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Die anforderung, den Durch- bruch „sicher“ zu schließen, wur- de hier offensichtlich falsch inter- pretiert. eine Schottung gemäß allgemeiner bauaufsichtlicher Zu- lassung ist nicht mehr möglich.

Brandschutzmängel in der Bauausführung vermeiden

Michaela Sander*

Ob im Rahmen einer Bauabnahme oder der Überprüfung der Bauqualität – häufig werden zum Teil gravierende Brandschutzmängel in der technischen Installation festgestellt. Als Ursachen kommen Planungsfehler aber oft auch Ausführungsfehler in Betracht. Vor diesem Hintergrund zeigt der nachfolgende Beitrag insbesondere Mängel auf, die während der Bauphase entstehen können.

*) Michaela Sander, Sachverstän- digenbüro Sander/Donislawski, Hamburg

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V iele Brandschutzmängel haben ihren Ursprung be-

reits in der Konzept- und Pla- nungsphase. Meist werden die Fehler jedoch erst nach der Ausführung entdeckt, so- dass in erster Linie die Leis- tungen des ausführenden Un- ternehmens als mangelhaft bewertet werden. Da es sich bei Brandschutzmängeln um sicherheitsrelevante Mängel handelt, sind teilweise um- fangreiche Sanierungsmaß- nahmen erforderlich. Hier- durch entstehen in der Regel

Kreative Befestigung einer Sml- rohrleitung unter einem lüftungskanal in einem Flur mit Brandschutzanforde- rung. Das Gussrohr wurde im Flur verlegt, in dem bereits kreuzende lüftungskanäle installiert wurden. Die abspannweite von 2,50 m war für die Befestigung über der F30-Decke zu weit bzw. das Profil zu schwach.

erhebliche Kosten. In diesem Zusammenhang ist es wich- tig, dass für eine Leistung, die nicht ordnungsgemäß er- bracht werden kann, rechtzei- tig Bedenken gemäß VOB/B anzuzeigen ist. Als Konse- quenz bleibt dann oft nur üb- rig, dass Sonderlösungen in Zusammenarbeit mit Sach-

verständigen und Bauauf- sichtsbehörden erarbeitet wer- den müssen. Im Rahmen von Sachver- ständigenprüfungen werden häufig folgende Baumängel festgestellt:

∑ Brandschutzklappen, Ka- belabschottungen usw. werden mangelhaft einge- baut oder sind für die Ein- bausituation gemäß allge- meiner bauaufsichtlicher Zulassung nicht geeignet,

∑ L90-Verkleidungen und

F30-Deckenluftauslässe

werden nicht gemäß allge- meinem bauaufsichtlichen Prüfzeugnis montiert,

∑ Revisionsöffnungen feh- len,

∑ Anlagenkomponenten sind nicht zugänglich,

IKZ-HaustecHnIK·Heft21/2008

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Die Verlegung der Gussrohrleitung in einer F90-Wand ist in dieser Form

(ohne weitere Brandschutzmaßnahmen) nicht zulässig. in diesem Fall ist eine aufdoppelung der Wand oder eine abkofferung erforderlich.

∑ Brennbare Leitungen be- finden sich in Lüftungs- schächten,

∑ Rauchmelder in Umluftan- lagen fehlen (Sicherheits- abschaltung),

∑ Dachdurchführungen sind nicht gegen Brandübertra- gung auf das Dach gesi- chert,

∑ Brandschottungen sind durch Überbelegungen von Durchbrüchen bzw. durch

zu große Installationsdich- ten nicht mehr gemäß Zu- lassung oder Prüfzeugnis

möglich. Die vorstehenden Mängel- punkte erstrecken sich über alle Gewerke. Fehlt z. B. in ei-

erstrecken sich über alle Gewerke. Fehlt z. B. in ei- ∂ Planungsfehler: Die regelmäßige Wartung der

Planungsfehler: Die regelmäßige Wartung der Brandschutzklappen ist hier

nicht mehr möglich, da die Kanäle den Zugang verhindern.

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ner Trockenbauwand die Lei- bung bei Kabelschottungen oder der Wechsel für die Inte- gration der Brandschutzklap- pen, ist häufig der Trocken- bauer verantwortlich. Sind aber die Leitungen nicht ord- nungsgemäß befestigt oder die Brandschutzklappen zu weit in der Wand montiert, ist dies meist durch den In- stallateur verursacht. Wenn die Schottungen durch ein Brandschutzunternehmen eingebaut werden, kommt der dritte mögliche Schuldige ins Spiel. Mangelfrei ist die Leis- tung jedoch nur wenn alle Be- teiligten mangelfrei arbeiten, das heißt, der eigene Erfolg ist häufig abhängig von der Ar-

beitsqualität der mit am Bau beteiligten Firmen. Eine immer größere In- stallationsdichte erfordert ei- nen erheblichen Koordina- tionsaufwand. Viele Einzel- probleme entstehen an den Schnittstellen zwischen den Gewerken. Treu dem Grund- satz, wer zuerst kommt schafft Fakten, werden die Installati- onen oft ohne Rücksicht auf andere Gewerke montiert. Bei der Vielzahl der am Bau be- teiligten Gewerke kann diese Einstellung nur zu Problem- stellen und Zwangsrückbau- ten führen.

Sanierungsmängel

Gebäude leben und verän- dern sich. Durch Umnutzung,

optische Umgestaltung oder technisch notwendige Sanie-

rungen ergeben sich Verände- rungen in Gebäuden. Im Rah- men von wiederkehrenden Prüfungen werden beispiels- weise folgende Mängelpunkte oft festgestellt:

∑ Brandabschnitte werden aufgehoben,

∑ F90-Schachtwände werden durch Wände ohne Brand- schutzklassifizierung er- setzt,

∑ nachträglich eingebrachte Rauchabschnitte (Rauch- schutztüren) werden im Zwischendeckenbereich durch die Lüftungstech- nik nicht berücksichtigt (Rauchschürzen in Zwi- schendecken fehlen),

∑ nachgerüstete Revisionsöff- nungen entsprechen nicht der Brandschutzklassifizie- rung der Decke oder Wand, in die sie eingebaut sind,

∑ Nachrüstung von F30-De- cken ohne zusätzliche Be- festigung der Installationen

im Deckenhohlraum,

∑ Elektroleitungen werden in

Lüftungsschächten nachge- zogen und

∑ im Rahmen von Dachsa- nierungen werden häufig

die Kiesschichten von den Flachdächern entfernt. Er- forderliche kompensato- rische Brandschutzmaß- nahmen an den Dach- durchführungen und den Mündungen werden nicht getroffen.

10,14 24 3,62 115 6,045 12 63 2,725 195 6,13 46 63 145 3,98 20
10,14
24
3,62
115
6,045
12
63
2,725
195
6,13
46
63
145
3,98
20
1,125
115
3,34
145
46
Küche
GF: 6,60 m 2
Wohnen
GF: 24,89 m 2
Flur
GF: 14,91 m 2
feuerbeständige Wand, Bauart Brandwand
T30-RS
feuerhemmende, rauchdichte Tür
Fluchtweg
VDS
vollwandige, dichtschließe
feuerbeständige Wand (Raumabschluss)
T30
feuerhemmende Tür
Abst
GF: 2,10 m 2
feuerbeständige Decke (Raumabschluss)
VDS C
vollwandige u. dicht- und selbstschließende Tür
WC
GF: 2,25 m 2
Fluchtweg
VDS
vollwandige, dichtschließende Tür
Umkleide
GF: 8,33 m 2
Bestand
Bestand
B-1
B-2
B-3
B-4
B-5
B-6
B-7
Neuausbau
ausgebaut
Eingang
GF: 8,52 m 2
Tanzsaal
24,605
GF: 53,37 m 2
2,08
24
4,15
115
1,945
60
4,935
115
3,815
6,61
2,08
24
2,39
115
1,65
115
1,01
115
1,10
24
8
2,00
2,935
115
2,415
1,40
6,61
WE I
GE V
Abstell
GF: 3,03 m 2
18 Steigungen 0,172 m
S
16 Steigungen 0,172 m
Abst
15 Tritte 0,256 m
GF: 1,24 m 2
Flur
GF: 7,42 m 2
Terrasse
WC
GF: 16,89
GF: 1,84 m 2
Wohnen
GF: 25,04 m 2
Küche / Essen
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Steigungen 0,167
m
20 Tritte
0,290 m
GF:
17,22 m 2
A
F90 - Decke
über EG
A-2
A-3
A-4
A-1
Eingangflur Treppenhaus
GF:
18,78 m 2
WE III
GE II
WC-Personal
Abstell
GF:
2,76 m 2
GF: 1,23 m 2
Flur
Lager
GF: 9,43 m 2
WC-Damen
GF:
7,69 m 2
GF: 9,37 m 2
WC
GF: 2,46 m 2

Beispiel eines Brandschutzplans (ausschnitt). Durch die erstellung und anwendung eines solchen Plans werden in der regel viele Brandschutzmängel vermie- den.

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∂ Falsche Ständerwerkanordnung und Brandschutzklappe im gleitenden De- ckenanschluss. Bei der Durchdringung einer

Falsche Ständerwerkanordnung und Brandschutzklappe im gleitenden De- ckenanschluss. Bei der Durchdringung einer trockenbauwand mit Brandschutz- anforderung muss die Brandschutzklappe mit einem Wechsel abgefangen wer- den.

Bei der Planung und Durchführung von Sanie- rungsmaßnahmen empfiehlt es sich – soweit vorhanden – das Brandschutzkonzept und

die Brandschutzpläne einzu- sehen und die Maßnahme entsprechend der Vorgaben auszuführen. Bei älteren Ge- bäuden existiert meist kein

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mangelhaft erstellte l90-abkofferung/Brandschutzklappenverkleidung.

Brandschutzkonzept. Je nach Komplexität der Maßnahme sollte bei Bedarf das bestehen- de Brandschutzkonzept ange- passt oder bei älteren Gebäu-

den ein Konzept für den Um- baubereich erstellt werden. Brandschutzmängel entste- hen jedoch nicht nur beim Bau oder der Sanierung von

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Statt Ständerwerk und Gipskarton wurde Kabelschottmasse zwischen die Brandschutzklappen eingebracht.

Gebäuden. Auch die Instand- haltung birgt Gefahren für die Mängelentstehung.

Wartungsmängel

Durch den derzeitigen all- gemeinen Preisverfall von Im- mobilien werden oft auch die Wartungskosten immer wei- ter reduziert. Eine qualifizierte Wartung ist zu den heutigen Preisen teilweise nicht mehr realisierbar. Entsprechend ne- gativ sind die Ergebnisse, die im Rahmen einer wiederkeh-

renden Prüfung durch einen Sachverständigen festgestellt werden können:

∑ Anlagen werden nicht oder unzureichend gewartet,

∑ Wartung der Brandschutz- klappen wird auf eine äu- ßere Wartung beschränkt oder die Brandschutzklap- pen sind mechanisch de- fekt,

∑ Lage der Brandschutzklap- pen ist dem Betreiber oder der Wartungsfirma nicht bekannt,

einsatzbereiche und einsatzzeitpunkt des Sachverständigen

Um größeren Missständen vorzubeugen, unterliegen in den meisten Bundesländern Raumlufttechnische Anlagen in Sonderbauten der Prüfpflicht durch anerkannte Sachver- ständige. Hierbei wird unterschieden in Erstprüfungen vor Inbetriebnahme und nach wesentlichen Änderungen sowie wiederkehrende Prüfungen. Zuständig für den Einsatz der Sachverständigen bei Neu- und Umbauten ist in erster Linie der Bauherr. Dieser kann die Prüfpflicht ggf. an seine Auf- tragnehmer delegieren. Gemeinschaftlich sind sie dann ver-

pflichtet, vor Erstinbetriebnahme für alle prüfpflichtigen An- lagen, die geforderten Prüfbescheinigungen vorzulegen. Da keine Verpflichtung zur baubegleitenden Prüfung be- steht, sind für Neu- und Umbauten folgende Einsatzbereiche für die Sachverständigen zu unterscheiden:

∑ Planprüfung, Beratung während der Ausführungspla- nung,

∑ baubegleitende Prüfung und

∑ Prüfung vor Inbetriebnahme oder nach wesentlicher Än-

derung. In Abhängigkeit vom Beauftragungszeitpunkt kann der Sachverständige sowohl Berater als auch reiner Prüfer sein. Ausschlaggebend für die Einsatzmöglichkeit ist der Beauf- tragungszeitpunkt.

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Einsatzmöglichkeit ist der Beauf- tragungszeitpunkt. 30  ∂ Bei der Wartung der Brandschutzklappe wurde übersehen,

Bei der Wartung der Brandschutzklappe wurde übersehen, dass die Schmelz-

loteinheit defekt ist.

∑ Brandschutzklappen sind mit Farbe überstrichen (Bedieneinrichtungen ver-

klebt),

∑ Lüftungszentrale dient als

Sperrmülllager,

∑ Rauchmelder werden abge- klemmt oder abgeschaltet,

∑ Fehlalarme wegen ver- schmutzter Rauchmelder.

Verantwortlich für einen ordnungsgemäßen Betrieb des Gebäudes ist der Betrei- ber. Er kann die Verantwor- tung jedoch teilweise durch einen Vertrag auf die War- tungsfirma übertragen.

Verbesserungsansätze

Bauwerke sind Unikate mit einer Vielzahl von Schnittstel-

len und Detailproblemen. Häufig werden Problemlö- sungen bis zum Ende hin- ausgeschoben und Fakten in

Beton gegossen. Zum Schluss soll es meist nur noch schnell

gehen. Um diesen Teufelskreis zu

durchbrechen ist es notwen- dig, frühzeitig alle notwen- digen Informationen anzufor- dern. Vor allem sollten auch von den Ausbaugewerken be- reits vor Baubeginn Unterla- gen wie Baugenehmigung, Brandschutzkonzept, Ausfüh- rungsplanung und Detailpla- nungen für Sonderlösungen sowie allgemeine bauauf- sichtliche Zulassungen und Prüfzeugnisse angefordert werden.

Zulassungen und Prüfzeugnisse angefordert werden. ∂ mangelhaft verpresste Brandschutzklappen in

mangelhaft verpresste Brandschutzklappen in massivwänden.

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Bei einer ordentlichen Pla- nung sollten alle Forderungen aus der Baugenehmigung und dem Brandschutzkon- zept umgesetzt sein. Nicht do- kumentierte Abweichungen oder Planungsfehler sind je- doch nicht auszuschließen. Es empfiehlt sich deshalb, die bauordnungsrechtlichen Grundlagen ebenso zu prü- fen wie die technischen Aus- legungen. Unstimmigkeiten

in der Planung, die rechtzei- tig erkannt werden, können in den meisten Fällen zur Klä- rung an den Fachplaner zu- rückgegeben werden. Wenn man zeitlich mit dem Rücken zur Wand steht, ist dies meist nicht mehr möglich.

B i l d e r : Sachverständigenbüro Sander/Donislawski, Hamburg

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ausblick: „Brandschutzmängel in der Planungsphase erkennen und vermeiden“

Finanzkrise, Vertrauensverlust, Qualitätskontrolle auch in der Immobilienwirtschaft! Warum tauchen immer wie- der Brandschutzmängel auf, wer ist der Verursacher und wie sind die Mängel zu vermeiden. In der Ausgabe 12/2008 des IKZ-FACHPLANERs widmen wir uns diesem Thema.