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Anfertigen einer Lautenrosette

Michael Sander

ANFERTIGEN EINER LAUTENROSETTE

Lautenrosette Michael Sander ANFERTIGEN EINER LAUTENROSETTE Die hier beschriebene Methode, eine Rosette in eine

Die hier beschriebene Methode, eine Rosette in eine Fichtendecke zu schneiden bzw. zu schnitzen, habe ich in der Werkstatt des Lauten- und Gambenbauers Günter Mark (Bad Rodach) kennen gelernt.

Werkzeuge, Hilfsmittel, Vorbereitungen

kennen gelernt. Werkzeuge, Hilfsmittel, Vorbereitungen Die Beschaffenheit der Unterlage ist wichtig für das

Die Beschaffenheit der Unterlage ist wichtig für das Gelingen. Die Oberfläche muss sich mit einer feinen Klinge leicht einschneiden lassen; das Material darf jedoch in sich nicht so weich sein, dass es bei punktuellem Druck einsinkt (Bruchgefahr). Praktikabel sind z. B. die in Schreibwaren- oder Bastelläden erhältlichen Schneidunterlagen, Linoleum bzw. ähnlich fester Fußbodenbelag (PVC ist zu weich!) oder eine plane (!) Hirnholzfläche.

Zirkel

ist zu weich!) oder eine plane (!) Hirnholzfläche. Zirkel Schneidunterlage Zwei verschiedene Zirkel sind hilfreich:

Schneidunterlage

oder eine plane (!) Hirnholzfläche. Zirkel Schneidunterlage Zwei verschiedene Zirkel sind hilfreich: einer mit

Zwei verschiedene Zirkel sind hilfreich: einer mit Bleistiftmine und ein weiterer, bei dem die Mine durch eine Schneide ersetzt wurde. Diese kann man aus einem 2 mm Bohrerschaft (z. B. eines abgebrochenen Bohrers) durch Anschliff herstellen. Bei Kauf oder Auswahl des Zirkels ist darauf zu achten, dass die Schenkel kein oder nur minimales Spiel haben!

Anfertigen einer Lautenrosette

Schneidwerkzeuge

Anfertigen einer Lautenrosette Schneidwerkzeuge Michael Sander Am besten eignen sich Skalpelle, deren Klinge man sich noch

Michael Sander

Am besten eignen sich Skalpelle, deren Klinge man sich noch etwas zurechtschleifen muss. Zum eigentlichen Ausschneiden der Durchbrüche braucht man eine eher stumpfwinklige (30 bis 40°) Klinge. Oberhalb der Klinge sollte es eine Auflage für den Zeigefinger geben, da dieser stark beansprucht wird. Für das Beschnitzen von außen sind ein weiteres - spitz angeschliffenes - Skalpell und in unterschiedlichen Winkeln angeschliffene schlanke Schnitzer nützlich.

Papier Um das Rosettenmuster auf die Decke zu übertragen, wird eine Papiervorlage auf der Innenseite der Decke aufgeleimt. Warmleim funktioniert gut (ausreichende Trockungszeit einhalten), evtl. auch Titebond oder ähnliche Leime; wichtig ist eine gute Verbindung zwischen Papier und Holz, da das Papier später auch eine stabilisierende Funktion hat. Deshalb sollte es auch mit einem so großen Rand ausgeschnitten werden, dass es den äußeren Zierrand noch mit unterfüttert. Bei der Wahl des Papiers ist zu beachten, dass es sich beim Auftragen des Leimes nicht verzieht (und aus dem Kreis ein Ei wird). Da dies bei üblichem Kopier- oder Schreibpapier der Fall ist, benutze ich ein 80 g - Japanpapier (Künstlerbedarf). Auf das Papier wiederum bringt man das Muster mittels Kopierer oder Drucker, dabei lässt sich auch die Größe anpassen. Das Muster auf der Papiervorlage sollte geometrisch möglichst genau sein, da sich Unregelmäßigkeiten (die das Gesamtbild dann lebendig machen) unweigerlich von selbst einschleichen.

Holz Um Fichtenholz mit einer Klinge einfach schneiden zu können, darf es nicht dicker als ca. 1.3 mm sein. Lautendecken mit geschnittenen Rosetten sind in diesem Bereich normalerweise ca. 1 bis 1.3 mm stark. Feinjähriges Holz lässt sich wesentlich besser schneiden als weitjähriges oder solches mit stark ausgeprägtem Spätholz.

Arbeitsschritte

Mit dem schneidenden Zirkel sticht man den Mittelpunkt der Rosette nach außen durch, nimmt den Radius ab und überträgt ihn auf die Außenseite der Decke.

der Rosette nach außen durch, nimmt den Radius ab und überträgt ihn auf die Außenseite der

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Genau den gleichen Radius sollte man anschließend mit dem Zeichenzirkel noch einmal auf der Innenseite nachzeichnen, um sicherzustellen, dass die Kreise auf beiden Seiten deckungsgleich sind. Dabei werden dann eventuelle Ungenauigkeiten der Papiervorlage sichtbar bzw. korrigiert.

Dann geht es zunächst mit dem Schneidzirkel auf der Deckenaußenseite weiter: Man vergrößert die Zirkelspanne um 2 bis 3mm gegenüber dem ersten Kreis und zieht einen zweiten, dann – in der beabsichtigten Breite des Kerbschnittbandes – einen dritten. Zuletzt zieht man noch einen vierten Kreis, dessen Abstand zum dritten etwas größer ist als der zwischen den beiden ersten Kreisen.

größer ist als der zwischen den beiden ersten Kreisen. Die Decke wird nun gewendet und es
größer ist als der zwischen den beiden ersten Kreisen. Die Decke wird nun gewendet und es

Die Decke wird nun gewendet und es beginnt das Ausschneiden mit dem stumpfwinkligen Skalpell. Man arbeitet systematisch, indem man alle geraden Schnitte macht, die parallel verlaufen, dann die Decke ein Stück weiterdreht usw. Danach verfährt man genauso mit den bogenförmigen Schnitten, die etwas mehr Übung erfordern. Macht man die Schnitte quer zur Faser jeweils zuerst, mindert man die Bruchgefahr. Schräge Schnitte so ausführen, dass die Klinge mit Bezug auf das spätere Abfallstückchen gegen die Faser schneidet. Das Skalpell gerade halten, damit die Schnittflächen möglichst rechtwinklig zur Deckenfläche stehen! Gut in die Ecken hineinschneiden! Und das Ergebnis hin und wieder auf der Außenseite kontrollieren: Sind die Schnittkanten nicht mehr sauber sondern fransig, muss die Klinge nachgeschärft werden. Sobald man soweit ist, dass kleine Segmente herausfallen, ist peinlich darauf zu achten, dass diese nicht zwischen Schneidunterlage und Decke gelangen (Bruchgefahr). Wenn alles ausgeschnitten ist, wendet man die Decke und kann nun – von unten her schneidend – mit Blick auf die Außenseite Korrekturen vornehmen. Um alles plastischer zu gestalten, wird anschließend die Außenseite noch beschnitzt.

Zuerst zu den Kreuzungen:

die Außenseite noch beschnitzt. Zuerst zu den Kreuzungen: Die Bänder und Ranken sollen aussehen, als seien
die Außenseite noch beschnitzt. Zuerst zu den Kreuzungen: Die Bänder und Ranken sollen aussehen, als seien

Die Bänder und Ranken sollen aussehen, als seien sie miteinander verwoben. Man startet am besten wieder mit den geraden Bändern und geht von der Mitte aus systematisch vor. Längs desjenigen Bandes, welches „oben“ verlaufen soll, schneidet man senkrecht leicht ein

Anfertigen einer Lautenrosette

Anfertigen einer Lautenrosette Michael Sander und dann von der Seite her mit flach geführter Klinge wieder

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und dann von der Seite her mit flach geführter Klinge wieder auf diesen Einschnitt hin.

flach geführter Klinge wieder auf diesen Einschnitt hin. Hierfür ist der stumpfwinklige Schnitzer geeignet.

Hierfür ist der stumpfwinklige Schnitzer geeignet. Kreuzungen mit krummen Linien lassen sich besser mit dem Skalpell beschnitzen. Ebenso die Blätter: diese werden mit zwei flach geführten Schnitten, die sich in der Blattmitte treffen, ausgehöhlt. Die geraden Bänder können nun noch eine oder zwei parallele Zierlinien erhalten. Dazu wird jeweils ein senkrechter Schnitt entlang des Lineals gezogen,

jeweils ein senkrechter Schnitt entlang des Lineals gezogen, dann – frei Hand – schräg entlang des

dann – frei Hand – schräg entlang des ersten Schnittes ein Spänchen herausgenommen.

entlang des ersten Schnittes ein Spänchen herausgenommen. Den Blattstilen oder gebogenen Ranken nimmt man die

Den Blattstilen oder gebogenen Ranken nimmt man die Kantigkeit, indem man die Kanten mit schräg geführtem Schnitzer mehr oder weniger stark anfast. Für den Kerbschnitt im Rand der Rosette müssen erst die beiden Begrenzungskreise vorsichtig mit Schnitzer oder Skalpell nachgezogen und dann die quer verlaufenden Einschnitte gemacht werden (jeweils von innerer und äußerer Begrenzung zur Mitte des Zierbandes schneiden). Danach den Schnitzer flach ansetzen und die kleinen Ecken herausnehmen. Zuletzt zieht man mit dem Schnitzer den äußersten Kreis nach und hebt diesen hervor, indem man frei Hand ein feines keilförmiges Spänchen herausschneidet. Der Schnitzer ist dabei zur Kreismitte hin abgewinkelt.

Literaturempfehlung Lundberg, Robert: Historical Lute Construction. Washington 2002 (ISBN 0-9626447-4-9)