilligen
Dienstleisterwelten wieder Menschenmaterial wie für die Heeresführung oder Werkzeuge wie in
den Rechnungsbüchern der Kameralistik vor dem Aufkommen der politischen Ökonomie. So wird
das größte Elend sich dann herstellen, wenn es keines mehr gebt.

Man kann also mit den Veränderungen, welche die letzten zwanzig Jahre gebracht haben, nicht
mehr, wie Marcuse noch 1967 in „Das Ende der Utopie“, (Berlin 1967, S. 117). davon ausgehen,
daß in einer Negation als „konkrete Alternative selbst schon das Positive steckt“. Der
liebenswerte Schlachtruf, die Phantasie an die Macht, könnte heute Monster in die Welt setzen.

Diese Übergangszeit, sei sie als später Spätkapitalismus, dritte oder vierte Moderne bezeichnet,
erprobt den Stillstand in Permanenz. Standortbestimmungen und Lagerbildungen, alle Konsens-
Unwörter suggerieren neue Ewigkeiten. Wenn Abstraktionen realisieren, Wirklichkeit zerstören
heißt, dann feiern die Läufte einen Sieg der Affirmation. Der mainstream selbst verpackt sich in
Kritik, um diese mundtot zu machen. Ehemals aufs Ganze gehende Kategorien, wie
Kulturbetrieb, werden heute affirmativ gehandelt. Der multiple akademische Dienstleister
unterzieht sich dem Musikmanagement, dem Gesundheitsmanagement, dem
Betriebsmanagement, dem Tourismusmanagement, dem Ökomanagement, gar dem
Kulturmanagement mit Magisterabschluß als Kulturwirt. Kant insistierte noch auf der Wirtbarkeit
der Erde für das Heraufkommen des ewigen Friedens. Diese allgemeine Hospitalität sperrt sich
gegen jedes Management von Menschen. Jene Wirkbarkeit ist Totalitätskategorie, bei Kant in
dem schönen sinnlichen Glanze, daß die Erde rund ist, folglich jeder Mensch gleiche Hospitalität
auf dem Erdenrund genießen dürfe. Sie schließt deshalb Herrschaft aus.

Die gegenwärtige Theoriebildung müßte die Verschiebung der Basiskategorien reflektieren. Die
Ontologik des Kapitals war stets die Ebene zweiter Natur, also eine entfremdet produzierte. Ihre
Kategorien von Ware, Wert, Kapital waren die Schlüsselbegriffe zur Darstellung und Entlarvung
dieser Gesellschaft, mithin der Ideologiekritik und Entzauberung der ideologischen Formen der
vielen Kapitalien, also Zins, Rente und Arbeitslohn, der trinitarischen Formel; diese gehört, wie
Marx ausdrücklich formuliert, dem monopolisierten Erdball an. Diese Stufe der Kapitalexpansion
setzt nun die genetisch zweiten Kategorien als logisch erste. Das neue Gehäuse der Kapitallogik,
von der die Entschleierung ausgehen muß, sind nun die wesenslogischen Kategorien des
zinstragenden Kapitals, Rentenfonds und entsprechend formbestimmten variablen Kapitals. Die
Hospitalitätshoffnung Kantens durchs Erdenrund ist damit endgültig produzierter Schein, dritte in
Natur.

Stets sind Utopien okkupierte Terrains. Ausmalungen sind Machtergreifungen. So beläßt es der
liebenwürdige Morus bei der Sklaverei und einem – wenn auch gemäßigten – Imperialismus.
Marx hatte das Reich der Freiheit im „Rohentwurf“, wo es hingehört, zurecht in Parenthese
gesetzt. Selbst Fourier, der Kommunist der schönen Sinnlichkeit, läßt nicht umstandslos das
Meer zu Limonade werden; er bedenkt immerhin eine negative Dialektik der Zivilisation. Lafargue
verficht, jedermann zu verbieten, mehr als drei Stunden pro Tag zu arbeiten. Entschieden fragt er
nun nach: „aber wie soll man von einem durch die kapitalistische Moral korrumpierten Proletariat
einen männlichen Entschluß erlangen“ (Lafrague, Recht auf Faulheit, Frankfurt/Main, 1966, p.
48). Diese erkenntnistheorietische Frage betrifft heute das Erdenrund und seine Dienstleister. Die
Theorie ist deshalb von dem Paradoxon geleitet, jenes Niemandsland umso besser zu erkennen
je weniger es ihr bekannt ist.

1 Vortrag gehalten an der „Roten-Ruhr-Universität“ (Bochum), 1998

Rev.doc/22. Mrz. 99
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