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Buddhistische Meditationsberichte: eine Meditationsanthologie basierend auf dem Suttanta
Buddhistische
Meditationsberichte:
eine Meditationsanthologie basierend
auf dem Suttanta

Buddhistische Meditationsberichte: eine Meditationsanthologie basierend auf dem Sut- tanta (draft) von pamokkha

Version 0.1: 16.11.2016 Alle Rechte vorbehalten, © 2016 München

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

4

2. Buddha im Mahaparinibbana-sutta

4

3. Sariputta im Yakkhapahara-sutta

6

4. Sanjiva im Maratajjaniya-sutta

7

1.

EINLEITUNG

Hier entsteht eine Anthologie von buddhistischen Meditationsberich- ten, wie sie im Suttanta von der Theravada-Tradition übermittelt werden.

2. BUDDHA IM MAHAPARINIBBANA-SUTTA 1

In dem Augenblicke kam der Malla Pukkusa, ein Jünger des Āḷāra Kālāma, auf der Straße von Kusinārā nach Pāvā gegangen. Als er den Erhabenen unter einem Baume sitzen sah, ging er auf ihn zu, verneigte sich ehrerbietig vor ihm, ließ sich etwas abseits von ihm nieder und sprach zum Erhabenen: „Herr, es ist doch ganz eigentümlich und wunderbar, über welche Seelenruhe diese Weltentsagenden verfügen:

„Als Āḷāra Kālāma früher einmal unterwegs war, verließ er die Straße und setzte sich während (der heißen Zeit) des Tages unter einen Baum, der in der Nähe stand. Da kamen fünfhundert Wagen ganz nahe bei Āḷāra Kālāma vorbei. Hinter dieser Wagen-Karawane kam ein Mann, der ging auf Āḷāra Kālāma zu und fragte ihn: ‚Herr, hast du die fünfhundert Wagen gesehen, die hier vorbei kamen?‘ ‚Nein, lieber Freund,‘ ‚Hast du den Lärm davon gehört?‘ ‚Nein, lieber Freund.‘ ‚Dann hast du wohl geschlafen, Herr?‘ ‚Nein, lieber Freund.‘ ‚Bist du denn bei Bewußtsein gewesen, Herr?‘ ‚Ja, lieber Freund.‘ ‚Herr, so hast du also bei vollem Bewußtsein und im wachen Zustande die fünfhundert Wagen weder gesehen noch gehört, obwohl sie ganz nahe bei dir vorbeikamen?! Auf deinem Gewande liegt sogar der Staub davon!‘ ‚So ist es, lieber Freund.‘ Herr, da stieg in dem Manne

1 https://suttacentral.net/de/dn16

der Gedanke auf: ‚Wie eigentümlich, wie wunderbar! Was haben diese Welt- entsagenden doch für eine Seelenruhe, daß einer bei vollem Bewußtsein und im wachen Zustande fünfhundert Wagen, die ganz nahe bei ihm vorbei- kommen, weder sieht noch hört!‘ Und nachdem er seinem großen Glauben an Āḷāra Kālāma Ausdruck gegeben hatte, ging er von dannen.“

„Was, glaubst du, Pukkusa, ist (von beiden Dingen) wohl schwerer auszuführen oder anzutreffen: Daß einer bei vollem Bewußtsein und in wachem Zustande fünfhundert Wagen, die ganz nahe bei ihm vorbeifahren, weder sieht noch hört, oder daß einer bei vollem Bewußtsein und in wachem Zustande es nicht sieht und hört, wenn es regnet und gießt, wenn es blitzt und mit Krachen einschlägt?“

„Herr, wie können da wohl fünfhundert, oder (meinetwegen) auch sechs-, sieben-, acht-, neun-, zehnhundert, oder auch hundert- oder tau- sendmal (so viel) Wagen in Betracht kommen? Es ist doch viel schwerer und auch viel seltener, daß jemand bei vollem Bewußtsein und in wachem Zustande es nicht sieht und hört, wenn es regnet und gießt, wenn es blitzt und krachend einschlägt.“

„Nun, Pukkusa, ich wohnte einmal in Bhusāgāra bei Ātumā. Da kam ein Regenwetter, es goß, blitzte und schlug krachend ein, und zwei Bauern von Bhusāgāra, die Brüder waren, wurden erschlagen, außerdem vier Ochsen. Und es sammelte sich eine große Masse Volk aus Ātumā an der Stelle, wo die zwei erschlagenen Bauern und die vier Ochsen lagen.

„Ich war gerade aus Bhusāgāra herausgekommen und ging vor dem Tore im Freien spazieren. Da kam einer aus diesem Volkshaufen auf mich zu, grüßte mich ehrerbietig, stellte sich etwas abseits hin, und ich fragte ihn:

„‚Lieber Freund, was hat denn dieser große Volksauflauf zu bedeu- ten?‘ ‚Herr, eben, als es regnete und goß, blitzte und krachend einschlug, sind zwei Bauern, die Brüder waren, und vier Ochsen erschlagen worden.

Nach der Stelle, wo sie liegen, ist das Volk zusammengelaufen. Wo bist du denn aber gewesen, Herr?‘ ‚Hier war ich, lieber Freund.‘ ‚Herr, hast du denn da nicht alles selbst gesehen?‘ ‚Nein, lieber Freund.‘ ‚Oder gehört, Herr?‘ ‚Auch nicht, lieber Freund.‘ ‚Hast du denn geschlafen, Herr?‘ ‚Nein, lieber Freund.‘ ‚Bist du denn da bei vollem Bewußtsein gewesen?‘ ‚Ja, Freund.‘ ‚So hast du also, Herr, obgleich du bei vollem Bewußtsein und in wachem Zustande warst, weder gesehen noch gehört, daß es regnete, goß, blitzte und einschlug?‘ ‚So ist es, Freund.‘

„Pukkusa, da stieg in dem Manne der Gedanke auf: ‚Wie eigentümlich, wie wunderbar! Was haben die Weltentsagenden doch für eine Seelenruhe, daß einer bei vollem Bewußtsein und in wachem Zustande weder etwas davon sieht noch hört, wenn es regnet und gießt, blitzt und mit Krachen ein- schlägt!‘ Und er gab seinem großen Glauben an mich Ausdruck, verneigte sich ehrerbietig vor mir, ging nach rechts hin um mich herum und entfernte sich.“

3. SARIPUTTA IM YAKKHAPAHARA-SUTTA 2

Zu jener Zeit aber saß der ehrwürdige Sāriputta in einer mondhellen Nacht mit frischgeschorenen Haaren unter freiem Himmel, in eine bestimmte Konzentration versunken. Damals aber zogen zwei miteinander befreundete Yakkhas, um irgend etwas zu erledigen, von Norden gegen Süden. Es sahen nun diese Yakkhas den ehrwürdigen Sāriputta, wie er in mondheller Nacht mit frischgeschorenen Haaren unter freiem Himmel saß, und als sie ihn erblickten, sprach der eine Yakkha zum andern: „Mein Lieber, es kommt mir in den Sinn, diesem Asketen hier einen Schlag auf den Kopf zu ge- ben.“ Aber ohne sich an den andern zu kehren, gab jener Yakkha dem

2 https://suttacentral.net/de/ud4.4

ehrwürdigen Ordensälteren Sāriputta einen Schlag auf den Kopf, (es war ein mächtiger Schlag). Mit eben diesem Schlage könnte man einen sieben oder achthalb Ellen hohen Elefanten niederstrecken oder eine große Berg- spitze zerschmettern. Der Yakkha aber stürzte mit den Worten “ich brenne! ich brenne!“ unverzüglich in eine Große Hölle.

Es sah nun der ehrwürdige Mahā-Moggallāna mit dem himmlischen Auge, dem geklärten, übermenschlichen, wie dem ehrwürdigen Sāriputta von jenem Yakkha ein Schlag auf den Kopf gegeben wurde. Als er das sah, begab er sich hin zum ehrwürdigen Sāriputta und sprach zu ihm: „Freund, geht es dir gut? Fühlst du dich gesund? Hast du irgendwie Schmerzen?“—„Es geht mir gut, Freund Moggallāna, ich fühle mich gesund. Freund Moggallāna; nur im Kopfe habe ich einen unbedeutenden Schmerz.“

4. SANJIVA IM MARATAJJANIYA-SUTTA 3

Bei dieser Gelegenheit war der Erhabene Kakusandha, verwirklicht und vollständig erwacht, in der Welt erschienen. Der Erhabene Kakusandha, verwirklicht und vollständig erwacht, hatte ein glückverheißendes Paar von Hauptschülern, namens Vidhura und Sañjīva

„Einmal geschah es, Böser, daß der ehrwürdige Sañjīva sich am Fuße eines bestimmten Baumes niedergesetzt hatte und in das Aufhören von Wahrnehmung und Gefühl eingetreten war. Einige Kuhhirten, Schäfer und Ackerleute, die vorbeikamen, sahen den ehrwürdigen Sañjīva am Fuße des Baumes sitzen, in das Aufhören von Wahrnehmung und Gefühl eingetreten, und sie dachten: ,Es ist wunderbar, meine Herren, es ist erstaunlich. Da sitzt dieser Mönch tot da. Wir wollen ihn verbrennen.‘ Dann sammelten

3 https://suttacentral.net/de/mn50

die Kuhhirten, Schäfer und Ackerleute Gras, Holz und Kuhmist, und nachdem sie es um den Körper des ehrwürdigen Sañjīva herum aufgeschichtet hatten, setzten sie es in Brand und gingen ihres Wegs.“

„Als nun die Nacht vorüber war, Böser, tauchte der ehrwürdige Sañjīva aus dem Erreichungszustand auf. Er schüttelte seine Robe aus, und weil es Morgen war, zog er sich an, nahm seine Schale und äußere Robe und ging um Almosen in das Dorf hinein. Die Kuhhirten, Schäfer und Ackerleute, die vorbeigekommen waren, sahen den ehrwürdigen Sañjīva um Almosen umhergehen und sie dachten: ,Es ist wunderbar, meine Herren, es ist erstaunlich. Dieser Mönch, der tot dasaß, ist zum Leben zurückge- kehrt!‘ Auf jene Weise kam der ehrwürdige Sañjīva zu der Bezeich- nung ,Sañjīva‘.“