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Titelseite: Gschwind marschiert wieder

Baselbiet | Die Bildungsdirektorin stellt ihre Pläne zur Lehrplan-Einführung vor

ssc. Die Regierungsrätin Monica Gschwind will die Einführung des Lehrplans 21 im Baselbiet endlich anpacken. Sie hat gestern vor den Medien das Ende des Marschhalts Sek I verkündet und gleichzeitig ihren neuen Marschplan vorgestellt. Dieser sieht die Einführung des umstrittenen Lehrplans für das Schuljahr 2020/21 vor, zwei Jahre nach dem vom Bildungsrat beschlossenen Termin. Grund für die Verzögerung ist Gschwinds Vorhaben, die hängigen bildungspolitischen Initiativen der Starken Schule und eine Motion von Regina Werthmüller vorab vom Tisch zu bringen und allfällige Entscheide in die Planung einfliessen zu lassen. Ziel ist ein breit abgestützter und mehrheitsfähiger Lehrplan, der auf die Bedürfnisse des Kantons abgestimmt ist.Weitere Initiativen möchte sie durch die Einbindung aller Anspruchsgruppen bei der Planung vermeiden.

Zu reden dürfte indes auch Gschwinds angekündigter Plan geben, den Bildungsrat abzuschaffen. Sie werde der Regierung beantragen, das Gremium durch eine regierungsrätliche Kommission mit beratender Funktion zu ersetzen. Der Bildungsrat beschliesst bis anhin die Stundentafeln und Stufenlehrpläne von der Primar- bis zur Sekundarstufe II sowie die Lehrmittel der Volksschule. Diese Kompetenz will Gschwind dem Regierungsrat übergeben. Seite 3

will Gschwind dem Regierungsrat übergeben. Seite 3 Monica Gschwind hat einen Plan zur Einführung des Lehrplans

Monica Gschwind hat einen Plan zur Einführung des Lehrplans 21 geschmiedet.

Seite 3: Lehrplan kommt zwei Jahre später

Baselbiet | Regierungsrätin Monica Gschwind stellt ihren neuen Marschplan vor

Die Baselbieter Regierungsrätin Monica Gschwind will den Lehrplan 21 auf das Schuljahr 2020/21 einführen, zwei Jahre später als vom Bildungsrat beschlossen. Bei der Entwicklung des neuen Lehrplans setzt sie auf den Dialog mit Lehrpersonen und Politik.

Sebastian Schanzer

Fünf Angriffe auf politischer Ebene hat der Lehrplan 21 Stand heute noch zu überstehen, bis grünes Licht für dessen Einführung im Baselbiet aufleuchtet. Allein vier davon in Form von Volksinitiativen. Die Bildungsdirektorin Monica Gschwind hat nun angekündigt, diese zügig und «in einem Guss» abzuarbeiten, um den neuen Lehrplan auf das Schuljahr 2020/21 einzuführen. Das ist zwei Jahre später, als vom Bildungsrat ursprünglich vorgesehen, für Gschwind aber trotzdem ein ambitioniertes Ziel. «Der Marschhalt ist beendet», sagt sie an ihrer gestrigen Bilanz mit Ausblick und legt der Öffentlichkeit nun ihren Marschplan vor.

Die beiden zusätzlichen Jahre benötigt Gschwind, um alle politischen Forderungen in die Lehrplanentwicklung aufzunehmen. Sie ziele auf eine breite Abstützung durch Lehrerschaft und Politik, sodass am Ende eine mehrheitsfähige Lösung vorliege. Das heisst, die Volksinitiativen alle vier stammen aus der Feder des Komitees Starke Schule Baselland sollen gebündelt und möglichst rasch vors Volk kommen. Die entsprechenden Entscheide fliessen dann in die Planung. Namentlich geht es bei den Initiativen etwa um den Ausstieg aus dem Fremdsprachenprogramm Passepartout, um Lehrpläne mit klar definierten Stoffinhalten und Themen oder um die Einführung einer einzigen Fremdsprache auf Primarstufe.

Neben den Initiativen ist auch eine Motion der Sissacher Landrätin Regina Werthmüller zu den Lehrplaninhalten hängig. Sie fordert von der Regierung eine klare Benennung jener Stoffe und Themen, die im Unterricht pro Schuljahr behandelt werden müssen. Anstatt wie gefordert das Bildungsgesetz anzupassen, will Gschwind dem Landrat das Muster eines sogenannten Stoffverteilungsplans vorlegen. Mit diesem könne man Werthmüllers Forderung nachkommen. Die Stoffverteilungspläne müssten dann vom Bildungsrat beschlossen werden und fungieren als Ergänzung zu den umstrittenen Kompetenzen, erklärt Gschwind.

Starke Schule hält fest

Die Regierungsrätin erhofft sich durch die Umsetzung von Werthmüllers Motion auch einen Rückzug der Initiative «Lehrpläne mit klar definierten Stoffinhalten und Themen » vonseiten der Starken Schule. Bei den beiden Anliegen gäbe es keine wesentlichen Unterschiede. Das Komitee um Landrat Jürg Wiedemann lässt indes verlauten, man befürworte zwar das Vorgehen der Bildungsdirektorin, halte aber an der «etwas weitergehenden Initiative » fest.

Wichtig ist Gschwind bei der Lehrplan-Einführung auch die Meinung der Lehrerschaft, wie sie betont. Noch während des Marschhalts, an dem alle Reformen vorübergehend sistiert wurden, führte sie Lehrerbefragungen durch und kenne daher die Baustellen nun sehr genau. An diesem Austausch möchte Gschwind auch künftig festhalten. Jeden Monat sollen sich Vertreter aller Anspruchsgruppen in der «Plattform Bildung» für zwei Stunden treffen und Gespräche führen. «Reden ist ein wichtiger Bestandteil meiner Strategie», sagt sie. Aufhorchen lässt indes ein weiteres Vorhaben der Regierungsrätin. Sie will den Bildungsrat abschaffen und durch eine regierungsrätliche Kommission ersetzen. Den Antrag dazu werde sie der Regierung im Zusammenhgang mit einer Motion stellen. Diese Kommission habe dann nur noch beratende Funktion. Am Bildungsrat liegt es aber vorerst, gemeinsam mit Gschwinds Kollegen von der Regierung, die Verschiebung der Lehrplan- Einführung zu genehmigen.